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    Kapitel 16 – Alle Jahre wieder spielen sie das gleiche Lied

    Ich machte mich, bedingt durch den Umzug ins neue Gebäude, sehr ungewöhnlich an einem Freitag auf den Weg. Am Donnerstag Nachmittag hatte Danjels Truppe das Gebäude übergeben, auch Mahad und Vinni hatten was davon gehabt, da Danjel die beiden am Bau beteiligten Ginaf-Zugmaschinen noch mal bei ihnen hatte durchchecken lassen, bevor sie jeweils nach Hause fuhren. Am Samstag würde erstmals eine Anzeige in der Zeitung erscheinen, dass ich eine Büro-Etage und zwei Hallenstellplätze zu vermieten hatte.
    Immerhin ging gerade die Sonne auf, während ich zu meiner inzwischen fast schon normalen Ladestelle bei Linde fuhr. Beim Blick in den Rückspiegel musste ich lachen. Das einzige Gelände in der Umgebung, wo ich noch nie einen Reifen drauf gesetzt hatte, waren meine Nachbarn von BASF. Der DHL-Truck vor mir hatte wohl mal falsch geparkt, jedenfalls dürfte diese Planenfärbung nicht in den Company Guidelines stehen.





    Mit 18 Tonnen Fluor am Haken verließ ich die Heimat und machte mich auf den Weg über die A5 Richtung Süden. Aber schon in Deutschland war das Wetter trotz Dezember schön und wirkte eher wie goldener Oktober.
    Meine Mittagspause legte ich bei Darmstadt ein, wo ich auch gleich mal meinen Truck betankte. Zwar war es nicht angenehm, in Deutschland zu tanken, aber die Schweiz und Italien waren erfahrungsgemäß teurer und bis Griechenland reichte der Sprit nicht mehr. Also gurgelten mal wieder 960 Liter für 1200 Euro in meinen Italiener. Ich wollte gar nicht wissen, was die stramm motorisierten Volvos, MAN oder Scania mit 700 PS und mehr fraßen. Wer es brauchte, weil er im Schwerlastbereich unterwegs war, konnte bei den Margen in dem Geschäft ja gut damit leben, aber wie viele fuhren so ein Ding als Schwanzverlängerung vor Curtainsidern spazieren? Ein Problem, das der Kollege mit dem Renault sicherlich auch nicht hatte, seins dürfte Luftwiderstand heißen.




    „Och neeeeein!“ Auf der A81 setzte wieder Regen ein. Und fast im gleichen Moment passierte ES dann auch. Dass der Moment kommen würde, war mir schon vorher klar gewesen und dieses Mal passierte es auch erst kurz vorm zweiten Advent. Der SWR spielte zum ersten Mal, während ich den Sender in diesem Jahr drauf hatte und als erster Sender, den ich drauf hatte, „Last Christmas“ von Wham! Ich schaltete um auf SR DRS, bloß um bei Zürich das gleiche Lied auf die Ohren zu bekommen. Bei Arth-Goldau steuerte ich einen Rastplatz an und übernachtete dort.
    Vorm Gotthard wurde ich erst mal übelst von einer solo fahrenden DAF-Zugmaschine geschnitten. Danke, Kollege! Jetzt musste ich mich erst mal von unter 30 wieder auf Streckengeschwindigkeit hoch kämpfen. Und die bereits einige Meter vorher eingeschalteten, gelben Dinger hatte ich auch nicht zum Spaß im Tunnel anzumachen. Wenn so ein Manöver mal schief ging, brauchten wir uns wenigstens beide keine Sorgen mehr zu machen. Aber als ADR-Fahrer, der ich seit mittlerweile 10 Jahren war, hatte ich mir angewöhnt, beim Fahren immer an alle potenziellen, unfreiwilligen Massenmörder um mich herum mitzudenken.
    Zwischen Belinzona und Lugano dann hatte ich eine angenehmere Begegnung. Ich überholte einen Containerzug mit einem Ami-Truck davor. Warum lag meine Kamera eigentlich gerade irgendwo in der Beifahrertürtasche herum? Eines Tages wollte ich mir auch einen Spaß-Truck leisten können. Entweder so einen Amerikaner oder einen europäischen Oldtimer, am liebsten natürlich einen TurboStar oder sogar Serie T oder Iveco-Fiat 619. Aber einen MAN F7 bis F9 oder einen Renault Serie R würde ich auch nicht aus der Garage schubsen. Die meisten, die sich für die LKW der späten 70er und frühen 80er interessierten, stürzten sich sowieso auf Mercedes NG, Scania Serie 2 und Volvo F12.
    Bei allerschönstem Himmelblau fuhr ich am späten Vormittag durch Norditalien, aber meine Fähre dürfte ich abschreiben können. Vielleicht würde ich sie noch sehen, aber die Stunde vor Ablegen würde ich unmöglich schaffen können. Und tatsächlich, nachdem ich mich durch den Stau auf Anconas Hauptstraße gekämpft hatte, legte die Fähre gerade ab.




    Also verbrachte ich einen Tag im Hafen, versüßt durch RAI und alle 3 Stunden
    Last Christmas. In Griechenland empfing mich erst einmal eine Schotterstraße. War die Krise so schlimm, dass man nicht einmal die Straßendecke zu einem der wichtigsten Häfen im Land erneuern konnte?




    In Igoumenitsa empfingen mich erst mal wieder „schlafende Polizisten“, wie wir die Dinger in Großbritannien genannt haben, also Holperschwellen. Griechenland war ein Kurzbesuch. Ich tauschte mein Fluor bei ENI gegen 12 Tonnen Neon und war wieder auf dem Weg zur Fähre.




    Dort buchte ich erst einmal den „Parkservice.“ Wenn ich nämlich eine auf 24 Stunden verkürzte Zeit als Wochenruhe verbuchte, durfte ich 4 Tage länger bis zu meiner nächsten fahren. Und über Weihnachten würde ich mehr als nur die fehlenden 21 Stunden nachholen können. Voraussetzung war nur, dass ein Hafenarbeiter meinen Truck auf das Schiff steuerte, denn die Tagesruhezeit durfte man fürs Fahren auf oder von Fähren unterbrechen, die Wochenruhezeit nicht.
    Nach einer weder sonderlich ruhigen, noch außergewöhnlich stürmischen Überfahrt kam ich am Dienstag Mittag in Ancona an.




    Hinter einer Mautstation bei Venedig hielt ich in toller Abendstimmung für meine Dreiviertelstunde Pause.




    Die Fahrt im Abendrot ging weiter, bis ich schließlich an der Grenze zu Österreich wegen des Nachtfahrverbots stehen bleiben musste, auch wenn mir noch über 2 Stunden Lenkzeit blieben. Am nächsten Morgen ging es bei Sonnenaufgang weiter durch die Alpen bis zur Mittagspause auf der Rastanlage Steinfeld. Bis da hin hatte mich jeder eingestellte Radiosender einmal mit dem ganz bestimmten Lied versorgt...
    Genauso unspektakulär und musikalisch einseitig ging die zweite Tageshälfte weiter, bis ich meine Nachtruhe an der tschechisch-polnischen Grenze machte. Spektakulär war in der Nacht vor allem der Regen. Er trommelte dermaßen auf die Kabine, dass ich trotz Ohrsteckern kaum schlafen konnte und mich so schon um viertel vor vier wieder auf die Fahrt machte. Bei ziemlich bescheidenen Sichtverhältnissen und wieder mit gelbem Dauergewitter auf dem Dach kämpfte ich mich durch die Suppe nach Krakow, wo mich mal wieder die vermutlich breiteste Hofeinfahrt der ganzen Stadt bei Bosch erwartete – ach nee, Tabelle falsch rum gehalten. Das Mistwetter sorgte dafür, dass ich im Hof beim Abkuppeln klatschnass wurde, wenigstens hatte sich einer von Bosch in die Regenjacke geschmissen und mich auf dem engen Hof erstklassig eingewiesen.
    Noch nasser wurde ich dann kurz darauf bei Strabag, als ich dort einen Tieflader mit einem Radlader und einem JCB ankuppelte und bei dem Mistwetter die Ladungssicherung prüfen durfte. Dabei grübelte ich, wie diese Bagger, die aussehen wie ein Trecker mit Muldenschaufel vorne und Löffelschaufel hinten auf deutsch heißen. In Großbritannien war JCB nach ihrem größten Hersteller ein allgemeiner Begriff geworden und ich kannte sie noch aus meiner Zeit in Wales so.
    Als ich auf die Autobahn in Richtung Tschechien wechselte, hörte wenigstens der Regen auf und die Sonne kämpfte sich durch. Kurz vor der Grenze nutzte ich noch die niedrigen Spritpreise in Polen aus und zapfte bei einem Literpreis von 1,12 die Tanks voll. Außerdem legte ich hier gleich mal die Pause ein. Wieder einmal ein schönes Panorama bot sich bei der Fahrt über den Thaya-See. Ach ja, Wham! war auch in Tschechien keine unbekannte Band.




    An der Grenze nach Österreich war mittags schon die Lenkzeit um und es wurde eine lange Pause. Ich hatte über eine Stunde Extrafahrzeit nachgedacht, aber ließ es lieber bleiben. Wer weiß, wofür man die noch brauchen könnte. Dank Nachtfahrverbot war nun bis 5 Uhr Stillstand angesagt und so machte ich erst einmal am Nachmittag eine kleine Wanderung durch die Umgebung. Zum Glück regnete es nicht, denn bei 14 Stunden in einem Fahrerhaus konnte einem auch das höchste Kabinendach auf den Kopf fallen. Leider hatte ich immer noch keine Anschlussfracht für Südösterreich.
    Pünktlich um 5 startete ich den Motor und fuhr los. Es war wenigstens trocken und bei wenig Verkehr ging es gut voran auf der Bundesstraße. Wieder auf der Rastanlage Steinfeld, aber dieses Mal in der Gegenrichtung legte ich erst einmal eine Pause ein und besorgte mir ein anständiges Frühstück. Das Panorama auf dieser Anlage war immer wieder beeindruckend, weshalb ich für ein Foto den Hang etwas rauf kletterte.




    Als ich in Klagenfurt bei Hellmann auf den Hof fuhr, dachte ich mir, dass man in meinem Beruf so viele Städte sah und so wenige wirklich kennen lernte. Hier konnte man sicherlich einige Tage verbringen, um einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.
    Sehenswert war auch der Folgeauftrag, der sich zufällig ergab. Der Disponent, ein ziemlicher Frischling fragte, als würde er sich gar nicht richtig trauen: „Haben Sie…?“ „Hast Du!“ „Hast Du schon eine Anschlussfracht?“ „Nein, wieso?“ „Siehst Du das leere Containergestell da unten?“ „Ja.“ „Das müsste nach Sevilla. Könntest Du das übernehmen? Wir zahlen auch 4500 Euro dafür.“




    „Strammer Plan, ich muss bis Samstag Abend aus Frankreich raus sein.“ Er wurde gefühlt 5 cm kleiner, während ich rechnete. Mit gesplitteter Ruhezeit und wenn der Mailänder Ring mich ließ, sollte sich das schon ausgehen. Der Bubi telefonierte inzwischen- „Was macht Ihr eigentlich immer für einen Unsinn mit den Dingern? Inzwischen sind leere Chassis eine der lukrativsten Trailersorten, die man bekommt.“ „Nicht mehr lange. Vor Weihnachten werden die aus allen Himmelsrichtungen ins Binnenland gekarrt. Von Frankreich und aus dem Mittelmeerraum mit Frischware, von den Seehäfen in Holland und Norddeutschland mit Spielsachen. Aber es gibt keine Rückfrachten. In 2 Wochen sind die wieder vom Frachtmarkt verschwunden.“ Der Chefdisponent war aufgetaucht: „5136 Euro für das Chassis nach Sevilla, ist das okay?“ Ich nahm den Auftrag an, koppelte an und bolzte bei einsetzendem Regen vom Hof. Bei Sauwetter und mit einer Stunde längerer Fahrzeit schaffte ich es bis Padova.
    Mitten in der Nacht ging es weiter, so dass ich es noch um Mailand schaffte, bevor der richtig dicke Berufsverkehr einsetzte. Da mein Frühstück bei Padova ein Schokoriegel gewesen war, machte ich nun, kurz vor Genua an einer Mautstelle meine echte Pause und bereitete mir ein vernünftiges Frühstück zu.




    Mit allen erlaubten oder nicht explizit verbotenen Haken und Ösen in der Lenkzeitregelung schaffte ich es tatsächlich noch mit der letzten Minute Lenkzeit und vor dem Sonntagsfahrverbot bis hinter Perpignan an die Grenze nach Spanien. Unterwegs schaltete ich auf CD um, nachdem ich meine Stereoanlage in der Mittelkonsole mit dem neuen Text
    Last Christmas I took you apart! bedroht hatte.
    Sonntag Morgen um 7 Uhr und nach einem guten Essen in dem Restaurant, das in den alten Grenzanlagen eingerichtet worden war, machte ich mich auf den weiteren Weg. Wenn ich es heute bis Madrid schaffte, war ich morgen rechtzeitig für meine Wochenruhe in Sevilla.
    Normalerweise sagte man ja, dass einen die Vergangenheit einholte, aber auf meiner Fahrt schaffte ich es, meine Vergangenheit einzuholen. Das lag vermutlich daran, dass ich dieses scheppernde, leere Chassis mit kaum Eigengewicht am Haken hatte und meine Vergangenheit einen vollen Tank. Vielleicht war es ja ein Hürther Fahrer. Aber als ich näher kam, erkannte ich den dunkelgrünen Renault Magnum, also war es offenbar ein spanischer Subunternehmer. Ich nahm Gas weg, damit er vor mir rein konnte. Er würde gleich hinter der Verengung trotzdem leichte Beute für mich sein.




    Bis zum Nachmittag kam ich auf dem Madrider Autobahnring an und legte meine Nachtruhe ein. Am nächsten Morgen sah ich mal wieder nicht die Hand vor Augen, als ich die letzte Etappe nach Sevilla startete. Bei strömendem Regen stellte ich das Chassis bei Monsanto auf den Hof einer Truthahnzucht und ging in die Verwaltung, auch das Gesicht der Frau, die die Papiere entgegen nahm, sah aus wie drei Tage Regenwetter. „Ja, das Wetter ist nicht so toll.“ „Das ist es nicht. Aber wir wissen noch nicht, was das neue Jahr bringt.“ „Wieso?“ „Die Zentrale gibt einen Großteil des Europageschäfts auf und verkauft Niederlassungen an DuPont Pioneer und Archer Daniels Midland. Wir sind ab 1. Januar ADM.“ „Nicht alle Änderungen müssen schlecht sein. Wäre ich nicht von meiner alten Firma vor einem Dreivierteljahr entlassen worden, würde ich jetzt nicht hier stehen, sondern immer noch Benelux, Großbritannien und Dänemark fahren. So bin ich jetzt mein eigener Chef und war schon in Griechenland, Italien, Polen, Spanien, Algerien, Tunesien und Marokko. Und da habe ich mich damals auch gefragt, wie es weiter gehen soll.“ Na bitte, nun lächelte sie sogar wieder.
    Ich fuhr in mein Hotel und verbrachte das verregnete Wochenende auf meine Zimmer. Eine Fracht von hier zu finden war aber fast unmöglich. Bis zum Mittwochmorgen war ich als dichtestes an die Heimat bis Calais gekommen. Ich hielt eine Option auf die Fracht, hatte sie aber noch nicht angenommen, als mein Handy klingelte, Nummer nicht aus meinem Adressbuch und fing mit +33674 an.
    Toll geschrieben, - schöne Bilder .... TOP :thumbup:

    thx, - bitte weiter so :!: ;)

    VG
    MO
    Mit freundlichen Grüßen
    Martin "MO"


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    Kapitel 17 – Driving Home for Christmas

    Spontan dachte ich, dass ein Franzose übers Internet meine Anzeige gelesen hatte und sich für Büro- oder Hallenmiete einer Außenstelle interessierte. Immerhin hatten die Woche über schon einige Interessenten aus der direkten und weiteren Umgebung angerufen. Allerdings kam dann doch alles anders, als ich mich meldete: „Kaiser Transporte, Ricky Kaiser?“ „Julian Franke, erinnerst Du Dich noch an mich?“ „Ja, klar.“ „Tut mir leid, dass ich Dich anrufe, aber jetzt merke ich erst, wie wenige Leute ich überhaupt kenne und von wie wenigen dann auch noch eine Telefonnummer habe.“ Er hörte sich ziemlich niedergeschlagen an. „Was ist denn los?“ „Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes abgebrannt. Ich sitze in Cordoba fest, Marlon liegt hier im Krankenhaus.“ „Und wo komme ich da ins Spiel?“ Dass ich in der Nähe war, konnte er unmöglich wissen. Und wir kannten uns ja kaum, also hatte ich keine Ahnung, was sein Plan war. „Ich weiß, dass ich gerade echt dreist bin. Aber ich habe keinen Bock auf alleine in Montpellier herumhängen, darauf zu warten, dass Marlon dazu kommt oder mir die Decke vorher auf den Kopf gefallen ist. Da wollte ich fragen, ob ich nach Düsseldorf oder Köln fliegen darf und mich bei Dir einquartieren, um von da den Ruhrpott ein Bisschen unsicher zu machen. Ich hab einfach mal wieder Bock auf Glühwein, Champignons mit Knoblauchrahm und gebrannte Mandeln statt Weißwein, Garnelen und Eisbecher zu Weihnachten.“ Frech war er, das musste man ihm lassen. Aber er hatte auf mich damals bei der Rast einen netten Eindruck gemacht und ich wollte es mal auf einen Versuch ankommen lassen: „Okay, aber das Ticket kannst Du Dir sparen. Ich hole Dich in 3 Stunden ab.“ „Wie? Was?“ „Ich sitze gerade in Sevilla, hatte Wochenruhe und suche eine Anschlussfracht, komme aber als dichtestes bis Calais. Mal in Cordoba zu schauen ist mir Trottel nicht in den Sinn gekommen und da sehe ich gerade eine Ladung nach Bochum.“ Kamen wir nun gar nicht miteinander aus, konnte ich ihn so immer noch unterwegs in Montpellier rausschmeißen.
    Nach nicht ganz den gesagten 3 Stunden hatte ich aus dem Hotel ausgecheckt, war nach Cordoba gefahren und stand im Regen nur noch eine Straßenseite entfernt von dem besagten Krankenhaus.





    Ich fragte mich am Empfang zu Marlons Zimmer durch und bekam durch die einen Spalt offen stehende Tür mehr mit als vorgesehen: „Ich schlage mich schon irgendwie wieder mit der Fahrerei durch, kann ja auch nix anderes. Aber Du solltest Dir besser eine Ausbildung suchen und einen Job lernen, mit dem Du Dich nicht jeden Abend fragen musst, ob Du morgen satt wirst.“ „Ich bin mittlerweile 21! Hör mal auf, mich dauernd zu behandeln wie ein kleines Kind!“ Bevor ich noch mehr mitbekam, was ich nicht mitbekommen sollte, klopfte ich an die Tür und trat ein. Marlons Empfang war ungefähr so nasskalt wie das Wetter: „Was willst Du denn hier?“ „Mich abholen!“ Julian ersparte mir, jegliche Antwort geben zu müssen. „Ich fahre mit nach Bochum und schaue mal, wo ich da Weihnachten gefeiert bekomme, anstatt mir in Montpellier die Decke auf den Kopf fallen zu lassen.“ „Aber Tante Joséphine…“ „Tante Joséphine hat sich, falls Du es nicht gemerkt haben solltest, seit wir bei ihr wohnen, bis zum zweiten Feiertag nicht um uns geschert, weil der Rest der Familie uns nicht sehen will! Soll sie dieses Jahr eben bis Silvester warten!“ Marlon wurde von den Attacken seines Bruders immer kleiner in seinem Bett. Ich stand unbeteiligt und peinlich berührt daneben. „Du kannst doch nicht einfach und ungefragt Ricky zur Last fallen.“ Das schien mir wie ein letztes Aufbäumen, die Hoffnung, ich würde ihm zustimmen. „Ich falle ja auch gefragt zur Last. Und wenn ich erst mal in Bochum bin, komme ich auch so schon irgendwie klar.“ „Dann mach doch, was Du willst.“ Marlon zog sich eingeschnappt die Decke über den Kopf und wir schlichen aus dem Zimmer.
    Zuerst einmal gingen wir auf einen Happen in die Kantine für Patienten und Besucher, dort entschuldigte er sich für den Auftritt: „Tut mir leid, dass Du das alles mitbekommen musstest. Wir haben uns eigentlich noch nie wirklich gestritten, aber heute hat es mir einfach gereicht.“ „Schon gut, das ist Eure Familienangelegenheit. Was ist eigentlich passiert?“ „Ich wollte gestern Nachmittag an einer Ampel anfahren und da gab es nur noch einen lauten Knall und einen Feuerball im Beifahrerspiegel von hinter der Kabine. Vermutlich hat es den Turbo zerrissen und irgendein Teil hat was von unserem Orientfahrer-Gaskocher getroffen. Marlon wollte löschen, aber der Wind stand falsch für die Seite vom Lastzug und er hat das Pulver eingeatmet. Er soll aber spätestens am 24. wieder aus dem Krankenhaus kommen. Unser Truck ist völlig ausgebrannt, MSC hat einen 20er Container weniger und einige hundert Belgier werden ihren Weihnachtsbraten nicht in Olivenöl anbraten können.“
    Nach kurzer Fahrt waren wir bei ENI angekommen und ich fuhr die Zugmaschine vor den Trailer, auf dem der Tanktainer mit Kaliumkörnern in Sperrflüssigkeit gegen Sauerstoff und Feuchtigkeit stand. Julian sprang aus der Kabine: „Ich hole mal die Papiere, okay?“ Ich nickte und fing an, unter den Trailer zu fahren. Als ich alle Verbindungen fertig hatte und an die Lichtprüfung gehen wollte, kam Julian schon wieder und schoss dabei ein Foto vom Truck.




    Er stellte sich hinter den Zug und gab mir Zeichen, dass alle Lampen funktionierten. Dann kletterte er wieder in die Kabine. Ich sah mir kurz die Frachtpapiere durch, es war alles in Ordnung. Nur zwei Ampeln weiter gesellte sich zum Grummeln des Cursor 10 unter mir und dem Prasseln des Regens über und vor mir noch ein gleichmäßiges Atmen neben mir, Julian war eingeschlafen.
    Immerhin hörte noch deutlich vor Madrid das Prasseln auf und die Sonne ging im Kampf der Wetterlagen mal wieder in Führung.




    Vor dem Autobahndreieck auf den Ring um Madrid zog ein PKW-Fahrer in letzter Sekunde auf die Richtung Süden abbiegende Spur und so legte ein Kollege in einem solo fahrenden MAN eine Vollbremsung hin und zwang mich dazu, es ihm gleich zu tun. Julians Kopf flog nach vorne und er war wach. „Tut mir leid, aber der Schuldige hat den MAN geschnitten!“ Ich zeigte auf den TGX besorgniserregend dicht vor uns. „Schon gut. Ringstraße Madrid?“ „Ja. Ich muss aber auf der nächsten Raststätte eine Pause machen. Dann haben wir noch 2 Stunden bis meine Zeit rum ist.“ „Noch eine freche Frage, darf ich weiter fahren? Dann haben wir noch Zeit bis Deine 13 Stunden zwischen zwei Ruhezeiten anfangen.“ „Der LKW ist nur auf mich versichert und das da hinten ist Gefahrgut.“ „ADR 3 und 4.3 hab ich, Alkalimetalle musst Du hier öfter fahren. Aber das mit der Versicherung leuchtet mir ein. Dachte nur, wenn wir zu zweit fahren, sind wir einen Tag früher da." Ich sah ihn erstaunt an. „Du darfst am Tag 9 Stunden fahren. Die Strecke sind etwas über 30 Stunden, also fährst Du nicht ganz dreieinhalb Tage. Wenn ich auch fahre, schaffen wir 13 Stunden am Tag, also die ganze Strecke optimal in kaum mehr als zwei Tagen.“ Seine Rechnung hatte was für sich, also wählte ich mal schnell Dennis Nummer. „Volksbank Bochum-Witten, Sie sprechen mit Dennis Seiler.“ „Hallo Dennis, mach den Schlips locker. Ricky hier.“ „Hallo Ricky. Was kann ich für Dich tun.“ „Was kostet mich der Spaß, meinen LKW für jeden Fahrer zu versichern?“ „Was heißt jeden? Nicht angestellt?“ „Nein.“ „Wie alt und wie lange den Führerschein?“ „Julian?“ „21 und wenn Du so fragst seit 4 Monaten.“ „Ich muss so fragen. Verschone mich mit Details, wie die Antwort ausgesehen hätte, wenn ich anders gefragt hätte.“ Inzwischen hatte er die Rechnung fertig, Julian zuckte zusammen, als er den Wert hörte. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, auch wenn es kein Pappenstiel war. „Ich rufe Dich gleich noch mal an. Wenn wir das ändern, darf er dann sofort fahren?“ „Ja. Kriegst es zwar erst in ein paar Tagen schriftlich, aber die Änderung gilt ab sofort.“
    „Du musst das nicht für mich machen. Fahren würde mich zwar auf andere Gedanken bringen, aber Du machst schon so viel für mich, da musst Du nicht noch Deine Versicherungskosten für mich hochtreiben.“ „Zeig mal der Ordnung halber Deine Papiere.“ Er reichte mir Führerschein und ADR-Bescheinigung, wollte gleichzeitig Luft holen, um noch mal zu betonen, dass ich das nicht machen musste. Aber ich hatte schon gewählt, während die ersten Schilder für den Rastplatz vorbeizogen. „Hallo Dennis. Setz bitte die Versicherung rauf für alle Fahrer.“ „Okay, ist drin.“ Spanien war auch ein Tankparadies, 1030 Liter zu je 1,10 Euro fanden ihren Weg in den Tank.




    Als ich vom Bezahlen kam, stieg ich ungewohnt auf die Beifahrerseite ein, Julian kletterte auf den Fahrersitz und ich gab ihm den Schlüssel. Er schob seine Fahrerkarte in den Slot und sah sich erst einmal hilflos in Richtung Shifter um, während er sich den Sitz einstellte: „Ich bin nur den Fahrschul-Axor und unseren 13-Gang gefahren, beide handgerissen.“ „Der hat Automatik, kann man auch sequenziell selber schalten. Aktuell ist er aber auf Automatik. Einfach den Shifter dreimal runter ziehen, bis Du D1 oben rechts im Display hast und das war’s. Handbremse ist der da und der Rest Standard.“
    Julian fuhr vorsichtig los, aber schon nach kurzer Zeit wurde er sicher und fuhr schneller. Wir sprachen ein Bisschen darüber, was er denn in Deutschland vorhatte. Mehr und mehr hörte ich raus, dass er eigentlich gar keinen Plan hatte, aber einfach los ziehen wollte. Meiner sah eigentlich vor, wie immer zu meinen Eltern und meiner Schwester mit ihrer Familie ins Sauerland zu fahren, aber den warf ich schnell über Bord: „Bleib doch über die Feiertage bei mir.“ „In der engen Bude? Außerdem, hast Du keine Familie?“ „Dann fahre ich später zu denen. Und mein Containerdorf steht zwar noch, aber ist leer. Seit 3 Wochen habe ich eine neue Halle mit Gebäude dran. Da ist auch eine vernünftige Wohnung drin. Für einen alleine fast schon zu groß. Ich kriege Dich schon ein paar Tage unter.“
    Bevor meine Arbeitszeit für den Tag zu Ende war, kamen wir noch bis hinter Zaragoza und Julian stellte den Lastzug auf einem Rastplatz ab. Wir gingen rüber zum Abendessen und danach machte ich Julian die obere Liege fertig. Ich konnte die Nacht nicht so gut schlafen, was wohl daran lag, dass ich noch nie mit zwei Personen in einem Fahrerhaus übernachtet hatte. Immerhin war der Regen auf dem Weg zu Dusche und Frühstück im Rasthaus so erfrischend, dass man mir das hoffentlich nicht allzu sehr ansah. Auf jeden Fall fühlte ich mich gar nicht so müde wie erwartet, als wir zum Truck zurückgingen.




    Julian fuhr und ich nickte doch noch einmal ein. Als ich wieder aufwachte, sah ich die Landesflaggen von Spanien und Frankreich an Masten. Wir waren an der Grenze und Julian hatte seine Viereinhalb Stunden um. Nach einem kurzen Snack tauschten wir die Plätze und ich fuhr weiter. Julian wurde immer schweigsamer, umso kleiner die Zahlen neben Montpellier auf den Kilometertafeln wurden. Als ich an der Mautstation vor seiner Heimatstadt bezahlt hatte, sagte er endlich: „Das war sonst immer unsere Heimatstation. Von hier noch ein paar Kilometer und wir hatten mal wieder ein Zuhause mit richtigem Bett und richtiger Dusche. Wenn der alte Mann in der Mautbox gesessen hat, hat er sich immer über unseren Truck gefreut, weil er die sonst kaum noch im Fernverkehr gesehen hat. Ich kann kaum glauben, dass es damit für immer vorbei ist. So ein Truck wächst einem in den Jahren doch ans Herz.“




    Danach starrte er aus dem Fenster, wie die Stadt an uns vorbeizog. Hinter der Stadt zog ich auf einen Rastplatz und wir tranken einen Kaffee.




    Er ließ mich weiter fahren, aber nun, wo Montpellier hinter uns lag, war er gelöst und erzählte mir auf der Fahrt sein Leben. Es war eine heftige Geschichte und es wirkte so, als wollte er schon immer mal jemandem sein Herz ausschütten, der mit der Sache direkt nichts zu tun hatte. Nun war ich der Jemand, für über zwei Tage zusammen in einem Fahrerhaus eingepfercht und trotz der 13 Jahre Altersunterschied kamen wir bestens miteinander klar: „Wir sind anfangs in Essen aufgewachsen, unser Vater Deutscher und unsere Mutter Französin. Es war nie toll zu Hause, jeder hat sich mit jedem gestritten, nur wir zwei Jungs haben zueinander gehalten. Als Marlon 15 und ich 7 waren, hat sich unsere Mutter umgebracht. Unser Vater ist daraufhin abgehauen und lebt seitdem irgendwo in Asien. Thailand, Singapur, frag mich nicht. Er hat sich sowieso nie wieder gemeldet. Die nächste Verwandte war unsere Tante und so sind wir nach Frankreich gekommen. Marlon musste noch zwei Jahre Schule nachholen, bis er den französischen Abschluss hinbekommen hat, danach hat er den LKW-Schein gemacht und ist erst mit Siebeneinhalbtonnern für einen Getränkehandel gefahren. Mit 21 dann kam der Schein für die großen Trucks und der alte, aber damals noch ganz gute Renault war sein Traum. Es hätte vermutlich jede andere Marke sein können, aber ein eigener, gut gepflegter Truck, den er sich von seinem bescheidenen Geld leisten konnte. 2008 kamen aber mehr und mehr Forderungen gegen unsere Eltern, die sich vollkommen überschuldet hatten. Das Haus, das unsere Tante auch verwaltete, ließ sich nicht mehr vermieten, weil es zu groß und teuer geworden war in der aufziehenden Krise und wurde weit unter Wert zwangsversteigert. Bisher hatten die Mieten die Forderungen gedeckt. Sie hatte zwar das Haus für uns gut verwaltet, aber für uns zahlen wollte unsere Tante nicht. Unser Vater war nicht zu greifen, aber mit einer Menge Geld damals durchgebrannt. Also kamen die Forderungen bei uns an. Sie ließen Marlon den Truck, weil er wohl nicht genug einbringen würde, aber er fuhr ab dann nur noch für die Bank. Als ich die Schule fertig hatte, bin ich einfach zu ihm in den LKW gezogen. In Afrika hat er mir gleich Fahren beigebracht, da interessiert das eh keinen. Ich habe also 5 Jahre Fahrpraxis. Zu zweit in Afrika waren wir viel effektiver und konnten so wenigstens die Schulden abstottern. Die letzte Rate für die Schulden unserer Eltern ist jetzt Anfang Dezember raus, der Truck gehörte uns seit Oktober. Und pünktlich zu diesem Erfolg brennt die Karre wegen dem Wartungsrückstand ab und wir haben nichts mehr. Dazu haben wir nun auch noch den ersten Streit untereinander. Dein Lebenslauf ist wohl ruhiger?“ „Wenn Du in 14 Jahren dreimal den Job verloren, einen für die Liebe selber aufgegeben und diese Beziehung später wegen des Truckerjobs zerbrochen ruhig nennst, dann ja. Und chronisch keine Kohle hab ich auch. Die Schulden haben aber wenigstens eine eigene Immobilie und diesen Truck als Gegenwert.“ Ich plauderte nun aus meinem Leben quer durch Sauerland, Hessenland, Britenland, Rheinland und Westfalenland, bis wir kurz vor Lyon auf einem Rastplatz die Tagesetappe beendeten.
    Am nächsten Morgen schafften wir es gerade noch vom Rasthaus zurück in die Kabine, bevor der Regen einsetzte. Ich fuhr ereignislos durch bis zwischen Dijon und Metz, wo Julian nach kurzer Rast übernahm.




    Der Regen ließ uns dann ab Reims zum Glück in Ruhe. Unseren letzten Fahrerwechsel machten wir an einer Tankstelle in Luxemburg. Zwar war noch knapp über die Hälfte drin, aber wer diese Preise nicht mitnahm, war wirklich schuld.
    Ich fuhr die letzte Etappe und merkte, dass Julian wieder schweigsamer und angespannter wurde, als wir durch Essen kurvten. Inzwischen lief Chris Reas „Driving Home for Christmas“, ein Lied, bei dem ich auch immer etwas melancholisch wurde. Insbesondere in der ländlichen Westspitze von Wales, wo Weihnachten noch bewusster gefeiert wurde, als in Deutschland, war es immer wieder ein Erlebnis, wenn ich mit meinem ERF durch Dörfer und Kleinstädte fuhr, mit etwas Glück sogar Schnee auf den Hügeln lag und Weihnachtsbäume in Gärten, Wohnzimmern und auf Plätzen leuchteten. Dazu dieses Lied auf der letzten Tour Richtung Heimat und es war perfekt.
    Es war schon dunkel, als wir vor Linde ankamen. „Parkst Du ein, dann gehe ich aufs Büro. Hier kennen sie mich alle. Wenn Du kommst, gibt das nur verwirrte Gesichter und unnötige Fragen.“ Ich stellte mit Julians Hilfe noch den Trailer auf die zugewiesene Position und während er das Anhängsel abkuppelte und sicherte, machte ich den Papierkram im Gebäude klar.




    Nun waren es nur noch ein paar Minuten bis nach Hause. Ich stellte den Truck in die Halle und wir gingen durch die Verbindungstür ins Bürogebäude und die zwei Treppen rauf in meine Wohnung.
    STARK, - tolle Fortsetzung, - thx ... und bitte weiter so :thumbup:
    Mit freundlichen Grüßen
    Martin "MO"


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    Kapitel 18 – Die Weihnachtsengel von Bochum

    Am nächsten Morgen, als ich gerade den Frühstückstisch abräumte, klingelte Julians Handy. „Guten Morgen.“ – „Ja, in Bochum.“ – „Nein, Ricky hat eine neue Halle mit Nebengebäude und viel Platz.“ – „Schon schlechter als auf seinem Sofa.“ – „Nein, bedeckt und um die 7 Grad. So weihnachtlich leider auch nicht.“ – „Mal die LKW-Händler im Umland abklappern und dann auf einen Weihnachtsmarkt.“– „So lange ich nicht da war, weiß ich es ja nicht.“ – „Doch, ich ziehe das durch.“ – „Dann tu mir einen von zwei Gefallen. Komm nur hier her, wenn Du akzeptierst, dass ich, ob mit oder ohne Dich, Fernfahrer bleibe! Oder komm gar nicht!“ Ich dachte mir meinen Teil, als Julian mir plötzlich sein Handy entgegen streckte: „Mein Bruder für Dich.“ Ich nahm ihm das Telefon ab: „Hallo Marlon, Ricky hier. Wie geht es Dir?“ „Hallo Ricky. Mir geht es täglich besser. Die Flüssigkeit in der Lunge wird weniger, nachdem das Löschpulver sich mittlerweile zersetzt hat, jetzt muss ich hoffen, dass die leicht reizenden Rückstände vom Pulver keinen Schaden hinterlassen, während sie abgebaut werden. So eine Lunge kann man ja schlecht spülen. Ich hoffe, Julian und Du kommt miteinander klar.“„Ja, er ist doch pflegeleicht.“„Ich darf Heilig Abend nach der Morgenvisite wohl hier raus, wenn es bis da hin keine Komplikationen gibt. Ich weiß, dass ich zu Dir jetzt nicht nett war und auch mit Julian noch Streit habe. Aber ich würde schon ganz gerne kommen. Darf ich?“„Von mir aus ja. Aber bitte keinen Streit unter Brüdern. Eure Familiensachen gehen mich zwar nichts an, aber wenn Ihr sie auf meinem Grund und Boden austragt, tun sie es doch.“ „Seine Ansage war ja deutlich genug. Ich dachte, ich könnte ihn zu einem besseren Leben überreden, wenn ich schon nix vernünftiges gelernt habe.“ „Was machst Du denn unseren Job jetzt so schlecht?“„Die ewige Unsicherheit, reich wird man davon auch nicht und mal irgendwann eine Familie gründen wird auch schwer. Jetzt stehen wir vor dem Nichts, da dachte ich, Julian wäre in einem geregelten Leben besser aufgehoben.“„Ich stand schon drei mal in meinem Leben vor dem Nichts, weil ich aus einer Firma geschmissen wurde. Beim ersten bin ich Trucker geworden, nachdem ich in meinem ‚sicheren’ Beruf als gelernter Landmaschinenschlosser gearbeitet hatte. Das zweite war eine Firmenpleite und brachte mich nach Wales, eine Erfahrung, die ich für nichts auf der Welt zurückgeben möchte und wo ich – nachher ist man immer schlauer – die schönste Zeit in meinem Leben hatte. Und als drittes bin ich Selbstständig geworden, nachdem mich eine Entlassungswelle rausgespült hat. Ich würde um nichts der Welt den Truck gegen die Werkbank, an der ich gelernt habe, zurücktauschen wollen. Julian kann ich deshalb schon gut verstehen. Aber um darauf zurück zu kommen. Wenn Du willst, komm her, bist gerne eingeladen über Weihnachten.“

    Danach machte ich mich mit Julian auf den Weg zu den LKW-Händlern der Region. Wir fingen an in Dortmund bei MAN. Die Preise waren ihm viel zu hoch, also fuhren wir weiter nach Recklinghausen zu Iveco.




    Ich hielt mich bei Mario im Hintergrund und telefonierte mit einem Interessenten für die Büroräume, bekam aber trotzdem mit, dass er auch nichts für Julian tun konnte. Nachdem es bei Renault in Düsseldorf auch nicht besser aussah, brach Julian die Aktion traurig ab: „Wie soll man denn ein Unternehmen gründen, wenn einem keiner eine Chance gibt? Wie hast Du das denn geschafft?“„Auf Kredit, aber mit der alten Halle und dem riesigen Grundstück mitten im Ruhrgebiet im Rücken. Sogar das war aber noch schwierig.“„Oh Mann, ich liebe einfach die Renaults, muss dran liegen, was ich mit unserem R365 alles erlebt habe.“„Kenne ich. Auch wenn ich in Wales ERF, also technisch MAN gefahren bin, liebe ich Ivecos. Einfach wegen meinen ersten Jahren und dem TurboStar. Was man da erlebt, vergisst man nicht.“„Für so einen Magnum würde ich morden.“„Mach mir keine Angst.“ Wir lachten. „Dich doch nicht. Und ein Premium wäre auch schon ein Traum. Ich hätte auch jeden anderen genommen, wenn ich nur weiter machen kann. Aber das Leasing müsste einfach 15 bis 20 Prozent günstiger sein. Dann muss ich wohl doch Bewerbungen schreiben. Lass uns auf den Weihnachtsmarkt gehen.“„Tut mir leid, aber ich habe eine Menge zu erledigen. Darf ich Dich alleine lassen?“ Er war sichtlich enttäuscht. „Na gut. Wann bist Du wieder da?“„Keine Ahnung, aber ich habe einen Zweitschlüssel einstecken. Nimm den und fahr mit dem Zug. Langendreer West mit der S-Bahn, den Ausgang an der Hauptstraße, rechts die Straße runter, an der Ampel wieder rechts, und dann siehst Du die Halle schon in der nächsten Straße, die links ab geht.“



     
    Julian trottete die Straße runter zur Straßenbahnhaltestelle und ich stieg in mein Auto. Na da hatte ich mir mal wieder was vorgenommen. Den Rest des Tages und den Samstag düste ich von einer Stelle zur nächsten. Hat eigentlich mal jemand versucht, einen kurzfristigen Termin beim Rechtsanwalt zu bekommen? Endlich, am Sonntag kam auch bei mir weihnachtliche Stimmung auf. Gemeinsam mit Julian schlenderte ich durch die Bochumer Innenstadt. Der Montag war auch ruhig und Julian fuhr noch mal alleine los. Auch ich musste wohl noch ein paar Geschenke für verschiedene Leute organisieren und machte mich auf den Weg.

    Heilig Abend meldete sich am Nachmittag Marlon. Julian beschrieb ihm den Weg und nach über einer Stunde klingelte es. Kurz danach war er oben bei uns in der Wohnung. Zwar stritten sich die Brüder den ganzen Nachmittag nicht, aber ich merkte wohl, dass die Sache noch nicht ausgestanden war. Ich hatte mich entschieden, für den Abend very British Truthahnbraten mit Yorkshire Pudding und Gemüse zuzubereiten. Zu meinem Glück verstanden die beiden nicht viel vom Kochen, wenigstens nicht von einem Festessen und den Mengen. Sonst hätten sie wohl gefragt, welche Armee ich noch erwartete.

    Irgendwann gegen Sechs Uhr, als der Bratenduft sich langsam in der Wohnung breit machte, ergriff Julian das Wort: „Ricky, ich bin Dir unglaublich dankbar, dass Du mich hier über die Tage aufgenommen hast und auch Marlon eingeladen hast. Während Du in den letzten Tagen so viel unterwegs warst, habe ich Dir daher ein kleines oder auch nicht so kleines Geschenk organisiert. Jetzt sieht Marlon wohl etwas blöd aus ohne Geschenk und auch Du bist vielleicht nicht vorbereitet, aber ich konnte nach den letzten Tagen nicht mit leeren Händen hier stehen. Ich hoffe, es gefällt Dir – oder besser er gefällt Dir.“ Er ging nach nebenan, ich tippte schnell „5 Minuten!“ in mein Handy und verschickte die Nachricht über Whatsapp. Julian holte aus dem leer stehenden Zimmer nebenan ein riesiges, viereckiges Geschenkpaket hervor. Ich packte es auf und mich glänzte ein 1:18 Modell eines Iveco TurboStar im klassischen Silber mit rot-gelb-blauer Kriegsbemalung an. „Werde ich zwar in der Einmann-Firma selten genug sehen, aber der bekommt seinen Ehrenplatz im Büro. Danke!“ Als ich Julian umarmte klingelte es an der Tür. „Marlon, mach mal auf. Ist vielleicht der Weihnachtsmann.“ Er guckte blöd aber ging in den Flur.

    Als ich ein „Hohoho!“ hörte, war mir klar, dass die zwei den Blödsinn mit dem Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht durchgezogen hatten, auch wenn ich es nicht ernst gemeint hatte, als ich es gesagt hatte. Egal wie rum sie es machten, es war auf jeden Fall ein Bild für die Götter, der Stimme nach gab es nun also einen kleinen und unterernährten Weihnachtsmann. Der sichtlich verblüffte Marlon kam nun also gefolgt von einem ziemlich kümmerlichen Santa Claus-Vinni mit Wattebart und einem roten Bademantel, in dem er fast absoff, ins Zimmer zurück. Knecht Mahad-Ruprecht überragte seinen Gebieter um mehr als einen halben Kopf, steckte in einer schwarzen Jeans und einer olivgrünen Bundeswehrjacke mit Kapuze und schleppte einen Sack mit Geschenken und eine Rute. Ich hätte schreien können vor Lachen. Julian guckte, als ob er mich fragen sollte, was das Schauspiel zu bedeuten hatte. Vinni kramte umständlich ein Notizbuch raus. Dann sah er mich an: „Du bist Erik?“ Ich nickte. „Und Du warst auch immer artig?“„Ich denke schon.“„Ja, so steht es hier auch. Du warst immer fleißig, immer freundlich und hast kurz vor Weihnachten noch Kollegen in Not geholfen. Das ist löblich.“ Er blickte wieder in das Notizbuch, dann zu Julian. „Dann soll hier noch jemand namens Julian sein? Bist Du das?“ Er hatte sich entschieden, das blöde Spielchen mitzumachen und nickte. „Und wie war Dein Betragen im letzten Jahr?“ „Ich hoffe doch gut.“ Vinni blätterte skeptisch in dem Buch: „Na ob ich das so glauben soll? Immerhin steht hier, Du bist ohne Führerschein Lastwagen gefahren. Stimmt das so?“ Julian wurde blass vor Überraschung, obwohl ihm klar sein musste, dass ich ihnen das gesteckt hatte und die zwei bestimmt keine bösen Absichten mit der Information hatten. Marlon war richtig erschrocken. Offenbar fing er mit 29 an, wieder an den Weihnachtsmann zu glauben, nachdem er vor gut 20 Jahren erfahren haben dürfte, dass es den gar nicht gab. „Auch wenn es mit guten Absichten war, sollst Du nichts Verbotenes machen. Aber ich denke, dass ich Knecht Ruprecht trotzdem nicht befehlen muss, die Rute auszupacken.“ Es wurde immer schwerer für mich, nicht laut loszulachen. Vinni blickte wieder in sein Notizbuch und dann sah er Marlon an. Nun wurde es spannend, wie er reagierte. „Dann musst Du Marlon sein?“ Er nickte überraschend eingeschüchtert. „Und bist Du im letzten Jahr artig gewesen?“ Julian wusste zwar immer noch nicht, was hinter der Sache steckte, aber er sah dennoch zu seinem Bruder, wie er reagierte. Und offenbar war ein roter Bademantel ein ziemlich beeindruckendes Kleidungsstück, denn obwohl auch Marlon klar sein musste, dass die zwei nun absolut irdischen – bei Vinnis leicht moselfränkischem Akzent als Andenken an sein Elternhaus genauer gesagt Trierer – Ursprungs waren, schielte er kurz zu seinem Bruder, der ihn gespannt anschaute und schüttelte kleinlaut den Kopf. „Wieso? Was hast Du getan?“ „Ich habe in den letzten Tagen meinen zwar jüngeren, aber erwachsenen und ein gutes Stück größeren Bruder behandelt wie ein kleines Kind. Ich wollte ihm vorschreiben, was er machen soll und wir haben uns deshalb ziemlich gestritten.“ „Ja, es ist nicht immer leicht, wenn einem die Brüder über den Kopf wachsen.“ Ich prustete einmal kurz. Der Spruch war dann doch zu viel. „Ja, ich bin nun mal der kleinste aus der Familie Weihnachtsmann, was gibt es da zu lachen?“ Vinni versuchte, mich möglichst grimmig anzuschauen. „Und was machen wir jetzt mit Dir, Marlon?“ „Ich weiß auf jeden Fall, was ich mache. Kannst Du mir verzeihen, Julian?“ Dem standen die Tränen sofort in den Augen und die Brüder fielen sich um den Hals.

    Als sie sich nach einem Moment wieder los ließen, machte Vinni die Show weiter: „Knecht Ruprecht, was haben wir denn an Geschenken?“ Der setzte den Sack ab und holte drei Geschenkpakete raus. Eins war knapp anderthalb Meter lang und schmal, die beiden anderen waren kürzer, breiter und eher rechteckig. „Da steht auf allen der Name Erik drauf.“ „Na dann müssen sie auch für den sein.“ Ich nahm die Pakete in Empfang, was drin war wusste ich sowieso, dachte ich zumindest. In dem langen war in der Tat der Lampenbügel. Aber als ich die kleinen auspackte, war ich überrascht. Denn statt der einfachen Bosch-Fernlichttöpfe waren es teure Hella-Einheiten mit Angle-Eye Standlicht. „Julian, Marlon, es tut mir leid. Aber Euer Geschenk konnte ich unmöglich hier rauf schaffen. Am besten werft Ihr mal einen Blick auf den Hof.“


     

    Julian benahm sich nun doch nicht wie 21, sondern eher wie 11, als er in den Flur rannte und dann in das Zimmer auf der Gebäudevorderseite. „Was ist das?“ Man konnte in der Dunkelheit ein paar Lichtpunkte ausmachen, die aber schon eindeutig verrieten, was es sein musste. Julian wollte es wohl nur nicht glauben, was ich aber gut verstehen konnte. „Du wirst wohl nach unten gehen müssen, um es herauszufinden.“ Er rannte wieder wie ein 11-Jähriger die Treppen runter und aus der Tür. Ich drückte unterwegs mal einen der Lichtschalter, damit er auch sah, was da auf ihn wartete. Der Jubelschrei war deutlich zu hören, jetzt fing auch Marlon an zu rennen. Als wir unten ankamen, saß Julian heulend auf der Seitenverkleidung und Marlon hielt ihn im Arm.

    Marlon sah mich an: „Du bist entweder nicht der arme Kleinunternehmer, für den Du Dich ausgibst, ein echter Engel mit dem echten Weihnachtsmann oder einfach nur verrückt.“ „Keins von allem. Am Ende auch nur Geschäftsmann, aber mit Helfersyndrom. Der Haken an der Sache dürfte auf dem Fahrersitz liegen, aber kein wirkliches Problem sein.“ Die beiden öffneten die Tür, Julian angelte den Briefumschlag vom Sitz und zog die Papiere raus. Es war ein Leasingvertrag, in dem meine Firma als Leasinggeber auftrat. Sie lasen den Vertrag und ein paar Wortfetzen kamen durch: „Ganz schön teuer.“„Quatsch. Steuer und Versicherung sind doch mit drin. Wenn Du das rechnest, ist es ein Schnäppchen.“ Dann fiel Julian mir um den Hals: „Danke, ich unterschreibe das auf jeden Fall.“ Marlon bedankte sich nicht ganz so kontaktfreudig, aber drückte mir doch sehr lange die Hand: „Vielen Dank. Das bedeutet uns sehr viel. Ich habe gemerkt, dass Julian in dem Job bleiben will und ich hoffe, ich darf bei ihm bleiben.“„Was soll das denn? Klar bleibst Du!“ „Und was, außer dieser dämlichen Maskerade, habt Ihr damit zu tun?“ Marlon schaute zu Mahad und Vinni: „Überführung, Zulassung und Klebefolie. Der stand bis gestern um 8 Uhr früh noch ziemlich langweilig hellsilber in Düsseldorf beim Händler rum. Wir haben eine Straße weiter eine LKW-Werkstatt. Und die dämliche Maskerade ist jetzt auch zu Ende.“ Vinni zog sich den Bart ab und stopfte ihn in die Mülltonne im Treppenhaus, ein paar Fransen blieben auf dem Sprüh-Heftpflaster kleben und sahen witzig aus. Also verkrümelte er sich oben ins Bad, um den Kram endgültig abzuwaschen.

    In der Küche war inzwischen das Essen fertig, also tischte ich auf. Dabei wollte Julian wissen, wie ich das hinbekommen hatte. „Was will denn Renault? Die wollen Geld verdienen, also ist das Leasing bei denen so gerechnet, dass sie in 5 Jahren die Differenz zwischen Listenpreis und Restwert komplett reinkriegen. Ich habe den Truck gekauft und bar bezahlt.“„Von welchem Geld? Ich denke Du hast auch nichts.“„Geld gibt’s auf der Bank… Ich habe einen guten Draht zu meinem Berater und ein paar Sicherheiten. Bar auf Kralle ist so ein Truck schon mal 15 bis 20 % günstiger als auf dem Schild in der Frontscheibe. Außerdem muss man kein Mathegenie sein, um mit Hilfe von Neupreis, marktüblichen Rabatten für Barzahlung, Gebrauchtwagenpreisliste und Zinstabelle einer beinahe beliebigen Bank auszurechnen, dass ich mit der Leasingrate nicht wirklich was verdiene. Ich berechne Euch da nur den Wertverlust zwischen Restwert und meinem Einkaufspreis, die Kosten für Steuer und Versicherung und die Bankzinsen. Ein kleines Taschengeld bleibt für mich hängen.“

    Nach dem Abendessen verabschiedeten sich Mahad und Vinni. Ich war ihnen dankbar, dass sie mir diese Aktion noch ermöglicht hatten und dafür ihren Besuch bei den Eltern auch um einen Tag verschoben hatten. Aber am nächsten Morgen wollten sie früh los nach Trier. Meinen Iveco nahmen sie mit, um ihn bis Neujahr noch mal durchzusehen.


     

    Am ersten Feiertag sahen wir uns den Truck mal im Tageslicht an und die beiden drehten eine kleine Runde durch den Stadtteil. Zum Glück zählten Solo fahrende Zugmaschinen nicht als LKW und waren daher nicht vom Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen betroffen.




    Dann wurde ich überrascht. Marlon kommentierte es, als er auf den Hof schaute, trocken mit „Hilfe, die Sauerländer kommen.“„Was?“ „Da fahren zwei Autos mit HSK-Kennzeichen auf den Hof.“ „Zwei?“ „Ja, ein Ford Fusion und ein VW Sharan.“ Kurz danach klingelte es und meine Schwester mit ihrem Mann und den zwei Kindern sowie unsere Eltern kamen die Treppe hoch. Nach dem Motto „Wenn der Prophet nicht zum Berg will, muss der Berg zum Propheten kommen“ war also meine ganze Familie jetzt hier aufgeschlagen. Gut, dass ich noch die Geschenke für alle organisiert hatte.

    „Onkel Ricky, ich will mit Deinem Lastwagen fahren.“ Die erzieherische Stimme meines Schwagers antwortete sofort: „David! Wie heißt das?“ „Bitte.“ „Mein Lastwagen ist in der Werkstatt.“ „Und wem ist der vor der Tür?“„Der gehört Marlon und Julian. Aber vielleicht gibt Julian mir den Schlüssel.“ Klar gab er den und zur Freude des Kleinen fuhr ich ihn einmal durch den Stadtteil. Meine Nichte war nicht interessiert, auch mitzufahren, also hatte David die große Runde gewonnen.



    --------------------------------------------------- 

    Hiermit endet mein Tagebuch für 2013. Bis Neujahr werde ich mal meine gewonnenen Steam-Spiele ausprobieren. Ich wünsche allen meinen Lesern noch ein Frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Jahr 2014.

    Sehr schöne letzte Fortsetzung für 2013 :!: :thumbup:

    Dann wünsche ich dir ebenfalls schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    ... ich freue mich bereits auf die erste Folge 2014 ;)

    VG
    MO
    Mit freundlichen Grüßen
    Martin "MO"


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    Langendreer West, Ausgang Hauptstraße, zwei Mal rechts, ein Mal links.... in 20 Minuten bin ich da :D

    Im Ernst, dieses Kapitel war das erste was ich von dir gelesen habe und es hat mir so gut gefallen, dass ich sicher auch noch den Rest der Geschichte lesen werde. :thumbup:

    Liebe Grüße aus BO-Werne ;)
    Kapitel 19 – Neues Jahr, neues Glück

    Am zweiten Feiertag entschlossen sich Marlon und Julian, noch bis ins neue Jahr zu bleiben. Auch sie genossen es, mal einige Tage ein festes und vor allem nicht fahrbares Dach überm Kopf zu haben. Nachdem sie ihren Streit überwunden hatten und gemeinsam weiter machen wollten, wurde Marlon auch sympathischer. Im Krankenhaus von Cordoba hatte er sich als wehrloses Opfer einer Verschwörung gesehen und erst hier, mit ein Bisschen Hilfe vom Weihnachtsmann, hatte er endgültig begriffen, dass er in Julian langsam nicht mehr das kleine Brüderchen sehen durfte, sondern in Firmensachen einen gleichberechtigten Partner.
    Den Jahreswechsel feierten wir dann mit viel Spaß bei Mahad und Vinni. Da man gegen Tradition machtlos ist, gab es ein Fondue und somit den Volkssport „Fleischstücke von anderer Leute Gabel klauen“. Danach durfte „Dinner for One“ im Fernsehen nicht fehlen und um Mitternacht gingen wir raus und schossen ein paar Euro in den Himmel, um die bösen Geister aus dem neuen Jahr zu verscheuchen. Dann nutzten wir den Neujahrsmorgen noch mal zum Ausschlafen und warfen schließlich einen Blick in die Frachtbörsen. Marlon und Julian wollten zu ihrer Tante, also schlug ich vor:
    „Nitrozellulose von Essen nach Montpellier?“„Nein. Erstens hat Julian in der ADR-Klasse keinen 4.1, sondern nur den 4.3. Außerdem ist unsere Magnetfußleuchte abgebrannt.“„Hättet ihr was gesagt, dann hätte Mahad noch eine feste draufmontieren können wie bei mir. Lasst Euch dann am besten eine bei Renault in Frankreich nachrüsten.“„Wie sieht es generell aus? Dürfen wir auch nach Afrika?“„Ja. Zumindest die Nordküstenstaaten sind von Marokko bis Ägypten alle versichert.“„Dann müssten wir Rammschutz und so nachrüsten. Da braucht man, wenn man so oft da ist wie wir normalerweise, so was vielleicht doch mal, und wenn es nur für entlaufenes Nutzvieh ist. Geht das?“„An den originalen Aufnahmepunkten am Rahmen ja. Die Karosserie anbohren dürft ihr dafür aber nicht.“
    Schließlich fanden sich unsere Frachten und so machten die zwei sich am Donnerstagmorgen auf den Weg, eine Ladung Spielzeug von Recklinghausen nach Perpignan zu fahren. Ich holte erst einmal meinen Truck bei Mahad und Vinni ab. Irgendwie sah es doch ein Bisschen blöd aus mit 4 Lampen. Da würde ich zwei nachkaufen oder sie wenigstens noch mal mittig nach innen versetzen müssen.




    Meine Ladestelle war bei Eni in Essen. 9 Tonnen Stickstoff, keine nennenswerte Herausforderung. An der zweiten Ampel wäre die Fahrt trotzdem beinahe schon wieder zu Ende gewesen. Ein Opel Astra war erst schon so gut wie in die Kreuzung hineingefahren und hatte dann in Kurzschlussreaktion doch noch eine Vollbremsung hingelegt, als die Ampel umsprang. Dachten solche Leute eigentlich daran, dass der LKW im Rückspiegel leer schon mindestens 10-mal so viel wog wie ihr Auto? Mein Zug brachte mit Zugmaschine, Containerchassis, Druckkessel im Kranrahmen und den 9 Tonnen Druckgas darin derzeit knapp 26 Tonnen auf die Waage. Das ABS ratterte und knapp hinter dem PKW blieb ich stehen. Wenigstens dürfte der jetzt nicht mehr wesentlich mehr als „IVECO“ im Rückspiegel sehen können.
    Auf der A5 war, wie auf den meisten Straßen heute, wenig los. Die meisten Leute fingen wohl erst am Montag wieder an zu arbeiten und waren noch im Urlaub. Auf der Schnellfahrstrecke glitt majestätisch ein ICE an mir vorbei.




    Die Mittagspause legte ich mal wieder auf der Rastanlage Gräfenhausen hinter Frankfurt ein. Tanken musste ich dank des Stops in Luxemburg vor Weihnachten nicht. Was der Truck von dem Kollegen sich so an Diesel durchpfiff, würde mich dann aber doch mal interessieren.




    Der Tag endete an der Deutsch-Schweizer Grenze, wo ich noch einen Stellplatz neben zwei anderen Trucks ergattern konnte. Zwar störte ich jetzt das Markenbild, aber einer fiel ja immer aus dem Rahmen.




    Am nächsten Morgen ging es im Regen los. Daran änderte sich auch den ganzen Vormittag nichts. Ereignislos und bei Regen und Nebel fuhr ich über Zürich zum Gotthard. Meine Hoffnung, auf der anderen Seite könnte das Wetter besser sein erfüllte sich nicht. Zur Mittagspause fuhr ich an der Grenze nach Italien raus. Während ich mit einem Kollegen, der mit einem Autotransporter unterwegs war, was essen war, horchte ich ihn ein Bisschen zum neuen Stralis Hi-Way aus. Er war zufrieden mit dem Truck, es wäre der beste, den Iveco je gebaut hätte. Und er hatte im Gegensatz zu mir schon mit der Serie T angefangen und auch den EuroStar gefahren. In der Zeit hörte wenigstens der Regen auf. Als wir zu unseren Trucks zurück kamen, hatte jemand das Markenbild gestört und Rache für meine letzte Rast genommen - aber einer fiel ja immer aus dem Rahmen.




    Mit einer strammen Nonstop-Fahrt schaffte ich es noch zu Strabag nach Florenz. Nachdem ich den Trailer abgestellt hatte, machte ich mich auf den Weg ins Hotel.
    Am nächsten Morgen holte ich bei Strabag vier Gabelstapler für Bosch in Tripoli ab. Also auf nach Griechenland. Bei strahlend blauem Himmel und frühlingshaften Temperaturen fuhr ich die bolzengerade Autobahn von Bologna nach Ancona. Es war eben Samstag und auch hier, wo der Montag noch mal Feiertag war, war nichts los. Als ich vor Ancona an die Mautstation fuhr, war nur noch ein Lieferwagen in der Telepass-Spur. Eine Stunde vor Check-in auf die Griechenlandfähre konnte hier auch gerne mal die Hölle los sein.




    Ich kam am Hafen an und hatte noch 45 Minuten bis der Check-in endete. Auf der Fahrt verbrachte ich die meiste Zeit in der Kabine. Die Fähre war eine der mäßig ausgestatteten und ich war noch recht erholt. In Patras war das Wetter gut, als ich aus dem Hafen über die Bremsschwellen holperte. Danach kam ein lang gezogener Berg, den mein Truck schon ganz brauchbar hochfuhr. Ich hatte keine Ahnung, dass das nur die Generalprobe war. Erst einmal ärgerte ich mich mehr mit dem dichten Verkehr herum. Patras bestand gefühlt nur aus Ampeln und auf der Hauptstraße mündeten die Straßen von beiden Seiten auch noch versetzt ein, so dass der Abstand zwischen zwei Ampeln manchmal nur eine LKW-Länge war. Ich machte mir eine Notiz, die Innenstadt hier in Zukunft möglichst zu umfahren. Nach der Stadt und auf der Autobahn baute sich dann das Arkadiengebirge vor mir auf.




    Es dauerte nicht lange und ich fand mich auf einer steilen Bergstraße wieder, die am Ende auch noch unbefestigt wurde. Kurz vor der Passhöhe war meine Tachonadel bei 14 angekommen. Was hätte wohl mein erster Truck mit 120 PS weniger hier rauf gemacht?






    Um die Mittagszeit erreichte ich Bosch. Bosch? Da war doch was? Ach ja – mit einem Tieflader machte diese Einfahrt besonderen Spaß. Noch spaßiger war, dass ich mir mit den Gabelstaplern gleich meinen Trailer mit den drei Druckbehältern Anschlussfracht für Rom zustellte. Ich machte Mittagspause in der Bosch-Kantine und fuhr anschließend wieder zurück nach Patras zur Fähre. Gerade die Passabfahrt war nun bei Nebel und Regen auf der schmierigen Schotterstraße kein Spaß. Außerdem war ich in dieser Richtung in den engen Kurven innen und musste aufpassen, dass ich nicht hinten mit der Fracht an der Mauer ankratzte oder vorne den Gegenverkehr rammte.
    Das Schiff war gerade weg, also buchte ich wieder einen Fahrer der Fährgesellschaft auf das Schiff und in Italien runter. Wenn ich dann nach der Ankunft noch 3 Stunden im Hafen blieb, hatte ich eine Wochenruhe absolviert und konnte dann zumindest bis zum Sonntagsfahrverbot durchfahren. Je nach Land auch noch länger, spätestens Montag Nachmittag waren die 6 Tage rum und ich musste Pause machen.


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    jep, - auch wieder eine tolle Fortsetzung, thx ... weiter so :!: :thumbup:


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    Kapitel 20 – Alleine gegen die Uhr

    Weil ich die „schlechte“ Fähre, die ich auf dem Hinweg hatte, gestern Abend verpasst hatte, bekam ich nun wenigstens die gute. Der Fahrer der Fährgesellschaft holte sich den Schlüssel von meinem Truck und ich machte mich auf den Fußweg zum Terminal. Ich war einer der ersten auf dem Schiff und so nutzte ich den Pool und die Sauna, bevor dort die Massen rein stürmten. Als ich wieder auf meine Kabine ging, hatte das Schiff abgelegt. Ich ließ mir Zeit beim Abendessen und ging dann ins italienische Kino, es lief „Hunger Games: La ragazza di fuoco“, in Bochum hätte es „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ geheißen. Gut, dass ich wenigstens eine der Bordsprachen konnte…
    Am nächsten Tag blieb mir noch der ganze Vormittag, für den ich erst einmal in den Kraftraum ging. Sitzen konnte ich in den nächsten Tagen noch genug. Nach dem Mittagessen legte die Fähre in Ancona an und ich ging von Bord. Im Terminal kam schließlich der Fahrer und gab mir meinen Schlüssel zurück. Ich ging bei schönem Wetter zu meinem Truck und setzte mich noch mit dem Tablet auf den Klappstuhl in die Sonne, um in die Frachtbörsen zu schauen.




    Die Fahrt begann um 15:30 Uhr gleich mit einem Highlight. Richtung Rom sollte ich nach links aus dem Hafengelände, was bei der engen Ausfahrt mit Betonsperren zwischen den Fahrspuren und dem Winkel nach rechts schon nicht ohne war. Aber wer die Ladung bei Bosch abgeholt hatte, kam auch da raus. An der Adria entlang fuhr ich bei schönem Wetter in Richtung Rom.




    Vor dem mautfreien Autobahnring GRA befand sich natürlich eine Mautstelle und hinter der war der Fahrer eines Renault Master Kastenwagens der Meinung, alle möglichen Leute vorzulassen. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich hupte ihn kurzerhand mal an. Endlich ließ er die Kupplung kommen und machte sich auf den Weg in Richtung Stadt.
    Ich lieferte im Gewerbepark am Flughafen Fiumicino bei Fercam meine Ladung ab und ging dann schnell einen Teller Pasta essen, während meine 45 Minuten Pause runter tickten. Danach fuhr ich in die Stadt zu einem Chemiestandort von Eni, wo mich eine Ladung mit 22 Tonnen Magnesium für Flensburg erwartete. Es war eine knappe Geschichte, mal wieder würde ich die Fahrzeitregelung bis an die Grenze ausnutzen müssen. Ich dachte an die Fahrt mit Julian zurück, so wäre es viel entspannter gewesen und problemlos machbar. So ein Bruder in der gleichen Branche hatte auf jeden Fall seine Vorteile. Marlon und Julian waren am Tag bis zu 4 Stunden länger in Bewegung als ich, weil man 9 Stunden maximal selbst fahren durfte, aber nur 11 von 24 Stunden Ruhezeit sein mussten. Also konnte man maximal 13 Stunden fahren, wenn mindestens 4 davon jemand anders am Steuer saß.
    Direkt am Hoftor von Eni setzte auch noch Regen ein. In dem miesen Wetter fuhr ich bis zur Rastanlage Fabro kurz vor der toskanischen Grenze. Auch am nächsten Morgen war das Wetter nicht besser, es regnete aus Eimern.




    Also quälte ich mich weiter durch das miese Wetter bis zu meiner Mittagspause bei Mantova. Besserung war keine in Sicht und das Wetter bremste mich zusätzlich ein. Bis 22 Uhr durch Österreich sein, sonst würde ich zusätzliche Zeit verlieren und konnte obendrein keine verlängerte Fahrzeit mehr nehmen. Dann würde mein Termin garantiert platzen. Zu Regen kam noch Nebel und das obligatorische Überholverbot für LKW auf der Brenner-Südrampe. Ich saß auf glühenden Kohlen hinter einem Tieflader, der langsam von den erlaubten 60 auf 40 zurückfiel.




    Als das Überholverbot endete, fand sich die Lösung mit der Bezeichnung MAN TGX 18.400. Bestimmt gab es bessere Ausrüstung, um schweres Baugerät den Brenner raufzuzerren. Als ich dann vorm Brenner die Mautstation erreichte, sah ich auf dem Ticket, dass es letzte Nacht bei Rom ausgestellt war. Ich schob es in den Schlitz und im Display leuchtete 102,00 auf. Mit einem Schulterzucken schob ich die Kreditkarte hinterher, machen konnte man sowieso nichts daran. Wenigstens hatte der Regen kurz vorm Brenner aufgehört.
    In Österreich musste ich noch einmal eine Pause machen, also wählte ich dafür die Rastanlage Weer. Es war gegen halb acht, als ich von der Tankstelle zum Parkplatz vorzog. Die Preise in Österreich sollte man auch mitnehmen. Während ich meine Pause absaß, ging die Sonne endgültig unter.




    Ich schaffte es bis 22 Uhr aus Österreich, was mir weitere 30 Minuten Lenkzeit bescherte, bevor ich für heute unweigerlich den Motor ausmachen musste. Und am nächsten Morgen ging es bei schönster Sonne weiter in Richtung München, vorbei an einem Radioteleskop oder so was in der Art, jedenfalls dekorierte vor München eine riesengroße Salatschüssel die Landschaft.
    Hinter Nürnberg meinte mein Navi auch noch, mich über Landstraßen schicken zu müssen. Mein Plan war gewesen, bis Hamburg zu kommen, so dass ich um 5 Uhr morgens den Rest hätte fahren können. Spätestens als auf der A7 auch noch ab Fulda bis Hannover 3 Baustellen mir das Tempo drückten, konnte ich das vergessen.




    Ich beschloss also, meine Ruhe mal wieder zu splitten und fuhr schon Allertal auf die Raststätte. Kurz nach Mitternacht ging es dann weiter und so schaffte ich noch rechtzeitig meine Lieferung bei Bayer. Nun fuhr ich einfach auf eine freie Fläche im Gewerbegebiet und legte dort den zweiten Teil meiner Ruhezeit ein.




    Die letzte Fracht waren Getränke von Kiel nach Recklinghausen, also machte ich mich erst einmal Solo auf den Weg zum Laden. Im strahlenden Sonnenschein ging es dann nach 11 Uhr los Richtung Heimat.




    Allerdings nicht weit, denn mir war nur noch Lenkzeit bis zum Nachmittag geblieben. Ich beschloss also, mal wieder auf der Raststätte Grundbergsee stehen zu bleiben. Immerhin gab der Parkplatz mit den Trucks der Kollegen noch mal ein interessantes Fotomotiv her.




    Um 20 vor 1 nachts durfte ich weiter fahren. Nun hatte das Bundesverkehrsministerium so einen Brimborium um die neuen Abfahrten bei Osnabrück gemacht, mit denen sie endlich die neuralgischen Unfallschwerpunkte durch plötzliche Spurwechsel entschärft hatten, aber ich fuhr natürlich bei vollkommener Dunkelheit da lang.
    Mein Ziel war ein Aldi-Markt im Norden von Recklinghausen und nun durfte ich dort den Trailer ohne einen Einweiser in eine enge Parkbucht zwängen. Der stellvertretende Marktleiter, der die Ware annehmen sollte, hatte keine Ahnung von LKW und so ließ ich ihn lieber was anderes anwinken als mich. Im dritten Anlauf schaffte ich es dennoch, in dem Schummerlicht die Rampe zu treffen. Es standen immerhin keine Autos im Weg, so dass ich über die Parkplätze ausholen konnte.
    Anschließend ging es durch Gelsenkirchen nach Hause. Vor mir war ein Mini aus Dortmund, dessen Fahrer wohl gesoffen hatte. Er eierte mit 40 die zweispurige Hauptstraße lang und brauchte auch beide Spuren. An einer Ampel wurde es mir zu bunt und ich überholte ihn nach dem Abbiegen einfach.




    Von einem LKW versägt zu werden kränkte seinen Stolz offenbar so sehr, dass er mich gleich wieder überholte und nun plötzlich sogar innerorts fast 70 fahren konnte. Aber unsere Wege trennten sich kurz darauf, er fuhr geradeaus nach Dortmund, ich rechts ab nach Bochum.
    Am frühen Morgen kam ich zu Hause an und um kurz nach 5 stand mein Truck in der Halle, während der Mond über der BASF nebenan unterging.


    Ich wars auch nicht. Bin zur Zeit zwar mit nem TGX unterwegs aber doch nicht so schwachbrüstig.
    Mit freundlichem Gruß Viking1971
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    Schön, wie sich alle verteidigen, die einen TGX fahren :D Wer braucht bei diesem Forum und den Tourtagebüchern noch Multiplayer? Hier wird eh kreuz und quer Bezug aufeinander genommen und mit einem Augenzwinkern werden die Anspielungen verteilt. Viki und Dirk haben das Ganze dann absolut perfektioniert...
    ... schöne Fortsetzung, - thx :!: :thumbup:


    :)

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    Martin "MO"


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    Das war dann wohl ich, der da über eine Zeitarbeitsfirma bei allen möglichen Buden anfängt - und natürlich häufig auf den unbeliebtesten Zugmaschinen.



    In diesem Falle war es der nutzlast- und verbrauchsoptimierte 18.400er, der übrig blieb - bringt mitsamt Tieflader und vollen Tanks zwar nur 14t auf die Waage, aber: keine Sonnenblende, keine Seitenschutzleisten, empfindliche Alufelgen, Leichtlaufreifen mit miserablem Grip, Handschalter ohne Retarder am leichten 10,7l-Motor, 970tkm in BeNeLux, DE und PL abgespult - und jetzt hopp hopp, der Berg ruft nach dem gar zahmen Löwen...
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    Kapitel 21 – Kurzbesuch und Langstrecke


    Ich verließ an einem typischen Regentag in diesem Winter, der der längste Herbst meines Lebens war, meine Garage in Bochum am Morgen. Schnee hatte ich nach den paar Tagen im Alpenraum nicht wieder gesehen. Meine Ladestelle war Bayer Leverkusen. Um dem Stau zu entgehen, der wie immer auf der A1 war, schlich ich mich wieder einmal über die Schnellstraße rein. Nicht ganz 2 Stunden nach meiner Abfahrt in Bochum war ich aus Leverkusen und auf dem Weg durch Köln in Richtung Autobahn nach Holland. Man konnte nicht von einer Rheinseite die andere sehen.




    Erst weit in den Niederlanden änderte sich das Wetter und kurz vor der Rheinbrücke war es plötzlich sonnig. Dabei blieb es auch bis zum Hafen in Ijmuiden. Die Nachtüberfahrt nach Newcastle war ruhig und am nächsten Morgen fuhr ich mit meinen zwei Druckbehältern ebenso bei schönem Wetter aus dem Tyneside Fährhafen auf die Straßen mit dem Linksverkehr. Das Ziel lag in Newcastle bei Strabag.
    Die Inselhasser hätten sich so einen Trip gewünscht, wenn sie schon hier her mussten. Ich dagegen fand ihn grausam. Bei einer No-Name Logistikfirma schräg gegenüber kuppelte ich einen Curtainsider mit 20 Tonnen Mehl an und war auf dem Rückweg nach Köln. Ich wollte nicht in die Richtung, als ich bei strahlender Sonne Newcastle verließ, aber es half nichts. Anschlussfrachten waren keine wirtschaftlich sinnvollen zu bekommen außer dieser. Und sogar hier fraß die Fähre fast den halben Erlös auf.




    Im Abendrot verließ die gleiche Fähre, mit der ich heute morgen gekommen war, den Hafen. Die alten Schwedenfähren Nils Holgersson IV und Peter Pan III der TT-Line, die jetzt für DFDS Seaways als King Seaways und Princess Seaways zwischen Ijmuiden und Newcastle fuhren, waren ein Lottospiel. Leider hatte ich verloren und die King Seaways erwischt. Ihre Modernisierung war schon 20 Jahre her und das merkte man. Die Princess, ex „Peter Pan“ war lange in Australien gelaufen und erst bei der Rückkehr nach Europa modernisiert worden, das war 10 Jahre her und das merkte man. Aber ich musste nun auch die Rückfahrt mit der schon wieder recht heruntergewirtschafteten und spärlich ausgestatteten King Seaways fahren. Das Feuer vor zweieinhalb Wochen hatte sie nur ein paar Tage aus dem Dienst geworfen. Die Fahrgäste nach Esbjerg bekamen von DFDS oder P&O, die die Strecke gemeinsam betrieben, moderne Fähren gegönnt, die sich nur durch Lackierung und Speisekarte unterschieden. Heute war die dänische Kronprins Frederik da, an der wir beim Auslaufen vorbeischipperten.




    In Ijmuiden erwartete mich dann mal wieder Regen. Daran änderte sich auch bis Köln nichts, wo ich meine Ladung bei Hellmann abstellte und stattdessen wieder zwei Druckkessel aufsattelte. Sie sollten nach Sparta, hoffentlich war das Wetter in Griechenland besser. Als ich bei der Ausfahrt von Hellmann an der Ampel warten musste, war gerade reges LKW-Treiben. Mit mir waren vier Sattelzüge und eine Solomaschine unterwegs.




    Immerhin wurde das Wetter besser, als ich Köln in Richtung Rheintal verlassen hatte.




    An der Grenze nach Frankreich machte ich meine Rast und immerhin war das Wetter auch am nächsten Morgen gut. Bis zur Mittagspause fuhr ich der Sonne entgegen bis zum Gotthard. Die Berge zeigten sehr deutlich, warum der Tunnel ein Segen für uns Trucker war.




    Es dauerte nach der Raststätte Gotthard, die sich bereits weit im Tal hinter Altdorf befand, immer noch eine Ewigkeit, bis man die Nordrampe zum Tunnel hoch gefahren war. Aber endlich kam die Abfahrt Göschenen mit ihrem verwegenen Brückenbauwerk über die Autobahn direkt vor dem Tunnelportal in Sicht. Auch zwei Heißluftballone hatten sich in das Tal verfahren und würden nun bestimmt eine schwierige Landung haben. Ich fand es mit einem kaum manövrierbaren Luftfahrzeug sowieso fahrlässig in ein so enges Tal zu steuern.




    Da Italien das günstigste Land auf meiner Route war und der Tank leer, füllte ich direkt hinter der Grenze auf. Bei 1115 Litern und 1,25 Euro war ich trotzdem 1400 Euro los. Bei Mailand holte mich dann das schlechte Wetter auch wieder ein. Erst regnete es, dann wurde es durch die hohe Luftfeuchtigkeit auch noch dunstig und die Sicht ging runter. Bei Piacenza steuerte ich für die Nacht einen Rastplatz an und weil das Wetter sowieso keinen Spaß machte, legte ich mich mit Ohrstöpseln gegen das Regengeräusch auf dem Kabinendach und die vorbeirasenden Züge schon gegen 21 Uhr in die Koje.
    Am nächsten Morgen war es sonnig und gut ausgeschlafen und nach einem stressfreien Frühstück startete ich den Truck. Die Fähre in Ancona zu kriegen war kein Problem.




    Die ereignislose Fahrt bei schöne Wetter ging bis zur heute deutlich vollern Mautstation vor Ancona flüssig voran. Nachdem ich auch durch die heute deutlich vollere Stadt gefahren war, erreichte ich den Hafen und stellte mich in den Warteschlangen für die Abfertigung an.




    In Griechenland erwartete mich dann wieder der kleine Berg vom Hafen nach Patras und danach sollte es wieder auf die steile Straße in die großen Berge gehen. Allerdings hatte der Fahrer eines alten Sarazakis Haubenlasters an der Kreuzung auf der Hauptstraße einen DAF gerammt. Bis die Feuerwehr den auslaufenden Diesel des DAF gebunden hatte und ein Abschleppwagen den kräftig beschädigten Niederländer abgeschleppt hatte, waren 40 Minuten vergangen. Der Sarazakis konnte quasi unbeschädigt und aus eigener Kraft die Fahrt fortsetzen.




    Diese ungewollte Unterbrechung verhinderte, dass ich meine Pause auf der Rastanlage an der Straße machen konnte. Direkt hinter der Passhöhe war die Baustelle für eine neue Autobahn, die diesen Pass irgendwann ablösen sollte. Ich quetschte meinen Truck einfach in eine bereits gebaute Auffahrt zur Autobahn und bummelte dort meine 45 Minuten ab.




    Die Fahrt ging weiter und an Tripoli vorbei und immer weiter das Gebirge hinauf. Auf der Strecke unterquerte ich die Autobahn von Athen nach Kalamata, die auf einer steilen Brücke aus dem Tal kam. Diese Rampe war bestimmt der Tod schlecht gewarteter und untermotorisierter Trucks.




    Immer höher führte die Straße ins Gebirge und irgendwann müsste es doch mal wieder bergab gehen, denn Sparta lag nicht im Gebirge. Nach einer schmalen Schlucht öffnete sich die Landschaft und gab den Blick frei auf eine geschotterte Passabfahrt, an deren unterem Ende Sparta lag. In der Abendsonne leuchtete die Dachser-Halle deutlich sichtbar den Berg hinauf.




    Eine halbe Stunde vor Lenkzeitende steuerte ich meinen Lastzug auf die Parkposition bei Dachser und blickte, als ich die Papiere holte, ehrfürchtig die Berge rauf, über die ich vorhin gefahren war.




    Im dichten Berufsverkehr brauchte ich für die kurze Strecke zum Hotel 12 Minuten. Ich checkte ein und verbrachte ein sonniges Wochenende mit meiner Ruhezeit. So hatte ich zum Beispiel die Gelegenheit, das antike Sparta zu besichtigen, auch wenn es keine allzu beeindruckende Ruinenanlage war.


    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „TurboStar“ ()

    Schöne Fortsetzung, - toll geschrieben, - sehr gut zu lesen, - thx... weiter so :!: :thumbup:


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    Martin "MO"


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