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Vom Felgenputzer zum Trucktycoon??

    Kapitel 14 - Die gute alte Zeit

    Ich startete den Motor meines Volvo und fuhr zu meiner Firma. Das ich dort unfallfrei ankam ist noch heute ein Wunder für mich, denn ich war mit meinen Gedanken überall nur nicht auf der Straße.

    Schließlich erreichte ich meinen Hof, sah immer noch ziemlich wüst aus, aber egal. Das Geld wird auf der Straße und nicht hier verdient.



    Ich setzte mich in mein kleines Büro an den PC und erledigte den Bürokram der letzten Tage. Das heißt ich versuchte es, meine Gedanken kreisten um alles Mögliche zumeist um Stana. Irgendwie wurde ich aber doch mit dem Papierkram fertig. Alle Rechnungen waren geschrieben und auch sonst hatte alles seine Ordnung. Jetzt konnte ich entspannen. Ich setzte mich mit einem Glas Scotch hinter mein Werkstatt-/Bürogebäude in die Sonne. Es war zwar nicht wirklich ein ruhiger Platz, aber die Brems- & Anfahrgeräusche der LKW von der nahen Kreuzung waren ja all zu bekannt.

    So saß ich nun da mit dem Glas in der einen Hand und einer Zigarette in der anderen. Meine Gedanken fuhren Achterbahn. Eigentlich hatte ich allen Grund Happy zu sein. Schließlich hatte ich aus dem Nichts eine Firma mit jetzt schon zwei LKW und zwei Standorten aus dem Boden gestampft. Klar gab es auch Probleme, ich hatte immer noch keinen Fahrer für den Iveco in Holland. Aber selbst wenn das noch dauern sollte sah es nicht schlecht aus für "European Power Trans".

    Aber trotzdem wollte keine so richtig gute Stimmung in mir aufkommen. Ich musste andauernd an Stana denken und jedes mal tat dabei auch gleich wieder die Wange weh.

    Und ich konnte Ihr ja nicht einmal böse sein. Sie hatte jedes Recht stinksauer auf mich zu sein. Schließlich war mein Verhalten vor knapp einem Jahr ziemlich armselig.

    Nachdem ich vor fünf Jahren von DAF zu Scania gewechselt war und ein Jahr im Büro der Deutschlandzentrale arbeitete wurde ich schließlich nach Södertälje versetzt. Dort war ich dann für drei Jahre im Promobereich tätig. Meist war ich auf Veranstaltungen in Deutschland tätig, aber auch Fahrtrainings in Schweden für deutschsprachige Fahrer zählten zu meinen Aufgaben. Als ich etwa ein Jahr in Schweden tätig war, lernte ich Stana kennen. Sie war gerade in unsere Abteilung versetzt wurden. Da wir die beiden Jüngsten waren, freundeten wir uns schnell an und wurden zu einem eingespielten Team, so dass man uns meist gemeinsam rausschickte. Sei es zur IAA, zur RAI oder den diversen anderen Messen, wohin wir Austellungsfahrzeuge brachten. Es war eine tolle Zeit in der wir viel erlebten und auch viel lernten. Wir versuchten so wenig wie möglich Englisch miteinander zu sprechen. Schließlich konnten wir nach einem knappen Jahr jeder fließend die Sprache des anderen sprechen.

    Durch dieses enge zusammenarbeiten blieb es nicht aus, dass wir auch privat viel zusammen unternahmen. Wir hatten in diesen zwei Jahren eine tolle gemeinsame Zeit.

    Aber es hatte keiner von uns beiden den Mut einen Schritt weiter zu gehen.

    Also genossen wir unsere Freundschaft, bis zu dieser Woche, welche eine der schlimmsten in meinem Leben sein sollte.

    Bei meiner Rückkehr nach Schweden, ich hatte einige Tage frei, da ich einen tragischen Verlust in meiner Familie verkraften musste, hoffte ich meinen neuen Vertrag zu unterschreiben. Aber im Gegenteil. Mir wurde mitgeteilt, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage mein Arbeitsvertrag nicht verlängert werden könnte. Ich war also meinen Job los.

    Der Verlust meiner Arbeit, welche mir riesigen Spaß gemacht hatte und der familiäre Verlust zogen mir regelrecht den Boden unter den Füßen weg.

    Ich musste weg, egal wohin einfach nur weg. Also packte ich meinen Krempel zusammen, räumte meine Klamotten ins Auto und lagerte die Möbel und alles andere was ich nicht mitnehmen konnte oder wollte in einem gemieteten Raum ein. Erst fuhr ich nach Hause, von dort eine Zeit lang recht ziellos durch die Gegend und schließlich verkroch ich mich im Ferienhaus unserer Familie in Südfrankreich.

    Erst zwei Monate später war ich bereit bzw. in der Lage mein Leben neu zu ordnen. Nur wollte ich nie wieder in die Situation kommen, dass mir ein Personalchef kündigt. Ich wollte mein eigener Boss sein und so machte ich mich mit einem kleinen Umweg als Mietfahrer selbstständig.

    Während ich so vor meiner Firma saß und an die vergangene Zeit gedacht hatte, war es recht spät geworden. Es dämmerte inzwischen schon. Ich wunderte mich über mich selbst, denn in den letzten Monaten hatte ich diese Zeiten aus meinem Leben total verdrängt.

    Erst das Wiedersehen mit Stana hatte diese Erinnerungen geweckt.

    Als ich gerade überlegte ob es eine Möglichkeit geben würde, denn Mist den ich gebaut hatte wieder in Ordnung zu bringen, klingelte im Büro mein Handy. Ich zuckte regelrecht zusammen, denn es war mein Privathandy und diesen Klingelton hatte ich nur einer Person zu gewiesen - Stana.
    Schöne Grüße aus Sachsen

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    Kapitel 15 - Gefühle fahren Achterbahn

    Ich sprang auf und hetzte ins Büro zu meinem Handy. Als ich Sekunden später an meinem Schreibtisch stand verlies mich aber doch wieder fast der Mut. Was wollte Sie. In diesem Moment kam mir der Klingelton "Playing with fire" fast schon symbolisch vor. Aber wenn ich nicht ran gehen würde, würde ich nie erfahren was Sie wollte. Also nahm ich das Telefon, drückte die grüne Taste und meldete mich mit >>Hallo<<. Das war alles was ich rausbrachte, da ich nicht wusste was ich eigentlich sagen sollte. >>Hat dir die Ohrfeige die Sprache verschlagen?<< Ihre Stimme klang freundlich, was mich in dieser Situation ein wenig beruhigte und mir half meine Gedanken zu sortieren. >>Nein ich wusste nur nicht was ich sagen sollte. Es ist lange her...<< >>Fast ein Jahr seit du kommentarlos verschwunden bist.<< Das saß, ich fühlte mich richtig schäbig. Ich war damals aus Schweden weggegangen ohne ihr etwas zu sagen. Ich schwieg, denn ich hatte keine Ahnung wie ich ihr das am Telefon erklären sollte. Auf einmal klopfte es an der Tür.

    >>Warte kurz, ich muss mal eben an die Tür.<< Ich sagte das nur um wenigstens irgendwas zu sagen, auch wenn es mir dämlich vorkam. Als ich die Tür öffnete stand Sie draußen, das Handy in der Hand. >>Du kannst jetzt auflegen.<< Wie in Trance schaltete ich das Handy ab und steckte es in die Tasche. Ich war mit der Situation vollkommen überfordert. Wollte Sie mir noch eine Ohrfeige verpassen? Sie schien Gedanken lesen zu können. >>Im Moment will ich dir keine runterhauen.<< Das weckte mich aus meiner Starre und ich erinnerte mich an meine gute Erziehung und bat Sie herein. Kurze Zeit später saßen wir hinter dem Gebäude in der Abendsonne. Inzwischen hatte ich es sogar geschafft Ihr etwas zu trinken anzubieten. Einige Minuten saßen wir uns schweigend gegenüber. Schließlich versuchte ich etwas zu sagen, aber mir fielen nicht die richtigen Worte ein. Um genau zu sein fiel mir eigentlich gar nix ein, was ich sagen sollte. Ich wusste, dass ich Ihr mehr als nur eine Erklärung schuldig war, aber ich hatte keine Ahnung wie ich anfangen sollte. Sie schaute mich erwartungsvoll an und amüsierte sich im Stillen über ein Unbehagen.

    >>Du siehst gut aus. Wie geht's dir?<< war alles was ich rausbrachte und schon in dem Moment als ich das sagte dachte ich nur. Wie dämlich, Junge fällt dir nichts besseres ein. >>Meinst du jetzt im Moment, oder allgemein die letzten Monate?<< Ihre Frage klang leicht gereizt, und doch half sie mir. >>Ich weiß ich hab riesigen Mist gebaut. Und es tut mir wahnsinnig leid, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen.<< >>Nein, aber du kannst mir erklären, warum du damals abgehauen bist und dich nie gemeldet hast. Ich fand es nicht toll, von meinen Eltern zu erfahren, dass du weg bist. Ich hab zigmal versucht dich zu erreichen.<< Ich sah verschämt auf den Boden, denn das war echt keine Glanzleistung von mir. Als ich damals meine Wohnung ausgeräumte, hatte ich die Möbel und alles was ich nicht mitnehmen konnte in einem Schuppen auf dem Gelände der Firma ihrer Eltern eingelagert. >>Ich wollte dich ja anrufen,<< >>Wann? In zehn Jahren?<< fiel Sie mir ins Wort und lachte sarkastisch. Dabei schien es als würde Sie mit den Tränen kämpfen. >>Nein, aber ich brauchte Zeit um mein Leben in den Griff zu kriegen.<< Schließlich erzählte ich Ihr was damals vorgefallen war und wie leid es mir tut. Sie hörte mir aufmerksam zu und ich hatte das Gefühl, dass Ihre Wut auf mich doch etwas abnahm.>> Warum hast du damals nicht mit mir gesprochen? Wir waren Freunde. Ich wäre für dich da gewesen. Und warum hast du dich dann bis heute nicht gemeldet. So wie es aussieht scheint dein Leben ja inzwischen wieder in geordneten Bahnen zu verlaufen.<< >>Ich wusste nicht was ich sagen sollte nach all der Zeit, als ich dich schließlich anrufen wollte, waren schon drei Monate vergangen und ich hatte keine Ahnung wie du reagieren würdest.<< >>Hättest du dich gemeldet, wenn wir uns heute nicht zufällig gesehen hätten?<< >>Wahrscheinlich nicht.<< >>Wenigstens bist du ehrlich.<< während Sie das sagte, ran eine Träne an Ihrer Wange herunter. Sie nahm ihre Jacke und wollte gehen. >>Aber als ich heute dort vorbeikam, habe ich gehofft dich zu sehen.<< Sie blieb stehen und drehte sich um und meinte >>Jetzt hast du mich ja gesehen.<< Dann ging Sie.

    Ich saß noch eine Weile da und machte mich schließlich auf den Heimweg. Mein Haus lag ja einige Kilometer außerhalb von Dresden in einem kleinen Dorf. Als ich zuhause ankam war es schon dunkel. Ich ging ins Wohnzimmer, doch schon wenige Minuten später trieb es mich in mein Arbeitszimmer, denn da stand ein Schuhkarton mit den ganzen Fotos aus Schweden drin. Während ich mir die Fotos anscheute, wurde mir immer mehr klar, was ich für Stana empfand und auch schon damals empfunden hatte.

    Ich liebe Sie.

    Nur merkt man ja immer erst, was man hat, wenn man es verloren hat. Oder gab es vielleicht doch noch eine Chance, schließlich hatte Sie vorhin Tränen im Gesicht gehabt. Das bedeutete doch, dass Sie noch Gefühle für mich hatte. Auch wenn ich nicht wusste wie diese aussehen würden, war mir doch eines klar. Diesmal würde ich nicht einfach aus ihrem Leben verschwinden, sondern um Sie kämpfen. Nur wie sollte ich das anstellen? Schließlich kam mir eine Idee. Ich setzte mich in mein Auto und raste nach zurück nach Dresden. Aus der Zeit als ich selbst noch bei Scania gearbeitet habe, wusste ich in welches Hotel standardmäßig gebucht wurde und hoffte, dass das immer noch so wäre. Ich hatte Glück, den vor dem Hotel sah ich schon zwei andere Scanialeute, welche wahrscheinlich gerade aus der Stadt kamen.

    Ich parkte und ging in die Empfangshalle des Hotels. Ich fragte beim Portier nach Stana Fredriksen und bat ihn Ihr einen Brief zu bringen. Danach verlies ich das Hotel wieder und wartete in einem kleinen Straßencafé gegenüber.

    Es verging eine Stunde, dann noch eine und noch eine. Schließlich war es schon ein Uhr früh. Ich hatte gerade die Hoffnung aufgegeben und wollte gehen, als ich hinter mir eine Stimme hörte >>Willst du wieder einfach abhauen?<< >>Ich dachte du kommst nicht mehr.<< >>Denkst du ich komme gleich angerannt, wenn du mir ein Foto und einen Brief schickst. Du hast mich monatelang warten lassen, da wirst du wohl ein paar Stunden warten können.<< Dem konnte ich nichts entgegensetzen und ich war ja schon froh, dass Sie überhaupt gekommen war. >>Ich hätte nicht gedacht, dass du es noch hast. Hast wohl lange gesucht?!<< Sie meinte das Foto. Es gab viele Fotos von uns, aber dieses war etwas ganz besonderes. >>Nein ich habe es immer bei mir.<< Sie lächelte mich verträumt an. Wahrscheinlich gingen Ihr gerade tausend Sachen durch den Kopf und Sie war sich bestimmt nicht so ganz sicher, was Sie hier eigentlich machte.

    Doch schließlich setzte Sie sich zu mir und gab mir das Foto zurück. Es war das einzige Foto auf dem wir uns küssten. Auch wenn es damals mehr ein Spaß war, der vom Fotografen gefordert war, so hatte dieses Foto doch immer eine besondere Bedeutung für uns gehabt. Wir redeten die halbe Nacht und mit zunehmender Zeit wurde unsere Stimmung und das Gespräch immer entspannter.



    Als es dann schon fast halb sechs am Morgen war, unterhielten wir uns immer noch, nur war der anfänglich noch sehr sachliche Tonfall und das eher förmliche Gebaren einem sehr vertrauten Gesprächsstil gewichen. Sie hielt schon seit einiger Zeit meine Hand und strich immer mal wieder darüber. Es war fast wie damals, oder vielleicht noch schöner.

    Schließlich war es an der Zeit zu gehen. Der Kellner im Café schickte wohl zehn Stoßgebete in den Himmel als ich zahlte. Ich fragte Sie, ob ich Sie nach hause bringen dürfte, was eigentlich albern war, da es ja nur zwanzig Meter bis zum Hotel waren.

    Am Hotel angekommen, was leider schneller ging als mir lieb war, schäkerten wir noch ein wenig herum und verabschiedeten uns schließlich und dieses mal bekam ich keine Ohrfeige sondern einen Kuss auf die Wange.

    So ging ein wirklich turbulenter Tag zu Ende.
    Schöne Grüße aus Sachsen

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    Kapitel 16 - Wolke 7

    Ich wachte gegen Mittag durch das klingeln meines Handys auf. Leider war es nicht Stana sondern mein alter Kumpel Stefan. >>Was'n los?<< murmelte ich noch im Halbschlaf. >>Is wohl gestern spät geworden?<< er klang gut gelaunt. >>Hör mal, ich bin hier in der Gegend, hab mal wieder meine Eltern besucht. Haste Lust was zu machen?<< >>Warum nicht?<< >>Du müsstest mich aber abholen, mein Auto ist in der Werkstatt.<< Wieso erstaunte mich das nicht, dieser alte Geizhals, nie um eine Ausrede verlegen. >>Okay ich hol dich in einer Stunde ab.<<>>Bis dann.<< Ich trottete ins Bad, so richtig wach war ich immer noch nicht. Nachdem ich geduscht hatte und endlich wach war, kam ich aus dem Bad als wieder das Handy bimmelte. Diesmal war es Stana. >>Hi, guten Morgen, wie geht's dir?<< >>Hi, Morgen ist gut, mal auf die Uhr geschaut. Mir geht's super nur ein bisschen müde und keinen großen Bock zu arbeiten.<< >>Da geht's mir besser, ich mach mal frei.<< Das heißt ja dann wohl, dass du heute Abend noch nichts vor hast. Da kannst du mich ja zum Essen einladen.<< >>Das kann ich machen, aber wie lange bist du noch in Dresden?<< >>Noch bis Ende der Woche, aber tagsüber muss ich arbeiten, hab also nur abends Zeit.<< >>Dann sehen wir uns heute Abend, ich hol dich am Hotel ab.<< Damit war mein erster freier Tag seit Wochen also auch schon wieder komplett ausgebucht.

    Ich nahm Handy, Brieftasche und alles was ich sonst noch brauchte und machte mich auf den Weg zu Stefan. Unterwegs hielt ich noch am Drive-In eines großen Burgerbraters um mir einen Kaffee zu holen und war kurze Zeit darauf bei Stefan. Natürlich musste ich wieder eine viertel Stunde auf Ihn warten, wie üblich. Während ich draußen an der Straße wartete und eine Zigarette rauchte, schaute ich mein Auto an. Es sah aus als ob ich damit durch eine schlammige Kiesgrube gerast wäre. So konnte ich am Abend Stana unmöglich abholen. Also stand Autoputzen auch noch auf meinem Tagesplan. Schließlich kam der Herr dann doch endlich und wir machten uns auf. Erst gingen wir mit noch zwei Freunden von Ihm, welche ich nicht kannte, bowlen. Danach tranken wir noch einen Kaffee und ich fuhr Ihn wieder nach Hause. Wieder bei mir angekommen, schnappte ich mir Eimer, Schwam und Co. um meinen Škoda wieder auf Hochglanz zu bringen. Diese Aktion dauerte fast zwei Stunden und es war auch schon fast an der zeit wieder nach Dresden zu fahren um mich mit Stana zu treffen. Im Bad versuchte ich durch duschen und rasieren einen Menschen aus mir zu machen. Um kurz nach sechs Uhr war ich dann auf dem Weg in die Dresdner City. Leider wurde ich durch den Feierabendverkehr etwas gebremst, kam aber pünktlich am Hotel an. In der Lobby des Hotels setzte ich mich in einen Sessel und schrieb Stana eine SMS, dass ich da war. Nur einige Minuten später kam Sie aus dem Fahrstuhl, denn ich die ganze Zeit beobachtet hatte. Sie war deutlich pünktlicher als gewisse Herren, mit denen ich mich am Nachmittag getroffen hatte. Natürlich sah Sie auch tausendmal besser aus. :P Sie trug ein schulterfreies kleines Schwarzes. Die Haare hatte Sie hochgesteckt. Sie sah einfach umwerfend aus. Ich stand auf und ging etwas zögernd auf Sie zu. Sie aber schwebte regelrecht entgegen, umarmte mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Dann fragte Sie, wohin ich Sie den ausführen wollte.

    Da es nicht das erste Mal war, dass wir zusammen in Dresden waren, beschloss ich in unser Lieblingsrestaurant gehen. Es lag oberhalb der Stadt an der Bergstation der Seilbahn. Von hier aus hatte man einen tollen Blick auf die Stadt mit ihren diversen Sehenswürdigkeiten. Gerade im Dunkeln sah das Lichtermeer schön aus.

    Wir hatten einen sehr schönen Abend und später beschlossen wir noch ein wenig durch die Altstadt zu bummeln. Arm in Arm ging es vorbei an der Semperoper, dem Fürstenzug (ist verdammt schwer Tickets zu bekommen :P) und natürlich auch an der Frauenkirche. Es war eine laue Frühlingsnacht und so tranken in der Weißen Gasse, einem der Kneipenviertel Dresdens, noch einen Cocktail. Schließlich brachte ich Sie wieder zu Ihrem Hotel zurück. Diesmal dauerte der Abschied aber länger als am Vortag, da es nicht nur bei einem Kuss auf die Wange blieb.

    Am nächsten Morgen beschloss ich, dass es an der zeit wäre mal wieder etwas Geld zu verdienen. Also suchte ich mir ein paar Aufträge. Erst ging es nach Prag, von da nach Wroclaw und dann wieder zurück nach Dresden. Wenn alles klappt und die Trailer jeweils schon fertig dastehen, sollte diese Tour an einem Tag erledigt sein.Mit dem ersten Trailer im Rücken machte ich mich auf nach Prag, nicht ohne vorher noch einmal mit Stana telefoniert zu haben.Über die A17 rollte ich zügig zur Grenze, wo ich eine kurze PP einlegte.



    Auf der Weiterfahrt Richtung Prag zog es immer mehr zu und fing an zu regnen. Dazu wurde es auch noch nebelig, ein ungemütliches Wetter, aber selbst das konnte mir die gute Laune nicht verhageln.



    In Prag angekommen hatte es aufgehört zu regnen. Ich stellte meinen Trailer ab und konnte gleich den nächsten aufsatteln. Ist schon praktisch wenn der Zielort der einen der Startort der anderen Tour ist. Die Fahrt nach Wroclaw verlief zumeist über Landstraßen, auf denen ich aber auch zügig voran kam. Wenn mich nicht gerade eine Baustelle ausbremste.



    Zum Glück hielt mich der kurze Stau nicht allzu lange auf, so dass mein Zeitplan noch nicht in Gefahr war.



    Kurz nach Mittag kam ich in Wroclaw an. Leider musste ich erst einige Zeit die richtige Lieferadresse suchen, was mich etwa eine halbe Stunde kostete. Zu meinem Glück war die Firma, wo ich meinen neuen Auflieger abholen sollte, direkt neben der Firma wo ich den vorherigen Trailer abstellen musste. Das ersparte mir unnötige Zeit beim suchen.Schon wenig später rollte ich über die Autobahn in Richtung Grenze.Die offenen Grenzen sind für uns Trucker schon eine feine Sache. Wenn ich dran denke, wie früher immer im Radio stundenlangen Wartezeiten durchgegeben wurden. Ich düste mit Marschgeschwindigkeit 85 über die Grenze.





    Schließlich war ich am späten Nachmittag wieder in Dresden, stellte meinen Trailer auf der zugewiesenen Position ab und fuhr zu meiner Firma. Dort spritzte ich den Volvo noch schnell mit dem Schlauch ab, damit er wieder im Sonnenuntergang glänzen konnte.

    Gerade als ich mich mit meinem PKW durch den Freitag Nachmittäglichen Berufsverkehr nach Hause kämpfen wollte, meldete sich mein Handy wieder zu Wort. Es war Stana, Sie fragte mich, was ich davon halten würde, wenn Sie erst am Montag nach Schweden zurück fliegen würde. Ich war erstmal geplättet, denn damit hatte ich nicht gerechnet, da Sie gestern noch gesagt hatte das Sie heute schon zurück muss. >>Ich hab Montag bis Mittwoch freiund da ist es egal ob ich heute oder eben erst Montag hoch fliege. Also, ich erwarte eine positive Antwort?! Die bekam Sie natürlich. Ich freute mich riesig darauf das Wochenende mit Ihr zu verbringen.

    Wir hatten in diesen knapp drei Tagen viel Spaß miteinander und schwebten auf Wolke Sieben. Nur leider vergehen die schönsten Momente im Leben immer am schnellsten. Der Montag kam schneller als uns lieb war und es war Zeit für Sie zu gehen. Ich fuhr Sie zum Flughafen. Die Fahrt dahin verlief ziemlich ruhig, jeder von uns machte sich seine Gedanken, wie es mit uns weitergehen würde. Sie in Schweden, ich in Dresden bzw. on the Road.

    Am Flughafen lagen wir uns noch lange in den Armen und küssten uns. Und wenn nicht eine Durchsage mit dem letzten Aufruf für ihren Flug gekommen wäre, hätten wir uns wohl nie losgelassen. So aber gaben wir uns einen letzten Abschiedskuss, bei dem Sie ein paar Tränen in den Augen hatte. Auch ich hatte einen Klos im Hals. Ich versprach Ihr Sie am Abend noch anzurufen, dann ging Sie schließlich zum Check-In Schalter.

    Ich setzte mich ins Auto und fuhr zu meiner Firma. Eigentlich hatte ich überhaupt keinen Bock zu fahren, aber es musste sein und vielleicht brächte es mich ja auch auf andere Gedanken.
    Schöne Grüße aus Sachsen
    Information

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    Kapitel 17 - Quer durch Deutschland

    Bei meiner Firma angekommen, packte ich meinen Kram in den LKW. Die Fracht, die ich mir schon ein paar Tage vorher gesichert hatte, sollte ich bei einer Adresse etwas außerhalb von Dresden abholen.

    Mit dem Trailer voller Maschinenteile machte ich mich kurze Zeit später dann auf in Richtung Autobahn. Es war eine Tour von einem Freistaat zum anderen. Es ging nämlich nach Erfurt. Kurz bevor ich die Auffahrt zur A4 erreicht hatte, fing es leider wieder an zu regnen. Aber so passte das Wetter zu meiner Stimmung.



    Allerdings war es nur ein kleiner Schauer und kurze Zeit später schien schon wieder die Sonne. Langsam machte das fahren auch wieder mehr Spaß. Vorbei am Rasthof "Auerswalder Blick" rollte ich weiter in Richtung Thüringen.



    An diesem Montagmittag war recht wenig auf der Autobahn los, sodass ich gut voran kam und meinen Gedanken nachhing. Erst drehten sie sich um Stana, ich vermisste Sie obwohl Sie erst vor knapp drei Stunden abgeflogen war. Aber ich freute mich auch darauf am Abend ihre Stimme zu hören.

    Später geisterten mir Gedanken und Ideen im Kopf herum, welche ich in letzter Zeit schon häufiger hatte. Mein Iveco und Volvo sahen ja nun mal gänzlich unterschiedlich aus. Deshalb überlegte ich mir, dass es an der Zeit wäre ein einheitliches Firmenlivery bei meinen Fahrzeugen einzuführen. Also versuchte ich mir im Geiste verschiedene Designs vorzustellen, mal einfarbig, dann wieder mit Dekor, mal mit Beschriftung, mal ohne. Oder vielleicht mit Airbrush. So richtig hatte ich noch keine Vorstellung wie die Trucks in Zukunft aussehen sollten. Aber es hatte ja auch noch ein wenig Zeit.

    Während ich in meinem Kopf die Lackierwerkstatt angeworfen hatte, rollte ich natürlich weiter meinem Ziel entgegen und erreichte das Hermsdorfer Kreuz. Auch hier war kaum etwas los auf der Bahn. Das war ja schon fast unheimlich für einen Montag.





    Erst kurz vor meinem Ziel in Erfurt wurde der Verkehr dichter.



    Aber trotzdem kam ich ohne in Zeitnot zu geraten an meinem Abladeort an. Von Erfurt aus ging es dann mit einer Ladung Milchpulver nach Nürnberg. Auch für die Frankenmetropole hatte ich schon einen Folgeauftrag. Von da aus sollte es dann weiter nach Frankfurt am Main gehen. Aber erstmal auf nach Bayern.

    Bei dieser Tour in den Süden der Republik, schickte mich mein Navi zum Großteil über Landstraßen. Es ging zwar nicht so flott, wie auf der Autobahn, aber dafür war die Strecke um einiges kürzer. Außerdem sparte ich mir so auch den einen oder anderen Euro Maut. Die PKW Fahrer, welche hinter mir fuhren fanden das wohl weniger lustig, dass ich mit meinen erlaubten 60 vor ihnen her tuckerte. Bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit setzte einer von ihnen zum überholen an.



    Trotzdem wurde die Schlange in meinem Rückspiegel nicht wirklich kürzer,



    Ich konnte regelrecht die Jubelschreie hinter mir hören, als ich an einer Tankstelle den Blinker setzte um dort zu stoppen. Es war Zeit für eine kleine Pause.



    Die Tankstelle lag zwar recht idyllisch am Waldrand, aber die Geräusche der gegenüberliegenden Windräder waren doch sehr penetrant. Trotzdem stieg ich aus und suchte ich mir ein schattiges Plätzchen am Wald, den in der Kabine wurde es bei dem Sonnenschein doch ziemlich schnell heiß.



    Kurz vor acht am Abend erreichte ich Nürnberg und hoffte bei der Lieferadresse noch jemanden zu finden, so dass ich gleich den Trailer abstellen konnte und nicht erst bis zum nächsten Tag warten müsste. Denn das hätte meinen ganzen Zeitplan zerstört. Aber ich hatte Glück, es war noch eine Büromitarbeiterin da. Ich gab ihr die Papiere im Tausch gegen die neuen Ladepapiere und sie sagte mir noch wo der neue Trailer stand.

    Diesmal hatte ich Orangen geladen. Nach dem aufsatteln und der Fahrt aus der Stadt fuhr ich auf der Autobahn den nächsten Rasthof an. Von meiner Fahrzeit war nicht mehr viel übrig. Eigentlich hatte ich Hunger, aber ich wollte erst Stana anrufen, ehe es zu spät sein würde. Es war schön ihre Stimme zu hören, und wir telefonierten über zwei Stunden. Aber schließlich kamen wir zum Ende, denn wir mussten beide früh raus.

    Als ich nun ins Rasthaus ging, schliefen die meisten der Kollegen wohl schon in ihren Trucks.



    Auch im Gastraum war kaum noch ein Tisch besetzt. Trotz der späten Stunde gab es noch warme Küche. Nach einem reichhaltigen Essen ging ich zurück zum Hotel "Globetrotter XL", auch wenn XL relativ war.

    Nach einer unruhigen Nacht, ich hätte mich vielleicht nicht so vollfuttern sollen, startete ich am Morgen Richtung Frankfurt. In der Stadt angekommen sah ich einen Kollegen, welcher auch einen Trailer von der selben Firma wie ich hinten dran hatte.



    Am gestrigen Abend hatte ich mir noch schnell über eine Frachtbörse einen Auftrag geholt und so ging es auf dem selben Weg wieder zurück nach Nürnberg. Kurz nach der Frankfurter Stadtgrenze, ich war noch nicht ganz auf der Autobahn fing es wie aus Kübeln an zu gießen. Der Scheibenwischer kam kaum nach, s stark war der Regen.

    In Nürnberg angekommen, es schien inzwischen wieder die Sonne, stellte ich den Trailer am Ziel ab, gab meine Papiere im Büro ab und machte mich auf den Weg zu der Firma mit meiner Lieblingseinfahrt. Denn da stand mein nächster Auftrag,

    Diesmal ging es noch weiter in den Süden, nach München. Ich konnte nicht gerade sagen, dass ich begeistert war, denn ich mochte diese Stadt herzlich wenig. Und so sah ich auch zu, dass ich nach dem abliefern meiner Fracht und der Aufnahme eines neuen Trailers schnell wieder aus der bayrischen Landeshauptstadt herauskam.

    Von einer Hauptstadt ging es zur nächsten, nach Stuttgart. Im Rücken eine süße Fracht, nämlich 23 Tonnen Zucker. Da ich unbedingt noch vor Ablauf meiner möglichen Fahrzeit ankommen wollte, hoffte ich darauf, dass wieder wenig Verkehr sein würde. Und ich hatte Glück. Auch hier war die Autobahn relativ leer.



    In der Gegenrichtung sollte es allerdings nicht so sein, wie mir der Verkehrsfunk mitteilte, Denn da war ein Schwertransporter, welcher eine Diesellok geladen hatte, verunglückt, weshalb die Autobahn nach Bayern voll gesperrt war.

    Hoffentlich war das keiner von Nuss seinen LKW, denn die fahren doch mit so was spazieren. :huh:

    Auch auf dem weiteren Fahrtverlauf kam ich gut voran und konnte meinen Trailer bei einem Süßwarenhersteller abstellen. Danach machte ich mich auf zu einem Hotel welches ich von unterwegs schon gebucht hatte.

    Ich genoss noch ein kleines Bierchen in der frühen Abendsonne. Mein LKW, der auf dem Parkplatz vor dem Hotel stand strahlte mit der Sonne um die Wette. Noch in individuellem violett, aber vielleicht bald in einer einheitlichen Farbgebung. Die Lackierwerkstatt in meinem Kopf arbeitete wieder.

    Schöne Grüße aus Sachsen

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Iceman684“ ()

    Moin Iceman,

    nachdem ich jetzt endlich mal Zeit hatte Kapitel 9 bis 17 zu lesen kann ich nur sagen: SUPER!!! :thumbup:

    Deine Geschichte hat sich sehr schön entwickelt und coole Idee, die Fa. Nuss mit einzubauen. 8-)

    Bin gespannt, welche Firmenlackierung du dir einfallen lässt und wie es mit deiner Firma und Stana weiter geht.

    Weiter so!!! :thumbup:

    Gruß
    Gruß Schosch
    Einfach eine Super Story die Du uns hier Schreibst!

    Hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt hier einzusteigen und mit Euch das Geschäft an zu kurbeln.
    doch zur Zeit ist mein Kopf recht leer und viele negative Gedanken spuken darin rum.
    Habe gerade eine Trennung von meiner Lebenspartnerin nach 10 Jahren.

    Muß mich erst mal wieder Sammeln, mal sehn ob ich dann mal was auf die Beine stelle.

    Macht fleißig weiter mit den Geschichten! Es ist für mich immer wieder eine ablenkung.
    Wer Kein SCANIA fährt ist selber Schuld

    LG Xorgan
    Information
    @ Xorgan

    Vielleicht könntest du so eine Trennung ja ins Geschehen mit einbauen und dir so den Trennungsschmerz von der Seele schreiben.
    Ist ja in Fernfahrerkreisen nicht so selten.es gibt ja nicht immer nur Liebesgeschichten .
    Wäre mal was anderes . Ansonsten alles gute für dich und mein Mitgefühl.
    Gruß Hermann

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    In Gedenken an Harry P. ----- R.I.P. Harry




    Kapitel 18 - Tour de Suisse

    Nach dem Abendessen setzte ich mich noch ein wenig an den Laptop, um mittels eines Grafikprogramms meinen im Kopf rumschwirrenden Ideen ein realeres Bild zu verpassen. Aber so richtig glücklich war ich mit den Ergebnissen noch nicht. Später am Abend rief Stana an. Wir redeten zwar nicht all zu lange, da wir beide am nächsten Tag früh raus mussten. Aber es war schön Ihre Stimme wieder zu hören, auch wenn ich Sie danach noch mehr vermisste. Ich konnte unser Wiedersehen kaum noch erwarten, obwohl wir noch nicht wussten, wann das sein würde.

    Schließlich begab ich mich ins Bett und reiste schnell ab ins Land der Träume. Um ein Uhr Nachts ertönte erbarmungslos der Wecker im Handy, nur um nach fünf Minuten in der Schlummerfunktion wieder zu verstummen. Ich zog mir gerade die Decke noch ein wenig mehr über den Kopf, als der Wecker mich wieder anplärrte. Nach einer gefühlten halben Ewigkeit war ich dann halbwegs, und nach der Dusche im Bad endgültig, wach. Inzwischen war es schon nach halb zwei. Jetzt hieß es Beeilung, denn meinen Trailer sollte ich in einer Stunde abholen. Also noch schnell ausgecheckt, der Nachtportier sah auch alles andere als wach aus, und in den LKW.

    Die Fahrt durchs nächtliche Stuttgart verlief reibungslos, nur an der Ladestelle herrschte schon rege Betriebsamkeit. Auch im Büro war schon eine Mitarbeiterin anwesend. Mit einem fröhlichen >>Guten Morgen<< begrüßte Sie mich beim eintreten. Ich gab irgendetwas unverständliches zurück. Das war einfach noch nicht meine Zeit. Während Sie die Papiere fertig machte, summte Sie die ganze Zeit irgendeine Melodie vor sich hin. Wie konnte man nur um diese Zeit so gute Laune haben, dachte ich mir, als ich mit den inzwischenfertigen Papieren zu meinem LKW zurückging.

    Dann koppelte ich den Trailer an und machte mich auf den Weg zu den Eidgenossen. Genauer gesagt nach Zürich. Auf der Fahrt musste ich ständig aufpassen nicht einzuschlafen, da es auf der fast leeren Autobahn doch sehr langweilig war. Aber es hatte auch etwas Gutes, da ich sehr zügig voran kam, konnte ich meinen Trailer schon bald in Zürich abstellen. Leider war der neue Trailer, welchen ich bei der gleichen Firma aufnehmen sollte noch nicht komplett beladen, so dass ich etwa eine halbe Stunde warten musste. Diese Zeit verbrachte ich am Kaffeeautomat. Die Brühe schmeckte zwar nicht sonderlich gut, aber vielleicht würde mir das Koffein beim wach werden helfen. Schließlich kam ein Lagermitarbeiter, gab mir die Papiere und sagte mir wo der Trailer steht.

    Ich machte mich auf, den Trailer zu holen.



    Mit einer Ladung Maschinenteilen sollte es diesmal nach Österreich gehen. Während ich also in Richtung Osten vor, dem Sonnenaufgang entgegen, besserte sich meine morgenmuffelige Laune stetig. Die Tour nach Innsbruck führte Anfangs über die Autobahn, später dann ging es über Landstraßen und durch zahlreiche Tunnel. Gerade beim Einfahren in die Tunnel mit nur einer Röhre, bekam ich doch immer wieder ein leicht mulmiges Gefühl. Man weiß ja nie was so passiert.



    Auch an der Baustelle für eine zweite Tunnelröhre kam ich wieder vorbei. Direkt dahinter befindet sich ein Spendenhäuschen, wo man mittels ein paar Euro den Ausbau des Tunnels beschleunigen kann. :P



    Inzwischen hatte ich auch die Grenze überquert und rollte weiter meinem Ziel entgegen. Beim Fahren durch das gewaltige Gebirgsmassiv kommt man sich mit einem Vierzigtonner recht mickrig vor. Aber die Kulisse mit den Gipfeln, welche die Straße einrahmen ist schon etwas ganz besonderes. Hier macht fahren Spaß.



    Leider ist der Ärger auch auf den schönsten Strecken nicht fern. An einer Stelle wo die Fahrbahn sich von zwei auf einen Fahrstreifen verengt, kam es zu einem kurzen Stau, da es nicht möglich war sich von der rechten Spur auf die linke einzufädeln. Natürlich stand ich mitten drin.



    Auch in Innsbruck war mir ein zügiges Vorankommen nicht vergönnt. Denn ich erreichte die Stadt genau zum morgendlichen Berufsverkehr. Mittels Stop and Go kam ich aber dann doch am Ziel an.



    Da aber aller guten Dinge drei sind, oder in diesem Fall allen Pechs, war die nächste Ladestelle natürlich wieder die Firma Arcese.



    Da ich aber diesmal keinen Schwertransporttrailer abholen sollte, sondern nur einen Jumbokoffer, hielten sich meine Probleme beim Ausfahren in Grenzen. Ich hoffte, dass das Pech mich jetzt verlassen würde.

    Beim Verlassen der Stadt konnte ich an einer Kreuzung noch einen ungestörten Blick auf eines der Wahrzeichen von Innsbruck erhaschen, die Skisprungschanze. In echt sah sie noch größer aus, als im fernsehen. Also ich würde für kein Geld der Welt darunter fahren, dachte ich so für mich, während ich meinen Lastzug aus der Stadt steuerte.



    Obwohl ich die selbe Strecke zurückfuhr, die ich gekommen war, faszinierte mich die Bergwelt immer noch. Leider war nicht nur die Strecke die Gleiche, auch das Pech war noch da. So kam es, dass mein Vordermann und ich eine ziemlich lange Zeit warten mussten bevor wir uns nach der Mautstelle wieder in den fließenden Verkehr einordnen konnten. Denn keiner der lieben PKW Fahrer hatte es nötig mal anzuhalten. :cursing:



    Als dann doch mal eine Lücke war, hieß es schnell sein. Und obwohl schon wieder ein PKW in Sicht war, hing ich mich direkt an Eddie dran. Ich hatte einfach keinen Bock noch mal zu warten. Wenn dem Autofahrer sein Auto lieb war, würde er schon bremsen.



    Zwar blinkte und hupte der PKW Fahrer mich an, aber das Recht des Stärkeren hatte gesiegt. :thumbup:

    Nach etwa einhundert Kilometern, in denen ich das Trailerheck vom Eddie vor mir hatte, trennte sich unser Minikonvoi.



    Meine Ruhezeit war nämlich schon wieder nahe. Ich merkte auch, dass ich schon seit der Nacht wach war. Außerdem war es Zeit für ein Mittagessen. Nachdem schon das Frühstück ausgefallen war, hatte ich inzwischen einen Mordshunger.

    Als ich mein Mittagsmahl beendet hatte, setzte ich mich draußen in den Biergarten des Rasthofes und ließ mich von der warmen Sonne anlachen. Ich nutzte um am Laptop nach einer Folgefracht zu suchen und wurde auch recht schnell fündig. Ein LKW Transport von Zürich nach Genf weckte meine Aufmerksamkeit und war auch schnell meiner. Damit war die nächste Tour auch geplant. Gerade als das Notebook zugeklappt hatte, klingelte mein Firmenhandy. Als ich ranging meldete sich eine Stimme. >>Müller, von der LKW Werkstatt und Lackiererei in Dresden. Ihr Trailer ist jetzt fertig. Ich schicke Ihnen noch eine E-Mail mit Fotos und hoffe Sie sind mit dem Ergebnis zufrieden.<< Das waren doch mal gute Nachrichten. Natürlich startete ich den Laptop sofort neu, um mir die Bilder anzusehen. Ich war gespannt ob meine Wünsche so umgesetzt wurden, wie ich das wollte.

    Schließlich hatte die Werkstatt lange genug Zeit gehabt den Trailer herzurichten. Vor zwei Wochen war er aus Amsterdam geliefert wurden. Dort hatte ich ihn in meiner neuen Niederlassung gefunden. Er stand da in der Halle und auf meine Frage an den Makler: >>Was wird mit dem Auflieger? Wem gehört der?<< Antwortete dieser: >>Der gehört zum Inventar, also ist das mit dem Kauf des Grundstückes jetzt ihrer.<< Anfangs war ich davon wenig begeistert, denn ich brauchte ja keinen eigenen Trailer. Und auf den ersten Blick sah er auch nicht mehr all zu gut aus. Es handelte sich um einen Kühlauflieger aus Baujahr 2000. Deshalb wollte ich das Ding eigentlich auch so schnell wie möglich wieder loswerden. Trotzdem beschloss ich, den Trailer erstmal nach Dresden schleppen zu lassen. Die dafür beauftragte Firma prüfte den Auflieger, bevor er auf die Straße durfte, auf Herz und Nieren. Das Ergebnis, welches mir telefonisch durchgegeben wurde, überraschte mich dann doch. Denn außer den optischen Macken und Altersspuren war der Trailer in einem guten Zustand und absolut verkehrssicher. Mit diesem Wissen hatte ich mich daran gemacht ein Design für den Trailer zu entwerfen und die Werkstatt damit zu beauftragen dieses umzusetzen. Inzwischen wusste ich auch was ich mit dem, jetzt hoffentlich schicken, Trailer anfangen würde.

    Beim Blick in die E-Mail war ich begeistert. Der Kühlauflieger sah genauso aus, wie ich mir das vorgestellt hatte. Außerdem hatten sie noch ein paar kleinere Reparaturen vorgenommen und dem Trailer neuen TÜV verpasst.





    Ich griff zum Handy und rief André an.

    André hatte sich vor einiger Zeit auch selbstständig gemacht, aber in dieser Zeit auch schon einiges an Pech gehabt. Erst fuhr er zwei Monate mit einem gemieteten Gardinentrailer als Subunternehmer für eine große Spedition. Nachdem er aber kein Geld erhalten hatte und nach längerem Kampf den Vertrag lösen konnte, wollte er eigentlich ins Blumengeschäft einsteigen. Er hatte auch schon ein Angebot über eine langfristige Zusammenarbeit mit einem seriösen Unternehmen. Nur leider war sein Budget inzwischen soweit zusammengeschrumpft, dass er sich keinen Kühltrailer leisten konnte. Die Firma für welche er fahren sollte, hatte im Moment allerdings auch keine freien Trailer. Als er mir das zwei Wochen zuvor bei einem Bierchen erzählte, war er verzweifelt und wusste nicht wie es weiter gehen sollte.

    In dieser Bierlaune entstand bei mir damals die Idee den Trailer zu vermieten und mir damit vielleicht ein zweites Standbein zu schaffen.

    >>Berger Transporte, was kann ich für Sie tun?<< meldete er sich. >>He André, ich bin's. Wie geht's? Hat sich bei dir schon was zwecks einem Trailer ergeben?<< >>Nee, irgendwie gibt's grad keine Kühltrailer zum mieten.<< >>Falsch<< >>Was meinst du damit.<< >>Ich hab da einen. Steht in Dresden, ist grad komplett durchgecheckt und neu lackiert wurden und wartet jetzt auf einen Mieter.<< >>Und was knöpfst du mir dafür monatlich ab?<< fragte er mit einer gewissen Skepsis. >>Ich hatte so an 800 im Monat gedacht.<<>>Klingt vernünftig, aber du bist doch unterwegs, wie machen wir das da mit dem Vertrag? Und wann kann ich den Trailer abholen?<< >>Also abholen kannst du ihn sofort. Ich ruf in der Werkstatt an und sag denen Bescheid. Dort liegt auch schon ein vorgefertigter Mietvertrag. Musst nur noch unterschreiben, dann kannste auf große Tour gehen.<< >>Dan mach ich mich gleich mal auf die Socken.<< Die Skepsis in seiner Stimme war inzwischen verschwunden. Wahrscheinlich sah er jetzt wieder Licht am Ende des Tunnels und hoffte doch noch Erfolg mit seinem Unternehmen zu haben. Und ich hatte eine weitere kleine Einnahmequelle und das gute Gefühl einem Freund geholfen zu haben.

    Mit diesem Wissen ging ich zu meinem LKW und legte mich schlafen.



    Am späten Abend war meine Ruhezeit vorbei und ich konnte weiter fahren. André hatte mir eine SMS geschrieben. >>Trailer sieht cool aus. Vertrag ist unterschrieben und liegt in der Werkstatt bis du ihn abholst. Morgen geht's auf die erste Tour nach Holland.<<

    Während ich weiter nach Genf fuhr, dachte ich über das Geschäft von André nach. Er würde von nun an zwischen Aalsmeer und Ostdeutschland pendeln. Jeden Tag die gleiche Autobahn, die gleichen Leute - Nee das wär nix für mich.

    Nachdem am ich am Abend mal wieder von meinem Handy geweckt wurde, noch schnell duschen und eine Kleinigkeit essen war, fuhr ich weiter Richtung Zürich. Kurz vor Mitternacht lieferte ich den Trailer und meine Papiere ab und machte mich auf den Trailer mit den zwei Zugmaschinen abzuholen. Es waren gebrauchte Scanias, die zu einem Händler nach Genf sollten.



    Nach der Fahrt über die nächtlichen Schweizer Straßen erreichte ich gegen drei Uhr Genf und stellte den Trailer beim Kunden ab. Auch da war nachts noch jemand anwesend der mir die Papiere abnahm. Das war auch gut so, denn mein nächster Auftrag wartete schon. Ich hatte mir diesmal einen Trailer, mit Gemüse beladen, rausgepickt. Die Fuhre ging nach Bern, also wieder eine innerschweizerische Tour.

    Gerade als die ersten Sonnenstrahlen über Bern erschienen, erreichte ich die Schweizer Hauptstadt. All zu viel Verkehr war noch nicht, so dass auch die Fahrt durchs Zentrum ohne Probleme verlief.



    Allerdings hatte ich noch keinen Folgeauftrag, was mir etwas Sorgen machte. Auf dem Hof wo ich den Gemüseauflieger abstellen sollte, standen schon zwei andere Trailer, einer mit einem Linienbus beladen, der andere mit einem Rotor einer Windkraftanlage. Gerade als ich ins Büro ging, um meine Ladepapiere abzugeben, teilte die Büroangestellte ihrem Chef mit, dass der Fahrer der den Bus abholen sollte nicht kommen könne, da er einen Getriebeschaden an seiner Zugmaschine hatte.

    Ich ergriff die Gelegenheit und bot mich als Ersatz an und obwohl man mich dort nicht kannte bekam ich den Auftrag. Also rollte ich schon wenig später wieder aus der Stadt heraus und nahm Kurs auf Frankreich, genauer nach Dijon.

    Die Fahrt führte über teils enge Landstraßen und jeder hatte so seine Probleme. Der Fahrer im schicken Peterbilt vor mir mit seiner langen Nase, ich mit dem langen Trailer. Natürlich konnte der Busfahrer nicht kurz anhalten und musste sich direkt in der Kurve an mir vorbeiquetschen.



    Weiter ging es über die französische Grenze.



    Pünktlich zum Frühstück erreichte ich die Verkehrsbetriebe von Dijon, wo der Bus schon sehnsüchtig erwartet wurde. Während die Papiere geprüft wurden, bekam ich ein üppiges Frühstück spendiert. Deshalb konnte ich auch ohne Umweg wenig später in mein Hotelzimmer gehen, ohne erst noch im Restaurant essen zu gehen.

    Ich schaute kurz nach meinen E-Mails und dann in der Frachtenbörse nach einem passenden Auftrag. Leider fand ich über die Börse diesmal keinen Job. Aber bei den E-Mails war eine von einem Kunden dabei, für den ich einige Zeit vorher schon einmal tätig war. Er hatte einen Auflieger mit Spielzeug, welcher nach Genf sollte. Also wieder über kurvige Landstraßen zurück in die Schweiz.

    Ich verschlief diesen sonnigen Donnerstag fast komplett, so dass ich als der Wecker klingelte nicht mehr all zu viel Zeit hatte mich fertig zu machen. Denn gegen sechs Uhr abends sollte ich den Trailer abholen. Vorher schaute ich aber noch schnell nach meinen E-Mails. André hatte mir ein Bild von dem Trailer an seiner Zugmaschine geschickt.

    Sah schon etwas komisch aus, der tiefblaue Trailer hinter dieser roten Zugmaschine.



    Auf dem Hof der Firma war nur noch wenig los und auch der Büroangestellte schien nur noch auf mich zu warten, dementsprechend war auch seine Laune.

    Die Fahrt über die Landstraßen war zwar landschaftlich reizvoll, aber auch anstrengend, andauernd wurde ich von PKW an den unmöglichsten Stellen überholt. Schließlich musste ich auch noch an einer Baustelle einen Zwangsstopp einlegen. Natürlich arbeitete um diese Zeit kein Bauarbeiter mehr.




    In Genf angekommen, rächte es sich nur auf das Navi zu hören. Dieses war steif und fest der Meinung, dass ich links abbiegen sollte, erst im letzten Moment entschied es, dass es besser wäre doch rechts herum zu fahren. Natürlich stand ich zu diesem Zeitpunkt schon auf der falschen Spur. Nach einigem Warten erbarmte sich ein PKW-Fahrer und ließ mich die Spur wechseln.



    Gerade als ich meinen Trailer abgestellt hatte und ins Büro gehen wollte, fing es an zu regnen. Auch als ich meinen nächsten Auftrag ansteuerte regnete es immer noch. Diesmal ging es mit Maschinenteilen nach Zürich.

    Auf der Fahrt über die Autobahn wurde es dann immer nebliger, so dass ich kaum noch etwas sah. Ich hielt auf dem nächsten Rasthof an, um mir eine kleine Pause zu gönnen. Außerdem wollte mein Brummi mit Diesel gefüttert werden. Der Nebel wurde immer dichter, so machte fahren keinen Spaß.



    Kurz nach Mitternacht kam ich in Innsbruck an, zum Glück hatten sich der Regen und auch der Nebel inzwischen verzogen. Nach dieser Tour ging es wieder einmal nach Innsbruck. Auch die Fracht war mir schon bekannt. Es war wieder Gemüse.

    Die Fahrt nach Österreich verlief langweilig und ereignislos. Nur wurde ich langsam aber sicher wieder müde. Da meine Fahrzeit so ziemlich in Innsbruck enden würde, hatte ich mir dort schon ein Hotelzimmer reserviert. Damit hatte ich es geschafft die ganze Woche nur einmal in meinem LKW zu übernachten und sonst nur in Hotelbetten.



    Mit dem Bild des verweichlichten Truckers ;) , der im Hotelbett liegt, schlief ich dann ein.
    Schöne Grüße aus Sachsen

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    Immer wieder geil, die genialen Geschichten der verschiedenen Authoren zu lesen.

    So hat jede Geschichte seinen reiz.

    Ein weiteres Lob an alle Schreiberlinge !
    Frachti
    Information
    Kapitel 19 - Ereignisreicher Tag

    Richtig ausgeschlafen, wachte ich gegen Mittag auf, duschte, räumte das Zimmer und ging noch schnell etwas im Hotelrestaurant essen. So gestärkt machte ich mich zu neuen Taten auf. Allerdings war die einzige Fracht, die ich fand, eine Tour nach München. Ausgerechnet München, aber was soll's. Da hieß es für mich schnell hin und noch schneller wieder weg, vorausgesetzt ich fand eine passende Rücktour. Außerdem könnte das mit dem "schnell hin" auch so eine Sache werden, da es Freitag war und ich grob gesehen gegen Nachmittag im Großraum München ankommen würde.

    All diese Gedanken kreisten in meinem Kopf, als ich auf dem Weg zur Ladestelle war. Dort angekommen, ging ich ins Büro um meine Papiere zu holen. Ich wurde freundlich von der jungen Dame am Schreibtisch begrüßt, welche anscheinend schon mit einem Bein im Wochenende war. Die hatte es gut. Für mich selbst standen die Chancen auf ein Wochenende auf dem Autohof sehr gut.

    Etwas angefressen fuhr ich los. Die Strecke führte mich aus Innsbruck heraus über eine kurvige Berglandstraße in Richtung der Deutschen Grenze. Hier konnte der Volvo mal zeigen ob er ein zäher Bursche war, was er auch tat.



    Auch der Kollege hinter mir vertraute auf die Kraft aus Göteborg.



    Nach vielen Kurven über diese landschaftlich sehr reizvolle Straße kam der kleine Grenzübergang in Sicht. Hätten da nicht die Schilder rum gestanden, es wäre einem nicht aufgefallen, dass man das Land wechselt.



    Kurze Zeit später erreichte ich den höchsten Punkt dieser Landstraße, von da an ging es nur noch bergab. Das war Schwerstarbeit für die Bremsen, vor allem ohne Retarder. Außerdem gab es auf dieser Strecke auch keine Notfallbuchten, diese Extraspuren mit tiefem Kies wo man im Notfall reinfährt. Also hieß es schön piano machen. Lieber spät als nie ankommen.



    Irgendwann hatte ich die lange Gefällstrecke hinter mich gebracht und erreichte die Autobahn auf welcher ich die letzten 50 Kilometer bis München fuhr.



    Jetzt hatte ich auch Zeit mal schnell auf mein Handy zu schauen, welches kurz vibriert hatte, als ich gerade durch ein paar enge Kurven dem Tal näher kam. Es war eine SMS von Stana
    >>Hi mein Schatz, was machst du am Wochenende? Arbeitest du und treibst dich irgendwo in Europa rum? Ich vermiss dich ganz doll und hoffe wir sehen uns bald! Ciao Stana<< Na klasse, dachte ich. Jetzt hatte ich noch weniger Lust am Wochenende zu fahren. So gelaunt kam ich in München an. Auch bei der Papierabgabe im Büro der Empfängerfirma hatte sich meine Laune noch nicht gebessert. Und als man mich dort fragte ob ich gleich noch eine Ladung übernehmen könnte, war ich noch ziemlich kurz angebunden.

    Also sah ich zu so schnell wie möglich da raus zu kommen. Die Tour sollte nach Salzburg gehen. Also komplett entgegengesetzt der Heimat.

    Schließlich kam ich an einem Autobahndreieck an, wo es geradeaus Richtung Heimat ging und rechts herum in den Süden. Ich wäre zwar lieber geradeaus gefahren, aber dass hätte mir mein Kunde wohl mehr als übel genommen.



    Während ich auf der Autobahn nach Österreich rollte, rief ich Stana an, aber Sie ging nicht an Ihr Handy.



    Erst beim dritten Mal ging Sie ran. Meine Laune veränderte sich schlagartig zum besseren. Wir konnten leider nur kurz telefonieren, da mich die Österreichische Rennleitung beim telefonieren gesehen hatte und mich zu einem Zwangsboxenstopp herauszog. Damit war das dann ein teures Gespräch. Die obligatorische Belehrung gab es natürlich auch noch, sogar kostenfrei dazu. X(


    Ohne weitere Komplikationen kam ich in Salzburg an und lieferte meinen Trailer ab. Die Bürobesatzung war zwar gerade am gehen, hatte aber ein Einsehen und nahm mir die Papiere noch ab, so dass ich weiter konnte. Schließlich hatte ich schon eine Folgefracht, welche mir Stefan besorgt hatte, aber ich musste mich beeilen, den bis 20 Uhr musste der Trailer geholt sein und es war inzwischen schon halb acht.

    Aber ich erreichte den Abholort noch kurz vor knapp und machte mich diesmal mit Werkzeug auf nach Linz.



    In Linz angekommen, es war inzwischen schon später Abend, lotzte mich der Mitarbeiter, welcher Gott sei Dank noch da war, zu meiner Parkposition.



    Auch für Linz hatte mir Stefan schon eine Fracht besorgt. Ein Tankcontainer musste nach Wien gebracht werden. Beim Blick auf die Ladepapiere musste ich zweimal hinschauen um zu entziffern was ich da geladen hatte. Hexahydrobenzol, was auch immer das war, befand sich in dem Tank.

    Kurz hinter Linz rollte ich auf den Parkplatz eines großen Rasthofes.



    Es war kurz vor Mitternacht, aber ich hatte noch Glück und fand einen Stellplatz für die Nacht.



    Als ich den Motor abgestellt hatte, war ich hin und her gerissen. Denn auf der einen Seite hing mein Magen in den Kniekehlen und ich wollte etwas essen. Andererseits wollte ich nochmal Stana anrufen, nachdem wir vorhin so abrupt unterbrochen wurden. Schließlich siegte der Hunger und Stana musste mit einer SMS vorlieb nehmen.

    Frisch gestärkt schlenderte ich vom Rasthaus zurück zu meinem LKW und genehmigte mir eine Verdauungszigarette. Gerade am Truck angekommen hörte ich drinnen mein Handy klingeln und der Klingelton verriet mir auch sofort wer es war. >>Hi Stana, mein Schatz.<< >>Na du. Fertig mit essen? Ich muss schon sagen -- Verschmäht für ein Schnitzel mit Pommes, das ist mir auch noch nicht passiert.<< >>Um genau zu sein es war ein Steak mit Bratkartoffeln.<< >>Auch nicht besser. Wo bist du eigentlich? Vorhin hast du nur was von Össis gemurmelt.<< >>Ich steh hier hinter Linz und fahr morgen weiter nach Wien.<< >>Dann geht es dir also auch nicht besser als mir. Bist am Wochenende auch nicht daheim.<< >>So sieht es aus. Wo haben Sie dich denn hingeschickt?<< >>Ich mach am Wochenende in Amsterdam eine Fahrerschulung bei einem Kunden und nächste Woche bin Ich bis Mittwoch in Frankreich unterwegs. Muss ein paar Vorführer verteilen.<< >>Und dann?<< fragte ich neugierig. >>Dann hab ich mindestens vier Tage frei. Wieso??<< >>Und hast du an deinen freien Tagen schon etwas vor?<< >>Nein, weiß auch noch nicht ob ich überhaupt nach hause fahre.<< Das war Musik in meinen Ohren, denn mein Hirn rotierte schon die ganze Zeit. Aber ich wollte Stana noch nichts sagen, da ich nicht sicher war, ob alles so klappen würde wie ich hoffte. Wir redeten noch eine Weile, aber nicht all zu lange da wir beide schon recht müde waren.

    Nach unserem Gespräch schaute ich kurz nach meinen E-Mails, sowie in die Frachtbörse, wo ich allerdings nichts passendes fand. Danach googelte ich noch kurz meine Ladung, da ich wissen wollte, was ich da eigentlich drauf hatte.

    Doch schließlich legte ich mich in die Koje und horchte an der Matratze.
    Schöne Grüße aus Sachsen

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