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Kapitel 24: Von Kinderwunsch, Schwedischen Möbeln und Finnischen Nächten

  • „Hat dir eigentlich mal jemand von den Ärzten gesagt, ob du nach dem Unfall noch Kinder bekommen kannst?“ Joost schaute mich verwundert an. „Wieso interessiert dich das?“ „Ich habe mir vor einigen Tagen mal die Frage gestellt, für wen wir das hier eigentlich aufbauen. Ich habe keine Kinder und deine Mutter ist schon in den Wechseljahren. Das wird nichts mehr. Außerdem glaube ich nicht, dass sie jetzt noch Kinder bekommen wollte.“ „Also bleibt das jetzt an mir hängen?“ fragte mich Joost irritiert. „Irgendwie schon. Habt ihr das nicht in Planung?“ „Tess und ich sind ja nicht mal verheiratet.“ „Man muss ja nicht heiraten, um Kinder zu bekommen.“ „Stimmt natürlich.“ „Die Frage war aber eigentlich, ob das nach deinem Unfall überhaupt noch möglich ist.“ Joost dachte erst eine Weile nach, bevor er die Antwort gab. „Über diese Themen habe ich, außer mit Tess, noch mit niemandem geredet.“ „Wenn du darüber nicht mit mir reden möchtest…“ „Doch, ist schon in Ordnung. Wenn du nicht alles brühwarm meiner Mutter erzählst.“ „Warum sollte ich?“ „Weil sie sich mit Sicherheit auch ihre Gedanken machen wird.“ „Das tut sie. Das heißt aber nicht, dass ich hier dein Vertrauen missbrauchen werde.“ „Also gut. Über das Thema Kinder haben wir eigentlich noch gar nicht gesprochen, weil das in unserer Planung noch nicht an der Zeit war. Uns war zwar klar, dass wir irgendwann mal heiraten und Kinder bekommen wollten, aber es stand noch kein Zeitplan dafür fest.“ „Verstehe. Man macht das ja heute auch nicht mehr so früh, wie früher.“ „Eben. Was ich dir sagen kann ist, dass es im Bett seit dem Unfall nicht mehr so gut klappt, wie früher.“ „Funktioniert das gar nicht mehr?“ „Zum Glück nicht. Wenn das Rückenmark noch stärker geschädigt wäre, könnte das sein. Das ist aber nicht der Fall. Trotzdem klappt das alles nicht mehr so, wie vor dem Unfall.“ „Es geht aber noch?“ „Das müsste man letztlich mit einem Arzt zusammen feststellen. Auf jeden Fall ist es im Bett erheblich schwieriger.“ „Wie kommt Tess damit klar?“ „Bis jetzt ganz gut. Der Unfall ist aber auch gerade mal ein halbes Jahr her. In den ersten Monaten musste ich selber erstmal mit der Situation klarkommen, dass ich nicht mehr die Beine bewegen konnte. Da waren andere Sachen noch zweitrangig. Inzwischen sind wir an einem Punkt, wo wir dann manche Sachen wieder ausprobieren.“ „Hauptsache Tess verlässt dich aus solchen Gründen nicht. Es sollen schon viele Beziehungen aus solchen Gründen gescheitert sein.“ „Man soll ja niemals nie sagen, aber momentan kann ich das ausschließen. Tess liebt mich wirklich und sie steht mir in allen Situationen zur Seite. Sie hat eine solche positive Energie. Das ist einfach Wahnsinn.“ „Das freut mich für euch.“ „Ich habe auch vor, ihr in nächster Zeit einen Heiratsantrag zu machen.“ „Das klingt gut.“ „Und zum Thema Nachwuchs fällt uns dann mit Sicherheit auch was ein.“ „Gut. Dann möchte ich dich nicht länger mit diesem Thema nerven.“ „Das war aber mal gut. Wenn ich da mal Redebedarf habe, weiß ich jetzt, mit wem ich reden kann.“ „Mach das. Ich bin da immer für dich da.“

    Schließlich kamen wir in Geldrop an. Joost ließ mich zu Hause raus und fuhr dann zu Tess. Als ich durch die Haustür gekommen war, fiel mir Katrijn schon um den Hals. „Schön, dass du endlich da bist.“ „Schön, wieder bei dir zu sein.“ Antwortete ich. „Wie sind die Verhandlungen gelaufen?“ „Soweit ganz gut. Bei dem ersten Termin bei Metro musste ich noch zwischendurch das Wort ergreifen, den Ikea Termin hat Joost weitgehend alleine gemeistert.“ „Und wie ist das Ergebnis?“ „Beide Firmen werden uns ab Anfang Juni erstmal Aufträge zur Probe geben, da sie ja für diese Relation bereits andere Logistiker im Einsatz haben. Sie haben es aber nicht kategorisch ausgeschlossen. Wenn wir unsere Sache gut machen, dann werden wir nach und nach weitere Aufträge bekommen.“ „Und Fernverkehr?“ „Soll auch mehr werden, da wir ja jetzt Wechseltrailer dort stehen haben.“ „Dann bin ich ja mal gespannt. Gibt es sonst was Neues?“ „Auf der Fahrt nach Hause habe ich mit Joost mal das Thema Nachwuchs besprochen.“ „Du hast dich wirklich getraut, das mal anzusprechen?“ „Hab ich.“ „Und?“ „Ich habe ihm versprochen, dir nicht alles brühwarm zu erzählen.“ „Okay. Dann will ich nicht weiter fragen.“ „Das ist besser so. Dann bekomme ich keine Probleme.“ „Dann komm mal mit, ich habe das Essen fertig.“
    Wir aßen in Ruhe zu Abend und unternahmen anschließend noch einen romantischen Spaziergang durch das abendliche Geldrop. Danach ließen wir den Abend in Ruhe auf der Couch ausklingen.

    Auch der Sonntag war dann ganz im Zeichen der Zweisamkeit. Katrijn und ich machten uns einen schönen Tag, an dem wir genossen, dass wir zusammenwaren und dass wir uns gefunden hatten. Als wir am Abend auf dem Weg nach Hause waren, holten wir dann noch schnell meine Papiere für die nächste Woche aus der Firma, so brauchten wir am Montag gar nicht erst hier vorbei. Ein Blick auf die Einteilung der anderen Fahrer zeigte mir, dass außer mir wieder alle mit Nahverkehr beziehungsweise Tagestouren begannen. Anschließend fuhren wir nach Hause und ließen das Wochenende ruhig aber schön ausklingen.

    Montag, den 08. Mai 2017, morgens:

    An diesem Morgen standen wir etwas früher auf, als sonst, wenn wir zusammen ins Büro fuhren. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, noch zusammen zu frühstücken. Anschließend packten wir meine Sachen zusammen und räumten sie in Katrijns A3. Der A8 stand ja seit letztem Montag in Eindhoven an der Firma. Dann gab Katrijn das Ziel in Zwolle in ihr Navigationsgerät ein und wir fuhren los. „Das ist mal was Anderes, den Montagmorgen erst mit einer Fahrt nach Zwolle zu beginnen.“ Sagte sie gut gelaunt. „Ich hoffe du behältst deine gute Laune. Es ist Montagmorgen. Da ist der Verkehr immer am Schlimmsten. Ich denke mal spätestens in einer halben Stunde werden wir im Stau stehen.“ „Dann sehen wir das mal positiv.“ Sagte Katrijn. „Jede Minute im Stau ist eine Minute länger mit dir zusammen.“ „So habe ich das noch gar nicht betrachtet.“ „Da siehst du es. Du musst noch etwas positiver denken.“ „Vielleicht hast du Recht.“ „Kennst du denn noch nicht das Gesetz, was im Hause Mulder gilt?“ fragte Katrijn mit einem Augenzwinkern. „§1: Katrijn Mulder hat immer Recht…“ „Ach das.“ Sagte ich. „§2: Sollte Katrijn Mulder mal nicht Recht haben, tritt automatisch §1 in Kraft.“ „Du kennst es also doch.“ Sagte Katrijn mit einem herzlichen Lachen. „Ich glaube das gilt bei allen Frauen.“ Sagte ich ebenfalls mit einem Lachen. „Auf jeden Fall galt das auch schon zu Pieters Zeiten. Da hat sich dann auch bis heute nichts dran geändert.“ „Ach darum war Papa so viel unterwegs.“ Sagte ich mit einem Augenzwinkern. „Das habe ich jetzt nicht gehört.“ Sagte sie gespielt empört. „Ist vielleicht auch besser so.“ sagte ich. Die Staus hielten sich aber dann doch in Grenzen. Es stockte dann zwar immer wieder, wir kamen aber nicht richtig zum Stillstand. Gegen zwanzig nach Acht fuhren wir dann Zwolle Zuid von der Autobahn und hielten uns in Richtung des Industriegebietes Voorst, wo die Zugmaschine immer noch bei Metro auf dem Hof stand.

    Dort angekommen, machte ich zuerst einen Rundgang um die Zugmaschine. Man sollte ja besser schauen, ob noch alles okay war, wenn die Maschine schon nicht in der heimischen Garage stand. Dann stieg ich ein und ließ mir von Katrijn meine Sachen anreichen. Nachdem ich diese verstaut hatte, stieg ich nochmal aus um mich von Katrijn zu verabschieden. Sie schaute schon wieder ganz traurig, daher sagte ich: „Ehe du dich umschaust, ist die Woche schon wieder um und ich bin wieder bei dir.“ „Wollen wir es hoffen.“ Sagte sie traurig. „Ein wenig mehr Optimismus bitte.“ Sagte ich zu ihr. „Würde ich ja gerne, aber du fehlst mir jetzt schon wieder.“ „Ich verstehe gar nicht, wie das jahrelang mit meinem Vater gutgegangen ist.“ „Vielleicht liebe ich dich ja mehr, als ihn.“ „Das kann und will ich nicht beurteilen.“ „Brauchst du auch nicht. Es reicht, wenn du weißt, dass ich dich vermisse.“ „Du fehlst mir auch.“ „Dann komm schnell wieder.“ Ich nahm sie noch mal in den Arm. Dann sagte ich. „Sieh jetzt zu, dass du nach Eindhoven kommst. Joost sitzt sonst ganz alleine im Büro.“ „Gut. Wir telefonieren dann heute Abend.“ Sie stieg wieder in ihren Audi und machte sich wieder auf den Weg.
    Ich stieg dann in den MAN und startete den Motor. Pause hatte ich inzwischen auch genug auf der Karte. Ich war jetzt schon eine halbe Stunde über die 45 Stunden. Dann machte ich mich auf den kurzen Weg durch Zwolle zu Ikea. Dort angekommen, ging ich zuerst ins Versandbüro, wo mich der Versandleiter gleich begrüßte. „Sie sind ja selber schon wieder hier.“ Sagte er erstaunt. „Hatten wir Ihnen nicht gesagt, dass ich zurzeit auch noch selbst fahre?“ „Das muss ich dann wohl überhört haben.“ „Haben Sie denn was von unserem Trailer aus Kalmar gehört?“ „Der ist inzwischen auf dem Weg hierhin und wird voraussichtlich im Laufe des morgigen Tages hier eintreffen.“ „Dann werden wir morgen voraussichtlich einen Planen Auflieger von hier wieder mit nach Eindhoven nehmen. Welchen ist eigentlich egal.“ „In Ordnung.“ „Ist die Ladung nach Rostock fertig?“ „Da ist alles komplett geladen und gesichert. Das sind Topfpflanzen in den üblichen Rollwagen. Sehr wenig Gewicht, aber räumlich voll.“ „Gut.“ Ich schaute die Papiere durch. „Das geht dann zu Spedition Fiege nach Rostock?“ „Genau. Die verteilen das dann im Bereich Mecklenburg – Vorpommern.“ Ich unterschrieb dann die Papiere und ging danach wieder zurück zum LKW. Dann sattelte ich den Trailer 202 wieder auf.

    Anschließend zog ich den Lastzug von der Rampe ab und schloss die Türen des Aufliegers. Bevor ich mich dann aber auf den Weg machte, rief ich kurz bei Joost an. „Mulder Logistiek, guten Tag.“ Meldete er sich genervt. „Hallo Joost, was ist dir denn über die Leber gelaufen?“ „Ausgerechnet an dem Tag, wo Mama nicht direkt morgens im Büro ist, klingelt das Telefon ohne Unterbrechung.“ Sagte er gestresst. „Sie ist ja schon auf dem Weg zu dir.“ „Super, dann brauche ich ja nur noch zwei Stunden durchhalten.“ „Ich habe aber auch eine gute Nachricht für dich. Der Trailer 105, der in Kalmar stand, sollte morgen hier in Zwolle ankommen.“ „Wir sind aber heute da.“ „Dann versuche doch, morgen die gleiche Tour nochmal von DAF zu bekommen. Dann lässt du am besten den Kühler laden, der immer noch bei DAF steht und lässt den dann hinterher bei Metro, Zwolle stehen. Dann haben die ihren Kühler. Danach kann der Fahrer dann eine der beiden Planen von Ikea mit zu uns nehmen.“ „Die Idee ist gut. Das hätten wir eigentlich heute schon so machen können.“ „Jetzt machen wir das eben morgen. Dann kann ja vielleicht noch einer von uns die Ersatzteiltour fahren und dir hinterher sagen, ob das so passt.“ „Gut. Dann versuche ich mal, die DAF für morgen nochmal aus dem Kreuz zu leiern. Noch hatten wir die ja nicht fest.“ „Das sollten wir aber ab Juni fest bekommen, sonst hast du ein Problem.“ „Ich spreche gleich mal mit Bakker. Den Westerlo Umlauf haben wir ja auch noch nicht schriftlich fixiert.“ „Das ist auch nicht so wichtig, wie die Ersatzteiltour. Du musst ja irgendwie einen LKW nach Zwolle bekommen um das Sammelgut zu übernehmen.“ „Du hast Recht.“ „Okay. Ich fahre jetzt bei Ikea los und sehe zu, dass ich nach Rostock komme.“ „Ich konnte mich aber bisher noch nicht um eine Rückladung kümmern.“ „Im Zweifelsfall bleibe ich da über Nacht stehen und lade da morgen eine neue Ladung.“ „Gut. Wir telefonieren nachher.“ Wir beendeten das Telefonat und ich machte mich dann auf den Weg.

    An der Anschlussstelle Zwolle Noord fuhr ich dann auf die A28 und dann ging es via Meppel, Hoogeveen und Assen nach Groningen. Dort wechselte ich dann auf die A7 und fuhr via Winschoten nach Deutschland. Am Dreieck Bunde ging es dann auf die A31 in Richtung Emden und ab dem Dreieck Leer dann auf die A28 in Richtung Oldenburg. Abgesehen von etwas dichterem Verkehr im Beriech Groningen lief es dabei recht gut. Das war aber auch fast normal. In dieser Gegend gab es eigentlich nur sehr selten Staus. An Oldenburg vorbei ging es dann über die A28 weiter bis zum Dreieck Stuhr, wo ich dann auf die Hansalinie in Richtung Hamburg wechselte. Nun hatte ich natürlich wieder etwas mehr Verkehr vor mir. Das würde sich in diesem Bereich auch erst ändern, wenn ich Hamburg hinter mir gelassen hatte. So weit sollte ich aber erstmal noch gar nicht kommen. An der Raststätte Ostetal hielt ich dann zum Tanken und für meine kurze Pause an. Weiter wäre ich mit meinen ersten viereinhalb Stunden auch gar nicht gekommen. Es war inzwischen auch schon nach 13 Uhr, so konnte ich dann auch gleich zum Mittagessen anhalten. Dieses Mal entschied ich mich dann für ein Zigeunerschnitzel mit Pommes.

    Gegen zwanzig nach Zwei am Nachmittag fuhr ich dann weiter. Ich musste mich jetzt auch ranhalten, wenn ich nicht noch in Hamburg in den Berufsverkehr geraten wollte. Es lief jetzt aber sehr gut uns so war ich dann innerhalb einer dreiviertel Stunde in Hamburg. Dort folgte ich weiter der A1 und tangierte Hamburg somit im Süden der Stadt. Der A1 folgte ich dann noch weiter, bis ich dann das Kreuz Lübeck erreicht hatte. Nun Sollte es über die A20, die Ostseeautobahn weitergehen. Dort herrschte bekannterweise meistens recht ruhiger Verkehr. Ich konnte also ganz ruhig und entspannt der Autobahn bis zur Anschlussstelle Rostock West folgen. Nun ging es über die B103 nach Rostock hinein, die als Schnellstraße ausgebaut war. Irgendwann schickte mich dann das Navi von der Schnellstraße herunter und ich kam nun richtig in die Stadt hinein.

    Es war kurz nach halb Fünf am Nachmittag, Joost sollte also noch im Büro sein. Ich rief ihn also an. „Marc, schön dich zu hören.“ Begrüßte mich Joost erheblich entspannter, als am Morgen. „Du klingst auch wieder besser.“ Sagte ich daher. „Das war aber auch wie verhext. Kaum war Mama wieder im Büro, ging kaum noch das Telefon. Als hätten sich alle abgesprochen, um mich heute Morgen zu stressen.“ „Wie sieht es denn mit einem Anschluss aus?“ „Für unsere Kunden scheint das eine total tote Ecke zu sein. Da bekomme ich gar nichts.“ „Also mache ich gleich Feierabend?“ „Melde dich noch mal kurz, wenn du abgeladen hast, dann reden wir weiter.“ „Okay.“ Wir beendeten das Telefonat und ein paar Minuten Später hatte ich die Niederlassung von Fiege erreicht, die die Ware hier verteilen sollten. Ich fuhr auf den Hof und meldete mich dann im Büro an.
    Man war zwar nicht begeistert, dass ich am Spätnachmittag mit der Ware ankam, wo auch der ganze Nahverkehr auf den Hof kam, man teilte mir dann trotzdem eine Rampe zu, an der ich ansetzen konnte. Ich ging zurück zum Lastzug, öffnete die Türen des Aufliegers und setzte an die Rampe. Dann meldete ich mich beim Lagermeister. „Hast du nur diese Blumenrollwagen mit den Topfpflanzen drauf?“ „Genauso ist es.“ „Dann tu mir einen Gefallen und zieh die Dinger einfach vom Auflieger und stell die gegenüber von dem Tor in eine Reihe. Ich zähle die Dinger gleich durch und du bekommst deine Papiere. Jetzt, wo der ganze Nahverkehr reinkommt, habe ich keine Leute zum Abladen frei.“ „Ist in Ordnung.“ Ich machte mich an die Arbeit und zog die ganzen Rollwagen vom Auflieger und reihte sie auf. Dann ging ich zurück zum Meister. Der kam dann zu dem Platz, wo ich die Pflanzen hingestellt hatte, zählte die Rollwagen durch und gab mir dann einen Laufzettel. „Gib den im Büro ab und du bekommst deine Papiere.“ Dann war er fertig damit. Ich holte mir dann im Büro meine Ablieferquittung und ging dann zurück zum LKW. Dann rief ich nochmal bei Joost an. „Ich bekomme immer noch nichts. Werde wahrscheinlich gleich nach einer Ladung über Timocom suchen. Irgendeine Zwischentour, damit ich dich nicht leer nach Kiel oder Berlin ziehen muss.“ „Gut. Dann suche ich mir jetzt einen Parkplatz.“ „Wolltest du nicht immer noch das Mautgerät für Skandinavien haben?“ „Ja.“ „Da war irgendwo im Hafen eine gute Werkstatt, die die Dinger einbauen kann. Ich suche gerade auf Google.“ Es wurde ein paar Sekunden ruhiger. „Ah, ja. Hier habe ich die Werkstatt.“ Er gab mir die Adresse durch. „Fahr da mal hin. Ich melde dich in der Zeit an. Der hatte auch einen Parkplatz, wo man über Nacht stehen bleiben kann.“ „Okay.“ Wir beendeten das Telefonat und ich fuhr zu der Adresse, die mir Joost genannt hat. Es war nicht allzu weit von der Fiege Niederlassung entfernt.
    Es war keine Vertragswerkstatt, sondern eine freie LKW Werkstatt. Ohne den Hinweis von Joost wäre ich auf diese Werkstatt nie gekommen. Als ich dort auf den Hof kam, lief mir dann schon ein Mann in einem Meisterkittel entgegen. „Dein Büro hat eben angerufen. Du willst ein Mautgerät für Skandinavien haben?“ „Genau. Damit ich da so durchfahren kann und mich nicht anstellen muss.“ „Kein Problem. Dauert vielleicht eine Stunde.“ „Kann ich danach über Nacht hier stehen bleiben?“ „Wann willst du denn weiter?“ „Morgen früh.“ „Wenn du morgen bis halb Acht hier vom Hof bist, dann passt das. Danach brauche ich den Platz und kann hier keinen Sattelzug mehr gebrauchen.“ „Ich wollte eigentlich schon früher hier weg. So gegen Sechs.“ „Umso besser. Stell dich da vorne auf die Seite. Der Mechaniker kommt sofort. Eine Grube brauchen wir ja für den Einbau nicht. Da kannst du dann auch hinterher stehen bleiben.“ „Okay.“ Ich stellte den Lastzug so hin, wie man es mir gesagt hatte, dann wartete ich auf den Mechaniker.
    Eine Viertelstunde später kam der Mann. „Ich fange schon mal an. Du sollst mal eben ins Büro kommen den Auftrag unterschreiben. Denk auch an deinen Kilometerstand.“ Ich ließ ihn arbeiten und ging ins Büro. Dort unterschrieb ich meinen Auftrag. Dann ging ich wieder in Ruhe zurück zum LKW. Dann dauerte es noch etwas über eine halbe Stunde und der Mechaniker war fertig. Dann machte ich es mir gemütlich. Etwas später machte ich mir dann noch eine Kleinigkeit zu Essen. Irgendwann bekam ich dann noch eine Nachricht von Joost er hatte eine Zwischentour für den nächsten Morgen nach Berlin angenommen. Später telefonierte ich dann noch eine ganze Weile mit Katrijn. Danach legte ich mich dann schlafen.

    Dienstag, den 09. Mai 2017:

    Gegen viertel nach fünf hatte mich der Wecker wieder aus dem Bett geworfen. Ich stand dann auf und durfte mal wieder die Körperpflege aus dem Wasserkanister erledigen. Da in der Werkstatt um diese frühe Uhrzeit noch keiner da war, hatte ich keine Möglichkeit, die Sanitäranlagen der Werkstatt zu nutzen. Gegen sechs Uhr machte ich mich dann auf den Weg. Die Ladung, die Joost angenommen hatte ging von einer Stahlbaufirma in Rostock zum BASF Werk in Berlin. Es sollten wohl Rohrkonstruktionen sein, die für eine neue Anlage bei BASF gebraucht wurden. Das waren ja normal so gar nicht unsere Kunden. Daher stellte ich mir die Frage, ob das wohl alles so funktionieren würde.
    Ich brauchte keine zehn Minuten, bis ich bei der Firma für Stahlbau angekommen war. Netterweise fing es dann auch noch an zu regnen. Ich ging in die Halle und meldete mich bei ein paar Leuten, die dort zusammenstanden und sich unterhielten. „Guten Morgen.“ Ein allgemeines „Moin“ war die Antwort. „Mulder Logistiek. Wir haben über Timocom den Auftrag bekommen eine Ladung nach Berlin zu übernehmen.“ „Gut, dann fahr mal in die Halle und mach die Plane auf. Wir kommen dann gleich zum Laden.“ „Was für eine Plane?“ war meine verdutzte Antwort. „Hast du einen offenen Auflieger? Es soll heute noch regnen. Das wäre dann nicht so gut. Die Dinger sind nämlich noch nicht mit der Schutzfarbe lackiert und können rosten.“ „Der Regen hat gerade schon angefangen. Ich habe aber einen Faltwandkoffer.“ Der Mann verstand offensichtlich nur die Hälfte. „Einen Koffer? Wie sollen wir denn da lange Rohrkonstruktionen draufbekommen? Stand das nicht im Auftrag, was wir hier verladen?“ „Wenn ich das richtig im Kopf habe, stand da Beladung von oben oder von der Seite.“ „Wie soll das bei einem Koffer gehen?“ „Von der Seite natürlich. Von Oben bräuchte ich einen Büchsenöffner.“ „Hol deinen LKW mal rein und dann zeigst du mir, wie das gehen soll.“ „In Ordnung.“ Ich ging zurück zum Lastzug und setzte ihn anschließend rückwärts in die Halle. Dann stieg ich aus und begann, die linke Seite zu öffnen. „Reicht eine Seite, oder müssen wir von beiden Seiten dran?“ „Zum Sichern ist es wohl besser, wenn du beide Seiten aufhast.“ Sagte der Mann mit weitaufgerissenen Augen. „Die Auflieger kenne ich auch noch nicht.“ „Die sind ganz gut, wenn man verschiedene Ladungen fährt.“ „Das glaube ich.“
    Eine dreiviertel Stunde später war dann alles verladen. „Das war ja sogar besser, als bei alten Planen Aufliegern. Da hängt nämlich meistens das Dach durch, wen man alle Rungen rausnimmt.“ „Bei unseren Planen nicht.“ „Habt ihr Schiebeplanen?“ „Richtig.“ „Bei denen ist das nicht mehr so, weil die Aluschienen an den Seiten etwas steifer sind. Ich meinte die alten Auflieger mit Plane und Spriegel. Da hingen dann die Dächer durch, das glaubt man kaum.“ „Die hat ja heute kaum noch jemand.“ „Zum Glück.“ Nachdem ich die Ladung gesichert hatte und der Auflieger wieder geschlossen war, erledigten wir den Papierkram. Dann machte ich mich auf den Weg.

    Zuerst ging es durch Rostock in Richtung A19. Dort fuhr ich dann in Richtung Berlin auf. Nun ging es über die A19 und ab dem Dreieck Wittstock / Dosse über die A24 in Richtung Berlin. Am Dreieck Havelland hielt ich mich dann auf den nördlichen Berliner Ring und ab dem Kreuz Oranienburg fuhr ich dann über die A111 nach Berlin hinein. Meine Abladestelle sollte sich im Bereich Charlottenburg / Spandau befinden.
    Dort verließ ich die Autobahn und musste mich dann noch durch ein paar recht enge und zugeparkte Straßen manövrieren. Das war im ehemaligen Westberlin viel so. Da man vor der Wende nur einen sehr begrenzten Platz hatte, war dort sprichwörtlich jeder Centimeter an Platz genutzt worden. So wurden auch vergleichsweise große Firmen in Gegenden erreichtet, wo man sonst im Traum nicht darauf gekommen wäre.

    Gegen halb Zehn erreichte ich dann die BASF Niederlassung, die im Vergleich zum Hauptwerk in Ludwigshafen nur eine kleine Bude war. Hier reichte es aber um recht dominant zu wirken. Ich fuhr durchs Tor und meldete mich beim Pförtner an. Der schaute stirnrunzelnd auf die Papiere und fragte mich dann: „Ist das für die Baustelle?“ „Ich denke schon. Genau weiß ich das aber auch nicht. Ihr solltet doch eigentlich wissen, wo hier was hinkommt.“ „Wir haben hier so viele Be- und Entladestellen, da blickt doch keiner mehr durch.“ „Dann seien sie froh, dass sie hier sind und nicht in Ludwigshafen.“ „Das sowieso.“ Er telefonierte dann ein, zweimal und sagte dann: „Hier geradeaus, dann dahinten rechts und dann an Tor zwei Melden. Die nehmen dir das ab.“ Ich folgte der Beschreibung und meldete mich dann bei Tor zwei an. Dort reichte es dann, eine Seite zu öffnen. Mit einem großen Stapler wurden die Rohrkonstruktionen dann vorsichtig wieder entladen. Da die Sachen direkt zur Verwendungsstelle gebracht werden mussten, weil sie sonst nur im Weg gelegen hätten, dauerte es hier ebenfalls fast eine Stunde, bis ich entladen war.
    Anschließend rief ich dann bei Joost an. „Moin, Marc. Hat alles geklappt?“ „Letztlich schon. Das war aber trotzdem eine schwere Geburt.“ „Zum Glück machen wir sowas nicht öfter. Bist du jetzt wieder leer?“ „Richtig.“ „Dann fahr bitte zum Ikea Lager. Das muss da in der Nähe sein. Hat zumindest die gleiche Postleitzahl.“ Er nannte die genaue Adresse, die ich dann mitschrieb. „Dort liegt eine eilige Ladung nach Aalborg.“ „Was heißt eilig?“ „Dass du Laden – Liefern nicht mehr schaffst, ist klar. Heute laden. Dann soweit fahren, wie du kommst und dann morgen so früh wie möglich beim Spediteur anliefern. Das geht zum Hausspediteur von Ikea Aalborg, der die Ware morgen noch in die Zustellung geben will. Also auf neun Stunden verkürzte Ruhepause.“ „Gut. Dann gehe ich aber heute nicht auf einen Zehner.“ „Das wäre auch Quatsch. Auch mit zehn Stunden kommst du nicht bis Aalborg. Was hast du jetzt an Fahrzeit weg?“ „Etwa zweieinhalb Stunden.“ „Dann solltest du… …Moment… …etwa bis Aarhus kommen.“ „Wir werden sehen. Ich fahre jetzt erstmal laden. Mal schauen, wann ich dann da loskomme.“ „Mach das.“ Wir beendeten das Gespräch und ich fuhr zu Ikea. Das Lager war wirklich nicht weit weg. Etwa eine Viertelstunde später war ich dort angekommen.

    Da man am Lager wusste, wie eilig die Ladung war, konnte ich sofort an die Rampe. Danach ging auch alles im Rekordtempo. Da es sich aber um eine Sammelladung handelte, die aus vielen unterschiedlichen Packstücken bestand, dauerte es dann trotzdem eine gute Stunde, bis der Auflieger vernünftig beladen und die Ladung gesichert war. Dann musste ich noch einen Moment auf die Papiere warten. In der Zeit fuhr ich schon mal von der Rampe und schloss die Türen. Gegen zwölf Uhr am Mittag konnte ich mich dann endlich auf den Weg machen. Zuerst nahm ich den gleichen Weg wieder zurück. Es ging erst wieder durch die engen Straßen zur A111 zurück.

    Dann ging es über das Kreuz Oranienburg und die A10 zum Dreieck Havelland. Nun war ich wieder auf der A24. Am Dreieck Wittstock / Dosse hielt ich mich aber diesmal in Richtung Hamburg und folgte entsprechend weiter der A24.
    Auch wenn es nicht so toll war, schaute ich dann während der Fahrt in die Karte. Ich fragte mich, ob es Sinn machte, in Schleswig – Holstein über Land zur A7 zu fahren. Nachdem ich mir da mehrere Strecken angeschaut hatte, entschied ich mich aber dagegen und beschloss einen kurzen Abstecher durch Hamburg zu machen. Das war zwar auch nicht optimal, aber optimal würde es erst dann geben, wenn die A20 mal bis zur A7 durchgehen würde.
    Da ich dann aber noch vor dem Berufsverkehr durch Hamburg kam, lief es besser, als ich vorher befürchtet hatte. Dann ging es über die A7 weiter in Richtung Norden. In viereinhalb Stunden kam ich dann auch weiter, als ich vorher gedacht hätte, nämlich tatsächlich bis zum Grenzübergang Ellund. Dort machte ich dann eine Pause in der ich mir dann was zu Essen bereitete.
    Dann rief ich nochmal bei Joost an. „Du bist tatsächlich in viereinhalb Stunden bis Ellund gekommen? Das hätte ich nicht gedacht." Wie bist du denn dann vorhin auf Aarhus gekommen? Weiter werde ich mit Sicherheit nicht mehr kommen." Da habe ich mich vertan. Aber wenn das klappt ist ja optimal.“ „Hast du schon was für morgen?“ „Nicht wirklich. Geh mal von Ikea oder Arla aus. Ich schicke dir nachher was. Ich werde da von zu Hause nochmal reinschauen.“ „Was hast du denn den ganzen Tag gemacht?“ „Hallo? Du bist ja nicht der einzige Fahrer, um den ich mich kümmern muss.“ „Was machen die anderen denn?“ „Dominic darf mal wieder auf die Isle of Man, Art fährt nach Torino und Maarten nach Le Mans.“ „Alles Nagel?“ „Nee. Zweimal Nagel und einmal DAF. Außerdem wird Dirk im Auftrag von DAF fahren.“ „Was kriegt der? Werksverkehr Westerlo?“ „Wahrscheinlich schon. Maarten ist mit dem Schubboden unterwegs.“ „Gut. Dann mal bis morgen.“ Wir legten auf und ich machte mich nochmal für die restliche Fahrzeit auf den Weg.

    Nun ging es über die dänische E45 in Richtung Norden weiter. Hinter Kolding blieb ich auf der E45 und kam dabei an Vejle vorbei. Mit der Planung bis nach Aarhus kam es dann wirklich hin. An dem Parkplatz Blankhoj, an dem auch ein kleiner Imbiss war, machte ich dann Feierabend. Ich ging dann noch mal für eine Kleinigkeit in den Imbiss. Anschließend folgte dann das obligatorische Telefonat mit Katrijn. Danach legte ich mich schlafen. Schließlich musste ich ja die Pause verkürzen.

    Mittwoch, den 10. Mai 2017:

    An diesem Morgen schmiss mich der Wecker wieder gegen viertel nach Drei aus der Koje. Nachdem ich mich aus dem Bett gequält hatte, setzte ich mir dann zuerst einen Kaffee auf. Dann schaute ich, wie es denn mit den Sanitäranlagen auf diesem Rastplatz aussah. Die Toiletten des Imbisses, der um diese Zeit geschlossen war, waren auch von außen zugänglich. Nur die Türen nach Innen waren verschlossen. Für die Waschmöglichkeiten war es besser, den Wasserkanister zu benutzen. Dann konnte ich den ersten Kaffee genießen. Gegen vier Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg. Die E45 war hier um diese Zeit recht leer. Zum Glück war sie nicht schnurgerade, sonst wäre die Möglichkeit, am Steuer einzuschlafen, wesentlich höher gewesen. An Randers und Hobro vorbei ging es dann nach Aalborg. An der Ausfahrt Aalborg Centrum ging es dann von der Autobahn. Dann musste ich noch etwa zehn Minuten durch diverse Vororte und Gewerbegebiete durchfahren, bevor ich dann bei der Spedition, die in unmittelbarer Nähe des Ikea Lagers lag, ankam.

    Gegen viertel vor Sechs kam ich dann da auf den Hof. Da ein Wachmann an einem Bürocontainer eine Art Pförtnerdienst machte, meldete ich mich bei ihm an. „Schön, dass du da bist. Wir haben dich schon erwartet. Setz an Tor zwei an und bring dann die Papiere zum Lagermeister.“ „In Ordnung.“ Ich fuhr den Lastzug vor Tor Zwei und öffnete die Türen des Aufliegers. Dann setzte ich den Lastzug an die Rampe. Anschließend nahm ich die Papiere und ging zum Lagermeister. Dieser empfing mich ebenfalls sehr freundlich. „Hallo, schön, dass du da bist. Gib mir bitte die Papiere, dann kannst du nach unten in den Aufenthaltsraum für Fahrer gehen. Da steht Kaffee und Frühstück. Ich sage dir dann Bescheid, wenn der Trailer leer ist.“ „Vielen Dank.“ Sagte ich erfreut. „Sollst du hier auch wieder laden?“ „Nebenan bei Ikea. Da fahren wir ja für.“ „Wir ja auch.“ Ich ging dann runter in den Aufenthaltsraum für Fahrer, wo schon mehrere Fahrer saßen und frühstückten. „Komm rüber. Es ist genug da.“ Sagten sie. Dann frühstückten wir und tauschten uns aus.Kurz vor Acht kam der Meister in den Raum. „Frederiksen, Kastrup und Mulder sind fertig und können los.“ Er reichte uns die Papiere und wir konnten zu unseren Lastzügen gehen. Ich setzte den Lastzug von der Rampe und schloss die Türen. Dann konnte ich zu Ikea fahren, der quasi direkt nebenan war.

    Auch dort war ich bereits angemeldet. „Mulder Logistiek, Eindhoven?“ „Richtig.“ „Du bekommst eine Ladung nach Kärsämäki.“ „Seid ihr sicher?“ „Ganz sicher.“ „Ich habe von unserer Dispo nur eine Nachricht bekommen, dass ich im Anschluss bei euch laden soll. Aber nicht wohin.“ „Das war wohl auch gestern Abend noch nicht ganz klar. Da hat uns euer Disponent Joost Mulder freie Hand gegeben.“ „Und wo liegt das Kaff?“ „Das hört man doch schon am Namen. In Finnland.“ „Na, prima.“ „Fahr mal dahinten vor das erste Tor, dann können wir laden.“ Ich fuhr den Lastzug zu dem Tor und öffnete die Türen.
    Anschließend nahm ich mir erstmal meine Europakarte und suchte mir raus, wo sich das Kaff befinden sollte. Ich fand es dann an der E75 ungefähr auf halber Strecke zwischen Jyväskylä und Oulu oder anders gesagt auf halber Strecke zwischen Helsinki und Lappland. Damit hatte sich das Wochenende zu Hause wohl erledigt. Ich stieg dann aus und ging nach hinten und verfolgte, wie der Lastzug geladen wurde. Kurz vor Acht war dann alles geladen und gesichert. Ich schloss die Türen und machte noch den Papierkram.

    Dann war ich wieder startklar. Zuerst ging es dann zurück zur E45. In der Zeit rief ich dann schon bei Joost an. „Na Marc, bist du schon fertig geladen?“ „Bin ich. Du wirst aber nicht erraten wo hin.“ „Das stand gestern noch nicht ganz fest. Daher habe ich denen freie Hand gelassen. Aber wenn du schon so anfängst, denke ich mal an Russland.“ „Warm. Nicht ganz, aber nah dran. Finnland wäre richtig gewesen.“ „Da waren wir auch noch nicht.“ „Stimmt.“ „Wohin denn genau?“ „Nach Kärsämäki.“ „Gesundheit… Und wo bitte liegt das Kaff?“ „Zwischen Jyväskylä und Oulu an der E75.“ „Da bist du ja schon fast in Lappland.“ „Aber nur fast.“ „Viel Spaß beim Wochenende in Finnland.“ In dem Moment hörte ich im Hintergrund die Stimme von Katrijn: „Wer muss nach Finnland?“ „Marc hat in Dänemark eine Ladung dahin bekommen.“ „Dann bin ich ja das ganze Wochenende alleine.“ „Das ist wohl so.“ Ich schaltete mich mal wieder ein. „Kannst du mich auf eine Fähre von Frederikshavn nach Göteborg buchen?“ „Na klar. Ab wann?“ „Ich bin gerade los, ich denke mal, dass ich spätestens um Zehn in Frederikshavn bin. Also ab 11 Uhr.“ „Gut. Was brauchst du dann noch?“ „Eine Verbindung von Stockholm nach Turku. Wenn ich in Göteborg die Pause vollmache und dann nach Stockholm durchfahre, sollte das für morgen Früh gehen.“ „Ich schaue mal, was ich bekommen kann.“ Dann legten wir auf. Inzwischen war ich dann auf der E45 angekommen. Ich fuhr in Richtung Norden auf die Bahn und kam kurz darauf am Limfjordtunnel an. Nachdem ich den passiert hatte, ordnete ich mich weiter in Richtung Frederikshavn auf die E45 ein. An der Anschlussstelle Saeby Syd fuhr ich dann von der Autobahn, um am Transportcenter, was in Dänemark für einen Autohof stand, nochmal zum Tanken anzuhalten. Hier war der Diesel immer noch günstiger, als in Schweden.
    Nachdem die Tanks wieder voll waren und ich mich mit einem Kaffee gestärkt hatte, fuhr ich dann weiter zum Fährhafen von Frederikshavn. Ich war gerade zurück auf der Autobahn, als das Telefon ging. „Mulder.“ Meldete ich mich knapp. Dann wusste Joost bereits, dass ich mich aufs Fahren konzentrieren musste. „Joost hier. Die Fähren sind gebucht. Um 14 Uhr geht deine Stena Line von Frederikshavn nach Göteborg. Da ich nicht genau weiß, wie du nach Stockholm durchkommst habe ich dich mal für zwei Fähren nach Turku reserviert. Und zwar über Viking Line. Morgen um 7:45 Uhr und um 20 Uhr. Die Nachtfähre ist teurer, also wäre es für uns besser, wenn du die Fähre um 7:45 Uhr kriegen würdest.“ „Ich gebe mein Bestes. Ich bin jetzt gleich in Frederikshavn. Das heißt ich bin spätestens um zehn Uhr im Hafen. Wenn ich dann mit Fähreneinstellung auf die Fähre und wieder runterfahre, habe ich um Sieben, spätestens halb Acht die Pause voll. Das sollte eigentlich ausreichen, um morgen früh auf der Fähre nach Turku zu sein.“ „Gut. Schick mir mal eine Nachricht, ob alles klappt.“ „Mache ich.“ Wir beendeten das Gespräch. Kurz darauf kam ich dann in Frederikshavn an.
    Dort fuhr ich dann zum Fährhafen. Nachdem der Lastzug in der Vorstaufläche stand, stellte ich den Tacho auf Pause. Dann meldete ich mich an. Als ich dann zurück im LKW war, legte ich mich noch ein wenig aufs Ohr, bis mich der Einweiser an Bord der Fähre schickte. Das tat ich dann, wie besprochen auf der Fähreneinstellung des Digitalen Tachos. Während der Überfahrt nach Göteborg ging ich dann zuerst was Essen. Anschließend suchte ich mir noch einen gemütlichen Clubsessel zum Dösen.
    Gegen viertel nach Fünf am Nachmittag kam ich dann in Göteborg an. Dort fuhr ich dann erstmal wieder auf den Parkplatz, um meine Pause zu komplettieren. Dort legte ich mich dann noch mal für zwei Stunden in die Koje.

    Mittwoch, den 10. Mai 2017, 19:30 Uhr:

    Ich hatte jetzt neun Stunden Fahrzeitunterbrechung auf der Karte. Mal abgesehen von der Auf- und Abfahrt auf beziehungsweise von der Fähre. Deshalb hatte ich auch etwas länger gestanden. Viel länger wollte ich aber nicht mehr stehen, da man ja nie wusste, was in der Nacht noch so passierte. Da wollte ich lieber noch ein paar Minuten Reserve haben. Ich startete also wieder mal den MAN und machte noch einen Rundgang um den Lastzug. Nachdem ich dann festgestellt hatte, dass alles in Ordnung war, fuhr ich langsam aus dem Fährhafen von Göteborg.
    Gerade hier im Bereich von Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens nach Stockholm war um diese Zeit noch sehr viel los. Um nicht mitten durch die Stadt fahren zu müssen, fuhr ich erst wieder auf den Zubringer, der von der Autobahn E6 und E20 in den Hafen führte. In diesem Fall führte er mich aus dem Hafen zu der Autobahn.

    An der Autobahn angekommen, ging es dann wieder zurück, nur dass ich eben auf der westlichen und nun auf der östlichen Seite von Göteborg war. Dann teilte es sich wieder auf. Die E6 führte weiter nach Norden in Richtung Oslo und die E20 ging östlich weg in Richtung Örebro und Stockholm. Ich folgte nun weiter der E20.
    Das Vergnügen, auf einer Autobahn dahinzurollen, hatte ich dann aber nicht mehr lange. Kurz darauf wurde die E20 zur Landstraße. Ähnlich, wie ich es schon auf der E22 zwischen Kristianstad und Kalmar erlebt hatte, war auch die E20 noch nicht komplett als Autobahn ausgebaut. Zwischendurch gab es dann mal Teilstücke, auf denen wenigstens in eine Richtung ein zweiter Fahrstreifen zum Überholen vorhanden war, meistens war es aber eine ganz normale zweispurige Landstraße.
    Das Nächste, wo ich nicht mit gerechnet hatte, war, dass es zu dieser Jahreszeit in der Nacht dann doch noch sehr dunkel war. Allerdings war es diese Nacht auch noch sehr bewölkt. Ansonsten sollte es Mitte Mai doch langsam in den Nächten heller sein. Vielleicht hatte ich in der nächsten Nacht in Finnland dann schon mehr Glück. Ich hatte zwar sehr gute Scheinwerfer, insbesondere meine Zusatzscheinwerfer an dem MAN waren schon sehr gut, aber wenn Gegenverkehr kam, nützten sie mir gar nichts, da ich dann nun mal abblenden musste. Je später es wurde, umso weniger Gegenverkehr kam dann aber auch. Daher ging das dann hinterher.
    Da ich am Abend im Bereich Göteborg leider viele rote Ampeln und ein paar Baustellen hatte, die mich etwas aufgehalten haben, konnte ich aber aufgrund der hohen Standzeiten etwas länger fahren, als bis Mitternacht. Trotzdem fing ich dann gegen Mitternacht an, einen Parkplatz für die kurze Pause zu suchen. In der Nähe von Mariestad fand ich dann einen unbefestigten Platz neben der Landstraße, der mir geeignet schien. Da dieser aber im Stockdunkeln lag, ließ ich während der Pause zur Sicherheit mein Standlicht an. Das mir jetzt im Dunkeln noch ein Auto in den Lastzug fuhr, hätte mir gerade noch gefehlt.

    Gegen viertel nach Eins fuhr ich dann weiter. Nun dauerte es auch nicht mehr allzu lange, bis die E20 wieder zur Autobahn wurde. Kurz hinter Laxa war es dann mit der Landstraße zum Glück vorbei. Nun konnte ich dann wieder etwas Zeit gutmachen. Die Strecke war so gut, wie leer, so konnte ich ruhig im Tempomat rollen. Da der Fährhafen von Stockholm im Norden der Stadt lag, entschied sich mein Navi hinter Örebro für die E18, die dann via Västerås in Richtung Stockholm führte. Die weitere Fahrt verlief dann ohne Probleme. So kam ich dann nach vier Uhr langsam in den Bereich der schwedischen Hauptstadt. Nun musste ich ein wenig aufpassen, nicht auf die falschen Spuren zu geraten, da ich sonst ganz woanders rauskommen würde. Wenn man aber konzentriert fuhr, war das ganze kein Problem. Gegen fünf Uhr erreichte ich dann den Bereich des Fährhafens. Inzwischen war es auch wieder heller geworden.

    Ich fuhr in den Hafenbereich und stellte den Lastzug auf die Vorstauflächen in Richtung Turku. Dann ging ich ins Fährbüro und meldete mich an. Die Abendfähre nach Turku stornierte ich dann gleichzeitig. Anschließend hatte ich dann Wartezeit im LKW, wo ich dann wieder eindöste. Der Einweiser weckte mich dann aber, als es an der Zeit war, auf die Fähre zu fahren. Da die Überfahrt sowieso elf Stunden dauern sollte, verzichtete ich dann auch auf die Nutzung der Fähreneinstellung.
    Nachdem dann der Lastzug auf seiner Parkposition stand, stieg ich aus und brachte meine Sachen in die Kabine. Anschließend ging ich dann an Deck und genoss den Sonnenaufgang über den Schären und der Ostsee.
    Als die Fähre abgelegt hatte, war ich erst versucht, sofort zum Schlafen in die Kabine zu gehen. Mein Hunger hielt mich aber davon ab. Ich nahm also erst noch ein Frühstück zu mir. Danach war ich dann aber schnell in der Kabine verschwunden.

    Donnerstag, den 11. Mai 2017:

    Auch wenn man über Tag auf der Fähre war, änderte sich nicht allzu viel am Ablauf. Bis zum Nachmittag war ich in der Kabine und schlief, dann machte ich mich langsam fertig. Danach ging es dann noch zum Essen. Da es in Strömen regnete, verzichtete ich aber darauf, hinterher an Deck zu gehen. Ich hatte auf besseres Wetter gehofft, da ich bisher noch nie in Finnland war und gerne schon was gesehen hätte, als sich die Fähre der Küste näherte. So war alles grau und man konnte auch nicht sonderlich weit sehen.
    Gegen halb Sieben am Abend legte die Fähre dann bei immer noch starkem Regen in Turku an. Da Finnland ja auch zur EU gehörte, gab es keine Abfertigung. Man konnte kurz darauf von Bord fahren. Dann musste ich durch die Stadt fahren, wo der Feierabendverkehr immer noch zugange war. Ich folgte der Beschilderung in Richtung Tampere. Auf der Ausfallstraße kam ich dann an einem Ikea vorbei. Wenigstens ein Kunde, der auch in Finnland ansässig war. Ob meine anderen Kunden hier Niederlassungen hatten, wusste ich nicht.

    Zuerst ging es ein Stück über die Autobahn. Dann endete diese und es ging über Landstraße weiter. Da in Finnland aber auch auf der Landstraße ein Tempolimit von 80 Km/h für LKW galt, war das nicht so tragisch. Außerhalb der Stadt wurde der Verkehr dann auch weniger. Entsprechend gut konnte man hier fahren. Es lief ruhig, entspannt und unproblematisch. Kurz vor Tampere wurde die Straße wieder zur Autobahn. Nun musste ich mich weiter in Richtung Jyväskylä halten. Dabei stellte ich wieder mal fest, dass die finnischen Namen die reinsten Zungenbrecher waren. Alleine an der Sprache merkte man ja auch schon, dass Finnland nicht mehr zu Skandinavien gehörte. Der Sprachstamm war ein völlig anderer.
    Hinter Tampere ließ dann zu meiner Freude der Regen allmählich wieder nach. Damit wurde auch die Fernsicht wieder besser. Außerdem ging es nun wieder über eine Landstraße. Die Landschaft bot im Moment eine Abwechslung von Wäldern und Seen, die es hier ganz offensichtlich reichlich gab. Das war hier garantiert ein Paradies für Angler.
    Mit meiner ersten Fahrzeit kam ich dann bis kurz vor Jyväskylä. Gegen 23 Uhr machte ich auf einem kleinen Schotterparkplatz Halt. Dort machte ich mir noch eine Kleinigkeit zu Essen. Dabei fiel mir dann auf, dass ich tatsächlich den zweiten Abend in Folge nicht mit Katrijn telefoniert hatte, weil ich immer zu unserer üblichen Zeit fahren musste. Effektiv bedeutete das, ich hatte nicht mehr mit ihr telefoniert, seitdem feststand, dass ich dieses Wochenende nicht nach Hause kam.
    Mit einem schlechten Gewissen schrieb ich ihr eine WhatsApp, in der ich mich entschuldigte. Kurz darauf kam die Antwort. „Du kannst noch anrufen. Ich bin noch wach.“ Also rief ich noch mal kurz bei Katrijn an. Sie machte mir keinen Vorwurf, dass ich nicht nach Hause kam. Den hatte Joost mit Sicherheit bereits bekommen. Sie bedauerte es nur. Sie hatte auch volles Verständnis, dass es keinen Sinn machte während der Fahrt mit ihr zu telefonieren. Besonders nicht, da ich die Strecken nicht kannte. Als ich dann noch sagte, dass am Abend starker Regen gewesen war, hatte sie da volles Verständnis für. Katrijn war sowieso an diesem späten Abend sehr sanft und jammerte nicht einmal, dass ich diesen Job machte, was sonst häufiger vorkam.

    Wir telefonierten dann noch bis kurz vor Mitternacht, wo ich dann wieder weiterwollte. Da es inzwischen aufgelockert hatte, merkte ich nun, dass es wirklich nicht mehr richtig dunkel wurde. Es war immer noch Dämmerlicht. Trotzdem war es besser, auf den jetzt fast völlig leeren Straßen mit Fernlicht zu fahren.
    Kurz darauf fuhr ich dann durch Jyväskylä und hielt mich dann weiter in Richtung Oulu. Die Landschaft bestand immer noch aus Seen und Wäldern. Trotzdem merkte ich, dass die langen, geraden Streckenabschnitte doch sehr ermüdend wirkten. Es passierte auch nichts. Manchmal dauerte es lange Zeit, bis überhaupt mal ein Fahrzeug entgegenkam. So zog sich die Nacht hin, bis ich dann gegen viertel nach Drei die ersten Häuser von Kärsämäki erreichte.
    Bei den paar Häusern wunderte ich mich schon, dass in dieser gottverlassenen Gegend zwei Logistiker ausgerechnet dieses Kaff gewählt hatten, um dort ein Lager zu errichten. Wahrscheinlich hatte man denen die Grundstücke fast geschenkt, damit sie hier bauten und Arbeitsplätze schufen.
    Einer der beiden Logistiker war dann auch das Ziel meiner Reise. Kurz vor halb Vier kam ich dann an dem Lager an. Dort war allerdings alles verschlossen. Hier wurde offensichtlich nicht rund um die Uhr gearbeitet. Warum auch.
    Am Tor war dann ein kleines Schild auf dem vermutlich die Öffnungszeiten bekanntgegeben wurden. Auf jeden Fall stand da was von 6:00 – 22:00 was ich für Uhrzeiten hielt. Da ich bis sechs Uhr noch etwas Zeit hatte, legte ich mich schlafen.
    Gegen kurz vor Sechs klopfte es dann an der Tür. Ich öffnete und ein Mann sagte etwas Unverständliches zu mir. Ich zuckte verständnislos mit den Schultern, dann kam ein: „Your documents, please.“ Ich gab ihm die Papiere und er schaute kurz darauf. Dann sagte er knapp: „Ramp two.“ Ich nickte und startete den Motor. Dann setzte ich den Zug vor Rampe zwei und öffnete die Türen. Nun fuhr ich langsam an die Rampe heran, bis ich ein „Stop.“ Von der Rampe hörte. Ich stellte den Motor ab und ging zur Rampe. Dort sagte der Finne knapp: „Please wait in your Lorry. I’ll call you, when we’re finish.“ Auch gut dachte ich bei mir. Ich hatte also nichts mit Entladen zu tun. Also machte ich es mir wieder im LKW gemütlich.

    Gegen sieben Uhr kam der Finne dann wieder zum LKW und brachte mir meine unterschriebenen Papiere mit. Er gab sie mir mit den Worten: „Good bye. Have a nice Weekend.“ Dann ging er wieder in sein Lager. Ich startete dann den Motor und setzte von der Rampe ab. Dann warf ich einen Blick auf den leeren Auflieger und schloss die Türen. Dann fuhr ich vom Hof und suchte mir einen Platz, wo ich mit dem Lastzug parken konnte. Meine Fahrzeit war sowieso voll.
    Nachdem ich eine Parkmöglichkeit gefunden hatte, rief ich Joost eben auf dem Handy an. „Moin Großer. Was gibt es denn schon so früh?“ „Ganz einfach. Auto leer, Fahrzeit voll.“ „Gut. Dann mach mal Pause. Ich werde noch mal schauen, ob ich dich da aus der Walachei rausbekomme. Vielleicht ein Auftrag nach Tampere oder so. Von da geht es dann nächste Woche weiter.“ „Das wäre schön, wenn ich nicht das ganze Wochenende hier stehen bleiben müsste. Sonst kann ich mir das ganze Wochenende nur an den Füßen rumspielen.“ „Solange es nur die Füße sind.“ Lachte Joost. „Besser du holst mich in irgendeine Stadt.“ „In Ordnung. Ich werde sehen, was ich machen kann.“ Dann legten wir auf und ich ging zu Abwechslung mal wieder in die Koje.

    Freitag, den 12. Mai 2017:

    Am Spätnachmittag stand ich dann wieder auf und machte im Anschluss eine Kanisterwäsche. Dann kochte ich mir einen Kaffee und telefonierte danach mit Joost. „Hallo Marc. Ich habe was für dich. Du fährst gleich zu Postnord und bekommst da eine Ladung für Kuopio. Das ist zwar nicht Tampere oder Helsinki, aber immerhin größer, als das Kaff, wo du jetzt bist.“ „Bekommst du denn da am Montag was?“ „Da bin ich gerade dran. Wir haben über unsere eigenen Kunden zwei Möglichkeiten. Dort gibt es tatsächlich eine Bauhaus Niederlassung und einen Partner von Nagel. Mal sehen, wo ich das bessere Angebot bekomme.“ „Das ist doch was. Mit zwei Eisen im Feuer hatte ich gar nicht gerechnet.“ „Auf Bauhaus bin ich auch erst durch eine Standortsuche gekommen. Die hatte ich eigentlich Just for Fun gemacht.“ „Hast du mir auch ein Hotel reserviert?“ „Na klar. Oder wolltest du lieber im LKW pennen?“ „Nicht wirklich.“ „Ich schicke dir gleich alles zusammen. Brauchst du noch Infos zu Postnord?“ „Das sollte auch so klappen.“ Wir beendeten das Telefonat.
    Anschließend wählte ich die Nummer von Katrijn. Zu meiner Überraschung war sie nicht zu Hause. Ich erwischte sie dann auf dem Handy. „Ich bin auf dem Weg mit Roos zusammen nach Katwijk. Ihr Mann kann an diesem Wochenende nicht und da ich auch Strohwitwe bin, hat Roos mich eingeladen, mitzukommen.“ „Dann sitzt du wenigstens nicht alleine zu Hause rum.“ Sagte ich mit ein wenig Neid in der Stimme. Ich wusste ja nicht, ob es mir in Kuopio gefallen würde. Den schönen Blick auf die Nordsee, den man von der Ferienwohnung von Roos hatte, gab es dort auf keinem Fall. „Wo wirst du das Wochenende verbringen?“ „In einem Hotel in Kuopio, Finnland.“ „Dann wünsche ich dir viel Spaß.“ „Danke, gleichfalls. Lasst euch nicht von fremden Männern ansprechen.“ Dann beendeten wir das Gespräch.

    Um kurz nach Sechs am Abend fuhr ich dann zu Postnord rüber. Dort gab es mal wieder einen Pförtner, bei dem dann auch meine Papiere lagen. Offensichtlich wollte man hier nicht, dass man ins Lager ging. Ob das überall in Finnland so war, wusste ich nicht. Ich unterschrieb schon mal meine Papiere. Dann nannte mir der Pförtner eine Rampennummer, wo ich ansetzen sollte. An dem Tor war eine Ampel, wenn die dann auf Grün schaltete, wäre die Beladung abgeschlossen.
    Ich öffnete die Türen des Aufliegers und setzte an die Rampe. Dann wurde das Blech der Rampe auf die Ladefläche gesetzt und die Ampel schaltete auf Rot. Da ich nicht schon wieder schlafen wollte und ja sowieso zwischendurch auf die Ampel schauen musste, machte ich mir was zu Essen. Dann heiß es warten.

    Ich merkte allerdings, dass recht schnell mit der Beladung begonnen wurde. Gegen 19 Uhr wurde dann das Blech von der Ladefläche genommen und die Ampel schaltete auf Grün. Ich startete den Motor und fuhr langsam vor. Dann warf ich einen Blick auf die Ladefläche. Der Trailer war gerade mal etwas mehr als halbvoll. Allerdings hatte man formschlüssig geladen und die Ladung nach hinten abgesichert. Zufrieden schloss ich die Türen und machte mich auf den Weg.

    Zuerst ging es dann wieder auf die E75 in Richtung Jyväskylä zurück. Wieder ging es nun über die schnurgerade Strecke durch die Finnischen Wälder. Etwa eineinhalb Stunden später meldete sich das Navi zu Wort, dass ich in Kürze links abbiegen sollte. Bevor ich aber dazu kam, stand ich zu meiner grenzenlosen Überraschung im Stau. Genau an der Abzweigung, wo ich in Richtung Kuopio abbiegen sollte hatte es einen Unfall gegeben und die Halbe Kreuzung war erst blockiert. Dadurch entstand dann für Finnische Verhältnisse ein Verkehrschaos. Ich hätte dazu ein kleiner Rückstau gesagt. Ein paar Minuten später hatte man aber mit vereinten Kräften die Unfallwagen von der Kreuzung geschoben und es ging wieder weiter.

    Nun hatte ich die Europastraße verlassen und es ging über eine normale Hauptstraße weiter. Außer der Beschilderung und einer etwas geringeren Breite der Straße änderte sich aber nicht viel. Es ging weiter durch die Wälder und nun auch wieder an Seen entlang. Etwa eine halbe Stunde bevor ich mein Ziel erreichte kam dann zu meiner Überraschung wieder eine Autobahn, die mich dann über die letzten Kilometer zum Ziel bringen sollte. Dann erreichte ich schließlich Kuopio.
    Dabei erblickte ich tatsächlich eine Leuchtreklame, die auf einen Baumarkt der Bauhausgruppe hinwies. Joost hatte Recht behalten. Ich musste allerdings heute zu dem Partner, den die Nagel Group hier in Finnland hatte. Der Partner warb sogar groß mit dem Logo der Nagel Group. Ob das im Sinne des Erfinders war, wusste ich nicht. Das war aber nicht mein Problem. Da müssten sich dann schon die Herren aus Versmold drum kümmern.
    Auf jeden Fall arbeitete man am Freitagabend um elf Uhr noch. Das war für mich viel wichtiger. Ich meldete mich an. Hier war man auch nicht so wortkarg, wie in der Gegend von Kärsämäki. Man begrüßte mich freundlich und wies mir sofort einen Platz zum Entladen zu. Man sagte mir auch, dass ich Glück gehabt hätte, da man um Mitternacht Feierabend machte.
    Gegen viertel vor Zwölf war dann auch der Auflieger entladen. Ich fragte dann freundlich, ob ich den Auflieger hier stehen lassen durfte. Das wurde mir dann auch erlaubt, wenn ich ihn den am Montagmorgen um Sechs, wenn man wieder anfangen würde, vom Hof holen könnte. Dann brauchte man den Platz wieder. Nachdem ich abgesattelt hatte, fuhr ich dann zu dem Hotel, was mir Joost reserviert hatte. Dort checkte ich dann beim Nachtportier ein.

    Das Wochenende verbrachte ich dann recht ruhig. Ich schaute mir Kuopio an und bummelte ein wenig durch die Stadt. Außerdem nutzte ich dann viel und oft den besten finnischen Exportartikel: Die Sauna. Dort konnte ich dann richtig gut entspannen und sammelte Kraft für die nächste Woche.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Kommentare 2

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    alaskabaer01 -

    Boh bist du aber Neugierig. :-O Wie Wechseljahre? Da bin ich schon seit meiner Geburt drin, von 0 auf 1, von 2 auf 3, usw. Also bis zum Bitteren Ende geht das so weiter. :D Klasse Kapitel, wieder sehr Unterhaltsam.

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    elwime -

    Schöne geschichte und nur kein druck machen bei Baby sonst wird das nichts.