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Kapitel 23: Neue Ideen bringt der Mai

  • Montag, den 01. Mai 2017:

    Das wunderschöne verlängerte Wochenende war leider so gut wie vorbei. Nach dem Mittagessen begannen wir, unsere Sachen zusammenzupacken und die Wohnung in den Zustand zu bringen, in dem wir sie auch vorgefunden hatten. Dann mussten wir uns leider von der Nordseeküste verabschieden und uns langsam wieder auf den Weg nach Geldrop machen.
    Ich ließ Katrijn wieder fahren. So konnte ich mich noch etwas entspannen. „Das sollten wir wirklich öfter machen.“ Sagte ich zufrieden zu Katrijn. „So ein Wochenende am Meer ist doch schon sehr erholsam.“ „Roos und ihr Mann machen es ja auch so. Die sind fast jedes Wochenende in Katwijk. Dieses Wochenende hatten sie aber eine Veranstaltung in Eindhoven, weswegen sie nicht dorthin wollten.“ „Jedes Wochenende würde bei uns ja auch nicht gehen. Ich muss mich ja auch um meine Wäsche kümmern und außerdem bin ich ja auch nicht jedes Wochenende zu Hause.“ „Das stimmt. Bei Roos hat sich die Investition aber auf jeden Fall gelohnt. So oft, wie die dort sind.“ „Das heißt aber auch, dass wir die Wohnung nicht so häufig nutzen können, weil Roos und ihr Mann die Wohnung selber nutzen.“ „Das stimmt.“ „Ich glaube aber nicht, dass sich sowas für uns lohnen würde.“ „Wenn man so eine Ferienwohnung nur so selten nutzen kann, wie wir, dann muss man sie in den übrigen Zeiten schon vermieten. Ob ich dann aber sowas haben möchte, weiß ich nicht.“ „Dann muss man ja auch immer die Möglichkeit haben, sich um die Wohnung zu kümmern, wenn da was nicht in Ordnung ist.“ „Es gibt da Agenturen, die sich um alles kümmern. Die verwalten die Wohnung und sorgen dafür, dass alles in Ordnung gehalten wird. Allerdings kann man dann nicht mal eben spontan zur Ferienwohnung, weil sie dann vermutlich gerade belegt ist.“ „Das ist nur was, wenn man das langfristig planen kann und wenn man Kapital anlegen möchte.“ „Das ist nichts für uns.“ „Eben.“

    Als wir fast zu Hause waren, wir waren gerade auf den Randweg gekommen, sagte ich zu Katrijn: „Fahr bitte mal eben in der Firma vorbei. Dann kann ich mit Joost gleich die Planung besprechen.“ „In Ordnung. Liegt ja quasi auf dem Weg.“ Etwa zwanzig Minuten später waren wir dann an der Firma.
    Wir gingen ins Büro. Als Katrijn auf ihren Schreibtisch blickte, verdrehte sie die Augen. „Haben unsere Fahrer die ganzen Belege im Auto gehortet? Das muss ja mit Sicherheit noch alles in den Monatsabschluss.“ „Keine Ahnung. Ich gebe die Papiere immer sofort ab, wenn ich am Platz bin. Wie die Anderen das machen, weiß ich nicht.“ „Ihr könnt wohl auch nicht ohne die Bude hier.“ Sagte Joost zur Begrüßung. „Können wir schon. Du schaffst nur nicht alles alleine.“ Gab ich Contra. „Wenn ihr meint.“ Sagte Joost. „Du möchtest aber mit Sicherheit wissen, was ich für dich geplant habe.“ „Das auch.“ „Ich habe gedacht, dir hat es an der Nordsee mit Sicherheit so gut gefallen, dass ich dich dann wieder an die Nordseeküste schicke.“ „Aber nicht nach Katwijk.“ „Stimmt. Ich dachte da eher an Esbjerg.“ „Auch nicht schlecht.“ „Also im Klartext. Du nimmst heute Nacht einen Kühler hier auf, den du mit nach Veldhoven nimmst. Ich habe keine Lust, dass hier so viele Kühler auf dem Platz stehen. Den sattelst du bei Nagel ab und übernimmst da einen Auflieger mit Obst nach Esbjerg. Dein Trailer steht schon bei Nagel und wird dir vorgeladen. Halb Drei, Drei in der Frühe soll der Auflieger fertig sein. Dann schaust du mal, wie weit du dann kommst. Esbjerg wird von hier aus knapp. Das klappt wahrscheinlich nicht mal in zehn Stunden.“ „Du gehst also von morgen Abend aus.“ „Genau.“ „Was machen die Anderen?“ „Nahverkehr. Es kommt ja heute nichts an Aufträgen aus dem Ausland rein. Maarten fährt zwei Mal Westerlo, Dominic fährt Calais und Art fährt nach Versmold. Für Dirk habe ich dann eine Ersatzteiltour Brabant, Limburg und Flandern bekommen.“ „Wer ist denn Dirk?“ „Dirk ist unser van Breukelen Fahrer.“ „Aha. Was macht Jan morgen?“ „Der richtet sich erstmal hier in der Firma häuslich ein und bringt dann Ordnung ins Lager.“ „Gut.“ „Warum hast du denn nicht einen der Anderen für Dänemark geplant und Marc auf Nahverkehr gesetzt?“ fragte jetzt Katrijn. „Weil das so besser in die Planung passt.“ Sagte Joost verärgert, weil er es nicht leiden konnte, wenn sich jemand in seine Dispo mischte, oder ihn kritisierte. „Das passt schon.“ Sagte ich daher. „Aber du musst dann wieder mitten in der Nacht los.“ Gab Katrijn nicht auf. „Dominic fährt auch nur eine Stunde später.“ Sagte Joost beleidigt. „Ich sage doch, dass das passt.“ Sagte ich um die Diskussion zu beenden. „Wo haben wir denn jetzt überall Auflieger stehen?“ „Momentan zwei in Zwolle, einer in Westerlo, einen in Calais, einen in Arnhem, zwei in Veldhoven, fünf bei DAF, davon ist einer der Schubboden, Zwei stehen bei PaccarParts und Zwei im Werk. Dann haben wir noch eine Plane in Schweden, die du letzte Woche stehen lassen musstest, zwei sind noch bei der Planen Bude und der Rest steht hier auf dem Hof.“ „Ist die Verteilung damit abgeschlossen?“ „Nein. Eine Plane soll ja noch nach Oberhausen. In Zwolle haben wir im Moment eine Plane und einen Koffer. Da hätte ich noch gerne eine Kühler.“ „Wie behältst du die Übersicht?“ Momentan mit einer Excel Tabelle, wo ich jede von mir geplant Bewegung eintrage. Am liebsten wäre mir aber ein Programm, was die Auflieger orten kann und sich dann selbstständig aktualisiert.“ „Was kostet sowas?„Das kommt darauf an, auf welcher Basis man das macht. Man kann das über GPS Transponder machen, oder auch über Telefon. Das ist in der Anschaffung etwas günstiger, hat aber dann Folgekosten, weil du ja in jedem Trailer einen Mobiltelefonchip hast.“ „Lass dir da mal Preise für entsprechende Systeme machen. Wir sollten ja auch einen Überblick behalten, was mit den Trailern passiert, die wir irgendwo zur Verfügung stellen. Nicht, dass da zum Beispiel ein Fuhrunternehmer in Zwolle schön auf die Kosten eines eigenen Aufliegers verzichtet und stattdessen gemütlich mit unseren Aufliegern spazieren fährt.“ „Das sollte nur im gegenseitigen Austausch laufen. Wenn wir dann auch einen Trailer von denen nutzen können, so wie letzte Woche in Schweden.“ „Da wissen wir ja auch nicht, was die jetzt in Kalmar mit unserem Trailer machen. Hinterher bekommen wir den verhunzt wieder und keiner war’s.“ „Okay.“ Dann verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg nach Geldrop.
    Dort verbrachten Katrijn und ich noch einen schönen gemütlichen Abend. Allerdings musste ich dann zeitig schlafen gehen.

    Dienstag, den 02. Mai 2017:

    Mitten in der Nacht musste ich dann leider schon wieder aufstehen. Viel Schlaf hatte ich nicht bekommen. Das müsste ich dann auf dieser Tour mit Kaffee ausgleichen und dann in der nächsten Ruhepause wieder etwas nachholen. Nachdem ich im Bad die Zähne geputzt, mich rasiert und geduscht hatte, fühlte ich mich aber um Längen wacher, als noch zuvor. Ich zog mich dann leise an und nahm danach meine Tasche, die ich am Abend bereits gepackt hatte und verließ dann leise das Schlafzimmer. In der Küche hatte ich die Kaffeemaschine vorprogrammiert. Der Kaffee war also gerade frisch durchgelaufen. Eine Tasse gab es dann sofort, der Rest kam in die Thermoskanne. Dann holte ich noch meine Vorräte für diese Woche aus dem Kühlschrank. Nachdem die auch eingepackt waren, verließ ich das Haus und ging zum A8, wo ich dann meine Sachen in den Kofferraum räumte. Nun ging es nach Eindhoven zur Firma.

    Als ich dort auf das Gelände kam, fiel mein Blick zuerst auf das beleuchtete Firmenschild auf dem Dach der Halle. Das macht wirklich was her. Dachte ich. Dann fuhr ich zu der Halle, in der der MAN stand. Ich räumte meine Sachen in die Zugmaschine und stellte anschließend den A8 auf seinen Parkplatz. Nun holte ich noch meine Papiere aus dem Fach. Zuoberst lag noch ein Zettel von Joost: „Hallo Marc, nimm bitte den Auflieger 404 mit zu Nagel. Der bleibt dann dort stehen. Du bekommst dann den Auflieger 202 mit 14 Tonnen Obst für Esbjerg. Schöne Nachtschicht. Joost.“ Die Papiere für den 404 lagen auch dabei. Es handelte sich wohl um einen der Lamberet Kühler, die Joost gekauft hatte. Nun ging ich zurück zum LKW und startete den Motor. Dann legte ich die Fahrerkarte wieder ein, die ich vorsichtshalber rausgenommen hatte, falls doch jemand mit der Maschine fahren wollte. Ich hatte keine Lust, dass mir durch ein kurzes Rangieren auf dem Platz die Wochenendruhe versaut wurde. Ich erledigte den Nachtrag auf der Fahrerkarte und fuhr dann aus der Halle.

    Zum Glück stand der Trailer 404 so, dass man vernünftig zum Aufsatteln drankam. Es war einer der Trailer, die nur für uns Werbung draufhatte. Soweit ich das im Dunkeln sehen konnte, sah das gut aus. Aber irgendwas stimmte nicht ganz. Ich kam aber im Moment nicht drauf, was es war. Nachdem ich aufgesattelt hatte, fuhr ich zur Tankstelle, wo ich dann noch Diesel und AdBlue auffüllte. Im Licht an der Tankanlage betrachtete ich dann den Auflieger nochmal. Dann fiel es mir auf. Ich wusste aber nicht, ob das so geplant worden war, oder ob die Leute beim Bekleben des Trailers den Fehler gemacht hatten. Unser Design mit den Pfeilen auf der Zugmaschine sollte bei den neuen Fahrzeugen mit Eigenwerbung auch in ähnlicher Form auf den Aufliegern sein. Das war auch passiert. Allerdings zeigten die Pfeile sonst immer in Fahrtrichtung. Das sollte laut Tess ja auch signalisieren, dass es mit uns voranging. Die Pfeile auf dem Trailer zeigten aber in die andere Richtung. Das war zwar nur eine Kleinigkeit im sonst guten Design, war aber schon irgendwie komisch. Ich wollte Joost dann am Tag mal dazu befragen. Nachdem die Tanks gefüllt waren, machte ich mich dann auf den Weg nach Veldhoven. Durch die nächtliche Stadt und den Randweg ging es dann zum Gewerbegebiet De Run.
    Gegen viertel vor Drei fuhr ich dann bei Nagel auf den dunklen Hof. Ich stellte den Lastzug ab und ging in die Halle zum Lagermeister. „Morgen, Mulder.“ Wurde ich burschikos vom Lagermeister begrüßt. „Willst du Dänemark holen?“ „Genau. Einmal Esbjerg bitte.“ „Dann komm mit in meine Bude. Papiere habe ich hier.“ Wir gingen ins Meisterbüro. Dort gab ich ihm erstmal die Trailer Papiere vom 404. „Was ist das denn jetzt schon wieder?“ „Einmal Trailer 404. Damit ihr noch einen Kühler von uns hier zu stehen habt.“ „Habe ich doch schon. Der 402 steht doch hier. Ihr hättet einen Koffer mitbringen können. Oder von mir aus ne Plane.“ „Die sind alle unterwegs.“ „Na gut. Jetzt ist er hier. Kannste da hinten zu eurem 402 stellen.“ „Mach ich.“ „Wann kommt denn der Fahrer, der Versmold übernimmt?“ „Zwischen Vier und Fünf.“ „Das passt.“ Lachte der Meister. „Wieso das denn?“ „Wegen euern Nummern. Das ist auf dem 405.“ „Verstehe. Dann passt das wirklich.“ Dann erledigten wir den Papierkram. Nachdem das passiert war, stellte ich den 404 ab und nahm den 202, einen der Faltwandkoffer wieder auf. Dann zog ich den Trailer von der Rampe und schloss die Türen. Nachdem das erledigt war, konnte ich mich auf den Weg nach Esbjerg machen. Es war inzwischen drei Uhr.

    Ich fuhr dann zum Randweg zurück und begann meine Tour, dann fast genauso, wie die vergangene Woche. Es ging nördlich um Eindhoven herum und dann über die A50 via Nijmegen nach Arnhem. Dort wechselte ich dann wieder kurz auf die A12 und dann wieder auf die A50 in Richtung Apeldoorn. Am Knooppunt Beekbergen ging es dann auf die A1 in Richtung Hengelo. Ich konnte an diesem sehr frühen Morgen gut durchrollen. Der Tempomat stand auf 82 und die konnte man auch gut fahren. Nach der deutschen Grenze stellte ich den Tempomat auf 86 hoch. Dann rollte ich weiter auf Osnabrück zu. An diesem Morgen hatte ich mich zur Abwechslung mal für Antenne Niedersachsen im Radio entschieden, auch wenn mir Werbejingles wie „…die Besten Hits der 70er, 80er, 90er, 2000er und natürlich das Beste von heute“ immer fürchterlich auf die Nerven gingen. Nachdem ich dann am Kreuz Lotte / Osnabrück auf die Hansalinie gewechselt war, wurde es mal wieder Zeit sich einen Platz für die Pause zu suchen. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich mich hinlegen sollte, hatte dann aber den Eindruck, dass es mich eher zurückwerfen würde, wenn ich jetzt eine dreiviertel Stunde schlafen würde. Daher entschied ich mich dann doch lieber für ein, zwei Kaffee und Bockwurst.

    Gegen viertel nach Sieben ging es dann weiter. Dabei konnte ich dann langsam den Trailer bei Tageslicht betrachten. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob ich den 202 schon dahinter gehabt hatte. Von dem Design der Seiten ähnelte er dem Design des Aufliegers 103, dem Bordwandsider. Allerdings hatte man auf der Heckpartie des Aufliegers was Anderes versucht. Da das Design von Schmitz ja bereits geraume Zeit auf dem Trailer gewesen war, mussten wir uns mit unserer Werbung ja anpassen. Der 103 war ja auf den Hecktüren neutral gewesen. Dort hatten wir dann genug Platz gehabt, unsere Beschriftung anzubringen. Bei diesem Trailer war der Schriftzug hochkant auf die linke Tür geklebt worden. Wir hatten daher nur noch die rechte Tür für unseren Schriftzug gehabt. Diesen hatten wir dann ebenfalls hochkant angebracht. Mal was Anderes. Dachte ich bei mir. Dann machte ich mich wieder auf den Weg in Richtung Dänemark.

    Es ging dann zurück auf die Hansalinie. Dieser folgte ich dann in Richtung Bremen. Da ich heute später unterwegs war, als in der vergangenen Woche, musste ich nun mit den Überholverboten auf der A1 leben. Fürs Erste lief es aber noch recht gut. So erreichte ich dann schnell den Raum Bremen. Dort wurde der Verkehr dann aber langsam dichter. Da reichte es auch nicht, dass wir nun permanent drei Spuren in eine Richtung hatten. Die Anzeigen des Verkehrsleitsystems zeigten natürlich wieder an, dass wir LKW-Fahrer uns gefälligst auf der rechten Spur zu halten hatten. Das Fahren mit Tempomat hatte sich dann somit erledigt. Wenn es denn möglich gewesen wäre, ein gleichmäßiges Tempo zu fahren, hätte man den Tempomat ja entsprechend anpassen können. Nun ging es aber mal schneller, dann wieder langsamer, dann musste man sogar zwischendurch stark bremsen, um dann anschließend sofort wieder zu beschleunigen. Meine Verbrauchsanzeige, die bisher bei recht flacher Strecke und ruhigem Fahren unter 30 Liter pro 100 Kilometer angezeigt hatte, war dann binnen kurzer Zeit wieder mit einer 3 als erster Ziffer versehen. Ich war dann auch recht froh, als ich dann am Buchholzer Dreieck auf die A261 in Richtung Norden abbiegen konnte. Aber bereits auf der A7 hatte sich das ruhige Fahren ein weiteres Mal erledigt. An diesem Dienstag, der ja gefühlt ein Montag war, gab es natürlich auch den obligatorischen Stau vor dem Elbtunnel.
    Zum Glück war es dann aber doch mehr stockender Verkehr, als wirklich Stau. Nachdem ich dann endlich an der Ausfahrt Schnelsen vorbei war, lief es dann auch wieder ganz gut. Wenn es jetzt einigermaßen lief, konnte ich dann wenigstens noch bis Flensburg kommen.
    Da ich nun etwas Ruhe hatte, telefonierte ich dann mal kurz mit Joost. „Guten Morgen, Marc. Mit deinem Anruf hatte ich jetzt gar nicht gerechnet. Ist irgendwas passiert?“ „Nichts Dramatisches. Ich bin auch schon nördlich von Hamburg. Allerdings werde ich maximal bis Flensburg kommen.“ „Das hatte ich schon vermutet. Wenn wir früher Padborg gefahren sind, mussten wir, wenn wir in den Vormittag reinkamen, auch immer auf einen Zehner gehen.“ „Gut. Kannst du Tess mal fragen, ob sie sich den Trailer 404 noch mal anschauen kann?“ „Klar. Warum?“ „Ich habe die Vermutung, dass die Jungs beim Bekleben die Seiten verwechselt haben.“ „Du meinst, dass die Folien für die Rechte Seite auf den Linken sind?“ „Genau.“ „Das kann sie sich anschauen. Aber wo ist das Problem? Steht da nicht auf beiden Seiten das Gleiche?“ „Das schon. Das ist aber einer unserer neuen Trailer mit der Eigenwerbung.“ „Das weiß ich.“ „Ich meine, die Pfeile zeigen in die falsche Richtung.“ „Ist das wichtig?“ „Frag mal deinen Schatz. Nicht, dass die Planen auch noch falschrum sind.“ „Gut. Ich rede mit Tess.“ „Mehr wollte ich nicht.“ „Vielleicht sprechen wir dann noch mal heute Abend. Ansonsten schreibe ich dir eine Nachricht.“ Wir beendeten das Telefonat.
    Der Rest der Schicht lief dann gut und ohne Probleme. Mit Ach und Krach kam ich dann noch bis nach Flensburg, ohne auf zehn Stunden gehen zu müssen.

    Am Autohof Scandinavian Park machte ich dann Feierabend. Da ich ziemlich müde war, legte ich mich dann recht schnell aufs Ohr.

    Mittwoch, den 03. Mai 2017, gegen Mitternacht:

    Es war mal wieder einer der Tage, an denen ich wusste, warum man sich auf großen Autohöfen möglichst weit nach hinten stellen sollte, wenn man Ruhe haben wollte. Vor Allem, wenn man am Nachmittag bereits schlafen wollte. Da ich den Fehler begangen hatte, dies nicht zu beachten und mich so gestellt hatte, dass ich nicht so weit laufen brauchte, hatte ich dann natürlich auch keine ruhige Nachtruhe. Ständig zogen noch Lastzüge vor dem LKW her und manche hupten auch noch durch die Gegend. Dann liefen wieder Leute laut redend und lachend am LKW vorbei. Die waren zwar nicht so schlimm, wie die hupenden LKW, manchmal reichte es aber, um mich wieder aus dem Schlaf zu holen. Gegen Mitternacht war dann gerade mal seit drei Stunden einigermaßen Ruhe auf dem Autohof, da klingelte mich mein Wecker wieder aus dem Schlaf. Ich hatte im Moment wohl kein Glück mit dem Schlafen.
    Ich stand dann auf und ging in den Sanitärbereich der Tankstelle. Die Dusche weckte dann wieder die Lebensgeister in mir. Als ich dann wieder zurück im LKW war, stellte ich erstmal fest, dass ich noch eine Nachricht von Joost bekommen hatte, von der ich, trotz des schlechten Schlafs nichts mitbekommen hatte. „Hallo Marc. Wenn du bei der Spedition in Esbjerg im Hafen abgeladen hast, dann fahr bitte zu Arla.“ Es folgte die Adresse. „Dort lädst du im Auftrag von Nagel Danmark eine Ladung nach Dortmund. Die Ladung lässt sich auf einem Koffer laden. Versuche ruhig direkt nach Entladung dort zu laden. Die sollen dort sehr früh anfangen. Schöne Nachtschicht. Joost.“ Es gab also einen Anschluss. Dann stand ich wenigstens nicht dumm herum. Ich startete den MAN und machte einen Rundgang um den Lastzug. Dann fuhr ich wieder los.

    Ich hatte mir gestern nach Feierabend die Strecke noch mal auf der Karte angesehen. Anstatt den Umweg über Kolding zu machen, konnte ich auch über Land nach Esbjerg fahren. Das sollte, trotz der langsameren Durchschnittsgeschwindigkeit sogar etwas schneller sein, als der Weg über die Autobahn. Vor Allem war es aber kürzer. Ich fuhr also nicht wieder linksrum zur Autobahn, sondern Rechts ab in Richtung Handewitt. Dann nahm ich immer weiter die B199, bis ich dann nördlich von Niebüll auf die B5 traf. Dann ging es nördlich in Richtung Tonder. Nach der Grenze ging es dann über die dänische Primärroute 11 weiter via Ribe nach Esbjerg. In der Nacht lief es hier wunderbar. Meistens hatte ich den Tempomat auf 72 stehen, manchmal fuhr ich sogar etwas schneller. Die meisten dänischen LKW-Fahrer fuhren auf ihren Primärrouten sogar 80 Km/h. Ein Stück nördlich von Ribe hielt ich mich dann aber auf die Primärroute 24, die dann nach Esbjerg weiterführte, während die 11 in Richtung Varde weiterführte. Nach etwas mehr als zwei Stunden hatte ich dann die Außenbezirke von Esbjerg erreicht und ich hielt mich dann weiter in Richtung Hafen.
    Die Spedition befand sich direkt im Hafengelände. Gegen drei Uhr kam ich dann an der Spedition an. Zuerst dachte ich, es wäre gar keiner da. Das konnte aber eigentlich nicht sein, da die Ware Terminfracht war und an diesem Mittwoch noch in die Zustellung sollte. Schließlich wurde das Obst ja nicht besser, wenn es noch länger lag.
    Ich wollte gerade aufgeben und mich in den LKW zurückziehen, als mich von hinten eine Stimme auf Deutsch ansprach. „Bist du von Nagel?“ Ich drehte mich um und blickte in ein freundlich grinsendes Gesicht mit einem rotblonden Vollbart. „Nicht direkt.“ Sagte ich. „Wir fahren aber für Nagel.“ „Du hast aber das Obst aus Holland für mich.“ Ich zeigte ihm meine Papiere. „Genau auf die Ladung warte ich.“ „Das ist gut. Wo soll ich denn zum Entladen hin?“ „Hier auf den Platz. Die Ware wird gleich wieder verladen. Eine Rampe haben wir sowieso nicht.“ „Es soll aber heute früh noch regnen.“ Sagte ich. „Das ist auch kein Problem. Das sind Kunststoffkästen auf Europalette mit Folie eingewickelt. Was soll da nicht nass werden dürfen? Das Obst freut sich, wenn es etwas gewässert wird.“ „Na gut.“ „Du wirst wohl nur die Paletten nach hinten ziehen müssen.“ „Brauche ich nicht.“ Grinste ich diesmal. „Du hast lange Gabeln, da reicht es, wenn ich eine Seite aufmache.“ Der Däne schaute sich jetzt erst meinen Lastzug näher an. „Nicht schlecht. Faltwandkoffer. Könnt ihr mit dem Zug nicht öfter kommen? Da würden wir uns viel Arbeit ersparen.“ „Das liegt ja nicht an uns.“ „Dann stell dich da rechts rüber. Wenn ich die große Platzbeleuchtung anmache, leuchtet die dann genau in deinen Trailer. Dann sehe ich wenigstens genug. Ich stellte den Lastzug rechts rüber und öffnete die linke Seite.
    Dann kam der Däne mit dem Stapler, der für den Hafen zwar noch klein war, aber groß genug, um immer eine Reihe Paletten auf einmal zu entladen. Die Entladung dauert so gerade mal eine halbe Stunde mit Auf- und zumachen und Paletten Tausch. Nachdem ich den Auflieger wieder geschlossen hatte, sagte der Däne zu mir: „Jetzt waren wir so schnell fertig, jetzt gehen wir erstmal Kaffee trinken.“ Da sagte ich nicht nein. Wir gingen in seinen Bürocontainer, wo die Kaffeemaschine bereits lief. Dann tranken wir in Ruhe Kaffee und unterhielten uns noch ein wenig.Bevor ich wieder losfuhr ließ ich mir noch den Weg zur Arla Niederlassung erklären: „Das ist eigentlich gar nicht mehr in Esbjerg. Es gehört zwar noch zur Kommune Esbjerg, liegt aber außerhalb. Du nimmst die Primärroute 12 in Richtung Varde, dann liegt das hinterher rechter Hand. An der 12 ist dann auch ein Hinweisschild.“ „Sind die jetzt wirklich schon am Arbeiten?“ „Bis du da bist, bestimmt. Das ist ja Landwirtschaft. Die sind früh zugange, weil die ja füttern und melken müssen.“ „Ich dachte, das wäre ein Werk, wo sie Käse und solche Sachen herstellen.“ „Nicht hier in Esbjerg. Hier ist das eher ein Großbauernhof, der eben auch von Arla betrieben wird.“ „Danke. Dann fahr ich mal dahin.“ Wir verabschiedeten uns und sich machte mich auf den Weg.

    Zuerst musste ich durch Esbjerg durch, dann ging es auf die 12 in Richtung Varde. Schließlich sah ich das Hinweisschild und etwas später auch den Betrieb. Es war, wie der Däne gesagt hatte. Es handelte sich um einen Landwirtschaftlichen Betrieb, an dem tatsächlich schon gearbeitet wurde. Ich meldete mich an und forderte die Ladung für Dortmund im Auftrag von Nagel Danmark ab. Ich wurde unter ein Abdach geschickt und durfte auch dort wieder die Seite öffnen. Offensichtlich machte die Ausführung mit Faltwand auch hier im Lebensmittelbereich Sinn. Der Stapler, der hier verwendet wurde, war zwar etwas kleiner, als der, mit dem ich vorher entladen worden war, über Gabelverlängerungen verfügte aber auch dieser. Allerdings wurden die Paletten hier einzeln verladen. Gegen sechs Uhr war aber auch hier alles geladen und gesichert. Dann gingen wir ins Büro und erledigten den Papierkram.
    Inzwischen war dann auch der angekündigte Regen gekommen. Zum Glück hatten wir unter dem Abdach laden können. Nun konnte ich mich wieder auf den Weg machen. Ich war zwar bereits seit fünfeinhalb Stunden am Arbeiten, hatte aber erst etwa drei Stunden Fahrzeit auf der Karte.

    Auf dem Rückweg fuhr ich dann um Esbjerg herum. So sparte ich mir den Weg durch die Stadt. Dann nahm ich wieder die Strecke über Ribe und Tonder. Auf deutscher Seite hielt ich mich dann wieder in Richtung Flensburg, wo ich dann auf die A7 in Richtung Hamburg fuhr. An der Raststätte Holmmoor machte ich dann für meine Pause halt. Dieses Mal legte ich mich dann aber zum Schlafen hin.

    Nachdem ich die Pause beendet hatte, machte ich mich wieder auf den Weg. Viel Fahrzeit hatte ich nicht mehr, ich hatte ja schon etwa siebeneinhalb Fahrstunden voll. Ich konnte aber wenigstens noch Hamburg passieren. Es ging dann zurück auf die A7, wo ich dann, wie vermutet ab Schnelsen stockenden Verkehr bis zum Elbtunnel hatte. Das war hier aber normal und daher machte ich mir dann keinen Kopf darum. Nachdem ich dann Hamburg hinter mir hatte, ließ der Dauerregen langsam nach. Ich konnte die Wischer nun auch wieder im Intervall laufen lassen. Ich wechselte dann noch auf die A1 in Richtung Bremen. Als ich dann kurz vor Sittensen war, warf ich dann einen Blick auf den digitalen Tacho. Weit würde ich mit meiner Fahrzeit nicht mehr kommen. Maximal noch bis Bockel. Da zog ich aber den Autohof in Sittensen vor.
    Ich fuhr also von der Hansalinie und überquerte an der Ampel geradeaus die Hauptstraße. Dann hatte ich rechter Hand die Zentrale von Euro Leasing, die inzwischen aber unter MAN Financial Services firmierten. Linkerhand befand sich der Autohof. Dort fuhr ich hin und füllte an der Tankstelle zuerst meinen Tank. Anschließend fuhr ich nur noch auf den Parkplatz und machte Feierabend.
    Dann rief ich noch kurz im Büro an. „Na, wie hat alles geklappt?“ „Bestens. Dank unserer Faltwände habe ich mir heute viel Paletten Schieberei auf dem Trailer erspart. Da war das Öffnen der Seite doch die einfachere Alternative.“ „Klingt gut. Wie weit bist du heute noch gekommen?“ „Bis Sittensen. Brauchst du noch ein Angebot von Euro Leasing?“ „Nee. Wir bleiben jetzt bei PacLease. Das passt für uns auch besser. Auch wenn du einen MAN fährst.“ „Gut. Hast du schon einen Anschluss?“ „Noch nicht. Ich gehe aber von einer Ladung von Bauhaus oder aus Oberhausen aus.“ „Gut. Dann schick mir, was du bekommst.“ „Mache ich.„Stellst du mich noch zu deiner Mutter durch?“ „Na klar.“ Sagte er. Bevor er weiterverband, hörte ich ihn noch rufen: „Mama, da hat jemand Sehnsucht nach dir.“ „Hallo, Schatz.“ Wurde ich daher auch direkt von Katrijn begrüßt. „Hallo. Hast du viel zu tun?“ „Das Übliche beim Monatsabschluss.“ „Dann halte ich dich auch nicht lange auf. Um 23:15 Uhr kann ich heute Abend wieder fahren. Wie lange kann ich dich denn anrufen?“ „Du kannst dich ruhig noch gegen 21 Uhr melden.“ „Gut. Dann bis heute Abend.“ Wir legten auf. Dann nahm ich meine Sachen und ging in den Autohof zum Duschen. Anschließend ging ich dann noch Essen, bevor ich mich in meine Zugmaschine zurückzog.

    Mittwoch, den 03. Mai 2017, abends:

    Mein Wecker klingelte mich kurz vor Neun aus dem Bett. Dann trank ich erstmal einen Schluck. Als nächstes stieg ich aus und ging mal eben schnell zur Toilette. Dann ging es erst wieder zurück zum LKW, um Katrijn anzurufen. Die Monatszahlen waren wohl, trotz der hohen Investitionen gut und Katrijn war mit dem Umsatz der Firma zufrieden. Daher hatte sie gute Laune. „Wie hat sich denn das Verhältnis der Kunden entwickelt?“ wollte ich wissen. „Besser. Es hat sich auf jeden Fall positiv in Richtung DAF entwickelt, wo wir meistens mehr, als eine Ladung pro Tag bekommen. Den Rundlauf nach Westerlo haben wir so gut, wie fest. Es zahlt sich wohl jetzt auch aus, dass wir einen Wechseltrailer in Westerlo stehen haben.“ „Was ist mit den anderen Kunden?“ „Durch unseren verstärkten Einsatz bei DAF haben wir natürlich weniger bei Nagel gefahren, was ja auch in deinem Sinne war. Bei den anderen drei Kunden läuft im Moment noch nicht viel, Joost ist aber dabei, eine Verteilertour Brabant zu entwickeln, die wir dann für Ikea und Metro, Zwolle fahren wollen. Dazu müssen die beiden Kunden aber noch zustimmen. Wenn das so kommt, dann müsste van Breukelen seinen Bestand bei uns noch erhöhen, oder wir müssten selber noch einen Fahrer einstellen, der mit LKW 1 dann Nahverkehr fährt.“ „Das soll mir Joost noch mal selber erklären, wenn ich wieder vor Ort bin.“ Der Rest des Telefonates ging dann um private Dinge. Zum Beispiel, was sich Katrijn so für Aktivitäten für den Sommer vorstellen konnte, oder was ich, ihrer Meinung nach, noch an Sommersachen brauchte.
    Gegen kurz nach Zehn sagte Katrijn dann, dass sie todmüde sei und sich jetzt hinlegen wollte. Wir beendeten das Telefonat und ich ging zum Duschen in den Autohof. Anschließend trank ich dort dann noch in Ruhe einen Kaffee. Zurück im LKW schaute ich mir dann die Nachricht von Joost an, die ich bisher einfach ignoriert hatte. „Hallo, Marc. Es geht dann nochmal in die Ferne. Wenn du in Dortmund abgeladen hast, fährst du bitte, wie schon vermutet, zu Bauhaus, Dortmund. Dort übernimmst du dann bitte eine Ladung für Carlisle. Da unser Wechseltrailer leider in Oberhausen steht, wirst du wohl oder übel mit dem 202 laden müssen. Du hast aber genug Zeit, da du für die Fähre um 17:30 Uhr in Ijmuiden gebucht bist. Ich wünsche dir eine angenehme Schicht. Joost.“ Umsatteln wäre zwar einfacher gewesen, aber es ging auch so. Ich hatte auch was im Hinterkopf, dass bei Bauhaus rund um die Uhr geladen wurde. Falls die das nicht geändert haben. Ich startete den MAN und machte meinen Rundgang um den Lastzug. Dann verließ ich den Autohof, dessen Parkplatz um diese Zeit aus allen Nähten platzte. Teilweise musste ich vorsichtig im Schritttempo fahren, um nicht noch bei einem Kollegen hängen zu bleiben.

    Dann fuhr ich zurück auf die Hansalinie. Es war nicht mehr viel Verkehr. Daher konnte ich den Lastzug ruhig im Tempomat laufen lassen. Noch vor Mitternacht hatte ich das Bremer Kreuz hinter mich gebracht. Es lief dann auch so weiter. Ohne nennenswerte Vorkommnisse kam ich dann an Osnabrück und Münster vorbei. Am Kamener Kreuz wechselte ich dann noch auf die A2, wo ich dann bis Dortmund Nord / Ost draufblieb. Dann wechselte ich auf die B236, die ich aber auch kurz darauf verließ, um auf die Derner Straße zu wechseln. Kurz darauf kam ich dann in die Feineisenstraße, wo meine Entladestelle lag. Gegen viertel vor Drei kam ich dann dort an.

    Ich meldete mich an und bekam auch sofort ein Tor zugewiesen. Auch die Entladung begann kurz darauf. Allerdings hatte das Lagerpersonal wohl nicht wirklich viel Lust. Entsprechend gemächlich ging das Abladen vonstatten. Zum Glück hatte ich keinen Zeitdruck. Außerdem hatte ich auch keine Lust, mit anzupacken. Wäre das Lagerpersonal etwas motivierter am Werk gewesen, hätte ich mich vielleicht dazu überreden lassen. So entwickelte ich die gleiche Motivation, wie die Leute hier.
    Gegen vier Uhr war dann aber trotzdem der Auflieger entladen und die Tauschpaletten wieder aufgeladen. Ich bekam dann meine Papiere und konnte mich dann auf den Weg zu Bauhaus machen.
    Dort kam ich dann etwa zehn Minuten später an. Zu meinem Glück wurde dann wirklich gearbeitet. Man war zwar wohl nicht mehr rund um die Uhr da, Man begann aber früh am Morgen, damit die Verteilerfahrzeuge früh rauskamen und nicht direkt nach ihrer Abfahrt im ersten Stau standen. Auch wenn ich mit dem Sattelzug weit davon entfernt war, ein Verteilerfahrzeug zu sein, wurde ich dann doch um die frühe Uhrzeit beladen. Ich durfte sofort an die Rampe setzen. Dann wurden die Leerpaletten abgeladen und unserem Paletten Konto gutgeschrieben. Anschließend wurde die Ladung für Carlisle aufgeladen. Hier war man dann aber auch mit mehr Motivation an der Arbeit. Trotzdem dauerte es ein Wenig, weil die Ware noch nicht zusammengestellt war. Man hatte mich erst später am Tag erwartet. Gegen halb Sechs hatte ich dann aber alles erledigt und konnte mich auf den Weg nach Ijmuiden machen.

    Ich fuhr zurück zur B236 und dann auf die A2 in Richtung Oberhausen. Am Oberhausener Kreuz wechselte ich dann auf die A3 in Richtung Arnheim. Am Grenzübergang Elten ging es dann in die Niederlande. Nun ging es über die A12 weiter. Inzwischen begann dann auch der Berufsverkehr, der mich ein wenig ausbremste. Nun hatte ich dann langsam die Wahl, in Welchen Stau des Berufsverkehrs ich mich einreihen wollte. Ich entschied mich dann, bis Utrecht auf der A12 zu bleiben und dann auf die A2 zu wechseln. Südlich von Amsterdam machte ich dann noch mal Halt für einen Tankstopp. Besser hier noch mal volltanken, als auf der Insel. Den Tankstopp verband ich dann auch gleich mit einer kurzen Kaffeepause im Shop der Autobahntankstelle. Anschließend ging es dann auf den Endspurt für die heutige Etappe. Nach wenigen Minuten konnte ich dann auf die A9 wechseln.

    Nun ging es auf Ijmuiden zu. Schließlich verließ ich die Autobahn und fuhr durch die Stadt zum Felison Terminal. Dort kam ich dann gegen zehn Uhr am Vormittag an. Ich ging zur Anmeldung wo ich dann die Reservierung von Joost bestätigte. Nun hieß es Warten. Es würden nun noch mindestens sechs Stunden vergehen, bis ich an Bord der Fähre fahren konnte.
    Als Erstes telefonierte ich dann mit Joost. „Na, hat alles geklappt?“ „Ich rufe aus Ijmuiden an. Reicht dir das als Antwort?“ „Na, klar. Das ist ja schon mal gut. Übrigens, du hattest Recht mit dem Trailer 404. Die Folierung sollte andersherum sein. Ich weiß aber nicht, ob wir deshalb die Folien wieder runterreißen sollten und alles neu machen.“ „Das habe ich ja nicht gesagt. Mir kam das halt nur komisch vor.“ „Da das nicht so dramatisch ist, würde ich den so lassen. Laut diesen Pfeilen fahren wir dann halt in alle Richtungen.“ „Das machen wir ja schon durch die Pfeile im Logo.“ „Wir können auch sagen, wir können nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts.“ „Super Idee, du Scherzkeks. Aber Spaß beiseite. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass der Trailer noch mal neugemacht werden soll, sondern nur, dass wir das nicht öfter so machen sollten.“ „Ich habe schon Bilder von den Planen gesehen. Da ist alles in Ordnung.“ „Na gut. Deine Mutter hat mir gestern was erzählt von einer Verteilertour Brabant. Was hat es denn damit auf sich?“ „Das Konzept ist noch nicht ganz fertig. Es geht aber darum, die Kunden aus Zwolle mehr hier in das Geschehen einzubinden. Dabei geht es darum, den beiden Kunden eine tägliche Verteilung der Waren im Raum Brabant und von mir aus auch Limburg anzubieten.“ „Klingt ja nicht schlecht.“ „Ich warte nur noch auf die Zusagen. Außerdem möchte ich das noch mit einer Ersatzteiltour im Dreieck Almere, Zwolle, Deventer verbinden.“ „Was sagen die bei DAF dazu?“ „Da möchte ich heute lieber nicht nachfragen. Die sind heute etwas sauer auf mich.“ „Warum denn das?“ „Ich habe denen angekündigt, dass eine der Ladungen, die ich denen aus Polen bringe, auf einem Kühler kommt.“ „Dann müssen wir die Ware eben mit einem Hubwagen nach Hinten ziehen und der Stapler hebt die dort ab. Dauert zwar etwas länger, ist aber machbar.“ „Nur, dass Maarten dann schon wieder mit dem 301 unterwegs sein wird.“ „Die sollen das alleine machen?“ „So ist das geplant.“ „Dann wäre ich auch sauer auf dich. Das ist mit DAF so nicht vereinbart. Seitenentladung, oder selber entladen. Nur bei der Verladung aus dem Ersatzteilzentrallager ist die Beladung von hinten kein Problem.“ „Maarten ist nun mal mit einer Ladung Kühlgut von Nagel nach Polen gefahren.“ „Dann bieten wir ihnen an, dass Jan zu DAF rüberkommt und die Ware auf dem Auflieger nach hinten zieht.“ „Wir haben noch keinen Firmenwagen für Jan. Dazu sind wir noch nicht gekommen.“ „Dann fährt er entweder mit seinem PKW zu DAF und wir erstatten ihm die Kilometer oder er nimmt meinen A8. Du weißt ja, dass der Zweitschlüssel im Büro im Safe liegt.“ „Okay.“ „Sonst klingt das nicht schlecht. Mit Ersatzteilen in Richtung Zwolle und dann mit Sammelgut für Brabant / Limburg zurück. Dann brauchen wir aber noch zwei, drei LKW oder Fahrer, beziehungsweise Unternehmer. Einen für die tägliche Tour nach Zwolle und ein, zwei Verteiler für das Sammelgut.“ „Können wir bei van Breukelen sofort bekommen.“ „Vielleicht sollten wir dann wirklich noch einen Nahverkehrsfahrer einstellen, der dann die Ersatzteillinie mit dem Rückweg über Zwolle fährt. Dafür könnte man dann auch den blauen DAF behalten.“ „Das wäre eine Überlegung wert.“ „Dann überleg mal.“ „Mache ich. Willst du noch mit Mama reden?“ „Nur, wenn sie was hat. Sonst haben wir alles am Abend besprochen.“ „Moment… …sie hat auch nichts Wichtiges. Dann mal bis später.“ Wir beendeten das Telefonat. Danach entschloss ich mich dann, während der Wartezeit noch ein wenig zu schlafen. Ich legte mich dann also noch etwas aufs Ohr, bis ich dann aufgefordert wurde, auf die Fähre zu fahren.
    Da es sich wieder um die lange Überfahrt handelte, hatte ich genug Zeit. Ich ging also erst eine Runde an Deck, wo ich dann das Auslaufen der Fähre miterlebte. Anschließend ging ich dann in Ruhe zum Abendessen. Danach schaute ich mir noch in Ruhe an, was auf der Fähre noch so geboten wurde. Am späten Abend verschwand ich dann in meiner Kabine.

    Freitag, den 05. Mai 2017:

    Im Vergleich zu den letzten Tagen konnte ich dieses Mal wieder richtig ausschlafen. Zum Glück hatte ich kein Problem damit, auf einem Schiff zu schlafen. Nach dem Aufstehen, wurde dann erstmal der Sanitärbereich der Kabine ausgiebig genutzt. Im Anschluss ging es dann erstmal zum Frühstück. Bei so viel Zeit auf der Überfahrt war dann auch noch ein Spaziergang an Deck drin, bevor die Fähre Newcastle erreichte. Als wir uns der Küste näherten, ging ich langsam zurück in die Kabine, um meine Sachen zu packen. Danach machte ich mich langsam auf den Weg zum Lastzug.
    Da ich gestern sehr Zeitig in Ijmuiden am Fährhafen war, bin ich auch früh an Bord gekommen. Entsprechend weit vorne stand dann nun der Lastzug. So war ich dann einer der Ersten, der dann um zehn von der Fähre konnte.

    Dann ging es durch Newcastle. Diesmal hielt ich mich nicht in Richtung Flughafen, wie sonst, wenn ich nach Schottland wollte, sondern ich orientierte mich in Richtung der A69, die via Hexham in Richtung Carlisle führte. Es war also heute Landstraße angesagt. Das hatte auch was für sich, da man dann doch etwas mehr von Land und Leuten mitbekam, als beim Fahren über die Autobahnen und Schnellstraßen. Die Strecke war dann auch landschaftlich recht reizvoll. Auch wenn es an manchen Stellen mal etwas enger wurde. Auch bei einigen Brücken verstand ich dann die Vorliebe der Briten zu dreiachsigen Zugmaschinen um die Achslasten zu senken.

    Am Mittag erreichte ich dann Carlisle. Die Spedition, wo ich hinsollte lag in einem Gewerbegebiet, was dann kurz vor dem Stadtzentrum war. Ich vermutete, dass ich dort dann genau in der Mittagspause ankam. Dem war dann aber nicht so. Da das Lagerpersonal in mehreren Schichten arbeitete, war die Pause für die Frühschicht bereits vorbei. Ich hoffte dann nur, dass ich die Spätschicht dann auch nicht mehr zu Gesicht bekam. Meine Hoffnung erfüllte sich. Ich sollte auf den Hof fahren und die Seite öffnen. Dann kam ein Gabelstapler, der die Paletten von der Seite entlud und dann auf die Rampe stellte, wo sie dann von einem zweiten Stapler in die Halle gefahren wurden. Entsprechend schnell war der Lastzug dann entladen.
    Während die Staplerfahrer die Paletten abluden, telefonierte ich dann auch mit Joost. „Es ist zwar heute zeitlich wieder alles sehr knapp, aber ich habe eine Rückladung für dich bekommen. Bei einem Landwirtschaftlichen Betrieb, der zur Agrovista Gruppe gehört, liegt eine Ladung für ND, Zwolle. Sammelgut für den Norden der Niederlande. Das geht dann auch wirklich zu ND in Zwolle.“ „Okay. Dann melde mich aber in Hull für die Fähre an.“ „Wieso denn das? Hull ist doch wesentlich weiter, als Newcastle.“ „Ich weiß. Ich habe aber etwas über zweieinhalb Stunden von Newcastle hierhin gebraucht. Dort fährt die Fähre um fünf Uhr am Nachmittag ab. Eine Stunde vorher muss ich da sein, das heißt, ich muss um vier Uhr in Newcastle sein. Dann muss ich spätestens um halb Zwei hier weg. Ich glaube nicht, dass ich in fünf Minuten beim Kunden geladen bin.“ „Verstehe. Wann fährt die Fähre ab Hull?“ „Ich meine um halb Neun am Abend. Das kannst du aber noch überprüfen. Dann müsste ich bis um halb Acht in Hull sein. Wenn ich das, wie ich hoffe, in viereinhalb Stunden nach Hull schaffe, dann müsste ich spätestens um drei Uhr hier weg. Das ist zwar alles knapp, aber besser zu schaffen, als nach Newcastle.“ „Schaffst du das denn in viereinhalb Stunden?“ „Wird knapp. Ich hoffe, dass ich früher loskomme. Dann habe ich etwas mehr Zeit.“ „Dann musst du aber noch eine kurze Pause einlegen.“ „Dann müssen wir halt in den sauren Apfel beißen, dass wir dann mal überziehen müssen. Pause kann ich dann in Hull und auf der Fähre machen. Das kommt auch darauf an, wie schwer die Ladung ist. Ich muss ja durch die Pennines. Ich weiß nicht genau, wie steil da die Berge sind.“ „Ich meine schon, dass die es in sich haben. Gerade der Bereich, der sich in Yorkshire befindet.“ „Yorkshire ist doch noch weiter südlich, oder?“ „Durch den Norden kommst du noch.“ „Ich gebe mein Bestes. Newcastle schaffen wir aber gar nicht.“ „Okay. Ich ändere die Fähre auf Hull. Können wir uns dann morgen in Zwolle treffen?“ „Warum denn das?“ „Verhandlungen wegen der Brabant Tour. Außerdem könntest du die Maschine in Zwolle stehen lassen. Wir bringen dich dann Montag da hin und du startest von da.“ „Auch gut. Dann sparen wir Leerkilometer und Fahrzeit.“ „Eben.“ „Dann melde ich mich morgen, wenn ich von der Fähre runter bin.“ „In Ordnung.“
    Nach dem Telefonat konnte ich dann den Auflieger wieder schließen. Anschließend machte ich den Papierkram und konnte dann zu dem Landwirtschaftlichen Betrieb fahren. Dieser lag außerhalb von Carlisle, aber wenigstens in die richtige Richtung. Gegen viertel vor Zwei kam ich dort auf den Hof.
    Ich meldete mich bei einem Arbeiter an, der auf dem Hof seiner Arbeit nachging. „Stell dich schon mal vor Tor drei. Dann können wir gleich sofort laden.“ „Wird bei euch per Stapler geladen?“ „Wie sonst? Eine Rampe haben wir nicht.“ „Dann öffne ich die Seite.“ „Dann geht’s auf jeden Fall schneller.“ „Das ist gut. Ich muss schließlich noch eine Fähre bekommen.“
    Das war wohl das passende Stichwort. Wenn es bis jetzt sehr beschaulich auf dem Hof zugegangen war, jetzt wurden die Jungs schnell. Ich hörte noch, wie ein Arbeiter zu einem anderen sagte: „Los jetzt, der Mann muss noch eine Fähre bekommen.“ Die Beladung wurde dann sogar mit zwei Staplern vorgenommen. Während einer die nächste Palette aus dem Schuppen holte, setzte der andere gerade die nächste Palette auf den Trailer. Innerhalb einer halben Stunde war dann der Lastzug vollständig geladen und wieder geschlossen. Ich hatte gerade meine Handschuhe und Arbeitsschuhe wieder ins Außenstaufach geräumt, als der Arbeiter mit den Papieren wieder auftauchte. Ich unterschrieb ihm seine Exemplare, dann konnte ich wieder los. Es war gerade viertel nach Zwei.

    Ich hatte jetzt also etwas mehr als fünf Stunden Zeit, um zur Fähre nach Hull zu kommen. 170 Meilen sollte es laut meinen Infos bis Hull sein. Das entspräche etwa 270 Kilometern. Das wird eine ganz enge Kiste. Ich startete den MAN und machte mich auf den Weg. Zuerst sah ich zu, dass ich zur M6 kam. Dort angekommen fuhr ich dann in Richtung Kendal auf die Autobahn. Nun konnte ich erstmal ein Stück Gas geben. Allerdings wurde mein Vorteil schnell wieder etwas reduziert. Eine Baustelle und eine Tunneldurchfahrt brachten ein Tempolimit von 50 Meilen mit. Mit Tacho 82 durchfuhr ich dann aber auch diese Passagen. Schneller traute ich mich nicht, da es in diesen Bereichen auch viele Blitzer gab.
    Bei Penrith verließ ich dann den Motorway wieder. Nun ging es über die A66 durch die Berge. Diese Strecke war dann zwar landschaftlich noch schöner, als die Strecke von Newcastle nach Carlisle, vom Streckenprofil aber auch noch anspruchsvoller. Die 440 PS des MAN mussten ganz schön ackern, um den vollen Trailer über die Hügel zu schaffen. Zum Glück blieben mir wenigstens Landwirtschaftliche Gespanne oder ähnliche Hindernisse erspart.

    Südlich von Darlington erreichte ich dann die A1, die in diesem Bereich als Motorway galt. Das hieß für mich fahren, was der Motor und der Begrenzer hergaben. Als nächstes musste ich dann entscheiden, ob es sinnvoller war, auf dem Motorway zu bleiben und dann über die M62 und A63 nach Hull zu fahren, oder ab York die A59 und A1079 zu nehmen. Letzteres war, abgesehen von der Umgehung bei York der direkte Weg, die andere Strecke war zwar länger, ich durfte aber auch 20 Km/h mehr fahren. Letztlich entschied ich mich dann für die kürzere Strecke über Land. Auch wenn da das Risiko, auf langsamere Fahrzeuge aufzufahren, höher war.

    Den Fährhafen von Hull erreichte ich dann schließlich um kurz nach Sieben am Abend. Ich hatte meine Fahrzeit von viereinhalb Fahrstunden am Stück zwar um zwanzig Minuten überschritten, war aber nicht über die tägliche Fahrzeit gekommen. Ich machte einen Ausdruck und Schrieb auf den Beleg, dass ich sonst nicht rechtzeitig an der Fähre gewesen wäre. Da ich meine Lenk- und Ruhezeiten sonst grundsätzlich einhielt, hoffte ich, bei einer etwaigen Kontrolle in den nächsten 28 Tagen auf ein Verständnis und Entgegenkommen der Behörden. Nicht auf die Fähre zu kommen und dann 24 Stunden auf die nächste zu warten, wäre für mich keine Option gewesen.
    Eine Viertelstunde, nachdem ich mich angemeldet hatte, kam dann der Einweiser und lotste mich an Bord der Fähre. Erleichtert ging ich danach an Deck und schrieb Joost per WhatsApp, dass alles geklappt hatte und ich an Bord der Fähre war. Als Antwort bekam ich: „Super, dass das geklappt hat. Außer dir und Dominic sind sonst alle im Wochenende. Dominic kommt auch erst morgen Mittag zum Platz. Wir sehen uns morgen in Zwolle. LG. Joost.“ Nachdem die Fähre abgelegt hatte und England langsam in der Abenddämmerung verschwand, ging ich dann ins Bordrestaurant und aß zu Abend. Anschließend gönnte ich mir noch ein Bier in der Bar. Dann ging es in die Kabine.

    Samstag, den 06. Mai 2017:

    An diesem Morgen war ich zeitig aufgestanden. Dann duschte und rasierte ich mich. Wir hatten gleich Vertragsverhandlungen, da wollte ich ordentlich aussehen. Joost sollte mir auch noch entsprechende Kleidung mitbringen, da ich im LKW in erster Linie Arbeitskleidung mithatte. Ich hatte zwar auch eine gute Jeans und ein Freizeithemd mit, falls ich am Feierabend noch mal loswollte, aber Nichts, was man an einem Geschäftstermin trug. Anschließend ging ich zum Frühstück. Dann räumte ich meine Sachen zusammen. Gegen halb Acht legte die Fähre im Hafen von Europoort an und eine Viertelstunde später konnte ich dann von Bord fahren.

    Ich fuhr durch das Hafengebiet und hielt mich in Richtung zur N15. Als diese Straße erreicht war, fuhr ich in Richtung Rotterdam. Kurz darauf wurde die Nationalstraße zur Autobahn A15. Auf dieser blieb ich bis zum Knooppunt Benelux, wo ich dann auf die A4 in Richtung Amsterdam wechselte. Dann fiel mir ein, dass ich mich ja bei Joost melden wollte. „Gut. Ich weiß Bescheid.“ War dann seine Reaktion auf meinen Anruf. „Bring den Trailer dann im Anschluss zu Ikea, Zwolle. Die können dir den dann für Montag vorladen. Dann komm aber bitte wieder zu Metro, weil wir dort den ersten Termin haben. Bei Ikea sind die wohl samstags länger im Büro.“ „Warum nehmen die denn bei Ikea nicht den Trailer, der dort steht?“ „Die haben den 103 da. Wir brauchen aber einen Koffer für deine Ladung.“ „Verstehe. Hast du meine Klamotten mit?“ „Die habe ich gestern schon bei Mama abgeholt.“ „Wann haben wir den Termin?“ „Halb Zwölf bei Metro und um halb Zwei bei Ikea.“ „Das sollte passen.“ Wir beendeten das Telefonat. Inzwischen fuhr ich am Flughafen Schiphol vorbei, wo es regelmäßig Unfälle gab, weil die Leute mehr damit beschäftigt waren, Flugzeuge zu gucken, als auf die Straße zu achten.
    Etwas später ging es an Amsterdam vorbei, wo auch am Samstagmorgen einiges los war. Viele Leute nutzten des Samstag halt zum Einkaufen. Von der A10, dem Ring um Amsterdam, wechselte ich dann auf die A1 in Richtung Hilversum. Nun kam ich langsam in den Bereich, den Joost für seine Ersatzteiltour eingeplant hatte, damit er was hatte, um Regelmäßig in Richtung Zwolle zu kommen. Ab der alten Festungsstadt Naarden war alles, was nördlich der A1 lag und westlich einer Linie von Deventer nach Zwolle als Zielgebiet geplant. Einschließlich Flevoland. Wobei ich nicht wusste, ob der Bereich Noordoostpolder, der auch zu Flevoland gehörte, mit in den Zielbereich sollte. Wenn ja, sollte man darüber nachdenken, ob Meppel und Heerenveen auch noch mit dazu gehören sollten. Das würde aber auch von der Anzahl der Entladestellen und dem Aufkommen an Ersatzteilen abhängen. Ich wollte diese Entscheidungen aber auch Joost überlassen.
    Bisher hatte ich alle Verträge ausgehandelt, weil ich in diesem Bereich auch die größere Erfahrung hatte. Es machte aber Sinn, wenn sich Joost darum kümmerte, der ja auch hinterher die Disposition dafür vornehmen müsste. Ich hatte geplant, ihn heute mal die Verhandlungen führen zu lassen und erstmal zu beobachten. Wenn er dann nicht weiterkam, konnte ich immer noch eingreifen.
    Inzwischen war ich am Knooppunt Hoevelaken angelangt, wo ich dann auf die A28 in Richtung Zwolle abbog. Nun würde es nicht mehr lange dauern, bis ich dort ankam. Da ich erst noch abladen musste, würde Joost erst etwas später kommen.

    Kurz nach Zehn erreichte ich dann die Ausfahrt Zwolle Zuid, wo ich dann von der Autobahn musste, um ins Industriegebiet Voorst zu kommen. Dort befand sich neben Großen Spediteuren, wie ND oder Schenker auch das Lager der Metro Group. Zuerst musste ich aber zu ND, wo ich dann ein paar Minuten später ankam.
    Da man bereits auf meine Ware wartete, schließlich hatte uns ND den Auftrag erteilt, konnte ich dann direkt nach der Anmeldung an die Rampe setzen. Am Samstag war dann auch weniger los, als unter der Woche, da die meisten Fahrer bereits im Wochenende waren. Nachdem ich angesetzt hatte, meldete ich mich beim Lagermeister, der dann auch sofort Leute zum Entladen rüberschickte. In der Zeit packte ich dann schon mal meine Sachen, die mit nach Hause mussten zusammen.

    Kurz nach Elf war dann der Auflieger entladen und ich konnte wieder los. Nun musste ich den Trailer leider erst noch zum Ikea Lager bringen, wo er dann für Montag vorgeladen werden sollte. Dort angekommen, meldete ich mich beim Pförtner an, der mich auch auf seiner Liste stehen hatte. Er nannte mir ein Tor an dem ich ansetzten konnte. Nun fuhr ich zum Tor und setzte den Trailer an die Rampe. Dann sattelte ich ab und machte mich wieder auf den Weg zurück zu dem anderen Industriegebiet, wo sich Metro befand. Dort wartete Joost bereits in seinem Q5 auf mich. „Du kannst deine Zugmaschine wohl da hinten auf dem Parkplatz abstellen.“ Sagte er mir zu Begrüßung, als ich an seinem Auto angekommen war. „Hol dir eben deine Sachen aus dem Kofferraum, dann kannst du dich noch eben im LKW umziehen.“ So machte ich das dann auch. Ich stellte die Maschine auf den Parkplatz und zog mich um. Dann nahm ich meine Sachen und stieg zu Joost in den Q5. Wir fuhren jetzt auf den Parkplatz der Verwaltung wo es passend für Joost sogar einen Behindertenparkplatz gab. Dann sah ich, wie gut es bei Joost inzwischen klappte, aus dem Auto in den Rollstuhl zu gelangen. Er hatte ja auch inzwischen einige Monate Zeit gehabt, um das weiter zu verbessern.

    Dann ging es zum Empfang, wo uns eine junge Dame erwartete. „Guten Tag. Marc und Joost Mulder von Mulder Logistiek. Wir haben einen Termin.“ Sagte Joost zur Begrüßung. Die junge Dame telefonierte kurz und sagte dann: „Warten Sie bitte einen Moment, Sie werden hier abgeholt.“ Ein paar Minuten später kamen zwei Männer, Mitte Fünfzig, die in Jeans und Oberhemd gekleidet waren. Ich hatte gleich das Gefühl, dass wir in unseren Anzügen etwas overdresst waren. Die beiden Männer waren dann der Niederlassungsleiter und der Versandleiter dieser Niederlassung. „Bei einem Termin mit Spediteuren hatte ich gedacht, die Kleiderordnung wäre etwas legerer.“ Sagte der Niederlassungsleiter entschuldigend. Joost, der die Kleiderordnung bei uns gewählt hatte, wurde rot. Ich sagte dann entschuldigend: „Kein Problem. Wir haben aber gleich auch noch einen weiteren Termin. Für den war dieses Outfit angemessen.“ Da in der Metro Niederlassung kein Aufzug vorhanden war, wählten die Herren einen Besprechungsraum im Erdgeschoss. „Normal führen wir solche Verhandlungen in meinem Büro. Das müssen wir dann heute etwas anders lösen.“ „Passt schon.“ Sagte Joost knapp. Die Dame vom Empfang kam dann noch herein und servierte uns Kaffee. Dann ergriff Joost das Wort: „Zuerst möchte ich mich bedanken, dass Sie uns am Samstag empfangen. In der Woche hat uns das Tagesgeschäft stark im Griff und wir haben wenig Zeit für solche Termine.“ „Das ist bei uns auch nicht anders.“ Sagte der Versandleiter. „Wir kennen das ja selbst.“ „Ich komme dann direkt zu dem Grund unseres Besuchs. Seit Anfang des Jahres haben wir einen Vertrag mit der Metro Group, den mein Bruder seinerzeit abgeschlossen hat. Dabei handelt es sich um einen Standardvertrag, der mit Ihrem Hause in Oberhausen geschlossen wurde. Seitdem ist nicht viel mehr passiert, als dass wir eine Handvoll Aufträge bekommen haben, die wir vermutlich auch über eine Frachtenbörse gekriegt hätten. Nach Rückfrage mit Ihrem Versand wurde uns aber ehrlich gesagt, dass man uns nicht wirklich auf dem Schirm hatte.“ „So ist es.“ Sagte der Versandleiter entschuldigend. „Das hat in erster Linie zwei Gründe. Erstens haben Sie hier wenig Präsenz gezeigt. Das hat sich zwar etwas geändert, seitdem Sie uns hier einen Trailer zur Verfügung gestellt haben, wir müssen uns aber auch daran gewöhnen, dass wir eine Spedition aus Eindhoven hier einsetzen sollen.“ „Das ist nachvollziehbar.“ Sagte ich kurz. „Zweitens scheinen Sie ein relativ unbekanntes Unternehmen zu sein. Wir haben, nach der telefonischen Rücksprache Ihrerseits, versucht im Internet etwas über Ihr Unternehmen herauszufinden. Wir haben dabei dann Ihre, zugegebenermaßen gut gestaltete Website gefunden, es gab aber fast keine Rezessionen, in denen Ihre Arbeitsleistung beurteilt wurde. Es sieht fast so aus, als gab es Ihre Firma letztes Jahr noch gar nicht. Dabei reden Sie auf ihrer Website von jahrelanger Erfahrung.“ Ich musste wieder eingreifen, da Joost mit dieser Frage nicht gerechnet hatte. „Die Mulder Logistiek BV gibt es, wie sie richtig vermutet haben, erst seit diesem Jahr. Vorher hat das Unternehmen unter dem Namen Mulder Internationaal Transporten BV bereits seit über 30 Jahren als Subunternehmer für die Nagel Group gearbeitet.“ „Das beruhigt uns. Die Bewertungen, die wir im Netz gefunden haben, waren zwar überwiegend sehr gut, sie waren aber aus Unternehmen, die Nichts mit Konsumgütern und Lebensmitteln zu tun hatten. Sie werden zwar von DAF Trucks als pünktlich und sehr zuverlässig bewertet, da geht es aber um Industriegüter. Dort sind die Hygieneansprüche völlig anders, als beim Transport von Lebensmitteln. Wir wollen Sie ja nicht nur im Non Food Sektor einsetzen, sondern überall.“ „Es wundert mich, dass Sie keine Rezessionen von Nagel gefunden haben, da wir immer noch für die Nagel Group fahren. Vielleicht laufen die aber noch unter dem alten Namen.“ „Besteht denn die Möglichkeit auch Kühl Auflieger zu bekommen?“ „Selbstverständlich.“ Sagte Joost jetzt wieder. „Nun aber wieder zum Punkt unseres Termins. Neben den, ab und zu für Sie gefahrenen Fernverkehrsaufträgen würden wir gerne eine tägliche Linie mit Sammelgut für den Raum Brabant / Limburg einrichten. Dazu würden wir sie als wichtigen Partner gerne dazugewinnen.“ „Gut. Ihnen ist aber nicht entgangen, dass wir hier im Gewerbegebiet mehrere Stückgutspediteure haben, mit denen wir auch kooperieren.“ „Sicher. Aber Wir wären dann in unmittelbarer Näher Ihrer Kunden.“ „Was können Sie uns denn bieten, was Firmen wie Schenker oder ND nicht können?“ Joost schwieg. „Flexibilität.“ Warf ich daher ein Schlagwort in den Raum. „Große Spediteure reagieren in der Regel nach lange eingespielten Verfahren. Wenn da mal was ganz anders laufen soll, tut man sich damit schwer. Man hat zwar viel Personal und einen riesen Fuhrpark, aber auch genauso viele Kunden mit genauso vielen Problemen. Wir haben keinen riesen Verwaltungsapparat und sind entsprechend nah am Kunden und nehmen ihn und seine Probleme ernst.“ „Bisher haben Sie bei uns Ladungsverkehre gemacht. In der Regel Direktlieferung von A nach B. Wie sieht denn Ihr Konzept für diese Sammelgutlinie aus?“ Nun kam Joost wieder ins Spiel. „Wir werden dann täglich in diesem Raum hier mit einem Sattelzug sein, der Ersatzteile von DAF zu den entsprechenden Werkstätten bringt. Sie haben einen Auflieger hier, der von Ihnen bis zu einer noch festzulegenden Deadline vorgeladen wird. Alternativ kann der Auflieger auch erst bei einer anderen Ladestelle vorgeladen werden und wird dann hier komplettiert. Die Ware wird dann an unserem Standort in Eindhoven einmal umgeschlagen und dann mit unserem Verteilerverkehr der aus Sattelzügen und Motorwagen besteht zum Kunden ausgeliefert.“ „In Ordnung. Das klingt nicht schlecht, zumal Sie einen Umschlag weniger haben, als die meisten Anderen. Gerade beim Ladungsumschlag kommt es ja immer wieder mal zu Schäden, die so minimiert werden. Haben Sie denn auch bereits Konditionen für uns?“ Joost erläuterte die Konditionen, die er sich vorstellte und die auf unseren Konditionen basierten, die bereits ausgehandelt waren. „Wie Sie sich sicher vorstellen können, haben wir natürlich bereits Verträge mit den genannten Logistikern, an die wir auch noch geraume Zeit gebunden sind. Momentan sehe ich nur die Möglichkeit, sie zusätzlich zu den anderen Logistikern einzusetzen. Zusätzlich dann auch noch im Ladungsverkehr. Da wir ja jetzt einen Wechseltrailer hier haben, können wir Sie ja nicht mehr so schnell vergessen.“ Im weiteren Gespräch wurde noch über die Feinheiten geredet. Unter Anderem sollte eine Vereinbarung in den Vertrag kommen, die es dem Metro Versand erlaubte, bei Bedarf unseren Trailer auch mal für kurze Touren an andere Transporteure zu geben. Im Umkehrschluss sollten wir bei Bedarf auch mal einen Auflieger eines anderen Transporteurs nutzen dürfen. Voraussetzung war immer, dass die Trailer wieder zurückgeführt wurden. Schließlich waren wir uns einig und hatten die Rahmenbedingungen fertig, die dann von unseren Anwälten schriftlich festgelegt werden sollte. Der Vertrag sollte dann am 1. Juni beginnen. Schließlich verabschiedeten wir uns und machten uns dann auf den Weg zu Ikea.

    Die Verhandlungen dort ähnelten denen bei der Metro Group. Man hätte teilweise wirklich ein Band mit den Dialogen der vorherigen Verhandlungen abspielen können und es wäre das Gleiche gesagt worden. Dementsprechend war Joost nun viel sicherer, da er nun auf alle Argumente vorbereitet war. Ich hielt mich daher weitgehend zurück. Als es um unsere Erfahrung im Transport von Neumöbeln ging, brachte ich dann das Argument ein, dass verpackte Neumöbel auch nicht viel anders zu behandeln seien, als Lebensmittel oder Konsumgüter. Das weitere Sortiment entsprach ja dann dem, was wir bei Nagel und Metro auch beförderten. Die Fragen waren sonst genau die gleichen. Warum man uns noch nicht kannte und was wir besser konnten, als die Anderen. Dieses Mal war Joost auf die Fragen vorbereitet und beantwortete sie sicher und souverän. Das Ergebnis der Verhandlungen war dann letztendlich auch mit dem, bei Metro vergleichbar. Man würde uns erstmal zusätzlich einsetzen und dann abwarten, was sich als Besser herausstellen würde. Der Vertrag über die Fernverkehrsladungen würde auch hier weiterhin bestehen bleiben.
    Eine Frage hatte ich dann aber noch zusätzlich: „Wir haben vor eineinhalb Wochen einen Auflieger in Kalmar, bei Ikea stehen lassen, der dann hierhin oder nach Arnhem gebracht werden sollte. Haben Sie schon was davon gehört?“ „Bisher nicht. Aber wir werden uns schlau machen. Wenn Sie am Montag hier die Ladung nach Rostock abholen, kann ich Ihnen bereits mehr dazu sagen.“ „In Ordnung. Es macht nämlich für uns keinen Sinn einen Auflieger in Schweden stehen zu lassen.“ „Das kann ich durchaus verstehen.“ „Wir möchten ihn dort ungerne abholen müssen. Wenn es nicht anders geht, machen wir auch das. Besser wäre es, wenn er hierhin gebracht wird.“ „Wir kümmern uns darum.“ Schließlich waren wir auch hier soweit, dass die Rahmenbedingungen standen und unsere Anwälte den Rest machen sollten. Nun verabschiedeten wir uns und Joost und ich machten uns dann auf den Weg nach Geldrop.

    „Du kannst mich direkt nach Hause bringen.“ Sagte ich zu ihm. „Wenn wir mein Auto dann doch brauchen, kann mich Katrijn ja zur Firma fahren.“ „Gut. Dann überleg dir mal, wie du Montag nach Zwolle kommen möchtest. Entweder fährst du mit Dirk mit, der probiert am Montag für uns die Ersatzteiltour aus, oder du lässt dich von Mama hierhin bringen.“ „Wie ist es dir lieber?“ „Mir ist das im Prinzip egal. Wenn du aber mit Dirk fährst, dann muss er die Tour in Zwolle anfangen. Um die Tour richtig zu testen, muss er in Zwolle aufhören, weil er ja dort später den Trailer tauscht.“ „Dann sollte er die Tour auch so fahren, wie sie später auch laufen soll. Außerdem hat Katrijn länger was von mir, wenn sie mich dorthin fährt.“ „Dann macht das so.“ Wir saßen eine ganze Zeit schweigend zusammen, dann fiel mir eine Frage ein, die ich noch auf dem Herzen hatte.

    Fortsetzung folgt…
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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