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Kapitel 22: Wichtige Themen und Kurzurlaub

  • Sonntag, den 23. April 2017, abends:

    Irgendwie war es jeden Sonntagabend, wenn ich dann noch raufahren musste das Gleiche. Spätestens beim Abendessen verschlechterte sich Katrijns Laune zusehends. Sie wurde etwas eingeschnappt und tat so, als wollte sie mir die Schuld dafür geben, dass sie gleich wieder alleine zu Hause war. „Hast du das bei Papa eigentlich auch immer gemacht?“ fragte ich sie an dem heutigen Abend. „Ich weiß nicht was du meinst.“ Sagte sie beleidigt. „Ich meine deine Laune, die du jedes Mal am Sonntag bekommst, wenn ich am Abend auf Tour gehen muss.“ „Ich habe doch gar keine schlechte Laune.“ Sagte sie etwas gereizt. „Wenn das deine normale Laune wäre, dann wären wir mit Sicherheit kein Paar.“ „Das ist eben so.“ sagte sie. „Das ist aber auch schlimmer geworden seitdem Pieter dann von der Tour nicht mehr wiedergekommen ist. Ich bekomme dann jedes Mal Angst, dass du dann auch nicht wiederkommst.“ „Also war das bei Papa noch nicht so.“ „Ja… nein… weiß nicht. Ich war mit Sicherheit genauso traurig, dass die gemeinsame Zeit schon wieder vorbei ist. Aber… diese Angst… dass du nicht wiederkommen könntest… die habe ich erst seitdem.“ „Du weißt aber schon warum ich das alles mache.“ Sagte ich und sie nickte. „Natürlich. Du machst das ja auch für mich und Joost.“ „Eben. Warum haben alle wichtigen Frauen in meinem Leben ein Problem mit dem Beruf?“ „Ich kann ja nur für mich sprechen. Ich bin halt sehr gerne mit dir zusammen. Daher bin ich traurig, wenn du mich alleine lässt. Das Schlimmste ist aber die Angst, die ich seit dem Unfall habe. Dabei ist schließlich dein Vater gestorben, der ja auch mein langjähriger Ehemann war und mein Sohn Joost sitzt seitdem im Rollstuhl.“ „Das verstehe ich ja auch. Ich kann aber nicht mehr machen, als dir versichern, dass ich vorsichtig bin und aufpasse. Ich werde bestimmt kein Risiko eingehen.“ „Das weiß ich ja. Die Angst habe ich aber trotzdem. Wenn du unterwegs bist und ich alleine in dem Bett liege, bekomme ich Albträume, in denen ich wieder in dem Krankenhaus an Pieters Sterbebett stehe. Dann schrecke ich immer hoch.“ „Wenn ich zu Hause bin nicht?“ „Nein. Dann spüre ich ja deine Nähe. Das reicht schon.“ „Du weißt aber, dass ich auch, wenn ich privat mit dem PKW unterwegs bin, einen Unfall haben könnte.“ „Sicher. Das ist halt nur, weil das eben mit Pieter und Joost passiert ist.“ Ich nahm sie in den Arm. „Ich bin vorsichtig.“ Flüsterte ich ihr ins Ohr. „Ich will ja mit dir zusammen alt werden.“ „Okay.“ Sagte sie mit belegter Stimme. Schließlich nahm ich meine Sachen und ging.
    Auf der Fahrt zur Firma ging mir das mit Katrijn nicht aus dem Kopf. Sie hatte also richtige Angst und Albträume, wenn ich unterwegs war. Ich hatte schon gedacht, es wäre, wie bei meiner Mutter eine Imagesache gewesen. Ich hörte sie noch sagen: „Ich habe dich nicht zwölf Jahre zu Schule gehen lassen, damit du jetzt LKW fährst.“ Da hatte ich kein Verständnis für. Zumal ich ja für die eigene Firma fuhr. Außerdem war man als LKW-Fahrer kein Mensch zweiter Klasse. Auch wenn viele in Deutschland die Führerscheinklasse 2 wohl auch als Sozialstatus gesehen hatten. In den Niederlanden war das seit jeher anders. Die Leute hier hatten mehr Verständnis dafür, dass die Waren nicht in den Supermarkt geflogen waren. Zumal hier schon viel länger, als in Deutschland ein Fahrermangel herrschte. Daher war man hier noch als Facharbeiter angesehen. Ich musste aber in einer Ruhigen Minute, wenn ich mal wieder zu Hause war, nochmal mit Katrijn darüber sprechen. Vielleicht hatte sie da ein ernsthaftes Trauma, was psychologisch untersucht werden musste. Joost hatte mit in dem LKW gesessen. Er hatte lediglich in den ersten Wochen nach dem Unfall über Albträume gesprochen. Er wurde aber nach dem Unfall auch psychologisch betreut. Alleine schon wegen dem Punkt, dass er seitdem nicht mehr laufen konnte. Bei ihm hatte das gewirkt. Er war inzwischen wieder genauso locker und fröhlich, wie vor dem Unfall.

    Inzwischen war ich an der Firma angekommen und räumte meine Sachen in den LKW. Dann parkte ich den Audi und holte die Papiere aus dem Fach. Da war zuoberst ein Zettel von Joost. „Hallo Großer. Du kannst solo nach Veldhoven fahren. Die hatten den Auflieger 105 noch dort stehen. Da hatte ich gar nicht mehr dran gedacht. Wenn du da rüberkommst, sollte der bereits mit den 21 Tonnen Milchpulver für Kalmar geladen sein. Gute Fahrt. Joost.“ Umso besser, dachte ich. Dann spare ich mir die Zeit des Ladens. Auf den Trailer 105 war ich sowieso noch neugierig. Das war einer der beiden Kögel Trailer, die Joost quasi ungesehen in Ulm gekauft hatte.
    Der Punkt, dass er an den Trailer nicht mehr gedacht hatte, brachte mich sofort auf eine Idee. Schließlich war ich lange bei DHL gewesen, die auch Unmengen an Aufliegern und Wechselbrücken im Umlauf hatten. Wir brauchten einen Trailer Plan oder ein Programm auf dem Rechner, wo drinstand, wo sich welcher Trailer gerade befand. Ansonsten würde Joost schnell den Überblick verlieren. Erst Recht, wenn es so weiterlief, wie es inzwischen begonnen hatte, dass die Trailer auch bei Kunden standen oder von Partnern bewegt wurden. Vielleicht sollte man auch an jedem Trailer einen Transponder anbringen, mit dem man die Auflieger dann orten konnte. Bei den Zugmaschinen hatte ich das bisher verworfen, da es bei bisher drei eigenen Maschinen nicht ganz so schlimm war das nachzuverfolgen. Außerdem wollte ich meinen Fahrern ja vertrauen und sie nicht überwachen.

    Zurück im LKW startete ich die Maschine und fuhr zur Betriebstankstelle. Pause hatte ich genug auf der Karte. Die Maschine stand ja schon fast 54 Stunden. Nachdem die Tanks für Diesel und AdBlue wieder gefüllt waren, machte ich mich auf den Weg nach Veldhoven. Die Straßen waren inzwischen recht leer und ich konnte gut fahren. Dadurch dass ich etwas später dran war, als geplant, kam ich dann gegen 23 Uhr bei Nagel auf den Hof.
    Da das Büro in der Nacht zum Montag erst ab dem sehr frühen Morgen besetzt war, lagen um diese Zeit die Papiere komplett beim Lagermeister. Bevor ich aber dort hineinging, sattelte ich schon mal auf. Die Idee, die Tess gehabt hatte, die Trailer Nummer auch auf die Stirnwand des Trailers zu machen, zahlte sich bereits aus. Ich brauchte nicht erst aussteigen und schauen, welcher Auflieger der für mich war, ich konnte es direkt erkennen. Ich sattelte auf, schloss die Leitungen an und drehte die Stützen hoch. Dann ging ich in die Halle und schaute nach, wie weit man mit der Beladung war. Die Lageristen waren gerade dabei, die formschlüssige Ladung noch nach hinten abzusichern. Dann konnte ich losfahren.
    Ich ging also ins Büro und erledigte den Papierkram beim Lagermeister. Anschließend konnte ich den Lastzug von der Rampe setzen und die Türen schließen. Soweit ich das im Dunkeln beurteilen konnte, war auch dieser Trailer, der gemeinsam für Kögel und für uns warb, wieder gut geworden. Genauer würde ich mir das am Morgen anschauen. Nun ging es auf den Weg nach Schweden.

    Ich fuhr zurück auf den Randweg, auf dem ich Eindhoven heute mal nordwestlich umrundete. Dann ging es über die A50 weiter. Via Nijmegen sollte es in Richtung Arnhem gehen. Dort kam, wie üblich der kurze Abstecher auf die A12 und dann ging es wieder auf die A50, auf der ich dann bis zum Knooppunt Beekbergen bleiben wollte. Dort wechselte ich dann auf die A1 in Richtung Hengelo. Bisher war ich mit der Tour sehr zufrieden. Der Trailer lief gut hinterher und ich kam, trotz der 21 Tonnen Ladung gut voran. Nach der Grenze erhöhte ich dann das Reisetempo noch auf 86 Km/h. Auch auf der A30 lief es dann recht gut. Am Kreuz Lotte / Osnabrück wechselte ich dann auf die A1. Kurz darauf stand dann aber die erste kurze Pause an. Die ersten viereinhalb Stunden waren um. Da in diesem Teil der A1 aber quasi an jeder Ausfahrt ein Autohof war, brauchte ich mir keinen Kopf machen, ob ich einen Parkplatz bekam. An der Anschlussstelle Neuenkirchen / Vörden fuhr ich dann von der Hansalinie und hielt für die kurze Pause auf dem Aral Autohof.
    Da ich dieses Mal keine Lust hatte, mich in die Koje zu hauen, ging ich dann für Kaffee und Bockwurst in den Tank Shop. Da es die übliche Zeit war, an der die deutschen Fernfahrer, die um 22 Uhr losgefahren waren auch standen, war es eine nette, lustige Runde in dem Bistro. Da soll noch mal einer behaupten, in Niedersachsen gibt es nur Leute, die zum Lachen in den Keller gehen.

    Gegen halb Vier ging es dann wieder weiter in Richtung Norden. Beim Nachtprogramm von NDR2 fuhr ich zurück auf die Hansalinie. Ich stellte den Tempomat wieder auf 86 und ließ den Lastzug ruhig dahinrollen. Das funktionierte auch sehr gut. Zumal um diese frühe Uhrzeit weder in Bremen, noch in Hamburg schon viel Verkehr war. Das erste Mal, dass ich dann an diesem Tag in Stocken kam, war dann am nördlichen Ende der A1 bei Heiligenhafen. Da hier daran gearbeitet wurde, die Autobahn noch bis Fehmarn weiter zu bauen, gab es hier eine Baustelle, durch die der Verkehr einspurig geleitet wurde.

    Es war inzwischen auch schon nach Sieben am Morgen, so dass der Berufsverkehr begonnen hatte. Hier lief es aber auch langsam durch. Nach der Baustelle ging es dann auch wenigstens mit Landstraßentempo zur Fehmarnsundbrücke. Als ich dann auf der Insel war, machte ich das, was ich bisher immer gemacht hatte, wenn ich über die Vogelfluglinie nach Skandinavien wollte. Ich tankte an der Tankstelle bei Puttgarden den MAN noch mal voll. Der Tankwart kannte mich inzwischen auch schon vom Sehen. „Na, auch mal wieder hier?“ wurde ich begrüßt. „War ich ja eine ganze Zeit nicht mehr. Wurde mal wieder Zeit.“ Nachdem der Tank wieder voll war, ging es dann in den Fährhafen nach Puttgarden. Ich hatte zwar nicht mehr viel Fahrzeit, aber ich beschloss, wenigstens noch nach Dänemark überzusetzen. Ich meldete mich an der Abfertigung an und bekam noch ein Ticket für die 9 Uhr Fähre nach Rodbyhavn. Dieses Mal kam ich aber mal als einer der Letzten an Bord.
    Während der Überfahrt ging ich dann noch ins Bordrestaurant. So hatte ich dann mein Essen für den Feierabend bereits erledigt. Als ich dann in Rodbyhavn von Bord kam, suchte ich mir einen Platz für meine große Pause. Ich überlegte noch kurz, ob ich noch in eine Werkstatt sollte, um mir endlich das Mautgerät für Skandinavien einbauen zu lassen. Da ich aber keine Werkstatt dafür kannte und mir die Schichtzeit auch nicht versauen wollte, entschied ich mich dann doch dagegen.
    Nachdem ich dann einen Parkplatz gefunden hatte, rief ich noch kurz im Büro an. Dabei wählte ich aber bewusst Katrijns Nummer. „Hallo Schatz. Machst du jetzt Feierabend?“ „Genau. Wie war denn deine Nacht?“ „Geht so. Ich bin aber nur einmal wach geworden.“ „Vielleicht brauchst du da auch ärztliche Hilfe.“ „Willst du etwa sagen, dass ich verrückt bin?“ „Natürlich nicht. Aber ich glaube, du hast den Unfall von Papa und Joost noch nicht richtig verarbeitet.“ „Deshalb gehe ich aber nicht zum Psychiater.“ „Sprich da mal mit Joost drüber. Der hat doch seinerzeit auch ein paar Therapiesitzungen gehabt. Seitdem hat er aber keine Probleme mehr.“ „Joost hat ja auch im LKW dringesessen.“ „Ich glaube aber trotzdem, dass du da ein Trauma hast.“ „Ich denke mal darüber nach.“ „Gut.“ „Ich habe auch noch was Dienstliches.“ „Worum geht’s?“ „Joost und ich haben eben über die nächsten anstehenden Feiertage gesprochen.“ „Aha.“ „Ich weiß gar nicht, ob du daran gedacht hast, da du ja bis letztes Jahr noch in Deutschland gewohnt hast, aber Donnerstag ist ja Königstag.“ „Das hatte ich jetzt nicht auf dem Schirm. Da dann aber die meisten von uns unterwegs sein werden und der Tag ja nur bei uns gilt, werden die Kollegen wohl fahren müssen.“ „Das ist so. Dafür bekommen die dann am Montag frei.“ „Wieso am Montag?“ „Da ist der 1. Mai. Da haben die meisten anderen Länder je Feiertag.“ „Wir nicht?“ „Der ist bei uns abgeschafft worden, als wir noch den Königinnentag am 30. April hatten. Damit man da keine zwei Feiertage am Stück hatte. Da aber die meisten anderen Länder da Feiertag haben, sogar Belgien, werden wir da nicht viel zu tun haben. Wenn denn dann jemand unbedingt am Donnerstag frei braucht, der auch hier ist, kann der ja am Montag für die Anderen die Trailer vorladen. Sonst soll das der Fahrer von van Breukelen machen, der am Montag seinen ersten Tag bei uns hat.“ „Die Lösung ist nicht schlecht. Als Ersatz für Donnerstag dann am Montag frei. Da stehe ich voll hinter.“ „Gut. Dann machen wir das so.“ „Wir telefonieren dann heute Abend, bevor ich wieder losfahre.“ „Dann bis Nachher.“ „Sagst du bitte Joost, dass ich noch bis Rodbyhavn gekommen bin?“ „Mache ich.“ „Dann mach’s gut.“ Wir legten auf und ich machte mich dann zum Schlafen fertig.

    Montag, den 24. April 2017, abends:

    Gegen halb Acht am Abend stand ich dann wieder auf. Dann setzte ich mir zuerst einen Kaffee auf. Dann kam mal wieder die Körperpflege aus dem Wasserkanister. Nachdem das erledigt war, schenkte ich mir den ersten Kaffee ein und telefonierte mit Katrijn. Wir mussten bei meiner Nachtschicht die privaten Telefonate wieder vor den Arbeitsbeginn legen. Katrijn erzählte, dass sie sich nach Feierabend noch mit Tess getroffen hatte und die beiden Frauen dann zusammen Shoppen waren, da Tess noch ein paar neue Sommersachen brauchte. Mit Joost ging das nicht mehr so gut, wie früher, was eben auch an seiner Behinderung lang. Katrijn betonte dabei wieder, wie stolz sie auf Tess war, dass diese in der Situation mit Joost nach wie vor zu ihm stand. Es gab bestimmt unzählige Frauen, die die Beziehung aus diesem Grund beendet hätten. Zumal Tess sehr sportlich war und sie früher mit Joost zusammen viel Sport getrieben hatte. „Weißt du eigentlich, ob die Beiden noch Kinder bekommen können?“ „Da habe ich noch nicht mit den Beiden drüber gesprochen.“ „Ich weiß ja nicht, ob bei Joost da alles noch funktioniert, nach dem Unfall.“ „Keine Ahnung. Würdest du solche Themen mit deiner Mutter besprechen?“ „Nicht wirklich.“ „Siehst du. Joost eben auch nicht.“ „Sorry. Ich hatte mal wieder verdrängt, dass du ja auch noch meine Stiefmutter bist. Ich sehe dich nur noch als meine Freundin.“ „So soll das ja auch sein. Aber Joost ist und bleibt mein Sohn.“ „Lass uns mal das Thema wechseln. Hast du dir denn auch was gekauft?“ „Natürlich. Die hatten sehr schöne Sommersachen. Ich freue mich schon darauf, sie anzuziehen.“ „Und ich mich darauf, dich in den Sachen zu sehen.“ „Ich habe erst gedacht, jetzt käme und ich sie dir wieder auszuziehen.“ „Das vielleicht auch.“ Sagte ich lachend. „Du fehlst mir jetzt schon wieder.“ „Ich weiß. Aber das ist nun mal so.“ „Warum können wir denn nicht zusammenarbeiten?“ „Mach den LKW Führerschein und wir fahren zusammen auf Tour.“ „Ich weiß nicht, ob ich mit den großen Dingern umgehen könnte. Mir ist ja der A8 schon zu groß.“ „Das ist alles eine Frage der Gewohnheit.“ „Und wer sollte dann die Abrechnung und Buchhaltung machen?“ „Eine Büroangestellte.“ „Das möchte ich lieber nicht aus der Hand geben.“ „Dann wirst du damit leben müssen, dass wir die Woche über getrennt sind. Bevor wir nicht zehn, fünfzehn LKW haben, brauchen wir gar nicht darüber nachzudenken, ob ich ins Büro wechsle.“ „Was machen wir denn, wenn Joost oder ich mal Urlaub machen wollen? Joost kann keine Buchhaltung und ich möchte nicht disponieren.“ „Das sollten wir auf jeden Fall mal besprechen. Da brauchst du aber auch nicht an mich denken, weil ich ja dann auch deine Vertretung wäre. Wir möchten ja dann auch zusammen in Urlaub fahren.“ „Stimmt. Du könntest allenfalls Joost vertreten.“ „Das ließe sich im Zweifelsfall machen. Vielleicht solltet ihr mal nachdenken, ob ihr ausbilden wollt und könnt.“ „Dann müsste ich schon einen Ausbilderschein machen. Joost ist gelernter Berufskraftfahrer und kein Speditionskaufmann.“ „Denk mal darüber nach.“ „Selbst, wenn. Wir haben Ende April. Ob das dann für diesen Sommer noch klappt, weiß ich nicht.“ „Da müsstest du dich mal schlau machen.“ „Mache ich.“ Der Rest des Telefonats war dann wieder mehr privater Natur. Nachdem wir das Telefonat beendet hatten, machte ich mich dann startklar.

    Ich startete den MAN und schaute auf den digitalen Tacho. Meine elf Stunden Pause hatte ich voll, also schaltete ich nun auf Arbeitszeit und machte dann meinen Rundgang um den LKW. Dabei schaute ich mir den Trailer noch mal genauer an. Es war dann doch eine gut gelungene Kombination aus der Kögel Werbung und unserer Beschriftung geworden. Damit konnte man sich auch sehen lassen. Nun machte ich mich langsam wieder auf den Weg. Bei einbrechender Dunkelheit fuhr ich nun auf die E47 in Richtung Kopenhagen. Die Fahrt verlief ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle. Am späteren Abend erreichte ich dann die dänische Hauptstadt, wo ich dann problemlos vorbeikam. Nun ging es über die Brücke nach Schweden. Dann musste ich mich wieder da einreihen, wo man mit Tankkarte bezahlte. Ich hatte ja immer noch kein Mautgerät für Skandinavien. Nun hielt ich mich wieder in Richtung Trelleborg. Die Beschilderung sagte zwar was Anderes, ich hatte mir die Strecke aber angeschaut. Es waren 50 Kilometer weniger, wenn ich die südliche Route via Trelleborg und Ystad nahm. Kurz darauf fuhr ich durch das nächtliche Trelleborg. Dort war allenfalls noch im Bereich des Fährhafens was los. Ansonsten hatte man hier die Bürgersteige bereits hochgeklappt. Dementsprechend war die Stadt schnell wieder verlassen. Nun ging es über die Landstraße. Dort freute ich mich wieder über meine Scheinwerferbatterien an der Front des MAN. Solange kein Gegenverkehr kam, konnte ich die Nacht vor mit fast zum Tag machen. An Ystad war ich dann auch recht schnell vorbei. Nun hielt ich mich in Richtung Kristianstad. Mit meiner ersten Fahrzeit kam ich aber nicht mehr so weit. Kurz nach dem Abzweig nach Simrishamn musste ich dann für meine kurze Pause anhalten.
    An der Landstraße reichte mir mal wieder der Halt am Straßenrand. Während der Pause machte ich mir dann was zu Essen. Dann schaltete ich noch den Laptop an und schaute, was die anderen Kollegen denn so machten. Dominik war von DAF mit Leergut nach Osnabrück geschickt worden. Von dort sollte es mit Fahrzeugteilen wieder zu DAF zurückgehen. Art hatte tatsächlich in Oban eine Rückladung mit Elektronikkomponenten für DAF bekommen. Ich war überrascht, dass solche Teile aus den schottischen Highlands kamen. Auch Maarten war für DAF im Einsatz. Mit Ersatzteilen für PaccarParts war er auf den Weg nach Croydon. Ich freute mich, dass wir so viel für DAF im Einsatz waren. Unsere anderen Kunden kamen aber mal wieder zu kurz. Allerdings konnte ich verstehen, dass es keinen Sinn machte erst leer nach Arnhem oder Zwolle zu fahren, wenn man direkt vor der Tür laden konnte. Ich fuhr den Laptop wieder herunter und machte mich langsam wieder startklar.

    Langsam fuhr ich dann wieder weiter. Die nächtliche Landstraße war recht eintönig und die Gefahr, dabei einzuschlafen war somit groß. Zum Glück war ich dann aber kurz vor Kristianstad. Dort wurde die Landstraße dann zur Schnellstraße und es lief wieder besser. Dann ging es in Richtung Karlskrona und Kalmar auf eine Autobahn, die als E22 gekennzeichnet war. Allerdings hatten die Schweden die E22 noch nicht vollständig zur Autobahn ausgebaut. So folgte nun ein Wechsel von Vierspurigen Autobahnabschnitten, dreispurigen Schnellstraßenabschnitten, bei denen nur in einer Richtung eine Überholspur vorhanden war und normalen Landstraßenstücken. Der Vorteil war, bei den regelmäßigen Wechseln, wurde einem nicht so schnell langweilig und man schlief nicht so schnell ein. Bis Karlskrona kannte ich die Strecke ja schon von meiner letzten Schwedentour. Danach wurde es auch für mich zu Neuland. Allerdings war es dann auch nicht mehr weit. Außerdem fuhr ich inzwischen der Morgendämmerung entgegen. Es war dann bereits halb Fünf durch, als ich mich dann der Stadt Kalmar näherte. Es wurde hier oben im Norden also schon langsam wieder hell.

    Dann sagte mir mein Navi, dass ich mich in Richtung Stadtmitte halten sollte. Bevor ich aber die Innenstadt von Kalmar erreichte, lag das Zentrallager der Supermarktkette linkerhand in einem Gewerbegebiet vor mir. Als ich dort ankam, war es dann kurz vor Fünf. Das Zentrallager öffnete aber erst um Sieben für Anlieferer.
    Es blieb mir also nichts Anderes übrig, als mich in Geduld zu fassen und zu warten. Ich stellte mir den Wecker auf viertel vor Sieben und legte mich so lange noch mal in die Koje.

    Als ich dann von dem Wecker aus dem Bett geworfen wurde, war ich auch nicht mehr der Einzige hier. Inzwischen waren noch ein paar LKW dazugekommen, die ebenfalls hier anliefern wollten. Um punkt Sieben und keine Sekunde früher öffnete dann das Büro der Warenannahme. Offensichtlich waren die Leute bei den Lebensmittelbuden überall in Europa gleich. Nachdem man dann die Lieferpapiere bearbeitet hatte, bekam ich meine Tornummer, wo ich ansetzen durfte und sollte mich dann beim Lagerpersonal melden. Wenigstens nicht noch ewig draußen warten, dachte ich bei mir. Dann fuhr ich auf den Hof und setzte an das Tor an. Beim Lagerpersonal bekam ich dann, im Austausch gegen meinen LKW Schlüssel einen Schlüssel für eine Ameise. Dann konnte ich die Paletten vom Auflieger in die Halle ziehen. Dort wurden sie vom Lagerpersonal kontrolliert. Anschließend konnte ich mir aus einem Stapel von gammeligen Europaletten meine Tauschpaletten mitnehmen. Nachdem diese auf dem Auflieger waren und entsprechend gesichert waren, konnte ich den Schlüssel wieder zurücktauschen. Auch meine Papiere bekam ich dann.
    Anschließend zog ich den Lastzug von der Rampe und schloss die Türen des Aufliegers. Nun konnte ich Joost anrufen. „Morgen Marc. Wie ist die Lage?“ „Erstens, ich bin in Kalmar entladen und zweitens, ich hasse Lebensmittelbuden.“ „Dann hast du ja Glück das Ikea in erster Linie Möbel verkauft. Da geht es nämlich weiter.“ „Ich muss jetzt bei Ikea laden?“ „Nicht ganz. Du musst bei Ikea umsatteln.“ „Warum denn das?“ „Damit du einigermaßen auf deine Pause kommst. Wenn du jetzt noch ein, zwei Stunden mit Laden vertrödelst, dann schaffst du es wohl nicht, bis acht Uhr heute Abend in Karlskrona, respektive Verkö zu stehen. Das solltest du aber, da es um 21 Uhr auf die Fähre nach Gdynia geht.“ „Wie läuft das dann ab?“ „Wir bekommen einen anderen Trailer und lassen unseren bei Ikea stehen. Die werden den dann bei Zeiten nach Zwolle oder Arnhem weiterschicken.“ „Was bekomme ich denn bei Ikea?“ „25 Tonnen Spanplatten, die dann zu einem Spediteur nach Gdansk gehen. Der schickt die dann weiter zu irgendeinem Möbelwerk, was da irgendwo in Polen ist. Dort bekommst du dann auch einen Anschluss, der wieder in unsere Richtung geht.“ „Hast du da schon was?“ „Ja. Ich hatte dir doch von der Bauhaus Geschichte mit dem Baumaschinenverleih erzählt.“ „Richtig.“ „Die haben da wohl in Polen unter anderem gebrauchte Tieflader gekauft. Davon gehen welche nach Oberhausen.“ „Aha.“ „Das siehst du aber dann morgen.“ „Okay.“ „Also, du weißt Bescheid. Bei Ikea umsatteln, Pause auf neun Stunden verkürzen und dann spätestens am Abend um 20 Uhr in Verkö auf die Fähre.“ „Ganz schön enge Kiste.“ „Die nächste Fähre geht dann aber erst morgen um viertel nach Acht, also circa elf Stunden später. Dann verlieren wir viel Zeit.“ „Ist ja gut. Ich mach ja schon.“ Wir beendeten das Gespräch und ich fuhr zum Ikea, der in einem Gewerbegebiet direkt an der E22 lag.

    Dort wussten die Disponenten zum Glück Bescheid. Das wäre sonst kompliziert geworden, das alles zu erklären. Ich gab meine Trailer Papiere im Büro ab und bekam die, für den anderen Auflieger. Auch die Frachtpapiere waren bereits fertig. Dann sollte ich mich mit dem Fahrer der Hofzugmaschine absprechen, wo ich unseren Trailer absatteln konnte. Nachdem das passiert war, konnte ich dann den Auflieger aufnehmen, den man für uns vorgeladen hatte. Entgegen meinen Erwartungen bekam ich dann keine Plane mit Ikea Werbung, sondern sinnigerweise einen Kühler mit Metro Werbung. Da war ich jetzt schon wieder auf die Ladungssicherung der Spanplatten gespannt. Man hatte sich aber, wie ich dann feststellen konnte, viel Mühe gegeben, um die Spanplatten ordentlich zu sichern. Besser hätte ich es auch nicht hinbekommen. Dann sattelte ich auf und machte mich auf den Weg.
    Etwas mehr, als eine Stunde konnte ich heute noch fahren. Während der Fahrt merkte ich dann das Gewicht der Ladung. Ich hätte gerne eine Waage benutzt, um das Gesamtgewicht zu sehen. 25 Tonnen auf einem Kühler. Das war eh schon etwas viel. Das Ganze dann auch noch von einem Dreiachser gezogen, da waren die 40 Tonnen dicke überschritten. Vom technischen Standpunkt kein Problem, vom Gesetzlichen sah die Sache schon anders aus. Aber wie hatte mein Klassenlehrer früher schon immer gesagt, man darf alles. Man darf sich nur nicht dabei erwischen lassen. Meine Fahrzeit reichte dann noch bis zu einer kleinen Tankstelle mit Parkplatz, die etwa auf halber Strecke zwischen Kalmar und Karlskrona auf der E22 lag. Dort tankte ich zwar nicht, aber ich nutzte das kleine Bistro, was der Betreiber mit in der Tankstelle hatte. Nachdem ich mich da gestärkt hatte, legte ich mich dann schnell aufs Ohr und schlief. Ich musste ja die Pause sowieso verringern.

    Dienstag, den 25. April 2017, abends:

    Ich stand wieder zeitig auf, auch wenn ich dabei nur eine kurze Nachtruhe hatte. Schließlich konnte ich, wenn alles klappte, auf der Fähre wieder schlafen gehen. Wenn nicht, dann stand ich im Hafen von Värkö und musste ebenfalls schlafen. Der Tankstellenbetreiber hatte eine Toilette mit einem kleinen Waschraum, in dem ich mich fertigmachen konnte. Nachdem das passiert war, telefonierte ich dann noch mit Katrijn. Als ich meine neun Stunden Pause auf der Karte hatte, machte ich mich dann wieder auf den Weg.
    Ich musste mich dabei ein wenig ranhalten, um pünktlich im Hafen anzukommen. Allerdings sah ich dabei zu, dass ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielt. Ich wollte ja keine Zeit dadurch verlieren, dass ich angehalten wurde. Kurz vor dem Ziel, dachte ich dann noch, ich hätte es mit den Tempolimits doch überzogen, als ich die Sirene eines Polizeiwagens hörte. Dann stellte ich fest, dass die Beamten mir nur entgegenkamen und mich gar nicht meinten.

    So kam ich dann ziemlich genau um 20 Uhr am Fährhafen in Värkö an. Nachdem ich mich an der Abfertigung angemeldet hatte, brauchte ich auch nicht mehr lange warten, dann durfte ich an Bord fahren. Dann stellte ich wieder fest, dass bei den Überfahrten über die Ostsee weniger Aufwand beim Sichern der Fahrzeuge getrieben wurde, als bei der Überfahrt über die Nordsee.
    Nachdem die Fähre dann abgelegt hatte, ging ich dann noch zum Abendessen. Anschließend legte ich mich dann wieder aufs Ohr.

    Mittwoch, den 26. April 2017, frühmorgens:

    Im Gegensatz zu der vergangenen Woche, wo ich immer reichlich Zeit auf der Fähre hatte, musste ich heute sehr zeitig aufstehen. Trotzdem nutzte ich die Möglichkeit, mich wieder vernünftig fertigmachen zu können. Allerdings hatte ich im Anschluss nicht so viel Zeit zum Frühstücken. Gegen halb Acht legte die Fähre dann im Hafen von Gdynia an und ich sah zu, dass ich zu meinem LKW kam. Die Überfahrt hatte aber lange genug gedauert, um eine lange Pause auf die Karte zu bekommen.
    Ich verließ dann mit dem Lastzug den Fährhafen und machte mich auf den Weg durch den morgendlichen Berufsverkehr nach Gdansk. Die vielen Autos und die vielen Ampeln taten dann ihr Möglichstes, damit ich viel Zeit bis zu meiner Entladestelle brauchte. So brauchte ich für die kurze Strecke dann auch fast zwei Stunden.

    Bei der Spedition lief es dann aber umso schneller. Ich meldete mich an und man wies mir eine Rampe zu, an der ich dann den Trailer absatteln konnte. Auch meine Papiere für den Anschluss waren bereits fertig. Wir erledigten den Papierkram und dann ging ich wieder auf den Platz und sattelte um. Meine Anschlussfracht bestand dann aus einem Flachbettauflieger, auf den man zwei gebrauchte Tieflader verladen hatte. Die Auffahrrampen der Tieflader waren abmontiert und dann vorne unter dem Sattelzapfen untergebracht worden. Ob der Flachbettauflieger ebenfalls zur Ladung gehörte, war mir allerdings nicht bekannt. Gesichert war das alles mit Schwerlastspanngurten.
    Nachdem ich den Kühler abgesattelt hatte, nahm ich dann den Flachbettauflieger auf und kontrollierte neben den üblichen Sachen auch die Ladungssicherung. Anschließend machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Zuerst durchquerte ich wieder Gdansk auf dem Weg zur A1. Dort fuhr ich dann in Richtung Süden auf die Autobahn und durchfuhr einige Zeit später die Mautstelle in Richtung Süden.

    An der Raststätte Olsze hielt ich dann an um zu tanken. Nach einem Schluck Diesel für den MAN und Kaffee für mich ging es dann wieder weiter.
    An der Anschlussstelle Nowe Mazry verließ ich dann die Autobahn um dann über die DK1 und DK5 in Richtung Bydgoszcz zu fahren. Kurz bevor ich die Stadt erreichte, stand dann allerdings meine kurze Pause an. Da ich an der Tankstelle aber bereits mehr als 15 Minuten gestanden hatte, entschied ich mich dafür, die Pause zu splitten und jetzt nur noch etwa eine halbe Stunde stehen zu bleiben. Die Pause absolvierte ich mal wieder am Straßenrand.

    Um 13 Uhr konnte ich dann weiterfahren. Es ging zurück auf die DK5, über die ich dann kurz darauf Bydgoszcz erreichte. Dann durchquerte ich die Stadt, wobei ich allerdings fast jede Ampel auf Rot erwischte. Das brachte mich aber nicht sonderlich auf der Ruhe. Erstens war meine Ladung ja diesmal nicht allzu schwer und zweitens hatte ich genug Zeit im Rücken. Nachdem ich dann die Stadt endlich durchquert hatte hielt ich mich weiter auf der DK5 in Richtung Gniezno. Dabei lief es aber vergleichsweise gut und ich konnte auf weiten Stücken der Strecke den Tempomat auf 70 drin lassen. Als ich Gniezno dann erreichte, folgte ich der DK5 weiter in Richtung Poznań. Auch hier lief der Verkehr noch reibungslos. Er wurde dann auch erst dichter, als ich der Stadt langsam immer näherkam und dabei auch noch langsam die Zeit des Feierabendverkehrs kam. Schließlich erreichte ich Poznań und durchquerte die nördlichen Teile der Stadt, bevor es dann auf die S11 ging, die mich dann zur A2 führen sollte.
    Dort angekommen, fuhr ich dann in Richtung Berlin auf die Autobahn. Kurz darauf durchquerte ich dann noch die Mautstelle, danach konnte ich dann wieder ruhig mit Tempomat 82 rollen. Zweimal musste ich meine ruhige Fahrt dann noch unterbrechen. Einmal an der Mautstelle kurz vor der deutschen Grenze und einmal hielt ich dann noch an der Tankstelle Gnilec, wo ich den Tank dann nochmal komplett füllte. Der Diesel war hier immer noch etwas günstiger, als in Deutschland oder bei uns in den Niederlanden. Nach dem Tankstopp fuhr ich dann noch mal los. Nun ging es über die Grenze nach Deutschland. Über die A12 ging es nun weiter in Richtung Berlin. Ich fuhr heute aber nur noch bis zur Raststätte Biegener Hellen, wo dann für den heutigen Tag der Feierabend sein sollte. Gegen zwanzig vor Sechs am Abend stand der LKW dann schließlich. Damit hatte ich meine Fahrzeit dann sehr gut ausgenutzt. Auf zehn Stunden zu gehen, hätte keinen Sinn gemacht. Ein Blick in die Dispo verriet mir dann nur, dass es nichts Neues gab. Den morgigen Feiertag, der zumindest bei uns in den Niederlanden war, waren wir, wie erwartet alle unterwegs. Dementsprechend würde am Montag dann wohl nur unser neuer Subunternehmer fahren.
    Ich telefonierte noch kurz mit Joost, der mir dann mitteilte, dass er am Feiertag dann von zu Hause arbeiten würde. Es ging ja lediglich darum, Anschlussfrachten für die LKW zu bekommen. Da war es wichtiger, dass er am Montag im Büro war, wenn der Subunternehmer im Einsatz war und wenn er die Ladungen für die nächste Woche mit unseren Kunden absprechen musste. Außerdem teilte mir Joost mit, dass er und Katrijn kurzfristig jemanden eingestellt hatten. Jan de Boer sollte quasi als Mädchen für Alles im Unternehmen arbeiten. Der gelernte Kraftverkehrsmeister sollte diese Position ausführen, außerdem sollte er sich um das Lager und das Gelände kümmern. Wenn ein Fahrer krank, oder im Urlaub ist, soll er auch zur Vertretung fahren. Dann gehören noch kleinere Instandsetzungsarbeiten und Reparaturen zu seinem Aufgabenbereich. Um seine Tätigkeiten durchführen zu können, hatte Joost noch einen gebrauchten Gabelstapler von DAF übernommen, der dort sowieso bald ausgemustert werden sollte. Außerdem sollte er einen alten VW T4 Kastenwagen bekommen, damit er auch die Möglichkeit hatte, mal zu Nagel oder zu DAF zu fahren, um dort vor Ort Sachen zu erledigen. Das war eine Sache, die ich völlig verdrängt hatte, aber wenn wir nun auch unseren Subunternehmer für den Nahverkehr bekamen, wurde so Jemand natürlich gebraucht. Als Kraftverkehrsmeister war er zusätzlich auch in der Lage, unsere Fahrer zu schulen und weiterzubilden. Dadurch, dass Jan einen so umfangreichen Aufgabenbereich bekam, brauchten wir uns auch keine Gedanken zu machen, dass er nicht ausgelastet sein könnte. Jan selbst war wohl offensichtlich glücklich mit dem Job, da er eine so abwechslungsreiche Tätigkeit gesucht hatte und somit genau der Richtige für den Job war.
    Joost und ich beendeten das Telefonat und ich ging erstmal in die Raststätte um zu duschen und was zu essen. Als ich dann zurück im LKW war, telefonierte ich dann noch mit Katrijn. Sie bestätigte mir dann auch, dass Jan ein wirklich sympathischer und trotzdem kompetenter Mitarbeiter war. Der Rest des Telefonats war dann wieder sehr privater Natur. Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, legte ich mich dann recht schnell aufs Ohr.

    Donnerstag, den 27. April 2017:

    Heute war für alle Niederländer der Königstag und somit Feiertag. In unserer Firma sah es aber so aus, dass dann heute doch das ganze Fahrpersonal am Arbeiten war und am Montag dafür im Ausgleich frei hatte. Unser Büro war aber heute nicht besetzt. Katrijn hatte ganz regulär ihren Feiertag und Joost erledigte das Bisschen, was denn dann doch zu tun war, von zu Hause aus. Das Firmentelefon hatte er zu diesem Zweck auf sein Handy umgeleitet. Genau, wie die anderen Kollegen, war ich ja auch noch unterwegs und hatte daher auch keinen Feiertag. Es ging dann auch schon recht früh wieder los. Gegen viertel vor Vier am Morgen klingelte mein Wecker und ich quälte mich widerwillig aus dem Bett. Der Vorteil des Tages war, dass ich an einer Raststätte stand und daher eine Toilette und eine Dusche zur Verfügung hatte. Ich schnappte mir daher meine Sachen, die ich zum Duschen brauchte und machte mich auf den Weg in den Rasthof. Nach der Dusche fühlte ich mich dann erheblich besser und ich konnte mich wieder auf den Weg machen.

    Um zwanzig vor Fünf hatte ich meine elf Stunden Pause auf der Karte und ich konnte nun losfahren. Ich startete den MAN und machte meine Abfahrtskontrolle, sprich den Rundgang um den Lastzug. Dann ging es wieder auf die Reise. Ich fuhr zurück auf die A12, die um diese Uhrzeit noch einigermaßen zu fahren war. Zu späterer Zeit taten die Baustellen und der Verkehr, der von Polen in Richtung Berlin floss das Ihre dazu, dass es dort sehr häufig Staus gab. So erreichte ich aber recht zügig und problemlos den Berliner Ring. Die deutsche Hauptstadt passierte ich dann südlich. Aber auch auf der A10 war nicht wirklich viel los. Ich dachte einen kurzen Moment lang schon, dass in Deutschland auch Feiertag sein musste. Dem war aber nicht so. Trotzdem erreichte ich recht schnell das Dreieck Werder, ab dem meine Route auf der A2 in Richtung Magdeburg weiterging. So langsam merkte man dann doch, dass es sich um einen ganz normalen Werktag handelte. Der übliche Verkehr pendelte sich auf der A2 bei normalem Niveau ein. Trotzdem konnte man problemlos mit Tempomat 86 rollen lassen. Die Fahrt verlief ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. So passierte ich dann während der ersten viereinhalb Stunden Magdeburg, Braunschweig und Hannover.
    An der Raststätte Auetal hatte ich dann meine ersten viereinhalb Stunden um und ich machte meine Pause. Da ich an dem Tag noch nicht viel gegessen hatte, nutzte ich dann die anstehende Pause dazu, seit langem mal wieder eine Currywurst mit Pommes zu essen. Es war zwar erst neun Uhr am Vormittag, aber das war man ja auf den Autobahnraststätten gewohnt.

    Gegen viertel vor Zehn machte ich mich dann wieder auf den Weg. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis ich dann Nordrhein-Westfalen erreicht hatte. Genauer gesagt befand ich mich nun in Ostwestfalen-Lippe. Am Vormittag lief der Verkehr aber auch hier so gut, dass ich meistens mit Tempomat durchrollen konnte. Nachdem ich dann Bielefeld passiert hatte, wurde die Strecke dann auch wieder etwas weniger hügelig. So ging es dann mit großen Schritten aufs Ruhrgebiet zu. An Dortmund fuhr ich dann auch noch auf der A2 dran vorbei. Am Kreuz Recklinghausen wechselte ich dann aber auf die A43, die ich dann am Herner Kreuz gegen die A42 tauschte. Nun kam ich so nach Oberhausen rein, wie es für mich am günstigsten war. Gegen zwölf Uhr kam ich dann an der Oberhausener Niederlassung der Bauhaus Gruppe an.

    Ich stellte den MAN ab und ging erstmal ins Büro. Der Mitarbeiter, den ich auch bereits von früheren Anlieferungen kannte, schaute von seinem Computer hoch als ich in sein Büro kam und sagte: „Oh, Mulder Logistiek. Du bist ja schon da. Ich habe erst etwas später mit dir gerechnet.“ „Hallo. Ich wusste ja gar nicht, dass du überhaupt mit mir gerechnet hast.“ „Doch. Klar. Einerseits warten wir ja auf die Tieflader und andererseits bekommst du hier ja einen Anschluss. Die haben dir ja extra einen Auflieger hier hinbringen lassen.“ „Das wusste ich nicht. Ihr sollt zwar langfristig einen Trailer hierhin bekommen, als Wechseltrailer. Ich wusste aber nicht, dass das schon gelaufen ist.“ „Von einem permanenten Trailer hier weiß ich noch nichts. Aber für heute hat man extra einen Auflieger hier hingebracht.“ „Wir haben da extra einen Auflieger für gekauft. Der hat sogar Bauhaus Werbung auf der Plane. Der steht aber im Moment in Frankreich. Meine ich.“ „Wieso in Frankreich?“ „Bei einem Speditionspartner von uns.“ „Ach so. Nun zu uns. Du kannst die Tieflader hinten auf dem Platz vor Tor 2 absatteln. Euer Trailer steht an Tor 1. Da kannst du auch schon drunter fahren. Der ist nur noch nicht komplett fertig geladen. Bis halb Eins haben die Jungs im Lage noch Mittag, danach machen die den als Erstes voll. Ich denke, du kannst dann gegen ein Uhr fahren.“ „Okay.“ Ich ließ die Papiere im Büro und machte es dann wie besprochen. Die Tieflader sattelte ich vor Tor 2 ab und sattelte dann den Trailer 102 auf, der an Tor 1 abgestellt war. Dann fasste ich mich erstmal in Geduld.
    Kurz nach halb Eins merkte ich dann das Rumpeln auf dem Auflieger. Die Arbeiter hatten wieder angefangen, den Trailer zu beladen. Ich stieg dann kurz darauf aus und ging dann ins Lager. Der Auflieger war dann auch schon zu drei Viertel beladen. Es sollte dann wohl schnell gehen. Eine Viertelstunde später war der Auflieger dann voll und ich machte nur noch die Sicherung nach Hinten. Dann erledigte ich den Papierkram. Nachdem das erledigt war, konnte ich losfahren. „Du kommst doch heute noch in Kelsterbach an, oder?“ fragte mich der Disponent. „Muss das heute noch dahin?“ „Je eher, je besser.“ „Dann werde ich das schon machen.“ „Okay. Dann mal bis die Tage.“ Ich ging zum LKW und startete den Motor. Dann zog ich von der Rampe ab und schloss die Türen.

    Anschließend telefonierte ich kurz mit Joost. „Das klappt ja alles. Ich brauche dir ja noch nicht mal mehr Bescheid sagen.“ Sagte er zufrieden. „Du hättest aber wenigstens mal fragen können, ob ich es noch nach Kelsterbach schaffe.“ Sagte ich mit einem leichten Vorwurf in der Stimme. „Wieso heute noch? Das war nicht abgesprochen.“ „Wahrscheinlich sind die davon ausgegangen, dass ich mit einer frischen Fahrzeit hier ankomme.“ „Die wussten doch, dass du aus Polen kommst. Da können die doch da nicht von ausgehen.“ „Keine Ahnung. Ich werde das wohl so eben schaffen, wenn ich auf zehn Stunden gehe. Dann ist aber Schicht im Schacht.“ „Gut. Dann suche ich mal nach einem Heimatschuss für morgen.“ „Mach das.“ Wir beendeten das Gespräch und ich machte mich auf den Weg nach Kelsterbach.

    Nach viel hin und her überlegen hatte ich mich dafür entschieden, über die A3 ins Rhein / Main Gebiet zu fahren. Um zur Sauerlandlinie zu kommen hätte ich ja auch erst wieder quer durchs Ruhrgebiet gemusst. Dann konnte ich auch gleich über Köln fahren. Zuerst musste ich also durch Oberhausen zur A3 fahren. Am Mittag ging das aber noch so halbwegs. Schließlich kam ich an der Anschlussstelle Oberhausen West an, wo ich dann in Richtung Frankfurt auf die Autobahn fuhr. Ich konnte jetzt nur hoffen, dass ich noch einigermaßen durch Köln kam, bevor der Feierabendverkehr losging. Sonst würde ich auch auf zehn Stunden Fahrzeit nicht mehr bis Kelsterbach kommen. Es schien aber zu funktionieren.
    Gegen halb Drei hatte ich dann den ganzen Bereich Köln / Bonn hinter mir gelassen und konnte nun gegen die Hügel des Westerwaldes kämpfen. Inzwischen kannte ich den MAN aber gut genug, dass ich wusste, wann es Sinn machte, nicht die AS Tronic schalten zu lassen, sondern besser manuell einzugreifen. Dann kam man auch mit dem 440er ganz gut durch die Hügel. Irgendwann hatte ich dann sowohl die Hügel des Westerwaldes, als auch die Hügel des Taunus hinter mir gelassen und war bei Wiesbaden angekommen. Nun wurde es wieder flach und der MAN lief ruhig über die Autobahn.
    Dann ging noch mal das Telefon. „Mulder.“ Meldete ich mich knapp. „Was ist los, Bruderherz? Bist du im Stress?“ „Das fragt der Richtige.“ Sagte ich mit einem Lachen. „Nicht mehr, als sonst.“ „Ich wollte dir nur mitteilen, dass das mit dem Heimatschuss geklappt hat.“ „Klingt gut.“ „Du bekommst direkt bei Schenker, Kelsterbach, wo du ja sowieso hinfährst, eine Ladung für das Jumbo Warenhaus, hier in Eindhoven.“ „Das passt ja wie Faust aufs Auge.“ „Genau. Morgen ist sonst sowieso nicht viel zu holen. Viele haben morgen Brückentag genommen.“ „Das kann man doch verstehen.“ „Eben. Aber Warenhäuser brauchen ja immer Nachschub.“ „Wie sieht es sonst aus?“ „Die Anderen haben auch alle ihren Heimatschuss bekommen. Maarten und Art sind auf dem Weg zu DAF und Dominic hat bei Arla, Aalborg geladen. Da sitzt Nagel ja dick drin. Deshalb haben die ja damals den Andreas Andresen in Padborg übernommen, weil die an die Verträge mit Arla dran wollten. Andresen war da ja seinerzeit bereits Hausspediteur. Seitdem ist die Nagel Group ja der größte Hausspediteur bei Arla.“ „Wieder was gelernt.“ „Genau. Also Dominic hat eine Ladung von Arla nach Veldhoven bekommen.“ „Plane oder Koffer?“ „Wir hatten Glück. Die Ladung war auch auf Plane fahrbar.“ „Wann sind die neuen Trailer fertig?“ „Warte, ich frage Tess mal eben.“ Ich wartete einen Moment. „Die Koffer und Kühler sind abholbereit und die Planen brauchen noch ein paar Tage. Die sind aber spätestens Ende der kommenden Woche fertig.“ „Und dann haben wir wie viele Trailer?“ „Siebzehn eigene und die zwei Langzeitmieten von PacLease. Das macht insgesamt neunzehn Auflieger.“ „Das reicht dann aber.“ „So lange wir nichts Anderes mehr brauchen, ja.“ „Woran hast du denn jetzt schon wieder gedacht?“ „An nichts Konkretes. Vielleicht brauchen wir aber irgendwann mal Silo oder Tanks.“ „Wofür?“ „Silo für Schüttgüter und Tanks für Flüssigkeiten.“ „So schlau war ich selber, du Arsch.“ Sagte ich mit einem Lachen. „Dann eben konkreter. „Silos für Getreide zum Beispiel. Oder Tanks für Milch oder so.“ „Du bist mir schon wieder zu viel bei Nagel.“ „Gut. Dann für DAF. Silos für Kunststoffgranulat und Tanks für Diesel, AdBlue, Betriebs- und Schmierstoffe.“ „Da kannst du ja kaum die gleichen für nehmen.“ „Bei den Tanks nicht. Da musst du nach Lebensmitteln oder Gefahrgütern unterscheiden. Einen Silo kann man genauso für Getreide, wie für Granulat oder Zement nehmen. Du musst die Dinger nur zwischendurch spülen.“ „Lass uns erstmal zusehen, dass wir Zugmaschinen bekommen, bevor du an neue Geschäftsfelder denkst.“ „Stimmt auch wieder.“ „Wir haben dann jetzt Planen, Koffer, Kühler und den Walking Flor. Das muss erstmal reichen.“ „Gut.“ „Ich bin jetzt Höhe Flughafen. Lass uns morgen weitersprechen.“ „In Ordnung. Wir haben auch noch eine Überraschung hier.“ „Da bin ich ja mal gespannt.“ Wir beendeten das Telefonat und ich sah zu, dass ich zu Schenker kam.
    Ich wechselte am Frankfurter Kreuz noch kurz auf die A5, fuhr dann aber Zeppelinheim direkt wieder von der Bahn. Dann kam ich in das Industriegebiet, wo sich auch die Schenker Niederlassung befand. Ich fuhr auf den Hof und stellte den Lastzug auf die Seite.
    Dann ging ich ins Büro und meldete mich an. „Guten Tag. Mulder Logistiek. Ich habe was für euch und soll hier auch wieder was bekommen.“ „Da weiß Herr Müller Bescheid. Der sitzt da vorne im zweiten Büro, rechts.“ Ich ging zu dem Schalter von dem Büro. Dort meldete ich mich wieder. „Hallo, Mulder Logistiek, Eindhoven. Ich habe Sammelgut von Bauhaus, Oberhausen für euch und soll hier eine Ladung für Jumbo, Eindhoven bekommen.“ „Hallo. Richtig. Auf das Sammelgut vom Bauhaus warten wir schon. Die Ladung für Jumbo ist allerdings noch nicht hier. Das sind ebenfalls gesammelte Werke. Die bringt unser Nahverkehr mit.“ „Wenn ich hier über Nacht stehen bleiben kann, ist das kein Problem. Ich kann nur nicht mehr weit weg. Ich habe bereits fast zehn Fahrstunden voll.“ „Dann mache ich dir einen Vorschlag. Du stellst deinen Auflieger gleich an die Rampe, die ich dir sage und sattelst ab. Wir machen den Trailer leer und laden den nachher wieder. Nach deiner Pause kannst du dann aufsatteln und losfahren.“ „Das klingt super. Das machen wir so.“ „Hier im Keller sind auch die Sozialräume für die Fahrer. Da kannst du duschen und es gibt da auch Automaten für Getränke und Snacks.“ „Das klingt ja immer besser.“ „Die Papiere kannst du dann aber erst morgen früh, beziehungsweise nach deiner Pause machen. Die sind ja auch noch nicht hier. Wir brauchen aber die, vom Bauhaus.“ Ich gab ihm die Papiere. „Gut. Du setzt den Auflieger jetzt bitte an Tor 25 an. Kann aber sein, dass der morgen Früh an einer anderen Rampe steht. Es ist besser, den Auflieger einmal umzusetzen, als die ganze Ware quer durchs Lager zu fahren.“ „Wenn es weiter nichts ist.“ „Okay. Dann machen wir das so. Stell dich am Besten irgendwo hinten auf die Seite, da hast du mehr Ruhe.“ „Danke für den Tipp.“ Ich verließ das Büro und ging zurück zum LKW. Dann setzte ich den Auflieger an Tor 25 und stellte mich in die Ecke. Anschließend ging ich dann duschen.
    Als ich dann zurück im LKW war, telefonierte ich dann noch mit Katrijn. Sie wollte mir aber auch nicht verraten, was denn die Überraschung ist. „Die ist ja nicht nur von Joost, sondern von uns allen.“ Wir sprachen noch eine ganze Weile über private Sachen. Auf einmal fragte mich Katrijn: „Was hältst du eigentlich von einem Wochenende an der Nordsee?“ „Klingt gut.“ „Meine Freundin Roos kennst du ja. Sie und ihr Mann haben doch eine Ferienwohnung in Katwijk aan Zee. Die könnten wir an diesem Wochenende bekommen.“ „Das klingt wirklich gut. Haben wir denn Montag frei?“ „Ich habe das so verstanden, dass am Montag nur der Fahrer von van Breukelen und Jan eingeteilt sind.“ „Was soll unser neuer Kollege denn machen?“ „Der soll sich auch eine Zugmaschine schnappen. Dann sollen er und der Unternehmerfahrer die Auflieger beim Beschrifter abholen und verteilen. Falls sonst noch was anliegt, sollen sie das auch noch machen. Ab dem Nachmittag sollen sie dann noch für Dominic, Maarten, Art und dich die Auflieger vorladen.“ „Na gut. Dann können wir ja auch nach Katwijk fahren.“ Wir telefonierten noch einige Zeit weiter. Nachdem wir dann aufgelegt hatten, machte ich mir noch eine Kleinigkeit zu Essen. Dann legte ich mich schlafen.

    Freitag, den 28. April 2017:

    Der Wecker warf mich dann mitten in der Nacht aus dem Bett. Es war gerade mal kurz vor Drei. So wirklich Lust hatte ich nicht, um diese Zeit aufzustehen, es half aber nichts, die Ware wurde bereits am Vormittag beim Jumbo in Eindhoven erwartet. Ich stand auf und ging erst mal in den Sanitärbereich der Schenker Niederlassung. Nachdem ich dann eine Dusche hinter mir hatte, ging es mir dann besser und ich war bereit loszufahren. Zuerst musste ich aber noch ins Büro und meine Papiere holen. Es lag alles bereit und ich konnte die Papiere sofort unterschreiben. Auch die Ablieferbelege für die Anlieferung lagen dabei. Der Angestellte im Büro war dann auch noch so nett und sagte mir an welchem Tor mein Auflieger nun stand. Dann wurde mir noch ein schönes, langes Wochenende gewünscht. Man ging wohl davon aus, dass wir auch am 1. Mai Feiertag hatten.

    Zurück am LKW startete ich den Motor und schaute auf dem digitalen Tacho, ob meine Pause voll war. Um viertel vor Vier sprang die Pausenzeit auf dem Tacho dann auf elf Stunden um und ich konnte losfahren. Ich fuhr zu dem Tor, an dem der Auflieger nun stand und sattelte auf. Dann zog ich den Lastzug vor und schaute auf die Ladefläche. Alles war genauso, wie es sein sollte. Die Ladung war ordentlich geladen und gesichert. Zufrieden schloss ich die Türen und stieg wieder in die Zugmaschine. Die Navigation und ich waren uns über die Route nach Eindhoven einig, also machte ich mich dann auf den Weg.
    Durch das dunkle, nächtliche Industriegebiet auf der Südseite des Flughafens ging es zurück zur A5. Dort fuhr ich in Richtung Kassel auf, wechselte dann aber direkt am Frankfurter Kreuz wieder auf die A3. Nun ging es an der Nordseite des Flughafens entlang.

    Es dauerte dann auch nicht allzu lange, bis ich Wiesbaden wieder erreicht hatte. Nun musste der MAN wieder anfangen zu arbeiten. Es ging in die Hügel des Taunus. Dabei ärgerte ich mich wieder über die Unsitte der Deutschen, insbesondere der Hessen, auf Autobahnen mit drei Spuren in einer Richtung, Schilder für permanentes LKW Überholverbot aufzustellen. Man könnte dies genauso gut mit Elektrischen Schilderbrücken oder zumindest mit zeitlich beschränkten Überholverboten einrichten.
    An diesem Tag hatte ich aber Glück, dass nicht so viele langsame LKW auf der Straße waren und ich selber einer der langsameren LKW war. Schließlich waren 440 PS in diesem Terrain etwas wenig. Hinter Idstein hatte sich das Thema mit den Überholverboten dann sowieso wieder erledigt. Dann kamen sie nur noch für kurze Streckenabschnitte. Die weitere Fahrt durch Taunus und Westerwald verlief dann ohne nennenswerte Vorkommnisse.
    So erreichte ich beim Hellwerden dann das Rheinland. Am Dreieck Heumar wechselte ich dann auf die A4 in Richtung Aachen. Hier erwachte auch langsam der Berufsverkehr zum Leben. Trotzdem kam ich noch relativ gut und ohne große Verzögerungen an Köln vorbei. Am Kreuz Kerpen wechselte ich dann auf die A61 in Richtung Mönchengladbach. Da diese nicht so gut ausgebaut war, wie die Autobahnen vorher, konnte ich dort nicht mehr mit Tempomat fahren. Immer wieder musste ich vom Gas gehen oder abbremsen. Das ging dann nicht nur auf die Zeit, sondern auch auf den Verbrauch. Passend dazu kam irgendwann der Hinweis auf das Tanken auf das Display. Nachdem ich aber im Bordcomputer Tankinhalt und Reichweite geprüft hatte, entschied ich mich dagegen, noch nachzutanken. Mit der Tankfüllung sollte ich noch nach Eindhoven kommen und dann konnte ich am Platz günstiger tanken.
    Schließlich erreichte ich dann den neuen Autobahngrenzübergang bei Tegelen. Ich konnte mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo man, wenn man von der A61 kam, entweder quer durch Venlo musste, oder in Kaldenkirchen von der Autobahn musste, und über Landstraße nach Straelen fahren, wo man dann auf die A40 auffahren konnte. Nun kam man direkt auf die A73, die dann westlich um Venlo herumging. Dann konnte man direkt auf die A67 wechseln. Dann stand allerdings schon wieder meine kurze Pause an. Ich fuhr also noch auf einen Parkplatz und hielt an.

    Dann frühstückte ich erstmal in Ruhe. Anschließend rief ich dann kurz im Büro an. „Morgen, Marc. Wie sieht’s denn bei dir aus?“ wurde ich von Joost begrüßt. „Läuft. Venlo bin ich schon vorbei. Wenn ich meine Pause umhabe, bin ich in einer halben Stunde in Eindhoven.“ „Das passt doch. Dann bist du ja noch am Vormittag bei Jumbo.“ „So isses. Was hast du denn danach noch mit mir vor?“ „Nicht mehr viel. Wenn du den Auflieger leer hast, bringst du ihn zu DAF und kommst danach zum Platz. Dann noch ein wenig Wagenpflege und dann ist Wochenende. Mama hat gesagt, dass sie möglichst heute noch nach Katwijk losmöchte.“ „Wie sieht es bei den Anderen aus?“ „Du musst schauen, dass ihr euch nicht bei der Wagenpflege gegenseitig auf die Füße tretet.“ „Das heißt, dass die Anderen auch hier sind?“ „Maarten und Dominic sind auf jeden Fall auch bis Mittag auf dem Platz. Art sollte dann aber auch am Nachmittag hier sein.“ „Und alle haben langes Wochenende?“ „Genau. Montag machen wir mit Jan und van Breukelen. Das reicht. Wir können ja sowieso nicht aus den Niederlanden raus, weil überall Feiertag ist.“ „Wir könnten nach England rausfahren.“ „Sag das nicht so laut, sonst bekommst du eine etwaige England Tour.“ „Okay. Was hast du denn geplant?“ „Bisher sollen zwei leere Trailer nach Zwolle, damit wir bei Ikea und Metro einen Wechseltrailer haben. Dann möchte ich einen Koffer und einen Kühler bei Nagel in Veldhoven stehen haben. In Arnhem habe ich schon einen Auflieger bei Ikea stehen. Danach heißt es für Dienstag vorladen.“ „Sollte nicht auch ein Wechseltrailer nach Westerlo?“ „Das macht Dominic gerade. Er bringt eine Ladung von DAF, Eindhoven da hin und lässt den Trailer da. Dann kommt er solo wieder nach Hause.“ „Läuft.“ „Dann mal bis gleich.“ Wir beendeten das Telefonat und ich machte mich auf die restliche Strecke nach Eindhoven.

    Wie angekündigt, war ich dann eine halbe Stunde später bei Jumbo in Eindhoven. Wie immer war es recht eng beim Rangieren in den Warenannahmebereich. Ich hatte das Ganze aber auch schon im Dunkeln gemacht. Da war das am Vormittag noch recht entspannt gegen. Das größte Problem war, darauf zu achten, dass mir keiner hinter dem Lastzug herumlief, während ich dort rangierte. Schließlich stand der Lastzug aber genau da, wo er hinsollte. Dann begannen wir mit dem Abladen.

    Währenddessen ging dann mein Handy. Katrijns Nummer erschien auf dem Display. „Hallo Schatz. Ich bin gerade am Abladen.“Musst du das selber machen, oder wirst du entladen?“ „Da die hier leider keine Rampe haben, muss ich die Paletten mit dem Hubwagen nach Hinten ziehen, wo die dann mit dem Stapler abgeladen werden.“ „Schade. Ich dachte, du könntest in der Zeit schon mal ein paar Sachen fürs Wochenende einkaufen. In der Wohnung haben wir ja nichts im Kühlschrank.“ „Das wird leider nichts.“ „Dann müssen wir nachher irgendwo anhalten und einkaufen.“ „So sieht’s aus.“ „Dann bis gleich.“ „Bis gleich. Ich freue mich.“ Wir legten auf und ich machte mit meiner Arbeit weiter.
    Gegen halb Elf war der Trailer dann entladen und die Leerpaletten waren auf dem Trailer. Ich schloss die Türen und holte mir beim Staplerfahrer die Papiere. Dann stieg ich wieder ein und machte mich startklar. Nun musste ich wieder aus dem Annahmebereich hinausfahren, ohne noch irgendwo anzuecken.
    Als ich das erledigt hatte, fuhr ich dann zum DAF Werk. Dort meldete ich mich beim Pförtner und sagte Bescheid, dass ich nur eben den Auflieger abstellen wollte. Ich fuhr ins Werk und stellte den Trailer auf den Bereitstellungsplatz, wo die Trailer der Spediteure darauf warteten, beladen zu werden. Die Papiere des Aufliegers brachte ich noch schnell ins Büro, dann machte ich mich endlich auf den Weg zum Platz.
    Dort angekommen, fiel mir dann sofort die Überraschung auf, von der die Rede gewesen war. Als Antwort auf die Kritik, die meine Mutter beim Osterbesuch geäußert hatte, waren Katrijn und Joost zu dem Schluss gekommen, dass man doch an der Halle eine Firmenbeschriftung anbringen sollte. Da ja sowieso gerade die Beschriftungen für die neuen Trailer gemacht worden waren, hatte Tess dann auch ein Firmenschild fertigmachen lassen. Dieses thronte nun auf dem Dach der Halle.

    Ich fuhr dann mit dem MAN auf den Waschplatz, wo Maarten bereits damit zugange war, den blauen DAF zu waschen. Ich stieg aus und ging zu ihm. „Hallo. Hast du die Papiere schon hochgebracht?“ „Die habe ich noch im Auto.“ Sagte er. „Dann gib die mal eben her. Ich nehme die mit rauf.“ Er gab sie mir und ich ging ins Büro. „Na, was sagst du?“ fragte Katrijn mich zur Begrüßung. „Wenn jetzt noch jemand unsere Firma nicht findet, dann sollte er sich einen neuen Augenarzt suchen.“ „Macht was her, oder?“ kam es von Joost. „So langsam glaube ich, dass wir doch keine kleine Klitsche mehr sind.“ „Dann sieh zu, dass du fertig wirst.“ Sagte Katrijn. „Ich habe keine Lust, nachher bei Den Haag im Stau zu stehen, wenn wir nach Katwijk wollen.“ „Ich beeile mich.“ Sagte ich und ging direkt wieder runter.
    Maarten war gerade mit der Außenreinigung fertig und stellte seinen DAF in die Halle, wo er dann noch die Innenreinigung vornehmen wollte. Also fuhr ich den MAN auf den Waschplatz und ging mit dem Kärcher über die Zugmaschine. Als ich dann fertig war, kam dann Dominic auf den Hof. So konnte es mit der Wagenpflege nahtlos weitergehen. Ich setzte den MAN in die Halle und ging im Schnellverfahren mit dem Staubsauger durch das Fahrerhaus. Dann räumte ich meine Sachen aus, die mit nach Hause sollten.
    Anschließend ging ich ins Büro. „Ich bin dann soweit.“ sagte ich zu Katrijn, die daraufhin sofort ihre Arbeit beendete. Zu Joost sagte ich dann noch: „Du kannst Jan am Montag meine Maschine geben. Ich weiß ja nicht, wie sich die Anderen anstellen, wenn da jemand Anders mit fährt.“ „Hat sich schon erledigt. Maarten hat mir auch schon grünes Licht gegeben.“ „Wenn der blaue DAF reicht.“ „Ist doch nur Nahverkehr. Überleg mal, wo Maarten mit der Maschine überall hinfährt.“ „Leider.“ „Wir arbeiten ja dran, das zu ändern.“ „Komm, lass uns losfahren.“ Drängelte Katrijn. „Ich muss dann nur noch den Audi tanken.“ „Brauchst du nicht, wir nehmen den A3.“ „Warum denn das?“ „Der Parkplatz, den Roos in Katwijk hat, ist nicht gerade der Größte. Da passt der A3 besser rein.“ „Gut.“ Damit verließen wir das Büro.

    Wir fuhren schnell nach Geldrop und packten dort unsere Sachen. Katrijn hatte aber schon soweit alles vorbereitet, dass wir gar nicht mehr viel zusammenpacken brauchten. „Wir kaufen dann nachher in Katwijk ein.“ Beschloss Katrijn. Dann nahmen wir die Sachen, die wir für das Wochenende brauchten und machten uns auf den Weg. Auf der Fahrt genoss ich es, mich dann mal von Katrijn fahren zu lassen. Normalerweise, war ich ja immer der Jenige, der fahren musste.
    Am Nachmittag kamen wir dann in Katwijk an. Die Wohnung, die Roos dort hatte, war wirklich schön und hatte sogar Meerblick. Wir räumten unsere Sachen ein und fuhren anschließend noch mal schnell zum Einkaufen. Als wir dann zurück in der Wohnung waren, machte uns Katrijn erstmal was Tolles zu Essen.
    Nach dem Essen machten wir dann noch einen schönen Spaziergang an der Strandpromenade. Es war bei mir immer so, dass wenn ich am Meer war, sich sofort ein Gefühl von Urlaub und Erholung einstellte. Selbst, wenn ich auf meinen Touren irgendwo am Meer entlangkam. Bei einem erholsamen Spaziergang mit Katrijn an meiner Seite, war das Ganze noch viel schöner.

    Das Wochenende war dann wirklich wunderschön. Wir unternahmen viele Spaziergänge und machten sogar einen romantischen Strandspaziergang direkt am Wasser. Leider war es noch zu kalt um in der Nordsee schwimmen zu gehen. Das Schwimmen gehen blieb aber nicht ganz aus, da es in Katwijk auch ein schönes Schwimmbad gibt, wo wir uns auch gut erholen konnten. Am meisten genossen wir es aber, dass wir tatsächlich drei volle Tage für uns zur Verfügung hatten. Diese Zeit zusammen brachte uns noch näher zusammen, als wir es bisher sowieso schon waren. Aber leider geht auch das schönste Wochenende wieder viel zu schnell vorbei.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Kommentare 7

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    alaskabaer01 -

    Schönes Kapitel. Tolle Trailer, und die Werbung an der Garage macht sich auch gut. Daumen hoch, und weiter so. ;)

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    TurboStar -

    Und der Übersicht halber getrennt. 19 Trailer auf die paar Zugmaschinen? Das ist ja ein Tauschfaktor wie bei den in der Hinsicht leicht durchgeknallten Amerikanern. Von europäischen Tauschspeditionen wie Talke oder Stobart weit entfernt. Stobart liegt glaube ich bei mageren 1,3 - also auf 3 Zugmaschinen 4 Trailer.

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      Sauerlaender -

      Sicherlich rechnet sich das nicht. Man muss aber auch ein paar Faktoren berücksichtigen. Erstens: Es handelt sich dabei um vier verschiedene Fahrzeugkategorien. Planen, Koffer, Kühler und Schubboden. Zweitens: Es geht darum, an den wichtigsten Ladestellen Trailer zu stellen, damit bei diesen Ladestellen nur umgesattelt werden muss. Drittens: Da meine Kunden Ware versenden, die auf unterschiedliche Trailertypen geladen werden muss, reicht es nicht, an der Ladestelle einen Wechseltrailer zu haben. Beispiele: DAF - Planen und Schubboden, Nagel - Kühler, Koffer und Planen (Wobei eine Ladung für einen Koffer im RL auch auf einem Kühler gefahren werden kann. Bei ETS2 leider nur zum Teil) manchmal auch Schubboden, Metro - Planen, Koffer und Kühler, Ikea - Planen und Koffer. Gerade bei meinen Planen merke ich da schon, dass meine zehn Planentrailer nicht gerade viel sind, wenn sie gut auf die Ladestellen verteilt sind. Ich habe schon begonnen, einen Trailerplan zu erstellen, damit ich nicht die Übersicht verliere, welcher Trailer gerade wo steht, bzw. wo unterwegs ist. ;)

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    TurboStar -

    Großbritannien hättest Du Dir sparen können. Da der erste Montag im Mai dieses Jahr auf den 1. Mai fiel, war da auch Feiertag. Kannst zwar rechtlich fahren, aber es wäre schwer geworden, eine besetzte Ladestelle zu finden ;)

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      Sauerlaender -

      Es ging in diesem Fall um die Abfahrt. Zu den Fährhäfen nach Europoort, Hoek van Holland und Ijmuiden wäre ich ja gekommen. ;)