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2. Planungen

  • Es waren ein paar Tage vergangen. Katrijn und ich waren immer noch vor Ort. Doch das sollte sich bald ändern. Pieters Leiche war freigegeben und konnte in die Niederlande überführt werden. Auch Joost war inzwischen so stabil, dass seine Behandlung in Eindhoven fortgesetzt werden kann. Wir hatten inzwischen auch mehrfach mit seiner Freundin Tess telefoniert. Die war zwar über den Unfall geschockt, genauso wie darüber, dass ihr Freund ab sofort im Rollstuhl sitzen würde, trotzdem hatte sie gesagt, dass sie auf jedem Fall zu Joost stehen würde und ihn deswegen nicht verlassen würde. So kam langsam die Zeit, wo es zurück nach Eindhoven gehen sollte.

    Schließlich ging es zurück. Katrijn und ich fuhren wieder in ihrem A3 zurück. Für Joost war es dann besser, per Krankentransport zu reisen. Das sollte ihm weniger Beschwerden verursachen.
    In den letzten Tagen hatte ich dann immer wieder darüber nachgedacht, wie es denn nun weitergehen sollte. Ich vermutete mal, dass wir die Firma entsprechend umstrukturieren mussten, wenn davon Katrijn, Joost mit Anhang und ich von leben wollten. Bisher hatte die Mulder Internationaal Transporten BV nur einen sehr kleinen Fuhrpark besessen. Der bestand, neben ein paar PKW nur aus zwei Sattelzugmaschinen, von denen jetzt eine nicht mehr existierte. Die zweite war, wenn man Joost und Katrijn Glauben schenken wollte, nur für Tagestouren geeignet. Davon wollte ich mich aber auch selbst überzeugen. Bisher hatte sich mein Vater immer geweigert, die Firma zu vergrößern. Er hatte es vor einigen Jahren mal versucht, hatte aber laut eigenen Angaben „nie so schlecht geschlafen“, wie in dieser Zeit. So hatte er immer nur alleine die weiten Touren gefahren und Joost hatte mit der zweiten Maschine Tagestouren übernommen. Diese gingen überwiegend zu den Häfen Rotterdam und Antwerpen, den Fährhäfen nach England, sowie zur Nagel Zentrale ins Ostwestfälische Versmold. Pieter hingegen fuhr auch, zum Leidwesen von Katrijn kreuz und quer durch Europa. Entsprechend selten war er zu Hause.
    Inwieweit ich das so weiterführen wollte, wusste ich noch nicht. Erstens brauchten wir dann eigentlich keinen Disponenten oder Büroangestellten im Büro, da die Touren von Nagel disponiert wurden und für die Bezahlung Gutschriften von Nagel erstellt wurden. Zweitens war ich bei DHL für die Abrechnung der Subunternehmer zuständig. Ich wusste also aus allzu guter Erfahrung, wie viel oder wenig für die Unternehmer übrigblieb. Um dann genug zu verdienen, dass Katrijn, Joost und ich davon entsprechend gut leben konnten, mussten wir schon einige Fahrzeuge stellen. Meine Vorstellung ging also eher dahin, für einen eigenen Kundenstamm zu fahren. Allerdings wollte ich auf ein Netzwerk, wie das der Nagel Group auch nicht völlig verzichten. Um Rückfrachten zu bekommen, war das mit Sicherheit immer noch von Vorteil. Man müsste also vom Subunternehmer mit festen Touren eher zum gelegentlichen Partner werden. Ebenso könnte man dann Stückgut oder Teilladungen über das Nagel Netzwerk befördern. Das müsste man sich noch mal genau überlegen, wie man es machen konnte. Außerdem mussten Katrijn und Joost davon überzeugt werden. Denn sie kannten es nicht anders, als dass die Firma für Nagel im Einsatz war.
    Als nächstes stellte sich die Frage, für welche Firmen man denn fahren könnte. Ich hatte eh wenig Kontakte und die, die ich hatte, lagen in Südwestfalen und nicht in Noord Brabant. Ich wollte ja auch nicht an die Kunden von Nagel gehen, zumal da Kundenschutz herrschte. Da müsste ich einfach in der nächsten Zeit mal Augen und Ohren offenhalten.

    Als wir am Abend in Geldrop eintrafen, wartete Tess bereits auf uns. Sie war eine hübsche, junge Frau mit zahlreichen Sommersprossen und einer rotblonden Lockenpracht. „Wo ist denn Joost?“ fragte sie erstaunt. „Der wird direkt mit einem Krankentransport zur Klinik nach Eindhoven gebracht.“ Erwiderte Katrijn. Sie gab Tess die Adresse, dann machte Tess sich umgehend auf den Weg. Sie hatte ihren Liebsten ja lange nicht gesehen.
    Katrijn und ich gingen ins Haus. Dort fragte sie mich: „Willst du im Gästezimmer oder in Joosts früherem Zimmer wohnen? Ich wollte dir das so lange anbieten, bis du hier eine Wohnung gefunden hast.“ „Bist du sicher?“ „Ja. Du hast eine Unterkunft und ich bin nicht alleine. Dann denke ich nicht so viel nach.“ „Okay, dann nehme ich das Zimmer von Joost. Das ist gemütlicher, als das Gästezimmer.“ „Dann mache ich dir mal das Bett fertig.“

    Während Katrijn mir das Zimmer herrichtete, sah ich mich ein Wenig im Haus um. Ich war jetzt schon ein paar Jahre nicht mehr hier gewesen, da es meine Zeit nicht erlaubt hatte. Die Einrichtung zeigte ganz klar Katrijns Geschmack. Das ganze Haus wirkte warm und gemütlich. Trotzdem war die Einrichtung stilvoll. Man merkte schon, dass hier nicht auf den Cent geschaut wurde. Trotzdem fühlte man sich hier auf Anhieb wohl.
    Katrijn kam zurück und sagte: „Dann werde ich uns mal was zu Essen machen. Du hast mit Sicherheit genau so viel Hunger, wie ich.“ Wir gingen in die Küche und Katrijn begann ein Abendessen zu machen. Dabei öffnete sie eine Flasche Rosé. Ich merkte, dass sie hier gar nicht mehr so angespannt war, wie die Tage zuvor. Sie schien Pieters Tod langsam zu verarbeiten. Wir wollten uns gerade zum Essen hinsetzen, da ging das Telefon. Katrijn ging dran und sprach ein paar Worte, dann reichte sie mir den Hörer. „Das ist Gerriet van der Linden, der Niederlassungsleiter von Nagel Nederland.“ Ich nahm den Hörer. „Marc Mulder hier, guten Abend Herr van der Linden.“ „Guten Abend Herr Mulder. Zuerst mein herzliches Beileid.“ „Danke. Was kann ich für Sie tun?“ „Ihre Mutter sagte mir, dass Sie sich in Zukunft um die Firma kümmern werden.“ „Meine Stiefmutter.“ Berichtigte ich. „Genau gesagt wird mein Bruder Joost das Büro führen und ich werde fahren. Joost kann leider keinen LKW mehr fahren.“ „Das tut mir leid. Es ist mir auch etwas unangenehm, doch ich müsste Sie fragen, wann der Betrieb in Ihrem Hause wieder losgeht. Wir müssen schließlich auch planen.“ „Sie wissen schon, dass der LKW einen Totalschaden hat.“ „Das ist mir bekannt. Aber Sie sind ja bei uns mit zwei Zugmaschinen im Einsatz.“ „Ich stehe leider kurzfristig noch nicht zur Verfügung. Ich habe zwar den LKW Führerschein, aber ich habe die Fortbildungsmodule für den gewerblichen Einsatz noch nicht. Außerdem müsste ich noch den ADR Schein machen.“ „Wie sind Sie denn dann die letzten Jahre gefahren?“ „Überhaupt nicht. Ich habe als Speditionskaufmann bei DHL in Deutschland gearbeitet.“ „Der ADR Schein ist bei uns auch nicht so wichtig, da wir überwiegend mit Lebensmitteltransporten unser Geld verdienen.“ „Ich möchte ihn aber trotzdem machen. Außerdem sollten wir uns mal zusammensetzen, um über unsere Verträge zu sprechen.“ „Das können wir gerne machen. Trotzdem brauche ich eine Info, wann wir zumindest eine Zugmaschine wieder einplanen können.“ Ich hielt den Hörer zu und wandte mich an Katrijn: „Haben wir einen Aushilfsfahrer?“ „Tageweise hat uns mal Cornelis geholfen. Der ist ein guter Freund von Pieter gewesen, allerdings ist er schon in Rente.“ „Vielleicht kann er uns ja helfen.“ „Ich werde ihn gleich mal anrufen.“ Ich wandte mich wieder van der Linden zu: „Wir haben da eventuell eine Aushilfe. Wir müssen aber erstmal schauen, ob und wann er verfügbar ist.“ „Gut. Dann klären Sie das ab und melden sich dann bitte bei uns.“ Wir beendeten das Telefonat und aßen zuerst zu Abend. Anschließend rief Katrijn bei Cornelis de Boer an. Er war ebenfalls tief betroffen, als er von Pieters Tod hörte. Er sagte uns dann aber zu, dass er ab kommender Woche fahren konnte, bis ich dann soweit war.
    Wir setzten uns noch zusammen und unterhielten uns noch etwas. Dabei ließen wir aber die Themen Pieter, Joost und Firma außen vor. Wir mussten einfach auch mal über was Anderes reden. Es war dann auch einfach mal nett, zusammenzusitzen und gemütlich ein Glas Wein zu trinken. Schließlich gingen wir dann zu Bett. Ich sah mich in Joosts altem Zimmer um. Es war noch genau, wie vor ein paar Jahren. Katrijn hatte alles so gelassen, wie es war, als Joost noch bei seinen Eltern gewohnt hatte. Es war ein typisches Zimmer eines Teenagers. Nur anstelle von Postern von Stars oder Bands hingen Poster von LKW an den Wänden. Überwiegend von DAF und Volvo. Das waren halt Joosts Lieblingsmarken. Ich vermute auch, dass er seinen Vater überredet hatte, einen Volvo zu kaufen. Ich legte mich dann hin und versuchte zu schlafen. Lange Zeit konnte ich dann aber nicht einschlafen. Mir gingen noch zu viele Sachen über die Firma durch den Kopf.

    Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Wir wollten zur Firma fahren und anschließend Joost in seinem neuen Krankenhaus besuchen. Als ich auf dem Weg zum Bad war, huschte Katrijn in einem dünnen Negligee an mir vorbei. Dabei stellte ich wieder fest, wie hübsch meine Stiefmutter war. Aber sie war eben meine Stiefmutter und somit tabu.
    Nachdem ich mich fertiggemacht hatte, frühstückten Katrijn und ich zusammen. Dabei fielen mir noch einige Fragen ein, die die Firma betrafen. „Wer kümmert sich eigentlich um die Verträge und um die Buchhaltung der Firma?“ „Die Buchhaltung wurde bisher von mir vorbereitet und dann von unserm Steuerberater, Dirk van Veghel fertiggemacht. Der erstellt auch unsere Bilanzen. Um unsere Verträge kümmert sich unser Firmenanwalt, Klaas Dekker. Wir haben aber selbstverständlich auch unsere Exemplare in den Unterlagen. Die müssten sogar hier in Pieters Arbeitszimmer sein. Ich glaube nicht, dass sie in der Firma sind.“ Katrijn sprang natürlich sofort auf und suchte den Ordner. Als sie ihn gefunden hatte, brachte sie mir ihn mit einem triumphierenden Lächeln. „Ich bin eben keine der Unternehmerfrauen, die keine Ahnung von den Geschäften meines Mannes haben.“ „Das habe ich auch nie behauptet.“ Ich warf einen Blick auf die Verträge. Es waren tatsächlich zwei einzelne Verträge. Der erste war wohl der für die Transporte von Pieter. Er war auf keine feste Tour ausgestellt, sondern galt für das komplette europäische Netzwerk der Nagel Group. Pieter wurde laut dem Vertrag europaweit disponiert. Dafür wurde ihm ein Mindestumsatz und ständige Befrachtung garantiert. Das hieß, es gab keine Leerfahrten. Weiterhin wurden ihm die Auflieger und die Tankkarten gestellt. Abrechnung der Tankkarte erfolgte durch Abzug von den Gutschriften für die Aufträge. Der Vertrag war zu meiner Überraschung nicht mit Eindhoven, sondern direkt mit Nagel, Versmold geschlossen worden.
    Der Passus mit den Tankkarten und Aufliegern fand sich auch im zweiten Vertrag. Dieser war allerdings mit Nagel, Eindhoven geschlossen worden. Dieser Vertrag bezog sich nur auf die tägliche Gestellung einer Zugmaschine mit Fahrer für Tagestouren vom Standort Eindhoven aus. Der Passus mit dem Mindestumsatz war auch hier vorgesehen, auch wenn dieser um einiges niedriger lag, als der für die Ferntouren. Auch die ständige Befrachtung war nicht vermerkt. So konnte es sein, dass die Maschine wieder leer zurück nach Eindhoven fahren musste. Beide Verträge sagten übrigens aus, dass mit diesen Fahrzeugen ausschließlich für die Nagel Group gefahren werden sollte. Das war der Punkt, der mir dabei am meisten aufstieß. Schließlich wollte ich langfristig von der Subunternehmerschaft weg. Ansonsten waren die Verträge soweit in Ordnung. Trotzdem nahm ich das Telefon und machte einen Termin mit Klaas Dekker, um mit ihm über die bestehenden Verträge zu reden.

    Nachdem ich fertig war, machten wir uns auf den Weg zur Firma. Wir nahmen wieder den A3, nur das Katrijn diesmal fuhr. Sie kannte den Weg zur Firma besser, als ich. Wir fuhren über Land. Ich hätte wahrscheinlich die A67 genommen, doch so ging es schneller. Als wir nach Eindhoven kamen, führte uns unser Weg direkt am DAF Werk vorbei. „Das wäre doch auch eine Idee.“ Dachte ich laut. „Was ist eine Idee?“ fragte Katrijn neugierig. „Ich hatte doch überlegt, für wen wir denn fahren könnten, mal abgesehen von Nagel. Da ich hier aber nicht viele Firmen kenne wusste ich nicht, wen ich nehmen könnte, zumal ich keine Kunden von Nagel nehmen möchte. Aber DAF ist nicht aus der Konsumgüterbranche. Das heißt, das wäre eine Alternative.“ „Was willst du denn für die fahren? Willst du LKW transportieren?“ „Vielleicht auch das. Ich dachte aber in erster Linie an Ersatzteile. Außerdem könnte man auch an den Bereich Produktionszuführung denken. Das heißt Just in Time die Ware zur Produktion bereitstellen.“ „Ist das nicht eine Nummer zu groß für uns?“ „Wir wären ja nicht alleine dafür zuständig. Wir wären ja eher einer von Vielen.“ „Wenn du meinst. Dürften wir denn dann nur noch DAF fahren?“ „Das hängt natürlich von den Verträgen ab. Ich würde mich aber nicht zwingend auf eine Marke festlegen lassen. Wir müssten auf jedem Fall DAF LKW im Fuhrpark haben.“ „Einen haben wir ja noch. Aber eigentlich wollten wir ja auf Volvo umsteigen.“ „Das können wir ja auch. Nur eben nicht ausschließlich. Es sei denn, man würde uns so einen Knebelvertrag geben wollen.“ „Fragen kannst du ja mal. Für einen neuen LKW haben wir im Moment aber kein Geld.“ „Wenn die Versicherung zahlt, dann schon.“ „Bis dahin müssen wir eh die Verträge mit Nagel einhalten.“ „Da werde ich erstmal mit Herrn Dekker drüber reden.“

    Nun kamen wir an der Firma an. Die kleine Halle stand mitten auf einem ungepflasterten Platz. Sie war halbwegs gepflegt. Leider hatten wohl einige Jugendliche nicht davon ablassen können, die Halle mit ihren Graffitis zu „verschönern“. Neben der Halle befand sich noch ein Freilager mit Krananlage, die allerdings nur seitwärts zu bewegen war. Außerdem gab es noch ein kleines Abdach, wo man auch was lagern konnte. „Nicht schön, aber besser, als nichts.“ War mein erster Kommentar. Wir fuhren auf das Gelände und dann auf die Rückseite der Halle. Die Halle war maximal 20 Meter lang und etwa 10 Meter breit. „Viel geht da nicht rein.“ „Ist ja auch eher eine Garage, als eine Lagerhalle.“ Sagte Katrijn. „Da passt immerhin so gerade ein kompletter Lastzug rein. Außerdem kann man dann noch rechts und links ein Bisschen was lagern.“ „Ist die Halle gemietet, oder ist die Eigentum?“ „Die gehört uns. Genau, wie das Grundstück.“

    Hinter der Halle, verborgen vor den Blicken der Leute, die an der Straße vorbeifuhren, stand dann die zweite Zugmaschine. „Warum steht der LKW denn nicht in der Halle?“ „Da hat vor der Abfahrt der Volvo samt Auflieger dringestanden.“ „Ach so.“ Die Zugmaschine überraschte mich dann aber doch. Nachdem mir alle gesagt hatten, dass es sich um einen DAF für Tagestouren handeln würde, hatte ich mit einem CF gerechnet. Dort stand aber immerhin ein XF105 mit SpaceCab. Er hatte Sideflaps, aber keinen Dachspoiler. Lackiert war das Fahrzeug in Nagel Blau und hatte zusätzlich die DAF Deko für den 105er drauf. Abgesehen von der Farbe sah er gar nicht mal schlecht aus. Er war zumindest gut gepflegt. Sonderausstattungen waren aber offensichtlich Fehlanzeige. Das größte Manko der Maschine entdeckte ich erst, als ich die Schriftzüge auf der Tür sah. „Nur 360 PS?“ „Pieter hat damals gesagt, für den Nahverkehr reicht das. Wir sind ja damit meistens nur an die Küste gefahren. Wenn es nach Versmold ging, waren auch nicht wirklich Berge da.“ „Gut. Das stimmt auch wieder.“

    Wir gingen dann zu dem Wellblechbau, in dem das Büro war. Das Gebäude stand auf einem Betonsockel, der auch als Rampe dienen konnte. Von der Rampe ging es unter das Abdach. Trotzdem war es nicht ganz ebenerdig. „Nicht unbedingt Behindertengerecht.“ Sagte ich zu mir. „Was meinst du?“ fragte Katrijn irritiert. „Ich hatte überlegt, ob das behindertengerecht ist. Schließlich muss Joost mit einem Rollstuhl hier klarkommen.“ Wir gingen in das Bürogebäude. Auch dort wirkte es nicht gerade Rollstuhlfahrertauglich. „Ich weiß nicht, ob das geht.“ Sagte ich zweifelnd. „Vielleicht kann sich Joost sein Büro zu Hause einrichten.“ Meinte Katrijn. „Das finde ich nicht gut. Die Verwaltung sollte am Firmensitz sein. Ich glaube eher, dass wir ein neues Firmengebäude brauchen. Am Besten gleich mit mehr Platz um auch expandieren zu können. Außerdem muss das alles Behindertengerecht sein. Da gibt es doch bestimmt auch in den Niederlanden Fördermaßnahmen für.“ „Wovon willst du das bezahlen?“ „Für Immobilien bekommt man doch immer Darlehen. Bei den aktuellen Zinsen sogar zu tollen Konditionen.“ „Ich weiß nicht, was Pieter davon halten würde.“ „Pieter hat mir auf dem Sterbebett gesagt, ich soll die Firma führen, wie ich meine, Hauptsache ich bleibe bei euch.“ „Da hast du recht.“ Ich setzte mich an einen alten Schreibtisch in dem Büro und nahm mir die Buchhaltungsordner zur Hand. Nachdem ich die Zahlen gesichtet hatte, war ich zumindest einigermaßen zufrieden. Pieter hatte sehr konservativ gewirtschaftet. Die Firma hatte keine Schulden, was mich eigentlich sehr wunderte. Nur die offenen laufenden Kosten gab es. Ansonsten stand die BV, die mit einer deutschen GmbH vergleichbar war, auf sehr gesunden Beinen. Das würde es leichter machen, die Banken von meinen Investitionsplänen zu überzeugen. Zufrieden klappte ich die Ordner zu und verließ das Bürogebäude wieder. Ich schnappte mir aber noch den Schlüssel für den XF und setzte die Zugmaschine in die Halle. Als ich in dem DAF saß, war ich ein weiteres Mal überrascht. „Wer kauft eine Zugmaschine mit nur 360 PS aber dann mit Retarder?“ Katrijn hatte die Frage gehört. „Pieter fand den Retarder immer unheimlich wichtig. Er kannte eben noch die Zeiten, wo es sowas nicht gab. Zu der Zeit wirkten die Motorbremsen aber auch noch anders, da die LKW mehr Hubraum hatten. Er ist aber früher öfter mal mit qualmenden Bremsen im Tal angekommen.“ „Ich wusste gar nicht, dass du dich so auskennst.“ „Pieter hat mir immer viel erzählt, wenn er zu Hause war. Dabei habe ich viel gelernt.“
    Ich startete den DAF, der problemlos ansprang. Dann setzte ich die Zugmaschine in die Halle. Schließlich schloss ich das Tor und wir konnten wieder fahren. Auf dem Weg zum Auto fiel unser Blick auf den schwarzen Audi A8, der noch in der Ecke auf dem Platz stand. „Willst du Pieters Auto haben?“ fragte Katrijn auf einmal. „Ich habe ein gutes Auto und für Joost müssen wir noch einen Wagen umbauen lassen. Das sollte auch mit seinem Audi Q5 gehen. Der A8 ist im Moment über und dein Golf ist nicht mehr wirklich gut.“ „Dann nehme ich ihn.“ Katrijn gab mir die Schlüssel. Dann fuhren wir mit zwei Autos wieder vom Hof. Wir brachten die Schlüssel für LKW und Halle noch zu Cornelis de Boer, dann fuhren wir erstmal wieder zurück nach Geldrop.

    Dort machte ich erstmal eine Planung, welche Termine ich in nächster Zeit erledigen musste. Als Erstes wollte ich mit Dekker und mit van der Linden über die Verträge mit Nagel sprechen. Dann musste ich unbedingt meine Vorhaben mit Joost absprechen. Schließlich sollten wir die Firma zu gleichen Teilen führen. Dann hatte ich einiges in Deutschland zu tun. Ich brauchte die Qualifikationsmodule für das gewerbliche Fahren. Dann wollte ich einen ADR Schein haben. Außerdem musste die Wohnung aufgelöst und der Umzug nach Eindhoven vorbereitet werden. Meiner Mutter musste ich auch noch schonend beibringen, dass ich in die Niederlande auswandern wollte. Außerdem könnte ich, wenn ich schon in NRW war, auch gleich einen Termin bei Nagel in Versmold machen, um dort alles Weitere zu besprechen. Wenn ich dann wusste, wie ich das mit Nagel geregelt hatte, könnte ich dann auch Gespräche mit DAF aufnehmen. Immerhin hatten wir ja noch einen DAF auf dem Hof. Es gab also noch viel zu tun, bis ich richtig starten konnte. Da es von den Zahlen her sehr gut aussah, brauchte ich mich wenigstens nicht auch noch mit dem Steuerberater sprechen.
    Katrijn hatte mir inzwischen die Nummer von einem guten Immobilienmakler herausgesucht. Diesen rief ich dann an, um ihn nach einer besseren Firmenzentrale suchen zu lassen. Zeit eine selbst zu bauen, hatten wir leider nicht. Trotzdem wurde das mit Sicherheit eine Herausforderung, eine Speditionshalle zu finden, die dann auch noch behindertengerecht sein sollte und im Idealfall auch noch eine Wohnung für mich beinhaltete. Man versprach mir, sich umgehend auf die Suche zu machen. Man war außerdem zuversichtlich, was Vernünftiges in Eindhoven zu finden.

    Schließlich fuhren Katrijn und ich noch zum Krankenhaus, wo Joost inzwischen behandelt wurde. Dort angekommen, trafen wir Joost und Tess, die im Moment viel Zeit bei ihrem Freund verbrachte. Wir gingen dann zusammen in die Cafeteria des Krankenhauses, wo wir uns zusammensetzten, um meine Pläne zu besprechen. Nachdem ich Joost meine Vorstellungen erklärt hatte, sagte er erstmal gar nichts. Eine ganze Zeit später begann er dann: „Ich bin sprachlos, was du dir alles so vorstellst. Meinst du denn, dass sich das alles realisieren lässt?“ „Mit Sicherheit. Die Immobilie ist gar kein Problem. Da werden wir sofort eine Finanzierung bekommen. Außerdem werden wir mit Sicherheit Zuschüsse für den behindertengerechten Umbau bekommen.“ „Gut. Aber für deine Pläne brauchen wir ja mehr, als nur zwei Zugmaschinen.“ „Wir bekommen ja das Geld von der Versicherung. Vielleicht gibt uns deine Mutter ja auch was von der Lebensversicherung ab.“ Ich warf einen Seitenblick auf Katrijn. „Ihr könnt die Lebensversicherung gerne investieren. Solange ich meinen Lebensstandard halten kann.“ „Das auf jedem Fall. Wir werden dir nichts wegnehmen.“ „Dann wird die Lebensversicherung meine Einlage als Gesellschafterin werden.“ „Außerdem würde ich vorerst mit gebrauchten Zugmaschinen starten wollen.“ „Wenn das alles so klappt, bin ich einverstanden.“ „Wir müssen ja auch was für dich zu tun haben. Was willst du den ganzen Tag im Büro, wenn wir nur für Nagel fahren.“ „Das stimmt. Wenn wir für andere Kunden fahren, habe ich wenigstens was zu disponieren.“ „So ist das.“ Über die meisten anderen Punkte waren wir uns einig. Also konnten wir mit der Umstrukturierung beginnen. Dann fragten wir Joost, was denn jetzt mit ihm gemacht wurde. „Ich bin jetzt sozusagen in der Rehabilitation. Dabei wird zwar nicht wirklich darauf spekuliert, dass meine Beine wieder funktionieren, aber der Rest des Körpers muss ja auch noch fit gemacht werden.“ Wir wünschten ihm alles Gute und fuhren danach wieder zurück nach Geldrop. Katrijn und ich machten sich dann noch einen gemütlichen Abend, bevor wir uns hinterher todmüde hinlegten.

    Am nächsten Tag hatte ich vor, die letzten Sachen zu erledigen, die im Augenblick noch in den Niederlanden erledigt werden sollten. Danach wollte ich erstmal zurück nach Deutschland, um dort alles Weitere in die Wege zu leiten. Zuerst stand aber ein gemeinsames Frühstück mit Katrijn an. Dabei merkte ich, dass ich mich langsam daran gewöhnte, bei meiner Stiefmutter zu wohnen. Da mich das beunruhigte, nahm ich mir die Zeitung und schaute mal in den Wohnungsmarkt. Allerdings fand ich spontan nichts, was mir zusagte. Meine Hoffnung war aber auch eher, dass der Immobilienmakler ein Speditionsgebäude fand, wo auch noch eine Wohnung für mich drin war. Katrijn schien aber auch damit begonnen zu haben, ihre Ehe mit meinem Vater innerlich aufzuarbeiten. Sie erzählte beim Frühstück, wie früher ihr Alltag abgelaufen war und dass immer zu wenig Zeit für die schönen Dinge des Lebens gewesen sei. Immer war die Firma an erster Stelle gewesen. Trotzdem hatten sie vor ein paar Jahren ihre Silberhochzeit gehabt. Sie hatte immer wieder zurückgesteckt und zu Gunsten der Firma auf gemeinsame Momente verzichtet. Ihre Hoffnung war, dass er im Ruhestand mehr Zeit für sie hatte, aber er war immer noch weitergefahren, weil er Angst hatte, dass sonst das Geld nicht gereicht hätte. Trotzdem hatte er geplant, 2017 endlich aufzuhören und die Firma in unsere Hände zu geben. Pieter hatte wohl vor, mich zu überreden, nach Eindhoven zu kommen und gemeinsam mit Joost die Firma fortzuführen. So hätte er dann genug Zeit für Katrijn und sich gehabt. Nun kam ich zwar nach Eindhoven, doch leider zu spät.

    Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zu Klaas Dekker, dem Rechtsanwalt. Ich stieg in den A8 und machte mich auf den Weg. Ich musste mich allerdings erst an den Wagen gewöhnen. Ich kam mir ein bisschen vor, wie der „Transporter“ Frank Martin. „Fehlt nur noch der schwarze Anzug und eine illegale Fracht im Kofferraum.“ Trotzdem machte der Audi gerade bei Geschäftsterminen mehr her, als mein gammeliger Golf III.
    Nach einer halben Stunde erreichte ich die Kanzlei, die in einem schicken Geschäftsgebäude im Zentrum von Eindhoven lag. Alles wirkte sehr modern und elegant. Dann wurde ich von Dekker begrüßt, der zu meiner Überraschung etwa in meinem Alter war. Sein Outfit lockerte er damit ein wenig auf, dass er zu Oberhemd und Sakko eine gut sitzende Jeans trug. Dekker sprach mir zuerst sein Beileid aus, dann gingen wir in sein Büro, was ebenso modern und elegant eingerichtet war, wie der Rest der Kanzlei. „Nun Herr Mulder, was kann ich für Sie tun?“ „Es geht mir in erster Linie um die Verträge mit der Nagel Group. Wie sieht das mit einer Kündigung vor Ende der Laufzeit aus? Kann man die Verträge eventuell vorübergehend ruhen lassen? Gibt es noch weitere Möglichkeiten?“ „Warum wollen Sie die Verträge denn kündigen? Abgesehen davon, wie sieht Ihr Bruder die ganze Sache?“
    Ich schilderte also zuerst einmal meine Vorstellungen, wie ich das Unternehmen umstrukturieren wollte. Weiterhin berichtete ich, dass alles bereits mit Joost und auch Katrijn vereinbart wurde. Dekker lehnte sich zurück und hörte sich alles in Ruhe an. Dann dachte er noch ein paar Minuten nach. Er blätterte immer wieder durch die Verträge und schaute sich einige Passagen noch mal intensiv an. Schließlich legte er den Ordner zur Seite und schaute mich ernst an.
    „Sie sind ja zurzeit gar nicht in der Lage, beide Verträge auszuführen. Dazu fehlt Ihnen sowohl eine Zugmaschine, als auch das Fahrpersonal. Das heißt einen Vertrag müssten Sie im Augenblick per se kündigen, da Sie ihn nicht einhalten können. Das geht auch ohne Vertragsstrafen, da es sich um höhere Gewalt handelt. Die Frage wäre dann eher, welchen Vertrag Sie denn beibehalten möchten. „Das ist eine gute Frage. Ich wäre langfristig eher an einer etwas flexibleren Konstellation interessiert.“ „Das ist bei diesen Verträgen nicht möglich, da hier festgelegt wurde, dass ein eingesetztes Fahrzeug ausschließlich für die Nagel Group fährt.“ „Dann müsste ich also rein theoretisch beide Verträge kündigen und einen neuen Vertrag entsprechen Verhandeln?“ „Um Ihre Pläne umzusetzen, würde das Sinn machen. Es stellt sich nur die Frage, ob die Nagel Group da mitspielt.“ „Das müsste ich dann bei einem vor Ort Termin erst einmal eruieren.“ „Ich hätte da vielleicht noch einen Vorschlag.“ Sagte der Anwalt. „Der da wäre?“ „Es müssten ja in der BV noch einige Angelegenheiten umgestellt werden, die auch ins Handelsregister eingetragen werden müssen. In der bisherigen Firma stand nur Pieter als Geschäftsführer. Joost und Katrijn waren nur stille Gesellschafter. Sie sind bisher noch gar nicht vertreten. Das heißt im Klartext, dass Sie erst aufgenommen werden müssen, dann müssen Joost und Sie zum Geschäftsführer ernannt werden. Man könnte dann natürlich auch die bisherige BV auflösen und eine neue Nachfolgegesellschaft gründen. Dann müssten die Verträge mit Nagel zwangsläufig neu aufgesetzt werden.“ „Das ginge natürlich auch. Funktioniert das denn auch?“ „Normalerweise sind das Formalitäten. Umfirmierungen sind ja inzwischen an der Tagesordnung. Es werden ja ständig irgendwo Firmen ge- und verkauft. Ebenso häufig gibt es Fusionen zwischen Unternehmen. Auch in diesen Fällen werden die Verträge neu aufgesetzt. Nur dass da sonst nur der Vertragspartner geändert wird. Aber diese Verträge sind ja auch Standardverträge. Ihre Wünsche wären per se Sonderklauseln.“ „Das klingt ja gar nicht schlecht.“ „Dabei kommt es dann auf Ihr Verhandlungsgeschickt an. Sie müssen dann Ihre Wünsche gegenüber der Nagel Group durchsetzen. Wenn Sie das nicht schaffen, müssten Sie sich dann schon auf einen Standardvertrag einlassen. Ansonsten entziehen Sie Ihrem Unternehmen den soliden Grundstock, den Sie haben sollten.“ „Das ist klar.“ „Es liegt also bei Ihnen und Ihrer Familie, wie Sie das machen.“ „Gut.“ „Sie sollten sich natürlich einen leicht veränderten Firmennamen einfallen lassen. Die neue Firma darf nicht genau so lauten, wie die alte. Das widerspricht dem Grundsatz der Firmenausschließlichkeit.“ „Bisher war das die Mulder Internationaal Transporten BV, richtig?“ „Genau.“ „Wie wäre es dann mit Mulder Logistiek BV? Das würde doch reichen. Außerdem entspräche das dem, was ich in Zukunft vorhabe.“ „Der Name hat was. Das klingt schon, wie eine große Spedition. Dann entwickeln Sie noch ein einprägsames Logo, was wir markenrechtlich schützen lassen. Das sorgt dann auf der Straße für Wiedererkennungswert.“ „Gut. Ich werde das mit Katrijn und Joost besprechen. Wir machen dann einen neuen Termin aus.“ Ich verabschiedete mich und verließ die Kanzlei.Ich telefonierte kurz mit Katrijn und bat sie, sich mit mir bei Joost zu treffen. Ich wollte direkt die Sachen klären, die ich mit Dekker besprochen hatte.

    Da ich noch warten musste, bis sie Zeit hatte und sie dann auch noch den Weg von Geldrop nach Eindhoven zurückgelegt hatte, fuhr ich spontan zum DAF Werk. Ich fuhr zum Pförtner und sagte, dass ich einen Termin mit dem Leiter der Logistik Abteilung machen wollte. Durch einen glücklichen Zufall war diesem wohl gerade ein Termin geplatzt und er hatte sofort etwas Zeit für mich. Ich durfte also zur Hauptverwaltung vorfahren und wurde am Empfang direkt von ihm abgeholt. Henk Bakker war ein sportlicher Typ, der etwa im gleichen Alter war, wie ich. Er war mir von Anfang an sympathisch und das beruhte offensichtlich auf Gegenseitigkeit. „Was kann ich denn für Sie tun, Herr Mulder?“ fragte er. „Ich bin gerade dabei, eine alteingesessene Transportfirma hier aus Eindhoven umzustrukturieren. Dazu suche ich neue Auftraggeber.“ „Wir haben zwar schon ein sehr gutes Netzwerk an Speditionen, die für uns fahren, aber wir sind trotzdem immer an neuen Kontakten interessiert. Um welches Unternehmen handelt es sich denn?“ „Mulder Internationaal Transporten. In naher Zukunft wahrscheinlich Mulder Logistiek.“ „Sagt mir auf Anhieb gar nichts. Die Firma ist aber hier aus Eindhoven?“ „Richtig. Bisher sind wir in erster Linie für die Nagel Group unterwegs gewesen.“ „Und nun möchten sie nicht mehr für andere Logistiker fahren, sondern selbst für die entsprechenden Kunden.“ „Richtig.“ „Warum bleiben Sie dann nicht in der Lebensmittelbranche?“ „Aus Gründen des Kundenschutzes. Einerseits dürfen wir Nagel Kunden gar nicht akquirieren, andererseits wollen wir die Geschäftsbeziehung zu Nagel nicht komplett aufgeben, sondern nur einschränken.“ „Verstehe. Jetzt ist mir bekannt, dass Nagel ein großer Kunde bei Daimler ist. Außerdem werden die Großkundenrabatte auch gerne an die Subunternehmer weitergegeben. Heißt das, dass Ihr Fuhrpark ausschließlich aus Mercedes LKW besteht?“ „Wenn ich ehrlich sein soll, besteht unser Fuhrpark im Augenblick gerade einmal aus einem DAF XF105. Der zweite LKW ist leider vor Kurzem verunglückt.“ „Habe ich das jetzt richtig verstanden?“ fragte Bakker erstaunt. „Sie haben momentan nur eine Zugmaschine und suchen trotzdem nach Neukunden?“ „Das ist richtig. Wir werden aber in den nächsten Wochen unseren Fuhrpark erweitern.“ „Das nenne ich mutig. Das imponiert mir. Das Sie sich mit dieser Ausgangslage bei uns bewerben. Ich hätte jetzt damit gerechnet, dass Sie hier mindestens zehn Fahrzeuge einsetzen wollen.“ „Wenn ich diese hätte würde ich das gerne machen.“ Bakker schaltete seinen Bildschirm an und tippte ein paar Befehle in seinen Computer. „Ich habe gerade mal nachgeschaut. Ihre Firma ist ja ein treuer, langjähriger Kunde bei uns. Sie haben zwar nur alle paar Jahre mal eine Maschine hier gekauft, aber immer wieder regelmäßig. Offensichtlich haben Sie sich nicht von Nagel zu Daimler schicken lassen.“ „Auch, wenn unsere letzte Maschine, die jetzt verunfallt ist von einem anderen Hersteller war.“ „Gut. Wir sind jetzt nicht so penibel, dass unsere Transporteure nicht mal was Anderes probieren können, aber wenn sie für uns fahren möchten, wäre es ratsam, wenn der Großteil Ihres Fuhrparks aus unserem Hause stammt. Außerdem sieht es unsere Geschäftsleitung nicht ganz so gerne, wenn unsere Ladungen mit Fremdfabrikaten gefahren wird.“ „Das ist mir klar. Ich habe lange Zeit bei einem Spediteur in Deutschland gearbeitet, der unter Anderem für Daimler fährt. Dort wurden Lieferanten LKW, mit Fremdfabrikaten auch schon mal über das normale Maß hinaus stehen gelassen. Es sei denn, die Ware war brandeilig.“ „Das sollte Ihnen hier nicht passieren.“ „Heißt das, ich bekomme einen Vertrag?“ „Wie ich vorhin schon sagte, hat mir Ihr Auftreten sehr imponiert. Daher werde ich Ihnen einen Vertrag geben, der für den Anfang über den Einsatz von einem Fahrzeug läuft. Wenn dabei alles klappt, werden wir diesen auch erweitern. Es wird sich aber nicht um eine feste Tour handeln. Wir werden Sie einsetzen, um Überhänge abzubauen.“ „Um welchen Bereich handelt es sich dabei? Um Produktionszuführung?“ „Das kann dabei genauso vorkommen, Wie der interne Verkehr zwischen den Werken Eindhoven, Westerlo und Leyland. Außerdem kann es auch sein, dass Sie für die PaccarParts Ersatzteile zu den Vertragswerkstätten bringen. Ab und zu kann es auch vielleicht mal vorkommen, dass Sie Zugmaschinen oder Fahrgestelle ausliefern müssen. Dafür brauchen Sie aber keinen eigenen Trailer. Den LKW Transporter werden wir Ihnen in diesem Fall zur Verfügung stellen. Ansonsten sollten Sie einen Curtainsider mit zertifizierter Plane zur Verfügung stellen. Eine normale Plane würde zur Not auch noch gehen, ein Curtainsider wäre aber besser.“ „Was wäre mit Koffer- oder Kühl Aufliegern?“ „Das wäre für die Produktionszuführung eher schlecht, da bei uns von der Seite entladen wird. Für die Ersatzteiltouren ginge das zur Not auch noch. Dann sollte der LKW aber auch einen Hubwagen an Bord haben.“ „Gut. Einen Curtainsider müsste ich mir dann noch besorgen.“ „Ich kann mich ja auch mal bei unseren Spediteuren umhören, ob da zufällig noch jemand einen Trailer verkaufen möchte.“ „Das wäre sehr nett.“ „Dann werde ich einen Vertragsentwurf fertigmachen und Ihnen zusenden. Vertragsbeginn wäre dann zum Nächsten Quartalsbeginn, also Anfang Januar 2017.“ „Gut. Dann stellen Sie den Vertrag auf Mulder Logistiek BV aus. Die Firma wird nämlich bis dahin noch umfirmieren.“ „In Ordnung.“ Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den Weg zu Joost.

    Dort angekommen, wartete Katrijn schon auf mich. „Ich dachte, du wärst vor mir hier. Da habe ich mich extra beeilt.“ „Ich war noch mal eben bei DAF.“ „Was hast du da gemacht? Eine Zugmaschine bestellt?“ „Das nicht. Ich habe einen Vertrag ausgehandelt. Den Vertragsentwurf mit den entsprechenden Konditionen erhalten wir in den nächsten Tagen.“ „Du gibst aber ganz schön gas.“ Meinte nun auch Joost. Dann berichtete ich den Beiden erstmal von den Gesprächen mit den Herren Dekker und Bakker.
    Als ich geendet hatte, staunten die Beiden nur. „Das klingt ja alles nicht schlecht. Wer teilt denn die DAF Touren dann ein?“ „Du. Unter Absprache mit DAF. Du wirst von denen entsprechende Touren bekommen und dann das, oder die Fahrzeuge einteilen.“ „Gut. Wenn ich da bei Nagel schon nichts mit am Hut habe.“ „Das ist ja auch noch nicht gesagt. Das kommt ja darauf an, wie wir das in Zukunft machen. Wenn wir denen nur jeden Tag die Zugmaschine mit Fahrer zur Verfügung stellen, dann brauchen wir uns da nicht drum kümmern. Wenn wir aber freie Ladungen nehmen, müssen die LKW auch von dir disponiert werden.“ „Das werden wir dann sehen.“ „Genau. Mit Nagel muss ich eh noch sprechen.“ „Das mit dem Logo könnte übrigens Tess machen. Die ist schließlich Grafikerin.“ „Warum nicht. Dann soll sie uns mehrere Vorschläge machen und wir entscheiden dann gemeinsam über unser neues Firmenlogo.“ Mit dem Rest waren die Beiden soweit einverstanden. Außerdem erstellten sie mir eine Vollmacht, dass ich im Auftrag der alten Gesellschaft Geschäfte abschließen und auch kündigen durfte. In der neuen Gesellschaft war ich dann eh als Geschäftsführender Gesellschafter eingetragen.

    Als letztes fuhr ich noch zu Nagel. Zu meiner Überraschung lag diese Firma am entgegengesetzten Ende von Eindhoven. Auf dem Rückweg würde ich dann über den Randweg Eindhoven fahren. Das ging dann schneller, als durch die Stadt. Dort angekommen, traf ich mich dann mit Gerriet van der Linden, dem Niederlassungsleiter. Nachdem auch er erstmal persönlich kondoliert hatte, kamen wir dann schnell zum Thema. „Leider können wir wegen des Unfalls im Augenblick nicht beide Verträge einhalten. Uns fehlt eine Zugmaschine und vor Allem ein Fahrer.“ „Das mit der Zugmaschine wäre das geringste Problem. Da könnten wir aushelfen oder mit Charter Way sprechen. Das mit dem Fahrer ist natürlich gravierender. Da müssten Sie eine Lösung finden.“ „Uns sind, wie Sie wissen, gerade beide festen Fahrer komplett ausgefallen. Ohne dass sich an dem Zustand was ändern wird. Wir müssen also erstmal neue Fahrer einstellen. Unsere Aushilfe haben wir ja schon für die Tagestouren eingeteilt und ich selbst muss erst noch die Kennziffer für das gewerbliche Fahren in den Führerschein bekommen.“ „Was haben Sie jetzt kurzfristig vor?“ „Ich werde wohl, so leid es mir tut, unsere Verträge aufkündigen müssen. Da die Mulder Internationaal Transporten BV sowieso zum Ende des Jahres liquidiert wird, müssen dann eh neue Verträge mit der Mulder Logistiek BV geschlossen werden.“ „Es wird also eine neue Gesellschaft gebildet?“ „Richtig. In der neuen Gesellschaft sind dann Joost Mulder und ich gleichberechtigte Geschäftsführer.“ „Verstehe. Wie stellen Sie sich das jetzt vor?“ „Kündigung des Vertrags über die Tagestouren fristgerecht zum 31.12.16. Bis dahin wird diese Tour von unserem Aushilfsfahrer durchgeführt. Außerdem Fristlose Kündigung des Vertrages über die europaweiten Transporte wegen höherer Gewalt. Außerdem Neuverhandlung von neuen Verträgen. Wobei wir die Fahrzeuge nicht fest und ausschließlich für Sie einsetzen, sondern Ihnen ein jeweils zur Verfügung stehendes Fahrzeug stellen. Diese Verträge sollten dann auch nicht nur für die Befrachtung ab Eindhoven, sondern flexibel für die ganze Nagel Group gelten. Im Gegenzug würden Sie von uns auch Stückgutsendungen oder Teilladungen erhalten, für die es sich von uns nicht lohnt, einen kompletten Lastzug zu schicken.“ „Sie möchten also weg von der reinen Subunternehmertätigkeit und stattdessen eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wobei Sie auch eigene Kunden akquirieren möchten.“ „So in etwa.“ „Dass sie dem Kundenschutz unterliegen, ist Ihnen bekannt?“ „Das ist mir bekannt. Da werden wir uns auch dran halten. Wir haben kurzfristig nicht vor für die Konsumgüterindustrie zu arbeiten. Was Mittel- oder Langfristig kommt, kann ich jetzt natürlich noch nicht absehen.“ „Für wen möchten Sie denn hier in der Region arbeiten?“ „Ich habe einen Vertrag von DAF Trucks angeboten bekommen.“ „Das würde in Ordnung gehen. Da haben wir gar kein Interesse dran. Was könnten den da für Stückgutsendungen oder Teilladungen kommen?“ „Zum Beispiel Ersatzteillieferungen für diverse Vertragswerkstätten.“ „Gut. Das ginge ja. Bei mir können Sie aber nur den Vertrag über die Tagestouren kündigen, den Sie ja fristgerecht kündigen wollen. Der zweite Vertrag wurde ja in Versmold erstellt. Dort müssten Sie auch über die neuen Verträge verhandeln. Ich kann Ihnen nur die festen Subunternehmerverträge anbieten.“ „Dort muss ich dann wahrscheinlich mit dem Herrn sprechen, der auch diesen Vertrag verhandelt hat.“ „Sie müssen zum Carrier Management. Wer das dort mit Ihnen verhandelt, sehen Sie dann. Das weiß ich auch nicht.“ „Gut. Dann rufe ich da an und lasse mir einen Termin geben.“ Van der Linden erstellte mir dann noch eine Kündigungsbestätigung für den einen Vertrag, dann beendeten wir unser Gespräch.
    Anschließend fuhr ich dann zurück nach Geldrop. Dort packte ich schon mal meine Sachen zusammen. Am nächsten Morgen sollte es erst mal zurück nach Deutschland gehen. Doch erstmal verbrachte ich noch einen schönen Abend mit meiner Stiefmutter.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Kommentare 27

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    elwime -

    Sehr schöne Geschichte und auch DAF ist nicht die schlechteste wahl

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      Sauerlaender -

      Da ich seit 2012 nicht mehr im RL gefahren bin, kenne ich aus eigener Erfahrung nur die älteren Modelle des ETS2. Das heißt in der Praxis kenne ich von damals den DAF XF 105, den MAN TGX, den Volvo FH 2009, den alten Iveco Stralis und den alten Actros (MP2, zum MP3 war das ja nicht so viel Veränderung). Vom Probesitzen kenne ich noch den Scania R und den Mercedes New Actros. Den Renault hatten wir nie auf dem Platz. Von diesen Fahrzeugen würde ich vom Fahrerhaus her DAF, MAN und Mercedes den Vorzug geben. Vom Fahrverhalten stehen bei mir Volvo, Mercedes und MAN an erster Stelle. Die neueren Modelle kenne ich dann auch nur aus der Presse oder dem Fernsehen. Aber auch die anderen LKW sind nicht wirklich schlecht. Bei Iveco hat sich sehr viel getan und der Scania wird zum guten LKW, wenn man genug Geld in die Hand nimmt. Allerdings muss man beim Scania auch jede Kleinigkeit extra bezahlen. Aus geschäftlichen Gründen wird DAF wohl meine Hauptmarke werden. Weiterhin werden mit Sicherheit der eine oder Andere Mercedes, MAN oder Volvo bei mir auftauchen. Vielleicht wird mir die Zukunft ja auch das eine oder andere Schnäppchen einer anderen Marke bescheren. Wir werden sehen.

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    Der Freiburger -

    Sehr gutes Kapitel, ich finde nicht das es zu glatt läuft, die Aktion bei DAF ist vielleicht etwas idealistisch, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt und irgendwie muss die Geschichte ja weiter gehen. Und zum Thema 360er DAF, vielleicht sagt das Typenschild ja nicht die Wahrheit ;)

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    alaskabaer01 -

    Teil 2 genau so Fesselnd wie Teil 1. Super "Marc" weiter so.

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    loddi51 -

    Klasse geschrieben Sauerlaender.Freu mich schon auf mehr.

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    derWolf68! -

    Guter zweiter Teil, stark geschrieben, aber... das läuft alles ein bisschen zu glatt, so gut meint es das Leben mit einem dann doch nicht, aber hey, das ist nur meine Meinung, ich bin trotzdem gespannt ob es da noch weitergeht

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      TurboStar -

      Ich bin da zuversichtlich, dass es nicht immer alles glatt läuft. Das hat Marc in seinem ersten Tagebuch oft genug bewiesen. Nach dem heftigen Start durfte er jetzt doch mal Glück haben.

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      Sauerlaender -

      Wer sagt denn, das hier alles glatt läuft? Es ist bisher ein neuer Vertrag entstanden. Dafür wurden aber auch zwei Verträge aufgelöst. Dass die Versicherung nach dem Unfall zahlt ist zwar sehr wahrscheinlich, aber auch noch nicht sicher. Was die Herren bei Nagel, Versmold sagen, steht auch noch in den Sternen. Eine Finanzierung für eine Immobilie bekommt heute auch fast jeder, da diese dann als Sicherheit vorhanden ist. Erst mal abwarten.

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    Iceman684 -

    Schönes Kapitel, aber soweit ich weiß hat es den XF105 nie mit 360 PS gegeben. Kleinster Motor war der mit 410 PS.

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      Sauerlaender -

      Der ist auf jedem Fall offiziell im Spiel. Bisher hatte SCS immer nur Motorisierungen im Game, die es auch reell gibt. Im RL habe ich bisher auch nur 410, 460 und 510 PS beim 105er gesehen. Aber die Niederländer fahren ihre LKW ja gerne auch mal ohne Typenschilder. Im Flachland wird der wohl auch reichen.

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      TurboStar -

      Im Gebrauchtmarkt (Truckscout24) gibt es keine unter 410 PS. Alle, die weniger haben, sind XF95.380

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      Sauerlaender -

      Die Maschine wird sich auch sicher nicht lange im Fuhrpark halten.

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    DanNHG -

    Eins ist sicher beim Sauerländer....es knistert immer gewaltig zwischen seinen Protagonisten :D

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      TurboStar -

      Einfach verlieben kann der nicht. Aber ich habe meinem Protagonisten da ja auch einigen Anlauf verordnet. Wäre sonst ja langweilig :D

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      DanNHG -

      Dann soller mal Scania fahren...schon isser verliebt :D

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      Sauerlaender -

      Vielleicht passiert dann auch das Gegenteil. Echte Schweden kommen aus dem Westen des Landes. ;)

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    merlinita -

    Schön flüssig und detailleirt beschrieben, Drück dir die Daumen dass das mit den Verträgen so klappt und dass dir der 360er DAF im Fernverkehr erspart bleibt.