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13 – Tag der offenen Tür


  • Andere Disponentinnen hatten auch attraktive Angebote und so begann meine neue Tour am Montagmittag mit einer Fahrt zu Linde anstatt Hellmann. In der Stadt war ich erstaunt, dass ein ziemlich schmerzfreier Fahrer mit seinem kostbaren Jaguar durch die Glätte brauste.



    Am Wetter hatte sich bisher nichts geändert und das, was sich ändern sollte, war nicht zum Positiven. Bei Linde nahm ich meine 9 Tonnen Stickstoff in einem Tanktainer in Empfang und mit der Fracht am Haken verließ ich die Stadt. Schon auf dem Autobahnzubringer verkündeten die Wolken, was mich nun erwarten sollte.



    Und schon bald fand ich mich in einem fiesen Schneeregen wieder. Die Straßen wurden dadurch noch glatter. An der Schweizer Grenze musste ich tanken, nachdem mich die Warnung schon vor dem Wochenende seit kurz hinter Stuttgart nervte. Dank des Zusatztanks reichte die Reserve knapp 300 Kilometer, aber das hatte man bei Iveco wohl vergessen, dem Bordcomputer mitzuteilen und mal etwas knapper zu warnen. Okay, irgendwann in Afrika würde der Moment kommen, wo ich ihnen für die großzügige Warnung dankbar war.



    Um nicht zu weit hinter den Plan zurückzufallen, nahm ich gleich den ersten Tag mit verlängerter Lenkzeit und schaffte es so immerhin noch bis Lyon. Am nächsten Morgen hatte Tauwetter eingesetzt, außerdem wurde es nach Süden sowieso immer wärmer. Also regnete es nur noch, während ich weiter fuhr.
    Am frühen Dienstagabend erreichte ich mein Ziel Shell in Toulouse. Obwohl die Prüfung der Papiere schnell ging, hatte ich die Zeit, einen Schnappschuss aus dem Fenster zu machen. Unten auf dem Hof stand mein Truck im Regen vor dem Trailer, den er hier her gezogen hatte.



    Nun wollte ich nach drei Wochen nur noch nach Hause. Mit der Restlenkzeit über zwei Wochen wurde das eine knappe Sache. Wenn nun noch mal Winter dazwischen kam, würde ich mit meiner Ladung eine Wochenruhe einlegen und so eine saftige Verspätung kassieren.
    Die besagte Ladung bestand aus Baumstämmen von Rettenmeier zu DB Schenker in Frankfurt. Nachdem die Azubiene bei Rettenmeier von ihren erfahrenen Kollegen alleingelassen und hilflos 45 Minuten gegen die Frachtpapiere und den einen oder anderen Nervenzusammenbruch gekämpft hatte, konnte ich schließlich losfahren. Unterwegs hörte zum ersten Mal, seit ich in Straßburg in den Schneeregen geraten war, auch der Niederschlag auf.
    Ich selbst war aber auch nicht mehr der fitteste und so verpasste ich den Rastplatz, auf den ich eigentlich wollte. Meine Schlafpause wurde also hinter eine Mautstelle verlegt und außerdem hatte ich nun auch den zweiten Tag mit verlängerter Lenkzeit verschwendet. Ich steckte mir die Stöpsel in die Ohren und hatte trotz der anfahrenden Fahrzeuge hinter der Mautstation eine einigermaßen ruhige Nacht.



    Frisch ausgeschlafen fuhr ich weiter und kam an Montpellier vorbei. Kurz dachte ich an Marlon, Julian und ihren alten R365. Wo waren sie wohl gerade unterwegs?



    Auf der Autobahn nach Lyon meldete sich plötzlich mein Display mit kräftigem Rotschimmer und drängte darauf, dass ich die nächste Werkstatt aufsuchen sollte. Ich rief erst einmal den Italiener meines Vertrauens an: „Hallo Mario. Was hat es zu sagen, wenn mich aus heiterem Himmel die Werkstattwarnung anblinkt?“ „Keine Unfälle? Kein unnormales Verhalten? Motoraussetzer?“ „Nein.“ „Dann ist es wohl nur die Reifenwarnung.“ „Reifenwarnung? Ich habe keine 20000 Kilometer runter. Da halten ja meine PKW-Reifen länger.“ „Das ist nur zur Sichtprüfung. Viele Reifenschäden könnten vermieden werden, wenn die Reifen regelmäßig geprüft würden.“ „Was ich ja selber mache. Kann man das abstellen?“ „Ich darf es nicht abstellen.“ Seine Betonung war mir nicht entgangen. „Das war nicht meine Frage.“ „Ja, es geht. Aber ich darf es nicht und werde es nicht.“ „Mal angenommen, ich finde jemanden, der es macht. Was würde passieren?“ „Offiziell verlierst Du die Garantie. Aber die Änderung geht nicht mal in den Manipulationsspeicher wie wenn Du zum Beispiel den Tempobegrenzer ausschalten lassen würdest. Der Strator in Autralien hat das nicht und die Stralis für Lateinamerika auch nicht. Wenn keiner gezielt danach sucht, dann findet das auch keiner.“ Ich konnte ihn förmlich durchs Telefon zwinkern sehen. „Dank Dir, Mario. Mal sehen, ob ich so einen Jemand finde. Ciao.“ „Ciao. Und grüß Mahad Lahrmann von mir.“ Mit einem Kopfschütteln legte ich auf.



    Ich rief genau den als nächstes an: „Hallo Mahad. Erst mal viele Grüße von Mario Beltermann.“ „Ach ja, der alte Haudegen...“ „Pass auf. Mir ist diese dämliche Reifensichtkontrolle angesprungen. Er deutete an, Du kannst die ausschalten.“ „Traut er sich wieder nicht selber? Was Dir passieren kann, wenn es durch einen dummen Zufall raus kommt, hat er verraten?“ „Ja.“ „Gut. Dann komm einfach vorbei, wenn Du wieder im Lande bist.“ „Kannst Du den LKW bei mir abholen? Sollte Freitagmittag zu Hause ankommen. Also Freitagabend oder Samstag.“ „Okay, bei mir in der Werkstatt ist zwar relativ voll und für solche Ausflüge in die Parallelstraße habe ich keine Zeit, aber Abholen, OBD flashen und Zurückbringen kann Vinni auch übernehmen, der hat nicht so viel zu lackieren und folieren da gerade. Ich sag ihm Bescheid. Ciao.“ „Ciao.“
    Inzwischen war ich in Lyon angekommen und ärgerte mich wieder einmal im dichten Stadtverkehr darüber, dass es immer noch keine anständige Möglichkeit gab, auf der Autobahn um die Stadt herumzufahren.



    Hinter Lyon hatte mich dann das regnerische Herbstwetter wieder eingeholt. Zwischen Genf und Bern auf dem Rastplatz legte ich meine Nachtruhe ein. Es war so neblig, dass ich kaum vom Rasthaus zu meinem LKW sehen konnte.



    Am nächsten Morgen hatte der Regen aufgehört und ich machte mich auf die letzte Etappe mit Fracht. Seit fast drei Wochen war ich nun unter Fracht unterwegs gewesen. Heute Mittag würde ich in Frankfurt sein, aber es reichte nicht mehr nach Hause. Also hatte ich mir ein Hotel genommen und wollte dann morgen früh Solo nach Bochum fahren.
    Vor Straßburg gelang mir ein Stimmungsbild, als ich an einem Rastplatz vorbei fuhr, auf dem die bunten LKW und Müllcontainer noch in der Sonne strahlten, aber im Hintergrund schon die nächste Regenfront den Himmel verdunkelte.



    Beim Regen blieb es und so wurde ich trotz des Alibi-Blechdachs bei S.C.Henker reichlich nass. Ein 20-Fuß-Containerchassis konnte man da drunter vielleicht trockenen Fußes abkuppeln, aber dieser Langholztransporter passte nicht.
    Danach fuhr ich nur noch auf den Parkplatz gegenüber und mit einem Shuttlebus durch den Airport Business Park zu meinem Hotel. Das hatte Lärmschutzverglasung und so konnte ich trotz der Nähe zum Flughafen gut schlafen.
    Am nächsten Morgen begrüßte mich mein Truck wieder mit einem nervigen Piepser und dem roten Display. Noch dieses eine Mal, dann war Ruhe. Ich fuhr durch Frankfurt und auf die Autobahn. Nach gut zwei unspektakulären Stunden erreichte ich endlich das Schild der Heimat.



    Nun war es nicht mehr weit. Ich fuhr von der Autobahn und durch Essen, auf der schon vertrauten Strecke. In Bochum bog ich in meine Straße ab und setzte den Blinker nach rechts auf meinen Hof. Als ich die Einfahrt erreichte, fiel mir das Herz in die Zehenspitzen. Das Hallentor stand offen.

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