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Kapitel 40 – Umbuchungen

  • Als wir zurückkamen und eincheckten, gaben wir erst einmal ein Zimmer zurück und belegten das verbliebene als Doppelzimmer, aber blieben trotzdem die beiden Nächte artig.
    Da ich bereits Erfahrung mit einer Wochenruhe in Valladolid gesammelt hatte, machte ich den Touristenführer und schnell war das Wochenende in Zweisamkeit wieder um und die Arbeit rief uns.
    Der Ruf ging von einem Bagger aus, der bei DB Schenker auf jemanden wartete, der ihn nach Griechenland bringen sollte. Diese Jemande waren wir und bei dem nassen Wetter war ich der Depp und durfte ankuppeln, während Chris im Büro bei einem Kaffee auf die Papiere warten konnte. Daher hatte ich noch mal das T-Shirt von gestern angezogen, gleich war es eh nass.
    Da der Kaffee wohl noch nicht fertig war, hatte ich es aber vor seiner Rückkehr geschafft, mich wieder abzutrocknen und mit trockenen Sachen hinters Lenkrad zu setzen.




    Eine Stunde später hörte der Regen auf und die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die Wolken. Bis zur Grenze nach Frankreich war es eine ruhige Fahrt und wir machten eine Pause, um uns noch einmal im binationalen Restaurant mit spanischem Essen für die Frankreichpassage zu stärken. Dann ging es mit Chris am Steuer weiter.
    Unterwegs stellte er eine nicht uninteressante Frage:
    „Wann und wie sagen wir es denn den anderen?“ „Bevor wir die Spesenabrechnung machen. Spätestens wenn Judith das Doppelzimmer einbucht, dürfte sie Rückfragen haben.“ „Und was denkst Du, wie sie reagieren werden?“Keine Ahnung. Marlon und Judith kann ich gar nicht einschätzen. Julian wird sich nichts draus machen, der hatte zumindest mich schon längst durchschaut.“ „Wie jetzt?“ „Ja, Ostern und im ADR-Lehrgang schon. Hat er mir letztes Wochenende erzählt. Geahnt hat er schon länger was.“ „Und was weiß er?“ „Nichts, was noch stimmen würde. Sein Stand ist, ich steh zwar auf Männer, aber will nichts von Dir wegen Chef und Angestellter und 8 Jahren Altersunterschied und Dein komisches Verhalten kommt daher, weil Du was gemerkt hast und ich Dir zu dicht auf den Pelz rücke.“ „Echt?“ „Ja, das war unsere Vermutung, als wir vor einer Woche in die Trucks geklettert sind und ich habe mich noch nicht bei ihm gemeldet.“

    Chris fuhr durch bis seine Zeit fast um war. Auf dem Weg hatte uns wie immer die Mautstation vor Toulouse viel Zeit gekostet. Kurz hinter der Stadt mussten wir daher wieder einen Fahrerwechsel machen. Wir nutzten die Standzeit für eine kleine Kaffee- und Teepause.
    Während meines zweiten Slots fing es wieder an zu regnen und bei entsprechend schlechtem Wetter parkte ich den Zug hinter Montpellier auf dem Rastplatz ein. Das kleine, aber liebevoll geführte Rastplatz-Restaurant hatte gute Küche zu bieten, also nutzten wir die Gelegenheit, mal in Frankreich nicht auf den Vorrat zurückgreifen zu müssen. Und am nächsten Morgen beim Frühstück lachte auch wieder die Sonne.




    Chris brachte uns, eingebremst nur durch einen kurzen Stau, bis Genua. Auch meine Etappe ging glatt und so kamen wir noch am gleichen Abend in Ancona am Hafen an. Da die Fähre immer am frühen Nachmittag ablegte, nahmen wir uns wieder ein Hotelzimmer. Immerhin hatte man in Italien öfter mal die Gelegenheit, auf Markenkollegen zu treffen, als in Deutschland.




    Über die immer noch nicht asphaltierte Zufahrt ging es nach einer weiteren Nacht auf der Fähre, allerdings mal wieder mit engen Einzelkabinen, die nicht umbuchbar waren, aufs Griechische Festland in Igoumenitsa.
    Dank der Steigungen brauchte ich fast meine ganze Fahrtzeit bis zu Hellmann in Trikala. Hier tauschten wir Fahrer und Fracht und kurz darauf waren wir mit Chris am Steuer und chemisch reinem Benzin im Tankauflieger wieder auf dem Weg.
    Der Tag brachte uns bis an die Grenze zwischen Albanien und Kroatien. Am Freitag schafften wir es ereignislos durchs ehemalige Jugoslawien und legten die letzte Nachtruhe in der Kabine an der Grenze zwischen Slowenien und Österreich ein.




    So blieb uns am Samstagvormittag noch die restliche Strecke nach St. Pölten. Nach dem Abliefern fuhren wir zum Hotel, wo ich schon von unterwegs auf Doppelzimmer umgebucht hatte.
    Das Kerlchen an der Rezeption schien das aber mit zwei Mannsbildern vorm Tresen für einen Fehler zu halten:
    „Äh, also, hier scheint was nicht zu stimmen.“ „Wieso?“ „Hier ist ein Doppelzimmer gebucht.“ „Ja und?“ „Ach, das ist richtig so?“ „Ja, wieso?“ „Ich war nur überrascht. Entschuldigung. Dann wünsche ich einen angenehmen Aufenthalt. Zimmer 157.“ Mit einem scheuen Lächeln gab er uns zwei Chipkarten für die Zimmertür.
    Wir beschlossen, erst einmal die Stadt zu erkunden und abends mal richtig vornehm zu essen, was uns in der Arbeiterstadt Valladolid nicht gelungen war. Also stoppte ich noch mal kurz an der Rezeption:
    „Wo kann man denn heute Abend gut essen?“ „Was soll es denn sein?“ „Gehobene Küche, auch gerne österreichisch und Candlelight.“ „Am besten die Wasserburg. Wenn Euch da ein Nikolai bedient, sagt ihm, der Maximilian hat Euch das Haus empfohlen.“




    Nachdem wir einige Sehenswürdigkeiten besichtigt hatten, folgten wir dem Ratschlag und wurden in der Tat von einem jungen Mann im Alter unseres Hotelportiers empfangen, auf dessen Namensschild „Nikolai“ stand. Er geleitete uns zu einem Tisch, zündete die Kerze an und brachte uns die Speisekarten und eine Weinkarte. Als wir die Grüße ausrichteten, huschte ein Lächeln über seinen professionellen Gesichtsausdruck. Ich dachte mir nun endgültig meinen Teil.
    „Kennst Du Dich mit Wein aus?“ „Ja, bin kein Experte, aber für einen Restaurantbesuch reicht es.“ „Dann ist das Deine. Ich habe Null Ahnung.“ Ich reichte Chris die Weinkarte rüber. Dafür ließ ich mir nach dem exzellenten Viergang-Menü die Spirituosenkarte kommen und suchte uns noch einen guten Single Malt Whisky aus.

    Am nächsten Tag gingen wir Bergsteigen. Die Mühen wurden belohnt mit einem tollen Ausblick über die Stadt.




    Zurück im Hotel schälte sich Chris aus dem Shirt. Ich konnte meinen Blick nicht von seinem strukturierten Oberkörper lassen. Er war - zum Glück, denn das mochte ich nicht - kein Muskelberg, aber man konnte durchaus den Trainingseffekt erkennen, den die körperliche Arbeit im Brennstoffhandel geleistet hatte.
    In der Tür zum Bad blieb er, schon vollkommen entblättert, stehen:
    „In die Dusche passen übrigens auch zwei.“ Diesem aufreizenden Blick konnte ich nicht widerstehen, und leistete ihm Gesellschaft.
    „Du könntest mir den Rücken einseifen.“ „Nur den Rücken?“ „Wenn Du Deine Sache da gut machst, drehe ich mich auch um.“
    Die Wasserrechnung, die aus unserer Körperpflege resultierte, musste zum Glück das Hotel tragen. Sie würde aber für ein Doppelzimmer deutlich überdurchschnittlich ausfallen…

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    Als dieses Kapitel schon fertig gefahren, aber noch nicht geschrieben war, wurde ich von einem Leser darauf aufmerksam gemacht, dass für Zweimannteams andere Regeln gelten. Ich habe inzwischen nachgesehen und festgestellt, dass ich dann noch mehr fahren dürfte. Das werde ich, wenn es wie in den beiden letzten Kapiteln was bringt oder bei eiliger Fracht, auch ausnutzen. Allerdings werden 9 Stunden Ruhe auf 30 Stunden trotzdem nicht der Regelfall werden.


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Comments 3

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    Bottroper -

    ich hab heute morgen bei Kapitel 1 angefangen und bin immernoch dabei .. und so langsam frage ich mich, ob ich fuer die naechsten Kapitel mein Alter eingeben muss, damit ich weiter lesen darf :D

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      TurboStar -

      Nee, wird nicht "schlimmer" - wenn hier einer von uns (so weit wie ich sind auch noch andere Autoren gekommen) es überspannt, wird uns die Obrigkeit schon einbremsen ;)

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    Albenmark -

    Geeenau so isses, die Zeit kann auch besser mit Körperpflege genutzt werden >;oD