TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

Kapitel 38 – Drei-Tage-Woche

  • Ich ging am Wochenende Chris erfolgreich aus dem Weg und kämpfte mich mit dem Mountainbike durch die Berge im Umland. Er war an die Küste gefahren und wollte sehen, ob er irgendwie Wasserski fahren könnte.
    Es war seit unserem Zusammentreffen im Prinzip das erste Wochenende, an dem wir eigentlich gar nichts zusammen unternommen hatten. Als ich ihm sagte, dass ich gerne alleine sein wollte, hatte er versucht, nicht erkennbar darauf zu reagieren. Es war ihm gelungen, keine Reaktion zu zeigen, aber da ich immer mehr erkannt hatte, dass ich ihn in den vergangenen Wochen unterbewusst doch ziemlich intensiv beobachtet hatte, war mir nicht verborgen geblieben, dass diese Gleichgültigkeit aufgesetzt war. Was aber hinter dieser Fassade ablief, konnte ich nicht erkennen.
    Die Zeit alleine in den Bergen grübelte ich darüber, wie ich aus dem Dilemma heraus kommen sollte. Vielleicht sollte ich doch mal Julian fragen, ob er mit mir zusammen fahren wollte. Ihr Premium war mit der vergleichsweise schmalen Kabine und dem Motortunnel sowieso zu zweit nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Wenn ich mir den Traum vom Stralis Hi-Way erfüllte, konnte Marlon mit dem Renault Kurzstrecke fahren und mehr Zeit mit Judith verbringen. Chris bekam den Stralis Active und konnte auf Mittelstrecke gehen. Julian würde mit mir den Hi-Way im Fernverkehr fahren, was er sowieso gerne wieder machen wollte. Außerdem lag auf den richtig langen Strecken nach Nordafrika oder von Spanien nach Polen quer über den Kontinent das große Geld in diesem Gewerbe.

    Judith hatte sich über unsere verbogene Woche geärgert. Immerhin musste sie uns sonntags komplett außerhalb von Italien, Frankreich und der Schweiz halten, in Deutschland und Österreich nur mit ausnahmegenehmigungsfähigen Gütern los schicken und in Spanien nicht mit Gefahrgut. Also machte sie aus der Not eine Tugend und holte uns auf Umwegen bis Samstag nach Hause, damit wir wieder die Wochenruhe regulär über den Sonntag legen konnten.

    Nun hieß es wieder gemeinsames Hotelfrühstück und anschließend in unser kleines Haus auf Rädern einziehen.
    Ich holte bei Linde die 20 Tonnen Kalilauge ab und fuhr bis hinter Bordeaux. An einer Mautstation machten wir Mittagspause und Chris übernahm danach den Rest. In La Rochelle dirigierte ich Chris auf den Stellplatz und ging dann ins Büro. Der neue Trailer stand schon direkt daneben.




    Um die Lauge auszugleichen, ging es nun mit 20 Tonnen Salzsäure weiter. An der Zusammenführung der Autobahn von La Rochelle auf die Hauptstrecke von Paris nach Bordeaux gab es einen saftigen Stau, weshalb Chris Lenkzeit noch vor Bordeaux um war. Wir durften aber noch 3 Stunden, also fuhr ich noch ein Stück in Richtung Toulouse.
    Gegen Abend setzte mal wieder Regen ein. Wir rannten ins Rasthaus zum Abendessen und verkrümelten uns danach in die Kabine. Um nicht dauernd Chris vor Augen zu haben, legte ich mich früh hin und las noch ein Bisschen weiter in George Martins Lied von Eis und Feuer.
    Am nächsten Morgen lachte die Sonne und mir verging es beim Blick auf das Frühstück im Rasthaus wie erwartet. Auch Chris hielt aber nichts vom französischen Frühstück, also blieb es beim Duschen, zum Glück und in Südfrankreich nicht immer üblich, in Einzelkabinen. Das Frühstück bestritten wir wieder aus dem eigenen Vorrat.
    An der Mautstation vor Toulouse war ziemlich viel los. Ich merkte, dass Chris der kleine Stau auf die Nerven ging, mir tat er das auch. Aber keiner sagte was, an sich inzwischen recht ungewöhnlich für uns.
    Bei Montpellier mussten wir tanken. Leider waren die Preise in Frankreich in den letzten Wochen ziemlich nach oben geschossen, so dass für die 980 Liter fast 1400 Euro fällig waren. Nach der Pause fuhr ich weiter und brachte den Tankauflieger nach Marseille. Nun hieß das Ziel Köln und die Fracht war Wasserstoffperoxyd.
    Chris schaffte es bis zu einer Mautstation tief in den Alpen. Bei Tee und Kaffee gab es eine Pause mit Aussicht auf die Berge.




    Den Abschluss des Tages fuhr wieder ich. Unser Platz für die Nacht wurde die schweizerische Grenze. Der Tank war nicht zollverplombt und wir waren somit nicht nach TIR unterwegs. Also stand am nächsten Morgen erst einmal die Kontrolle an, was aber schnell ging.
    Chris fuhr durch die Schweiz und bei der Ausfahrt wurden wir nur schnell gewogen und schon waren wir in Frankreich. Mit noch einem Fahrerwechsel kamen wir ans Ziel und machten uns auf den Heimweg. Das Wetter passte bestens zur Stimmung.



    Obwohl es schon Abend war, wollte Chris, dass wir den Truck noch sauber machten. Julian hatte wieder für uns gekocht, aber Chris nahm nur eine kleine Portion. Dann fuhr er mit der S-Bahn nach Hause.

    „Was ist denn mit dem los? Der isst doch sonst mehr? Oder die Frage besser ‚Was ist überhaupt los?’ heißen?“ „Gegenfrage, gehen wir ins Wohnzimmer?“ „Okay.“
    „Und jetzt will ich erst mal wissen, was Du weißt oder denkst, was los ist.“ „Okay. Darf ich erst mal eine unverschämte Frage stellen, auf der alles weitere aufbaut?“ „Den Tag merke ich mir. Du fragst, ob Du unverschämt sein darfst.“ „Ja, Sorry. Wenn Dein älterer Bruder Dich jahrelang mit gut gemeinter Fürsorge untergebuttert hat, kommt so ein Mundwerk bei rum wie meins.“ „Also, frag.“ „Du bist schwul, oder?“
    Dass er das ahnte, war mir sowieso schon klar gewesen, also war ich nicht überrascht.
    „Ja. Woran gemerkt?“ „Geahnt wegen lauter Kleinigkeiten schon Weihnachten. Aber sicher bin ich mir eigentlich erst jetzt geworden. Seit er dabei ist, hast Du Dich immer mehr auf Chris fokussiert.“ „Nee.“ „Doch. Hast Du es nicht mal gemerkt? Du hast Dich beim Essen nicht mehr neben ihn gesetzt, sondern gegenüber. Ich denke mal, um ihn besser anschauen zu können. Und lauter solche Sachen. Und spätestens als Dich meine Warnung am Gotthard vor Überraschung vom Einstieg gehauen hat, war ich mir ziemlich sicher.“
    „Ich fürchte, Du hast Recht.“ „Was heißt Du fürchtest?“ „Ich will nichts von ihm. Er ist 8 Jahre jünger und mein Angestellter.“ „Nimmst Du die Regel so ernst? Judith und Marlon sind zwar gleich alt, aber der Arbeitsvertrag ist auch da. Trotzdem führen die beiden eine gute Beziehung. Und Ihr zwei müsstet nicht mal unter der Trennung in unserem Job leiden.“
    Ich erzählte von meinen beiden vorherigen Beziehungen und dass Chris eigentlich nur eine Kombination der beiden Punkte war, an denen die gescheitert waren. Und dann war da noch das universale Totschlagargument:
    „Außerdem müsste Chris erst mal von meinem Ufer sein und dann das Ganze ja auch noch wollen. Aber da ich nicht will, stellt sich diese Frage eh nicht.“
    „Irgendwas stimmt aber derzeit trotzdem nicht zwischen Euch. Und zwar von beiden Seiten ausgehend.“ „Meinst Du, er hat was gemerkt?“ „Keine Ahnung. Und herausfinden kannst Du das auch nicht so leicht. Aber es wäre eine Erklärung“
    „Ich habe mir sowieso schon was überlegt, wie ich aus dem Dilemma raus komme.“ Ich erzählte Julian von dem Plan, noch einen Truck zu kaufen und die Besatzungen umzustellen. „Das muss ich mir gut überlegen. Wir verstricken uns immer tiefer in einem Chaos aus gegenseitigen Verträgen. Manchmal frage ich mich, ob eine Fusion nicht einfacher wäre.“ „Als Personengesellschaft mache ich da nicht mit. Und einen Kredit für die Einlage der GmbH aufzunehmen führt den Grundgedanken der Haftungsbegrenzung auch teilweise ad absurdum.“

    Das Wochenende brachte also in keiner Hinsicht eine Lösung. Es blieb mir nichts anderes übrig, als am Dienstag zur morgendlichen Abfahrt auf Chris zu warten. Auf meinen Schultern saßen quasi Engelchen und Teufelchen und drängten mich dazu, einen gütlichen Ausweg aus der Situation zu finden oder „etwas“ aus ihr zu machen.

    2,702 times read

Comments 6

  • User Avatar

    Volvo F10 Fahrer -

    Hallo TurboStar und alle anderen, weiß jemand welcher mod die ADR schilder ins Spiel bringt? danke für jede Antwort

  • User Avatar

    Deichgraf -

    Da bin ich jetzt mal auf die Entwirrung des Knotens gespannt... :D

    • User Avatar

      TurboStar -

      Dann sei froh, dass ich wegen der Interpack noch eine Woche hinter der Realität her hechte. Ich fahre gleich los und wenn die Woche voll ist, wird weitergeschrieben.

    • User Avatar

      Iceman684 -

      Hee, was soll ich da sagen. Die Bilder aus meinen letzten Kapitel sind knapp 2 Monate alt und stammen noch vom alten Computer.

    • User Avatar

      Shogoon84 -

      Ist das eine wahre Geschichte, oder nur ausgedacht?