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Kapitel 33 – Pause zwischen Rauch und Asche

  • Chris war am Tor angekommen, warf noch einmal einen Blick auf den Truck. Weil er sich unbeobachtet fühlte, wischte er sich kurz mit dem Handrücken über die Augen und betrat den Bürgersteig.
    „Alles in Ordnüng. ’ier ist Ihre Copie von die Papier’.“ Merci Krokant... Ich schnappte mir meinen Durchschlag der Frachtpapiere und rannte die Treppe runter. Vor Überraschung über Chris Abgang hatte ich eben nicht mal den Trailer abgesattelt, aber der Lademeister war inzwischen so freundlich, die Beine auszufahren. Ich musste nur noch die Kupplung freigeben und wegfahren.
    Auf der Straße sah ich über die PKW hinweg, wie Chris die Fußgängerampel benutzte, deutlich erkennbar am Riesenrucksack. Als ich die Straße runter fuhr, in die er gegangen war, hielt ich Ausschau und hätte ihn fast übersehen. Er saß zusammengesunken vor einem Haus auf der Treppe und schien verzweifelt nachzudenken, was er nun alleine in einer fremden Stadt sollte, ohne die Landessprache zu können.
    Ich drückte auf die Hupe und hielt an. Im Spiegel sah ich, wie er sich den Rucksack schnappte und die 20 Meter zu mir rannte.
    „Na los, rein mit Dir!“ Kurz danach rollte ich auf den Hof von ENI und suchte mir meinen Trailer.
    „Ich hole die Papiere. Wenn Du mit willst, musst Du auch arbeiten.“ Ich grinste ihn an. „In der Kiste rechts hinter der Kabine sind die ganzen Schilder und Halteklammern. Das System ist eigentlich selbsterklärend. Eine Klammer durch die Laschen auf der Rückseite vom Schild stecken, die Haken oben und unten in die Schnallen hinter der Stoßstange stecken und zusammendrücken bis es knackt.“
    Während ich im Büro auf die Papiere wartete, kam ein Anruf mit Ländercode +44, es war Keith:
    „Danke für Deine unfreiwillige Vermittlerarbeit. Ich habe wieder beide Trucks auf der Straße und Luke hat wieder eine Arbeit. Ich soll Dich sogar von ihm grüßen.“ Na das war mal eine Überraschung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Mit dem Arbeitsvertrag schon, mit den Grüßen nicht.




    Als ich zurückkam, waren die korrekten Schilder an der Front und Chris wollte gerade wieder einsteigen. Ich fuhr aus der Stadt und fragte, wie er sich das nun vorstellte:
    „Und wie machen wir nun weiter? Ich fahre jetzt nach Patras und dann vielleicht noch eine kurze Tour, wenn Judith eine findet.“ „Ich habe nichts vor. So lange ich darf komme ich gerne mit. Ich will nur ein Dach überm Kopf.“ „Na dann auf nach Griechenland.“ Ich setzte den Blinker und wechselte auf die Autobahn nach Lyon.
    Als sich der Verkehr sortiert hatte rief ich Judith an:
    „Wir sind weiter zu zweit. Guckst Du mal bitte, wie es aussieht mit der Fähre einen Tag früher.“ „Schlecht. Euch fehlen 3 Stunden.“ „Das ist nicht zu holen. Dann bleibt es bei der geplanten Fahrt, aber natürlich mit einer zweiten Kabine. Für Christian Langerczyk.“ „Okay, buche ich zu. Äääh, wie schreibt man das?“ Chris verdrehte die Augen und buchstabierte.
    Recht unspektakulär fuhr ich an die italienische Grenze. Zwei Stunden durfte nun noch mal Chris ans Steuer. Vor der ersten Mautstation warnte ich ihn noch:
    „Hier gibt es keine LKW-Spuren wie in Frankreich. Aber dafür musst Du unbedingt eine Spur nehmen, über der „Carte“ steht.“ Das hatte allerdings auch die längste Zeit gegolten, so viel stand fest.
    Als bei Turin der Fahrtenschreiber piepste, stellte ich mit Blick auf mein Tablet fest, dass uns eine schwere Entscheidung bevorstand:
    „Nicht schlafen oder nicht duschen?“ „Was?“ „Wir können entweder hinter einer Mautstation Nachtruhe machen und uns beschleunigende Autos und LKW anhören oder auf einem ruhigen Parkplatz, aber ohne Duschen oder Toiletten. Mehr geht in der Zeit nicht.“
    „Waschen wäre doch schön.“ „Iranische Dusche bekommen wir hin.“ „Was ist das denn?“ „Mit einem Schluck Wasser und Duschgel einseifen und dann aus dem Brauchwasser-Kanister Wasser übern Körper kippen. So hab ich vor über 10 Jahren noch häufiger geduscht. Das habe ich von einem alten Hasen gelernt, der in den frühen 80ern die Iran-Route gefahren ist. Daher mein Name dafür. Luxusversion war, den Kanister dem Truck unter den Dachspoiler zu basteln und eine kurze Rohrleitung mit Duschbrause dran zu schrauben. Hatte ich nie, aber bei mir im Gebäude sind zwei Brüder eingemietet, die hatten bis Weihnachten noch einen Renault Serie R mit dem Patent.“
    „Hm. Fernverkehr ist wohl doch eine andere Klasse als Öl und Kohle um den Kirchturm auszufahren und abends immer zu Hause mit dem Luxus von Dusche, Klo und Bett zu sein. Aber ich habe letzte Nacht schon nicht richtig geschlafen, dann lieber den Parkplatz.“ Den hatten wir dafür zu meiner Überraschung komplett für uns. Weder PKW noch LKW waren zu sehen.




    Nach der besagten iranischen Dusche am nächsten Morgen setzte sich Chris ans Steuer und fuhr bis kurz vor Bologna. Dort drängelte er sich an der Mautstelle von der Bar- und Kreditkartenspur schon italienisch-frech vor einem Freightliner, der auf der Telepass-Spur war, rüber auf den Parkstreifen.




    Ich übernahm den Truck und fuhr in die Innenstadt von Bologna. Nach einer kurzen Diskussion durfte ich auf dem Hof einer Werkstatt parken und wir machten uns auf den Weg in die Stadt, wo ich als erstes eine Bank suchte. Ich hatte mich schon schlau gemacht, dass sie Konten für Ausländer und Firmen ohne Adresse in Italien anlegten.
    Mit der Kontonummer beantragte ich eine Telepass-OBU, damit demnächst das Hantieren mit der Kreditkarte an den Mautstationen in Italien entfiel. Wo wir schon mal den Luxus hatten, die Mittagszeit nicht auf einem Rasthof verbringen zu müssen, suchte ich uns eine Trattoria und wir genossen in Ruhe eine kleine Portion Pasta, hier natürlich alla Bolognese.

    Danach fuhr ich bis Ancona und weil die Fähre erst morgen Mittag ablegte, hatten wir Zimmer im Hotel nebenan. Die Überfahrt war unspektakulär und in Patras ließ ich Chris den Truck gerade zu DHL nebenan fahren und auf den Stellplatz rangieren. Ich wäre zwar in der Hälfte der Zeit fertig geworden, aber dafür, dass er nach der Fahrschule jahrelang nur Zweiachser gefahren war, stellte er sich nicht so schlecht an.
    Die DHL-Niederlassung lag genau unter der Autobahnbrücke über die Bucht und mit dem Fischaugen-Objektiv auf der Kamera gelang mir eine spektakuläre Aufnahme.




    Judith hatte noch einen kleinen Auftrag gefunden. Also ließ ich Chris Solo in die Stadt fahren und bei Fercam durfte er auch an den Tieflader mit den Fertighausteilen ankuppeln. Insbesondere weil der Zug Überlänge hatte, fuhr ich aber lieber selber zum Hafen zurück.
    Abends legte die Fähre nach Bari ab und so waren wir erst einmal mitten im Sonntagsfahrverbot in Italien. Also führte die Reise nur vom Schiff auf den Parkplatz im Hafen.
    Als das Verbot um 22 Uhr endete, nahm ich die verbleibenden Kilometer in Angriff. Um 01:12 Uhr stand die Fuhre bei ND und der Nachtdienst im Büro zeichnete die Papiere ab. Nun war es nur noch ein kurzes Stück bis zum Hotel, wo wir auch um die Zeit noch einchecken konnten.
    Als ich am nächsten Vormittag gegen 10 die Vorhänge wegzog, empfing mich ein spektakuläres Panorama.




    Da wir nun zwei Tage Pause einlegen mussten, konnten wir uns mal genauer ansehen, was der rauchende Riese vor 2000 Jahren angerichtet hatte und besichtigten die Ruinen von Pompeji.
    „Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, hier herumzulaufen, während er so bedrohlich raucht.“ Chris zeigte auf den Vesuv.
    Bei dem touristischen Angebot von Neapel und seiner Umgebung verging die Zeit im Flug und schneller als wir dachten wurde es Mittwoch. Die Arbeit rief wieder.

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Comments 2

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    testfahrer -

    jup dann drücken wir Chris mal die Daumen das der Chef auch ja sagt ;)

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    icenemo -

    Na so schnell hat man erstmal einen neuen Mitarbeiter. Viel Glück mit ihm und das er kein Soziopaht ist :)