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Kapitel 96 - Spinnerei

  • Wieder einmal hatten wir Glück, es handelte sich nicht um ein Britisches Schiff, sondern um ein Niederländisches, so dass die Küche genießbar war. Auch sonst war die Fähre eher vergleichbar mit einem Kreuzfahrtschiff. Das hatten wir in den letzten Wochen auch schon anders erlebt. Dementsprechend gestaltete sich die Überfahrt sehr angenehm. Neben den Kulinarischen Leckereien des Bordrestaurants genossen wir auch einige der Möglichkeiten, die der Wellnessbereich bot. Gut ausgeruht stiegen wir am frühen Abend wieder in unseren Truck um uns auf die letzte Etappe dieser Tour zu machen.

    Unser Weg führte uns, nachdem wir den Hafen verlassen hatten, entlang der Holländischen Küste in Richtung Osten. Entgegen unseren Erwartungen kamen wir allerdings nicht so zügig voran wie gedacht. Es war noch erstaunlich voll auf der Autobahn, obwohl es inzwischen schon später Abend war.



    So zog sich die Fahrt wie ein alter zäher Kaugummi in die Länge. Es graute schon der Morgen als wir den Stadtrand von Groningen erreichten. Durch die Verzögerungen während der Fahrt kam es dazu, dass der Parkplatz des Einkaufszentrums, wo wir abladen sollten, schon gut gefüllt war. Damit wurde das an die Rampe drücken des Trailers wieder einmal zu einer ziemlichen Kurbelei.



    Ich stieg aus, ging nach hinten und positionierte mich am Tor um Stana einzuweisen. Stana hatte den Trailer schon fast um die Ecke gedrückt, als ich meine Position wechselte. Dabei geriet ich allerdings in eine große Spinnwebe und fing an wie ein Wilder herumzufuchteln um mir die Spinnenfäden aus dem Gesicht zu wischen.
    >>Nennst du das etwa einweisen? Was soll das Rumgefuchtel?<< tönte es plötzlich aus dem Führerhaus. Dabei hing Sie Ihren Kopf aus dem Fenster und schaute mich verständnislos an. Also versuchte ich mich wieder auf meine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Schließlich stand der LKW endlich so wie er sollte.

    Stana stieg aus und kam auf mich zu.
    >>Was sollte der Mist?<< >>Da war ein Spinnenetz, in das ich rein gelaufen bin.<< >>Was is’n das für ne dumme Ausrede.<< Just in diesem Moment ließ sich hinter Ihrem Rücken eine Spinne an ihrem Faden herunter. >>Is keine Ausrede.<< Sie schaute mich nur strafend an und drehte sich um, nur um im nächsten Moment loszukreischen. Die Spinne hing Ihr nun genau vor der Nase. Stana kreischte und fing nun auch an mit den Armen herumzufuchteln. >>Iiihhh…mach das weg… Iiiihhhh<< Ich konnte nicht anders und musste lachen. Stana fand das natürlich nicht witzig, drehte sich kurz zu mir um, funkelte mich wütend an und marschierte, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, in Richtung Führerhaus.

    Ich ging Ihr nach, aber Sie hatte das Fahrerhaus verriegelt. Also blieb mir nichts anderes übrig als zu klopfen. Sie entriegelte die Tür, aber nicht um mich rein zu lassen, sondern nur um mir die Frachtpapiere in die Hand zu drücken. Ich konnte nicht einmal etwas sagen, so schnell hatte Sie die Tür wieder geschlossen. Anscheinend war Sie richtig sauer.

    Die Übergabe der Papiere ging ziemlich schnell über die Bühne. Auf dem Rückweg zum LKW fragte ich mich, ob ich ins Führerhaus kommen würde oder ob ich draußen stehen bleiben müsste. Wider Erwarten waren die Türen nicht verriegelt, so dass ich einsteigen und wir uns auf den Weg zum nächsten Trailer machen konnten.



    Während der Fahrt durch die Stadt wurde mir allerdings zunehmend kalt, denn in der Kabine herrschte Eiszeit. Madame redete kein Wort mit mir, sondern hatte sich hinten auf die Liege verzogen und schmollte. Also fuhren schweigend zum nächsten Kunden. Dort wartete schon ein Trailer mit Haushaltsgeräten darauf von uns nach Rostock gebracht zu werden.

    Kaum hatte ich auf dem Hof gestoppt war Stana auch schon aus der Kabine heraus und auf dem Weg ins Büro. Währenddessen sattelte ich den Trailer auf und machte die Abfahrtskontrolle. Wenig später tauchte Stana wieder auf, stieg ein, legte die Papiere auf die Ablage und verkrümelte sich wieder nach hinten. Schweigend rollten wir aus Groningen heraus und auf die Autobahn.

    Zwei Stunden lang war nur das Brummen des großen Sechszylinders zu hören.
    >>Sorry, wegen vorhin.<< platzte es schließlich aus mir heraus. >>Wird auch Zeit.<< kam fauchend die Antwort. Danach wieder – Schweigen. Erst als ich den Blinker setzte und den Lastzug auf einen Rastplatz steuerte kam wieder ein Lebenszeichen von Stana. >>Was wird das jetzt?<< >>Tanken und Kaffeepause.<< >>Okay.<< Kurz darauf stand der LKW an der Zapfsäule und der Diesel strömte in die beiden Tanks.



    Als schließlich der Tankvorgang beendet war und ich zum Zahlen gehen wollte kam Stana auch schon zurück. Sie war inzwischen schon mal Kaffee holen. Fünf Minuten später war ich über eintausend Euro ärmer und auf der Suche nach unserem Truck. Aber der stand inzwischen schon auf dem Parkplatz. Beim näheren Hinsehen war ich allerdings von Stanas Parkstil etwas überrascht. Vor den Truck passte kaum noch ein Blatt Papier.



    Aber anstatt mich darüber weiter zu wundern stieg ich in den Truck für die Kaffeepause. Der Kaffee verbesserte den Tag in zweierlei Hinsicht. Zum ersten vertrieb er die Müdigkeit und zum zweiten taute der heiße Kaffee auch so langsam das eisige Klima, das im Führerhaus herrschte auf. Als wir uns schließlich auf den weiteren Weg machten, war die Spinnensache schon fast vergessen.

    Gegen Mittag erreichten wir Rostock und lieferten den Trailer bei unserem Kunden ab. Danach hatten wir allerdings ein Problem. Unsere Lenkzeit war fast zu Ende, aber nirgends war ein Hotelzimmer zu bekommen. Also blieb uns nichts anderes übrig als die Zugmaschine auf dem benachbarten Supermarktparkplatz abzustellen. Bevor wir uns schlafen legten, stockten wir noch schnell unsere Vorräte auf, aber schließlich landeten wir im Bett.
    >>Schlaf gut, Schatz.<< >>Du auch…und lass dich nicht von einer Spinne beißen.<< Als Antwort bekam ich ein >>Du fliegst gleich raus.<< und einen Stoß mit dem Ellenbogen in die Rippen.

    Kurz vor zehn am Abend klingelte uns der Wecker aus den Federn. Reichlich zerknautscht ging es wieder auf die andere Straßenseite, denn dort wartete unser Auflieger. Zwei große Gabelstapler versteckten sich unter der Plane des Trailers den wir nach Flensburg bringen sollten.

    Eine viertel Stunde später rollten wir gen Norden oder besser gesagt erst einmal nach Westen und dann erst nach Norden. Unterwegs legten wir noch eine Pause ein, denn ein Kaffee musste sein. Und auch erfrischende Dusche weckte dann auch die letzten noch schlafenden Lebensgeister. Der Rest der Fahrt verlief unspektakulär.

    Zwei Stunden nach Mitternacht passierten wir den Ortseingang von Flensburg. Nur ein paar menschenleere Straßen trennten uns noch von der Lieferadresse. Irgendwie war Flensburg wie ausgestorben, abgesehen von den Menschen an der Bushaltestelle.



    Leider war nicht nur die Stadt wie ausgestorben sondern auch der Bürotrakt unseres Kunden. Nirgends brannte Licht oder es war jemand zu sehen.
    >>Aber es muss doch jemand da sein, die Einfahrt war doch offen.<< >>Kann sein, aber dieses Mal gehst du suchen. Hab keine Lust wieder ein Pärchen in flagranti zu erwischen.<< Sie spielte damit auf den Vorfall vor einigen Wochen, wo Sie zwei Mitarbeiter der Nachtschicht überrascht hatte. Aber diesmal war es anders. Ich war eine Runde ums Gebäude gelaufen und ärgerte mich nun. In den Papieren stand ausdrücklich, dass auch Nachts geliefert werden könnte und nun war keiner da.

    Angesäuert ging ich zurück zum Truck, als ein Auto auf den Hof fuhr. Wie sich herausstellte, war handelte es sich bei dem Fahrer um den Mitarbeiter der Nachtschicht. Er hatte kurz die Firma verlassen um bei einem Burgerbräter in der Nähe etwas zu essen. Gut gestärkt nahm er uns nun die Frachtpapiere ab und drückte uns die Neuen in die Hand. Nach dem Aufsatteln des neuen Aufliegers hieß unser nächstes Ziel Recklinghausen, dort sollten die Molkereiprodukte hin.

    Während langsam der Tag erwachte, hatten wir schon ein gutes Stück unserer Tour geschafft. Wir kamen gut voran, anscheinend waren wir dem morgendlichen Berufsverkehrchaos immer ein Stück voraus. Denn immer wieder meldete der Verkehrsfunk Staus an Stellen die wir schon passiert hatten. Wir hingegen rollten über verhältnismäßig freie Strecken.



    Kurz bevor wir ankamen meldete sich Jana telefonisch um uns mitzuteilen, dass Sie ein Fracht für den frühen Abend für uns hatte. So konnten wir in Recklinghausen unsere Pause einlegen. Aber wir hatten wieder Pech. Wie schon in Rostock gab es keine Hotelzimmer. Also war wieder Hotel „Globetrotter XL“ angesagt.

    Aber vor den Schlaf hatte der „Herr der Trucker“ noch das Einparken gelegt und natürlich war der Parkplatz des Discounters schon gut besucht. Selbst zwei kleine Reisebusse standen dort rum. Also hieß es mal wieder Millimeterarbeit. Aber diesmal wenigstens ohne Spinnen. Routiniert ließ Stana den Truck an die Rampe rollen.



    Danach parkte Sie die Zugmaschine schon mal auf einem der beiden LKW Parkplätze, während ich noch den Papierkram erledigte. Auf dem Rückweg schaute ich mich wenig begeistert um. Anscheinend war der Parkplatz auch ein Treffpunkt der Jugendlichen Tuningszene. Andauernd waren irgendwelche Motoren zu hören, die bis in den Begrenzer hoch gejagt wurden.

    Unter diesen Voraussetzungen versprach das eine erholsame Ruhezeit zu werden.
    :/
    Schöne Grüße aus Sachsen

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