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Kapitel 29 – Nur noch Steuermann der Landstraße

  • Nachdem Julian schnell noch einen neuen Schreibtisch „Bullerbü“ gekauft hatte, konnten Bennys Mannen auch den letzten PC installieren. Am Ende der Aktion hatten wir einen Arbeitsplatz mit den Modulen für Disposition, Buchhaltung und Einkauf – irgendwie mussten ja auch Kopierpapier & Co ihren Weg in das Buchhaltungsmodul finden – bei Judith, das Chefpaket mit Allmachtsfunktion bei Marlon und mir, aber aus Kostengründen nicht bei Julian, einen Innendienst-Arbeitsplatz für Fahrerabrechnungen bei Julian und die Untwegsmodule, über die wir alles machen konnten, was wir auf der Tour brauchten, auf Julians Laptop und meinem Tablet. Die Software war sogar für unseren Sonderfall geeignet, dass Judith von einem Platz für zwei getrennte Unternehmen Dispo und Finanzen regeln konnte, aber Marlon und ich nicht an die Datensätze des jeweils anderen Unternehmens kamen.
    Entsprechend umfangreich wurde auch die Schulung am Montag. Judith kam damit auf Anhieb klar. Die Sachen sahen anders aus und wurden auch anders bedient als in ihrer alten Software bei Schenker, aber sie war mit den Abläufen und ihrer Abbildung in so einer Software vertraut. Uns drei Helden von Word und Excel rauchte dagegen am Montagabend der Kopf.
    Während der Einarbeitung waren auch gleich unsere ersten Touren entstanden. Und so rollten Marlon und Julian am Dienstag früh vom Hof in Richtung Wuppertal und von dort mit Traktoren nach Meknes.
    Für mich ging es erst um 10 Uhr los zu meiner beliebtesten Ladestelle Linde in Bochum. Hier hatten die meisten meiner Touren begonnen. Mit dem Ziel war ich nicht glücklich, aber es war in der Bezahlung je Kilometer der lukrativste Auftrag gewesen, also auf nach Orleans.




    Der Ärger ging gleich in Essen los, wo ein Solo mit einer TGX-Zugmaschine fahrender Kollege leichte Probleme hatte, das Gaspedal zu finden und den Verkehr mit mir mitten drin aufhielt. An der dann folgenden Verzögerung war ich selber schuld, hatte ich doch mal wieder die Schnellstraße statt der Autobahn nach Köln genommen und verbrachte dort drei Ampelumläufe im Stau. Langsam sollte ich wirklich wissen, dass das Navi das nicht berücksichtigte.




    Endlich war ich auf der A4 und kam schnell voran in Richtung Belgien. Dort konnte ich bei Lüttich ein Flugzeug im Landeanflug bewundern, das mir mehr oder weniger direkt vor der Nase her flog.




    Am Abend merkte ich, dass mit der Planung was nicht stimmen konnte. Okay, vielleicht hatte Judith es nicht bemerkt, aber mir fehlte eine Rastmöglichkeit. So musste ich eine Stunde verlängern, bis ich endlich hinter Paris einen Parkplatz hinter einer Mautstation für meine Nachtruhe fand. Man gönnt sich ja sonst nichts, also zum Abendessen eine Suppe a la Buechs und dann mit Ohrstöpseln in die Koje und auf eine einigermaßen ruhige Nacht hoffen. Morgen um die Zeit wollte ich aus diesem Land wieder draußen sein.




    Auf dem Weg zum Abladen rief ich dann doch mal bei Judith an:
    „Guten Morgen, wie ist die Lage im Pott?“ „Alles unter Kontrolle. Suche Dir gleich mal eine Anschlussfracht für morgen Nachmittag.“
    „Apropos. Wie hattest Du Dir das eigentlich vorgestellt gestern? Ich musste die Bonusstunde überziehen, bis ich auf einer Mautstelle hinter Paris endlich die Nacht-Unruhe einlegen konnte.“ „Oh.“ Die gute schien ja ein Bisschen überrascht zu sein.
    „Bei Deiner legendären Liebe zu Frankreich hätte mir klar sein müssen, dass Du Dich nicht auskennst. Wenn Du nicht auf den Ring gefahren wärst, sondern weiter Richtung Innenstadt, dann wären bald links und rechts Betriebe mit Stichstraßen gekommen. Das sind nachts inoffizielle LKW-Parkplätze. Da sind unsere Schenker-Jungs immer über Nacht geblieben.“ „Gut zu wissen. Solche Insidertipps bitte demnächst vorher.“ „Okay.“
    Sie klang sehr eingeschüchtert. „
    Alternativ hättest Du mir einfach einen Marco Polo Reiseführer für Paris mitgeben können. Die haben ja angeblich auch Insidertipps.“ Ich lachte und sie stimmte nach einer kurzen Pause zum Durchatmen mit ein.

    In Orleans wurde ich meine Druckbehälter bei Fercam schnell los und so machte ich mich auf den Weg zu Strabag. Hier sollte mal wieder ein Leasingrückläufer an den Baumaschinenhersteller JCB zurück auf die Insel.
    Schnell war der Trailer aufgesattelt, aber im Büro liefen die Uhren langsamer. Die zwei Damen beendeten ihre Diskussion über irgendwas nur schleppend und eine davon schleppte sich dann an den Schreibtisch. Durch meine – mit nicht vorhandenen Sprachkenntnissen unausweichliche – Weigerung, französisch mit ihr zu sprechen, wurde sie noch langsamer und der Minutenzeiger auf der Wanduhr hatte schon einen Halbmarathon absolviert, bevor ich endlich alle Papiere in der Hand hatte.
    In denen vom Trailer stand auch die Sattellänge, zusammen mit der Zugmaschine hatte ich nun überflüssigerweise eine Zuglänge von 18,30 Metern, also einen Fuß Überlänge gegenüber EU-Recht. Ein kürzerer Tieflader hätte es auch getan. So musste ich noch mal an meine Schilderbox, das dreiteilige Schild „Convoi Exceptionnel zusammenstecken und mit drei Schnellverschlüssen an die Stoßstange klammern. Dann konnte es endlich aus diesem Land raus gehen.




    Die unvermeidliche Solo-Zugmaschine mit talentfreiem Fahrer war dieses Mal ein weinroter DAF, der mir auf der Autobahn bis zur Gabelung nach Paris und in die Bretagne auf die Nerven ging. Sein Tempo war zu schnell zum Überholen und zu langsam zum dahinter bleiben. Zum Glück wollte er in die andere Richtung.
    Die Mittagspause legte ich auf einem Parkplatz hinter Paris ein. Während ich mein Brot futterte, klingelte das Telefon, die Büronummer stand im Display:
    „Ricky hier. Hallo Judith!“ „Hallo Ricky. Wenn Du brav bist, darfst Du am Wochenende nach Hause.“ „Ich bin doch immer brav, was hast Du denn?“ „Schwefelsäure nach Recklinghausen. Muss bis Freitag spät abends da sein.“ „Okay, klingt gut.“ „Dann hole ich den Auftrag mal und schicke Dir die Daten rüber. Tschüß und gute Fahrt noch.“ „Danke, Ciao!“

    Schließlich blickte ich noch mal auf die Tankanzeige und zog raus auf den Rastplatz. Nicht dass mir am Ende wieder in England die Reserve anging und ich für umgerechnet 1,50 Euro tanken durfte.
    Während der Sprit in den Tank lief, klickte ich mich auf dem Tablet durch die Auftragsdaten meiner Anschlussfracht. Das System war schon genial. Ich brauchte nur eine mobile Internetverbindung und bekam Auftragsdaten und Fahrtauswertungen angezeigt, konnte dafür meinen Standort und Fahrtdaten an den Zentralserver senden.




    Da es noch ein Stück bis Calais war, genügte mir ein kurzer Kontrollblick in Sachen illegaler Einwanderer. Die sprangen meistens später auf.
    Zum Glück waren die paar Zentimeter Überlänge kein Problem für den Zug, also würde es mal durch den Tunnel gehen. Endlich fuhr ich in Folkstone wieder mal auf britischen Boden.




    Viel Lenkzeit blieb mir nicht mehr, also fuhr ich für die Nachtruhe auf den Rastplatz Maidstone.
    Am nächsten Morgen dann machte ich mich voller Vorfreude auf den Weg ins Restaurant und orderte „One Full Traditional“. Kurz danach hatte ich einen Teller voll mit Speck, Würstchen, Pilzen, Spiegelei und Bohnen in Tomatensoße vor mir stehen. Dazu einen Ständer mit vier Scheiben Toastbrot, ein Half-Pint-Glas Orangensaft und ein Kanne schwarzen Tee. So konnte ein Tag beginnen. Da dieser Rasthof für viele britische Trucker die erste Nacht in der Heimat bedeutete, hatte das Frühstück einen hervorragenden Ruf und es wurde ihm auch gerecht.

    Gut gestärkt stürzte ich mich in den dicken Pendlerverkehr Richtung London. Auf dem Ring ging es anfangs etwas stockend voran, aber schon bald wurde der Verkehr wieder flüssiger.
    Ohne weitere Zwischenfälle erreichte ich über die Autobahn und zum Schluss ein Stück Landstraße Grimsby.
    Natürlich durfte ich den Trailer in die engste Lücke auf dem ganzen Hof rangieren, aber das war trotzdem eine ziemlich kleine Herausforderung.




    Danach ging es zum Laden nach Linde. Es standen zwei Tanks von Nijhof-Wassink auf dem Hof, aber der eine hatte Tafeln für brennbare Flüssigkeiten dran. Ich fuhr also vor den mit der Kennzeichnung „ätzend“ und machte mich auf den Weg ins Büro.
    Als ich wieder zurückkam, durfte ich noch umschildern und schon kurz darauf war aus dem „Convoi Exceptionnel“ an der Stoßstange ein Mix aus allgemeiner Gefahrguttafel, umweltgefährdend und ätzend geworden.
    Mit meiner Lenkzeit schaffte ich es noch locker nach Hull an die Fähre, auch die Reservierung fürs Schiff hatte ich auf das Tablet bekommen. Neben einem Kollegen mit einem gewöhnungsbedürftig lackierten Renault Premium wartete ich auf die Freigabe der Fähre.




    Am nächsten Morgen ging es von Rotterdam über Amsterdam Richtung Deutschland. Aber noch vor der Grenze meldete sich das Navi mit einem Stau und schickte mich auf die Landstraße. Dort war ich aber auch nicht alleine, das wurde mir schon in der Ausfahrt klar.




    In Recklinghausen quälte ich mich mal wieder durch die enge Einfahrt aufs Bosch-Gelände, stellte meine Ladung Säure ab, erledigte den Papierkrieg und durfte mich dann mit den Leuten auf der Straße herumschlagen, die früh Feierabend hatten und nach Hause wollten.
    Als ich an der Halle ankam, war nur noch bei Benny und seinen Leuten im Erdgeschoss Aktivität zu sehen. Judith war bestimmt schon bei ihrer Mutter im Pflegeheim, Marlon und Julian trieben sich noch irgendwo in Afrika herum. Ich setzte mich an meinen PC, machte die Spesenabrechnung der Fahrt und sah mir schon mal an, wo ich am Montag hin fahren sollte. Ab jetzt bestimmte also jemand anders meinen Kurs, ich durfte ihn nur noch steuern.

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Comments 5

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    Deichgraf -

    Mit Patch 1.9 wird alles besser...

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    TurboStar -

    Ich habe was gegen Leute, die nicht fahren können. Ob sie einen Käfer oder eine Solo-Zugmaschine fahren spielt da keine Rolle. Die zwei haben sich halt wirklich so doof angestellt. In anderen Kapiteln habe ich mich auch schon über PKW beschwert, die voll in die Eisen gehen und so ;)

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    Deichgraf -

    Ein allgegenwärtiges Problem diese Solofahrer. Is in Polen nicht besser... :)

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    Iceman684 -

    Irgendwie scheinst du was gegen Solozugmaschinen zu haben? ;)