TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

Wochenende in Ostrava

  • Als ich am nächsten Morgen gegen 6 Uhr munter wurde, nahm der Betrieb gerade wieder Fahrt auf und um kurz nach 7 Uhr konnte ich dann endlich den Papierkram erledigen und den Trailer an Ort und Stelle absatteln. Der Folgeauftrag ließ noch auf sich warten. Ich rief zu Hause an. >Karen? Was dauert da so lange? Es ist Freitag und wenn ihr nicht bald was Vernünftiges findet, stehe ich hier übers Wochenende.< >Ganz ruhig Viki, ich hab ja was. Ist aber ein Leichtgewicht. Der Zielort ist Arhus. Und wenn du es rechtzeitig auf die Fähre schaffst, dann biste am Samstag Abend zu Hause.< >Das mit dem "Wenn" und "dann" gefällt mir überhaupt nicht Mädel. OK wo muß ich denn hin?< >Zum Sägewerk etwas außerhalb von Aberdeen. Ich schicke dir die genauen Daten wie immer per E-Mail.< >Gut, was macht mein Schatz denn? Warum ist die nicht da?< >Die macht den Scania abfahrbereit. SIe hat da was mit Dirk angeleiert, wie sie sagte. Genau hab ich das nicht verstanden. Laß dich da mal überraschen. Mehr darf ich dir nicht sagen. Anweisung von ganz oben.< Sie lachte und legte auf. Und ich dachte doch immer, ich bin ganz oben in unserem Laden. So kann man sich täuschen. Die Frauen übernehmen immer das Kommando, wenn der Mann nur außer Rufweite ist. Eine Stunde später hatte ich den Trailer mit einem kleinen Bagger beim Sägewerk aufgesattelt und fuhr in Richtung Fähre.

    Die Sonne kitzelte auf der Nase. Was für ein Winter war das nur. Selbst in England war man irgendwie auf Frühling gefasst. Nicht das ich in einem T-Shirt durch die Gegend fuhr, aber die Heizung brauchte ich heute definitiv nicht. Den Winter konnten wir wohl getrost abhaken. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt zumindest. Das es anders kommen sollte, hätte ich nicht gedacht. Erstaunlicherweise war wenig los auf den Strassen und so kam ich recht gut voran. Ich hatte in etwa sechs Stunden bis zum Fährhafen von Tyne eingeplant aber das konnte sich schnell ändern. Die Strecke war einfach nur zum Geniessen. Da kann man schon mal Träumen, auch wenn das hinterm Lenkrad keine gute Idee ist. Doch an der Brücke wars dann vorbei mit der Träumerei. Warum das Ding immer noch stand, war mir ein Rätsel. Für eine Autobahnbrücke schien sie mir immer, wenn ich hier drüber mußte, eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Aber die Briten sind wohl sehr traditionsbewußt und die Brücke überlebte wahrscheinlich auch nur deshalb die technischen Überprüfungen. Die Geschwindigkeit hatte man ja schon runtergesetzt und kontrolliert wurde hier natürlich mit ungewöhnlich genauen Anlagen. Die Toleranz war minimal und so blieb ich etwas unterhalb der erlaubten Geschwindigkeit von 50 Meilen pro Stunde.

    Es dauerte dann doch fast sieben Stunden, bevor ich den Hafen erreichte. Ich hatte zwischenzeitlich an einer Tankstelle einen kurzen Stopp eingelegt und mir ein Sandwich und nen Tee gegönnt. Und nun stand ich hier und freute mich wie ein Schneekönig, weil mich die britischen Zollbeamten ganz besonders gut leiden konnten. Wieder wurde ich auf die Rampe zitiert und das Fahrzeug aufs Genaueste kontrolliert. Allerdings ersparte ich mir diesmal jeglichen Hinweis auf die Abfertigungszeiten der Fährgesellschaft. Das hätte ja doch nichts geändert. Nach einer langen Stunde war man dann soweit durch und ich konnte die Formalitäten für die Überfahrt erledigen. Ich hatte schon Bammel, das man ohne mich abfahren konnte. Das war allerdings unbegründet. Ganz im Gegenteil, die Fährpläne hatten sich wohl im neuen Jahr geändert. Wartezeit bis zur Abfahrt drei Stunden. Wie kriegt man soviel Zeit rum. Richtig, ich griff zum Handy. Corinna ging dann auch endlich mal ran. >Hallo Schatz, na wie läufts?< >Könnte besser, ich hänge jetzt noch drei Stunden hier im Hafen fest. Mal ne Frage, was hast du mit Dirk ausgemacht?< >Konnte Karen mal wieder nicht dicht halten? Ich erklärs dir, wenn du wieder hier bist. Kannst dich schonmal freuen, das wird bestimmt lustig.< Vor meinem geistigen Auge spielten sich alle möglichen Szenarien ab. >Vielleicht sollte ich das Wochenende doch besser in Arhus verbringen. Könnte für meine Gemütslage zumindest entspannender sein, als das, was ihr da geplant habt.< >Untersteh dich. Achja, bevor ichs vergesse. Von Arhus kommst du leer rüber nach Kopenhagen. Von der Strabag gibts keine vernünftige Fracht mehr hierher.< >Na toll, auch noch Leerkilometer. Bin gespannt, was noch alles kommt.< >Kannst du auch sein. Ich hab dich lieb Schatz. Wir sehen uns morgen.< Noch bevor ich antworten konnte, hatte sie schon aufgelegt. Na gut, gab wohl viel zu tun.
    Die Überfahrt war ruhig, wie lange nicht mehr. Dieser Winter war seinen Namen wirklich nicht wert. Aber die Mädels hatten wenigstens mitgedacht und mich auf einer dänischen Fähre untergebracht. So konnte ich mich wieder richtig satt essen, ohne eine Revolte des Magens befürchten zu müssen. In Esbjerg angekommen, durfte ich mal wieder warten, bis der Papierkram erledigt war. Dauer etwa eine Stunde mit allem Drum und Dran.

    Ich verließ die Stadt dann in Richtung Norden. Die Sonne brannte immer noch vom Himmel. Allerdings fielen die Temperaturen doch schon etwas. Sollte der Winter doch noch Einzug halten? Über die Landstraße kam ich meinem Ziel immer näher. Für die Strecke machte man besser keine Pläne. Die konnte man nach spätestens 10 Kilometer eh in die Tonne klopfen. Die Strecke war so malerisch wie eh und je. Und die Kilometer spulten sich wie von alleine runter.

    Es war einfach nichts los in Dänemark. Die Straßen waren wie leer gefegt. Als ich drei Stunden später in Arhus einfuhr, wurde der Verkehr zwar etwas dichter, aber aufhalten konnte mich das nicht. Irgendwann muß ja mal Feierabend sein. Als ich bei Schenker auf den Hof fuhr, befürchtete ich schon, das niemand mehr da war. Ich ging mit den Papieren ins Büro und wurde dort von eben jenem Jungspund begrüßt, der mir zu Weihnachten so derbe auf die Nerven gegangen war. Diesmal hielt sich seine Unfreundlichkeit in Grenzen. >Moin, sie bringen den Bagger?< >Ja, wo soll er hingestellt werden?< >Rampe drei. Ich mache so lange die Papiere fertig. Bis gleich.< Man, das Leute sich so ändern können. Oder es lag damals doch nur am Stress. Ich zirkelte den Trailer an die Rampe und betrat zehn Minuten später wieder das Büro.

    Die Papiere lagen schon auf dem Tresen und daneben stand ein Pott Kaffee. >Wow, wasn bei euch los?< >Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen für mein Verhalten vor Weihnachten. Das war damals viel zu viel Stress. Sie wissen ja, wie das ist, wenn man neu in einen Job kommt. Da ist man mit solchen Sachen ganz schnell an der Leistungsgrenze.< >Kleiner Tipp am Rande. Stress macht man sich meist selbst. In der Ruhe liegt die Kraft sagte mein Großvater immer. Und damit hatte er absolut Recht.< Ich trank meinen Kaffee aus und wünschte dem Jungen ein schönes Wochenende. Dann machte ich mich auf die Socken in Richtung Kopenhagen. Dürfte ne Weile dauern, bevor ich da aufschlug. Ich war gespannt, was sich mein Schatz da so ausgerechnet hatte. Kurz vor 8 war ich dann endlich zu Hause und stellte den Volvo in die Halle. Der Scania war sauber und stand irgendwie sinnlos in der Ecke rum. Warum hatte Corinna das Ding nochmal waschen lassen? Achja, Niklas hatte die Reifen markiert. Mal sehen, wie lange der Knallbonbon noch hier oben rumstand. Corinna kam zu mir. >Hallo Schatz. Schön das du wieder da bist.< Und dann gabs erstmal ne Umarmung und nen dicken Knutscher. Dann half sie mir, die Sachen hoch zu bringen. Dabei erzählte sie mir, was sie mit Dirk ausgemacht hatte. >Okay, das habe ich soweit verstanden. Aber warum starte ich von Odense und nicht von hier? Habt ihr wieder alle Aufträge an Andere verteilt?< >Nein, es gab nur ab Sonntag Abend nichts vernünftiges in Richtung Dresden oder Polen. Ich nehme also den Scania und du den Panzer. Das Zeitfenster nach Banska ist groß genug für einen Einzelfahrer und ab Dresden sind wir ja dann wieder zu zweit unterwegs. Aber jetzt ist erstmal Feierabend.<
    So richtig Feierabend ist ja eigentlich nie und schon beim Abendessen waren die Geschehnisse der Woche wieder Gesprächsthema. Viel gabs diesmal aber nicht zu bereden. Nina und David waren in Portugal unterwegs und Conny machte ne Rundfahrt in Afrika. Aktuell war sie in Tanger und hatte als Nächstes das europäische Festland im Auge. Für sie ging es nach Plan in Richtung Paris. Agnieszka war zu Hause und hatte den Lkw bei sich vor der Haustür stehen. Sie mußte am Sonntag wieder für Polen laden. Vielleicht trafen wir sie in der Woche irgendwo unterwegs. Wer weiß das schon. Miriam fuhr momentan Kurzstrecke Ruhrgebiet-Dänemark. Das gefiel ihr offensichtlich und so hatten wir immer auch noch ein "Bein" im Nahverkehr. Naja zumindest was wir so als Nahverkehr betrachteten.
    Den Rest des Abends und auch den Sonntag genossen wir die Zweisamkeit in vollen Zügen. Wir hatte uns ja länger nicht gesehen. Am Sonntagnachmittag legte ich mich noch etwas hin. Immerhin mußte ich ja am Abend wieder los, während Corinna erst am Montag früh raus mußte. Gegen 21 Uhr stand ich auf und machte mir ein Essenspaket fertig. Corinna kochte mir noch Kaffee und füllte die Thermoskanne. Pünktlich um 22 Uhr machte ich mich los. >Ich melde mich, wenn ich Odense abfahre. Das dürfte dir genug Zeit verschaffen, so das wir zeitgleich in Dresden ankommen. Wir können nur hoffen, das der Winter sich noch so lange im Zaum hält.< >Das wird schon Schatz. Wir sehen uns dann spätestens in Dresden. Fahr vorsichtig!< >Tu ich doch immer. Wir telefonieren dann.<
    Um 1 Uhr nachts erreichte ich FERCAM in Odense und meldete mich im Büro mit der Auftragsnummer. Nachdem ich die Papiere unterschrieben und auf Vollständigkeit überprüft hatte, sah ich mir die Sondergenehmigungen für den Transport an. Wieder war die Geschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt worden. Das heißt, ich konnte Corinna noch etwas länger schlafen lassen.

    Ich sattelte auf und machte den obligatorischen Rundgang ums Fahrzeug. Nach weiteren dreißig Minuten machte ich mich auf die Piste. Es ist immer wieder eine Herausforderung, so langsam durch die Weltgeschichte zu schleichen. Ich hatte jetzt noch genau 6 Stunden Fahrzeit zur Verfügung. Das reichte bei den derzeitigen Verkehrs- und Strassenverhältnissen gerade bis an die Grenze bei Flensburg. Von dort wollte ich dann auch Corinna anrufen. Im Radio laberte gerade der Moderator über das Wetter der nächsten Tage. Das hörte sich gar nicht gut an. In den nächsten Tagen würde ein Kälteeinbruch zu erwarten sein, der auch Schnee mit sich brachte. So langsam beschlich mich ein ungutes Gefühl. Wenn ich den Mann im Radio richtig verstanden hatte, würden wir in den nächsten zwei Tagen praktisch vor der Kaltfront her fahren. Danach würden wir aber unweigerlich in den Winter reinfahren. Das konnte ja was werden.
    Um sieben Uhr morgens klingelte das Telefon. >Du wolltest mich doch wecken Schatz. Nu muß ich mich beeilen, damit ich dich einhole.< >Keine Angst, du wirst sicher sogar vor mir ankommen. Ich darf nur 70. Ich bin gleich auf Höhe Flensburg und da ist dann für mich erstmal Feierabend.< >Nur gut, das der Scania nicht neu ist. So kann ich ihn etwas hetzen.< >Um Gottes Willen, wenn du das Teil schrottest, müssen wir wieder so einen Knallbonbon finden. Und das ist gar nicht so einfach. Wer hat schon so ein Teil stehen? Da geht doch keiner mehr beim Händler rein, wenn da draußen schon so ein hässliches Ding steht.< >Na gut, dann mach ich eben etwas vorsichtiger, aber ich mach mich dann jetzt los. Wir sehen uns Schatz.< >OK fahr vorsichtig, der Winter ist im Anmarsch und eigentlich rennen wir jetzt die ganze Zeit vor ihm weg. Mal sehn wie lange das gut geht.< >Das wird schon.< Und damit legte sie auf. Während Corinna sich also auf den Weg machte, sah ich zu, das ich eine Mütze voll Schlaf bekam. Gar nicht so einfach, wenn der Verkehr an einem vorbeirauscht. Ich hätte mir einen anderen Parkplatz gewünscht.

    Acht Stunden später war ich wieder munter und machte mich wieder fertig für die Weiterfahrt. Corinna müßte eigentlich schon an mir vorbei sein. Also ließ ich ihn wieder rollen, direkt in die Nacht rein. Aufholen konnte ich nur, wenn Corinna ihre Pause machte.

    Sie würde wohl unweigerlich vor mir in Dresden ankommen. Hoffentlich dachte sie daran, das wir auch aus Dresden wieder raus mußten. Lange konnte ich vor Dirks Hütte nicht stehen bleiben und auf den Platz wollte ich nicht unbedingt rollen.

    Und während ich so vor mich hingrübelte, wurde es Nacht. Corinna rief mich zwischendurch an, um mir mitzuteilen, das sie auf einem Rastplatz unterhalb von Berlin ihre Pause eingelegt hat. Sie hatte nur noch zwei Stunden zu fahren bis nach Dresden. Ich war zwischenzeitlich an Rostock vorbei und kämpfte mich weiter in Richtung Dresden. Die Außentemperatur war merklich gefallen und ich drehte die Innentemperatur etwas höher. Das konnte ja was werden. Hoffentlich kamen wir noch bis Banska, bevor der Winter zum Schlag ausholte. Bis Dresden würden wir wohl ohne Probleme kommen. Ich mußte nur vor Dresden zumindest bis kurz vor sechs Uhr nochmal ne Pause einlegen. Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens kam ich noch bis kurz vor Dresden und legteda noch mal zwei Stunden Pause ein. Dann legte ich die letzte Stunde auf und fuhr nach Dresden rein. Das kostete im morgendlichen Berufsverkehr viel Zeit und Nerven. Bei Sonnenaufgang war ich dann endlich da. Der Knallbonbon müßte eigentlich schon da sein, war aber nirgends zu sehen. Für ein großes Hallo war keine Zeit.

    Ich drückte auf die Hupe, ich konnte da so nicht stehen bleiben. Corinna kam rausgeflizt und wollte schon auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, als sie sah, das ich da schon saß. Meine Fahrzeit war zu Ende. Also kletterte sie hinters Lenkrad und während sie ihre Fahrerkarte einschob, fing sie an zu erzählen.
    Gruß Tom
    [Administrator]

    ! Support nur mit/only with Gamelog.txt !
    - Keine Supportanfragen über Skype und PN oder E-Mail-
    Posten der Logdatei /Posting the Logfile
    Bugreports im Spiel




    1,157 times read