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Kapitel 55 - Geheimniskrämerei

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    nordicgirl84

    Dirk lenkte den Truck auf die Fähre und wir gingen in unsere Kabine. Als ich dort aus dem Bad kam, lag er schon im Bett und schlief. Als ich aufwachte schlief er immer noch tief und fest und obwohl ich nicht gerade leise war, wachte er nicht auf. Also ging ich allein etwas essen. Wieder zurück in der Kabine war meine Schlafmütze endlich aufgestanden und war ganz erstaunt darüber, dass die Fähre schon bald in England anlegen würde.

    Wir machten uns nach dem Anlegemanöver auf dem Weg zum Fahrzeugdeck und kletterten in den Truck.
    >>Du bist ja jetzt ausgeschlafen und kannst fahren.<< >>Na ja ausgeschlafen wäre übertrieben.<< >>Ach der Herr braucht noch mehr als 12 Stunden Schlaf?? Bist wohl unter die Faultiere gegangen.<< Er sagte nix dazu und startete den LKW.

    Wir fuhren in den Abend hinein immer weiter nach Westen. Glücklicherweise blieben wir dieses Mal von Unfällen und Ähnlichem verschont und kamen am frühen Morgen an unserem Ziel an. Trotz der frühen Stunde, war der Parkplatz des Supermarktes wo wir abladen sollten schon ziemlich voll, so dass die Fahrt an die Rampe bestimmt ziemlich knifflig sein würde.

    >>Jetzt zeig ich dir mal wie ausgeschlafen ich bin.<< tönte es großspurig vom Fahrersitz. Dann legte er den Rückwärtsgang ein, zirkelte den Lastzug gekonnt an den geparkten Autos vorbei und rollte die Senke zur Rampe hinunter. Das Ganze in einem Zug.



    Dort stoppte er, aktivierte die Feststellbremse und öffnete die Tür und sah mich triumphierend an.
    >>Erwartest du jetzt einen Freudentanz von mir??<< Damit nahm ich mir die Papiere und ging ins Büro, während er abkoppelte.

    Ich war froh wieder aus dem Büro draußen zu sein. Der Typ da drin war mir einfach zu wider. Er wusste gar nicht, wie er sich den Kopf verrenken sollte um mir in den Ausschnitt zu glotzen. Am liebsten hätte ich Ihm eine geknallt.

    Dirk saß schon auf dem Beifahrersitz. Das war also das Zeichen zum Fahrerwechsel. Na gut, er hatte ja sowieso keine Ahnung wohin es jetzt ging. Den Auftrag hatte ich schon auf der Fähre rausgesucht. Mit einer süßen Ladung ging es zurück nach Kopenhagen.

    An der Zieladresse angekommen verschwand Dirk im Büro und ich kümmerte mich um den Trailer. Die Ladung bestand aus großen Bigpacks voll mit Zucker. Auch die Ladungssicherung machte einen vernünftigen Eindruck. Also brauchte ich nur aufsatteln. Dann hieß es aber warten. Dirk kam und kam nicht zurück. Schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit sah ich Ihn aus dem Büro kommen. Seine Gestik und Mimik verhießen allerdings schon nichts Gutes. Da war jemand auf Krawall gebürstet.
    >>Was hat den da so lange gedauert?<< >>Die dumme Kuh im Büro ist doch zu blöd Ihren eigenen Namen zu schreiben, geschweige den die Frachtpapiere fertig zu machen.<< >>Qualifiziertes Personal ist heute selten.<< >>Zum Glück habe ich dieses Problem bis jetzt noch nicht. Im Gegenteil ich habe sehr gutes Personal.<< dabei lächelte er mich an. >>Dann wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt um mal über eine Gehaltserhöhung für mich zu reden.<< Jetzt lächelte ich Ihn an und fuhr los.

    Er hingegen tat mal wieder etwas typisch Männliches. Etwas was jede Frau bei Ihrem Freund/Mann bestimmt schon einmal oder mehrfach erlebt hat. Er schaltete auf Durchzug und tat so als ob ich nichts gesagt hätte.

    >>Na warte, das Thema ist noch nicht erledigt.<< dachte ich für mich, während ich aus der Stadt fuhr. Es ging wieder dieselbe Strecke zurück, die wir gekommen waren. Alles lief super, bis es auf einmal einen lauten Knall gab. Im Seitenspiegel sah ich gerade noch ein paar Teile von einem der Trailerreifen wegfliegen und fuhr von der Straße auf den Seitenstreifen.



    Kurz vor einer Baustelle stoppte ich den Lastzug.
    >>Jetzt kannst du mich beeindrucken, in dem du schnell den Reifen wechselst.<< Natürlich hielt sich seine Begeisterung in Grenzen als er ausstieg. Den Trailer mit dem Wagenheber aufzubocken und das kaputte Rad zu entfernen ging noch relativ zügig. Aber das Ersatzrad aus seiner Halterung zu bekommen war alles andere als einfach. Da der Trailer nicht mehr der Neuste war hatten die Schrauben, welche das Rad hielten, schon erheblich Rost angesetzt und ließen sich nicht lösen. >>...geh endlich ab....beweg dich.....verdammte Schraube beweg dich...<< schimpfte er, aber die Schraube bewegte sich keinen Millimeter.

    Da ich wusste, was jetzt passieren würde, hielt ich mich lieber im Hintergrund. Denn jetzt artete das ganze in einen Kleinkrieg zwischen Ihm und der Schraube aus. Wieder kämpfte er mit dem Schlüssel gegen die Schraube, welche aber nicht nachgab. Schließlich verpasste er dem Reifen einen Fußtritt und ging zum Werkzeugfach vom LKW. Zurück kam er mit einem Hammer bewaffnet.
    >>Kommen jetzt die schweren Waffen?<< konnte ich mir nun doch einen Kommentar nicht verkneifen.

    Er brummte nur etwas unverständliches, legte den Schraubenschlüssel auf die sture Schraube und drosch mit dem Hammer dagegen. Erst blieb die Schraube auch davon unbeeindruckt, aber nach ca. einem weiteren dutzend heftigen Schlägen gab sie dann doch auf. Als er die Schraube ab hatte, warf Er sie soweit er nur konnte weg.

    Der Rest ging recht schnell über die Bühne und schon bald war der Reifen gewechselt, so dass wir weiter konnten.

    Kurz vorm Hafen wurde er noch mal unruhig, als er vor uns einen Liaz fahren sah.



    Er mochte diese alten Tschechischen Trucks, die aber auf der Straße immer seltener zu sehen waren. Wenn überhaupt sah man die noch in ihrer Heimat oder noch weiter östlicher, aber hier in England war das Ding eine Rarität.

    Bald darauf waren wir wieder auf hoher See. Diesmal war ich es, die wie ein Murmeltier schlief. Als ich aufwachte, waren wir schon fast in Dänemark und es war zeit uns fertig zu machen.

    Den Rest der Fahrt setzte ich mich wieder ans Lenkrad. Dirk hingegen spielte irgendwas am Laptop rum. Erst dachte ich ja, dass er einen neuen Auftrag suchte aber anscheinend war dem nicht so. Er tippte wie wild, dann war er wieder am Smartphone zugange, um danach wieder am Laptop zu hantieren. Erst kurz vor Kopenhagen hörte er damit auf.

    Schließlich erreichten wir die Abladestelle, koppelten ab und brachten den Papierkram hinter uns.
    >>Wo geht es jetzt hin?<< fragte ich wieder im LKW. >>Erst zum Hotel und dann zu Olafs Werkstatt.<< Fragend schaute ich Ihn an, den am LKW war nichts kaputt. Also was sollte das?

    Er, aber, grinste mich nur an. Es war dieses überlegene Grinsen wenn er etwas ausgeheckt hatte und mich im Unklaren darüber ließ. Ich hasste das. Trotzdem steuerte ich das Hotel an. Dort schliefen wir ein wenig, denn obwohl wir erst seit wenigen Stunden auf den Beinen waren, schlauchten diese Nachtfahrten doch ganz schön.

    Gegen Mittag wachte ich auf, aber Dirk war nicht da. Auch der Benz war nicht mehr auf dem Parkplatz, wie mir ein Blick aus dem Fenster verriet. Beim Versuch Ihn anzurufen bekam ich nur das Übliche >>Die Person ist zur Zeit nicht zu erreichen.<< zu hören.

    Stinksauer setzte ich mich in ein Taxi. Ich wollte mich mit Karen auf einen Kaffee treffen. Sollte er doch hier auf mich warten, wenn er wieder käme. Als das Taxi bei Viking auf den Hof fuhr, staunte ich nicht schlecht. Da stand ja unser blauer Actros. Dirk und ein anderer Typ, wahrscheinlich dieser Olaf, standen daneben und besprachen etwas. Als ich aus dem Taxi stieg hörte ich nur noch
    >>...den Rest so wie besprochen.<< >>Okay wir sehen uns. Ich ruf an wenn er fertig ist.<< Dann setzte sich der Typ in unseren Laster und fuhr vom Hof. Ich verstand nur noch Bahnhof.

    Jetzt erst sah Dirk mich und schien zwecks meiner Reaktion etwas besorgt zu sein, als er langsam auf mich zu kam. Zu seinem Glück kam ich nicht dazu irgendetwas zu Ihm zu sagen, da Karen raus kam und mich begrüßte. Sie zog mich auch gleich mit sich hinein ins Bürogebäude.

    Wir tranken einen Kaffee, aber in Gedanken war ich wo anders.
    >>Irgendwie bist du angespannt. Hat das was mit Dirk zu tun?<< >>Ich weiß nicht was das ganze soll und wer der Typ da war, mit dem er gesprochen hat. Er führt irgendwas im Schilde und ich weiß nicht was.<< >>Das ist Olaf, der hat eine Werkstatt hier um die Ecke und ist der Mechaniker unseres Vertrauens. Aber was Dirk von Ihm will weiß ich nicht. Wahrscheinlich will Dirk an eurem Truck etwas verändern lassen.<< >>Aber warum sagt er nix. Was soll diese Geheimniskrämerei?<< >>Keine Ahnung. Aber wenn die Jungs an ihren Spielzeugen was umbauen lassen, dann benehmen sie sich teilweise wie die kleinen Kinder.<< Dann erzählte Sie, dass auch Viki eventuell einen neuen LKW kaufen will und Corinna davon noch nicht wirklich etwas weiß.

    Nach Stunden verabschiedete ich mich von Karen und kehrte ins Hotel zurück. In unserem Zimmer war von Dirk nichts zu sehen. Nur ein Zettel lag auf dem Tisch. >>Um sieben im Restaurant<< Wollte er jetzt auf „Gut Wetter“ machen oder was sollte das jetzt wieder. Ich wusste nicht ob ich hingehen sollte. Aber auf der anderen Seite war ich auch hungrig. Also sprang ich unter die Dusche, machte mich schick und ging hinunter. Im Restaurant war er nicht zu sehen, aber kaum das ich eintrat kam ein Kellner auf mich zu, sprach mich mit Namen an und bat mich ihm zu folgen. Wir gingen auf die Restaurantterrasse, von wo aus eine Treppe auf eine höhere Ebene der Terrasse führte. Die letzten Schritte ließ er mich allein machen und als ich um die Ecke bog stand da mein Geheimniskrämer. Hinter Ihm war ein einzelner Tisch, mit Kerzen, romantischer Musik und allem drum und dran. Jetzt wurde mir klar was das hier werden sollte. Ein Candle-Light-Dinner an einem lauen Sommerabend.

    >>Hallo Schatz.<< Er kam auf mich zu, nahm mich in den Arm und küsste mich. Ganz Gentleman rückte er mir den Stuhl zu recht. Ich schaute mich um. Diese Dachterrasse war richtig romantisch. Ziemlich klein und ungestört. >>Gefällt es dir?<< >>Ja ist schön hier, aber was soll das Ganze? Hast du was angestellt?<<[color=rgb(0, 0, 0)] [/color]>>Nein. Darf ich nicht einfach einen romantischen Abend mit dir verbringen?<< >>Darfst du schon, es ist nur nicht deine Art.<< Er lächelte, nahm meine Hand und strich sanft darüber. >>Seit du im Urlaub warst, hatten wir noch keinen Abend für uns allein.<< >>Wir waren doch in Schweden.<< >>Ja, bei Benny und deinen Eltern, aber nie wirklich ungestört.<< Er hatte recht. Immer noch hielt er meine Hand und ich fühlte mich zunehmend wohler. Wenn ich beim Betreten des Restaurants noch sauer auf Ihn war, so konnte davon jetzt keine Rede mehr sein.

    Die romantische Atmosphäre verfehlte ihre Wirkung nicht. Nach einem leckeren Essen saßen wir auf einem großen Sofa und schauten uns den Sonnenuntergang an. Ich war glücklich, aber etwas brannte mir noch unter den Nägeln.
    >>Was hast du mit unserem LKW vor?<< >>Das wirst du morgen sehen.<< Da ich den Abend nicht kaputt machen wollte, sah ich von weiteren Fragen ab.

    Wir saßen nur zusammen und ich genoss einfach seine Nähe. Die Musik lief immer noch im Hintergrund. Auf einmal lief da ein Lied, unser Lied. Ich schaute Ihn an und er tat etwas, was er sonst noch nie getan hat. Er stand auf, zog mich mit sich und wir tanzten eng umschlungen zu der Musik. Und er tanzte erstaunlich gut, so kannte ich Ihn gar nicht. Sonst war er eher der Bewegungslegasteniker, denn ich auf die Tanzfläche prügeln musste. Aber diese neue Seite an Ihm gefiel mir sehr gut.

    Es war ein absolut perfekter Abend, Später zogen wir uns in unser Zimmer zurück und verbrachten eine wunderschöne Nacht miteinander.

    Am nächsten Morgen wachte ich noch vor Ihm auf und beobachtete Ihn beim Schlafen, bis er endlich auch wach wurde. Er lächelte mich an und ich küsste Ihn. Eine Weile lagen wir noch aneinander gekuschelt im Bett, doch dann klingelte sein Handy und holte uns in den Alltag zurück. Manchmal verfluchte ich diese Dinger.
    :cursing:

    Es war Olaf, der Dirk mitteilte, dass der Actros fertig war. Eine Stunde verließen wir das Hotel, da es schon ziemlich warm war beschlossen wir zu Fuß zu gehen. Jetzt würde ich also endlich erfahren, was Dirk mit unserem LKW gemacht hatte.

    Als wir bei der Werkstatt ankamen, war ich verwundert, denn auf den ersten Blick sah der Truck noch genauso aus wie vorher. Aber auf den zweiten Blick fielen mir doch ein paar Veränderungen auf. An den Türen waren Zeichen mit der Motorleistung angebracht worden. Die Frontklappe war anders und ein hässliches "Geräuscharm" Schild prangte an der Front. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.



    Aber als ich den Innenraum sah, änderte sich das. Der LKW hatte neue Sitze bekommen und nach einem ersten Probesitzen war mein Urteil klar. Die waren besser als die Alten. Das Bett war auch verändert worden, außerdem hatte der Truck jetzt eine Standklima bekommen, welche allerdings versteckt angebracht worden war. Zusätzlich gab es noch ein paar technische Spielereien wie einen erweiterten Bordcomputer, ein neues Navi und endlich eine vernünftige Handy- und Laptophalterung.

    Die ebenfalls neuen Gardinen verstärkten das gemütliche Ambiente das der Innenraum jetzt ausstrahlte. Während ich mir das Innere des Trucks anschaute war Dirk im Büro der Werkstatt verschwunden. Jetzt kam er mit Olaf wieder heraus.
    >>Na gefällt's dir?<< rief er schon von weitem. >>Ist richtig schön gemütlich hier drin.<< rief ich zurück >>Aber jetzt will ich eine Proberunde drehen.<< Ich war inzwischen auf den Fahrersitz geklettert und hatte den Motor gestartet. Dabei fiel mir noch etwas neues auf.

    Der Sound der Actros war jetzt endlich einem V8 würdig. Tief blubbernd und souverän. Vielleicht nicht so schön wie mancher Scania aber auch sehr gut gemacht. Dabei hatte ich gar keinen neuen Auspuff bemerkt. Anscheinend war das ganze im verborgenen verbaut worden.

    Dirk setzte sich auf den Beifahrersitz.
    >>Müssen wir gleich wieder auf Tour?<< >>Nicht direkt, erst heute Nachmittag.<< >>Okay.<< Langsam rollten wir vom Hof, aber auf der Straße gab ich dem Truck die Sporen. Der Sound war höllisch gut. Da konnte selbst unser Porsche nicht mithalten.

    Aber bald darauf drosselte ich das Tempo, denn wir waren in der Straße, wo Viki seinen Firmensitz hatte. Nur im Schritttempo oder vielleicht sogar noch langsamer rollte ich auf den Hof von Viking Transports Ltd., schließlich wollte ich mir nicht nochmal einen Vortrag anhören.

    Karen war gerade mit Ihrem kleinen Kläffer draußen.
    >>Heute siehst du glücklicher aus als gestern.<< begrüßte Sie mich und Sie hatte recht. Ich hakte mich bei Dirk ein und wir gingen zu Ihr. >>Braucht ihr wieder eine Tour?<< >>Nein, wir haben schon eine. Geht heute Nachmittag los. Ich wollte aber unbedingt noch einmal vorbeikommen und Tschüss sagen.<< Eine Weile redeten wir noch, während Dirk hinter mir stand und ich mich an Ihn lehnte. Aber dann wurde es Zeit uns auf den Weg zu machen.

    Als wir wieder wegfahren wollten und ich den Motor anmachte und kurz auf's Gas trat, kam ein tiefes Grollen aus dem Auspuff. Zu viel für Karen's kleinen Hund. Er rannte so schnell ihn die kurzen Beinchen trugen um die nächste Ecke. Karen lachte, ging ihm aber dann hinterher, natürlich nicht ohne uns zum Abschied zu winken.

    Und wir? Wir machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Tour.

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