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Kapitel 35 – Goldener Oktober

  • Sonntag, 16.09.2018

    Beim gemeinsamen Frühstück spielten die Ereignisse der Nacht keine Rolle, zumindest nicht als Gesprächsthema. Wir waren schon irgendwie durch die intime Unterhaltung und die noch intimeren Handlungen vertrauter miteinander geworden. Allerdings war zumindest mir klar, dass da nicht mehr sein konnte. Weder empfand ich so tiefe Liebe zu Marius, dass daraus eine Beziehung werden konnte. So richtig konnte ich es gar nicht einschätzen. Es war mehr als bei einem One-Night-Stand, aber weniger als bei Javier oder damals bei Matt. Noch könnte eine Beziehung zwischen uns länger als 90 Tage minus seine bereits in den USA verbrachte Zeit dauern. Denn dann lief seine Visa Waiver Aufenthaltserlaubnis ab.

    Ich musste mich nun aber um mein Rennen kümmern, als letzter qualifizierter Fahrer war ich erster Fahrer auf der Strecke. Marius nahm seine gemieteten Sachen, die noch hier lagen:
    „Kann ich beim Sichtungslauf noch mal mitfahren?“ „Ja. Ich muss aber schon dabei alles geben und die letzten Sekunden finden.“ „Das macht nichts. Du hast mir gestern ja mit den Worten eines zukünftigen Philosophen gesagt, dass ich dabei auf Dein Handeln vertrauen muss, weil es dem bewährten Modell von Sicherheit folgt.“ Das war eine Anspielung darauf, dass er im Grundstudium der Philosophie steckte, wie er mal in einem Stream verraten hatte, in dem man ihm und seinem Kumpel Fragen stellen durfte, während sie auf einem ehemaligen Sendemast hoch über Kaunas saßen.
    Also zogen wir uns beide die Rennklamotten an, setzten uns in mein Auto und er begann wieder zu streamen, während ich den Motor warmlaufen ließ, was in der Aufstellung quasi automatisch passierte.
    „Guten Morgen, in Europa eher guten Nachmittag. Ich sitze, wie Ihr seht, wieder bei Malik im Auto und werde noch mal die Strecke von gestern mit ihm fahren. Wir haben uns gestern lange unterhalten und haben uns für die Sachen entschuldigt, die am Mittwoch auf dem Silo und gestern hier passiert sind.
    Ich kann Euch nur sagen, dass Malik definitiv kein Weichei ist. Angst hat er auf dem Silo vor allem vor der Polizei gehabt und mir ist inzwischen auch klar, dass man die haben muss. Zum Glück ist uns nichts in der Richtung passiert, aber hier wird anders mit Leuten umgegangen, die auf Privateigentum herumklettern, als in Osteuropa. Weil er sein Leben nicht als professioneller Youtube-Explorer finanzieren will sondern mit seinem normalen Beruf, hat er mich um keinen direkten Link zu ihm gebeten. Aber ich sage es mal so und das ist ihm auch klar. Wer will, der findet ihn als Explorer auch im Web. Und nun warten wir mal auf grünes Licht.“


    Die grüne Ampel kam und ich gab Gas. Heute war Marius tatsächlich ziemlich ruhig und schien sogar den Nervenkitzel, den ihm die Sache bestimmt noch bereitete, ein Bisschen zu genießen. Nur bei einigen besonders heftigen Kurven sah ich ihn mal zusammenzucken. Ich war mit meiner Fahrt zufrieden, schneller als gestern war ich. Offenbar hatte mich der Abend durch unsere Aussöhnung mental befreit.
    Nach knapp 2 Stunden hatten alle Teilnehmer ihre Sichtungsfahrt geschafft. Nun musste ich als erster regulärer Fahrer im ersten Lauf starten. Marius stand beim Start im Publikum und drückte mir die Daumen. Die Ampel war schwarz, erst ging als „Warnung“ für mindestens 2 Sekunden eine rote Lampe an und dann kam die grüne. Ich fuhr den Lauf meines Lebens. Nach der Zieldurchfahrt fuhr ich die andere Straße wieder vom Berg runter und ins Fahrerlager. Den endgültigen Platz kannte man immer erst, wenn alle gefahren waren, aber natürlich sah man etliche Zeiten von Konkurrenten und so wusste ich, dass ich mindestens in der vorderen Hälfte sein musste.
    Es dauerte wieder knapp 2 Stunden, bis alle gefahren waren und die Ergebnisse da waren. Deshalb hatten wir in der Zwischenzeit schon Ofenkartoffeln und einen frischen Farmersalat gemacht. Während ich mir die Siegerehrung anschaute, bei der mein Name natürlich nicht fiel und dann die offizielle Wertung abholte, grillte Marius die Steaks.
    „Und?“ „Insgesamt Platz 27, in meiner Wertungsklasse Platz 8.“ „Klingt bei Deinem Startplatz für mich nicht schlecht.„Ist es auch nicht, besonders beim ersten Bergrennen mit dem Auto. Ich bin bisher nur Rundstrecke damit gefahren. Das ist mehr als ich erwartet habe.“

    Die Mittagspause war sehr lang, denn nun würde ich als 53. Starter auf die Strecke gehen, also mehr als anderthalb Stunden nach dem ersten. Und am Nachmittag fuhr ich dann den zweiten Lauf. Auch der war eine Hammerleistung, ich konnte mich nochmals verbessern und stand mit Marius am Ende in der Menge vorm Podium.

    „Kommen wir nun zur Siegerehrung Sport Racing im zweiten Lauf. Platz 3 für Jim Stone auf BMW M3 in 06:00.44. Platz 2 für Stephanie Ansel auf Dodge Shelby Charger in 06:00.20. Und der Sieger in dieser Klasse im zweiten Lauf ist Brandon Ridley mit seinem Nissan 200 SX in 05:59.53!“ Marius und ich jubelten beide. Dann ging ich aufs Podest, nahm den Pokal entgegen und feierte anschließend mit der ersten Sektdusche meines Lebens einen Sieg. Meine vorherigen Podestplätze fanden noch als Jugendlicher mit Alkoholverbot statt.
    Als klassenübergreifend 10. hatte ich im zweiten Lauf auch einige Fahrer in der Königsklasse hinter mir gelassen, die hier aber auch eher schwach vertreten war. Die Gesamtwertung wurde aus der Summe beider Läufe gebildet. Da war ich dann 6. meiner Klasse und 23. im Gesamtfeld. Das war bei Zeitrennen ein Vorteil. Wenn man sich schlecht qualifizierte, hatte man zwar den Nachteil, dass weniger Gummi auf der Strecke war und deshalb weniger Grip da war und die Strecke später schneller wurde. Außerdem konnte man nicht taktisch fahren, weil man nicht wusste, wie schnell die Zeiten waren. Aber man musste als letzter im Qualifying niemanden überholen wie bei Massenstarts. Es war so oder so kein anderes Auto da, das einen blockieren konnte und hinter einem halten wollte. So konnte man vom 80. Startplatz noch nach ganz oben kommen.

    Das Auto war schon aufgeladen und der Anhänger angekuppelt. Ich fuhr uns noch nach Roxborough zur Halle und von dort mit dem Silverado zu meiner Mietwohnung. Auf dem Weg dorthin spielte der auf meinem Autoradio meistens eingestellte Dudelsender, wenn ich gerade keine CD drin hatte, 99 Red Balloons von Nena im Original. Nach dem Refrain setzte Marius überraschend mit einem Rap ein:
    „I see dreams during sleepless nights…“
    Nachdem ihm die deutsche Sängerin mit dem nächsten Refrain ins Wort fiel, fragte ich ihn:
    „Was war das denn?“ „Mein zweites Hobby. Rapmusik machen. Auf ein Sample von dem Lied habe ich mal einen Track eingespielt. Habe aber im Truck schon rausgehört, dass das nicht Deins ist.“ „Alles eine Sache der Situation. Am Steuer des Trucks bevorzuge ich je nach Tagesstimmung Rock oder Country. Im Pickup läuft meistens ein lokaler Radiosender, zumal der keinen Stick kann und ich zu faul bin, mehr CDs zu brennen. Aber ich bin auch einem coolen Hiphop aus dem Bluetooth-Brüllwürfel bei einer Grillparty mit den Jungs, die wir morgen treffen, auf dem Dach einer alten Fabrik nicht abgeneigt.“ „Dann gebe ich Dir nachher mal die MP3-Datei von dem Lied.“ „Cool.“ Er gab es mir nicht nur als Datei sondern spielte auf seinem Webbook den Hintergrundtrack ab und rappte es mir einmal live vor.


    Montag, 17.09.2018 und Dienstag 18.09.2018

    Morgens stand das Budd-Werk auf der Agenda. Wir fuhren mit SEPTA Regional von Melrose Park nach Wayne Junction, dann waren es noch 15 Minuten zu laufen. Den Gedanken von Marius, die Fahrt außen anzutreten trieb ich ihm aus:
    „Auch wenn der sicher keinen Dienst hat heute, weil wir ihn gleich treffen. Einer aus unserer Gruppe ist Fahrer bei SEPTA Regional. Unser Ehrenkodex ist, bei uns surft keiner einen Zug von denen.“

    Nach einem kleinen Fußmarsch kamen wir bei der Gruppe an, wir waren fast vollständig. Und einer war trotzdem zu viel da. Caleb alias Desmond hatte einen Jungen dabei.
    „Wer ist das denn?“ „Noch ist das Connor, gleich wird er zu Aguilar.“ Ich flüsterte Caleb ins Ohr: „Wie alt zur Hölle ist der?“ „Wird in ein paar Wochen 14. Ich mache ihm den Babysitter, heute sind seine Eltern nicht da. Der ist aus unserer Hallengruppe.“ „Bist Du bescheuert, ihn mitzunehmen, wenn Du offiziell für ihn verantwortlich bist?“ Ich fragte mich, ob mich das vor meinem Wochenende mit dem „zukünftigen Philosophen“ nennenswert gestört hätte.
    Aber mir fehlte scheinbar wichtiges Hintergrundwissen.
    „Wenn ich nur so viel wüsste wie Du, würde ich Dir zustimmen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, das kam anders rum. Mir ist lieber, ich verhindere Blödsinn, während wir zusammen klettern als dass er von der Feuerwehr geborgen werden muss oder abstürzt. Am Boden bleiben wird er so oder so nicht.“ „Trotzdem.“ „Seine Eltern wissen schon davon, seit er mit 12 Jahren mal von der Polizei abgeliefert wurde, weil er auf einem alten Wasserturm rumgeklettert ist. Dann haben sie ihn beim Hallentraining angemeldet, damit er sich unter Aufsicht beim Parkour austoben kann und nicht mehr Streetclimb macht, mit eher mäßigem Erfolg. Und vor 2 Wochen haben sie mich darum gebeten, beim Exploren ein Auge auf ihn zu haben, nachdem Connor meinen dezent bedruckten Oberkörper auf Youtube wiedererkannt hat.“ Das war nett gesagt, bei Caleb waren zumindest die Arme knapp zur Hälfte schwarz, auf Brust und Rücken ließ es dann nach, aber auch da war nicht mehr alles in originaler Hautfarbe. „Und ich glaube, im Bartram Village Project sind die mit einem Streetclimber als Sohn ganz gut bedient und das wissen die auch!“
    Na die Ecke kannte ich noch gut genug, auch wenn unsere Jungs-WG damals noch über eine Meile entfernt im Mount Moriah Quartier in Elmwood war. Das Bartram Village Project im gleichnamigen Quartier Bartram Village des Nachbarstadtteils Kingsessing war eine Ansammlung stark renovierungsbedürftiger Backsteinwohnblocks und eine Gegend, wo man besser nicht versehentlich rein abbog. Eigentlich galt das für weite Teile des Stadtbezirks Southwest Philadelphia, aber da besonders.
    „Ach Du…“ „Ja. Ach Du! Andere in seinem Alter und mit dieser Postleitzahl beschäftigen sich mit Messerstechereien, Einbrüchen und Taschendiebstahl oder machen erste Erfahrungen mit Drogen, die im Gegensatz zu Adrenalin nicht vom Körper selbst produziert werden!

    Wir schlichen uns auf das alte Gelände der Waggonfabrik und verbrachten den Tag auf dem weitläufigen Areal. Am Nachmittag verließen wir es wieder, gingen in einen Fastfood-Tempel zum Essen und machten uns dann auf den Weg ins Beury Building. Heute wollte ich mit in das berühmte Apartment, das auf dem Büroblock saß. David und Jamie gingen auch wieder hoch, dazu natürlich noch Marius. Caleb und Hayden blieben unten, Connor hatte das auch zu tun:
    „Nein, zu junger Mann. Da hoch lasse ich Dich erst, wenn Du 18 bist und ich Dir nichts mehr zu sagen habe!“ „Bis dahin ist der Klotz renoviert!“ „Dann ist das die Rache der späten Geburt. Aber lass Dir gesagt sein, dass Hayden auch noch nie oben war und ich auch nicht. Und wir sind beide über 18 und werden wohl auch nie da hoch kommen.“
    Nachdem die Sonne untergegangen war, durfte Connor als kleiner Trost zumindest ein Stück höher kommen und uns den Dachträger beleuchten, auf den wir springen mussten, um heile wieder runter zu kommen. So hatte er eine wichtige Aufgabe, die aber harmlos auszuführen war. Danach war dieser Tag beendet. Vorm Einschlafen wurde Marius Besuch noch zum Two-Night-Stand :whistling: und am Dienstag brachte ich ihn in aller Frühe zum Norfolk & Southern Depot, wo er sich mit Hayden traf und die beiden dann einen Güterzug nach Süden nehmen wollten.
    „Brandon. Danke für die wunderbare Woche. Ich bin nicht halb so viel geklettert wie ich wollte. Und doch höher hinaus gekommen, als wenn ich es getan hätte. Du hast mir mich selbst gezeigt.“ „Und mich selbst dabei neu erfunden. Ich muss Dir danken.“ „Wenn Du mal wieder nach Europa kommen solltest, sag rechtzeitig bescheid. Ich würde mich jederzeit freuen, Dich wiederzutreffen.“ „Ich mich auch. Pass auf Dich auf.“ Die beiden verschwanden im Gebüsch, um auf den Zug zu warten, den sich Hayden ausgesucht hatte.

    Ich fuhr zur Firma und nutzte die Gelegenheit, erst später gemeldet zu sein, um mal wegen meinem Rennwagen in der Werkstatt die Straße rauf nachzuschauen. Ich war kein Rennmechaniker und nach zwei Rundkursrennen und einem Bergrennen sollte mal jemand drüber schauen. Dort zuckte man zwar mit den Schultern, verwies mich aber auf einen der Abschleppdienste, die rundherum waren.
    Dort am Schreibtisch saß ein junger Mann, der den Eindruck machte, aus den Streitkräften ausgeschieden zu sein. Das war nichts Besonderes, die waren der größte Ausbildungsbetrieb im Lande. Viele junge Leute verpflichteten sich auf 5 Jahre, nahmen die militärische Grundausbildung mit, machten eine Fachausbildung, leisteten die restliche Dienstzeit ab und schieden dann aus in die freie Wirtschaft, wo man sie auch gerne einstellte.
    „Ich bin Isaac, hallo. Wie kann ich helfen?“ „Brandon, hallo. Ich suche einen Rennmechaniker und wurde hier in geschickt.“ „Ja, passt schon, wenn es was Seriennahes ist.“ „Nissan 200 SX mit Ibishu-Umbau.“ „Kein Problem. Wo ist das gute Stück?“ „Noch um die Ecke in meiner Halle. Ich wollte erst mal gucken, bevor ich mit dem Anhänger durch die Gegend fahre.“ „Okay, dann bring ihn mal rüber.“
    „Kann aber dauern, bis ich ihn wieder abholen kann. Als Trucker bin ich meistens nur alle 2 bis 3 Wochen zu Hause und habe in den letzten Wochen die Geduld meiner Dispatcher sowieso strapaziert.“ „Ach, Du bist das mit der Spedition in der Wellblechhalle?“ „Ja. Jeder fängt mal klein an.“Wenn Du mal jemanden für Deinen Truck brauchst, kannst Du auch kommen. Was fährst Du?“ „Peterbilt 579.“ „Also was modernes. Aber kein Problem.“ „Ja, warum?“ „Weil ich meistens an älteren geschraubt habe. Freightliner FLD zerlege ich bei Notbeleuchtung. Aber ich kenne auch neuere Truck-Technik.“
    Das mit dem FLD sprach neben der windschnittigen „Seiten kahl, oben wird nichts länger als 0.75 Inch“ Frisur auch für die Army. Die meisten Leute kannten die immer noch zahlreichen, rustikalen Offroad-Trucks, deren Karosserie trotz ein paar Facelifts erkennbar auf dem von REO und Kaiser Motors entwickelten M35 aus 1944 basierten. Insbesondere war die Logistikabteilung der Army im normalen Straßenverkehr aber mit inzwischen auch schon langsam in die Jahre gekommenen Freightliner FLD unterwegs.
    „Und einen REO M35 ganz ohne Licht?“ „Ja. Mit der Ratsche im Rhythmus des MG-Feuers. Habe ich im Irak gemacht, aber mein Baustellenradio auf dem Luftfilterkasten ist mir für die Nerven lieber. Die, die noch rumfahren sind aber von Volvo Trucks, offizieller Hersteller war deren nur noch für den Vertrag mit der Army am Leben gehaltene Tochtergesellschaft Autocar, wenn Du mal bei einer Runde Trivial Pursuit glänzen willst.“
    „Ist das Dein Betrieb?“ „Nein, so gut ist das Entlassungsgeld dann auch nicht. Gehört dem Vater von meinem Sandkastenkumpel. Die beiden fahren heute die Abschleppwagen, ich mache Zentrale und der Bruder von meinem Kumpel ist in der Werkstatt, repariert was noch geht und schlachtet den Rest aus. Wir wechseln uns mit den Jobs ab.“ „Aha.“ „Und mein Kumpel fährt Stock Car im Regional Eastern Chapter, daher Rennwagen.“
    Stock Cars waren hier nicht zur Zerstörung vorgesehene Altautos wie in Europa sondern die Straßenrenner für Ovalstrecken, deren höchste Klasse man international unter dem Namen des veranstaltenden Motorsportverbandes als NASCAR kannte. Ich holte also meinen Rennwagen mit dem Silverado rüber.


    September 2018

    Für den Rest des Monats ging es wieder meine hauptsächlichen Jagdreviere entlang. Also Ostküste zwischen New Brunswick und Florida auf der I-95 und ihren Nebenästen, mit ständigem Inlandsverkehr bis Tennessee, Illinois und Ontario, das auch auf den Nord-Süd-Achsen I-77, I-75 und I-66. Dazu kamen immer öfter auch Vorstöße entlang der Ost-West-Strecken I-70 und I-44 bis Colorado, Oklahoma und Texas.

    Isaac lieferte mir meinen Nissan beim ersten Heimataufenthalt wieder ab. Es war nichts dran gewesen, aber ich vertraute dem Ding mein Leben in Extremsituationen an. Offensichtliche mechanische Dinge konnte ich erkennen, aber wenn mir hier mal das Getriebe blockieren sollte wie damals beim Mack und es ging in die eine Richtung gegen den Fels und in die andere über 100 Yards nach unten, war das tödlich. Er brachte sogar den Renner mit einem der International CV Abschlepper rüber, die Rechnung im Briefumschlag gleich mit.
    Zu der gab er mir allerdings einen verschwörerischen Kommentar:
    „Ich mache das gerne drüben und lasse den Chef abrechnen. Aber wir stehen uns vermutlich beide finanziell besser, wenn Du mich das hier machen lässt. Wobei die Werkstatteinrichtung ja leider genauso rustikal ist wie die Halle.“ „Wenn Du das mit Deinem Kumpel und seiner Familie klar kriegst. Unsere Grundstücke sind jetzt nicht so weit voneinander entfernt.“ „Ja, ich arbeite da auch auf Stundenbasis, aber halt regelmäßig. Die wissen, dass ich nebenbei andere Jobs mache. Um ihn könnte ich mich natürlich auch kümmern.“ Er zeigte auf den Peterbilt.
    „Na ja, der hat erst die halbe Garantie rum. Auch wenn es immer interessant ist zu sparen. Nach der Garantie gerne.“ „Wo bist Du? G.L. Sayre in Conshohocken?” „Ja.” Na das ist kein Problem. Dann mache ich es das Jahr noch drüben und Du kriegst doch eine Rechnung für den Hersteller.“ „Von einem Abschleppunternehmen?“ „Nein, der Chef hat zwei Unternehmerlizenzen. Die als Abschleppunternehmen braucht er, damit er Aufträge von den Behörden für Unfallräumungen und Falschparker bekommt und schrottreife Autos kommerziell ausschlachten und die Teile weiterverkaufen darf. Die andere als Werkstatt ist genau dazu da, dass wir neuere Fahrzeuge reparieren können, ohne die Neuwagengarantie oder Mobilitätsgarantie zu versieben. Wir sind bei schweren Trucks für Inspektionen und Instandsetzungen von Paccar, Freightliner und Navistar mit Herstellerfreigabe zugelassen und die Zulassung ist sogar an mich gebunden, weil nur ich die Herstellerseminare dafür bekommen habe. Die anderen können keine Trucks, wenn es über ein paar dickere GMC, Ford und Ram Pickups raus geht.“

    Marius war mit Hayden nach Florida gefahren, sie hatten dort einige Touren mit Shane unternommen, mit dem auch ich im April dort unterwegs war. Danach hatte Hayden, der länger bleiben wollte, ihn einem Trainsurfer-Freund mitgegeben, der bis New York fuhr, er hatte dort noch ein paar Aktionen mit Explorern und Roofclimbern gemacht, war dann mit einem weiteren Trainsurfer nach Boston, wo er nach weiteren Roofclimbs und Explorations den Rückflug nach Vilnius angetreten hatte und stilecht auf der hinteren Kupplung eines Zuges der Litauischen Staatsbahn nach Kaunas zurückgekehrt war.
    Seine Zugfahrten in den USA hatte er auf Befehl von Hayden und den anderen immer nachträglich eingestellt. Die Transport Police wäre dankbar gewesen, wenn jemand live sendet, von welchem Zug er verhaftet werden will und flüchten ist hier auch nicht einfach, da die Züge oft über Stunden fahren und dann gezielt auf einem abgesperrten Rangierbahnhof rausgenommen werden können.
    Aber wenn man sich anschaute, was für Menschenansammlungen da teils am Rande der Güterbahnhöfe herumstanden und mit dem Frachtfahrplan und einem Funkempfänger bewaffnet auf einen bestimmten Zug warteten, dann könnte man fast meinen, dass CSX und Norfolk & Southern entlang der Ostküste mehr Fahrgäste beförderten als Amtrak.
    Eine interessante Anspielung an unsere gemeinsame Woche fand ich, dass er als Hintergrundmusik auf dem Weg von Florida nach New York Billy Joels "Leningrad" nahm, während der Zug durch Philadelphia rollte.

    Eine weitere Sache, die ich in Angriff nahm, war das Gebäude. Die Halle war ja nun mal tendenziell baufällig. Und ob sie noch mal so einen Winter wie letztes Jahr mit entsprechenden Stürmen und Schneelasten aushalten würde, war doch sehr fraglich. Also ließ ich mir ein Angebot erstellen, um damit mal die Finanzierung abzuklopfen.
    Die Bank war nicht abgeneigt, zumal ich selbst schon daran gedacht hatte, dass ja die Kaltmiete für die Wohnung zur Tilgung frei wurde. Außerdem riet man mir dazu, bei der Stadt Fördergelder zu beantragen. Denn Roxborough war einer der neuen In-Stadtteile. Am liebsten waren der Stadt hier Abriss und schicke Wohnblocks oder der Umbau der alten Textilindustrie zu Lofts. Aber wenn man denn sich als Gewebetreibender dort ansiedeln wollte oder seine Bestandsimmobilie modernisieren, dann zahlte die Stadt da gut für, um auch das verbleibende Gewerbe den Stadtteil optisch aufwerten zu lassen.
    Die Bauweise, die mir der Architekt vorschlug war auch noch kostengünstig. Ein tragender Rahmen aus Stahlbeton bildete die Halle, die Lücken wurden dann mit Sandwichplatten aus Dämmschicht und Sperrschicht gefüllt und von außen mit Ziegelsteinnachbildungen verkleidet. Es waren schon echte Ziegelsteine, aber eben nur einen halben Inch dick und immer einige sqft. auf einem Netz, um sie einfacher aufzukleben.
    Die Halle hatte drei Stellflächen für komplette Lastzüge, wobei auf eine davon der Silverado, der Camper, der Anhänger mit dem Nissan und das Motorrad kamen, womit da auch nicht mehr so viel Platz blieb.
    Das Nebengebäude enthielt im Erdgeschoss Heizung, Wasseraufbereitung, Archiv, ein Büro und Sozialräume, sollte ich mal Personal beschäftigen. Das Obergeschoss wurde dann meine neue Wohnung mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Gästezimmer, Küche, Bad, einem weiteren Büroraum und einer Abstellkammer.
    Wenn ich Glück hatte, könnte ich meine Mutter Thanksgiving schon in den neuen Räumen empfangen. Es waren ja noch 7 Wochen bis dahin.

    Und wie es immer kam, wenn man Geld ausgeben wollte, dann musste sich irgendwas mit unvorhergesehenen Ausgaben dazwischen drängeln. In diesem Fall war es mein Truck, der mit abgefahrenen Reifen und Bremsbelägen nach Werkstatt rief, sobald ich Genehmigung und Bau der Halle in Auftrag gegeben hatte. Also beschloss ich, mal Jake’s Auto Service in Anspruch zu nehmen. Sie hatten natürlich keinen Ersatz-Truck, aber konnten mir einen zu Sonderkonditionen über eine Autovermietung vermitteln, was mich auch nicht teurer kam als der Ersatztruck von G.L. Sayre es wäre. In der Folge war ich dann also eine Tour mit einem Volvo VNL unterwegs, es ging nach Rouyn-Noranda (QC) und zurück an drei Tagen.






    Das Fazit des legitimen Nachfolgers einer ganzen Armee von untergegangenen Namen aus der großen Zeit der Markenvielfalt bei Trucks sagte mir nicht zu. Diese Namen umfassten White Road Boss, Chevrolet Bison, GMC General und Diamond-REO Raider. Sie alle wurden von Unternehmen gebaut, die über Autocar und White in Volvo aufgegangen waren oder wie Chevrolet und GMC zumindest ihre schweren LKW ausgegliedert und an die White-Gruppe verkauft hatten.
    Okay, er war groß, sogar riesig. Aber die Kabine war mir zu europäisch, zumal der Arbeitsplatz komplett von älteren europäischen Modellen stammte. Dazu kamen die ästhetisch anstrengenden Lampen, klobige Spiegel und wirklich leise war er auch nicht. Nun musste man fairerweise sagen, dass es nicht das neue Modell war. Aber auch das war schon optisch nicht meins.
    Sogar der im Serienzustand ebenfalls nicht wirklich gelungene International Lonestar gefiel mir da besser. Und aus dem konnte man mit Zubehörteilen wenigstens was Ordentliches machen, während bei jeglicher Generation von Volvo VNL, NH oder dem richtig grausamen und zum Glück nicht sonderlich erfolgreichen Vorgänger WIA alle Versuche, dort alle im Internet kreisenden Bilder, was mit Anbauteilen zu retten, kläglich gescheitert waren.
    Der WIA war so ein typischer Konsolidierungs-Bastard. Volvo hatte beim Einstieg in den Markt keinen fertigen Truck für Amerika, also hatte man an den White Road Boss eine schräge Motorhaube und die Scheinwerfer und Blinker von der Volvo 740-Limousine dran operiert, das Gesamtkunstwerk aber erst mal als White WIA angeboten. Irgendwann wurden dann vom Emblem am Kühler Volvos draus und der letzte Schritt war dann der zur Kabine des europäischen FH, der NH war geboren. Und der sah schon genauso schrecklich europäisch aus wie der VNL. Ich wusste nicht, was Peterbilt anders machte, aber obwohl es auch ein Streamliner war, sah mein 579 amerikanisch aus.

    In den kommenden Wochen fuhr ich wieder meine üblichen Strecken. Der Antrag kam durch und der Bau begann, was mich eine Zeit lang vor das Problem stellte, Fahrzeuge draußen stehen lassen zu müssen. Den Camper konnte ich mit dem Pickup in die hinterletzte Ecke des unbefestigten Geländes bringen. Für den Rennwagen musste Jake’s Auto Service für ein Scheinchen in die Kaffeekasse herhalten.

    Und tatsächlich, bis zum Wochenende vor Thanksgiving war meine Halle fertig. Für den Umzug meiner Möbel organisierte ich mir einen 28‘ Trailer und die tatkräftige Hilfe von Tristan, Caleb und Jamie als Träger. Der Trailer kam mich in der Miete billiger als ein Box Van, was vor allem daran lag, dass am Wochenende viele Privatpersonen einen Van wollten, aber viele Speditionen wollten keinen Trailer.

    Weil ich nun mehr Platz hatte, musste ich ein paar Möbel zukaufen. So hatte ich bisher nur einen Sessel und das auch als Doppelbett brauchbare Schlafsofa gehabt. Der Sessel sollte nun ins Arbeitszimmer in der Wohnung und das Sofa ins Gästezimmer. Also brauchte ich eine neue Polstergarnitur und außerdem ein paar Schränke und einen Schreibtisch fürs Firmenbüro. Außerdem brauchte ich natürlich ein Bett und noch ein paar Schränke für die Wohnung.
    Im Möbelhaus schauten sie etwas blöd, als ich die Sachen schon nach „auf Lager“ ausgesucht hatte und auf die Frage, ob es denn recht wäre, wenn sie Dienstag anlieferten, lässig sagte: „Nein, zum sofort Mitnehmen an der Truck Bay bitte!“ Tristan, der bei mir mitgefahren war und deshalb mit ins Möbelhaus musste, kriegte sich nicht mehr ein.
    Nachdem alles drauf war, ging es mit alten und neuen Möbeln im Pup-Trailer zur Halle. Hier schleppten wir Möbel und Kisten rein. Die Woche wollte ich nicht viel arbeiten. Langsam wurde das eine unangenehme Angewohnheit von mir.




    Am Montag und frühen Dienstag fuhr ich einmal New York, Rochester, Albany, Philadelphia. Am Dienstagnachmittag landete Randy.
    „Ich weiß nicht, ob ich es Dir sagen soll, aber rate mal, wer eben mein Steward war.“ „Javier. Ist mir egal, über den bin ich drüber.“ „Er aber scheinbar nicht so ganz über Dich. Als er mich wiedererkannt hat, wurde er jedenfalls sehr kleinlaut. Zumindest mal sein schlechtes Gewissen scheint Dich noch zu kennen.“
    Wir fuhren zur Halle und ich führte ihn in die Wohnung. Abends dann nutzten wir den direkt vor der Tür gelegenen Bahnhof Ivy Ridge, um mit dem Zug nach Downtown zu fahren und wie jedes Jahr, in dem wir uns am Geburtstag hier trafen, traditionell in einer Bar zu feiern.

    Mittwoch blieben wir etwas länger im Bett, bis unsere Köpfe wieder etwas leichter wurden. Am Nachmittag mussten wir schließlich ordentlich aussehen und unsere Mutter am Flughafen abholen. Zum Glück hatte ich mir einen 2+3-Sitzer Pickup gekauft. Allerdings musste sich Randy dann mit ihrem Koffer auf die Notsitzbank hinten quetschen.

    An meinem Gelände angekommen sah sie sich um. Obwohl es nur die Solo-Zugmaschine war, zeigte sich Mum beeindruckt:
    „Ich habe ja immer Respekt davor, was ihr damit leistet. Als ich gehört habe, dass Du damit von hier bis kurz vor San Francisco gefahren bist, noch mehr. Ich fliege stundenlang und bin schon genervt, so lange unterwegs zu sein und nur zu sitzen. Du machst das in 5 Tagen und musst auch noch selbst fahren.“ „Das ist genau der Punkt, warum ich das gerne mache, ich mache es selbst. 5 Tage mit Amtrak oder dem Bus als Fahrgast würde ich das nicht durchstehen. Da ist der Flug schon okay.“
    Sie stieg ein und sah sich um:
    „Das ist ja auch schon eine kleine Wohnung. Ich erinnere mich noch an früher. Meine Cousine, also Eure Tante Eireen hat damals einen Trucker gedatet. Dessen Mack hatte nur so einen Hasenkasten hinter den Sitzen, wo gerade das Bett rein passte.“ Auch die Familie von ihr waren sesshaft gewordene, ehemalige Pavee, insofern war das nicht unbedingt überraschend. Sie hatte quasi nach oben geheiratet, weil Dads Eltern mit der Firma einen guten Grundstein gelegt hatten. Richtig reich waren die zu der Zeit aber auch noch nicht, der ganz große Geldregen setzte erst ein, als unsere Eltern schon verheiratet waren. „So ein Viech habe ich mit der Unternehmerlizenz und der alten Halle, die hier bis vor ein paar Wochen stand gekauft und bin ein paar Monate damit gefahren. Schon eng da drin. In Europa fahren sie aber bis heute nur solche Dinger, wo nur Sitze und ein Bett rein passen.“

    „Und das ist also Dein Motorrad. Sieht ja schon heiß aus. Hast Du den Schlüssel dafür?“ „Was hast Du vor?“ „Deine Mutter würde gerne eine Runde über den Hof damit drehen.“ „Der ist oben.“ Randy und ich erkannten seit seiner Abschlussfeier unsere Mutter nicht wieder. Ich machte zwei Tore auf und gab ihr den Schlüssel für die Maschine. „Ist das lange her, aber manches verlernt man nicht.“ Sie startete den Motor. „Läuft die immer so unrund?“ „Einzylinder, das gehört so. Mit Deinem Vierender kann die Maschine nicht mithalten von der Laufruhe. Dafür hat sie Kraft von unten.“ In Straßensachen und ohne Helm fuhr sie natürlich nur langsam zweimal über den Hof. „Irgendwie fühle ich mich jetzt 25 Jahre jünger.“ Den Rennwagen sah sie sich nur kurz an, den Camper wieder etwas genauer. Schließlich gingen wir rauf, wo sie auch die Wohnung bewunderte.

    Zum heutigen Abendessen hatten wir beschlossen, ihr mal zu zeigen, dass wir beide ohne Haushälterin selbst für uns sorgen konnten und hatten ihr was gekocht. Es war einerseits recht einfache Küche, aber dennoch überzeugend, einfach durch die Aromen der exotischen Gewürze. Es gab ein Putencurry mit Reis. Sie war dann auch begeistert, dass ihre Söhne so was konnten. Andererseits hatte sie sich und die junge Familie ja auch noch selbst versorgen müssen und nicht immer Personal für alles.
    Nach dem Abendessen rief sie ein Taxi.
    „Randolph, in welchem Hotel bist Du?“ „In diesem. Bei Brandon auf dem Sofa zu schlafen gehört zu unserem Thanksgiving-Ritual.“

    Am nächsten Tag, dem eigentlichen Thanksgiving, machten wir Sightseeing. Abends dann kümmerte sich Mum um das Essen, was bedeutete, dass sie uns in ein gutes italienisches Restaurant ausführte. Normalerweise waren die Inhaber wohl ihre Kunden, wie man unschwer merkte. Und das bedeutete, es dauerte lange, denn es gab die klassische, italienische Menüfolge. Leider hatten Randy und ich von der Abfolge wenig, da sie nur italienisch gedruckt war. Mum konnte dafür so gut italienisch wie Randy und ich Deutsch, also fließend.

    Campari, Prosecco o Martini
    Antipasti piemontesi o insalata caprese
    Risotto con i saltaréi o pasta trifolata
    Saltimbocca alla romana o gallinella di mare al forno
    Formaggi e frutta
    Zabaione o panna cotta
    Espresso
    Grappa, Limoncello o Sambuca


    Neben der Frage, was wir da alles essen sollten, stellte sich aber nicht die Frage, wer das alles essen sollte. Okay, Anfang und Ende waren flüssig, so viel war klar. Aber wir wussten natürlich, dass die französischen und italienischen Menüs aus vielen, dafür kleinen Gängen bestanden.
    Ich stieg mit einem Martini ein. Die gemischte Vorspeise bekam den Vorzug vor der Caprese. Als ersten Hauptgang nahm ich nach Mums Übersetzung die getrüffelten Nudeln, weil das Risotto mit Scampi war und Fisch und Meeresfrüchte nicht unbedingt meins waren. Damit stand als Hauptgang auch Saltimbocca fest, denn Gallinella war auch ein Fisch. Die Obst- und Käseplatte war alternativlos und beim Dessert nahm ich Panna Cotta. Danach kam ein Espresso, auch nicht meins, aber der Anstand trieb das kochende Motoröl rein. Und zum Abschluss gönnte ich mir Sambuca, was vor allem ein Spektakel war, da der bekanntlich beim Servieren angezündet wurde.
    Nach dem Essen nahm unsere Mutter ein Taxi zum Hotel und wir eins zu mir, was leider ein paar Dollar kostete, weil Roxborough vom Zentrum aus gesehen nun mal eine der beiden Arschbacken der Stadt war.

    Am Freitagmittag reiste Mum wieder zurück nach Kalifornien. Randy blieb noch bis Sonntagmittag. Wir wollten am Samstag endlich mal eine besondere Grillparty nachholen, diesmal allerdings an einem anderen Ort, für uns verkehrsgünstig gelegen direkt gegenüber der Alegheny-Station der SEPTA stand ebenfalls eine riesige, alte Fabrik.
    Caleb und Connor waren schon da, auch David und Hayden trafen gerade ein. David gab den Befehl zum Aufbruch ohne länger zu warten. „Jamie kommt nach, der braucht noch knapp eine halbe Stunde. Hat länger geschlafen als er wollte, hat aber auch heute Nacht länger arbeiten müssen als geplant. Dafür bringt er einen Neuen mit.“

    Wir stiegen über einen maroden Bauzaun auf das Gelände ein, dann erkundeten wir die alte Fabrik. Und schließlich waren wir hungrig, also packten David und Caleb auf dem Flachdach wieder Einweggrills aus. Als wir so da saßen, auf dem Bluetooth-Lautsprecher Marius 99 Red Balloons Rap lief, kamen auch Jamie und der neue. Er hatte einen Kapuzenpullover an und wie ich auch ein Motorrad-Halstuch über dem unteren Teil vom Gesicht. Und dennoch hatte ich einen starken Verdacht, wer hinter der Maske steckte.

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Kommentare 14

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel. Bei einem "Rental Truck" in dieser Farbe fehlte dir nur noch ein Penske Skin. :D

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      TurboStar -

      Danke. Das mit Penske stimmt. War halt ein Schnellauftrag mit Default-Truck.

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      Sauerlaender -

      Vor lauter "Rental Truck" habe ich glatt vergessen auf deinen Cliffhanger einzugehen. :D Bin echt gespannt, wie es weitergeht, da ich auch keine Vermutung habe, wer hinter dem Halstuch stecken könnte.

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      TurboStar -

      Immerhin geht mal einer drauf ein - nachdem ich seit Kapiteln vergeblich herumhänge :D Tja, schwierige Sache, ne? Sind nur 35 Kapitel, in denen Du die Person suchen musst :P

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    loddi51 -

    Wieder ein klasse geschriebenes Kapitel.

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    Iceman684 -

    Schönes Kapitel, auch wenn ich zum Thema Volvo anderer Meinung bin. ;) Und soweit ich weiß, gab es den NH nie in Nordamerika. Dort folgte auf den WIA der VN.

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      TurboStar -

      Danke. Dass von Dir was zu Volvo kommt, war mir klar. Aber für mich sind die da drüben echt ganz unten und keiner passt drunter - nicht mal der Frachtstricher. Das mit dem NH kann sein, vielleicht waren es Mexikaner, die ich da gesehen habe. Oder ich habe die ähnlichen NH und Ur-VN verwechselt. Waren ja beides FH-Kabinen mit 850er-Lampen in der Haube. Die Unterschiede lagen vor allem in Rahmen, Antriebsstrang und Sleeper.

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      Iceman684 -

      Eher Brasilianer. ;) Lass das nicht Gina und David hören und schon gar nicht Julie.

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      TurboStar -

      Da wurde er gebaut, aber auch fleißig exportiert. In Mexiko gab es wohl beide, je nach Geldbeutel oder Ambitionen im Auslandsverkehr. Ich war aber wirklich enttäuscht von dem Truck, was Übersichtlichkeit (Spiegel zu weit außen und passt ein ganzes Footballteam hinter) und Geräuschpegel angeht. Und über Optik sollte man nicht streiten.