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58. Feuerwerk, Halloween und ein Rocky Mountain Double

  • Montag, den 29. Oktober 2018, 6:00 a.m., Pacific Daylight Time, Redding, CA:

    Auch wenn ich erst um acht Uhr wieder anfangen würde, stand ich bereits um sechs Uhr auf. Ich erledigte aber zuerst meine übliche Morgenroutine mit Kaffeekochen, Toilette und Dusche im Truckstop und dort auch den ersten Kaffee. Zurück im Truck machte ich mir dann in Ruhe Frühstück fertig.
    Während ich das zu mir nahm, telefonierte ich nebenher mit Keela. Sie hatte um viertel vor Sechs die Übergabe mit Jessy erledigt und saß im Augenblick ebenso beim Frühstück. Sie wollte dann nach dem Frühstück etwas einkaufen und sich erst am Nachmittag vor der Nachtschicht noch mal hinlegen. Ich versprach ihr dann, mich zu melden, wenn ich wusste, was mein Schwesterchen mit mir vorhatte. Gegen zehn vor Acht legten wir dann auf und ich räumte noch schnell meine Zugmaschine wieder auf.
    Um acht Uhr begann ich dann mit der PTI. Im Anschluss hatte ich auch meinen Auftrag im System:

    PICKUP: COW-CARDD
    GATE: -----
    TRAILER: RE53COW
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 23,987 LB
    DROP: EST-CASAC
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: ADR 1.4 / TRAILER IS PROVIDES BY COSTCO

    WAT-CASAC-JMU.

    Manchmal fragte ich mich, ob ich der einzige war, der bei Walmart Sacramento Feuerwerk fahren durfte. So häufig, wie ich diese Ladungen bekam. Den Reefer würde man vermutlich für die Rückladung wieder zu Costco brauchen.
    Ich startete die Maschine und fuhr die paar Yards zu Costco Wholesale rüber, der ja ebenfalls an der S Market Street war, wie der Truckstop. So hatte ich gerade eine halbe Meile zurückgelegt, als ich an meiner Ladestelle war.

    Ich ging zur Anmeldung und forderte meine Ladung ab. Mein Reefer stand dann an Rampe 1. Heute bekam ich auch wieder einen Trailer mit der Werbung des Handelskonzerns. Der XPO Trailer, letzte Woche war wohl leider eine Ausnahme. Ich hatte nichts gegen Costco Wholesale. Wir arbeiteten ja recht viel mit dem anderen Handelsunternehmen zusammen. Trotzdem vermutete ich immer wieder, dass es sinnlose Spekulationen bei Leuten gab, die einen Truck mit Walmart Werbung vor einem Trailer mit Costco Werbung sahen.
    Ich ging zurück zum Truck und fuhr auf den Hof. Dort sattelte ich den Reefer auf. Dann zeigte ich dem Lagermeister noch meine Endorsements und meine Gefahrgutausrüstung. Das wurde immer mal wieder stichprobenartig geprüft, dass die Abholer von Gefahrgut das auch wirklich fahren durften.
    Als ich dann auch den Auflieger kontrolliert hatte, schrieb ich noch schnell eine WhatsApp an Keela: „Ich darf erstmal von Redding nach Sacramento fahren. Bis gleich. M.“ Dann startete ich den Truck wieder und macht mich auf den Weg nach Hause.

    Ich fuhr wieder auf die S Market Street, die gleichzeitig die CA-273 S war. Über die fuhr ich nun in Richtung Anderson. Es ging durch die südlichen Vororte von Redding. Als ich das Ortsschild passiert hatte, piepte mein Handy. Keela hatte mir geantwortet: „Dann komm doch heute Mittag zum Essen nach Hause. Ich werde irgendwas kochen. Bis gleich. K.“ Das hatte ich dann sowieso vorgehabt.
    Seit meiner Abfahrt bei Costco hatte ich dann 12 Meilen hinter mich gebracht, als ich dann durch Anderson durch war und die I-5 S erreichte, auf die es nun in Richtung Sacramento ging. Nun hatte ich noch knapp 145 Meilen bis zum Außenlager vor mir. Ich beschleunigte und schaltete bei 56 den Tempomat ein. Dann ließ ich mich gemütlich im großen Gang rollen. Das funktionierte heut Vormittag auch ganz gut. An einer Stelle war die rechte Spur zwar gesperrt, weil es ein Kollege irgendwie geschafft hatte, seinen Reefer wie mit einem Dosenöffner, an der Seite aufzureißen und dann seinen guten kalifornischen Wein auf der Interstate zu verteilen. Schade um den Wein.


    Bei Dunnigan begann dann aber mein Transponder zu piepen und ich durfte mal wieder die Weigh Station ansteuern. Es stand zumindest im Moment kein Fahrzeug der CHP vor dem Gebäude. Vermutlich waren nur Beamte der DOT vor Ort. Die Waage pendelte sich auf 62,239 Pfund ein und ich wollte gerade wieder losfahren, als aus dem Lautsprecher die Stimme kam: „Bitte mit sämtlichen Papiern im Office melden.“
    Im Moment schien man mich auf dem Kieker zu haben. Ich hatte den Eindruck, dass ich jetzt in den letzten vier Wochen genauso häufig kontrolliert worden war, wie das ganze Jahr davor. Ich fuhr also wieder auf den Kontrollparkplatz und nahm meine Papiere mit. Dann machte ich mich mal wieder auf den Weg zum Office.
    Dort angekommen hatte ich wirklich nur zwei DOT Leute vor mir. „Guten Tag zusammen. Was kann ich denn für Sie tun?“ Der Beamte stellte sich und seinen Kollegen vor, dann kam die Anweisung: „Zeigen Sie mir mal bitte die Ladepapiere.“ Ich gab ihm die Papiere. „Das sind Feuerwerkskörper, Don.“ Sagte er zu seinem Kollegen. „Gut dann kommt das mit dem Gewicht hin. Wieso vorne Walmart und hinten Costco Wholesale?“ „Ist ein Transport von Costco Wholesale, Redding nach Walmart Sacramento.“ „Ah, okay. Dann macht das Sinn.“ „Dann hätte ich gerne noch die CDL und die Endorsements für Gefahrgut.“ Ich legte die Dokumente vor. „Alles Notwendige ist vorhanden.“ „Gut. Dann schau dir bitte noch draußen die Ladungssicherung und die Gefahrgutausrüstung an. Wenn da auch alles okay ist, kann er weiterfahren.“ „Okay, Don.“ Wir gingen nach draußen. „Ihr Kollege ist wohl sehr misstrauisch.“ Sagte ich draußen zu dem Beamten. „Eigentlich nicht. Die Kombination sah nur so merkwürdig aus. Truck und Trailer unterschiedliche Werbung, dann noch ein Reefer mit Gefahrgut Labels. Das wollten wir uns mal näher anschauen.“ „Verstehe.“ Der Beamte schaute sich noch an, wie die Ladung nach hinten abgesichert war, dann begutachtete er meine Gefahrgutausrüstung. Anschließend konnte ich weiterfahren. Trotzdem hatte ich dadurch mal wieder eine halbe Stunde verloren.

    Ich fuhr dann weiter auf der I-5 S, bis ich an der Ausfahrt 524 von der Interstate abbog. Über den Arena Blvd fuhr ich dann zur Truxel Road, an der das Außenlager war. „Anschlussfracht wird angefordert.“ Meldete ORBCOMM. Als ich dann auf das Gelände des Außenlagers fuhr, hörte ich: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Also schaute ich als erstes, wie es weitergehen sollte:

    PICKUP: EST-CASAC
    GATE: 08
    TRAILER: DV53774
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 24,002 LB
    DROP: COW-KSPRT
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: ADR 1.4

    WAT-CASAC-JMU.

    Wieder eine Sache, die man nicht unbedingt verstehen musste. Ich kam hier mit Feuerwerk von Costco, Redding an und übernahm dann hier wieder Feuerwerk für Costco. Das ging dann allerdings nach Pratt, Kansas. Vermutlich waren es wieder andere Feuerwerkskörper, als die, die ich gerade gebracht hatte. Dann kamen mir wieder die Worte von Joe Henderson in den Sinn: „Denk da nicht zu viel drüber nach. Wenn du das machen willst, solltest du Dispatcher bei Walmart werden. Als Unternehmer lebst du davon, die Sachen von A nach B zu fahren. Also mach das. Und wenn du sie zehnmal hin und her fährst. Du wirst ja jedes Mal dafür bezahlt.“ Recht hatte er. Also nicht wundern, sondern einfach machen.

    Ich stieg aus und meldete mich im Bürocontainer an. Den Costco Trailer durfte ich dann auf der Rückseite ans erste Tor stellen. Anschließend sollte ich dann an Tor 8 den Trailer mitnehmen. Nachdem der Papierkrieg erledigt war, fuhr ich nach hinten und sattelte ab. Danach nahm ich dann den Dry Van auf. Nach der Abfahrtskontrolle konnte ich dann wieder los.
    Über die CA-99 S fuhr ich dann nach Hause. Nach einer Viertelstunde erreichte ich den Franklin Boulevard, an dem unsere Firma und Wohnung war.
    Heute hatte ich eine Premiere vor der Nase. Ich war bisher noch nie mit einem 53 Fuß Trailer im Schlepp auf meinem Gelände gewesen. Wenn ich am Zentrallager aufgesattelt hätte, hätte ich den Lastzug da stehengelassen und wäre eben zu Fuß rüber gegangen. Nun kam ich aber extra vom Außenlager runter.
    Ich fuhr mit dem Lastzug vorwärts durch meine Halle. Dabei machte ich gleich einen Test. Komplett mit 53 Fuß Trailer war der Lastzug für meine Halle zu lang. Also brauchte ich gar nicht daran denken, einen kompletten Zug in der Halle zu parken. Es sei denn, ich hatte einen kürzeren Trailer dran. Mit einem 48 Fuß Trailer würde es wohl auch nicht passen, mit einem 45 Fuß Trailer so gerade eben. Nun kam die nächste Herausforderung. Ich zog hinten wieder aus der Halle und bog im letzten Moment vor der Mauer ab. Der Trailer kam jetzt hinten gerade so rum, ohne am Torpfosten hängen zu bleiben. Durch die bei der leichten Ladung ganz vorne stehenden Trailer Achsen schwenkte das Heck aber auch weit aus. Trotzdem passte es. Die nächste Ecke ging dann wieder besser. Ich würde also auch noch rumkommen, wenn die Achsen etwas weiter hinten stehen würden. Den Lastzug stellte ich dann neben dem Wohngebäude ab. Dann stellte ich alles auf Pause und stieg aus.

    Als ich abgeschlossen hatte, ging ich nach oben. Bereits im Treppenhaus roch es gut nach dem Essen, was Keela bereitet hatte. In der Küche begrüßte ich meine Süße dann mit einem Kuss. Dann schaute ich in den Kochtopf.
    Die Basis war eine Chunky Chili Mac Soup von Campbell’s, die Keela nach eigenen Wünschen verbessert und verfeinert hatte. Dazu hatte sie im Backofen noch ein paar French Baguettes aufgebacken. Wir löffelten dann die Suppe, die an sich schon sehr würzig war. Keela hatte aber auch noch gut mit Tabasco nachgeholfen. So war die Suppe richtig scharf. Da war es schon gut, dass wir auch noch die Baguettes hatten. Keelas Wangen bekamen beim Essen dann auch eine sehr rote Farbe. „Du leuchtest ja richtig.“ Stellte ich dann lachend fest. Sie holte dann eine Flasche 7Up aus dem Kühlschrank und schüttete uns was ein. „Die Suppe ist doch gut geworden.“ Sagte sie grinsend. „Im Hochsommer esse ich die aber nicht.“ Lachte ich. „In Ordnung. Ich habe aber zum Abkühlen auch noch etwas Eiskrem im Kühlschrank.“ Sagte sie. „Na gut.“
    Wir aßen die Suppe auf und anschließend noch das Eis. Dann machten wir es uns nochmal ein paar Minuten auf der Couch gemütlich, wo es dann noch ein paar Zärtlichkeiten als Nachtisch zum Nachtisch gab. Leider war meine Ladung dringend, so dass ich dann um drei Uhr wieder losmusste, um noch ein paar Meilen unter die Räder zu nehmen. Keela hingegen ging dann ins Schlafzimmer rauf, damit sie vor der Nachtschicht noch mal ein wenig schlafen konnte.

    Ich stieg wieder in den Kenworth und machte mich noch mal auf den Weg. Dann kam ich aber erstmal nur bis zu unserer Einfahrt. Der ganze Franklin Boulevard, zumindest der Teil vor unserem Grundstück war ein einziger Stau. Außerdem hatte dann wohl auch keiner Lust, einen 18Wheeler reinzulassen. So stand ich hier dann noch eine geschlagene Viertelstunde, bis mich dann ein anderer Truckdriver rein ließ.
    Als ich dann endlich weiterkonnte, fuhr ich dann zur CA-99 N über die ich dann zur Interstate 80 wollte. Schließlich erreichte ich sie und fuhr auf die I-80 E in Richtung Reno.
    Hinter Rocklin ging es dann langsam in die Berge der Sierra Nevada. Zuerst ging es dann auf den Yuba Pass hoch. Das war aber nur der Vorbote des berühmt, berüchtigten Donner Passes. Noch war hier der Winter nicht eingetroffen. Lange würde es aber nicht mehr dauern, bis es hier weiß und glatt werden könnte. Und da behaupteten die Leute immer, wir aus Kalifornien würden keinen Schnee kennen. Es ging dann am Donner Lake vorbei, dann war Truckee erreicht.

    Nun war es nicht mehr weit, bis ich die Grenze nach Nevada erreicht hatte. Kurz darauf erreichte ich Reno. Als ich durch die größte Kleinstadt der Welt fuhr, verschwand hinter mir schon langsam die Sonne hinter den Bergen der Sierra Nevada.
    An der Weigh Station hinter Reno musste ich dann wieder raus. An diesem Abend gab man sich dann aber damit zufrieden, mein Gewicht zu erfahren. Eine weitere, umfangreiche Kontrolle blieb mir zum Glück erspart.
    Den weiteren Abend ging es dann am Nordrand des Großen Beckens entlang. Mit Tempomat 66 sah ich zu, dass ich noch ein gutes Stück vorankam. Zu einer Zeit, als Keela dann schon wieder aufstehen musste, damit sie Charlie gleich im Büro ablösen konnte, war ich immer noch unterwegs. Trotzdem kündigte sich auch langsam mein Feierabend an.
    An der Ausfahrt 176, Winnemucca Downtown West fuhr ich dann für heute von der Interstate. Die Straße führte dann parallel zur Interstate in die Stadt hinein. Dann kam linkerhand, also zwischen der Straße auf der ich jetzt war und der Interstate, das Flying J Travel Center, Winnemucca.
    Hier war für heute Feierabend angesagt. Mit viel Glück erwischte ich hier am Abend um viertel vor Zehn noch eine Parklücke. Zu Hause brauchte ich jetzt nicht mehr anrufen. Keela war inzwischen im Büro. Duschen wollte ich heute Abend auch nicht mehr. Daher zog ich mich dann recht schnell in meinen Sleeper zurück. Um halb Elf war ich dann schon tief und fest am Schlafen.

    Dienstag, den 30. Oktober 2018, 7:00 a.m., Pacific Daylight Time, Winnemucca, NV:

    Um sieben Uhr am Morgen war dann wieder aufstehen angesagt. Natürlich folgte dann der übliche Ablauf mit Kaffeekochen, Toilette, Dusche und Kaffee im Truckstop. Um acht Uhr konnte ich dann nach Beendigung der PTI wieder losfahren.
    Ich fuhr auf den W Winnemucca Blvd und hielt mich wieder in Richtung Interstate. Dort angekommen, fuhr ich auf die I-80 E in Richtung Elko. Auf meinen sonst üblichen Zwischenstopp in Battle Mountain verzichtete ich, da ich ja gerade erst ein paar Minuten unterwegs war. Allerdings folgte ein Zwischenstopp an der Weigh Station zwischen Elko und Wells. Mein Transponder piepte und leuchtete rot. Nachdem sich die Waage bei 59,793 Pfund eingependelt hatte, durfte ich aber wieder weiterfahren.
    Ohne weitere Hindernisse ging es dann weiter nach Utah. Auch mein sonst üblicher Pausenplatz, die Grassy Mountain Rest Area wurde heute von mir mit Missachtung gestraft. Das Ziel für meinen Zwischenstopp stand für mich heute seit meiner Abfahrt fest.
    Salt Lake City passierte ich am späten Mittag. Da lief es dann auch ganz gut. An den zahlreichen Autobahnkreuzen in diesem Bereich hielt ich mich dann immer weiter auf der I-80 E in Richtung Cheyenne.
    Die Hauptstadt Utahs und der Mormonen ließ ich dann wieder hinter mir und fuhr weiter den Bergen entgegen.

    Es war dann hier auch schon kurz vor halb Vier am Nachmittag, als ich die Ausfahrt 146 und somit mein gewähltes Zwischenziel erreichte. Bell’s Silver Creek war mal wieder erreicht.
    Zuerst wollte ich den Kenny füttern. Der Dieselpreis von $ 3,55 war akzeptabel, daher tankte ich den Kenny erstmal voll. Nachdem die Tanks von Diesel und DEF wieder gefüllt waren, fuhr ich den Kenny auf den Parkplatz und sah zu, dass nicht nur er Nahrung bekam, sondern auch ich.
    Dazu wählte ich mal wieder den Pizza Hut Express. Auch wenn es sich dabei nur um die Stehimbissvariante des Systemgastronoms handelte. Man konnte sich die Pizza ja schließlich mitnehmen und dann gemütlich im Truck verspeisen.

    Anschließend schrieb ich eine WhatsApp an Keela, ob ich sie anrufen konnte. Da ich aber keine Antwort bekam, ging ich davon aus, dass sie sich noch im Land der Träume befand. Kurzentschlossen machte ich noch einen Verdauungsspaziergang.
    Auf dem Parkplatz war noch nicht allzu viel los, also ging ich mal durch die Nachbarschaft des kleinen Truckstops. Viel bot das Örtchen Park City in diesem Bereich aber nicht. Ich sah einen Quilt Shop, ein Fachgeschäft für Farben, eine Autowerkstatt, eine Bäckerei, ein paar kleine Firmen und eine Tanzschule. Hier tobt ja richtig das Leben war dann auch mein erster Gedanke dazu. Um viertel nach Fünf machte ich mich dann auch wieder auf den Weg. Ich wollte wenigstens noch einige Meilen zurücklegen.

    Es ging dann wieder zurück auf die I-80 E in Richtung Cheyenne. Dann dauerte es auch nicht mehr allzu lange, bis ich in Wyoming war. An dem dortigen Port of Entry durfte ich aber netterweise vorbeifahren. Mein Transponder leuchtete grün.
    Nun folgte die Fahrt in den Abend auf der Strecke, die ich schon sehr häufig gefahren war. Neben der I-40 war die I-80 die von mir am häufigsten frequentierte Ost-West-Verbindung. Das lag ja auch nahe, da sie ja direkt durch meine Heimatstadt ging.
    Heute reizte ich dann meine Arbeitszeit auch wieder bis auf das Äußerste aus. So kam ich dann noch bis zum Akal Travel Center. Als ich den Truck auf dem unbefestigten Parkplatz abgestellt hatte, nahm ich erstmal mein Handy zur Hand und rief zu Hause an. Ich telefonierte dann eine ganze Weile mit Keela, bis sie sich aber für ihre Nachtschicht fertigmachen musste. Im Gegensatz zu Keela machte ich mich im Anschluss nur noch bettfertig und legte mich dann auch recht schnell schlafen.

    Mittwoch, den 31. Oktober 2018, 7:00 a.m., Mountain Daylight Time, Akal Travel Center, Laramie, WY:

    Um sieben Uhr am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder. Heute war dann wieder der Tag, an dem viele gruselig verkleidete Kinder bei den Leuten klingelten und Süßes oder Saures verlangten. Es war Halloween. Ich ging mal davon aus, dass Keela dann heute Abend auch ein paar Süßigkeiten für die Kleinen parat hielt.

    Ich stand auf und erledigte die übliche Morgenroutine. Wobei die Sanitäranlagen beim Akal Travel Center von der Sauberkeit nicht unbedingt die Besten waren. So gut die Indische Küche hier war, die Duschen und der Parkplatz waren absolut nicht meine Welt. So musste ich dann eben mit Badelatschen in die Dusche gehen. Der Kaffee danach versöhnte mich dann aber wieder.
    Hier war es zum Glück trocken geblieben, auch wenn weiter östlich ein dichtes Regengebiet sein sollte. Um acht Uhr begann ich mit der PTI und eine Viertelstunde später konnte ich wieder losfahren.

    Ich fuhr von dem staubigen, unbefestigten Parkplatz runter und fuhr zur Interstate. Nun ging es auf die I-80 E in Richtung Laramie. An der Ausfahrt 359A, Southwest Cheyenne, wechselte ich dann mal wieder auf die I-25 S in Richtung Denver. Das hatte ich in letzter Zeit auch schon öfter gehabt. Heute war ich allerdings später dran, als die letzten Male. So konnte ich die Route heute bei Tageslicht fahren. Falls man den grauen Herbsttag mit Tageslicht bezeichnen wollte.
    Kurz darauf verließ ich Wyoming und kam nach Colorado. Richtung Denver ging es nun immer leicht stetig bergauf. Nach gut eineinhalb Stunden erreichte ich dann die Mile High City. An der Ausfahrt 214A wechselte ich dann auf die I-70 E in Richtung Limon. Heute hatte ich zwar Tageslicht, aber es war hier so grau und diesig, dass ich auch nicht mehr von der Skyline von Denver sah, als sonst in der Nacht.

    Ich verließ die Stadt in Richtung Osten und hatte die Rockies somit im Rücken. Nun ging es mit großen Schritten auf Kansas zu.

    Gegen zwanzig vor Zwölf fuhr ich dann an der Ausfahrt 359 von der Interstate ab. Ich wollte nun doch erstmal Mittagspause machen. Hier in Limon gab es einen TA Travel Stop, den ich mir nun für meine Mittagspause ausgesucht hatte. Um viertel vor Zwölf hatte ich den Truck dann geparkt und stieg aus um was Essen zu gehen.
    In diesem Truckstop gab es ein Country Pride Restaurant als Full Service Restaurant. Außerdem gab es hier einen abgeteilten Bereich für Professional Driver. Hier war man unter sich und konnte in aller Ruhe das Essen genießen. Das tat ich dann auch.
    Nach dem Essen drehte ich noch eine gute Verdauungsrunde auf dem Parkplatz. Gegen halb Zwei machte ich mich dann wieder auf den Weg nach Pratt.

    Ich fuhr dann wieder zurück auf die I-70 E, über die ich nun nach Kansas weiterfuhr. Nachdem ich Burlington passiert hatte, begann für mich Neuland. Hier war ich dann mit dem Truck noch nicht gewesen. Burlington hatte ich ja im vergangenen Jahr einmal besucht. Kurz danach erreichte ich die Grenze nach Kansas und somit auch die Central Time Zone.
    Eine halbe Stunde später hatte ich dann auch noch das dichte Regengebiet erreicht, von dem ich in den Nachrichten gehört hatte. Während sich der Herbst heute bisher von seiner ruhigen, Nebeligen Seite gezeigt hatte, prasselte jetzt der Regen herunter. Dabei wurde es auch am Nachmittag schon recht dunkel. Hinter Colby war der Regen dann so kräftig, dass die meisten PKW Fahrer das Tempo auf maximal 50 gedrosselt hatten.

    Da ich über der Gischt war und etwas besser sehen konnte, als die Leute in den PKW, fuhr ich dann meistens auf der linken Spur, auf der man noch ein wenig schneller fahren konnte. Immerhin war es noch kein Schnee, der runterkam. Das Thermometer war aber auch noch über 40 grad Fahrenheit. Da war mit Schnee noch nicht zu rechnen.

    Als ich zum Abend hin Russel, KS errichte, hatte der Regen zum Glück weitgehend aufgehört. An der Ausfahrt 184 verließ ich dann die I-70 und wechselte auf die US-281 S in Richtung Hoisington.
    Nun hatte ich noch etwa eineinhalb Stunden Fahrt über diesen Highway vor mir, bis ich dann mein Ziel erreichen würde. Während der Fahrt nach Süden passierte ich dann noch Hoisington und Great Bend. Der Rest ging durch die weiten Felder von Kansas, die langsam mit der Dunkelheit verschmolzen.

    Nachdem ich Great Bend passiert hatte, klingelte mal wieder mein Handy. Die Nummer der Dispatch wurde angezeigt. „Hallo Danny.“ Meldete ich mich. „Der ist im Urlaub. Ich dachte, das wüsstest du.“ Sagte Charlie zu mir. „Sorry. Das war mir gerade entfallen.“ „Immer noch besser, als wenn du mich mit Schatz ansprechen würdest, weil du Keela vermutest.“ „Dafür ist es noch zu früh. Ich weiß ja, dass sie Nachtschicht hat.“ „Okay.“ „Wenn einer von euch anruft, ist das selten was Gutes. Wo liegt denn heute das Problem?“ „Ich habe aktuell genau zwei Ladungen in Pratt liegen. Eine nach Kanada und eine an die Ostküste.“ „Das klingt ja schon wieder super.“ „Wegen einem EDV Ausfall bekomme ich aktuell auch keine Infos aus Dodge City, wo unser nächstes Lager wäre.“ „EDV Ausfall bei euch oder in Dodge City?“ „Letzteres.“ „Dann geht’s ja noch.“ „Wenn ich das richtig sehe, bist du ja ziemlich durch mit der Zeit.“ „Na ja. Eineinhalb Stunden könnte ich noch, wenn ich in Pratt abgesattelt habe.“ „Das bringt mir aber nichts. Bring den Trailer noch zu Costco und macht dann da irgendwo Feierabend. Dann haben wir mehr Zeit dir was zu suchen.“ „Du hast nur Angst, dass Keela auf dich sauer ist, wenn du mich nicht nach Hause kommen lässt.“ „Erraten.“ Lachte Charlie. „Okay. Dann lass das die Mädels entscheiden. Und wie ist es sonst bei dir?“ „Im Großen und Ganzen alles gut. Die Kinder sind nur enttäuscht, dass ich an Halloween im Büro bin.“ „Und die Mama hat keine Zeit, weil die beim Baby bleiben muss.“ „Richtig.“ „Kann man nichts machen.“ „So ist das wohl.“ „Gut. Dann mache ich gleich in Pratt Feierabend.“ „Dann mal bis die Tage.“ „Ciao.“ Wir legten auf. Ich würde dann also etwas früher Feierabend bekommen.

    Gegen acht Uhr erreichte ich Pratt. Auch hier entdeckte ich bei der Durchfahrt der kleinen Stadt viele schaurig verkleidete Kinder, die dann von Haus zu Haus zogen. Die Beutel, die sie für die Süßigkeiten dabeihatten, waren zum Teil schon gut gefüllt.
    Ich kam dann mitten ins Stadtzentrum und bog dann an der Ecke N Main Street / E 1st Street links ab. Kurz darauf hatte ich die Costco Niederlassung auf der linken Seite. Ich fuhr zum Tor und meldete mich dann an. Anschließend konnte ich meinen Trailer mit dem Feuerwerk ans Dock setzen und absatteln. Um halb Neun war das geschehen. Im ORBCOMM stand dann auch, was ich schon wusste:

    10 H BREAK

    WAT-CASAC-CSA.

    Ich suchte dann über die Truckstop App, die ich auf meinem Tablet hatte, einen Truckstop in der Nähe. Es wurden mir drei LKW Raststätten angezeigt. Das kam mir bei dem kleinen Ort schon komisch vor. Da sie aber alle im Umkreis von einer halben Meile liegen sollten, sprach ja nichts dagegen, sie mir anzuschauen. Das erste sollte ein Love’s Country Store sein. Das war eigentlich die Bezeichnung für kleinere Tankstellen mit einer LKW Säule. So war das dann hier auch. Im Zweifel konnte ich hier aber noch mit dem Bobtail parken. Das Thema Duschen hätte sich dann aber erledigt.
    Nummer zwei war dann gar kein Truckstop. Da waren nur ein Arbys und ein Mac Donalds nebeneinander, die einen gemeinsamen Parkplatz hatten. Gegenüber war dann aber Nummer Drei. Hier gab es dann wirklich einen kleinen Truckstop. Aufgrund dessen, dass Pratt an der Kreuzung der US-281 und der US-400 lag, war der kleine Truckstop sogar recht gut frequentiert. Mit einem ganzen Lastzug hätte ich wohl keine Chance mehr gehabt, einen Parkplatz zu bekommen. Mit dem Bobtail ging das aber noch so eben. Um viertel vor Neun hatte ich den Truck dann geparkt und meine Pause begonnen.
    Nun konnte ich noch eine Weile mit Keela telefonieren. In Sacramento war es schließlich noch zwei Stunden früher, als hier. Nach einer guten Stunde legten wir dann auf und ich mich kurz darauf hin.

    Donnerstag, den 1. November 2018, 6:00 a.m., Central Daylight Time, Pratt, KS:

    Um sechs Uhr am Morgen stand ich dann wieder auf. Dann folgte mal wieder die übliche Morgenroutine mit Kaffeemaschine, Toilette, Dusche und Kaffee im Truckstop. Um sieben Uhr hatte ich der PTI abgeschlossen und war wieder startklar. Der Auftrag von Keela war nun auch im System:

    PICKUP: SUC-KSPRT
    GATE: 02
    TRAILER: DV53963
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 38,772 LB
    DROP: CST-TXPLV
    PRIORITY: STANDARD
    REAMRKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Ein schöner Heimatschuss wäre mir zwar lieber gewesen, aber vielleicht gab es den ja im Anschluss von Plainview aus. Ich verließ das Gelände des Truckstops und fuhr zum örtlichen Supercenter, was keine Meile von hier entfernt war. Dort forderte ich dann den Dry Van mit den Altverpackungen ab. Um halb Acht war der Papierkram erledigt, der Trailer aufgesattelt und kontrolliert und ich konnte losfahren.

    Ich bog dann auf die US-54 W /US-400 W in Richtung Dodge City ab. Danach ging es dann aus Pratt hinaus.
    41 Meilen später folgte ich dann an der Gabelung weiter der US-54 W in Richtung Liberal. Dort angekommen, blieb ich weiter auf der US-54 W, die nun in Richtung Hooker, Oklahoma beschildert war. Von dort ging es via Guymon weiter in den Grenzort, den man nach quasi auch so genannt hatte. Nämlich Texhoma von Texas und Oklahoma.
    Der US-54 folgte ich dann noch weiter bis in das Städtchen Stratford, TX. Dort wechselte ich dann auf die US-287 S in Richtung Dumas / Amarillo. Ab Dumas kannte ich dann auch die Strecke. So lange war das ja noch nicht her, dass ich hier war.
    Amarillo durchquerte ich dann in Nord-Süd Richtung und folgte der Beschilderung zur I-27 S in Richtung Canyon / Lubbock. An der Ausfahrt 50 verließ ich dann in Plainview die Interstate und war dann quasi schon am Walmart Distribution Center. „Anschlussfracht wird angefordert.“ Meldete mir auch ORBCOMM. Um viertel nach Eins am Mittag stand ich dann an der LKW Einfahrt und wollte mich anmelden. „Neuer Auftrag eingegangen.“ Kam dann auch die Meldung. Bevor ich mich anmelden ging, schaute ich dann erstmal nach dem Anschluss:

    PICKUP: CST-TXPLV
    GATE: 08
    TRAILER: DV53766
    FREIGHT: VEGETABLES
    WEIGHT: 43,506 LB
    DROP: DST-ORONT
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-JMU.

    Das war eine Sache, die ich für die Zukunft befürchtete. Bisher waren unsere Rückladungen bevorzugt nach Kalifornien gegangen. Durch den Zusammenschluss des Gebiets mit Oregon waren das jetzt vermutlich ebenfalls Heimatschüsse. Zugegebenermaßen waren Medford oder Bend auch näher an Sacramento, als Beispielsweise San Diego oder LA. Ontario, Oregon war allerdings nicht wirklich ein Heimatschuss. Dort galt ja noch nicht mal die gleiche Zeit, wie zu Hause.
    Bei dringenden Ladungen brauchte ich aber auch nicht mit Jessy zu diskutieren. Das war mit meiner kleinen Schwester sowieso immer schwierig.

    Ich ging also ins Büro und meldete mich an. Außerdem forderte ich noch meine Anschlussfracht ab. Die Altverpackungen mussten an Tor 23, was bei den meisten, immer gleich gebauten Zentrallägern auch gleich bescheiden anzufahren war. Darum standen in dieser Ecke ja die Müllpressen. Heute hatte ich immerhin das Glück, dass am wie fast immer belegten Tor 24 wenigstens nur ein Pup stand. So hatte ich mehr Platz, meinen 53 Fuß langen Trailer zu rangieren. Entsprechend gut klappte es dann auch heute.
    Im Anschluss fuhr ich dann an Tor 8 und nahm dort den nächsten 53 Fuß Dry Van wieder auf. Um viertel vor Zwei war dann alles kontrolliert und ich war wieder startklar.
    Weit fuhr ich aber erstmal nicht. Ich verließ erstmal nur das Gelände des Zentrallagers und stellte mich dann an die Seite, um meine Pause zu machen. Heute versorgte ich mich dann auch mal wieder selbst. Dazu machte ich mir eine Dose Hot Chili Con Carne mit Bohnen und Jalapeños in der Mikrowelle warm. Dazu gab es Sandwiches. Als ich aufgegessen hatte und mein dafür benutztes Geschirr auch wieder abgespült im Schrank stand, nahm ich mir noch meinen Laptop vor.
    An dem schrieb ich noch schnell die letzten Rechnungen. So war ich wenigstens nicht schuld, falls sich der Monatsabschluss verzögerte. Der Rest hing dann leider an Keela. Um halb Vier beendete ich dann meine Pause und machte mich wieder auf den Weg.

    Bis nach Dumas sollte es nun auch den gleichen Weg wieder zurückgehen. Ich fuhr also wieder auf die I-27 N in Richtung Amarillo. Dort angekommen folgte ich weiter der US-87 N in Richtung Dumas. In Dumas trennten sich dann die Highways 87 und 287. Am Morgen war ich hier ja über die US-287 angekommen, heute Nachmittag folgte ich dann weiter der US-87 N in Richtung Dalhart.
    Als ich Hartley erreichte, kannte ich die Strecke. In der Gegenrichtung war ich sie schon komplett gefahren. Nur noch nicht ganz in diese Richtung.

    In Dalhart verließ ich dann kurz die US-87, um einen Tankstopp einzulegen. Hatte ich hier doch die letzte Möglichkeit vor New Mexico in diese Richtung. Der Dieselpreis war wieder etwas besser geworden und lag wieder bei 3,11 $. Also tankte ich hier nochmal für 650 Bucks voll.
    Um sechs Uhr ging es dann wieder weiter. Als ich Dalhart wieder verlassen hatte, merkte ich, dass ich heute irgendwie müde war. Daher beschloss ich dann, meine Fahrzeit heute nicht komplett voll zu machen. Ich fuhr also nur noch eine dreiviertel Stunde weiter bis nach Clayton, NM und hoffte am dortigen Love’s Travel Stop einen der gerade mal 10 Parkplätze zu erwischen. Oft hatte ich bei sowas ja Glück.
    So war es dann auch heute wieder. Ich konnte mir dann noch eine von zwei Parklücken aussuchen. Wenn hier jetzt alles voll gewesen wäre, hätte ich ja auch noch zwei Stunden fahren können, um was zu finden. Durch die Zeitverschiebung von Texas hierhin war es hier ja auch erst viertel vor Sechs, als ich den Truck abstellte.
    Ich ging dann erstmal duschen und besorgte mir anschließend noch bei Godfather’s Pizza mein Abendessen.
    Zurück im Truck telefonierte ich noch eine Weile mit Keela und teilte ihr mit, dass sie das kommende Wochenende wohl wieder ohne mich verbringen musste. Sie wollte aber, auch wenn es langsam etwas frischer wurde, wieder zum Surfen nach Rockaway Beach. Da war ihr dann wenigstens nicht so langweilig, wie alleine zu Hause. Nachdem wir dann aufgelegt hatten, legte ich mich dann auch bald zum Schlafen hin.

    Freitag, den 2. November 2018, 3:00 a.m., Mountain Daylight Time, Clayton, NM:

    Um drei Uhr werde ich von meinem Wecker wieder aus meinem Schlaf geholt. Irgendwie bereue ich gerade ein wenig, die Fahrzeit gestern nicht ganz ausgenutzt zu haben. Dadurch beginnt mein Tag heute früher. Keela würde jetzt vermutlich sagen, warum soll ich schlafen, wenn sie am Arbeiten ist. Daher wehre ich mich nicht lange dagegen, sondern stehe auf.
    Im Halbschlaf setze ich die Kaffeemaschine in Gang und schleiche anschließend über den Parkplatz zum Truckstop. Zum Glück ist der Weg bei dem kleinen Truckstop ja nicht so weit. Dort benutze ich erstmal Toilette und Dusche, danach bin ich dann auch wach. Die letzten Zweifel daran vertreibe ich nun mit dem ersten Kaffee des Tages. Um vier Uhr ist dann auch die PTI beendet und ich mache mich wieder auf den Weg nach Oregon.

    Ich fahre wieder auf die US-87 N in Richtung Raton. Dann geht es erstmal durch die Dunkelheit des sehr frühen Morgens. Bis Raton brauche ich um die Zeit dann eine Stunde und zwanzig Minuten. Dort erreiche ich die Auffahrt zur I-25 N in Richtung Colorado. Wenige Minuten später habe ich dann den Staat erreicht.
    Ich passiere die Städte Trinidad, Walsenburg, Colorado City und Pueblo. Kurz nach halb Acht erreiche ich in der Dämmerung die Ausfahrt 128, Fountain. Da ich gerade viel Hunger auf ein Frühstück bekomme, entschließe ich mich, zu einer Pause am Tomahawk Auto & Truck Plaza anzuhalten. Um viertel vor Acht habe ich den Truck dann auf dem unbefestigten Parkplatz abgestellt.

    Da es zu Hause noch eine Stunde früher ist, nehme ich erstmal mein Handy und telefoniere eine Zeitlang mit Keela. Schließlich wird sie sich bald zum Schlafen hinlegen. Eine gute halbe Stunde dauert unser Telefonat, dann siegen mein Hunger und Keelas Müdigkeit. Wir legen auf und ich beschließe, frühstücken zu gehen.

    Ein Rundblick über den um diese Zeit noch recht gut gefüllten Parkplatz verrät mir, dass noch ein paar Kollegen hier sind. Vermutlich wieder vom Zentrallager aus Albuquerque. An einem der Trucks steht dann auch gerade eine Gruppe Kollegen. Ich gehe dorthin und wir gehen dann zusammen ins Biscuits Café zum Frühstücken.
    Es war dann eine schöne Stunde in geselliger Runde. Auch der Erfahrungsaustausch war mal wieder viel Wert. Ich habe dabei zum Beispiel erfahren, dass die Antipathie, die unsere Kollegen mit den Leuten aus Tucumcari haben, auf Gegenseitigkeit beruht. Dort hält man die Mannschaft von meinem Dad für die arroganten Besserwisser aus Kalifornien. Zum Glück ist das bei den Kollegen aus Albuquerque nicht so. Wie immer in solchen Runden verschweige ich aber auch meinen Nachnamen. Ich weiß nicht, ob die Kollegen so offen mit mir reden würden, wenn sie wüssten, dass mein Dad der Bezirksleiter aus Kalifornien ist.

    Um halb Zehn machten wir uns dann wieder auf den Weg. Von einem Teil der Kollegen müssen wir uns sofort verabschieden, da sie auf dem Rückweg nach Albuquerque sind. Zu dritt geht es aber erstmal noch weiter in Richtung Norden. Wir fahren dann im Konvoi auf die I-25 N zurück. Dort konnten wir dann noch eine ganze Weile über CB-Funk weiterquatschen. In Colorado Springs verabschiedet sich noch ein Kollege, der zu einem der dortigen Supercenter muss. Bis Denver geht es dann noch zu Zweit weiter. Dort verabschiedet sich dann auch der Kollege, der dort an einem Supercenter anliefern muss.

    Nun geht es wieder alleine weiter. Schließlich erreiche ich Wyoming und kurz darauf den Raum Cheyenne.
    An der Ausfahrt 8B, Cheyenne Southwest, wechsele ich dann auf die I-80 W in Richtung Laramie. Inzwischen ist es Mittag und den restlichen Nachmittag werde ich dann wohl auf dieser Interstate in diesem Staat verbringen. Im Prinzip kommt es jetzt nur noch darauf an, wie weit ich heute an diesem Tag noch kommen werde.
    Zumindest verbreitet ein Freitagnachmittag in dieser, ländlichen Region nicht so einen Schrecken, wie in einem Ballungsraum. Trotzdem fahre ich dann noch vier Stunden bei mehr oder weniger dichtem Verkehr. Das wechselt dann immer wieder. Manchmal ist es frei und manchmal habe ich Schwierigkeiten, das Tempo beizubehalten. Da bin ich mal wieder froh, die komplette Sicherheitsausstattung zu haben. So brauche ich nicht den Abstand einhalten, weil das schon die Elektronik für mich erledigt.
    Kurz vor halb Fünf verlasse ich dann an der Ausfahrt 104, Elk Street, bei Rock Springs, WY für heute die Interstate. Dann geht es geradeaus über die Ampelkreuzung und dann links auf das Gelände des Flying J Travel Centers. Hier mache ich dann für heute Feierabend.
    Nach einer Dusche stille ich dann meinen Hunger noch mit einer Pizza im Truckstop. Anschließend mache ich es mir noch im Sleeper gemütlich. Nach einem Telefonat mit Keela schaue ich noch eine halbe Stunde fern, dann lege ich mich schlafen.

    Samstag, den 3. November 2018, 1:45 a.m., Mountain Daylight Time, Rock Springs, WY:

    Mitten in der Nacht sollte es schon wieder weitergehen. Daher klingelte um viertel vor Zwei schon wieder der Wecker. Wenigstens würde man uns in der kommenden Nacht wegen der Zeitumstellung eine Stunde schenken. Ich stand auf und erledigte die Morgenroutine. Kaffeemaschine, Toilette, Dusche. Eigentlich wie fast immer. Um halb Drei begann ich mit der PTI und eine Viertelstunde später ging es dann weiter nach Oregon.

    Ich fuhr wieder zurück auf die I-80 W in Richtung Salt Lake City. Nun ging es erstmal durch das nächtliche Wyoming auf Utah zu. Dabei hatte ich meistens eine leichte Steigung, die mir zeigte, dass es weiter in die Berge ging.
    Nach zwei Stunden hatte ich Utah erreicht und wenige Minuten später erreichte ich den Echo Canyon. Irgendwie wartete ich schon seit der Abfahrt darauf, dass irgendjemand meldete, dass die I-84 W in Richtung Ogden mal wieder gesperrt wäre. Doch heute schien ich tatsächlich mal Glück zu haben. Keiner sagte was von einer Sperrung und zu sehen war auch von keiner was. So bog ich dann tatsächlich auf die I-84 W ab.
    Nach einer knappen Stunde erreichte ich dann Ogden, ohne dass ich nur eine Spur von einem Unfall sah. Endlich. Ich durfte die Strecke auch mal fahren und musste nicht über Salt Lake City ausweichen.

    Bis Tremonton ging es jetzt mit der I-15 N über eine gemeinsame Trasse, danach folgte ich dann aber weiter der I-84 W in Richtung Boise. Eine halbe Stunde später war ich dann in Idaho.
    Bei Declo traf die I-84 dann mit der I-86 zusammen. Als I-84 W ging es weiter. Kurz nach Sieben fuhr ich an der Ausfahrt 173 von der Interstate ab. Jetzt musste ich der Versuchung widerstehen, über die US-93 in Richtung Wells und somit in Richtung Heimat zu fahren. Dann hätte ich aber auch am Echo Canyon auf der I-80 bleiben können. Nein. Ich wollte hier kurz in Richtung Sun Valley und dann auf den hiesigen Flying J Truckstop für meine kurze Pause. Also zweimal Rechts und ich war da. Um viertel nach Sieben stellte ich den Truck ab.

    Ich versuchte dann kurz Keela zu erreichen, die ja vor ein paar Minuten in Sacramento Feierabend hatte. „Du hast Glück, dass ich gerade beim Bäcker bin und mir Frühstück hole.“ Sagte sie, als sie das Gespräch annahm. „Bist du schon auf dem Weg?“ wunderte ich mich. „Klar. Ich bereite doch immer alles am Freitag vor. Ich hatte den Van sogar am Zentrallager stehen.“ „Verstehe.“ „Wo bist du denn jetzt?“ „Bei Twin Falls.“ „Wenn du schon so weit bist, hat ja heute mal alles ohne Umleitung geklappt.“ „Ich habe mich auch gewundert. Normal ist die 84 doch immer gesperrt, wenn ich da lang muss.“ „Weißt du schon, was du am Wochenende machst?“ „Das hängt davon ab, wo mich Jessy stehenbleiben lässt. Ich glaube noch nicht daran, dass ich in Ontario Feierabend habe.“ „Ich ehrlich gesagt auch nicht. Trotzdem wirst du nicht mehr weit kommen.“ „Stimmt.“ „Lass uns heute Abend telefonieren. Ich bin hier jetzt auch fertig und will jetzt losfahren.“ „Dann gute Fahrt. Grüße mir die Anderen.“ „Mache ich.“ Wir legten auf und ich stieg aus und ging in den Truckstop. Dort kamen die Backwaren zu meinem Frühstück dann heute mal vom Cinnabon. Um neun Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Dazu fuhr ich wieder zurück auf die I-84 W in Richtung Boise. Nach zweieinhalb Stunden hatte ich Oregon erreicht und fuhr an der Ausfahrt 376A auf die US-30 BUS in Richtung Ontario.
    Es ging an dem Pilot Travel Stop vorbei, an dem ich vor kurzem Tom Diesel getroffen hatte. Dann fuhr ich aber nicht zu General Mills, sondern weiter nach Ontario rein. „Anschlussfracht wird angefordert.“ Meldete dann auch ORBCOMM.
    Von der W Idaho Avenue bog ich dann links in die SW 2nd Street. Vier Blocks später bog ich rechts in die SW 4th Avenue ab. Nach einer halben Meile hatte ich dann linkerhand den Walmart Discount Store liegen. „Neuer Auftrag eingegangen.“ Meldete ORBCOMM. Ich hatte mir ja schon gedacht, dass mich Jessy noch nicht ins Wochenende lassen wollte. Ich fuhr dann erstmal in Richtung Wareneingang und stellte den Lastzug an die Seite. Dann schaute ich erstmal im Tablet nach der Anschlussfracht:

    PICKUP: DST-ORONT
    GATE: -----
    TRAILER: DV40273 / DV28436
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 35,300 LB
    DROP: COW-ORBRN
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: R.M. DOUBLE, DOLLY-NO. (OR)133-CJW

    WAT-CASAC-JMU.

    Die Anweisung von Jessy versetzte mich erstmal in ungläubiges Staunen. War das der Ernst von Jessy? Sollte ich hier wirklich ein Rocky Mountain Double übernehmen? Das war in Oregon erlaubt. Keine Frage. Bis zu 68 Fuß und bis zu 105,500 Pfund. Dafür benötigte man in Oregon aber eine Ausnahmegenehmigung für die Beförderung von mehr, als 80,000 Pfund. Ob ich dann dafür auch noch meine GVW erhöhen musste, wusste ich nicht. Die Achslasten durften ja nicht höher sein. Deshalb hatte Oregon ja eine Längen- und Gewichtsbeschränkung eingeführt. In anderen Staaten durfte man ja sogar einen 53 Fuß Trailer mit einem Pup koppeln und das ganze bis zu 120,000 Pfund wiegen lassen. Hier aber nicht.

    Ich nahm mein Handy und rief Jessy an. „Hey Marc. Was gibt’s?“ „Ich wollte mal fragen, ob du noch alle Latten im Zaun hast.“ „Was soll das denn jetzt?“ fragte Jessy irritiert. „Du und deine Kollegen fragt sonst wegen jedem Mist nach. Ob ich bereit bin 50 Leermeilen zu machen oder so. Bei der Zuteilung eines Rocky Mountain Doubles wird nicht mehr gefragt?“ „Wieso? Doubles fährst du doch immer wieder mal.“ „STAA-Doubles. Das ist richtig. Aber so ein Ding?“ „Du bist doch in Oregon. Da darfst du das doch.“ „Du weißt schon, dass du für so ein Double eine Genehmigung brauchst, die ich nicht habe.“ „Dann wird es aber Zeit, die eine Genehmigung zu besorgen.“ „Ich fasse es nicht. Sowas muss einem ja auch gesagt werden.“ „Außerdem habe ich mit den Leuten im Markt in Ontario gesprochen. Die meinten, so schwer ist der gar nicht. Sollen doch nur 35,000 Pfund sein.“ „Als ob da ein Supermarktleiter Ahnung von hat.“ „Ich weiß nur, dass die Altverpackungen gar nicht gepresst sind, sondern so in den Trailern sind, weil im Moment die Müllpresse im Markt defekt ist. Deshalb brauchten die ja auch ein Double dafür.“ „Wenn da was nicht in Ordnung ist, dann gebe ich den Ärger doppelt und dreifach an euch weiter. Außerdem beschwere ich mich dann nicht nur bei Charlie, sondern direkt bei Dad.“ „Mach doch was du willst. Laut meinen Informationen ist alles in Butter.“ Ich stöhnte hörbar auf. „Wenn du das nicht fahren willst, dann sag es einfach. Dann mache ich einen Vermerk, dass du die Tour abgelehnt hast und gut ist.“ „Ist ja gut. Ich fahre ja.“ „Okay. Danach kannst du deinen Reset machen.“ „Muss ich ja sowieso.“ „Stell dich nicht an, wie eine Mimose.“ „Redest du eigentlich mit allen Fahrern so, oder nur mit mir?“ „Was meinst du?“ fragte sie scheinheilig. „Du bist mir gegenüber so oft auf Krawall gebürstet. Wenn du das mit allen Fahrern so machst, bist du hier bald die unbeliebteste Dispatcherin.“ „Vielleicht habe ich auch einfach den Eindruck, dass du versuchst, das auszunutzen, dass ich deine Schwester bin.“ „So ein Blödsinn. Wenn ich sowas vorhätte, würde ich das auch am meisten bei Keela versuchen.“ „Keela gibt ja bei dir sowieso am meisten von sich aus nach.“ „Das ist Blödsinn. Wahrscheinlich gesteht sie mir am wenigsten zu, damit gar nicht erst so ein Verdacht aufkommt.“ „Ja klar. Das macht doch jeder. Danny macht das bei Gina und Keela macht das bei dir.“ „Wenn du das wirklich glaubst, dann schaff dir doch einen Fahrer als Freund an. Dann kannst du das auch machen. Bei Danny und bei Keela weiß ich, dass es keine Bevorzugung gibt. Das Einzige, was ich sagen kann ist, dass Danny, seitdem er mit Gina zusammen ist, mehr über solche Sachen nachdenkt. Weil er selbst gemerkt hat, wie das ist, wenn der Partner irgendwo draußen steht und nicht zu Hause ist. Das war ihm früher egal. Inzwischen macht er das nicht mehr.“ „Okay. Ich werde da mal drauf achten, ob du Recht hast. Es wäre trotzdem gut, wenn du eine Ausnahmegenehmigung hättest. Die haben bisher nur die Fahrer aus Oregon.“ „Mal sehen. Ich werde mal mit Charlie und Dad sprechen, ob wir die brauchen.“ „Du nimmst die Ladung jetzt aber an.“ „Habe ich doch gesagt.“ „Okay.“ Wir legten auf und ich meldete mich an.

    Den Trailer mit dem Gemüse durfte ich dann noch an die Rampe setzen. Das war hier in etwa so ein Blindflug, wie beim ersten Tor an den meisten Neighborhood Markets. Schließlich stand der Trailer am Dock und ich konnte absatteln. Anschließend nahm ich das Double auf, welches der City Trucker wohl schon zusammengestellt hatte. Es war auf jeden Fall fertig. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Von dem langen Gespann machte ich dann auch erstmal ein Foto.

    Anschließend machte ich mich auf den Weg.
    Ich fuhr wieder links vom Gelände des Supermarktes und hielt mich erstmal in Richtung Flugplatz. Dort bog ich dann links auf die SW 30th Street, wie die OR-201 S hier hieß. Über diese Straße ging es dann aus Ontario raus.
    Beim Blick in den Spiegel musste ich mich auch erstmal an die Länge meines Trucks gewöhnen. Bisher waren die STAA-Doubles das längste gewesen. Da hatte ich dann ja immerhin 57 Fuß gesamte Trailer Länge hinten dran. Jetzt waren es nochmal gute 10 Fuß mehr.
    Nach zweieinhalb Meilen konnte ich dann recht auf die US-20 W und US-26 W abbiegen, die hier noch zusammen verliefen. Die Beschilderung führte nach Burns und Bend. Da musste man schon aufpassen, dass man die Orte nicht verwechselte. In Vale ging die US-26 dann aber rechts in Richtung Willowcreek weg. Ich hingegen blieb auf der US-20 W. Nun ging der Highway 20 aber auch langsam in die Berge.

    Spätestens jetzt hätte ich dann festgestellt, wenn ich mehr, als 80,000 Pfund hätte. Ich merkte zwar, dass der Lastzug schwer war, er wirkte aber nicht übermäßig schwer. Trotzdem hatte ich jetzt mit dem Zug gut zu tun. Ich war dann froh, dass ich 510 PS und 18 Gänge hatte. Auch der Retarder, der ja in Nordamerika sehr unüblich war, hatte es ja in beide Zugmaschinen von mir geschafft. Dafür war ich auch dankbar.
    In zahlreichen, zum Glück weiten Kurven ging es nun weiter, bis ich Juntura erreichte. Aber auch danach war es noch bergig und kurvenreich. Die Kurven waren aber noch weiter. Trotzdem staunte ich immer wieder über die Länge meines Lastzugs. Wie war das wohl erst bei einem Turnpike Double, wo man zwei lange Trailer zog.

    Kurz vor meinem Ziel kam dann noch was kommen musste. Hier, auf dem US-Highway gab es eine Weigh Station, die auch heute, am späten Samstagmittag geöffnet hatte. Mit so einem Gespann musste ich natürlich über die Waage.
    Mein Magen zog sich gerade ganz kräftig zusammen. Ich hatte den Lastzug nicht nachgewogen. Ich hatte nur einen Blick in die Trailer geworfen und gesehen, dass dort tatsächlich lose Verpackungen drin waren, die nicht gepresst worden waren.
    Ich fuhr dann langsam auf die Waage und wartete darauf, dass sich die Anzeige auspendelte. 79,967 lb stand hinterher auf der Anzeige. Dabei atmete ich hörbar auf. Ich bekam dann auch grünes Licht und konnte weiterfahren.

    Ich hatte dann gerade wieder beschleunigt, da konnte ich dann wieder abbremsen. Ich hatte Burns und somit mein Ziel für diese Woche erreicht. In diesem Städtchen mit gerade mal knapp 3000 Einwohnern sollte ich dann also mein Wochenende verbringen. Das konnte ja wieder was geben.
    Ich war dann auch erstaunt, dass sich hier überhaupt ein Costco Lager befinden sollte. Als ich dann davor stand, war mir dann auch einiges klar. Es war keines der normalen Läger von Costco, sondern ein kleines Außenlager, was wohl nur für die lokale Verteilung von Waren im Südosten von Oregon zuständig war. Die Halle war nicht viel größer, als meine eigene.
    Ich durfte dann das Double an der Seite absatteln und bekam meine Quittung. Danach stand dann das bereits bekannte im System:

    35-H RESET

    WAT-CASAC-JMU.

    Ich ließ meine Truckstop App nach einer Möglichkeit in der Nähe suchen und vermutete schon, dass ich wahrscheinlich irgendwo in der Walachei stehen bleiben musste. Da fand meine App tatsächlich was in der Nähe.
    Dreieinhalb Meilen von hier entfernt sollte sich ein Truckstop mit dem komplizierten Namen „Fastbreak Conveneince Store - Eddie's Truck & Auto Center“ befinden. Ich übernahm die Adresse ins Navi und machte mich auf den kurzen Weg.
    Ich fuhr wieder zur großen Kreuzung im Städtchen und hielt mich dort in Richtung zur Schwesterstadt Hines. Durch dieses Städtchen ging es dann auch noch durch. Am Ortsende von Hines befand sich dann der Truckstop.
    Es gab zwar vorher noch ein, zwei Tankstellen. Die eine hatte aber keine Truck Parkplätze und beide hatten keine Duschmöglichkeiten. Hier gab es sage und schreibe 50 Truck Parkplätze und sogar fünf Duschen. Außerdem, wie ich hinterher feststellte, ein Restaurant. Es war hier zwar nicht rund um die Uhr geöffnet, sondern nur von 6-21 Uhr, da konnte ich mich aber drauf einstellen.

    Nachdem ich geparkt hatte, ging ich dann erstmal duschen. Anschließend aß ich dann auch noch was im Restaurant. Die Duschen waren sehr sauber, das Essen hätte aber besser sein können. Aber das konnte ich mir ja auch im Truck selbst machen.
    Zurück im Truck schrieb ich eine WhatsApp an Keela, dass ich Wochenende hatte, und sie sich melden konnte, wenn sie Zeit hatte.
    Als sie anrief, erzählte ich ihr erstmal das Theater mit Jessy wegen dem Rocky Mountain Double. „Manchmal schießt Jessy halt über das Ziel hinaus.“ Sagte Keela dazu. „Das Problem ist dann, dass sie dann gerne auf Konfrontationskurs geht. Aber das werden wir ihr noch abgewöhnen. Mit einem hat sie aber Recht. In Oregon kann es vorkommen, dass auch Doubles mit Übergewicht oder sogar Triples gefahren werden. Ausnahmegenehmigungen für unsere Trucks wären daher gar nicht so schlecht.“ „Wie wird sowas denn vergütet?“ „Zwei Dollar die Meile bei einer Standardfracht, wie deiner heute. Wenn da noch andere Faktoren zukommen, dann noch mehr.“ „Nicht schlecht.“ „Der Truck verbraucht ja dann auch mehr.“ „Auch wieder wahr.“ „Trotzdem war das leichtsinnig von Jessy. Wir haben das Gebiet ja noch nicht lange. Aber gerade auf dieser Strecke ist die Waage vor Burns berühmt, berüchtigt. Das haben uns die Fahrer von dort oben sofort gesagt. Die ist quasi immer geöffnet und dort wird auch jeder LCV rausgezogen. Wenn die jetzt ein paar Pfund mehr da reingepackt hätten, dann hättest du ein Problem gehabt.“ „Und Jessy jetzt auch.“ „Das hätte dir aber auch nicht geholfen. Du hättest ja ablehnen können.“ „Stimmt.“ „Ich werde mich am Dienstag sofort daransetzen und einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung nach Salem schicken.“ „Okay. Oder kann ich das auch online von hier aus.“ „Du kannst ja mal schauen. Vielleicht haben die ein Online Formular dafür.“ „Mache ich morgen. Brauchen wir die nur innerhalb von Oregon oder sonst auch noch?“ „Das muss ich abklären. Wenn überhaupt, dann nur für die 13 Staaten im Westen, die ein Netzwerk bilden. Das wären dann Washington State, Oregon, Nevada, Idaho, Utah, Montana, Wyoming, Colorado, North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas und Oklahoma.“ „Und da muss dann jeder Staat einzeln beantragt werden?“ „Natürlich. Was denkst du denn?“ „Viel Spaß auch.“ „Ich glaube gar nicht, dass das nötig ist. Da werde ich mich aber noch mal bei Charlie und bei Frank schlau machen.“ „Tu das.“
    Wir gingen dann mit dem Gespräch ins Private über. Keela grüßte mich noch von der Surfclique. Vor allem von Jeff und Beverly. Dann erzählte sie, dass wahrscheinlich nur noch im November regelmäßig gesurft werden würde und man dann nur bei besonders schönem Wetter rauskommen würde. Ab Anfang April würde man sich aber wieder regelmäßig an den Wochenenden treffen. Vielleicht auch schon ab Mitte März.
    Irgendwann legten wir dann auf und ich ging auch recht bald schlafen. Ich war dann doch müde von dem Tag.

    Sonntag, den 4. November 2018, Hines, OR:

    Ich durfte eine Stunde länger schlafen. Die Uhren wurden in der vergangenen Nacht auf Winterzeit umgestellt. Das tat ich dann auch ungeniert. Im Gegensatz zu Keela hatte ich heute nicht wirklich was vor. Meine Suche nach lokalen Aktivitäten hielt sich nämlich ziemlich in Grenzen. Viel hatte ich nicht gefunden. Eigentlich gar nichts, was ich machen wollte.
    Nachdem ich mir dann im Truck Frühstück gemacht hatte und das gegessen hatte, zog ich mir meine Sportsachen an und brach dann zu einer ausgiebigen Joggingrunde auf. So hatte ich dann wenigstens mein Pensum an Sport erledigt. Zurück am Truckstop ging ich dann duschen.

    Als ich dann wieder im Truck war, machte ich mich daran, einen Antrag für die Ausnahmegenehmigung zu stellen. Dieses machte ich aber erstmal nur für den Staat Oregon. Andere Staaten würde ich erst beantragen, wenn Keela mit Charlie oder Dad darüber gesprochen hatte. Tatsächlich fand ich dann ein Online Formular, welches ich ausfüllen konnte. Anschließend schrieb ich noch ein paar Rechnungen.
    Den Nachmittag verbrachte ich dann im Sleeper vor dem Fernseher. Ich wollte mich einfach noch ein wenig erholen. Langsam stand der Endspurt vor Thanksgiving und dem Black Friday bevor.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    992 times read

Comments 19

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    Viking1971 -

    Danke für diese schöne Story und herzlichen Glühstrumpf zum Purzeltag auch hier nochmal. ;)

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    alaskabaer01 -

    Schöne Geschichte und tolle Bilder.

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    loddi51 -

    Schönes Kapitel.

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    infinity -

    Das Wort zum Sonntagabend :) Wie ich feststelle gibts häufig Pizza. Auch wenn ich das noch nicht so geschrieben habe... Bei mir ist freitags Pizzatag :D

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    elwime -

    Wie immer schöne Geschichte

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Meines Wissens musst Du das GVW einhalten. Damit hängen ja einige Sachen zusammen. Verstärkte Sattelkupplung, stärkerer Kompressor, um den steigenden Luftverbrauch bei mehr Achsen zu kompensieren, stärkerer Antriebsstrang (Kupplung), etc. Was ich rätsele ist, wie es mit Übergewicht bei nur 5 Achsen aussieht. Für manche Staaten ist es klar (meistens die, die es verbieten), aber bei manchen werde ich nicht schlau draus, ob man eine sechste braucht, wenn man über 80,000 geht oder ob die kostenpflichtige Genehmigung das Schmerzensgeld fürs Straßennetz ist...

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      Sauerlaender -

      Sechs Achsen hat man ja schon bei einem STAA-Double. (Ich weiß, es geht auch mit 5 Achsen. Aber wer fährt in den Staaten schon im Fernverkehr eine Zweiachser Zugmaschine?) Bei einem R.M. Double ist man ja schon bei 7 Achsen. Gerade Oregon achtet aber unheimlich auf die Achslasten. Kein Wunder bei den ganzen Brücken. Die haben meines Wissens die Achslasten für die Tandemachsen bei den LCV schon auf 32,000 Pfund reduziert. Sonst hat man ja 34,000 Pfund. Das die gesetzliche Höchstlast bei 80,000 Pfund liegt ist auch klar. Die technisch mögliche Höchstlast wird dort, genau wie in Europa ab Werk schon höher liegen. Die Frage ist einfach, ob die Zugmaschine noch separat aufgelastet werden muss, ober ob das quasi in der Ausnahmegenehmigung mit drin ist.

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      TurboStar -

      Da das Gross Weight eine Herstellerangabe und keine gesetzliche Regelung ist, wirst Du auflasten müssen. Und in Iowa gibt es zum Beispiel zur Erntezeit für alle Erntetrucks eine pauschale Erweiterung ohne Sondergenehmigung. 90,000 lbs mit 5 Achsen.

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    Iceman684 -

    Bist nicht der Einzige, der Gefahrgut fahren darf. Gina macht das auch.

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    Werner 1960 -

    Wieder ein toll geschriebenes Kapitel.