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Kapitel 32 – Großer Löwe, kleiner Geist und eine Wölfin

  • Mittwoch, 05.09.2018

    Es blieben mir noch mehr als zweieinhalb Stunden, um näher an das Ziel zu kommen. Also machte ich mich auf den Weg zu CAT, holte die Walze ab und fuhr unter dem Schriftzug des Stadtnamens auf dem Hausberg vom Hof.




    Kurz nach 5 PM rollte ich auf den Hof des Tomahawk Auto & Truck Plaza in Colorado Springs (CO). Im Schatten der ersten Rockies-Ausläufer bekam der Truck Diesel und danach zog ich erst mal vor zum Bezahlen und dann auf die Parkplätze.




    Der Platz war nicht befestigt und dafür sehr teuer. Das war auch der Blick auf die Berge nicht wert. Die Duschen und Toiletten waren so lala, aber ich brauchte die ganze Angelegenheit nun einmal. Das Personal riss durch seine freundliche Art einiges wieder raus. Das Essen war auch durchschnittlich. Ich hatte schon schlechter auf Truck Stops gegessen, aber auch schon besser. Nun war aber die Stärke von Bisquits Cafe sowieso eigentlich auch das Frühstück.
    Anschließend reservierte ich mir noch im Internet einen dem Übernachtungsort angemessenen Mietwagen. Da ich am Samstag sowieso noch vom Hotel ein Stück fahren musste, hatte ich mir schon einen Parkplatz am Hotel reserviert.


    Donnerstag, 06.09.2018

    Das Frühstück in dem Restaurant entfiel zu Gunsten einer Schüssel Mini Wheats, da es nicht mal durchgehend geöffnet war, was direkt an einem Truckstop ein konzeptioneller Fehler war. Dank einer weiteren Zeitzone von zu Hause war es nun schon 5:17 AM, als ich vom Hof rollte. Wieder auf der I-25 North unterwegs folgte als nächstes die Autobahnausfahrt, bei der jeder Bergrennfahrer feuchte Träume bekam.




    Ich durfte aber nicht abfahren und den Berg rauf. Mit diesem Gerät hätte das ohnehin wenig Spaß gemacht. Die Monument North Weigh Station war zwar zu meiner Überraschung schon um 6 AM geöffnet, aber man wollte mich nicht haben, denn ich bekam grünes Licht vom Transponder. Als ich pfeifend an der Station vorbei rollte, waren dort einige Trucks drin. Später passierte ich immer noch bei Dunkelheit und vor dem Berufsverkehr Denver.

    Bei Cheyenne (WY) bog ich von der I-25 ab auf die I-80, die mich jetzt bis fast ans Ziel bringen sollte. 2 more to go. Mein geliebter Akal Travel Stop war mir gegen 9 AM heute ein Bisschen zu früh für eine Mittagspause. Also fuhr ich weiter und endete an der Rock Springs Rest Area mit einem selbst geschmierten Sandwich.

    Die zweite Etappe des Tages brachte mir wieder ein paar Linien auf dem Trip. Knapp anderthalb Stunden nachdem ich meine Pause beendet hatte, war die erste die Grenze nach Utah. Gegen 2:30 PM in Salt Lake City kreuzte ich dann die I-15. One more to go. Das letzte was ich kreuzte, war die Grenze nach Nevada und gleichzeitig die letzte Zeitzone. Mit Nevada hatte ich wieder einen Staat mehr mit dem Truck befahren, aber laden würde ich hier nicht. Direkt hinter der Grenze lag das Pilot Travel Center West Wendover (NV).




    Dort gab es allerdings nur Snacks und morgens ein anständiges Frühstück. Direkt am Platz war dazu noch ein McDonald’s und auf dem benachbarten, freien Truck Stop ein Burger King. Immerhin gab es die Straße zur anderen Seite runter ein Pizza Hut. Es kam ein Kellner namens Francisco, um meine Bestellung aufzunehmen.
    Der Name war wohl ein Vorgeschmack aufs Wochenende, aber passend italienisch zur Pizza und der Kerl hinter dem Namensschild war einfach nur süß. Also wurde er auch mal wieder eins meiner Flirt-Opfer. Er reagierte professionell, also gar nicht. Die Pizza war gut und als ich ein zweites Getränk bestellte, servierte er es aufs Haus – oder meinetwegen auf ihn, jedenfalls sollte ich es laut Rechnung nicht bezahlen. Dafür gab ich dann mehr Trinkgeld.
    Zurück am Pilot Center nutzte ich die mit meiner CAT-Karte kostenlose Dusche und ging danach in den Truck.


    Freitag, 07.09.2018

    Zum Frühstück ging ich dann doch in die Pilot Bar. Die Alternativen McDonalds und Burger King konnten mich zum Frühstück beide nicht überzeugen und außerdem gab es bei Pilot ein Heißgetränk kostenlos auf die CAT-Karte.
    Um es nicht zu übertreiben und auch um was von der Landschaft zu haben, fuhr ich erst um 5:06 AM los. Es dämmerte schon. Und auch wenn die Sonne noch nicht aufgegangen war, so war es an der Osino Weighing Station kurz vor Elko schon sehr hell. Auch diese Waage war offen und sogar leer, aber ich bekam grünes Licht.




    Gegen 7 AM passierte ich Elko, es ging schon ständig leicht bergauf. Der Donner Pass kündigte sich an. Über Winnemuca ging es weiter nach Reno, der größten Stadt in Nord-Nevada. Hier war die Landschaft dann überraschend wenig beeindruckend, denn die Stadt lag auf einer Hochebene zwischen dadurch gar nicht so hoch wirkenden Bergen. Man war aber eben im Flachland schon auf 4,500‘ Höhe.




    Ich legte meine Pause an der Sinclair Gas Station in Verdi (NV) ein. Schon alleine, um vor der Grenze nach Kalifornien noch mal die Tanks zu füllen. Mein Geburtsstaat war für seine Tankstellenpreise ja berüchtigt. Kurz vor 1 PM dann überquerte ich die Grenze. Zum ersten Mal war ich mit dem Truck dort, wo ich ursprünglich her kam und vor inzwischen fünfeinhalb Jahren mit einem alten Kombi in die andere Richtung aufgebrochen war, wenn auch viel weiter südlich. Nun hatte ich einen Streifen von Küste zu Küste und nur noch Arizona blieb als Staat übrig, in dem ich zwar mit dem PKW aber nie mit dem LKW gewesen war.




    Keine große Überraschung im Transportbehinderungsstaat war dann auch, dass ich nach 14 Staaten und 3,014 Meilen erstmals an einer Waage eine rote LED bekam. Die Waage zeigte 69,680 lbs an, also alles im grünen Bereich. Und trotzdem kam die Anweisung
    „Bitte mit allen Papieren im Office melden!“ Also schnappte ich mir mein Tablet, die Fahrzeugpapiere für den Truck, die Mappe mit Fahrzeugpapieren für Trailer und Walze und dem Frachtauftrag. Erst mal musste ich aber am Schild „Warten Sie, dass Ihr Kennzeichen aufgerufen wird“ stehen bleiben. „Pennsylvania ZNQ 4405 Schalter 2!“

    „Guten Tag, Ma‘am!“ „Guten Tag. Ich bin Sergeant Joan Northrop. Mein Team sind Police Officer Vincent Akers, Technical Inspector Clancy Stewart vom DOT und Biological Inspector John Sanders vom DFA. Senden Sie mir bitte die Logdaten an diese Adresse oder geben mir Ihr Tablet und die Dokumente. Danach werden die Herren Sie begleiten und Ihren Truck untersuchen.”
    Weil mein Tablet so eingestellt war, dass die DOT oder Polizei kontrollrelevante Daten über USB entsperren konnten, ohne an die Interna von CAT oder mir zu gelangen, ließ ich einfach alles da. Während wir raus gingen, sagte Sergeant Northrop in ein Mikrofon:
    Akers, Stewart und Sanders raus. First crossing special screening! Pennsylvania ZNQ 4405!“ Die Dreistigkeit, die Grenze nach Kalifornien erstmals zu überqueren hatte mir also eine Sonderkontrolle eingebrockt.

    Inspector Stewart hatte bei meinem RGN-Tieflader natürlich leichtes Spiel. Ladungssicherung und die Ladung selbst waren frei zugänglich. Allerdings war es damit nicht getan. Er legte sich auch auf ein Rollbrett und kontrollierte den Zustand von Federbälgen und Bremsleitungen. Sogar die Motorhaube musste ich öffnen, damit er den technischen Zustand des Motors prüfen konnte.
    Derweil kassiere Inspector Sanders meine Lebensmittelvorräte ein.
    „Woher stammen die Pfirsiche?“ Die hatte ich unterwegs gekauft. „Oklahoma.“ Die Einfuhr von Pfirsichen aus Staaten östlich von Colorado nach Kalifornien ist verboten!“ Zitrusfrüchte hatte ich noch im Kopf, den Rest nicht mehr. Hatte sich früher immer meine Mutter drum gekümmert. Und so verschwanden meine Vitamine für heute im Müllsack. „Und woher die Granatapfelkerne?“ Die Packung für den Rückweg lag im Kühlschrank. „Pennsylvania.“ „Da wachsen die bestimmt nicht.“ Er sah sich die Verpackung an: „Geerntet, konserviert und verpackt in South Carolina.“ Ich rechnete damit, dass die auch nicht einreisen durften, aber lag falsch. „Okay.“ Meinen erstaunten Blick beantwortete er mit: „Granatäpfel sind nur aus Texas und Florida eingeschränkt.“ Weil es Walnüsse und Pekannüsse enthielt, wurde das Studentenfutter auch noch Opfer des Müllbeutels. Die gerösteten Mandeln und Cashews waren dagegen erlaubt.
    Dann folgte noch die Gretchenfrage von Officer Akers, der bisher nur alles beaufsichtigt hatte.
    „Haben Sie Waffen an Bord?“ „Ein Kampfmesser, Sir.“ „Geben Sie es mir langsam und mit dem Griff zu mir!“ Er zog dennoch seine Dienstpistole. Ich reichte ihm das Messer, er sah sich den Schmiedestempel an, der es als nicht aus Militärbestand auswies und gab es mir zurück.
    „In Ordnung.“ Also gingen wir wieder ins Gebäude, das wie alle Ports of Entry nach Kalifornien an Hauptverkehrsachsen keine einfache Wiegestation war sondern eine Massenabfertigungseinrichtung, die mehr an eine Zollstation erinnerte. Dort bekam ich meine Papiere und das Tablet zurück und durfte gnädigerweise in meinen Geburtsstaat einreisen.
    Zum Glück wohnte ich nicht mehr hier und kam bei dieser Demontage an der Grenze auch zum Glück nicht so oft hin. Jetzt war ich wahrscheinlich als Waffenbesitzer und potenzieller Importeuer von illegalem Obst und Gemüse registriert, vermutlich bekam ich nie wieder grün an einem kalifornischen POE.

    Kurz nach Truckee überquerte ich den berühmten Donner Pass. 7,052‘ war ich nun hoch, mein neuer Rekord. Allerdings waren bis zum Eisenhower Tunnel auf der I-70 westlich von Denver noch im wahrsten Sinne des Wortes mehr als 4,000‘ Luft nach oben. Bis Bowman musste ich jetzt aber auf 60 Meilen Strecke erst einmal 5,500‘ Höhe vernichten. Entsprechend steil ging es bergab und entsprechend streng wurde hier das Tempo von schweren LKW kontrolliert.
    Da ich mich seinerzeit wegen des Verbots von Jake Brakes in besiedelten Gebieten bei quasi geschlossener Besiedlung im Osten vom in Nordamerika so seltenen Retarder hatte überzeugen lassen, ging das aber problemlos und ohne dass ich auf Motordrehzahlen oder Bremsentemperaturen achten musste. Denn der Retarder bremste an der Achse und nicht wie die Jake Brake an der Kurbelwelle. Insofern konnte ich problemlos eine niedrige Drehzahl halten und ruhiger den Berg runter gleiten als die meisten Kollegen mit ihren brüllenden Motorbremsen.




    Um 2:43 PM erreichte ich Sacramento und die Kreuzung mit der I-5. Finally there! Nur noch zweistellige Meilen waren es bis zum Ziel, einer Straßenbaustelle in der Nähe von San Rafael an der CA-37. Und wie ich von da dann noch weg kommen sollte, wussten die Götter. Ich rief also mal an der anderen Küste an.
    „Caterpillar Logistics Center Northeast, Shenandoah Bowman.“ „Hallo Shen. Bandon Hier! Ich habe ein kleines Zeitproblem. Es wird nicht mehr reichen, abzuliefern und den Truck abzustellen. Ich muss aber heute den Mietwagen abholen, den ich mir in San Rafael bestellt habe und noch ein gutes Stück fahren.“ „Moment, ich schaue mal. Haben die Dir den Truck an der Grenze zerlegt und wieder zusammengesetzt?“ „Nicht viel davon entfernt.“ „Alles was ich Dir anbieten kann, wäre an der Baustelle abzusatteln und dann auf Privatfahrt den Truck abzustellen. Den Trailer holt dann ein Day Driver.“

    3:15 PM verließ ich die Interstate. Die Baustelle lag natürlich falsch rum, also musste ich, um Platz zu haben, den Schwanenhals weg zu fahren, erst einmal mit den Trailerreifen einen Donut auf die Straße ziehen. Ich begann das Abladen, aber nachdem ich den Schwanenhals weg hatte und alle Ketten gelöst, kam ein Peterbilt 567 Daycab angeheizt. Der Fahrer, vermutlich noch keine 20, stieg aus:
    „Die Ablösung ist da. Hallo, ich bin Danny.“ „Brandon. Hallo.“ Es war nur zu offensichtlich, wie Danny mein Kennzeichen sehnsüchtig anschaute. Pennsylvania, Ostküste, einmal quer über den Kontinent, grenzenlose Freiheit. Wobei die nach Kalifornien rein eine deutliche Grenze der Freiheit war.
    Dass junge Fahrer erst einmal als Day Driver eingesetzt wurden, war normal, ich hatte ja nicht anders angefangen. Sie durften unter 21 den Heimatstaat ja sowieso nicht verlassen. Ich übergab die Dokumente an Danny und fuhr los, weiter in Richtung San Rafael. Zwar durfte ich den Truck nicht auf dem CAT-Workshop abstellen, aber auf der Fläche davor.

    LOCATION: CASRA
    ACTION: 39H BREAK
    DISPATCH: MABOS-CAT-SHB


    Kurz rechnen, das war 10 Uhr morgens am Sonntag. Ich rief mir ein Taxi und packte meine Sachen zusammen. Bis es kam, sah ich mir die Statistik an.

    WEEK DRIVE: 52:48
    WEEK WORK: 56:36
    WEEK START: MO:06:52 AM
    WEEK END: FR:09:38 PM
    WEEK FRAME: 4D:14H:46M
    WEEK MILES: 3.178
    REVENUE MILES: 3.144
    PERFORMANCE: 98.9%
    WEEK PAYLOAD: 65,877
    SH TON MILES: 41,678
    WEEK FUEL ECO: 6.3 MPG
    WEEK AVG SPEED: 60.2 MPH

    Das war mal wieder die Zeitverschiebung. Natürlich war es „erst“ 06:38 PM Ortszeit. Aber wenn ich dran dachte, was noch für eine Ochsentour vor mir lag, dann war das spät genug. Die Effizienz war beeindruckend, was aber daran lag, dass ich quasi keine Leermeilen gehabt hatte. Lediglich von Roxborough quer durch Philadelphia zum Hafen, in Raton einmal um den Block und gerade von der Baustelle hier her. Mit den zwei Ladungen war die absolute Nutzlast natürlich Negativrekord, aber mit steigenden Streckenlängen würde das wohl so bleiben. Die für die Bezahlung relevanten Frachtmeilen waren dann auch deutlich dichter am Durchschnitt. Wobei mir das auch zu wenig war, weil durch die diese Woche leichten Frachten einer der Faktoren dennoch ausbaufähig war. Nichts zu meckern gab es am Verbrauch und das auch noch bei so hohem Durchschnittstempo. Das war dann wiederum der Vorteil leichter Fracht und glich die geringeren Einnahmen ja auch irgendwo aus. Es war schon ziemlich abendrot, als das Taxi kam und ich meinen Truck bis Sonntag alleine ließ.




    Nun ging es also mit dem Taxi zur Autovermietung und dort bekam ich, nachdem ich meine Reservierung und meine Papiere vorgelegt hatte, erst mal eine Abfuhr.
    „Sie hätten dieses Fahrzeug gar nicht reservieren dürfen. Diese Klasse ist für Kunden unter 24 gar nicht zugelassen. Das müssen Sie auch entsprechend eingeben.“ „Mein Alter ist im Nutzerprofil hinterlegt. Was Ihr System draus macht ist nicht mein Problem. Soll ich etwa mit einem Ford Fiesta bei einem 5-Sterne Hotel vorfahren? Oder noch eleganter mit meiner Sattelzugmaschine?“ „Sie sind Berufskraftfahrer?“ „Ja.“ Er nahm sich seinen Computer vor. „Dann okay. Bei Ihnen ist ein entsprechend hoher Führerschein im Kundenstamm hinterlegt, der nicht nur schwere Nutzfahrzeuge freischaltet, sondern auch die Begrenzung bei den entsprechenden PKW aufhebt. Dann wären das für 48 Stunden im Gold-Tarif $ 289 für den Wagen und $ 57,80 Jungfahrerzuschlag.“ Ich bekam also meinen Extra Premium Mietwagen, es war ein Audi A7 Sportback.

    Es war dann schon 9:45 PM, als ich schließlich The Embarcadero runter fuhr zu meiner Unterkunft. Da ich ja Hin- und Rückflug gespart hatte und auf dem Weg sogar Geld verdient hatte, hatte ich mich dann mal entschieden, beide Nächte im Nobelhotel zu verbringen und mit standesgemäßem Auto dort vorzufahren.




    Ich steuerte in die Hotelvorfahrt und stieg aus. Anstatt der abgewetzten Sporttasche, die ich sonst auf Tour fürs Gepäck nahm, hatte ich nun mal meinen Hartschalentrolley gewählt, den mir ein Page aus dem Kofferraum holte.
    „Haben Sie mit Parkplatz gebucht?“ „Ja.“ Also stieg ein weiterer Bediensteter in den Audi, um ihn dann zu parken. So lief das in entsprechend guten Häusern – und das Grand Lion war nicht nur gut, es war eins der besten in der Stadt. Ich ging zur Rezeption, die Mitarbeiterin begrüßte mich: „Herzlich Willkommen im Grand Lion Hotel. Haben Sie reserviert?“ „Natürlich. Brandon Ridley, ein Einzelzimmer, zwei Nächte.“ „Hier habe ich Ihre Buchung. Wie möchten Sie zahlen?“ „Mit Kreditkarte.“ Ich gab ihr die Karte. „In Ordnung. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt.“
    Ich bekam meine Kreditkarte zurück, der Page den Schlüssel für mein Zimmer. Er führte mich zu den Aufzügen und bis zu meinem Zimmer. Trotz der fortgeschrittenen Stunde entschied ich mich noch zu einem Abendessen, denn ich war einfach hungrig. Das Restaurant hatte natürlich bis zum späten Abend warme Küche. Das ganze Hotel hatte italienisches Flair, laut den Informationen aus dem Internet lagen dort die Wurzeln der Inhaber. Entsprechend war die Speisekarte.
    Um diese Zeit wollte ich natürlich kein schweres Gericht mehr haben, schloss also Fleisch aus. Bei den Nudelgerichten mit Gemüse blieb ich schließlich bei den Spaghetti alla puttanesca hängen. Der Name kam mir zwar komisch vor, aber vielleicht hieß es auf Italienisch nicht das, was mir mein Spanisch vorgaukeln wollte. Jedenfalls waren Tomaten, Oliven, Kapern und ein Hauch von Sardellen eine leichte Soße. Und bei der Menge baute ich einfach auf die bewährte Regel „je mehr Sterne desto größer der Teller und desto kleiner die Portion darauf!“ Notfalls konnte ich immer noch ein Dessert bestellen. Aber ich wurde satt von den Nudeln.
    Auf dem Weg zum Fahrstuhl dachte ich kurz darüber nach, noch einen Absacker an der Bar zu bestellen. Da mir eine der Gestalten dort aber unangenehm bekannt vorkam, verzichtete ich drauf und genehmigte mir stattdessen etwas aus der Minibar auf dem Zimmer.


    Samstag, 08.09.2018

    Nach dem Frühstück musste ich noch mal ein gutes Stück fahren, erst am frühen Abend war dann hier Programm. Allerdings hatte ich nun eine Menge Zeit und entschied mich, die romantische Route über die CA-1 bis San Gregorio zu nehmen. In diesem sportlichen PKW fiel mir erst mal wieder so richtig auf, wie weit oben ich in meinem Silverado und erst recht auf meinem Arbeitsplatz saß. Der Sonic hatte nicht so flach auf der Straße gelegen, der Mustang war verdammt lange her und der Nissan begegnete keinen anderen Fahrzeugen, da ich ausschließlich an Zeitfahrtwettbewerben teilnahm. Und wenn, dann wären die Gegner auch nicht höher.

    Hordenweise fuhren Campervans die Straße. Viele outeten sich durch Airbrushs als Surfer. Das schien so ein Surfer-Ding zu sein mit diesen Campervans. Brian hatte ja auch mal erzählt, dass er einen umgebauten GMC Safari hatte, was allerdings ein Midivan und damit ein eher kleines Exemplar war. Die meisten hier fuhren Full Size. Dass direkt vor mir sogar ein GMC Savana aus Minnesota hier lang fuhr, erstaunte mich dann aber doch.
    An einigen der zahlreichen Aussichtspunkte hielt ich an und ließ einfach nur die Küstenlandschaft und das Meeresrauschen auf mich wirken. Eigentlich war ich, nicht nur durch meine liebste Disziplin im Rennsport bedingt, eher der Berg-Typ. Aber ab und zu mal ein Tag am Meer war auch nicht verkehrt.

    Aber nun weiter, ich hatte eine Verpflichtung. Pünktlich genug kam ich in Stanford an und fand auch noch eine Parklücke für das Schiff. Es gab keine bestimmte Sitzordnung und wenn doch, dann hatte ich keinen zugeteilten Platz bekommen. Also setzte ich mich einfach in die Reihen und wartete auf die Grußworte des Hochschulpräsidenten.
    So eine Feier war eine lange Angelegenheit. Auch wenn ich meinen Bachelor fernstudiert hatte, so gab es damals dennoch für die Absolventen eine solche Feier in der um den Sitz der staatlichen Universität gebauten Stadt State College (PA). Schließlich bekam auch Randolph Patrick Ridley seine Urkunde und seinen hier von allen „Professional Degree“ Absolventen einer Hochschule getragenen „Doktorhut“, egal ob Doktor, Master oder was auch immer. Mein Bachelor war aber ein „Undergraduate Degree“ und dafür gab es eben keinen.

    Es war schon beeindruckend, wie lange das bei Randy noch nach den Vorlesungen gedauert hatte. Ich hatte in 3 Monaten eine immerhin schon heftstarke Abschlussarbeit geschrieben, die benotet wurde und dann eine knapp 30 Minuten dauernde mündliche Prüfung, die eher dazu diente, herauszufinden, ob ich die Arbeit selbst geschrieben hatte, indem ich Zusammenhänge erklären sollte.
    Randy hatte über ein Jahr gebraucht. Zuerst hatte er recherchiert und dann seine Master Thesis vom Umfang eines Buches geschrieben und eingereicht. Die wurde dann auch von Professoren geprüft und benotet, aber auch veröffentlicht. Am Ende hatte es noch mal 3 Monate gedauert, in denen er seine Abschlussarbeit „verteidigen“ musste. Dabei konnte nach diesen 3 Monaten nach der Veröffentlichung der Arbeit jeder in einer öffentlichen Veranstaltung seine Thesen anfechten, der sich dazu berufen fühlte. Das waren meistens die Professoren der eigenen Universität und nahe liegender benachbarter Hochschulen. Es konnten aber auch Studenten sein, die selbst eine Abschlussarbeit schrieben oder Experten zum Thema aus der Wirtschaft. Im Idealfall konnte der Prüfling natürlich seine Thesen beweisen. Wurde er widerlegt, so war nicht alles verloren, sondern es kam drauf an, wie weit er weg lag und wie wissenschaftlich er darlegen konnte, wie er zu seinen Schlüssen gekommen war. Danach wurde entschieden, ob der Grad verliehen wurde oder nicht.

    Nach der Feier fuhr eine wahre Kolonne von Autos aus Stanford raus. Und wir waren nicht die einzigen, die in Richtung San Francisco fuhren. Am Hotel dann hatte das Personal alle Hände voll zu tun, den Andrang an Autos zu bewältigen und einzuparken. Es blieb noch etwas Zeit, bevor es in den Saal ging, wo es unweigerlich zum großen Knall kommen würde.
    Schließlich blieb mir aber keine andere Wahl mehr, ich machte mich auf den Weg. Randy war noch von allen möglichen Verwandten und Bekannten vereinnahmt. Der erste, der mich dann ansprach, war mein Patenonkel Kieran, der Bruder meiner Mutter. Er freute sich, mich mal wieder zu sehen, eierte um das Familienthema herum und ließ mich lieber erzählen, was ich so machte. Er selbst hatte eine Unternehmensberatung in Bakersfield, so viel wusste ich.

    Im Saal konnte man sich natürlich nicht ewig verstecken und irgendwann hörte ich die eisige Stimme meines Erzeugers:
    „Was machen Sie denn hier? Raus!“ „Ich bin auf Einladung des Gastgebers hier.“ „Das glaube ich kaum, denn der Gastgeber bin ich!“ „Ach, haben Sie Ihre Masterurkunde erhalten oder war das doch mein Bruder?“ Die ersten Leute begannen, in ihren Unterhaltungen zu verstummen und sich entweder betont unauffällig mit ihren Getränken zu befassen oder drehten sich unverhohlen um.
    „Ich habe nur einen Sohn, also verlassen Sie die Veranstaltung! Sonst lasse ich Sie entfernen!“ Der nächste Zwischenruf kam aus einem Mund, aus dem ich Widerspruch am wenigsten erwartet hatte – er kam von meiner Mutter. Wenn man unsere Eltern kannte umso erstaunlicher, denn unser Vater war eine massige Erscheinung von 6‘3“ Größe und durch seinen kulinarisch ausschweifenden Lebensstil auch entsprechend massig. Unsere Mutter dagegen war mit 5‘4“ deutlich kleiner und obendrein sehr schlank, wirkte insbesondere neben und erst recht gegenüber ihm immer sehr zerbrechlich. Die Brille mit dem dünnen Gestell betonte das noch. „Nein!“ Unsere Mutter lief auf mich zu: „Brandon, mein Junge. Du bist wieder da!“ Weinend fiel sie mir um den Hals.
    „Diana! Diese Person ist hier unerwünscht und nicht mehr unser Sohn!“ „Du hast zwei Söhne! Denn ich habe sie beide unter großen Anstrengungen ausgetragen und auf die Welt gebracht! Gleichzeitig! Du hast mir einen von ihnen vertrieben! Beim zweiten bist Du gerade dabei! Schließlich bleibt Randolph nicht bei Kyocera in San Diego, sondern wechselt nach San Leandro zu Ghirardelli Chocolate mit den Worten „bloß nichts mit Drucken, Druckmaschinen oder sonst was, wo Dad die Finger drin hat. Und am liebsten ein Stück weg! Ich werde nie wieder zulassen, dass Du einen Keil in unsere Familie treibst!“ „Den letzten Teil kenne ich nicht. Das ist der Killerinstinkt, den man haben muss in der heutigen Wirtschaft. Wenn Dir heute jemand was Besseres bietet, dann sticht er den aus, der Dich gestern gefördert hat.“ Den Satz bereute er wahrscheinlich im gleichen Moment mit dem Gedanken an die Gesellschaft, aber ausgesprochen war ausgesprochen. „Wirtschaftszahlen sind immer gleich, ob das Unternehmen nun Drucker oder Schokolade verkauft! Und wenn er“, er zeigte auch mich „in der Geschäftswelt etwas drauf hätte, müsste er jetzt nicht mit seinem Lastwagen ganz unten rumkrabbeln wo jeder mit ihm machen kann, was er will.“
    Randy warf mal ein paar Worte zu meinen Gunsten ein:
    „Er hat sein eigenes Unternehmen und wenn man sich zum Erwerb von Qualifikationen für 2 Jahre bei einer Firma verpflichtet und denen genau eine Woche bevor man den Job 25 Monate gemacht hat die Brocken vor die Füße schmeißt, um genau dieses Unternehmen zu gründen, dann ist das wohl genau der Killerinstinkt, den Du meinst, oder?“ Unser Vater war froh, von seiner unbedachten Äußerung schnell dazu gekommen war, mich als Mitglied der Low Society zu outen und nun fuhr ihm Randy nicht nur über den Mund sondern streute auch noch Salz in die Wunden der anwesenden Geschäftspartner unseres Vaters.
    „Du willst doch sowieso immer nur übers Geschäft reden! Die Gemütslage der Familie ist Dir egal! Bei Brandon habe ich es selbst ignoriert – der größte Fehler als Mutter! Ich werde das nicht noch mal machen und ich werde meine Söhne heute beide hier behalten, nachdem ich noch vorhin nicht mal damit gerechnet hatte, sie beide hier zu sehen, Brandon jemals wieder innerhalb der Familie sehen zu können!“

    Wenn unser Vater mit dem Rücken zur Wand stand, zog er den Geld-Joker:
    „Das Geld für seine Firma musste ich an dieses Individuum bezahlen. Also ist das auch meine Firma! Und ich bezahle das hier, also ist das auch meine Veranstaltung. Sicherheitsdienst!“ Der stand hier schon quasi Gewehr bei Fuß, als die Unterhaltung lauter wurde. Aber Größenwahn kam vor dem Fall, den Fall leitete wieder unsere überraschend erstarkte Mutter ein: „Du wirst meinem Sohn nicht die Feier verderben und dafür Fremde gegen unser eigenes Fleisch und Blut vorgehen lassen!“ Der Bankettchef war inzwischen natürlich auch da. Unsere Mutter reichte ihm ihre Visitenkarte. „Die Rechnung für diese Veranstaltung geht an diese Adresse.“
    Woher auch immer sogar sie diesen kalten Geschäftstonfall beherrschte, zugetraut hätte man ihn ihr trotz eigenem Unternehmen kaum. Sie „durfte“ seinerzeit, damit „sie auch was zu tun hatte“ von unserem Vater gnädig erlaubt, ein Antiquitätengeschäft eröffnen. Das war inzwischen eine der renommiertesten Adressen der westlichen USA für Antiquitäten, aber auch Kunst, Möbel und Designeraccessoires jeden Alters und jeder Herkunft geworden. Man bekam dort antike asiatische Accessoires genauso wie moderne europäische Möbel oder Kunstgegenstände amerikanischer Ureinwohner. Aus dem Lädchen einer gelangweilten Frau war längst ein Unternehmen mit etlichen Angestellten und einem großflächigen Ladenlokal in einem der größten Einkaufszentren San Diegos und ganz Kaliforniens geworden. Wenn ich behauptete, dass in diesem Hotel irgendwas stand oder hing, was durch ihren Laden hier hin geraten war, hatte ich gute Aussichten, die Wette zu gewinnen. Schon vor 6 Jahren hatte sie Kunden bis außerhalb Kaliforniens und erst recht von jedem Fleckchen Erde innerhalb des Staates.
    „Wenn Du nur die Sprache des Geldes verstehst, dann bitte schön! Ich habe diese Veranstaltung gerade gekauft und sie gehört jetzt mir! Ich widme sie sowohl meinem Sohn Randolph zu seinem erfolgreichen Universitätsabschluss als auch meinem Sohn Brandon zu seiner Rückkehr in den Schoß der Familie! Sicherheitsdienst, bitte geleiten Sie meinen Mann auf unsere Suite!“ Sie machte eine betont damenhafte, aber dennoch gebieterische Handbewegung, dass man ihren Gatten von der Veranstaltung entfernen möge und raunte dem Bankettleiter zu: „Sehen Sie zu, dass der Etagenkellner eine große Flasche Bourbon gut sichtbar in unserer Suite deponiert hat, bevor der Sicherheitsdienst ihn dort abliefert. Dann sollte bis morgen Vormittag die dem Haus angemessene Ruhe gesichert sein. Und lassen Sie bitte noch ein Bisschen leichte Musik im Hintergrund spielen, bevor Sie das Essen auftragen!“
    Da unser Vater natürlich maßgeblichen Einfluss auf die Gästeliste genommen hatte, waren genug seiner Geschäftspartner hier, die nun ein Bisschen was zu tuscheln hatten. Sowohl über seinen unrühmlichen Auftritt als auch über seine Wertschätzung ihnen gegenüber, sollte ihm jemand anders ein besseres Geschäft anbieten als sie. Wer den Schaden hat...
    Die Gesellschaft war zwar nicht riesig, aber doch groß genug, dass er mir auch hätte einfach aus dem Weg gehen können. Ob unsere Mutter allerdings dann den Mut gefunden hätte, über sich selbst und ihn hinaus zu wachsen, war fraglich. Ich hatte den Eindruck, dass sie das spontan getan hatte, als sie mitbekam, dass er den Sicherheitsdienst des Hotels auf mich hetzen wollte.

    „Brandon, möchtest Du an unseren Familientisch kommen? Dort ist überraschend ein Platz frei geworden.“ Den nahm ich dann auch sehr überrascht ein. „Geht es Dir gut, mein Junge? Du siehst kräftiger aus als früher.“ „Ja. Bestens.“ Ich erzählte ihr, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen war, wie ich lebte, was ich machte. Von meiner Wohnung, der leider wenig einladenden Halle, meinem Truck und den Landschaften, die ich unterwegs sah, zeigte ich ihr Bilder.
    Über meine Hobbys, die ich natürlich zu Motorrad, meinen neuen Rennwagen und ganz unverfänglich „Treffen mit Freunden“ zusammenfasste, seufzte sie dann.
    „Motorrad ist ja okay. Bin ich selbst gefahren, bevor ich Euren Vater geheiratet habe. Aber dass Du wieder mit den Rennen angefangen hast.“ Diese Aussage überraschte Randy und mich gleichermaßen. „Das ist wahrscheinlich sicherer als das Motorrad. Aber Du und Motorrad? Was hattest Du denn für eine Maschine?“ Sie lief rot an: „Eine Honda VFR 750.“ „Die muss damals schon doppelt so viel PS gehabt haben wie meine Yamaha MT-03.“
    „Hast ja Recht. Und ich will die Erlebnisse von damals auch nicht missen. Das tollste war mit Freunden einmal die 101 bis Tacoma, für von Grenze zu Grenze bis Abbotsford auf der Washington State 9, dann durch Kanada zur Grenze an der US-395 und die wieder runter bis fast nach Hause, wo sie in San Bernardino endet. Genieß das Leben, so lange Du noch jung bist.“ „Das versuche ich. Mit dem Motorrad mache ich aber doch lieber die kurze Runde am Wochenende. Ich bin jede Woche über 3,000 Meilen auf den Highways unterwegs.“

    Und dann kam die noch überraschendere Frage nach dem Privatleben:
    „Hast Du denn einen Freund?“ Meine Patentante schaute pikiert drein: „Wie kannst Du so was fragen? In der Bibel steht geschrieben, welch Sünde das ist. Du solltest beten, dass er endlich auf den rechten Weg zurück findet!“ Die streng gläubigen Schwägerinnen waren in der Familie schon immer dafür gefürchtet, sich in konservativer Bibelauslegung zu übertreffen. „Welche Sünde? Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonathan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen. 2. Buch Samuel, Kapitel 1, Vers 26!“
    Das schien ein schwer verdauliches Stück Heilige Schrift zu sein.
    „Entschuldigt mich.“ Onkel Kieran, Randy und ich grinsten um die Wette. Wenn sie diese Stelle auf Anhieb zitieren und mit Quellenangabe abfeuern konnte, hatte sich meine Mutter aber vielleicht doch in der jüngeren Vergangenheit gedanklich mehr mit mir beschäftigt als ich angenommen hatte. Denn zu ihrem normalen Repertoire zählte die Erzählung von David und Jonathan bestimmt nicht. Wenn Randy nun in der San Francisco Bay bleiben wollte und das mit unserem Vater begründet hatte, hatte sie vielleicht doch angefangen umzudenken. „Nein, einen Freund habe ich leider nicht.“

    Unsere Mutter deutete an, dass sie Thanksgiving spontan mit dem Gedanken spielte, dieses Jahr mit Randy zusammen nach Philadelphia zu kommen. Wo der jedes Jahr um diese Zeit hin verschwand, war ihr sowieso klar. Und sie war ihm dankbar, dass er den Kontakt quer über den ganzen Kontinent nie aufgegeben hatte, mich heute heimlich in die Gesellschaft reingeschmuggelt hatte.

    Nach dem offiziellen Teil mit einem mehrgängigem Essen und anschließender Stehparty ging ich noch mit Onkel Kieran und Randy zur Bar. Die beiden bestellten sich Cognac und Whiskey, ich nahm aber einen alkoholfreien Cocktail auf Fruchtsaftbasis.
    „Brüderchen, das ist eine so gut ausgerüstete Hotelbar.“ „Ich muss morgen um 10 Uhr ohne messbaren Restalkohol wieder anfangen zu arbeiten. Das da drin war genug Wein und schon ein Scotch zum Digestiv. So gerne ich mit Euch was Stärkeres trinken würde.“

    Am Abend lag ich dann nach diesem bewegenden Abend doch noch lange wach im Bett. Mit dem ersten Teil hatte ich gerechnet. Aber ich hatte mich darauf eingestellt, dass der klügere nachgeben würde und die Feier für mich irgendwann beendet sein würde. Dass es anders rum kommen würde, hätte ich nie gedacht. Und dass mich unsere Mutter wieder in die Familie aufnehmen würde schon gar nicht. Nach diesem turbulenten Reset blieben zwar positive Dinge hängen, aber dennoch freute ich mich auf die ruhige Rückfahrt alleine in meinem Truck.

    Um mich von den Emotionen abzulenken und für die Nacht meine aufgewühlten Gedanken runter zu fahren nahm ich mein Tablet. Hey, mein litauischer Youtuber hatte einen Exploration Livestream gesendet. Weil ich ihn so bewunderte, hatte ich mich tatsächlich gegen meine Prinzipien entschieden, mir unbegrenzten Zugang zu seinen Inhalten über die entsprechende, zu seinen Gunsten kostenpflichtige Youtube-Funktion zu erkaufen. Somit bekam ich auch den Livestream nachträglich zu sehen.
    Moment! Das Video war definitiv nicht aus Litauen, nicht aus der ehemaligen Sowjetunion und nicht mal aus Europa. Die Skyline war amerikanisch und diese Brücke war eigentlich auch unverkennbar. Ich klickte in Google Maps rum und fand die alte Lagerhalle, in der sie dort heute Vormittag eingestiegen waren und wo er für den Nachmittag noch einen Trainsurf-Stream ankündigte, den ihm sein Begleiter aber gleich austrieb.
    Dass ich zu lange auf die Halle klickte, bemerkte ich erst, als Google Maps Eigenleben entwickelte: „2151 Ferry Point, Alameda, CA 94501, USA, über I-80, 12.4 Meilen, 23 Minuten.“

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