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Kapitel 167 – Versprechen eingelöst und ein Wiedersehen

  • Ostern 2018

    Wir hatten von Montag bis einschließlich den Mittwoch nach Ostern Urlaub. Zu der Jahreszeit war Süditalien eine gute Location, hier war das Wetter schon einigermaßen warm und trocken. Apulien hatte sowohl Sehenswürdigkeiten zu bieten als auch eine gute Küche. Und über das Osterwochenende legte mit Luke eine Zeitschrift hin:
    „Ich kann das leider nicht lesen. Such Dir was aus.“
    Bei dem Titel „Autocarro d’epoca“, auf Deutsch in Etwa „Der historische LKW“, ging es darin zweifelsfrei um altes Blech. Da war ja ein offenes Versprechen, also blätterte ich mal im Verkaufsteil zur Sparte Iveco. Leider gab es hier in der Gegend nichts Brauchbares, weder Turbostar noch T-Serie. Der 619 war mir trotz gleicher Grundkabine zu weit weg von meinen persönlichen Erinnerungen und der Eurostar zu modern. Erst 300 Kilometer nördlich in Pescara wurde ich in der gesuchten Kateogorie fündig:

    Iveco Turbo, adc 1978, V8, 380 cv, 1.1 gr. mil. km, carrozzeria replica di 1983 “Cowboy Speciale”, vernice verde metallizato, imbottitura gialla, pannello legname di noce, condizionatore con batteria, navigatore incassato, condizione 2+ (esterno), 3- (interno), 2- (tecnica), 12.900 euro trattabili

    Fast 13.000 Euro waren nicht wenig für einen verbastelten LKW mit 1,1 grande mille auf der Uhr. Die „große Tausend“ war eine Million. Und es war ein auf 83er Cowboy Special getrimmter 1978er, der aber in einer alles andere als für so eine Replika originalen Farbe umlackiert war, ein paar moderne Bequemlichkeiten nachgerüstet hatte und innen wohl auch nicht mehr ganz so gut beieinander war. Andererseits war er wohl technisch und von außen auch optisch gut. Ich beschloss mal anzurufen.
    Typisch italienisch ging es vor allem um die Sache, auch wenn ich mit meinem unbekannten Gegenüber schnell auf Englisch wechselte. Und am Ende hatte ich zwar eine Adresse, wo wir am heiligen Ostermontag sein sollten, aber keine Namen ausgetauscht. Aber finden würde man sich schon, also fuhren wir mit dem Mietwagen rauf. Wenn der Truck was war, wollte ich dort ein Zimmer nehmen und am Dienstag damit losfahren, wenn nicht kehrten wir zurück nach Bari und traten die Rückreise beide mit dem Flieger an.

    Und als wir dann vor der Halle standen, die sich an der Adresse befand, traute ich meinen Augen kaum, denn hier residierte „Trasporti Sebastiano Rivetti“ und richtig, mein flüchtiger Bekannter öffnete das Tor und sah mich auch erst mal ungläubig an:
    „Ricky?“
    Nun war auch Luke überrascht:
    „Ihr kennt Euch?“ „Mehr oder weniger. Ich habe seinem Bruder nach einem Unfall erste Hilfe geleistet und wir sind mal zusammen ein Stück durch Mittelitalien gefahren. Apropos, am Tor steht nur Dein Name?”

    „Dario und ich haben uns gestritten und eine Zeit lang sind wir komplett getrennte Wege gegangen. Ein LKW ist einfach zu klein für zwei. Inzwischen reden wir wieder miteinander und helfen uns mit Aufträgen aus, aber haben beschlossen, jeder seine eigene Firma zu behalten. Und so kommt auch der LKW hier her.“ „Du bist den gewerblich gefahren?“ „Ja. Ich wollte nicht alles Geld, das Dario mir ausbezahlt hatte, in einen abgerockten LKW stecken. Also habe ich mir dieses noch abgerocktere Schätzchen für weniger gegönnt und den Rest angelegt. Seit ein paar Wochen bin ich stolzer Besitzer eines wenigstens nur noch 7 Jahre alten Stralis und habe keine Zeit für Nostalgie. Und Du?“
    „Glücklich verheiratet“, ich zeigte auf Luke. „Inzwischen nach Großbritannien ausgewandert und leite dort eine Niederlassung, meine Teilhaber weiter die deutsche. Wir haben mit Freunden ein Netzwerk nach Österreich, Tschechien und Schweden.“
    Das kurze Angebot, ich könnte ihn mal versuchen, als Partner einzuführen, lehnte er ab. Er wollte unabhängig bleiben. Die Adresse von Felix für eine Rückleistung, sollte er mal leer in Österreich festhängen, nahm er aber an.

    Ich untersuchte den 190 T und fand nur die offensichtlichen Mängel an den abgewetzten und teils eingerissenen Polstern im Innenraum. Das war nichts, was man nicht reparieren könnte, zumal ich dieses grausame Gelb sowieso weg haben wollte. Der Antriebsstrang und die Karosserie machten einen guten Eindruck. Ich fand, dass man den Truck kaufen könnte, zumal Sebastiano ohne zu Verhandeln aus Freundschaft auf 11.000 Euro runter ging. Ich verzichtete dafür auf weiteres Verhandeln, auch wenn ich bei einem anderen Verkäufer sicherlich versucht hätte, noch mal 500 bis 1000 Euro rauszubekommen.
    „Willst Du noch mehr Geld mit ihm verdienen?“ „Wie das?“ „Ich kann entweder den LKW hier kaufen und leer auf Überführungskennzeichen nach Hause fahren. Oder Du behältst ihn auf Deine Firma, wir machen einen Mietvertrag zwischen unseren Firmen, ich fahre unter Fracht und wir wickeln den endgültigen Kauf ab, wenn ich zu Hause bin. „Und das ist legal?“ „Für Dich zu 100%, keiner kann Deiner Firma verbieten, ein Nutzfahrzeug an eine andere Firma innerhalb der EU zu vermieten. Ich nutze da ein Steuerschlupfloch aus. Es ist nicht explizit verboten, ein Fahrzeug im EU-Ausland zu mieten und damit gegen Bezahlung nach Hause zu fahren. Ebenso wenig ist es verboten, ein Fahrzeug aus dem EU-Ausland zu kaufen. Aber mein Steuerberater meinte, dass es auch nicht komplett astrein wäre. So lange es nicht so oft gemacht wird, dass es nach einem Geschäftsmodell aussieht, ist das aber egal.“

    Ich nahm mir also ein Zimmer in Pescara und meldete mich mal in Isotrak als freier Fahrer an.


    Dienstag, 03.04.2018

    Sogar der Himmel musste weinen, dass ein Stück italienischer Transportgeschichte in den Export ging. Und mein Handy piepste. Über Whatsapp hatte ich eine Nachricht von André:
    „Ich sehe, dass Du in Italien für Transporte zur Verfügung stehst? Ist das ernst gemeint oder hast Du Dich in Isotrak vertippt?“ Ich leitete das Bild weiter, das Sebastiano gerade gemacht und mir gepostet hatte: „Ja. Aber bitte sei gnädig. Ich habe nur 380 PS!“




    Und kurz danach war dann das Tablet mit Piepsen an der Reihe. Das mit der Gnade war leider nicht angekommen, das dürfte knapp unter 39 Tonnen Zuggewicht ergeben:

    PICKUP: ITPES-CGT
    DESTIN: DENEU-SCE
    TRAILER: TIP-FISH40
    LOAD: LEMONADE
    WEIGHT: 24,000
    SUPPLY PORT / BAY: 4
    REMARKS: LOADED IN 40’ CONTAINER
    DISPATCH: DEBOC-KFL-ANM


    Ich schrieb André zurück:
    „Was wäre, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich nur 38 Tonnen maximales Gesamtgewicht habe?“ „Dann würde ich Dich fragen, was die Kabine von einem Iveco T auf einem knapp 10 Jahre älteren Rahmen vom Fiat 619N zu suchen hat! Der Iveco Turbo war der erste im Konzern mit 40 Tonnen bei 2 Achsen, Du hast einen V8 und über 17 Liter Hubraum, sollte reichen!“
    Auch wenn Judith damals über die eine oder andere Note in der Berufsschule gemeckert hatte, schien Fahrzeugtechnik nicht dazu gehört zu haben. Und dass er Recht hatte, wusste ich auch. Denn insbesondere weil ich die eher flache Küstenstrecke durch Italien hatte, würde ich lediglich in den Alpen und im Westerwald mal merken, dass ich ein Leistungsdefizit hatte.
    Und von dem roten vor 2 Jahren wusste ich durchaus, dass der 380 PS Iveco V8 zumindest aus den gar nicht so seltenen Sparversionen wie DAF XF 410 oder Scania R420 mit ihren schmalbrüstigen 11 Liter Reihensechsern dank riesigem Hubraum immer noch Hackfleisch machte. Leider spülte er den Hackbraten dann auch mit einer Menge Flüssigkeit runter.

    Ich holte die Blechdose samt Trailer ab und als ich auf die Autobahn fuhr, hatte sich das Wetter auch beruhigt.

    Es war schon 2 Uhr durch, als ich zur Mittagspause bei Ancona auf den Rastplatz Esino Est zog. Ich gönnte mir ein Panino bresaola e mozzarella, also ein Brötchen mit Bresaola, einem Rinderschinken ähnlich dem schweizerischen Bündnerfleisch, und mit Mozzarella. Dazu gab es ein Glas Apfelsaft.

    Auf dem Weg ins Landesinnere verlor ich dann an langen, aber eher flachen Anstiegen doch einige Geschwindigkeit, aber mit 65 bis 70 war es besser als man von der blanken PS-Zahl denken könnte. Jedenfalls überholten mich eher die starken Trucks wie Renault Magnum 520. Der Kollege des Renault-Fahrers mit seinem scheinbar auch bergschwachen Actros blieb brav hinter mir.




    Bei Bologna dann durfte ich im Feierabendverkehr die genialste Erfindung des italienischen Straßenbaus ausprobieren, die doppelte Tangenziale. Der Fernverkehr fuhr auf den mittleren Spuren ohne Abfahrten durch den Ballungsraum durch. Der Berufsverkehr musste die Außenspuren nutzen und konnte nur am Ende auf die Fernspuren wechseln. So blieb der Durchgangsverkehr von Staus weitestgehend verschont. Inzwischen hatten es die Niederländer um Eindhoven herum kopiert.




    Der Tag endete kurz vor 19 Uhr auf der Raststätte San Martino Est bei Parma. Der Fahrer eines Scania V8 meinte zu mir:
    „Jeden Tag würde ich so was nicht fahren wollen, aber Stil hatten sie damals.“ „Jeden Tag würde ich das auch nicht wollen, bin als Anfänger 3 Jahre TurboStar gefahren. Aber ab und zu macht es Spaß.“
    Zuerst nutzte ich die Duschen. Im Restaurant gönnte ich mir ein Zweigang-Menü aus Antipasto Misto und Lasagne al Forno. Danach zog ich mich in die Kabine zurück. Mal sehen, wie die Nacht wurde. Dass die Liege mal aufgepolstert werden dürfte, hatte ich schon gemerkt. Dank nachgerüsteter Standklimaanlage konnte ich immerhin die Fenster zu lassen, ohne im recht kleinen Fahrerhaus den ganzen Sauerstoff aufzubrauchen. Außerdem war es so trotz der zeitgenössischen Dämmung halbwegs leise im Fahrerhaus.


    Mittwoch, 04.04.2018

    Auch das Frühstück musste ich im Rasthof zu mir nehmen, da ich nicht auf eine Tour mit einem spartanisch eingerichteten LKW eingestellt war. Nun war das Frühstück definitiv der Tiefpunkt der italienischen Küche. Cornetto con Cappuccino war nicht wirklich gehaltvoll vom Nährwert, auch wenn es genug Kalorien hatte. Cornetti waren mit Marmelade gefüllte Croissants.
    Kurz vor 6 fuhr ich zum Tanken und wollte so knapp vor dem Berufsverkehr Mailand umfahren haben. Der Plan ging auch auf, als die Sonne aufging, war ich schon westlich auf dem Ring und mit meiner halben Umdrehung größtenteils durch.




    Die längere Unterbrechung der Fahrt kam quasi automatisch, als ich um 9:10 Uhr die Schweizer Grenze erreichte und ohne TIR natürlich den großen Papierkrieg gewonnen hatte. Nicht legal, aber verbreitet, stellte ich den Fahrtenschreiber auf Pause und ging ins Zollbüro.




    Schließlich war ich auf dem Weg durch die Eidgenossenschaft. Der war ereignislos und die Strecke Como – Basel von früher noch so was wie Routine. Von Bochum aus war ich das teilweise jede zweite Woche gefahren.

    Auch mit dieser Motorisierung reichten die viereinhalb Stunden aus, um einmal durch die Schweiz zu kommen und so endete meine Lenkzeit an der Grenze. Ich wickelte die Formalitäten ab und bewunderte auf dem Weg aus dem Zollamt zum Truck die grüne Farbe. An sich hatte ich vor, den Truck umzulackieren.
    Aber diese Lackierung war kein normaler Metalliclack, es war ein Metalflake-Lack, bei dem hochglänzende grüne Miniflakes verwendet worden waren, die viel größer waren als die winzigen Metallspäne in einer normalen Metalliclackierung. Durch den etwas dunkleren Grundlack war der Farbeffekt beeindruckend. Das hatte den Besitzer, der das hatte machen lassen, eine Menge Geld gekostet, soviel hatte Luke als Experte für gesprühten Farbauftrag auf alles und jedes mir schon verraten. Denn diese Lacke zu verarbeiten war eine elende Arbeit und verlangte viel Erfahrung.




    Ich zog vor auf den Rastplatz Weil am Rhein, der direkt hinter der Grenzanlage war. Hier gab es wieder Duschen, allerdings nur das Systemrestaurant mit G, das man inzwischen auf quasi jeder zweiten deutschen Rastanlage vorfand.


    Donnerstag, 05.04.2018

    Wer am frühen Nachmittag Feierabend macht, kann Mitternacht los fahren. Und in Deutschland war das auch eine Wohltat. So konnte man die Staus umgehen. Wenn ich Glück hatte, konnte ich vor dem Berufsverkehr Köln passieren. Dann blieb mir allenfalls noch das große Dorf im Norden als Verkehrshindernis.
    Rechts von mir krochen die kaum erkennbaren Schatten des Schwarzwaldes vorbei. Wie geplant kam ich so gut vorwärts. Das war der Vorteil, wenn man mit so einem Truck nachts fuhr. Im weniger dichten Verkehr konnte man ein besseres Geschwindigkeitsprofil einhalten, denn mit viel Hubraum und wenig PS musste man ganz anders fahren als mit den heutigen Motoren. Der Nachteil war das zu kurz geratene Abblendlicht der Cibie-Scheinwerfer mit H4-Zweifadenbirnen und einer matten Streuscheibe. Wenn sich die H1-Zusatzfernlichter in der Stoßstange mit zu Wort melden konnten, ging es. Aber das klappte kaum auf der Autobahn.

    Für die 45 Minuten Pause erreichte ich gegen 20 vor 4 den Rastplatz Büttelborn an der A67. Besser konnte es kaum laufen. Kurz nach halb 5 war ich wieder unterwegs. Trotz einiger etwas zäher Anstiege auf der A3 konnte man die Morgendämmerung gerade mal erahnen, als ich die Wiedtalbrücke überquerte.




    So ging der Plan auf und ich erreichte den Kölner Ring um 6:32 Uhr. Wie geplant schlug der Berufsverkehr erst um Düsseldorf zu. Um 7:40 Uhr erreichte ich Scandinavia Express in Neuss. Ob Patrick Schütz sich jemals hätte träumen lassen, dass ich hier mit einem 40 Jahre alten Iveco eine Lieferung abstellen könnte, als ihm das Gelände noch gehörte und er mir hochnäsig seinen Scania R580 verschacherte?

    André hatte nichts mehr mit mir vor und auch kein anderer aus der Truppe. Wir hatten es inzwischen so geregelt, dass jeder Disponent in unserer Gruppe auf jeden Fahrer zugreifen konnte. Allerdings gab es dabei Regeln, die Isotrak automatisch verwaltete, insbesondere was entweder mit Fahrern, die Familie hatten, vereinbarte oder für die Mavericks die gesetzlich vorgeschriebenen Wochenenden zu Hause betraf.

    LOCATION: DENEU-SCE
    ACTION: 22H BREAK
    REMARKS: UNCOUPLE TRAILER
    DISPATCH: DEBOC-KFL ANM


    Also erst morgen Vormittag weiter. Mal sehen, was André mit mir vorhatte. Denn wenn er mir so eine lange Pause bescherte, dann weil er einen entsprechenden Auftrag in der Hinterhand hatte.

    Zuerst nahm ich mir eins der Fahrerzimmer und legte mich für 4 Stunden aufs Ohr. Danach beschloss ich, noch mal nach Bochum zu fahren, auch wenn ich erst vor anderthalb Wochen dort war. Zu Fuß war es nicht weit zur S-Bahn Am Kaiser.
    Als ich in die Firma kam, stellte ich mal wieder fest, dass Judith fülliger geworden war. Das war mir schon vor Ostern aufgefallen. Aber es gab Dinge, auf die man eine Frau nicht ansprechen durfte. Außerdem war der größere Umfang nun eindeutiger im Unterleib erkennbar. Und die Frau sprach dann auch von alleine, denn es waren in der Küche belegte Brötchen aufgefahren:
    „Hallo Ricky! Greif zu!“
    Mein Magen knurrte schon, also kam mir das gelegen.
    „Was verschafft mir die Ehre?“ „Marlon und ich erwarten Nachwuchs.“ Sie strich sich über den Bauch. „Gratuliere. Für wann?“ “Mitte September.”

    Julian kam nachmittags auch noch rein. Er fuhr wieder einen Renault, was ich beim letzten Besuch gar nicht so wirklich registriert hatte. Genauer gesagt hatte er einen Renault T480 Sleeper. Er hatte es bereits letztes Jahr angekündigt, dass er mehr in den Nahverkehr kommen wollte. Meistens war er jetzt in jeder Woche entweder einmal 2 und einmal 3 Tage draußen oder auch mal 2-2-1.
    Den FH16 „Celtic Legend“ fuhr jetzt Lennart und das war inzwischen der älteste Fernverkehrstruck, nur Marlons Premium Route war älter, weil er im Nahverkehr eben nicht auf Strecke kam. Das Pfefferminzbonbon Scania R500, auf dem Lennart vorher saß, war im gleichen Aufwasch verkauft worden wie Serkans MAN. Serkan hatte jetzt einen Renault T520 High Sleeper bekommen.
    Und die nächste Bestellung war auch schon draußen, Sebastian war der glückliche. Im April bekam er einen Volvo FH13-500 Globetrotter XL, der ihn durchs letzte Ausbildungsjahr und dann als ausgebildeter Fahrer begleiten sollte.
    Ebenfalls neu war ein Schwarzmüller Kühler. Mit dem zweiten Chereau hatte es einigen Ärger gegeben, deshalb hatte Julian, nachdem sich die Sache nicht in den Griff kriegen ließ, den Kauf rückabgewickelt. Bei uns machte das gleiche Modell aber komischerweise keine Probleme.

    Am Nachmittag fuhr ich mit der stillen Mitarbeiterin im Hintergrund, Brigitte Bogner, nach Ratingen, wo sie wohnte und von da mit der Bahn zurück nach Neuss. Brigitte hatten wir damals für die kurzlebige Niederlassung in Dormagen eingestellt. Als die zu Gunsten von Wales aufgelöst wurde, wechselte sie nach Bochum und half Judith und André, wo es gerade nötig war. Judith arbeitete eigentlich nur noch in der Buchhaltung und André nur in der Dispo, wenn nicht gerade irgendwas anbrannte.


    Freitag, 06.04.2018

    Isotrak piepte nach dem Einschalten gleich zweimal. André und unser britischer Azubi Lewis hatten sich zusammengetan, um mich mit Heimatschuss zu versorgen. Der Haken war, dass ich erst in Oberhausen bei Siemens einen Turbinenrotor recht mittig laden musste und dann in Köln davor und dahinter Glasscheiben bekam. Also ein Bisschen umständliches Hin und Her durchs Rheinland.

    PICKUP: DEOBH-SIE
    DESTIN: UKCOQ-EON
    TRAILER: KFL-UK103
    LOAD: STEAM TURBINE ROTOR
    WEIGHT: 10,000
    REMARKS: PARTIAL LOAD, CENTER POSITION
    DISPATCH: UKDES-KFL-LET


    PICKUP: DECOL-PFG
    DESTIN: UKDOV-DBS
    TRAILER: RELOAD
    LOAD: GLASS
    WEIGHT: 4,000
    REMARKS: PARTIAL LOAD, FRAGILE
    DISPATCH: DEBOC-KFL-ANM


    Außerdem bekam ich einen von unseren Trailern dafür. Das war aber nicht weiter besonders, denn wir mussten sowieso eine Tour mit fremdem Trailer fahren. Wer den Trailer hier hatte stehen lassen, hatte ich allerdings nicht gesehen. Von uns war jedenfalls keine Zugmaschine zu sehen. Aus Neugierde sah ich mal über die Dispatcher-Funktion von Isotrak nach. Es war Shawn gewesen, der jetzt schon wieder mit einem Talke-Tanker unterwegs in Richtung Niederlande war.

    Zuerst fuhr ich also nach Oberhausen, danach nach Köln. Bei der Glaserei stand der Truck eines bekannten Youtubers drin. Irgendwie schien ich die derzeit geballt zu treffen. Erst der dauernd Stifte verlierende Kollege auf der Hinreise an der Fähre und jetzt wieder. Er war im Büro, als ich auch rein kam. Wir sprachen miteinander und er ließ es sich, als er die kantige Kabine sah, nicht nehmen, meine Zugmaschine mal näher anzuschauen.
    „Respekt. Mit so einem Ding würde ich nicht mal aus Spaß am Hobby von Italien über Deutschland nach Großbritannien fahren wollen.“ „Mit fast so einem Ding, nur 100 PS mehr und „modernerem“ Cockpit, aber dafür ohne nachgerüstete Standklima bin ich als Anfänger fast 3 Jahre rumgefahren.“
    "Hattest Du einen TurboStar oder was?" "Ja." "Du liebe Zeit, Du bist doch nicht älter als ich. So was kenne ich ja nicht mehr." Gegen 11 Uhr schließlich hatte ich alles drauf, erledigte die Papiere und kam zurück zu meinem Lastzug.




    Für eine reibungslosere Abwicklung am Terminal in Calais machte ich meine Pause vor Antwerpen. Danach ging es ohne Halt durch bis zur Fähre. Ich konnte noch mit meiner Fahrzeit übersetzen und in die Nähe des Kunden DB Schenker fahren. Die Sonne stand schon ziemlich tief, als ich auf das Schiff rollte.




    Die Tage waren zwar nicht mehr kurz, aber hier stimmte eben die Zeit anders als in Deutschland mit dem Sonnenstand überein. Um 19:23 legte die Fähre schon bei ziemlicher Dunkelheit in Dover an. Ich hatte mir ein Abendessen an Bord gegönnt. So konnte ich einfach im Gewerbegebiet Pause machen.


    Samstag, 07.04.2018

    Da ich nicht mal einen Wasserkanister hatte, blieb nur die Dosendusche und Bart stehen lassen. Die Schenker-Niederlassung in Dover stellte sich ein neues Bürogebäude hin und das Glas war für ihre neue Fassade. Von meinem strategischen Standort war ich in ein paar Minuten da und konnte zur vereinbarten Zeit um 8 Uhr abgeladen worden.

    Unterhalb der beeindruckenden Festungsanlage startete ich dann zur letzten Etappe der Überführungsfahrt.




    Kroch ich den berüchtigten Berg aus Dover die Steilküste rauf noch mit 40, ging ich dann auf dem Motorway auf Scania-Jagd. Weil dieser Truck atürlich wieder keinen Begrenzer hatte, konnte ich schamlos drauf treten, bis die Tachonadel sich konstant zwischen 95 und 100 bewegte. Inzwischen war der Frühling auch auf der Insel angekommen.




    Leider musste ich noch mal Diesel nachfassen, als ich auf dem Londoner Ring war. Ich beließ es aber dabei, denn von hier kam ich sowieso nicht in einem Rutsch nach Hause. Die Pause legte ich daher um die Mittagszeit weiter nördlich ein.

    In den West Midlands wurde es dann noch mal anstrengend mit dem nicht so starken Motor. Das Gewicht war nicht so groß, aber mit einem unserer modernen Trucks und 100 PS mehr würde sich das souveräner machen lassen. 17:19 Uhr war ich bei der Connah’s Quay Power Station und wurde meine Rotorwelle los. Danach war es ein Katzensprung nach Hause.


    April, Mai und Juni gingen dann ohne größere Ereignisse rum. Erst im Juli erreichte mich die Anfrage für eine Tour, ohne die mir inzwischen wohl was fehlen würde.

    191 mal gelesen

Kommentare 10

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    Werner 1960 -

    Schön geschrieben klasse.

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    elwime -

    Mit dem Oldie auf Tour Nostalgie pur, ich habe mich fast zurückversetzt gefühlt in meine Trucker Zeit mit Volvo F88, F10 und DAF 2800.

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      TurboStar -

      Danke. Habe sie nie erlebt, da kein LKW-Fahrer. Aber ich bin halt ein Kind von "Auf Achse". Der F16 aus den 90ern war mir dann doch zu modern. Und der Modder hat ihn komplett überarbeitet, nicht zum Guten finde ich...

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      Sauerlaender -

      das ist häufig das Problem bei den 90er LKW Mods. Viele Modelle davon würde ich gerne fahren, da sie eben eine Rolle in meiner eigenen Vergangenheit gespielt haben. Wenn ich dann aber sehe, dass z.B. in einem MAN F90 das Interior vom F2000 drin war, oder im Mercedes SK das Intereior aus dem NG, dann sind das schon Sachen, die mir diese Fahrzeuge nicht mehr lohnenswert machen. Viele gute Mod LKW aus der Kategorie Oldie werden im Moment auch nicht mehr wirklich gut upgedatet. Leider fehlen mir auch immer noch einige LKW aus meiner Vergangenheit ganz. Wie MAN F8, IVECO TurboStar oder auch ein vernünftiger EuroStar.

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      TurboStar -

      Ich muss mal an den Sound dran. Der 190 T hat den Sound vom Scania V8. Klingt auch nur bedingt toll. Aber ich habe noch meinen alten 190 T irgendwo, dem hatte ich was osteuropäisches eingebaut, Kamaz oder MAZ V8. Das klingt mehr nach der Zeit. Oder mal gucken, womit die anderen T so alles angeboten werden.

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    Sauerlaender -

    Schöne Tour mit dem Oldie. Einen IVECO T habe ich in meiner Karierre zwar nicht mehr gefahren, aber in der 90ern einen der letzten IVECO TurboStar. Das war ein 190.36, mit 16 Gang ZF Getriebe. Mit dem bin ich im Stahltransport unterwegs gewesen. Meine Coilmulde hatte trotz der "kleinen" Motorisierung sogar eine 48 Tonnen Genehmigung. Das geht auch mit einem LKW unter 400 PS und ohne Retarder. Der hatte aber auch noch 13,6 Liter Hubraum. Trotzdem kriege ich heute immer noch zuviel, wenn ich manche Leute höre, die meinen dass man solche Gewichte nur mit 500 oder mehr PS fahren kann.

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      TurboStar -

      Der Mod, den ich hier habe (unter der Hand bekommen) hat als nächstgrößeren Motor den 480 PS aus dem TurboStar 190-48 ab 1990. Das ist mir dann auch zu viel. Aber die 380 mit Fuller 13 sind zu wenig, vielleicht liegt es aber auch an der Umsetzung im ETS. Zumal das auch der 17,4 Liter V8 ist. Wenn sich das irgendwie einrichten lässt, rüstet Ben um auf das Innenleben vom 190-42 ;) Zumal der Motor schon die beiden letzten Jahre im Turbo verbaut wurde, warum auch immer nicht im Special...

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    loddi51 -

    Schönes Kapitel und klasse Fotos.