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54. Besuch aus Europa

  • Samstag, den 6. Oktober 2018, 3:10 p.m., Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Keela und ich hatten den Tisch gedeckt und fragten uns, wen Mom und Dad denn wohl mitbringen wollten. Jessy und Save konnten es nicht sein, da die beiden zum Zocken in Vegas waren. Außerdem wollte Mom denen vorher noch ein Walmart Supercenter zeigen. Das stellte uns noch mehr vor ein Rätsel. Wer kannte denn keinen Walmart? Fast jeder kannte die Märkte, da es diese fast auf der ganzen Welt gab, mit Ausnahme von Europa. Dort hielt gerade mal die Tochterfirma ASDA im Vereinigten Königreich die Walmart Flagge hoch. Der Versuch in Deutschland Fuß zu fassen, wurde 2006 nach neun Jahren und hohen Verlusten wieder aufgegeben.
    Sollten unsere Gäste etwa aus Europa kommen?

    Schließlich klingelte es an der Tür. Ich ging runter und öffnete die Tür. Dort standen Mom und Dad. Neben Mom standen noch eine Schlanke Frau in Moms Alter, mit langen blonden Haaren und ein leicht untersetzter Mann, Mitte 40 mit Brille. „Hallo.“ Begann Mom. „Darf ich vorstellen, Marc Murdock mein Sohn, das sind Katrijn und Marc Mulder aus Eindhoven in den Niederlanden.“ Ich musste kurz grinsen, wegen der Gleichheit der Vornamen und der Initialen. Dann lächelte ich freundlich. „Hallo und herzlich Willkommen in Kalifornien.“ Ich gab beiden die Hand. „Das ist übrigens Familie.“ Erklärte Mom. „Katrijn ist meine Cousine 3. Grades.“ „Kommt erstmal mit hoch.“ Dad hatte zwei volle Walmart Taschen an der Hand. Ich nahm ihm eine ab und wir gingen hoch.

    Dort stellte ich unseren Gästen erstmal Keela vor. „Ich wusste gar nicht, dass ihr noch Verwandtschaft in Europa habt.“ Sagte Keela erstaunt. „Ich habe zwar auch noch Familie in Irland, kenne da aber keinen persönlich von. „Wo denn da?“ fragte Marc Mulder interessiert. „Irgendwo in der Nähe von Galway.“ Sagte Keela. „War ich schon.“ Sagte Mulder. „Beide Marcs machen nämlich fast das Gleiche.“ Erklärte Mom. „Die beiden haben eine Spedition in den Niederlanden.“ „Zusammen mit meinem Sohn Joost, der im Moment den Laden schmeißt.“ Sagte Katrijn. „Ich wusste aber auch nicht, dass wir noch Verwandte in Europa haben.“ Wunderte ich mich. „Das neuste Hobby deiner Mutter.“ Meinte Dad grinsend. „Seit alle Kinder aus dem Haus sind, hat sie begonnen, Ahnenforschung zu betreiben.“ „Irgendwas muss ich ja auch machen.“ Meinte Mom lachend.

    Wir packten erstmal die Sachen aus, die meine Eltern mitgebracht hatten. Wie ich vermutete, hatte Mom Muffins und Brownies zum Kaffee mitgebracht. Wir setzten uns dann an die Kaffeetafel. „Wie hast du die beiden denn nun gefunden?“ wollte ich wissen. „Du weißt vielleicht noch, dass mein Großvater Anfang des 20. Jahrhunderts aus Brabant nach Amerika ausgewandert ist.“ „Das hast du mal erzählt.“ „Damals hat er dann seinen Namen von Henk van Dijk in Hank van Dyke geändert. Damit er hier richtig ausgesprochen wird.“ „Ich bin eine geborene van Dijk.“ Sagte Katrijn zur Erklärung. „Du musstest also nur nach van Dijks in den Niederlanden suchen.“ „So einfach ist das nicht. Van Dijk ist auf Platz 5 der häufigsten Namen in den Niederlanden.“ „Okay. Also war es schon schwierig.“ „Es war aber immer noch einfacher, als Vorfahren deines Vaters zu finden. Zumal keiner mehr weiß ob die Familie in Schottland auch Murdock oder doch Murdoch geschrieben wurde.“ „Auf jeden Fall haben wir den gleichen Urgroßvater.“ Meinte Katrijn. „Dieser hatte zwei Söhne. Henk und Wim. Henk ist ausgewandert und Wim ist in Brabant geblieben. Die Aufzeichnungen waren lückenlos, so dass deine Mutter recht schnell meine Mutter gefunden hat.“ „Hat etwa ein halbes Jahr gedauert.“ „Wir haben jetzt seit etwa drei Monaten Kontakt miteinander.“ „Mom hat nie was gesagt.“ Wunderte ich mich. „Das sollte halt eine Überraschung werden.“
    Keela ging die ganze Zeit was anderes durch den Kopf. „Du hast aber einen jungen Mann.“ Meinte sie dann zu Katrijn. „Wir sind nicht verheiratet.“ Sagte Marc. „Ihr habt doch den gleichen Nachnamen.“ „Marc ist eigentlich mein Stiefsohn. Aber inzwischen mein Lebensgefährte.“ Sagte Katrijn.
    Ich bekam bald den Mund nicht mehr zu. „Wie bitte?“ „Das ist eine lange und komplizierte Geschichte. Marcs Vater ist vor ein paar Jahren bei einem LKW Unfall gestorben. Daher war ich alleinstehend. Marc war der Sohn aus der ersten Ehe meines Mannes. Er hat mich und seinen Halbbruder nach dem Unfall unterstützt und irgendwann habe ich mich in ihn verliebt.“ „Das musst du uns näher erzählen.“ Sagte Mom und Keela nickte zustimmend. „Nach dem Kaffee.“ Meinte Katrijn.
    „Und ihr seid auch in der Transportbranche?“ fragte ich erstaunt. „Mein Vater ist zu Lebzeiten als Subunternehmer mit einer Zugmaschine für die deutsche Nagel Group gefahren. Schließlich ist auch Joost mit eingestiegen und sie hatten zwei Zugmaschinen.“ Erklärte Marc. „Genau wie du.“ Meinte Keela mit einem Seitenblick zu mir. „Ich habe zu der Zeit noch in Deutschland gewohnt und im Büro bei DHL gearbeitet. Nach dem Unfall, der meinen Vater das Leben gekostet hat und Joost, der dabei war, in den Rollstuhl gebracht hatte, bin ich nach Eindhoven gezogen und in die Firma mit eingestiegen. Joost und Katrijn leiten die Firma vom Büro aus und ich bin mit dem LKW in Europa unterwegs.“ „Wie bei uns. Keela hilft im Büro mit und ich bin mit dem Truck unterwegs.“ „Was fährst du denn für einen Truck?“ fragte Marc interessiert. „Einen Kenworth T680. Steht unten in der Halle können wir uns nachher anschauen.“ „Inzwischen fahren wir nicht mehr nur als Subunternehmer für Nagel. Wir haben Verträge mit DAF, einem LKW Hersteller, Bauhaus, einer Baumarkt Kette, Metro…“ „Ein Handelskonzern.“ Zeigte Dad, dass er sich in der Branche auskannte. „…und Ikea…“ „Möbelhäuser. Oder?“ meinte Dad. „Richtig.“ „Mein Sohn fährt ja mit beiden Trucks für Walmart. Was ich in dem Unternehmen mache, Habe ich euch ja schon erzählt.“
    „DAF. Das ist doch auch Paccar?“ vergewisserte ich mich nochmal. „Richtig. Deshalb sind wir auch hier. Wir haben die ganze vergangene Woche in den USA verbracht. Das war eine Info- und Fortbildungsreise, zu der uns DAF eingeladen hat.“ „Im Ernst?“ „Das war anstrengend.“ Sagte Katrijn. „Wir waren eine Gruppe von 20 Leuten, die von verschiedenen Logistikern hier waren. Am Montag haben wir nur im Bus und im Flieger gesessen. Erst mit dem Bus vom Flughafen Eindhoven nach Amsterdam Schiphol, dann mit Delta Airlines von dort nach Seattle. Da waren wir schon 14 Stunden unterwegs und dann war immer noch Vormittag bei euch.“ „Das sind schon ein paar Zeitzonen.“ „Vom Flughafen dann nach Bellevue zum Paccar Building. Hier war dann große Begrüßung. Dann haben wir schon mal einen Reiseplan bekommen. Anschließend konnten wir dann in das Hotel, den Jetlag ausschlafen.“ „Wo hat man euch dann untergebracht?“ wollte Dad wissen. „Im Westin Bellevue.“ Sagte Katrijn. „Da hat man wenigstens keine Kosten gescheut.“ „Das sowieso nicht. War alles vom Feinsten. Abends gab es dann eine Stadtrundfahrt durch Seattle.“ „Wart ihr auch auf der Space Needle?“ wollte Keela wissen. „Waren wir auch. Aber erst am Dienstag. Da hatten wir morgens ein paar Präsentationen, anschließend ging es zum Mittagessen und dann auf die Space Needle. Nachmittags noch mal ein paar Schulungen.“ „Was wurde denn geschult?“ wollte Dad wissen. „DAF hat eine neue Logistiksoftware eingesetzt. Die sollten wir kennenlernen. Wir sind ja komplett vernetzt.“
    „Wie ging es dann die Woche weiter?“ war ich neugierig. „Mittwochmorgen hatten wir dann wieder Präsentationen und Schulungen. Dieses Mal aber in Kirkland, in der Kenworth Hauptverwaltung.“ „Interessant.“ „Danach ging das aber immer mehr in Präsentationen über. Die Amerikaner wollten sich halt auch präsentieren.“ „Am Nachmittag ging es dann weiter nach Renton.“ „Was wolltet ihr denn bei Boeing?“ fragte Dad. Ich wusste nur nicht, ob er es ernst meinte oder nicht. „Dad da ist die Kenworth Fabrik. Da kommen meine Zugmaschinen her.“ „Genau. Die haben sie uns dann auch gezeigt. Wir bekamen nämlich eine Werksbesichtigung.“ „Und?“ wollte ich wissen. „Interessant. Kenne ich aber alles auch schon aus Eindhoven.“ Meinte Marc. „Was ich interessanter fand, war das Baukastensystem, was ihr hier habt. Den DAF bekommst du nur mit Paccar Motor und ZF Getrieben. Ihr könnt hier alles bekommen. Paccar, Cummins, Caterpillar, wie ihr wollt. Bei den Getrieben auch. Fuller, Allison oder die Eigenproduktionen.“ „Das ist doch normal hier.“ „Bei uns gibt es das nicht. Wenn du einen DAF kaufst, hast du einen Paccar, bei Mercedes einen Mercedes und so weiter.“ „Das würde hier viele Kunden verschrecken. Daher gibt es das nicht. Wie ging es denn weiter bei euch?“
    „Am Mittwochabend ging es noch mal nach Seattle in die Stadt. Am Donnerstagmorgen gab es noch eine Abschiedsveranstaltung im Paccar Building. Dann ging es wieder zum Flughafen.“ Und dann?“ „Ging es ins Silicon Valley. Die weiteren Schulungen gab es im Paccar Innovation Center in Sunnyvale.“ „Wo habt ihr da gewohnt?“ „Im Grand Hotel.“ Auch gut.
    „Die Anderen sind dann nach der Verabschiedung gestern wieder nach Hause geflogen. Wir haben dann unsere Flüge umgebucht. Wenn wir schon so nah an der Verwandtschaft sind, dann wollten wir sie auch kennenlernen.“ „Schön, dass das geklappt hat.“
    „Gestern Nachmittag haben wir uns dann einen Mietwagen genommen und sind nach San Francisco weiter. Dort haben wir uns dann die Stadt angesehen. Wenn man schon da in der Gegend ist, muss das sein.“ „Was habt ihr gesehen?“ fragte Keela, die wohl an unser Wochenende in San Francisco dachte. „Ich denke mal so das übliche.“ Meinte Katrijn. „Die Golden Gate Bridge, Fisherman’s Wharf, Alcatraz, die Cable Cars und so weiter. Dann haben wir noch eine Nacht im Grand Lion gewohnt.“ „Exzellente Wahl.“ „Heute Früh sind wir dann nach Sacramento weitergefahren.“ „Darum bin ich gestern noch aus Portland gekommen.“ Sagte Dad. Sonst wäre ich heute noch dort.“ „Du warst gestern noch in Oregon?“ „Ja. Ich habe dich auf der Rückfahrt auf der I-5 noch überholt. Du hast mich nur nicht erkannt.“ „Hättest ja mal hupen können. Ich kann ja nicht auf jeden Cadillac achten.“
    „Noch mal zum DAF.“ Sagte ich. „Die haben früher auch mal PKW gebaut. Habe ich letzte Woche in einem Automuseum in Nashville gesehen.“ „Das war mein erstes Auto.“ Sagte Katrijn. „Ein DAF 66 mit Variomatic. Ein Vorwärtsgang, ein Rückwärtsgang. Der war rückwärts genauso schnell, wie vorwärts.“ Wir mussten lachen.

    Nach dem Kaffeetrinken waren Katrijn und Marc natürlich neugierig auf meinen Truck. Wir gingen in die Halle und die Beiden bewunderten den Kenworth. „Schöner Truck.“ Meinte Katrijn. „Siehst du? Man braucht gar nicht unbedingt eine teure Metalliclackierung.“ „Silber ist nun mal unsere Firmenfarbe.“ „Der sieht doch auch schick aus.“ „Das sind nun mal die Farben des Kunden. Der Truck wäre bei uns aber nicht zu gebrauchen. Hier ist ja die Zugmaschine schon so lang, wie ein Motorwagen bei uns. Fahr mal mit so einem Sattelzug nach Amsterdam.“ „Ihr müsst den mal von Innen sehen.“ Sagte ich und schloss die Maschine auf.
    Die beiden stiegen ein und waren verblüfft von dem ganzen Platz. „Da frage ich mich warum meine Kabine beim DAF Super Space Cab heißt. Das hier ist Super Space. Ein riesen Bett und dann noch den Platz für einen großen Kühlschrank und die Schränke.“ Katrijn meinte auch nur. Das ist ja wie ein Wohnwagen.“
    „Wo hast du deine Trailer stehen?“ fragte mich Marc. „Welche Trailer? Die bekomme ich von Walmart gestellt.“ „Verstehe. So hatten wir das am Anfang von Nagel auch. Inzwischen nutzen wir unsere eigenen Trailer.“
    „Wo ist denn euer zweiter Truck?“ fragte Katrijn. „George ist noch auf dem Rückweg aus Nevada. Der kommt noch.“

    Die beiden bewunderten auch noch unseren Privat Fuhrpark. Am meisten faszinierten Marc die Harleys. Katrijn interessierte sich eher für Keelas Savana. „Macht ihr auch Camping?“ fragte sie. „Wir sind die Wochenenden häufig an der Küste zum Surfen. Da können wir nicht immer Hotels nehmen.“ „Als Kind bin ich viel mit meinen Eltern mit dem Wohnwagen im Urlaub gewesen.“ Sagte Katrijn. „Natürlich. Als Niederländer muss man das.“ Sagte Marc mit einem Grinsen. „Wieso betonst du das so?“ fragte ich. „Marc ist in Deutschland aufgewachsen.“ Erklärte Katrijn. „Dort gehört es zum Klischee der Niederländer, dass wir alle mit Wohnwagen unterwegs sind.“ „Stimmt doch, wie man sieht.“ Sagte Marc grinsend. Ich nahm noch meinen Laptop aus dem Truck mit, dann gingen wir wieder nach oben.

    Oben setzten wir uns im Wohnzimmer zusammen und Katrijn und Marc erzählten uns ihre Geschichte. Angefangen bei dem schlimmen Unfall von Pieter und Joost Mulder. Sie mussten immer wieder unterbrechen, weil bei den Schilderungen von dem Unfall, Pieters Tod und der Querschnittslähmung von Joost immer wieder bei Katrijn die Tränen kamen. Marc tröstete sie aber.
    Außerdem musste Keela immer wieder zwischendurch ihrer Arbeit nachgehen. Dad erklärte den Gästen, dass Keela als Dispatcherin bei Walmart arbeitete und Bereitschaft hatte.
    Marc und Katrijn fuhren fort zu erzählen, wie es weiter ging. Angefangen mit dem Neuanfang der Mulder Logistiek und der Expansion durch die Verträge mit DAF. Marc rief dann auf meinem Laptop die Homepage von Mulder Logistiek auf und zeigte uns die Bilder.




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    Die Firma hatte inzwischen 10 Trucks, die an den Standorten Eindhoven und Zwolle stationiert waren. Die Fahrzeuge von DAF ähnelten den Kenworth Modellen der K Reihe oder dem Peterbilt 220. Es war eben ein Konzern. Die DAFs waren natürlich größer, als die Mittelklasse Trucks, die hier als Frontlenker angeboten wurden. Marc meinte vorhin auch, dass er im DAF fast das gleiche Lenkrad hat, wie ich im Kenworth. Er hatte auch Bilder der Trailer, die vielfach Kundenwerbung hatten.






    „Unsere Website muss dringend mal aktualisiert werden." sagte Marc. Die Bilder sind alle über ein Jahr alt." Ja, ich weiß." sagte Katrijn. Das wollte ich mit Tess zusammen machen. Sie hatte in letzter Zeit aber viel um die Ohren."
    Wie verschiebt man den bei den Trailern die Achsen?“ fragte ich. „Wie macht man was?“ fragte Marc. „Die Achsen verschieben.“ „Die kann man nicht verschieben. Die sind doch fest.“ „Wie macht ihr das denn mit den Achslasten?“ „Die Ladung entsprechend verteilen. Im Zweifel noch eine Achse liften.“ „Wie liften?“ „Na, anheben. Die erste Achse können wir anheben.“ „Ihr habt ja ein völlig anderes System, als wir.“ „Scheinbar. Die Achsen bleiben wo sie sind.“ Wir können das ganze Achsaggregat verschieben. Wenn das nicht reichen sollte, verschieben wir noch die Sattelplatte. Wie lang sind denn eure Trailer?“ „13,62 m Innenmaß.“ Ich rechnete um. „Das sind ja gerade mal 45 Fuß. Längere Trailer habt ihr nicht?“ „Das ist Standard in Europa. Genau wie die Achsen mit Zwei Achsen Zugmaschine und Drei Achsen Trailer und Frontlenker. Unsere Dreiachser haben wir hauptsächlich für den Englandverkehr.“ „Stimmt doch gar nicht.“ Sagte Keela. „Der Scandia, oder wie der heißt von Sandra ist doch auch mit Haube und drei Achsen.“ „Was für eine Sandra und was für ein Scania?“ fragte Marc neugierig.
    Keela kam zum Laptop und fragte: „Kann ich eure Seite wegmachen?“ „Klar. Ihr habt ja alles gesehen.“ Sie wählte die Website von Hansekontor an. „Das ist die Spedition von unseren Schwedischen Freunden, Sandra und Christian.“ Sagte Keela. „Ihr kennt Sandra und Christian Dansör von Hansekontor?“ fragte Marc überrascht. „Ich nicht. Aber Keela hat die beiden kennengelernt. Sie ist auch immer noch mit Sandra in Kontakt.“ „Die Welt ist ein Dorf.“ Meinte Marc. „Wir sind also nicht nur um fünf Ecken verwandt, wir haben auch noch gemeinsame Bekannte.“

    Jetzt wollte Katrijn natürlich auch wissen, wie sich Keela und ich kennengelernt hatten. Also erzählten wir den Mulders nun, wie wir erst am Telefon begonnen hatten miteinander zu flirten, dann vom ersten Mal, wo wir uns gesehen hatten und von der Liebe auf den ersten Blick.
    „Und dann haben unsere Marcs auch noch einen Job, den man weithin als Beziehungskiller bezeichnet.“ Stellte Katrijn im Anschluss fest. „Wenigstens bin ich die meisten Wochenenden zu Hause in Geldrop.“ Sagte Marc. „Bei den Entfernungen hier schaffst du das sicher nicht.“ „Das ist leider wahr.“

    Der Nachmittag mit unseren Gästen war wie im Flug vergangen. Eigentlich hätte man sich immer noch viel zu erzählen. Außerdem hatten beide Seiten noch viele offene Fragen zu den Unterschieden in der Logistik auf beiden Seiten des großen Teichs. „Wann fliegt ihr denn zurück nach Europa?“ fragte ich dann die beiden am Abend. „Übermorgen.“ Sagte Katrijn. „Erst fliegen wir dann von hier aus mit Delta nach Seattle, dann über Nacht von Seattle mit Virgin nach London Heathrow, von dort dann mit KLM weiter nach Schiphol und dann mit dem Bus nach Eindhoven. Dienstagabend sind wir dann zu Hause.“ „Was für eine Odyssee.“ Meinte Mom. „Joost könnte uns auch in Schiphol abholen. Aber so wirklich lohnt sich das nicht.“ „Ihr seid aber morgen noch in Sacramento.“ „Richtig.“ „Dann kommt doch morgen noch mal auf ein Barbecue bei uns vorbei. Dann können wir noch etwas reden.“ „Gerne." sagte Katrijn. „Wenn es regnen sollte, verlegen wir das Barbecue einfach in die Halle.“ „Okay.“ „Bist du morgen auch noch hier?“ fragte ich Dad. „Ich fahre erst Mitte der Woche wieder nach Oregon. Wann musst du wieder los?“ „Montag ziemlich früh.“

    Wir aßen noch zusammen zu Abend, dann machten sich unsere Gäste auf den Weg. Mom und Dad wollten den Mulders noch ein wenig Sacramento zeigen. Wir waren dann für den morgigen Mittag wieder hier verabredet.
    Keela und ich machten uns dann noch einen schönen ruhigen Abend auf der Couch. Wir genossen dann noch die Zweisamkeit zusammen. Wir gingen dann aber auch recht zeitig nach oben.

    Sonntag, den 7. Oktober 2018, 8:00 a.m., Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Auch am Sonntagmorgen waren wir wieder früh auf. Schließlich hatte meine Süße Bereitschaft. Während Keela dann im Bad verschwand, um sich für den Tag fertigzumachen, bat sie mich, auf Laptop und Handy zu achten. Zum Glück hatte sie soweit alles vorbereitet, dass ich nur ein, zwei Mal bereits vorbereitete Anweisungen verschicken musste. Anschließend wechselten wir die Positionen. Keela deckte unten den Frühstückstisch und ich ging ins Bad und machte mich fertig. Danach frühstückten wir zusammen.
    „Die beiden sind nett oder?“ meinte Keela zu mir. „Stimmt. Ich habe nur nicht verstanden, wie man mit dem eigenen Stiefsohn ein Paar werden kann.“ „Ich wusste ja gar nicht, dass du bei solchen Sachen so konservativ denkst.“ Meinte Keela grinsend. „Ich meine ja nur. Wenn man im Geschäftsleben steht, muss man auch immer ein wenig dafür sorgen, dass man ein gutes Image hat.“ „Du meinst, die Verantwortlichen bei den Kunden könnten es verwerflich finden, dass Katrijn mit ihrem Stiefsohn ins Bett geht.“ „So ungefähr.“ „Da ist er wieder, der Spießer.“ Lachte Keela. „Ich bin zwar von meiner Mom sehr katholisch erzogen worden, finde es aber gar nicht schlimm. Katrijn und Marc sind ja nicht miteinander verwandt. Also ist es auch kein Inzest.“ „Dann noch der Altersunterschied. Sie ist doch sicher zehn Jahre älter als er.“ „Das ist doch wieder typisch. Wenn ein Mann eine zehn Jahre jüngere Frau hat, ist das allen egal. Wenn die Frau einen viel jüngeren Mann hat, ist das unmoralisch? Außerdem sieht Katrijn ja nicht aus, wie Mitte 50.“ „Du findest das normal?“ „Es spricht auf jeden Fall nichts dagegen. Pieter Mulder ist tot. Katrijn ist noch nicht so alt, dass sie keine neue Beziehung mehr haben kann. Wenn Katrijns Sohn kein Problem damit hat, dass sein Halbbruder auf einmal der Freund seiner Mutter ist, ist doch alles gut. Ich weiß ja nicht, wie ähnlich Marc seinem Vater ist. Vielleicht hat er genau die Eigenschaften, die Katrijn auch an Pieter mochte.“ „Mag sein.“
    „Ich finde es interessanter, dass sie auch für mehrere Handelskonzerne fahren. Vielleicht kann man nachher mal vergleichen, wie die Unterscheide zwischen Europa und Nordamerika sind.“ „Gute Idee. Das interessiert mich auch.“
    Nach dem Frühstück räumte Keela alles ab und machte noch etwas Ordnung. Ich fuhr in der Zeit noch mal zum nächsten Supercenter und kaufte noch für das Barbecue ein. Als ich wieder zurück war, bereiteten wir dann alles für ein zünftiges Barbecue vor.

    Gegen halb Eins kamen meine Eltern und Katrijn und Marc wieder vorbei. Die letzte Nacht hatten die beiden bei meinen Eltern übernachtet. Dort gab es auch ein gemütliches Gästezimmer. Da das Wetter schön und trocken war, hatten wir den Gasgrill und einen Smoker hinter der Halle aufgebaut. Genau, wie die Gartenmöbel. So konnten wir das Barbecue gemütlich in der noch immer schönen, warmen Oktobersonne halten.

    Für Katrijn und Marc war heute aber der W900 von George, der inzwischen in der Halle stand, die Attraktion. Standen die Klassiker doch bei den Europäern immer hoch im Kurs. Man kannte sie schließlich aus verschiedensten Filmen. „So eine Maschine als Showtruck.“ Sagte Marc versonnen. „Hat was. Mit dem ganzen Chrom.“ Meinte auch Katrijn. „Wie kommt es, dass du den nicht fährst?“ wunderte sich Marc. „Das habe ich gut ein Jahr lang.“ Antwortete ich. „Dann wurde es Zeit für was Neues. Der Neue hat mehr PS und mehr Platz. Dabei ist er sogar noch wendiger, als der Klassiker.“
    Natürlich wollten die Beiden auch diesen Truck von innen sehen. Es war mir zwar gegenüber George etwas unangenehm, zeigte ich nun quasi zwei für ihn völlig Fremden seine „Wohnung“. Daher ließ ich sie auch nur recht kurz einen Blick reinwerfen.
    „Mit dem Platz hast du Recht.“ Meinte Marc. „Für unsere Verhältnisse ist der immer noch riesig, ist aber doch kleiner, als dein Neuer.“ „Vorne finde ich den aber ganz schön eng.“ Meinte Katrijn erstaunt. „Ist was für Paare.“ Meinte Marc mit einem Lachen. „Die können da noch Händchen halten. Versuch das mal im DAF XF.“ „Das ist ein Argument.“ Meinte auch Katrijn lachend. „Mich wundern da eher die ganzen Rundinstrumente und Schalter. Übersichtlich geht anders. Das ist mir aber gestern schon bei deinem aufgefallen. Da waren ein paar Instrumente, die ich aus Europa gar nicht kenne.“ „Im Ernst? Wahrscheinlich würden mir diese Instrumente fehlen.“ „Kann sein.“

    Ich ging dann irgendwann an den Grill und heizte ihn auf während mein Dad so nett war und sich schon die ganze Zeit um den Smoker kümmerte. Dad war bei uns der Barbecue Experte, während ich mich eher für das Grillen begeisterte. Dann legte ich die Steaks auf den Rost. Marc kam zu mir. „Mit den Gasgrills ist bei euch Standard, oder?“ „Wie du siehst. Der Smoker, den Dad da bedient, wird aber mit Holzkohle befeuert. Wir machen heute mal beides, damit Ihr euch durchprobieren könnt.“ „Das ganze Fleisch sieht aber ziemlich fett aus.“ Stellte Marc fest. „Für die Frauen habe ich auch ein paar Filets besorgt. Wobei Mom und Keela sich auch weder vor den Steaks noch den Spare Ribs Bange machen.“
    Die Frauen gingen dann auch noch mal schnell hoch und machten in der Küche die Salate fertig.

    „Was fahrt ihr denn für Sachen bei DAF?“ war ich neugierig. „Liefert ihr die Trucks aus?“ „Nein, das machen andere Logistiker. Wir sind für die Just in Time Transporte eingeteilt. Produktionszuführung von den Zulieferern und für Paccar Parts für die Versorgung der Werkstätten mit Ersatzteilen. Außerdem haben wir noch Walking Floor Trailer für Schrott Transporte im Einsatz.“ „Das ist alles Just in Time?“ „Alles, bis auf den Schrott. Die Lagerhaltung wandert auch in der Nutzfahrzeugbranche immer mehr auf die Straße.“ „Aha.“ „Wir haben da inzwischen ein paar feste Linien für die Ersatzteiltransporte. Da setzten wir auch Subunternehmer ein.“ „Und für Nagel fahrt ihr Lebensmittel?“ „Auch, aber immer weniger. Mein Vater hat das ja noch ausschließlich gemacht. Als fester Unternehmer, so wie du bei Walmart. Inzwischen machen wir das hauptsächlich im Zuge von Rückladungen, um die Fahrzeuge nach Hause zu bekommen. Auch nur in Eindhoven. In Zwolle eigentlich gar nicht.“ „Warum?“ „Weil ich lieber für unsere eigenen Kunden fahre. Da bleibt mehr für uns übrig. Eigentlich würde ich lieber mehr für die Industrie fahren, als für den Handel. Da musst du aber erstmal den Fuß in die Tür bekommen.“ „Was hast du gegen den Handel?“ fragte Dad, der unser Gespräch mitbekam. „Ich habe nichts gegen den Handel, sondern nur gegen die Bedingungen.“ „Inwiefern. Bei uns sind die Bedingungen im Handel besser, als bei der Industrie.“ „Das muss er sagen.“ Meinte ich grinsend. „Bei unseren festen Kunden Metro, Ikea und Bauhaus haben wir das schon etwas entschärft, indem wir mehr Trailer haben, als Zugmaschinen. An den Ladestellen braucht dann nur noch der Trailer getauscht werden.“ „Das machen wir generell. Sowohl an den Ladestellen, als auch an den Märkten.“ „Dann habt ihr keine Wartezeiten?“ „Sehr selten.“ „Wenn wir für Nagel fahren, stehen wir teilweise Stundenlang an den Lägern, bis wir ein Tor bekommen.“ „Das ist aber unproduktiv.“ Meinte Dad. „Stimmt. Erst wartest du stundenlang, dann kannst du endlich zusehen, dass du das Zeug vom Auto kriegst.“ „Wie lange braucht das Lagerpersonal dann zum Abladen?“ fragte Dad. „Das hängt ja davon ab wie gut ich mit der Ameise umgehen kann. Dann muss ich noch auf den Kontrolleur warten.“ „Ameise?“ fragte ich erstaunt. „Elektrohubwagen.“ „Was hast du denn mit dem Hubwagen zu tun?“ fragte Dad erstaunt. „Irgendwie muss ich die Ware ja vom LKW bekommen.“ „Wieso musst du das denn abladen?“ „Wer denn sonst?“ „Bei uns kommen die Lieferanten gar nicht in die Läger.“ Sagte Dad. „Die stellen sich ans Dock und sind in der Regel nach einer halben Stunde entladen. Bei einem 53 Fuß Trailer.“ „Schön wär‘s. Du hast nur ganz wenige Entladestellen, wo du entladen wirst. In der Regel machst du das selbst.“ „Soweit kommt das noch.“ Meinte ich grinsend. „Wenn ich das von meinen Lieferanten verlangen würde, bekäme ich keine Ware mehr.“ Meinte Dad. „Die Versicherung kann doch keiner bezahlen. Einerseits, weil sich der Lieferant in meiner Halle verletzen könnte und andererseits wegen Schwund.“ „Das meintest du mit den Bedingungen.“ „Genau. Wartezeiten hast du in der Industrie auch. Dort wirst du in der Regel aber be- und entladen.“ „Was zahlst du den Fahrern denn für die zusätzliche Arbeit?“ „Gar nichts. Die haben ihren Festlohn und bekommen noch Spesen. Stundenlohn zahlt doch kaum noch wer.“ „Wie, Festlohn?“ „Unsere Angestellten bekommen bei Mulder Logistiek 2.500 Euro im Monat. Zusätzlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Außerdem noch die gesetzlichen Spesen nach Reisekostenregelung.“ „Und wenn ihr wenig zu fahren habt?“ fragte Dad. „Dann auch.“ „Bei uns wird in Cent pro Meile bezahlt. Dann gibt es noch Zulagen pro Tour für das Umsatteln. Standzeiten bekommen die Fahrer nicht bezahlt. Für Fahrten nach LA zahle ich unseren Fahrer noch einen Zuschlag wegen des Verkehrs dort.“ „Wenn du für einen Fahrer nichts zu fahren hast, kostet der auch kein Geld?“ „Nicht viel Geld. Wir haben noch eine Zusatzversicherung für unsere Fahrer, die monatlich bezahlt wird. Außerdem bekommen die Fahrer Prämien. Zum Beispiel für unfallfreies Fahren. Außerdem gibt es noch Angestelltenrabatt in allen Walmart Filialen.“
    „Den bekomme ich als Status A Unternehmer auch.“ Sagte ich grinsend. „Was heißt Status A Unternehmer.“ „Kurz gesagt Exklusivvertrag mit Walmart. Ich fahre ausschließlich für Walmart, habe die Corporate Identity auf dem Truck und werde von Walmart disponiert.“ „Und wie wirst du bezahlt?“ „Im Prinzip genau, wie die eigenen Fahrer. Nur dass meine Mileage, also der Preis pro Meile natürlich höher ist, als der eines angestellten Fahrers. Ich bringe ja auch meine eigene Zugmaschine mit.“ „In Deutschland wird sowas als Scheinselbstständig bezeichnet.“ „Ich hätte auch als Angestellter bei Walmart anfangen können. So kann ich mir aber immer noch aussuchen, womit ich rumfahre. Trotzdem bekomme ich Tankkarten über Walmart und kann zu den Walmart Konditionen zum Beispiel Reifen kaufen. Auch die Händler geben Großkundenrabatte. Wobei ich mehr Rabatt bekommen würde, wenn ich Freightliner fahren würde. Ich ziehe den Kenworth aber vor.“

    Die Frauen kamen wieder nach unten und hatten Salate dabei. Sie deckten dann den Esstisch. Dann drehte sich mein Dad zu uns um. „Marc.“ „Ja.“ Hörte er im Doppelpack. Wir mussten lachen. „Jetzt meinte ich meinen Sohn. Kannst du bitte mal eben die Kühlbox aus meinem Kofferraum holen.“ Er warf mir den Schlüssel von seinem Cadillac rüber. Ich gab Marc meine Grillzange und ging zu Dads Limousine. Im Kofferraum hatte er seine große Elektrokühlbox eingesteckt. Ich holte sie raus und war erstaunt, wie schwer sie war. Neugierig öffnete ich sie. Es waren zwei Flaschen Kalifornischer Chardonnay und mehrere Dosen Heineken und Corona darin.
    Soll das ein Besäufnis werden? Dachte ich und schleppte die Kühlbox nach hinten. „Du hast ja noch einiges vor.“ Sagte ich mit einem Grinsen. „So wie ich meinen Sohn kenne, hast du ja nur Softdrinks hier.“ Meinte er grinsend. „Ich sehe es schon kommen, dass ich euch nachher nach Hause fahren muss.“ „Es gibt auch Taxis in Sacramento.“ Sagte er.
    Er holte eine Flasche von dem Wein aus der Kühlbox und zauberte einen Korkenzieher aus der Tasche. Dann öffnete er die Flasche und schenkte Katrijn und Mom ein. Als er Keela Wein einschenken wollte, sagte diese: „Du weißt, dass ich Bereitschaft habe. Stell dir vor, ich muss gleich irgendwas klären, weil ein Truck einen Unfall oder eine Panne hat. Soll ich dann lallend wo anrufen?“ „Nach einem Glas Wein wirst du ja noch nicht lallen.“ Meinte Dad grinsend. „Erkläre du das meinem Boss.“ Sagte Keela grinsend. „No Problem. Den kenne ich sehr gut.“ Sagte Dad grinsend.
    Dann nahm er eine Dose Heineken aus der Kühlbox und nahm einen großen Zug von dem Bier. „Auch eins?“ fragte er Marc. „Da kommen wir aus Europa nach Amerika und du bietest mir ein Heineken an?“ fragte Marc überrascht. „Ich hätte jetzt eher mit einem Bud, Miller oder Coors gerechnet.“ „Spar dir die Plörre lieber. Erst recht die Light Versionen. Du willst ein Bier von diesem Kontinent?“ Er holte eine Dose Corona aus der Kühlbox. „Dann nimm das hier.“ „Okay, Überredet.“
    Ich verzichtete aber auf ein Bier. Ich trank sowieso recht selten mal ein Bier. Dann würde ich schon gar nicht am Mittag damit beginnen.

    Etwas später war dann das Fleisch gut und wir setzten uns an den Tisch. Dabei siegte meine Neugier wieder und ich griff das Thema wieder auf. „Ich komme da immer noch nicht drüber weg, dass ihr in Europa bei den Handelsketten selber entladen müsst.“ „Wir würden uns auch was anderes wünschen. Mit unseren Trailern habe ich das wenigstens bei Metro und bei Ikea und Bauhaus einigermaßen im Griff. Mich wundert da mehr eure Bezahlung. Findet ihr wirklich noch Fahrer, wenn die nur Geld verdienen, wenn sie arbeiten?“ „Klar. Wenn man mal eben 150 bis 180 Bucks am Tag verdienen kann.“ „Wie macht man das denn?“ „Ganz einfach. 500 bis 600 Meilen fahren und als angestellter Fahrer 30 Cent die Meile verdienen. Mal so als Beispiel.“ „500 bis 600 Meilen am Tag? Das wären ja etwa 800 bis 1000 Kilometer am Tag.“ „So ungefähr.“ „Wie soll man das denn schaffen? Was habt ihr denn hier für Fahrzeiten?“ „Laut Gesetz 11 Stunden in einer Tagsesschicht von 13 Stunden. Insgesamt 70 Stunden in acht Tagen.“ „Und was für Pausenzeiten?“ Spätestens nach acht Stunden eine halbe Stunde Pause. Wenn die 11 Stunden voll sind mindestens 10 Stunden ruhe.“
    Was für eine Knüppelei. Aber Moment. Wenn du sagst, 70 Stunden in 8 Tagen, komme ich auf 8 Stunden 45 Minuten.“ „Genauer gesagt Achteinhalb Stunden und eine Viertelstunde Pretrip.“ „Was ist das?“ „Abfahrtskontrolle. Das wäre der Fall, wenn du jeden Tag fahren willst und keinen Reset machen möchtest.“ „Wie jeden Tag fahren? Und wann ist Wochenende?“ „Wenn du jeden Tag nur achteinhalb Stunden fährst, gar nicht. Daher gehen wir dann in der Regel auf die elf Stunden und machen, wenn die 70 Stunden voll sind, einen Reset von mindestens 34 Stunden.“
    „Das grenzt ja an Ausbeutung.“ Meinte Marc. „Was habt Ihr denn für Zeiten?“ „Neun Stunden Lenkzeit pro Tag. Kann zweimal pro Woche auf 10 Stunden erhöht werden, wenn an einem anderen Tag ein entsprechender Ausgleich gemacht wird. Spätestens nach viereinhalb Stunden mindestens 45 Minuten Pause. Nach 9 Stunden Fahrzeit 11 Stunden Pause, kann aber dreimal pro Woche auf 9 Stunden verkürzt werden.“ „Dass ihr dabei überhaupt was schafft. Was ist in der Woche möglich?“ „Wir rechnen in Doppelwochen. In der Doppelwoche maximal 90 Stunden. Nach 45 Stunden steht aber eine Wochenendruhezeit von ebenfalls 45 Stunden an.“ „Da würde ich pro Meile auch nichts mehr verdienen.“ „Trotzdem scheinen mir deine 500 bis 600 Meilen am Tag sehr hoch. Was habt ihr denn für ein Tempolimit?“ „In Kalifornien ist das sehr langsam. Hier gelten 55 mph für Trucks.“ Marc rechnete um. „Das nennst du langsam? Das sind doch 88 Km/h. In den Niederlanden oder Deutschland darfst du nur 80 Km/h fahren.“ „In manchen Staaten darfst du hier mit dem Truck auch 80 fahren. Nur eben mph.“ „Das ist ja fast 130 Km/h.“ sagte Katrijn erstaunt. „Das fahren in den Niederlanden nicht mal die PKW.“ „Meine Trucks übrigens auch nicht. Die habe ich bei 66 mph begrenzen lassen.“ „Immer noch über 105.“ Stellte Katrijn fest. „Okay. Dann kommt das hin. Habt ihr hier denn keine Probleme mit Sekundenschlaf? Ich meine, wenn die Fahrer 11 Stunden mit Tempo 100 dahinrasen.“ „Ich vermute mal weniger als ihr. Unsere Fahrer sind ja auch nicht total kaputt, weil sie den Truck abladen mussten.“ Sagte ich grinsend. „Okay. Die Bedingungen bei den Handelsketten sind hier besser. Trotzdem finde ich, dass eure Fahrer hier viel zu viel und zu lange am Steuer sitzen.“ „Ich teile mir meine Pausen so ein, wie ich sie haben will. Wenn ich müde bin halte ich an und lege mich hin. Hauptsache ich halte meine Termine. Wenn ich einen schlechten Tag habe, fahre ich dann halt mal nur acht Stunden. Dann hänge ich die Zeit eben vor dem nächsten Reset wieder dran. Das ist doch viel flexibler. Wenn ich als Driver unbedingt einen 9 to 5 Job haben möchte, dann muss ich eben jeden Tag fahren. Dann kommt das auch wieder hin.“ „Ich weiß ja nicht. Wie haltet ihr das denn nach?“ „Bei meinem ersten Truck hatte ich noch ein Papierlogbuch dafür. Inzwischen haben wir eine elektronische Logbucherfassung.“ „Wir haben schon seit über zehn Jahren ein elektronisches System mit einer Chipkarte auf der alles gespeichert wird.“ „Deshalb auch diese engen Vorschriften. Wir haben hier noch genug Fahrer, die dem Papierlog nachtrauern.“ „Die Vorschriften hatten wir vorher auch schon. Da wurde das vom LKW auf einer Diagrammscheibe aufgezeichnet.“
    „Jetzt hört endlich mal auf von der Arbeit zu reden.“ Schimpfte Keela nun. „Schlimm genug, dass ich hier sitze und Bereitschaft habe. Damit jetzt Ruhe ist, fasse ich zusammen. Bei den Handelsketten ist in Europa alles schlecht und im Vergleich dazu hier das Paradies. Dafür sind wir hier moderne Sklaventreiber, weil unsere Leute nur Geld bekommen, wenn sie fahren und weil sie hier viel mehr und viel schneller fahren.“ „Dafür sind unsere Leute hier eben Fahrer und keine Lagerarbeiter.“ „Das Paradies gibt es für LKW-Fahrer wohl auf keiner Seite des Atlantiks.“ „Ich möchte aber auch nicht mir dir tauschen. Wenn ich eure kleinen Trucks sehe." Dafür haben wir keine Steinzeittechnik mehr in den Trucks.“
    „Es ist gut jetzt. Alle Beide.“ Sagte Mom jetzt streng. Katrijn schmunzelte. „Ich glaube die Marcs haben nicht nur den Vornamen gemeinsam.“ Alle mussten lachen.

    Wir genossen das Essen und nahmen jetzt weniger berufliche Themen. Trotzdem kamen natürlich ständig wieder irgendwelche Vergleiche zwischen Europa und Nordamerika. Im Endeffekt waren aber alle mit dem Kontinent glücklich, auf dem sie lebten. Eine Sache stand aber fest. Es würde irgendwann auf jeden Fall Gegenbesuche von uns in Europa geben.
    Mom nervte Dad schon seit Jahren, dass sie mal mit ihm nach Paris wollte. Jetzt kam natürlich noch dabei, dass sie die Heimat ihrer Vorfahren kennen lernen wollte.
    Das würde Keela auch wirklich gerne mal machen. Sie träumte auch seit Jahren von einer Reise nach Irland und hatte mehrere Bücher über das Land ihrer Vorfahren. Da wir inzwischen auch Einladungen von Sandra und Christian sowie jetzt die Einladung von Katrijn und Marc hatten, fürchtete ich, dass wir mit einer Europareise nicht hinkommen würden. Auch, wenn dort alles dichter zusammenlag, wäre Irland, die Niederlande und Schweden doch zu viel für einen Urlaub. Es stand aber fest, dass wir dort hinkommen würden.

    Als mal wieder Keelas Laptop pingte, ließ sich Katrijn dann aber doch hinreißen, sich von Keela die Software zeigen zu lassen. Katrijn hatte schließlich den Vergleich mit mehreren europäischen Logistikprogrammen, da jeder Kunde der Mulder Logistiek wieder sein eigenes Süppchen kochte. Außerdem war sie auch häufig in der europäischen Frachtenbörse Timocom, um Rückladungen für die Trucks zu bekommen.
    „Vielleicht sollten wir auch eine entsprechende Satellitenkommunikation bei uns einführen.“ Meinte Katrijn abschließend. Das würde vieles vereinfachen." „Habt ihr sowas nicht?“ „Bisher nicht, da ja jeder Kunde wieder eigene Programme hat. Wir haben zwar ein Ortungssystem für unseren Fuhrpark und auch die festen Subunternehmer. Der Rest läuft über Handy.“ „Geht die Ortung auch für die Trailer?“ „Bisher auch nicht. Joost hält das im Moment in einer Excel Datei nach, welcher Trailer gerade bei welchem Kunden steht oder an welcher Maschine hängt.“ „Jetzt habt ihr aber wieder mit dem Thema Arbeit angefangen.“ Grinste ich. Die Gemeinsamkeiten waren halt zu hoch und damit auch das professionelle Interesse.

    Der Nachmittag verging dann wieder wie im Flug. Man hatte einfach so viel zu erzählen und auch zu erfahren. Als sich die Uhrzeit dann auf sechs Uhr fortbewegt hatte, wollten unsere Gäste dann doch langsam aufbrechen. Da ich auch schon in der Nacht wieder losmusste, war mir das recht.
    Wie ich vorausgesehen hatte, war außer mir keiner mehr Fahrtüchtig. Keela hätte vielleicht noch fahren können, hatte aber auch ein, zwei Gläser Chardonnay getrunken und wollte auch den Führerschein nicht riskieren. Dad rief dann ein Taxi, was die Vier wieder zum Haus meiner Eltern bringen sollte. Den Cadillac würde er morgen bei uns abholen.
    Wir verabschiedeten uns ganz besonders herzlich bei unseren europäischen Gästen und versprachen fest, nach Brabant zu kommen und den Gegenbesuch zu machen. Wir bedankten uns auch über den Einblick, den uns Marc und Katrijn über das Trucking in Europa verschafft hatten.
    Schließlich kam das Taxi und holte unsere Gäste ab.

    Keela und ich räumten dann noch die Sachen vom Barbecue weg, bevor wir dann auch wieder nach oben gingen. Dort machten wir es uns dann auf der Couch gemütlich, wo wir das Wochenende ausklingen lassen wollten.
    Irgendwann sagte Keela dann: „Es sieht so aus, als müsstest du mal wieder nach Texas.“ „Okay. Dann haben wir die 50/50 Chance, dass ich am kommenden Wochenende mit dir surfen kann.“ „Viel Auswahl habe ich auch nicht. Es muss mal wieder Feuerwerk gefahren werden.“ „Das Gefahrgut Problem.“ „Genau.“ „Okay. Dann eben nach Texas.“

    Keela kuschelte sich in meinen Arm. „Hättest du mich auch genommen, wenn ich zehn Jahre älter wäre?“ „Wenn du sonst immer noch du wärst, dann auf jeden Fall.“ „Das ist schön.“ „Hättest du mich auch genommen, wenn ich zehn Jahre jünger wäre?“ „Bestimmt nicht. Dann wärst du ja erst knappe 13.“ „Du bist blöd. Ich meine natürlich, wenn ich auch knapp 23 wäre und du eben 33.“ „Okay. In dem Fall schon.“ „Ich finde, Katrijn und Marc haben alles richtig gemacht. Hat einer von den beiden erzählt, wann sie sich zum ersten Mal gesehen haben?“ „Katrijn sagte mir das. Da war Marc wirklich noch ein Schulkind. Er ist ja in den Ferien auch schon mal bei seinem Vater mitgefahren. Da Marc in Deutschland aufgewachsen ist, hatte er ja teilweise andere Ferienzeiten, als Joost. So konnte Pieter dann wohl mal den einen Sohn und dann wieder den anderen mitnehmen.“

    Irgendwann musste ich Keela aber dann alleine lassen. Ich musste noch ein paar Stunden schlafen, bevor ich wieder losmusste.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Comments 13

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Aber eine Stelle hast Du leider mal falsch recherchiert, ist aber auch "mein" Konzern :P Caterpillar hat 2008 angekündigt, keine Truckmotoren mehr zu bauen und das dann bis 2010 auch umgesetzt. Die dann gültigen Abgaswerte hätten eine komplette Neukonstruktion der gesamten Motorenpalette zur Folge gehabt. Mit Teiloptimierung war nichts mehr raus zu holen. Die Road Engine Division macht nur noch Ersatzteilversorgung und Komplettüberholungen von Motorblöcken.

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      Sauerlaender -

      Kann ja schon mal vorkommen. Ich bin zwar einer der Tagebuchschreiber, die einen recht hohen Recherche-Anteil haben, aber bei manchen Sachen spare ich mir da die Arbeit. Vor allem, wenn es da nur um einen Satz geht. ;)

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben. Schön wieder was von den Niederländern zu lesen.

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    infinity -

    Die Welt ist ein Dorf :D Wieder ein tolles Kapitel - schön ausführlich, sodass ich fürs Lesen knapp eine Stunde (wegen Kopfkino) gebraucht habe :)

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      Sauerlaender -

      Leider ist mir zu spät eingefallen, dass ich dich hätte anschreiben können, um mir auch ein Bild von eurer Website zu besorgen.

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      infinity -

      Das findet sicher auch noch irgendwann wieder seine Möglichkeit zum Einbau. Und du bringst mich mit dem Satz gerade auf eine Idee :D

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    elwime -

    Schöne Geschichte mit beide M & M's und auch noch verwandt