TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

53. Nachtflug, gestresste Dispatcher und Elefantenrennen

  • Sonntag, den 30. September 2018, 9:00 p.m., Central Daylight Time, Nashville, TN:

    Nachdem ich von dem Besuch im Lane Motor Museum wieder zurück am Truck war, legte ich mich noch mal ein wenig hin. Gegessen hatte ich schon auf dem Weg vom Busbahnhof zum Truckstop. Es gab eh nur einen Burger auf die Hand.
    Lange konnte ich aber nicht mehr schlafen. Wir standen vor den verschiedensten Aktionen. Ende Oktober war Halloween und knapp vier Wochen später war Thanksgiving, mit dem darauffolgenden Black Friday. Weitere vier Wochen später war schon Weihnachten. Das bedeutete, dass im Einzelhandel nun der Teufel los war. Selbst die Filialleiter wussten bald nicht mehr, wie sie dekorieren sollten. So war an eine Reset-Verlängerung nicht mehr zu denken.
    Am Abend um Neun musste ich also wieder starten. Es stand mir mal wieder eine Nachtschicht bevor. Ich erledigte die PTI des Bobtails. Danach schaute ich dann im ORBCOMM, was Danny mir zugedacht hatte:

    PICKUP: CST-TNNAV
    GATE: 01
    TRAILER: RE53984
    FREIGHT: FROZEN VEGETABLES
    WEIGHT: 32,738 LB
    DROP: COW-AZPHX
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Es gab also Tiefkühlgemüse nach Phoenix, Arizona. Das war zwar nicht Kalifornien, aber der beste Weg dorthin. Um viertel nach Neun machte ich mich auf den Weg durch das abendliche Nashville. Ich brauchte dann eine knappe Viertelstunde, dann hatte ich das Zentrallager erreicht.
    Am Sonntagabend meldete ich mich natürlich beim Lagermeister an. Der hatte auch inzwischen meine fertigen Papiere bereitliegen. ORBCOMM meldete mich ja, wie immer an. Nach dem Papierkrieg konnte ich dann ans Tor 1 fahren, wo mein Reefer auf mich wartete. Ich sattelte auf und erledigte die PTI des Trailers. Um viertel vor Zehn war alles erledigt und ich konnte losfahren.

    Ich fuhr zur Interstate. Das war in diesem Bereich die I-65 die hier entlangführte. Dort ging es erst in Richtung Norden. Lange blieb ich aber nicht auf der I-65. Nach ein paar Meilen wechselte ich auf die I-40 W in Richtung Memphis. Die I-40 war sowieso eine meiner Hauptrennstrecken. Jetzt ging es auch erstmal ruhig und entspannt durch die Nacht.
    Die nächsten 200 Meilen passierte dann auch nichts Besonderes oder Nennenswertes. Viel geschah danach auch nicht. Ich passierte das nächtliche Memphis und überquerte dann den Mississippi. Nun war ich im Heimatstaat von Walmart, in Arkansas.
    Es ging weiter über die I-40 W, jetzt in Richtung Little Rock. So weit fuhr ich erstmal aber nicht. Da ich doch etwas zu wenig geschlafen hatte, merkte ich nun nach einer Weile, dass mich die Müdigkeit wieder einholte. Die Augenlieder wurden schwer und die Müdigkeit machte sich breit. Ich schaffte noch etwa 100 Meilen, dann wurde es mir zu gefährlich.
    Ich hatte zwar Spurassistent und Notbremsassistent, sowie Abstandstempomat an Bord, trotzdem wollte ich nicht dem Sekundenschlaf erliegen. An der Ausfahrt 175, Lonoke / Beebe, fuhr ich von der Interstate. Hier gab es eine Valero Tankstelle für Trucks, die auch ein paar Parkplätze hatte. Da es die Nacht von Sonntag auf Montag war, hatte ich Glück, dass noch nicht so viele Kollegen unterwegs waren. Ich bekam noch eine Parklücke. Es war halb Drei, als ich schließlich den Motor abstellte und Pause machte.
    Ich stieg auch nur aus, um kurz meine Blase zu entleeren. Anschließend ging ich sofort wieder in den Truck. Dann verkrümelte ich mich in meinen Sleeper. Ich wollte noch mal knapp zwei Stunden schlafen.

    Kurz vor halb Fünf wurde ich wieder wach. Jetzt fühlte ich mich auch wieder etwas besser. Der Schlaf hatte mir gutgetan. Ich stieg noch mal aus und goss noch mal einen der Bäume, die hier am Rand der Parkplätze standen. Da der Kaffee nun weggebracht war, konnte ich mir im Truck wieder einen einschütten. Um halb Fünf startete ich die Maschine wieder und machte mich wieder auf den Weg. Zwei Stunden Pause hatte ich jetzt hinter mir.
    Ich verließ das Gelände der Tankstelle und fuhr wieder auf die I-40 W Richtung Little Rock. Die Stadt hatte ich dann nach 20 Meilen erreicht. Dort folgte ich dann an der Gabelung weiter der I-40 W in Richtung Fort Smith.

    Den Morgen verbrachte ich dann damit, durch Arkansas zu fahren. Das Cruisen über die langen Strecken mochte ich gerne. Der Paccar unter meiner Haube schnurrte, wie eine zufriedene Katze und ich hörte noch Gute Laune Musik dazu. Auf der Straße war nicht allzu viel los, so konnte ich gemütlich dahinrollen. Im Spiegel sah ich dann die aufgehende Sonne, die die Landschaft in ein warmes, orangerotes Licht tauchte. Da war wieder einer der schönen Momente der Trucker Romantik.

    Mit dem Übergang des Morgens in den Vormittag kam für mich auch der Übergang von Arkansas nach Oklahoma. Nun konnte ich mir langsam überlegen, wo die Schicht enden sollte. Wenn es weiter so gut und entspannt laufen sollte, würde ich bis nach Oklahoma City kommen. Ganz kurz kam mir die Erinnerung an die vergangene Woche, wo ich, um mein Ziel St. Louis zu erreichen, eine gute halbe Stunde überzogen hatte. Ich wischte den Gedanken aber weg, wie eine lästige Fliege. An die mahnenden Worte der Chip’s, es etwas entspannter angehen zu lassen, dachte ich heute gar nicht.
    Die Gedanken wurden dann auch durch einen anderen abgelöst. Es machte ein „Ping“ im Armaturenbrett und die Tankleuchte war an. Außerdem sprang das Display vom Bordcomputer auf die Anzeige mit Tankinhalt und Reichweite. Eigentlich wollte ich mit meinem Diesel bis nach Texas kommen. Das konnte ich mir klemmen. Der Tankstopp müsste noch in Oklahoma stattfinden.
    Ich bemühte also meine App und suchte nach Truckstops im Raum Oklahoma City. Es gab mehrere Adressen meiner Lieblingsgruppe Pilot / Flying J. Ich entschied mich dann für einen Flying J an der Ausfahrt 140 Morgan Road in Oklahoma City. Zu meiner Überraschung gab es an dieser Ausfahrt 4!!! Truckstops. Je einen von Flying J, Pilot, TA und Love’s. Wenn ich da nicht fündig würde, wo denn dann?
    Da der Verkehr dann in Oklahoma City wieder dichter wurde, ging mir beinahe die Zeit aus. Mit 10 Stunden und 52 Minuten stand ich dann bei den besagten Flying J an der Zapfsäule. Ich musste ja noch tanken. Als ich den hiesigen Dieselpreis von $2,96 sah, entschied ich mich sogar um. Ich tankte hier nicht nur ein paar Gallonen nach, sondern machte die Tanks voll. Anschließend setzte ich den Lastzug nur noch auf den Parkplatz und machte Feierabend.
    Nachdem ich dann die Dusche benutzt hatte, ging ich zum Essen. Die örtliche Restaurant-Kette war dieses Mal Huddle House, die ja mit ihrem Slogan „Any Meal. Any Time.“ warben. Das war um die Mittagszeit zwar nicht unbedingt aussagekräftig, aber egal. Ich entschied mich dann für Ribeye Steak & Shrimp. Dazu nahm ich zur Abwechselung heute mal wieder einen Dr. Pepper. Zurück im Truck entschied ich, mein Telefonat mit Keela auf den Abend zu verschieben, da meine Süße noch im Büro war. Außerdem rief das Bett schon wieder ganz laut nach mir.

    Montag, den 1. Oktober 2018, 7:30 p.m., Central Daylight Time, Oklahoma City, OK:

    Da ich ja noch mit Keela telefonieren wollte, hatte ich meinen Wecker bereits auf halb Acht gestellt. Dann folgte die übliche Morgenroutine am Abend. Kaffee aufsetzen, duschen, Kaffee im Truckstop und zurück zum Truck. Dort begann ich nicht, wie sonst mit der PTI, sondern nahm mir erstmal mein Handy.
    „Hallo mein Schatz.“ Begrüßte mich Keela. „Musst du schon wieder arbeiten?“ „Eine gute halbe Stunde habe ich noch Zeit für dich.“ „Das ist schön.“ Berufliches hatten wir nicht zu besprechen. Also erzählte Keela noch von ihrem Wochenende in Pacifica. „Du bist jetzt übrigens bei den meisten gut angekommen. Jeff hat dann noch beim Mittagessen in die Runde gesagt, dass wenn irgendjemand was gegen dich hat, bekommt er es mit ihm zu tun.“ Ich staunte nicht schlecht. Hatte ich doch immer gedacht, dass Jeff was gegen mich hat. „Gehöre ich jetzt offiziell zu eurer Clique?“ „Ich denke, das wirst du erst, wenn du noch ein paarmal da gesurft hast. Mich haben sie sehr schnell aufgenommen.“ „Aha.“ „Du hättest aber den ersten Tag miterleben sollen. Da kamen fast alle an und meinten Mädchen, geh lieber nach Linda Mar, das ist hier nichts für dich.“ „Und dann?“ „Dann habe ich denen gezeigt, was ich kann.“ „Da du besser surfst, als einige von denen, haben sie dich akzeptiert.“ „Tue ich das?“ „Jeff meinte letztes Mal zu mir, dass du von den Frauen die beste Surferin bist.“ „Wenn Jeff das sagt, ist das ein Ritterschlag.“ „Ich kann die anderen aber auch verstehen. Da kommt ein junges, hübsches Mädchen an, mit einem Van aus Minnesota und dem dazu passenden Midwest Akzent. Die glauben doch alle, dass du vielleicht ein, zweimal gesurft hast.“ „Hört man den Midwest Akzent so stark? Ich merke das ja gar nicht.“ „Hat sich schon gebessert. Letztes Jahr fiel das noch mehr auf.“ „Ich wundere mich immer. Die Wirtin in dem Motel in Santa Monica sagte das ja auch.“ „Selbst hört man das ja auch nicht.“ „Ihr hört wahrscheinlich den Westküsten Slang nicht.“ „Haben wir sowas?“ Keela musste herzhaft lachen. „Man hört dir genauso an, wo du herkommst, wie mir.“ Jetzt mussten wir beide lachen. „Ich bin immer wieder froh, dass wir zusammen so viel lachen können.“ Meinte Keela. „Geht mir genauso.“ „Trotzdem musst du jetzt arbeiten.“ Sagte Keela mit strenger Stimme. „Die Ladung ist dringend.“ „Okay Boss. Dann schlaf jetzt schön und träum von mir.“ „Mache ich. Ich habe dich ganz doll lieb.“ „Ich liebe dich auch, Süße.“ Nun legten wir auf und ich begann mit meiner PTI.

    Um neun Uhr fuhr ich dann vom Parkplatz des Truckstops. Ich fuhr die paar Yards zum Freeway und fuhr dann auf die I-40 W in Richtung Texas. Ich beschleunigte auf 66 mph und stellte den Tempomat ein. Nun rollte ich gemütlich durch den späten Abend.
    Als ich Texas erreichte, war der Abend dann endgültig zur Nacht geworden. Ich fuhr dann mal wieder an Amarillo vorbei und hielt mich weiter in Richtung Albuquerque. Ich hatte hin und her überlegt, ob es nun Sinn machte, noch mal nachzutanken, bevor ich nach New Mexico kam. Günstiger als in Texas konnte man aber in der ganzen USA nicht tanken. Schließlich entschied ich mich dafür, das ganze gleich mit einer Pause zu kombinieren. Dann sollte es auch Sinn machen.
    Ich nahm also mal wieder die Ausfahrt 36, Channing / Hereford und fuhr zum Pilot Travel Center, Vega, TX. Hier war der Diesel zwar auch nur einen Cent pro Gallone günstiger, als gestern in Oklahoma, aber eben einige Cent günstiger, als überall, westlich von hier.
    Ich machte die Tanks noch mal richtig voll. Danach setzte ich den Lastzug von den Zapfsäulen weg auf einen freien Parkplatz. Jetzt, nachts um Eins könnte ich gut den Slogan vom Restaurant gestern gebrauchen: „Any Meal. Any Time.“ Ich hatte nämlich Hunger.
    Aber auch in diesem Truckstop war es kein Problem, um diese Zeit was Anständiges zu essen zu bekommen. So verbrachte ich meine Pause dann bei Pizza und Coke. Nach dem Essen suchte ich noch mal die Sanitärabteilung auf, bevor ich dann um zwei Uhr wieder weiterfuhr.

    Ich fuhr wieder zurück zur Interstate und bog dort wieder auf die I-40 W ab. Nun war für die nächsten sieben Stunden Meilenfressen angesagt. Es dauerte zwar nur noch eine knappe halbe Stunde, bis ich die Grenze nach New Mexico erreicht hatte, durch diesen Staat wollte ich in dieser Schicht aber noch komplett durch. Außerdem hatte ich das Vergnügen, dass ich die Uhr wieder zurückstellen konnte und wir nun wieder halb zwei hatten.
    Ich flog weiter durch die Nacht. Tucumcari, Santa Rosa, Albuquerque. Der Truck lief im Tempomat und so rollte ich sehr entspannt dahin. Die wenigen leichten Hügel auf der Strecke bügelte der Paccar MX13 im 18. Gang weg.
    Gallup erreichte ich dann im Berufsverkehr. Auf der linken Spur konnte man aber zum Großteil entspannt dahinrollen. Dann kam die Grenze nach Arizona und wieder stellte ich die Uhr eine Stunde zurück. Jetzt stimmten Log Zeit und Echtzeit wieder überein.
    Nun wurde ich aber auch müde. Die lange Fahrt durch die Nacht und den frühen Morgen machte sich bemerkbar. Mein Tagesziel stand aber fest. Es hieß Love’s Travel Stop und war in Joseph City, AZ. Einer meiner bevorzugten Haltepunkte.
    Ich fuhr noch an Holbrook vorbei und näherte mich dann meinem Ziel. Kurz vor Sieben erreichte ich die Ausfahrt mit der Nummer 277. Dort verließ ich dann die Interstate. Dann noch mal rechts und einmal links und ich war auf dem Truckstop. Zum Glück hatten sich schon genug Kollegen auf den Weg gemacht, dass ich mir die Parklücke sogar aussuchen konnte.


    Aussuchen konnte ich mir nach dem Duschen auch, welchem Systemgastronomen ich heute mein Geld zukommen lassen konnte. Ich hatte die Wahl zwischen Subways und Chester’s. Nach Subways war es mir gar nicht. Nach Burger aber auch nicht. Es wurde dann Chester’s Tender Salad, außerdem noch eine Portion Green Beans. Runtergespült wurde das Ganze dann mit einer Diet Pepsi.
    Nach dem Essen ging ich noch eine Runde über den Parkplatz, danach ging es ins Bett.

    Dienstag, den 2. Oktober 2018, 4:15 p.m., Mountain Standard Time, Joseph City, AZ:

    Als mein Wecker am Spätnachmittag um viertel nach Vier klingelte, stand mir die nächste Nachtschicht bevor. Die Morgenroutine fand erstmal wieder wie immer statt. Nach dem Aufsetzen des Kaffees unter die Dusche und nach dem Kaffee im Truckstop zurück zum Truck.
    Hier hielt ich es aber dann, wie gestern und telefonierte erstmal mit Keela. Dabei hatte ich Glück, sie überhaupt zu erreichen. Nach ihrem Feierabend hatte sie nämlich erstmal die Electra Glide aus der Halle geholt und war eine kurze Tour in die Sierra Nevada gefahren. Im Büro war wieder viel los gewesen und Sie brauchte die Tour zum Runterkommen.
    Dabei bewunderte ich meine Freundin mal wieder. Die Maschine wog über 900 Pfund und Keela meisterte sie trotzdem Spielend. Ein Frauenmotorrad war was Anderes. Eine Yamaha MT-10 wog Beispielsweise selbst mit der 1000 Kubik Maschine gerade mal die Hälfte.
    Jetzt war Keela gerade ein paar Minuten wieder da und ich rief an. Sie freute sich trotzdem, meine Stimme zu hören und erzählte mir noch ein wenig von ihrer Tour. Außerdem erzählte sie noch, was im Moment im Büro los war. Das Geschäft vor den Feiertagen war halt schon im vollen Gange. Die meisten Leute können sich ja gar nicht vorstellen, wie lange vor den Feiertagen die Waren schon im Umlauf waren.
    Irgendwann während dem Telefonat wurde auf einmal im Telefon angeklopft. „Hey, Süße. Jessy klopft an, ist irgendwas Besonderes?“ „Wann hast du denn deine Pause um?“ „Um Fünf. Warum?“ „Dann schau mal auf die Uhr. Dann weißt du was Jessy will.“ „Oh man, das ist ja schon halb Sechs.“ „Eben.“ Das anklopfen hörte auf. „Okay, Süße. Dann müssen wir morgen weitersprechen.“ „Machen wir. Bis dann. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“ Wir legten auf und ich rief im Büro zurück.
    „Sorry, Jessy. Ich habe mich mit Keela verquatscht.“ „Ich dachte schon, du hättest schon wieder verschlafen.“ „Nee. Bin schon seit viertel nach Vier auf.“ „War Keela denn jetzt wieder besser drauf? Vorhin war sie total genervt.“ „Sie war danach eine Runde mit ihrer Harley unterwegs. Das hilft fast immer.“ „Dann geht’s ja.“ „Okay. Ich mache jetzt die PTI und fahre dann los.“ „Dann sieh mal zu, bevor dein Gemüse auftaut.“ Wir legten auf und ich machte die Kontrolle. Um viertel vor Sechs rollte ich dann vom Parkplatz.

    Jetzt zweimal rechts und ich war wieder auf der I-40 W. Ich beschleunigte den Zug auf 66 und legte den Tempomat ein. Bis Flagstaff ging es dann auf dieser Interstate weiter.

    Nach knapp eineinhalb Stunden hatte ich dann die 80 Meilen bis nach Flagstaff zurückgelegt und wechselte dort auf die I-17 S in Richtung Phoenix. Nun ging es knapp zweieinhalb Stunden über diese Interstate, die im Gegensatz zu den meisten Interstates viele Kurven und viele Steigungen und Gefälle hatte. Daher war an diesem Abend nicht an ein entspanntes Dahinrollen zu denken. Zumal ich auch immer wieder gezwungen war, langsamere Lastzüge zu überholen.
    Nun kam ich wieder in die Stadt, in der mein Navi immer wieder verrückt spielte und ich mich aus diesem Grund immer wieder mal verfuhr. Das Kreuz von I-17 und I-10, auf das ich gerade zufuhr verlockte aber auch zum Falschfahren. Trotzdem sah es mit den Zahlreichen Brücken immer wieder eindrucksvoll aus.

    Mitten in dem Chaos aus Highways und Autobahnkreuzen kam dann auch noch das ORBCOMM mit: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Als ich gerade beim Costco Wholesale ankam, folgte die Meldung: Neuer Auftrag eingegangen. Ich warf erstmal nur einen kurzen Blick auf das Tablet um zu sehen, ob ich hier was bekam. Da das nicht der Fall war, ging ich erstmal ins Büro und meldete mich an. Ich bekam meine Unterschriften wie immer unter Vorbehalt und durfte den Trailer dann am Dock absatteln. Um viertel nach Zehn war das erledigt und ich konnte nach dem nächsten Auftrag schauen:

    PICKUP: BBY-AZPHX
    GATE: 03
    TRAILER: DV53BBY
    FREIGHT: DOMESTIC APPLIANCES
    WEIGHT: 25,650 LB
    DROP: EST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: TRAILER IS PROVIDED BY BEST BUY

    WAT-CASAC-DSN.

    Es gab also einen Heimatschuss. Wahrscheinlich zu früh, um zu Hause den Reset zu machen. Vielleicht gab es danach dann aber noch eine kurze Tour. Ich übernahm die Adresse ins Navi und stellte zu meiner Erleichterung fest, dass das Best Buy Lager nur eine Viertelstunde von hier entfernt war.
    Ich fuhr zu dem Lager, dass sich in der Nähe des Flughafens befand. Dort angekommen war ich schon wieder vom ORBCOMM angemeldet worden. Allerdings hatte der Mitarbeiter, der Nachtschicht hatte, die Papiere noch nicht ganz fertig. „Sattele schon mal auf, aber tu dir die Ruhe an. Ich muss diese Sendung hier noch fertig kommissionieren, danach mache ich deine Papiere eben fertig.“ Bei Standard Priorität machte es sowieso keinen Sinn, Druck zu machen. Ich sattelte also ganz in Ruhe auf und erledigte dann eine gründliche PTI. Trotzdem fand ich nichts zu beanstanden. Dann ging ich zu dem Mitarbeiter zurück, der inzwischen im Büro war.
    „Du hast Glück, dass die Spätschicht wenigstens schon alles verladen hatte. Die sind nur nicht mehr zum Papiere schreiben gekommen.“ Er bot mir für die Wartezeit noch einen Kaffee an. Nach zehn Minuten hatte er dann aber alles fertig und ich konnte unterschreiben. Um elf Uhr war ich dann wieder startklar.

    Es ging dann über ein paar Ortsstraßen, bis ich dann auf den AZ-220 Loop W auffahren konnte. Über diesen Highway gelangte ich dann zur I-10 W in Richtung Los Angeles. Nun sah ich zu, dass ich aus der Metropole wieder rauskam. Mit Phoenix würde ich mich wohl nie anfreunden. Da fuhr ich sogar zehnmal lieber nach Downtown Los Angeles, als hier hin.
    Ich fuhr dann erstmal eine knappe Stunde durch die Nacht, dann hielt ich auf der Burnt Well Rest Area WB an. Mein GPS verwirrte mich erstmal kurz, bis ich richtig hinsah. Ich war im Ortsbereich von Tonopah, AZ, was natürlich nichts mit dem gleichnamigen Ort in Nevada zu tun hatte. In den USA gab es aber nun mal fast jeden Ortsnamen mehrfach.
    Ich machte mir eine Dose Tomatensuppe in der Mikrowelle warm und löffelte sie anschließend in Ruhe. Danach machte ich mir noch ein paar Sandwiches. Anschließend ging ich ein paar Schritte über den Parkplatz und atmete die kühle Nachtluft ein. Zurück im Truck legte ich mich noch ein paar Minuten aufs Ohr. Um zwei Uhr machte ich mich dann schließlich wieder auf den Weg.

    Bis zu meinem nächsten Zwischenziel war es nicht mehr weit. Es waren noch 85 Meilen bis nach Ehrenberg, AZ. Dort wollte ich dann, wie immer, wenn ich aus Arizona nach Kalifornien fuhr noch mal die Tanks füllen. Nach eineinhalb Stunden Fahrzeit kam ich an dem Grenzort am Colorado River an. Ich fuhr an der Ausfahrt 1 von der Interstate und bog links ab. Kurz darauf hatte ich den Flying J Truckstop erreicht. Es passten 140 Gallonen Diesel in meine Tanks. Bei einem Preis von 3,09 $ lohnte sich der Zwischenstopp. Ich hielt aber nur zum Tanken und holte mir im Anschluss einen Kaffee. Danach fuhr ich sofort weiter. Wenn ich in der morgigen Schicht nach Hause wollte, musste ich noch bis nach Palm Springs fahren.

    Ich fuhr wieder zurück und bog wieder auf die I-10 W ab. Nun kam der Endspurt für heute. Auch wenn das der falsche Begriff war im Gegensatz zum Tempo der restlichen Schicht durfte ich ja jetzt nur noch mit 55 mph fahren. Ich machte jetzt meine restliche Fahrzeit voll und fuhr sozusagen in den anbrechenden Morgen. Heute nahm ich dann aber nicht den Truckstop in North Palm Springs, sondern fuhr noch ein Stück weiter. So hatte ich morgen noch ein wenig Luft. Um viertel nach Sechs stellte ich den Truck dann auf der Whitewater Rest Area ab. Hier sollte für diese Schicht Feierabend sein. Da ich von der Schicht ziemlich kaputt war, legte ich mich dann auch sofort in mein Bett.

    Mittwoch, den 3. Oktober 2018, 3:00 p.m., Pacific Daylight Time, Palm Springs, CA:

    Um drei Uhr am Nachmittag stand ich wieder auf. Wie üblich wurde zuerst die Kaffeemaschine in Betrieb gesetzt. Anschließend suchte ich die Toiletten auf. Duschmöglichkeiten gab es hier eh nicht. Daher musste ich auch hinterher wieder mit dem Wasserkanister vorlieb nehmen. Danach machte ich mir ein paar Sandwiches. Während ich aß, rief ich zu Hause an. „Hallo mein Schatz.“ Begrüßte mich Keela. „Hallo Süße. Ich hatte schon befürchtet, dass du wieder auf dem Motorrad bist.“ „Ich musste erstmal was essen, als ich zu Hause war. Wahrscheinlich fahre ich aber gleich noch eine kleine Runde.“ „Ich habe eine gute Nachricht für dich. Da ich von Palm Springs aus losfahre, komme ich heute nach Hause. Außerdem ist dann meine Fahrzeit so voll, dass es keinen Sinn macht, nur umzusatteln und dann wieder loszufahren.“ „Cool. Wann bist du denn hier?“ „Ich denke mal am sehr frühen Morgen.“ „Das ist ja blöd.“ „Warum denn das?“ „Weil ich Frühschicht habe. Du bist also zu Hause, während ich arbeite.“ „Daran hab ich jetzt gar nicht gedacht.“ „Wir werden uns wenigstens kurz sehen. Entweder vor der Arbeit oder danach.“ „Das ist doch wenigstens etwas.“ „Man muss sich ja auch über Kleinigkeiten freuen.“ Wir telefonierten noch ein wenig weiter. Um viertel nach Vier legten wir dann aber auf. Keela wollte noch die letzten Sonnenstrahlen auf dem Motorrad nutzen und ich konnte wieder arbeiten. Ich erledigte die PTI und fuhr um halb Fünf wieder los.

    Es ging wieder zurück auf die I-10 W, die mich dann nach LA führen würde. Und das um diese Uhrzeit. Ich rechnete damit, in die Rushhour zu geraten. Nach einer halben Stunde hatte ich den Großraum Los Angeles erreicht. Im Moment hatte ich aber wieder das Glück, dass ich antizyklisch fuhr. Während die meisten Leute aus LA raus wollten, fuhr ich weiter rein. Ich wechselte auf die CA-210 W Richtung Pasadena. Es ging an San Bernadino vorbei ins San Antonio Valley, wo die CA-210 zur I-210 wurde. In Pasadena stand dann auch das erste Mal der Name meiner Heimatstadt auf den Schildern.
    Bei San Fernando wechselte ich dann auf die I-5 N Richtung Heimat. Nun hatte ich das Schlimmste hinter mir. Vor mir lag nun der Anstieg zum Tejon Pass.

    Eine gute Stunde später folgte ich dann weiter der I-5 N und ignorierte die CA-99. Eine weitere Dreiviertelstunde später erreichte ich die Ausfahrt 257. Ich fuhr von der Interstate und steuerte den Lastzug mal wieder auf den TA Truckstop Buttonwillow.
    Als ich auf dem Parkplatz stand, reservierte ich mir über die App eine Dusche. Anschließend ging ich in den Truckstop, um diese zu nutzen. Frisch geduscht ging ich im Popeyes vorbei und besorgte mir noch zwei Burger. Die nahm ich mir mit in den Truck und verspeiste sie dort. Um viertel nach Zehn machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Ich fuhr zurück auf die I-5 N. Nun war der nächste Nachtflug angesagt. An der Waage brauchte ich heute nicht raus. Vielleicht waren die Chip's ja auch immer noch auf der Jagd nach Doubles. Ich hatte ja nur einen Trailer. Der maß zwar auch 53 Fuß, das war aber inzwischen normal. Die nächsten vier Stunden ging es erstmal in aller Ruhe mit 55 mph durch die Nacht. Ich hatte einen Sender mit Classic Rock Music laufen, der mich wachhielt. Manche Songs drehte ich dann laut und sang laut mit. Mich hörte ja keiner.

    Bei Vernalis hätte ich beinahe noch den Abzweig verpasst, weil ich gerade am Überholen war. Ich musste mich dann dazwischen mogeln, um weiter auf der I-5 N zu bleiben. Sonst wäre ich in Richtung Frisco unterwegs.
    Eineinhalb Stunden Später war ich in Sacramento. Ich fuhr zu unserem Außenlager in North Sacramento. Um halb Vier in der Frühe kam ich dort an und konnte den Best Buy Trailer auf der Rückseite der Halle ans Dock stellen. Dann dachte Danny wohl das Gleiche, wie ich:

    10 H-BREAK

    WAT-CASAC-DSN.

    Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich fuhr vom Gelände des Außenlagers und machte mich auf den Weg nach Hause. Um vier Uhr kam ich dann zu Hause an. Ich stellte den Kenny in die Halle und ging nach oben.
    Dort ging ich leise ins Schlafzimmer, wo Keela noch friedlich schlief. Ich zog mich aus und legte mich neben sie ins Bett. „Wer schleicht sich denn da in mein Bett?“ murmelte Keela. „Muss wohl ein Einbrecher sein.“ Flüsterte ich. „Dieser Einbrecher darf gerne öfter vorbeikommen.“ Flüsterte Keela und kuschelte sich in meinen Arm. Leider konnte sie dort nur eine gute halbe Stunde verbringen, dann klingelte ihr Wecker.
    „Der Wecker ist gemein.“ Meinte Keela. Sie fügte sich aber ihrem Schicksal und stand auf. Ich stand dann auch noch mal auf und machte für Keela einen Kaffee, den ich ihr dann ins Bad brachte.
    Dort erwischte ich sie, wie sie gerade aus der Dusche kam. „Hey, Süße, ein Kaffee für dich.“ „Du bist doch jetzt nur hier, weil du mich nackt sehen wolltest.“ Meinte Keela. „Vielleicht.“ Sagte ich mit einem Schelmischen Grinsen. „Trotzdem danke für den Kaffee.“ „Gerne, Süße.“ Ich bekam einen schnellen Kuss als Dankeschön. Dann ging ich wieder und ließ sie weitermachen. Ich blieb dann noch auf, bis Keela sich verabschieden musste, um Danny im Büro abzulösen. Danach ging ich dann schlafen.

    Donnerstag, den 4. Oktober 2018, 12:30 p.m., Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Am Mittag um halb Eins stand ich wieder auf. Ich verschwand im Bad und erledigte mal wieder das volle Körperpflegeprogramm. Wer weiß, wo ich zum Feierabend stehen würde. Anschließend zog ich mir gleich meine Dienstkleidung an. Im Schlafzimmer packte ich auch wieder ein paar Sachen zusammen, die wieder mit in meinen Kleiderschrank im Truck sollten. Anschließend ging ich in die Küche und schaute mal nach, was ich im Kühlschrank fand.
    Dann stellte ich mich an den Herd und Bereitete für Keela und mich das Mittagessen. Leider konnte ich dann nicht mit dem Essen auf Keela warten. Wenn sie Feierabend hatte, musste ich heute wieder anfangen. Ich machte aber schon mal einen Teller für Keela fertig, den sie dann nur vielleicht noch mal kurz in die Mikrowelle zum Aufwärmen stellen musste.

    Nach dem Essen packte ich noch ein paar Vorräte zusammen. Danach verließ ich unsere Wohnung und ging in die Halle runter. Ich schaltete die Systeme auf PTI und räumte schnell die Sachen im Truck ein. Dann öffnete ich das Hallentor und erledigte meine Abfahrtskontrolle.
    Auf einmal ertönte hinter mir die Stimme, in die ich mich vor einem guten Jahr verliebt hatte. „Musst du schon wieder los?“ „Hallo Süße. Du weißt ja selbst gut genug, wie viel im Moment zu tun ist.“ Wir gaben uns einen Begrüßungskuss. „Mann ist das blöd.“ Meinte Keela. „Da bist du einmal in der Woche zu Hause, da passiert das genau zu der Zeit, wo ich im Büro bin.“ „Dafür ist jetzt dein Mittagessen fertig. Kann nur sein, dass du es noch mal kurz aufwärmen musst.“ „Das ist ja lieb. Danke.“ Sagte Keela und gab mir einen langen Kuss.
    Wir wurden dann von dem Geräusch eines Paccar MX13 und dem Tönen von Drucklufthörnern gestört. Als wir uns umdrehten, stieg George gerade aus dem W900. „Na, ihr Turteltauben. Habt ihr nichts Besseres zu tun?“ „Hallo George. Willst du schon Feierabend machen?“ „Nicht wirklich. Ich habe nur gedacht, dass ich Keela eben die Papiere rüberbringe. Sie war zu schnell weg, da habe ich ihr die nicht mehr ins Büro bringen können.“ „Und wie geht es weiter?“ „Habe gerade eine Ladung Briefpapier aus Chico am Zentrallager abgestellt und soll jetzt am Außenlager eine Ladung Möbel für Bakersfield übernehmen. Sollte ich nicht eigentlich ab Oktober weiter wegfahren?“ „Eigentlich schon.“ „Die Dispatcher brauchen das aber noch als schriftliche Anweisung von Charlie. Wir haben da noch nichts bekommen. Muss ich ihn morgen mal darauf ansprechen.“ „Falls ich gleich zum Zentrallager muss, spreche ich ihn darauf an.“ „Auch gut.“ George drückte Keela die Papiere in die Hand. „Hier. Damit dir heute Nachmittag nicht langweilig wird.“ „Da wollte ich eigentlich ins Fitnessstudio.“ Meinte Keela. „Könnte euch beiden übrigens auch nicht schaden. Immer das ungesunde Fast Food an den Truckstops. Da muss Sport als Ausgleich her.“ Ich grinste Keela an und sagte: „My sport ist Transport.“ George grinste ebenfalls und meinte „Meiner auch.“ „Kerle.“ Meinte Keela und schüttelte den Kopf. „Lass die Papiere liegen, das machen wir am Wochenende.“ „Und wenn du nicht nach Hause kommst, bleibt wieder alles an mir hängen.“ „Dann gib sie mir mit. Dann mache ich sie auf jeden Fall bei meinem Reset.“ „Gut.“ Meinte Keela und drückte mir die Papiere in die Hand. „Dann könnt ihr jetzt weiter turteln.“ Meinte George und ging zurück zum W900. Als er vom Hof fuhr zog er noch mal kräftig an dem Seil für die Lufthörner.
    „Ich muss auch los. Sonst reißt mir Jessy die Ohren ab.“ „Dann gute Fahrt mein Schatz.“ Wir gaben uns einen Abschiedskuss. „Noch einen, bitte.“ Sagte Keela im Anschluss. Auch den bekam sie. „Guck mal nach, wo du hinmusst. Vielleicht brauche ich noch einen.“ Ich schaute ins ORBCOMM:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 02
    TRAILER: RE28596 / RE28585
    FREIGHT: FROZEN FOOD / YOGURT
    WEIGHT: 41,001 LB
    DROP: VIP-OREUG
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: STAA-DOUBLE. DOLLY-NO. (CA)7DL5766

    WAT-CASAC-JMU.

    „Mit einem Reefer-Double nach Oregon.“ Sagte ich zu Keela. „Da haben uns die Herren aus Bentonville auch einen super Gefallen getan.“ Sagte Keela und verdrehte die Augen. „Womit?“ „Dass die unseren Einzugsbereich seit 1. Oktober um Oregon erweitert haben.“ „Wieso eigentlich?“ „Kostenersparnis. Früher war Portland genauso ausgestattet, wie Sacramento, oder Minneapolis. Ein Food Lager, ein Nonfood Lager und Eine Niederlassung der Walmart Transportation. Bentonville hat jetzt aber die Transportation Niederlassung und mindestens eins der Läger geschlossen.“ „Haben die da jetzt weniger Trucks?“ „Das nicht. Die Trucks stehen ja an den Lägern. Die haben da aber keine Dispatch und keine Verwaltung mehr. Das dürfen wir jetzt mitmachen.“ „Oh, oh.“ „Dein Dad ist, glaube ich auch genervt. Jetzt muss er sich ja auch noch um Oregon kümmern. Da hatte er früher gar nichts mit am Hut.“ „Toll.“ Sagte ich und verdrehte jetzt ebenfalls die Augen. „Während der Umstellungsphase im Moment ist er drei Tage die Woche hier und drei Tage in Portland.“ „Aha.“ „Jetzt aber los, sonst bin ich wieder schuld, dass du zu spät bist. Eugene und zurück solltest du ja in dieser Woche noch hinbekommen.“ Ich stieg in meinen Truck und warf Georges Papiere auf den Beifahrersitz. Dann sah ich zu, dass ich zum Zentrallager rüberkam.

    Dort ging ich dann ins Büro und schaute erstmal, ob Charlie da war. Er saß an seinem Schreibtisch und arbeitete am PC. Dabei fluchte er leise. „Oh, noch jemand der gestresst ist.“ Bemerkte ich. Er blickte auf. „Hallo Marc. Ich hoffe du willst mich jetzt nicht auch noch ärgern. Keela hat doch sicher schon erzählt, was los ist.“ „Wegen Oregon?“ „Genau.“ „Habt ihr jetzt zu wenig Leute?“ „Im Büro auf jeden Fall. Bei den Fahrern geht das noch. Da wurden zwar auch welche freigestellt, aber die haben jetzt ja auch weniger Läger da.“ „Konntet ihr die Leute aus Portland nicht übernehmen?“ „Klar. Die Angebote haben die hohen Herren aus Bentonville den Leuten aus Portland schon gemacht. Die konnten gerne hierhin wechseln. Aber zu gleichen Bezügen. Wer zieht denn von Oregon nach Kalifornien, wo die Lebenshaltungskosten höher sind, ohne mehr Geld zu bekommen?“ „Also hat das keiner gemacht.“ „Kann sein, dass wir noch ein, zwei Leute bekommen. Die meisten wollen aus Portland gar nicht weg. Außerdem wissen wir auch nicht, wohin mit den Leuten. Wir haben ja auch nicht mehr Platz hier.“ „Verstehe.“ „Was kann ich denn für dich tun? Du bist ja sicher nicht hier, damit ich mich bei dir ausheule.“ „Es geht um George. Er sollte doch ab Oktober weitere Touren bekommen. Jetzt gurkt der immer noch in Nordkalifornien rum.“ „Ach, die Dienstanweisung für die Dispatcher. Die hatte ich in dem Stress völlig vergessen. Mache ich bei Zeiten fertig.“ „Okay. Das war’s schon.“ „Dann mal gute Fahrt.“ „Danke. Dann sehe ich mal zu, dass ich nach Eugene komme.“ „Mach das.“

    Ich ging zu Jessy rüber. „Ach, komme ich auch noch an die Reihe?“ fragte sie schnippisch. „Hallo Schwesterchen. Deinen Tonfall schiebe ich jetzt mal auf die Oregon Problematik.“ Sie nickte. „Manchmal frage ich mich, ob ich nicht besser bei Fedex geblieben wäre.“ „So schlimm?“ „Es geht. Im Büro sind aber alle im Moment sehr gereizt. Unser Team ist, glaube ich noch das Entspannteste von allen.“ „Vielleicht, weil ihr alle drei in einer glücklichen Beziehung seid. Ihr habt zu Hause noch den Ausgleich.“ „Wahrscheinlich. Dave hat mich für das Wochenende auch nach Vegas eingeladen.“ „Ihr wollt jetzt aber nicht heimlich heiraten.“ „Gott bewahre. Wir wollen nur ein wenig zocken und Spaß haben.“ „Verzockt aber nicht euer ganzes Geld.“ „Sagt der aus der Familie, der am meisten Schulden hat.“ Sagte sie mit einem Grinsen. „Das sind Geschäftsinvestitionen. Das hat jeder Unternehmer.“ „Ja, ja.“ Dann drückte sie mir die Papiere für meine Tour in die Hand. „Einmal zur Kantine von Vistaprint in Eugene. Ein Pup ist mit Tiefkühlware voll, einer mit Frischdienstware. Deshalb auch das Double.“ „In Europa fahren die sowas mit einem Zwei Zonen Reefer.“ Meinte ich grinsend. „Ja, ja. In Europa ist alles besser und in China ist ein Sack Reis umgefallen. Dafür haben die auch keine Road Trains da.“ „Nehmen die da in der Nacht an?“ „Auf jeden Fall. Die wollen von der Ware schon was für das Frühstück haben.“ „Na dann.“ Ich nahm die Papiere und ging wieder raus.

    Auf dem Weg zum Truck rief ich kurz bei Keela an. „Charlie macht die Anweisung fertig.“ „Okay, dann brauche ich ihn morgen nicht nerven. Dein Essen war echt lecker. Du kannst gerne öfter kochen.“ „Mal sehen. Vielleicht am Wochenende noch mal.“ Wir legten auf und ich sah zu, dass ich mein Double aufnahm. Um viertel vor Drei kam ich dann endlich los.
    Ich fuhr vom Hof und sah zu, dass ich auf die CA-99 N kam. Von dort wechselte ich dann auf die I-5 N in Richtung Redding. Ich überquerte den American River und fuhr dann nordwärts aus meiner Heimatstadt.

    Ich stellte den Tempomat auf 56 mph und rollte dann entspannt dahin. Trotz eines STAA Doubles am Haken brauchte ich heute noch nicht mal auf die Waage. Entweder hatte ich einfach Glück, oder die Sonderkontrollen für die Doubles waren beendet.
    Hinter Redding ging es dann in die Berge. Mit dem vollen Zug musste ich dann heute fleißig schalten, um den Kenny bei Laune zu halten. Trotzdem kam ich noch besser über die Berge, als manche Kollegen, die nur einen Trailer am Haken hatten.
    Im Dämmerlicht erreichte ich Oregon. Dort fiel mir schlagartig ein, dass es für diesen Staat ja auch eine Schwerverkehrsabgabe gab. Ich erinnerte mich dann aber auch daran, dass wir, genau wie für New Mexico eine Genehmigungsnummer für das laufende Kalenderjahr hatten. Bisher war ich dieses Jahr aber noch nicht so häufig in Oregon gewesen. Wenn man aber die Gespräche heute aber richtig deutete, würde sich das wohl in Zukunft ändern.
    Am Port of Entry wollte man mich heute aber ebenfalls nicht kontrollieren. Ich konnte den Tempomat auf 60 mph hochstellen und beruhigt in den Beaver State einreisen.

    Als ich mich Medford näherte, bekam ich langsam wieder Hunger. Ich suchte mir über meine Truckstop App eine Möglichkeit und wurde fündig. An der Ausfahrt 30, Medford / Crater Lake fuhr ich dann von der I-5 ab. Ich fuhr rechts und sofort wieder rechts in Richtung Airport / Biddle Road. In diese bog ich dann auch rechts ein. Dann hatte ich linkerhand eine merkwürdige Konstellation. Es war eigentlich kein richtiger Truckstop. Dafür war er zu klein. Es war eine Kombination aus einer kleinen Niederlassung von Freightliner Northwest, einer 76 Tankstelle und dem Witham Restaurant. Daneben war eine Handvoll Truck Parkplätze.
    Es fuhr dann auch zufällig gerade ein Truck aus seiner Parklücke, so dass ich mit viel Glück einen Parkplatz bekam. Wie viel Glück das war, merkte ich dann in dem gemütlichen Restaurant. Es war urig eingerichtet und mal was anderes, als die ganzen Läden der Systemgastronomen. Ich nahm dann die kleinere Version eines Homemade Chicken Fried Steaks, welches noch unter 10 Bucks angeboten wurde. Das Ganze bekam ich mit baked potatoes und cole slaw. Dazu gab es eine Coke.
    Dabei kam ich mit ein paar Kollegen ins Gespräch, die hier ebenfalls dinierten. Um viertel vor Zehn war mein Hunger Geschichte und ich machte mich wieder auf den Weg.

    Ich fuhr dann wieder auf die I-5 N zurück. Nun konnte ich mich weiter durch die Wälder und Berge Oregons bewegen. Ich hatte jetzt noch mal gute 170 Meilen zu fahren, bis ich am Ziel war. Im Radio suchte ich mir einen Sender mit Classic Rock und Country Rock. Bei dieser Musik ging es nun durch die Nacht.
    Schließlich kam ich im Raum Eugene an, wo ich noch mal auf die I-105 W Richtung Eugene wechselte. An der Ausfahrt 6th Avenue fuhr ich dann von der Interstate ab und war so gut, wie am Ziel. Ich musste dann nochmal links abbiegen, dann war ich an der Druckerei.
    Das Pförtnerhäuschen war besetzt. Ich setzte den Truck so in die Einfahrt, dass die Straße wieder frei war und ging zum Pförtner. „Hallo. Firma Walmart. Ich habe hier diese beiden Trailer für euch. Lebensmittel für eure Kantine.“ „Okay. Können Sie die beiden Trailer dahinten nebeneinander an die Rampe setzen?“ „Leider nicht. Ich habe keine Kupplung um das Double auseinander zu nehmen.“ „Was ist das denn für ein Blödsinn?“ fragte mich der Pförtner verwundert. „Das hatten wir bisher noch nie.“ „Vielleicht sind die Kollegen aus Portland besser ausgerüstet, als ich.“ „Wo kommst du denn her?“ „Aus Sacramento.“ „Auch das hatten wir noch nicht.“ „Das kommt jetzt sicher öfter vor.“ „Dass die Ware erst 500 Meilen durch die Gegend gefahren wird?“ Ich nickte. „In Portland wird nicht mehr so viel versandt.“ „Hoffentlich wird das mit den Lieferungen dann nicht teurer, wenn ihr das Zeug aus Kalifornien herschafft.“ „Das werden unsere Großkundenbetreuer sicher mit eurem Einkauf klären.“ „Alles schön und gut, aber wie bekomme ich jetzt die Trailer an die Rampe?“ „Ich ruf mal meine Dispatch an.“
    Ich nahm mein Handy und rief im Büro an. „Hallo Marc, was möchtest du denn zu nachtschlafender Zeit?“ „Hi Danny. Du weißt ja, dass ich das Double nicht auseinandernehmen kann.“ „Ja und?“ „Bei Vistaprint in Eugene haben die wohl keine Möglichkeit das selbst zu machen.“ „Langsam kann ich das Wort Oregon auch nicht mehr hören.“ Sagte Danny genervt. „Das Wort habe ich doch gar nicht gesagt.“ „Eugene reicht auch schon. Gib mir mal den Typen dort.“ Ich reichte das Handy an den Wachmann weiter.
    Sie redeten dann einige Minuten miteinander. Dann sagte dieser: „Dein Dispatcher will dich noch mal sprechen.“ Ich nahm mein Handy zurück. „Ja, Danny?“ „Okay. Ich habe jetzt mit dem Typen klargemacht, dass du dort das Double abstellen kannst. Wir schicken dann einen City Trucker vom Außenlager Eugene vorbei, der die Trailer an die Rampe setzt. Kannst du den vorderen Trailer denn ein paar Fuß vorziehen, dass die mit dem Stapler da drankommen? Die brauchen ja schon was von der Ladung. Die City Trucker machen aber keine Nachtschicht.“ „Wenn genug Platz ist, mache ich das.“ „Okay. Mit deiner Zeit bist du eh durch. Oder?“ „Bin ich.“ „Dann mach im Anschluss deine Pause.“ „Okay, Danny.“ „Dann bis morgen.“ Wir legten auf. „Okay. Wo soll ich absatteln?“ fragte ich den Wachmann. „Da vorne an der Seite. Ziehst du die Trailer denn auseinander?“ „In Ordnung. Mache ich.“
    Ich erledigte dann alles, wie besprochen. Als ich mir anschließend beim Pförtner meine Papiere holte fragte ich ihn noch nach einer Parkmöglichkeit für Trucks. „Hier in West Eugene? Keine Ahnung. Aber da vorne in Whiteaker ist doch euer Lager. Kannst du da nicht parken?“ „Keine Ahnung.“ „Was besseres fällt mir nicht ein.“ Ich ging wieder zum Truck.
    Viel Fahrzeit hatte ich nicht mehr. Ich wollte auch nicht überziehen, weil ich keinen Parkplatz fand. Ich fuhr noch einmal um den Block und schaute auch in alle Seitenstraßen. Leider gab es hier wirklich nichts. Dann zog ich mir die Adresse des Außenlagers ins Navi. Es war wirklich keine Meile von hier weg. Ich fuhr also dorthin und schaute mich um. In der Straße gab es aber auch keine Parkmöglichkeit.
    Da mir die Zeit weglief, fuhr ich dann doch zum Außenlager. Dort meldete ich mich bei der Security. „Guten Morgen.“ Grüßte der Wachmann. „Ich habe gar keine Avisierung bekommen. Spinnt der Computer wieder?“ „Das nicht.“ Druckste ich rum. „Ich habe Ladung von uns aus Sacramento zum Vistaprint gebracht und jetzt läuft mir die Zeit weg. Ich weiß nicht, wo ich parken soll.“ „Wie weit kommst du denn noch?“ „Zehn Minuten.“ Der Wachmann begann zu lachen. „Das ist nicht dein Ernst.“ „Leider doch.“ „Dann lass dich nicht erwischen. In zehn Minuten kommst du selbst in der Nacht nirgendwo mehr hin.“ „Kann ich denn dann ausnahmsweise bei euch übernachten?“ „Sonst noch was?“ fragte der Wachmann. „Noch ein fünf Sterne Dinner oder ein kühles Bier?“ „Ein Platz für meine Maschine reicht mir.“ „Du kennst doch genau die Vorschriften. Wenn du ein eigener Fahrer wärst, könnten wir vielleicht noch eine Ausnahme machen. Aber bei einem Subunternehmer… keine Chance.“ „Ich bin aber Status A Unternehmer.“ „Na und?“ „Moment mal.“ Ich nahm wieder mein Handy und rief noch mal bei Danny an. „Langsam wirst du heute lästig.“ Sagte Danny, als er sich meldete. „Sorry, Danny, ich habe ein Problem. Ich finde hier keinen Parkplatz.“ „Gibt’s doch nicht.“ Sagte dieser genervt. „Unser Außenlager ist da um die Ecke. Dann sollen sie dich da parken lassen.“ „So schlau war ich auch schon. Da bin ich schon. Der Wachmann will hier nur keinen A Unternehmer parken lassen. Nur eigene Trucks.“ „Dann gib mich nochmal weiter.“ Stöhnte Danny genervt. Ich reichte dem Wachmann das Telefon. „Hallo, wer ist da?... Daniel Schneider?“ er tippte in den PC und suchte den Namen. „Ah ja. Dispatcher aus Sacramento… Sie kennen doch auch die Vorschriften… ein A Unternehmer ist immer noch kein eigener Trucker… wer?... Murdock?... wie Frank Murdock?... der Sohn?... das ist natürlich was anderes… den Platz haben wir… unter diesen Umständen kein Problem… in Ordnung… Auf Wiederhören.“ Er gab mir mein Handy zurück. Danny hatte aber schon aufgelegt. „Du hättest auch gleich sagen können, dass du Frank Murdocks Sohn bist.“ Sagte er pikiert. „Ich gebe nicht gerne mit meinem Vater an. Ich will es selbst schaffen und nicht weil mein Vater Gebietsleiter ist.“ „Okay. Setzt deine Maschine da vorne neben die Halle. Von mir aus kannst du auch in die Sozialräume zum Duschen.“ „Die Parkmöglichkeit reicht mir. Wir wollen es ja auch nicht übertreiben. Nur die Fahrertoiletten werde ich gleich noch mal benutzen.“ „Kein Problem.“ Ich fuhr die Maschine neben die Halle und machte Feierabend. Nachdem ich die Toilette benutzt hatte, ging ich zurück zum Truck und legte mich auch bald darauf ins Bett.

    Freitag, den 5. Oktober 2018, 12:30 p.m., Pacific Daylight Time, Eugene, OR:

    Am Mittag um halb Eins stand ich dann wieder auf. Meine Morgenroutine lief fast ab, wie immer. Erst wurde die Kaffeemaschine in Betrieb gesetzt, dann suchte ich die Toiletten auf. Die Körperpflege erfolgte heute mal wieder aus dem Kanister. Ich wollte ja die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren. Um ein Uhr, mittags stellte ich die Systeme auf PTI und kontrollierte die Zugmaschine. Anschließend stand auch der Auftrag im System:

    PICKUP: EST-OREUG
    GATE: 08
    TRAILER: DV53448
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 44,125 LB
    DROP: 711-CARED
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CARED-KRY.

    Einen Auftrag direkt nach Sacramento hatte Keela wohl nicht im Angebot, aber immerhin was, was auf dem direkten Weg lag. Sie wusste ja genauso gut wie ich, dass ich nicht mehr genug Zeit vor dem nächsten Reset hatte, um noch Umwege zu fahren.
    Ich ging dann erstmal zu Fuß zum Bürocontainer und erledigte den Papierkram. Dabei wurde ich auch immer höflichst mit Mr. Murdock angeredet. Um seinem Kollegen von der Frühschicht zu erklären, was die Zugmaschine auf dem Hof machte, hatte der Security Mann der Nachtschicht wohl gleich erzählt, dass ich der Sohn des "neuen" Gebietsleiters war. Zurück am Truck sah ich dann zu, dass ich den Trailer aufnahm und mich auf den Weg machte.
    Ich fuhr dann wieder rechtsherum vom Hof und dann an der dritten Kreuzung links auf die W 7th Avenue. An der zweiten Kreuzung ging es dann wieder links auf die I-105 E, die hier begann. Nun ging es wieder zurück zur Interstate 5.

    Nach drei Meilen war diese erreicht und ich bog auf die I-5 S in Richtung Roseburg ab. Nun hatte ich für die nächsten 160 Meilen die hügelige und kurvige Interstate 5 vor mir.
    Der Verkehr war so, wie er wohl an einem Freitagnachmittag in Oregon sein musste. Es war dichter Verkehr, Staus bildeten sich aber zum Glück nicht. Die größte Herausforderung waren die Kollegen, die sich die Berge hochquälten und so alles aufhielten. Mein Truck war aber selbst rappelvoll, so dass ich auch nicht die Berge hochsprintete. Trotzdem gab es genug Kollegen, die noch langsamer waren.
    In den Gefällen zogen sie dann zum Teil mit donnernder Jake Brake wieder an mir vorbei. Ich hatte zwar mit einem der seltenen Retarder eine leisere Alternative, musste aber im Vergleich zu den anderen Kollegen mehr auf die Temperatur des Kühlers achten.

    Es ging dann schon auf halb Sechs zu, als ich Medford erreichte. Ich hatte noch nicht viel gegessen, also beschloss ich, wieder zum Witham Restaurant zu fahren. Da ich jetzt von Norden kam, zog ich schon an der Ausfahrt 33 von der Interstate. Dort entdeckte ich dann auch einen Pilot Truckstop.
    Die Auswahl an den dortigen Ketten war groß. Taco Bell, Subway, Burger King und Cinnabon standen zur Auswahl. Mir hatte es gestern im Witham aber so gut gefallen, was die Atmosphäre und das Essen anging, dass ich wieder dorthin fuhr.
    Als ich dort den Preis an der 76 Tankstelle sah, fuhr ich aber zuerst an die Zapfsäulen. Auch in Oregon war der Diesel günstiger, als zu Hause. Ich tankte den Lastzug wieder mit Diesel und DEF voll, danach stellte ich ihn auf einen der Parkplätze am Restaurant.

    Das Homemade Chicken Fried Steak hatte gestern so gut geschmeckt, dass ich mich heute nochmal dafür entscheid. Auch die Backkartoffeln und den Krautsalat nahm ich wieder dazu.
    Zurück im Truck telefonierte ich noch ein paar Minuten mit Keela. Um Sieben Uhr machte ich mich dann aber wieder auf den Weg.

    Ich fuhr zur Interstate zurück und nahm die I-5 S in Richtung Ashland. An der folgenden Weigh Station fiel mir auf einmal schlagartig ein, dass ich ja eben vollgetankt hatte und über 44,000 Pfund im Trailer waren. Nun hieß es zittern. Ich war garantiert zu schwer. Zum Glück schaltete der Transponder aber auf Grün.
    Inzwischen zeigte sich der Herbst wieder von seiner regnerischen Seite. Während ich noch in Oregon war, regnete es nur leicht. Bei Hornbrook begann es dann aber richtig zu regnen.
    Zu allem Überfluss hatte ich dann noch das vor mir, was man weitläufig als Elefantenrennen kennt. Ein Sattelzug mit Kipp Auflieger fuhr die ganze Zeit neben einem City Truck her und versuchte verzweifelt vorbei zu kommen. Ob der kleine Truck wirklich nicht schneller konnte, oder ob es ihm Spaß machte, wusste ich nicht. Er fuhr aber fast exakt das gleiche Tempo, wie der Kipper. In den Bergen pendelte sich das Tempo dann zwischen 35 und 55 ein. Je nachdem, ob es gerade berghoch oder bergab ging. Keiner der beiden gab nach und sie zogen das Theater fast bis nach Redding durch.

    In meinen Spiegeln sah ich nur noch Lichter des nachfolgenden Verkehrs. Ich hoffte eigentlich, dass die Chip’s dem Theater mal ein Ende setzten. Aber entweder waren keine da oder sie waren wie alle anderen hinter den beiden im Stau. Jedenfalls kostete mich die Aktion wertvolle Zeit.

    So war es dann schon viertel vor Elf, als ich endlich Redding erreichte. An der Ausfahrt 677, Cypress Ave fuhr ich dann von der Interstate ab. Ich bog dann links ab und hatte nach einer knappen Meile den 7Eleven Markt erreicht.
    Der Marktleiter wollte gerade die Türen abschließen, als ich auf den Hof fuhr. Er kam dann zum Truck und unterschrieb mir meine Papiere. Als er den langen Trailer sah, war er dann gnädig und ersparte mir das Rangieren an das erste Tor. Als ich dann abgesattelt hatte, stand auch der nächste Auftrag im System:

    PICKUP: COW-CARED
    GATE: -----
    TRAILER: RE45COW
    FREIGHT: FROZEN FRUITS
    WEIGHT: 17,248 LB
    DROP: CST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Wieder war es Danny, der mir den erhofften Heimatschuss verpasste. Auch, wenn ich aufgrund des Elefantenrennens keine Chance mehr hatte, in dieser Schicht noch nach Hause zu kommen. Wenigstens konnte ich morgen meinen Reset zu Hause beginnen.
    Ich fuhr wieder rechts vom Gelände des 7Eleven runter. Dann blieb ich auf der W Cypress Ave, bis ich links in die S Market St fahren konnte. An dieser lag ja die Costco Niederlassung.
    Ich meldete mich im Büro an und erledigte den Papierkrieg. Dann sattelte ich den 45 Fuß Reefer auf. Nach der PTI des Trailers fuhr ich dann wieder los.

    Weit fuhr ich jetzt aber nicht mehr. Ich bog noch links auf die CA-273 S ab und machte mich auf den Weg Richtung Heimat. Ich wollte heute aber nur noch bis nach Anderson fahren.
    In Anderson fuhr ich dann zur Industry Road und stellte den Lastzug in der Nähe vom NorCal Kenworth ab. Hier machte ich dann Feierabend. Lange blieb ich dann auch nicht mehr auf. Nachdem ich noch ein Sandwich gegessen hatte, legte ich mich dann ins Bett und schlief bald ein.

    Samstag, den 6. Oktober 2018, 9:30 a.m., Pacific Daylight Time, Anderson, CA:

    Heute wurde ich von einem ungewohnten Klingeln geweckt. Es war nicht der Wecker, sondern das Telefon. „Murdock.“ Meldete ich mich verschlafen. „Habe ich dich geweckt?“ fragte die verwunderte Stimme meiner Mutter. „Hast du. Macht aber nichts. In einer halben Stunde hätte mein Wecker sowieso geklingelt.“ „Ich wusste nicht, dass du Langschläfer bist.“ „Ich habe ja auch bis halb Eins in der Nacht gearbeitet.“ „Das tut mir leid. Ich möchte auch eigentlich nur wissen, ob ihr am Wochenende wieder an der Küste seid?“ „Wir sind zu Hause. Keela hat Bereitschaft.“ „Habt ihr was dagegen, wenn wir euch besuchen?“ „Nicht wirklich. Wenn ihr es nicht als unhöflich empfindet, wenn Keela ab und zu am Handy oder am Laptop ist.“ „Wer könnte da mehr Verständnis für haben als dein Vater und ich.“ „Dann seid ihr herzlich willkommen.“ „Dürfen wir auch noch jemanden mitbringen?“ „Jessy und Dave sind doch in Vegas.“ „Ich rede ja auch nicht von deiner Schwester. Wir haben hier überraschenden Besuch bekommen und die Beiden möchten euch gerne kennenlernen.“ „Dann müssen wir aber eine Mitbringe Fete machen. Keela kann nicht einkaufen fahren und ich bin vermutlich auch erst um Zwei zu Hause und muss dann noch unter die Dusche.“ „Dann fahren wir einkaufen. Unsere Gäste wollen sich sowieso mal ein Walmart Supercenter anschauen.“ „Wo zum Geier kommen die denn her, dass sie keinen Walmart kennen?“ „Das erfahrt ihr heute Nachmittag.“ „Okay. Ich sage eben Keela Bescheid. Wenn du nichts mehr hörst, geht das klar. Wann seid ihr dann da?“ „So Drei, halb Vier.“ „Dann bis nachher.“
    Wir legten auf und ich rief Keela an. „Hallo Schatz. Du bist ja schon auf.“ „Mom hat mich aus dem Bett geholt. Sie wollen uns heute Nachmittag besuchen.“ „Deine Eltern wissen, dass ich Bereitschaft habe, oder?“ „Das habe ich Mom eben gesagt.“ „Hast du auch gesagt, dass ich nichts einkaufen kann?“ „Natürlich. Sie wollen aber den Leuten, die mitkommen noch einen Walmart zeigen. Da kaufen sie dann auch gleich ein.“ „Wer kommt denn da noch mit?“ „Keine Ahnung. Mom wollte es auch nicht verraten.“ „Jessy und Dave sind ja in Vegas. Die können es nicht sein.“ „Außerdem kennen die beiden auch Walmart.“ „Wer kennt denn keinen?“ „Ich weiß es nicht, Süße.“ „Dann werde ich noch mal schnell die Wohnung putzen. Hinterher sind das Geschäftsfreunde von Frank.“ „Gibt es da welche, die keinen Walmart kennen?“ „Wäre merkwürdig. Vielleicht will Frank ja irgendwas Besonderes im Markt zeigen.“ „Kann auch sein.“ „Wann bist du denn hier?“ „Halb Elf ist die Pause um. Dann noch von Anderson nach Sacramento, Trailer abstellen, ich denke mal zwei Uhr mittags.“ „Dann kannst du mir auch nicht helfen.“ „Bestimmt nicht. Ich muss zu Hause auch noch duschen.“ „Dann putze ich auch nur das Gästebad. Wenn du sowieso gleich wieder alles nass machst.“ „Mach das.“ Wir legten auf und ich erledigte meine Morgenroutine.
    Zum Toilettengang ging ich mal eben in den NorCal Kenworth, wo ich als Kunde nachfragte. Um viertel vor Elf hatte ich die PTI erledigt und machte mich wieder auf den Weg.

    Ich fuhr dann erst wieder auf die CA-273 und anschließend auf die I-5 S. Dann rollte ich mit 55 mph auf Sacramento zu. Die Fahrt lief ruhig und ohne Probleme. Selbst an der Waage wollte man nichts von mir. So näherte ich mich, wie vermutet, gegen halb Zwei Sacramento.

    Ich fuhr zum Zentrallager, wo ich dann gegen viertel vor Zwei eintraf. Ich meldete mich schnell beim Lagermeister, der mir Tor 5 zuwies. Dort setzte ich den Trailer an und sattelte ab. Dann sah ich zu, dass ich nach Hause kam.

    Als der Truck in der Halle stand, hatte ich leider die Wochenfahrzeit eine halbe Stunde überzogen. Egal. Ich würde einfach den Reset noch etwas verlängern, dann passte das.
    Ich nahm meine Sachen aus dem Truck und ging in die Wohnung hoch, wo Keela gerade mit dem Staubsauger wirbelte. Wir gaben uns einen schnellen Kuss, dann ging ich nach oben.
    Im Schlafzimmer räumte ich schnell meine Schmutzwäsche in den Wäschekorb und zog mich aus. Dann verschwand ich im Bad. Dort duschte und rasierte ich mich. Anschließend zog ich mich an und ging wieder runter.

    Keela war gerade mit ihrem Hausputz durch und saß wieder am Laptop und gab Anweisungen durch. „So. George ist auch versorgt.“ Sagte sie dann. „Wo treibt der sich denn noch rum?“ „In Winnemucca. Hat da eine Umlagerung hingebracht und bringt jetzt Früchte von Dole mit. Wenn er wieder hier ist, resettet er.“ „Okay.“ „Wer da gleich mitkommt, weißt du auch nicht. Oder?“ fragte Keela. „Keinen blassen Schimmer.“ „Dann werde ich mich auch noch mal ein bisschen aufbrezeln.“ „Jetzt fang aber nicht noch an, die Haare zu glätten.“ „So viel Zeit ist ja auch nicht. Ich ziehe mich noch um und mache etwas Farbe ins Gesicht.“ „Soll ich noch einen Kaffee aufsetzen?“ „So wie ich deine Mom kenne, bringt sie Kuchen oder Donuts mit. Da kann ein Kaffee nicht schaden.“ Sie ging hoch. Ich setzte derweil einen Kaffee auf.

    Kurz vor Drei kam Keela dann wieder runter. Zur engen Jeans trug sie jetzt eine Taillierte Bluse und Ballerinas. Außerdem hatte sie Makeup aufgelegt. Sie duftete auch nach einem blumigen Parfum. Wir deckten den Esstisch für eine Kaffeetafel. „Wie viele Leute bringen sie mit?“ „Wenn ich das richtig verstanden habe, zwei. Sie kommen also zu viert. Mom, Dad und die beiden Gäste.“ „Dann reicht ja das 6er Kaffeegeschirr.“
    Kurz darauf klingelte es. Ich ging runter und öffnete die Tür.

    Fortsetzung folgt...
    :D
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    807 times read

Comments 14