TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

Kapitel 30 – Freizeitaktivitäten

  • Das konnte nur eins bedeuten. Brian kannte mein Doppelleben. Wieso sonst sollte er mich so zielsicher mit dem Explorer-Spitznamen anschreiben? Ich rief ihn also an. „Das ging schnell. Hallo Brandon.“ „Hallo Brian.“ „Und Du willst wissen, wie ich auf Malik Al-Sayf gekommen bin?“ “Ja.“ „Du hast zu viel da hochgeladen. Nur durch Parkours und Urban Exploration wäre ich nie drauf gekommen, weil ich nie den Kanal gefunden hätte. Wie viele Surfer mache ich meine Trockenübungen aber mit dem Skateboard und habe mir da Videos angesehen. „Skaten“ ist bei Youtube „skaten“, egal womit und da hat Youtube Autostart ein Video von einem gewissen Malik gestartet, der in Savannah auf Inlinern skatet und das mit der Gopro filmt.“
    Ich war noch mal dort gewesen, wo ich damals die Jungs getroffen hatte und hatte diesmal mit der Helmkamera gefilmt.
    „Ich habe dann aus Neugierde auch ein paar der anderen Videos angeschaut und bemerkt, dass dieser Malik botanisch viel rum kommt. Ein Video an den Great Lakes und eine Woche später Wüste. Und weil ich eigentlich das alles ganz cool fand, habe ich den Kanal abonniert.
    Und dann wurde es irgendwann auffällig. Ich habe halt den Vorteil, dass ich immer genau weiß, wo Du gerade steckst. Ich schicke Dich nach Maniwaki und Malik fuchtelt vor einem Fenster in einer sehr winterlichen Region mit Messern rum. Eine Woche später hast Du Wochenende in Parry Sound und Malik fährt mit Inlinern durch genau diese Stadt, wie man auf einem geparkten Van lesen konnte. Das Wochenende danach habe ich Dich in Florida sitzen lassen und prompt klettert Deine Secret Identity in einem alten Disney-Themenpark und in Daytona Beach rum. Und kaum bekommt man Dich endlich wieder nach Hause, gibt es ein Video vom Motorradfahren in Pennsylvania. Dass dort die Heimat des Channels sein muss, merkt man ja sowieso. Außerdem, so stark verändert das Tuch vorm Mund Deine Stimme nun auch wieder nicht, als dass mir das nicht irgendwann mal auffallen würde.“

    „Okay, Du hast mich.“ „Kein Problem. Ich mache auch manchmal verrücktere Sachen als Surfen in meiner Freizeit. Und noch jemand, den Du kennst ist auch dabei.“ Na das konnten nicht viele sein. Unsere gemeinsamen Bekannten beschränkten sich, wenn er keine weiteren Überraschungen bereithielt, auf sein Disponenten-Team. „Vielleicht kannst Du es mal irgendwann einrichten, wenn Du nicht nur Diesel sondern auch Benzin im Blut hast. Aber dann müsstest Du mal nach Colchester, Connecticut kommen. Und ich muss vorher mal beim Hausherren nachfragen, ob das okay ist.“

    So lange es dort oben noch Sommer gab, beschloss ich aber erst einmal, bei meiner nächsten Heimkehr Urlaub zu nehmen und Christian einen Besuch abzustatten und buchte einen Flug nach Calgary. Theoretisch hätte ich mich auch rauf dispatchen lassen können, aber mir war mal nach einem echten Erholungsurlaub. Später im Jahr stand noch eine Fernreise auf der Agenda, da wollte ich dann aber mal lieber gegen Bezahlung hin fahren, um nicht zu viele Reisen selber bezahlen zu müssen.
    Das billigste Angebot hatte ich für Delta Air Lines bekommen, ein Umsteigeflug über Minneapolis-Saint Paul. Der größte Vorteil an Delta war, dass da jemand nicht arbeitete, den ich wider aller Statistiken auf allen meinen American-Flügen im Kabinenpersonal hatte. Dafür arbeitete bei Delta am Check-In-Schalter W. Walker. Das stand zumindest auf seinem Namensschild. Er hatte kurz geschnittene, aber nicht rasierte, dunkelbraune Haare, einen Hauch von südeuropäischen Gesichtszügen und mich komplett fesselnde, tiefgrüne Augen.
    Wenn ich gut drauf war, nicht damit rechnete jemanden wiederzusehen und einen gutaussehenden Mann verunsichern wollte, machte ich mir manchmal einen Spaß draus, ihn anzuflirten. Und so war ich auch beim Aushändigen von Reisepass und Buchung und bei der Gepäckaufgabe mit eindeutigen Gesichtsausdrücken und Gesten dabei. Allerdings hatte ich meinen Meister gefunden, denn als er mir den Bordpass über den Tresen schob, legte er seine Hand auf meine. Für einen unverbindlichen Flirt war das zu viel Nähe, ich lief rot an, schnappte meinen Rucksack und meinen Bordpass und verschwand schnell in Richtung Sicherheitskontrolle.

    Nach dem ereignislosen Flug kam ich in Calgary an. Gerade mit meiner beruflich bedingten Historie zwischen den beiden Staaten war das Immigrations Office nach Kanada eine Formalie. Vor dem Terminal musste ich noch 10 Minuten warten. Christian hatte mir geschrieben, dass er mit dem Truck im Stau gesteckt hatte und etwas spät dran war. Aber schließlich kam er mit seinem Mazda Tribute angefahren. Die Heimfahrt war kurz, unter einer Landebahn im Tunnel durch, in einem Wohngebiet um eine Straßenbahnstation herum und in eine größere viergeschossige Wohnanlage namens Taralake Place.
    Hier hatte er eine schöne Zweizimmerwohnung. So weit vom Zentrum entfernt war das gar nicht so teuer, zumal der Flughafen viele Leute abschreckte und die Preise drückte. Dabei war es nicht mal laut hier, weil es genau seitlich zur Landebahn war. Der Fluglärm war bekanntlich vor und hinter der Landebahn am schlimmsten.
    Wir besuchten einige Attraktionen in Calgary, zum Beispiel den Calgary Tower, das Heritage Park Village, wo das Leben um 1900 gezeigt wurde und den Calaway Freizeitpark. Außerdem fuhren wir im Umland herum, um in den Bergen zu wandern und in einem der wenigen Natur-Freibäder schwimmen zu gehen.
    Und wie im Fluge war die Woche rum. Ich war Samstag angekommen und flog auch Samstags wieder zurück. Christian musste am Sonntag wieder fahren, ich erst am Montag, aber dafür am Sonntag mich vorbereiten, also insbesondere für die Fahrt Einkaufen.

    Schon in Kanada war ein Entschluss in mir gereift und bei meinem nächsten Wochenende zu Hause setzte ich ihn in die Tat um, zumindest die ersten Schritte. Schon vom Flughafen in Calgary aus hatte ich meinen Mack Superliner in ein Portal für historische Trucks hochgeladen. Und es meldeten sich auch zwei Interessenten, die ihn kaufen und wieder aufbauen wollten.
    Ein kleiner Umweg führte mich zum Sports Car Club of America. So hatte ich dann Platz und Zulassung, um mich nach einem etwas anderen Gefährt umzusehen und es danach zu fahren. Und ich wurde fündig:

    1990 Nissan SX Rennwagen, nicht straßenzulassungsfähig, Ibishu BX Body Kit, verstärktes Dach, 2.0 l Turbo, 227 PS, 161 mph Spitze, ABS, läuft mit Methanol oder AKI 95 Rennbenzin, Innenverkleidung entfernt, komplette Nomi Rennausstattung aus pulverbeschichtetem Aluminiumkäfig, Fahrer- und Beifahrer-Schalensitzen, 5-Punkt-Gurten, Schnellspanner-Rennlenkrad und Schiebergeführtem Rennschalthebel.

    Ich vereinbarte ein Treffen mit dem Verkäufer während einer Veranstaltung und fuhr mit meinem Pickup, Camper und leerem, ebenfalls neuem Fahrzeuganhänger, zu einem Rundstreckenrennen in New York State. Hier sah ich mir das Fahrzeug erst mal im Fahrerlager an.

    Ibishu und der Erzrivale Hirochi waren Hersteller von Rennwagen-Umbausätzen für japanische Fahrzeuge. Während mein Honda Civic in Kalifornien seinerzeit nur eine Ibishu Frontpartie mit größerem Lufteinlass für den thermisch überlasteten, 1,4 Liter großen, frisierten Serienmotor hatte, konnte der Subaru schon mit einem deutlich aufwändigeren Hirochi-Bodykit aufwarten.
    Aber das hier war ein kompletter Umbau von Ibishu. Das hieß fest mit der Karosserie verbundene Verbreiterung und Verspoilerung, aerodynamisch aktive Unterbodenplatte, Änderungen an Turboladerkennlinie und Motormanagement für die 56 zusätzlichen PS.
    Die Karosserie des als Freizeit-Coupé und nie für ernsthaften Motorsport konzipierten Nissan SX erwies sich im Renneinsatz oft als nicht verwindungssteif genug, so dass hintere Seitenfenster oder die Scheibe in der Heckklappe in Kurven oder bei Sprüngen über Bodenwellen platzten. Nach den Plänen von Nissan sollten diese Leute bitteschön den teuren Skyline GTR kaufen. Hier hatte Ibishu beim SX mit Versteifungen des gesamten Hecks ab den B-Säulen oberhalb der Fensterlinie Abhilfe geschaffen. Natürlich wurde durch die verwindungssteife Karosserie auch die Kurvenlage besser.
    Eigentlich gab es den Zweiliter-Motor nur nach dem Facelift in Japan. In Europa hieß das Fahrzeug zwar als Mogelpackung 200SX, hatte aber immer den 1,8 Liter kleinen Motor, der in Japan mit dem Einsteigermodell wahrheitsgemäß als 180SX verkauft wurde. Der Japaner ab dem Facelift bekam dann 2 Liter und zu Recht die Bezeichnung 200SX. In den USA dagegen war der einzige Motor ein 2,4 Liter großer Sauger, entsprechend die Verkaufsbezeichnung 240SX. Weil der 240er Motor aber nicht genug Spielraum für Leistungssteigerung bot und der 180er nicht genug Ausgangsleistung, verbaute Ibishu einen 200er mit stärkerem Turbolader in den Rennwagen, der von der Karosserie aber auf dem Vor-Facelift-Modell basierte.
    Der Haken war, dass dieser hochgezüchtete Motor nicht mal mehr mit AKI 91 Premium-Benzin, dem Super Plus 98 nach ISO-Norm, lief. Er brauchte entweder Rennkraftstoff aus reinem Alkohol oder welchen auf Ölbasis mit Additiven für AKI 95, was im internationalen Standard RON 106 entsprach.




    Dann unterschrieb ich die etwas risikoreiche, aber dennoch für eine Probefahrt von Rennwagen unter realen Bedingungen unvermeidliche Haftungsübernahme und stellte mich zu einer Probefahrt auf, wo man zwischen Training und Qualifikation auch als nicht gewerteter Teilnehmer im Besitz einer Rennlizenz fahren konnte.
    Neben Kaufinteressenten wurde das auch von Leuten genutzt, die ein Fahrzeug aufbauten und eine Testfahrt außerhalb des Rennbetriebs machen wollten. Auch hier überzeugte der Wagen. Die Heckschleuder machte im Gegensatz zu meinem Subaru, der damals allradgetrieben quasi wie auf Schienen fuhr und erst recht zum frontgetriebenen Einsteiger-Civic richtig Spaß.




    Da ich natürlich bei Veranstaltungsbeginn noch ohne Rennwagen nicht gemeldet sein konnte, blieb ich das Wochenende als Zuschauer da. Am Sonntag fuhr ich mit jetzt meinem Rennwagen noch mal eine Testrunde im offenen Zeitfenster zwischen Warmup und Rennen und stellte zufrieden fest, dass ich mit dieser Zeit als gewertete Qualifikationsrunde auf jeden Fall im vorderen Drittel der Gesamtwertung sein würde, was aber nur bedingt aussagekräftig war, da die meisten Fahrzeuge an diesem Wochenende in den seriennahen Klassen starteten, die einfach keine Chance gegen einen echten Rennwagen hatten.
    Aber in der Klasse „Sport Racing“ wäre ich als 44. von 72 Startern qualifiziert gewesen. Mit einem fremden Fahrzeug, auf unbekannter Strecke und lange nicht mehr in einem Rennwagen gesessen war das keine schlechte Ausgangslage, denn mit mehr Erfahrung auf diesem Auto und der Strecke würde ich auch schneller.
    Bei meiner knappen Freizeit hatte ich natürlich nicht vor, in einer Rennserie um die Meisterschaft zu starten. Je nach Lust und Laune wollte ich an einzelnen Rundstreckenrennen, Straßenrennen oder Hillclimbs teilnehmen. So vier bis fünf Rennwochenenden im Jahr.

    Die kommenden Wochen blieb ich teils länger am Stück draußen. Das hatte ich meinem Dispo-Team zugesagt, weil ich für danach einen besonderen Wunsch geäußert hatte. Und der bedingte, drei Wochenenden hintereinander an fest vorgegebenen Orten zu sein, davon zweimal zu Hause.

    Die meiste Zeit fuhr ich an der Ostküste Nord-Süd-Verkehr. Dabei gab es wenig Neues, was Strecken anging. Ich schaffte es immer noch nicht, die Rakete am Alabama Welcome Center zu besichtigen, obwohl ich vorbei fuhr. Mal hier oder da befuhr ich einen neuen Abschnitt einer Insterstate oder in eine bisher unbekannte Kleinstadt in Florida.
    Wenigstens kam ich durch meinen Pendelverkehr zwischen Kanada und den Südstaaten ein paarmal an meiner liebsten Tankstelle in Burlington (VT) vorbei.




    Erwähnenswert waren lediglich die Ausläufer von Sturm Florence, die ich passierte. Es wurde am Tag dunkel, windig und regnete stark. Ich hatte allerdings drauf geachtet, dass ich wirklich nur den Rand streifte. Aber das reichte mir, ich wollte erst gar nicht wissen, wie sich das dichter am Zentrum angefühlt hätte.




    Nach meiner Heimkehr stand dann eine Tour mit einem sehr spannenden Reset auf dem Kalender. Ich hatte vorher allerdings noch ein Rennen geplant. Um mit dem Auto warm zu werden, sollte es ein Rundstrecken-Einzelzeitfahren sein. Da gab es viel Straße, viel Kiesbett daneben und auch einige Navigationshilfen in Form von Anbremstafeln und dergleichen, was den Einstieg erleichterte.




    Talent hatte man und behielt man. Mit dem 93. von 200 Plätzen war ich in der vorderen Hälfte. Und gegen Fahrzeuge aus der GT-Klasse, wo sich insbesondere Porsche, Corvette, Viper und aus Japan Modelle wie Nissan GT-R und Honda NSX tummelten, würde ich nie eine Chance haben. Insofern lag meine Konkurrenz in der Klasse Sport Racing, wo die Gegner Toyota Supra, BMW M3 oder Ford Mustang hießen. Und hier war ich mit dem 34. von knapp 80 Plätzen auch nicht unzufrieden. Wenn ich mehr Routine hatte und das Auto besser kannte, würde ich bestimmt höhere Ansprüche stellen. Aber dann sollten die Zeiten eben auch schneller werden.

    Nach dem Rennen ging es mit Pickup, Absetzkabine und Anhänger mit Rennwagen drauf wieder nach Hause. Montag früh ging es auf Konfrontationskurs West.

    -----------------------------------------------------

    Hirochi und Ibishu sind eigentlich die beiden Kunstmarken aus BeamNG Drive, die Autos im japanischen Stil bauen. Die Fahrzeuge in dem Spiel sind insbesondere durch Lampen, Kühlergrills und hintere Seitenfenster so weit verfremdet, dass die realen Hersteller dem Publisher nicht an die Karre fahren können, aber doch so dicht am Original, dass man meistens problemlos erkennen kann, was es eigentlich sein soll.
    Und so gibt es, von der Optik wie der Modellbezeichung her, kaum Zweifel, dass der Ibsihu 200BX ein Nissan 200SX (Baujahre 1989/1990) sein soll. Wer noch einmal ins erste Kapitel schaut, wird auch da den Honda Civic 4 und den Subaru Impreza GD in den Fahrzeugen aus dem Originalspiel problemlos erkennen, obwohl Details verfremdet sind.
    Leider ließ sich kein echtes Mod-Auto finden, das beherrschbar wäre (viele neigen dazu, schon unter Halbgas mit dem Heck auszubrechen), auch noch Spaß beim Fahren macht, für Brandons Privatkasse erschwinglich wäre und eine Rennausstattung hat. Also musste ich irgendwie dafür sorgen, dass eins der Lookalike-Fahrzeuge in die Realität passt.

    284 mal gelesen

Kommentare 7