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Kapitel 166 – Fehlfarben

  • Anfang 2018

    Das Jahr hatte in der Firma mit Alltag begonnen. Das Transportwesen kam nach der Weihnachtsruhe wieder in Fahrt, der auf dem politischen Parkett unbeholfen dahinstolpernde Brexit schien noch weit, die Wirtschaft profitierte vom schwachen Pfund und mit ihr die Auftragslage.
    Das war natürlich sehr kurz gesprungen und das war mir klar. Im Oktober musste etwas vorliegen, sonst würde die Zeit zu knapp. Wenn man sich vor Augen hielt, dass Grönland 3 Jahre verhandelt hatte und es damals wirtschaftlich gesehen nur um ein Bisschen Fisch ging, war es eigentlich an dem Tag zu spät für Verhandlungen gewesen, als Teresa May den Austrittsantrag offiziell eingereicht hatte.
    Innenpolitisch war das Land so zerrissen wie nie, aber wenigstens lernten sie seit der Bildung des Parteiensystems vor 200 Jahren mal wieder Kompromissbereitschaft, da es mit der Parteienbindung in dieser Legislaturperiode noch weniger weit her war als sonst schon und zusätzlich in der sehr knappen Koalitionsregierung aus der Zweckgemeinschaft von Tories und DUP Abweichler noch schneller Vorschläge zum Kippen bringen konnten als sonst.
    Leider blieb die ehemalige Remainerin Teresa May bei ihrer harten Linie, keine weitere Abstimmung über das Verhandlungsergebnis zuzulassen und immer wenn sie mal einen konstruktiven Vorschlag brachte, flankte ihr wieder jemand aus dem rechten Flügel ihrer eigenen Partei in die Seite und brachte sie auf ihren lähmenden Kompromisskurs zurück. Das würde sich noch wirtschaftlich bitter rächen. Aber derzeit brummte das Geschäft und so lange es Brei regnete, sollte man einen Löffel nehmen und essen. Die mageren Jahre würden noch kommen.

    Auch Timo schien seine Sorgen um den Brexit vergessen zu haben. Als wir mal bei der Übergabe der Papiere kurz über das Thema sprachen, verwies er nur auf sein glückliches Privatleben und zitierte dabei einen Satz, der die Beliebtheit der mächtigsten Frau Deutschlands auf Talfahrt gesendet hatte:
    „Da denke ich jetzt doch nicht drüber nach. Ich bin glücklich mit Iestyn und bei Dir arbeite ich sowieso am liebsten. Wenn Iestyn erfährt, an welcher Schule er ab September unterrichten wird, wollen wir zusammenziehen und ich bin mir sicher, dass sie selbst beim No-Deal Brexit nicht alle Ausländer raus schmeißen können und werden. Wir schaffen das!“

    Apropos Iestyn, wir machten tatsächlich eine Firmenband und nahmen ihn ehrenhalber als einzigen nicht hier Angestellten mit auf. An Instrumenten bekamen wir einiges zusammen. Luke war Schlagzeuger, Timo spielte E-Bass, Ben und Iestyn hatten Keyboards, Lewis und ich spielten E-Gitarre. Alex zwar auch, aber der wollte nicht mitmachen, weil er lieber bei seiner Freundin sein wollte, was aber nur verständlich war in unserem Beruf. Mit dieser Besetzung waren wir vor allem mit Metal unterwegs, das war auch unsere bevorzugte Musik. Allenfalls Iestyn tendierte mehr in Richtung Pop und Softrock, was wir entsprechend auch mal spielten.
    Und auch stimmlich bekamen wir einiges zusammen, sowohl an Stimmlagen als auch an Stimmfärbungen. Aus Mangel an Sängerinnen konnten wir über Iestyn von Nightwish immerhin ein Musikschulprogramm für den PC ergattern, bei dem man alle Spuren einzeln ein- und ausschalten konnte. So konnten wir die Instrumente und den Hintergrundgesang übernehmen, während die Sängerin aus der Konserve kam. Für einige andere Bands trieb er über einen Lehrbuchverlag zumindest konventionelle Noten auf.
    Ben und ich lagen im Bariton, aber beide mit relativ klarer Stimme, er ein Bisschen mehr als ich. Daher hatte ich insbesondere die Ehre, bei Sabaton antreten zu dürfen. Ben fand sich meistens im Hintergrundgesang wieder. Soli konnte er bei seinem Männerchor aber noch genug singen.
    Bei den Tenören waren wir breiter aufgestellt. Lewis hatte die klarste Stimme, was ihn als Rhapsody-Frontmann Luca Turilli, Kai Hansen von Helloween und Edguy-Sänger Tobias Sammet qualifizierte. Iestyn sang ein Bisschen rauer, so in Richtung DragonForce. Timo hatte sich während des Wachstumsschubs in der Pubertät in Lateinamerika seine Stimmbänder mit Zigaretten nachhaltig ruiniert, so dass er vor allem als Besetzung für Axl Rose und Steven Tyler taugte.

    Meistens hingen wir unsere Sessions am Freitag für 2 Stunden plus gemeinsame Kalorien-Orgie von einem Lieferdienst an die Arbeitszeit dran oder trafen uns Samstagvormittag.

    Und dann war wieder Montag, es wurde allerhöchste Zeit für die Montagsfrage, die ging an Alex und sie lautete:
    „Was wünschst Du Dir denn als nächsten Truck?“ „Einen Scania oder auch einen Mercedes. Aber Scania bitte keinen Streamline. Dann nehme ich mit meinen 6‘6“ dann doch lieber einen Mercedes.“ „Was mache ich, wenn die Lieferzeit bei Scania nicht akzeptabel ist?“
    Dass es um die nicht sonderlich gut bestellt war, wusste ich aus der Fachpresse. Zwar war Scania nur dritter hinter DAF und Mercedes in den Verkäufen, aber die beiden größten Unternehmen Stobart und Malcolm bestritten jeweils knapp ihre halbe Flotte mit Scania und auch viele kleine Unternehmen stellten wohl auf den neuen um, weil der endlich mal wieder einiges richtig machte, nachdem man sich 25 Jahre in Södertälje auf seinen Lorbeeren ausgeruht hatte und drauf vertraute, dass es Leute doch in Kauf nahmen, ihre wie bei Alex 1,95 Meter in eine zu kleine Kabine zu falten, nur um einen Greif auf dem Kühler zu haben. Das war zuletzt nicht mehr aufgegangen, nachdem man über 1,90 Körpergröße sogar im bei jeder Überarbeitung gewachsenen Iveco, der bei der Vorstellung des EuroStar mit der Urform der aktuellen Kabine auch zu klein geraten war und sowieso im riesigen DAF, deren Kabinen ebenfalls noch auf um das Jahr 1990 zurückgingen, schon besser schlafen konnte, als im Scania Serie 6. Ich hatte es mit 1,92 Metern auch mehrfach ausprobiert. Die anderen Marken hatten sowieso mal in den letzten 20 bis 25 Jahren eine komplett neue und zeitgemäße Kabine rausgebraucht.
    „Mercedes. Wenn man sich überlegt, dass wir hier überhaupt gefragt werden. Anderswo, einschließlich genau dieser Firma in Deutschland, darf man maximal die Marke aus zwei oder drei vorgegebenen aussuchen. Und bei den meisten wird einfach gefahren, was der Chef kauft.“
    Die Gerüchte waren leider wahr, wie sich nach jeweils einem Anruf bei Deeside Truck Services als lokale Scania-Handelsvertretung und dem Mercedes-Gegenstück Roanza Truck and Van herausstellte. Also würde Alex sich dem guten Stern auf allen Straßen anvertrauen müssen. Jedenfalls bestellte ich einen New Actros für ihn. Auch der hatte noch stramme Lieferzeit, aber verglichen zum Scania war es erträglich.
    Wenn Alex darüber enttäuscht war, dass es seine zweite Wahl getroffen hatte, ließ er es sich zumindest nicht anmerken. Aber er selbst hatte ja Mercedes ins Spiel gebracht. Ich hätte ihm, wenn er nur eine Marke genannt hätte, auch seinen Scania bestellt, dann hätte er sich nur was länger mit dem DAF rumschlagen müssen. Allerdings war auch mit dem nicht mehr so viel los. Daher war ich froh, ihn doch auf diese Weise einen Monat schneller los zu werden.

    Nicht so erträglich war das Wetter. „The Beast from the East“, wie die stabile Wetterlage mit Kaltluft aus Sibirien mittlerweile genannt wurde, sorgte für Schnee bis weit in den März. Zu der Zeit kam auch Alex Truck und Luke bekam mal wieder eine kleine Sonderaufgabe mit der Lackierpistole, die er mit allen 3 Grundfarben, handgezogenen Zierlinien, Beschriftungen und persönlichem Motiv innerhalb einer Woche erledigte wie immer.
    „Irgendwie tut es mir ja im Herzen weh, den Truck so zu verschandeln.“ „Ich glaube, wir müssen mal ein ernsthaftes Gespräch führen. Aber die Farben sollten Dir an sich nichts ausmachen.“ „Nein, aber die Anordnung ist eine Qual!“




    Natürlich gefiel mir das Motiv auch. „Nur das Beste ist gut genug“ würde ich allerdings nur auf den Verein beziehen und nicht auf den Truck. Auch wenn der MP4, auch technologisch auf die Konkurrenz zur jeweiligen Zeit bereinigt, der beste Mercedes LKW aller Zeiten war, blieb er nicht so ganz mein persönlicher Fall. Und auch Alex, der wie alle Fahrer mittlerweile vor der Übergabe aufgeregt war, weil er sein Truckmotto noch nicht kannte, war begeistert, als er sah, was Luke für ihn geschaffen hatte.

    Nicht so richtig vorang ging es allerdings beim Thema Kühlhalle. Ich hatte mal bei der Stadt nach den Möglichkeiten, eine hier zu bauen angefragt, aber Bauamtsleiter Ian White ließ mich mit einer auch in der Lokalpolitik üblichen Antwort abtropfen, mit der ich hinterher genauso schlau war wie vor meiner Frage.
    Durch die Blume konnte ich aber raus hören, dass man den Deeside Industrial Park durchaus mit Lebensmittellogistik für überversorgt hielt. Dafür ließ ich mal durch die Blume anklingen, dass wir nicht mit Deeside verheiratet waren. Der gesamte A-55 Corridor bis Conwy oder notfalls auch Bangor, Wrexham oder auch die kompletten englischen West Midlands waren eine Alternative, die man durchaus in Betracht ziehen konnte, ohne die Bestandskunden zu verprellen. Und dort gab es einige Kommunen, die Gewerbesteuerzahler nötiger hatten als scheinbar Shotton, Connah’s Quay und Queensferry, die sich die Rechte und Pflichten am Deeside Industrial Park teilten.

    Die nächste Übung, nachdem Alex nun mit dem guten Stern auf allen Straßen auf Tour ging, war einmal mehr das Abflaggen einer Zugmaschine, die in den Export ging, denn das beste Angebot für den mit über 380,000 Meilen oder fast 620.000 Kilometern ziemlich verbrauchten DAF XF105 hatte mal wieder Mahad gemacht.
    Das Grün war wie immer zu dunkel, aber die weiße Dose war fast leer, nachdem sie beim Everton-Wappen noch reichlich zum Einsatz gekommen war. Ich suchte in der Kiste:
    „Wo ist denn der weiße Sprühlack?“ Ben antwortete aus den Tiefen der Werkstatt: „Weiß haben wir nicht mehr, muss ich wieder kaufen. Luke hat mir das auf die Liste für den Großhandel gesetzt.“ „Dann eben noch mal grün!“

    „Wozu verballerst Du denn die Radmutterzeiger? Der Truck ist am Wochenende weg und so lange werden die Radmuttern schon halten.“ „Weil es bei jeder Bestellung vom Reifenservice einen Beutel gratis gibt und wir die eh nicht verwenden bei unseren Edelstahl- und Chrommuttern. Ich packe die immer bei den Fahrzeugen von Malone drauf und habe trotzdem eine Kiste mit über 200 von den Dingern im Schrank.




    „Schön geht anders.“ „Hauptsache unser Name ist weg. In Kenia geht es nicht um einen Schönheitspreis. Der zukünftige Besitzer ist da King of the Road mit diesem Truck. Einfach weil er ein Fernverkehrshaus und 460 PS bekommt. Da sind noch so viele Mercedes Hauber unterwegs, das glaubst Du nicht. Und die Handvoll Neufahrzeuge, die da verkauft werden, sind meistens Nahverkehrs-Wagen mit Schlafkoje von der europäischen Resterampe. Mercedes Axor, Scania G Streamline und solche Auslaufmodelle.“ Mahad hatte mir mal Bilder von den Fernstraßen Kenias gezeigt.


    Mittwoch, 21.03.2018

    In den letzten Tagen war endlich Warmluft reingezogen und hatte den Schnee schmelzen lassen. Timo zitterte, dass es jetzt viel regnen sollte, um das Salz von der Straße zu spülen und die Straßen für seinen Sierra Sapphire RS Cosworth geeignet machte. Aktuell fuhr er einen ziemlich angegammelten Mondeo Baujahr 1994, der im April MOT fällig war und keine reelle Chance hatte, mit diesen Rostlöchern noch mal eine Certificate zu kriegen.
    Zumindest das Wetter entsprach seinem Wunsch, als ich meine Fracht für die letzte Tour unter unserer Regie bei einem Chemiebetrieb im nahen Ellesmere Port abholte. Das Ziel war in Malmedy, Belgien.




    Es ging durch die Morgendämmerung und nachlassenden Regen in Richtung Südosten. Bei Coventry an der M6 musste ich schon meine Mittagspause machen. Eigentlich wäre ich gerne weiter gewesen, aber in den West Midlands hatte ich einige Zeit verloren. Immerhin das Wetter hatte sich gebessert.




    Immerhin kam ich so um die Mittagszeit auf einen ziemlich leeren London Perimeter. Trotzdem waren fast 9 Stunden Lenkzeit rum, bis ich am Channel Tunnel war. Auch der LKW nach mir war ein DAF XF 105 gewesen. Er war aus Süddeutschland und der junge Fahrer stellte ihn neben mir ab.




    Auf dem Weg in das Büro der Bahngesellschaft klingelte mein Handy, Bochum calling.
    „Ricky hier. Hallo André.“ „Hallo Ricky. Ich sehe, Du bist in Folkestone. Setzt Du noch über?“ „Nein, wollte ich eigentlich nicht. Ich habe noch 12 Minuten übrig und wollte im Terminal auf einen Parkplatz fahren. Würde dann den Zug um 1 Uhr nehmen, direkt nach einer 9er Pause.“
    „Dann kommst Du bis nach Malmedy, denke ich?“ „Ja.“ „Darf ich Dich Freitag früh noch einplanen?“ „Wofür? Um 11 habe ich eine Besprechung mit Marlon und Julian, vorher muss ich bei den Lahrmanns den LKW abgeben, um 17 Uhr treffe ich mich mit Luke am Hauptbahnhof in Hagen und nehme den Zug zu meinen Eltern nach Marsberg.“ „Dann klappt das nicht. Wäre Lüttich-Frankfurt und dann Frankfurt-Gelsenkirchen gewesen.“ „Nee. Das ist zu viel.“ „Okay, dann muss Rolf das fahren.“

    Ich füllte das Formular für den Zug aus, dass ich einen zulässigen Gefahrstoff auf dem Trailer hatte. Es war nicht so, dass man mit Gefahrstoffen gar nicht durch den Eurotunnel durfte. Die Regeln waren in den vergangenen 3 oder 4 Jahren aber auch im Vergleich zu früher gelockert worden. Das Imprägniermittel für Bauholz, das ich dabei hatte, durfte jedenfalls durch. Allerdings hatte ich ein extra langes, zweites Formular für das Gefahrgut auszufüllen.
    Der junge DAF-Fahrer hatte mich wohl am Telefon Deutsch sprechen hören und kam nach mir dran. Weil an dem Halter auf dem Tresen mal wieder eine Kette ohne Schreibgerät baumelte und er selbst nicht darauf vorbereitet war, sprach er mich verlegen an:
    „Entschuldigung. Hast Du mal g’schwind ein Kuli für mich?“ Ich gab ihm den Kugelschreiber mit unserem Werbeaufdruck. „Hier. Kannst Du behalten, wir haben in der Firma genug von den Dingern.“ Auf dem Weg zu den Trucks fragte er mich noch zu dem komischen Zustand der Maschine aus. Als er hörte, wieviel der runter hatte und einen Teil davon mit Wartungsrückstand, wurde ihm aber auch klar, warum der in den Export ging.


    Donnerstag, 22.03.2018

    Es gab zwar rund um die Uhr jede Art von Essen im Terminal, aber um mich nicht komplett aus dem Tagesablauf zu ballern, verzichtete ich auf ein Full Traditional sondern ging nur duschen und holte mir einen Kaffee und ein Stück Gebäck.

    Aus dem gleichen Grund hatte ich auch nur 4 Stunden geschlafen und nicht die ganze Pause durch. Abgesehen davon, dass ich vorher auch gar nicht müde genug dafür gewesen wäre.

    Um 2:36 Ortszeit kam ich auf dem Festland an.




    Der Weg führte logischerweise durch Frankreich weiter nach Belgien. In der Nacht kam ich gut voran und die Pause war auf dem bewährten Rastplatz Mons-Paris kurz hinter der belgischen Grenze fällig. Ich gönnte mir in diesem Land natürlich eine Doppelwaffel mit Schokoladensoße.

    In der Morgendämmerung machte ich mich wieder auf den Weg. Mein Navi war der Meinung, ich sollte schon in Namur nach Süden abbiegen. Offenbar war Lüttich mal wieder komplett dicht. Kurz nach dem Autobahnkreuz überquerte ich die Maas.






    Das Ziel erreichte ich dann um die Mittagszeit. Meine Fahrzeit war schon wieder ziemlich runter und ich war aufgrund der knappen Nachtruhe entsprechend müde. Also fuhr ich nur vom Hof des Betriebes runter und stellte mich für ein Mittagsschläfchen an den Wegrand.




    Als ich wieder aufwachte, war es noch zu früh, um weiterzufahren. Also machte ich einen kleinen Spaziergang im Wald. Erst abends nach 20 Uhr gab mir der Fahrtenschreiber wieder Fahrtfreigabe. Solo ging es nach Bochum und kurz vor Mitternacht war ich in der Coloniastraße.
    Ich stellte die Zugmaschine in die Halle auf den mir zugewiesenen Platz. Es stand ein Iveco Stralis XP 570 mit Kühlauflieger drin, aber nicht der von Maxim. Er war weiß und hatte ein tschechisches Kennzeichen, gehörte zu Petrs Firma Transvysocina. Der Motor war auch noch nicht allzu kalt. Zwar knackte der Krümmer nicht mehr, aber als ich die Zugmaschine näher betrachtete, fiel mir die Abwärme auf, die der Kühler noch abstrahlte.
    Nachdem hier sowohl Julian als auch Timo ausgezogen waren, wir aber selbst die Niederlassung in Großbritannien und Partnerspeditionen in Österreich, Schweden und Tschechien hatten, hatten Marlon und Julian die Wohnung zu einem Fahrerquartier umgebaut. Dank der Systembauweise ging das relativ einfach. Die Küche und das Bad waren geblieben, aber die einst zwei größeren und ein kleineres Schlafzimmer waren zu insgesamt vier kleineren umgebaut worden.

    Ich schloss die Tür zum Wohn- und Bürogebäude auf und ging in meine alte Wohnung. Michal, der Fahrer des Stralis, saß in der Küche und guckte einen Stream auf seinem PC während er seine Fertiglasagne futterte. Hatte er also den alten MAN, mit dem Petr angefangen hatte, nicht mehr.
    Auch ich war hungrig und machte mir very British eine Dose Campbell’s Ham & Bean Soup warm. Weil Michal wie die meisten jungen Tschechen und alle Fahrer in unserer Gruppe sehr gut englisch sprach, unterhielten wir uns ein Bisschen über alles Mögliche. Die Sprache gehörte zum Anforderungsprofil. Jeder Fahrer musste fließend englisch sprechen, was insbesondere für Petr die Auswahl auf eher jüngere Fahrer eingrenzte. In Deutschland, Österreich und Schweden war das in den meisten Fällen und unabhängig vom Alter kein Problem mehr.
    Ich war insbesondere dran interessiert, wie zufrieden er mit dem Stralis XP war. Maxim lobte ihn in höchsten Tönen, aber der hatte auch eine Markenbrille, die mindestens so groß war wie meine. Allerdings war die von Michal jetzt auch nicht unbedingt kleiner, wie sich herausstellte.

    Am folgenden Tag verkaufte ich als erstes den DAF an Mahad und meldete ihn anschließend online ab. Am späten Vormittag sprach ich einige Dinge mit Julian und Marlon durch. Insbesondere ging es um den Umzug der Firma. Wir setzten uns deshalb in Julians Opel und fuhren rüber zum geplanten Baugrundstück.
    „Willst Du dann demnächst MAN und Scania kaufen?“ Beide Händler gab es hier im Gewerbegebit, MAN war sogar direkt nebenan. „Nein, an sich nicht. Ich bin mit der Zusammenarbeit bei Mercedes-Lueg in Wattenscheid zufrieden. Und Renault-Volvo kaufen wir jetzt in Altenessen. Joachim ist da jetzt Niederlassungsleiter und da sind wir natürlich mit ihm rüber gewechselt.“

    Nachmittags ging ich mit meinem Koffer zum Bahnhof, fuhr nach Hagen, wo ich Luke traf, der mit dem Zug aus Düsseldorf ankam und wir fuhren weiter nach Marsberg, wo wir meine Eltern über das Wochenende besuchten.

    Am Montag brachte uns mein Vater nach Paderborn-Lippstadt, von wo wir in den Urlaub nach Süditalien flogen.

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