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49. Death Valley, Montana und Idaho

  • Sonntag, den 9. September 2018, 8:00 a.m., Pacific Daylight Time, Pacifica, CA:

    Um acht Uhr am frühen Sonntagmorgen standen wir dann wieder auf. Keela wollte zeitig nach Rockaway Beach und ich musste am Mittag wieder in Sacramento sein. Wir gingen in den Sanitärbereich und duschten schnell. Anschließend frühstückten wir dann noch zusammen.
    Kurz nach Neun hieß es dann leider wieder Abschied nehmen. Keela umarmte mich und wollte mich gar nicht mehr loslassen. „Ich will nicht, dass du gehst.“ Sagte sie und zog einen Schmollmund. „Mach es mir doch nicht so schwer.“ „Doch, mache ich. Du musst doch merken, dass du mir jetzt schon fehlst.“ „Das weiß ich auch so. Denk lieber an die Wellen, die auf dich warten.“ „Ja schon. Ich will dich trotzdem nicht gehen lassen.“ „Dann komm doch mit.“ „Das gilt nicht. Das ist gemein.“ „Dann muss halt doch jeder machen, was er machen muss.“ „Na gut.“ Gab sich Keela geschlagen. Sie bekam dann auch den Abschiedskuss. Dann kam das freche Grinsen wieder. „Noch einen, bitte.“ „War ja klar.“ Lachte ich. Sie bekam dann auch diesen Kuss. „Und noch einen als Trennungspauschale.“ „Du wirst auch immer kreativer.“ Lachte ich. „Du hast doch letzte Woche in den höchsten Tönen von meiner Kreativität gesprochen.“ „Stimmt auch wieder. Okay, dann hier die Trennungspauschale.“ Das wurde dann noch mal ein extralanger Kuss. Anschließend setzte ich mich in meinen Ford und fuhr langsam vom Gelände des Campingplatzes. Keela stand dabei vor ihrem Savana und winkte mir nach.

    Ich bog dann auf die CA-1 ab und hielt mich in Richtung San Francisco. Da an diesem Sonntagvormittag nur wenig Verkehr war, kam ich dann auch super durch die Stadt. Über die I-80 kam ich dann nach Sacramento. Kurz nach Zwölf am Mittag erreichte ich dann meine Heimatstadt.

    Den Ford parkte ich dann wieder auf seinem Stellplatz in meiner Halle. Auf dem Weg in meine Wohnung kam ich dann am W900 vorbei. George hatte inzwischen auch seinen Reset begonnen und die Maschine parkte in der Halle. Irgendwie konnte ich es nicht bleiben lassen, eine Runde um die Maschine zu gehen und nach irgendwelchen Beschädigungen zu suchen. Ich wurde aber nicht fündig. Eigentlich vertraute ich George. Trotzdem konnte ich nicht widerstehen, nachzuschauen. Beruhigt ging ich dann nach oben.

    In meiner Wohnung wusch ich mich noch mal schnell. Dann zog ich meine Arbeitskleidung an. Anschließend wurde noch die Tasche gepackt. Zu guter Letzt ging ich dann in die Küche, wo ich noch einen Kaffee aufsetzte und die Vorräte, die Keela für mich gekauft hatte, einpackte. Hinterher hatte ich wieder so viel zusammen, dass ich zweimal zum Truck gehen musste, um alles mitzunehmen. Pünktlich um ein Uhr hatte ich alles verstaut und konnte mit meiner PTI beginnen. Als ich die abgeschlossen hatte, schaute ich im System nach meinem ersten Auftrag für die neue Woche:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 11
    TRAILER: TA2995
    FREIGHT: MILK
    WEIGHT: 40,000 LB
    DROP: NMA-NVAUS
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Mit einem Milchtank hatte ich nicht gerechnet. Das war aber egal. Diese Ladungen wurden in der Regel gut bezahlt. Das Empfängerkürzel machte mich auch erstmal stutzig. Welcher Ort in Nevada wurde denn mit AUS abgekürzt. Die Antwort lautete dann Austin, Nevada. Das sagte mir auch noch nichts. Ich kannte zwar Austin, Texas, aber nicht Austin, Nevada. Mein Navi fand dann aber den Ort. Das Kaff lag wohl im Lander County, mitten in Nevada. Es lag aber zumindest an der US-Route 50.
    Die Ladung riss mich nicht gerade vom Hocker. Zumal es dort mit Sicherheit nicht viel Auswahl geben würde, was die Rückladung betraf. Trotzdem musste ich die Ladung wohl nehmen. Ich konnte zwar als Unternehmer eine Ladung ablehnen, das musste aber gut begründet sein. Da die Milchladungen gut bezahlt waren, musste ich dann beim Anschluss wohl Einbußen in Kauf nehmen. Ich startete den Motor und fuhr die Maschine aus der Halle. Dann machte ich alles wieder dicht. Nun konnte ich zum Zentrallager rüberfahren.
    Dort musste ich meine Papiere beim Lagermeister abholen. Nachdem ich sie hatte und meine Quittung geleistet hatte, konnte ich den Milchtank an Tor 11 aufnehmen. Ich sattelte auf und machte die PTI. Dabei sah ich mir die Kombination von T680 und Milchtank mal genauer an.

    „Mann sieht das beschissen aus.“ Fluchte ich dann. Irgendwie passte der Tank weder in der Farbe, noch in den Abmessungen vernünftig zur Maschine. Ich machte ein Foto und schickte es Keela. „Damit du was zu Lachen hast.“ Schrieb ich darunter. Ich schrieb dann noch meinen Inspektionsreport, den ich von jedem übernommenen Trailer schrieb, anschließend konnte ich mich auf den Weg machen.

    Es ging dann zuerst auf die I-5 und anschließend auf die I-80 in Richtung Osten. Nun ging es in die Sierra Nevada. Heute war dann wieder ein guter Tag, um die Leistung und den Verbrauch der neuen Maschine zu testen. Mit 40,000 Pfund ging es schließlich den Donnerpass hinauf. Dabei schlug sich der T680 sehr achtbar. Die 50 Mehr PS und die 18 Gang Schaltbox machten sich hier wieder positiv bemerkbar. So zügig war ich hier mit einem vollen Truck noch nie hochgefahren.
    Zwei Stunden nach meiner Abfahrt hatte ich dann Nevada erreicht. Nun kam der nächste Test. Ich war, abgesehen von meinem kurzen Abstecher nach Parker, Arizona ja noch nicht außerhalb von Kalifornien gewesen. Die Maschine war zwar dieses Mal ab Werk mit dem Begrenzer bei 66 mph ausgerüstet, den hätte ich aber sowieso wieder einbauen lassen. Die Frage war aber, wie hoch die Drehzahl der Maschine im 18. Gang bei Tempo 66 war. Davon hing ja schließlich der Geräuschpegel und vor allem der Verbrauch der Maschine ab. Als ich dann bei Tempo 66 ankam, drehte die Maschine bei 1300 U/min. Damit konnte ich sehr gut leben. Auch der Geräuschpegel war sehr angenehm. Wie sich der Verbrauch einpendeln würde, konnte ich jetzt, wo ich gerade den Donnerpass hinter mir hatte, noch nicht beurteilen. Bisher war ich aber immer weit unter dem Verbrauch des W900 geblieben. Das würde sich so auch nicht verschlechtern. Eher im Gegenteil.

    Bei Reno wechselte ich dann auf die I-580 in Richtung Carson City. Dabei wunderte ich mich wieder mal, dass man hier die gleiche Nummer für die Interstate gewählt hatte, Wie im Bereich Oakland, Berkeley, San Rafael. Es war aber halt so. Ich war dann schon fast in Carson City, als ich an der US-Route 50 ankam, die ja aus der westlichen Richtung vom Lake Tahoe herkam. Hier musste ich von der I-580 abfahren und in Richtung Osten weiterfahren. Es lagen jetzt noch einige Meilen vor mir, die ich nun über den zweispurigen Highway fahren musste.
    Ich bekam dann irgendwann Hunger. Meine Pause musste ich sowieso noch machen. Hier im großen Becken gab es nicht viel. Da sollte man nicht unbedingt auf Parkplätze oder gar Truckstops warten. So fuhr ich schließlich einfach kurzentschlossen an den Rand. Der Randstreifen war zwar sandig, aber relativ fest. Ich hatte vorher schon Angst, ich könnte einsinken. Mit dem 6x4 hätte ich aber immer noch eine Chance gehabt, mich dann wieder raus zu wühlen. Das blieb mir dann so erspart.

    Nun telefonierte ich noch ganz kurz mit Keela, die inzwischen in Pacifica alles zusammengepackt hatte und sich auf den Weg nach Hause machen wollte. Allerdings war sie erstaunt, dass mich Danny nur nach Nevada geschickt hatte.
    Nachdem wir aufgelegt hatten, machte ich mir was aus meinen Vorräten als Abendessen fertig. Um acht Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis die Sonne untergegangen war. Das ging in der Wüste ab und zu ganz schnell.
    Durch die absolute Dunkelheit ging es nun auf Austin zu. Hier gab es ja nur höchst selten mal ein Haus. Die Lichter in den Fenstern waren dann fast wie die zahlreichen Sterne am Himmel. Gegen halb Zehn tauchten dann die Lichter von Austin in der Ferne auf. Prompt meldete auch ORBCOMM: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Kurz darauf war ich in dem Kaff mit etwa 330 Einwohnern. Als ich am Neighborhood Market ankam, meldete ORBCOMM: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Ich atmete auf. Ich hatte schon gefürchtet, 150 Meilen Bobtail fahren zu müssen. Bevor ich mich meldete, schaute ich auch nach dem Auftrag:

    PICKUP: NMA-NVAUS
    GATE: 02
    TRAILER: CT53668
    FREIGHT: EMPTY PALLETS
    WEIGHT: 43,500 LB
    DROP: COW-CAOXN
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Ich schien etwas Glück zu haben. 43,500 Pfund waren einige Leerpaletten. Die waren wohl schon länger nicht übernommen worden. Das Ziel in Oxnard war okay. Es hätte besser, aber auch erheblich schlimmer kommen können.
    Da der Laden am Sonntagabend um halb Zehn natürlich bereits geschlossen war, hier lohnten sich solche Öffnungszeiten halt nicht, suchte ich den Security Mann, den es aber bei jeder Walmart Filiale gab. Zum Glück hatte er dann auch Papiere für mich. Er quittierte mir seinerseits die Anlieferung des Milchtanks, Diesen durfte ich dann auch vor das Freilager stellen. Die Schläuche zum Abpumpen der Milch waren meistens entsprechend lang. Auf dem dunklen Hof des Supermarktes sattelte ich dann um. Danach schaute ich mir erstmal die Strecke an.
    Ich beschloss dann, in dieser Schicht noch bis nach Tonopah zu fahren. Das sollte in drei Stunden noch zu schaffen sein. Ich fuhr vom Supermarktgelände und hielt mich dann wieder links auf die US-50. Nach 11 Meilen ging es dann rechts auf die NV-376 in Richtung Süden. Die nächsten 100 Meilen ging es nun über diesen Highway durch die dunkle Nacht.
    Schließlich erreichte ich die US-6, auf die ich dann in Richtung Tonopah abbog. In Tonopah suchte ich mir dann eine Parkmöglichkeit in einem ruhigen Gewerbegebiet. Hier stand ich auf jeden Fall besser, als mitten in der Wüste. Keela würde jetzt am Schlafen sein, also rief ich nicht mehr zu Hause an. Da ich ebenfalls todmüde war, zog ich mich nur noch schnell aus und legte mich ebenfalls schlafen.

    Montag, den 10. September 2018, 10:30 a.m., Pacific Daylight Time, Tonopah, NV:

    Um halb Elf klingelte mein Wecker wieder. Ich hatte sehr gut geschlafen und stand nun recht motiviert auf. Nachdem die Kaffeemaschine in Funktion gesetzt worden war, verschwand ich um die Ecke, um meine Blase zu entleeren. Anschließend musste die Körperpflege mal wieder mit Wasser aus dem Kanister erledigt werden. Um viertel nach Elf war ich startklar und konnte mit der PTI beginnen. Gegen halb Zwölf wollte ich dann wieder los.
    Da aber am gestrigen Abend bereits mal wieder die Tankleuchte angegangen war, fuhr ich erstmal nur bis zur Tankstelle im Ort. Es war nur eine Kleinstadttankstelle, sie hatte aber immerhin auch eine Säule für Trucks. So waren meine Tanks nach einer Viertelstunde wieder mit Diesel und DEF gefüllt.

    Während ich getankt hatte, hatte ich mir auch Gedanken gemacht, welche Strecke ich nun in Richtung Oxnard nehmen wollte. Schließlich entschied ich mich für die Route über die US Route 95 bis Beatty und dann weiter durchs das Death Valley, den trockensten Nationalpark der USA.
    Nachdem ich Tonopah verlassen hatte, war ich wieder in der kargen Einsamkeit des großen Beckens. Auch hier gab es schon nichts, außer Wüste und Bergen. Dabei bekam ich mal wieder einen großen Respekt vor den Siedlern, die dieses Land im 19. Jahrhundert mit Pferd und Wagen durchquert hatten. Sie brauchten ja viel länger dafür, als ich, der hier jetzt mit 66 mph daher fuhr. Vor allem wussten sie damals im Gegensatz zu mir nicht, wo sie irgendwann ankommen würden.

    Ich kam durch die ehemalige Goldgräberstadt Goldfield, die einer Geisterstadt glich, obwohl hier immer noch circa 440 Menschen leben sollten. Schließlich erreichte ich Beatty, ein Städtchen im Tal des Flüsschens Amagosa River. Hier folgte ich dann nicht der US-95 weiter in Richtung Las Vegas, sondern hielt mich auf die NV-374 in Richtung Death Valley.
    Es dauerte jetzt nicht mehr lange, bis ich die Grenze nach Kalifornien erreicht hatte. Mein Tempo verringerte sich also wieder um 10 mph. Mehr änderte sich vorerst nicht. Es ging jetzt über den Daylight Pass. Anschließend erreichte ich das Hells Gate, das Höllentor. Den Eingang zum Death Valley Nationalpark.

    Ich folgte weiter der Daylight Pass Road. Über einen kurzen Turn über Scotty’s Castle Road kam ich dann zur CA-190, die durch das Death Valley führte. Es ging nun an Devil’s Corn Field vorbei. Dann kam ich nach Stovepipe Wells, eine kleine Siedlung im Death Valley.
    Nun ging es weiter zum Towne Pass. Was mich wunderte, war die Tatsache, dass mir hier einige Motorradfahrer entgegenkamen. Wir hatten wieder um die 100 Grad Fahrenheit. Das wäre mir persönlich viel zu warm auf dem Bike. Selbst, wenn man auf die obligatorische Sicherheitskleidung verzichtete, wäre das immer noch zu warm. Ich war froh, eine gut funktionierende Air-Condition zu haben. Der Fahrtwind auf dem Motorrad war dann aber eher, als würde man sich einen eingeschalteten Fön ins Gesicht halten.

    Nach der Überquerung des nächsten Pass kam ich nach Panamint Springs, einer kleinen Siedlung im Darwin Canyon. Nun ging es wieder in Serpentinen den Berg hinauf. Oben angekommen, erreichte ich den Father Crowley Overlook, einen Aussichtspunkt. Hier machte ich dann meine Mittagspause, auch wenn es schon nachmittags um Vier war. Ich machte mir was aus meinen Vorräten zu Essen. Nachdem ich gegessen hatte, verließ ich mein klimatisiertes Fahrerhaus, um auch noch was von der Aussicht zu sehen.

    Ich machte auch ein Foto und schickte es Keela mit dem Vermerk: „Grüße aus dem Death Valley.“ Prompt kam die Antwort: „Du sollst doch arbeiten und nicht spazieren fahren.“ Meine Antwort darauf lautete: „Tja, arbeiten wo andere Leute Urlaub machen.“ Um fünf Uhr machte ich mich wieder auf den Weg. Ich hatte jetzt lange genug hier gestanden.

    Ich folgte der CA-190 dann weiter und verließ das Death Valley langsam wieder. Bei Olancha traf ich dann auf die US Route 395, der ich dann in südlicher Richtung folgte. Ab Indian Wells ging es dann über die CA-14 weiter. Bei Mojave kreuzte ich dann eine meiner bevorzugten Strecken, die CA-58 von Bakersfield nach Barstow. Ich blieb heute aber auf der CA-14.
    Hinter Palmdale ging es dann wieder in die Berge. Der Paccar MX13 schlug sich aber wieder mehr, als achtbar. Mit dem vollen Trailer hatte er aber auch gut zu tun. Bei Santa Clarita ging es dann erst kurz auf die I-5 in Richtung Norden und dann wieder auf die CA-126 in Richtung Westen. Zwischen Santa Paula und Ventura lag dann das zu Oxnard gehörende Gewerbegebiet, in dem sich das Costco Lager befand.

    Kurz bevor ich dort eintraf, ging mein Telefon. Es war schon zehn Uhr durch, also war es Danny, der was von mir wollte. „Hallo Danny, was gibt’s?“ „Hallo Marc. Sehe ich das richtig, dass du mit der Zeit fast durch bist?“ „Stimmt.“ „Okay. Ich habe nämlich auch noch nichts Vernünftiges für dich. Am Besten fährst du gleich noch nach Oxnard und machst dann in der Nähe von unserem Lager Feierabend. Keela hat morgen sicher mehr Auswahl, als ich jetzt.“ „Von mir aus. Wäre nur blöd, wenn ich da jetzt rüberfahre und ich morgen wieder hierhin muss.“ „Das ist aber sehr unwahrscheinlich.“ „Gut. Dann mache ich das.“ „Okay, dann gleich schönen Feierabend.“ „Danke. Dir eine schöne Schicht.“ Wir legten auf.

    Ich meldete mich dann bei Costco an. Der Trailer sollte ans Dock vom Paletten Lager. Dort war auch gerade ein Tor frei. Ich bekam also meine Quittung und setzte den Trailer anschließend dort an. Nachdem das erledigt war, fuhr ich also Bobtail nach Oxnard. Ich hatte schon eine Idee, wo ich stehen bleiben könnte. Ich stand ja auch nicht zum ersten Mal hier. Eine Viertelstunde vor Mitternacht stellte ich dann den Truck ab. Keela war mit Sicherheit schon am Schlafen und Essen wollte ich jetzt auch nichts mehr. Ich machte es mir im Sleeper bequem. Ich sah noch eine halbe Stunde fern, dann schaltete ich den Apparat aus und drehte mich um.

    Dienstag, den 11. September 2018, 9:00 a.m., Pacific Daylight Time, Oxnard, CA:

    Der 11. September. Dieses Datum verursachte mir immer noch ein flaues Gefühl im Magen. Ich war zwar damals gerade fünf, als die Flugzeuge ins World Trade Center und ins Pentagon folgen. Es hatte sich aber bei mir eingebrannt, wie besorgt meine Eltern damals waren. Außerdem erzählte mir Steve damals, wenn er mich, seinen kleinen Bruder ängstigen wollte, Schauergeschichten, dass die Terroristen kommen würden. Heute wäre es eher andersrum. Steve war dann der, der mit seiner Einheit irgendwo was absichern musste, während mich die Sache nur noch am Rande interessierte. Ich hatte eine kurze Nachricht von Steve auf WhatsApp bekommen, dass er heute mal wieder am Ground Zero eingesetzt wurde.
    Ich stand auf und machte mich fertig. Duschen war erstmal wieder nicht drin. Es gab dann wieder nur die Körperpflege mit Wasser aus dem Kanister. Wenigstens bekam ich ja meinen Kaffee, den ich mir selber aufgesetzt hatte. Um viertel vor Zehn stellte ich die Systeme auf PTI. Die Kontrolle der Zugmaschine war dann auch schnell erledigt. Ich schaute dann schon mal nach, was ich denn für einen Auftrag bekommen hatte:

    PICKUP: SUC-CAVEN
    GATE: 04
    TRAILER: CT53760
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    DROP: CST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Über die Tour nach Hause freute ich mich natürlich. Vielleicht hatte ich die Chance, Keela kurz zu sehen. Ich ärgerte mich etwas darüber, dass ich nach der Absprache mit Danny nach Oxnard gefahren war. Hätte ich bei Costco Wholesale vor der Tür Feierabend gemacht, hätte ich mir Leermeilen gespart, da ich gestern fast an der Tür des Supercenters vorbeigefahren war. Ich machte Danny aber auch keinen Vorwurf. Er hatte ja Recht behalten, dass ich nichts bei Costco bekam. An das Supercenter in Ventura hatten wir wohl beide nicht gedacht.
    Um zehn Uhr startete ich den Motor. Dann fuhr ich wieder aus Oxnard heraus. Über die US-101 ging es dann nach Ventura. Dort angekommen, war ich natürlich angemeldet. Meine Papiere waren fertig und ich konnte umgehend den Trailer mitnehmen. Eine Stunde nachdem ich meine Schicht begonnen hatte, fuhr ich dann nach Hause los.

    Dazu fuhr ich zuerst wieder auf die CA-126. Über die ging es dann wieder zurück nach Santa Clarita. Dort ging es auf die I-5 über die es dann den Tejon Pass hinauf ging. Der I-5 folgte ich dann erstmal weiter bis nach Buttonwillow. Inzwischen schien dieser Truckstop zu meinen Stamm Truckstops aufgestiegen zu sein. Immerhin war ich jetzt mit dem neuen Truck schon das vierte Mal dort.
    Heute machte ich es aber etwas anders, als die Tage zuvor. Ich ging als Erstes duschen. Ich wollte, falls ich Keela heute noch traf, nicht wieder wie eine Büffelherde riechen. Nachdem ich geduscht hatte, ging ich dann aber trotzdem noch auf einen Chicken Burger in den Popeyes. Nachmittags um Drei fuhr ich dann wieder weiter.

    Den Nachmittag sollte ich nun ruhig und gemütlich auf der I-5 verbringen. Der gestrige Tag war zwar erheblich interessanter gewesen, der heutige war dafür erheblich entspannter. Auf meiner Route lief alles ohne Probleme. Selbst die Unfälle waren dann in der Gegenrichtung und nicht in meiner.

    Gegen acht Uhr erreichte ich Sacramento. Es war dann schon recht dunkel, als ich am Zentrallager ankam.
    Ich schnappte mir meine Papiere und ging ins Büro, wo ich auf Jessy traf. „Hey, Big Brother. Alles gut bei dir?“ „Hallo Schwesterchen. Bis jetzt noch. Kommt darauf an, was du mit mir vorhast.“ „Ich wollte dich was fragen. Was hältst du davon, Keela heute noch zu sehen?“ „Was für eine Frage. Da halte ich immer viel von. Wo ist der Haken?“ „Es gibt keinen. Ich bekomme alles weg, ohne dass ich dich noch mal losschicke.“ „Ah ja.“ „Du hast doch sicher schon ganz schön was an Zeit weg.“ „Fast neun Stunden.“ „Okay. Dann kannst du gleich Feierabend machen.“ „Danke. Wo muss der Trailer hin?“ „Wir können den gleich im Anschluss wieder laden. Dann stell den mal an Tor 5 ab.“ „Okay, Mache ich.“ Ich umarmte Jessy noch mal kurz zum Abschied, dann ging ich wieder raus.

    Ich ging zurück zum Truck. Mit diesem fuhr ich dann um die Halle herum. An Tor 5 stellte ich den Trailer dann ab. Dann fuhr ich mit der Zugmaschine zu meiner Halle rüber. Ich setzte die Maschine in die Halle und erledigte noch schnell den restlichen Papierkram. Anschließend ging ich nach Oben.
    Keela traf ich noch im Wohnzimmer an, wo ich sie in Shorts und einem weiten T-Shirt erblickte. Als sie mich sah, sprang sie auf und lief auf mich zu. Sie fiel mir um den Hals und küsste mich stürmisch. „Was machst du denn hier? Hast du noch keine Pause gemacht?“ „Doch. Und jetzt habe ich Feierabend. Jessy hat mich nach Hause geschickt.“ „Super. Dann bleibst du ja bei mir.“ Ich nickte zustimmend und Keela gab mir wieder zahlreiche Küsse. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis wir dann ins Schlafzimmer hochgingen.

    Mittwoch, den 12. September 2018, 5:30 a.m., Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Den gestrigen Abend haben wir noch wunderschön im Schlafzimmer ausklingen lassen. Auch die Nacht mitten in der Woche zu Hause, war sehr schön gewesen. Alleine schon die Nähe zu Keela habe ich sehr genossen. Am heutigen Morgen stand dann auch Keela zuerst auf, während ich mich noch mal umdrehte. Da sie pünktlich im Büro sein wollte, hätte sie sowieso nicht viel Zeit für mich gehabt. Gegen halb Sechs kam sie noch mal ans Bett und weckte mich. „Guten Morgen mein Süßer. Du musst jetzt auch langsam wach werden.“ Ich blinzelte Keela entgegen. „Muss das sein?“ „Leider ja. Ich werde dich gleich mit Arbeit versorgen.“ „Irgendwie fällt mir da die gleiche Frage ein.“ Wir haben Mittwoch und noch kein Wochenende.“ „Stimmt auch wieder.“ „Trotzdem war es wunderschön, dass du mal in der Woche zu Hause warst.“ „Finde ich auch.“ „Ich muss jetzt aber langsam rüber gehen. Sonst ist Danny gleich sauer.“ „Okay. Darf ich dir denn jetzt schon einen Abschiedskuss geben?“ „Du hast zwar noch keine Zähne geputzt, aber ausnahmsweise.“ Ich gab ihr einen langen Kuss. „Schmeckt auch so noch ganz gut.“ Sagte Keela mit einem Grinsen. „Dann nehme ich noch einen.“ Den bekam sie natürlich. „Noch einen auf Vorrat. Wer weiß, wann es den nächsten gibt.“ Auch den bekam sie. „So ich muss jetzt rüber.“ „Okay. Bis gleich.“ „Falls du am Zentrallager deinen Trailer bekommst.“ Sie winkte noch mal zum Abschied, dann ging sie nach unten. Ich blieb noch einen Moment liegen, danach stand ich dann auf und ging ins Bad.
    Da ich ja nicht wusste, wo es mich heute hin verschlagen würde, erledigte ich das komplette Pflegeprogramm. Anschließend packte ich mir noch ein paar Sachen zusammen. Dann ging es in die Küche runter. Dort setzte ich mir den Kaffee auf und schaute, was ich noch an Vorräten fand, die ich noch mitnehmen konnte. Um viertel vor Sieben begann ich mit meiner PTI. Nachdem ich die Maschine geprüft hatte, sah ich im System, dass Keela den richtigen Riecher gehabt hatte:

    PICKUP: EST-CASAC
    GATE: 02
    TRAILER: CT53660
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 13,500 LB
    DROP: COW-MTMIS
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: ADR 1.4

    WAT-CASAC-KRY.

    Es gab Feuerwerk für mich. Das wurde aber am Außenlager gelagert. Jetzt um diese Zeit extra für die Papiere zum Zentrallager rüber zu fahren, wäre Schwachsinn. Was mich mehr überraschte, war das Ziel meiner Ladung. Das stellte sich als Missoula, Montana heraus. Da war eine Gegend, die ich bisher allenfalls als Transit passiert hatte. Es schien sich doch langsam herauszukristallisieren, was in der Gerüchteküche schon länger die Runde machte. Es sollten wohl in Zukunft mehr Ladungen in den Nordwesten gehen. Oregon soll wohl zukünftig verstärkt von Nordkalifornien aus versorgt werden und die angrenzenden Staaten dann natürlich auch vermehrt. Mal sehen, wie sich das weiter entwickeln wird.

    Ich fuhr zum Zentrallager, wo ich meinen Trailer bekommen sollte. Mit Tor 2 stand mein Trailer auch recht gut. Als ich am Außenlager ankam und feststellte, dass Tor 1 zusätzlich auch noch frei war, gefiel mir das noch besser. Ich meldete mich im Bürocontainer, wo meine Papiere schon fertig bereitlagen. Ich unterschrieb die Quittung und begann anschließend den Trailer aufzunehmen. Um halb Acht war der Trailer aufgenommen und kontrolliert. Ich konnte losfahren.

    Ich machte mich direkt auf den Weg zur I-80, auf die ich in östlicher Richtung auffuhr. Heute hatte ich dann wieder das Glück, dass Feuerwerk mehr Volumen, als Gewicht hatte. Meine Ladung wog heute gerade mal 13,500 Pfund. So verlor der Donnerpass heute völlig seinen Schrecken. Besser kam man nur noch mit einem leeren Zug hier rauf. So war ich heute dann auch nicht nur gefühlt schneller in Nevada, als sonst. Jetzt konnte ich dann den Truck wieder bis an den Begrenzer, der auf 66 mph eingestellt war, beschleunigen. Etwas später passierte ich dann wieder die größte Kleinstadt der Welt.

    Nachdem ich dann Reno wieder passiert hatte, piepte mal wieder mein Transponder. Ich wusste auch langsam nicht mehr was ich davon halten sollte. Seit ich den neuen Truck fuhr, musste ich über jede Waage, die auf meinem Weg lag. Woran das lag, wusste ich aber auch nicht. Es war einfach so. Ich brachte aber mit der leichten Ladung gerade mal 48,914 Pfund auf die Waage. Weitere Kontrollen, mit denen ich bei Gefahrgut gerechnet hatte, blieben mir aber erspart. So konnte ich sofort wieder weiterfahren.
    Nun fuhr ich erstmal durch, bis ich Battle Mountain erreichte. Hier fuhr ich mal wieder für meine kurze Pause von der Interstate. Das Restaurant, wo ich hier hinfuhr kannte ich ja inzwischen auch schon seit einem Jahr. Das erste Mal war ich mit Joe hier, als ich den W900 abgeholt hatte. Man konnte hier bei schönem Wetter sogar draußen sitzen. Heute ging das.
    Während ich dann auf mein Steak wartete, schrieb ich Keela eine WhatsApp. „Stehe in Battle Mountain. Habe Zeit zu telefonieren.“ Der Anruf kam dann natürlich genau, als mein Essen auf dem Tisch stand. „Du hast mal wieder ein perfektes Timing.“ Beschwerte ich mich auch. „Gerade ist mein Essen gekommen.“ „Wer hat denn geschrieben, er hätte jetzt Zeit zu telefonieren?“ konterte Keela. „Hast ja Recht. Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich zwischendurch kaue. Ein kaltes Steak ist ja auch nichts.“ „So lange ich dich noch verstehe, wenn du was sagst.“ Lachte Keela. „Ich muss dich nur zwischendurch mal weglegen, um was klein zu schneiden.“ „Ausnahmsweise genehmigt.“ „Wieso schickst du mich jetzt Mitte der Woche noch mal weiter weg?“ fragte ich sie dann als erstes. „Ging wieder nicht anders. Wegen dem Gefahrgut.“ „Dann musst du aber auch damit leben, wenn du beim Bereitschaftswochenende alleine zu Hause bist.“ „Mal sehen. Vielleicht klappt das ja auch noch so.“ „Dann muss aber alles passen. Ich weiß nicht, ob ich morgen in einer Schicht bis nach Missoula komme.“ „Wenn nicht, haben wir Pech gehabt. Dann kann ich es auch nicht ändern.“ „Und bei George?“ „Läuft auch alles. Er ist schon zufrieden, dass er jetzt schon ein bisschen weiter weg kommt. Die Maschine gefällt ihm sehr gut und er will sich die Tage auch noch für eine Fortbildung wegen Gefahrgut anmelden.“ „Wie bist du mit ihm zufrieden?“ „Sehr. Er ist absolut kompetent. Er hält die Termine und bei Walmart kennt er sich ja sowieso aus.“ „Dann haben wir den richtigen Mann eingestellt.“ „Ich denke schon. Außerdem haben wir diesen Monat schon über 30 Aufträge gefahren.“ „Nicht schlecht.“ „Das liegt aber auch daran, dass du in der letzten Zeit eher kurze Aufträge gefahren hast. Es ist was anderes, ob du jeden Tag einen Auftrag annimmst, oder ob du fünf Tage mit einem Auftrag unterwegs bist.“ „Stimmt. Wobei die Aufträge dann auch jetzt geringer bezahlt sind.“ „Das kommt am Ende aber auf das gleiche raus. Wahrscheinlich verdienen wir mit den kurzen Aufträgen sogar mehr.“ „Ist ja auch mehr Arbeit.“ „Schon klar. Das relativiert sich aber.“ „Okay. Soll ich mich heute Abend noch mal melden?“ „Kannst du machen. Aber dann nicht wieder beim Essen.“ „Okay, Süße.“ Wir verabschiedeten uns und legten dann auf. Dann aß ich erstmal in Ruhe mein Steak auf.

    Um drei Uhr machte ich mich wieder auf den Weg. Es ging wieder Richtung Osten auf die I-80. So verging dann der Nachmittag.

    Zwischen Elko und Wells musste ich überraschenderweise mal wieder auf die Waage. Ich fragte mich langsam, ob der Transponder ganz in Ordnung war. Jetzt war ich aber noch leichter, als am Vormittag. Mehr wollte man auch dieses Mal nicht von mir. Ich durfte also auch jetzt sofort wieder weiter.
    In Wells fuhr ich dann von der Interstate ab. Nun ging es über die US Route 93 nach Twin Falls, Idaho weiter. Trotz der Zeit, wo anderswo die Rushhour im vollen Gange war, konnte man hier ohne Probleme fahren. Hier war man halt mitten in der Pampa.
    Ich passierte Jackpot und kam danach über die Grenze nach Idaho. Nun hatte ich mal wieder eine Stunde Zeitunterschied. Das war ich aktuell gar nicht mehr gewohnt, da ich mich in letzter Zeit fast nur noch in der Pacific Time Zone aufgehalten hatte.

    Meine Fahrzeit reichte noch bis nach Twin Falls. Hier fuhr ich aber zuerst an eine Tankstelle und machte meine Tanks wieder voll. Beim bezahlen fragte ich noch den Tankwart nach einer Parkmöglichkeit. Er nannte mir dann ein Gewerbegebiet, was nur ein paar Blocks weiter war. Dort würden öfter mal Trucks über Nacht stehen. Nachdem ich dann die Tankstelle verlassen hatte, begab ich mich auf die Suche. In dem besagten Gewerbegebiet gab es tatsächlich die Möglichkeit, über Nacht stehen zu bleiben. Hier sollte man auch wohl recht ruhig stehen. Mit Sicherheit ruhiger, als auf irgendeinem Truckstop.
    Nachdem ich dann Feierabend gemacht hatte, machte ich mir noch eine Kleinigkeit als Abendessen. Nach dem Essen telefonierte ich noch eine Weile mit Keela. Danach legte ich mich in mein Bett und schlief recht schnell ein.

    Donnerstag, den 13. September 2018, 5:45 a.m., Mountain Daylight Time, Twin Falls, ID:

    Um viertel vor Sechs klingelte mein Wecker wieder. Das war, aufgrund der Zeitverschiebung etwa die gleiche Zeit, in der Keela in Sacramento auch aufstehen würde. Im Gegensatz zu Keela hatte ich jetzt aber leider kein komplett ausgestattetes Badezimmer zur Verfügung. Mir blieb für die Notdurft mal wieder nur der Abstecher in die Botanik und für die Körperpflege das Wasser aus dem Kanister. Wenigstens hatte ich, genau wie Keela zu Hause eine gute Kaffeemaschine, um den schwarzen Wachmacher zu bereiten. Um halb Sieben begann ich mit der PTI.

    Der Kollege, der neben mir auf dem Parkplatz stand, war noch nicht zu sehen, um seinen Truck mit Day Cab in Bewegung zu setzen. Nach Beendigung der Abfahrtskontrolle setzte ich den Truck um halb Sieben wieder in Bewegung.
    Es ging erstmal zurück auf die US-93. Auf dem Highway blieb ich aber nicht lange. Nachdem ich Twin Falls durchquert hatte, konnte ich auf die I-84 in Richtung Osten wechseln. Bei Declo folgte ich dann aber nicht weiter der I-84, die dann in Richtung Salt-Lake-City führte, sondern folgte dann der I-86 in Richtung Pocatello. Es stand auch schon ein Hinweis auf die I-15 mit auf dem Schild. Diese erreichte ich dann bei Pocatello, wo ich dann in nördlicher Richtung auf die I-15 wechselte. Bis Butte waren es jetzt noch 254 Meilen.
    Als nächstes erreichte ich aber erstmal Idaho Falls. Die Stadt passierte ich aber nur im Vorbeifahren. Für mich war das eher das Zeichen, dass es jetzt wieder in die Berge ging. Ich hatte die Rocky Mountains vor der Nase. Ein bisschen dauerte es noch. Aber nördlich von Dubois ging es richtig in die Berge.

    Kurz darauf hatte ich dann auch den Staat erreicht, der den Rockies seinen Namen verdankte. Montana. Der weitere Streckenverlauf war nun von den Bergen geprägt. Mit meiner leichten Ladung hatte der Kenny aber ein leichtes Spiel. Ich hatte zwar etwas mehr Schaltarbeit, aber das Tempo wurde nur wenig langsamer.
    Am Mittag gegen viertel vor Eins machte ich dann am Town Pump Flying J Travel Center in Butte, MT meine Mittagspause. Ich hatte jetzt sechs Stunden Fahrt hinter mir. Da wurde es höchste Zeit für einen Break.
    Nachdem ich die Toiletten besucht hatte, ging ich zum Hot Deli, wo ich mir mein Mittagessen zusammenstellte. Das nahm ich dann in aller Ruhe zu mir. Ich hatte mich entschlossen, meine Pausen wieder in aller Ruhe zu machen und nicht unbedingt nach einer halben Stunde sofort wieder loszufahren. Zu viel Hektik war ja auch nicht gut. Das konnte ich machen, wenn ich sehr dringende Aufträge hatte. Im Moment bekam ich ja eher Standard oder Important als Priorität. So machte ich nach dem Essen auch noch eine kleine Runde über den Truckstop und schaute mir mal die Trucks der Kollegen an. Dabei ertappte ich mich, wie ich immer wieder Vergleiche mit meinem Fuhrpark anstellte. Ich war aber offensichtlich mit meinen zwei Trucks gut aufgestellt.

    Um zwei Uhr stieg ich dann aber wieder in meinen Kenworth und machte mich auf den Weg nach Missoula. Dazu ging es nun über die I-90 wieder in Richtung Westen weiter. Auch hier war das Streckenprofil wieder von den Rockies geprägt. Schließlich erreichte ich Missoula.
    An der Ausfahrt 105, Van Buren Street ging es von der Interstate. Dann ging es nach Süden und über den Clark Fork. Über die Brooks Street ging es dann durch Rose Park zum Southgate Triangle, wie das Gewerbegebiet hier hieß. Dort war dann auch das Lager von Costco Wholesale. Kurz vor meiner Ankunft meldete ORBCOMM: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Das war schon mal gut. Als ich bei Costco ankam, schaute ich dann auch erstmal nach.

    PICKUP: COW-MTMIS
    GATE: -----
    TRAILER: DV53COW
    FREIGHT: DOMESTIC APPLIANCES
    WEIGHT: 25,500 LB
    DROP: EST-IDIDF
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: TRAILER IS PROVIDED BY COSTCO WHOLESALE

    WAT-CASAC-JMU.

    Es war zwar kein Heimatschuss, aber es ging immerhin in die richtige Richtung. Ich hatte auch langsam meine Zweifel, ob meine Zeit überhaupt bis nach Hause reichen würde. Der Vorteil jetzt war, dass ich hier direkt einen Anschluss bekam und nicht noch mit dem Bobtail durch die Gegend fahren musste.
    Ich ging zur Anmeldung und meldete mein Feuerwerk an. Außerdem forderte ich dort auch sofort meine Haushaltsgeräte für Idaho Falls ab. So dauerte der Papierkram dann etwas. Nach gut zehn Minuten hatten wir aber alles erledigt und ich konnte auf den Hof fahren.
    Das Feuerwerk kam ich einen speziellen Bereich des Lagers, wo Gefahrgüter lagerten. In diesem Bereich musste ich dann den Trailer ans Dock stellen. Der Dry Van, den ich mitbekam, stand dann am Dock im Non Food Bereich. Nachdem ich diesen aufgesattelt hatte, konnte ich mich dann auf den Rückweg machen.

    Es ging dann den gleichen Weg wieder zurück zur I-90. Hier ging es dann auch wieder in Richtung Osten. Meine Fahrzeit für diesen Tag sollte dann noch dafür reichen, wieder bis nach Butte zurückzufahren.

    Um kurz nach Sieben am Abend fuhr ich dann wieder auf den gleichen Truckstop, den ich auch schon für die Mittagspause genommen hatte. Nachdem ich geparkt hatte, ging ich zuerst zum Duschen und Abendessen in den Truckstop. Zurück im Truck telefonierte ich dann noch eine Weile mit Keela. Anschließend ging es wieder in die Koje.

    Freitag, den 14. September 2018, 4:30 a.m., Mountain Daylight Time, Butte, MT:

    Um halb Fünf klingelte mein Wecker wieder. Heute stand dann auch mal wieder die normale Morgenroutine an. Zuerst wurde im Truck der Kaffee aufgesetzt. Anschließend ging ich zum Duschen und auf den ersten Kaffee in den Truckstop. Um viertel nach Fünf begann ich dann mit der PTI. Dabei stellte ich wieder mal fest, dass es doch etwas merkwürdig war, wenn ich an meinem Truck einen Trailer mit Costco Werbung hatte. Von den Farben ging das noch. Ich möchte aber nicht wissen, was sich manche Leute zusammenreimen, wenn sie eine Zugmaschine mit Walmart Werbung mit einem Costco Trailer sahen. Da sponnen sich sicher schon manche Leute eine Übernahme zusammen, die es gar nicht gab.
    Um halb Sechs machte ich mich dann wieder auf den Weg. Ich fuhr wieder auf die I-15, auf der es nun in Richtung Süden nach Idaho Falls gehen sollte. Bei dem anbrechenden Morgen ging es nun nochmal durch die Berge. Als ich Idaho erreichte, war es auch schon hell geworden.

    Gegen viertel vor Neun klingelte mein Telefon. Keelas Dienstnummer wurde mir angezeigt. „Hallo Süße. Rufst du beruflich oder privat an?“ „Ich hätte gerne privat angerufen, es ist aber dienstlich. Nach Hause kommst du mit deiner Zeit nicht mehr oder?“ „Keine Chance. Bei Direktfahrt komme ich vielleicht noch nach Elko oder Winnemucca. Mehr ist nicht drin.“ „So ein Mist. Dann bin ich ja wieder alleine zu Hause.“ „So sieht das aus.“ „Kann man nichts machen. Dann brauche ich aber nichts drehen, weil es sowieso nichts bringt.“ „Das stimmt leider.“ „Okay. Warte ich schaue mal, was wir gerade haben. Willst du nach Boise?“ „Was soll ich da denn?“ „Eine Ladung hinbringen.“ „Von mir aus.“ „Wahrscheinlich musst du da dann auch deinen Reset machen.“ „Wenn es sein muss. Ich glaube, da gibt es nicht viel zu unternehmen.“ „Dann machst du dir einen ruhigen Reset.“ „Es gibt sicher schönere Orte für den Reset.“ „In deiner restlichen Fahrzeit?“ „Das eher nicht. Okay. Ich fahr nach Boise.“ „Gut. Dann teile ich das so ein. Wann bist du in Idaho Falls?“ „Spätestens in einer halben Stunde.“ „Okay. Dann mal bis später.“ Wir legten auf. Wie erwartet war ich dann wirklich um kurz nach Neun in Idaho Falls. Nachdem ich die I-15 verlassen hatte, ging es noch ein Stück durch ein paar Gewerbegebiete.

    Schließlich erreichte ich um viertel nach Neun das Außenlager. Auch meine Anschlussladung war inzwischen im System:

    PICKUP: EST-IDIDF
    GATE: 08
    TRAILER: DV53952
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 43,500 LB
    DROP: BBY-IDBOI
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Innerhalb von Idaho war die Ladung natürlich nur ein Standardauftrag. Keela hatte nicht mehr versucht irgendwas auf Termin zu setzen, um mich woanders hin zu bekommen. Dafür hatte man des Dry Van aber mit 43,500 Pfund bis ans Limit ausgeladen.
    Zuerst musste ich aber den Dry Van loswerden, der noch hinten an meiner Zugmaschine hing. Ich hatte Pech. Obwohl keine Altverpackungen, sondern Haushaltsgeräte auf dem Trailer waren, musste dieser hinten in die Ecke gestellt werden. Da ich aber genug Zeit hatte und es auch helllichter Tag war, stellte das kein Problem für mich dar. Innerhalb von zehn Minuten hatte ich den Trailer gerade hinten in der Ecke stehen und alles war noch ganz.
    Nun musste ich genau auf die andere Seite der Halle, wo im Prinzip der identische Dry Van, nur diesmal mit der richtigen Werbung auf der Seite stand. Diesen hatte ich dann schnell aufgesattelt und erledigte nun die Abfahrtskontrolle.
    Dabei achtete ich bei dem Gewicht besonders auf die Stellung der Achsen. Hierzu verließ ich mich in letzter Zeit meistens auf die Manometer am Trailer und im Armaturenbrett. Zum Glück hatte auch der T680 ein solches Rundinstrument. Ich hatte mich nämlich bereits beim W900 daran gewöhnt. Die Kontrollen, die ich ab und zu als Stichprobe machte, zeigten mir, dass es auch funktionierte. Heute musste ich dann auch das Achsaggregat am Trailer mal wieder verschieben. Anschließend passten die Werte.

    Um viertel vor Zehn hatte ich alles erledigt und war wieder auf dem Weg zur I-15. Dabei hatte ich irgendwie gar nicht daran gedacht, dass ich ja auch noch meine Pause machen musste. Sonst hätte ich sie ja auch direkt in Idaho Falls machen können. Jetzt, wo ich wieder auf der Interstate war, fiel mir das ein. Ich schimpfte mich selber aus, weil ich so einen zusätzlichen Stopp machen musste, anstatt direkt irgendwo im Gewerbegebiet kurz für meine Pause zu halten. Nun entschloss ich mich aber, erst noch an Pocatello vorbeizufahren, bevor ich für meine Pause rausfuhr.
    So machte ich es dann auch. Bei Pocatello wechselte ich wieder auf die I-86 in Richtung Boise. Nun begann ich nach einem Platz für die Pause zu suchen. Diesen fand ich dann in Form der West Bound Rest Area bei American Falls, ID. Ich musste ja nicht immer auf einen Truckstop fahren. Schließlich hatte ich genug Vorräte im Truck.
    So viel besser als das Fastfood, was mir meistens auf Truckstops geboten wurde, war das Fertiggericht jetzt sicher auch nicht, was jetzt in die Mikrowelle kam, Ein bisschen gesünder, als Burger und French Fries war es aber sicherlich. Außerdem war es durch meinen Rabatt, den ich beim Einkaufen im Walmart bekam, erheblich günstiger.
    Zum Essen nutzte ich dann den drehbaren Komfortsitz, den ich als Beifahrersitz hatte. Wenn ich den nach hinten drehte und die Tischplatte auszog, dann hatte ich einen sehr bequemen Essplatz. Alternativ konnte man dann auch noch auf dem Bett sitzen und so die andere Seite des Tisches nutzen. Oder sogar zu Zweit vernünftig im Truck essen. Ich war schon gespannt, wie Keela diese Features gefallen würden, wenn sie mich mal wieder begleiten würde.
    Nach dem Essen machte ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang auf der Rest Area und fuhr dann erst gegen halb Eins weiter. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis die I-86 wieder zur I-84 wurde. Diese sollte mich dann auch direkt nach Boise führen. Auch wenn ich lieber mit ausreichender Fahrzeit in Twin Falls von der Interstate fahren würde. Hier musste ich aber leider an der Ausfahrt vorbeifahren und mich weiter gen Westen halten.

    Langsam wurde die Strecke dann auch wieder etwas hügeliger. Gegen halb Vier erreichte ich die Hauptstadt Idahos.
    Hier, in Boise fuhr ich dann von der I-84 noch ganz kurz auf die I-184, die ich dann an der ersten Ausfahrt wieder verließ. Nun bog ich links auf die W Franklin Road. Wenige Yards weiter war auf der linken Seite ein großer Shopping Komplex, den sich ein T.J. Maxx & HomeGoods mit einem Best Buy teilte. Hier war das Ziel meiner Lieferung.
    Gegen viertel vor Drei kam ich hier an und meldete mich am Wareneingang an. Man war dann auch ganz froh, dass ich den Trailer hierlassen würde und man die komplette Ladung Haushaltswaren nicht mehr sofort komplett abladen musste. Es war immerhin Freitagnachmittag und das Haus war voll mit Kunden. Ich sollte den Trailer ans Dock stellen und absatteln. Das hatte ich ja sowieso vor.
    Nachdem ich den Trailer abgestellt hatte, war auch die entsprechende Meldung im System:

    35 H BREAK.

    WAT-CASAC-JMU.

    Da es nur einen vergleichsweise kleinen TA Truckstop in Boise gab, entschloss ich mich, mit dem Bobtail zu einem Motel zu fahren und meinen Reset dort zu machen. Ich fand dann ein Motel, was nur eine Viertelstunde vom Best Buy entfernt war. Dort buchte ich mir ein Zimmer bis zum Sonntagmorgen.
    Als ich eingecheckt hatte, Telefonierte ich erstmal eine Weile mit Keela. Sie bedauerte natürlich, dass ich an ihrem Bereitschaftswochenende nicht zu Hause sein konnte. Allerdings hatte sie die Hoffnung, dass ich dann an ihrem Geburtstag vielleicht zu Hause sein werde. Das weitere Gespräch war dann mehr privat.

    Als wir dann aufgelegt hatten, ging ich erstmal duschen. Anschließend zog ich mir noch vernünftige Sachen an und ging nochmal raus. Ich sah mir noch etwas die Innenstadt von Boise an und ging dann noch unterwegs was essen. Als ich dann zurück im Motel war, legte ich mich recht bald hin. Der Tag hatte schließlich früh begonnen.

    Samstag, den 15. September 2018, morgens, Boise, ID:

    An diesem Morgen schlief ich erstmal etwas länger. Ich stand dann aber so auf, dass ich noch Frühstück bekam. Anschließend holte ich meinen Laptop aus dem Truck. Außerdem holte ich die gesammelten Papiere aus diesem Monat dabei. Ich wollte Rechnungen schreiben.
    Bevor ich damit aber anfing, fiel mir was ein. Bisher hatte ich ja immer die Rechnungen alleine geschrieben. Da war ich aber auch nur alleine unterwegs. Ich hatte dann auch die Auftragsnummern einfach immer fortlaufend vergeben. Die Auftragsnummer war dann: Jahr-Monat, Laufende Nummer. Der erste Auftrag aus dem September war ja die erste Ladung mit dem neuen Truck gewesen. Sie hatte folglich die Nummer 18-0901. Nun konnte ich aber nicht einfach weiter die Nummern vergeben, da Keela ja auch die Aufträge für George berechnete.
    Ich rief also erstmal bei Keela an. „Hallo Schatz. Ich habe mich gerade im Büro breit gemacht.“ Begrüßte mich Keela. „Hey Süße. Das ist ja passend. Ich habe nämlich auch den Laptop an und wollte Rechnungen schreiben. Dann ist mir eingefallen, dass ich ja nicht einfach die Nummern vergeben kann, weil du das ja bei den Aufträgen für den anderen Truck auch machst.“ „Gut, dass dir das noch einfällt, bevor du die Rechnungen fertig hast.“ Lachte sie. „Das stimmt. Wie machen wir das denn jetzt?“ „Ich habe inzwischen ein Netzwerk hier eingerichtet. Da kannst du dich über unsere Website einloggen. Deine Zugangsdaten habe ich dir zugemailt. Bitte ändere die aber noch mal ab.“ „Okay. Mache ich.“ „Da findest du dann auch eine Datei, in der ich jetzt täglich die gefahrenen Aufträge schon mal schnell eintrage. So haben wir dann immer noch eine Chronologische Reihenfolge der Aufträge. Du kannst die Daten dann auch in das Rechnungsprogramm überspielen und musst die Sachen dann nur noch ergänzen. Die Adressen, die wir dann schon gefahren sind, findest du dann auch in den Stammdaten. Abzurufen sind die Daten dann über die ORBCOMM Kürzel als Matchcode.“ „Super.“ „Dann brauchst du ständig kommende Adressen, wie Zentrallager Sacramento nicht immer komplett eingeben.“ „Das ist ja wie bei einer professionellen Software.“ „Bei einer kleinen Firma, wie unserer, kann man auch sehr viel mit Excel machen. Da braucht man keine teure Software kaufen.“ „Stimmt.“ „Du kannst da auch online drauf zugreifen. Wir können nur nicht beide gleichzeitig in dem gleichen Programm arbeiten.“ „Das ist klar.“ „Wenn du deine Rechnungen jetzt schreiben willst, dann gehe ich jetzt erstmal raus aus dem System und mache im Haushalt was. Ich kann das ja auch morgen noch machen. Da wirst du ja schon wieder fahren.“ „Das wäre nett.“ „Okay. Ich habe alle Daten soweit eingepflegt. Wir haben diesen Monat schon 39 Aufträge gefahren.“ „Die hatten wir sonst im ganzen Monat nicht.“ „Das liegt daran, dass du bisher auch nur Mittelstrecke gefahren bist und George im Moment regional fährt.“ „Klar. Ist schon ein Unterschied, ob man einen Auftrag pro Tag fährt, oder ob man fünf Tage mit dem gleichen Auftrag unterwegs ist.“ „Dafür hatten wir bis jetzt diesen Monat auch nur einen Auftrag, der über 1000 Dollar war. Alles andere waren kleinere Rechnungen.“ „Kleinvieh macht auch Mist.“ „Eben. Wahrscheinlich verdienen wir so sogar mehr.“ „Ist ja auch mehr Arbeit.“ „Stimmt. Nicht nur in der Verwaltung. Ist dann mehr Stadtverkehr und mehr auf- und absatteln.“ „Eben.“ „Gut. Dann schalte ich den Rechner wieder aus und gehe wieder hoch. Der Server läuft ja eh. Dann werde ich jetzt mal die Küche und das Bad putzen. Was machst du gleich noch?“ „Ich sitze ja die ganze Woche fast nur rum. Daher werde ich gleich mal ein bisschen Sport machen. Ich wollte mir die Laufschuhe anziehen und ein wenig im Boise Greenbelt joggen gehen.“ „Klingt gut. Dann viel Spaß dabei.“ „Danke.“ Wir legten auf.
    Ich fuhr mein Laptop hoch und holte mir erstmal die Mail mit meinem Passwort aus dem Outlook. Anschließend konnte ich auf unser Netzwerk zugreifen. Keela hatte ganze Arbeit geleistet. Unsere Excel Dateien sahen echt professionell aus. Vieles, was ich bisher immer wieder manuell oder mit Copy and Paste eingegeben hatte, kam jetzt automatisch.
    Außerdem hatte Keela eine Datei angelegt, wo schon jeder Auftrag drinstand. Auftragsnummer, Absender mit Ort, Empfänger mit Ort, Ladung, Gewicht, Priorität, Truck Nummer und vereinbarter Frachtpreis waren dort schon eingepflegt. Das holte Keela für uns jeden Tag aus den Walmart Dateien und pflegte das dann in die Liste ein. Das waren dann nur ein paar Minuten am Tag, die uns das bei der Abrechnung aber sehr erleichterten.
    Selbst die Abrechnung für den Lohn für George lief dann direkt über das System. George bekam ja auch, wie in Nordamerika üblich, einen gewissen Centbetrag pro Meile. Zusätzlich bekam er noch Geld für Auf- und Absatteln, eine Pauschale für Wartungsarbeiten und andere Tätigkeiten. Sollte er mal selber auf- oder abladen müssen, war dafür auch ein Betrag vereinbart worden. Stand- oder Wartezeiten wurden nicht bezahlt.
    Keelas Programme holten gleich die Meilen aus dem ORBCOMM und rechneten Georges Lohn ab. So hatte sie in der Aufstellung auch sofort einen Abgleich von Frachtpreis und unserer Gewinnspanne eingerechnet. Sie hatte das eben drauf.
    Als ich die Zahlen sah, war ich auch sehr zufrieden. Der Truck von George verdiente auch gutes Geld für uns.
    Ich machte dann meine Rechnungen fertig. Durch die bereits eingepflegten Daten ging das auch erheblich schneller, als ich da sonst für gebraucht hatte. Dann fotografierte ich noch schnell die Ablieferbelege ab und hatte die Rechnungen fertig.
    Dann rief ich noch mal schnell Keela an und fragte sie, ob ich meine Rechnungen jetzt selber nach Walmart mailen sollte. „Schickt die an unsere Mailadresse. Dann mache ich morgen die Rechnungen für die Fahrten von George fertig und schicke dann alles gesammelt zu Walmart.“ „Okay.“ „Dann mal viel Spaß beim Sport. Ich würde mich jetzt auch lieber bewegen, als hier zu Hause rumzusitzen.“ „Ich denke, du machst Hausfrauensport.“ „Schon. Ich würde aber auch lieber Joggen oder am besten Surfen.“ „Klar.“ „Dann lass uns heute Abend noch mal telefonieren.“ „Okay, Süße. Bis später.“ Wir legten auf und ich zog mich um.

    In meinen Sportsachen machte ich mich dann auf den Weg zum Boise Greenbelt. Boise war sowieso für eine Großstadt sehr grün. Sie hatte auch den Spitznamen „City of trees“, also Stadt der Bäume. Der Greenbelt zog sich dann durch die ganze Stadt. Der Boise River war von einem Grünstreifen gesäumt, in dem auch viele Parks angelegt waren. Hier gab es viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten.
    Es machte dann auch wirklich Spaß, hier im Grünen zu laufen. Ich war dabei auch nicht der Einzige. Heute am Samstag war da richtig viel los. Ich powerte mich dann auch richtig aus und arbeitete an meiner Fitness.
    Ich hatte schon gemerkt, dass ich in dem Jahr, in dem ich jetzt Fuhrunternehmer war, nicht mehr so viel Sport machte, wie früher. Um aber mit Keela mithalten zu können, die auch mehr machte, als nur Surfen und Motorradfahren, musste ich fit bleiben. Alleine auf dem Surfboard brauchte ich ja schon eine gute Fitness. Wenn ich unterwegs Feierabend hatte, war ich dann ja meistens zu faul oder zu müde, um noch was zu machen. So musste ich eben am Wochenende den entsprechenden Ausgleich machen.

    Gut durchgeschwitzt, aber auch mit dem guten Gefühl, was für mich getan zu haben, kam ich dann am Spätnachmittag wieder in meinem Zimmer an. Nun freute ich mich auf die Dusche.
    Anschließend machte ich mich dann fertig, um nochmal was Essen zu gehen. Da ich aber vermutlich am frühen Sonntagmorgen wieder losfahren sollte, blieb ich dann nicht so lange weg.
    Zurück im Zimmer telefonierte ich dann noch mit Keela. Sie war dabei etwas traurig. „Ich habe die Wahl zwischen Pest und Cholera für dich. Ob du zu meinem Geburtstag zu Hause bist, steht in den Sternen.“ „Was hast du denn zur Auswahl?“ „Texas uns Saskatchewan. Ich habe mich dann für Texas entschieden. Von Kanada aus haben wir noch weniger Auswahl.“ „Du hast hier nicht wirklich viel, oder?“ „Natürlich nicht. Wir haben ja kein Lager in Boise. Ich kann nur was von Zulieferern oder Partnern nehmen.“ „Das ist blöd.“ „So ist das halt. Vielleicht bist du ja bis zum kommenden Wochenende zu Hause.“ „So ist der Job halt. Ich muss also nach Texas?“ „Richtig. Von Best Buy aus.“ „Dann werde ich mich nach dem Telefonat direkt hinlegen. Je früher ich loskomme, um so besser.“
    Wir redeten noch eine Viertelstunde privat weiter, dann musste Keela wieder einen anderen Fahrer versorgen. Wir legten auf und ich sah zu, dass ich ins Bett kam.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Kommentare 14

  • Benutzer-Avatarbild

    tyrikia -

    Gut, dass du noch nachgedacht hast, bevor du mit dem Rechnung Schreiben begonnen hast. Wenn da einmal ein Fehler drinnen ist, kann das sehr lästig werden.

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      Sauerlaender -

      Das stimmt wohl. Aber ich habe ja gute Beziehungen zur Gebietsleitung von Kalifornien. ;)

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      Sauerlaender -

      Das stimmt schon. Zur Not habe ich aber gute Beziehungen zur Gebietsleitung von Kalifornien. ;)

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    Iceman684 -

    1300 bei 66 Mph, da schnurrt der Volvo mit grade mal 1100 entlang.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    infinity -

    Feirabendlektüre :) Keela hält dir mit dem Bürokram ganz gut den Rücken frei. Gut so. Ich würde ohne Sandra und mein Büro-Team auch alt aussehen. Bin ja mal gespannt, ob du zum Geburtstag deiner besseren Hälfte dann zu Hause bist.

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    Werner 1960 -

    Wenn Du Dollars für die Bank brauchst müssen sich die Räder drehen. Klasse geschrieben.

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      Sauerlaender -

      So ist das. Ich fahre im Tagebuch und auch in meinem ETS Profil mit dem Hard Eco Mod von Klaas. Gerade im ATS kommen die Frachtpreise sehr gut hin, um die Sache realistisch zu machen. Da überlegt man sich zweimal, ob man die Wochenenden ausdehnt oder welchen Auftrag man annimmt. That's life.

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel, immer fleißig unterwegs :)

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      Sauerlaender -

      Wie war das? Von nix kommt nix. :) Mir fehlen seit dem Patch auf 1.32, den ich mangels C2C und CanaDream noch nicht machen kann, nur die WoT Aufträge im Bereich der Original Map. Die sind immer gut, um in dem Bereich etwas mehr Auswahl zu haben, damit man ohne Leerfahrten nach Hause kommt. ;) Ich vermute mal, die Mapper warten noch auf das Erscheinen des Oregon DLC, bevor da die Updates kommen.

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    elwime -

    So jetzt bist im Alltag angekommen