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46. Gedankenspiele und die letzte Woche im W900

  • Samstag, den 25. August 2018, 10:00 pm, Pacific Daylight Time, Elko, NV:

    Mein Reset war an diesem Wochenende wirklich tödlich langweilig. Das lag in erster Linie am Ort des Resets. Was sollte man in Elko, Nevada schon groß machen. So verbrachte ich den Freitag den ganzen Tag in meinem Motel-Zimmer und vom Samstag den größten Teil. Immerhin war das Zimmer klimatisiert und hatte Kabel TV und WiFi.

    Den Samstagmorgen zog ich mir noch Sportsachen an und begann eine größere Joggingrunde durch Elko. Dabei kam ich auch mehr oder weniger gezielt am Kenworth Händler des Ortes vorbei. Hier machte ich dann eine Pause und schaute über die Fahrzeuge, die hier auf dem Hof zum Verkauf standen.
    Im Gegensatz zu NorCal Kenworth, wo der T680 der Truck war, der am meisten auf dem Hof stand, war es hier der T880. Dann kam der W900 und erst an dritter Stelle der T680. Bei den gebrauchten überwog neben dem ebenfalls hier sehr viel vertretenen T880 der T660, was offensichtlich eine Variante meines W900 mit aerodynamischer Haube war. Ähnlich wie der Peterbilt 386 ja eine solche Variante des 389 war.
    Hier wurden auch nicht so viele Trucks mit Automatik angeboten, wie bei uns in Kalifornien. Hier in der Wüste hatte man wohl noch andere Prioritäten. Da ich aber bereits gekauft hatte, machte ich, dass ich wegkam, bevor ich von einem Verkäufer entdeckt wurde.

    Zurück im Zimmer tat ich das gleiche, wie bereits am gestrigen Freitag. Ich saß entweder vor dem Fernseher oder dem Laptop. Wenigstens hatte ich so genug Zeit, meine Rechnungen fertig zu machen. Außerdem telefonierte ich auch eine ganze Zeit mit Keela, die ebenso, wie ich festsaß. Nur eben zu Hause.
    Ich bat Keela dann sogar, meinen Reset auf das gesetzliche Mindestmaß von 34 Stunden zu beschränken und nicht, wie sonst auf 35 Stunden. Ich wollte halt so schnell, wie möglich weiter.

    Am Abend um zehn Uhr war es dann soweit. Meine 34 Stunden Reset waren um. Ich hatte bereits ausgecheckt und saß im Truck und wartete darauf, dass das E-Log umsprang. Danach schaltete ich sofort auf PTI. Eine Viertelstunde später war dann auch mein Auftrag im System verfügbar, den Keela bereits am Abend für mich eingestellt hatte:

    PICKUP: CST-NVELK
    GATE: 11
    TRAILER: DV28617 / DV28159
    FREIGHT: MILK POWDER
    WEIGHT: 39,500 LB
    DROP: COW-CARED
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: STAA-DOUBLE, DOLLY NO. (NV) 25391M

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela hatte mir vorher schon Bescheid gesagt, dass ich ein Double nach Redding bekommen würde. So war das jetzt keine Überraschung. Trotzdem war uns klar, dass ich nur mit einer direkten Ladung nach Sacramento nach Hause gekommen wäre. Die gab es leider ab Elko gerade nicht.
    Durch das abendliche Elko fuhr ich zum hiesigen Zentrallager, wo alles für mich bereitstand. Ich holte meine Papiere beim Lagermeister ab und erledigte dann die PTI des Doubles. Gegen viertel vor Elf war alles erledigt und ich konnte mich auf den Weg machen.

    Fünf Minuten später fuhr ich auf die I-80 in Richtung Westen. Dann beschleunigte ich auf 66 mph, was ja mein Maximum war. Mit eingelegtem Tempomat ging es dann durch die Nacht. Die Fahrt verlief normal und ohne nennenswerte Ereignisse.
    Gegen drei Uhr erreichte ich Reno, wo ich dann auf die US-395 in Richtung Norden abbog. Nachdem ich dann aus Reno raus war, wurde der Highway etwas später zur Landstraße. Kurz darauf erreichte ich Kalifornien.
    Ich fuhr dann noch weiter, bis ich an der Honey Lake Rest Area ankam. Hier, wo ich auch schon mal über Nacht gestanden hatte, machte ich dann heute meine kurze Pause. Nach dem Toilettengang machte ich mir im Truck was zu essen und verzehrte es dann. So blieb ich auch nur die vorgeschriebene halbe Stunde stehen. Um viertel vor Fünf war ich dann wieder auf dem Weg nach Redding.

    Dazu tauschte ich etwas später die US-395 noch gegen den California Highway Nummer 299, der mich dann nach Redding führen sollte. So ging es dann bei der langsam aufgehenden Sonne durch die nordkalifornischen Wälder.

    Im Raum Redding wechselte ich noch mal kurz auf die I-5, dann hatte ich die Stadt erreicht. Gegen acht Uhr am frühen Sonntagmorgen kam ich am Costco Lager an.
    Zum Glück war bei denen das Lager, genau wie bei uns fast ständig besetzt. Mein Double durfte ich an der Seite absatteln, damit der Shunter Fahrer auch was zu tun hatte. Da hier kein Anschluss für mich wartete, hatte ich den nächsten Auftrag im System stehen:

    PICKUP: CST-CARED
    GATE: 01
    TRAILER: CT40887
    FREIGHT: NUTS AND CEREALS
    WEIGHT: 26,000 LB
    DROP: NMA-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Der Heimatschuss kam, aber leider zu spät. Mit meiner Fahrzeit würde ich nicht mehr bis nach Sacramento kommen. So konnte ich aber wenigstens am Abend kurz zu Hause vorbeischauen. Zuerst ging es aber wieder weiter nach Redding hinein.
    Eine Viertelstunde später konnte ich dann am kleinen Zentrallager in Redding meinen Curtainsider übernehmen. Gegen viertel vor Neun hatte ich auch diesen Trailer überprüft und konnte in meine Heimatstadt losfahren.
    Da ich nicht mehr allzu viel Fahrzeit übrighatte, fuhr ich nicht auf die I-5, sondern nahm die CA-273 in Richtung Süden. So kam ich jetzt zwar ein weiteres Mal am Costco Lager vorbei, es ging aber nicht anders. Ich fuhr dann noch bis nach Anderson, CA, wo ich dann für diese Schicht Feierabend machte. Hier hatte ich zwar auch keinen Truckstop, das war mir heute aber egal.
    Mein essen bereitete ich mir wieder aus meinen Vorräten. Nachdem ich das in Ruhe gegessen hatte, telefonierte ich noch eine Weile mit Keela. Anschließend legte ich mich dann hin. Am Abend wollte ich ja wieder fit sein.

    Sonntag, den 26. August 2018, 6:45 pm, Pacific Daylight Time, Anderson, CA:

    Der Sonntagnachmittag war schon wieder vorbei, als ich aufstand. Da ich hier mitten in einem Gewerbegebiet stand, blieb mir nichts weiter übrig, als in die Botanik zu verschwinden, um meinen Toilettengang zu erledigen. Auch die Körperpflege erfolgte mal wieder mit Wasser aus dem Kanister.
    Um halb Acht hatte ich die Pause beendet und die PTI läutete die nächste Nachtschicht ein. Eine Viertelstunde später war ich dann auf dem Weg zur I-5.

    Die Fahrt durch den Sonntagabend nach Hause lief ruhig. Das Radio spielte schöne Songs und ich hatte gute Laune. Kam ich doch gleich zu Hause vorbei. Zuerst musste mein Trailer aber zum Neighborhood Market.

    Der Nachtwächter, der Dienst hatte, freute sich, mich auch mal wieder zu sehen. „Hey Murdock. Lange nicht gesehen. Seit du die weiten Touren fährst, kommst du ja kaum noch hier vorbei.“ „Recht hast du. Leider bin ich viel zu selten in Sacramento. Meine Verlobte beschwert sich ja auch immer darüber.“ „Vielleicht solltest du nicht immer nur die ganz weiten Touren nehmen.“ „Da habe ich auch schon drüber nachgedacht. Ich teile mich aber nicht selbst ein. Das machen nun mal die Dispatcher.“ „Dann sag deinen Dispatchern doch, dass sie sonst Ärger mit deiner Verlobten bekommen.“ „Das Problem ist, meine Verlobte ist eine meiner Dispatcher.“ „Sie schickt dich selber weit weg und beschwert sich dann drüber?“ „Das ist ja das Verrückte.“ „Die Frau sollte mal ihren Verstand überprüfen lassen.“ „Hey, nichts gegen meine Verlobte. Sie macht auch nur ihren Job. Sie darf mich ja auch nicht bevorzugen.“ „Dann darf sie aber auch nicht meckern.“ „Das stimmt natürlich.“ „Stell den Trailer mal ans erste Tor. Mitnehmen tust du ja eh nichts.“ „Okay. Mach’s gut.“
    Ich stellte den Trailer dahin, wo er hinsollte, dann schaute ich im System nach dem nächsten Auftrag:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 01
    TRAILER: RE28894 / RE28686
    FREIGHT: FROZEN FOOD
    WEIGHT: 39,500 LB
    DROP: NMA-CATRU
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: STAA-DOUBLE, DOLLY NO. (CA)OYA6796

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela und ich hatten zwar darüber gesprochen, keine ganz weiten Touren mehr zu fahren, damit ich am kommenden Samstag auch in Sacramento bin, dass ich deshalb jetzt aber schon Nahverkehr machen sollte, fand ich dann schon etwas übertrieben. Trotzdem fuhr ich jetzt erstmal zum Zentrallager und übernahm dort mein Double. Die Papiere bekam ich dann natürlich im Lager bei der Nachtschicht.
    Nach dem Aufsatteln und der PTI überlegte ich dann kurz, ob ich den Lastzug hier stehen lassen sollte und eben für meine Pause über die Straße gehen sollte. An Tor 1 stand der Zug aber soweit raus, dass die Gefahr groß war, dass jemand, der mit dem Truck um die Halle fuhr, an meiner Maschine hängen bleiben könnte. Also nahm ich den Truck lieber mit. Ich fuhr also zu mir rüber und zog mit dem Lastzug durch meine Halle, um zu wenden. Um in der Halle zu parken, war der Truck mit einem Double einfach zu lang.

    Ich schloss den Truck ab und ging dann nach oben in unsere Wohnung.
    Keela war schon im Schlafzimmer. Sie saß aber gerade im Bett und hatte den Dienst-Laptop auf dem Schoß. „Hey Süße.“ Sagte ich und wollte ihr einen Begrüßungskuss geben. „Moment, lass mich das eben fertigmachen.“ Sie tippte noch ein paar Eingaben in den Computer, dann legte sie ihn zur Seite. „So, haben wir den auch abgefertigt.“ Sagte sie. Dann kam sie aus dem Bett.
    Sie trug nur ein Schlafshirt und einen Slip. „Hallo Schatz.“ Dann folgte der Begrüßungskuss. Anschließend rümpfte sie die Nase. „Hast du nicht geduscht?“ „Sorry, in Anderson gab es nichts.“ „Du hättest ja als Kunde bei NorCal Kenworth duschen gehen können.“ „Aber nicht am Sonntagabend.“ „Okay. 1:0 für dich.“ „Wir können ja jetzt duschen gehen.“ „Werde ich dann nicht wieder zu wach?“ fragte Keela und grinste. „Du kannst aussuchen. Entweder duschen oder weiter meinen Geruch ertragen.“ „Du hast heute überzeugende Argumente.“ Dann begann sie mich auszuziehen.

    Nach der Dusche packte ich mir ein paar Sachen zum Mitnehmen ein. „Nimm nicht mehr so viele Sachen mit.“ Meinte Keela zu mir. „Sonst müssen wir nächste Woche mehr ausräumen.“ „Lieber so, als dass mir die Klamotten ausgehen.“ „Seitdem du auch die Fahreruniformen trägst, wie unsere Fahrer, bist du da pingeliger, als vorher.“ „Wenn du meinst.“ „Außerdem haben die T-Shirts weniger Platz weggenommen, als die Hemden.“ „Das kann sein. Ich habe aber genug Platz dafür.“
    Wir gingen dann runter in die Küche. Keela hatte inzwischen wieder ihr Schlafshirt an und saß nun mit nassen Lockenkopf am Küchentisch, während ich mir noch ein paar Vorräte einpackte und Kaffee aufsetzte. „Ich weiß immer noch nicht, wen wir einstellen sollen.“ „Ich habe die Woche sowieso keine Zeit dazu. Kümmere du dich bitte um alles. Du bist wenigstens hier.“ „Auch, wenn ich dann George einstelle?“ „Mir ist inzwischen egal, wer es wird. Wem hast du denn noch nicht abgesagt?“ „Ich habe allen eine Absage geschickt, außer George und Robert Lincoln.“ „Also wird das einer von den Beiden.“ „Richtig.“ „Dann entscheide du das.“ „Das hängt davon ab, wie sich das bei George entwickelt. Er wollte ja nochmal mit deinem Dad sprechen.“ „Hat er das noch nicht?“ „Ging noch nicht. Frank war letzte Woche in Bentonville.“ „Verstehe. Hoffentlich stehen wir hinterher nicht ohne Fahrer da.“ „Wie meinst du das?“ „Robert hatte uns gesagt, dass er noch mehr Gespräche hat und bei George wissen wir nicht, ob sich Dad überzeugen lässt. Wenn Dad nicht mitspielt und Robert auf einmal woanders anfängt, stehen wir da. Wäre dann auch blöd, bei den Anderen wieder anzukommen.“ „Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht.“ „Was machen wir dann?“ „Wir haben schon wieder Bewerbungen hier. Wir können dann auch jemand ganz anderen nehmen.“ „Den müsstest du dann aber diese Woche ganz alleine zum Gespräch bitten.“ „Das wäre ja auch nur der schlimmste Fall. Sonst haben wir ja zwei Kandidaten.“ „Okay. Warum muss ich eigentlich heute schon um die Kirche fahren? Wir haben gerade mal Sonntag.“ „Wir haben Montag. Es ist schon halb Eins.“ „Dann eben Montag, Frau Besserwisserin.“ „Ich dachte, du wolltest die Woche Nahverkehr machen.“ „Hauptsache, ich bin Ende der Woche wieder hier.“ „Wie du willst. Lass mich hier ruhig mit allem alleine.“ „So war das auch nicht gemeint.“ „Doch. Ich habe verstanden. Wenn du aus Truckee zurück bist, bekommst du Mittelstrecke.“ „Jetzt sei nicht eingeschnappt.“ „Bin ich nicht. Ich habe nur gedacht, du wolltest vielleicht mal bei mir sein.“ „Was haben wir denn davon? Hattest du was davon, dass ich gestern in Anderson gestanden habe? Nein. Ich war auch nicht hier, nur eben näher dran.“ „Nicht die Diskussion schon wieder.“ Stöhnte Keela. „Die hatten wir schon 1000 Mal.“ „Eben.“ „Ist ja in Ordnung. Wissen wir eigentlich schon, ob die neue Maschine in Elko oder in LA fertiggemacht wird?“ „Bis jetzt nicht. In Elko stand am Wochenende auf jeden Fall noch nichts. Da bin ich bei Kenworth vorbeigekommen.“ „Ich hoffe ja immer noch auf LA.“ „Nach Elko bräuchtest du auf jeden Fall nicht mit. Da ist tote Hose.“ „Eben.“ „Das wäre aber wieder ein Wochenende, wo du nicht surfen kannst.“ „Dafür bin ich dann mit dir zusammen.“ „Wir lassen uns überraschen.“
    Langsam machte ich mich wieder startklar. Es dauerte aber wieder ein wenig, bis ich mich von Keela verabschiedet hatte. So war es dann ein Uhr, als ich wieder losfuhr.

    Es ging wieder auf die I-5 und dann über die I-80 nach Truckee in die Sierra Nevada. Mit dem Double hatte ich in dieser Nacht auch wieder gut zu tun, um die Berge hoch zu kommen. So brauchte ich dann zwei Stunden, bis ich das kleine Städtchen erreicht hatte.
    Ich stellte das Double an die Seite und schaute nach, was ich nun im System hatte:

    PICKUP: NMA-CATRU
    GATE: 02
    TRAILER: CT40588
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 24,500 LB
    DROP: CST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Ich konnte also den Trailer, der hier noch am Tor stand mitnehmen und damit wieder zurück nach Sacramento fahren. Wie es dann weitergehen würde, sollte sich später zeigen. Ich sattelte den Trailer auf und machte mich dann wieder auf den Rückweg. Um halb Sechs war ich dann wieder zurück am Zentrallager, Sacramento.
    Ich hatte Glück, dass Tor 23, was ich nicht leiden konnte noch belegt war. So bekam ich ein etwas besseres Tor zum Andocken. Nun war ich gespannt, ob ich weiter Nahverkehr machen musste, oder ob Keela ein Einsehen hatte:

    PICKUP: EST-CASAC
    GATE: 05
    TRAILER: RE53574
    FREIGHT: PACKAGED FOOD
    WEIGHT: 33,160 LB
    DROP: BNS-NMABQ
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Es gab also Mittelstrecke, wie Keela es genannt hatte. Ob sie wegen der Diskussion noch eingeschnappt war, wusste ich nicht, aber meistens war Keela nicht lange sauer. Ich machte mich auf den Weg zum Außenlager.
    Als ich gerade vom Hof fahren wollte, kam mir dann Jessy entgegen, die zum Dienst wollte. Ich hielt an und machte mein Fenster runter. „Hallo Schwesterchen.“ Begrüßte ich sie. „Hi, Brüderchen, auch mal in Sacramento?“ „Aber nicht mehr lange. Am Außenlager wartet ein Trailer für Albuquerque auf mich.“ „Arme Keela. Ist sie schon wieder alleine.“ „Hat sie sich bei dir beschwert?“ „Keela beschwert sich doch nicht. Das macht sie mit sich selbst aus. Trotzdem merke ich, dass sie nicht zufrieden mit der Situation ist.“ „Was meinst du?“ „Versuche mal einen Mittelweg zu finden. Sicher kannst du auch mal Touren an die Ostküste fahren. Aber nicht dauernd. Fahr auch zwischendurch mal ein paar Tage um die Kirche. Das würde eurer Beziehung guttun.“ „Na toll. Ich habe mich die Nacht schon wieder beschwert, weil mich Keela wohl die Woche im Nahverkehr lassen wollte.“ „Du bist aber auch ein Hornochse. Sie macht natürlich was du willst und schickt dich wieder weiter weg. Weil sie dich glücklich machen will. Dabei bleibt sie aber auf der Strecke.“ „Meinst du wirklich?“ „Denk einfach mal darüber nach. Ich muss jetzt rein. Wir sehen uns.“ „Bye.“
    Ich fuhr dann erstmal zum Außenlager und holte dort meinen Trailer ab. Um viertel nach Sechs war ich dann auf dem Weg nach New Mexico.

    Als ich zu Hause vorbeikam, überlegte ich kurz, ob ich nochmal anhalten sollte. Das Gespräch mit Jessy ging mir nicht aus dem Kopf. Meine Schwester hatte jetzt aber keine Zeit. Keela würde jetzt zwar auf sein, aber wahrscheinlich todmüde. Sie war ja auch bis um ein Uhr in der Nacht auf gewesen. Ein Blick auf mein E-Log sagte mir aber auch, dass ich weiterfahren sollte. Ich hatte in der Nacht schon eine lange Pause gemacht und dann viele Unterbrechungen zum Umsatteln gehabt. Wenn ich noch was reißen wollte, dann jetzt. Ich fuhr also durch. Ich fuhr dann zur CA-99 und hielt mich dort in Richtung Stockton.
    Während der Fahrt ging mir die kurze Unterhaltung mit Jessy nicht aus dem Kopf. Hatte sie Recht? Machte Keela alles, damit ich glücklich war und blieb selbst auf der Strecke? Je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr merkte ich, dass mein Schwesterchen mal wieder Recht hatte.
    Nachdem ich Stockton passiert hatte überlegte ich, wie ich das in Zukunft ändern könnte. Denn ich wollte Keela auf keinem Fall verlieren. Wir waren inzwischen ein Jahr zusammen. Wenn man die Zeit abzog, wo ich nicht bei ihr war, blieb gerademal die Hälfte übrig. Das auch nur wegen der Zeit, wo wir gebaut hatten und ich nicht im Fernverkehr war. Wenn ich in der Zeit auch normal gefahren wäre, hätten wir gerade mal ein, zwei Monate netto über.
    Keela brauchte zwar, genau wie ich, ihre Freiräume, die hatte sie aber auch. Sie hatte immer gesagt, dass sie Fernbeziehungen hassen würde und war, trotz allem mit mir zusammen. Ich sollte also auch ein wenig Rücksicht auf sie nehmen.
    Ich musste mal sehen. Entweder musste ich immer zwischendurch mal Nahverkehr machen oder die Touren eben so planen, dass ich zumindest die meisten Wochenenden zu Hause wäre. Mit meinen Dispatchern sollte das ja zu machen sein. Jessy hatte mich selber drauf gestoßen, bei Keela war es dann ja im eigenen Interesse und Danny wusste, seit er mit Gina liiert war, ebenfalls wie das war, wenn der Partner nicht da war. Es sollte also eine Lösung geben.

    Inzwischen merkte ich, dass ich müde wurde. Ich würde meine Zeit heute also nicht ganz vollmachen. Bei Oakdale fuhr ich von der CA-99 ab und nahm die CA-120. Ich fuhr bis nach Oakdale und hielt mal wieder an der Rest Area mit der guten Hot Dog Bude. Diese war zwar jetzt nicht geöffnet, aber später, wenn ich wieder losmusste. Nachdem ich den Truck geparkt hatte, schrieb ich eine WhatsApp an Keela, ob sie Wach sei. Als dann keine Antwort kam, vermutete ich, dass sie sich nach der Übergabe wieder ins Bett gelegt hatte. Ich machte dann also das gleiche und legte mich ebenfalls hin.

    Montag, den 27. August 2018, 5:00 pm, Pacific Daylight Time, Oakdale, CA:

    Irgendwie hatte ich nicht allzu gut geschlafen. Die Gespräche in der Nacht und am Morgen mit Keela und Jessy hatten mich nicht richtig losgelassen. Meine Schwester hatte wirklich Recht. Ich bin wirklich ein Hornochse. Vielleicht habe ich aber auch nur zu egoistisch gedacht. Dabei hab ich nicht berücksichtigt, dass Keela vielleicht auf vieles verzichtet, um mir meinen Traum zu ermöglichen. Wenn ich langfristig mit Keela zusammenbleiben wollte und das möchte ich, dann sollte ich da etwas mehr drauf achten. Außerdem sollten wir über solche Sachen sprechen. Wir telefonierten fast jeden Tag miteinander. Trotzdem sprachen wir wohl zu wenig über die wichtigen Sachen.
    Da ich sowieso nicht mehr richtig schlafen konnte, stand ich dann gegen fünf Uhr am Nachmittag auf. Ich ging dann zuerst auf die Toiletten der Rest Area. Anschließend wusch ich mich. Danach wurde es Zeit für einen Hot Dog von dem bekannten Hot Dog Stand. Manche Leute hätten den so kurz nach dem Aufstehen nicht runter bekommen, ich hatte aber heute Heißhunger auf so einen Hot Dog.
    Als der dann aufgegessen war, versuchte ich, ob ich zu Hause jemanden erreichte. „Hallo Schatz, du bist ja schon auf.“ Begrüßte mich Keela. „Hallo meine Süße. Ja, ich bin schon auf. Mir ging zu viel durch den Kopf.“ „Hat das was mit Jessy zu tun?“ „Woher weißt du das?“ „Sie hat sich heute früh ziemlich über dich aufgeregt. Was du doch für ein Hornochse wärst.“ „Den Titel hat sie mir auch an den Kopf geworfen.“ „Da hat sie aber auch übertrieben.“ „Das finde ich inzwischen gar nicht mehr. Ich habe seit dem Gespräch viel nachgedacht und finde, dass sie Recht hat.“ „Wenn du so schlimm wärst, wie sie sagt, wären wir sicher nicht mehr zusammen.“ „Trotzdem war ich bisher viel zu egoistisch.“ „Sicher?“ „Klar. Du hast von Anfang an gesagt, dass du nicht auf Fernbeziehungen stehst. Trotzdem werden meine Touren immer weiter. Da sollten wir was dran ändern.“ „Viel weiter können sie ja auch nicht mehr werden. Es sei denn, du willst in den Norden von Kanada oder nach Alaska.“ „Ich fahre die weiten Touren wirklich gerne. Gerade die Touren in die Südstaaten waren echt klasse. Trotzdem sollte ich auch Rücksicht auf dich nehmen und nicht eine weite Tour nach der anderen fahren.“ „Wie meinst du das?“ „Vielleicht sollte ich nach einer weiten Tour dann mal eine Woche in den Nahverkehr oder zwischendurch dann nur bis nach Colorado oder New Mexico.“ „Wäre schon toll, wenn du wenigstens deinen Reset bei mir machen könntest.“ „Wir müssen mal schauen, wie wir das machen können.“ „Vor allem sollten wir über sowas reden. Die meisten Beziehungen gehen kaputt, weil nicht über die wichtigen Sachen gesprochen wird.“ „Stimmt. Am liebsten hätte ich die Tour jetzt auch wieder abgegeben.“ „Wir müssen dich nur von Albuquerque wieder hierhin bekommen. Dann ist alles gut.“ „Okay.“ „Wie weit bist du denn gestern noch gekommen.“ „Nur noch bis nach Oakdale.“ „Das war ja nicht weit.“ „So komme ich heute aber in der Schicht bis nach Arizona.“ „Okay. Aber auch nicht weit rein.“ „Immerhin.“ „Stimmt. Und wenn du nur bis Kingman kommst ist das auch schon was.“ „Wenn wir das vorher richtig besprochen hätten, dann hätte ich auch zu Hause bei dir sein können.“ „Jetzt ist es zu spät.“ „Lass uns am Wochenende noch mal in Ruhe über alles reden.“ „Machen wir.“ „Ich muss jetzt wieder los. Wir können ja nach meiner Schicht noch mal telefonieren.“ „Okay, dann bis morgen früh.“
    Ich war erleichtert, als ich aufgelegt hatte. Obwohl Jessy schon mit Keela gesprochen hatte, war die Sache noch besser ausgegangen, als ich dachte. So konnte ich mich jetzt wieder etwas entspannter um die Arbeit kümmern.

    Um viertel nach Sechs begann ich mit der PTI, die ich dann etwas später erledigt hatte. Nun konnte ich wieder losfahren. Nach einem Blick auf die Tankanzeige fuhr ich aber nicht allzu weit. Der Diesel im Tank würde nicht sehr weit reichen. Auf jeden Fall nicht mehr bis nach Kingman. Ich fuhr also nach Nebenan an die Tankstelle und tankte nochmal 55 Gallonen Diesel nach. Als ich mich dann endlich wieder auf den Weg machte, war es schon viertel vor Sieben.
    Über die CA-120 ging es zurück zur CA-99. Dort ging es dann wieder in Richtung Süden weiter. Es war ein schöner, angenehmer Spätsommerabend. Ich öffnete das Fenster leicht und ließ die angenehme Luft in das Fahrerhaus. Mit Musik, die richtig gut zum Fahren passte, ging es dann in den Abend.

    Dabei genoss ich meinen Job. Mir machte es Spaß zu fahren und dabei viel zu Sehen zu bekommen. Das schöne dabei war für mich, dass es in Amerika eigentlich fast alles an Landschaften gab. Ich war zwar kein Nationalist, dennoch liebte ich mein Land. Auf die Dauer wäre es mir dabei dann auch einfach zu wenig, wenn ich nur Kalifornien hätte.
    Wir hatten hier zwar schon sehr vielfältige Landschaften, mir würde dann aber trotzdem viel fehlen. Die Berge von Colorado und Montana, die Wälder von Oregon, die weiten Landschaften des Mittleren Westens, Die grünen Landschaften an der Ostküste. Wenn man immer nur in einer Region war, fehlten einem die anderen Landschaften. Selbst die Wüsten hier in Kalifornien und Nevada hatten was.
    Dann kamen auch noch viele imposante Bauwerke dazu, wie die Golden Gate Bridge, die Freiheitsstatue oder Mount Rushmore.
    Ich war froh, dass ich viel unterwegs war. Trotzdem wollte ich eben auch mit Keela zusammen sein. Ich musste halt den besten Kompromiss zwischen den langen Touren und meinem Leben mit Keela finden.
    Ich erinnerte mich an die Tage vor einem Jahr, wie wir uns direkt am ersten Tag, wo wir uns gesehen hatten, sofort geküsst hatten. Vorher hatten wir ja nur telefoniert. Dann musste ich an die ersten Tage denken, wo wir unsere Liebe verheimlichen wollten. Kurz darauf fiel mir unser erstes Wochenende in Pacifica ein, wo mir Keela die ersten Surflektionen gegeben hatte, oder der Tag, wo sie mich zum ersten Mal auf ihrer Harley mitgenommen hatte. Solche Momente hatte ich vorher mit keiner anderen Frau gehabt.

    Durch meine Gedanken verging mir der Abend wie im Flug. Auf einmal hatte ich schon Bakersfield erreicht, wo ich auf die CA-58 wechseln musste. Ich fuhr dann durch die Stadt, wo nicht mehr viel los war und kam dann in die Mojave. Hier konnte ich meinen Gedanken wieder freien Lauf lassen.
    Abwechselnd erinnerte ich mich an meine Touren aus dem vergangenen Jahr und wieder an schöne Momente mit Keela. Ich dachte an die ersten Tage zurück, wo ich mit dem alten Mack unterwegs war und morgens mit Rückenschmerzen aus der Koje kam. Dann fielen mir natürlich auch die Touren ein, zu Thanksgiving und Weihnachten, wo mich Keela begleitet hatte. Das waren eigentlich die schönsten Momente. Ich wusste aber genau, dass das leider Ausnahmen bleiben würden. Keela hatte mir ganz klar zu verstehen gegeben, dass ihr Traum ein anderer war, als meiner. Ihrer bestand aus den Wellen des Pazifik und nicht aus den Highways in Nordamerika. Es sei denn es handelte sich um einen Tagesausflug mit dem Motorrad.

    Auch der spätere Abend verging so wie im Flug. Um Mitternacht war ich noch mitten in der Mojave. Später in der Nacht erreichte ich dann Barstow, wo ich dann, nach einem kurzen Stück I-15 auf die I-40 kam. Langsam bekam ich Hunger und es wurde auch dringend Zeit für meine Pause. In meinen Gedankengängen hatte ich die Zeit beinahe vergessen.
    Ich fuhr dann in Ludlow von der Interstate und machte bei dem kleinen Truckstop meine Pause. Da der Parkplatz voll war, stellte ich mich einfach so an den Straßenrand. Wen sollte das hier, mitten in der Wüste stören. Ich ging dann ein paar Schritte durch die angenehm kühle Nachtluft. Dabei entleerte ich dann auch meine Blase. Anschließend ging ich noch ein paar Schritte und atmete tief durch. Hier in der Wüste, wo ich weit und breit kaum viel Licht hatte, sah ich dann einen überwältigenden Sternenhimmel. Nachdem ich den ein paar Minuten betrachtet hatte und dabei wieder meinen Gedanken nachhing, ging ich wieder zurück zum Truck und machte mir was zu essen. Kurz vor vier hatte ich dann alles aufgegessen und machte mich wieder auf den Weg.

    Ich fuhr zurück auf die I-40 und sah zu, dass ich die restliche Fahrzeit vollmachte. Als ich dann zwei Stunden später Kingman erreichte, dämmerte es schon. Inzwischen war meine Tankleuchte schon wieder eine ganze Weile an. Ich hatte gut kalkuliert, als ich am Abend die 55 Gallonen nachgetankt hatte. Die Tanks waren dann so gut wie leer, als ich bei meiner Stammtanke ankam. Hier, bei einem Preis von gerade mal etwas über drei Dollar pro Gallone, tankte ich den Truck wieder voll. Anschließend gab es noch einen kleinen Plausch mit dem Tankwart, der mich inzwischen auch kannte. Schließlich tankte ich fast immer hier, wenn ich Kingman passierte.
    Zurück im Truck warf ich einen Blick auf mein E-Log. Ich hatte etwa zehn Stunden Fahrzeit voll. Die nächste halbwegs vernünftige Parkmöglichkeit in Ash Fork war noch über eine Stunde entfernt. Ich entschied mich also dazu, hier im Gewerbegebiet bei der Tankstelle stehen zu bleiben. Hier hatte ich wenigstes Toiletten und bekam zu Schichtbeginn meinen Kaffee.
    Nachdem ich geparkt hatte, war es dann auch schon fast halb Sieben. Ich rief also zu Hause an und telefonierte noch mit Keela, die inzwischen auch Feierabend hatte. Dabei setzten wir die Unterhaltung vom Vorabend fort. Wir waren uns hinterher einig, dass es gut war, dass uns Jessy den richtigen Stoß gegeben hatte. In der letzten Zeit hatten wir mehr über die Firma und deren Angelegenheiten gesprochen, als über uns. Aber auch dabei mussten wir es ausgewogen zugehen lassen. Schließlich waren wir aber beide todmüde und beschlossen schlafen zu gehen.

    Dienstag, den 28. August 2018, 4:00 pm, Mountain Standard Time, Kingman, AZ:

    Ich war dann auch so müde, dass ich tatsächlich bis nachmittags um vier Uhr durchschlief. Durch die Aussprache mit Keela ging es mir besser und ich hatte alleine deswegen schon besser geschlafen. Zum Toilettengang begab ich mich nochmal in meine Stammankstelle, die Körperpflege erledigte ich aber hinterher mit Wasser aus dem Kanister am Truck. Um halb Fünf begann ich dann wieder mit der PTI, eine Viertelstunde später fuhr ich dann los.

    Es ging dann wieder zurück auf die I-40. Mit der Nachmittagssonne im Nacken machte ich mich nun auf den Weg in Richtung New Mexico. Es lief alles gut und ich kam gut durch. Trotzdem bekam ich dann am Abend einen ganz schönen Hunger. So viel hatte ich in meiner letzten Woche auch nicht mehr in meinen Vorräten hier im W900. Außerdem wollte ich da immer was für Notfälle übrigbehalten. Ich beschloss dann also essen zu gehen.
    Gegen halb Neun hielt ich dann also am mir schon bestens bekannten Truckstop in Joseph City, kurz vor Holbrook, AZ an. Erst aß ich hier dann in Ruhe zu Abend, Anschließend telefonierte ich noch eine Weile mit Keela. Schließlich musste sie aber zusehen, dass sie fürs Büro fertig wurde und ich musste auch wieder los. Um halb Zehn fuhr ich dann also wieder weiter.

    Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich New Mexico erreicht hatte. Aber auch im Dunkel der Nacht wollte man hier mein Gewicht haben. Ich war aber weit von den erlaubten 80,000 Pfund entfernt. So hatte ich damit kein Problem. Für weitere Kontrollen war wohl kein Bedarf, also konnte ich sofort weiter.

    Bis nach Albuquerque zog ich nun durch. Dort angekommen, musste ich mich auf mein Navi verlassen. Ich war zwar schon ein paar Mal hier, aber noch nie beim Güterbahnhof.
    Am Kreuz der I-40 mit der I-25 musste ich dann auf die I-25 in Richtung Süden. Daher war mir das wohl auch unbekannt. Die Läger und Firmen, die ich bisher hier besucht hatte, lagen alle nördlich der I-40. An der Ausfahrt 220, Rio Bravo Boulevard, sollte ich dann von der Interstate runter. Linkerhand lag jetzt der Airport von Albuquerque, ich sollte aber nach rechts. Kurz darauf ging es wieder rechts in ein Industriegebiet.
    In dem lag dann auch der Güterbahnhof der BNSF Railway, dem größten Konkurrenten der Union Pacific im Westen der USA für Gütertransporte. Die Personentransporte hatten ja beide Gesellschaften an die AMTRAK abgegeben. Da ich bisher immer bei der Union Pacific war, hatte ich gedacht, wir würden im Westen nur mit denen arbeiten. Ein großes Unternehmen, wie Walmart arbeitete aber wohl mit allen großen Logistikern zusammen.
    Inzwischen war auch mein Anschluss im System:

    PICKUP: BNS-NMABQ
    GATE: -----
    TRAILER: DV53781
    FREIGHT: ELECTRONIC DEVICES
    WEIGHT: 17,000 LB
    DROP: BBY-CASFR
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela hatte natürlich ein großes Interesse daran, dass ich nach Hause kam. Schließlich musste am Samstag der neue Truck abgeholt werden. Daher hatte ich keinen Zweifel daran, dass sie mir eine Ladung in die richtige Richtung besorgen würde. Ich ging also zur Anmeldung und gab meine Ladepapiere ab. Gleichzeitig forderte ich auch die Rückladung für San Francisco ab. Ich brauchte dann auf dem dunklen Gelände nur umsatteln, das war gut.
    Nach Erledigung des Papierkrams fuhr ich dann auf den Hof und stellte den Reefer in die Parkbucht, die man mir zugewiesen hatte. Der Dry Van, den ich wieder mitbekam, stand dann auch nur ein paar Yards weiter. Man hatte sogar darauf geachtet, mir einen neutralen Trailer für die Ladung zu geben. Um vier Uhr hatte ich dann alles erledigt und konnte dann wieder zurück nach Kalifornien fahren.

    Ich nahm dann den gleichen Weg über die I-25 und I-40 wieder zurück. Meine Fahrzeit war aber schon fast durch. Ich entschloss mich dann, noch bis zum Truckstop in Sky City an der I-40 zu fahren, den ich ja auch schon häufiger angesteuert hatte. Um sechs Uhr am Morgen machte ich dann hier Feierabend. Ich ging dann noch zum Duschen in den Truckstop. Anschließend gönnte ich mir noch einen Burger als Abendessen. Zurück im Truck telefonierte ich dann noch eine halbe Stunde mit Keela. Anschließend ging es in den Sleeper.

    Mittwoch, den 29. August 2018, 3:00 pm, Mountain Daylight Time, Sky City, NM:

    Am Nachmittag um drei Uhr klingelte mein Wecker wieder. Ich stand auf und begann mit dem üblichen „Morgenrhythmus“. Als der Kaffee durchlief stieg ich aus und machte mich auf den Weg zum Truckstop. Dabei traf mich fast der Schlag. Über 100° Fahrenheit und annähernd 100% Luftfeuchtigkeit. Es war eine schwüle Hitze, wie schon lange nicht mehr. Warmes Wetter war ich ja gewohnt, aber dabei eher eine trockene Hitze. Diese feuchtwarme Witterung war aber auch für mich nichts.
    Ich war froh, als ich im klimatisierten Truckstop war und dort duschen konnte. An sich hätte ich mir die Dusche aber sparen können. Auf dem Rückweg vom Truckstop zu meinem Truck kam ich durch die Schwüle so ins Schwitzen, dass ich im Truck eigentlich schon wieder duschen konnte.
    Ich erledigte schnell die PTI, dann trocknete mich noch mal mit meinem Handtuch ab und wechselte nochmal das Hemd. Ich hatte jetzt zwar die PTI etwas zu früh begonnen, wollte mich aber auch nicht erst umziehen und dann noch mal in die Schwüle raus. Außerdem hatte ich direkt zur PTI den Motor gestartet. So konnte die normale Klimaanlage ihren Dienst tun. Die Batterien der Standklimaanlage waren nach der Pause sowieso fast leer.

    Um vier Uhr ging es dann wieder gen Westen auf die I-40. Dabei fuhr ich dann einem bedrohlich schwarzen Himmel entgegen. Über Gallup braute sich da ganz schön was zusammen und ich fuhr genau darauf zu. Ich hatte gerade die letzte Stadt vor der Grenze nach Arizona erreicht, als es dann auch sehr heftig anfing zu Regnen. Es war ein kräftiger Gewitterschauer. Man konnte fast meinen, die Welt würde untergehen, so kam es runter. Die Autos auf der Interstate fuhren auf einmal natürlich auch alle maximal 30 mph. Das Wasser stand aber auch so auf der Straße, dass Aquaplaning drohte. Hier, im sonnenverwöhnten Süden war man das auch nicht gewohnt. Als ich Arizona erreichte, wurde es zwar schon wieder ein wenig heller, es prasselte aber immer noch kräftig.

    Dann schlug auch noch mein Transponder an. Ich musste auch noch über die Waage. Ich wunderte mich, dass die Beamten den Dienst bei dem Wetter nicht unterbrochen hatten, aber offensichtlich schien sie das nicht zu stören. Der Regen war dann auch so laut, dass ich die Durchsage aus dem Lautsprecher kaum verstand. Zum Glück konnte ich aber weiter und brauchte nicht durch den Regen ins Office.
    Hinter Holbrook ließ der Regen dann gottseidank wieder nach und die Sonne kam wieder raus. Irgendwann hatte sich dann auch der Stau wieder aufgelöst und man konnte wieder normal fahren. Die Lust auf eine Pause war mir bei dem Wetter dann auch vergangen. Ich musste jetzt erstmal zusehen, dass ich ein paar Meilen geschafft bekam. Mit Keela telefonierte ich dann auch nur kurz während der Fahrt.

    Ich zog dann erstmal durch, bis ich Kingman erreichte. Hier wollte ich sowieso noch mal tanken. Heute fuhr ich dann aber vorher an die Seite und machte erst meine halbe Stunde Pause. Mehr gönnte ich mir dann heute auch nicht. Als die halbe Stunde Pause voll war, fuhr ich zu meiner Stammtanke und füllte die Tanks den Kenworth wahrscheinlich zum letzten Mal.
    Die nächste Tankfüllung würde vermutlich mein Fahrer machen. Wen auch immer Keela jetzt einstellen würde. Gesagt hatte sie mir nichts, ich hatte heute aber auch vergessen zu fragen. Nun war sie im Büro und da wollte ich sie auch nicht extra deswegen anrufen. Um elf Uhr machte ich mich mit einem vollgetankten W900 wieder auf den Weg.

    Als die Uhr dann Mitternacht schlug, war ich schon wieder in Kalifornien. Nun musste ich mir überlegen, wie weit ich noch fahren wollte. Auf dem ganzen Stück bis Barstow gab es kaum Parkmöglichkeiten. Die Essex Rest Area kam mir dann auch für meinen Geschmack noch zu früh. Ich wollte ja so weit, wie möglich fahren. Schließlich entschied ich mich dann wieder mal für Ludlow. Der offizielle Parkplatz war zwar schon voll, obwohl auf beiden Seiten der Interstate Parkplätze waren. Hier war man aber mitten in der Wüste. Ludlow bestand ja eh nur aus knapp 10 Gebäuden. Ich nahm dann einen halbwegs festen Seitenstreifen und war froh, dass meine Ladung dieses Mal leicht war. Da ich wieder recht müde war, legte ich mich dann auch sofort schlafen.

    Donnerstag, den 30. August 2018, 11:00 am, Pacific Daylight Time, Ludlow, CA:

    Hier, mitten in der Wüste hatte ich sehr gut geschlafen. Die Standklimaanlage hatte ich ja in weiser Voraussicht schon mal angestellt, so hatte ich keine Probleme, als die Temperaturen am Vormittag wieder anstiegen. Als ich jetzt aus dem Truck stieg, war ich erstmal erstaunt. Gestern, am späten Abend war es hier recht voll gewesen. Nun stand ich so ziemlich alleine hier. Nach mir war wohl keiner mehr hierhin gekommen. Ich ging in die Tankstelle und nutzte dort erstmal die Toilette. Anschließend trank ich mir noch in Ruhe einen Kaffee. Zurück am Truck folgte dann die Wäsche mit Wasser aus dem Kanister.
    Keela brauchte ich jetzt nicht anrufen. Nach ihrer Nachtschicht würde sie nun im Bett liegen und schlafen. Ich rief aber mal bei David Johnson an, um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. „Ihre Verlobte hat sich bereits um alles gekümmert.“ Berichtete er mir. „Ihre Maschine steht in Los Angeles und ist dort am Samstag abholbereit. Die Unterlagen für die Zulassung habe ich hier. Die Papiere und Kennzeichen können Sie morgen bei mir abholen, bevor Sie nach Los Angeles fahren.“ „Es läuft also alles nach Plan?“ „So ist es.“ „Okay. Dann weiß ich Bescheid.“ Ich war erstaunt. Ich hatte Keela gar nicht explizit darum gebeten, sich um die Sachen mit dem Truck zu kümmern. Trotzdem nahm meine Süße ihre Rolle als Gesellschafterin unserer Corporation ernst und hatte alles in die Wege geleitet.

    Um viertel nach Zwölf am Mittag hatte ich dann meine PTI beendet und machte mich auf den Weg nach San Francisco. Zuerst ging es nochmal für eine gute Stunde auf die I-40 in Richtung Westen. Dann hatte ich Barstow erreicht.
    Hier folgte der übliche Wechsel auf I-15 und später auf die CA-58. In der Mittagshitze ging es dann durch die Mojave weiter nach Bakersfield. Dabei geriet das Thermometer schon wieder in den dreistelligen Temperaturbereich auf der Fahrenheit Skala. Im nachmittäglichen Berufsverkehr durfte ich dann Bakersfield durchqueren.

    Hier hatte ich wieder mal das Problem, dass die Flussphasen der Ampelregelung für PKW gedacht waren, aber nicht für Trucks, die viel länger brauchten, bis sie 30 mph erreichten.
    Als ich die Stadt durchquert hatte, ging es dann nicht, wie meistens, auf den Golden – State – Highway, sondern weiter geradeaus. Ich wollte bei Buttonwillow auf die I-5. Wo ich dann aber schon dort war, hielt ich am TA Truckstop, Buttonwillow für meine kurze Pause an.

    Eigentlich wollte ich hier duschen gehen. Mein Timing war aber denkbar schlecht. Am Nachmittag um Fünf waren gerade alle Duschen belegt, oder noch nicht wieder gereinigt. Ich musste also auf meine Dusche verzichten. Wenigstens konnte ich in Ruhe zu Abend essen. Dabei traf ich auch ein paar Walmart Regional Driver, die ich kannte. So wurde es eine lustige und kurzweilige Pause. Trotzdem machte ich mich um sechs Uhr wieder auf den Weg. Meine Ladung musste noch nach Frisco.

    Ich fuhr auf den West-Side-Freeway, die I-5, in nördlicher Richtung auf. Mit Tempomat 56 rollte ich dann in den Abend.
    Es war dann schon halb Neun durch, als ich an der Ausfahrt 403 auf die CA-152 in Richtung Gilroy und San José wechselte. Anschließend ging es am San Luis Reservoir vorbei, von dem ich im Dunkeln aber nicht viel sah. In Gilroy angekommen, wechselte ich auf die US Route 101 in Richtung San José. Nun ging es durch die Heimat der Sharks und durch das Silicon Valley nach San Francisco.

    Gegen halb Zwölf am Abend erreichte ich schließlich mein Ziel, das Best Buy Lager in San Francisco. Auch hier gab es zumindest eine kleine Nachtschicht von ein paar Leuten. Ich bekam meine Papiere quittiert und konnte absatteln. Leider war nun auch meine Fahrzeit so gut, wie durch. Ich konnte mir nur noch einen Parkplatz suchen. Auch die Anweisung von Keela lautete entsprechend:

    10 H BREAK

    WAT-CASAC-KRY.

    Da ich hier nirgendwo parken konnte, musste ich wohl oder übel noch bis in den Hafen fahren. Hier konnte ich dann wenigstens mit einem Truck parken, ohne Probleme zu bekommen. Nachdem ich dort einen Parkplatz gefunden hatte, legte ich mich auch sofort hin. Was sollte ich hier auch sonst mitten in der Nacht machen.

    Freitag, den 31. August 2018, 11:00 am, Pacific Daylight Time, San Francisco, CA:

    Das Klingeln meines Handys riss mich aus meinen Träumen. Schlaftrunken nahm ich mir das Telefon. „Hallo.“ Murmelte ich. „Schönen guten Tag Mr. Murdock. Gedenken wir heute auch mal zu arbeiten?“ hörte ich eine angesäuerte Jessy sagen. „Was? Wie spät ist es denn?“ „Jetzt sag nicht, du liegst noch im Bett.“ „Jetzt nicht mehr. Das Telefon hat ja geklingelt.“ „Sehr witzig.“ Sagte Jessy grimmig. „Das kann doch nicht sein. Keela setzt hier alle Hebel in Bewegung damit ich für dich eine Ladung nach Hause bekomme. Dann überredet sie mich auch noch, dass ich die Bereitschaft schon heute Abend beginne, damit ihr nach Los Angeles fahren könnt. Und was machst du? Du pennst dir hier einen weg.“ Inzwischen hatte ich auf die Uhr geschaut. Es war kurz nach Elf. „Ich hätte vor einer Stunde wieder fahren können. Warum meldest du dich denn erst jetzt?“ „Meinst du ich habe nichts anderes zu tun, als zu schauen, ob du auch losfährst?“ „Sorry.“ „Das kannst du aber Keela erklären, warum du jetzt später nach Hause kommst.“ „Mache ich schon.“ „Dann sieh zu, dass du ans Arbeiten kommst.“ „Was bekomme ich denn?“ „Altverpackungen von 7Eleven zum Außenlager.“ „Welcher 7Eleven?“ Jessy nannte mir die Adresse. „Na toll. Da muss ich einmal quer durch San Francisco, um da hin zu kommen.“ „Ist das mein Problem?“ „Das wird eng mit meinen Zeiten.“ „Ich habe dich jetzt dafür eingeteilt, jetzt musst du das auch fahren. Bobtail nach Hause kommen ist nicht.“ „Okay, Boss.“ Jessy legte auf.
    Ich zog mich dann schnell an und stellte das E-Log auf PTI. Dann ging ich meine Blase entleeren. Anschließend machte ich eine schnelle Abfahrtskontrolle. Um halb Zwölf sah ich dann zu, dass ich loskam.

    Ich war sinnigerweise in den Hafen von Hunters Point gefahren, um meine Pause zu machen. Hier bekamen wir meistens unsere Ladungen, wenn wir was im Hafen von San Francisco abzuholen hatten. Der besagte 7Eleven Markt befand sich in North Beach, unweit des bekannten Pier 39. Das waren zwar nur achteinhalb Meilen laut meinem Navi, die gingen aber einmal quer durch die Stadt. Und das am späten Freitagvormittag.
    Als ich dann schließlich den Supermarkt erreicht hatte, war ich eine Stunde unterwegs. Ich erledigte schnell den Papierkram und nahm dann den 53 Fuß DHL Trailer auf, der hier für mich bereitstand. Heute war mir das dann auch egal. Nun musste ich mich am Freitagmittag noch mal bis zur I-80 durch San Francisco quälen und dann zusehen, dass ich nach Sacramento kam.

    Mit dem Bobtail hatte ich vorhin noch mit den PKW beim Ampelstart mithalten können. Nun, mit einem Trailer mit 36,000 Pfund Ladung ging das nicht mehr so gut. So hatte ich wieder das Pech, sämtliche Ampeln bei Rot zu erwischen.
    Irgendwann erreichte ich dann aber die I-80 und konnte fahren. Die Fahrt nach Sacramento lief dann auch ganz gut. So erreichte ich das Außenlager dann gegen halb Vier.
    Als ich abgesattelt hatte, meldete ich mich eben zu Hause, dann sah ich zu, dass ich dort auch hinkam. Ich setzte den W900 in die Halle und erledigte den restlichen Papierkram.

    Keela öffnete meine Tür und kletterte die Stufen hoch. „Hallo Schatz.“ Sie gab mir einen schnellen Kuss. „Ich werde jetzt nicht auch mit dem Meckern anfangen, das hat ja Jessy schon gemacht. Denk daran, dich im E-Log und im ORBCOMM abzumelden. Die Neuanmeldung mache ich dann am Montagmorgen mit George zusammen.“ „Also hast du das doch hinbekommen.“ „George und ich waren zusammen bei deinem Dad. Schließlich hat er dann zugestimmt, nachdem George ihm gedroht hat, zu Safeway zu wechseln.“ „Das nenne ich mal eine volle Breitseite.“ „Die hat gesessen. Du hättest mal das Gesicht von deinem Dad sehen sollen.“ „Kann ich mir vorstellen.“ „Wenn du dich ausgemeldet hast, dann gib mir schnell deine restlichen Sachen raus. Sobald wir alles rausgeräumt haben, gehst du hoch, dich duschen und umziehen und ich mach die Maschine noch etwas sauber.“ „Okay, Boss.“ Wir können zwar rund um die Uhr bei dem Motel einchecken, was ich für uns gebucht habe, ich möchte trotzdem so früh, wie möglich in LA sein.“
    Gesagt – getan. Ich packte meine Sachen zusammen und gab sie dann Keela an, die sie dann bis Montag in der Halle verstaute. Nachdem ich alles aus dem W900 raushatte, ging ich nach oben. Hier war Duschen, Rasieren und Umziehen angesagt. Keela schnappte sich in der zeit den Staubsauger und machte den Kenworth noch etwas sauber. Das meiste hatte ich aber die Tage schon unterwegs gemacht.
    Gegen fünf Uhr waren wir dann soweit. Unsere Tour nach Los Angeles konnte beginnen.

    Fortsetzung folgt...
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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