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Kapitel 29 – Tarnung aufgeflogen

  • Vorab kurz ein Wort zu Brandons Bewaffnung. Das Messer hat er ja an sich schon länger unterm Sitz, aber selten spielte es eine so zentrale Rolle wie in diesem Kapitel bei einer Szene. Ich persönlich halte von den Waffengesetzen der USA, egal ob sie nun Schuss- oder Stichwaffen betreffen, eher wenig.
    Aber Brandon ist nun mal eine erfundene Figur, die zwar einen Teil meiner wilden Jahre trägt und darüber hinaus auch Dinge tut, die ich mir in seinem Alter zu tun gewünscht hätte, aber zusätzlich ist er nun mal Amerikaner und kein Deutscher. Also muss ich ihm auch ein paar Eigenschaften andichten, die für einen Amerikaner normal sind, aber in deutschen Augen mindestens mal sinnlos oder meinetwegen sogar verwerflich sein mögen.
    Dazu gehört es, alleine mit 2,2 Tonnen Leergewicht, 5,3 Litern Hubraum und 315 PS durch den Stadtverkehr zum Einkaufen zu eiern, aber für viele Amerikaner eben auch, sich zu bewaffnen, insbesondere, wenn man durch seinen Beruf einem erhöhten Überfallrisiko ausgesetzt ist. Und nun trotz Kampfmesser unterm Sitz viel Spaß.

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    Sonntag, 22.07.2018

    Mir blieb quasi nur ein freier Tag. Am Samstagabend hatte ich ein Truckervideo geschnitten und hochgeladen. Allerdings war das ein Bisschen hinten dran. Ich versuchte absichtlich, die immer erst zwei Wochen versetzt hochzuladen und das Datum oder genaue Orte auch nicht unbedingt zu konkretisieren. Die Malik-Videos gingen sofort online. Ich hatte es inzwischen schon erlebt, dass ich am Samstag unterwegs war, abends das Video hochgeladen hatte und am nächsten Morgen eine private Nachricht hatte in der Art von „Du bist ja gerade in meiner Gegend. Lass uns mal treffen.“ Und wenn es Abonnenten waren, die mir schon länger folgten, regelmäßig kommentierten und selbst einen Exploration-Channel hatten, dann ließ ich mich auch mal drauf ein. Schließlich kannten die vor Ort meistens bessere Objekte als ich finden konnte.

    Allerdings gab es in Salt Lake City nicht viel zu exploren. Deshalb nutzte ich den Sonntag, um mir freiwillig Schmerzen zufügen zu lassen. Auf dem Heimweg stand dann noch ein Besuch in einer Drogerie auf dem Programm. Nach 2 Stunden konnte ich den Verband abnehmen und einen ersten Blick auf das gar nicht so toll aussehende Ergebnis werfen, aber ich war gewarnt worden, dass das so sein musste. Innerhalb der nächsten Tage würde sich das schon noch regeln, aber jetzt war erst mal alles zu dunkel, leicht geschwollen und verzerrt. Den Oberarm am Abend mit medizinischer Seife zu waschen und mit einem der extra gekauften fusselfreien Handtücher vorsichtig abzutupfen tat wieder ordentlich weh. Aber das sollte sich schneller bessern als der Anblick.

    Weil ich sonst nichts tun konnte, stellte ich ein kurzes Video vom Ereignis des Tages fertig für den Malik-Channel. Auch das lud ich dann hoch. Die Videos auf dem Truckerchannel waren meistens schon 1 oder 2 Wochen alt, wenn sie online gingen, die anderen frisch und oft vom gleichen Tag. Das lag einfach an der Entstehungsweise. Alle Malik-Videos, ob es nun Urbex, Parkour, Messer-Kunststückchen oder Inlineskaten waren, enthielten komprimiertes Material. Da musste ich den durchgängigen Film nur ein Bisschen bearbeiten und gut. Dadurch hatte es sich mittlerweile auch schon ein paarmal ergeben, dass mir jemand am Samstag eine Nachricht zu einem neuen Video schrieb, dass ich in seiner Gegend war und ich war am Sonntag in tolle Objekte gekommen. Wenigstens kannte man sich zu Hause am besten aus, also war es gut, wenn man sich mit Einheimischen zum Exploren treffen konnte.
    Für die Truckervideos musste erst einmal genug Material zusammenkommen. Dashcam Clips aus Kansas oder Oklahoma waren doch relativ unspannend. Entweder musste jemand im Bild idiotisch spurwechseln, es mussten tolle Trucks zu sehen sein oder ich musste irgendwelche Dinge mit rein nehmen, die zwar zum Job gehörten, aber nicht zum Fahren. Außergewöhnliche Truckstops oder so was. Foodporn auf Truckstops war auch kein so dauerhaft ergiebiges Thema. Also galt es, genug solcher Schnipsel für ein Video zu sammeln und dann zusammenzuschneiden und eventuell mit Musik zu vertonen.
    Nach kurzer Zeit hatte ich dann auch noch festgestellt, dass es gar nicht schlecht wäre, wenn sich Brandon und Malik nicht so offensichtlich zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhielten und damit wurde der zeitliche Versatz zur Tradition.
    Mein zukünftig doch sehr markanter, rechter Oberarm war bei den Truckervideos an sich nie erkennbar im Bild, weil ich meine „Selfie-Webcam“ für Aufnahmen von mir selbst in der unteren, fahrerseitigen Ecke der Windschutzscheibe hatte. Damit sah man diesen Arm nur von der anderen Seite. Abgesehen davon fragte ich mich inzwischen langsam, ob es überhaupt eine Schnittmenge zwischen den Zuschauern beider Channels gab.


    Montag, 23.07.2018

    Meine Pause war, wenn ich mich an die 38 Stunden halten wollte, um 6:44 Uhr um. Also frühstückte ich entsprechend sehr früh und war um 06:35 AM an der Zugmaschine. Die PTI für die Solomaschine war mit 9 Minuten gut bemessen. Während ich die Checks abarbeitete, hörte ich, dass der neue Auftrag angefordert wurde und das Geräusch, dass er eingetroffen war. Mal sehen, wo es hin gehen sollte.

    LOCATION: UTSLC
    ACTION: WAIT UNTIL 07:15 AM LOCAL
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP


    Fing es jetzt so an, wovor mich der eine Kollege gewarnt hatte? Warten und trotzdem schlechte Touren? Zumindest sollte ich eine halbe Stunde später schon los, und auch nicht mit einem Auftrag aus dem eigenen Hause. Immerhin konnte ich so das langärmelige Hemd noch mal ausziehen und mich im Muscle Shirt auf das Bett in den Schatten setzen. Die Sache sah schon deutlich besser aus.

    PICKUP: UTSLC-VLM
    DESTIN: TXAMA-UPR
    TRAILER: VLM-BLCT
    LOAD: CARS
    WEIGHT: 24,000
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP


    Ich sah mir die Auftragsdetails an. Immerhin war der Auftrag nicht so schlecht bezahlt wie befürchtet. Und BLCT stand für „bi-level car transporter“, also einen zweistöckigen Autotransporter. Auch wenn ich mittlerweile den Schichtplan so einigermaßen verstanden hatte, musste man bei zwei Meldungen in dieser kurzen Zeit keine Logikkanone sein, um zu merken, dass der Verzapfer gerade Dienst hatte.
    „Caterpillar Logistics Center Boston, Evan Palmer.” “Hallo Evan. Was habe ich denn angestellt, dass ich in die Automobilindustrie abgeschoben werde?“ „Du wohnst in Philadelphia. Unsere Aufträge ab Salt Lake gingen alle nach Kalifornien, Oregon und Arizona. Kann ich Dir gerne einen von geben. Dann kannst Du Dich mit dem Anlassen des Motors aber schon auf das zweite Außenwochenende hintereinander einstellen.“ „Ach so. Ich wusste gar nicht, dass ich überhaupt eine Heimschläferquote habe.“ „Hast Du auch nicht. Aber wir versuchen es trotzdem bei so vielen Fahrern wie möglich hinzukriegen. Außer Du sagst mir, dass Du sowieso nicht nach Hause willst. Dann bist Du in 30 Sekunden umgestellt Richtung Oxnard.“ „Och, zu Hause wartet zwar niemand außer einem vollen Briefkasten, aber auch um den sollte man sich kümmern. Und in den Clubs der Stadt warten meine Kumpels. Philly passt schon.“ „Versprechen können wir es nicht, aber dann versuchen wir es jedenfalls mal.“

    Ich sammelte also bei Voltison einen Trailer mit Autos ein. 5 Tesla S waren zumindest mal eine wertvolle Fracht. Als ich auf die Interstate einfuhr, sah ich im Rückspiegel einen Truck mit Daycab und einer Ladung Strohballen, den die Polizei gerade filzte.




    Und das Bild wenig später sah nicht anders aus. Nur dass jetzt der Trailer jetzt ein Reefer war und die Ladung offensichtlich Wein. Ich ging inzwischen aber fast ein in meiner Kabine. Die Klimaanlage tat ihr bestes, die Temperatur niedrig zu halten, aber ich musste ein langes Hemd tragen, damit mir die Sonne nicht auf den Arm ballerte und die noch nicht von der Haut aufgenommenen Farben ausbleichen konnte oder mir einen Sonnenbrand auf der empfindlichen Stelle bescherte.




    Ich kam jedenfalls unbehelligt nach Wyoming bis Akal Travel Center, wo ich schon am Freitag ein hervorragendes Mittagessen hatte. Zuerst mal musste ich feststellen, dass im Gegensatz zur Ladung mein Truck noch auf fossile Brennstoffe angewiesen war und ich genau die jetzt nachfüllen musste.




    Danach ging ich ins Restaurant. Heute probierte ich mal einen Tandoori-Spieß mit hausgemachtem Fladenbrot und Joghurtdip. Weil die sanitären Anlagen hier nicht sonderlich keimfrei waren, musste ich für eine Wäsche meines Arms mit medizinischer Seife dann Mineralwasser aus der Flasche opfern. Viermal täglich sollte ich das in der ersten Woche machen.

    Nach der Pause ging es weiter und an der Grenze musste ich dann feststellen, dass Colorado zu den Staaten mit verschiedenen Grenzschildern gehörte. Immerhin setzte Regen ein, so dass ich mein Hemd gefahrlos ablegen konnte.




    Und in diesem Staat war dann ich an der Reihe. Ich lief auf einen Polizeiwagen auf. Bevor ich ihn eingeholt hatte, wechselte er auf die linke Spur und ließ sich langsam zurückfallen. Der Beamte auf dem Beifahrersitz musterte meinen Truck. Also sah ich in den Rückspiegel und wartete auf das Signal. Und wirklich, die Lichter am Dachbalken gingen an und die Sirene heulte einmal kurz auf.




    Also setzte ich den Blinker und zog raus auf die Standspur. Die Polizei in Amerika hielt immer von hinten an. Im PKW musste man nun das Fenster runter lassen und die Hände sichtbar aufs Lenkrad legen. Weil das mit dem Fenster beim Truck wenig Sinn machte, musste ich stattdessen die Tür öffnen, bevor der Officer hier war. Außerdem legte ich die Fahrzeugpapiere und meinen Führerschein noch schnell bereit. Ich hatte noch nie eine Verkehrskontrolle erlebt.

    Der Officer kam mit gezogener Pistole zur Fahrertür. Als er sah, dass ich die vorschriftsmäßige Körperhaltung hatte, senkte er die Mündung etwas.
    „Sind Sie bewaffnet?“ Unterm Sitz steckte ein Kampfmesser. „Äh, ja…“ Sofort hatte ich wieder direkten Blick auf die Pistole. „Langsam aussteigen! Ich will zu jeder Zeit beide Hände sehen!“
    Immerhin war diese Übung mit meinem Truck möglich. Wie man das ohne einen unfreiwilligen Abgang hinzulegen bei einem Mack mit seinem steilen Aufstieg – egal ob mein alter Superliner oder der neue Anthem – schaffen sollte, war mir nicht klar. Dennoch war ich wackelig auf den Beinen, der Beamte merkte es:
    „Warum Sind sie so nervös.“ Weil ich in den Lauf einer Pistole gucken musste? „Das ist meine erste Verkehrskontrolle, Sir.“ „Bisher ist alles in Ordnung. Sie haben nichts falsch gemacht. Sich zu bewaffnen ist ein Grundrecht jedes Bürgers der Vereinigten Staaten.“
    Ich war am Boden angekommen.
    „Was für eine Waffe haben Sie und wo ist sie?“ „Ein Messer, unter dem Fahrersitz.“ Er griff unter den Sitz und zog das Messer raus. „Wenn Sie wieder kontrolliert werden, sagen Sie gleich, dass Sie eine Stichwaffe haben. Dann müssen wir als Polizisten unseren Selbstschutz nicht ganz so energisch umsetzen.“ „Ja, Sir!“ Er sah sich das Messer an, insbesondere dass die Schmiedemarke die Stahllegierung der Klinge und keine Militäreinheit zeigte. „In Ordnung, das Messer ist legal.“
    „Wo waren Sie heute Morgen zwischen 6 und 7 Uhr?“ „In Salt Lake City.“ „Wo genau?“ “In meinem Hotel, in einem Taxi vom Hotel zu meinem Fahrzeug und bei der Abfahrtkontrolle.” „Können Sie das nachweisen?“ „Mit Belegen im Fahrzeug.“ Ich holte im Zeitlupentempo meine Dokumentenmappe raus, wo meine Hotelrechnung mit der Zeit auf der Kreditkartenbestätigung, die ebenso bei der Kartenzahlung mit einer Zeit versehene Taxirechnung und die Quittung vom Kassenautomaten am Truck-Parkplatz drin waren. „In Ordnung. Sie können weiterfahren.“ Er legte das Messer auf den Fahrersitz.

    Die verbleibenden zweieinhalb Stunden blieb ich auf der I-25, überquerte noch die Staatsgrenze nach New Mexico und kam in Raton an, wo ich auf einem kleinen und unabhängigen Truck Stop den Tag beendete. Leider würde auch hier die Wundversorgung wieder zu Lasten meines Mineralwasservorrats gehen, wie sich schnell herausstellte.

    Im Internet fand ich dann auch den Grund für die Kontrolle vorhin. Im Prinzip war ich verdammt weit gekommen, andererseits wurde der Mythos, dass man in Sicherheit war, sobald man den Bundesstaat verlassen hatte, pulverisiert. In manchen Fällen mochte das noch stimmen, aber zumindest die unmittelbaren Nachbarstaaten beteiligten sich oft an der Suche, wenn es nicht gerade nur um einen Taschendiebstahl ging.
    In Salt Lake City hatte es heute Morgen ein Verbrechen gegeben und das Opfer hatte einen Peterbilt-Zündschlüssel beim Täter gesehen. Zeugen hatten einen „gelben und dunklen LKW mit einem eckigen Trailer“ in der Nähe des Tatorts gesehen und so wurde dank dieser vagen Beschreibung alles kontrolliert, was die Polizeikräfte in Utah und den Nachbarstaaten schafften und irgendwie am kompletten Gespann Gelb- und Beigetöne in Kombination mit dunklen Farben in größerem Ausmaß enthielt und von einem Peterbilt gezogen wurde. Anfangs nur Boxes, Reefer und was man in der Morgendämmerung vielleicht damit verwechseln konnte wie eben ein Flatbed mit Stroh. In der Annahme, dass er inzwischen umgesattelt haben könnte, wurde später die Form des Trailers nicht mehr einbezogen und so war ich dann auch ins Raster geraten.


    Dienstag, 24.07.2018

    Nun ging es die US-87 runter über Des Moines (NM), Clayton (NM) und Dalhart (TX). Dabei ging es aber durch die Städte, was mich ein Bisschen einbremste. Parallel fuhr die Konkurrenz mit den richtig großen Motoren und viel mehr Anhängern.




    Bei Union Pacific in Amarillo musste ich dann den Trailer in eine enge Lücke zurücksetzen. Immerhin erfuhr ich nun, warum man mit dem LKW Autos durch die Gegend fahren musste, damit sie ganz wo anders auf den Zug verladen werden konnten. Autotransportzüge wurden nicht rangiert. Also wurden Fahrzeuge, die man nicht komplett auf einen Zug laden konnte, zusammengezogen und bildeten dann einen Zug. Diese Teslas sollten nach Mexiko. Während große Hersteller komplette Züge in ihren Werken zusammenbekamen, mussten kleinere und teurere Modelle eben den anderen Weg nehmen. Auf diesen Zug würden wahrscheinlich dann noch teure SUV von BMW und Mercedes aus den Werken in den Südstaaten kommen, die dort auch nicht in so großen Stückzahlen für komplette Züge verkauft wurden.

    Für eine Pause hielt ich es noch zu früh, also fuhr ich erst mal zu meinem nächsten Auftrag.

    PICKUP: TXAMA-CAT
    DESTIN: ALTUS-COL
    TRAILER: 2877
    LOAD: D7E
    WEIGHT: 48,402
    EXCEEDINGS: SIZE, WEIGHT
    PRIORITY: INCREASED
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP


    Eigentlich wollte ich nach Childress, um am dortigen Pilot Travel Center eine Mittagspause einzulegen. Soweit kam ich aber nicht, denn kurz vor Childress piepste es und eine rote LED funkelte mich aus der Box in der Frontscheibe an. Ich wusste ja, dass ich legal zu schwer war, also mal wieder eine Kontrolle gewonnen. Bei 82,752 lbs. blieb die Waage stehen.




    In den letzten Wochen hatte ich mir außer der einen Minute beim Abstellen in Salt Lake am Samstag nichts zu Schulden kommen lassen. Dafür gab es nicht mal eine offizielle Ermahnung, eher eine schnippische Bemerkung, die mich wissen ließ, dass es aufgefallen war. Mein Report war ja ansonsten sauber, da schienen die Ordnungshüter gnädig zu sein.

    Hinter der Stadt steuerte ich dann den vorgesehenen Truck Stop an und ging duschen und den Arm versorgen. Die Schwellung war schon deutlich weniger, aber die Haut noch gereizt und die Farbe nicht komplett eingezogen und immer noch zu stark. Aber endlich war es schöner anzusehen, mein Tattoo.
    Das Motiv war für jemanden, der mich kannte, eigentlich unschwer zu erraten. Es war das unter Fans ziemlich gängige, aber nicht authentisch vom Publisher der Spiele entworfene „Assassin’s Creed Eagle Logo“, bei dem hinter dem schwarzen Logo der Spieleserie zwei rote Adler saßen.

    Assassin's Creed Eagle Logo 2 by tehdal on DeviantArt

    Das Motto der Assassinen stand in schwarz dabei, der erste Teil drüber, der zweite drunter. „Nothing is true – everything is permitted“

    Nach der Pause ging es weiter über die US-287 durch Wichita Falls und Fort Worth zum Dukes Travel Center in Canton (TX). Mir blieb noch einige Zeit, also fuhr ich noch 2:44 Stunden weiter. Die letzten 13 Minuten ließ ich dann unter den Tisch fallen. Erstens wäre es schon ziemlich kribbelig geworden, den nächsten Truck Stop in der Zeit zu erreichen. Zweitens war der in Haughton (LA) ein Pilot Travel Center. Das hieß mit großer Wahrscheinlichkeit saubere Duschen und auf jeden Fall gute Konditionen mit der CAT-Karte.


    Mittwoch, 25.07.2018

    Ich ging erst mal wieder meinen für die Schönheit geschundenen Arm versorgen und dann frühstücken. Um 20 vor 7 AM Ortszeit fuhr ich los, die Sonne verschwand schon bald hinter Wolken. Als ich den Mississippi überquerte und in den gleichnamigen Staat einfuhr, war es komplett bedeckt.




    Das Wetter besserte sich allerdings ohne Regen wieder. Als ich in Jackson auf die Spaghetti Junction zwischen I-20 und I-55 zusteuerte, war es schon wieder sonnig. Wenigstens blieb ich auf der I-20, das war hier die einfachste der möglichen Übungen.




    Auch an der Toomsuba Weighing Station musste ich wieder raus. Und weil ich immer noch zu schwer sein musste, griff ich schon mal zur Mappe mit den Frachtpapieren und dem Overweight Permit. 82,896 zeigte sie diesmal, die Tanks waren etwas voller. Der Vorteil war, sobald ich ein Permit hatte, musste ich mir um gar nichts mehr Gedanken machen. Das Permit galt automatisch bis 90.000 lbs, mein Truck war für 87,200 zugelassen, aber selbst vollgetankt konnte ich mit dem 966M Radlader als schwerste Ladung, die man bei CAT ohne Class 9 License bekommen konnte, 87,000 lbs nicht ganz erreichen.

    Wieder wurden alle Unterlagen genauestens kontrolliert, ich musste wieder mein E-Log übermitteln und wieder war mein einziger Verstoß von einer Minute in den letzten Wochen nicht wirklich schlimm. Eine ansonsten saubere Statistik zahlte sich bei so einer Minimalabweichung eben aus.

    Weil es mal langsam Zeit wurde, blieb ich gleich für eine kleine Pause stehen und machte mir im Fahrerhaus ein Sandwich. Außerdem hatte die Station ein sauberes Waschbecken in der „Kundentoilette“, also schnappte ich mir die medizinische Seife und ging mal wieder den Arm waschen.

    Kurz bevor ich in Tuscaloosa bei Coastline ankam, wurde der nächste Auftrag angefordert. Wenigstens blieb mir heute die Freilufttoilette dort erspart. Ich wurde meine Raupe wieder beim gleichen Vorarbeiter los wie letzte Woche und sah nach, was mich als nächstes erwartete.

    PICKUP: ALTUS-CAT-SF
    DESTIN: OKLAW-BZH
    TRAILER: 235
    LOAD: 907M
    WEIGHT: 12,677
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP


    Irgendwie hatte ich wohl gerade einen solchen Takt mit meinen Ladestellen, dass Evan mein persönlicher Dispatcher geworden zu sein schien. Nach alle den schweren Lasten dieser und der letzten Woche war es mal eine leichte Ladung. Der 907M war das zweitleichteste Gerät im ganzen Produktprogramm von CAT.

    Auch in der Gegenrichtung wurde ich lustigerweise wieder in Toomsuba raus genommen. Ob es verdächtig war, wenn man die gleiche Waage kurz hintereinander in beiden Richtungen passierte? Mit 47,005 lbs. war ich aber so leicht, dass ich mich für eine grüne Ampel qualifizierte und gleich wieder auf die Interstate durfte.

    Diesen sehr ausgewogenen Tag beendete ich dann auf dem Flying J Travel Center in Jackson (MS).


    Donnerstag 26.07.2018

    Wie so oft ging es wieder vor 7 Uhr morgens los. Nach ereignislosen fünfeinhalb Stunden Fahrt steuerte ich für eine Mittagspause den Dukes Travel Plaza in Canton (TX) an. Am erwähnenswertesten während des Nachmittags war dann auch die Skyline von Wichita Falls (TX).




    Außerdem wurde in meiner Nordamerika-Karte Oklahoma mit der Anlieferung bei Beazer in Lawton vom gelben Staat, wo ich nur durchgefahren war, zu einem grünen, wo ich auch geladen hatte. Ob ich aufgrund der Meldung nun rot sehen sollte, musste ich mir noch überlegen. Denn ich hatte für heute noch fast 3 Stunden Fahrzeit, in denen ich noch die eine oder andere bezahlte Meile zusammen bekommen hätte.

    LOCATION: OKLAW
    ACTION: 14H BREAK
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP


    Da ich auf Youtube von einem deutschen Trucker in Kanada gerade mitbekam, wie es auch laufen konnte, schluckte ich mein Bisschen Ärger mal runter. Da platzten nicht nur einzelne Ladestellen sondern in der Folge ganze Touren. Er musste hunderte Meilen leer fahren und stand einen Reset in der Ferne rum, um dann 2 Tage später für 10 Stunden zu Hause vorbeizuspringen und wieder ein Wochenende in der Ferne zu verbringen.

    Wenn man schon kein Glück hatte, musste es auch noch als einzige Alternative hier einen Loves Travel Stop geben. Also weniger Rabatt. Aber auch die waren wenigstens normalerweise in einem ganz brauchbaren Zustand. Dachte ich wenigstens, aber leider brillierte dieser winzige Truck Stop durch zwar saubere Toiletten, aber keine Duschen. Das Restaurant war ein Subway, für ein Abendessen aber okay.


    Freitag, 27.07.2018

    Um nicht bei Subway zu frühstücken, gab es mal wieder Mini-Wheats. Wie von Evan gewünscht war ich Punkt 6 Uhr abfahrbereit. Mal sehen, wer mir nun sagte, was ich tun sollte.

    PICKUP: TXWIF-CAT
    DESTIN: KYLOU-CAT
    TRAILER: 9669
    LOAD: CB8
    WEIGHT: 20,878
    DISPATCH: MABOS-CAT-BRW

    Das würde sehr eng, noch nach Hause zu kommen, denn erst mal durfte ich nun Bobtail fast eine Stunde in die Gegenrichtung fahren und dann mit Ladung wieder zurück. Und ich war mir schon fast sicher, dass das die anderthalb Stunden waren, die mir am Ende fehlen würden.

    Im Dämmerlicht tauchte dann nach 27 Minuten Fahrt Wichita Falls in der topfebenen Steppe auf. Aber noch war ich ja nicht bei CAT, da sollte die Viertelstunde noch für drauf gehen.




    Als ich angekommen war, fehlte der Vorarbeiter aber noch. Ich stellte das E-Log also auf Pause und wartete 22 Minuten, bis es an der Tür klopfte. 19 Minuten für die anschließende Übergabe waren jetzt insbesondere mit einer eher einfach zu übergebenden Walze auch nicht rekordverdächtig, zählten aber leider auch zur Arbeitszeit.

    2 Stunden nachdem ich hier auf die I-44 aufgefahren war, passierte ich wieder Lawton (OK). Auch dieser Tag war nicht wirklich spektakulär. Die Landschaft entlang der I-44 bis Oklahoma City war nicht sonderlich inspirierend, danach wurde es zwar etwas hügeliger und die Natur üppiger, aber so richtig toll war das auch nicht mehr, wenn man es sowieso schon kannte.

    Schaffte ich es noch, die Mittagspause auf dem Pilot Travel Center in Joplin (MO) zu verbringen, hatte ich für die Nachtruhe komplett versägt. Es wurde die Rest Area Mid America Airport in der Nähe von St. Louis. Also gab es nichts außer einer Toilette, die auf diesen Rest Areas oft auch nicht die besten und saubersten waren. Dazu ein paar Automaten. Also beschloss ich, fürs Abendessen mal den Grill anzuwerfen.


    Samstag, 28.07.2018

    Dass das befürchtete eintreten würde, war mir schon gestern klar gewesen. Die Zeit sollte nicht mehr reichen, um nach Hause zu kommen. Nicht mal mit Schummeln und nach dem Abladen auf Privat weiter zu fahren. Punkt 11:40 AM war ich bei CAT in Louisville. Und auch in Boston war man der Meinung, dass ich es nicht nach Hause schaffte. Nicht mal einen kleinen Auftrag um die Ecke gab es noch.

    LOCATION: KYLOU
    ACTION: 42H BREAK
    DISPATCH: MABOS-CAT-BRW


    Also fuhr ich zu einem Motel, stellte den Truck ab und sah in die Statistik, nachdem ich mich ins Wochenende gemeldet hatte. Während ich in Isotrak durch die Auswertung blätterte, meldete sich mein Handy, dass ich eine Whatsapp bekommen hatte. Aber erst mal die Zahlen.

    WEEK DRIVE: 56:00 HRS
    WEEK WORK: 64:11 HRS
    WEEK START: MO:09:04 AM
    WEEK END: SA:11:59 PM
    WEEK FRAME: 5D:02H:47M
    WEEK MILES: 3,170
    REVENUE MILES: 3,110
    PERFORMANCE: 98.1%
    WEEK PAYLOAD: 105,957
    SH TON MILES: 41,752
    WEEK FUEL ECO: 6.3 MPG
    WEEK AVG SPEED: 56.6 MPH

    Ich war erstaunt, aber tatsächlich, mit unter 60 Meilen war die Leerfahrt von Lawton nach Wichtia Falls ein Katzensprung gewesen, wenn ich verglich, was ich sonst Bobtail zwischen Philadelphia und New York, Baltimore oder Washington verballerte. Die genutzte Arbeitszeit und damit auch die erreichbaren Meilen ließen noch Luft nach oben, aber anderen erging es schlechter zurzeit. Wenn ich fuhr, dann wenigstens unter Last. Die war allerdings diesmal in der Summe eher klein gewesen. Das machte sich immerhin positiv im Verbrauch bemerkbar.

    Und nun wollte ich mal sehen, wer mir geschrieben hatte. Es war mein Chef-Dispatcher Brian von seinem privaten Handy. Erschrocken starrte ich die Nachricht an.
    „Sorry, bis nach Hause hat es nicht mehr gereicht. Aber ich bin mir sicher, Du wirst Dich auch in Louisville nicht langweilen, mein Freund Malik Al-Sayf!“

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Kommentare 10

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    ramocharly -

    Cooles Kapitel. Womit erstellst Du diese Statistiken ? Softwaretool oder Papier und Bleistift ?

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      TurboStar -

      Danke. Die Statistiken kommen direkt aus dem Spiel (Verbrauch, Meilenstände) oder entstehen als Abfallprodukt meines "E-Log" in Excel. Muss ich nur ein paar normalerweise nicht benötigte Sachen wie Auftragslänge und Gewicht mit eintragen und habe entsprechende Formeln angelegt, die die Wochenstatistik ausrechnen.

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    elwime -

    Schöne Geschichte

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben.

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel. Manchmal kann es dann doch von Vorteil sein, anstatt eines gelben Peterbilt einen weißen Kenworth zu fahren. ;) Jedenfalls hatte ich keine Kontrollen.

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      TurboStar -

      Danke. Der Kenworth hätte ruhig gelb sein können. Ist ja kein Peterbilt ;)

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    loddi51 -

    Schönes Kapitel und klasse Fotos.