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45. Von einer Zugmaschinenbestellung und einer Tour nach Kanada

  • Samstag, den 18. August 2018, mittags, Sacramento, CA:

    Nachdem unsere Bewerber alle gegangen waren, hatten sie zwei ratlose Personen zurückgelassen. Keela saß mir im Büro gegenüber und grübelte. „Die Hälfte der Kandidaten können wir wohl schon mal ausschließen.“ „Das sehe ich genauso. Ben, Daniel und Ronald sind bei mir schon mal raus. Robert Hastings ist zwar super sympathisch, ihm fehlt aber die Erfahrung. Im Zweifel würde ich ihn aber noch einstellen, wenn sich das mit den beiden anderen erledigt hat.“ „Ja. Robert Hastings war echt nett. Ich weiß aber nicht, ob jemand der verheiratet ist und zwei Kinder hat, wirklich wochenlang von zu Hause wegbleiben will.“ „Fährt unser zweiter Truck denn so weit wie ich?“ „Langfristig sicher. Ich würde zwar zum Einarbeiten die ersten Monate kürzere Touren planen und das dann langsam steigern, aber irgendwann wird der zweite Truck auch von Küste zu Küste fahren.“ „Der einzige, der das gewohnt ist, wäre Robert Lincoln. Der ist im Moment ein wenig mein Favorit.“ „Ich tendiere ein wenig mehr zu George. Erstens ist er Walmart Fahrer und zweitens sehr erfahren.“ „Du hast gehört, was Robert Lincoln gesagt hat. Er hasst Vorurteile. Sowohl was die gegen Swift Fahrer angeht, als auch die Gegen Farbige.“ „Mit letzterem habe ich gar keine Probleme. Ich weiß zwar nicht, ob es nicht, gerade in den Südstaaten, zum Teil immer noch Probleme mit Rassenhass gibt, aber da mache ich mir keine Gedanken. Von der Qualität her sehe ich George aber als den Erfahreneren an.“ „Bei einem Fahrer, der im Alter unserer Eltern ist, habe ich eher Angst, dass er vielleicht häufiger krank ist.“ „Wie George schon sagte, ist er eigentlich nie krank. Was die Zukunft bringt, weiß ich natürlich nicht.“ „Was meinst du denn, wird Dad zu einer vorzeitigen Freistellung von George sagen?“ „Das wird ihm nicht gefallen. Auch, wenn er ihm ja nicht wirklich verloren geht. Er fährt ja dann weiter für Walmart. Vielleicht können wir Frank ja überzeugen.“ „Wir werden sehen.“ „Dann lass uns umziehen. Du willst mich ja sowieso mit zu NorCal Kenworth schleppen. Vorher möchte ich aber noch was essen gehen.“ „Was schlägst du vor?“ „Ich habe mal wieder Lust auf Pizza.“ „Dann lass uns die Norwood Avenue gleich einfach bis hinter die I-80 fahren.“ „Round-Table Pizza?“ „Genau.“ „Einverstanden.“

    Wir gingen nach oben und zogen uns geschäftsmäßig an. Als ich Keela dann im Marineblauen Business Kostüm mit weißer Bluse, Nylons und High Heels sah, bekam ich bald den Mund nicht mehr zu. „Wow.“ Entfuhr es mir. „Stehst du auf den Look?“ fragte sie erstaunt. „Sieht einfach super aus.“ „Ich komme mir aber irgendwie verkleidet vor. Das bin nicht ich, was du hier siehst.“ „Na, ja. Ich bin es auch nicht gewohnt einen Anzug zu tragen.“ „Als wir uns kennengelernt haben, dachte ich aber, dass das genau dein Ding sei. Da bist du öfter in deinen Edelklamotten bei mir angekommen.“ „Da habe ich auch noch gedacht, das würde dich beeindrucken.“ „Für mich war das dann eher das Spießer Outfit.“ Lachte sie. „Können wir trotzdem gehen, Miss Ryan?“ „Aber sicher, Mr. Murdock.“

    Wir holten meinen Ford aus der Halle. „Oder sollen wir die Bikes nehmen?“ grinste ich. „Du glaubst doch nicht, dass ich in den Klamotten auf die Harley steige.“ Lachte sie. „Wäre aber heiß, wenn dein Rock so weit hochrutscht.“ „War mir schon klar, was du meinst. Außerdem, versuche mal in den Schuhen einen Gang zu finden.“ „Okay, wir nehmen den Ford.“ Wir stiegen ein und fuhr nach Glenwood Meadows. In dem Stadtteil, nördlich der I-80 lag das Restaurant. Dort genossen wir dann erstmal in Ruhe unsere Pizzas.

    Nachdem wir unsere Mittagspause beendet hatten, fuhren wir ins nahgelegene Industriegebiet Norwood I-80. Als wir auf der Norwood Avenue die I-80 überquert hatten, bekam Keela ein freches Grinsen. „Bieg da vorne bloß nicht nach rechts ab. Du musst nach Links.“ „Hast du Angst, dass ich versehentlich zum Sacramento Truck Center fahre?“ lachte ich. Das lag im Gewerbegebiet auf der anderen Seite der Norwood Ave. „Wir wollen weder einen Freightliner, noch einen Western Star.“ Meinte Keela mit einem Grinsen. „Hinterher musst du dich dabei auch noch entscheiden. Das reicht, wenn wir das beim Fahrer müssen.“ Ich bog also, wie verlangt nach links ab. Von der Harris Ave ging es dann wieder links in den Display Way. Am Ende der Sackgasse lag dann auf der linken Seite NorCal Kenworth.

    Wir gingen zum Verkaufsbereich, wo wir bereits von David Johnson erwartet wurden. „Hallo Mr. Murdock. Schön Sie zu sehen.“ Er wandte sich an Keela: „Sie sind Mrs. Murdock?“ „Noch nicht ganz. Keela Ryan, die Verlobte von Marc Murdock.“ „Sehr angenehm. Kommen Sie durch.“ Er geleitete uns zu seinem Schreibtisch. Dort bot er uns was zu trinken an. Ich nahm einen Kaffee, Keela ein Wasser.
    Dann kam Johnson zum Thema. „Bei unserem Telefonat gestern deuteten Sie an, dass Sie eine zweite Maschine erwerben wollen.“ „Das ist korrekt.“ „Sie sagten auch, dass ein W900 aus Vertragsgründen bei Ihnen nicht mehr in Frage kommt. Wie sieht das denn mit Ihrem aktuellen W900 aus? Immerhin ist die Maschine erst ein knappes Jahr alt.“ „Da besteht Bestandsschutz.“ Antwortete Keela. „Ich habe einen guten Einblick in die Gepflogenheiten bei Walmart Transportation, da ich dort arbeite.“ „Eine sehr zweckmäßige Verbindung.“ Stellte Johnson fest. „Was aber nicht der Grund für unsere Beziehung ist.“ Stellte ich klar. „Das wollte ich damit auch nicht andeuten.“ „Die aktuelle Maschine bleibt im Fuhrpark und wird von einem Fahrer übernommen. Das aktuelle Fahrzeug ist dann wieder für mich.“ „Okay. Wenn es für Sie als Owner Operator ist, vermute ich, dass es kein Truck in der Vantage Version werden soll. Das wäre die Flotten Variante.“ „Was ist die Alternative?“ fragte Keela. „Die Diamond VIT Version mit hochwertigeren Materialien im Innenraum.“ „Beim W900 hatte ich auch nur die Splendor Variante genommen.“ Bemerkte ich. „Das war Ihre erste Maschine. Da war das Kapital ja auch nicht allzu groß. Ich denke, Sie sollten sich als Chef schon was gönnen.“ „Kommt auf die Kosten an.“ „Ich werde Ihnen gleich einfach beide Versionen zeigen, dann können Sie selber entscheiden.“ „Klingt gut.“ „Sie fahren aber immer noch im Long Haul Bereich.“ „Korrekt.“ „Das heißt Sie sind auch mal über den Reset im Truck?“ „Bisher habe ich mir meistens ein Motel genommen.“ „Gut Ihren W900 hatten wir ja seinerzeit aus Kostengründen nur mit dem 72 Inch Sleeper geliefert. Vielleicht hätten Sie den 86 Inch Studio Sleeper nehmen sollen. Aero Cab waren ja beide.“ „Lassen Sie uns nicht über den W900 reden, sondern über den T680.“ Sagte ich. „Kein Problem. Hier empfehle ich Ihnen für Ihren Bedarf den 76 Inch High Roof Sleeper. Das ist einer der größten in der Klasse. Der Wettbewerb bietet zwar auch noch längere Sleeper an, wir haben hier aber den optimalen Kompromiss aus vergleichsweise kompakter Außenlänge und hohem Platzangebot im Sleeper.“ „An sowas dachte ich.“ „Wie sieht es mit dem Antriebsstrang aus? Bei dem W900 hatten Sie ja den Paccar MX13 mit 455 PS und 13 Gang Fuller Getriebe.“ „Richtig. Eine Leistungskategorie höher wäre nicht schlecht.“ „Gut bei den Motoren könnte ich Ihnen dann den Paccar MX13 in der 510 PS Version anbieten. Alternativ haben wir den Cummins X15 im Angebot.“ „Wozu würden Sie mir raten?“ „In dieser Klasse zu dem Paccar MX13. Zwei Liter Hubraum weniger bedeuten auch etwas weniger Verbrauch. Das Drehmoment liegt ähnlich. Bei Leistungen über 510 PS haben wir dann aber keine Alternative mehr. Da bleibt uns nur der Cummins X15. Dieser dann in verschiedenen Leistungen bis hin zu 605 PS.“ „Wir wollen ja auch nicht übertreiben.“ Sagte Keela mit einem Lächeln. „Als Getriebe würde ich Ihnen das Eaton Advantage 10 gang Automatikgetriebe empfehlen.“ „Nein, danke. In der Hinsicht bin ich Old School. Ich möchte weder ein Eaton, noch ein Allison Automatikgetriebe. Ich liebe dabei die gute, alte Handarbeit.“ „Wirklich? Mit den neuen Satellitengestützten Tempomaten erkennt die Elektronik den Berg viel früher, als Sie es können. Auch die Schaltgeschwindigkeit ist sicher schneller, als bei Ihnen.“ „Sowas hat mir Denise Snyder auch schon versucht zu erklären.“ Johnson schluckte einmal kräftig. „Sie waren bei Bay Truck Sales?“ „Das bot sich an. Miss Snyder und ihre Mutter gehören zu unserem erweiterten Bekanntenkreis.“ Keela musste sich ein Lachen verkneifen. Julie Snyder kannten wir ja gar nicht und Denise auch nur über David Lion, wobei ich sie ja kürzlich persönlich kennengelernt hatte.
    „Gut. Sie sind ja jetzt hier und nicht bei Volvo.“ Fuhr Johnson fort. „Selbstverständlich haben wir auch Trucks mit manuellem Getriebe.“ „Das freut mich.“ „Die modernen Sicherheitsfeatures funktionieren aber auch in der Kombination mit der Automatik besser.“ „Das ist mir gleich.“ „Sie versuchen uns hier was zu verkaufen.“ Begann Keela. „Mein Verlobter hat Ihnen aber auch am Telefon gesagt, dass wir den Truck bereits zum 1. September einsetzen wollen. Anstatt hier über Getriebe zu philosophieren, sollten Sie uns lieber mal zeigen, was Sie auf dem Hof haben.“ „Das kann ich machen. Da wir aber auch noch Fahrzeuge in unseren anderen Standorten in Anderson, Morgan Hill und San Leandro stehen haben, die eventuell in Frage kommen, ist es schon wichtig, die Bedürfnisse einzugrenzen.“ „Wir sind aber hier und nicht in Morgan Hill oder sonst wo. Ich würde jetzt gerne die in Frage kommenden Trucks sehen.“ „In Ordnung.“ Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Keela gab hier richtig die harte Geschäftsfrau.

    Johnson tippte ein paar Sachen in seinen Computer, dann holte er ein paar Schlüssel aus dem Safe. „Bitte folgen Sie mir.“ Wir gingen nach hinten auf den Hof, wo mehrere T680 mit High Roof Sleeper standen. „Den ersten, den ich Ihnen jetzt zeige, habe ich nur in die Wahl genommen, weil Sie die Vantage Version sehen wollten." Wir gingen zu einer Zugmaschine, bei der auch die Stoßstange und die Seitenverkleidungen in unlackiertem Kunststoff waren. Er schloss die Maschine auf und ließ uns einsteigen.
    Dabei fiel mir als erstes der Klobige Wählhebel der Automatik in der Konsole auf. Das Armaturenbrett war aus dem typischen amerikanischen, grauen Billig Plastik. Ebenso die kompletten Auskleidungen der Kabine. Der Boden war mit einem robusten Gummibelag ausgelegt. Die Sitze waren mit einem robusten Stoffbezug bespannt. Platz war aber wirklich reichlich in der Kabine. Das wusste ich ja auch schon von dem Vorführer.
    Das stellte dann jetzt auch Keela fest, die den T680 ja noch nicht kannte: „Wow, hier drin kann man ja tanzen.“ War dann ihr Kommentar. „Der Vorteil ist, dass der Sleeper nicht einfach drangesetzt wurde, wie es bei Ihrem W900 ist, sondern dass er richtig integriert ist. Bis nach vorne zum Fahrerplatz.“ „So ist das beim Volvo und beim Freightliner ja auch.“ „Wir haben halt von der Konkurrenz gelernt.“ „Die Materialien sind wirklich nicht so schön.“ Stellte Keela fest. „Das wirkt im W900 schöner. Sagten Sie, dass der eine einfache Version ist?“ „Das stimmt. Ich habe letztes Jahr nicht die teure Ausstattung genommen.“ „Die gefällt mir in unserem Truck aber trotzdem besser, als in dem hier.“ „Diesen hier sollten Sie sich ja auch nur mal im Vergleich ansehen.“ Meinte Johnson. „Darf ich Sie jetzt zu den in Frage kommenden Trucks bitten?“ Wir stiegen aus. Johnson verschloss den Truck wieder und ging zu den anderen Trucks.

    Dort angekommen, störte mich am meisten die Farbe der Trucks. Die meisten waren Rot, Orange und Gelb. „Die müsste ich ja erst noch umlackieren lassen.“ „Welche Farben wären den akzeptabel?“ „Weiß und im Ausnahmefall blau.“ Sagte Keela. „Die meisten weißen Trucks haben Eaton Advantage oder Ultrashift, was das Automatikgetriebe von Paccar ist.“ „Das kommt auch nicht in Frage.“ „Da Sie die Lieferzeit nicht einhalten können und Automatik nicht in Frage kommt, sollten Sie sich wenigstens mal die anderen Fahrzeuge ansehen. Zur Not müssen wir dann lackieren.“ Johnson ging zu einer dunkelrot metallic lackierten Maschine. „Die Maschine ist eigentlich perfekt für Owner Operator. Sie hat alle Annehmlichkeiten. Zwei bequeme Betten, einen großen Kühlschrank, ab Werk eingebaute Standheizung und Standklimaanlage. Dabei natürlich mit dem großen Battery Pack und eingebautem Inverter. 13 Gang Overdrive Getriebe, Ledersitzen Zusätzlichem Stauraum und so weiter.“ Keela und ich stiegen ein. „Das sieht doch gleich ganz anders aus.“ Stellte Keela fest. „Die Materialien sind hochwertiger.“ „Der Truck ist auch in Diamond VIT Version. „Auf Wunsch können wir auch noch weiteres Zubehör einbauen. Der Beifahrersitz ist drehbar, so können sie auch hier am Tisch arbeiten.“ „Nicht ganz so elegant, wie die Sitzecke im Volvo, aber auch nicht schlecht.“ „Kühlschrank mit Gefrierfach ist vorhanden, Mikrowelle und ein 23 Inch Fernseher können eingebaut werden.“ „Dann brauchst du ja gar nicht mehr in den Truckstop zum Essen.“ Meinte Keela lachend. „Wie sehen die Verbrauchswerte aus?“ „Der T680 hat den günstigsten Verbrauch seiner Klasse.“ „Komisch. Das behaupten Freightliner und Volvo auch.“ „Selbstverständlich ist er auch SMARTWAY zertifiziert.“ Fuhr Johnson unbeirrt fort. „Wenn er nicht rot wäre, dann wäre das genau mein Truck.“ Johnson nickte. „Dann muss er wohl in die Lackiererei.“ Wir stiegen wieder aus. Johnson schloss wieder ab.

    Auf dem Weg zurück ins Büro hielt er auf einmal inne. „Moment mal. Wir haben da doch noch…“ Er lief in Richtung Werkstatt und warf einen Blick hinein. „Genau. Das wäre ideal.“ Er wandte sich zu uns um. „Kommen Sie doch mal mit. Achten Sie in der Werkstatt aber darauf, dass Sie sich nicht schmutzig machen.“ In der Werkstatt stand dann noch ein weißer T680.

    „Diese Maschine wollten wir zum Ausstellungstück und Vorführer machen. Bei dem wollten wir zeigen, was möglich ist.“ „Der ist doch schick.“ Sagte Keela. „Von außen haben wir nicht viel geändert. Der Truck hat spezielle Felgen und das komplette Verkleidungs-Paket. Dann haben wir die Spiegel an der Haube angebaut. An der Seite hat die Maschine eine Leiste mit zusätzlichen Marker Leuchten. Außerdem haben wir eine Stoßstange aus poliertem Edelstahl verbaut. Das kann man aber auch wieder zurückbauen.“ „Das ist nicht nötig. Die gefällt mir.“ „Ansonsten ist der ähnlich ausgestattet, wie der Rote eben. Zusätzlich hat er ein 6x4 Aggregat. Normal ist ja 6x2. Dann die größten Tanks, die machbar sind. In der Innenausstattung ist er komplett. Alles was wir bieten können ist drin. Inklusive großem Kühlschrank mit Gefrierfach, Mikrowelle, Fernseher, Soundpaket mit zusätzlichen Lautsprechern, Natürlich mit Inverter, Battery-Pack und Standklima.“ „Jetzt kommts.“ Lachte Keela. „Der hat aber Automatik.“ „Nein.“ Widersprach Johnson. „Der hat sogar die 18-Gang Schaltbox. Trotzdem hat er alle Sicherheitsfeatures. Abstandstempomat, Spurassistent, Kollisionswarner und Side Object Detection.“ „Der Haken ist der Preis.“ Mutmaßte ich. „Natürlich ist der etwas teurer, als die anderen. Wenn der Rote aber komplett umlackiert werden muss, kostet das ja auch Geld.“ „Wobei wir ja so oder so eine Beschriftung aufbringen müssen.“ Sagte Keela. „Je nachdem, wie aufwändig die wird, lässt sich das aber vermutlich mit Folien machen.“ „Das sollte gehen. Ich denke an eine Beschriftung in der Art, wie beim W900.“ „Darf ich den Truck designen?“ fragte Keela auf einmal. „Kannst du sowas?“ „Ich muss dir ja mal beweisen, dass ich auch kreativ sein kann.“ „Okay. Dann überrasch mich.“ „Leider habe ich keine Programme für sowas.“ „Dann kommen Sie hier vorbei. Wir haben alles Notwendige.“ „Erstmal brauche ich jetzt ein Finanzierungsangebot, was ich nicht ablehnen kann.“ „Das mache ich Ihnen fertig.“

    Wir gingen ins Büro, wo Johnson fleißig am Computer tippte. „Muss ich was in Zahlung nehmen?“ „Nein.“ „Umso besser. Dann kann ich noch mehr an Rabatt geben. Ein Paar Ausstattungsdetails werde ich auch nicht berechnen. Wenn ich jetzt die Spiegel wieder abnehmen müsste, hätte ich ja Löcher in der Haube. Also bleiben die ohne Berechnung. Gleiches gilt für die 6x4 Version und die 18 gang Schaltbox. Wir hatten ja über einen 6x2 mit 13 Gang Overdrive gesprochen. Das wäre günstiger, lässt sich aber schlecht zurückbauen.“ „Verbraucht der 6x4 eigentlich mehr?“ „Geringfügig. Das bleibt ja auch nicht aus. Sie werden aber auch feststellen, dass Sie im nächsten Winter eine bessere Traktion haben, als die Kollegen mit 6x2.“ „Okay.“
    Johnson legte mir das Angebot vor. Beim ersten Blick schluckte ich erstmal. Der Truck war doch ein gutes Stück teurer, als der W900. „Den Mehrpreis zu Ihrem alten holen Sie aber über die Verbrauchersparnis wieder raus.“ „Das will ich hoffen.“ Keela warf auch einen Blick darauf. „Das ist viel Geld, ich bin aber trotzdem einverstanden. Lieber jetzt etwas mehr bezahlen, als hinterher draufzahlen.“ „Wir haben noch gar nicht über das E-Log und die Satellitenkommunikation gesprochen.“ Merkte Johnson an. „Da sind wir immer noch bei ORBCOMM.“ Sagte Keela. „Warum habt ihr denn kein Omnitracs?“ „Das müssen Sie schon in Bentonville fragen. Ich vermute aber mal, weil ORBCOMM auch führend im Bereich der Online Reefer Überwachung ist. So wird gleich Alarm bei uns ausgelöst, wenn irgendwo ein Kühlaggregat bei den Trailern spinnt. Außerdem können wir auch die Trailer damit orten. Da hat es nahe gelegen, auch die Satellitenkommunikation über das System zu machen. Eigene E-Log Systeme gibt es da auch.“ „Okay. Das ist ein Punkt. Da haben wir aber das gleiche Problem, wie im vergangenen Jahr. Im ganzen Bereich von NorCal Kenworth wird das nicht verbaut. Die nächsten Kenworth Standorte sind Elko, Nevada oder LA.“ „Dann muss ich die Maschine halt wieder dort abholen.“ „Das könnte man ja mit einem Wochenende in LA verbinden.“ Überlegte Keela. „Da wollte ich immer schon mal hin.“ „Wenn LA das zeitlich hinbekommt. Elko hat immer die besseren Termine.“ „Wir werden sehen. Der Übergabetermin zum 1. September ist mir wichtiger.“ „Okay. Dann bekomme ich hier noch die Unterschriften auf dem Kaufvertrag.“ „Muss ich da auch mit unterschreiben?“ wunderte sich Keela. „Du bist auch Gesellschafterin, also ja. Solche Investitionen müssen wir beide unterschreiben.“ „Dann habe ich ja jetzt was gut bei dir.“ Lachte Keela. Sie unterschrieb den Vertrag dann ebenfalls. „Dann danke ich Ihnen.“ Sagte Johnson. „Leider habe ich jetzt keinen Champagner hier, um darauf anzustoßen. Wir haben aber gute Beziehungen zu einigen Weingütern aus der Region. Dann gibt es wenigstens kalifornischen Sekt. Ich lass Ihnen eine Kiste zukommen.“ „Vielen Dank.“ Wir verabschiedeten uns und verließen den Händler.
    „Shopping mit dir ist aber verdammt teuer.“ Lachte Keela draußen. „Auf jeden Fall teurer, als ich dachte.“ Wir fuhren dann nach Hause. „Willst du jetzt noch mit der Harley los?“ fragte ich Keela. „Lieber zu Hause mit dir kuscheln.“ „Das ist mir sogar sehr recht.“

    Den Samstagabend verbrachten wir dann gemütlich zu Hause. Wir genossen es, dass wir zusammen waren. Keela gab dann auch zu, dass sie heute Pacifica gar nicht vermisste, da sie hier mit mir zusammen war. Ich gab dann auch mein Bestes, um sie von Pacifica abzulenken. Leider geht aber auch der schönste Abend irgendwann vorbei. Wir gingen dann hoch ins Schlafzimmer, wo sich Keela dann wieder an mich ankuschelte. So schliefen wir dann irgendwann ein.

    Sonntag, den 19. August 2018, 8:00 am, Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    An Ausschlafen war an diesem Sonntagmorgen nicht zu denken. Mein Reset würde um zehn Uhr enden und bei Walmart war eigentlich immer reichlich zu tun. Ich brauchte also nicht davon auszugehen, dass mich Danny länger, als nötig zu Hause bleiben ließ. Keela oder ich könnten ihn natürlich darum bitten, die Bitte würde er wahrscheinlich auch nicht abschlagen, da wir aber gestern die zweite Maschine geordert hatten, brauchten wir auch jeden Cent, den wir verdienen konnten. Auch Keela hätte gerne noch weiter gekuschelt, hatte aber auch den gleichen Gedanken, wie ich. Wir standen also auf und gingen ins Bad. Dort konnten wir dann immerhin noch zusammen duschen.

    Als die gemeinsame Dusche erledigt war, zogen wir uns an. Da Keela zu ihrem engen T-Shirt eine Lederhose anzog, ging ich davon aus, dass sie gleich biken wollte. „Doch nicht nach Pacifica?“ fragte ich sie. „Da sitze ich ja dann länger im Savana, als ich auf dem Board bin. Ich hab morgen Frühsticht, da kann ich ja auch nicht mehr dort übernachten.“ „Ich hoffe, ich habe dir jetzt gestern nicht das Wochenende versaut.“ „Quatsch. Wenn ich so sehr aufs Surfen versessen wäre, würde ich heute auch noch fahren, oder ich hätte dich gestern alleine zu NorCal Kenworth geschickt.“ „Verstehe.“ „Manchmal muss man Prioritäten setzen. Heute ist dann halt Hobby Nummer zwei dran. Das bleibt im Sommer eh ein bisschen auf der Strecke, wenn Surfsaison ist.“ „Zumal du ja nicht mehr zur Arbeit fährst.“ „Das ist aber trotzdem besser. Mal eben über die Straße gehen ist besser, als mit der Harley durch den Berufsverkehr fahren. Dafür ist das Bike auch nicht gebaut.“
    Keela ging schon mal in die Küche runter. Ich hingegen, packte noch ein paar Sachen zum Mitnehmen ein. Anschließend folgte ich ihr dann in die Küche. Dort frühstückten wir dann noch in Ruhe zusammen. „Weißt du schon, wo es gleich hingeht?“ „Keine Ahnung. Warum?“ „Ich könnte dich ja noch ein Stück mit der Harley begleiten.“ „Wenn du dir das antun willst.“ „Stimmt auch wieder. Bei 55 ist ja bei dir Schluss.“ „Außerdem kann ich mir was schöneres vorstellen, als auf der Interstate hinter einem Truck herzufahren.“ „Das stimmt.“ „Zu 90 Prozent geht es doch dann von hier auf die I-5 in Richtung Süden oder die I-80 in Richtung Osten.“ „Da würde ich jetzt mit dem Bike letzteres vorziehen.“ „Dann schleichst du aber nicht mehr mit 55 hinter einem Truck her, sondern je nach Ausladung, mit 35.“ „Hast ja recht. Das bringt’s nicht.“ „Fahr du mal lieber alleine in die Sierra Nevada. Dann hast du noch was vom Tag.“ „Okay.“ Nach dem Frühstück räumte Keela das Geschirr in die Spülmaschine und ich setzte mir noch eine Kanne Kaffee auf. Anschließend war es dann zehn Uhr und ich musste zum Truck.
    Keela half mir, indem sie mir noch Vorräte, die ich mitnehmen wollte, runterbrachte. Ich hatte in der Zeit schon auf PTI gestellt und räumte dann meine Sachen in die Schränke.
    Auf einmal kam die Meldung: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Keela wollte sich mein Tablet schnappen, aber ich war schneller. Auf dem Display fand ich dann folgenden Auftrag:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 08
    TRAILER: RE53579
    FREIGHT: FROZEN FOOD
    WEIGHT: 33,160 LB
    DROP: CST-CAEUR
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: TRANSFER TO THE CENTRAL STORE EUREKA

    WAT-CASAC-DSN.

    „Und? Was bekommst du?“ fragte Keela neugierig. „Eine, angeblich wichtige Umlagerung nach Eureka.“ „Danny schickt dich am Sonntag mit einer Umlagerung nach Eureka los? Was soll das denn?“ fragte Keela etwas sauer. „Da sich Danny in der letzten Zeit gut entwickelt hat, würde ich mal sagen, dass da ein Sinn hinter steckt, den wir jetzt noch nicht sehen.“ „Normal hast du recht. Seit Danny mit Gina zusammen ist, hat er sich etwas verbessert. Früher war ihm egal, ob die Fahrer überziehen müssen, oder ob sie am Wochenende zum x-ten Mal nacheinander draußen stehen. Ich glaube, da hat Gina einen guten Einfluss auf meinen Kollegen.“ „Siehst du und deshalb glaube ich, dass er mich wahrscheinlich im Nordwesten braucht. Vielleicht steht dort am Lager eine wichtige Ladung.“ „Vielleicht ja auch schon ab E & J Gallo, ich weiß nicht, wie früh der Wein dieses Jahr dran ist.“ „Das kann schon sein. So viel Winter hatten wir ja hier nicht.“ „Wir werden sehen. Welche Strecke fährst du denn da?“ Über die I-80 und CA-37 nach San Rafael und dann über die US-101 nach Eureka.“ „Dann fahr doch besser alleine. Ich möchte doch lieber in die Berge.“ „Klar. Mache ich.“ „Wir können ja heute Abend mal telefonieren, wo du hinmusst.“ „Machen wir.“
    Ich gab Keela einen Abschiedskuss. Darauf grinste sie wieder frech. „Noch einen bitte.“ Natürlich bekam sie den. „Und noch einen für die Woche.“ Auch den gab es. Dann lass uns mal fahren.“

    Wir machten uns beide auf den Weg, wobei ich erstmal nur auf die andere Straßenseite fuhr. Dort bekam ich dann für Eureka zu meiner Überraschung einen neutralen Trailer. „Der ist aus Eureka und muss wieder dorthin.“ Erklärte mir der Lagermeister. Nachdem ich dann schließlich aufgesattelt hatte, machte ich mich auf den Weg nach Eureka.

    Ich fuhr durch West Sacramento auf dem Weg zur I-80. Dort angekommen fuhr ich in Richtung San Francisco auf. Ich blieb dann bis Vallejo, wo ich auf die CA-37 in Richtung San Rafael fuhr. Über den auch als Sears Point Road bekannten Highway ging es nun am Nordufer der Bucht von San Pablo bis nach Novato, wo ich dann auf die US-101 in Richtung Norden auffuhr. Auf dem sogenannten Redwood Highway sollte es nun bis nach Eureka gehen. Es ging dann an Santa Rosa, Ukiah und vielen weiteren Ortschaften vorbei. Ich zog aber durch, bis ich am Nachmittag gegen halb Fünf Eureka erreichte.

    Um viertel vor Fünf erreichte ich dann das Zentrallager, Eureka, wo meine Ladung hingehen sollte. Da ein Großteil der Ladung so wieder raussollte, durfte ich den Trailer auf der Seite abstellen, wo sonst die Trailer mit den Ausgängen standen. Hier wurde dann noch das abgeladen, was hierbleiben sollte und dafür noch andere Ware beigeladen. Da hatte ich aber nichts mehr mit zu tun.
    Mein nächster Auftrag ging auch nicht von hier los. Im System stand folgendes:

    PICKUP: EJG-CAMKV
    GATE: -----
    TRAILER: RE53EJG
    FREIGHT: WINE
    WEIGHT: 37,000 LB
    DROP: CST-SKKIL
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: TRAILER IS PROVIDED BY E & J GALLO.

    WAT-CASAC-DSN.

    Das Weingut hatte ich vor einem Jahr als Niederlassung Eureka von E & J Gallo kennengelernt, obwohl es noch ein ganzes Stück von Eureka bis dahin ist. Arcata läge schon näher, es lag aber eigentlich in Glendale, im Tal des Mad River. Der Ort gehörte politisch zu McKinleyville, CA so hatte man bei der Neuanlage im ORBCOMM 6.0 auch das Kürzel angelegt.
    Nun verstand ich auch Dannys Einfall, mich nach Eureka zu schicken. Er brauchte einen Long Haul Trucker, der nach Kanada fahren würde. Damit ich nicht leer dahin musste, war der Auftrag nach Eureka die beste Lösung. Ich verließ aber erstmal das Gelände des Zentrallagers und fuhr in Richtung Norden zurück zur US-101.

    Bei Arcata machte ich dann meine kurze Pause. Ich nahm mein Handy und schrieb Keela an, ob ich sie schon anrufen konnte, oder ob sie noch unterwegs war. Die Antwort kam nach zwei Minuten: „Bin vor zehn Minuten wieder zur Tür rein. Entweder rufe ich dich jetzt an oder ich gehe jetzt unter die Dusche.“ Ich schrieb zurück: „Lass uns erst telefonieren. Mache gerade meine kurze Pause.“ Als Antwort klingelte das Telefon. „Hallo Süße, wie war dein Tag?“ „Hat auch mal wieder Spaß gemacht, eine Motorradtour zu machen.“ „Das freut mich.“ „Bist du schon in Eureka?“ „Da bin ich schon wieder weg. Ich bekomme meinen Anschluss bei der Gallo Winery.“ „Ach, wie ich vorhin gesagt habe. Da in dem kleinen Kaff in der Nähe von Eureka.“ „Genau.“ „Und wo geht’s hin?“ „Nach Saskatchewan. Genauer gesagt nach Kindersley. Wir dürfen mal wieder für die Kanadier den Wein über die Grenze bringen.“ „Ist doch schon wieder Saison?“ „Keine Ahnung. In den letzten Jahren hat die Weinlese zum Teil schon mal im Juli begonnen. Normal kommt das erst ab September. Vielleicht ist das auch noch Wein aus dem letzten Jahr.“ „Jetzt wissen wir auch, warum Danny dich nach Eureka geschickt hat.“ „Genau. Wie war das eigentlich mit meiner WD Genehmigung für Oregon?“ „Ich meine, die hätte ich Anfang des Jahres mit der für New Mexico zusammen verlängert. Wobei du die für Oregon im Gegensatz zu New Mexico dieses Jahr noch nicht gebraucht hast.“ „Ich bin aber froh, dass wir die haben. Ich habe auch irgendwie im Gefühl, dass da in Zukunft mehr über uns hingehen wird. Erst recht, wenn wir dann zwei Trucks haben.“ „Kann sein. Ich hab auch gehört, dass wir in Zukunft mehr Oregon fahren werden.“ „Gibt es von dir noch was Neues?“ „Nicht wirklich. Das war eine klasse Tour, die ich gefahren bin. Schade, dass du wieder arbeiten musstest. Deine Maschine steht hier ja genauso viel rum, wie zu der Zeit, als sie noch Liam gehört hat.“ „Okay. Ich werde in der nächsten Zeit mal mehr mit dem Motorrad fahren, wenn ich zu Hause bin.“ „Ich möchte jetzt aber trotzdem duschen. Lass uns morgen weiterreden.“ „Okay. Ich liebe dich. Bis morgen dann.“ „Ich liebe dich auch.“ Wir legten auf.

    Während Keela jetzt duschen ging, machte ich mir im Truck was zu essen fertig. Als ich aufgegessen hatte, war es dann sechs Uhr. Ich stand jetzt schon eine dreiviertel Stunde, also konnte ich sofort wieder los.
    Bis nach Korblex, einem Ortsteil von Arcata blieb ich noch auf der US-101. Hier wechselte ich dann auf die CA-299 in Richtung Redding. Eine halbe Stunde, nachdem ich losgefahren war, erreichte ich dann das E & J Gallo Weingut in Glendale. Hier wurde ich schon erwartet. Wahrscheinlich hatte mich ORBCOMM bereits wieder avisiert.

    Ich bekam dann einen Reefer, dessen Kühlaggregat aber nicht eingeschaltet war. Der Wein musste ja nicht gekühlt werden. Die Werbung, die Groß für meine Ladestelle und deren Produkte warb, störte mich dann aber schon ein wenig, obwohl es schlimmer wäre, wenn für Spirituosen geworben würde. Ich sattelte auf und erledigte die PTI des Trailers. Anschließend holte ich meine Papiere, die auch die Zollpapiere für den Grenzübertritt nach Kanada beinhalteten. Um viertel vor Sieben hatte ich alles erledigt und ich konnte mich auf den Weg machen.

    Über die CA-299, den Trinity Highway, der zum großen Teil am Trinity River entlangführte, ging es nun in Richtung Redding. Der Verlauf glich einer Achterbahn, so bergig und kurvenreich war die Strecke. Eine optimale Route für Motorradfahrer. Für einen Truck mit 53 Fuß Trailer war das nicht ganz so toll.
    Am Abend um Neun erreichte ich dann Redding. Dort wechselte ich den Highway. Über die I-5 ging es nun in Richtung Norden weiter. Mit meiner restlichen Fahrzeit kam ich dann noch bis nach Hornbrook, CA, wo ich an einer kleinen Tankstelle meinen Feierabend einläutete. Ich war recht müde. Daher legte ich mich dann sofort schlafen.

    Montag, den 20. August 2018, 8:30 am, Pacific Daylight Time, Hornbrook, CA:

    Am Montagmorgen um halb Neun stand ich dann wieder auf. Ich setzte im Truck den Kaffee auf und ging dann in die Tankstelle. Mehr als den Toilettengang konnte ich dort leider nicht absolvieren. Die einzige Dusche war im Moment auch noch defekt. Ich ging zurück und erledigte die Körperpflege aus dem Wasserkanister. Mit Keela brauchte ich heute früh auch nicht zu telefonieren. Heute früh war sie im Büro und heute Nachmittag nach dem Feierabend wollte sie zu NorCal Kenworth, wo sie das Styling für meinen neuen Truck am Computer entwerfen wollte. Dort hatte man extra entsprechende Vorlagen, auf denen man den Entwurf machen konnte. Danach wurden dann später die entsprechenden Folien hergestellt.

    Um viertel nach Neun war meine Pause beendet und ich begann mit der PTI. Eine Viertelstunde später machte ich mich wieder auf den Weg in Richtung Norden. An meiner Ladung war dann wohl bis jetzt keiner interessiert. Es waren keine Aufbruch Versuche festzustellen. Ich fuhr zurück zur I-5 und machte mich nun auf den Weg in Richtung Oregon. Das Gebiet war hier schon deutlich von Wäldern geprägt und etwa 30 Meilen später war ich dann auch in dem Staat, der für seine Wälder und sein Holz bekannt war.

    Während die I-5 in Kalifornien noch sehr angenehm zu fahren gewesen war, änderte es sich nun. Die Streckenführung wurde sehr kurvenreich. Entspanntes dahinrollen sah anders aus. Nach und nach wurde die Strecke dann auch noch bergiger. So war ich später auch noch gezwungen, dann und wann den Schalthebel zu betätigen, um nicht zu langsam zu werden. Irgendwie hatte ich da an diesem Morgen nicht mit gerechnet. Daher kam ich auf die Idee, bereits nach etwas über drei Stunden Fahrzeit meine Pause zu machen. Ich musste erstmal was essen.

    Ich fuhr dann in Cottage Grove, OR von der Interstate und hielt an einer Chevron Tankstelle. Hier gab es für die Verpflegung die Auswahl zwischen Mac. Donalds und KFC. Die Auswahl fiel mir dann nicht ganz so schwer. Ich wählte den Spezialisten für Fast Food Hähnchenfleisch aus Kentucky. Ziemlich genau nach einer halben Stunde machte ich mich dann auch wieder auf den Weg.
    Nachdem ich wieder Nordwärts auf die I-5 gefahren war, dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich Eugene erreichte. Ich passierte die Stadt auf der Interstate. Etwas später tat ich das Gleiche mit Salem. Am Nachmittag erreichte ich dann Portland, OR. Hier war dann zwar etwas mehr Verkehr, als ich ihn den Rest des Tages hatte, trotzdem kam ich auch hier gut durch. Kurz darauf verließ ich dann nicht nur Portland, sondern auch Oregon. Ich erreichte den Immergrünen Staat Washington.

    Das nächste mit selbst gesetzte Ziel hieß nun Seattle. Bei der letzten Großstadt vor der Kanadischen Grenze wollte ich meine Tanks noch mal füllen.

    Ich erreichte die Emerald City dann am frühen Abend. Dabei konnte ich den einen oder anderen Blick auf den Puget Sound und das Wahrzeichen der Stadt, der Space Needle werfen. In der Nähe des Hafens hatte ich mir eine Tankstelle ausgesucht, bei der ich die Tanks füllen wollte. Hier kostete der Diesel zwar auch über 3,50 Dollar pro Gallone, aber immer noch besser, als ich Kanada.
    Nachdem die Tanks wieder gefüllt waren, ging es wieder zurück zur I-5 nun ging es weiter in Richtung Vancouver. Bis dahin würde ich dann aber heute nicht mehr kommen. Ich fuhr dann noch zwei Stunden weiter, bis ich Blaine, WA erreichte. Hier, direkt an der Grenze zu Kanada machte ich Feierabend. Ich parkte direkt auf einem der Parkplätze an der Grenze, so konnte ich dort morgen früh direkt mit der Abfertigung beginnen. Ich brachte aber noch die Papiere zur Zollagentur, so konnten die Leute dort schon mal alles vorbereiten.

    An diesem Abend hatte ich jetzt nur noch eine Sache vor, mit Keela telefonieren. „Hallo Schatz, wie war deine Tour heute?“ fragte sie mich. „Hallo Süße. Es war nichts Besonderes. Hauptsächlich hatte ich viel Grün heute. Das ist aber normal, wenn man durch Oregon und Washington State fährt.“ „Warst du auch in Seattle?“ „Ja. Da habe ich nochmal vollgetankt.“ „Cool. Das ist auch eine der Städte, die ich gerne noch mal sehen würde.“ „War mir klar. Da spielen ein paar deiner Lieblingsfilme.“ „Das auch. Ich würde aber auch gerne mal auf die Space Needle.“ „Lässt sich sicher mal einrichten.“ „Du hattest übrigens recht. Airbrush ist im Moment zu teuer für deinen Truck und außerdem reicht die Zeit dafür nicht.“ „Sagte ich doch.“ „So wird dein Truck jetzt nur Zweifarbig.“ „Dann wird er auch nicht zu bunt.“ „Natürlich nicht. Nur weiß und blau, die Walmart Farben.“ „Ist dein Entwurf denn fertig?“ „Ist er. So aufwändig war es ja dann nicht. Bei zwei Farben.“ „Gibt es sonst noch was Dienstliches?“ „Nicht wirklich. Nur, dass Jessy ab heute alleine Spätschicht macht.“ „Okay. Dann lass uns zum Privaten übergehen.“ Wir telefonierten dann noch eine halbe Stunde, danach legten wir uns beide schlafen.

    Dienstag, den 21. August 2018, 6:00 am, Pacific Daylight Time, Blaine, WA:

    Um sechs Uhr klingelte dann mein Wecker wieder. Eigentlich hatte ich noch keine Lust aufzustehen, andererseits würde es an der Grenze voll werden, wenn ich noch lange hier rumstand. Ich stand auf und setzte, wie immer, zuerst den Kaffee im Truck auf. Dann suchte ich mir auf dem Gelände eine Toilette. Nachdem ich die gefunden und benutzt hatte, kam die Kanister Wäsche am Truck. Anschließend erledigte ich die Sachen nicht ganz so, wie ich es auf dem Logbuch eintragen würde. Ich hatte die Pause noch nicht ganz voll, führte aber schon mal die PTI durch. Diese hatte ich dann beendet, als ich sie eigentlich erst beginnen durfte. In der Zeit ging ich jetzt aber schon zur Zollagentur und holte dort meine Papiere ab, die jetzt auch bereits fertig waren. „Du brauchst dir jetzt nur noch bei den US Customs deinen Stempel abholen, dann kannst du zu den Kanadiern rüberfahren.“ Sagte mir der Mitarbeiter der Zollagentur. Ich ging also zu den Behörden, wo schon einiges los war. Viele wollten zu Arbeitsbeginn in Vancouver anliefern und standen nun hier.
    Nachdem meine Dokumente abgestempelt waren, konnte ich zurück zum Truck. Hier hatte ich jetzt eine Viertelstunde PTI und eine Viertelstunde Zollabfertigung auf dem E-Log. Nun konnte ich zur Zollstelle nach Surrey, BC rüberfahren. Das war nur ein paar Yards weiter. Hier stand ich dann nochmal eine knappe halbe Stunde für die Einfuhr nach Kanada. Als ich dann endlich richtig losfahren konnte, war es dann bereits acht Uhr.

    Über die BC-99 ging es dann nun auf Vancouver zu. Hier war um diese Zeit am Morgen natürlich viel los. Trotzdem lief es noch so einigermaßen. In Vancouver wechselte ich dann auf den Trans-Canada-Highway Nummer 1 in Richtung Osten. So sollte es dann erstmal für mich weitergehen. Vancouver hatte ich dann schnell wieder verlassen. Dafür ging es nun in die Berge. Der Südwesten von Kanada war ja von den Columbia Mountains geprägt, an die sich weiter östlich die Rocky Mountains anschlossen. Zuerst ging es dann weiter über den Trans-Canada-Highway 1. Bei Hope wechselte ich dann auf den Coquihalla Highway, der auch Yellowhead Highway Nummer 5 genannt wird. Dieser stellt eine Abkürzung zum Trans-Canada-Highway dar, die aber insbesondere im Winter häufig gesperrt ist. Jetzt, Ende August war er aber offen. Kurz darauf merkte ich aber auch, warum die Strecke im Winter gesperrt wird. Es ging hier so steil den Berg hinauf, dass ich hier mit 20 mph den Berg hochschlich. Im Winter würde man hier garantiert hängen bleiben.

    Ich blieb dann auf dieser Strecke, bis ich Kamloops, BC erreichte. Hier ging es dann wieder zurück auf den Trans-Canada-Highway 1. Ab hier wurde die Strecke dann auch wieder zweispurig. Ich hatte aber heute das Glück, dass niemand noch langsamer, als ich war.
    Ich fuhr dann erstmal noch weiter, bis ich ins Tal des Columbia River kam. Hier, in Revelstoke, BC machte ich dann meine Mittagspause. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich mit Sicherheit das Revelstoke Railway Museum besichtigt, (railwaymuseum.com/) leider hatte ich die Zeit nicht. Sie reicht nur für ein sehr gutes Mittagessen im Frontier Restaurant, was verkehrsgünstig lag. Dort gab es auch noch das Frontier Motel und eine Husky Tankstelle. Außerdem gab es ein paar Parkplätze für Trucks. Nach einer Stunde Pause machte ich mich dann wieder frisch gestärkt auf den Weg.

    Nun, wo ich östlich des Columbia River war, ging es in die Rocky Mountains. Die Berg- und Talbahn ging hier also weiter. Dafür wurde ich aber auch mit einer einmaligen Landschaft belohnt. Wenn man ein Fan der Berge war, wie ich es bin, hatte man hier sehr viel zu sehen. Mit meiner Harley würde das zwar sicher mehr Spaß machen, als wie mit einem W900, aber auch so konnte ich die Gegend genießen. Die Videos, die meine Dashcam aufzeichnete, würde ich mir mit Sicherheit aufheben und später noch mal, gemeinsam mit Keela ansehen. Es ging dann langsam auf den Abend zu, als ich dann die Provinz Alberta erreichte.

    Da die vernünftigen Rastmöglichkeiten in Kanada nicht so oft anzutreffen waren, wie bei uns in den USA, musste ich ganz genau überlegen, wann ich wo Feierabend machte. Daher beendete ich meinen Arbeitstag heute bereits nach 10 Stunden Fahrzeit. Ich wollte auch nicht unbedingt nach Kanadischen Gesetzen fahren, da ich garantiert öfter in den USA kontrolliert wurde, als hier.
    In Lake Louise, AB fand ich dann eine Möglichkeit, wo man parken, tanken und essen konnte. Tanken musste ich zum Glück noch nicht, aber man sollte sich das für die Zukunft auf jeden Fall merken. Jetzt am Abend konnte ich hier noch zum Abendessen in das Mountain Restaurant gehen. Für den Kaffee am nächsten Morgen hatte dann das Javalanche Café, direkt neben dem Restaurant geöffnet. Da ich am Mittag ja in Revelstoke schon sehr gut gegessen hatte, konnte ich jetzt gar nicht so viel essen, wie ich hier gerne gewollt hätte.

    Zurück im Truck, telefonierte ich dann noch mit Keela. „Hallo Schatz, schön, dass du dich meldest.“ Wurde ich begrüßt. „Hallo Süße. Ich bin heute durch wunderschöne Gegenden gefahren. Schade, dass du sie nicht sehen konntest. Wir sollten uns aber mal zusammen das Dashcam Video ansehen.“ „Machen wir. Ich habe übrigens heute deinen Dad getroffen.“ „Ist das was Besonderes, dass dir den Boss über den Weg läuft?“ „Quatsch. Ich erwähne das auch nur, weil ich ihn wegen George angesprochen habe.“ „Und? Was sagt er?“ „Er sieht das ähnlich, wie wir. Eigentlich möchte er einen guten Fahrer, der schon seit 30 Jahren für Walmart fährt nicht abgeben. Das dachten wir uns ja auch.“ „Stimmt. Aber wenn George bei uns fährt, bleibt er ihm ja erhalten.“ „So habe ich ja auch argumentiert.“ „Ja und?“ „Dein Dad meinte, dass er ja noch gar nicht gekündigt hat und somit ja gar nicht das Risiko besteht, dass er George an jemand anders verlieren würde.“ „Also ist er nicht bereit, in dem Fall auf uns zuzukommen.“ „Nicht, solange George nicht gekündigt hat. Erst, wenn die Gefahr besteht, dass George Walmart komplett verlassen würde, wäre ein Kompromiss möglich um ihn wenigstens zu halten.“ „Dann musst du mit George reden. Entweder er kündigt und wir machen mit Dad einen Kompromiss, oder wir können ihn nicht einstellen.“ „Wen nehmen wir dann?“ „Dann würde ich Robert Lincoln vorschlagen. Mir ist die Hautfarbe egal. Er hat aber die Fähigkeiten und ist sympathisch. Da spricht eigentlich auch nichts gegen.“ „Okay. Ich rede morgen noch mal mit George.“ Das weitere Gespräch war dann wieder privater. Ich schwärmte Keela noch von der Landschaft weiter einen vor und sie sagte mir, wie sehr sie mich jetzt schon wieder vermisste. Schließlich legten wir auf und ich legte mich dann auch recht schnell ins Bett.

    Mittwoch, den 22. August 2018, 5:00 am, Lake Louise, AB:

    Um fünf Uhr in der Frühe klingelte mein Wecker wieder. Ziemlich widerwillig stand ich auf und setzte dann den Kaffee auf. Nach dem ersten Kaffee würde ich mich besser fühlen. Die erste Enttäuschung des Tages folgte auf dem Fuß. Weder in der Tankstelle, noch im Javalanche Café gab es eine Duschmöglichkeit für Trucker. Immerhin konnte ich die Toilette benutzen. Wenigstens gab es im Café einen Kaffee und ein paar Sandwiches als Frühstück. Um sechs Uhr konnte ich dann mit der PTI beginnen und eine Viertelstunde später war ich wieder auf dem Weg nach Kindersley.

    Es ging nun langsam wieder aus den Bergen raus. Je weiter ich mich Calgary näherte, um so flacher wurde die Landschaft. Dabei ging es fast stetig bergab. Gut für den Verbrauch, aber schlecht für die Bremsen. Selbst meine gute Bremsanlage stieß an ihre Grenzen. Ich war aber jetzt schon gespannt, wie die Bremsen des Neuen waren, der sogar mit Scheibenbremsen ausgerüstet war.
    Der Berufsverkehr war zum Glück gerade vorbei, als ich Calgary passierte. So kam ich ohne größere Behinderungen hier durch. Kurz darauf verließ ich den Trans-Canada-Highway. Nun sollte es über die AB-9 weitergehen. Auch hier ging es nun weiterhin stetig Bergab. Kurz vor Mittag erreichte ich schließlich Saskatchewan.

    Nun war es auch nicht mehr weit. Die AB-9 wurde hier zur SK-7. Bei Kindersley musste ich noch mal kurz auf die SK-21, dann hatte ich meinen Zielort erreicht.

    Natürlich meldete sich das ORBCOMM zu Wort: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Als ich das Lager schon sehen konnte, kam dann: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Als ich am Lager ankam, schaute ich dann zuerst nach, was im System stand:

    PICKUP: CST-SKKIL
    GATE: -----
    TRAILER: RE53WAT
    FREIGHT: FROZEN VEGETABLES
    WEIGHT: 37,600 LB
    DROP: UNP-NVELK
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: STILL NO INFORMATION ON DOCK OR TRAILER NO.

    WAT-CASAC-KRY.

    Die Zeile Bemerkungen machte mich etwas nervös. Natürlich waren die Verbindungen zu Walmart Canada nicht so eng, wie innerhalb der US-Amerikanischen Organisation. Trotzdem hatte ich bisher immer alle Infos gehabt.
    Ich ging ins Büro und meldete mich an. Eine hübsche Blondine, die aber etwas älter, als ich war, nahm meine Papiere entgegen und tippte die Auftragsnummer in ihren Computer. „Der Trailer kann an Tor 8 angesetzt werden.“ „Okay. Ich soll dann auch noch Tiefkühlgemüse für Elko, Nevada wieder mitbekommen.“ „Moment.“ Sie tippte wieder was in ihren Rechner. „Ah, ja. Tiefkühlgemüse, 37,600 Pfund. Geht zur Union Pacific nach Elko, Nevada. Weiterverladung nach Mexico. Die Ladung ist noch nicht fertig.“ „Wie? Noch nicht fertig?“ „Moment. Jimmy…“ rief sie einem anderen Kollegen rüber. „Wann wird die Ladung TK Gemüse nach Mexico fertig?“ „Den Trailer hat der Shunter gerade ans Dock gesetzt. Ich denke, in einer Stunde ist der Trailer beladen.“ „Sie haben es gehört. Leider dauert es noch eine Stunde.“ „Das geht ja noch. Kann ich in der Zwischenzeit bei euch duschen?“ „Tut mir leid. Das geht leider nicht.“ „Ich bin aber Status A Unternehmer.“ „Ich weiß. Das steht hier in den Angaben aus Sacramento. Trotzdem. Selbst wenn Sie ein Walmart eigener Fahrer währen, das hier ist Walmart Canada. Ich darf Ihnen das aus versicherungstechnischen Gründen nicht gestatten.“ „Kann man nichts machen.“ „Stellen Sie bitte Ihren Trailer schon mal ans Dock. Dann fahren Sie an die Seite. Sie dürfen auch auf dem Gelände warten. Wenn die Ladung fertig ist, kommt jemand mit den Papieren zu Ihnen und sagt Ihnen Bescheid.“ Ich verließ dann wieder das Büro und ging zum Truck.
    Dann setzte ich den Trailer ans Dock. Nachdem er abgesattelt war, stellte ich mich an die Seite. Nun hieß es warten. Ich konnte zwar nicht duschen gehen, aber immerhin konnte ich mir was zu Essen machen. Ich machte dann in Ruhe meine Pause. Eine Dusche wäre zwar toll gewesen, war aber eben leider nicht drin.

    Gegen zwei Uhr kam dann der Kollege, den die Blondine als Jimmy gerufen hatte zum Truck. „Hier sind deine Papiere. Bitte einmal unterschreiben.“ „Sind die Zollpapiere auch alle dabei?“ „Natürlich. Hier ist auch der Name der Zollagentur, welcher wir die Unterlagen zur Grenzabfertigung geschickt haben.“ „Alles klar. Danke.“ „Wenn es nach mir gegangen wäre, hättest du auch duschen gehen können. Meine Chefin hält sich aber immer komplett an die Vorschriften.“ „Das war deine Chefin?“ „Sie wird von vielen unterschätzt, hat aber echt was drauf. Sie ist hier schon Leiterin der Dispatch.“ „Wow. Hätte ich nicht gedacht.“ „Jetzt willst du auch bestimmt sofort weiter.“ „Wenn die Ladung jetzt fertig ist. Ich habe so schon genug Zeit verloren.“ „Du fährst nach euren Bestimmungen. Oder?“ „Natürlich." In Kanada kannst du auch 13 Stunden am Stück fahren.“ „Weiß ich. Ich möchte aber der DOT bei uns keinen Ansatz bieten.“ „Klar.“ Jimmy verabschiedete sich und ich fuhr zu Tor 11, wo ein Walmart Reefer auf mich wartete. Ich sattelte auf und erledigte die PTI des Trailers. Eine Viertelstunde später war ich dann wieder auf dem Weg.

    Bis Calgary sollte ich erstmal den gleichen Weg zurückfahren. Ich vermutete aber, dass ich gar nicht mehr so weit kommen sollte. Die Provinz Alberta war schnell wieder erreicht, nun zog es sich aber wieder lange hin. Richtung Calgary ging es auch schon immer stetig bergauf. Leider hatte ich dann ein Kanadisches Double mit zwei 53 Fuß Trailern vor mir. Auf der zweispurigen Straße hatte ich mit einem Truck keine Chance, das Gespann zu überholen, zumal ich ja auch ganz gut ausgeladen war. So musste ich dahinter bleiben.
    Gegen sechs Uhr begann ich dann bereits nach einem Truckstop Ausschau zu halten. Auf dem zweispurigen Highway gab es aber nicht einmal Rest Areas. Da absolut nichts kam und ich auch nicht damit rechnete, ausgerechnet im Raum Calgary noch einen der wenigen Parkplätze zu erwischen, machte ich dann schließlich an einem etwas breiteren Teil des Randstreifens Feierabend. So würde mir zwar eine sehr unruhige Nacht bevorstehen, meine Fahrzeiten blieben aber sauber.
    Da wir gestern schon lange telefoniert hatten und die Roaming Gebühren auch nicht zu verachten waren, schrieb ich mit Keela heute nur ein wenig über WhatsApp hin und her. Schließlich legte ich mich hin und versuchte zu schlafen.

    Donnerstag, den 23. August 2018, 4:00 am, Mountain Daylight Time, AB-9 bei Lyalta, AB:

    Die Nacht war nicht allzu gut gewesen. An die Geräuschkulisse des Reefers hatte ich mich ja inzwischen gewöhnt. Was nicht so toll war, war der Platz der Pause, direkt neben dem Highway. Es herrschte hier, auf der AB-9 zwar nicht allzu viel Verkehr in der Nacht, aber jedes Mal, wenn ein Truck an mir vorbeifuhr, wackelte der komplette Truck. Also wurde ich jedes Mal wieder wach. Um vier Uhr stand ich dann wieder auf und setzte mir einen Kaffee auf. Anschließend verschwand ich in der Botanik, um die übliche Morgentoilette in der Natur zu erledigen. Anschließend erfolgte die Wäsche aus dem Wasserkanister. Langsam hatte ich dringend eine Dusche nötig. Ich hatte das letzte Mal am Sonntagmorgen zu Hause geduscht. Danach hatte ich nur noch Parkplätze ohne Duschmöglichkeit. Um viertel vor Fünf begann ich dann mit der PTI und um fünf Uhr fuhr ich dann weiter.

    Nach ein paar Minuten hatte ich den Trans-Canada-Highway erreicht, auf dem ich dann noch ein paar Meilen nach Westen fahren musste. Im Raum Calgary ging es dann in Richtung Süden weiter. Dafür ging es zuerst über die AB-2 weiter. Zum Glück erreichte ich Calgary noch vor dem Berufsverkehr. So hatte ich keine Probleme, die Stadt zu durchqueren. Hinter Calgary musste ich dann einmal über die Waage, da ich aber mit fast leeren Tanks sehr leicht war, hatte ich überhaupt keine Probleme.

    Nun ging es weiter in Richtung Süden auf die USA zu. Dazu benutzte ich die Alberta-Highways 2,3 und 4. Leider ging mir dabei der Diesel aus. Da ich nicht wusste, ob und wann ich in der USA an einen Truckstop kommen sollte, tankte ich in Milk River, AB noch mal 30 Gallonen nach. Als ich wieder losfuhr, dauerte es nur noch eine gute Viertelstunde, bis ich die Grenze bei Coutts, AB erreichte.

    Die Ausreise aus Kanada war auch kein Problem. Die Einreise in die USA dauerte wieder etwas länger. Am Port of Entry, Sweet Grass, Montana hatte man es nicht allzu oft mit Transit Gütern zu tun. Das meiste, was hier durchkam, waren Güter, die aus Kanada in die USA sollten. Meine Ladung sollte aber nach Mexico weiterverladen werden. Bei Transitgütern wurden manche Zollbeamte misstrauisch.
    Genau so einen Zollbeamten hatte ich erwischt. Dass die Ladung dann in den USA auch noch umgeladen werden sollte, erhöhte dann noch sein Misstrauen. „Wieso fahren Sie die Ladung denn nicht selbst nach Mexico?“ „Weil ich da nicht hinfahre.“ „Warum fahren Sie nicht nach Mexico?“ „Weil ich dafür zu teuer bin. Die Mexikaner fahren für weniger Geld.“ „Warum hat man Ihnen die Ladung dann gegeben?“ „Erstens war gerade kein Mexikaner vor Ort und zweitens brauchte ich eine Ladung in die USA. Eine Ladung innerhalb Kanadas darf ich ja auch nicht befördern.“ „Verstehe. Warum geht die Ladung nach Elko und nicht irgendwo an die mexikanische Grenze?“ „Weil ich dann auf der Tour noch zwischendurch meinen Reset machen müsste. Ich komme nicht mehr viel weiter, als bis nach Elko, ohne Reset.“ „Okay. Dann warten Sie bitte. Wir erledigen die Abfertigung.“ In der Summe stand ich dann letztlich eine Stunde an der Grenze. Zum Glück hatte ich wenigstens mein E-Log während der Wartezeit auf Pause gestellt. So hatte ich dann hinterher wenigstens meine Pause erledigt. Um viertel nach Zehn ging es dann weiter.

    Den restlichen Vormittag und den Mittag verbrachte ich dann auf der I-15 in Montana. Der Staat machte dabei dem Namen alle Ehre. Es war wieder mal eine hügelige und kurvenreiche Strecke, die ich zu fahren hatte. Ansonsten gab es keine besonderen Ereignisse. Gegen halb Vier am Nachmittag erreichte ich Butte, MT. Hier fuhr ich dann auf das Flying J Travel Center, um meine Tanks zu füllen. Der Diesel kostete zwar auch hier inzwischen 3,25 $, die Gallone, aber immer noch günstiger, als in Kanada.
    Nachdem die Tanks wieder gefüllt waren, warf ich einen Blick auf mein E-Log. Ich hatte heute auch schon etwas über neun Stunden an Fahrzeit weg. Außerdem war ich nach der vergangenen Nacht noch müde. Ich fuhr also nur noch auf den Parkplatz und stellte den Truck ab. So hatte ich schließlich neun Stunden und 15 Minuten Fahrzeit weg. Als nächstes ging ich erstmal duschen. Das wurde ja langsam mal wieder Zeit.

    Nach der Dusche ging ich noch was essen. Zurück im Truck telefonierte ich mit Keela, die etwas verärgert war, weil sie an ihrem Bereitschaftswochenende wieder mal alleine zu Hause war. Sie hatte mir aber selbst die Tour geben müssen, die mich nicht nach Hause führte. Eine andere Tour gab es aber leider nicht.
    Von den anderen Themen gab es leider noch nichts Neues. Keela hatte mit George geredet, der nun überlegte, wie er das machen wollte. Außerdem wollte er selbst noch mit meinem Dad reden. Die neue Maschine wurde aktuell bei NorCal Kenworth bearbeitet. Wo dann in der kommenden Woche die ORBCOMM Systeme eingebaut werden sollen, stand auch noch nicht fest. Nachdem wir das Telefonat beendet hatten, legte ich mich recht bald schlafen. Ich hatte noch Nachholbedarf aus der vergangenen Nacht.

    Freitag, den 24. August 2018, 1:00 am, Mountain Daylight Time, Butte, MT:

    Dadurch, dass ich früher Feierabend gemacht hatte, verlegte sich mein Arbeitsbeginn natürlich ebenfalls nach vorne. So klingelte mich mein Wecker wieder mitten in der Nacht aus meinen Träumen. Ich hatte, im Gegensatz zu den Vergangenen Tagen den Vorteil, dass ich mich unter einer Dusche komplett wach machen konnte. Ich setzte also mal wieder als erstes den Kaffee im Truck auf, danach ging es dann in den Truckstop. Nach der Dusche und dem ersten Kaffee des Tages war ich dann soweit fit, dass ich losfahren konnte. Die PTI musste ich dann in der Dunkelheit des Parkplatzes erledigen. Dank meiner guten Maglite ging aber auch das. Um zwei Uhr fuhr ich dann vom Parkplatz und machte mich auf den Weg nach Nevada.

    Es ging zuerst zurück zur I-15, auf die ich dann wieder in südlicher Richtung auffuhr. Knapp zwei Stunden später erreichte ich dann nach einer ereignislosen Nachtfahrt die Grenze nach Idaho.
    Die Fahrt blieb auch weiterhin ereignislos. Nachdem ich Idaho Falls passiert hatte, dämmerte es langsam und der Sonnenaufgang würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es war dann nicht ganz eine Stunde vergangen, als ich dann Pocatello, ID erreichte, wo ich dann von der I-15 auf die I-86 in Richtung Westen wechselte. Nun hatte ich die aufgehende Sonne im Rücken.
    In der Nähe von Declo, ID traf die I-86 dann auf die I-84 und ging dann auch als I-84 weiter. Es verging dann noch mal eine Stunde, bis ich dann Twin Falls, ID erreichte.

    Hier verließ ich dann die I-84 und fuhr südwärts auf der US-93 weiter in Richtung Nevada. Es verging dann wieder eine knappe Stunde, dann hatte ich Jackpot Nevada erreicht. Direkt vor der Ortschaft war dann linkerhand ein kleiner Parkplatz, den ich für meine kurze Pause ansteuerte. Hier hatte ich jetzt wieder Pacific Time, so dass es hier halb Neun war, als ich anhielt.
    Aus meinen Vorräten machte ich mir dann ein gutes Frühstück. Anschließend bewegte ich mich noch mal ein paar Schritte, bevor ich dann um halb Zehn weiterfuhr.

    Nun lag für diese Arbeitswoche der Endspurt an. Ich hatte nicht mehr viel Wochenfahrzeit, was bedeutete, dass ich in Elko meinen Reset machen musste. Zuerst musste ich dort aber hinkommen. Ich fuhr wieder zurück auf die US-93 und durchquerte den kleinen Ort Jackpot. Für die nächste Stunde ging es dann noch auf der gleichen Straße durch Nevada weiter. Dann erreichte ich Wells, wo ich auf die I-80 in Richtung Westen auffuhr.
    Noch eine Stunde, dann sollte ich es geschafft haben. Außer einem unfreiwilligen Stopp auf der Waage passierte da auch nichts Besonderes mehr. So erreichte ich noch vor Mittag die Stadt Elko.
    Hier ging es dann in den Süden der Stadt, wo ich dann zum Güterbahnhof kam. Dort wurde ich dann auch mein kanadisches Tiefkühlgemüse los. Nachdem ich den Trailer auf dem engen Bahnhofsgelände abgestellt hatte, stand dann das im System, was ich erwartet hatte:

    35-H RESET

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela hätte mir sicher lieber eine andere Nachricht geschickt. Zumal sie am Wochenende auch noch mit Bereitschaft zu Hause festsaß. Leider ließ sich das mal wieder nicht anders machen. Ich fuhr dann zu dem Motel, was ich mir bereits im Voraus reserviert hatte und checkte dort ein. Dann legte ich mich erstmal auf Ohr. Ich war nach der Schicht doch recht kaputt.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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