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44. Rückfahrt aus Florida und Vorstellungsgespräche

  • Samstag, den 11. August 2018, Key West, FL:

    Für die Zugmaschine hatte ich nach etwas Suchen einen legalen Parkplatz in der Nähe vom Hafen gefunden. Anschließend packte ich mir ein paar Sachen zusammen, die ich am Tag benötigen würde. Dann wurde die Zugmaschine noch abgedunkelt, damit es nicht noch heißer, als eben nötig darin wurde. Als alles erledigt war, hieß es „Auf zum Strand.“ Eine Weile später hatte ich ein schönes Plätzchen gefunden. Hier machte ich es mir gemütlich und begann erstmal damit, mich gegen die Sonne einzucremen.
    Anfangs traute ich mich dann nicht so recht, meine Sachen alleine zu lassen, um mal schwimmen zu gehen. Also blieb ich erstmal auf meiner Decke und beobachtete die anderen Leute. Irgendwann begann ich sogar, mit ein paar Bikini Schönheiten, die ihren Platz neben meinem gewählt hatten, zu flirten. Später bekam ich eine WhatsApp von Keela: „Na, bist du auch am Strand? Ich bin bei traumhaften Wellen in Pacifica.“ Ich schrieb zurück. „Wo sollte ich wohl sonst sein? Grüße vom Golf von Mexico.“ Irgendwie entwickelte sich dann ein kleiner Schlagabtausch zwischen Keela und mir. Es fing harmlos an mit Texten wie: „So tolle Wellen kannst du da gar nicht haben.“ Worauf ich zurückschrieb: „Dafür ist mein Wasser viel wärmer.“ Es ging immer weiter hin und her. Irgendwann begann Keela damit, mir ein Selfie zu schicken, auf dem man die heute wirklich guten Wellen sehen konnte. Ich schickte dann eins mit meinem Strand unter Palmen zurück. Auch hier steigerte es sich weiter, bis Keela ein Foto mit ihren Surffreunden schickte, auf dem Jeff, den ich am wenigsten leiden konnte, Keela demonstrativ einen Kuss auf die Wange gab. Das Bild konterte ich dann mit einem, auf dem die Bikini Schönheiten mit drauf waren. Nun schickte mir Keela ein schmollendes Smiley und den Text: „Appetit holen darfst du dir, aber gegessen wird zu Hause.“ Worauf ich zurück schrieb: „Hoffentlich verhungere ich bis dahin nicht.“ „Wirst du schon nicht.“ Kam die Antwort. „Dann sag Jeff aber auch, er soll die Finger bei sich behalten.“ „Versteht sich von selbst.“ Wir merkten dann beide, dass es besser war, diesen dummen Wettstreit zu beenden.

    Ich nutzte aber jetzt einen Vorteil aus, den ich nun hatte. Ich bat die Mädels, auf meine Sachen aufzupassen und konnte beruhigt ins Wasser gehen. So verging der Tag, der ja bei mir erst am Vormittag begonnen hatte, wie im Flug. Am Abend brachte ich meine Sachen erst zurück in den Truck. Dort schaltete ich jetzt die Standklimaanlage ein. Anschließend zog ich mich für den Abend um und bummelte anschließend durch Key West. Am Samstagabend war hier viel los und es machte Spaß sich hier aufzuhalten. Ich hatte richtig das Gefühl von Urlaub, auch wenn ich nur meinen Reset hatte. Zu meinem Glück fehlte mir eigentlich nur Keela. Aber leider befand sie sich in Kalifornien etwa 3000 Meilen entfernt.
    Am späten Abend kam ich dann wieder zu meinem Truck zurück. Zum Glück hatte es die Standklimaanlage geschafft, die Temperatur im Sleeper etwas erträglicher zu machen. So konnte ich mich dann bald darauf hinlegen.

    Sonntag, den 12. August 2018, Key West, FL:

    Den Sonntag begann ich erstmal mit Ausschlafen. Ich würde hier bis zum Abend zwar noch eine schöne zweite Hälfte meines Resets haben, musste am Abend aber mit Sicherheit wieder arbeiten. Als ich schließlich von selbst wach wurde, stand ich auf und machte mir im Truck ein schönes Frühstück. Danach ging es dann wieder an den Strand. Ich schrieb ein paar Mal mit Keela auf WhatsApp hin und her. Zum Glück war sie nicht sauer wegen gestern. Wir hatten beide eingesehen, dass es etwas kindisch war, was wir da gemacht hatten. So konnte sich Keela unbelastet wieder in die Wellen des Pazifiks stürzen und ich ein wenig in dem ruhigeren Wasser des Golfs von Mexico baden.

    Leider ging der Tag viel zu schnell vorbei und der Abend kam. Keela hingegen hatte in Pacifica noch Nachmittag, als ich mich wieder auf den Weg zu meiner Zugmaschine machte. Außerdem hatte sie den Vorteil, dass sie, während ich mir die Nacht um die Ohren schlagen konnte, noch in Ruhe eine Nacht in ihrem Savana schlafen konnte. Bei mir war es dann viertel vor Zehn am Abend, als ich den Reset beendet hatte und mit der PTI der Zugmaschine begann. Ein paar Minuten später hatte ich dann auch meinen Auftrag im System:

    PICKUP: POR-FLKWE
    GATE: -----
    TRAILER: RE53707
    FREIGHT: FROZEN FOOD
    WEIGHT: 33,157 LB
    DROP: CST-FLPAC
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-CSA.

    Es hätte mich auch ehrlich gewundert, wenn ich von Key West aus eine weite Tour bekommen hätte. Es gab eine Ladung tiefgekühlter Lebensmittel aus dem Hafen. Meine Vermutung lag bei Fisch. Diese Ladung sollte dann zum Zentrallager in Palm Coast, Florida. Damit sollte ich mir dann also die Nacht um die Ohren schlagen. Ich setzte mir noch schnell einen Kaffee für die Nacht auf, dann konnte ich mich auf den Weg in den nahen Hafen machen. Der Reefer, den ich dort bekam, war einer der neutralen Trailer, die wir normal für die Großhandelssparte hatten. Die Wettbewerber sahen es ja meist lieber, wenn sie beigekaufte Ware mit so einem Trailer bekamen.
    Nach dem Aufsatteln und der Abfahrtskontrolle des Trailers konnte ich mich um halb Elf auf den Weg machen. Bei der Durchfahrt mit dem großen Lastzug durch das abendliche Key West musste ich aufpassen, dass ich nirgendwo aneckte. Außerdem hieß es nun Abschied vom Urlaubsparadies.

    Schließlich erreichte ich wieder den Overseas Highway, über den es zurück in Richtung Miami ging. Die Brücken wurden hier zum Teil von unten angeleuchtet, so dass sie in ein unwirkliches Licht getaucht waren. Es war hier dann auch schon Nacht und nicht mehr Abend, als ich Miami erreichte. Trotzdem war hier in der Stadt auch in der Nacht zum Montag noch einiges los. Die hiesige Partyszene kannte da wohl kein Ende.

    Ich hingegen hielt mich hier in Richtung der Interstate 95, über die es nun an der Ostküste Floridas entlang in Richtung Norden weiter ging. Als ich Fort Lauderdale passierte, dachte ich noch mal, dass ich froh war, die Tour nach Key West noch angenommen zu haben. Dort war es doch noch um einiges schöner, als hier.

    Ich zog dann erstmal durch, bis ich New Smyrna Beach erreichte. Hier musste ich zum Tanken rausfahren. Im Anschluss erledigte ich dann auch gleich meine kurze Pause, die ebenfalls langsam fällig wurde. Da ich inzwischen doch recht müde war, legte ich mich während der Pause in meine Koje und schlief ein Stündchen. Gegen viertel nach Sechs fuhr ich weiter.
    Es ging zurück auf die I-95 über die ich dann das letzte Stück nach Palm Coast fuhr. Eine gute Stunde später kam ich dort an. Während der Fahrt durch den Ort kamen dann wieder die üblichen Meldungen vom ORBCOMM, die mich benachrichtigten, dass der nächste Auftrag im System war. So konnte ich, als ich am Zentrallager ankam sehen, wie es weiterging:

    PICKUP: CST-FLPAC
    GATE: 12
    TRAILER: CT53200
    FREIGHT: CEREALS
    WEIGHT: 43,000 LB
    DROP: COW-TXPLV
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-CSA.

    Es ging also weiter in Richtung Heimat. Mein Zielkürzel stellte sich als Plainview, TX heraus. Einen Ort von dem ich bisher so gut wie nichts gehört hatte. Ich hatte ihn nur mal auf einer Liste der Walmart Distribution Center gesehen. Das hieß, dass ich dort mit Sicherheit gut einen Anschluss bekommen würde.
    Ich ging ins Büro und erledigte den Papierkram. Anschließend konnte ich dann umsatteln. Leider musste der Trailer an Tor 23, was hier ähnlich schwierig anzufahren war, wie bei uns in Sacramento. Der Trailer für mich stand dann an Tor 12, wo man wesentlich besser hinkam. Da ich jetzt bereits neun Stunden Fahrzeit hinter mich gebracht hatte, konnte ich nicht mehr allzu weit fahren. Ich fuhr trotzdem nochmal zurück zur I-95
    Hier hielt ich mich erstmal weiter in Richtung Norden. Am TA / Petro Travel Center in Jacksonville, FL hielt ich dann für meine Pause an. Einen Parkplatz dort zu finden, war am Montagmorgen nicht sonderlich schwer. Ich ging dann noch zum duschen und essen in den Truckstop. Als ich dann zurück im Truck war, hatte mich die Müdigkeit doch recht stark erwischt. Keela konnte ich sowieso noch nicht anrufen, da sie mit Sicherheit noch am schlafen war. Ich beschloss also das gleiche zu tun und legte mich ebenfalls in mein Bett.

    Montag, den 13. August 2018, 6:30 pm, Eastern Daylight Time, Jacksonville, FL:

    Hier in Florida war es halb Sieben als ich wieder aufstand. Der folgende Ablauf war mal wieder wie immer. Zuerst setzte ich im Truck meinen Kaffee auf. Dann ging ich in den Truckstop zum Duschen. Auch den ersten Kaffee der Schicht nahm ich dort wieder zu mir. Zurück im Truck begann ich mit der PTI. Keela war noch im Büro, also brauchte ich auch nicht versuchen, sie anzurufen. Um halb Acht war die PTI beendet und ich machte mich wieder auf den Weg. Zuerst ging es noch mal zurück auf die I-95 in Richtung Norden. Kurz darauf wechselte ich aber auf die I-10 in Richtung Westen. Nun fuhr ich in den Sonnenuntergang hinein.
    Langsam wurde es Nacht und der Verkehr wurde ruhiger. Ich zog erstmal durch, bis ich Milton, FL erreichte. Hier, wo ich in der vergangenen Woche für meine Pause gestanden hatte, machte ich heute die kurze Pause.

    In Florida war es viertel nach Eins in der Nacht, zu Hause war es also viertel Nach Zehn. Keela war jetzt also von der Arbeit zu Hause. Ich rief also zu Hause an. „Hallo Schatz, wie sieht es bei dir aus?“ begrüßte sie mich. „Gut. Ich mache gerade meine kurze Pause. Und wie ist es bei dir?“ „War ganz lustig. Ich bin ja wieder mit Jessy auf einer Schicht. Ab nächster Woche soll sie dann alleine arbeiten.“ „Wie macht sich denn mein Schwesterchen?“ „Sehr gut. Sie packt das locker ab nächste Woche.“ „Dann ist es ja gut. Wie war die Rückfahrt aus Pacifica?“ „Immer das gleiche am Montagvormittag. Jetzt bin ich aber auch todmüde. Ich werde gleich sofort im Bett verschwinden.“ „Okay. Gibt es sonst noch was Neues?“ „Gut, dass du fragst. Das hätte ich sonst vergessen. Jessy hat mich heute auch noch mal gefragt, ob wir jetzt jemanden einstellen wollen. Sie hatte da wohl was mitbekommen.“ „Und?“ „Ich habe ihr das bestätigt. Sie meinte dann nur, dass du dich mal mit Dave in Verbindung setzen sollst.“ „Wieso? Der hat doch einen Job.“ „Er hat da aber wohl jemanden, der gerade wechseln will oder muss.“ „Aha.“ „Du klingst ja nicht sehr begeistert.“ „Wie viele potentielle Fahrer soll ich mir denn anschauen? Wir haben nun mal nur eine Stelle zu vergeben.“ „Deshalb musst du dich aber auch nicht auf den erstbesten Swift Fahrer festlegen. Ich würde mir den Kandidaten von Dave auch gerne ansehen.“ „Wenn du meinst.“ „Man kann sich ruhig eine Handvoll Fahrer ansehen, bevor man jemanden einstellt.“ „Okay.“ „Dann redest du mit Dave?“ „Aber nicht mehr heute.“ „Schon klar.“ „Dann schlaf schön.“ „Mach ich. Dir noch eine schöne Schicht.“ Wir legten auf und ich ging in den Truckstop, wo ich ein bisschen was essen wollte.

    Gegen halb Drei ging es dann wieder weiter. Ich fuhr zurück auf die I-10 in Richtung Westen und kam dann kurze Zeit später nach Pensacola. Als ich die Stadt passiert hatte, erreichte ich kurz darauf die Grenze nach Alabama. Nun hatte ich wieder Central Time und somit nur noch zwei Stunden Zeitunterschied nach Hause. Es ging wieder über die Mobile Bay und dann kurz darauf nach Mobile. Nachdem ich die Stadt passiert hatte, dauerte es noch eine knappe Stunde, bis ich Alabama wieder verlassen hatte. Nun folgte ein kurzes Gastspiel in Mississippi, was auch nur etwa eineinhalb Stunden dauerte, dann kam ich nach Louisiana. Bei Slidell folgte mal wieder der Wechsel auf die I-12, um den Umweg über New Orleans zu sparen. Bei Baton Rouge, der Hauptstadt von Louisiana, wechselte ich dann wieder zurück auf die I-10.
    Langsam wurde es nun wieder hell und der Dienstagmorgen brach an. Somit wurde es für mich langsam Zeit, mir einen Platz für meine Pause zu suchen. Bis Vinton, wo ich hier bereits für eine große und kleine Pause gestanden hatte, würde meine Zeit heute nicht mehr reichen. Ich suchte mir also einen Truckstop, den ich vorher noch erreichen würde. Meine Wahl fiel dann auf den TA Truckstop in Lafayette. Diesen erreichte ich dann gegen viertel vor Sieben. Viele Kollegen, die hier über Nacht gestanden hatten, waren bereits wieder unterwegs, daher war es kein Problem, einen Parkplatz zu finden.
    Nachdem der Truck dann geparkt war, ging ich zum Duschen und essen in den Truckstop. Gegen acht Uhr war ich dann wieder im Truck. Da ich inzwischen auch recht müde war, legte ich mich dann recht schnell hin.

    Dienstag, den 14. August 2018, 3:30 pm, Central Daylight Time, Lafayette, LA:

    Mein Wecker holte mich um halb Vier wieder aus meinen Träumen. Nachdem er mich endlich davon überzeugt hatte, aufzustehen, folgte der übliche Ablauf. Ich war halt ein Gewohnheitstier. Ich setzte den Kaffee im Truck auf, anschließend ging es zum Duschen in den Truckstop. Auch den ersten Kaffee der anbrechenden Schicht gab es wieder dort.
    Zurück im Truck, änderte ich allerdings meinen üblichen Ablauf. Ich war extra etwas früher aufgestanden, um genug Zeit zu haben, in Ruhe mit Dave zu sprechen. Seine Büronummer hatte ich ja noch seit dem Bau meiner Halle im Handy gespeichert. Nachdem er sich gemeldet hatte und die Begrüßung erledigt war, fragte ich ihn dann, warum mich Jessy gebeten hatte, ihn zurückzurufen. „Ich muss dazu mal erst etwas weiter ausholen. Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast, aber der ehemalige Boss von deinem Dad und deiner Freundin ist ja jetzt sozusagen mein Boss geworden.“ Irgendwo hatte ich das schon mal gehört, dass da in diesem Jahr bei CAT einiges passiert war. „Ich hab da sowas läuten hören. Aber was habe ich damit zu tun?“ „Da du nicht für uns fährst, eigentlich gar nichts. Es geht ja im Moment auch nur zweitrangig um dich.“ „Aha.“ „Auf jeden Fall sind die alten Unternehmerverträge mit unseren Transportunternehmen aufgelöst, oder abgewandelt worden. Der neue Chef hat da einiges von Walmart mit übernommen. Die Freiheiten, die hier manche Unternehmer hatten, gibt es eben nur noch bedingt. Das kommt eben darauf an, welchen Status der Unternehmer hat.“ „Ich verstehe aber immer noch nicht so ganz, worauf du eigentlich hinauswillst.“ „Wir hatten hier in Sacramento einen Subunternehmer, der sehr viel für uns gefahren ist. In den letzten Jahren auch mit zwei Trucks, so wie du das jetzt für Walmart vorhast.“ „Ja, und?“ „Der Unternehmer, der alte John Miller, hat jetzt gesagt, dass er das, mit den neuen Verträgen nicht mehr mitmachen möchte. Da geht er lieber in Rente und verkauft alles.“ „Das muss ja auch jeder für sich selbst entscheiden.“ „So ist es. Nun hat allerdings sein Fahrer ein Problem.“ „Das da wäre?“ „Benjamin Sullivan, so heißt der Fahrer, steht jetzt da und ist quasi arbeitslos. John hat alles verkauft und Ben hat nicht das Geld, die Zugmaschine zu übernehmen. Er ist ein guter Fahrer, hat allerdings auch nicht die Ausbildung und den Background, um sich selbstständig zu machen.“ „Dann stell du ihn doch bei euch ein.“ „Wir haben leider keine offenen Stellen.“ „Warum setzt du dich denn so für ihn ein? Das wirst du ja auch nicht für jeden Fahrer machen.“ „Ben und seine Freundin gehören zu unserem Freundeskreis. Kann sein, dass du die beiden bei einer unserer Partys auch schon mal gesehen hast.“ Ich bekam dunkel ein Bild von einem großen, blonden Muskelpaket und seiner Freundin, einer typischen California Blondine vor Augen. „Das ist doch nicht dieser große, blonde Bodybuilder Typ. Oder?“ „Ich glaube, du meinst den Richtigen.“ „Der soll bei mir fahren?“ „Warum denn nicht?“ „Wenn ich das richtig im Kopf habe, hat der die Intelligenz nicht gerade mit Löffeln gegessen.“ „Du sollst ihn ja auch nur als Fahrer anstellen und nicht als Dispatcher oder Manager.“ „Aber auch dabei sollte man was draufhaben.“ „Fahren kann er. Das kann ich dir aus guter Erfahrung sagen. Der hat die letzten Jahre bei mir gut gearbeitet und ich war sehr zufrieden mit ihm.“ „Ich vergesse immer, dass du ein paar Jahre älter bist, als mein Schwesterchen.“ „Jessy steht halt nicht auf Milchbubis. Aber zurück zu Ben. Der ist wirklich ein sehr zuverlässiger Fahrer. Keine Probleme, keine größeren Schäden und kein Theater mit den Kunden.“ „Die Lebensmittelbranche ist aber auch etwas Anderes, als die Baubranche.“ „Bei der Auslieferung von Neumaschinen hat er aber auch häufiger mit den Chefs zu tun.“ „Gut. Er hat aber noch nie einen Reefer gefahren, oder einen Dry Van. Er kennt sich doch damit gar nicht aus.“ „Das kann man alles lernen. Du bis mit den Kenntnissen ja auch nicht auf die Welt gekommen.“ „Okay. Aber die Trailer, die ich in der Bauphase dahinter hatte, waren auch meist kürzer, als die 53 Fuß Trailer von Doubles rede ich gar nicht erst.“ „Schwertransporte haben wir aber auch regelmäßig.“ „Okay. Wie weit ist er denn bisher gefahren?“ „Das ist der Haken an der Sache. Bisher hat er überwiegend Nordkalifornien bedient.“ „Will er denn als Long Hauler fahren?“ „Er schon. Ich weiß nur nicht, ob Susan das auch will.“ „Ist das seine Freundin?“ „Genau. Zwischen den beiden kriselt es aber auch häufiger mal.“ „Keine gute Voraussetzung.“ „Wenn das bei den beiden so weitergeht, hält das sowieso nicht mehr lange. Spätestens dann will er mit Sicherheit weit weg.“ „Du möchtest also allen Ernstes, dass ich jemanden einstelle, der bisher weder Erfahrung im Fernverkehr, noch generell mit Konsumgütern hat.“ „Ich kann nur noch mal betonen, dass er hier immer gute Arbeit geleistet hat.“ „Okay, von mir aus. Dann soll er seine Bewerbungsunterlagen fertig machen. Die kannst du dann ja Jessy geben. Sie gibt sie dann mir oder Keela.“ „Okay.“ Wir verabschiedeten uns dann und ich machte mich langsam zur Abfahrt bereit. Nach Beendigung der PTI machte ich mich um fünf Uhr wieder auf den Weg.

    Ich fuhr zurück auf die I-10 in Richtung Westen. Nun ging es die ersten Stunden durch Louisiana weiter. Als die Sonne langsam unterging, erreichte ich die Grenze zu Texas. Bis nach Houston blieb ich auch noch auf der I-10. Dort wechselte ich dann auf die I-45 in Richtung Norden. Nun ging es weiter durch die Nacht, bis ich meine kurze Pause machte.
    Den Tankstopp und meine kurze Pause erledigte ich am Pilot Travel Stop in Buffalo, TX. Dort hatte ich ja vor kurzem erst gestanden und war dort zufrieden gewesen. Ich dehnte die Pause aber nicht unnötig aus und fuhr nach der vorgeschriebenen halben Stunde sofort weiter. Es war dann fast Mitternacht, als ich weiterfuhr.

    Bis nach Dallas blieb ich noch auf der I-45. Dort wechselte ich aber dann auf die I-20. Es ging dann auch wieder in westlicher Richtung weiter. Den größten Teil der zweiten Nachthälfte verbrachte ich dann auf der I-20. Dabei passierte ich Fort Worth und Abilene. Bei Roscoe, TX verließ ich dann die I-20 und fuhr auf die US-84 in Richtung Snyder und Lubbock. Die US-84 war ebenfalls wie eine Interstate ausgebaut. So kam ich auch hier noch gut voran. Trotzdem ging mir langsam meine Fahrzeit aus. Im kleinen Örtchen Snyder, was sich an der Kreuzung der US-84 mit der US-180 befand, gab es einen kleinen Truckstop.
    Im Rip Griffin Travel Center, was eine kleine lokale Kette war, gab es laut meiner Truckstop App, immerhin 26 LKW Parkplätze und sogar fünf Duschen. Außerdem einen Trucker Store. Die Verpflegung war hier nicht ganz so abwechslungsreich. Immerhin gab es hier einen Burger King. Ich fuhr also in Snyder auf den kleinen Truckstop und hatte mal wieder Glück. Ein Kollege hatte gerade seine PTI beendet und fuhr aus der Parklücke. Vermutlich würde die Lücke nicht lange frei bleiben. Da ich gerade da war, war sie dann durch mich schon wieder belegt.
    Nachdem ich geparkt und Feierabend gemacht hatte, ging ich dann in den Truckstop. Dort ging ich zuerst duschen. Anschließend holte ich mir noch einen Whopper als Abendessen. Zurück im Truck legte ich mich dann recht schnell hin.

    Mittwoch, den 15. August 2018, 1:30 pm, Central Daylight Time, Snyder, TX:

    Am Mittag um halb Zwei klingelte mein Wecker wieder. Irgendwie war ich noch etwas müde. Ich schaltete daher noch einmal die Schlummer Taste an, bevor ich dann schließlich aufstand. Ich erledigte meinen üblichen Tagesablauf. Nach dem Aufsetzen des Kaffees ging es zum Duschen in den Truckstop und anschließend gab es dort den ersten Kaffee der Schicht. Um halb Drei begann ich mit der PTI, die ich dann eine Viertelstunde später beendete. Nun ging es auf den Endspurt nach Plainview.
    Über die US-84 ging es erstmal weiter in Richtung Lubbock. Auf dem Weg dahin klingelte dann mein Telefon. Die Nummer hatte ich nicht eingespeichert, also meldete ich mich förmlich: „M.M. Trucking, mein Name ist Marc Murdock, schönen guten Tag.“ „Hallo Marc, hier ist Marty.“ Hörte ich eine Stimme, die ich erst kürzlich gehört hatte. „Hallo Marty. Deine Bewerbungsunterlagen sind angekommen. Sobald ich wieder in Kalifornien bin, machen wir mit meiner Freundin und Geschäftspartnerin zusammen ein Vorstellungsgespräch.“ „Deswegen rufe ich an. Das wird leider nicht mehr nötig sein.“ „Wie jetzt?“ fragte ich irritiert. „Ich hatte da schon gar nicht mehr dran gedacht, aber ich hatte mich vor einem halben Jahr oder so, als Oilfield Trucker bei der Texaco beworben. Die haben sich gestern gemeldet, dass ich dort anfangen kann. Dafür muss ich zwar nach Texas ziehen, aber die Bezahlung ist einfach irre. Außerdem ist das mal was völlig Anderes.“ „Also mein Ding wäre das nicht, aber wenn es dir Spaß macht. Die bekommen da zwar viel Geld, müssen aber auch richtig malochen.“ „Ich weiß. Ich stehe aber auf solche Herausforderungen. Ich habe auch schon überlegt, mal einen Winter auf der Ice Road zu fahren.“ „Das wäre noch weniger meins. Okay. Da kann ich auch von der Bezahlung nicht gegen anstinken. Ich wünsche dir dabei viel Erfolg. Falls du das irgendwann mal leid bist, kannst du ja immer noch mal nachfragen.“ „Okay. Das mache ich dann. Ich habe übrigens deine Adresse noch an zwei gute Kollegen von mir weitergegeben. Von denen wirst du in den nächsten Tagen Post bekommen.“ „Ich hoffe nicht nur gute Freunde, sondern auch gute Fahrer.“ „Sonst hätte ich sie nicht empfohlen. Daniel ist etwa in deinem Alter und Bob ist um die 30. Sie gehören beide zu den besseren Swift Fahrern. Ach so. Bob ist ein Schwarzer. Ich hoffe du hast keine Rassenvorurteile.“ „Nichts liegt mir Ferner.“ „Dann ist es ja gut. Wo bist du denn gerade?“ „Mitten in Texas.“ „Na dann noch gute Fahrt.“ „Danke. Dir viel Erfolg bei deiner neuen Arbeit.“ Wir legten auf. Ich schrieb dann Keela eine Nachricht, dass sich das Thema Marty erledigt hatte und dass wir weitere Bewerbungen zu erwarten hätten.

    Kurz darauf erreichte ich Lubbock. Hier wechselte ich erst auf die TX-289, die Loop Frontage Road, die quasi als Ring um Lubbock herumführte. Die verließ ich aber an der nächsten Ausfahrt wieder um in Richtung Norden auf die I-27 zu wechseln. Über diese Interstate sollte ich dann direkt nach Plainview kommen. Ich war jetzt eine Stunde unterwegs und brauchte dann noch mal die gleiche Zeit, bis ich in Plainview ankam. Um viertel vor Fünf stand ich dann am Tor des Costco Lagers, wo meine Cerealien hinsollten. Um fünf Uhr stand der Trailer dann am Dock und der nächste Auftrag im System:

    PICKUP: EST-TXPLV
    GATE: 02
    TRAILER: DV53765
    FREIGHT: FRUITS
    WEIGHT: 33,160 LB
    DROP: DST-NMSFE
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-JMU.

    Keela hatte Jessy wieder an den Rechner gelassen, was durch ihre Sig klar war. Es gab also von hier eine Ladung Früchte von hier nach Santa Fe. Es ging also wieder nur Stückchenweise nach Hause. Zumindest die Richtung stimmte.
    Ich fuhr also zum Außenlager, wo ich eine Viertelstunde später ankam. Nach dem Papierkrieg gab es dann den Dry Van für mich.

    Mit dem im Schlepp ging es dann zurück zur I-27. Dort fuhr ich dann wieder in nördlicher Richtung oder in Richtung Amarillo auf. Dort wechselte ich dann in westliche Richtung auf die I-40.
    Beim Pilot Travel Center in Vega, TX hielt ich dann wieder für meine kurze Pause. Hier tankte ich den Truck noch mal mit günstigem Texas Diesel auf. Anschließend machte ich dann noch meine Pause, bei der ich dann im Truckstop noch einen Burger aß.

    Um viertel vor Acht am Abend fuhr ich dann wieder weiter. Nun dauerte es auch nicht mehr lange, bis ich New Mexico erreichte. Dieses Mal brauchte ich auch nicht auf die Waage, ich konnte sofort durchfahren. Ich passierte noch Tucumcari und Santa Rosa. An der Ausfahrt 256 ging es dann von der Interstate runter. Nun ging es über die US-84 in Richtung Norden weiter. Auf dem Schild stand zwar Las Vegas, es war aber nicht die Spielermetropole in Nevada gemeint, sondern die gleichnamige Stadt in New Mexico.

    Inzwischen war es schon wieder dunkel. Südlich der Stadt Las Vegas kam ich dann an die I-25, auf die ich nun wieder in Südlicher Richtung auffuhr. So sollte ich dann nach Santa Fe kommen. Es ging dann in die Stadt rein, wo ich dann an der Cerrillos Road, einer der wichtigsten Straßen von Santa Fe, den Discount Store erreichte.

    Inzwischen hatte ich auch die Nachricht erhalten, dass ich dort nur den Trailer tauschen musste. Der Curtainsider, den ich dort bekam, war dann mit leeren Paletten für das Zentrallager in Albuquerque beladen. Also wieder keinen Heimatschuss, sondern nur eine Zwischentour. Eine halbe Stunde vor Mitternacht hatte ich dort alles erledigt und konnte wieder losfahren.
    Auf dem Weg zur I-25 zurück kam ich nun noch am Walmart Supercenter vorbei, was nicht allzu weit vom Discount Store entfernt war.
    Meine Fahrzeit würde dann noch ziemlich genau bis nach Albuquerque reichen. Es ging auf die Interstate zurück und dort weiter in Richtung Süden. Eine gute Stunde später hatte ich dann Albuquerque erreicht.
    An der Ausfahrt Montgomery Boulevard ging es dann von der Interstate runter. In dem Gewerbegebiet, was dann westlich der Interstate lag, hatte auch Walmart einen großen Teil für sich beansprucht. Am Walmart Zentrallager stellte ich dann noch schnell den Trailer ans Dock. Anschließend war dann die erwartete Anweisung im System:

    10H BREAK

    WAT-CASAC-CSA.

    Charlie schickte mich also in die Pause. Da ich nicht in dem Gewerbegebiet stehen bleiben wollte und auch noch genug Zeit hatte, fuhr ich noch zum TA Truckstop rüber, welcher in der Nähe des Kreuzes von I-40 und I-25 lag. Es war dann zwar zwei Uhr, als ich dort ankam, mit dem Bobtail war es aber kein Problem, noch eine Parkmöglichkeit zu ergattern. Nach so viel auf- und absatteln in dieser Schicht war ich dann doch ziemlich kaputt. Ich legte mich also sofort zum Schlafen in meine Koje.

    Donnerstag, den 16. August 2018, 11:00 am, Mountain Daylight Time, Albuquerque, NM:

    Gegen elf Uhr klingelte mein Wecker dann wieder. Im Moment war ich etwas unmotiviert, da ich noch nicht so genau wusste, was auf mich zukommen würde. Wenn ich in meiner Restzeit vor dem nächsten Reset aber nach Hause wollte, dürften keine großen Umwege mehr auf mich warten. Ich erledigte meine Morgenroutine mal wieder nach dem üblichen Ablaufplan. Erst wurde Kaffee gekocht, dann ging es zum Duschen in den Truckstop. Auch der erste Kaffee der Schicht wartete wieder dort auf mich.
    Zurück im Truck schaltete ich die Systeme wieder an und stellte E-Log und ORBCOMM auf PTI. Dann erledigte ich gemütlich die PTI des Bobtails. Ohne einen Trailer, der zu kontrollieren war, ging das natürlich entsprechend schnell. Nun konnte ich nachschauen, ob bereits ein Auftrag für mich im System stand:

    PICKUP: CST-NMABQ
    GATE: 01
    TRAILER: DV28526 / DV28636
    FREIGHT: MILK POWDER
    WEIGHT: 39,500 LB
    DROP: NMA-CASAC
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: STAA-DOUBLE, DOLLY (NM)412-NXK

    WAT-CASAC-DSN.

    Ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass mir Danny einen Heimatschuss besorgen würde. Ich sollte aufhören, von Danny immer nur negativ zu denken. In den letzten Monaten hatte mich Danny ja eigentlich eher selten enttäuscht.
    Ich startete die Maschine und machte mich wieder auf dem Weg zurück zum Zentrallager. Das war einer der wenigen Unterschiede, die ich noch zu den eigenen Fahrern hatte. Ich durfte nicht auf dem Walmart Gelände für eine 10 Stunden Pause oder gar für einen Reset stehen bleiben. Eine kurze Pause wurde in der Regel toleriert. Der Rest ging aus versicherungstechnischen Gründen nicht.
    Um halb Eins war ich aber auf dem Gelände und konnte meine Papiere aus dem Büro holen. Anschließend sattelte ich mein Double auf. Nun folgte die bei einem Double etwas umfangreichere PTI der Trailer. Um viertel vor Eins hatte ich aber alles erledigt und konnte losfahren.
    Bis zur I-25 brauchte ich nur wenige Minuten. Hier ging es noch mal kurz in Richtung Süden. Kurz darauf folgte aber sofort der Wechsel auf die I-40 in Richtung Westen. Hier nahm ich die rechte, der durchgehenden Spuren und stellte den Tempomat auf 66 mph.
    Dann wählte ich unsere private Rufnummer an. „Hallo Schatz.“ Wurde ich von Keela begrüßt. „Was gibt es?“ „Was ist dir am Samstag wichtiger? Surfen oder Vorstellungsgespräche mit potentiellen Fahrern?“ „Eigentlich Surfen.“ Lachte Keela. „Da ich aber aufpassen muss, dass du mir nicht die falschen Leute einstellst, muss ich das Surfen am Samstag wohl etwas verkürzen.“ „Marty hat mich ja angerufen, dass er als Oilfield Trucker arbeiten möchte und daher nicht mehr zur Verfügung steht.“ „Das hattest du mir geschrieben.“ „Wie viele Bewerbungen sind denn inzwischen eingegangen?“ „Wie viele erwartest du denn?“ „Vermutlich drei. Einmal der Freund von Dave und Jessy und dann noch zwei gute Kollegen von Marty. Denen hat er auch unsere Adresse gegeben.“ „Jessy hat mir gestern die Bewerbung von Ben mitgebracht. Zwei waren heute im Briefkasten, also sollten alle da sein.“ „Gut. Dann laden wir die drei Fahrer ein. Falls die drei Kandidaten Totalausfälle sind, dann können wir immer noch weitersuchen.“ „Dann wollen wir mal hoffen, dass die Drei dann Zeit haben. Ich lade sie für Samstagmorgen ein. Am Nachmittag wäre ich dann gerne in Pacifica.“ „Ich wollte am Samstag aber auch noch zu NorCal Kenworth.“ „Da wirst du dann wohl alleine hinmüssen. Ich habe sowieso nicht genug Ahnung von Trucks.“ „Na gut.“ „Ich muss jetzt auflegen. Ich bin noch nicht ganz fertig und muss gleich ins Büro.“ „Okay. Dann mal bis später. Ich liebe dich.“ „Ich dich auch.“ Keela legte auf.

    Meine Fahrt führte mich immer weiter nach Westen. Ich kam an Gallup vorbei und erreichte etwas später die Grenze zu Arizona. Da wir ja Sommer hatten, war ich jetzt wieder in der gleichen Zeitzone, wie zu Hause. Zu meiner Überraschung brauchte ich, trotz STAA-Double nicht über die Waage. Ich fuhr an Holbrook vorbei und merkte dann, dass ich langsam Hunger bekam. Also fuhr ich mal wieder zum Love’s Travel Stop, Joseph City, AZ. Hier kam ich dann um halb Vier an.
    Ich parkte den Lastzug und ging dann hinein. Hier hatte ich dann die Wahl zwischen Subways und Chester’s. Da ich heute Lust auf Chicken hatte, entschied ich mich für letzteres. Ich bestellte mir ein paar Hot Wings und nahm anschließend noch einen BBQ Chicken Sandwich mit Potatoe Wedges und grünen Bohnen. So war das alles etwas würziger. Um viertel nach Vier hatte ich mein Mittagessen beendet und machte mich wieder auf den Weg.

    Als ich dann auf Höhe von Flagstaff war, ging es langsam in den Abend hinein. Die Sonne stand schon tief und blendete ganz schön. Irgendwann verschwand sie dann aber hinter den Bergen. Bei Kingman fuhr ich dann, wie üblich, von der Interstate, um an meiner Stammtanke die Tanks nochmal aufzufüllen. Es war zwar hier schon erheblich teurer, als gestern in Texas, aber immer noch günstiger, als zu Hause in Kalifornien. Um halb Neun waren die Tanks wieder voll und ich fuhr auf die letzte Etappe für heute.
    Es ging dann wieder zurück auf die I-40. Eine gute halbe Stunde später überquerte ich den Colorado River und kam somit nach Kalifornien. Nun musste ich das Tempo wieder auf 55 mph drosseln. Ich fuhr dann noch bis nach Ludlow, wo ich dann auf dem Parkplatz einer 76 Tankstelle Feierabend machte. Viel mehr gab es hier in der Wüste auch nicht. Ich telefonierte dann noch mit Keela, die mir mitteilte, dass wir Glück hatten. Die drei Fahrer hatten am Samstag Zeit und Keela hatte mit ihnen die Termine festgemacht. Das restliche Gespräch war dann etwas privater. Keela vermisste mich natürlich schon wieder und sie freute sich, dass ich dann wohl morgen zu Hause ankommen würde. Auch, wenn wir wahrscheinlich etwas weniger Zeit füreinander haben würden, als uns lieb war. Eine halbe Stunde später beschlossen wir beide, dass wir schlafen gehen wollten. Wir waren zwar nicht zusammen in einem Bett, inzwischen aber immerhin schon wieder im gleichen Staat.

    Freitag, den 17. August 2018, 8:00 am, Ludlow, CA:

    Ich hatte nicht nur die heimische Zeitzone erreicht, ich war endlich auch mal wieder in einer akzeptablen Schicht. Endlich brauchte ich mir nicht die Nächte um die Ohren schlagen. Trotzdem wollte ich um acht Uhr noch nicht so wirklich aufstehen. Nachdem ich einmal die Schlummer Taste gedrückt hatte, rang ich mich aber zehn Minuten später durch und stand dann doch wieder auf. Nun folgte weitgehend der übliche Ablauf. Ich setzte den Kaffee im Truck auf und ging dann zur Tankstelle rüber. Nachdem ich aber dort den Zustand der Toiletten gesehen hatte, verzichtete ich auf eine Dusche vor Ort und zog den Wasserkanister vor. Gegen neun Uhr war meine Pause um und ich konnte mit der PTI beginnen. Eine Viertelstunde später fuhr ich mit meinem Double im Schlepp wieder los und machte mich auf den Weg nach Hause.

    Es ging zurück auf die I-40 in Richtung Westen. Etwa eine Stunde später erreichte ich Barstow, wo ich dann wieder kurz auf die I-15 in Richtung Süden wechselte. Hinter Barstow verließ ich dann aber die Interstate und nahm, wie immer die CA-58 durch die Mojave nach Bakersfield.
    Während meiner Fahrt durch die Wüste klingelte mein Telefon. Unsere Nummer von zu Hause wurde angezeigt, also war Keela am Apparat. „Hey Süße, schön dass du dich meldest. Wie war deine Nachtruhe?“ „Abgesehen davon, dass ich alleine im Bett war, eigentlich gut.“ „Das wird sich ja die kommende Nacht ändern.“ „Schön. Ich bin auch schon am Überlegen, ob ich dieses Wochenende mal nicht zum Surfen fahre. So haben wir wenigstens zwei Nächte zusammen.“ „Die Entscheidung werde ich dir nicht abnehmen können. Das musst du ganz alleine entscheiden.“ „Weswegen ich eigentlich anrufe, weiß eigentlich schon ganz Nordkalifornien, dass wir einen Fahrer einstellen möchten?“ „Das wäre mir neu. Warum?“ „Ich war gerade am Briefkasten. Da waren schon wieder drei Bewerbungen drin.“ „Das ist ja unglaublich. Ich dachte, es herrscht Fahrermangel.“ „Das dachte ich auch.“ „Hast du mal reingeschaut?“ „Ja, habe ich. Da ist wohl noch ein Baumaschinentrucker und ein Swift Fahrer bei. Beim dritten Fahrer war ich aber selber erstaunt. Das ist einer unserer City Trucker.“ „Ein Walmart Fahrer?“ „Das ist ja das Komische. Gegen die Arbeitsbedingungen, die Walmart ihren Fahrern bietet, können wir ja gar nicht konkurrieren.“ „Das heißt, wir haben jetzt sechs Bewerber.“ „Richtig.“ „Wie hattest du die anderen Termine vergeben?“ „Für morgen Vormittag um Zehn, viertel vor Elf und halb Zwölf. Ich dachte immer an eine halbe Stunde Gespräch, und eine Viertelstunde für Vor- und Nachbereitung.“ „Dann leg noch zwei Termine davor und einen danach. Wir reden mit allen sechs Fahrern und entscheiden uns dann danach.“ „Bist du sicher?“ „Bei dem Angebot wird wohl jemand dabei sein. Jetzt ist aber Annahmeschluss. Mehr Bewerber nehme ich nicht.“ „Gut. Dann macht es sowieso keinen Sinn mehr, noch nach Pacifica zu fahren. Ich will ja nicht im Dunkeln surfen.“ „Du kannst ja Sonntag noch rüberfahren. Da werde ich mit Sicherheit wieder losmüssen.“ „Mal sehen. Vielleicht fahre ich noch eine Runde mit der Harley am Sonntag.“ „Vielleicht schaffen wir ja am Samstag auch noch eine kurze Runde durch die Sierra Nevada.“ „Wenn du noch zu NorCal Kenworth willst, dann wohl eher nicht.“ „Mal sehen. Wenn wir aber wirklich zum 1. September mit einem zweiten Truck starten wollen, dann muss ich da morgen hin.“ „Da hast du recht. Mach da aber am besten einen Termin aus.“ „Okay. Mache ich.“ „Ich rufe dann jetzt die drei Bewerber an und vergebe noch Termine für morgen.“ „Mach das. Dann bis heute Abend. Ich vermisse dich.“ „Ich dich auch. Bis nachher.“ Wir legten auf.

    Als nächstes suchte ich die Nummer von NorCal Kenworth aus meinem Telefonspeicher und rief dort an. „NorCal Kenworth, Sacramento, Sie sprechen mit David Johnson, was kann ich für Sie tun?“ „Hallo Mr. Johnson. Marc Murdock von M.M. Trucking, Sacramento. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch an mich erinnern.“ Ich hörte das klackern der Tastatur im Hintergrund. „Jetzt erinnere ich mich. Sie haben letztes Jahr den W900 bei uns gekauft. Ihr Vater ist von Walmart, oder?“ „Richtig.“ „Gibt es irgendwelche Probleme, bei denen ich Ihnen helfen kann?“ „Das hoffe ich. Ich möchte expandieren und möchte dazu eine weitere Zugmaschine bei Ihnen finanzieren.“ „Kein Problem. Das ist ja mein Job, Zugmaschinen zu verkaufen.“ „Ich habe Interesse an einem weiteren neuen Kenworth, da ich mit der Marke zufrieden bin. Der Haken ist, dass ich die Maschine bereits zum 1. September haben muss.“ „Das dürfte problematisch werden. Kenworth W900 stellen wir uns nicht auf Halde. Die gehen nur nach Auftrag in Produktion. Zum 1. Oktober wäre realistisch. Ich kann Ihnen allenfalls für die Übergangszeit eine Miet-Zugmaschine zur Verfügung stellen.“ „Ich habe nicht von einem W900 gesprochen. Laut den inzwischen geänderten Vertragsbedingungen von Walmart darf ich sowieso keinen Klassiker neu beschaffen. Ich muss ein modernes, umweltschonendes Fahrzeug einsetzen. Außerdem ist der Verbrauch das Einzige, was mir bei meinem W900 nicht zusagt.“ „Kenworth T680 haben wir als Neufahrzeuge hier verfügbar. In verschiedenen Versionen. Mit unterschiedlichen Sleepern, Motoren und Getrieben.“ „Das klingt gut. Da ich es heute nicht mehr schaffe, bis fünf Uhr in Sacramento zu sein, würde ich gerne für morgen Nachmittag einen Termin machen.“ „Für zufriedene Kunden unseres Hauses machen wir ja fast alles. Würde Ihnen drei Uhr, morgen Nachmittag passen?“ „Das passt.“ „Dann sehen wir uns morgen, Mr. Murdock.“ Wir legten auf.

    Die Fahrt durch die Wüste war durch die Telefonate wie im Flug vergangen. Ich hatte inzwischen Bakersfield erreicht, wo ich nun in den Freitagsverkehr kam. Ich quälte mich dann von Ampel zu Ampel durch die Stadt, bis ich die Auffahrt zum Golden – State – Highway erreichte. Über die CA-99 ging es nun auf direktem Weg nach Hause. Hier lief es dann auch wieder besser, als in Bakersfield. Ich fuhr dann erstmal weiter bis nach Fresno. Hier fuhr ich mal wieder auf den Truckstop, den ich seit Beginn meiner Karriere immer wieder gerne besuchte.
    Ich ging zum Essen in das Restaurant und traf ein paar bekannte Gesichter. Da ich aber zu meiner Süßen wollte, fuhr ich eine dreiviertel Stunde später schon wieder weiter. Es ging zurück auf den Golden – State – Highway, auf dem ich dann den Rest des Freitagnachmittags und den beginnenden Freitagabend verbrachte.

    Kurz nach Sieben erreichte ich dann die ersten Vororte von Sacramento. Auf dem Weg zum Neighborhood Market kam dann die obligatorische Meldung: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Ich hatte aber Vertrauen in Keela und Jessy, dass mir nichts mehr passieren sollte. Viel Fahrzeit hatte ich sowieso nicht mehr. Umso mehr wunderte ich mich über die Meldung: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Gegen halb Acht fuhr ich auf das Gelände des Neighborhood Markets. Nun schaute ich erstmal ins ORBCOMM, was das noch für eine Anschlussfracht sein sollte:

    PICKUP: NMA-CASAC
    GATE: 02
    TRAILER: CT53998
    FREIGHT: EMPTY PALLETS
    WEIGHT: 43,500 LB
    DROP: EST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-JMU.

    Ich sollte also noch als City Trucker missbraucht werden. Andererseits hatte ich nichts dagegen, noch ein paar Dollar für den Weg nach Hause zu bekommen. Ich meldete mich bei dem bekannten Filialleiter und forderte dort auch gleich die Ladung Leerpaletten ab. Mangels Anhängerkupplung konnte ich das Double an die Seite stellen. Das würde dann der Job des City Truckers. Anschließend sattelte ich den Trailer mit den Paletten auf und erledigte eine schnelle PTI.
    Gegen acht Uhr konnte ich dann zum Außenlager losfahren. Da Keela eh noch zwei Stunden arbeiten musste, kein Problem. Eine Viertelstunde später erreichte ich das Außenlager. Dort setzte ich noch schnell den Trailer ans Dock, dann hatte ich auch die erwartete Anweisung im System stehen:

    35 H RESET

    WAT-CASAC-JMU.

    Ich fuhr zu meiner Halle und stellte die Zugmaschine hinein. Dort erledigte ich noch schnell den nötigen Papierkram. Als das erledigt war, ging ich nach oben in unsere Wohnung. Dort verschwand ich erstmal im Bad und machte wieder einen Menschen aus mir. Ich wollte ja nicht, dass mich Keela rauswarf, weil ich wie ein Büffel roch.
    Kurz nach Zehn kam meine Süße dann auch nach Hause. Sie fiel mir um den Hals und bombardierte mich erstmal mit Küssen. So sehr hatte sie mich vermisst. Der nun folgende Abend dauerte allerdings nicht mehr lange an. Da wir morgen viel vorhatten, gingen wir dann doch recht schnell ins Bett.

    Samstag, den 18. August 2018, 7:00 am, Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Um sieben Uhr standen Keela und ich auf. Nachdem wir gemeinsam die Dusche benutzt hatten, zogen wir uns an und gingen zum Frühstücken in die Küche. Dabei waren wir froh, dass wir Zeit zusammen verbrachten. Wir sahen uns ohnehin zu selten. Ich ertappte mich dabei, wie ich Keela verträumt ansah und kaum registrierte, was sie mir erzählte. Ich betrachtete ihre schlanke, sportliche Figur, die in ihrer engen Jeans und dem figurbetont geschnittenen T-Shirt gut zur Geltung kam. Ihre rotblonden Haare waren inzwischen wieder etwas länger und daher zu einem Lockenkopf geworden. „Hörst du mir eigentlich zu?“ ertappte sie mich dann dabei. „Bitte?“ fragte ich. „Genau. Ich erzähle dir hier, wie sich Jessy gemacht hat und dass sie ab kommender Woche die Spätschicht alleine macht und du starrst mich nur an, als hättest du mich noch nie gesehen.“ „Sorry, Süße.“ „Wenn es dich nicht interessiert, wie sich deine Schwester so macht, oder was ich dir erzähle, dann sag es einfach.“ „Doch, sicher interessiert mich das.“ „Warum starrst du mich dann so an?“ „Weil ich dich liebe.“ Sie kam zu mir und gab mir einen langen Kuss. „Ich liebe dich ja auch.“ „Dann werde ich dich auch noch ansehen dürfen.“ „Klar darfst du das. Wenn du mich so vermisst, dann solltest du vielleicht doch nicht so weit wegfahren.“ „Das liebe ich aber auch. Die Tour nach Florida war echt super. Ich hätte dich gerne dabeigehabt.“ „Das Thema hatten wir doch schon oft genug.“ „Ich weiß.“ „Ich hätte dich ja auch gerne öfter hier. Bei den Touren von Küste zu Küste geht das aber halt nur alle zwei Wochen.“ „Wie schaffen das denn andere Paare?“ „Keine Ahnung. Ich habe Sandra Dansör das mal gefragt. Aber in Europa sind die Entfernungen auch etwas kleiner. Außerdem treffen sie sich auch immer wieder an verschiedenen Niederlassungen. Wenn Christian das Wochenende in München steht, dann fliegt sie auch schon mal eben dahin. Außerdem fahren die beiden auch immer wieder mal eine Tour zusammen.“ „Der Job kann echt ein Beziehungskiller sein.“ „Solange ich wenigstens jeden Tag deine Stimme am Telefon höre, geht das alles noch. Vielleicht solltest du trotzdem nicht jedes Mal eine Coast to Coast Tour fahren. Eine lange Tour, dann nur eine bis nach New Mexico oder Colorado und dann wieder eine lange Tour.“ „Wäre eine Idee.“ „Oder zwischendurch mal eine Woche Regionalverkehr.“ „Da ist man auch nicht unbedingt öfter zu Hause. Denk an meine Anfänge. Da war ich auch die ganze Woche unterwegs, nur die Orte, wo ich gestanden habe, waren nicht in Alabama oder so, sondern in Kalifornien oder Arizona.“ „Stimmt auch wieder.“
    Keela löste sich aus meiner Umarmung und machte uns erstmal ein Müsli. „Ein paar Cerealien für jetzt. Heute Mittag gibt es was Besseres.“ Wir löffelten unser Müsli, danach gingen wir dann ins Büro runter. Den Kaffee nahmen wir aber mit.

    Im Büro nahm ich mir dann die Bewerbung unseres ersten Kandidaten vor. Ronald Rawlins war einer der Bewerber, von denen Keela die Bewerbung gestern noch im Briefkasten gefunden hatte. Er war 28 Jahre alt und kam aus Elk Grove, CA. Wie alle Swift Fahrer aus dieser Gegend gehörte er zur Niederlassung Lathrop, CA, welche südlich von Stockton lag. Laut seinen Unterlagen war er dort jetzt seit fünf Jahren angestellt.
    Ursprünglich hatte er eine Ausbildung zum Fachlageristen gemacht und erst in einem Verteilungszentrum gejobbt. Dort hatte er sich dann zum Shunter Fahrer hochgearbeitet und war dann zu Swift gewechselt, weil er keine Lust mehr hatte, nur auf dem Werksgelände rumzufahren. Er war nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder.
    Pünktlich um halb Neun stand er dann auf der Matte und wurde von mir ins Büro geholt. Als er Keela im Büro erblickte, war er erstmal erstaunt. „Sie sind auch hier? Ich dachte, sie arbeiten bei Walmart in der Dispatch.“ „Haben Sie das gestern noch nicht gemerkt, als wir telefoniert haben?“ wunderte sich Keela. „Ich habe da ja andere Dispatcher. Es gibt ja sicher auch mehrere Miss Ryans in Sacramento.“ „Da haben Sie recht.“ Ich kam dann zum Thema. „Erstmal herzlich Willkommen bei M.M. Trucking. Sie haben sich bei uns als Fahrer beworben. Da wir die Stelle nicht öffentlich ausgeschrieben haben, möchte ich doch erstmal wissen, wie sie auf uns gekommen sind.“ „Sie hatten ja wohl ein Gespräch mit Martin Powell. Der ist ja ein Kollege von mir. Marty fängt ja wohl doch nicht hier an, hat das aber Daniel Dawson gesagt, der ein Freund von mir ist.“ „Und jetzt versuchen Sie Ihrem Freund die Stelle wegzuschnappen?“ fragte Keela erstaunt. „Das sind ja tolle Freunde.“ „Ich wusste ja nicht, dass nur eine Stelle offen ist.“ Verteidigte sich Ronald. „Wenn Sie glauben, wir haben hunderte von Trucks und Jobs, sind Sie hier falsch.“ Sagte Keela. „Mag sein. Aber bei sowas hört die Freundschaft auch auf.“ „Sie sind jetzt seit fünf Jahren bei Swift. Was haben Sie denn dort gefahren?“ „Überwiegend Dry Vans und Reefer. Ich habe aber auch die Endorsements für Gefahrgut und Doubles. Manchmal hatte ich auch mal ein Flatbed dahinter.“ „Für welche Kunden waren Sie im Einsatz?“ „Ich hatte da keine festen Kunden oder Routen. Man hat mich heute hier und morgen da eingesetzt. Auch mal bei Walmart aber auch für die Konkurrenz.“ „Wie sind Ihre Bewertungen?“ „Unterschiedlich. Das kommt immer auf den Kunden an. Manche sind da schwierig.“ „Dann konkret bei Walmart.“ „Überwiegend gut. Bei der Anlieferung von Discount Stores oder Neighborhood Markets etwas schlechter.“ „Wann hatten Sie Ihren letzten Unfall mit einem Truck?“ „Vor zwei Jahren.“ „Was war da passiert?“ „Das war bei der Anlieferung bei einem sehr engen Kunden in LA. Da habe ich auf dem Parkplatz ein paar PKW ineinandergeschoben.“ Keela verdrehte die Augen. „Welche Regionen haben Sie bisher gefahren?“ USA, Kanada und Mexico. Aber überwiegend an der Westküste.“ „Haben Sie Probleme damit, mehrere Wochen von zu Hause weg zu sein?“ „Überhaupt nicht. Ich bin Single. Auf mich wartet keiner zu Hause.“ „Was für Trucks haben Sie bisher gefahren?“ „Zu 90 % Freightliner, sonst schon mal Volvo.“ „Keine Erfahrung auf Kenworth?“ „Bisher nicht.“ „Bevorzugen Sie einen Truck Hersteller?“ „Ich bin viel Freightliner gefahren. Die finde ich gar nicht schlecht. Aber eigentlich ist es egal.“ „Fuller Getriebe können Sie aber fahren.“ „Natürlich.“ „Wann können Sie den anfangen?“ „Da ich sowieso wechseln wollte, habe ich bereits gekündigt. Ich wäre also ab Anfang September verfügbar.“ „Okay. Wir haben heute noch mehr Vorstellungsgespräche. Unter anderem mit ihrem Freund Daniel Dawson. Wir melden uns, wenn wir uns entschieden haben.“
    Ronald Rawlins verabschiedete sich und ging. Als er raus war, fragte ich Keela: „Was meinst du?“ „Er hat zwar Erfahrung im richtigen Bereich und alle erforderlichen Endorsements, aber sympathisch ist was anderes.“ „Das ging mir auch so. Offensichtlich hat er auch schon mal ein Problem mit den Marktleitern gehabt. Sonst hätte er ja eine einwandfreie Bewertung.“ „Da sollte man aber vorsichtig sein. Manche Marktleiter geben schon eine schlechte Bewertung, wenn kein Leergut mitgenommen wird. Deine Bewertung ist auch nicht astrein.“ „Okay. Aber zu versuchen, seinem Freund den Job wegzuschnappen, geht eigentlich gar nicht.“ „Stimmt.“ „Was sagen deine Kollegen?“ „Der fährt als Status C, also gelegentlich für uns. Da können die Kollegen nicht viel sagen, weil die nicht von uns disponiert werden. Bei uns war er zumindest bisher immer pünktlich und hat keine negative Schadensbilanz.“ „Gut. Wer ist der nächste?“ „Robert Hastings.“ Ich nahm mir die Unterlagen.

    Robert Hastings war 32 Jahre alt, verheiratet und hatte zwei Kinder. Er kam aus Roseville, CA, im Nordosten von Sacramento. Dort hatte er bei der Holt of California, der Verkaufs- und Service Organisation von CAT (Benjamin Holt war einer der Gründer von Caterpillar und kam aus Stockton, CA), bei der auch Dave beschäftigt war, eine Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker absolviert. Die ersten Jahre nach der Ausbildung hatte er bei Holt of California auch weitergearbeitet. Irgendwann hatte er mehr Lust darauf, die Maschinen auszuliefern, als sie zu reparieren und bei einem Transporteur angefangen, der als Unternehmer für CAT im Einsatz war.
    Genau, wie bei Ben, den wir später noch begrüßen würden, hatte sein Chef darauf verzichtet, die neuen Umstellungen bei CAT mitzumachen. Sein Chef fuhr inzwischen im kleineren Umfang für JCB. Für Robert hatte er aber nicht viel machen können. Dave konnte Robert zwar wieder als Mechaniker anstellen, aber eben nicht als Trucker. Im Gegensatz zu Ben gehörte Robert aber nicht zu Daves Freundeskreis.

    Pünktlich um viertel nach Neun erschien Robert dann zum Termin. Im Gegensatz zu Ronald Rawlins wirkte der Familienvater aber auf Anhieb sympathisch. Ich stellte ihm Keela und mich kurz vor. Dann fragte ich ihn, wie er auf uns gekommen war. „Das meiste steht ja schon in meinen Unterlagen.“ Begann er. „Mein Chef wollte nicht zu den neuen Bedingungen für CAT fahren. Ob er es jetzt bei JCB besser getroffen hat, weiß ich nicht, aber das ist seine Sache. Auf jeden Fall startet er dort erstmal mit einer Maschine und hatte daher keinen Platz mehr für mich. Wir waren aber auch nur ein Betrieb mit zwei Trucks, von denen ich den älteren gefahren habe. Holt of California hat mir dann wieder einen Job als Mechaniker angeboten, aber eigentlich habe ich mehr Spaß am Fahren, als am Schrauben. Dave meinte dann, ich könnte es mal hier versuchen, wobei er mir keine großen Hoffnungen gemacht hatte.“ „Laut Ihrem Lebenslauf haben Sie, seit Sie das Fahren begonnen haben, Baumaschinen gefahren. Haben Sie sonst noch Erfahrungen im Güterverkehr?“ „Leider nicht. Ich bin ja ein Quereinsteiger.“ „Sie haben also bisher weder einen Dry Van, noch einen Reefer gezogen.“ „Da hatte ich keine Möglichkeit zu.“ „Haben Sie irgendwelche Endorsements?“ „Leider auch nicht. Für die Maschinen reichte die normale CDL aus. Ich bin aber bereit, diese zu erwerben.“ „Haben Sie irgendwelche Bewertungen oder Referenzen?“ „Nur das, was in den Unterlagen war.“ Ich warf noch mal einen Blick in die Bewerbung. Seine Zeugnisse und Bewertungen waren einwandfrei. Keine Unfälle, immer freundlich und zuvorkommen zu den Kunden, alles Tip top. „Okay. Sie sind Unfallfrei und haben einwandfreie Referenzen. In welchem Bereich sind Sie denn unterwegs gewesen?“ „Überwiegend in Nordkalifornien. Hier sitzen unsere Kunden nun mal. Ab und zu durfte ich mal Neumaschinen aus den Werken holen. Das war aber eher selten. Sonst waren es Auslieferungen oder Vermietungen. Mal auch Abholungen zu Reparaturen. Aber alles in der Region.“ „Der Job, um den es hier geht, ist aber für Long Haul Transporte. Haben Sie ein Problem damit, auch weiter weg zu fahren?“ „Ich habe Familie. Die möchte ich natürlich so oft, wie möglich sehen. Andererseits finde ich die Aussicht in die Ferne zu fahren sehr spannend. Da bin ich selbst etwas zwiegespalten.“ „Der Truck, den Sie fahren würden ist alleine von der Zugmaschine schon etwas länger, als der, den Sie bisher hatten. Sie hatten ja nur eine Maschine mit einem kleinen Sleeper. Die Trailer, die wir einsetzen sind meistens 53 Fuß lang. Haben Sie mit den längeren Abmessungen ein Problem?“ „Überhaupt nicht. Ich bin es auch gewohnt, mit wertvoller Fracht zu fahren. Ich denke, Sie können mir auch ohne Probleme empfindliche Waren anvertrauen.“ „Was haben Sie bisher für Trucks gefahren?“ „Das war ein Peterbilt mit einem 44 Inch Sleeper und 455 PS Maschine.“ „Haben Sie bestimmte Vorlieben oder Marken bei Trucks?“ „Ich mag die Klassiker. Die wird es aber wahrscheinlich nicht geben. Die Marke ist mir eigentlich egal. Hauptsache das Teil ist in Ordnung.“ „Okay. Haben Sie schon Fuller Getriebe gefahren?“ „Klar. Bisher nichts Anderes. Auf Baustellen macht es auch nicht viel Sinn mit Automatik zu fahren.“ „Okay. Hast du noch Fragen, Keela?“ „Sie haben ja in dem vakanten Bereich wenig Erfahrung. Meinen Sie, dass Sie das trotzdem hinbekommen?“ „Da bin ich sehr optimistisch. Ich habe als ehemaliger Mechaniker ein gutes technisches Verständnis. Die Mechanik zum Verschieben der Achsen oder die Bedienung eines Kühlaggregats werde ich wohl auch ohne Probleme hinbekommen.“ „Wann können Sie anfangen?“ „Ich bin ja schon arbeitslos. Im Prinzip kann ich sofort starten.“ „Okay. Wir bedanken uns erstmal. Wir haben heute noch mehr Kandidaten. Unter Anderem Ben Sullivan, den Sie vielleicht auch kennen. Ich würde sagen, wir melden uns bei Ihnen.“
    Nachdem Robert Hastings gegangen war, schaute ich Keela an. „Was meinst du?“ „Ich glaube, den würde ich eher einstellen, als den Rawlins. Rawlins hat zwar mehr Erfahrung, schien mir aber nicht so zuverlässig. Außerdem ist mir Robert viel sympathischer.“ „Das stimmt. Ich mache mir nur Gedanken, ob er wirklich in den Fernverkehr will.“ „Ich würde sowieso bei jedem Fahrer erstmal mit Regionalverkehr anfangen und das dann langsam steigern. Dann wird sich das zeigen.“ „Wer kommt als Nächstes?“ „Ben Sullivan.“ „Dann haben wir den wenigstens hinter uns.“

    Ben Sullivan war dann der erste Kandidat, den wir vorher schon persönlich kannten. Ich schaute noch mal in die Bewerbung. Ben war 26 und hatte auf dem Bau gelernt. Er war gelernter Maurer und hatte sich dann irgendwann zum Fahren entschlossen. Die Erfahrungen ähnelten denen von Robert Hastings. Auch Ben hatte für CAT die Maschinen gefahren uns keine weitere Erfahrung. Viel mehr ließ sich aus den Unterlagen auch nicht entnehmen.
    Ben erschien dann um Zehn. Da wir uns von ein paar Feiern bei Jessy und Dave kannten, brauchten wir uns wenigstens nicht vorzustellen. „Dave hat gesagt, dass du einen Job für mich hast.“ Kam er auch gleich zum Thema. Ich hatte das Problem, dass mir weder Ben, noch seine Freundin jemals sehr sympathisch gewesen waren. Bei Keela war das noch ein wenig anders, da Ben sie ein wenig an ihre großen Brüder erinnerte. Er war ein ebensolches Muskelpaket, wie Pat und Ken und kam ja genauso vom Bau.
    „Es ist richtig, dass ich einen Job zu vergeben habe.“ Begann ich daher. „Auf die eine freie Stelle haben sich aber auch sechs Leute beworben. Du bist einer von denen. Es ist also noch nicht gesagt, dass du den Job auch bekommst.“ „Dann habe ich das falsch verstanden.“ „Es ist aber möglich, wenn du dich gegen die anderen durchsetzt.“ Sagte Keela. „Gut. Was wollt ihr denn von mir wissen?“ „Du hast auf dem Bau angefangen und dann bist du Fahrer geworden?“ „Genau. Irgendwann hat John, mein Ex-Chef eine Maschine zur Baustelle gebracht. Ich habe ihm dann geholfen die Ketten loszumachen und dann haben wir geredet. Er wollte damals den zweiten Truck kaufen und suchte einen Fahrer. Ich wollte bei der alten Firma sowieso weg. Da habe ich die CDL gemacht und John hat mich eingestellt. Ich habe dann sogar einen nagelneuen Truck bekommen.“ „Ihr seid dann nur für CAT beziehungsweise Holt gefahren?“ „Fast nur. John hatte viele Bekannte in der Baubranche und wir sind auch mal für die gefahren. Hier mal einen Kipper, da mal einen Zementsilo oder mal Dynamit für einen Abbruch.“ „Du hast Endorsements für Gefahrgut?“ fragte ich erstaunt. „Ja, wegen dem Dynamit.“ „Aber Lebensmittel oder Konsumgüter hast du noch nicht gefahren?“ „Konsu… was?“ „Konsumgüter. Also Sachen, die man im Walmart bekommt.“ „Nee. Habe ich nicht. Braucht man da auch Scheine für?“ „Das nicht, aber Erfahrung wäre nicht schlecht.“ „Das kann man ja lernen.“ Meinte Keela. „Bist du denn was anderes gefahren, als Nordkalifornien?“ Ben nickte eifrig. „Nevada war ich auch oft. Reno oder Carson City.“ Nun verdrehte ich die Augen.
    Keela fuhr dann fort: „Wenn es weiter weg geht, als nach Kalifornien oder Nevada, hast du da ein Problem mit?“ „Mit einem Navi werde ich da schon ankommen.“ Ich musste mich zusammenreißen um nicht schon wieder die Augen zu verdrehen. „Ich meinte, ob du ein Problem hast, wenn du mehrere Tage oder Wochen zu Hause weg bist.“ „Ich habe da keine Probleme mit.“ „Und was sagt Susan dazu?“ fiel ich ins Wort. „Susan ist damit nicht so ganz einverstanden. Sie will aber auch, dass ich wieder einen Job habe.“ „Verstehe. Hattest du schon mal einen Unfall mit dem Truck?“ „Nee. Ich fahre immer vorsichtig. Da ist bisher noch nichts passiert.“ „Eine Baustelle ist aber auch kein Walmart Parkplatz.“ Stellte ich fest. „53 Fuß Trailer hast du auch noch nicht gefahren?“ „Doch. Mit dem Dynamit. Das waren so Flat Bed Trailer mit einer Plane drüber.“ „Also Curtainsider.“ „Wenn die so heißen.“ „Du kommst also mit den langen Trailern klar.“ „Das ist kein Problem. Ich hatte aber nie eine lange Zugmaschine. Wir hatten ja nur Day Cab.“ „Was hattest du denn für einen Truck?“ „Einen echten CAT Truck. Ein CT680.“ „Was anderes hattest du noch nicht?“ „Nee, warum?“ „Dann hast du auch noch nie Fuller Getriebe gefahren?“ „Was weiß ich, was der für ein Getriebe hatte.“ Irgendwie fielen mir keine guten Fragen mehr ein.
    Von der Qualifikation war er bisher der schlechteste der drei. Den einzigen Bonus, den er hatte war der, dass ich dann Jessy erklären musste, warum ich ihn nicht eingestellt hatte. Ich blickte verzweifelt zu Keela, sie zuckte aber auch nur mit den Schultern. „Okay, Ben.“ Begann sie. „Wir haben heute noch drei andere Gespräche. Dann müssen und werden wir uns für einen von euch sechs Fahrern entscheiden. Wer das wird, wissen wir noch nicht. Vielleicht solltest du aber auch bei den Baufirmen mal fragen. Da werden ja auch immer Kipper Fahrer oder welche, die Betonmischer fahren, gesucht. Wenn wir in Minnesota wären, könnte ich dich ja an meine Familie verweisen. Hier weiß ich das aber auch nicht.“ „Das klingt nicht so, als würde ich den Job bekommen.“ Stellte sogar Ben fest. „Wir können es noch nicht sagen, ich fürchte aber, du bist auf dem Bau besser aufgehoben, als bei uns.“ „Okay.“ Mit hängendem Kopf verließ Ben unser Büro.
    Keela schaute mich an. „Irgendwie tut er mir leid. Aber ich glaube, du hast recht. Das passt nicht.“ „Gut, dass du das auch so siehst.“ „Wie erklären wir das denn Dave und Jessy?“ „Wir sagen es, wie es ist. Da war ja bisher alles besser, als er. wir haben Jessy und Dave ja auch nicht darum gebeten, uns Bewerber zu schicken.“ „Sieht nur doof aus, wenn wir Robert einstellen würden und Ben dafür nicht genommen wird.“ „Es kommen ja noch drei.“ Keela nickte. „Jetzt kommt wieder ein Robert.“ Sagte sie und reichte mir die Bewerbung.

    Robert Lincoln war einer der beiden Kollegen von Marty, die er uns geschickt hatte. Robert war 33 Jahre alt und kam direkt aus Sacramento. Er war ledig und hatte auch keine Kinder. Er war Afroamerikaner, also ein Schwarzer. Aber weder Keela noch ich hatten irgendwelche Rassenvorurteile. Laut seinem Lebenslauf war das aber wohl nicht immer und überall so gewesen.
    Er war in einem der schlechteren Stadtviertel von Sacramento aufgewachsen und hatte auch dort die Schule absolviert. Leider hatten Leute aus diesem Milieu meist etwas schlechtere Voraussetzungen. Daher war er auch bei Swift gelandet, um seinen Traum als Trucker anzufangen. Dort hatte er sich aber die letzten zehn Jahre gut entwickelt. Robert gehörte auch zu den Swift Fahrern, die mit einem B Status fest bei Walmart eingesetzt waren und dort von Keelas Kollegen eingeteilt wurden. Auch hier hatte Keela nur Gutes über Robert gehört. Er war zuverlässig und hatte exzellente Bewertungen. Robert war, wie Marty ein Beweis dafür, dass man nicht alle Vorurteile glauben sollte. Es gab also auch Swift Fahrer, die aus der schlechten Masse hervorstachen.

    Als er zur Tür reinkam, stutzten Keela und ich erstmal. Es war der erste Bewerber, der hier in Anzug und Krawatte erschien. „Hallo, Sie wollen sich aber schon für einen Fahrerjob hier vorstellen.“ Sagte Keela in ihrer direkten Art. „Ein Vorstellungsgespräch entscheidet vielleicht über den weiteren Verlauf deines Lebens.“ Sagte er mit einem Lächeln, bei dem die weißen Zähne richtig in dem schwarzen Gesicht strahlten. „Daher sollte man sich ruhig besonders dafür anziehen.“ „Sie sind also auf den Tipp von Martin Powell hier.“ Begann ich. „Genau. Marty und ich sind schon seit Jahren befreundet und waren ja beide als feste Unternehmer bei Walmart, Sacramento eingesetzt.“ „Dann brauche ich ja eigentlich nicht fragen, was Sie gefahren haben.“ „Wahrscheinlich das gleich wie Sie. Nur, dass Swift auf den Trailern stand und nicht Walmart.“ „Also haben Sie Erfahrung mit Dry Van und Reefern.“ „Natürlich. Nur die Curtainsider, die ihr habt, hatten wir bei Swift nicht. Die Feuerwerkskörper haben wir dann im Dry Van gefahren.“ „Gefahrgut können Sie auch fahren?“ „Richtig. Ich habe alle erforderlichen Endorsements. Inklusive Gefahrgut und Doubles oder Triples.“ „Perfekt. Wann hatten Sie ihren letzten Unfall mit dem Truck?“ „Ich hasse diese Vorurteile. Egal ob gegen Schwarze oder gegen Swift Fahrer. Ich bin Unfallfrei.“ „Dann entschuldigen wir uns.“ Sagte Keela. „Leider hat man diese Vorurteile gegen Fahrer Ihres Arbeitgebers.“ „Schon gut. Leider ist das ja auch berechtigt.“ „Welche Erfahrungen haben Sie als Long Haul Driver?“ „Zehn Jahre Berufserfahrung bei Swift. Inklusive Kanada und Mexico. Wobei ich letzteres seit dem festen Platz bei Walmart nicht mehr brauchte. Das meiste geht ja von Laredo aus nach Mexico.“ „Was haben Sie für Trucks gefahren?“ „Die üblichen Flottentrucks bei Swift. In den letzten Jahren Freightliner Cascadia mit 455 PS und 9 Gang Getriebe.“ „Haben Sie bestimmte Vorlieben beim Truck?“ „Ich stehe auf die alten Klassiker. Als Kind war ich schon ein Fan des Films Convoy. Dort waren in den 70ern schon Leute wie Spider Mike und Widdow integriert. Spider Mike war dann immer mein Vorbild. Der hat sich auch nicht unterkriegen lassen.“ „Dann sollte ich vielleicht sagen, dass ich mit einem Mack RS700 angefangen habe.“ „Ich weiß. Ich habe Sie letztes Jahr ein paar Mal mit dem Mack gesehen. Ich kenne auch Ihren W900, den Sie jetzt fahren. Solche Trucks sind mein Traum. Na gut. Der Mack vielleicht inzwischen nicht mehr so.“ „Der war auch cool. Das war erstaunlich, wie der mit den paar PS die Berge hochkam.“ „Hatten Sie den großen V8?“ „Genau. Und 18 Gang Fuller.“ „Perfekt.“ „Hast du noch Fragen, Keela?“ „Nicht wirklich. Ich meine schon fast, dass hier alles zu gut passt.“ „Eine Frage habe ich noch. Wann können Sie anfangen?“ „Ich habe bereits gekündigt. Ich wäre dann ab Anfang September frei.“ „Wir haben jetzt noch zwei Gespräche. Wenn da keiner mehr bei ist, der das alles noch toppen kann, bin ich sehr zuversichtlich.“ „Dann werde ich auch mal ehrlich sein. Ich hatte in den letzten Tagen auch schon weitere Vorstellungsgespräche. Ich würde zwar gerne hier fahren, alleine schon wegen dem tollen Truck. Wenn aber jemand schneller ist, werde ich es nicht riskieren, und auf den Job warten, den dann vielleicht doch jemand anders bekommt.“ „Okay. Danke für die Info. Wir melden uns.“ Robert ging.
    Keela schaute mich an und meinte: „Sollen wir den Rest absagen? Viel besser kann es doch kaum noch werden.“ „Fändest du das fair?“ „Ich weiß nicht.“ „Ich meine, die beiden sollen auch noch ihre Chance bekommen.“ „Gut. Dann hier die nächste Bewerbung. Daniel Dawson ist der zweite, den Martin Powell noch vermittelt hat.“

    Ich warf einen Blick in die Unterlagen. Daniel war in unserem Alter. Er wurde, genau wie Keela und ich in diesem Jahr 23. Er hatte LKW Mechaniker gelernt und nach der Ausbildung, für die er die CDL auch gemacht hatte, bei Swift angefangen. Er kam aus Folsom, CA, was an der US-50 in Richtung Lake Tahoe lag. Im Gegensatz zu Robert war er aber nicht als B Unternehmer eingesetzt, sondern fuhr nur ab und zu für Walmart. Dabei hatte er aber einen guten Eindruck hinterlassen. Auch er kam pünktlich zum Termin. Keela kannte er auch vom Sehen aus dem Büro.
    Keela stellte uns dann vor und stellte auch die ersten Fragen. Dabei stieß mir etwas sauer auf, wie Daniel Keela anstarrte. Er zog sie regelrecht mit seinen Blicken aus. Offensichtlich war sie genau in seinem Beuteschema. Keela merkte es entweder nicht, oder es machte ihr nichts aus.
    Daniel hatte laut seinen Aussagen dann in den letzten eineinhalb Jahren fast ausschließlich Lebensmittel und Konsumgüter gefahren. Seine Bewertungen waren besonders bei dringenden Ladungen hervorragend. Er war ein regelrechter Express Experte. Dabei war er auch unfallfrei. Endorsements für Gefahrgut oder Doubles hatte er aber nicht. „Wie sieht es mit Long Haul Touren aus?“ „Ich bin Single. Ist also kein Problem.“ Sagte er. „Wobei ich meinen Beziehungsstatus auch gerne ändern würde.“ Dabei zwinkerte er wieder Keela zu. „Aber nicht mit meiner Verlobten.“ Sagte ich, dem es langsam reichte, wie er Keela an grub. „Dazu gehören ja auch immer zwei.“ Beruhigte mich Keela.
    Auf meine Frage nach seinem favorisierten Truck trat Daniel in ein weiteres Fettnäpfchen. „Peterbilt ist das einzig Wahre. Der 389 ist einfach ein Traum.“ „Wie steht es mit Kenworth?“ „In der Not fahre ich alles. Trotzdem verstehe ich nicht, warum Paccar überhaupt zwei Marken anbieten muss.“ „Falsche Antwort.“ Lachte Keela. „Warum? Ich fahre ja jetzt auch Cascadia. Auch wenn ich den nicht mag.“ „Bis hier ein Pete auf den Hof kommt, bin ich schon im Ruhestand.“ Sagte ich jetzt dazu. „Den 389 mit seiner geteilten Scheibe mag ich gar nicht. Viel zu altbacken. Außerdem sind mir die Sleeper für Long Haul zu klein. Der 579 geht ja noch, aber auch der hat nicht den richtigen Sleeper für mich.“ „Was fahrt ihr denn hier?“ „Im Moment fahre ich einen W900. Da laut Walmart kein Klassiker mehr kommen darf, wird nun wohl ein T680 kommen.“ „Upps.“ „Ich weiß ja nicht, ob ein Fahrer seinen Truck pflegt, wenn er eigentlich einen anderen möchte.“ Sagte nun Keela. „Mit dem würde ich dann so zärtlich umgehen, wie mit dir.“
    Nun reichte es mir. „RAUS!!!“ rief ich nur. „Rufen Sie nicht hier an, wir rufen Sie an.“ Sagte Keela dann auch mit einem frechen Grinsen. Daniel sah zu, dass er aus dem Büro kam. Keela kam dann aus dem Lachen nicht mehr raus. „Was war das denn?“ „Baggert auf Teufel komm raus die Chefin an und steht dann noch auf die falsche Marke. Da würde ich ja sogar eher Ben einstellen.“ „Ich liebe es, wenn du eifersüchtig wirst.“ Lachte Keela und nahm mich in den Arm.

    „Wer ist nun der letzte?“ fragte ich Keela. „Ein Walmart Fahrer.“ „Du hattest sowas erwähnt. Glauben kann ich das aber kaum.“ „Dafür kenne ich ihn gut. Er wird von unserem Team disponiert.“ Sie gab mir die Unterlagen und ich staunte.
    George Walker war mit 55 Jahren der mit Abstand älteste unter den Bewerbern. Er war schon seit 30 Jahren bei Walmart und in dieser Zeit als City Trucker im Einsatz. Er fuhr zwar nicht nur in Sacramento umher, aber weiter, als bis nach Redding oder Santa Cruz fuhr er in der Regel nicht. Dafür hatte er auch einen Cascadia mit Day Cab. Außerdem hatte der Truck eine Anhängerkupplung, um die Doubles auseinander nehmen zu können. Er hatte das wohl auch irgendwie mitbekommen und Keela Vorgestern seine Unterlagen gegeben.

    George kam dann auch pünktlich zum Termin. „Ist ja Wahnsinn, was ihr hier auf Joe Hendersons Gelände gebaut habt.“ Sagte er zur Begrüßung. Als ich George sah, wusste ich, dass ich ihn auch schon häufig gesehen hatte. „Wie kommt es, dass du dich bei uns beworben hast?“ kam ich dann direkt zum Punkt. „Das ist ganz einfach. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen und meine Frau hat mich mit einem anderen sitzen gelassen. Es gibt also keinen Grund mehr für mich, warum ich jeden Tag zu Hause sein soll.“ „Warum hast du meinen Dad nicht gefragt, ob du weitere Touren haben kannst?“ „Erstens fahren wir ja selber auch nicht die ganz weiten Touren. Meine Kollegen sind ja auch jeden zweiten Tag zu Hause und an den Wochenenden auch immer. Außerdem will ich auch mal aus Kalifornien und den angrenzenden Staaten raus. Ich will auf die alten Tage noch was sehen. Außerdem mag ich deinen Truck. Ich hoffe ja, dass der zweite Truck auch sowas schickes wird. Dann hat mir Joe Henderson gesagt, dass du ein Guter bist und ich glaube ihm. Ob ich nun für Frank Murdock fahre, oder für seinen Sohn, ist doch auch egal.“ „Auf deinem Konto wahrscheinlich nicht. So viel, wie Walmart kann ich nicht zahlen.“ „Was brauche ich denn noch groß? Das wird schon passen.“ „Nach deinen Erfahrungen brauche ich ja auch nicht wirklich fragen.“ „Das nicht. Ich habe aber kein Gefahrgut Endorsement. Doubles darf ich aber fahren.“ „Du machst mir die Entscheidung wirklich nicht leicht. Eigentlich hatte ich mich schon fast für einen Bewerber entschieden.“ „Und dann komme ich alter Knochen und mache alles kaputt.“ Lachte George. „Wie sieht es denn mit deiner Gesundheit aus? Ich kann es mir nicht leisten, jemanden zu beschäftigen, der häufig ausfällt.“ „Bis jetzt war ich so gut, wie nie krank.“ Lachte George. „Das kann dir dein Mädchen bestätigen.“ Er zwinkerte Keela zu, aber nicht so, wie Daniel eben, sondern eher väterlich. „Jünger werden wir natürlich alle nicht. Mein Rücken hat in 30 Jahren Walmart natürlich schon viel mitgemacht. Ich kann dir nichts versprechen, aber ich bin nicht so einer, der bei jedem leichten Schnupfen zum Doc rennt.“ „Okay. Ich werde mal sehen. Wir müssen uns da in Ruhe entscheiden. Du bist auf jeden Fall in der engeren Wahl.“ „Joe Henderson ist ein guter Freund von mir. Er hat mir letztes Jahr viel Gutes von dir erzählt, als du die Firma übernommen hast. Da habe ich schon gedacht, wenn ich jemals Walmart verlassen würde, dann nur hierhin.“ „Was hast du denn für eine Kündigungsfrist?“ „Das ist der Haken. Die ist ewig lang. Da müssen wir mit deinem Dad sprechen, ob wir da was drehen können.“ „Verstehe. Das muss ich natürlich erst prüfen. Wenn ich dich nicht zum 1. September bekommen kann, habe ich ein Problem.“ „Dann kläre das ab und sag mir dann Bescheid.“ George verabschiedete sich mit Handschlag und ging.

    „Wen nehmen wir denn nun?“ fragte ich Keela, die auch nur mit den Schultern zuckte. „Da werden wir wohl noch ein paar Tage drüber nachdenken müssen. Ich schwanke zwischen George Walker und Robert Lincoln.“ „Der andere Robert war auch nicht schlecht. Wobei ihm die Erfahrung fehlt. Den Rest würde ich nur im Notfall nehmen.“ „Hauptsache du nimmst mich immer.“ „Du bist sowieso meine unbestrittene Nr. 1.“

    Fortsetzung folgt...
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    832 mal gelesen

Kommentare 27

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    alaskabaer01 -

    Tolle Story und auch Bilder.

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    infinity -

    Da ist man mal ne Woche nicht anwesend und bekommt eine Lach- und Sachgeschichte präsentiert. Schön geschrieben. Und bei deinem "RAUS!!!" sieht man förmlich die Blitze in des Chefs Augen. Und irgendwie stelle ich mir vor, dass spätestens drei Sätze später bei Keela irgendwas durchs Zimmer geflogen wäre...

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      Sauerlaender -

      Das kann schon sein. Vielleicht erzählt sie Sandra ja was davon. Mal abwarten. ;)

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      infinity -

      Genau, mal abwarten. Aktuell hänge ich ein wenig hintenan (bin aktuell beim 07.08. und Sandra/Christian irgendwo zwischen Luxemburg und Düsseldorf. In RL gerade zurück von der Drachenboot-EM und in Vorbereitung der DM - in beiden Fällen als Raceofficial für EDBF bzw. DDV im Einsatz)

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    elwime -

    Schöne Geschichte, wird noch eine schwierig entscheidung Robert oder George

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      TurboStar -

      Wer keine Stelle kriegt, kommt ja vielleicht diesmal bei den Lions unter. Zu mir ist der Weg diesmal etwas weit, aber in Bochum ist ein gewisser Tomas Neumann von der ersten Stunde des Planen- und Kühlerverkehrs nach Großbritannien an bis heute unterwegs, der bei Marc Mertens mangels Erfahrung mit Gefahrgut gescheitert war. Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein ;)

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      Sauerlaender -

      Ehemalige Angestellte oder Bewerber von Marc Mertens sind ja noch einige im Tagebuchuniversum vertreten. :)

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      Iceman684 -

      Vom Ruhrpott nach Elbflorenz sind ja schon welche umgezogen.

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben, nun hast Du ein paar Kopfschmerzen aber ich schätze Du triffst die richtige Entscheidung. (Verlobte angraben geht ja wohl garnicht)

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      Sauerlaender -

      Vielen Dank. Den Bewerber hab ich ja auch gleich rausgeworfen. Ich habe noch zwei bis drei Fahrer in der engeren Wahl. Von denen wird es einer werden.

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    loddi51 -

    Schön geschriebenes Kapitel.

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel und eine Menge Bewerber. Eine Realitätskeule muss ich aber schon noch schwingen. "Changing Time Zone" hast Du schon mitten in Florida gehört. Die halbe Panhandle ist Central, der einzige Staat, der nicht zwischen EST und CST zersäbelt wird ist Alabama. In allen anderen läuft die Grenze quer durch.

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      Sauerlaender -

      Was habt ihr denn da für einen Mist an der Ostküste? Da sind da die Staaten schon so klein, dann muss da auch noch die Zeitzone mitten drin wechseln. ;) Da habe ich echt nicht drauf geachtet. Mir war das nur im Mittleren Westen bekannt, bei der Grenze von der Central auf die Mountain Time Zone.

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      TurboStar -

      Manchmal ist es klar, weil zum Beispiel das heute morgen auf einem bekannten Youtube-Kanal gezeigte South Bend (IN) räumlich vor allem auf Chicago ausgerichtet ist. In Florida ist es quasi die Fortsetzung der Grenze Alabamas ans Meer. Dass sich KY und TN mitten durch teilen wird mit dem örtlichen Sonnenstand zu tun haben und warum das so krumm in MI läuft, habe ich bis heute selber nicht verstanden. Weder gibt es da nennenswerte Städte mit Pendlerpotenzial noch bringt eine Ost-West verlaufende Grenze was für den Sonnenstand um 12 Uhr Ortszeit.

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      Sauerlaender -

      Na ja. In Europa gibt es Länder, wo Sprachgrenzen mitten im Land sind. In der Schweiz, wie im Kanton Freiburg mitten im Kanton. Warum soll dann nicht auch eine Zeitzone mitten durch einen amerikanischen Bundesstaat gehen? ;)

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    Iceman684 -

    Schönes Kapitel, so einen Bewerber wie Daniel hatte ich in meinem ETS Tagebuch auch mal. Ist aber viele Monde her. ;)

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      Sauerlaender -

      Kann mich da dunkel dran erinnern. :)

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      TurboStar -

      Ist der nicht durch halb Deutschland getingelt und nach einem Zwischenstopp in Bochum - wo man sich damals zwischen Midlife Crisis, diesem Typen und einem Bankkaufmann entscheiden musste - schließlich bei Schütz verendet? :D

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      Iceman684 -

      Was du noch so alles weißt.