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43. Von Swift Truckern, Gewohnheitstieren und einer Tour nach Florida

  • Montag, den 6. August 2018, 4:00 am, Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Die Nacht war ruhig gewesen. Keela hatte die Dispo für die Fahrer am Abend bereits soweit ins System eingestellt, dass die Anweisungen in der Nacht automatisch an die Fahrer rausgingen. So konnten wir durchschlafen.

    Auch wenn Keela das eigentlich immer ungern machte, damit nicht der Eindruck entstand, sie würde mich bevorzugen, hatte sie mich am Abend meine nächste Tour aussuchen lassen. „Es geht wieder weit weg. Du darfst dir aber ausnahmsweise mal aussuchen, wohin.“ „Aber nicht komplett aussuchen, wo ich gerne mal hin möchte.“ „Das nicht. Ich kann dir aber zwei Touren zur Auswahl geben.“ Die Touren gingen wieder im Namen von Sam’s Club, was ja die Großhandelssparte von Walmart war. „Es geht entweder mit gesammelten Lebensmitteln zur Kantine einer großen Druckerei in Baie-Comeau, Quebec oder mit Tiefkühlfrüchten zu einem 7Eleven Markt in Jacksonville, Florida. Beide Touren sind mit einem Reefer, beide sind dringend und für beide gibt es den gleichen Preis pro gefahrener Meile.“ Ich überlegte kurz. „Die Touren sind beide interessant. Es sind auch wieder beides Routen, die ich zu einem Teil schon häufig gefahren bin. Ich habe es aber nicht so mit der französischen Sprache. Die Frankokanadier waren mir bisher auch nicht ganz so sympathisch. Daher nehme ich Florida.“ „Das dachte ich mir schon fast.“ Lachte Keela. „Du stehst nicht so auf Französisch.“ „Wenn du das sagst.“ „Okay, ich teile dich für Jacksonville ein.“

    Nun klingelte der Wecker. Ich schaltete ihn aus und spürte dann was Warmes in meinem Rücken. Es war Keela, die sich trotz der sommerlichen Temperaturen an mich angekuschelt hatte. Auch sie wurde jetzt langsam wach. „Müssen wir schon aufstehen?“ murmelte sie verschlafen. „Ich schon und da du mich gleich eben zu Rick bringen musst, bleibt dir auch nicht viel anderes übrig.“ „Okay. Dann koche ich schon mal Kaffee.“ Wir standen auf und ich verschwand im Bad, während Keela eine Etage tiefer in die Küche ging.

    Nachdem ich das Bad dann wieder frisch geduscht verlassen hatte, zog ich mich an und packt noch schnell ein paar Klamotten zum Mitnehmen zusammen. Dann ging ich auch in die Küche. Keela sah immer noch sehr verschlafen aus. Sie trug ein Long Shirt, was sie als Nachthemd trug, darunter einen Slip und sonst nichts. Ihre Haare waren heute noch mehr verwuschelt, als sonst schon und sie hatte kleine Knopfaugen. „Du siehst aber noch total müde aus.“ Grinste ich. „Während du wie ein Stein geschlafen hast, war ich fast die ganze Nacht wach.“ Maulte sie. „Warum? Du hast doch alles vorbereitet.“ „Ich habe viel nachgedacht. Wie das mit uns und der Firma weitergehen soll.“ „Warum das? Es läuft doch alles.“ „Das schon. Im Moment kann ich deinen Dad aber gut verstehen. Wir haben Arbeit ohne Ende und eigentlich noch zu wenig Fahrzeuge. Bei Walmart meine ich.“ „Und?“ „Vor allem fehlen uns immer noch Trucks, die weiter weg fahren.“ „Was habe ich damit zu tun?“ „Dein Dad hat doch immer wieder gefragt, ob du nicht noch eine zweite Maschine kaufen willst.“ „Das weiß ich.“ „Ich glaube auch langsam, dass wir das vielleicht machen sollten.“ „Kriegen wir das denn finanziell gestemmt?“ „Wenn du die zweite Maschine auch finanzierst, sehe ich da eigentlich keine Probleme. Zur Not kann ich mir bei Dad auch einen Vorschuss aufs Erbe geben lassen.“ Ich sah Keela ungläubig an. „Bist du sicher, dass du das willst?“ „Du hast mich letztens gefragt, ob wir heiraten wollen. Das habe ich mit Ja beantwortet. Das heißt aber auch, dass ich eine Zukunft mit dir plane. Ich bin mir bewusst, was das bedeutet. Ich bin jetzt schon an der Firma beteiligt, dann würde die Beteiligung eben noch etwas höher. Außerdem kommt dann ja auch noch etwas mehr Geld rein.“ „Das die Banken dann sofort wieder einkassieren.“ „Langfristig bist du mit zwei A Vertrags Trucks aber besser im Geschäft.“ „Okay. Sehe ich ein. Der zweite Truck ist aber nur ein Punkt. Der ist auch recht schnell bestellt. Ich mache mir mehr sorgen, einen zuverlässigen Fahrer zu finden, der dann auch noch bei uns fahren will.“ „Wir können uns ja mal umhören.“ „Okay. Jetzt aber ab ins Bad mit dir. Du musst mich gleich zu Rick bringen.“

    Gegen viertel nach Fünf verließen wir dann die gemeinsame Wohnung. Wir holten den Ford aus der Halle, mit dem mich Keela zu Rick brachte. Dort angekommen, hatte sie wieder was zu maulen: „Ich will dich eigentlich gar nicht gehen lassen. Jetzt fährst du nach Florida und ich sehe dich wieder frühestens übernächste Woche.“ „Ist wahrscheinlich trotzdem besser, als aus Quebec. Dort bekommst du wieder keine Ladung und ich muss weiß Gott wohin.“ „Das stimmt.“ „Ich kann dir ja eine Karte schicken.“ „Wenn du willst.“ Ich gab ihr einen langen Kuss zum Abschied und sah zum ersten Mal an diesem Morgen ein Grinsen bei ihr. „Noch einen, bitte.“ „Wie Sie wünschen, Miss Ryan.“ Ich gab ihr den Kuss. „Und noch einen für die Wartezeit.“ Forderte sie. Auch den bekam sie. Dann stieg ich aus und Keela fuhr wieder nach Hause, wo sie die Übergabe an Charlie und Jessy machen musste.

    Ich ging in die Werkstatt. Da Rick inzwischen einen 24/7 Service anbot, war sie auch an diesem frühen Montagmorgen bereits geöffnet. Rick war zwar selber noch nicht da, ein Angestellter von ihm konnte mir dann aber auch meinen Truck rausgeben. Außerdem bekam ich ein Werkstattprotokoll, was ich meiner PTI beifügen konnte. Mein E-Log stellte ich dann um halb Sechs auf PTI. Dann räumte ich erstmal die mitgebrachten Sachen in die Schränke. Nachdem ich das ORBCOMM gestartet hatte, erschien dann auch mein Auftrag im System:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 11
    TRAILER: RE53954
    FREIGHT: FROZEN FRUIT
    WEIGHT: 37,566 LB
    DROP: 711-FLJAV
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Es war also alles, wie geplant. Um viertel vor Sechs machte ich mich dann auf den Weg zum Zentrallager. Dort angekommen, ging ich ins Büro, wo ich Charlie und Jessy vorfand. Die Beiden hatten gerade die Übergabe mit Keela beendet und Charlie legte auf. Ich begrüßte meine Schwester mit einem Kuss und Charlie mit einem Handschlag. Dann durfte Jessy meine Papiere fertigmachen. Diese wurden dann hinterher von Charlie kontrolliert. Meine Schwester war ja jetzt das erste Mal mit Charlie zusammen im Dienst. Letzte Woche hatte sie ja noch mit Keela auf einer Schicht gearbeitet. Ich bekam meine Papiere, die in Ordnung waren und verabschiedete mich von den Beiden. Dann machte ich mich auf den Weg zum Truck.

    Ich fuhr zum Tor 11 und sattelte den Reefer auf. Es war mal wieder einer, der neueren Trailer. Diesmal aber wieder ohne die Spoiler am Heck. Als ich die Kontrolle des Trailers erledigte, wurde ich auf einmal von hinten angesprochen. „Guten Morgen. Deine Zugmaschine ist ja ein Traum.“ Ich drehte mich um und blickte in das sympathisch wirkende Gesicht eines Mannes, der in den Fahrerklamotten von Swift Transportation steckte. „Vielen Dank. Ich bin zufrieden mit der Maschine.“ Der Swift Fahrer, der etwa Anfang Dreißig war, fuhr fort: „Ich glaube, ich habe hier schon von dir gehört. Du bist der Murdock, oder?“ „Richtig. Marc Murdock.“ „Ich bin Martin Powell, aber alle nennen mich Marty.“ Ich warf einen Blick an Marty vorbei auf seinen Truck. Er fuhr einen 2015er Cascadia, der für Swift Verhältnisse sehr gepflegt aussah. Er bemerkte meinen Blick. „Die Maschine ist okay. Nichts Besonderes, aber okay. Ich würde aber viel lieber sowas fahren, wie deinen. Ich stehe auf Klassiker.“ „Wobei mein Klassiker ja noch nicht alt ist. Der ist von 2017.“ „Wenn das stimmt, was ich über dich gehört habe, hast du letztes Jahr mit einem uralten Mack angefangen, bis du den da bekommen hast.“ „Stimmt.“ „Wo fährst du denn jetzt hin. Ich muss nach Oxnard runter. Vielleicht können wir ein Stück zusammen fahren und über Funk quatschen.“ „Das können wir gerne machen.“ Sagte ich, da mir Marty auf Anhieb sympathisch war. „Ich muss zwar nach Florida, fahre aber erstmal bis LA über die I-5 und da auf die I-10.“ „Hauptsache du hängst mich in den Bergen nicht ab. Mein Freightliner hat nur 455 PS.“ „Mehr hat mein W900 auch nicht.“ „Aber wahrscheinlich mehr Gänge. Ich hab nur ein 9 Gang Getriebe. Oder fährst du etwa Automatik?“ „Mit Sicherheit nicht. Ich habe die 13 Gang Box von Eaton.“ „Dann sollte das passen.“ Wir beendeten unsere PTI und machten uns dann auf den Weg.

    Wir suchten uns einen freien Kanal, damit wir die 19 nicht vollquatschten. Dann ging es durch die Stadt zur I-5. Ich ließ Marty vorfahren und fuhr hinter ihm her. Auf der Interstate entwickelte sich dann eine gute Unterhaltung mit dem sympathischen Kollegen.

    Marty war 32, also etwa zehn Jahre älter als ich. Er kam aus Placerville, einem Ort im Tal des American River an der US-50, etwa 40 Meilen von Sacramento entfernt. Er kam aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Gas-Wasser Installateur und seine Mutter Hausfrau. Marty hatte dann nach der Schule auch eine Handwerkliche Ausbildung als KFZ- Mechaniker abgeschlossen. Er hatte aber, ähnlich wie ich, immer schon den Traum gehabt, Trucker zu werden. Seine Eltern waren aber, genauso wenig wie meine, begeistert von seinen Plänen. Heimlich machte er dann den Führerschein und die entsprechenden Endorsements und stellte seine Eltern dann vor vorhandene Tatsachen.
    Da es nicht so einfach war, als Anfänger ohne Beziehungen einen Job zu bekommen, hatte er bei Swift angeheuert, wo er inzwischen seit acht Jahren fuhr. Dort war es so, wie man es den Gerüchten nach kannte. Es konnte dort jeder anfangen, der den Führerschein hatte. Für Anfänger war es daher auch entsprechend gut. Es gab nur wenig Ärger, wenn man mal was kaputt fuhr und man flog nicht sofort wieder raus. Außerdem konnte man dort eben Erfahrungen sammeln.
    Angefangen hatte er auf einem Peterbilt 387, der damals schon sehr runtergerockt war. Als der ausgemustert wurde, bekam er den ersten Freightliner. Seinen aktuellen Truck hatte er 2015 neu bekommen. Der würde wahrscheinlich im kommenden Jahr ausgetauscht. Die neuen Maschinen kamen dann aber wohl auch mit Automatik, da sich für Swift auch immer weniger Fahrer fanden, die noch vernünftig schalten konnten.
    Inzwischen störten ihn vor allem zwei Sachen bei Swift. Die geringe Bezahlung und in erster Linie der Ruf, den die Firma in Fahrerkreisen inzwischen hatte. Man kannte ja die YouTube Videos von Kollegen, die sich selten dämlich anstellten und sich in den unmöglichsten Situationen festfuhren oder den Truck schrotteten. Daher wollte er da weg. In den letzten acht Jahren hatte er auch genug Erfahrungen gesammelt, um sich jetzt bei renommierten Transportdienstleistern bewerben zu können.
    Am liebsten hätte er einen Job auf einem Klassiker, wie meinem W900, da er seit seiner Kindheit auf diese Trucks stand. Er hatte auch schon überlegt, sich bei meinem Dad vorzustellen. Die Arbeitsbedingungen waren bei Walmart ja so ziemlich die Besten in den Staaten. Allerdings konnte er sich den Traum vom Klassiker dann endgültig streichen, da es sowas bei Walmart ja nicht gab.
    Bisher hatte er auch noch keine Firma gefunden, wo alles für ihn passte. Entweder hatten die auch nur moderne Trucks im Einsatz oder man hatte seine Bewerbung abgelehnt, weil man ihn, durch seinen aktuellen Arbeitgeber gleich in eine Schublade mit den Chaoten steckte.

    An der Waage auf der I-5 mussten wir dann auch beide rausziehen. Nach der Übermittlung des Gewichts konnten wir aber weiterfahren. „Gut, dass der Kontroll-Parkplatz schon voll war.“ Sagte Marty. „Sonst hätte ich garantiert eine Kontrolle gehabt. Die DOT nimmt uns gerne mal auseinander.“ „Da habe ich bisher wenig Probleme mit.“ „Bei uns finden die ja auch meistens was.“ „Ich wusste nicht, dass die Vorurteile so weit gehen können.“ „Das sind ja Tatsachen, dass viele der Kollegen von mir auch mit den Vorschriften immer wieder mal Probleme haben.“ „Das wusste ich nicht.“

    Wir fuhren dann bis Buttonwillow, wo wir auf dem TA Truckstop für unsere kurze Pause hielten. Wir gingen zusammen in das Restaurant und aßen dort zu Mittag. Während dem Essen fragte ich ihn dann spontan: „Wann hattest du deinen letzten Unfall mit einem Truck?“ Er grinste. „Fängst du jetzt auch mit Vorurteilen an?“ „Das war eine ernst gemeinte Frage.“ „Okay. Vor sieben Jahren. Das war in meinem zweiten Winter. Ich habe in der Sierra Nevada auf glatter Strecke die Kontrolle verloren und Hab dann mehrere PKW zusammengeschoben, bis der Truck dann endlich stand.“ „Und seitdem?“ „Nichts mehr. Noch nicht mal eine Schramme in einen Trailer gefahren.“ „Okay. Das klingt gut. Ich schreibe dir jetzt meine Adresse auf und du machst mir eine Bewerbung fertig. Wenn dann alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, kannst du bei mir anfangen. Denk dann aber daran, dass du dann bei einer kleinen Bude anfängst. Die Sicherheit einer großen Firma, wie Swift oder auch Walmart kann ich dir nicht bieten. Du wirst auch nicht alle drei, vier Jahre einen neuen Truck bekommen. Du musst also pfleglich mit dem Material umgehen.“ „Daran soll es nicht scheitern. Du kannst dir gerne meine Maschine ansehen. Die ist jetzt drei Jahre und sieht aus wie neu.“ „Gut. Wenn das alles so klappt, fährst du mit einem A Vertrag bei Walmart Sacramento. Disponiert wirst du von Walmart, die Abrechnung würde über mich laufen.“ „Logisch.“ „Falls das alles was wird, bekommst du von mir nähere Infos. Ich werde mich aber noch nach dir erkundigen.“ „Kein Problem. Inzwischen fahre ich mit einem B Vertrag bei Walmart. Ich weiß nicht, ob dein Vater Infos über mich hat, aber mit Sicherheit die Dispatcher.“ „Okay. Ich werde mich da schlau machen. Kann aber etwas dauern, da ich ja erst von Florida wieder da sein muss.“ „Verständlich.“ Nach dem Essen machten wir uns wieder auf den Weg.

    Wir fuhren dann noch gemeinsam über den Tejon Pass, dann fuhr Marty aber in Richtung Oxnard weiter und ich hielt mich erstmal weiter in Richtung LA. Inzwischen war es Nachmittag und der Verkehr inzwischen dicht. Schließlich erreichte ich aber die I-10 und konnte aus dem Raum LA wider raus fahren. Da das der größte Teil der Pendler auch machte, war auch in diese Richtung viel Verkehr. Trotzdem reichte meine Fahrzeit, wie geplant bis nach North Palm Springs, wo ich mal wieder auf dem dortigen Pilot Travel Center Feierabend machte.
    Als ich mit Keela telefonierte kam ich aber irgendwie doch nicht auf Marty zu sprechen. Wir hatten schönere Themen, als potentielle Fahrer. Schließlich musste ich mich aber hinlegen und Keela musste sich für die Nachtschicht fertig machen.

    Dienstag, den 7. August 2018, 3:15 am, Pacific Daylight Time, North Palm Springs, CA:

    Um viertel nach Drei klingelte mein Wecker wieder. Leider musste ich schon wieder aufstehen. Der morgendliche Ablauf war wie immer. Ich setzte im Truck den Kaffee auf und zog mich an. Dann ging ich in den Truckstop zum Duschen und für den ersten Kaffee, den ich dort trank.
    Ich war irgendwie immer schon ein Gewohnheitstier. Ich mochte feste Abläufe und der Tag begann für mich eigentlich nur dann gut, wenn er in den festen Strukturen begann. Dabei war mir egal, wie spät es war, oder wo ich mich gerade befand. Da das bei meinem Job eben schon jeden Tag anders war, wollte ich wenigstens immer den gleichen Ablauf haben.
    Um viertel nach Vier hatte ich die PTI abgeschlossen und machte mich wieder auf den Weg.

    Ich fuhr zurück zur I-10 und dort ging es wieder in Richtung Osten oder Arizona weiter. Noch war es dunkel draußen, aber man konnte schon ahnen, dass der Morgen nicht mehr weit war. In der Morgendämmerung überquerte ich dann den Colorado River und somit die Grenze nach Arizona. Ich fuhr dieses Mal aber nicht in Ehrenberg raus. Ich hatte noch genug Diesel im Tank und schob meinen Tankstopp daher auf meine Mittagspause.

    Phoenix erreichte ich dann im Berufsverkehr. Der Verkehr war also entsprechend dicht und eine Fahrt im Tempomat war daher eigentlich unmöglich. Es sei denn man hätte einen Abstandstempomat. Dieser wurde für meinen Truck aber nicht angeboten.
    Europäer würden über den hiesigen Berufsverkehr wahrscheinlich lachen, genau wie Leute von der Ostküste oder aus LA. Ich fand es aber schon recht voll. Aufgrund eines liegengebliebenen Autos mussten sogar genau im Bereich des Kreuzes von I-10 und I-17 alle von der rechten Spur auf die Linke wechseln. Da kam ich sogar tatsächlich zum Stillstand.
    Der Vorteil bei dem Verkehr war, dass ich bei dem langsamen Tempo genau überlegen konnte, wo ich hermusste und mich damit nicht wieder verfahren konnte. Somit verbesserte ich meine persönliche Quote. Inzwischen hatte ich jetzt mehr als die Hälfte der Durchfahrten ohne mich zu verfahren absolviert.

    Nachdem ich am Flughafen vorbei war, wurde der Verkehr wieder flüssiger und ich konnte wieder mit Tempomat fahren. Ich folgte nun der I-10 weiter in Richtung Tucson. Die Stadt erreichte ich aber erst, am Vormittag, so dass der Berufsverkehr schon abgeklungen war. Meine Mittagspause erledigte ich dann am Truckstop in Benson, AZ. Hier tankte ich den Kenworth wieder voll und wollte anschließend auch was essen. Für das volltanken bekam ich dann sogar einen Gutschein, der mir beim Essen dann 50 % des Preises erließ. So schmeckte das Mittagessen dann doppelt so gut.

    Mit knapp vier Stunden Restfahrzeit machte ich mich dann gegen ein Uhr am Mittag wieder auf den Weg. So würde ich heute auf jeden Fall noch nach New Mexico kommen. In der Mittagssonne war es hier jetzt auch schon wieder richtig warm geworden. Das Thermometer zeigte schon wieder über 100 Grad Fahrenheit an. (entspricht 37,778 Grad Celsius) Hier im Süden war das völlig normal. Da ich aber aus Nordkalifornien war, war ich zwar warme Sommer gewohnt, das war aber schon etwas too much. So war ich froh, als ich wieder im Truck war und der Motor und somit die Klimaanlage lief.
    Ich fuhr wieder in Richtung Osten auf die I-10. Nun ging es an San Simon vorbei nach New Mexico. Der Staat begrüßte mich wieder damit, dass ich über die Waage musste. Ich war aber noch weit von den 80,000 lb entfernt, so dass es kein Problem gab. Sonst wollten die Beamten auch nichts von mir und ich konnte wieder weiterfahren.
    Weit fuhr ich heute aber nicht mehr. Aus purer Gewohnheit nahm ich auf dieser Strecke mal wieder den Petro Truckstop in Deming, NM, auf dem ich inzwischen auch schon das dritte oder vierte Mal stand. Ich parkte den Truck und dunkelte sofort alles ab. Dann schaltete ich sofort die Standklimaanlage ein, so dass die angenehme Temperatur im Truck nur gehalten werden musste.
    Anschließend ging ich duschen. Nachdem ich wieder frisch und sauber aus der Dusche kam, gönnte ich mir als Abendessen noch einen Salat. Als der vertilgt war, ging ich zurück in meinen Truck.

    Da die Pläne, eine zweite Maschine zu kaufen immer konkreter wurden, nahm ich mir mein Laptop und schaute mir im Netz noch mal das aktuelle Angebot an Zugmaschinen an, die für meine Zwecke geeignet waren. Wenn ich die Klassiker dann außen vor ließ, gab es in der Regel von jedem Hersteller nur noch eine Maschine, die in Frage kam. Irgendwie kam ich dann aber immer wieder auf den T680 von Kenworth zurück. Vielleicht war ich in dieser Hinsicht auch wieder zu viel Gewohnheitstier.
    Bei meinen PKW war ich, seit ich den Führerschein hatte, auch immer Ford treu geblieben. Erst hatte ich einen alten Escort gefahren, danach hatte ich mir den Taurus gekauft, der in meiner Halle dem Erdbeben zum Opfer gefallen war. Nun hatte ich mit dem Raptor wieder einen Ford.
    Gut. Beim Truck hatte ich mit dem Mack angefangen. Den hatte ich mir aber ja nicht gezielt ausgesucht. Der erste Truck, den ich mir ausgesucht hatte, war der, in dem ich mich gerade befand. Außer mit dem Verbrauch war ich mit dem Kenworth auch sehr zufrieden. Daher gab es eigentlich keinen Grund für mich die Marke zu wechseln. Nur eben das Modell. Das hatte ich beim PKW aber auch immer getan.
    Bevor ich mich nun hinlegen wollte, telefonierte ich noch eine Zeit mit Keela. Über meine Gedanken und Planungen sagte ich jetzt aber nichts. Das wollte ich eigentlich nicht am Telefon machen. Nach dem Ende des Gesprächs legte ich mich dann schlafen.

    Mittwoch, den 8. August 2018, 3:00 am, Mountain Daylight Time, Deming, NM:

    Um drei Uhr klingelte der Wecker wieder und ich erledigte, als Gewohnheitstier wieder den gewohnten Morgenablauf. Erst wurde der Kaffee im Truck aufgesetzt, anschließend ging es zum Duschen und für den ersten Kaffee in den Truckstop. Nach der PTI ging es um vier Uhr wieder zurück auf die Straße.
    Ich fuhr in Richtung Osten auf die I-10 zurück. Noch war es dunkel draußen, das sollte sich aber bald ändern. Als ich Las Cruces erreichte, dämmerte es schon. Ich folgte weiter der I-10 in Richtung El Paso. Kurz darauf erreichte ich Texas. Nachdem El Paso passiert war, ging es gegen die noch tiefstehende Sonne. Die Sonne stieg dann aber schnell weiter und so ging es durch einen wunderbaren sonnigen Morgen.

    Um viertel vor Zehn am Vormittag machte ich dann aber bereits meine Mittagspause. Ich war ja auch früh losgefahren. Hierzu fuhr ich zum Valero Fuel Travel Stop in Balmorhea, TX.
    Das Steakhouse, was sich mit auf dem Gelände befand, hatte aber erst ab fünf Uhr nachmittags auf, daher blieb mir nur das kleine Burger Restaurant, was sich im Gebäude der Tankstelle befand. Für die Mittagspause reichte mir das aber auch. Ich kam dabei noch mit ein paar Kollegen ins Gespräch, die hier auch gerade Pause machten, so wurde das eine angenehme Pause, die ich dann auch erst um elf Uhr beendete.

    Nun ging es weiter durch die Hitze von Texas. Es ging erstmal weiter auf San Antonio zu. Von dort ging es immer noch über die I-10 weiter. Nun aber in Richtung Houston. Die Stadt konnte ich mit meiner Fahrzeit heute aber nicht mehr erreichen. Ich reizte meine Fahrzeit aber bis fast auf die letzte Minute aus. Schließlich ging es nur noch drum, ob ich noch bis nach Schulenburg, TX auf den Pilot Truckstop oder zwei Ausfahrten weiter nach Weimar, TX auf den Love’s Travel Stop kam. Da es wirklich gut lief, kam ich noch bis zu dem Love’s nach Weimar.
    Irgendwie erinnerte mich der Name an was aus dem Geschichtsunterricht in der Schule, oder war es der Deutschunterricht? Egal. Irgendwas mit Deutschland. Außerdem geisterte mir da noch was mit Weimar Sausages durch den Kopf. Vielleicht sollte man heute mal Würstchen zum Abendessen nehmen. Der Parkplatz des Truckstop füllte sich jetzt um viertel nach Fünf langsam, es gab aber noch genügend Parkplätze.

    Ich packte mir eine Tasche mit meinen Sachen zum Duschen, dann ging ich in den Truckstop. Bei meinem Weg über den Parkplatz fiel mein Blick kurz auf einen Volvo, der ein Chassis mit einem 40 Fuß Container von Hapag Lloyd am Haken hatte. „Ist das etwa…?“ Ich verwarf den Gedanken aber wieder. Ich war hier mitten in Texas und nicht in Kalifornien. Vielleicht hatte ich bei der Hitze auf dem Parkplatz auch Halluzinationen.
    Im klimatisierten Truckstop war es dann wieder angenehmer. Ich ging zu der Dusche, die ich mir reserviert hatte und konnte mich dabei erstmal abkühlen und entspannen.

    Als ich dann frisch geduscht war, merkte ich wieder, dass ich Hunger hatte. Der Burger am Vormittag hatte nicht lange vorgehalten. Mir fielen wieder die Weimar Sausages ein.
    Auf einmal hörte ich eine Stimme hinter mir. „Da muss man erst nach Texas fahren, um Leute aus Kalifornien zu treffen.“ Ich drehte mich um und blickte in das strahlende Lächeln von David Lion. „Dann war das vorhin doch dein Volvo auf dem Parkplatz.“ Sagte ich. „Wenn du das sagst.“ Sagte David, der mich mit seinem Lächeln wiederholt an einen italienischen Gigolo erinnerte.
    Wie bei unserer ersten Begegnung hatte er wieder eine bildschöne Frau dabei. Es war aber diesmal nicht Gina. „Darf ich Vorstellen: Denise Snyder, meine Freundin, Marc Murdock. Ebenfalls Owner Operator und Sohn vom Bezirksleiter Kalifornien von Walmart.“ „Dann bist du die Frau mit der tollen Stimme.“ Stellte ich fest. „Danny hat mal sowas erzählt. Er meinte du kannst fantastisch singen.“ „Dann muss das wohl stimmen.“ Sagte Denise, der das wohl etwas unangenehm war.
    „Ich wollte jetzt gerade was essen gehen. Kommt ihr mit?“ schlug ich vor. „Gerne.“ Sagte David.

    Wir gingen in das Restaurant und nahmen Platz. Dann schauten wir erstmal nach dem Angebot. Die bekannten Würstchen aus dem Ort hier gab es leider nicht auf der Karte. Das ist der Nachteil bei den standardisierten Karten der großen Ketten. Ich fand dann aber German Sausages, die hier dann ganz nach Klischee mit Sauerkraut und baked potatoes angeboten wurden. David ließ sich von meiner Idee anstecken und nahm das auch, Denise zog dann aber einen Salatteller vor.
    „Wir haben uns auch schon lange nicht mehr getroffen.“ Stellte David fest. „Stimmt. Deine Schwester treffe ich ja ab und zu mal oder wir kommen uns irgendwo entgegen. Ihr Truck fällt bei der Farbe aber auch mehr auf. Außerdem habe ich ja mal bei dir auf dem Platz übernachtet. Da warst du aber auch nicht da. Nur eure Finanzministerin.“ „Ach ja. Hatte Grandma damals erzählt.“
    „Macht ihr euch eigentlich Sorgen wegen der Waldbrände in Nordkalifornien?“ „Das ist zwar eine schlimme Sache, bis nach San Francisco wird das aber nicht kommen. Da sind noch zu viele Meilen und die Bay im Weg.“ „Keela hatte letztens Bedenken, dass die Brände unsere neue Halle erwischen könnten.“ „Stimmt. Ihr hattet ja neu gebaut. Gina hat gesagt, dass die Halle schön geworden ist. Außerdem meinte sie, dass dort Platz für mehr, als einen Truck ist. Willst du expandieren?“ „Keela und ich machen uns da gerade in paar Gedanken zu. Ein zweiter Truck wäre nicht schlecht, wenn wir uns das leisten können.“ „Klassiker ist ja dann wohl nicht mehr, wenn ich Gina da richtig verstanden habe.“ „Walmart möchte die wegen dem Image nicht mehr und ich wegen dem Verbrauch. Mein W900 säuft doch etwas viel.“
    „Wie wäre es denn dann mit einem Volvo?“ fragte Denise. „Wie kommst du denn jetzt darauf?“ „Wir haben so viele davon, dass wir die schon verkaufen müssen. Ich arbeite bei Bay Truck Sales.“ „Habt ihr euch so kennengelernt?“ „Das war wieder anders.“

    Die beiden erzählten mir die Geschichte. Angefangen bei einer großen Pfütze und den folgenden Irrwegen, bis sie dann endlich zusammen waren.
    Dann wurde Denise wieder geschäftstüchtig. „Hast du dir den neuen VNL schon mal angeschaut oder Probe gefahren?“ „Ich habe mal ein YouTube Video gesehen, wo der Fahrer eine Tour durch den neuen Truck gemacht hat.“ „Das ist immer noch was anderes, als den Truck in live zu sehen. Gerade der VNL 860 ist im Moment der modernste und beste Truck in Nordamerika. Zur Not tut es aber auch ein VNL 760.“ „Ich weiß ja nicht. Ich bin da etwas konservativ und der ist schon sehr modern.“ „Sieht aber super aus.“ Sagte auch David. „Du hättest dann den meisten Platz und den größten Stauraum in der 70 Inch Klasse beim Sleeper.“ „Das ist ein Argument.“ „Dann die neuen Scheibenbremsen und die perfekt abgestimmte Automatik.“ „Ich schalte eigentlich lieber selber.“ „So schnell, wie die I-Shift kannst du gar nicht schalten. Wenn du dann noch I-See dabeihast, dann sieht die Elektronik quasi den Berg, der kommt und passt die Schaltstrategie an. Wir bieten daher auch gar kein manuelles Getriebe mehr an.“ „Verstehe.“ „Mit den neuen Motoren hast du 7,5 % weniger Verbrauch, als das Vormodell, mehr Drehmoment und zusätzlich sogar noch Gewichtserparnis.“ „Das sind natürlich gute Argumente.“ „Komm einfach mal in San Francisco vorbei. Meine Mom oder ich geben dir dann mal einen Vorführer.“ „Warum nicht.“
    „Jetzt ist es aber genug mit dem Verkaufsgespräch hier.“ Lachte David. „Habe ich das eigentlich richtig gehört? Du hast deiner Keela einen Antrag gemacht?“ „Ich wusste nicht, dass das schon ganz Kalifornien weiß.“ „Keela hat das ganz stolz Gina erzählt und mein Schwesterchen sagt mir ja fast alles.“ „Das mit dem Antrag stimmt. Wann wir denn wirklich heiraten, ob dieses Jahr noch oder erst im nächsten Frühjahr, steht noch nicht so ganz fest. Dieses Jahr war das schon so viel mit dem Neubau und vielleicht mit der Expansion. Ob wir das dann noch dazwischen bekommen, weiß ich nicht. Wenn ich mal zu Hause bin haben wir schon kaum Zeit für unsere Hobbies.“ „Das war surfen. Oder?“ „Surfen und Motorradfahren. Wir surfen ja meistens in Pacifica.“ „Ist ja auch um die Ecke.“ „Für euch ja. Von San Francisco seid ihr in einer halben Stunde da. Wir fahren schon etwas länger.“ „Wenn ihr das ganze Wochenende dableibt, geht das aber auch noch.“ „Auf jeden Fall wird die Hochzeitsreise nach Hawaii gehen. Da hat Keela ja quasi das Surfen gelernt, weil sie dort früher mit ihren Eltern häufig im Urlaub war.“ „Apropos Hawaii. Da kann ich euch das Grand Hawaiian Lion Hotel empfehlen. Ist jetzt neu eröffnet und echt super. Außerdem ist meine Schwester die Managerin.“ Denise lachte. „Jetzt fängst du mit den Verkaufsgesprächen an.“ „Dann schickt ihr mir beide mal Infos zu. Zum Volvo und zu Hawaii.“ Lachte ich ebenfalls.
    Das Gespräch lief weiter gut. David interessierte sich noch für unsere neue Halle, da er ebenfalls an einen Neubau dachte. „Kommt doch einfach mal vorbei, wenn ihr in Sacramento seid, dann könnt ihr euch alles anschauen. Ruft nur vorher kurz durch, ob Keela oder ich zu Hause sind.“ „Danke. Das nehmen wir gerne an.“

    Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang. Dann gingen David und Denise zu ihrem Volvo und ich zog mich in meinen W900 zurück. Ich rief dann noch Keela an, der ich noch liebe Grüße von Denise und David ausrichtete. Nach einem etwa halbstündigen Telefonat legte ich mich dann in mein Bett.

    Donnerstag, der 9. August 2018, 2:30 am, Central Daylight Time, Weimar, TX:

    Dank des dringenden Auftrags musste ich leider um halb Drei schon wieder aufstehen. Und wieder kam das Gewohnheitstier in mir durch. Erst wurde der Kaffee aufgesetzt, dann ging es zum Duschen und auf den ersten Kaffee in den Truckstop.
    Als ich später auf dem Weg zurück zum Truck war, ging ich noch bei dem Volvo von David vorbei. Dort war aber noch alles zu. Vielleicht war seine Büchse für Tesla nicht ganz so eilig, wie meine tiefgefrorenen Früchte.

    Um halb Vier war die PTI dann auch abgeschlossen und der Kenworth war auf dem Weg zurück zur I-10. Hier ging es nun in Richtung Houston weiter. Daher war es auch nicht so verkehrt, dass ich so früh dran war. So passierte ich die viertgrößte Stadt der USA noch vor Beginn der Rushhour.
    Nicht weit hinter Houston passierte ich dann auch die Grenze zu Louisiana. Nun merkte ich, dass ich Hunger bekam. So entschied ich mich meine kurze Pause heute mal früh zu machen. In Vinton, LA fuhr ich von der Interstate und hielt wieder an einem Love’s Travel Stop.
    Da ich in Texas schon nicht getankt hatte, erledigte ich das dann wenigstens hier. In Louisiana war der Diesel auch nur unwesentlich teurer und immer noch unter 3 Dollar pro Gallone. Anschließend fuhr ich auf einen Parkplatz und ging dann frühstücken.

    Als ich wieder in meinem Truck ankam, war es kurz nach Acht. Zu Hause war es zwei Stunden früher, also sollte Keela gerade von der Arbeit zu Hause angekommen sein. Ich versuchte ob ich sie erreichte. „Hallo Schatz, schön dass du dich meldest. Ich wollte auch gerade bei dir anrufen.“ „Wieso? Ist was passiert?“ „So kann man das auch nicht sagen. Ich habe nur gerade eine Bewerbung aus dem Briefkasten geholt.“ „Da hat sich aber jemand beeilt, seine Unterlagen zu mir zu schicken.“ „Du weißt davon?“ „Sagen wir es mal so. Ich hatte am Montag eine längere Unterhaltung mit jemandem, der einen neuen Job sucht.“ „Heißt der jenige Martin Powell?“ „Genau. Das ist er.“ „Und du hast ihm gesagt, er soll mal seine Bewerbung fertigmachen?“ „Richtig.“
    „Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Ich brauche nur einmal auf den Lebenslauf schauen und sehe, dass der bei Swift fährt.“ „Stimmt. Und?“ „Das fragst du noch? Du wirst doch wohl nicht so bekloppt sein und einen Swift Fahrer hier einstellen. Wir haben nicht wie Swift das Geld um ständig die Trucks in der Werkstatt wieder geradebiegen zu lassen. So wenig Lohn kannst du dem gar nicht zahlen.“ „Meinst du nicht, dass du da etwas vorschnell urteilst?“ „Nein, das meine ich eigentlich nicht. Frag mal deinen Dad. Wenn sich bei uns ein Swift Fahrer bewirbt, bekommt der sofort eine Absage.“ „Es mag ja stimmen, dass man einen Großteil der Fahrer nicht beschäftigen kann. Ich meine aber, man sollte ihm eine Chance geben.“ „Hast du Drogen genommen?“ „Nein. Ich habe mich aber, im Gegensatz zu dir mit ihm über einen längeren Zeitraum unterhalten. Außerdem bin ich am Montag etwa sechs Stunden hinter ihm hergefahren. In dieser Zeit ist er wirklich gut und vernünftig gefahren. Das heißt zwar noch nichts, aber ich habe schon erheblich schlimmere Fahrer gesehen. Abgesehen davon ist er sympathisch und machte einen guten Eindruck.“ „So so…“ „Jetzt ernsthaft. Ich spiele wirklich mit dem Gedanken, ihm eine Chance zu geben.“ „Du musst verrückt sein.“ „Ich dachte, deine Mutter hätte dich so erzogen, dass du ohne Vorurteile auf die Menschen zugehst.“ „Mache ich doch auch.“ „Außer sie arbeiten bei Swift.“ „Was weißt du denn schon groß von ihm?“
    „Er ist genau wie ich ein Quereinsteiger. Hat vor acht Jahren bei Swift angeheuert, weil ihm als Anfänger erstmal jemand eine Chance geben musste. Inzwischen will er da weg, weil er diese Vorurteile selbst nicht mehr hören kann. Sein letzter Unfall war vor sieben Jahren im Winter. Der hätte auch jedem guten Fahrer passieren können. In den letzten Jahren ist er als B Unternehmer bei euch gefahren. Vielleicht hast du ihn ja schon eingeteilt.“ „Bestimmt nicht. Unser Team ist für eigene Fahrer und A Unternehmer zuständig. B Unternehmer macht ein anderes Team.“ „Dann frag doch Charlie oder auch deine Kollegen, die ihn einteilen. Die müssen doch was wissen.“ „Klar. Das kann ich machen. Meinst du denn nicht, wir bekommen auch bessere Leute?“ „Betrachte es doch auch mal aus Fahrersicht. Wir sind eine kleine Klitsche mit aktuell einem Truck. Wenn wir jemanden einstellen, haben wir zwei Trucks. Wenn die Fahrer solche Vorurteile haben, wie du Marty gegenüber, dann bekommen wir keinen. Dann heißt es nämlich wie lange hält die Bude durch, wenn es schiefgeht, bin ich der erste, der wieder gehen muss und so weiter.“ „So habe ich das noch gar nicht gesehen.“
    „Wir sind weder Walmart Transportation, noch Ryan Construction von der Größe. Ich habe mir vielleicht bei Walmart als Owner Operator einen Namen gemacht, mehr aber auch nicht.“ „Okay. Nur weil er sich bei uns beworben hat, ist er ja noch nicht eingestellt. Ich werde mir die Bewerbungsunterlagen mal in Ruhe anschauen und mich auch mal ein wenig umhören. Vielleicht hat dich deine Menschenkenntnis ja nicht getäuscht.“ „Ich habe mich knapp sieben Stunden mit ihm sowohl über CB als auch persönlich unterhalten. Er macht wirklich einen guten Eindruck. Frag mal deine Kollegen, die ihn disponieren, was sie für Erfahrungen haben und sprich auch mal mit Charlie. Als Leiter der Dispatch muss er da ja auch was wissen.“ „In Ordnung. Sorry, aber ich habe zu viel Schlechtes von Swift Fahrern gehört und gesehen. YouTube ist voll von Videos, wo sich die Experten festfahren oder beim Ausparken einem anderen Truck die halbe Front wegreißen. Wir haben hier auf dem Hof auch oft genug das Problem, dass die ihre Trailer nicht ans Dock bekommen und schließlich der Shunter Fahrer das machen muss.“ „Klar. Es gibt aber sicher auch Ausnahmen.“ „Bestimmt. Sonst wären Swift und Knight und wie sie alle heißen schon dreimal pleite.“ „Okay. Ich muss jetzt weiterfahren.“ „Mach das.“ Wir legten auf und ich machte mich wieder auf den Weg.

    Inzwischen war es bei mir halb Neun. Bis Baton Rouge ging es wieder über die I-10 weiter. Dort wechselte ich auf die I-12 in Richtung Osten, um mir den Umweg über New Orleans zu sparen. Bei Slidell ging es dann wieder zurück auf die I-10 über die ich dann wenige Minuten später Mississippi erreichte.
    Ich kam an Gulfport vorbei, wo ich vor ein paar Wochen erst war, um einen Trailer abzustellen und einen anderen mitzunehmen. Heute fuhr ich aber nur vorbei. Nach knapp eineinhalb Stunden war ich durch Mississippi durch und kam nach Alabama.
    Etwas später erreichte ich die Stadt Mobile. Hier ging es dann durch den George C Wallace Tunnel und anschließend über zwei längere Brücken über die Mobile Bay.

    Durch diesen Ausläufer des Golfs von Mexico kam dann bei mir ein wenig Urlaubsfeeling auf. Es machte Spaß hierher zu fahren und einen Blick aufs Wasser zu werfen.
    Nachdem ich wieder festen Boden unter den Rädern hatte, dauerte es noch eine halbe Stunde, dann hatte ich Florida erreicht. So kam ich mit meiner Ladung aus dem Golden State zum ersten Mal in den Sunshine State.
    Leider ging mir langsam wieder die Fahrzeit aus. Da es in Pensacola nicht wirklich viele Parkmöglichkeiten für Trucks gab, fuhr ich noch weiter. So kam ich wieder mal quasi in letzter Minute an einem kleinen Truckstop in Milton, FL an. Auch hier gab es nicht viele Plätze, da es aber noch recht früh war, gab es noch einen für mich.
    Wie sonst auch meistens, ging ich zum Duschen und Abendessen in den Truckstop. Hier war es ja immerhin schon halb Fünf, auch wenn es zu Hause erst halb Zwei war. Gegen sechs Uhr kam ich dann wieder in den Truck. Um nochmal mit Keela zu telefonieren, war es sicherlich noch zu früh. Da ich aber in der Nacht schon wieder weitermusste, legte ich mich dann recht bald ins Bett.

    Freitag, den 10. August 2018, 2:00 am, Eastern Standard Time, Milton, FL:

    Mein Wecker riss mich um zwei Uhr in der Nacht wieder aus meinen Träumen. Trotz meiner fast acht Stunden Schlaf fühlte ich mich immer noch sehr müde. Der Vorteil, wenn man so ein Gewohnheitstier wie ich war, war dann der, dass man die meisten Sachen schon im Halbschlaf konnte. So setzte ich quasi halb schlafend schon mal den Kaffee für den Tag auf.
    Auf dem Weg zum Truckstop musste ich dann aber etwas wacher sein. Erstens würde ich sonst den Weg nicht unbedingt finden und zweitens war sonst die Gefahr zu groß auf dem Truckstop unter die Räder zu kommen.
    Nach der Dusche und dem ersten Kaffee des Tages war ich dann aber wieder unter den Lebenden und konnte mit offenen Augen die PTI erledigen. Gegen drei Uhr machte ich mich auf den Weg und sah zu, dass meine Tiefkühlfrüchte heute nach Jacksonville kamen.

    Es ging wieder zurück auf die I-10 in Richtung Osten. Das war auch gut so, da diese Interstate direkt nach Jacksonville führte. Um diese frühe Uhrzeit machte der Sunshine State seinem Namen auch noch keine Ehre. Dazu war es definitiv zu dunkel.
    Nachdem ich später Tallahassee passiert hatte, dämmerte es auch und die Sonne machte sich langsam daran, den Tag einzuläuten. Den anbrechenden Morgen verbrachte ich dann immer noch auf der I-10. Schließlich erreichte ich dann aber im Berufsverkehr Jacksonville. Gegen neun Uhr kam ich dann an meinem Ziel, einem 7Eleven Markt an.

    Nun hieß es mal wieder Filialleiter ärgern, weil ich nicht mit einem neutralen Trailer hier war, sondern mit einem, auf dem auf der Breitseite groß Walmart stand. Aber nicht nur deshalb sollte der Trailer schnell hinter der Ecke verschwinden. Auch die Kühlkette sollte ja nicht unterbrochen werden.
    So hatte ich mal wieder das Vergnügen, auf dem engen Parkplatz eines kleinen Supermarkts mit einem 53 Fuß Reefer zu rangieren. Eine Viertelstunde später stand der Trailer dann an seinem Platz und alles war ganz geblieben. Ich bekam meine Autogramme und konnte nun schauen, was im ORBCOMM für mich stand:

    PICKUP: EST-FLJAV
    GATE: 02
    TRAILER: CT53723
    FREIGHT: DRIED FRUIT
    WEIGHT: 35,500 LB
    DROP: COW-FLFLA
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: HAVE A NICE DAY AT THE BEACH :)

    WAT-CASAC-JMU.

    Es blieb also bei Früchten, auch wenn ich das „Tiefkühl“ gegen „Trocken“ tauschen konnte. Daher war auch kein Reefer nötig, sondern nur ein Planen Trailer. FLFLA stellte sich als Fort Lauderdale heraus, was auch die Zeile in den Bemerkungen erklärte.
    Jessy hatte die Zeile für die Bemerkungen offensichtlich als Platz für eine persönliche Anmerkung entdeckt. Laut meinem Navi war das Außenlager nicht allzu weit von dem Supermarkt entfernt. So reichte mir eine Viertelstunde, bis ich dort ankam.
    Dank ORBCOMM 6.0 war hier natürlich alles fertig. Der Mitarbeiter im Bürocontainer wunderte sich nur mal wieder über einen Fahrer aus Kalifornien, der in Florida Regionalverkehr fuhr. Eine weitere Viertelstunde später war der Trailer aufgesattelt und kontrolliert und ich war schon wieder auf dem Weg.

    Ich sollte in Richtung Süden aus der Stadt. Ich suchte mir aber noch im Stadtgebiet von Jacksonville eine Möglichkeit erstmal meine Pause zu machen. Diese fand ich in einem Gewerbegebiet, unweit der I-95. Inzwischen war es hier zehn Uhr, also zu Hause Sieben.
    Ich nahm mir also als erstes mein Handy und rief bei Keela an. „Ich wollte gerade ins Bett gehen.“ Wurde ich von ihr begrüßt. „Ich kann ja wieder auflegen.“ Sagte ich gespielt eingeschnappt. „Oh, ist der Herr heute empfindlich?“ fragte Keela. „Nachdem, was ich mir gestern alles von dir anhören musste.“ „Wieso?“ fragte sie scheinheilig. „Na ob ich noch alle Tassen im Schrank habe oder ob ich Drogen genommen habe.“ „Na, wenn mein Freund auf einmal auf die Idee kommt, einen Swift Fahrer einzustellen.“ „Hast du dich denn mal schlau gemacht?“ „Ich war vorher schon schlau. Ich habe aber mal versucht, herauszufinden, ob du noch schlau bist.“ „Und zu welchem Ergebnis bist du gekommen?“ „Moment mal kurz. Da ich ja schlau bin und unser Telefon ja keine Schnur hat, nehme ich dich jetzt mit ins Bett… so jetzt können wir weiterreden.“ „Das freut mich ja, dass ich wenigstens so mit dir ins Bett komme.“ „Persönlich wärst du mir auch lieber. Mit dem Telefon kann man nicht so gut kuscheln.“ „Ich kann dir ja einen Teddy zum Geburtstag schenken.“ „Dann komm lieber persönlich. Hinterher ist der so, wie in "Ted".“
    „Nun sag endlich.“ „Was denn?“ fragte sie mit honigsüßer Stimme. „Was deine Kollegen von Mr. Powell halten.“ „Ach das.“ Sagte sie und gähnte herzhaft. „Deine Menschenkenntnis ist noch nicht ganz am Ende.“ „Du sprichst in Rätseln. Über meinem Kopf tanzen jetzt tausend Fragezeichen.“ „Wie süß. Schick mal ein Selfie.“ „Ich glaube, wenn ich nach Hause komme, muss ich dich mal übers Knie legen.“ „Ja, bitte tu das. Macht bestimmt Spaß.“ „Du hast zu viel 50 Shades of Grey gesehen.“ „Kriegen wir auch noch ein rotes Zimmer?“ „Jetzt ist aber gut.“ „Okay, dann halt wieder ernst und langweilig. Martin Powell scheint wirklich was zu taugen. Zumindest für einen Swift Fahrer. Mein Kollege, der ihn einteilt, hat mir letzte Nacht gesagt, dass das der beste Swift Fahrer ist, den er im Moment hat und das meinte er ernst. Charlie kannte ihn jetzt nicht direkt, hat aber wenigstens nichts Negatives über ihn gehört.“ „Also bin ich doch nicht ganz so verrückt.“ „Verrückt bist du schon, aber zum Glück im positiven Sinne.“ „Na immerhin.“
    „Okay. Ich meine wir machen erstmal ein Vorstellungsgespräch, wenn du wieder hier bist. Wenn das auch zu meiner Zufriedenheit ausfällt, dann kann er von mir aus anfangen. Aber mit einer entsprechenden Probezeit.“ „Wie du meinst, Boss.“ „Na endlich hast du kapiert, wer hier der Boss ist.“ Ich wusste, wie ich sie jetzt ärgern konnte. „Wenn du meinst, Kee.“ „Wenn du Weihnachten noch erleben willst, nennst du mich nicht Kee. Das dürfen nur meine Brüder und zur Not noch Dad.“ „Also doch Boss.“ „Das geht gerade noch. Such dir was Besseres aus.“ „Okay, Süße.“ „Genehmigt. Morgen erreichst du mich wieder schlecht.“ „War klar. Wo wird sich meine Süße an einem freien Samstag im Sommer schon aufhalten. In Rockaway Beach.“ „Wo sonst. Aber Fort Lauderdale ist ja auch nicht zu verachten." Falls ihr mich da stehen lasst. Jessy hat mir ja schon einen schönen Tag am Strand gewünscht.“ „Das kommt darauf an, ob du auch lieb zu mir bist. Ich denke ja, du wirst in meiner Schicht fertig werden.“ „Da gehe ich von aus.“ „Ich muss mal schauen, wie die Lage dann ausschaut.“ „Mach das.“
    Keela musste wieder herzhaft gähnen. „Ich glaube, ich lasse dich jetzt mal schlafen und esse noch was, bevor ich wieder losfahre.“ „Okay. Dann guten Appetit.“ „Danke. Dir morgen viel Spaß am Strand.“ „Danke, gleichfalls.“ Wir legten auf und ich machte mir noch was zu essen.

    Gegen elf Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Süden. Viereinhalb Stunden konnte ich noch zurücklegen. Das würde zwar nicht ganz bis zum Ziel reichen, Ich kam dem Ziel aber noch ein gutes Stück näher. Ich fuhr auf die I-95 in Richtung Miami und kam jetzt an vielen bekannten Orten vorbei.
    Es ging am Ferienort Palm Coast vorbei, dann an Daytona Beach, was für seinen Speedway und seinen Autostrand bekannt war. Weiter südlich folgten Vero Beach, Port St. Lucie und schließlich das Palm Beach County mit zahlreichen Ferienorten.
    Nun lief mir langsam die Fahrzeit weg. Ich hatte dann auch vieles einkalkuliert. Jedoch hatte ich nicht darüber nachgedacht, dass in diesem Bereich, nördlich von Miami wenig Platz für Truckstops oder Ähnliches war. Meine Suche im Navi brachte erst auch keinen Erfolg. Ich suchte nebenher auch auf Google Maps, fand aber erst auch nichts.
    Schließlich musste ich noch leicht überziehen, um nach Pompano Beach zu kommen, wo es einen winzigen Truckstop gab. Um halb Vier am Freitag hatte ich aber das Glück, das wohl viele noch versuchten am Wochenende nach Hause zu kommen. Mit viel Glück bekam ich dann auf dem Gelände von Marathon Gas, wie die Tankstellenkette hieß, einen Parkplatz, der genau gegenüber von den Zapfsäulen lag. Hier würde es zwar nicht sonderlich ruhig sein, andererseits konnte man mich hier auch nicht zuparken. Außerdem hatte ich so wenigstens Duschen und Toiletten. Das kleine Lokal, was es hier gab, war zwar nicht ganz mein Geschmack, asiatische Küche nahm ich nur im Notfall, aber immer noch besser, als nichts. Außerdem hatte ich ja auch noch Vorräte im Truck.
    Ich ging also noch duschen und stöberte hinterher noch im Shop. Dann zog ich mich in meinen Truck zurück.

    Samstag, den 11. August 2018, 4:00 am, Eastern Daylight Time, Pompano Beach, FL:

    Da mein spätester Anlieferzeitpunkt erst gegen halb Sieben lag, hatte ich beschlossen, erst etwas später aufzustehen. Warum sollte ich auch mitten in der Nacht losfahren.
    Da ich mitten in der Nacht auf dem kleinen Truckstop nicht wirklich mit einer sauberen Dusche rechnete, stand ich dann sogar erst um vier Uhr auf. Ich setzte schnell den Kaffee auf und Ging dann zum Toilettengang in den Truckstop. Die Wäsche erledigte ich, nachdem ich Dusche und Waschraum gesehen hatte, auch lieber aus dem Kanister. So war ich dann so zeitig fertig, dass ich schon um halb Fünf mit der PTI beginnen konnte.
    Eine Viertelstunde später zirkelte ich den Lastzug von dem brechend vollen Gelände des Truckstops. Meine Entscheidung, gegenüber der Zapfsäulen zu parken, hatte sich ausgezahlt.

    Gegen fünf Uhr Ortszeit klingelte dann mein Handy. Die Büronummer von Keela wurde angezeigt. „Hier bei der Arbeit.“ Meldete ich mich. „Na, du Langschläfer, kommst du auch noch mal in die Gänge?“ neckte mich Keela. „Reicht doch. Ich bin locker vor Ablauf des Termins da.“ „Dann will ich mal nicht so sein.“ „Rufst du mich deshalb an?“ „Auch. Aber auch um dich zu fragen, ob du noch einen Anschluss annimmst?“ „Muss das den sein?“ „Wäre nicht schlecht. Der Auftrag hat dringende Priorität.“ „Ich hatte mich eigentlich auf einen Reset in Fort Lauderdale gefreut.“ „Und wenn du das noch toppen kannst?“ „Wie soll das denn gehen?“ „Mit einem Reset auf den Florida-Keys.“ „Hab ich mich gerade verhört?“ „Nicht wirklich. Du kannst in Fort Lauderdale einen Pup mit Tafelgeschirr bekommen. Walmart hat ja ein kleines Auslieferungslager im Hafen von Key West. Dort geht die Ladung hin.“ „Du schickst mich allen Ernstes nach Key West?“ „Richtig. Einen Haken hat die Sache aber.“ „Welchen?“ „An einem Samstag im August wirst du wohl kaum ein Zimmer bekommen. Zumal ja nach dem Hurrikan Irma, letztes Jahr, immer noch nicht alles wiederaufgebaut ist.“ „Das wird ja dann sowieso nur eine Übernachtung werden. Die restliche Zeit werde ich wohl am Strand verbringen.“ „Dann verbringen wir wohl beide das Wochenende am Strand.“ „Um so besser.“ „Du nimmst die Tour also.“ „Selbstverständlich. Das lasse ich mir nicht nehmen.“ „Okay. Ist geblockt.“ „Du weißt schon, dass ich das wärmere Meer habe.“ Zog ich sie auf. „Dafür habe ich die besseren Wellen.“ Konterte sie. „Ich hab ja eh kein Board mit.“ „Kannst dir ja eins leihen.“ „Mal sehen.“ Wir legten dann auf.

    Eine halbe Stunde später erreichte ich Fort Lauderdale und verließ die Interstate 95. Auf dem Weg durch die Stadt brauchte ich mich dann auch nicht über die Meldungen aus dem ORBCOMM wundern. Mir war ja jetzt klar, dass ich noch einen Anschluss hatte. Bei Costco Wholesale angekommen, holte ich mir aber doch die Daten aus dem Tablet. Ich musste die Ladung ja abfordern.
    Insgesamt blieb ich dann mit Papierkrieg, Umsatteln und der PTI des Pup eine halbe Stunde bei Costco. Um viertel nach Sechs machte ich mich dann auf den Weg in mein tropisches Ziel.

    Mein Navi schickte mich dann direkt in Fort Lauderdale schon auf die US-1. So musste ich an diesem Morgen noch durch Miami. Zum Glück war es Samstagmorgen, sonst wäre es sicher noch voller gewesen.

    Über die US-1 ging es jetzt weiter in Richtung Key Largo. Schließlich wurde die US-1 zu dem berühmten Overseas Highway, der die Florida-Keys miteinander verband. Am meisten beeindruckte mich auf dem Weg die Seven-Mile-Bridge, die ebenfalls sehr bekannt ist.

    Schließlich hatte ich die 120 Meilen auf dem Overseas Highway zurückgelegt und hatte Key West erreicht. Irgendwie war die Insel mit den zahlreichen Palmen und den bunten Häusern eine andere Welt. Bei den kleinen Straßen hier war ich auch froh, nur einen Pup am Haken zu haben.

    Gegen viertel vor Neun erreichte ich dann das kleine Auslieferungslager, was dafür geschaffen worden war, dass die kleinen Läden auf den Keys nicht mit großen Trucks beliefert werden brauchten. Außerdem wurde auch die Küche der Navy Basis auf Key West von hier aus versorgt.
    Nachdem ich den Pup ans Dock gesetzt hatte, konnte ich meinen Reset an einem der schönsten Plätze der USA verbringen. Manchmal zeigte der Job doch seine ganz fantastischen Seiten.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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Kommentare 16

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    infinity -

    Keela ist genauso frech wie Sandra. Auf jeden Fall wieder ein schickes Kapitel.

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    Werner 1960 -

    Schönes Kapitel, da schauen wir mal wie es weitergeht.

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    loddi51 -

    Klasse Kapitel.

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    elwime -

    Schöne Geschichte, einen VNL 860 wäre auch nicht schlecht und einen Fahrer hast ja auch schon fast aus gwählt gib denn Man eine change.

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel wieder. Dann mal viel Erfolg mit der Expansion.

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    ramocharly -

    Swift stellt auch Leute ohne CDL ein. Ebenso wie Werner, Prime und Schneider. Die haben eigene "Academies", wo man dann den Führerschein machen kann und sich dabei zu zweijähriger Mitarbeit verpflichtet. Im Falle Swift sind das aber zumeist drittklassige Vetragsfahrschulen, die den Auftrag haben, möglichst schnell möglichst viel "meat in the seat" zu prduzieren. Daher nennt man diese Firmen auch "CDL mills". Aber bei ca. 20.000 Fahrern kann auch mal der eine oder andere gute dabei sein. Maybe you found the rose on the scrapyard.

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      Sauerlaender -

      Wie schon geschrieben, es gibt mit Sicherheit auch Ausnahmen. ;)

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      TurboStar -

      Na ja, in Europa sollen es schon eigentlich zum Bankkaufmann ausgebildete Leute mit druckfrischem Führerschein geschafft haben, von der Konkurrenz heiß umworbene Trucker zu werden ;)

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      Sauerlaender -

      Stimmt. Da war ja mal was. ;)