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Kapitel 73- Die gute Tat

  • „Tjahaark?!“

    Der Ton war verdächtig, üblicherweise klang das feldwebeliger. Sie wollte was von mir, soweit kannte ich Iris´ Tonlagen inzwischen.

    „Was gibts denn?“
    „Duu? Ich hab da ein Problem, beziehungsweise eine Freundin von dir.“
    „Mir!?“

    Nun nahm ich doch eine etwas offiziellere Haltung ein, nachdem ich bislang ziemlich unmotiviert in meinem Schreibtischstuhl hing, mehr liegend als sitzend.

    „Ja, Riekje hat mich angerufen.“
    „Wie? Riekje? Seit wann kennt ihr euch denn?“
    „Seit dem Telefonat, sie wollte dich nicht direkt mit ihrem Anliegen belämmern, darum der Anruf bei mir.“

    Ich schüttelte nur den Kopf.
    „Das is wieder so ne Frauenlogik, muß man(n) nicht verstehen.“

    Wenn Blicke töten könnten! Irgendwie hatte ich das Talent bei Iris immer genau den richtigen Punkt zu treffen.
    „Das hab ich jetzt mal überhört...“

    „War doch aber eigentlich laut genug, oder Fietje?“

    Unser Ostfriese, der bislang interessiert gelauscht hatte, ging hinter seinem Monitor in Deckung.
    „Mein Name ist Hase, ich weiß von nix! Haltet mich da bloß raus. Ich will nicht immer der Schiedsrichter sein...“
    „Schisser!“
    „Habens die Herren dann?“
    "Ja, also gut, dann nochmal von vorn: Worum gehts?“
    „Riekje arbeitet ehrenamtlich für die Tafel in ihrer und ja irgendwie auch deiner Gemeinde. Und diese Tafel hat von einer dänischen Großmolkerei Kühlprodukte angeboten bekommen. Nur leider haben sie nicht die Möglichkeit die Sachen abzuh...“
    „...eine Molkerei in Dänemark bietet einer deutschen Lebensmittelausgabe Kühlware an?! Das klingt einigermaßen beklo...“
    „Jetzt halt doch mal die Klappe!“
    „Ich mach Tee...“, damit verschwand Fietje in der nebenan gelegenen Küche.

    Ich machte eine Reißverschluß- Bewegung über meinen Mund und sah Iris erwartungsvoll an.
    „Also...dänischer Molkereikonzern, unter anderem mit einem Auslieferungslager bei Hamburg. Die Kühlware muss dort abgeholt werden. Die Tafel müsste x-mal fahren, da es um knapp zehn Tonnen Ware geht und die nur so kleine Kühl- Sprinter haben. Außerdem rollen deren Wagen tagtäglich gute zehn Stunden um ihre örtlichen Spender abzuklappern. Die Supermärkte, Bäckereien und was weiß ich noch alles.“
    „Ahja...“
    „Nen ehrenamtlichen Fahrer, der mal eben schnell nach Hamburg bösselt, können die auch nicht aus dem Ärmel schütteln.“
    „Und da dachte Riekje, dass bei uns irgendein Kühlsattel samt Fahrer tatenlos rumsteht...“
    „Neiiiin….jaa...also...“
    „An deiner de Fúnes- Parodie musste noch arbeiten...“

    Und *zack* kam ein Radiergummi geflogen.

    „Kannst du nicht einmal ernsthaft…!?“
    „Is ja schon gut...wann? Wie? Wo?“
    „Du würdest jemanden schicken?“
    „Ja, gute Tat und so...ich mach das aber selbst, muss ja sicher kurzfristig sein. Oder?“
    „Im Lauf der Woche laut Riekje.“
    „Hast du ihre Nummer gerade parat?“

    Und wieder kam etwas in meine Richtung geflogen, dieses Mal aber in friedlicher Absicht.

    „Ich ruf da gleich mal an.“

    Da ich sowieso an meinen Tabaksbeutel wollte, nahm ich das Telefon mit nach draußen. Das rauchfreie Büro war auf dem Mist der drei Drehstuhl- Akrobaten gewachsen, nicht mal für mich gabs Sonderregelungen. Von wegen Herr im Haus…
    Draußen wars zumindest trocken…


    „Du gibts wenigstens keine Widerworte...“

    Vor mich hinbrummelnd drehte ich mir eine Zigarette um dann bei Riekje durchzuklingeln.
    „Riekje Tammena?“
    „Wübbena, DiekTrans Bremen. Das nächste Mal rufste mich aber direkt an, wenn du was von mir willst“, polterte ich ohne Umschweife in das
    Telefon.
    „Ich wollte dich nicht direkt damit behelligen, du hast ja auch immer soviel um die Ohren“, kam es etwas kleinlaut aus dem Hörer.
    „Außerdem wollte ich erstmal mit Frau Janssen abklären ob so etwas überhaupt geht, also ihr so eine Extra- Tour einigermaßen unkompliziert einbauen könnt. Und neugierig auf diese Frau war ich auch ein bißchen...“
    „Soso...“
    „Du hast sie ja schon recht oft erwähnt wenn wir uns auf der Baustelle in Lütjehusen getroffen haben, da dachte ich mir...“
    „Jaja...zurück zum Thema, bitte! Soweit ich informiert wurde, geht es um gut zehn Tonnen Kühlware, die irgendwo bei Hamburg steht.“
    „Richtig, die Molkerei hat uns angeb...nein, die haben sich an den Landesverband gewandt, weil sie Ware abzugeben haben. Der Verband hat dann die Tafeln angemailt und wir sollten uns melden, wenn da unsererseits Interesse besteht. Kühlware ist in unserer Tafel hier in der Gemeinde ein knappes Gut, uns fehlt da einfach ein örtlicher Großspender und da haben wir uns auf den Aufruf hin natürlich gemeldet. Und jetzt isses soweit und wir sollen abholen. Wir haben nur die Menge die wir da abnehmen sollen, total unterschätzt.“
    „Wo ich dann ins Spiel komme...“
    „So in etwa. Wir selbst haben hier so einen 3,5 to- Kühlkoffer- Sprinter, dazu einen normalen Sprinter für die Möbel und einen kleinen Kastenwagen um Textilspenden, Hausrat- und Kleinmöbel- Spenden abzuholen. Und um mögliche Möbelspenden zu besichtigen. Uns fehlt da total die Kapazität, zum einen wegen der Menge, aber auch die Distanz ist ein Problem. Unser Kühlauto wird den ganzen Tag gebraucht, den können wir nicht einfach für ein oder zwei Tage aus der Abholung nehmen, dann steigen uns die Supermärkte aufs Dach weil wir deren Zeug nicht abholen.“
    „Warte mal...Möbel? Warum denn Möbel?!“
    „Ja sicher. Zu unserer Tafel gehört ja auch ein soziales Kaufhaus mit angeschlossener Möbelabteilung. Bei uns bekommst du alles, vom Apfel bis zum Zeltschrank.“
    „Ui, das wusste ich nicht. Du hast ja schon mal von deiner Arbeit da erzählt, aber was ihr da so alles treibt...“
    „Kanste mal sehen...“
    „Ich glaube, mit dem Kühlzeug könnte ich helfen. Vorausgesetzt, ihr braucht nur eine Zugmaschine und einen Fahrer. Einen meiner Kühler kann ich so kurzfristig nicht aus der Planung nehmen.“
    „Nein, nein. Die Ware wird quasi auf Zuruf verladen und bereit gestellt. Die Molkerei stellt den Anhänger. Wir benötigen tatsächlich nur ein Zugfahrzeug. Und jemanden, der so ein Ungetüm bedienen kann.“
    „Scheint so, als hättest du ihn gefunden.“
    „Im Ernst? Das wäre ja großartig! Wegen der Bezahlu...“
    „...darüber zerbrich dir mal nicht den Kopf. Mir is schon klar, daß ihr vermutlich nicht mal den Diesel bezahlen könnt. Verbuchs als Gefallen.“
    „Sehr schön, ich freue mich! Wie wollen wir nun verbleiben?“
    „Ich würde sagen, du oder wer auch immer da bei euch zuständig ist macht den Termin mit der Molkerei, gerne schon morgen vormittag. Dann fahr ich da rüber und bring euch den Trailer.“
    „Hättest du was dagegen wenn ich dich begleite? Ich wollte ohnehin mit jemanden dort sprechen und versuchen, diese Leute dort dauerhaft als Spender an uns zu binden. Es müssen ja nicht immer zehn Tonnen sein. Und in so einem Ungetüm habe ich auch noch nie gesessen…“
    „Meinetwegen, da sehe ich kein Problem. Meld dich einfach baldmöglichst mit dem Termin unter dieser Nummer, dann kommen wir schon zusammen.“
    „Tjarki, du bist ein Schatz! Die Tafel dankt von Herzen! Ich rufe dich sobald wie möglich zurück. Ciao!“
    „Tschüß!“

    Wieder oben im Büro angekommen, erstattete ich Iris Bericht um mich dann in eine ausgedehnte Mittagspause zu verabschieden.
    Beim Essen im Billig- Chinesen in unserer Nachbarschaft brütete ich über meinem akut größten Problem: Bernd.
    Die großen Touren nach Südosteuropa hatten sich weitgehend erledigt, wie aus heiterem Himmel. Meine bisherigen Auftraggeber hatten sich quasi über Nacht neue Spediteure gesucht, einen neuen um genau zu sein. Irgendein Grieche hatte eine entsprechende Unternehmung aus dem Boden gestampft und räuberte jetzt mit Kampfpreisen in meinem Revier. Und da ich keine längerfristigen Verträge dort unten hatte, gingen sie mir alle von der Fahne. Transportiert wurde mit, Zitat Bernd, „Mülleimern“, auch ging in schöner Regelmäßigkeit eine Fracht koppheister, da das Personal nicht unbedingt aus der Kategorie „Profi“ kam.
    Trotzdem kam ich kaum noch zum Zug, was dazu führte, dass Bernd mit seinem fast 600 PS starken dicken Mädchen vorwiegend innerdeutsch Kühler oder, schlimmer noch, Curtainsider fuhr. Wirtschaftlich ein mittlerer Alptraum. Bei Bernd kam noch erschwerend hinzu, dass er in den letzten Jahren nahezu komplett eigenständig unterwegs war, kaum Dispo- Kontakt und viel Freiraum für eigene Entscheidungen hatte. Er tat sich schwer mit der Führung durch Fietje und erst recht mit Iris, da gabs auch öfter Reibereien.
    Zudem war er wieder öfter zuhause, bei seinem Drachen. Auch das steigerte seine Laune nicht unbedingt.

    Schließlich hatte ich mir überlegt, ihn samt Actros zu Jesper zu verpflanzen. Das war, angesichts der skandinavischen Ladungsgewichte, zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Womöglich konnte Jesper ihn auch besser bändigen, den musste Bernd schließlich für voll nehmen, mehr Erfahrung als mein Däne hatte schließlich niemand im Betrieb.
    Nun musste Bernd nur noch dem Standortwechsel zustimmen. Oder künftig auf den dicken Benz verzichten und mit weniger Achsen und Leistung durch Deutschland gondeln. Angesichts der Optionen rechnete ich fest mit seiner Zustimmung.

    Davon abgesehen lief es im Prinzip.
    Jesper hatte inzwischen mit Knud II Verstärkung bekommen. Seinen neuen Kollegen hatte er selbst an Land gezogen, respektive anderswo abgeworben. Knud II hatte einen Großteil seines Berufslebens bei einer finnischen Großspedition verbracht und brachte Finnisch als Zweitsprache neben Dänisch und auch ein üppiges Netzwerk mit. Die beiden hatten in früheren Zeiten wohl schon gut miteinander gekonnt und Jesper hatte nun eine Gelegenheit genutzt ihn an DiekTrans zu binden. Allerdings hatte die Einstellung von Knud II das Kapazitätsproblem in Odense eher noch verschärft. Die DAF wurden zwar geschickter ausgelastet, trotzdem fehlten sowohl Zugmaschinen als auch Trailer. Ein Actros würde da zwar helfen, aber der große Wurf war das noch nicht.

    Das Stralis- Trio hatte sich mittlerweile auch etabliert und feederte unverdrossen Boxen aus dem JWP ins nähere und weitere Umland. Der frühere „Dussel“ Berni blühte richtig auf und nahm die beiden Frischlinge Karim und Nils unter seine Fittiche. Eine solche Entwicklung hatte ich ihm definitiv nicht zugetraut, aber er meisterte die Herausforderung als „Abteilungsleiter Stahlkiste“, wie Iris ihn nannte.

    Das Bremer Kerngeschäft mit Kraft Foods, EltaTec und mehreren, kleineren Stammkunden funktionierte derweil ohne Probleme. Mittlerweile lief der zweite FH mit Frank durchgehend für die Delmenhorster Richtung Skandinavien und die beiden HiWay transportierten Gekühltes und Gefrorenes durch Europa.

    Mich hatte die Disposition inzwischen zum Mädchen für alles gemacht. Boxen, Kühler, Plane, an meinem FH hing alles was der Fuhrpark zu bieten hatte. Allerdings mit Unterbrechungen, denn auch am Schreibtisch war ich immer wieder gefordert.

    So wie aktuell.
    Die Fahrzeugbeschaffung lag prinzipiell in meinen Händen, auch wenn mich die Gespräche und Verhandlungen zunehmend nervten. Aber wenn es um die größeren Geldpakete ging, war ich halt dran. Zu Anfang waren neue Autos immer Spektakel und Highlight, inzwischen aber ein Stück weit Alltag und notwendiges Übel.
    Immerhin hatte sich mein Verhältnis nach Södertälje verbessert. Die Schwachmaten in Hannover waren Geschichte, seit ich erfahren hatte, dass meine Dresdner Konkurrenz von EPT die dortige Scania- Niederlassung führte.
    Mein erstes Auto, der Neon- DAF, war schließlich dort gelandet. Seit dem guten Deal hatte ich einen Draht zu Dirk, auch wenn er mir die Lackierung immer noch ein bißchen übel nahm. Der NextGen- Scania hatte es mir durchaus angetan, wenigstens testen wollte ich die neue Kiste. Blieb abzuwarten ob Dirk einen Vorführer rausrückte.
    Immer im Rennen waren auch Ruud, mein Bremer DAF- Dealer und Torben Schnoor von Iveco Hamburg.
    Neben den dreien bat ich auch bei Volvo in Osnabrück um entsprechende Angebote. Auf eine Anfrage in Wörth verzichtete ich bewusst, da ich noch nicht sicher war, ob der eine Actros blieb. Eigentlich war das Ding hoffnungslos übermotorisiert…

    Ein weiteres „Problem“ war immer noch der Odin- Magnum von Hägar Reimann. Iris´ letzte Drängeleien in puncto Verschrottung hatte ich noch ignoriert, aber so langsam…
    Die obskure Kiste fraß nur Brot, andererseits war der Wagen fast eine Art rollendes Transport- Denkmal. Sein Besitzer war eines der letztes echten Originale der Branche. Ich wollte die Hoffnung aber noch nicht aufgeben, vielleicht fand sich doch noch ein Liebhaber für das Ding.
    Am Nachmittag war ich wieder am Schreibtisch, inzwischen waren wir wieder vollzählig, da auch unser Küken eingetroffen war. Alke hatte ihren Zahnarztbesuch hinter sich gebracht und saß mit dicker Backe vor ihrem Bildschirm.

    „Du siehst aus wie´n Hamster….“
    „Damke Cheff“, und damit war das Gespräch auch schon wieder beendet, da Iris aus der Küche nach mir rief.

    Während sie ein paar Becher abwusch, wurde mir mein morgiger Tagesablauf erklärt. Wobei...viel zu erklären gabs da nicht. Riekje hatte sich schon während meiner Mittagspause gemeldet, die Kühlware wäre morgen um 10.30h abholbereit. Weitere Programmpunkte gabs erstmal nicht, allenfalls müssten Trailer oder Lafetten im Nahbereich umgesetzt werden.

    Am kommenden Morgen sammelte ich Riekje am Bahnhof Neustadt ein und fuhr mit ihr zur Hansalinie.
    Über die 1 waren es nur ein paar Abfahrten bis zu unserem Ziel. Somit fand ich mich an einem Kühllager unmittelbar an der A1 wieder, mit gänzlich ungewohntem Anhängsel. Werbung für die hochverehrte Konkurrenz machte ich ja eigentlich nicht mehr, war heute allerdings alternativlos. Immerhin passten die Farben einigermaßen...


    Aufmerksam beobachtet von Riekje inspizierte ich Trailer und Ladung, auszusetzen gabs glücklicherweise nichts.
    Im Anschluß war für mich noch Zeit für ein gesponsertes Heißgetränk und eine Zigarette, während meine Begleitung mit einem Verantwortlichen über weitere Lieferungen verhandelte.
    Auf der Weg nach Lütjehusen bekam ich noch einen etwas tieferen Einblick in die Materie „Tafel“. Seit der Gründung in den frühen 90ern ist die Bewegung mächtig gewachsen, inzwischen gab es bundesweit annähernd 1.000 entsprechende Einrichtungen mit rund 5.000 Fahrzeugen. Rund 60.000 Menschen arbeiten, zu über 90 % ehrenamtlich, für die Tafeln und versorgen 1,5 Millionen Menschen.
    Ich hatte keine Ahnung welche Dimensionen diese Einrichtung hat und war einigermaßen beeindruckt, aber auch nicht minder verstört über den Mangel und die Not.
    Nicht minder beeindruckend war Riekjes Schilderung eines normalen Tages mit dem Kühlfahrzeug. In einem Radius von gut 50 Kilometern wurden Montags bis Samstags etwa ein Dutzend Supermärkte und Bäckereien angefahren, dann die Sortierung angefahren, entladen und etwa ein weiteres Dutzend Läden abgegrast. Das ehrenamtliche Abhol- Duo war am frühen Nachmittag soweit durch, dann wurde das Fahrzeug für die Abendtour vorbereitet, wo dann noch einmal etwa ein halbes Dutzend Märkte angefahren wurden. Dazu kamen regelmäßige Extratouren zu Logistikzentren von Supermarktketten, zu Großbäckereien und Fleischwarenproduzenten. Einige von denen schrieben Kühlfahrzeuge für die Abholung vor, so das die übliche Tour dann mit dem Sprinter und dem kleinen Kastenwagen abgefahren wurde. Für gut 2.000 € im Monat wurde Diesel verfahren, dazu kamen die Unterhaltungskosten für Gebäude und Fahrzeuge, Mieten, Gehälter und vieles mehr. Gegenfinanziert durch Spenden, Einnahmen aus dem „Verkauf“ der Lebensmittel, der Möbel und des Hausrates.

    „Verkauf“ darum, um den bedürftigen Kunden wenigstens das Einkaufsgefühl zu bescheren und nicht Bittsteller zu sein. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
    Allzuviel fiel mir dazu nicht mehr ein. Eines der reichsten Länder der Erde und dann so eine Einrichtung mit solch einem „Kundenstamm“.
    Zudem die Zahl der Kunden ständig stieg. Einerseits sank die Hemmschwelle, andererseits wuchs die blanke Not.

    Die Tour über die 1, die 28 und schließlich die 31 bis in die Gemeinde fand schließlich ihr Ende an einer leicht angegammelten Doppeltür, die zu einem ebenso angegammelten Lagerkomplex gehörte.

    „Wollt ihr das hier nicht mal beschildern? Eure Kunden suchen sich ja zu Tode.“
    „Das ist nicht die Tafel, Tjark. Hier lagern wir nur Kühl- und Tiefkühlware. An der Ausgabe haben wir nicht die Möglichkeit solche Mengen Ware gekühlt zu
    halten.“

    „Wiiie? Der ganze Kram wird dann wieder hin- und hergegurkt?! Lieber Gott“, ich verdrehte die Augen.

    Mein Gegenüber zuckte nurmit den Schultern, gewohnt an diese Umständlichkeiten.
    Jetzt begann die Handarbeit. Mit einer Ameise wurden die Paletten an die Hecktüren gezogen, dann die einzelnen Ifco- Kisten ins Gebäude gewuchtet, dort wieder auf Collis geladen und in die Kühlung gefahren. Was für ein Anachronismus, diese ganze Wurschtelei.


    Schweißtreibende drei Stunden später war die ganze Ware verräumt. Riekje, ich und die weiteren Helfer gönnten uns noch ein bißchen Tee mit Krintstuut, ehe ich mich allein wieder auf den Weg machte.
    Unterwegs entschied ich mich, der Tafel auch künftig, wo es mir möglich war, unter die Arme zu greifen. Vor allem mussten aus meiner Sicht die
    Anlieferungsmöglichkeiten verbessert werden. Eine E- Ameise und intakte Collis waren erstmal das Mindeste, eine mindestens improvisierte Laderampe zu bauen war ein weiterer Schritt. Beizeiten wollte ich das mit dem Leiter der Tafel besprechen.

    Am Abend war ich wieder an der Hansalinie, die Kollegen waren mittlerweile im Feierabend. Auf meinem Schreibtisch fand sich noch ein Stapel mit...Frachtpapieren! Iris!

    „Morgen DK, Gruß I.“

    Alles wissenswerte in acht Buchstaben serviert bekommen…
    Vor mich hinfluchend machte ich mich auf den Heimweg, müde war ich obendrein, die Handentladung zeigte Wirkung. Dann also morgen Dänemark…
    Munter blieben!
    Deichgraf

    Kapitel 73 >Die gute Tat< m
    eines Tagebuches ist frisch veröffentlicht!
    trucksim-map.com/blog/index.ph…DiekTrans-GmbH-Deichgraf/

    Log-Datei posten? So gehts:
    Posten der game.log/Posting game.log

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Kommentare 14

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    alaskabaer01 -

    Toll geschrieben und klasse Bilder.

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    TurboStar -

    Hm, ich hatte hier schon mal was geschrieben, scheine ich wohl nicht gesendet zu haben :( Schönes Kapitel, auch wenn der Teil mit der Tafel nachdenklich stimmt. Auf jeden Fall sind Deine Bürosticheleien immer ein Spaß und die Waffen sind mit Radiergummis ja auch stumpf. Ich kann mich noch erinnern, dass Tjark auch schon fliegenden Stöckelschuhen ausweichen musste.

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      Deichgraf -

      Ich bin immer wieder beeindruckt, was du dir alles merkst. :)

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      TurboStar -

      Ach komm, die Szene ist ein Klassiker aus diesen Tagebüchern wie kaum eine andere. Mir würde da nur noch einfallen, wie Viki die reißende Bestie Niklas auf den Anwalt loslässt :D

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      Iceman684 -

      War das nicht eher der Versicherungsprüfer, der vom Kampfhund attackiert wurde.

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    Tomlaker -

    So schnell hatte ich noch nie einen Tagebucheintrag angeklickt. Mal wieder ein klasse zu lesendes Kapitel mit tollen Einblicken in die Tafel. Man sieht sie ja oft rumfahren, aber mit der Zeit stumpft man ab und denkt sich kaum noch was dabei. An und für sich sehr traurig für eines der reichsten Länder der Erde ... Aber toll mal wieder von Dir zu lesen und zu sehen, dass Du uns nicht vergessen hast. <3

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    loddi51 -

    Schön zu lesendes Kapitel,Deichgraf.

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    Deichgraf -

    Nabend zusammen! Es wurde mal wieder Zeit, ich hab Urlaub. :) Diese kleine Geschichte hat, das ist ja ganz offensichtlich, einen Bezug zum wahren Leben. Derzeit verdiene ich meine Brötchen bei einer solchen Tafel. Lausig bezahlt, viel Streß und trotzdem sehr erfüllend. Ich freue mich, wenn ich dem einen oder anderen die Materie etwas näher gebracht haben sollte. Lasst es euch gut gehen!

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    elwime -

    Schöne Geschichte und schön wieder was zu lesen von Dir

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    Werner 1960 -

    Klasse geschriebes Kapitel wo vieleicht manch einer auch schon Erfahrung gesammelt hat(Tafel) ob auf der einen Seite des Tresens oder der anderen. Ach auserdem schön wieder was von Dir zu lesen.

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    Sauerlaender -

    Schön mal wieder was von dir zu lesen. Tolles Kapitel. Bin schon gespannt, wie es weitergeht. :)

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    Iceman684 -

    Schöne Kapitel, freut mich wieder etwas von dir zu lesen. Vorführer sollte machbar sein.