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Kapitel 27 – Bild Dir Deine Meinung

  • Samstag, 30.06.2018

    Ich musste heute aus zwei Gründen noch mal zur Firma. Erstens musste ich den Truck in die Werkstatt bringen. Eine Inspektion sollte mal gemacht werden. Außerdem hatte ich Veränderungen und schönere Anbauteile in Auftrag gegeben. Da würden ein paar Dollar bleiben.

    Nachdem der Truck in Conshohocken bei Peterbilt stand, fuhr ich wieder mit Inlinern und SEPTA zurück zur Firma, sattelte den Camper auf und fuhr in den Urlaub. Es war nicht mal weit weg, einfach nur zum Seven Points Camp Ground am Raystown Lake in Zentralpennsylvania. Hier bekam ich einen Stellplatz auf dem Unterplatz Point Campground, einer stilleren Ecke und direkt am Wasser.

    Google Maps


    Sonntag, 01.07. bis Freitag, 06.07.2018

    Die Vorteile eines Sattelcampers waren nicht von der Hand zu weisen. Ich konnte machen, was ich wollte. Wenn ich weg wollte, konnte ich sofort fahren. Das nutzte ich aus, um einen Tag in Pittsburgh bei Urban Exploration zu verbringen. Die Ziele waren der stillgelegte Carrie Furnace Hochofen Carrie Furnace - Wikipedia und Lincoln Way im Vorort Clariton, eine komplett verlassene Wohnstraße The Eerie Abandoned Neighborhood of Lincoln Way – Architectural Afterlife

    Außerdem wohnte ich nun seit Jahren hier, hatte mir aber noch nie die geschichtsträchtigen Schlachtfelder von Gettysburg und die neuzeitlichen Mahnmale drum herum angesehen. Auch das ließ sich nachholen. Gettysburg Photo Gallery

    An den übrigen Tagen ließ mir auch das große Gelände genug Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen. Hier konnte man ein Boot mieten und eine Tour auf dem See machen, das Mountainbike aus autolosen Zeiten nehmen für eine Runde auf den Trails durch die Wälder oder auf dem Geschicklichkeitskurs auf dem Campinggelände und es sprach ja auch nichts dagegen, mal einen Tag einfach nur faul im Liegestuhl zu sitzen.

    Das galt auch für den Abend des 4. Juli. Auf dem Zeltplatz war wegen Waldbrandgefahr und der Lage im Naturschutzgebiet Feuerwerk verboten. Also konnte man entweder zur Party in der Bar am Bootsanleger gehen oder ruhig für sich feiern. Ich entschied mich für letzteres, allerdings nicht ganz für mich.
    Auf dem Platz daneben feierten Vater und Sohn den Bachelor-Abschluss des Juniors mit einer Motorradrundreise von Ohio über New York State die mittleren Appalachen runter bis Tennessee. Heute übernachteten sie eben hier. Schön, wenn es zwischen Vater und Sohn so klappte. Leider bei uns unmöglich, so viel Eintracht, um eine Woche gemeinsam durchs Land zu reisen hätten wohl nicht mal Randy und unser Vater hinbekommen.
    Sie hatten mich eingeladen, mit ihnen zu grillen. Es gab nur etwas zu große Fleisch- und Salatpackungen und sie brauchten Hilfe. Nachdem wir gegessen hatten, revanchierte ich mich mit den Vorzügen eines Campers mit Kühl-Gefrierschrank und spendierte eine Runde Whiskey on the Rocks. Mit einem Freund wie Tristan hatte man immer einen guten Kentucky Straight zur Hand, wenn man ihn anforderte. Und mit gut meinte ich gut und nicht die Jim Beam Plörre, die sich mein Vater so rein kippte, wenn er mal wieder frustriert war. Tristan hatte mich erfolgreich von Old Fitzgerald überzeugt. Kostete im Laden das Dreifache, über Tristans Connections immer noch das Doppelte von Jim Beam, war es aber auf jeden Fall auch wert.


    Samstag, 07.07.2018

    Heute ging der Ernst des Lebens schon mal scheibchenweise wieder los. Direkt nach dem Frühstück packte ich zusammen, sattelte den Camper wieder auf und fuhr in Richtung Heimat. Dort steuerte ich direkt Peterbilt in Conshohocken an, holte erst mal meinen Truck und fuhr zum Firmengelände.
    Im Briefkasten lag eine Benachrichtigung, dass ein Paket für mich im FedEx-Shop Wynnewood hinterlegt war. Die Sendung, die ich erwartete, passte aber eigentlich in einen gefütterten Umschlag. Das war was für gleich, zumal Wynnewood 5 Meilen entfernt war.
    Erst mal ging es dann mit SEPTA und Inlinern zurück, um den Pickup mit Camper beim Peterbilt-Händler einzusammeln.
    Das Paket hatte immerhin schon mal den erwarteten Absender. Dennoch wusste ich nicht, warum man eine schuhkartongroße Kiste brauchte, um ein paar Plastikkarten zu versenden. Das würde ich aber gleich im Büro nachsehen. Der neu aufgemachte 579 strahlte dank seiner hellen Grundfarbe in der prallen Sonne, als ich die Straße rauf kam.




    Neben der auffälligen Kundenlackierung und dem Aerodynamikpaket fürs Kabinendach hatte ich auch mein Firmenlogo geändert. Der ausgeschriebene Firmenname stand jetzt nicht mehr um die Buchstaben RRH herum sondern ausgeschrieben darunter. Die Buchstaben selbst waren dafür auf dem Pennsylvania Keystone platziert.
    Bei den Anbauteilen gab es die größere Sonnenblende. Die Alufelgen waren jetzt gelb eloxiert, mit schwarz lackierten Radnabendeckeln. Eher gepfuscht waren weiße Plastikkappen auf den Radmuttern, aber es machte keinen Sinn, Radmuttern zu lackieren. Der Lack war schließlich ab, sobald man alles montiert hatte. Außerdem mussten die Rundumleuchten auch ein Stockwerk nach oben, wobei ich gleich feste hatte installieren lassen, zumal das Dach jetzt nicht mehr gerade war und deshalb Leuchten mit Klebehalterungen auch schief sitzen würden.

    Als erstes rangierte ich den Camper in die Ecke neben dem Tor. Langsam wurde es eng hier drin. Danach nahm ich mir das Paket vor, in dem auch der erwartete Umschlag lag.
    Darin waren die Plastikkarten. Eine Tankkarte mit einem dicken Radlader als Motiv, eine eher schmucklose Prepaid-Kantinenkarte mit formatfüllendem CAT-Logo und ein Ersatz-Mitarbeiter-Ausweis in Gelb mit kleinem CAT-Logo, meinem Passfoto, das ich hatte abliefern müssen und meiner „Personalnummer“, 907341001, die scheinbar aus einer führenden 9, der Subcontractor Number und der 1 als erste Karte für meine Firma bestand. Der Mitarbeiterausweis berechtigte für Einkauf zu Mitarbeiterpreisen in Merchandise-Shops und Ausrüstungsmagazinen und dem Betreten von manchen Umkleideräumen bzw. Duschen. Außerdem ersparte er einem so Sachen wie allgemeingültige Sicherheitseinweisungen und Personenüberprüfungen beim Betreten von Betriebsgeländen. Ob man durch die Komplettprozedur musste oder nur die ortsbezogene Sicherheitseinweisung bekam, machte sich an manchen Standorten zeitlich deutlich bemerkbar.
    Der Grund für das Paket war ein persönliches Geschenk für mich. Ein Brief lag auch dabei.


    Hallo Brandon,

    Ich freue mich, dass Du Dich entschieden hast, weiter für uns zu fahren und hoffe, die Kollegen aus der Non-Group Dispatch haben Dich im Juni nicht allzu sehr geärgert. In Deinem Urlaub über Independance Day hattest Du ja auch die Chance, Dich davon zu erholen.
    Als kleines Geschenk habe ich Dir unsere neueste Errungenschaft im Merchandise-Shop eingepackt. Ich hoffe, Du kannst über dieses etwas alberne Ding genauso lachen wie ich es konnte, als ich eins in meinem GMC Safari Camper am Innenspiegel aufgehängt habe. Willkommen zurück in meinem Team.

    Viele Grüße
    Brian


    Ich hatte keine Ahnung, welchen Narren Brian an mir gefressen hatte. Da er aber rund um das Thema Risikosport davon gesprochen hatte, dass ihn Freundinnen wegen seiner Surferei hatten sitzen lassen, konnte es eigentlich nicht der eine Grund sein, der sich vielleicht aufdrängen würde.
    Das „Ding“ war der Plüsch-Raupenbagger „Chad CAT“. Da er im Gegensatz zum offiziellen Konzernmaskottchen Danny Diesel, einer vermenschlichten Planierraupe, keinerlei menschliche Züge hatte sondern wirklich ein mit Watte ausgestopftes Raupenbaggermodell war, ging der Knuddelfaktor für kleine Kinder gegen Null. Ich hatte keine Ahnung, was sich die Marketingstrategen dabei gedacht hatten. Lustig sah er aber trotzdem aus, weil man natürlich kein filigranes Modell aus Stoff nähen konnte und das Ganze dann durch das Füllmaterial noch etwas pummeliger wirkte.
    Ich hängte ihn also mit dem auf der Motorenabdeckung festgenähten Band an die Deckenverkleidung. Die von mir selbst kürzlich beschaffte Innenraumdeko war ein Vereinswappen der Flyers, das mit den beiden Saugnäpfen an die Frontscheibe kam.
    Die letzte Änderung im Innenraum betraf innere Werte, denn jetzt war die neueste Version von Isotrak auf dem Tablet installiert.




    Als letztes fuhr ich den Truck in die Halle. Immerhin hatte ich noch das Wochenende frei. Auf dem Weg nach Hause machte ich einen Zwischenhalt bei einem Supermarkt mit dem für Freunde von Zeichentrickfilmen immer wieder erheiternden Namen ACME Markets, um jetzt den heimischen und am Montag auch den Truck-Kühlschrank wieder aufzufüllen.

    Am Abend ging es mit einem Teil der Clique auf die Kartbahn, am Sonntag fuhr ich mit Lenny, Caleb und Scott eine Runde Inliner am Schuylkill River entlang.


    Montag, 09.07.2018

    Und heute wollte ich dann mal sehen, ob meine Entscheidung nun falsch war oder der Kollege vor meinem Urlaub mit seinem Dispatch-Team einfach nur Pech hatte. Hoffentlich hatte ich überhaupt schon einen Auftrag. Weil ich mir nicht sicher war, ob ich den Truck überhaupt am Samstag abholen konnte, hatte ich mich erst für 9 Uhr freigemeldet.
    Bis auf ein paar kosmetische Änderungen an der Oberfläche sah Isotrak erst einmal aus wie vor dem Update. Den Auftrag gab es und auch die Meldung für den Auftrag hatte sich nicht viel verändert. Allerdings waren die Überschreitungen aus den Bemerkungen in eine separate Zeile gerutscht.

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    Es sollte also mit einer mobilen Barriere vom Händler in New York zum Workshop in Green Bay (MI) gehen. Ansonsten galt „willkommen im Team“. Nun gab es wieder feste Dispatcher, aber mehrere. Diesen Auftrag hatte also Shen eingegeben. Mit einem Klick auf die Meldung, den ich aus Neugier mal machte, erkannte ich, dass aber er gerade keine Schicht hatte, denn den Auftrag eingegeben hatte er um 04:27 AM heute Nacht. Also hatte er die zweite Sonntag-Langschicht gehabt.

    Zum Start fuhr ich wie so oft Bobtail nach New York und sattelte beim Vertragshändler die Barriere auf. Dass das von mir ausgewählte Sonnenblumengelb nicht so ganz zum Sandgelb von Baumaschinen deckungsgleich war, wusste ich schon vorher, aber von den gelben Trucks, die ich bisher im Dienst von CAT gesehen hatte, waren die meisten heller lackiert.

    Unterwegs setzte Regen ein. Der blieb mir natürlich erhalten, bis ich auf dem Liberty Travel Plaza Hickory Run Pause machte. Da die Parktaschen für diese Fahrzeuglänge zu kurz waren, stellte ich mich ganz an den Rand des Parkplatzes. Um mir den Weg durch den Regen zu ersparen gab es Sandwiches aus dem Vorrat.

    Als ich weiter fuhr und einen Ausläufer der Appalachen überquerte, schien dann auch schon wieder die Sonne.

    Der Verbrauch pendelte sich bei nach einiger Zeit in der Ebene 6.5 mpg ein. Nun war ich Bobtail gefahren und hatte mit einer PMS1500 eine relativ leichte Ladung. Da überraschte mich das nicht. Eigentlich müsste ich sogar mit der Verkleidung auf dem Dach mehr verbrauchen, da ich die Fläche vergrößert hatte.

    Die nächste Sehenswürdigkeit war ein auf der Gegenspur verunglückter Truck. Es schien niemand verletzt zu sein, also konnte ich mich einerseits wundern und andererseits herzhaft lachen.




    Wundern konnte ich mich nur darüber, wie man es bewerkstelligte, dass ein Trailerrahmen mittig durchbrach. Es war physikalisch an und für sich unmöglich, einen Trailer so zu überladen, dass das passierte. Situationskomik bekam die Szene dafür durch die Aufschrift „Vistaprint – Make an impression“. Denn einen Eindruck hatte irgendwas in diesem Trailer definitiv hinterlassen.

    Die Eindrücke des Tages ließ ich dann am Flying J in Toledo (OH) auf mich wirken. Hier gab es Diesel für den Truck und ein Denny’s Restaurant für mich. Das war zwar Systemgastronomie, aber welche von der besseren Sorte.
    Natürlich benutzte ich auch die Dusche, denn bei diesen Temperaturen hatte auch die Klimaanlage so ihre Arbeit. Immerhin hatte sich das scheinbar etwas gebessert durch das helle Gelb und die auf der Oberseite weiße Verkleidung auf dem Dach. Idle Air gab es hier im Norden leider nicht. In Sommern wie diesem wäre die aber auf jeden Fall wünschenswert.


    Dienstag, 10.07.2018

    Nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf den Weg zurück vom Truckstop auf den Ohio Turnpike und weiter nach Westen. Etwas überrascht war ich, als ich feststellte, dass das Schild an der Grenze von Illinois auf dieser Strecke anders war als auf den beiden, wo ich bisher schon in den Staat gekommen war.




    Es ging weiter in die Central Time Zone, nach einer Frühen Pause in Elkhart (IN) durch die Großräume Chicago und Milwaukee, bis ich schließlich nach Green Bay kam. Mit den Barrieren musste man immer weit ausholen. Am besten reduzierte man Abbiegevorgänge im Stadtverkehr so weit wie möglich. Wenn auf der Gegenfahrbahn in der Zielstraße ein Auto kam, hatte man verloren.




    Zwei Querstraßen vor dem Ziel meldete sich zu meiner Überraschung Isotrak ohne mein Zutun mit dem Signalton für einen neuen Auftrag. Diesmal kam er von Brian.

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    Der kleine Bruder meines aktuellen Anhängsels sollte also in die Provinz Quebec. Wo denn nun QCRON genau sein sollte, musste ich gleich nachsehen. Auf dem engen Hof zwei von diesen langen Dingern zu haben erwies sich allerdings als kleine Herausforderung.
    Die 1200er sollte also nach Rouyn-Noranda. Wie auch immer man das aussprach. Wie war das mit gut Französisch, aber nicht sprechen? Eine Zeile, die jetzt aufgetaucht war, gab die Wichtigkeit an. Scheinbar hatte da jemand was verbockt und wenn ich nicht morgen Abend da war, fehlte am Donnerstag einer Baustelle die Absicherung. Da man in Kanada länger fahren durfte, sollte das aber kein Problem darstellen.
    Irgendwann hatte ich auch die beiden Absperrungen umeinander gezirkelt und war wieder auf dem Weg aus der Stadt in Richtung Norden.

    Und hier wurde ich mal wieder ein Opfer der dünnen Versorgung von Wisconsin und Upper Michigan mit Pausenplätzen. Also musste ich notgedrungen den Tag an einer Landstraße ein Stück vom Highway weg am Straßenrand ausklingen lassen.


    Mittwoch, 11.07.2018

    Um 5:49 AM Ortszeit durfte ich wieder losfahren. Der Start in den Tag war dem Stellplatz entsprechend unangenehm. Obwohl ich reichlich geschwitzt hatte, blieben mir nur der Kanister mit Wasser und die Deodose für die Körperpflege.

    Als erstes wechselte ich mitten in Upper Michigan zurück in meine Heimatzeitzone. Dann erreichte ich nach 3:21 Fahrt die Grenze in Sault Ste. Marie. Leider musste ich 22 Minuten warten, bis ich vorgelassen wurde. Also gestanden und doch keine Pause zusammenbekommen. Weitere 19 Minuten dauerte es, bis ich alle Stempel beisammen hatte und ins Ahornblattland gelassen wurde.

    Auch auf der weiteren Strecke gab es keinen Truckstop. Also steuerte ich stattdessen Serpent River Trading Post an. Leider gab es hier nur Kleidung und indianische Kunst zu kaufen. Also blieb mir nur, mir aus dem Vorrat ein Sandwich zu machen. 33 Minuten nach der Ankunft war ich wieder unterwegs, denn ich musste heute noch abliefern.

    Wieviel Spaß die Bewohner der Dörfer wohl hatten, die hier am Trans Canada Highway lagen und denen die Trucks gleich scharenweise durch den Vorgarten donnerten?




    Außer einer geschlossenen Waage gab es auf der Fahrt nichts Besonderes mehr. Meine US-Lenkzeit war schon eine Stunde überschritten, als ich schließlich die Caterpillar-Fabrik in Rouyn-Noranda erreichte und die Uhr zeigte 08:08 PM. In der Fabrik war alles dunkel, aber die Schranke war besetzt. Die Wache war auch informiert und gab mir einen Stellplatz für die Barriere.

    Schon auf der Zufahrt zur Fabrik war der Tag für mich von Brian als beendet erklärt worden.

    LOCATION: QCRON
    ACTION: 12H BREAK
    DISPATCH: MABOS-CAT-BRW

    Das sollte mir wohl sagen, dass man mir 2 Stunden extra schenkte. Wobei da nicht viel zu schenken war, denn durch die längere Fahrzeit brauchte ich für die Rückkehr in die USA eine längere Pause. Also musste ich nun einen Stellplatz suchen und fand lediglich eine Tankstelle. Erst mal füllte ich also den nicht eben günstigen Diesel auf und parkte dann den Truck. Der Haken an einem Tankstellengelände war, dass der Gasgrill weg bleiben musste. Leider gab es hier auch sonst wenig brauchbares. Eine Toilette, aber keine Dusche und auch kein wirklich tolles Essen. Zum Glück war gegenüber ein Hamburger-Restaurant.




    Donnerstag, 12.07.2018

    Das Frühstück in der Tankstelle ließ ich sausen, auch wenn mich das meine letzten Mini Wheats aus der Packung kostete. Mal sehen, was man mit mir vorhatte.

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    Ein Backhoe nach Cleveland war es also. Mit Alex hatte ich dann auch jetzt alle mir bekannten Dispatcher durch. Fehlte nur noch Mr. oder Mrs. X aus Boston.
    Ich erkannte die Gunst der Stunde und fuhr direkt zur Fabrik, anstatt so lange abzubummeln, dass ich meine Lenkzeit innerhalb von 24 Stunden auch nachher in den USA sauber hätte. Die Barriere, die ich gestern gebracht hatte, war schon wieder weg.
    In der Fabrik zückte ich dann meinen Mitarbeiterausweis Ehrenhalber und ging endlich mal wieder duschen. Deutlich wohler in meiner wieder sauberen Haut holte ich dann um 08:35 die Papiere und sattelte den Trailer auf. Duschen wäre allerdings auch bei der Gelegenheit möglich gewesen, dafür sorgte mal das Wetter, das sich erst nach 2 Stunden besserte.

    Kurz vor meiner geplanten Mittagspause musste ich dann doch mal an einer geöffneten Waage raus. Mit diesem Leichtgewicht da hinten drauf hatte ich nichts zu befürchten und richtig, mit 58.908 lbs wurde ich gleich weiter gelassen.




    Erst einmal legte ich nun die Mittagspause an einem sehr empfohlenen Ort ein, Kates Kountry Kitchen in Markstay (ON) hatte bei Truckern einen guten Ruf für leckeres Essen. Und in der Tat, hier konnte man anhalten. Meine dezimierten Vorräte und die Preise in Kanada sorgten dafür, dass ich heute nur auswärts essen musste.

    An diesem Tag reichte es nämlich an einer mal wieder geschlossenen Waage vorbei nur noch bis knapp vor die Grenze am St. Catherines Husky Travel Center. Das bedeutete Duschen und Restaurant, wo ich allerdings nach dem nicht nur leckeren sondern auch reichhaltigen Mittagessen lieber nur einen Salat wählte.


    Freitag, 13.07.2018

    Freitag der 13. fing mit Glück an. Da ich so kurz vor der Grenze stand, verständigte ich quasi vom Frühstückstisch den Customs Agent, dass ich in einer Stunde da sein würde. Tatsächlich waren es dann auch 61 Minuten mit PTI und Fahrt. Ich wurde sofort durchgeschickt zur Border Control und hatte nur noch einen Kollegen vor mir. Das bedeutete, nach 18 Minuten war ich in den USA.

    Als ich mich kurz nach 12 dem Workshop in Cleveland näherte, wurde der nächste Auftrag abgerufen. Und da war ich nun echt baff.

    PICKUP: OHCLE-VIS
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    TRAILER: VIS-CS40
    LOAD: HOME DECORATION
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    PRIORITY: URGENT
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP

    Mit dem Rest musste ich mich gleich beschäftigen, aber da stand, dass ich mit einem Fremdauftrag nach Washington DC fahren sollte, das schrie nach Wochenende zu Hause. Und zum Beschäftigen hatte ich viel Zeit, denn ich kam gerade zur Mittagspause am Workshop an und der Abnahmeberechtigte war zu Tisch. Weil der Tisch nicht hier in einer Kantine stand sondern auf der Fressmeile ein paar Straßen weiter, stellte ich mich einfach vor die Halle und wartete, während ich mich durch Isotrak klickte.

    VIS war Vistaprint und WAL wenig überraschend Walmart. Für einen Amerikaner ein normales Kürzel, aber weil ich immer noch ziemlich fließend Deutsch sprach, hatte ich spontan zum riesigen Einkaufskonzern passend riesiges Meeresgetier vor Augen. Trailer VIS-CS40 war ein 40‘ Curtainsider, der von Vistaprint gestellt wurde. Da hatten wir natürlich keine Nummer für im System. Und das letzte Rätsel war dann auch geklärt, denn der vierte Dispatch hieß Evan Palmer.

    Schließlich kam der abnahmeberechtigte Vorarbeiter.
    „Hallo, Du bringst uns den Kanadier?“ „Ja.“ „Und nimmst den anderen Backhoe nach Arkansas mit?“ „Nein.“ „Was soll der Käse denn? Der muss weg und wir haben nichts anderes abgehend. Bist Du mit der Lenkzeit durch?“ „Was das soll kann ich nicht sagen. Aber ich habe eben einen Auftrag für Vistaprint nach DC bekommen.” „Dann muss ich mal gerade in Peroia anrufen! Das ist dringend und wer DC schafft, schafft auch Little Rock!“ Er ließ mich stehen. Mal sehen, was nun passierte. Little Rock würde ich auch noch schaffen, es waren aber ein paar Stunden mehr als Washington.

    Nach 5 Minuten kam er wieder angestapft und brummelte:
    „Auf den Fahrer haben wir keinen Zugriff und Boston will das nicht ändern, wir schicken einen anderen, dauert aber 3 Stunden.“ Mir drückte er nur die Papiere in die Hand und ging in die Halle, bevor die Tür ins Schloss fiel hörte ich nur: „John! Warum ist die Palette mit den Schrauben, Muttern und Scheiben noch nicht im Magazin???“ Ich schüttelte den Kopf und drehte meine Zugmaschine am Streitobjekt vorbei in Richtung Ausfahrt.




    Als nächstes ging es nun zu Vistaprint. Dort schaute man komisch, offenbar war es noch nicht üblich, dass Trucks im vollen Caterpillar-Trimm in eine Druckerei kamen.
    „Hallo, hast Du Dich verfahren? Caterpillar ist eine Straße weiter.“ „Nein, da komme ich her. Ich soll einen Curtainsider mit Haushaltsdeko für Washington DC abholen.” „Aha?“ „Ja, bei uns gibt es ein neues System, bei dem es jetzt öfter mal passieren kann, dass wir mit Fremdaufträgen fahren, wenn kein Auftrag nach Hause oder bis zum Wochenende in unserem eigenen System ist.“ „Okay, Dein Trailer steht an Tor 1.“

    Ich fuhr auf den Hof, sattelte den Trailer auf und schon kam auch der Lademeister, um mir die Papiere zu bringen und das Schloss von der Bremsleitung zu entfernen. Um 1:30 PM war ich mit meinem ungleichen Gespann auf dem Weg aus Cleveland raus.
    Um mir den Freitagnachmittagverkehr zu ersparen, fuhr ich die I-77 runter zur I-70 und erst dann nach Osten. Das dauerte zwar theoretisch etwas länger, aber war praktisch dennoch schneller. Auf dem East Somerset Travel Plaza, logischerweise in Somerset (PA) gelegen, musste ich tanken. Das letzte Mal, als ich hier nur tanken und dann weiterfahren wollte, hatte ein gewisser Javier angerufen. Das war nun auch schon wieder 8 Monate her und sein Egiosmus, der unserer Beziehung den Todesstoß verpasst hatte, stieß mir immer noch sauer auf.
    Als ich vom Bezahlen zurück zum Truck ging und ihn das erste Mal mit diesem Trailer aus ein Bisschen Entfernung sah, fiel mir erst auf, wie unpassend das wirkte. Sogar wenn noch ein paar Zapfsäulen die Angelegenheit teilweise verdeckten.




    Nach knapp über 2 Stunden stellte ich den Truck dann für heute auf einer Rest Area komplett ab. Zwar hatte ich noch 49 Minuten, aber bis zur nächsten Parkmöglichkeit reichte das nicht mehr.


    Samstag, 14.04.2018

    Dafür konnte ich nun früher wieder losfahren. Weil ich vergessen hatte, mal neue Mini-Wheats zu kaufen, musste ich ein unvorteilhaftes Frühstück wählen und holte mir einen Erdnuss-Schokoriegel aus dem Automaten. Bis Walmart waren es knapp 3 Stunden Fahrzeit und kurz vor dem Ziel meldete sich wieder Isotrak.

    LOCATION: DCWAS
    ACTION: RELEASE
    DISPATCH: MABOS-CAT-EVP

    Was auch immer das bedeuten sollte, ich würde es wohl nachfragen müssen. Erst einmal lieferte ich aber meinen Trailer ab. Es war gerade keine Rampe frei, also sollte ich ihn einfach am Zaun stehen lassen. Dann wählte ich die Nummer von Boston Dispatch Mid Atlantic 2.

    „Caterpillar Machinery Logistics in Boston, Sie sprechen mit Evan Palmer, guten Tag.“ Die förmliche Art sich zu melden passte irgendwie nicht zur Stimme. „Ridley Road Haulage, derzeit nicht in Philadelphia, Sie sprechen mit Brandon Ridley.“ Das Gelächter von der anderen Seite konnte ich nicht einordnen. Fand er meine Antwort witzig oder war ich in meiner nassforschen Art zu weit gegangen und er machte sich zum Einstand über mich lustig. Manchmal würde ich mir gerne die Zunge etwas betäuben, damit nicht ganz so schnell so ein Unsinn dabei raus kam. Die Entwarnung kam aber schnell: „Du gefällst mir. Nenn mich bloß nicht noch Mister Palmer!“
    „Okay, Evan. Mir scheint, ich hätte mich doch mal schnell in Isotrak 5.0 einweisen lassen sollen. Was willst Du mir denn mit Release erzählen?“ „Bei Release kannst Du vor dem 34 h Reset wo anders hin fahren, bei 34H Break bleibst Du möglichst dicht am aktuellen Standort, wir können auch andere Vorgaben machen wie 40H Break. Nachher wird es Dich fragen, wann Du wieder zurück sein willst. Also, Philadelphia ist in Reichweite, deshalb habe ich Dich nach DC geschickt. Schönes Wochenende.“
    „Danke, darf man Dir auch eins wüschen oder musst Du morgen auch arbeiten?“ „Lieber nicht, ich bin in einem 60-Stunden-Block.“ „Wie, 60 Stunden?“ „Gestern und heute 8 Stunden, Sonntag 12, Montag bis Donnerstag wieder 8 Stunden. Macht 60 Stunden an 7 Tagen.“ „Ich denke, Ihr habt 42-Stunden-Woche.“ „Haben wir auch. Habe danach ja auch 3 Tage frei. Im Schnitt haben wir 42 Stunden in 7 Tagen. Aber der Modus ist kompliziert. 7 Tage arbeiten, 3 Tage frei, 7 Tage arbeiten, 2 Tage frei, 4 Tage arbeiten, 1 Tag frei, 2 Tage arbeiten, 2 Tage frei und von vorne.“ „Klingt echt kompliziert.“ „Man gewöhnt sich dran. Ich finde es cool. Man kann unter der Woche in Ruhe shoppen gehen oder kriegt direkt einen Friseurtermin, die 3 Tage sind immer mal gut für einen Kurzurlaub.“

    Evan schien nett und sehr offen zu sein, dafür dass wir uns noch nicht mal persönlich kannten. Wir verabschiedeten uns und ich war auf dem Weg nach Hause. Zweieinhalb Stunden Bobtail waren es normalerweise und auch heute kam ich ganz gut damit hin. Rückwärts rangierte ich den Truck in die Halle.




    Als ich dann das E-Log und Isotrak auf Pause stellen wollte, kam wie von Evan angekündigt die Frage „BREAK DURATION?“ Ich stellte 42 h ein, das war bis Montag 7 Uhr, meine normale Zeit, um antizyklisch zu den Pendlern die Stadt zu verlassen.
    Die Statistik in Isotrak 5.0 schließlich versorgte mich verglichen zu 4.7 auch mit viel mehr Informationen. Da war mein Bachelor in Logistikmanagement hängen geblieben. Ich liebte solche Auswertungen.

    WEEK DRIVE: 59:08 HRS
    WEEK WORK: 62:51 HRS
    WEEK START: MO:08:05 AM
    WEEK END: SA:01:02 PM
    WEEK FRAME: 5D:04H:57M
    WEEK MILES: 3,498
    REVENUE MILES: 3,245
    PERFORMANCE: 92.8%
    WEEK PAYLOAD: 108,775
    WEEK SH TON MILES: 44,915
    WEEK FUEL ECO: 6.6 MPG
    WEEK AVG SPEED: 59.2 MPH

    Das waren überraschende Werte. Der Verbrauch war deutlich besser. Ob das aber nun am Aerodynamik-Kit lag, das wirklich den Fahrtwind besser auch um eine eher unförmige Ladung herum lenkte oder den leichten Barrieren, musste ich noch durch längere Beobachtung herausfinden. Aber nun war erst mal Wochenende.

    Ich fuhr nach Hause, unterwegs wieder bei ACME vorbei und wollte mich dann auf die Freizeitaktivitäten des Wochenendes vorbereiten. Auf der Fahrt zog ich mein Fazit. Anders als der Kollege vor 2 Wochen konnte ich mich nicht beschweren. Mein Team hatte mich nicht gehetzt, es hatte mich genauso wenig auf einen Anschlussauftrag wartend verhungern lassen.
    Ich hatte noch 8 Stunden übrig, die ich hätte arbeiten und zum Beispiel diesen Bagger von Cleveland nach Little Rock hätte bringen können. Aber stattdessen hatte Evan, der wie die anderen drei auch sehr nett war, mich nach Hause geschickt mit einem Auftrag aus der Frachtbörse.
    Mein erstes Fazit als Level 2 Driver war, dass ich alles richtig gemacht hatte.

    441 mal gelesen

Kommentare 10

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    Sauerlaender -

    Tolles Kapitel. Willkommen bei den Subunternehmern, die fest für einen Auftraggeber fahren. ;) Das Zugmaschinendesign gefällt mir. Die Kombination mit dem Vistaprint Trailer ist aber eher zum Abgewöhnen.

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      TurboStar -

      Danke. Es gibt eben finanzielle Sicherheit. Hauptsache das Dispatcher-Team ist gut. Das mit den Fremdtrailern ist ja immer so eine Sache, kennst Du ja selber. Bei einer relativ auffälligen Zugmaschine vielleicht etwas ausgeprägter, dafür macht die sich gut vor schmucklosen Baumaschinen.

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      elwime -

      Schliesse mich hier an, eine schöne Geschichte

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      TurboStar -

      Auch Dir vielen Dank

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    infinity -

    Die Kombination vom CAT-Pete mit dem Vistaprint-Auflieger sieht zum weglaufen aus. Bei der Wohnkabine vom Pick Up würde ich eher von auf-/absetzen denn von auf-/absatteln sprechen (auch wenn es am Ende Wortklauberei ist :-D).

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      TurboStar -

      Och, da wird es sicherlich im Laufe der Zeit noch wegläufiger - Walmart, Costco... Ja, man schreibt halt dauernd aufsatteln, ist aber in der Tat eine Diskussion um die Spaltdicke von Haaren ;)

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben.

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    loddi51 -

    Wieder ein klasse geschriebenes Kapitel und schöne Fotos.