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40. Erstens kommt es anders...

  • ...und zweitens als man denkt.

    Montag, den 2. Juli 2018, 3:15 pm, Mountain Standard Time, Camp Verde, AZ:

    Damit ich dann wirklich entsprechend entspannen konnte, begann ich den Montag erstmal damit, dass ich ausschlief. Nachdem das passiert war, ging ich in den Sanitärbereich, der für den Wohnwagenpark zur Verfügung stand. Dort ging ich unter die Dusche und putzte noch die Zähne und rasierte mich. Zurück im Truck machte ich mir einen Kaffee. Ich hatte immer noch Zeit, da mein Reset erst am Nachmittag um viertel nach Drei beendet war.
    Mein Handy piepte und ich sah, dass ich eine WhatsApp bekommen hatte: „Bin zu Hause angekommen. Wenn du Zeit hast, ruf doch mal an. K.“ Gesagt – getan. Ich ließ mein Handy eine Verbindung zu Keela aufbauen. „Hallo Schatz, schön dass du anrufst.“ Wurde ich begrüßt. „Am Wochenende hattest du ja offensichtlich nicht viel Zeit zum Telefonieren.“ „Stimmt. Da war noch einiges los.“ Was war denn noch los, nachdem du am Samstag schon die Wellen bezwungen hast?“ „Am Campingplatz angekommen, habe ich dann ein cooles Paar aus Europa kennengelernt. Mit denen habe ich dann den Rest des Wochenendes bis heute Morgen verbracht.“ „Das müssen ja tolle Leute gewesen sein.“ Wunderte ich mich etwas. „Die beiden waren zwar älter, irgendwo in den 30ern, aber echt locker drauf.“ „Aus Europa sagtest du?“ „Ja. Sandra ist Schwedin und ihr Mann, Christian kommt ursprünglich aus Germany, ist aber für sie nach Schweden ausgewandert.“ „Verstehe.“ „Diese Skandinavier sind total locker und sehr freundlich und herzlich. Sandra und ich lagen sofort auf einer Wellenlänge.“ „Sind das auch Surfer?“ „Eigentlich nicht. Normal fahren die beiden Kajak oder Drachenboot. Manchmal segeln die auch.“ „Also auch Wassersportler.“ „Genau. Ich hab Sandra am Sonntag dann dein Board geliehen, so konnten die beiden das Surfen auch mal probieren.“ „Du hast einfach mein Board verliehen?“ fragte ich gespielt empört. „Welches du ohne mich gar nicht hättest.“ Lachte Keela. „Okay, hast ja Recht.“ „Klappte auch ganz gut bei den Beiden.“ Resultierte sie. „Besser, als bei mir?“ „Inzwischen nicht mehr. Für den ersten Tag war Sandra aber besser, Christian etwa so wie du.“ „Aha.“ „Dann haben sie mir noch Bilder gezeigt.“ „Von Schweden?“ „Das auch. Da sieht es ein wenig aus, wie in Kanada.“ „Das hatte ich vermutet.“ „Aber auch Bilder, die dich auch interessiert hätten.“ „Wovon denn?“ „Von europäischen Trucks.“ „Wie seid ihr denn darauf gekommen?“ „Die Beiden haben eine Spedition und Transportfirma mit einigen Niederlassungen in Schweden, Deutschland und England. Das meiste habe ich vergessen. Es waren aber Städte wie Hamburg, München und London dabei.“ „Nicht schlecht.“ „Christian ist, genau wie du, viel unterwegs und selbst die Sandra fährt manchmal. Sie hat einen coolen Truck. Scandia oder so ähnlich Irgendwas mit Skandinavien.“ „Ich glaube die heißen Scania.“ Die anderen Trucks sahen etwas seltsam aus. Wie die alten Cabover Trucks aus den 80er Jahren. Kurz, breit und hoch.“ „So sehen die Trucks in Europa aus. Die haben andere Gesetze, wie wir. Da darf ein Truck insgesamt nur etwa 60 Fuß lang sein, glaube ich. Also mit Zugmaschine. Genau weiß ich das aber auch nicht.“ „Vielleicht sollten wir das auch machen.“ War Keela schon wieder beim nächsten Thema. „Was? Cabover fahren?“ „Quatsch. Viele Niederlassungen haben. Es gibt ja noch mehr Städte mit Walmart Lägern. Wie zum Beispiel Minneapolis.“ „Hallo? Hast du mal überlegt? Wir haben eine Maschine. Ich weiß noch nicht mal, ob ich eine zweite haben will und du träumst von Niederlassungen?“ „Ist ja schon gut.“ „Wie heißt die Spedition von den beiden denn?“ „Warte. Das war so ein ungewöhnlicher Name. Sandra hat mir aber eine Visitenkarte gegeben. Da steht das drauf. Ach hier. Hansekontor. Dann steht da noch, was die alles anbieten. Lagerung, Trailer Vermietung und so weiter. Die Stadt in Schweden hat auch einen lustigen Namen. Uppsala.“ „Aha.“ Keela redete noch eine ganze Zeit weiter. Die beiden Europäer hatten offensichtlich einen tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen. Schließlich hatte sie aber keine Zeit mehr, weil sie sich noch für die Arbeit fertigmachen musste. Also legten wir dann auf.

    Keela musste dann gegen viertel vor Zwei im Büro sein, da hatte ich immer noch etwas Zeit. Gegen viertel nach Drei war ich dann pünktlich soweit, als mein E-Log mir anzeigte, dass ich wieder fahren konnte. Nachdem ich dann im ORBCOMM auch „Reset beendet“ ausgewählt hatte, kam dann auch kurz darauf der nächste Auftrag:

    PICKUP: COW-AZCVE
    GATE: 04
    TRAILER: DV28COW / DV28COW
    FREIGHT: TABLEWARE
    WEIGHT: 39,500 LB
    DROP: EST-CASAC
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: STAA-DOUBLE TRAILERS ARE PROVIDED BY COSTCO WHOLESALE

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela hatte Wort gehalten und es ging mit einem Double nach Hause. Ich amüsierte mich dabei immer noch über das Kürzel, was man bei ORBCOMM 6.0 für Costco Wholesale genommen hatte. Das naheliegende CST war ja schon unser Kürzel für "Central Store" also Zentrallager. Das Kürzel von Costco Wholesale hatte bestimmt einer eingegeben, der die Firma als Konkurrent sah. Daher war das jetzt die (blöde) Kuh. Waren die Trucker von Costco dann jetzt auch Cowboys?
    Entsprechend fuhr ich dann jetzt wahrscheinlich zum Kuhstall, um mein Double zu übernehmen.
    Natürlich kam auch wieder die Meldung, dass ich vom System avisiert worden war. So waren dann, als ich bei Costco war, meine Papiere bereits fertig. Ich fuhr an Tor vier und sattelte mein Double auf. Nach der PTI, die beim Double wieder etwas länger dauerte, konnte ich mich nun auf den Weg nach Hause machen.


    Über die AZ-169 ging es nun wieder nach Prescott. Dort umfuhr ich die kleine Stadt wieder über die AZ-89a. Schließlich ging es dann über die AZ-89 nach Norden in Richtung Ash Fork. Dort angekommen, konnte ich auf die I-40 in Richtung Westen fahren.
    Während der Fahrt merkte ich, dass mein Double gut ausgeladen war. In den Bergen wurde ich dann bei den Steigungen doch recht langsam.

    Als ich am Abend Kingman erreichte, fuhr ich von der Interstate, um bei meiner Stammtanke hier meine Tanks noch mal zu füllen. Um acht Uhr war auch das wieder erledigt. Für meine Pause war mir das aber noch etwas zu früh, da ich noch mit Keela telefonieren wollte. Im Moment war sie aber noch im Büro und arbeitete. Ich fuhr also zurück zur I-40 und fuhr erstmal weiter.
    Als ich an der Essex Rest Area war, zeigte die Uhr zwar immer noch halb Zehn an, trotzdem hielt ich jetzt für meine Pause an. So konnte ich vor dem Telefonat mit Keela noch in Ruhe zu Abend essen und brauchte nicht während dessen zu essen. Ich schrieb Keela aber schon mal eine WhatsApp, dass ich auf ihren Anruf wartete. Der erreichte mich dann um kurz nach Zehn. Bei dem Telefonat verquatschten wir uns aber dermaßen, dass es schließlich schon viertel nach elf war, als ich weiterfuhr. Eigentlich hatte ich halb elf geplant. Egal.

    Ich machte mich wieder auf den Weg. Etwas später kam dann natürlich mal wieder das, was kommen musste. Wenn die Weigh Station an der I-40 schon mitten in der Nacht geöffnet hatte, dann musste ich mit einem gut ausgeladenen Double natürlich auch über die Waage. Trotz voller Tanks brachte ich aber nur 79.136 Pfund auf die Waage. Ich war also noch im grünen Bereich.

    So ging es weiter durch die Nacht. Bis Barstow blieb ich dann noch auf der I-40. Dort wechselte ich in südliche Richtung auf die I-15, über die ich Barstow passierte. Dann ging es über die CA-58 nach Westen in Richtung Bakersfield weiter.
    Langsam merkte ich dann, dass ich am Morgen doch noch zu früh aufgestanden war, obwohl ich ausgeschlafen hatte. Ich wurde nämlich wieder ziemlich müde. An einer Rest Area am Barstow-Bakersfield Highway machte ich dann gegen viertel nach Vier Feierabend. Dort legte ich mich dann auch sofort in mein Bett und schlief kurz darauf ein.

    Dienstag, den 3. Juli 2018, 1:30 pm, Pacific Daylight Time, Rest Area CA-58 West, Mojave Desert, CA:

    Ich hatte gut geschlafen. Mit der Kabine hatte ich vom Highway weg gestanden. Außerdem hatte ich im Moment keinen Reefer dran. Da ging das ganz besonders gut. Nun folgte mal wieder die Körperpflege aus dem Wasserkanister. Nachdem ich mich fertiggemacht hatte und auch der erste Kaffee intus war, konnte ich wieder mit der PTI beginnen. Dabei war es schon wieder unglaublich warm. Ich stand ja auch in der Wüste. Das Thermometer näherte sich stark der 40 Grad Marke, wenn man in Celsius schaute. In Fahrenheit konnte man sagen, dass der Stand inzwischen dreistellig war. So war ich froh, als der Motor wieder lief und die Klimaanlage wieder ihren Dienst verrichtete. Die Standklima kämpfte vorher nämlich verzweifelt gegen die Temperaturen und verlor langsam.

    Um halb Drei am Nachmittag war ich dann wieder auf dem Weg. In Bakersfield stellte ich dann fest, dass auch noch einige Motorräder unterwegs waren. Das wäre mir persönlich schon zu warm zum Fahren gewesen. Zumindest in der Stadt mit den ganzen Ampeln. Nach der Ortsdurchfahrt wechselte ich dann auf die CA-99, den Golden-State-Highway. Über diesen sollte es nun nordwärts nach Hause gehen. An diesem Nachmittag war noch viel Verkehr. Morgen war Feiertag und die meisten Leute brauchten nicht arbeiten. Bei mir sah das wohl anders aus. Wir hatten aktuell so viel zu tun, dass es nicht machbar war, dass ich zu Hause blieb.

    Trotzdem kam ich ganz gut durch und erreichte Sacramento am Abend gegen halb Neun. Nun musste ich aber noch einmal quer durch die Stadt zum Außenlager. Dort kam ich dann gegen viertel vor Neun an. Mein Double brauchte ich dann nur auf die Seite stellen. Dann kam es wie vermutet. Mein nächster Auftrag stand im System:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 11
    TRAILER: DV53778
    FREIGHT: MILK POWDER
    WEIGHT: 42,500 LB
    DROP: COW-AZSLO
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela gönnte mir wenigstens eine Ladung, die vom Zentrallager ausging. So sahen wir uns wenigstens. Ich fuhr also mit dem Bobtail zum Zentrallager, wo ich gegen viertel nach Neun ankam.
    Im Büro wurde ich von einer Keela empfangen, die aufsprang und mir um den Hals fiel. Dann folgte erstmal ein langer Kuss. „Was ist denn jetzt los?“ fragte ich, als ich wieder sprechen konnte. „Ich habe dich sooo sehr vermisst.“ Sagte sie. „Ich hatte mich so an die Nahverkehrstouren gewöhnt, dass ich das gar nicht mehr kannte, dass du eine Woche weg warst.“ „Deshalb schickst du mich ja über den 4. Juli schon wieder raus.“ Legte ich den Finger in die Wunde. „Du weißt doch selber, was hier los ist.“ Stöhnte sie. „Ist leider so.“ „Hier sind deine Papiere. Es gibt aber für die Tour wenigstens Feiertagszuschlag.“ „Immerhin etwas.“ „Hast du schon Pause gemacht?“ „Nein.“ „Dann nimm den Trailer noch auf und mach dann Pause. Ich sehe zu, dass ich pünktlich hier rauskomme. Hab ja eh nur acht Stunden Pause.“ „Wieso denn das?“ „Weil ich für morgen freiwillig die Bereitschaft übernommen habe.“ „Warum denn das?“ „Erstens können wir das Geld gebrauchen und zweitens bist du ja eh nicht da. Soll ich alleine zu deinen Eltern fahren?“ „Was ist mit den Anderen?“ „Charlie hat Nachtschicht, die regulär weiterläuft und außerdem Familie. Danny will zu Gina nach San Francisco.“ „Also hat Gina frei?“ „Hat sie. Die Lions brauchen aber auch nicht jeden Cent, so wie wir.“ „Das nervt, dass ich jetzt mit dem Neubau nur noch ans Geld denken muss.“ „Vielleicht brauchen wir wirklich einen zweiten Truck, damit mehr Geld reinkommt.“ „Der muss aber auch finanziert werden.“ „Auch wieder wahr.“ „Ich mache jetzt besser weiter, bevor Charlie kommt und sieht, dass wir hier nur rumstehen und quatschen.“ „Bis gleich.“ Es gab noch einen kurzen Kuss, dann ging ich raus und nahm den Dry Van auf. Wenigstens hatte ich am Feiertag keinen Reefer dran.
    Als ich aufgesattelt hatte, erledigte ich schnell die PTI, dann ließ ich den Truck vor der Rampe stehen und stellte das E-Log auf Pause. Nun ging ich zu Fuß nach Hause rüber. Die Nähe zum Zentrallager hatte wirklich Vorteile. Zu Hause packte ich mir wieder ein paar frische Sachen ein und machte mir noch einen frischen Kaffee.

    Pünktlich um Zehn kam Keela dann auch nach Hause. Dann nahmen wir uns noch eine halbe Stunde für uns. Anschließend musste ich dann aber wieder los. Ich hatte noch viereinhalb Stunden, die ich noch fahren konnte und Charlie sah ja auf dem Monitor, wie weit ich schon war. Er brauchte im Moment ja auch nur auf den Hof schauen und sah meinen Truck. Der W900 mit dem ganzen Chrom fiel ja sofort auf zwischen den ganzen Freightliner Trucks von Walmart.
    Pünktlich um halb Elf startete ich den Motor und machte mich wieder auf den Weg. Damit ein wenig Abwechselung reinkam, nahm ich diesmal bis Stockton mal wieder die I-5 und wechselte dort erst auf die CA-99 zurück. Nun ging es aber wieder über den Golden-State-Highway in Richtung Süden.
    Mein Ziel für diese Schicht war Fresno. Auf dem Truckstop hatte ich zu Anfang meiner Karriere gern und häufig gestanden. Inzwischen kam es aber nur noch selten vor. Inzwischen hatten wir Mitternacht vorbei und es war somit der 4. Juli. Dafür war in der Nacht aber noch gut was los auf den Straßen. Trotzdem erreichte ich mein Gewähltes Ziel dann bequem und ohne Probleme. Um halb Drei hatte ich den Truck auf dem Truckstop geparkt und konnte nun Feierabend machen. Da ich müde war, ging ich jetzt aber nicht mehr hinein, sondern sofort in meinen Sleeper, wo ich mich bettfertig machte. Ich schlief dann auch recht schnell ein.

    Mittwoch, den 4. Juli 2018, 11:00 am, Pacific Daylight Time, Fresno, CA:

    Vierter Juli, der Independence Day. Den meisten Europäern wohl weniger wegen der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung, sondern eher wegen dem 90er Jahre Blockbuster von Roland Emmerich ein Begriff.
    Für mich war das bisher immer ein Tag, an dem ich mich mit Freunden getroffen hatte, um abzufeiern. Früher mehr Picknick, später mehr zum Bier trinken und vor allem zum Abfeuern eines großen Feuerwerks. Für meinen Bruder und seine Marines war es eher ein Tag, wo sie in irgendwelchen Paraden mitmarschieren mussten. Dieses Jahr sollte es für mich dann bedeuten, dass ich arbeiten musste. Die Läger arbeiteten zwar heute nicht, ich kam heute aber auch noch nicht am Ziel an.

    Ich stand dann auf und ging in den Truckstop zum Duschen. Zurück im Truck hatte ich noch etwas Zeit. Ich setzte mir einen Kaffee auf und machte mir dann Frühstück. Dann wählte ich unsere Nummer. „Hier spricht das automatische Telefongedöns von M.M. Trucking, Sacramento. Heute ist Feiertag und somit keiner im Büro. Außerdem treibt sich der Boss mit dem Truck in der Weltgeschichte herum.“ „Was ist jetzt los?“ fragte ich Keela. „Hast du einen Clown gefrühstückt?“ „Mir war gerade danach.“ Lachte sie. „Du bist mir ja eine.“ Sagte ich kopfschüttelnd. „Wahrscheinlich, weil das Telefon heute im Dauerbetrieb ist. Erst haben deine Eltern angerufen, weil sie uns zum Mittagessen einladen wollten, dann hat sich Jessy gemeldet, weil sie und Dave mit uns zusammen was machen wollten und dann rief noch Rick an, der fragen wollte, ob du, wie sonst mit den Kumpels zum Saufen kommen würdest.“ „Fällt denen ja allen früh ein.“ Wunderte ich mich. „Deswegen hab ich den halben Morgen damit verbracht, jemandem zu sagen, dass du auf dem Weg nach Arizona bist und dass ich Bereitschaft habe.“ „Ist den Job mäßig viel los?“ „Nicht wirklich. Das meiste haben wir in den letzten Tagen schon rausgehauen. Die meisten Fahrer haben heute auch frei. Es fahren nur ein paar Long Hauler, wie du und ein paar Fahrer, die losfahren, wenn es irgendwo brennt.“ „Dann hast du ja einen ruhigen Tag.“ „Das dachte ich auch. Dann klingelt dauernd das Telefon.“ „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kamen auch schon Anrufe aus Saint Paul?“ „Warum? Dass wir mit meiner Familie den 4. Juli nicht feiern können, war ja klar.“ „Stimmt auch wieder.“ „Haben wir eigentlich einen Fahnenmast?“ „Wie jetzt?... …Nein haben wir nicht.“ „Gut. Dann brauche ich keine Fahne hochziehen.“ „Wie kommst du denn jetzt darauf?“ „Ich stand gerade in der Küche, da hab ich gesehen, wie der alte Jim Mason am Zentrallager ein, zwei Walmart Flaggen gegen Stars and Stripes ausgetauscht hat.“ „Hat der heute sonst nichts zu tun?“ „Scheinbar nicht.“ Lachte sie. „Kannst ja den Ford rausfahren. Da hatte mir doch der Beschrifter zwei Fahnen mit draufgeklebt.“ „Die sind ja auch so auffällig.“ Lachte sie. „Wir können ja eine Airbrush Lackierung auf den Truck machen, auf dem die Fahne zu sehen ist.“ Witzelte ich. „Wenn schon Airbrush, dann kommt da eher ein Surfer Bild drauf.“ „Gar nicht mal schlecht.“ „Habe ich schon mal wo gesehen.“ „Ich auch. War auf einem Peterbilt 389.“ „Kann sein. Da kenne ich mich nicht so mit aus. Ist das denn teuer?“ „Der Truck oder das Airbrush?“ „Natürlich das Airbrush.“ „Wenn man das nicht selbst kann, dann schon.“ „Dann kommt das erstmal nicht in Frage.“ „Eben.“ Wir telefonierten noch eine Weile weiter und Keelas Energie und gute Laune übertrug sich immer mehr auch auf mich.
    Schließlich war es dann aber halb Eins und ich musste wieder weitermachen. Wir verabschiedeten uns erstmal und ich begann mit meiner PTI. Um viertel vor Eins startete ich den Motor und verließ anschließend das Gelände des Truckstops.

    Nun ging es wieder zurück auf die CA-99 in Richtung Süden. Trotz des Feiertags war viel auf den Straßen los. Viele Leute nutzten das schöne Wetter und machten an dem Tag einen Ausflug. Es waren aber auch einige Kollegen unterwegs. Ich war also bei weitem nicht der Einzige, der am 4. Juli arbeiten musste.
    Bei Bakersfield wechselte ich dann von der CA-99 auf die CA-58 in Richtung Osten. So ging es dann erst durch die Stadt und dann wieder in die Mojave. Hier war es dann wieder richtig warm. Die Temperatur war schon wieder im dreistelligen Fahrenheit Bereich. Zum Glück hatte ich eine gute Klimaanlage. In dem Bereich, wo die CA-58 zweispurig durch die Wüste ging, stockte der Verkehr dann auch immer wieder. Ich behielt aber die Ruhe und fuhr gemütlich weiter.

    Bei Barstow ging es dann wieder auf die I-15 in Richtung Norden und hinter der Stadt auf die I-40 in Richtung Osten. Also wieder genau dahin, wo ich Anfang der Woche erst hergekommen war. Auch die Waage, auf der ich in der Gegenrichtung in der Nacht von Montag auf Dienstag schon gewesen war, wollte auch heute wieder mein Gewicht haben. Trotz der schweren Ladung wog der Truck aber nur 77,982 lb. Obwohl die Ordnungshüter, die heute Dienst hatten, aus diesem Grunde nicht gerade gute Laune hatten, ließen sie mich in Ruhe. Vielleicht eine Art von Solidarität zu denen, die auch arbeiten mussten. Ich konnte also sofort weiter.

    Nun fuhr ich erstmal bis zur Essex Rest Area. Dort machte ich meine kurze Pause. Ich machte mir im Truck aus meinen Vorräten was zu Essen. Ein Feiertagsessen sah eigentlich anders aus. Anschließend telefonierte ich noch eine Weile mit Keela. Gegen viertel nach Neun machte ich mich aber trotzdem wieder auf den Weg. Ein paar Meilen wollte ich noch zurücklegen.

    An Kingman fuhr ich heute Abend nur vorbei. Als ich dort war, konnte ich aber von der Interstate aus gut das Feuerwerk sehen, was einige der Einwohner gerade abbrannten. So kam wenigstens noch ein wenig Feiertagsstimmung auf. Der Feierabend kam dann schließlich mal wieder in Ash Fork. Dort, wo ich am Samstag schon gestanden hatte, auf dem ehemaligen Truckstop, stellte ich mich dann auch heute wieder hin. Inzwischen war es dann auch bereits nach Mitternacht und der 4. Juli war wieder vorbei. Ich legte mich dann kurz darauf hin und schlief auch schnell ein.

    Donnerstag, der 5. Juli 2018, 10:00 am, Mountain Standard Time, Ash Fork, AZ:

    Nach einer angenehmen Nachtruhe stand ich dann am Vormittag wieder auf. Der Unterschied zu meinen Früheren Aktivitäten war der, dass ich heute keinen Kater hatte. Es gab also auch Vorteile, wenn man am 4. Juli arbeiten musste.
    Ich setzte meinen Kaffee auf und ging dann erstmal in die Botanik, um was loszuwerden. Anschließend kam mal wieder die Körperpflege aus dem Kanister. Um halb Elf begann die PTI und eine Viertelstunde später ging es weiter.

    Es ging erstmal weiter in östlicher Richtung über die I-40 Dabei merkte ich, dass sich nicht viele Leute freinahmen, wenn der 4. Juli mitten in der Woche war. Es war nämlich gut was los auf der Interstate. Es ging an Flagstaff vorbei und auf Holbrook zu. Kurz hinter Flagstaff meldete sich aber meine Tankleuchte. Ich wollte nichts riskieren und fuhr in Joseph City auf den Truckstop zum Tanken. Um halb Zwei ging es dort mit gefüllten Tanks weiter.
    Viel weiter in Richtung Osten fuhr ich aber nicht, da ich in Holbrook auf die AZ-77 in Richtung Süden wechselte. So kam man am Besten nach Show Low. Dort war ich im vergangenen Jahr bereits einmal gewesen, danach hatte es mich aber nicht mehr in diese Gegend verschlagen. Es ging schon stark auf drei Uhr, nachmittags zu, als ich die kleine Stadt erreichte.

    Während ich durch die Stadt fuhr, meldete sich die Elektronik zu Wort: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Genau um drei Uhr, als ich in die Einfahrt des Costco Wholesale Lagers fuhr hörte ich dann: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Ich schaute also ins System, bevor ich mich anmeldete:

    PICKUP: COW-AZSLO
    GATE: 04
    TRAILER: DV28COW
    FREIGHT: FURNITURE
    WEIGHT: 19,500 LB
    DROP: SUC-AZSLO
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Es ging also mit einer Stadtfahrt weiter. Möbel vom Costco zum Supercenter. Ich vermutete, dass mein Anschluss am Supercenter stand und mir Keela die Leermeilen minimieren wollte. Sonst machte es eigentlich keinen Sinn, im Osten von Arizona Stadtverkehr zu fahren.
    Ich ging also ins Büro und erledigte den Papierkram. Natürlich waren meine Papiere für die Möbel bereits fertig. Ich brauchte nur noch die Trailer tauschen. Das tat ich dann auch, als ich wieder am Truck war. Ich setzte den 53 Fuß Dry Van ans Dock und nahm den Pup mit den Möbeln wieder auf. So war ich um viertel nach Drei schon auf dem Weg zum Supercenter.

    Auf dem kurzen Weg meldete das ORBCOMM auch schon wieder: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Kurz bevor ich dann beim Supercenter war, was etwas außerhalb auf der Südseite von Show Low lag, hörte ich dann wieder: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Als ich an der Anmeldung war, las ich dann die Anweisung für den nächsten Auftrag:

    PICKUP: SUC-AZSLO
    GATE: 04
    TRAILER: CT53153
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    DROP: CST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Meine Ahnung hatte mich nicht getäuscht. Auch wenn mich die Ladung nicht unbedingt mit Begeisterung erfüllte. Das Beste daran war, dass es sich um einen Heimatschuss handelte, der mich zum Reset nach Hause brachte. Die Altverpackungen wurden aber nicht sonderlich gut bezahlt. Für unter 80 Cent pro Meile ging es so wieder nach Hause.
    Ich meldete mich am Supercenter an, wo man im Gegensatz zu mir natürlich froh war, dass die Altverpackungen abgeholt wurden. Trotzdem musste ich noch ein paar Minuten auf die Papiere warten. Wahrscheinlich lag das an der kurzen Fahrstrecke vom Costco zum Supercenter. Da war kaum Zeit, mich anzumelden. Als die Papiere dann fertig waren, brauchte ich aber wiederum nur umsatteln. Um vier Uhr ging es dann mit den Altverpackungen wieder in Richtung Heimat.
    Da ich langsam Hunger bekam und noch keine Pause gemacht hatte, ging es dann erstmal nur durch Show Low. An der Nordseite der kleinen Stadt war ein kleines Truckcenter, wo es ein kleines Lokal, einen kleinen Supermarkt und eine Waschanlage für LKW gab. Hier hielt ich dann an und aß noch eine Kleinigkeit.

    Es war dann inzwischen fünf Uhr, als ich wieder auf dem Weg war. Über die AZ-77 ging es wieder nach Holbrook zurück, wo ich dann wieder auf die I-40 auffuhr. Diesmal nur in westlicher Richtung. Nun ging es der schon recht tief stehenden Sonne entgegen. Ich zog jetzt erstmal ein ganzes Stück durch. Bei Kingman fuhr ich dann aber nochmal von der Interstate und tankte an meiner Stammtanke noch mal voll. Viel ging noch nicht in die Tanks, trotzdem war es besser, hier nochmal die Tanks zu füllen.
    Da ich noch eine Stunde Fahrzeit hatte, beschloss ich noch über die Grenze nach Kalifornien zu fahren. Ich fuhr dann noch bis zur Essex Rest Area, wo ich dann gegen halb Zwölf Feierabend machte. Ich führte dann noch ein kurzes Telefonat mit Keela, danach legte ich mich in mein Bett.

    Freitag, der 6. Juli 2018, 9:00 am, Pacific Daylight Time, Essex Rest Area, I-40 Westbound, CA:

    Um neun Uhr klingelte mein Wecker wieder. Ich hatte recht gut geschlafen, auch wenn ich noch hätte liegenbleiben können. Ich ging in den kleinen Sanitärbereich der Rest Area. Dort suchte ich dann aber nur die Toilette auf. Die Wäsche erledigte ich dann lieber aus dem Wasserkanister. Als das erledigt war und auch der erste Kaffee getrunken war, machte ich mich wieder auf den Weg. Irgendwie zweifelte ich aber schon an diesem Vormittag daran, dass ich es heute noch bis nach Hause schaffen würde.

    Zuerst ging es wieder über die I-40 in Richtung Westen. An diesem Vormittag musste ich dann auch entgegen meinem Gefühl mal wieder auf die Waage. Die Altverpackungen waren aber nicht so schwer, dass ich ein Problem mit dem Gewicht bekommen würde. So ging es ohne Probleme weiter.
    Bei Barstow wechselte ich wieder mal auf die I-15 und hinter der Stadt auf die CA-58. Nun ging es wieder durch die Mojave. Auf der Rest Area, auf der ich in der Nacht zum Dienstag bereits übernachtet hatte, hielt ich heute wieder an. Dieses Mal aber nur für eine kurze Pause.
    Um viertel nach Drei am Nachmittag fuhr ich dann weiter. So musste ich am Freitagnachmittag durch Bakersfield, um auf den Golden-State-Highway zu kommen. Nun ging es auf direktem Weg auf meine Heimatstadt zu.

    Trotzdem lief mir dabei die Zeit weg. Wie ich befürchtet hatte, würde ich mit meiner Zeit heute nicht mehr bis nach Sacramento kommen. Bei Stockton, eine Stunde vor zu Hause ging mir dann die Zeit aus. Ich suchte mir eine Parkmöglichkeit und fand sie in einem Industriegebiet abseits der Highways. Dort stellte ich dann um Neun Uhr am Abend den Motor ab. In meinem Sleeper machte ich mir was zu essen und nahm das dann vor dem Fernseher ein.
    Um kurz nach Zehn rief mich dann Keela an. Sie hatte jetzt Wochenende. Außerdem sagte sie mir, dass sie am kommenden Morgen zeitig nach Pacifica fahren wollte. Ich sollte aber möglichst nachkommen. Ob mit dem Auto oder Motorrad war egal. Wir telefonierten dann etwa eine halbe Stunde, dann beschlossen wir beide, dass wir uns hinlegen wollten. Wir wollten beide am nächsten Morgen um sieben Uhr losfahren.

    Samstag, den 7. Juli 2018, 6:30 am, Pacific Daylight Time, Stockton, CA:

    Der Wecker hatte schon eine Zeit lang geklingelt, als ich dann aufstand. Ich setzte mir einen Kaffee auf und stieg dann aus, um mich aus dem Kanister zu waschen. Nachdem ich mich dann fertig gemacht hatte, erledigte ich die PTI. Um viertel nach Sieben machte ich mich dann auf den Weg nach Hause.
    Um diese Zeit war noch nicht viel los. Ich fuhr dann auf die I-5 und fuhr über diese nach Sacramento. Gegen halb Neun näherte ich mich dann dem Zentrallager. Als ich in die Einfahrt einbog, kam dann eine Meldung, die ich jetzt eigentlich nicht hören wollte: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Normal hatte ich jetzt vor, den Trailer abzustellen und dann meinen Reset zu machen. Das ORBCOMM und vermutlich auch Charlie schienen aber anderer Meinung zu sein:

    PICKUP: EST-CASAC
    GATE: 02
    TRAILER: CT40695
    FREIGHT: FIREWORKS
    WEIGHT: 10,000 LB
    DROP: COW-CARED
    PRIORITY: URGENT
    REMARKS: ADR 1.4

    WAT-CASAC-CSA.

    Da ja immer noch nur recht wenige Fahrer bei uns ein Endorsement für den Transport von Feuerwerk hatten, blieb mir auch keine Ausrede. Ich sattelte schnell den 53 Fuß Trailer ab und machte mich auf den Weg zum Außenlager, wo dann fast der gleiche Trailer, nur in 40 Fuß Länge auf mich wartete.
    Nach der PTI schrieb ich noch schnell eine WhatsApp an Keela: „Ich fürchte heute musst du noch ohne mich surfen. Muss noch Feuerwerk nach Redding fahren.“ Dann machte ich mich auf den Weg. Ich war noch nicht an der I-80 angekommen, als ich schon eine Antwort hatte. Keela muss wohl verbotenerweise während der Fahrt geschrieben haben. „Gut. Dann eben heute Rockaway Beach mit meinen Freunden und dafür morgen Linda Mar mit dir.“
    Ich fuhr dann auf die I-80, auf der ich aber nur bis zum Kreuz mit der I-5 blieb. Dort wechselte ich dann in nördliche Richtung auf die I-5 zurück. An der Waage, die kurz darauf kam, konnte ich dann auch vorbeifahren. Man vermutete bei dem kurzen Trailer wohl keine Überladung. Ich blieb dann bis Anderson auf der I-5 und fuhr dann über die CA-273 nach Redding hinein. So kam ich direkt auf der Straße in die Stadt, an der das Costco Lager lag.

    Zwischen Anderson und Redding machte ich vorher aber noch meine Pause. Es war schon halb Eins und ich hatte noch nichts gegessen. Für die Pause hatte ich nur einen Platz am Straßenrand genommen. So gab es auch nur ein paar Sandwiches aus meinem Vorrat.
    Um Eins fuhr ich dann weiter und eine Viertelstunde später kam ich dann bei Costco an. Dort setzte ich noch schnell den Trailer ans Dock. Inzwischen war auch der nächste Auftrag für mich eingegangen:

    PICKUP: 711-CARED
    GATE: 02
    TRAILER: CT53DHL
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    DROP: EST-CASAC
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-CSA.

    Wenigstens hatte Charlie mir noch eine Ladung nach Hause besorgt. Ich war bei der knappen Restzeit auch nicht mehr wählerisch, was die Ladung anging. Alles war besser, als leer nach Hause zu fahren. Da war mir heute sogar der gelbe Trailer egal.
    Ich fuhr also weiter nach Redding hinein und nahm den Weg zu dem 7Eleven Markt, der in unmittelbarer Nähe zum Zentrallager in Redding lag. Dort holte ich mir fix die Papiere und sattelte den DHL Trailer auf. Nach der PTI ging es dann endlich nach Hause.

    Diesmal fuhr ich dann auch direkt in Redding auf die I-5. Die Rückfahrt verlief dann auch ruhig und problemlos. Der einzige Unterschied zur Hinfahrt war, dass ich dieses Mal auf die Waage musste. Bei dem Gewicht war das aber auch kein Problem.
    Gegen viertel vor Sechs am Abend erreichte ich dann auch das Außenlager in Sacramento. Ich meldete mich im Bürocontainer und bekam eine gut anzufahrende Rampe zum Absatteln. Dann stand auch das im System, was ich erwartet hatte:

    35 H RESET

    WAT-CASAC-CSA.

    Mit zweieinhalb Stunden Restfahrzeit blieb Charlie auch nichts anderes übrig, als mich in den Reset zu schicken. Ich fuhr nach Hause und stellte den Kenworth in die Halle. Dann ging ich in die Wohnung hoch und sprang schnell unter die Dusche. Anschließend zog ich mir gute, frische Sachen an und packte auch schnell was zum Wechseln ein. Außerdem natürlich meine Badeshorts. Mein Neoprenanzug war, genau wie der Rest der Surfausrüstung bereits im Savana in Pacifica.

    Ich verließ die Wohnung wieder und warf meine Tasche auf die Rückbank des Ford. Dann machte ich mich auf den Weg. Es war ja inzwischen bereits sieben Uhr. Auf dem Weg zur I-80 hielt ich noch kurz am Drive In Schalter eines Fastfood Restaurants und holte mir noch zwei Burger, die ich dann während der Fahrt essen wollte. Zum vernünftigen Abendessen hatte ich einfach keine Zeit. Ich wollte schnellstens zu Keela.
    Über die I-80 ging es dann nach San Francisco. Eigentlich wollte ich auch mit 70 durchfahren. Ein freundlicher Kollege, der unbedingt meinte einen anderen Trucker überholen zu müssen, obwohl er höchstens eine halbe Meile pro Stunde schneller war, hielt mich aber eine ganze Weile auf. Innerlich verfluchte ich nicht nur den Kollegen, sondern auch die Kalifornische Gesetzgebung, die den Truckern vorschrieb, maximal 55 zu fahren.

    Als ich in San Francisco ankam, war es dann schon dunkel. Ich fuhr durch die Stadt zur CA-1, die mich dann nach Pacifica führen würde.
    Schließlich erreichte ich dann endlich den Campingplatz, wo mich Keela mit angemeldet hatte. Wir hatten extra einen großen Stellplatz gemietet, auf den sowohl der Savana, als auch der Raptor passten.
    Am Stellplatz kam Keela sofort aus dem Savana, als sie den V8 des Ford hörte. Kaum war ich ausgestiegen, fiel sie mir um den Hals und gab mir einen langen Kuss. „Endlich bist du da.“ „Du kannst dich bei Charlie bedanken, dass ich erst so spät hier bin.“ „Dafür haben wir dann morgen einen schönen Tag zusammen.“ Wir zogen uns dann auch recht bald in den Savana zurück.

    Sonntag, den 8. Juli 2018, 8:30 am, Pacific Daylight Time, Pacifica, CA:

    Als ich wach wurde, war ich alleine im Savana. Ich hörte aber, wie Keela draußen mit dem Geschirr klapperte und den Frühstückstisch deckte. Ich stand auf und ging nach draußen. Dann nahm ich Keela in den Arm und gab ihr einen Kuss. „Noch einen bitte.“ Sagte sie im Anschluss. Auf mein erstauntes Gesicht hin sagte sie: „Das sagt Sandra bei ihrem Christian auch. Dann bekommt sie den auch. Nur eben auf Schwedisch.“ „Was die Schweden können, können wir auch.“ Sagte ich und gab Keela noch einen Kuss.
    Wir frühstückten dann in Ruhe zusammen. Anschließend spülten wir das Geschirr eben weg und räumten auf. Danach gingen wir zum Sanitärgebäude zum Duschen.

    Frisch geduscht packten wir dann alles zusammen und machten uns zum Aufbruch bereit. Dann verließen wir den Campingplatz und fuhren mit beiden Autos nach Linda Mar. Den Savana parkten wir dann schonmal so, dass wir einen guten Platz hatten. Im Anschluss stieg Keela in den Ford. „Lass uns noch was einkaufen fahren. Ich wollte heute Mittag den Grill anwerfen und einen Salat dazu machen.“ „Okay.“ Wir machten uns also wieder auf den Weg in den Ort. An einer Kehre, wo man einen schönen Blick aufs Meer hatte, hielt ich aber noch mal an. „Lass uns noch mal ein paar Schritte gehen.“

    Wir stiegen aus und cremten uns erstmal ein. Bei mir wäre das nicht ganz so wichtig, Keela bekam mit ihrer hellen Haut aber sehr schnell einen Sonnenbrand.
    Dann gingen wir Hand in Hand ein paar Schritte und schauten auf den Pazifik. Irgendwann blieben wir stehen und ich schaute Keela in ihre grünen Augen. „Keela Ryan. Du bist echt das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist.“ Sagte ich zu ihr. Sie errötete und schaute zu Boden. „Du willst mir jetzt aber keinen Antrag machen.“ Sagte sie. „Wäre das so schlimm?“ „Das nicht. Wir sind ja auch schon fast ein Jahr zusammen. Auch wenn mir das nicht so vorkommt.“ „Das liegt dann wohl daran, dass ich so selten da bin.“ „So ist das wohl.“ „Eigentlich kann ich dir keinen Antrag machen. Ich bin nämlich noch nicht dazu gekommen, einen Ring zu kaufen.“ „Sonst würdest du das tun?“ „Auf jeden Fall. Ich liebe dich über alles und möchte, dass du trotz der ganzen Situation mit dem Job und so bei mir bleibst.“ „Den Ring kannst du mir immer noch holen. Ich trage ja sowieso nicht viel Schmuck.“ „Du meinst, ich kann auch ohne Ring fragen?“ „Hauptsache, du meinst es ernst.“ Ich kniete mich vor ihr in den Sand. „Das tue ich. Keela Ryan. Möchtest du mich heiraten?“ Als Antwort fiel sie mir um den Hals. Dabei fielen wir um und lagen im Sand. Dann begann sie vor Glück zu weinen. „Ja, ich möchte deine Frau werden.“ Schluchzte sie. Dann folgte ein langer, leidenschaftlicher Kuss. Hinterher sagte sie: „Noch einen bitte.“ Und wir fingen beide an zu lachen. Dann küssten wir uns nochmal.

    Zurück am Ford machten wir uns auf den Weg nach Pacifica in den Ort. Dort kauften wir dann für unser Mittagessen ein. Wir holten einen Beutel mit einer frischen Salatmischung und ein Joghurtdressing. Außerdem brauchten wir ein paar Steaks für den Grill.
    Anschließend fuhren wir nach Linda Mar zurück, wo wir uns dann erstmal in die Neoprensachen zwängten. Dann schnappten wir unsere Boards und paddelten raus. Da ich schon wieder ein paar Tage nicht gesurft hatte, erwischten mich die ersten Wellen eiskalt und ich landete im Pazifik. Keela musste dann aber so lachen, dass sie selber im Wasser landete. Es wurde dann aber wieder von Welle zu Welle besser. Kurz vor unserer Mittagspause war ich dann wieder an dem Stand, den ich beim letzten Ausflug nach Pacifica hatte.

    Schließlich waren wir dann an unseren Autos und wir holten den Grill aus dem Savana. Dann füllte ich ihn mit Grillkohle und zündete ihn an. Danach zogen wir erstmal die Surfanzüge aus. Während der Grill durchglühte, cremte ich Keela ein, die jetzt einen Bikini trug. Trotz ihrer hellen Haut und den zahlreichen Sommersprossen machte sie aber auch im Bikini eine gute Figur. Sie war ja sehr gut durchtrainiert und hatte eine tolle Figur. So spürte ich den einen oder anderen neidischen Blick, den ich spürbar genoss.
    Nun kümmerte ich mich um die Steaks und Keela machte den Salat fertig. Anschließend konnten wir dann essen. Nach dem Essen machten wir es uns erstmal gemütlich und legten uns am Strand lang. Dabei achtete Keela drauf, nicht zu sehr in der Sonne zu liegen.

    Als ich dann beinahe weg döste, stupste mich Keela an. „Los, du Faulpelz. Die Wellen warten nicht auf uns.“ Also zogen wir uns die Neoprenanzüge wieder an und paddelten wieder raus. So verging der Nachmittag dann wie im Flug. Zwischendurch bekam ich dann aber auch immer wieder ein paar Motivationsküsse von Keela, die dann aber sehr salzig waren.
    Langsam wurde der Strand dann immer leerer und wir wunderten uns. Dann schauten wir am Auto auf die Uhr. Es war schon sieben Uhr durch. „Wir müssen wohl langsam nach Hause.“ Sagte Keela. „Ich habe morgen Frühschicht.“ „Frag mich mal. Ich muss zur gleichen Zeit los.“ Wir packten dann zusammen und machten uns Startklar. Dann mussten wir uns leider vorübergehend trennen. Wir waren nun mal mit zwei Autos hier. Als wir dann in Richtung San Francisco rollten, war die Sonne schon fast ganz untergegangen.

    Zurück in Sacramento konnten wir nicht mehr viel machen. Es war spät und wir mussten ja auch noch ein bisschen schlafen.

    Montag, den 9. Juli 2018, 4:30 am, Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Der Wecker war unbarmherzig und holte uns gnadenlos aus unseren Träumen. Heute hieß es dann für uns beide Aufstehen, Duschen, und Anziehen. Keela machte dann anschließend in der Küche den Kaffee und ich packte mir noch schnell ein paar Arbeitssachen zum Mitnehmen zusammen. Gegen zwanzig vor Sechs verließen wir dann die Wohnung. Keela ging zum Zentrallager rüber, um mit Charlie die Übergabe zu machen und ich ging in die Halle und begann dann die PTI des Kenworth. Als die abgeschlossen war, stand dann auch mein nächster Auftrag im System:

    PICKUP: CST-CASAC
    GATE: 08
    TRAILER: RE28963 / RE28682
    FREIGHT: BUTTER
    WEIGHT: 38,000 LB
    DROP: 711-AZYUM
    PRIORITY: IMPORTANT
    REMARKS: STAA-DOUBLE DOLLY 3AL3964(CA)

    WAT-CASAC-CSA.

    Es ging also nur auf Mittelstrecke. Charlie hatte mir eine Ladung nach Yuma gegeben. Ich hatte eigentlich mit einer weiteren Tour gerechnet. Ich fuhr also zum Zentrallager rüber und ging dort ins Büro, um meine Papiere zu holen. Dort hatte Keela inzwischen die Übergabe abgeschlossen und mit der normalen Arbeit begonnen.
    Sie machte meine Papiere fertig und reichte sie mir dann. Als ich sie nehmen wollte, sagte Keela: „Moment. Erst mal bezahlen.“ Dabei zeigte sie mir ein freches Grinsen. Ich wusste natürlich, welche Währung sie haben wollte und gab ihr einen Kuss. „Noch einen bitte.“ Sagte sie im Anschluss und grinste wieder. „Haben wir jetzt schwedische Sitten eingeführt?“ fragte ich. „Warum denn nicht?“ „Okay.“ Sie bekam Ihren Kuss. „Jetzt noch einen zum Abschied.“ Sagte Keela. Auch den bekam sie. Dann ging ich zurück zum Truck.

    Ich fuhr zum Tor 8 und nahm mein Double auf. Anschließend folgte die PTI. Um viertel nach Sechs machte ich mich dann auf den Weg. Noch war nicht viel Verkehr in Sacramento. So kam ich ganz gut durch die kalifornische Hauptstadt. Auf der I-5 ging es dann erstmal in Richtung Süden. So verbrachte ich dann den Morgen und den Vormittag. Natürlich musste ich mit dem STAA Double auch über die Waage. Die Gefahr, mit so einem Zug zu Schwer zu sein, war natürlich immer besonders groß. Bei einem Kühl Zug, wo dabei auch noch zwei Kühlaggregate ins Gewicht fielen, erst recht. Mit den ziemlich leeren Tanks passte aber alles. Es war sogar noch Luft nach oben.

    Ich fuhr dann noch weiter bis nach Buttonwillow, wo ich auf dem TA Truckstop meine Mittagspause machte. Diese nutzte ich, um im Restaurant des Truckstops was zu essen. Mit Keela brauchte ich jetzt noch nicht telefonieren. Sie war ja noch im Büro. Um viertel nach Zwölf fuhr ich dann weiter.

    Über den Tejon Pass ging es dann in das Los Angeles Valley. Zum Glück erreichte ich LA, bevor der Nachmittagsverkehr richtig in Gang kam. Über die I-10 ging es nun in Richtung Osten weiter. Wie immer, wenn ich auf dieser Route unterwegs war, ging meine Fahrzeit im Raum Palm Springs auf ihr Ende zu. Da ich hier sowieso auf die CA-111 in Richtung El Centro wollte, fuhr ich dann in Coachella von der I-10 runter. Am dortigen Love’s Travel Stop suchte ich mir dann einen Parkplatz für den Feierabend.
    Um halb Sechs stellte ich den Truck ab und die Standklimaanlage an. Wenn sie jetzt sofort arbeitete, brauchte sie die angenehme Temperatur im Truck nur beibehalten und nicht erst alles runterkühlen. Nun hatte ich auch Zeit, mit Keela zu telefonieren. Anschließend machte ich es mir im Truck gemütlich, bis ich schließlich schlafen ging.

    Dienstag, den 10. Juli 2018, 2:45 am, Pacific Daylight Time, Coachella, CA:

    Leider klingelte mich mein Wecker in der Nacht schon wieder aus dem Bett. Wie immer, wenn ich an einem Truckstop stand, ging ich am Morgen erstmal zum Duschen und auf den ersten Kaffee dort hinein. Gegen halb Vier begann ich dann im Dunkeln mit der PTI. Eine Viertelstunde später machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Ich fuhr über die CA-111 in Richtung Süden weiter. Bei El Centro wechselte ich dann auf die I-8 in Richtung Osten. Nun hatte ich es nicht mehr weit bis nach Yuma. Die Stadt lag ja direkt hinter der Grenze zu Arizona. So meldete sich um kurz vor Sechs mein Navi zu Wort: „Crossing border – entering Arizona – changing time zone.“ Dann folgte die Anweisung, die I-8 zu verlassen. Ich fuhr also von der Interstate und hielt mich in Richtung Yuma.
    Noch vor der Stadt kam dann eine Chevron Tankstelle. Hier hielt ich erstmal an, um meine ziemlich leeren Tanks wieder zu füllen.

    Eine Viertelstunde später war der Kenworth wieder mit Diesel und DEF versorgt und ich hatte einen frischen Kaffee. Nun fuhr ich weiter in die Stadt hinein. Ich folgte den Anweisungen der Navigation. So hatte ich eine Viertelstunde später den 7Eleven Markt erreicht. Während der Fahrt kam dann auch schon die Meldung: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Als ich in die Einfahrt fuhr, kam dann auch die Meldung: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Da die Wahrscheinlichkeit eher gering war, dass ich hier meinen Anschluss bekam, ging ich zuerst, ohne nach dem Anschluss zu schauen in den Markt und fragte mich nach dem Filialleiter durch. Der kam dann mit zum Eingang.
    Als er die Trailer sah, meckerte er los: „Na toll. Musstet ihr wieder Trailer mit eurer Werbung nehmen? Ihr sollt doch möglichst mit neutralen Trailern anliefern.“ „Möglichst.“ Wiederholte ich die Aussage. „Wahrscheinlich waren gerade keine neutralen 28 Fuß Trailer frei.“ „Es ist euch schon klar, dass wir nicht möchten, dass jeder mitkriegt, wenn wir bei euch was zukaufen.“ „Beschweren Sie sich bitte an der richtigen Stelle. Ich bin nur Fuhrunternehmer. Ich ziehe die Trailer nur von A nach B. Für die Beladung und Einteilung ist die Walmart Transportation zuständig.“ „Ich werde eine Beschwerde an unseren Einkauf weiterleiten. Die sollen sich dann mit Walmart rumstreiten.“ „Ich werde das auch weitergeben. Mehr kann ich nicht für Sie tun.“ „Dann nehmen Sie das Double auseinander und stellen die Trailer in den Wareneingang.“ „Sorry. Das ist nicht mein Job. Ich habe auch keine Kupplung, um den Dolly unter dem Trailer wegzuziehen.“ Der Filialleiter lief im Gesicht rot an. „Dann stellen Sie die Trailer da an die Seite und verschwinden aus meinen Augen.“ „In Ordnung. Dann bekomme ich noch meine Papiere quittiert.“ Er verschwand mit den Papieren in seinem Büro und ich stellte die Trailer dahin, wo er gesagt hatte. Dann sattelte ich ab. Ich wendete den Bobtail und fuhr langsam zur Ausfahrt zurück. Nun kam der Filialleiter wieder aus dem Laden und brachte mir meine Papiere. Dabei fiel sein Blick auf die Beschriftung auf der Tür. „Sie sind nur Subunternehmer?“ „Korrekt. Was heißt eigentlich nur?“ „Ich meinte damit, dass sie nicht direkt von Walmart sind.“ „Richtig. Ich habe aber einen Status, wie ein eigener LKW.“ „Trotzdem. Da habe ich meinen Frust ja an der falschen Stelle abgelassen. Sie können ja nichts dafür.“ „Das habe ich ja gesagt. Ich bin nicht für die Beladung und Auswahl der Trailer zuständig.“ „Dann bitte ich um Entschuldigung. Sie machen ja nur Ihren Job. Sie haben alles richtig gemacht und waren pünktlich hier.“ „Schon in Ordnung.“ Ich warf dann noch schnell einen Blick auf mein Tablet:

    PICKUP: CST-AZYUM
    GATE: 01
    TRAILER: DV53194
    FREIGHT: ELECTRICAL APPLIANCES
    WEIGHT: 42,500 LB
    DROP: TBT-MSMER
    PRIORITY: VERY URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ich von hier eine Ladung nach Mississippi bekommen würde. Das lag dann mit Sicherheit an der Priorität. Ich fuhr also zum örtlichen Zentrallager und ging dort ins Büro. Der junge Dispatcher, der offensichtlich Mexikaner war, sprach mich mit starkem spanischen Akzent an: „Sind Sie der A-Unternehmer aus Sacramento?“ „Bin ich.“ „Dann bekommen Sie die Ladung für Mississippi.“ „Richtig.“ „Hier sind die Papiere. Der Trailer steht an Tor 1.“ „Danke.“ Ich nahm meine Papiere und fuhr zum Tor 1. Der Trailer war mal wieder einer der blauen Dry Van Trailer. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Dann machte ich mich auf den Weg.

    Ich fuhr zurück zur I-8 und hielt mich dann in Richtung Osten. Nun ging es erstmal ruhig durch den Morgen. Um viertel vor Elf fuhr ich dann auf den Truckstop in Eloy. Dort machte ich dann meine Mittagspause. Ich blieb dann aber nur für die vorgeschriebene halbe Stunde, dann machte ich mich wieder auf den Weg in Richtung Osten.

    Es dauerte dann nicht mehr lange, bis ich Tucson erreichte. Ich hatte aber auch hier das gleiche gute Timing, wie gestern in LA. Es war einfach noch zu früh, für den Berufsverkehr. Es ging dann immer weiter über die I-10 in Richtung Osten.
    Nachdem ich schließlich auch San Simon passiert hatte, kam ich nach New Mexico.

    Viel Fahrzeit hatte ich nun nicht mehr übrig. Ich fuhr also nur noch bis zum Petro Truckstop an der Ausfahrt 68 kurz vor Deming, NM. Dort machte ich dann um fünf Uhr, Ortszeit Feierabend. Ich ging noch zum Duschen und Essen in den Truckstop, anschließend telefonierte ich noch mit Keela. Da ich aber in der Nacht schon weitermusste, legte ich mich dann zeitig schlafen.

    Mittwoch, den 11. Juli 2018, 2:30 am, Mountain Daylight Time, Deming, NM:

    Mein Wecker riss mich in der Nacht schon wieder aus den Träumen. Ziemlich widerwillig stand ich dann auf. Die Wichtigkeit meines Auftrags erforderte es aber. Ich ging in den Truckstop und nahm erstmal eine Dusche. Danach war ein großer Teil der Lebensgeister wieder zurückgekehrt. Nach dem ersten Kaffee ging es noch etwas besser. Um viertel nach Drei begann ich mit der PTI und um halb Vier machte ich mich wieder auf den Weg.

    Es ging wieder zurück auf die I-10. Es dauerte dann auch nicht lange, bis ich merkte, dass ich in dieser Nacht wohl nicht alleine ein Problem mit dem Wachwerden hatte. Alleine auf dem Stück bis Las Cruces kam ich bereits an zwei Unfällen vorbei. Hinter Las Cruces blieb ich dann auf der I-10, die in Richtung El Paso weiterführte. Kurz darauf war ich in Texas. Außerdem war ich immer noch recht nah bei Mexico.
    Die Stadt am Rio Grande hatte ich dann aber auch recht schnell hinter mir gelassen. Nun ging auch langsam die Sonne auf. Meine Route führte mich erstmal weiter in Richtung Südosten. Bei Fort Davis wechselte ich dann aber in Nordöstliche Richtung auf die I-20.
    Mit Fort Worth und Dallas standen zwei Städte auf dem Schild, die heute in etwa mein Tagesziel darstellten. Soweit war es aber noch lange nicht. Trotzdem bekam ich langsam Hunger. Ich hatte aber auch noch nichts gegessen.

    Bei Pecas, TX fuhr ich dann auf einen Truckstop, um mir ein Texanisches Frühstück zu gönnen. Hier war es dann halb Elf, als ich mich wieder auf den Weg machte. Den restlichen Tag verbrachte ich dann in Texas auf der I-20, die mich immer weiter in Richtung Osten führte. Es war sommerlich heiß hier, die Klimaanlage des Kenworth machte die Fahrt aber erträglich. Meine Zielsetzung erreichte ich dann am frühen Nachmittag. Der Verkehr im Raum Fort Worth, Dallas ließ sich aber dennoch ertragen. Trotzdem ging mir langsam die Fahrzeit aus.

    Für meinen Feierabend suchte ich mir dann den TA Truckstop in Terrell, TX aus. Da in diesem Staat der günstigste Dieselpreis der gesamten USA galt, fuhr ich zuerst an die Zapfsäulen und füllte die Tanks des Kenworth. So brauchte ich morgen vor der Grenze zu Louisiana nicht noch mal anhalten. Dann nahm ich mir für die Nachtruhe einen Parkplatz mit Idle Air. So konnte ich meine Batterien und meine Standklimaanlage etwas schonen. Ich ging dann zuerst zum Duschen und Essen in den Truckstop. Zurück im Truck telefonierte ich dann mit Keela, die langsam realisierte, dass ich an ihrem Bereitschaftswochenende nicht zu Hause sein würde. Sie kannte aber die Problematik und beschwerte sich daher nur kurz. Nachdem wir aufgelegt hatten, schaute ich noch eine knappe Stunde fern, dann legte ich mich schlafen.

    Donnerstag, der 12. Juli 2018, 1:00 am, Central Daylight Time, Terrell, TX:

    In der Nacht um eins begann der Wecker wieder mal gnadenlos zu klingeln. Ich drückte die Schlummertaste und drehte mich um. Die Nacht konnte doch noch nicht vorbei sein. Zehn Minuten später begann der Wecker aber erneut. Am liebsten hätte ich ihn aus dem Fenster geworfen oder wäre einmal mit dem Truck drübergefahren. Der Wecker konnte aber auch nichts dafür. Ich schon eher, da ich ihn ja gestellt hatte. Ich hatte ja auch immer noch die sehr dringende Ladung auszuliefern. Auch, wenn ich dabei gut in der Zeit lag. Ich hatte Zeit bis Freitagmorgen, bevor die Konventionalstrafe für verspätete Anlieferung fällig würde, ich sollte es aber ohne Probleme heute ans Ziel schaffen.
    Ich quälte mich aus dem Bett und zog mich an. Draußen klemmte ich den Schlauch vom Idle Air ab und schlurfte dann zum Truckstop. Nach der Dusche und dem ersten Kaffee ging es mir dann besser. Zurück im Truck setzte ich mir dann noch mehr von dem schwarzen Lebenselixier auf. Um zwei Uhr begann ich dann mit der PTI und eine Viertelstunde später ging es weiter.

    Es ging wieder zurück auf die I-20 in Richtung Osten. Auch diese Nacht sah ich dann innerhalb der ersten Stunde einen Unfall. Ob das wohl an den tropischen Nächten hier im Süden lag, bei denen man nicht so gut schlief? Ich wusste es nicht, vermutete es aber.
    Nach etwas mehr als 100 Meilen hatte ich dann Louisiana erreicht. Den Staat durchquerte ich dann aber nur, ohne anzuhalten oder irgendwas Besonderes erlebt zu haben. Als ich dann 180 Meilen später den Mississippi überquerte und damit den gleichnamigen Staat erreichte, ging langsam die Sonne auf.

    Ich passierte Vicksburg und fuhr dann auf Jackson zu. Die Hauptstadt des Staates passierte ich dann im Berufsverkehr. Ich brauchte aber nur einmal quer durch, ohne die Interstate zu wechseln.
    Es ging dann auf neun Uhr zu, als ich Meridian erreichte. Ich verließ die Interstate und fuhr in die Stadt hinein. Natürlich kam die Meldung vom ORBCOMM: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Kurz darauf klingelte das Handy. Keelas Büronummer wurde angezeigt. „Hallo Sweetheart. Gibt es Probleme?“ meldete ich mich. „Hallo Schatz. Ich glaube die Elektronik macht Probleme.“ „Wie kommst du darauf?“ „ORBCOMM fordert gerade eine Anschlussfracht für dich ab. Das kann doch noch gar nicht sein.“ „Das hat schon seine Richtigkeit.“ Moment… Du sollst laut Plan heute Nachmittag oder morgen Früh anliefern. Gestern Abend warst du noch in Texas. Jetzt ist es kurz nach Sieben und du bist schon in Meridian?“ „Bin ich.“ „Wow. Ich habe dich jetzt aber noch gar nicht in der Planung gehabt. Was mache ich denn jetzt?“ „Am besten deinen Job.“ Lachte ich. „Das gibt dann aber nichts Vernünftiges. Ich hab da jetzt nur Leergut oder Altverpackungen im System.“ „Als Zwischentour geht das ja in Ordnung.“ „Hmm… …Zwischentour… …also nicht so weit… …Altverpackungen nach Grenada, Mississippi?“ „Was haben wir denn in Grenada?“ „Ein Außenlager.“ „Von da bekommen wir bestimmt was Besseres, als von Meridian.“ „Mit Sicherheit.“ „Dann machen wir das so.“ „Okay. Dann mal bis später. Hab dich lieb.“ „Ich dich auch.“ Wir legten auf und ich kam kurz darauf am TidBit Markt an.

    Zeitgleich kam die Meldung: „Neuer Auftrag eingegangen.“ Ich schnappte mir mein Tablet und die Papiere und fragte mich nach der Warenannahme durch. Dabei schaute ich mir nebenbei die Daten für den Anschluss an:

    PICKUP: TBT-MSMER
    GATE: -----
    TRAILER: CT53DHL
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    DROP: EST-MSGRE
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-KRY.

    Meine Anschlussladung stand also auch hier. Am Wareneingang angekommen, meldete ich mich an und forderte auch meine Altverpackungen ab. Meinen Trailer sollte ich dann an Tor 1 ansetzen und den DHL Trailer auf dem Hof übernehmen.
    Zum Rangieren hatte man hier im Vergleich zur Größe des Marktes relativ viel Platz zum Rangieren. Da sollten sich die Planer unserer Neighborhood Märkte mal ein Beispiel daran nehmen.
    Nachdem ich umgesattelt hatte und die PTI des Trailers erledigt war, fuhr ich wieder weiter. Auf dem Hinweg hatte ich dann ein Supercenter gesehen, wo gegenüber auch eine Parkmöglichkeit für Trucks war. Hier hielt ich für meine kurze Pause an. Die nutzte ich, um im Supercenter einkaufen zu gehen. Ich wollte meine Vorräte wieder aufstocken. Das hatte ich dann nicht im TidBit machen wollen, da ich dort ja keinen Rabatt bekam. Bei Walmart inzwischen ja schon.

    Nach dem Einkaufen genehmigte ich mir noch einen schnellen Snack, dann machte ich mich wieder auf den Weg.
    Zuerst ging es dann wieder zur I-20, auf die ich nun in westlicher Richtung auffuhr. Gegen Mittag erreichte ich dann wieder Jackson, wo ich dann auf die I-55 in Richtung Norden wechselte.
    Während der Fahrt nach Norden ging dann ein kräftiges Sommergewitter über mir runter. Ich hatte das schon geahnt, da es am Morgen in Meridian auch schon recht schwül war. Als ich dann nach Eins im Raum Grenada ankam, war aber schon wieder alles vorbei und die Sonne schien wieder.
    Um halb Zwei hatte ich dann das Außenlager erreicht. Der Kollege von der Abfertigung saß neben seinem Bürocontainer im Schatten und blätterte durch eine Autozeitung. „Tach auch. Ich habe ein paar Altverpackungen für euch.“ Sagte ich zur Begrüßung. Der Kollege schaute zu meiner Maschine rüber und las meinen Firmennamen an der Tür. „Aus Kalifornien haben wir auch nicht oft Unternehmer hier.“ Stellte er fest. „War ja auch nur eine Zwischentour aus Meridian.“ „Ach so. Leider muss der Trailer hinten in die letzte Ecke. Da stehen nun mal die Müllpressen.“ „Das ist in Kalifornien auch nicht anders.“ Grinste ich. „Dann kennst du das ja.“ „Gibt es hier irgendwo was, wo ich hinterher meine Pause machen kann? An der Interstate habe ich keinen Truckstop gesehen.“ „Da hinten in dem Industriegebiet hat aber ein neuer Truckstop aufgemacht. Da würde ich hinfahren.“ „Danke für den Tipp.“ Ich bekam meine quittierten Papiere und konnte dann auf den Hof fahren, um den Trailer in die Ecke zu rangieren. Als das erledigt war, fand ich folgende Anweisung im Tablet:

    10 H BREAK

    WAT-CASAC-KRY.

    Keela war sich also inzwischen wieder sicher, dass die Daten stimmten. Entsprechend wusste sie, dass ich schon über zehn Stunden an diesem Tag gefahren war. Ich fuhr dann in das Industriegebiet, was mir der Kollege genannt hatte und fand den Truckstop. Dort machte ich dann um zwei Uhr Feierabend. Da es in Kalifornien noch keine Zwei war, ging ich erst zum Duschen und Essen in den Truckstop. Mit Keela telefonierte ich dann erst, als ich wieder im Truck war und sie auch Feierabend hatte. Da ich aber am Abend wieder los sollte, legte ich mich anschließend recht schnell hin.

    Donnerstag, der 12. Juli 2018, 11:15 pm, Central Daylight Time, Grenada, MS:

    Es war noch nicht einmal Freitag, als mich der Wecker wieder aus den Federn holte. Ich war zwar am Anfang der Woche am frühen Morgen gestartet, durch die ganzen Terminsendungen und die damit verbundenen Pausen, die auf das erlaubte Minimum reduziert waren, hatte sich mein Arbeitstag, trotz der Zeitverschiebung immer mehr auf die Nacht verschoben. Nun war ich gespannt, wo es mich diese Woche denn noch hin verschlagen würde.
    Zuerst ging ich aber in den Truckstop zum Duschen und Kaffeetrinken. Um Mitternacht und somit am Freitag den 13. begann ich dann mit der PTI. Als diese abgeschlossen war, wusste ich dann auch mehr. Mein nächster Auftrag stand im System:

    PICKUP: GMI-MSGRE
    GATE: 08
    TRAILER: TA5902
    FREIGHT: MILK
    WEIGHT: 40,000 LB
    DROP: CST-ALHUN
    PRIORITY: VERY URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Es sah so aus, als hätte sich Danny das recht einfach gemacht. Damit er nichts falsch machen konnte, hatte er eine kurze Tour genommen, die dann auch noch sehr eilig war. Immerhin war damit der Preis gut. Die weitere Einteilung hatte er so an Charlie abgegeben.
    Entgegen meiner Erwartung fuhr ich nun auch nicht zum Außenlager zurück, sondern zu General Mills. Um viertel nach 12 fuhr ich dann vom Truckstop los und machte mich auf den Weg zu dem Werk des Lebensmittelherstellers, welches sich im Norden der Stadt befand.
    Um halb Eins stand ich dann vor dem Tor und hoffte, dass man bei der großen Firma auch rund um die Uhr die Trailer bekam. Ich meldete mich beim Pförtner an. Dieser hatte schon das Walmart Logo auf meiner Tür entdeckt. „Hallo. Du möchtest also mitten in der Nacht einen Trailer für Walmart abholen.“ „Guten Morgen. Genau das möchte ich.“ „Für welche Niederlassung möchtest du denn mitnehmen?“ „Huntsville, Alabama.“ „Ach, der Tank. Der steht vor Tor Acht.“ „Okay.“ Der Pförtner beschrieb mir dann, wie ich auf dem weitläufigen Gelände zu Tor 8 kam, dann wog er noch die Zugmaschine ein. Danach konnte ich meinen Trailer abholen.
    Ich folgte dann der Wegbeschreibung und kam schließlich bei Tor 8 an. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Dabei stellte ich fest, dass der Trailer in Alabama zugelassen war. Er war wohl von der Walmart Niederlassung dort.
    Schließlich ging es zurück zur Pforte. Nachdem ich dann auch ausgewogen war, konnte ich mich auf den Weg machen.

    Dieser führte mich dann für die erste Zeit über lokale Highways. Es waren die MS-8 und MS-9, über die es nach Tupelo, MS, der Geburtsstadt von Elvis Presley ging. Hier kam ich dann auch wieder auf eine Interstate.
    Über die I-22 sollte es nun nach Alabama gehen. Der Staat begrüßte mich dann mitten in der Nacht damit, dass ich über die Waage musste. Mit 78,302 lb war ich aber völlig legal.
    Ich folgte der I-22 dann weiter, bis ich Birmingham erreichte. Hier wechselte ich dann auf die I-65 in Richtung Norden. Nachdem ich den Tennessee River überquert hatte, ging es von der Interstate herunter und ich fuhr über die US-72 nach Huntsville.

    Dann klingelte bereits zum zweiten Mal in dieser Woche das Telefon und die Nummer der Dispatch war im Display. Da es in Sacramento aber noch vor Fünf war, vermutete ich Charlie am Telefon. „Hier bei der Arbeit.“ Meldete ich mich. „Du mich auch.“ Sagte Charlie mit einem Lachen. „Was gibt’s?“ fragte ich. „Du wirst dir wohl gleich das Absatteln sparen können. Du musst nur abfertigen, damit du neue Papiere für deine Milch bekommst.“ „Dass die am Zentrallager nicht abgepumpt wird, hab ich mir schon gedacht.“ „Leider kommen die Dispatcher aus Huntsville recht spät mit der Info um die Ecke. Sonst hättest du dir ein paar Meilen sparen können.“ „Warum das?“ „Der Weg von Birmingham nach Huntsville war sozusagen ein Umweg. Allerdings soll auch mit Originalpapieren angeliefert werden und nicht mit Faxkopien.“ „Die hätte man trotzdem an jedem Walmart Lager ausstellen können.“ „Eben.“ „Jetzt bin ich ja fast in Huntsville.“ „Deshalb fährst du jetzt auch zu dem Zentrallager und fertigst dort ab. Du machst dann für die Abrechnung auch zwei Aufträge daraus. Einen von Grenada nach Huntsville und einen von Huntsville nach Metter.“ „Wo zum Geier liegt denn Metter?“ „In Georgia an der I-16. Etwa 60 Meilen vor Savannah.“ „Dann war das wirklich ein Umweg.“ „Deswegen ja zwei Aufträge. So bekommst du wenigstens jede Meile bezahlt.“ „Okay, Boss.“ „Dann fahr zum Zentrallager nach Huntsville und melde dich bei einem Donald Westwood. Der ist im Thema und macht dir die Papiere fertig.“ „Okay. Nach Huntsville zu Donald Duck und dann in Richtung Savannah.“ „Wir werden dann noch schauen, dass du aus Metter wegkommst. Da haben wir nämlich nichts. Irgendwo da unten gibt es dann den Reset für dich.“ „Alles klar.“ Wir legten auf und ich kam kurz darauf am Zentrallager in Huntsville an.

    Ich stellte den Truck komplett an die Seite, nahm meine Papiere und ging ins Büro. Dort fragte ich mich nach Donald Duck… äh… Westwood durch. Als ich diesen gefunden hatte, schob er natürlich die Schuld auf die Nachtschicht, die sich nicht um die Aufträge gekümmert hätten, die eingehen sollten. Erst, nachdem er um sechs Uhr angefangen hätte, war klar, dass ich auch direkt nach Metter hätte durchfahren können. Er quittierte mir dann aber die Anlieferung in Huntsville, so dass ich diese abrechnen konnte. Dann stellte er mir die Papiere für Metter aus, wo die Milch zu einem TidBit Markt sollte, die ebenfalls eine Milch Zapfstelle eingeführt hatten. Um halb Acht war ich dann fertig und konnte wieder fahren.

    Ich machte mich dann auf den Weg zurück über die US-72 zur I-65. In Athens, AL, wo die US-72 an der I-65 ankam, machte ich dann meine kurze Pause. Auch wenn hier erst Frühstückszeit war, machte ich hier meine Mittagspause. Um viertel nach Neun fuhr ich dann wieder weiter.
    Über die I-65 ging es wieder nach Birmingham zurück, wo ich dann auf die I-20 in Richtung Atlanta wechselte.

    Ich dachte kurz an das letzte Mal zurück, wo ich hier langgefahren war. Damals war ich nicht in meinem Kenworth, sondern im Freightliner Cascadia unterwegs. Inzwischen wusste ich, dass der es nicht in meinen Fuhrpark schaffen würde. Auch wenn er, in der großen Version eine durchaus schöne Kabine hatte. Die Verbrauchswerte des Freightliner hatten mich aber nicht wirklich überzeugt. Dann konnte ich auch weiterhin mit dem W900 fahren.

    Es dauerte nicht mehr lange, dann hatte ich die Grenze nach Georgia erreicht. Somit hatte ich jetzt drei Stunden Zeitunterschied zu Kalifornien. Beim Thema Zeit stellte ich dann auch fest, dass ich von der Fahrzeit in dieser Schicht nicht mehr wirklich viel hatte. Ich fuhr dann noch bis nach Atlanta, wo ich am Petro Truckstop Feierabend machte. Hier war es jetzt zwar schon zwei Uhr am Mittag, zu Hause aber erst elf Uhr. Somit war Keela noch im Büro. Ich ging noch schnell duschen und eine Kleinigkeit essen, dann machte ich es mir im Bett gemütlich. Das Telefonat mit Keela schob ich dann auf den Abend.

    Freitag, den 13. Juli 2018, 11:00 pm, Eastern Daylight Time, Atlanta, GA:

    Da ich ja noch mit meiner Süßen telefonieren wollte, stellte ich mir den Wecker etwas früher. Um Elf stand ich auf und setzte mir zuerst einen Kaffee auf. Dann nahm ich mein Handy und rief zu Hause an. „Hallo Schatz, du bist schon wieder auf?“ „Meine Milch soll ja heute Nacht noch zum Markt, damit die Leute in Metter zum Frühstück frische Milch zapfen können.“ „Verstehe. Das war auch alles irgendwie anders geplant.“ „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ „Ist das im Moment dein Wahlspruch?“ „Irgendwie schon.“ Lachte ich. „Im Moment weiß ich noch nicht mal, wo ich das kommende Wochenende verbringen werde.“ „Ich schon. Alleine zu Hause in unserer Wohnung.“ „Blöde Bereitschaft.“ „Wenn ich mir das aussuchen könnte, würde ich lieber im Winter öfter Bereitschaft haben und dafür im Sommer nicht.“ „Wer möchte das nicht.“ „Vielleicht Wintersportler.“ „Kann sein. Die suchst du in Kalifornien aber wahrscheinlich vergeblich.“ „Kann sein.“ „Du weißt also auch noch nicht mehr über meine Dispo.“ „Leider nein. Der letzte Stand war, dass du in Atlanta Feierabend gemacht hast und weiter nach Metter musst.“ „Also darf mich Charlie weiter einteilen.“ „Das schon. Viel Auswahl hat er da aber auch nicht. In Metter haben wir meines Wissens gar nichts. Vielleicht bekommst du beim TidBit noch Altverpackungen oder Paletten.“ „Das sind ja tolle Aussichten.“ „Warten wir es ab.“ Das Telefonat wandelte sich dann mehr und mehr in einen Telefonflirt. Leider musste ich dann aber auch auflegen, wenn ich vor meiner Abfahrt noch unter die Dusche wollte. Da wir aufgrund von Keelas Bereitschaft aber bestimmt genug Zeit zum Telefonieren während des Wochenendes hatten, war das nicht so schlimm.

    Nach dem Telefonat ging ich noch schnell duschen. Den Kaffee im Truckstop sparte ich mir, da ich ja im Truck schon welchen getrunken hatte. Während es zu Hause gerade mal viertel nach Neun am Freitagabend war, hatte ich in Atlanta schon Mitternacht durch und somit Samstag, als ich mit der PTI begann. Um halb Eins machte ich mich dann wieder auf den Weg.
    Über die I-75 ging es nun in Richtung Süden aus der Heimat von Coca-Cola heraus. Nun ging es durch eine ruhige Nacht, in der sich der Verkehr, nachdem ich Atlanta hinter mir gelassen hatte, auf ein Minimum reduziert hatte. Bei Macon ging es dann über die I-16 in Richtung Savannah weiter. An der Ausfahrt 104 hatte ich dann das Städtchen erreicht, in das meine Milch sollte. Von der Interstate ging es dann über die GA-23 und GA-121, die die gleiche Straße nutzten, in das Städtchen hinein. Es folgte die obligatorische Meldung des ORBCOMM: „Anschlussfracht wird angefordert.“ Lange suchen brauchte ich dann auch nicht. Der Supermarkt lag dann auch direkt an dieser Straße. Um diese Zeit war dann hier auch nichts los. Der Markt hatte geschlossen. Ich hoffte nur, dass sich hinten im Bereich der Warenannahme jemand aufhalten würde. „Neuer Auftrag eingegangen.“ Meldete zumindest das ORBCOMM.
    Kurz darauf sah ich dann auch einen Mann von der Security. „Guten Morgen. Bringst du die Milch?“ „Benzin wird wohl kaum in dem Tank sein.“ Sagte ich mit einem Grinsen. „Da schmeckt ja sogar Milch besser.“ Meinte dann auch der Wachmann mit einem Grinsen. „Stell den Trailer da links ab. Da sind auch die Anschlüsse für die Zapfanlage. Du sollst auch die Altverpackungen mitnehmen. Oder?“ „Ich muss mal eben auf mein Tablet schauen.“ Dort stand:

    PICKUP: TBT-GAMET
    GATE: -----
    TRAILER: CT48DHL
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 24,500 LB
    DROP: EST-NCRAL
    PRIORITY: STANDARD
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-CSA.

    „Sieht wohl so aus.“ „Okay. Dann gehe ich schon mal nach hinten und schalte da die Hofbeleuchtung an, damit du ein Bisschen was siehst. Die Papiere bringe ich auch mit.“ „Gut.“ Der Wachmann verschwand wieder im Gebäude und ich stellte den Trailer dahin, wo er mir das gesagt hatte. So brauchte man nur noch die Schläuche anschließen. Ich sattelte ab und fuhr zur Rückseite, wo der gelbe Trailer stand. Das sollte dann auch die letzte Tour dieser Woche sein. Wenn ich in Raleigh ankam, war meine Wochenfahrzeit durch.
    Ich sattelte auf und erledigte die PTI und den Papierkrieg. Als ich dann soweit war und vom Hof fuhr, sah ich, dass der Wachmann dabei war, die Schläuche des Milchtanks anzuschließen. Erstaunlich, wofür die Wachleute inzwischen alles zuständig waren.
    Ich fuhr zurück in Richtung Interstate. Bevor ich auf diese auffuhr, hielt ich aber noch an einer Tankstelle. Ich hatte seit Texas nicht mehr getankt und meine Tanks waren wieder entsprechend leer.

    Eine Viertelstunde später hatte der Kenworth wieder genug zu trinken und ich hatte auch einen frischen Kaffee bekommen. Ich fuhr dann wieder in Richtung Osten auf die I-16, also in Richtung Savannah. Da es inzwischen halb Fünf war, wurde es ganz langsam etwas heller.

    Etwa eine Stunde später wechselte ich kurz vor Savannah auf die I-95 in Richtung Norden. Langsam wurde es Zeit, meine kurze Pause zu machen. Ich überquerte noch die Grenze nach South Carolina und fuhr dann bei Hardeeville, SC auf einen Truckstop, wo ich dann zum Frühstücken hineinging. Eine Stunde später machte ich mich dann auf die letzte Etappe für diese Woche.
    Es ging dann weiter über die I-95 in Richtung Norden bis nach North Carolina. Bei Benson wechselte ich dann auf die I-40 in Richtung Westen. Kurz darauf hatte ich dann mein Ziel erreicht. Inzwischen war es aber auch schon Mittag. Ich brachte dann noch schnell meinen Trailer zu dem Außenlager, was ich auch noch von meinem letzten Besuch in dieser Stadt kannte.

    Nachdem ich den Trailer abgestellt hatte, konnte ich dann zu dem Motel fahren, was mir Keela für meinen Reset gebucht hatte. Für die ganzen 35 Stunden hätte meine Standklimaanlage auch nicht funktioniert. Um ein Uhr mittags konnte ich dann meinen Reset beginnen.
    Den Reset verbrachte ich dann auch zum größten Teil in meinem Zimmer, wo ich mich dann mit Bürokram, Fernsehschauen und Telefonaten mit Keela beschäftigte. Ich hatte aber nach dieser Woche auch nicht wirklich Lust mir noch was anzuschauen. Außerdem würde es in der Nacht zu Montag schon wieder weitergehen.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    515 mal gelesen

Kommentare 15

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    elwime -

    Schöne Geschichte ,mit einen Antrag und überlegungen für einen Zweiten Truck und Halle in in einen anderen Staat nicht schlecht nur weiter so, vergesse den Ring aber nicht sonst gibt es Erger :)

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    infinity -

    Daumen hoch. Toll zu lesen; genau recht als Lektüre zum Feierabendkäffchen. Mit dem Antrag hatte ich jetzt nicht gerechnet; aber du warst ja an dem Wochenende der für die schwedischen Sitten sorgt auch nicht in Pacifica :D

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      Sauerlaender -

      Ich glaube, der Antrag kam recht spontan aus der Stimmung heraus. ;) Außerdem sollte man bei dem Titel ja auch nicht vorher mit allem rechnen. :D

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      Iceman684 -

      Für den Honeymoon empfehle ich das neu eröffnete Grand Hawaiian Lion Hotel. Flug ist nicht so lang und es gibt zahlreiche Surfmöglichkeiten. Außerdem lässt sich bei klammen Fuhrunternehmern bestimmt noch an der Preisschraube drehen. ;)

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      infinity -

      Das stimmt wohl. Und spontan ist auch klar... sonst wäre der Ring ja da gewesen :D

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    Werner 1960 -

    Schönes Kapitel. So nun fang schon mal an zu sparen nach der Hochzeit ist der Dollar nur die hälfte wert.

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Da machst Du aber auch gerade Ochsentouren. Viele Grüße vom Ex-Cowboy ;)