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39. Endlich wieder Fernverkehr

  • Sonntag, den 24. Juni 2018, Sacramento, CA:

    Da Keela Bereitschaft hatte, waren wir zu Hause zugange. Wir hatten aber auch noch einige Kartons auszupacken. Ich hatte sogar noch nicht mal nur die Sachen, die ich in unserer gemeinsamen Wohnung hatte, sondern auch noch Sachen, die ich immer noch in meinem Zimmer bei meinen Eltern hatte, wo ich jetzt auch schließlich komplett ausgezogen war. Wir hatten ja nun unsere eigenen vier Wände.
    Keela musste natürlich immer darauf achten, wenn sich der Laptop meldete, weil sich Fahrer meldeten. ORBCOMM 6.0 hatte sich aber inzwischen, nach zweieinhalb Monaten eingespielt und die anfänglichen Bugs waren beseitigt worden. Viele Sachen konnte sie jetzt auch im Vorfeld eingeben, wenn der Fahrer dann soweit war, gingen die Anweisungen dann auch automatisch raus. Das machte die Bereitschaft auch erheblich entspannter, als sie für die Dispatcher vorher war.

    Gegen drei Uhr am Nachmittag klingelte dann Keelas Diensthandy. Das war recht selten, da das Meiste über das ORBCOMM System lief. Keela schaute dann auf das Display und zuckte mit den Schultern, dann nahm sie ab: „Ryan hier… …Stella, du bist das. Warum rufst du denn auf dem Diensthandy an?... …du rufst dienstlich an… …eine Importlieferung… …sehr dringend… …was haben wir damit zu tun?... …stell die Priorität doch einfach auf sehr dringend oder auf Express… …warum muss die umgeladen werden?... …ach so… …muss schnellstens zu euch… …eine Doppelbesatzung habe ich aber auch nicht… …einen guten Fahrer? Ich habe Marc hier… … den kann ich für die Tour blocken… …das wäre seine erste Ferntour seit dem Erdbeben… …hier ist alles fertig. Deshalb fährt er ja wieder in die Ferne… …wir holen den Container morgen früh aus dem Hafen und laden in Sacramento um. Marc fährt dann mit frischer Zeit hier los… …genau. Mittwoch vielleicht, eher nicht. Donnerstag aber sicher… …wir haben auch keinen zweiten Fahrer… …nein. Immer noch nur einen Truck… …weiß ich nicht, dass muss Marc entscheiden… …okay, wir machen das so. Bis die Tage. Bye.“ „Was war das jetzt?“ fragte ich sie. „Stella. Hast du ja gehört.“ Sagte sie und verdrehte die Augen. „Wenn ich das richtig verstanden habe, dienstlich.“ „Hast du. Da ist am Wochenende wohl ein Schiff mit Importware in San Francisco angekommen. Laut Stella ist die Ware so brandeilig, dass der Container regelrecht glüht.“ „Warum packen die die Ware nicht auf die Bahn?“ „Da haben sie in letzter Zeit schlechte Erfahrungen gemacht. Außerdem muss das Zeug aus bestimmten Gründen umgeladen werden.“ „Aha.“ „Sie hätte am liebsten, dass wir mit einer Doppelbesatzung nach Minneapolis fahren.“ „Habt ihr Unternehmer mit Doppelbesatzung?“ „Eben nicht. Deshalb soll ich den zuverlässigsten Unternehmer nehmen, den ich hier habe.“ „Nimm doch Swift.“ Witzelte ich. „Das soll schnell und heile ankommen.“ Sagte Keela und grinste. „Ich habe auch keinen zweiten Mann.“ „Das habe ich ihr auch gesagt.“ „Was hast du ihr denn danach angedeutet?“ „Sie kam auf die Idee, dass wir einen zweiten Truck stehen lassen sollten, um den Fahrer bei dir mitfahren zu lassen. Da habe ich ihr erklärt, dass wir immer noch mit einer Maschine fahren.“ „Dann hast du gesagt, dass ich was entscheiden müsste.“ „Da ging es sogar um zwei Fragen. Ob du nicht expandieren willst und ob du auch über 65 fährst.“ „Mit der Expansion fragt Dad ja auch dauernd. Ich weiß nicht, ob ich mir noch mehr Schulden ans Bein binden will, um eine zweite Maschine zu holen. Bei der zweiten Frage kommt es drauf an, was ihr zahlt.“ „Das Argument zum zweiten Truck verstehe ich. Zu der Frage des Preises kann ich sagen, dass wenn Minneapolis die Kosten trägt, maximal 1,20 $ pro Meile drin sind.“ „Für 1,20 $ pro Meile kann ich auch schon mal Gas geben.“ „Gut. Das muss Stella dann zahlen, wenn sie das möchte.“ „Wie läuft das dann ab?“ „Ganz einfach. Ich blocke dich jetzt für die Tour, damit du mit einer frischen Fahrzeit losfahren kannst. Dann lasse ich den Container morgen früh aus dem Hafen holen und dann in Sacramento umladen. Sobald der Trailer fertig ist, machst du dich auf den Weg nach Minneapolis.“ „Schon wieder nach Minnesota.“ Stöhnte ich. „Du brauchst ja nicht bei meinen Eltern schlafen, wenn du nicht willst.“ „Das hat ja da nichts mit zu tun. Ich fahre nur gefühlt am meisten nach Minneapolis.“ „Das kann sogar sein. Vielleicht habe ich dich unterbewusst immer in meine alte Heimat geschickt.“ „Weil du da auswendig weißt, wo die Orte liegen.“ „Kann auch sein. Bist du denn einverstanden?“ „Für 1,20$ fahre ich überall hin.“ „Dann machen wir das so.“ Ich stimmte zu und wir wandten uns wieder den Kartons zu.

    Am Abend machten wir es uns in unserem neuen Wohnzimmer gemütlich. In unserer neuen Wohnung, die über zwei Etagen in dem Haus ging, lagen unser Wohn und Schlafzimmer nach hinten raus. So schauten wir nicht auf das Walmart Zentrallager, sondern auf die Berge der Sierra Nevada, die man in einiger Entfernung sehen konnte. Das Wohnzimmer lag dabei im 1. Stock, das Schlafzimmer in der Etage darüber. Unsere gemütliche Couch stand ja vorher schon in Keelas Wohnung. Der Fernseher lief zwar, wir achteten aber weniger auf das Programm, sondern genossen noch mal unsere Zweisamkeit, bevor uns der Job wieder trennen würde. Irgendwann wollten wir dann die Couch gegen das Bett tauschen und gingen nach oben ins Schlafzimmer.

    Montag, den 25. Juni 2018, 5:30 am, Pacific Daylight Time, Sacramento, CA:

    Der Wecker klingelte an diesem Morgen nicht für mich, sondern für Keela. Sie stand dann auch auf und ging schnell ins Bad. Eine Viertelstunde später sollte die Übergabe an Danny stattfinden, der in dieser Woche die Frühschicht hatte. Als Keela dann wieder aus dem Bad kam und sich dann mit Laptop und Diensthandy nach unten begab, um die Übergabe zu machen, stand ich dann auch auf und ging ebenfalls schnell ins Bad.
    Nach der Morgentoilette ging ich dann auch nach unten. In der Küche setzte ich dann den Kaffee auf. Nachdem der durchgelaufen war, brachte ich meiner Süßen eine Tasse davon. Sie lächelte dankbar, ließ sich aber sonst nicht ablenken und fuhr ohne Unterbrechung mit der Übergabe an Danny fort. Kurz darauf hörte ich dann auch meinen Namen: „Marc habe ich für eine Tour nach Minneapolis geblockt, die brandeilig ist. Eddie fährt heute früh nach Frisco. Bringt einen Trailer nach 7Eleven und holt dann den Container aus dem Hafen. Der muss dann bei uns umgeladen werden. Gib uns dann bitte Bescheid, wenn der Container hier ist, damit Marc sich startklar machen kann. Wenn ihr absehen könnt, wann der Trailer dann bereit ist, kommt Marc dann zu dem Zeitpunkt rüber und fährt mit einer frischen Zeit in Richtung Minnesota los.“ Die nächsten Sachen betrafen dann wieder andere Fahrer.
    Als die Übergabe abgeschlossen war, kam Keela zu mir und umarmte mich. „So können wir wenigstens noch zusammen frühstücken.“ „Wann ist Eddie denn losgefahren?“ „Noch gar nicht. Der kommt in diesen Minuten erst los.“ „Im Montagmorgenverkehr nach San Francisco, absatteln, in den Hafen fahren, den Container abfordern und wieder zurück nach Sacramento. Dann ist er vor Mittag ja gar nicht wieder hier. Da können wir sogar noch zusammen Mittagessen.“ „Es scheint fast so.“ „Ich habe noch gar nicht viel Zeit gehabt, mit der Ultra Classic zu fahren. Sollen wir noch eine kurze Runde drehen?“ „Aber wirklich nur eine kleine Runde. Auf dem Weg können wir auch noch etwas einkaufen. Dann siehst du mal, was in die Koffer geht.“ „Zuerst gehen wir aber duschen.“ Sagte ich und zog Keela hinter mir die Treppe ins Obergeschoss hinauf.

    Der Vormittag verging dann wie im Flug. Nachdem wir uns fertiggemacht hatten, fuhren wir eine kurze Runde, dann ging es zu einem Walmart in unserer Nähe, wo wir dann einkauften. Zurück an unserer Halle verstaute ich meine Vorräte direkt in dem Kenworth, der in einer der drei Fahrspuren stand. In den weiteren Spuren standen dann der Savana, der Raptor und die Bikes. Trotzdem wäre in der neuen Halle noch Platz für eine weitere Zugmaschine.
    Wir stellten die Bikes wieder weg und gingen wieder nach oben in die Wohnung. Während ich im Schlafzimmer meine Sachen für eine Ferntour zusammenpackte, ging Keela in die Küche und machte uns wirklich das Mittagessen fertig.
    Wir saßen dann gerade beim Essen, als Danny anrief. Eddie war jetzt, gegen ein Uhr wieder aus San Francisco zurück und hatte den Container angesetzt. Während er sich jetzt mit dem nächsten Trailer nach Truckee auf den Weg machte, wurde die Ware in den Trailer für mich umgeladen. Ich sollte dann gegen halb Drei mit der PTI beginnen und eine Viertelstunde später rüberkommen. Wir konnten also noch in Ruhe zu Ende essen.
    Während sich Keela dann gegen zwanzig nach Zwei ins Schlafzimmer verabschiedete, damit sie vor der Nachtschicht noch etwas schlafen konnte, ging ich dann in die Halle und begann mit meiner PTI. Dadurch, dass ich ein paar Minuten früher begonnen hatte, konnte ich zwanzig vor Drei zum Zentrallager rüberfahren. So war ich dann auch um viertel vor Drei in der Dispatch.
    Inzwischen hatte ja Charlie Dienst. Dabei war dann der neue Auszubildende, Tom Foster. Mir war das Recht. So bekam ich nicht mehr solche Probleme, wie mit seiner Vorgängerin, die mich ja ständig angemacht hatte.
    Da es eilig war, wechselten wir nur ein paar kurze Worte, dann gab mir Tom die Papiere und ich machte mich wieder aus dem Weg. Nun konnte ich zu Tor 12 fahren, wo mein Trailer stand. Ich bekam dann mal wieder einen blauen 53 Fuß Box Van. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Im Anschluss konnte ich dann nach langer Zeit endlich mal wieder in die Ferne fahren.
    Durch die Straßen von Sacramento ging es dann zuerst zur I-5. Dort fuhr ich in nördlicher Richtung auf die Interstate. Nachdem ich den Fluss überquert hatte, kam das Kreuz mit der I-80. Hier wechselte ich auf die I-80 in Richtung Osten. Nun ging es in die Sierra Nevada in Richtung Truckee und Reno. Hier durfte ich ja sowieso nur 55 mph fahren. Das gestaltete sich mit dem recht gut ausgeladenen Trailer aber auch schon mehr als schwierig. Immerhin hatte ich 42,500 lb an Ladung in dem Box Van. In den Steigungen wurde ich also immer langsamer und kam so auch unter die Marke von 40 mph, bei der ich mir selbst auferlegt hatte, den nachfolgenden Verkehr durch meine Warnblinker auf mich aufmerksam zu machen. Wenn ich wirklich in der nächsten Zeit einen neuen Truck kaufen würde, sollte der doch noch etwas mehr als meine 455 PS haben.

    Irgendwann hatte ich die Steigungen aber fast hinter mir und ab und zu kamen auch ein paar Gefälle. So wurde ich wieder schneller.
    Schließlich erreichte ich die Staatsgrenze zu Nevada. Da die Ladung wirklich eilig war und ich die 1,20 $ pro Meile bekommen würde, stellte ich den Tempomat tatsächlich auf 80 mph hoch. Bis zu den auch sonst gefahrenen 66 mph beschleunigte der Truck dann auch noch recht gut. Danach wurde die Beschleunigung aber immer zäher. Ich hatte die 80 noch nicht mal erreicht, da kam ich dann schon in den Raum Reno, wo ich wieder auf 65 mph verzögern musste. Mehr war hier nicht erlaubt. Außerdem war ich hier mitten im Feierabendverkehr. So war es dann auch recht voll auf der Interstate.
    Nachdem ich die größte Kleinstadt der Welt aber wieder verlassen hatte, durfte ich wieder auf 80 mph beschleunigen. Aber auch dieses Mal erreichte ich die 80 gar nicht, da ich hinter Reno auf die Waage musste. Hier würde sich dann auch zeigen, wie voll ich die Tanks im weiteren Verlauf der Tour machen durfte. Aktuell waren die Tanks knapp halb voll. Die Waage zeigte dabei 78,268 lb an. Ich konnte also volltanken, wenn ich das nächste Mal tanken musste. Mit dem Wiegen war ich dann an der Waage auch fertig. Mehr wollte man gar nicht von mir. Ich konnte also zurück auf die I-80 fahren und wieder versuchen, auf 80 mph zu kommen.
    Dieses Mal schaffte ich es auch. Dabei drehte der Motor aber auch im größten Gang bei 2000 Umdrehungen pro Minute. Also nicht gerade sparsam. Trotzdem ließ sich das Tempo auch nicht wirklich halten. In den Gefällen nutzte ich die Bremsomat Funktion, so dass ich nicht schneller wurde. In den Steigungen wurde ich dann auch merklich langsamer. So kam ich heute schon immer mehr zu dem Schluss, dass es nicht wirklich sinnvoll war, zu versuchen, 80 mph zu fahren. So war der Truck nur sehr häufig unter Volllast. Wesentlich weiter würde ich aber vermutlich auch nicht kommen. Außerdem lief ich dann häufiger auf andere Fahrzeuge auf und musst schon deswegen wieder vom Gas gehen.
    Bei Winnemucca durfte ich dann sowieso wieder nur 65 mph fahren. Viel weiter fuhr ich dann auch erstmal nicht mehr. Ich musste ja auch noch meine Pause machen. Dazu fuhr ich mal wieder in Battle Mountain von der Interstate. Dort fuhr ich wieder zu dem Lokal, was mir seinerzeit Joe Henderson gezeigt hatte.

    Dort angekommen, telefonierte ich noch kurz mit Keela. Viel Zeit hatte sie aber nicht für mich. Es war jetzt bereits halb Zehn. Keela musste also in einer Viertelstunde drüben im Zentrallager sein, um Charlie und Tom abzulösen. Der Vorteil unserer neuen Behausung war, dass sie schräg gegenüber vom Zentrallager an der gleichen Straße lag. Keela brauchte also kein Fahrzeug mehr, um zur Arbeit zu kommen. Sie musste ja nur eben über die Straße. Trotzdem legten wir dann kurz darauf auf.
    Während Keela nun ins Büro ging, machte ich mich auf den Weg ins Restaurant, wo ich noch eine Kleinigkeit zu Abend aß. Trotzdem schaffte ich es, um zehn Uhr schon wieder weiterzufahren.

    Da ich es Stella nun mal versprochen hatte, beschleunigte ich wieder auf 80 mph. Bei Elko musste ich aber wieder auf 65 runterbremsen. Nach der Stadt konnte ich dann wieder auf 80 beschleunigen. Kurz vor Wells hatte ich schon wieder den nächsten unfreiwilligen Stopp. Auch hier wollte man auf der Waage wieder mein Gewicht ermitteln. Dabei merkte ich erst, wie viel ich bei dieser Aktion heute verbrauchte. Mein Gewicht war inzwischen schon unter 78,000 lb gesunken. Da sich sonst nichts geändert hatte, war die Gewichtsdifferenz nur auf den verbrauchten Kraftstoff zurückzuführen. Da ich aber mein Wort hielt, beschleunigte ich auch weiter auf 80 mph.
    Es war dann inzwischen schon Dienstag, als ich die Grenze nach Utah passierte. Durch den Wechsel des Staates war es jetzt noch eine Stunde später. Nur eben Mountain Daylight Time.
    Den größten Aha Effekt hatte ich dann, als ich sah, wie weit ich heute mit meiner Fahrzeit kam. An der Rest Area Grassy Mountain musste ich Feierabend machen. So weit war ich auch mit Tempomat 66 gekommen. Ich konnte nur abwarten, wie sich das in den nächsten Tagen entwickeln würde. Ob ich dann mit meiner Fahrzeit weiter kommen würde, oder ob sich das weiterhin so entwickeln würde. Ich war dann diesen Tag, den ich ja trotzdem am frühen Morgen begonnen hatte, total kaputt. So zog ich mich nur noch aus und legte mich in mein Bett.

    Dienstag, den 26. Juni 2018, 1:00 pm, Mountain Daylight Time, Grassy Mountain Rest Area, UT:

    Um ein Uhr am Mittag klingelte mich mein Wecker wieder wach. Da ich am Montag viel erledigt hatte, war ich total müde ins Bett gegangen und hatte die Nachtruhe durchgeschlafen. Nun stand ich wieder auf und machte mich im Sanitärbereich der Rest Area wieder frisch. Gegen halb Zwei begann ich mit der PTI. Pünktlich dazu begann es dann auch zu regnen. Es war ein kurzer, aber kräftiger Gewitterschauer, der noch anhielt, als ich um viertel vor Zwei wieder losfuhr.
    Als ich Salt Lake City erreichte, war der Schauer aber schon wieder vorbei. Die Stadt ließ ich dann auch schnell wieder hinter mir. Mein nächstes Zwischenziel war nämlich der Truckstop Bells Silver Creek in Park City, UT. Auf der Tour über die I-80 hielt ich hier mit Vorliebe um zu tanken.
    In Utah war der Diesel in der Regel günstiger, als in Nevada oder Wyoming. Aber auch hier kostete die Gallone inzwischen ein gutes Stück mehr, als drei Dollar. Wie sich die Spritpreise in diesem Jahr entwickelt hatten, gefiel mir gar nicht. So blieb ja immer weniger von den unveränderten Frachtpreisen für mich übrig. Bei einer Tour, wie dieser, wo ich Gas geben sollte, war das dann schon extrem. Gerade in solchen Momenten ärgerte ich mich auch über meine Entscheidung, einen Klassiker gekauft zu haben. Der Verbrauchsunterschied zum modernen T680 war dann doch nicht ohne.

    Nachdem ich die Tanks wieder gefüllt hatte, fuhr ich aber sofort weiter. Für meine Pause war es einfach noch zu früh. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich Wyoming erreichte. Anfangs ging es erstmal noch weiter durch die Ausläufer der Rocky Mountains. Schließlich kamen dann aber immer mehr Gefälle und ich kam langsam aus den Bergen raus. Eine Sache fiel mir dann noch auf. Bereits vor dem Winter hatte ich festgestellt, dass in Wyoming viel an der Interstate gebaut wurde. Das war immer noch nicht anders. Ich passierte dann wieder ein paar Baustellen.

    Dadurch konnte ich auch nur selten die erlaubten 80 mph fahren. Schließlich musste ich ja immer wieder vom Gas gehen. Die Beschleunigung auf 80 dauerte im Anschluss dann wieder eine gefühlte Ewigkeit.
    Gegen viertel vor Neun am Abend erreichte ich dann den Petro Truckstop in Laramie, WY. Hier hielt ich dann für meine Pause an, die ich wieder nur auf die vorgeschriebene halbe Stunde reduzierte. In der Zeit aß ich dann eine Kleinigkeit und telefonierte kurz mit Keela. Um viertel nach Neun ging es dann weiter.
    Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis ich Cheyenne erreichte. An der Stadt ging es dann aber auch nur schnell vorbei. Nun ging es mit großen Schritten auf Nebraska zu.
    Nachdem ich die Staatsgrenze dann überquert hatte, musste ich den Tempomat dann auch etwas runterstellen. Hier waren nur noch 75 mph erlaubt. Das war dann sowohl für mich, als auch für den Truck etwas entspannter. Etwas später wechselte dann mitten im Staat noch die Zeitzone. Nun hatte ich Central Daylight Time. Als ich dann Big Springs, NE erreichte, entschloss ich mich für diese Schicht Feierabend zu machen. Ich könnte zwar noch etwa eine dreiviertel Stunde weiterfahren, in der Zeit kam aber kein vernünftiger Truckstop mehr. Ich wollte aber mal wieder auf einem Truckstop Feierabend machen.
    Um viertel vor Zwei in der Nacht fand ich mit viel Glück auf dem Flying J Truckstop in Big Springs, NE noch einen Parkplatz. Auch wenn es jetzt mitten in der Nacht war, ging ich noch zum Duschen und Essen in den Truckstop. Als ich dann zurück im Truck war, schrieb ich Keela noch eine WhatsApp, danach legte ich mich schlafen.

    Mittwoch, den 27. Juni 2018, 11:00 am, Central Daylight Time, Big Springs, NE:

    Gegen 11 Uhr am Vormittag stand ich wieder auf und ging zum Duschen in den Truckstop. Wie früher nahm ich dort auch meinen ersten Kaffee des Tages zu mir. Gegen viertel vor Zwölf begann ich dann mit meiner PTI und High Noon machte ich mich wieder auf den Weg.
    Der Mittag war dann von einer ereignislosen um nicht zu sagen langweiligen Fahrt durch Nebraska geprägt. Irgendwie zog sich das wie Kaugummi. So fuhr ich dann auch schon vier Stunden, nachdem ich die PTI gemacht hatte, schon wieder von der Interstate und machte meine Pause bei Shoemaker’s Truckstop in Lincoln, NE. Dort aß ich dann in Ruhe zu Mittag. Trotzdem machte ich mich eine halbe Stunde später wieder auf den Weg.
    Kurz darauf kam ich durch Omaha und direkt danach über die Staatsgrenze nach Iowa. Aber auch hier war die Fahrt nicht wirklich interessanter. Es waren eben die weiten Landstriche des mittleren Westens, durch die es hier ging.


    Das Highlight der nächsten Stunden kam dann quasi bei Des Moines, wo ich von der I-80 East auf die I-35 North wechselte. Nun ging es direkt auf Minneapolis zu. Ich fuhr in den Abend hinein und erreichte an diesem Abend sogar noch die Twin Cities.

    Gegen viertel nach Elf, CDT kam ich dann an dem Neighborhood Market im Süden von Minneapolis an. Somit hatte ich die Erwartungen mehr als erfüllt. Man hatte ja erst am Donnerstag mit mir gerechnet. So war ich noch eine dreiviertel Stunde vorher da.
    Da meine Fahrzeit ziemlich durch war, kam dann auch die erwartete Meldung im ORBCOMM:

    10 H BREAK

    WAT-CASAC-TFO.

    Das Bearbeiter Kürzel wies auf den Azubi Tom Foster hin. In Sacramento war ja noch die Spätschicht dran. Ich fuhr also vom Gelände des Walmart und suchte mir in der Nähe eine Parkmöglichkeit. Dabei kam ich nach Saint Paul rüber. Ich war nicht weit von der Stadtgrenze weg gewesen.
    In dem Industriegebiet, wo der Platz von Ryan Constructions war, auf dem ich bereits ein paar Mal geparkt hatte, fand ich eine Parkmöglichkeit. Auf den Platz von Ryan wäre ich ohne Schlüssel auch nicht draufgekommen. Ich aß noch eine Kleinigkeit aus meinen Vorräten und schaute noch eine halbe Stunde fern. Danach legte ich mich schlafen.

    Donnerstag, den 28. Juni 2018, 9:00 am, Central Daylight Time, Saint Paul, MN:

    Am Donnerstagmorgen um Neun klingelte mein Wecker wieder. In der Nacht hatte ich wunderbar geschlafen. Am Morgen zwischen Sechs und Acht war es dann etwas unruhiger draußen, da die Arbeiter und Angestellten zu ihren Arbeitgebern hier im Industriegebiet kamen, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Ein, zwei Mal wachte ich dabei auf, weil irgendwelche Idioten rum hupen mussten. Dann döste ich aber wieder weg. Nun stand ich dann auch so langsam auf. Ich zog mich an und setzte mir einen Kaffee auf. Anschließend stellte ich mich neben den Truck und putzte mir die Zähne und erledigte eine Katzenwäsche aus dem Wasserkanister.
    Gegen viertel vor Zehn hatte ich meine zehn Stunden Pause hinter mir und konnte mit der PTI beginnen. Ich checkte schnell den Bobtail und schaute dann, was das ORBCOMM für mich zu bieten hatte:

    PICKUP: CST-MNMNP
    GATE: 01
    TRAILER: RE53371
    FREIGHT: FROZEN MEAT
    WEIGHT: 37,600 LB
    DROP: SUC-NVLVE
    PRIORITY: VERY URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Mein Anschluss kam also von Danny und war auch sehr dringend. Auf der Hinfahrt hatte ich aber die höchste Priorität, Express gehabt. Diese war dann eine Stufe geringer. Als ich dann die Zündung anhatte, rief ich erstmal meinen Verbrauch ab, den ich auf der Tour hierhin gebraucht hatte. Als ich die Anzeige sah, wurde es mir beinahe schwarz vor Augen. 4,6 mpg stand auf dem Display. (über 51 Liter auf 100 Km) Der Truck hatte also gesoffen, wie ein Loch. Dabei war ich noch nicht einmal wesentlich weiter gekommen, wie sonst.
    Damit stand mein Entschluss fest. Das war das erste und letzte Mal, dass ich mit dem Truck so schnell gefahren war. Beim nächsten Werkstattaufenthalt würde ich dann auch einen Begrenzer einbauen lassen. Der hatte den Vorteil, dass sich das in den Versicherungsprämien noch positiv auswirkte. Der gute Preis mit 1,20 $ pro Meile, den ich bekommen hatte, war also durch den Mehrverbrauch eindeutig wieder weg.
    Ich startete den Motor und machte mich wieder auf den Weg. Ich fuhr dann mal langsam am Platz von Ryan Constructions vorbei und schaute, ob ich jemanden auf dem Platz erkannte. Dabei entdeckte ich Ken, der gerade mit einem Monteur bei einer Baumaschine stand. Kurz entschlossen fuhr ich auf den Platz und stellte den Truck ab.
    Keelas Bruder schaute erstaunt in meine Richtung und kam dann auf mich zu. „Hallo Marc, ich wusste ja gar nicht, dass du in Saint Paul bist.“ „Hi, Ken. Das weiß auch eigentlich keiner von euch. Ich bin aber auch erst in der Nacht hier angekommen und habe einen Trailer abgestellt. Außerdem muss ich gleich schon wieder los nach Las Vegas.“ „Verstehe. Deine Halle soll ja klasse geworden sein. Habe ich gehört.“ Ken war ja der einige der Familie, der nicht in Sacramento war. „Die habt ihr echt super hinbekommen.“ „Das hört man gerne. Was kann ich denn für dich tun?“ „Kann ich bei euch auf dem Platz mal eben tanken?“ „Kein Problem. Du gehörst ja quasi zur Familie.“ „Stimmt. Ein Teil meiner Firma gehört ja inzwischen auch deiner Schwester.“ „Ach ja. Kee hat sich ja bei dir beteiligt.“ Wir gingen zum Truck und ich fuhr zur Betriebstankstelle von Ryan Constructions. Dort schaltete Ken die Säule frei und ich tankte den Kenworth voll. „Bei den Spritpreisen muss man sparen, wo man kann. Inzwischen haben sogar wir hier über drei Dollar pro Gallone, wenn man nicht an der Firma tankt.“ „In Kalifornien haben wir inzwischen fast vier Dollar.“ „Krass. Da hättest du dir privat aber besser einen Toyota geholt, anstatt einen V8 Raptor.“ „Den hat Keela mir ja quasi ausgesucht.“ „Kee weiß schon, was Spaß macht.“ Grinste Ken. Als die Tanks des Kenworth wieder voll waren, musste ich mich dann auch verabschieden: „Danke für den Diesel, Ken. Grüß mir alle. Ich muss leider schon wieder los.“ „Kein Ding, Marc. Dad bezahlt. Grüß Kee von mir.“ „Mach ich.“ Ich stieg ein und machte mich wieder auf den Weg.

    Eine Viertelstunde später kam ich in Minneapolis beim Zentrallager an. Als ich die Papiere holte, sah ich zwar bekannte Gesichter, es waren aber weder Stella, die ja auf Nachtschicht war, noch Keelas alter Verehrer, der zu meinem Glück Urlaub hatte. So kam ich schnell und ohne dumme Sprüche wieder los. Ich sattelte den Reefer auf und erledigte die PTI. Eine Stunde nach dem Schichtbeginn konnte ich mich dann endlich auf den Weg machen.
    Am Vormittag war in Minneapolis nicht mehr so viel Verkehr, so kam ich dann entspannt zur I-35 zurück, auf die ich wieder in südlicher Richtung auffuhr.

    Nun legte ich den Tempomat wieder auf entspannte 66 mph. Der hohe Verbrauch war mir eine Lehre. Ich fuhr dann ganz entspannt in Richtung Süden, bis ich Des Moines erreichte. Dort folgte nicht nur der Wechsel auf die I-80 in Richtung Westen, sondern auch eine kurze Pause. Diese erledigte ich auf einem Pilot Truckstop.
    Nach 45 Minuten hatte ich mich gestärkt und machte mich wieder auf den Weg. Heute würde die Fahrt nach Vegas noch die gleiche Route nehmen, wie ich sie auch nach Hause fahren würde. Erst morgen sollte sich das ändern. Den Nachmittag fuhr ich dann durch die weiten Felder von Iowa.

    Gegen Abend überquerte ich dann den Missouri River und erreichte somit Omaha und Nebraska. Der Verkehr auf der I-80 war zwar dichter als sonst, trotzdem konnte man noch recht gut fahren. Ich passierte Omaha und etwas später Lincoln, dann ging es wieder in die Weiten des Mittleren Westens. Dabei fuhr ich in einen sehr schönen Sonnenuntergang hinein. So kam dann doch ein bisschen so was wie Trucker Romantik auf.

    Auf der Hinfahrt hatte ich es ja von Big Springs bis nach Minneapolis geschafft. Dabei war ich aber auch 70 und zum Teil 75 gefahren. Außerdem war ich da auch nur im Süden der Twin Cities. Jetzt, auf der Rückfahrt sollte mir das nicht gelingen. Bei North Platte, NE war meine Fahrzeit am Ende. Also machte ich am dortigen Love’s Travel Center Feierabend.
    Hier war es jetzt zwar schon viertel nach Zehn, zu Hause aber erst viertel nach Acht. So konnte ich noch gemütlich mit Keela telefonieren und ihr dabei die Grüße von Ken ausrichten. Da sie sonst immer den Kontakt mit ihrer Familie in die Wege geleitet hatte, war sie erstmal überrascht, konnte aber verstehen, dass ich lieber in der Firma tanken wollte. Wir telefonierten dann tatsächlich eine Stunde miteinander, dann musste sich Keela für die Arbeit fertigmachen. Nachdem wir aufgelegt hatten, ging ich noch duschen und eine Kleinigkeit essen. Anschließend legte ich mich schlafen.

    Freitag, den 29. Juni 2018, 7:30 am, Central Daylight Time, North Platte, NE:

    Um halb Acht am Morgen stand ich wieder auf. Wie immer, wenn ich auf einem Truckstop stand, ging ich dort zum Duschen und für den ersten Kaffee hinein. Um viertel nach Acht begann ich dann mit der PTI und um halb Neun fuhr ich weiter.
    Die erste Stunde ging es noch über die I-80 weiter in Richtung Westen. Nun hielt ich mich aber weiter auf die I-76 in Richtung Denver.

    Kurz darauf kam ich dann auch über die Grenze nach Colorado. Nun war es wieder eine Stunde früher auf der Uhr, da ich Mountain Daylight Time hatte. Die Route über die I-76 ließ sich sehr gut fahren, auch wenn sie eigentlich stetig Bergauf ging. Ich näherte mich ja immer mehr den Rocky Mountains.
    Am späten Vormittag erreichte ich dann die Mile High City, Denver. Am TA Truckstop in Wheat Ridge, einer Stadt im Großraum Denver machte ich dann gegen 11 Uhr meine Mittagspause. Heute nahm ich mir für die Pause dann auch wieder mal eine Stunde Zeit. Um zwölf Uhr mittags machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Es ging dann in westlicher Richtung weiter über die I-70 Dabei ging es dann noch mal richtig in die Berge. So ging es den Nachmittag durch die Rocky Mountains und dann langsam wieder aus den Bergen raus weiter nach Utah. An diesem Abend machte ich etwas früher Feierabend. Ich nahm den Flying J Truckstop in Richfield, UT. Ich wusste nämlich nicht, ob zwischen dem hier und Beaver noch ein vernünftiger Truckstop kam. Da blieb ich lieber gleich hier stehen, auch wenn ich erst zehn Stunden gefahren war. Um halb Sieben stellte ich dann den Motor ab und die Standklima an. Ich war inzwischen wieder in einem Bereich, wo es auch abends immer noch recht warm war.
    Nun ging ich zuerst zum Duschen und Abendessen in den Truckstop. Als ich um acht Uhr wieder im Truck war, telefonierte ich noch mit Keela. „Hallo Schatz, schön, dass du dich meldest.“ „Hallo Süße. Gibt es denn was Besonderes?“ „Das nicht. Aber wenn ich nachher zur Arbeit gehe, bin ich für länger nicht mehr privat erreichbar.“ „Das heißt, du fährst morgen früh direkt nach Pacifica.“ „Genau. Ich freue mich schon richtig auf die Wellen.“ „Hast du denn schon alles fertig?“ „Klar. Ich habe sogar deine Sachen im Savana, obwohl ich nicht glaube, dass du rüberkommen kannst.“ „Das wird auch leider nichts. Ich habe nur noch knapp über 14 Stunden Arbeitszeit bis zum Reset. Da käme ich ja gerade mit von Vegas nach Hause. Ich muss aber erst noch nach Vegas hin. Da brauche ich auch noch ein paar Stunden.“ „Wo bist du denn?“ „In einem Kaff an der I-70 in Utah.“ „Nee, dann wird das nichts.“ „So ist es. Vielleicht mache ich ja in Vegas meinen Reset.“ „Ich glaube, ich ziehe dich besser noch nach Kalifornien. Bevor du in Vegas bei unseren Schulden noch das Zocken anfängst.“ „Ist vielleicht besser.“ „Mal sehen, was ich noch rein bekomme.“ „Wie lange bleibst du denn in Pacifica?“ „Weiß ich noch nicht. Ich glaube aber nicht, dass ich am Sonntag noch zurückfahre. Wahrscheinlich erst am Montagmorgen.“ Wir sprachen dann noch weiter über andere verschiedene Themen. Schließlich legten wir aber auf, weil Keela vor dem Dienst noch was essen wollte.
    Ich zappte noch eine halbe Stunde durchs Fernsehprogramm, dann legte ich mich wieder schlafen.

    Samstag, den 30. Juni 2018, 3:40 am, Mountain Daylight Time, Richfield, UT:

    Auch an diesem Samstag begann ich den Tag mit dem üblichen Morgenablauf aus Dusche, Kaffee im Truckstop und der anschließenden PTI. Um viertel vor Fünf fuhr ich dann los.
    Es war sogar noch dunkel draußen, obwohl man ahnen konnte, dass die Sonne nicht mehr lange brauchen würde, bis sie über die Berge im Osten hinüberschauen würde. Ich fuhr dann noch das letzte Stück über die I-70 in Richtung Westen, bis ich schließlich in südlicher Richtung auf die I-15 wechselte. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis ich Beaver erreichte. Am dortigen Truckstop wollte ich dann nochmal die Tanks füllen.
    Ich fuhr also auf den Truckstop. Da gab es dann Diesel und DEF für den Kenny und Kaffee für mich. Um halb Sieben ging es dann auch hier wieder weiter.

    Während sich Keela in Sacramento langsam auf ihren Feierabend und die anschließende Fahrt nach Pacifica vorbereiten konnte, machte ich mich weiter auf die letzte Etappe nach Las Vegas. Inzwischen war es auch schon einigermaßen hell. Ich fuhr noch etwa eine Stunde, dann erreichte ich die Grenze zu Arizona. Da in diesem Teil des Staates auch keine Sommerzeit galt, war hier Mountain Standard Time und somit die gleiche Zeit, wie bei uns zu Hause. Eine dreiviertel Stunde und 35 Meilen später erreichte ich die Grenze nach Nevada und war sowieso in der heimischen Zeitzone.
    Jetzt hatte ich es auch nicht mehr weit, bis ich am Horizont Las Vegas sehen konnte. Ich näherte mich also sichtlich meinem Ziel. Da das Supercenter quasi direkt an einer Straße lag, die parallel zur I-15 ging, hatte ich eine angenehme Anfahrt. So erreichte ich gegen viertel nach Neun mein Ziel.

    Dank ORBCOMM 6.0 war ich dann im Centerbüro bereits avisiert und die Abfertigung ging äußerst schnell. Ich bekam dann mein Tor genannt, an das ich den Trailer stellen sollte und man gab mir sofort meine Papiere. Ein Anschluss ab dem Supercenter war dann auch nicht geplant. Ich ging also wieder zurück zum Truck und setzte den Trailer an die Rampe. Danach hatte ich dann aber trotzdem noch kein Wochenende. Keela und Danny hatten mich tatsächlich noch mit einem Anschlussauftrag versorgt:

    PICKUP: EST-NVLVE
    GATE: 02
    TRAILER: DV53844
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 37,500 LB
    DROP: COW-AZCVE
    PRIORITY: VERY URGENT
    REMARKS: -----

    WAT-CASAC-DSN.

    Ich verstand zwar nicht, warum man einem Truck einen sehr dringenden Auftrag gab, bei dem es fraglich war, ob er da heute noch hinkommen würde. Keelas Grund konnte ich schon verstehen. Sie hatte Angst, dass ich auf die Idee kommen könnte, ein Casino zu besuchen. Bei unserer aktuellen Finanzlage machte es keinen Sinn, noch Geld zu verspielen. Ob sie den Auftrag umgeändert hatte, wusste ich natürlich nicht. Danny war es wohl recht egal, wo ich meinen Reset machte. Vielleicht hatte aber wirklich jemand aus Nevada gedacht, dass es Sinn machte, mich für den Auftrag zu nehmen. Aus welchem Grund auch immer.
    Ich machte mich dann auf den Weg zum Außenlager, Las Vegas und meldete mich im Bürocontainer. Meine Papiere waren dort natürlich schon fertig. So war ich dann um viertel Nach Zehn auf dem Weg in Richtung Hoover Dam und somit auch in Richtung Arizona.

    Ich verließ Las Vegas über die US-93 in Richtung Süden und überquerte beim Hoover Dam den Colorado und damit auch die Grenze. Langsam musste ich Pause machen. Also nahm ich mir dann für die kurze Pause einen kleinen Parkplatz am Rand der US Route. Dort machte ich mir aus meinen Vorräten was zu essen und aß das dann auch sofort. Eine dreiviertel Stunde später war ich dann wieder auf dem Weg.

    Kurz vor Kingman musste ich dann nochmal über die Waage. Da dieser Trailer aber noch leichter war, als der vorherige, war das überhaupt kein Problem. Bei Kingman fuhr ich dann in östlicher Richtung auf die I-40. Hier ging es dann langsam, aber sicher auf meinen Feierabend zu. Inzwischen war ich mir sicher, dass ich es heute nicht mehr nach Camp Verde, meinem Ziel schaffen würde. Die Zeit reichte einfach nicht mehr dafür. Auch bis zu meinem Reset würde die Zeit insgesamt recht eng werden. Das sollte aber noch machbar sein.
    Heute fuhr ich dann mit meiner Fahrzeit noch bis nach Ash Fork. Dort, wo ich die I-40 sowieso gegen die AZ-89 tauschen wollte, machte ich dann für diesen Samstag Feierabend. Es war zwar erst vier Uhr am Nachmittag, mein E-Log war trotzdem der Meinung, dass es für heute reichen sollte. In Ash Fork gab es nicht viel. Ich fand aber eine Tankstelle am Ortsrand und einen verstaubten Platz vor einem verfallenen, ehemaligen Truckstop. Dort konnte ich für meinen zehn Stunden Break stehen bleiben.
    Ich machte es mir dort in meinem Sleeper vor dem Fernseher gemütlich, bis sich Keela von Pacifica bei mir meldete. Sie hatte bis eben die Wellen von Rockaway Beach unsicher gemacht und wollte gleich mit ihrem Savana zum Camping Platz rüberfahren. Vorher telefonierten wir dann noch eine knappe halbe Stunde. Dann fuhr Keela zum Camping Platz und ich ging zum Schlafen in mein Bett.

    Sonntag, den 1. Juli 2018, 1:30 am, Mountain Standard Time, Ash Fork, AZ:

    Aufgrund meiner dringenden Ladung war meine Nacht um halb Zwei schon wieder zu Ende. Angeblich musste meine Ladung unbedingt vor Beginn der Frühschicht entladen sein, da die Ware mit der Frühschicht noch ausgeliefert werden sollte. Und das am Sonntag. Ich stand also auf und verschwand erstmal im Dunkeln, um meine Blase zu entleeren. Anschließend folgte mal wieder die Wäsche aus dem Wasserkanister. Um viertel nach Zwei war meine PTI erledigt und ich konnte wieder los.
    Nun ging es in der Nacht über die AZ-89 meinem Ziel entgegen. Mein Glück in dieser Nacht war, dass auf dem zweispurigen Highway kaum jemand unterwegs war, der mich hätte aufhalten können. Sonst hätte es mit meiner Fahrzeit noch sehr eng werden können. Vor Beginn der PTI hatte ich nämlich nur noch zweieinhalb Stunden Zeit, bis ich meinen Reset beginnen musste.
    Für die 86 Meilen, die ich nur noch vor mir hatte, sollte das eigentlich reichen. Selbst, bei den mir freiwillig auferlegten 66 mph als Tempolimit. Allerdings glich die Fahrt durch die Berge der Fahrt mit einer Achterbahn. Kurz vor Prescott wechselte ich dann auf die AZ-89 a, die in einem weiten Bogen um die Stadt herumführte. Östlich der Stadt wechselte ich dann auf die AZ-169, die mich dann in östlicher Richtung nach Camp Verde führen sollte. So erreichte ich gegen viertel vor Vier mein Ziel und konnte den Trailer rechtzeitig bei Costco Wholesale ans Dock stellen.

    Die Meldung, die dann im ORBCOMM erschien, wunderte mich nicht wirklich:

    35 H BREAK.

    WAT-CASAC-DSN.

    Was hätte ich auch in 30 Minuten noch reißen sollen. Die verbleibende Zeit nutzte ich, um eine billige Möglichkeit zu finden, wo ich legal meinen Reset machen konnte. Bis zum Truckstop an der I-17 zurück würde meine Zeit nicht mehr reichen. Ich fand dann nach einer Viertelstunde ein heruntergekommenes Motel, dessen Besitzer den Platz davor auch noch als Wohnwagenpark zur Verfügung stellte. Dort machte ich dann Feierabend.
    Zuerst legte ich mich dann auch wieder in mein Bett, weil ich noch ein wenig Schlaf nachholen wollte.

    Meinen Reset nutzte ich dann zum Relaxen. Viel konnte man hier sowieso nicht machen. Das Interessanteste in der Nähe wäre wohl Montezuma Castle gewesen. Ich war aber von den vergangenen Wochen und Monaten, wo ich viel auf meiner Baustelle war, immer noch etwas erschöpft. So war es dann mal ganz gut, während dem Reset einfach mal zu faulenzen. Am Montagnachmittag sollte es ja auch schon wieder weitergehen.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

    808 mal gelesen

Kommentare 28

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    elwime -

    Hört man da einen zweiten Truck, schöne Geschichte

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    TurboStar -

    Tolles Kapitel wieder.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben. Bei Deinem ersten Teil fiel mir das Lied von Truck Stop Osnabrück hin und zurück ein. (Heiße Fracht bis unter's Dach macht sehr schnell und hält sehr wach.)

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    infinity -

    Schöne Frühstückslektüre. Kein Reset in Vegas? Hmmm... spontan kommen mir da Bud Spencer und Terence Hill in den Kopf :D

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      Sauerlaender -

      In Camp Verde gibt es auch ein schönes Casino. ;) Ich hab mich aber nicht reingetraut. Hinterher hätte ich wirklich verloren. Was wäre dann zu Hause los? :D

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      Iceman684 -

      Na nichts weiter, außer das Keela dich umgebracht hätte und bei Walmart ein Subunternehmer Platz frei geworden wäre. ;)

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      Sauerlaender -

      Ich glaube nicht, dass Keela mich umgebracht hätte. :) Wozu hat sie denn drei Brüder? ;)

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    Iceman684 -

    Schönes Kapitel, hast ja echt nen Säufer, so viel saufen meine Volvos nichtmal bei durchgängig Tempo 80

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      Sauerlaender -

      Klassiker und dann "nur" 455 PS und "nur" 13 Gänge, bei denen der höchste bei 55 mph optimal läuft. Selbst bei 66 mph dreht der schon relativ hoch. :( Daher kommt ja immer öfter der Wunsch nach einem anderen Antriebsstrang und besserer Aerodynamik.

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      Iceman684 -

      Mein Volvo hat ja nur 12 Gänge, ist aber ellenlang übersetzt. In Kalifornien bei 55 Mph schaltet die Automatik grad so in den 12. Dafür läuft er in den Staaten wo ich 70-80 fahren darf immer noch im grünen Bereich.

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      Sauerlaender -

      Das ist der Unterschied. Da liegt meiner dann bei rund 2000 U/min.