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37. Eine Woche voller Termine

  • Sonntag, den 18. Februar 2018, Sacramento, CA:

    Als ich am Morgen wach wurde, merkte ich, dass sich Keela an mich gekuschelt hatte. Ich drehte mich vorsichtig zu ihr rüber und sah, dass sie noch schlief. Dabei betrachtete ich sie. Sie sah süß aus, während sie schlief. Ihr rotblonder Wuschelkopf und ihre Sommersprossen gaben ihr was Freches, was gut zu ihrer teils temperamentvollen Art passte.
    Ich wunderte mich immer noch über mich selbst. In mein bisheriges Beuteschema passte Keela eigentlich gar nicht rein. Meine Ex-Freundinnen waren meistens Latinas gewesen. Ein, zwei brünette Mädels hatte ich auch schon gehabt. Keela war von ihrem Aussehen ja komplett das Gegenteil. Daran merkte ich wieder, dass die Optik zwar wichtig war, die anderen Werte aber dann doch wichtiger waren.
    Ich mochte an Keela, dass sie völlig anders war, als die Frauen, die ich bisher kennengelernt hatte. Sie war viel natürlicher. Außerdem mochte ich ihre Stimme, ihr Lachen und ihre direkte Art. Das es bei uns ab und zu mal ein wenig knallte, lag dann aber auch wieder an ihrer direkten Art und ihrem Temperament. Dafür konnte man sich dann aber auch schnell wieder versöhnen. Ich konnte Keela einfach nicht lange böse sein.
    Nun wachte sie langsam auf. Als sie merkte, dass ich sie ansah, fragte sie schlaftrunken: „Was machst du da?“ „Ich schaue dich nur an.“ „Warum? Um danach zu suchen, was dir an mir nicht gefällt?“ „Nein. Mir gefällt ja was ich sehe.“ „Lügner. Ich bin doch gar nicht dein Typ.“ „Mag sein. Trotzdem habe ich mich in dich verliebt. Dein Aussehen passt halt einfach zu dir. Auch, wenn es vielleicht nicht mein früheres Beuteschema ist. Du wärst nicht du, wenn du anders aussehen würdest.“ „Eigentlich bist du ja auch nicht mein Typ.“ „Warum das denn?“ „Du bist zwar noch einigermaßen sportlich, aber nicht ganz so, wie mein Typ. Außerdem bist du gar nicht blond.“ Ich dachte kurz an Keelas Exfreund zurück, den ich am Tag vor Thanksgiving auf der Party kennengelernt hatte. Er war wirklich etwas muskulöser gewesen, als ich und blond war der auch.
    Als Kind war ich auch noch blond, das hat im Laufe der Jahre aber merklich nachgedunkelt. Wenn ich mehr von meiner Mom abbekommen hätte, die ja niederländische Wurzeln hatte, wäre ich vielleicht sogar blond. Mein Dad war aber früher recht dunkelhaarig gewesen. Inzwischen waren seine Haare aber mehr grau, als braun.
    „Man nimmt halt was man kriegen kann.“ Sagte ich und bekam als Antwort prompt Keelas Kissen ins Gesicht. Das Ganze endete dann in einer kleinen Kissenschlacht.

    Schließlich standen wir aber auf, damit wir nicht noch im Bett lagen, wenn Liam und Angus hier auftauchten. Wir gingen erstmal gemeinsam duschen und zogen uns anschließend an. Anschließend machte ich Frühstück und wir setzen uns gemütlich zum Essen hin. Angus und Liam würden natürlich im Hotel frühstücken.
    Etwa eine Stunde später klingelte es und Liam und Angus standen vor der Tür. Nachdem wir uns begrüßt hatten, erzählte Angus: „Wir sind vorhin mal etwas durch Sacramento gefahren. Ist ja ganz nett hier. Warum aber gerade diese Stadt Hauptstadt von Kalifornien ist, will mir nicht klar werden. Los Angeles oder San Francisco wären doch viel besser geeignet.“ „Vielleicht ist dort ja so schon genug los und man braucht da nicht noch die Regierungsbehörden.“ „warum ist denn Saint Paul Hauptstadt von Minnesota und nicht Minneapolis?“ bohrte Keela, die von der früheren Rivalität der beiden Städte wusste. „Ist ja schon gut.“ Wiegelte Angus ab. „Trotzdem wolltest du ans Meer. Das ist hier ja auch noch ein ganzes Stück weg.“ „Näher an der Küste gab es halt keinen Job bei Walmart. Näher, als bei uns bin ich hier allemal dran. Wenn ihr ans Wasser wollt, müsst ihr ja auch nach Duluth fahren.“ „ja, ja.“ Brummte Angus. „kommt Dave heute auch noch mal? Wir müssten noch ein paar Sachen besprechen.“ „Normal nicht. Ich kann ihn aber anrufen.“ „Mach das mal. Wäre schon ganz wichtig.“ Ich rief bei Jessy und Dave an und sie versprachen, am Nachmittag noch mal ein Stündchen vorbei zu kommen. „Einen ersten Entwurf habe ich schon fertig.“ Sagte Liam dann. Wir waren natürlich neugierig. Er zeigte uns einen frei Hand gezeichneten Entwurf einer Halle mit dem angebauten Verwaltungstrakt. „Fundament aus Stahlbeton. Grundgerüst aus Stahlträgern und die Elemente dazwischen gemauert oder aus Natursteinen.“ „Ist das auch Erdbebensicher?“ fragte Keela skeptisch. „Anders darf ich in dieser Region doch gar nicht bauen.“ Sagte Liam. „Sonst bekomme ich gar keine Baugenehmigung.“ „was sonst noch?“ wollte ich wissen. „Ein und Ausfahrten durch Sektionaltore, von mir aus gerne auch mit Kontaktschleifen. Moderne Iso Verglasung und Oberlichter für das Tageslicht in der Halle. Auf Wunsch beheiz- und klimatisierbar.“ „Gut und der Wohntrakt?“ Entweder in gleicher Bauweise oder klassisch gemauert. Innenwände aus Ytong Steinen, Böden aus Stahlbeton.“ „Wie sieht die Aufteilung aus?“ „Im Erdgeschoss Büroräume, Sozialräume für das Personal, falls du doch mal Angestellte hast und Versorgungs- und Abstellräume. Wir werden nicht unterkellern, sondern diese Räume für Heizung und Klimatisierung, sowie die klassischen Kellerräume für Archiv und so weiter im Erdgeschoss unterbringen. Darüber können wir eine oder zwei Etagen als Wohnraum für euch bauen. Die genaue Aufteilung der Räume steht noch nicht fest. Da wollte ich mit Kee drüber sprechen.“ „Machen wir.“ Sagte Keela knapp. „Genauere Pläne mache ich in Saint Paul. Da habe ich die entsprechenden Programme auf dem PC.“ „Okay.“ „Ich habe heute früh schon mit Pat telefoniert.“ Fuhr Angus fort. „Ich werde zwar die kommende Woche hierbleiben und mit dir (er zeigte auf mich) den ganzen Papierkram erledigen. Den Rest mit der Versicherung und dem Gutachter, dann die Bauanträge für den Neubau und von mir aus auch den Krempel mit der Bank. Wenn du das Geld von uns nur mit Vertrag nimmst, gehen wir von mir aus auch noch zum Notar. Mit Kee werde ich dann schon mal die anderen Sachen erledigen, die man besser mit einer Frau macht. Zum Beispiel die Fliesen für die Bäder aussuchen, Fenster und Türen auswählen, sowie die Aufteilung und Ausstattung des Wohntrakts besprechen.“ Keela nickte. „Ende kommender Woche fliege ich dann nach Saint Paul zurück und den Montag darauf kommt Pat dann mit einem kleinen Trupp hierhin. Wir werden diese Woche schon mal einen Van und Hotelzimmer in einem Arbeiterhotel für unsere Leute anmieten. Dann kümmert sich Pat darum, dass der ganze Mist vom Bauplatz runterkommt. Wenn das erledigt ist, kommt der Rest von Pats Trupp nach und die Halle nebst Bürotrakt wird hochgezogen.“ Wir nickten alle zustimmend.

    Etwas später erschienen dann auch Jessy und Dave. Jessy hatte für den Nachmittag sogar Kuchen mitgebracht. Wir tranken dann erst in Ruhe zusammen Kaffee. Anschließend zogen sich Keela und Jessy etwas zurück. Jessy hatte noch ein paar Fachfragen zur bevorstehenden Abschlussprüfung. Wir Männer saßen dann zusammen und besprachen die nächsten Punkte. Angus führt auf, welche Maschinen er seiner Meinung nach auf der Baustelle brauchte. Das Meiste war kein Problem. Entweder hatte man die Maschinen bei CAT selbst, oder hatte einen Partner, bei denen Dave Kontakte hatte. Das teuerste, was Dave nicht selber beschaffen konnte, war der Kran für die Baustelle. Aber auch da hatte Dave genug Beziehungen. „Trotz des Zeitpunkts in Februar und März, wo nicht so viel los ist, habe ich ein anderes Problem.“ Sagte Dave. „Meine LKW und meine Subunternehmer in der Logistik sind alle mehr als nur ausgelastet. Ich kann euch alles zur Verfügung stellen, nur die Liefertermine kann ich euch beim besten Willen nicht zusagen.“ „Wo hast du die Maschinen denn stehen?“ „Alle irgendwo in Nordkalifornien. Irgendwo zwischen Eureka und Stockton oder zwischen Santa Cruz und Truckee. Maximal kurz vor Oregon.“ „Trailer hast du?“ fragte Angus. „Trailer schon. Nur nicht genug ziehende Einheiten. Wir haben hier in Kalifornien eben auch Fahrermangel.“ „Da sitzt doch ein Trucker mit Zugmaschine.“ Sagte Angus und zeigte auf mich. „Das muss ich aber erst abklären, ob ich das darf.“ Sagte ich schnell. „Wieso solltest du das nicht dürfen?“ „Wegen meinem Vertrag. Ich darf ja ausschließlich für Walmart fahren.“ „Du bist doch selbstständig. Du wirst doch wohl für dich selbst fahren dürfen.“ „Das werde ich lieber erst mit meinem Dad abklären.“ „Von mir aus. Es wäre aber Schwachsinn, wenn das nicht erlaubt wäre. Du fährst ja nicht für einen anderen Auftraggeber, sondern für dich selbst.“ „Ich sichere mich da trotzdem lieber ab.“ „Habt ihr auch Kipper? Der Schutt muss ja von der Baustelle zur Deponie.“ „Haben wir nicht selber, komme ich aber mit Sicherheit dran.“ Sagte Dave. „dann stell die Maschinen als Selbstabholer bereit.“ „Kein Problem.“ „Okay.“ Sagte Angus. „Dave kommt an alles ran, was wir an Großgeräten brauchen. Kleingeräte und Werkzeuge lasse ich in einen Container packen und nach Sacramento bringen. Pat und sein Trupp machen den Abbruch, soweit ihn nicht schon das Beben gemacht hat, und den Neubau. Und Marc macht die Logistik, sofern die bei Walmart nichts dagegen haben.“ „Mit wem rechne ich ab?“ fragte Dave. „Mit Ryan Constructions, Saint Paul. Ich schreibe dir unsere Kundennummer auf.“ „Gut. Was brauchst du für den Abbruch?“ „Den Raupenbagger, den Radlader und die Planierraupe, die ich dir aufgeschrieben habe. Das müsste reichen. So groß war die Halle ja nicht. Dann eben einen Kippsattel oder einen Trailer mit Abraummulden.“ „Ich habe doch gar keine Hydraulikpumpe.“ Warf ich ein. „Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten.“ Sagte Dave. „Entweder du lässt dir bei Rick für ein paar Dollar eine gebrauchte Hydraulikpumpe einbauen, oder du holst dir bei Kenworth einen Vorführer mit Hydraulikpumpe.“ „Ich glaube, ich frage mal Rick.“ „Mach das. Die Kipper bekomme ich von einem Kunden. So lange ich die Dinger nicht an die Konkurrenz gebe, hat der da kein Problem mit.“ „Dann haben wir alles.“ Brummte Angus. „Danke, Dave.“ „Alles für die Family.“ „So sehe ich das auch.“ „Marc, was habt ihr für eine OnBoard Communication?“ „ORBCOMM. Warum?“ „Mist, wir haben Isotrak. Die sind nicht kompatibel. Dann müssen wir halt klassisch telefonieren, wenn die Maschinen bereitstehen.“ „Das werden wir wohl hinbekommen.“ „Ich denke auch.“

    Keela und Jessy kamen auch gerade wieder zur Runde. „Na, Schwesterchen? Durchgefallen?“ „Quatsch.“ Sagte Keela. „Jessy kann das. Sie muss sich nur konzentrieren. Wenn du Pech hast, dann toppt sie deinen Abschluss.“ „Wieso habe ich dann Pech? Wenn Jessy so gut ist, gönne ich ihr das. Vielleicht toppt sie ja sogar Keela.“ „Das wird aber schwer.“ Grinste Jessy.
    Dave und Jessy verabschiedeten sich dann. Sie wollten sich noch mit Freunden treffen. Wir saßen dann noch eine Zeit zusammen, dann wurde es Zeit, dass Liam zum Flughafen musste. Auf dem Weg wollten wir auch noch den Ford Eco Sport wieder abgeben. In der kommenden Woche würden Angus und ich mit dem Savana fahren, während Keela das Motorrad nahm. Nachmittags, wenn Keela mit ihrem Vater unterwegs war, müsste ich halt mal auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Eventuell könnte ich auch die eine oder andere Fahrt mit dem Bobtail machen, wenn ich irgendwo hinmusste, wo man schlecht mit Bus und Bahn hinkam.
    Liam verabschiedete sich von Angus und Keela, die er lange in den Arm nahm. Die beiden hatten ja eine besonders enge Verbindung. Dann machten wir uns auf den Weg. Nachdem wir den Leihwagen losgeworden waren, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Dort verabschiedeten wir uns. Liam versprach dann noch, dass er uns die Pläne zuschickte, sobald er was fertig hatte. Dann machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause, wo Keela und Angus auf mich warteten.

    Der Abend verlief dann recht entspannt. Dass sich Keela dabei viel mit ihrem Vater beschäftigte, störte mich nicht weiter. Zwischen Vätern und ihren Töchtern gab es ja meistens eine besondere Beziehung. Auch wenn mir das zwischen Dad und Jessy nie aufgefallen war. Aber für jede Regel gab es ja auch Ausnahmen. Irgendwann brachte Keela Angus dann zum Hotel.
    Als sie zurückkam, atmete sie hörbar durch. „So sehr ich meinen Dad liebe, er kann doch sehr anstrengend sein.“ Seufzte sie. „Das haben Eltern, glaube ich, so an sich.“ Sie kam zu mir auf die Couch und kuschelte sich an mich. „Halt mich einfach fest.“ Sagte sie.

    Montag, den 19. Februar 2018:

    Am Montagmorgen war Keela früh aufgestanden. Immerhin hatte sie ja Frühschicht. Als sie dann aus dem Haus war, stand ich auch langsam auf und machte mich fertig. Dabei fühlte ich mich erstmal komisch. Es war ein merkwürdiges Gefühl, dass keine Ladung auf mich wartete. Seit ich mich selbstständig gemacht hatte, war ich durchweg am Arbeiten. Mal abgesehen von den Zeiten, wo ich einen Reset machte. Jetzt hier zu sitzen und zu wissen, dass ich diese Woche nicht auf große Tour ging, war erstmal merkwürdig. Es gab aber auch so genug zu tun.
    Nachdem ich mich fertig gemacht hatte und auch mein Frühstück eingenommen hatte, rief ich erstmal bei Rick an. „Hi, Marc. Was kann ich für dich tun?“ fragte dieser, als er abgenommen hatte. „Hallo Rick, hast du zufällig eine günstige, gebrauchte Hydraulikpumpe für den Kipper Betrieb für mich?“ „Was willst du denn mit einer Kipper Pumpe? Wollt ihr die Lebensmittel bei Walmart jetzt abkippen?“ lachte Rick. „So ein Quatsch. Hast du meine Halle noch nicht gesehen?“ „Welche Halle? Die letzten Tage war da nur noch ein Schuttberg.“ „Eben. Diesen Schuttberg muss ich wegfahren und dann abkippen.“ „Warum nimmst du denn keinen Leihwagen dafür?“ „Ich hatte gehofft, dass die gebrauchte Pumpe günstiger wäre.“ „Mag sein. Ich habe da, glaube ich noch eine im Lager, die passen könnte. Die kann ich dir günstig anbauen. Denk aber daran, dass das Ding mit dem Hydrauliktank auch alles wieder Mehrgewicht ist.“ „Wir werden sehen. Im Zweifel wird das Ding hinterher wieder abgebaut.“ „Okay. Finde ich nicht gut, aber wenn du das möchtest, ist ja deine Maschine. Wann kannst du den Truck vorbeibringen?“ „Wie wär‘s mit gleich?“ „Und dann bis gestern anbauen. Oder was?“ „Bis gestern muss nicht sein. Bis morgen reicht mir das.“ „Du fängst ja schon an, wie den Alter.“ Was lässt der denn bei euch machen? Ich denke die Freightliner haben alle Wartungsverträge.“ „Die Maschinen schon. Die Trailer aber nicht. Da kommt dann, da ist gerade ein Luftbalg geplatzt, der Trailer muss aber heute Nachmittag wieder rollen.“ „Na, super.“ „Noch schlimmer, wenn ein alter Thermo King den Geist aufgegeben hat.“ „Ich denke mal, dass du die Woche dafür Zeit hast. Genau weiß ich es aber noch nicht.“ „Dann bring den Kenny gleich mal vorbei. Ich sehe zu, was ich machen kann.“ Wir legten auf. Kurz darauf machte ich mich auf den Weg, um Angus abzuholen.

    Als ich mit Angus unterwegs war, machten wir uns zuerst auf den Weg zur Versicherung. Dort erfuhren wir, dass der Gutachter morgen kommen wollte, um sich die Ruine anzuschauen. Anschließend fuhren wir zu Walmart. Dort holte ich mir erst einen Termin für den Mittag bei meinem Dad. Anschließend zeigte ich Angus kurz den Arbeitsplatz seiner Tochter. Als wir dort wieder raus waren, holten wir den Kenworth ab und brachten ihn zu Rick. Der hatte die gebrauchte Pumpe inzwischen aus dem Lager geholt. Nachdem wir festgestellt hatten, dass sie passen würde, ließen wir den Truck da und beauftragten Rick mit dem Einbau. Als Nächstes ging es zum Bauamt, wo wir die nötigen Formulare für einen Bauantrag abholten. Außerdem machten wir uns schlau, was wir alles mit einreichen mussten.

    Nun wurde es Zeit, sich mit meinem Dad zu treffen. Er empfing uns wieder in seinem Büro. Offensichtlich versuchte er Angus damit zu beeindrucken. Das schlug aber fehl. „Fühlst du dich wohl in deinem Glaskasten?“ war seine Frage. „Ich habe auch so ein Büro in Saint Paul. Das nutze ich aber nur, wenn es unbedingt sein muss. Die meiste Zeit bin ich in meinem Container auf der Baustelle. Irgendwie brauche ich den Lärm und den Staub. Sonst ist mir das zu steril.“ Außerdem musterte er das Büro mit dem Blick des Fachmanns. „Da vorne ist ein Höhenunterschied in den Platten, da kann man drüber fallen. Die Wand da hinten ist aber ganz schön schief.“ Dad lächelte nur kühl. „Ihr seid aber sicher nicht hier, um mir Baumängel in meinem Büro anzuzeigen.“ „Das nicht.“ Stimmte ich zu. „Darf ich als A Unternehmer für mich selber fahren?“ „Bitte ein bisschen konkreter. Was heißt für dich selber? Eigene Aufträge?“ „Nicht wirklich. Darf ich mit meiner Maschine Baumaschinen bei Dave abholen oder Schutt mit einem Kipper zur Deponie fahren? Von meiner Baustelle natürlich.“ „Sonst noch was?“ „Abholungen von Baumaterialien beim Händler und Transport zur Baustelle.“ Fügte Angus bei. „Gute Frage. Den Fall hatte ich bisher noch nicht. Ich würde spontan ja sagen, werde mich aber noch mal in Bentonville rückversichern. Über welchen Zeitraum reden wir denn da?“ „Bis die Halle fertig ist.“ Sagte Angus. „In der ganzen Zeit möchtest du nicht mehr für uns fahren?“ fragte Dad nervös. „Ich weiß nicht.“ Sagte ich leise. „Das ist Quatsch.“ sagte Angus. „Am Anfang haben wir jetzt viel zu fahren. Die Maschinen müssen abgeholt werden und der Schutt muss von der Baustelle. Wenn das erledigt ist, wird die Sache etwas entspannter. Dann reden wir von ein, zwei Stadtfahrten am Tag, bei denen noch Material angeliefert wird. Vielleicht auch nur jeden zweiten Tag was. Das hängt vom Fortschritt auf der Baustelle und vom Wetter ab. Der Beton kommt von den Betonwerken selbst, Die Stahlträger werden mit Sicherheit auch angeliefert. Falls nicht, muss der Trailer auch nur auf die Baustelle und bleibt dann da stehen.“ „Also können wir dich immer noch in der Region einsetzen.“ „Das sollte gehen.“ „Okay. Ich rede mal mit Bentonville und sage euch dann Bescheid.“ Wir verließen das Büro.

    Angus und ich gingen dann zur Baustelle rüber und schauten uns noch mal alles an. Viel konnten wir aber noch nicht machen, da der Gutachter erstmal schauen musste. Ich merkte aber, dass Angus die Pläne von Liam vor seinem geistigen Auge hatte und sich schon mal alles vorstellte. Irgendwann kam Keela dann rüber, die ja jetzt Feierabend hatte. Nun würde sie den Nachmittag mit ihrem Vater verbringen. Ich fuhr dann mit dem Bus in die Stadt und ging in eine Fahrschule. Den Fahrlehrer kannte ich noch von früher. Ich hatte bei ihm auch meine sonstigen Fahrerlaubnissen erworben. Als ich ihm sagte, dass ich den Motorradschein machen wollte, lachte er erstmal. „Was willst du denn mit einem Motorrad? Auto, Truck, alles kein Thema. Aber Motorrad? Das passt doch gar nicht zu dir.“ „Warten wir das erstmal ab.“ „Okay. Der Kunde ist König.“ Wir füllten die Anträge aus und ich bekam meine ersten Termine für Fahrstunden. Anschließend machte ich mich auf den Weg nach Hause.
    Irgendwann kamen auch Keela und Angus. Wir aßen dann noch zusammen zu Abend, dann machte sich Angus auf den Weg ins Hotel. Am weiteren Abend genoss es Keela, dass sie mich unter der Woche mal zu Hause hatte.

    Dienstag, den 20. Februar:

    Der Dienstagmorgen lief erstmal ab, wie der Montagmorgen. Als ich Angus dann abgeholt hatte, machten wir uns auf den Weg zu meinem Platz, wo wir uns mit dem Gutachter treffen wollten. Kurz vor dem Termin kam Dad dann auch noch über die Straße.
    Schließlich kam auch der Gutachter an. Er kam mit einem älteren Chevy Impala auf den Hof, der sich mit meinem alten Taurus locker um den Preis des spießigsten Autos hier hätte kloppen können. Der Typ, der ausstieg, passte total zu dem Auto. Halbglatze, Nickelbrille und ein Anzug, wie ihn Fernsehdetectives trugen. Den beigen Trenchcoat hatte er dann aber nicht an, er lag aber tatsächlich auf dem Rücksitz des Impala.
    Er holte noch einen Aktenkoffer aus dem Auto und aus diesem einen Laptop. Er gab uns dreien die Hand, was er nach dem Händedruck von Angus sicherlich bereute. „Guten Tag. Steven Carter. Ich bin der Gutachter Ihrer Versicherung.“ Stellte er sich vor. Als Besitzer der Ruine übernahm ich es, uns vorzustellen. Dabei hatte ich den Eindruck, dass es besser wäre, meine Begleiter mit ihren Berufen vorzustellen. Der Beruf meines Dads als Gebietsleiter der Walmart Transportation machte nicht allzu viel Eindruck. Der Bauunternehmer bei Angus aber schon. Ich merkte, wie Carter kurz zusammenzuckte.
    Er tippte dann auch gleich fleißig irgendwelche Infos in das Laptop. Schließlich holte er eine gute Spiegelreflex-Digitalkamera aus dem Koffer und begann Fotos zu machen. Dabei redete er nicht allzu viel. Er murmelte allenfalls mal vor sich hin. Schließlich hatte er wohl erstmal genug Fotos gemacht und begann wieder Infos im Laptop einzugeben. Dabei merkte ich, dass Dad langsam etwas nervös wurde. Ihm war es immer lieber, wenn er mit den Leuten reden konnte. Immerhin hatte er mehrere Kurse in Rhetorik absolviert. Angus versuchte Carter über die Schulter zu schauen, um zu sehen, was dieser eintippte.
    Auf einmal richtete Carter sich auf und wandte sich wieder an mich: „Mr. … …Murdock, haben Sie eventuell Fotos von der Halle, wie sie vor dem 14. 02. Ausgesehen hat?“ „Leider nein.“ „Sind beim Kauf der Halle und des Grundstücks im vergangenen Sommer Fotos gemacht worden?“ „Weiß ich nicht mehr.“ „Ich meine nicht.“ Sagte Dad. „Sie haben also keinen Nachweis, in welchem Zustand sich die Halle vor dem 14.02. befand?“ „Offensichtlich nicht.“ „Bei Ihrem PKW wird das auch nicht viel anders sein.“ Mutmaßte Carter. „Richtig.“ „Das ist doch völlig egal.“ Polterte jetzt Angus los. „Sie sehen, in welchem Zustand die Halle jetzt ist. Das ist entscheidend. Sie haben das Gebäude versichert, jetzt ist es nur noch eine Ruine. Das ist Fakt. Also müssen Sie auch zahlen.“ „Wir müssen Zahlen? Wir müssen gar nichts. Der Versicherungsfall ist eingetreten, also sind wir vertraglich verpflichtet, den Wert des Gebäudes und des Fahrzeugs zu erstatten. Das werden wir auch tun. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die Versicherungssumme nicht zu hoch ist. Ich fürchte, Sie sind überversichert. Daher können wir nicht die komplette Versicherungssumme zahlen, sondern nur einen Teil der Summe.“ „Aber die Beiträge, die habt ihr vorher kassiert.“ Polterte Angus. „Das liegt ja nicht an uns, wenn die Angaben von Ihnen nicht stimmen.“ „Wie wollen Sie denn nachträglich noch den Wert der Halle ermitteln?“ fragte Dad. „Das geht.“ Sagte Carter. „Wenn Sie uns keine Bilder der Halle zur Verfügung stellen, müssen wir andere Quellen zu Hilfe nehmen. Zum Beispiel Google Street View. Darauf ist die Halle sicherlich erkennbar. Dann müssen wir eine Schätzung vornehmen. Außerdem fürchte ich, dass die Halle eventuell baufällig war. Das würde die Versicherungssumme noch weiter reduzieren. Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, den versicherten Gegenstand in dem Zustand zu halten, der dem versicherten Wert entspricht. Wenn die Halle baufällig war, werden wir entsprechend einen Teil der Summe einbehalten. Gleiches gilt für den Wagen. Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass der Wagen absichtlich in der Halle geparkt war, damit er beschädigt werden konnte, wird ebenfalls Geld einbehalten.“ „Wollen Sie uns jetzt unterstellen, wir hätten gewusst, dass letzte Woche ein 5,2 Beben kam?“ fragte Dad verärgert. „Natürlich nicht. Das konnte ja keiner wissen. Sie haben die Möglichkeit aber billigend in Kauf genommen. Wir sind hier in Kalifornien. Das ist nun mal Erdbebengebiet. Das heißt, dass damit zu rechnen war, dass über kurz oder lang ein Beben von der Stärke kommen musste.“ „Das ist doch lächerlich.“ Sagte Dad. „Wenn mein Sohn zu Hause war, hat er ja auch seine Zugmaschine in der Halle geparkt. Die Maschine ist gerade mal ein halbes Jahr alt. Hat er die Maschine dann auch mit dem Vorsatz da hineingestellt?“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Angus lief im Gesicht schon rot an. Ich konnte nur hoffen, dass er sich beherrschen konnte. „So einen Blödsinn habe ich lange nicht mehr gehört.“ Polterte er. „Ihrem Akzent nach zu urteilen, kommen Sie nicht aus Kalifornien.“ Stellte Carter fest. „Nein, aus Minnesota.“ Sagte Angus. „Dort mag das anders sein.“ Sagte Carter. „Ein Gebäude ist dort nicht sofort gefährdet, wenn es etwas marode ist. Hier sind die Leute das gewohnt. Da denkt man dabei etwas anders. Ich vergleiche das mal mit einer Halle, die baufällig war und plötzlich abgebrannt ist. Zufällig stand dann auch noch das alte Auto in der Halle.“ „Jetzt reicht’s aber.“ Sagte Angus mit hochrotem Kopf. „Bei der einen Sache reden Sie von Brandstiftung. Das ist hier aber ein völlig anderer Fall, oder meinen Sie, wir haben das Beben verursacht?“ „Dazu habe ich mich schon geäußert.“ Dad versuchte krampfhaft ruhig zu bleiben. „Was denken Sie denn, welche Auszahlungssumme wir erwarten können?“ „Schwer zu sagen.“ Wich Carter aus. „20.000 oder 30.000 $. Mehr auf keinen Fall.“ „Und für den Wagen?“ „Der war mit einkalkuliert.“ „Das ist ein Witz. Alleine das Grundstück ist schon das Zehnfache wert.“ „Das Grundstück bleibt Ihnen ja auch. Es geht nur um das Gebäude und da gehe ich wirklich eher von 20.000 Dollar aus. Dabei habe ich schon großzügig gerechnet, weil Sie die Beiträge immer pünktlich gezahlt haben.“ „Ich werde mich über Sie beschweren.“ Sagte Dad. „Das steht Ihnen frei. Am Sachverhalt wird das aber nichts ändern.“ Carter vermied den Händedruck zum Abschied und stieg in seinen Impala. Dann fuhr er vom Hof. „Was war das denn für ein Arschloch?“ fragte Angus. „Ein Gutachter, wie er im Buche steht.“ Sagte Dad. Ich selbst wusste im Moment nicht, ob ich irgendwas kurz und klein hauen sollte oder ob ich heulen sollte. Bei mir brach gerade eine Welt zusammen. „Kommt mit rüber.“ Sagte Dad. „Lasst uns in meinem Büro weiterreden.“
    Wir gingen zum Zentrallager rüber und machten uns dort auf den Weg in Dads Büro. Im Foyer achtete ich darauf, dass Sheila Miller mein Gesicht nicht sah. Sonst wusste in einer halben Stunde die ganze Firma, dass was schief gegangen war.
    In Dads Büro holte er zuerst eine Flasche Jack Daniels aus einem Barschrank, den er dort hatte. Das Glas, was er sich einschenkte, war recht voll. „Auch einen?“ fragte er uns. Ich lehnte ab, da ich nicht viel vertrug. Angus nahm einen und bekam ebenfalls ein großes Glas. „Was jetzt?“ fragte ich leise. „Normal können wir nichts machen.“ Sagte Dad leise und leerte sein Glas in einem Zug. Dann schenkte er sich noch einen ein. „Er hat ja irgendwo recht. Die Halle war marode und wenn er auf Google Street View schaut, sieht er das auch. Im Prinzip hast du wirklich zu viel Versicherung bezahlt. Wenn er dann hinterher noch sieht, dass du gleich größer baust, wie das ja geplant ist, dann sieht er sich bestätigt.“ „was wird die neue Halle denn wohl kosten?“ fragte ich Angus. „Schwer zu sagen. Die Entwürfe sind ja noch nicht fertig. Von einer sechsstelligen Summe gehe ich trotzdem aus.“ „Nur die Halle, ohne Grundstück?“ „Sicher.“ „Also noch mal mindestens 100.000 Dollar aufnehmen. Ein Auto oder Motorrad habe ich dann auch noch nicht.“ „Das Motorrad nimmst du dann wirklich von Lee. Die Maschine ist top und Lee will bestimmt nicht viel dafür haben.“ Sagte Angus. „Mit dem Auto haben wir doch schon drüber gesprochen.“ Sagte Dad. „Den finanzierst du über Walmart. Ich kann ja mal schauen, was der Ford Händler in Bentonville im Moment an Vorführwagen abgibt. Oder du nimmst einen Leasingrückläufer.“ „Das klingt alles nach typischem Firmenwagen. Dann habe ich wieder eine Spießerkarre.“ „Wir werden sehen, was wir finden.“ „Mit dem Geld für die Halle fällt uns auch was ein.“ Sagte Angus. „Entweder ein Darlehen von uns an dich oder eine Unterstützung von der Ryan Foundation oder du nimmst Kee als Gesellschafterin mit in die Firma. Dann bekommt sie den Betrag von uns. Oder eine Mischung von allen drei Sachen.“ „Wir können auch noch mit einsteigen.“ Sagte Dad. „Ich wollte es doch alleine schaffen.“ Sagte ich. Dabei war ich den Tränen nahe.
    Dad meinte, mir einen Gefallen tun zu müssen. Er rief seine Sekretärin. „Können Sie mir bitte Miss Ryan hoch rufen?“ „In Ordnung, Mr. Murdock.“ Knapp zehn Minuten später kam Keela ins Büro. Als sie mich sah, wusste sie gleich, dass was nicht stimmte. „Hallo zusammen. Was ist los?“ „Der Gutachter war ein Arschloch.“ Sagte Angus. Keela ahnte, was los war und nahm mich in den Arm. „Was jetzt?“ fragte sie dann und blickte ihren Vater hilfesuchend an. Angus nannte ihr noch mal die drei Optionen, die er vorgeschlagen hatte. „Hättest du davon was angenommen?“ fragte Keela ihren Vater. „Gute Frage. Ein günstiges Darlehen wahrscheinlich. Die Foundation oder die Beteiligung hätte ich wahrscheinlich auch abgelehnt. Da wäre mir mein Stolz im Weg.“ „Das wird bei Marc auch nicht anders sein.“ Sagte Keela. „Und wenn ihr das noch anders macht?“ fragte Dad. „Wie denn?“ „Wenn wir die Foundation schon mal rauslassen, haben wir noch zwei Optionen. Das Darlehen und eine Beteiligung von Keela. Marc möchte aber unabhängig bleiben. Das kann ich verstehen. Wenn Keela aber nicht an der Firma, sondern nur am Gebäude beteiligt ist, wäre das doch anders. Oder?“ „Wie denn das?“ wunderte sich Angus. „Ganz einfach. Marc legt die 20.000 oder was auch immer von der Versicherung kommt als Einlage darein. Den restlichen Anteil finanzieren wir oder Ihr ihm. Keela bekommt dann ihren Anteil von dir und steckt ihn ebenfalls in das Gebäude. Dann gehört ihr halt ein Teil von dem Haus.“ „Das ist aber doch ein Firmengebäude.“ Sagte Keela. „Das gehört doch dann Marcs Corporation.“ „Da machen wir entweder einen Mietvertrag über einen Symbolischen Betrag oder wir setzen das im Grundbuch so ein, dass dir die Wohnung gehört und der gewerbliche Teil gehört Marc.“ „Dann habe ich auch keinen Teil von der Firma.“ Resultierte Keela. „Hast du nicht gesagt, du weißt nicht, wie lange das mit uns hält?“ fragte ich mit schwacher Stimme. „Was ist denn, wenn das wirklich nicht mit uns klappt? Dann gehört dir eine Wohnung in meinem Firmengebäude. Und ich habe noch ein Darlehen bei deinen Eltern.“ „Dann kannst du immer noch wo anders einen Kredit aufnehmen und uns auszahlen.“ „Auch wieder wahr.“ „Und wenn ihr doch heiratet, kann Kee sich immer noch an der Firma beteiligen.“ Grinste Angus. „Dann müssen wir das wohl so machen.“ „Und den zweiten Truck finanzieren Mom und ich dir dann.“ Grinste Dad. „Falls der jemals kommt.“ „Gut.“ Fasste Angus zusammen. „Zuerst warten wir ab, was der Armleuchter von der Versicherung zahlt. Dann machen wir einen Termin beim Notar und setzen das alles auf. Das Darlehen und den Gebäudevertrag. Dann kann es losgehen.“ „Müssen wir jetzt wirklich warten, bis sich die Versicherung meldet?“ „Leider ja. Wir können die Verträge ja erst aufsetzen, wenn wir die Beträge haben. Außerdem muss Lee ja auch noch seine Kalkulation vorlegen.“ „Kann denn nicht wenigstens schon mal der Schutt weg?“ fragte Dad. „Die Freigabe von der Versicherung sollten wir wohl etwas früher bekommen. Außerdem müssen die Bauanträge ja auch erstmal durch sein.“ Keela verabschiedete sich erstmal wieder. Sie musste wieder in die Dispatch zurück. Dad hatte auch noch einen Folgetermin. Daher gingen Angus und ich erstmal wieder.

    Da wir im Moment sowieso nichts machen konnten, fuhren wir nach Hause. Da ich immer noch nicht wieder gut drauf war, fuhr Angus. Ich lotste ihn nur durch die Stadt. Zu Hause angekommen, nahm ich erstmal eine Kopfschmerztablette und legte mich auf die Couch. Angus hingegen schnappte sich sein Handy und telefonierte eine ganze Weile mit Saint Paul. Er sprach erst mit Eireen, dann mit seiner Bank und anschließend mit seinem Anwalt. Ich wartete in der Zeit, dass Keela nach Hause kam. Ich ging dann schon mal in die Küche und bereitete was zu essen vor.
    Als Keela dann endlich da war, aßen wir dann zusammen ein verspätetes Mittagessen. Anschließend machten sich Angus und Keela wieder auf den Weg, weil sich Keela noch die Ausstattung für das Badezimmer aussuchen sollte. Ich hingegen blieb, mangels fahrbaren Untersatzes zu Hause. Dabei überlegte ich die Optionen, die ich hatte. Ich hatte eigentlich mit mehr Geld gerechnet. Mir fehlte aber auch die Erfahrung, was die Bewertung der Gebäude betraf. Dass ich jetzt aber mindestens noch mal 80.000 $ drauflegen musste, um ein neues Firmengebäude zu bekommen, hatte ich nicht bedacht. Das war wieder ein teures Darlehen, was abbezahlt werden musste. Im Gegensatz zu einem Darlehen für einen Truck kam bei dem Gebäude aber nicht mehr Geld in die Kasse. Wir sparten uns allenfalls die Miete. Ich überlegte, ob ich nicht doch einfach zu stolz war, um die angebotene Hilfe anzunehmen. Andererseits fürchtete ich um meine Freiheit und Unabhängigkeit.
    Als A Unternehmer bei Walmart war diese sowieso schon sehr eingeschränkt. Ich arbeitete ja quasi wie ein angestellter Fahrer. Ich bekam zwar mehr Geld pro Tour, musste aber dafür noch die ganzen Abgaben zahlen, die man als Unternehmer hatte, zahlte meinen Diesel selbst und musste einen Truck abbezahlen. Von Steuern und Versicherung wollte ich gar nicht erst reden. Der Unterschied war, dass ich mir selbst aussuchen konnte, mit was für einer Maschine ich rumfuhr. Selbst das wurde mir ja zukünftig eingeschränkt. Dann konnte ich nur noch Marke, Motor und Getriebe entscheiden. Wenn ich mir jetzt noch zur Finanzierung einen Teilhaber in die Firma holte, schränkte ich mich ja noch mehr ein. Für die Annahme einer Spende durch die Ryan Foundation war ich einfach zu stolz. Bei einer Beteiligung durch die Ryans, egal ob durch ein günstiges Darlehen von Angus oder eine Beteiligung an Haus oder Firma durch Keela hatte ich Angst, dass ich mich dadurch zu sehr von Keela abhängig machte. Alleine das konnte schon nicht gut für die Beziehung sein. Ich fühlte mich dann noch mehr eingeschränkt. Außerdem hatte Keela dann immer was, wo sie mich mit unter Druck setzen konnte. Bei einer Unterstützung durch meine Eltern galt das gleiche dafür. Ich musste mir also erstmal darüber klarwerden, wie ich das machen wollte.
    Um mir einen Rat zu holen, rief ich bei meiner Mom an. Zuerst erzählte ich ihr ausführlich mein Problem. Dann bat ich sie um Rat. „Das ist nicht so einfach.“ Gab sie zu. „Trotzdem bin ich der Meinung, dass du in irgendeiner Form Hilfe annehmen solltest. Wenn du das nur über die Versicherungssumme und einen Bankkredit versuchst, werden dich die Raten über kurz oder lang auffressen. Dann bist du in absehbarer Zeit pleite. Selbst, wenn es dann jetzt noch gerade so passt, was ist denn, wenn mal was passiert? Dir brauch nur der Truck kaputt gehen und schon kommt deine Kalkulation ins Wanken.“ „Das kann leider passieren.“ „Dann solltest du über deinen Schatten springen und Hilfe annehmen.“ „Welche würdest du an meiner Stelle annehmen?“ „Ich weiß nicht, wie viel dein Vater bereit wäre, bei dir zu investieren. Das wird er aber nicht aus geschäftlichen Gründen machen, oder weil er bei Walmart ist. Das würde er in erster Linie machen, weil du sein Sohn bist. Er erwartet dann nichts von dir.“ „Was hältst du von den Angeboten der Ryans?“ „Die Hilfe der Foundation ist ja schon mal an keine Bedingungen geknüpft. Die kannst du auf jeden Fall annehmen. Du darfst dir dafür nur nicht zu stolz sein. Bei Hilfe von Keela oder einem Kredit von ihren Eltern musst du selbst wissen, wie sehr das eure Beziehung belastet. Wenn es sie belastet, lass die Finger davon. Wenn nicht, kannst du Keela ruhig an deiner Firma beteiligen. Das kannst aber nur du selbst beurteilen. Ich würde deine Bedenken aber auf jeden Fall mit Keela besprechen. Entweder sie teilt deine Sorge, oder sie kann sie dir nehmen.“ „Okay. Das werde ich tun.“ „Vielleicht kannst du ja von allem ein Bisschen nehmen. Geld von uns, Geld aus der Stiftung und ein Bisschen als Darlehen oder als Beteiligung von Keela. Dann sind die einzelnen Faktoren nicht so groß und du minimierst die jeweiligen Bedenken, die du dabei hast.“ „Das klingt gut.“ „Wie du dich auch entscheidest, dein Vater und ich stehen hinter dir.“ „Danke, Mom.“ Wir legten dann auf und mir ging es langsam wieder besser.

    Als Angus und Keela wieder zurück waren, aßen wir noch zusammen zu Abend. Danach überließ ich es Keela, ihren Vater aus der Wohnung zu komplimentieren. Sie drückte Angus in ihrer direkten Art den Schlüssel vom Savana in die Hand und sagte: „Sorry, Dad. Für den Rest des Abends störst du leider. Ich möchte noch ein wenig mit Marc alleine sein.“ Angus brummelte dann ein wenig vor sich hin. Es klang wie: „Da will man bloß helfen, dann wird man noch von der eigenen Tochter aus der Wohnung geworfen.“ Er kannte Keela aber lange genug, dass er wusste, wann es besser war, sich nicht mit ihr anzulegen. „Dann fahr ich eben ins Hotel und telefoniere noch mit deiner Mom.“ Dann verließ er die Wohnung.
    Nun kam Keela zu mir und nahm mich erstmal in den Arm. „Seitdem ihr den Termin mit dem Gutachter hattet, bist du so komisch. Was hast du?“ „Ich bin einfach traurig und enttäuscht. Ich dachte, ich bekomme mehr Geld da raus.“ „Klar, das verstehe ich. Aber wo ist das Problem?“ „Ich wollte es alleine schaffen. Jetzt sieht es so aus, als wäre mein Traum nach einem halben Jahr schon am Ende angekommen.“ „Das sehe ich nicht so. Für das Erdbeben kannst du nichts. Du hast also nichts falsch gemacht.“ „Wenn ich jetzt aber noch einen Kredit aufnehmen muss, ohne dass dabei mehr Geld in die Kasse kommt, dann wird das nichts. Reich bin ich ja so schon nicht geworden, aber ich hatte mein Auskommen. Ich konnte davon leben und noch meine Raten zahlen. Wenn die Raten aber noch erheblich höher werden, wird das nichts.“ „Das stimmt. Dann solltest du aber auch nicht so stolz sein und keine Hilfe annehmen. Dad meinte vorhin, dass du partout kein Geld annehmen willst.“ „Ich möchte eben keine Beteiligung in der Firma.“ „Hast du mal mit jemandem darüber gesprochen, dem du vertraust? Außer mir natürlich.“ „Heute Nachmittag habe ich mit Mom darüber gesprochen.“ „Und? Was meint sie dazu?“ „Dass ich meinen Stolz ablegen sollte.“Siehst du, sie sagt das auch.“ „Sie meint, ich sollte von allem vielleicht ein Bisschen machen. Also einen Teil über die Foundation von deiner Mom, einen Teil von meinen Eltern, einen Teil von deinem Dad als Kredit und auch einen Teil von dir.“ „Deine Mom ist eine kluge Frau.“ „Siehst du das auch so?“ „Natürlich. Wo hast du denn was dagegen?“ „Ich bin mir nicht sicher. Ich habe Angst, dass jemand Einfluss nehmen könnte.“ „Da kann ich schon mal zwei Quellen komplett ausschließen. Wenn es Geld von der Foundation gibt, ist das eine einmalige Spende. Du musst von dem Geld weder was zurückzahlen, noch bist du darüber irgendjemandem Rechenschaft schuldig. Das wird im Stiftungsrat beschlossen und dann ist die Sache durch. Im Stiftungsrat sind aktuell meine Eltern, meine Brüder und ich. Keine weiteren Leute. Da kommen auch erst wieder neue Leute rein, wenn einer von uns Kinder hat und diese volljährig werden.“ „Aha. Welche Quelle kannst du noch ausschließen?“ „Ein Darlehen meines Vaters. Da wird ein ganz regulärer Vertrag von dem Anwalt meiner Eltern gemacht. Da stehen alle Bedingungen drin. Das wird keine Beteiligung oder sonst was. Dad kann den Vertrag auch nicht einfach auflösen, weil ihm was nicht passt. Die Bedingungen lassen nur eine Kündigung aus einem wichtigen Grund zu. Selbst, wenn du aus irgendwelchen Gründen Stress mit meinem Dad bekommst, kann da aus diesem Grund nichts passieren.“ „Sicher?“ „Ganz sicher. Dad verleiht nicht zum ersten Mal Geld.“ „Was ist mit den anderen Quellen?“ „Ich kann nicht für deine Eltern sprechen. Ob Frank dann versucht, auf dich Einfluss in seinem Sinne zu nehmen weiß ich nicht.“ „Und die letzte Quelle?“ „Kann ich die objektiv beurteilen?“ „Du hast selber gesagt, du weißt nicht, wie lange das mit uns hält.“ „Das habe ich nur gesagt, als Dad mit dem Heiraten anfing. Manchmal geht mir die katholische Einstellung meiner Eltern dermaßen auf die Nerven, dass glaubst du gar nicht. Ich lasse mich von meinen Eltern nicht in eine Ehe zwingen.“ „Das bedeutet aber nicht, dass du an unserer Beziehung zweifelst.“ „Nicht mehr oder weniger, als sonst.“ Ganz glücklich war ich mit der Antwort nicht. „Du weißt, dass ich es lieber hätte, wenn du mehr bei mir wärst. Du hast dich aber für einen Beruf entschieden, bevor wir uns kannten. Ich muss dich also so nehmen, wie du bist. Ich hasse es, wenn Leute versuchen, ihren Partner zu ändern, damit er so wird, wie sie es gerne hätten. Das wäre das gleiche, wenn du jetzt versuchen würdest, mich zu zwingen, mit dir auf Tour zu gehen, oder mir das Surfen oder Motorradfahren zu verbieten.“ „Das mache ich doch gar nicht.“ „Eben. Genauso wenig werde ich versuchen, dir deinen Job auszureden. Ich weiß, dass du damit nicht glücklich werden würdest.“ Ich nahm sie in den Arm und küsste sie. „Heißt das, du würdest mich unterstützen?“ „Ich liebe dich, also werde ich auch alles für dich tun.“ „Und wenn es doch nicht mit uns klappt?“ „Dann kannst du immer noch Geld aufnehmen und mich auszahlen.“ „Ich glaube, du bist die einzige, die ich als Teilhaberin haben möchte.“ „Nur bei der Wohnung oder auch bei der Firma?“ „Das ist mir egal. Wenn du dich beteiligen möchtest, geht das in Ordnung.“ „Das ist ein großer Vertrauensbeweis von dir.“ „Ich liebe dich halt auch über alles und ich vertraue dir. Außerdem kannst du ja auch schon so genug Einfluss auf meine Arbeit nehmen. Du teilst mich ja mit ein.“ „Das stimmt.“ „Wie würdest du das an meiner Stelle machen?“ „Du solltest auf deine Mutter hören und von allem ein Bisschen nehmen. Die Versicherungssumme steht dir zu. Das ist dann dein Anteil. Dann würde ich abwarten, was die Foundation dir geben kann. Wie du dann den Rest aufteilst, musst du selbst wissen. Ich würde deine Eltern aber auch nicht komplett raus lassen. Sonst sind sie vielleicht beleidigt, weil du das Geld nicht annimmst.“ „Da ist was dran.“ „Wenn wir wissen, wie viel dann noch fehlt, können wir immer noch entscheiden, ob ich das Geld von meinen Eltern nehme und mich damit bei dir beteilige, oder ob man davon noch eine Summe als Darlehen von meinem Dad nimmt.“ „Nicht nur meine Mutter ist eine kluge Frau. Du bist das auch.“ Sie wurde leicht rot. „Schön und klug.“ Erweiterte ich meine Aussage. Keela vergrub ihr Gesicht in einem Sofakissen. „Jetzt hast du es geschafft, dass ich knallrot im Gesicht bin und heulen muss.“ Ich nahm sie in den Arm. „Brauchst du nicht. Aber man muss ja auch die Wahrheit sagen. Du bist eine ganz besondere Frau, Keela Ryan. Und genau deshalb liebe ich dich so.“ „Genug geredet. Lass uns ins Bett gehen.“ „Dein Wunsch ist mir Befehl.“

    Mittwoch, den 21. Februar:

    Der Mittwoch begann fast genauso, wie wir es an den beiden Tagen zuvor gemacht hatten. Nur heute musste ich von Angus abgeholt werden, der ja den Savana mitgenommen hatte. Heute wollten wir zum Bauamt fahren und die Bauanträge für die neue Halle stellen. Normalerweise konnte man davon ausgehen, dass Angus, als erfahrener Bauunternehmer wusste, wie das alles lief. Es stellte sich aber heraus, dass es nicht so einfach war, wie wir dachten. Viele Vorschriften und Regelungen wurden in den USA ja auf Staatsebene beschlossen und da war Kalifornien natürlich wieder völlig anders, als die Behörden in Minnesota und Wisconsin, mit denen Angus sonst nur zu tun hatte. Dort herrschte ein ganz anders Klima und ein anderes Umweltbewusstsein, als hier in Kalifornien. Außerdem war man dort eben nicht in einem Gebiet, in dem Erdbeben an der Tagesordnung waren.
    So kam es, dass wir einige Passagen des Bauantrags noch mal überarbeiten mussten und noch ein paar Sachen beachtet werden mussten, die nicht beachtet worden waren. Da Angus den Antrag, trotz aller Probleme noch am gleichen Tag stellen wollte, saßen wir dann im Wartebereich an einem Tisch, wo er dann eine ganze Zeit mit Liam telefonierte. Zwischendurch mussten wir dann auch auf einen Rückruf warten, weil Liam dann ebenfalls ein paar Sachen mit seinen Dozenten vom Collage absprechen wollte, die sich da noch besser auskannten.
    So befanden wir uns den gesamten Vormittag im Bauamt. Schließlich passte aber alles und der Bauantrag war gestellt. Trotz Eilantrags würde es aber mit Sicherheit noch zwei Wochen dauern, bis wir eine Entscheidung vorliegen hätten. Wenn wir Pech haben sollten, müssten dann immer noch Sachen geändert werden und es würde sich weiter in die Länge ziehen. Mit Glück könnte man in zwei Wochen mit dem Ausschachten für das Fundament beginnen. Man erteilte uns aber gnädiger Weise schon eine Abrisserlaubnis für die alte Halle. Wobei ich das witzig fand, dass man den Abriss noch erlauben musste, obwohl die Halle schon eingestürzt war. Behörden halt. Der Schutt durfte aber auch schon abtransportiert werden und zur Deponie gebracht werden. Wir durften also den Bauplatz schon mal freiräumen.
    Rick hatte inzwischen auch die gebrauchte Kipper Pumpe in den Kenworth eingebaut, so dass ich in der Lage war, auch Kippsattel zu ziehen und diese auch abzukippen. Im Prinzip konnten wir also mit der Arbeit beginnen, sobald wir die ersten Baumaschinen und einen Kipp Auflieger zur Verfügung hatten.

    Als wir dann endlich aus dem Amt kamen, dauerte es auch nicht mehr lange, bis Keela Feierabend hatte. Wir fuhren also noch kurz einkaufen und dann nach Hause, wo ich mich dann kurz darauf in die Küche begab, um das Essen vorzubereiten. Dabei konnte sich Angus einen Kommentar nicht verkneifen: „Da hat Kee aber Glück gehabt, dass sie einen Mann abgekriegt hat, der auch in der Küche weiß was zu tun ist. Ich glaube, von ihren Brüdern kann das keiner. Ich habe mich auch noch nie in der Küche nützlich gemacht.“ „Wir arbeiten beide Vollzeit. Also macht das bei uns der, der früher zu Hause ist.“ Ich hatte eher mit einem Macho Spruch gerechnet, so in der Richtung, dass Frauen hinter den Herd gehören.
    Schließlich kam Keela nach Hause und wir konnten zu Mittag essen. Dabei bekam ich auch von beiden Ryans ein Kompliment für mein Essen. Es schmeckte also.

    Am Nachmittag würden Keela und Angus wieder den Tag miteinander verbringen. Dabei wollte sie auch in Ruhe mit ihrem Vater reden und ihm auch erklären, wie wir uns das jetzt weiter vorstellten. Ich hingegen, hatte nun meine erste Fahrstunde auf dem Motorrad. Der Fahrunterricht fand natürlich auf einer Einsteigermaschine statt. Während ich in der ersten Stunde ein Gefühl für die Maschine entwickeln sollte und mich mit Grundfahraufgaben herumschlug, bekam ich immer mehr Respekt für meine Freundin, die mit einer Leichtigkeit mit ihrer Harley umging, die um einiges schwerer war, als das Einsteigermotorrad. Keela war eben keine normale Frau, sondern eine ganz spezielle und besondere Frau. Der Fahrlehrer meinte aber dann doch recht schnell, dass ich ebenfalls viel Talent für das Motorradfahren hatte. Wenn ich so weitermachen würde, bräuchte ich nicht viele Fahrstunden, bis ich den Führerschein hätte.

    Abends trafen wir uns wieder in unserer Wohnung. Nach dem Abendessen verabschiedete sich Angus und ließ Keela und mich alleine. Nun konnten wir in Ruhe über das Thema Beteiligung und Firmenneubau reden. „Dad ist damit einverstanden, wie wir das vor haben. Meinen Anteil für die Beteiligung bekomme ich von meinen Eltern zur Verfügung gestellt. Sozusagen als Vorschuss aufs Erbe.“ „Wobei das doch noch dauern wird, bis du mal erben wirst.“ „Klar. Da sich aber inzwischen herausgestellt hat, dass ich nicht bei Ryan Constructions einsteige, können mir meine Eltern meine Firmenanteile natürlich auch auszahlen.“ „Bist du sicher, dass du das so machen willst? Bei Ryan Constructions ist dein Geld bestimmt besser aufgehoben, als in meiner Klitsche.“ „Vielleicht. Aber was habe ich von einer Beteiligung in Minnesota. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder dorthin zurückziehen werde. Außerdem brauchst du das Geld gerade.“ „Du bist einfach einmalig, Keela Ryan. Ich habe noch nie eine Frau kennengelernt, die so ist wie du.“ „Ich hoffe du meinst das im positiven Sinne.“ „Natürlich. Du weißt gar nicht, was ich für ein Glück habe, dich zu meiner Freundin zu haben. Ich liebe dich über alles und ich würde dich sogar heiraten, wenn du das möchtest.“ „Irgendwann möchte ich das bestimmt. Aber nicht im Moment. Jetzt möchte ich damit noch warten.“ „Okay.“ „Hast du schon mit deinen Eltern gesprochen?“ „Worüber?“ „Über das Geld, was sie dir zur Verfügung stellen wollen.“ „Nicht wirklich. Heute Nachmittag habe ich mich mehr mit dem Motorradfahren auseinandergesetzt.“ „Du hast mit dem Führerschein angefangen?“ „Genau.“ Dafür bekam ich auch erstmal einen langen Kuss. Dann erzählte ich ihr von meinen ersten Fahrversuchen. Schließlich wurde es wieder Zeit, dass wir ins Bett gingen. Keela musste am nächsten Morgen wieder früh los.

    Donnerstag, den 22. Februar:

    Am Donnerstagvormittag trafen wir uns wieder mit meinem Dad. Da wir nicht wieder in seinem Büro über alles reden wollten, fuhren wir zum Haus meiner Eltern, wo Angus dann auch meine Mom kennenlernte. Dort besprachen wir in Ruhe, wie die gesamte Finanzierung letztlich aussehen sollte. Dabei wurden die Baukosten in fünf Teile aufgeteilt. Den ersten Teil sollte ich aus der Versicherungssumme zur Verfügung stellen. Falls dann noch was übrigbleiben sollte, würde der Rest auf mein Geschäftskonto gehen. Der zweite Teil würde als Spende von der Ryan Foundation kommen. Als Hilfe für mich als „Erdbebenopfer“. Der dritte Teil würde als zinsloses Darlehen von Keelas Eltern an die Firma erfolgen. Allerdings würde eine Klausel in den Vertrag kommen, dass die Kreditsumme fällig würde, falls sich Keela und ich trennen sollten. Die beiden weiteren Teile würden Keela und ich jeweils von unseren Eltern bekommen. Bei beiden quasi als Vorschuss aufs Erbe. Allerdings auch bei beiden zweckgebunden als Anteil für den Wohn und Bürotrakt, der uns dann zu gleichen Teilen gehören würde. Das alles würde unser Familienanwalt noch in eine Unterschriftsreife Form bringen. Kurz bevor Keela dann ebenfalls zu meinen Eltern kommen sollte, klingelte mein Handy. Dave war dran und teilte mir mit, dass ich am nächsten Tag die ersten drei Baumaschinen abholen könnte. So könnte dann in der kommenden Woche mit dem Abbruch und der Abtransport der alten Halle und dem anderen Gerümpel begonnen werden.

    Nachdem Keela dann auch da war, konnten wir alle zusammen was essen. Anschließend saßen wir dann noch zusammen und besprachen das weitere Vorgehen. Dad würde seine Beziehungen in Sacramento nutzen, um die Bearbeitung des Bauantrags zu beschleunigen. Ab der kommenden Woche würde dann Pat vor Ort sein, der von den Ryans als Bauleiter für das Projekt verantwortlich sein sollte. Per Skype schalteten wir hinterher Liam dazu, der die Entwürfe und Pläne nach den Vorgaben des Bauamtes und nach den Wünschen, die Keela für den Wohnbereich geäußert hatte, überarbeitet hatte. Nun war alles so, wie wir das haben wollten. Ob die geplanten Baukosten aber ganz hinkommen würden, stand noch nicht fest. In der Datenbank von Ryan Constructions waren halt Preise aus dem mittleren Westen vorhanden. Kalifornien war aber in der Regel etwas teurer. Wir hatten das für die Finanzierung aber berücksichtigt und eine entsprechende Reserve einkalkuliert. Schließlich kamen wir dann auch auf die Rollen von Keela und mir zu sprechen. Keela würde ihren normalen Schichtrhythmus weiter fortsetzen. Daneben wollte sie auch mit auf der Baustelle helfen. Als Tochter von Angus konnte sie da mehr, als ich es mir vorgestellt hatte. Meine Rolle war von Angus und Dad auch schon geplant worden. Ich sollte ab Montag wieder für Walmart unterwegs sein. Während der Bauphase würde ich aber im Nahverkehr eingesetzt. Der Tourenplan sollte so erstellt werden, dass ich in einem Bereich zwischen Redding, Reno, Fresno, Santa Cruz, San Francisco und Ukiah eingesetzt würde. So etwa sollte der Radius sein. In diesem Gebiet würde ich eine, höchstens zwei Touren am Tag fahren. Mit meiner restlichen Fahrzeit würde ich mit meinem Truck der Baustelle zur Verfügung stehen. Am Anfang, wo es um den Abtransport von dem Schutt und dem Gerümpel ging, sollte ich mehr auf der Baustelle fahren, später weniger, wenn es nur noch darum ging, Baustoffe zur Baustelle zu fahren. Die entsprechenden Trailer würde Dave von seinen Kunden ausleihen. Ab kommender Woche würde Pat dann mit einem kleinen Bautrupp hier loslegen, wenn der Abbruch erledigt war und es um den Aufbau ging, würde der Trupp größer werden. Entsprechende Arbeiterhotels gab es auch in Sacramento, wo die Leute günstig unterkommen könnten. Die meisten Sachen würden dann im Moment auch aus der Zentrale in Saint Paul organisiert. Angus beschloss dann, am Freitagabend wieder nach Saint Paul zu fliegen. Pat sollte dann mit seinem Trupp am Montag nach Sacramento fliegen. Die benötigten Kleingeräte und Werkzeuge sollten in einen Container verladen werden und am Freitag losgeschickt werden. Dann sollten sie ebenfalls Anfang der Woche bei uns sein. Außerdem würde auf dem Chassis auch ein Bürocontainer für die Bauleitung mit nach Sacramento kommen.

    Nachdem dann alles besprochen und beschlossen war, machten wir uns dann auf den Weg nach Hause. Dabei fuhr ich mit Keela. Angus wollte noch in die Stadt und ein Geschenk für Eireen besorgen. Anschließend wollte er direkt ins Hotel. Morgen wollte er dann noch mit mir zusammen die Baumaschinen abholen. Ich hatte ja weder von den Maschinen selbst, noch von den Transporttrailern Ahnung. Angus dafür umso mehr.
    Den Abend nutzen Keela und ich wieder für einen schönen Abend zu Hause. „Jetzt wirst du ja in den nächsten Wochen merken, wie es ist, wenn du mich jeden Tag zu Hause hast. Vielleicht bist du ja dann wieder froh, wenn du mich wieder weit wegschicken kannst.“ „Das hättest du wohl gerne.“ „Wir werden sehen. Wahrscheinlich bin ich selbst froh, wenn ich dann mal wieder aus Kalifornien rauskomme.“ „So wie ich dich kenne, bestimmt. Du brauchst doch deine Freiheiten.“ „Schon. Trotzdem möchte ich dann, wenn ich bei dir bin, so viel Zeit, wie möglich mit dir verbringen.„Das ist ja das schöne. Ich glaube mit deinem Job freut man sich viel länger aufeinander, als wenn man sich wirklich jeden Tag hat. So kommt der Alltagstrott dann erst viel später, weil die gemeinsamen Zeiten dann immer was Besonderes bleiben.“ Im Moment genossen wir aber die Zeit, die wir zusammen hatten. Wir kuschelten noch eine ganze Zeit weiter. Dann wechselten wir nur von der Couch ins Bett und machten dort weiter.

    Freitag, den 23. Februar:

    Der Freitag war gekommen und somit der letzte Tag, an dem Angus hier noch was machen konnte. Unser Morgen Rhythmus war der Gleiche, wie an den vorherigen Tagen. Erst machte sich Keela fertig und ging dann zur Frühschicht. Anschließend machte ich mich dann fertig und frühstückte dann. Anschließend wartete ich darauf, dass mich Angus abholte, der ja den Savana mithatte. Heute fuhren wir dann zu Rick, der inzwischen den Kenny mit einer Kipper Pumpe versehen hatte. Nachdem wir dort die Maschine abgeholt hatten, brachten wir den Savana auf den Mitarbeiterparkplatz vom Walmart Zentrallager. Dort stieg Angus dann um. Von hier aus sollte es weiter zur CAT Niederlassung gehen, wo wir von Dave erwartet wurden. Angus schaute sich erstmal in dem Kenworth um. Im Vergleich zu seinen Baustellen Trucks war die Fernverkehrsversion wohl ein regelrechter Luxusschlitten. „Ich muss immer wieder sagen, dass deine Maschine mit dem ganzen Chrom und Edelstahl ja richtig schick ist. Auch hier drinnen ist er super.“ „Dabei ist das nur die einfache Version. Der hat weder den großen Sleeper noch die VTI Diamond Ausstattung. Die konnte ich mir nicht leisten.“ „Mag sein. Unsere Trucks haben sowieso nur Day Cab und eine ganz einfache Ausstattung. Das muss alles nur robust und leicht zu pflegen sein.“ „Wenn man zum Teil wochenlang darin wohnt, braucht man schon ein wenig mehr.“ „Ich finde es aber gut, dass du selber schaltest und nicht auf Automatik setzt.“ „Ich meine immer noch, ein guter Fahrer ist besser, als die ganze Elektronik.“ „Stimmt es, was Kee sagte, dass ihr in Zukunft nicht mehr die Klassiker fahren dürft?“ „Das ist richtig. Walmart will ein Image, das mehr auf Umweltschutz abzielt. Da wirken die modernen Trucks einfach besser.“ „Das ist wohl so.“ „Die modernen Trucks haben aber auch Vorteile. Sie haben mehr Platz und verbrauchen weniger.“ „Hauptsache dir macht der Job mit so einem modernen Truck auch noch Spaß.“ „Wir werden sehen.“

    Wir kamen bei CAT an und gingen in Daves Büro. Nachdem wir uns begrüßt hatten, kam Dave dann auch gleich zur Sache. Er besprach mit Angus die wichtigsten Details. Bei dem Fachchinesisch aus Modellnummern und Ausrüstung der Maschinen kannte ich mich sowieso nicht aus. Ich hatte ja mit CAT sonst nichts zu tun. Es stellte sich nur heraus, dass ich heute drei Maschinen abholen konnte. Eine stand hier, die nahmen wir gleich mit. Eine stand noch auf einer anderen Baustelle und eine stand in der Niederlassung in Stockton. Für die ersten beiden bekamen wir hier den Trailer, in Stockton bekamen wir einen weiteren. Einen Kipper hatte Dave dann für kommende Woche bei einem seiner besten Kunden ausleihen können. Den würde ich dann am Montag abholen.
    Nachdem hier alles besprochen war, ging es auf den Hof. Ich konnte dann hier einen Trailer aufsatteln auf dem bereits ein großer Radlader geladen und gesichert war. Zusammen machten wir dann die Abnahme. Anschließend konnten wir die Maschine dann zu meinem Platz bringen.

    Hier zeigte sich dann eine Schwierigkeit. Da ich nicht mehr durch die Halle fahren konnte, musste ich rückwärts von der Hauptstraße auf den Platz rangieren. Dabei hatten es wohl wieder manche Autofahrer so eilig, dass sie entweder hupten, oder gleich versuchten, noch irgendwie an dem rangierenden Lastzug vorbeizukommen. Ich musste höllisch aufpassen, dass kein Unfall passierte. Zum Glück hatte ich mit Angus einen erfahrenen Einweiser.
    Angus war es dann auch, der wusste, wie man die Trailer in der Mitte trennte, damit man die Maschine vom Trailer fahren konnte. Er zeigte mir das dann. Dann lösten wir die Ladungssicherung und fuhren den Radlader vom Trailer. Die Maschine kam dann in den hinteren Bereich vom Hof, damit nicht jeder von der Straße aus sofort sah, dass hier Baumaschinen standen. Nun zeigte mir Angus wieder, wie ich den Trailer wieder zusammenfügte.
    Als Nächstes ging es zu einer Baustelle. Dabei musste ich mich erstmal wieder daran gewöhnen, ein Ziel manuell in mein Navi einzugeben. Sonst übernahm ich die Adressen meistens aus dem ORBCOMM. Die Baustelle befand sich dann in Yuba City, nördlich von Sacramento. Hier sollten wir dann die nächste Maschine übernehmen.
    Den Papierkram der Übernahme und die Abnahme der Maschine erledigte wieder Angus. Ich trennte in der Zeit den Trailer wieder, damit Angus die Maschine auf den Trailer fahren konnte. Es war wohl ein kleinerer Radlader, der aber zusätzlich hinten noch einen kleinen Baggerarm hatte. Wie das Teil hieß und wofür man die Maschine brauchte, wusste ich nicht, ich vertraute aber in die Erfahrung von Angus. Unter seiner Anweisung erledigte ich dann auch die Sicherung an der Maschine. Sowas war für mich, der sonst nur die Trailer tauschte, eine völlig ungewohnte Arbeit.
    Für die Arbeiter war dann eher ein chromglänzender W900, der dann auch noch Werbung für Walmart hatte, ungewohnt. Das sah man nicht alle Tage auf der Baustelle. Schließlich brachten wir dann die zweite Maschine ebenfalls auf meinen Platz.

    Auch dieses Mal musste ich wieder rückwärts auf den Hof. Nachdem auch diese Maschine abgeladen war, brachten wir den Trailer wieder zu CAT zurück. Dave quittierte uns die Rückgabe des Trailers und drückte mir dann noch ein Banner für Schwertransporte in die Hand. „Das brauchst du gleich für den Raupenbagger, den ihr in Stockton abholt.“ Ich gab dann wieder die Adresse manuell ein, dann ging es zur CAT Niederlassung in Stockton. Der Raupenbagger war dann auch etwas größer, als die Maschinen, die ich bisher geholt hatte. Zum Glück hatte ich, weil ich, als ich den W900 geordert hatte, schon an eine etwaige Geschäftsbeziehung zu CAT und Dave gedacht hatte, die Maximallast für den W900 bis 85.000 Pfund erweitern lassen.
    Ich sattelte den Trailer mit dem Bagger auf und Angus erledigte die Abnahme. Ich brachte inzwischen das Schwerlast Banner an. Nun ging es ein drittes Mal zu meinem Platz. Diesmal hatte ich aber etwas mehr zu schleppen. Auch die Sicht nach Hinten war schlechter, als bei den vorherigen Maschinen. Aber auch diesen Bagger brachte ich sicher zu meiner Baustelle.

    Nachdem Angus dann auch den Bagger von dem Trailer gefahren hatte und bei den anderen Maschinen geparkt hatte, brachten wir den Trailer auch zu Dave auf den CAT Hof in Sacramento. Anschließend fuhren wir den W900 zurück zum Zentrallager, wo ich ihn wieder auf den Zugmaschinenplatz stellte.
    Am Zentrallager trafen wir dann auch mit Keela zusammen, die gerade Feierabend machte. Zusammen fuhren wir dann nach Hause, wo wir dann zusammen zu Mittag aßen. Anschließend musste ich wieder in die Fahrschule.
    Keela fuhr dann mit Angus zu seinem Hotel, wo sie seine Sachen packten. Dann brachte Keela ihren Vater zum Flughafen, wo er den Rückflug nach Minnesota antrat.

    Das Wochenende mussten wir dann zu Hause verbringen, da Keela Bereitschaft hatten. Dabei hörte Keela am Wochenende nicht auf, mich mit Möbelkatalogen und Zeitschriften zu belagern, die sich um Wohnen und Einrichten drehten. Sie war innerlich bereits dabei, unsere neue Wohnung einzurichten. Ich ließ Keela dabei aber freie Hand. Ich hatte sowieso keine Meinung dazu. Weder zu Wandfarben, noch zu Bodenbelägen. Auch die Auswahl der Möbel, sofern wir nicht schon mit Keelas Möbeln versorgt waren, überließ ich ihr. Ich gab ihr zwar, den Eindruck, dass ich mich dafür interessierte, ließ sie insgeheim aber machen. Erstens hatte ich so meine Ruhe und zweitens vertraute ich Keelas Geschmack. Sie hatte bei der Einrichtung Ihrer Wohnung, als auch bei ihrem Zimmer in Saint Paul bewiesen, dass sie einen guten Geschmack hatte, der mir auch gefiel. Ich hatte mich in ihren Räumen immer sofort wohl gefühlt. Das Wochenende ging dann recht schnell vorbei und am nun folgenden Montag sollte es endlich mit den Bauarbeiten losgehen.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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