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Kapitel 24 – Halbzeit und des Rätsels halbe Lösung

  • Montag, 23.04.2018

    Beim Frühstück im Hotel schaltete ich schon mal mein Tablet ein und klickte mich durch die Frachtbörsen, ob sich eine attraktive Ladung fand, die nicht nach Maniwaki oder Parry Sound ging. Das war der Fall, nämlich ein Double mit Sand nach Jackson (MS). Allerdings kam beim Versuch, die Dispatch zu blocken eine Fehlermeldung: „Error 04 – reserved for a job, release not possible!“ Es war 6:20 AM und Brian hatte mich schon eingeteilt? Eins zu null für Dich, mein Freund. Bitte ein anständiges Ziel.

    Als ich dann beim Truck auf dem Parkplatz war, meldete ich mich bereit und ließ das System den Auftrag abrufen, während ich den Truck umkreiste und die PTI machte. Was gab es denn? Einen dicken Brocken.

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    Nachdem ich auf den Freeway aufgefahren war, gab es noch eine ganze Zeit lang dicke Luft. Erst nachdem der Florida Turnpike in die I-75 übergegangen war und sie die Verkehrsströme von Orlando und Tampa sortiert hatten, wurde es flüssiger. Die Marion County Weigh Station durfte ich noch passieren, aber der Weg mit Übergewicht war noch lang.

    Und als hätte ich es geahnt bekam ich ganz im Norden Floridas dann das rote Licht an der Hamilton County Weigh Station. Also fuhr ich auf die Waage, in der Erwartung, dass ich raus musste. Aber offenbar hatte ich schon genug Diesel verfahren und der Radlader hatte selbst leere Tanks, denn so viel zu schwer war der 962M nun auch nicht und mit 78,853 lbs. durfte ich dann doch relativ knapp durch fahren.
    Auch trocken war er aber leider offiziell 520 lbs. zu schwer für Standardfracht und ich musste mich an die 55 halten. Sollte es einen Reifenschaden geben, wäre ich sonst komplett selbst für alle Folgekosten verantwortlich, wenn ich schneller fuhr. Bis 55 mph war der Trailer für 10,000 lbs. Überlast zugelassen und die Versicherung sprang ein.
    Weil es aber auch ohne Kontrolle Zeit für eine Mittagspause war, fuhr ich direkt hinter der Waage auf den Love’s Travel Stop Jasper (FL).

    Nach 35 Minuten Pause ging es gegen 10 nach 1 weiter. Und dank meines nicht vorhandenen Tempos galt mal wieder die alte Weisheit „Stau ist nur hinten blöd, vorne geht’s!“




    Während der Fahrt durch Georgia setzte dann auch noch Regen ein. Am Pilot Truck Stop in Lincoln (AL) war der Tag zu Ende. Ich tankte noch einmal voll und weil die Säulen zu weit auseinander standen, musste ich die Fahrerseite über den Crossfeed befüllen. Wenigstens hatte ich diese kleine Leitung bestellt. Viele andere Fahrer müssen zwischen den Seiten bezahlen und eine neue Säule anfahren oder den Schlauch, bei Tiefladern noch einigermaßen machbar, für die andere Seite über den Rahmen ziehen.


    Dienstag, 24.04.2018

    Dank meines reduzierten Tempos waren es dann noch 4:27 Stunden Fahrt bis Tuscaloosa. Ich hatte mich mal nicht um eine Anschlussladung bemüht und wollte sehen, was Brian mit mir anstellte. Nichts, denn Alex stellte was mit mir an. Bei dem wusste ich nicht, ob er mich wieder fast schon unmöglich weit von zu Hause weg schicken wollte, oder mein Dilemma gar nicht erkennen konnte. Von dort brauchte ich bis zum Wochenende einen unmittelbaren Heimatschuss.

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    Der 950M war wenigstens kein Übergewicht und ich konnte 70 fahren. Weil es an der Storage Facility aber nicht möglich war, eine Pause zu machen, kam ich nicht weit und steuerte gleich mal für die Mindestpause von 30 Minuten die Eutaw Rest Area an.
    Hier gab es nur die üblichen Automaten, also machte ich mir lieber ein Sandwich aus meinem Vorrat. Ich versuchte zum wievielten Mal, Brian für ein klärendes Gespräch ans Telefon zu kriegen, aber er ging mal wieder nicht dran.
    Außerdem stellte ich schnell online einen Antrag auf eine WD-Nummer, damit ich in New Mexico fahren durfte. Es waren zwar nur 6 Meilen rein und ich würde dafür sorgen, dass es bei 6 Meilen wieder raus blieb, aber auch und gerade auf solchen Abschnitten konnte man schnell mal einkassiert werden. Nachdem Brian plötzlich seine Liebe dazu entdeckt hatte, mich in den Südwesten zu schicken, könnte ich den Wisch noch öfter brauchen.
    Um keine Zeit meiner Wochenschicht zu verlieren, machte ich mich so schnell wie möglich wieder vom Acker.




    Die Grenze nach Texas schaffte ich noch, aber am Pony Express Truck Stop in Marshall machte ich Schluss, viel Lenkzeit war sowieso nicht mehr übrig. Um Brian zu erreichen war es nun zu spät, an der Ostküste war jetzt 7:28 PM.


    Mittwoch, 25.04.2018

    Heute wollte ich mal wieder so weit wie möglich durch fahren. Aber erst einmal nach dem Frühstück der erneute Versuch, Brian zu erreichen. Leider kam ich am Nebenschreibtisch raus.
    „Hallo Alex, wo ist denn Brian?“ „Mal wieder bei George.“ „Oha. Häufig in letzter Zeit?“ „Ich kann nicht näher darüber sprechen, aber den Gerüchten nach ist das nicht zu Brians Nachteil.“ „Wann wird man ihn denn mal bekommen?“ „Schlecht, generell schlecht.“ „Das bringt mich nicht weiter.“ „Bringe ich Dich denn weiter?“ „Nur, wenn Du mein Haupt-Dispatch wärst. Wobei, Du hast mich ja gestern auch eingeteilt. War Brian nicht da?“ „Nein. Der war gestern auf Dienstreise. Sollte aber den Rest der Woche und die kommende erst mal wieder hier sein.“
    Wir verabschiedeten uns und ich fuhr los. Um 6:38 AM war es zwar schon hell, aber die Sonne versteckte sich hinter den hier im Osten von Texas noch vorhandenen Bäumen. Brian machte Dienstreisen und war alle Nase lang bei seinem Chef in Besprechungen? Irgendwas ging da vor sich, aber was? Nichts, wo Alex drüber sprechen konnte jedenfalls.

    Als das schlimmste schon so weit durch war, ging es durch den Großraum Dallas-Fort Worth und dann eine Landschaft, in der die Rampen der Autobahnkreuze die größten Landmarken waren.

    Die sowohl gesetzlich als auch toilettentechnisch erforderliche Pause legte ich am Flying J Truckstop Lubbock North ein, natürlich einschließlich Tanken, die texanischen Dieselpreise eben.
    Außerdem lohnte es sich immer, einen Schritt schneller zu sein als der Gegner in irgendwelchen Wettkämpfen. Also rief ich mal wieder bei Lenny und Ralph an. Lenny fand einen Kühler mit Joghurt von Clovis nach Springfield in Oklahoma. Also drückte ich mit großer Freude die Sperrtaste für Aufträge von Brian.

    Anschließend ging es weiter nach New Mexico, wobei sich der Staat gleich bei denen einreihte, die kein Schild an der Grenze stehen hatten. Nur noch 2 Grenzen trennten mich jetzt von Kalifornien, irgendwie ein unwirklicher Gedanke. Ich war noch dreimal mit dem Flieger dort gewesen, seit ich den Staat mit dem altersschwachen Oldsmobile Kombi verlassen hatte. Nun rückte er auch mit dem Truck wieder in greifbare Nähe.

    Es war erst 4:20 PM, aber mein Auftrag ging erst morgen früh. Der Joghurt kam erst noch mit der Bahn hier her und wurde über Nacht auf den Trailer kommissioniert.

    Kaum hatte ich aber den Truck abgestellt und das Isotrak-System auf „10 H BREAK“, klingelte mein Handy. Unbekannte Nummer.
    „Hallo?“ „Hallo! Bist Du es, Brandon? Hier ist Brian.“ „Um die Zeit? Und von welchem Telefon? Hallo Brian.“ „Ja. Ich wollte Dich zu einer Zeit anrufen, wo ich alleine im Büro bin. Schiebe sowieso Überstunden. Das ist mein privates Handy.“ Er klang nicht sonderlich glücklich und dieser Anruf hatte schon fast was von Geheimdiensttätigkeit. „Was ist denn los?“ „Du bist sauer auf mich und meine Aufträge oder warum fährst Du so viel auf eigene Faust?“ „Ja. Ist das so überraschend? Ich fahre erst monatelang nur Neuengland und Kanada, bin trotzdem nie am Wochenende zu Hause und jetzt geht es auf einmal so weit nach Westen, dass ich stattdessen dort verhungere. Zum Glück sehe ich regelmäßig das Nummernschild von Pennsylvania. Sonst wüsste ich vermutlich nicht mehr, wo ich eigentlich wohne.“
    „Nein, ich war eher verwundert, wie lange Du das mit Dir machen lässt.“ „Und wenn Du das weißt, warum machst Du das dann mit mir?“ „Weil ich es muss. Das ist kompliziert und eigentlich darf ich gar nicht mit Dir da drüber telefonieren. Deshalb auch diese Geheimniskrämerei. Ich könnte mir, würde das jemals raus kommen, eine riesige Chance verbauen. Versprich mir, dass Du kein Wort über diesen Anruf verlierst. Besonders nicht zu George Mayne. Der ist zwar an sich auch auf unserer Seite, aber sein Stuhl wackelt mit seiner Gesundheit um die Wette.“ Das schien ja richtig heftig zu sein.
    „Deshalb ist er auch mit den Einladungen der Subunternehmer für Neuverhandlungen hinten dran und Du weißt noch nicht, was los ist und hast keinen neuen Vertrag. Eigentlich sollte das alles viel schneller über die Bühne gehen. Ich greife ihm gerade ohne Erlaubnis vor. Denn ich würde Dich gerne halten.“ „Der Vertrag ist doch auch erst in anderthalb Jahren wieder fällig.“ „Wenn Du so lange zwischen Hatford und Quebec Pendelverkehr fahren willst, ist das Dein Recht, den bis September 2019 zu den aktuellen Konditionen mit einer kleinen Ausnahme zu behalten. Unsere gemütliche Wohlfühl-Oase trocknet aber gerade aus.“ Das hatte er nett gesagt, denn verglichen zu Costco oder den Erzählungen von quasi allen Fahrern namhafter Unternehmen ging es mir sehr gut. An so arme Schweine bei Massenspeditionen wie Swift, Schneider National oder Taylor nicht zu denken.
    „Was ist denn aber nun los?“ „Zum Jahreswechsel hat Walmart Transportation einen neuen Geschäftsführer bekommen. Das Gerücht heißt, dass der alte nicht gehen musste, weil er schlecht auf dem Posten war, sondern der neue intern entsorgt werden musste und in die Logistik versetzt wurde. Da zwei Geschäftsführer aber schlecht möglich sind, wurde dem alten gekündigt zu einer Zeit, wo man sich bei uns überlegt hat, dass mittlerweile die Logistik zu wichtig ist, um einfach nur Beiwerk der Baumaschinensparte zu sein. Also ist der bei uns gestrandet, wir haben jetzt einen neuen Chef und der sitzt im Gegensatz zum alten direkt im Vorstand.“ „Oha – und der denkt, wir sind ein Supermarkt?“ „Nein, das zum Glück nicht. Der ist wenigstens guter Logistiker. Aber er überträgt durchaus Ansätze aus seiner Zeit bei Walmart auf Caterpillar. Insbesondere sind ihm Subunternehmer mit solchen Verträgen wie Du einen hast ein Dorn im Auge. Ich bin in dem Thema aber noch nicht so tief drin. Alles was ich tun kann, ist, Dich zu bitten, es so lange zu ertragen, bis George Mayne Dich eingeladen hat zur Neuverhandlung.“ „Und wenn ich das nicht will?“ „Dann kann ich es nicht ändern, aber Du schlägst Dir die Türe bei uns selber zu. Ich könnte es verstehen, aber fände es schade.“
    „Na ja. Irgendwann muss ich aber mal meinen Briefkasten leeren.“ „Ach du Schreck. Hast Du niemanden und keinen Nachsendeservice?“Nein. Und für Nachsendeservice müssten meine Touren ja mal so geplant sein, dass ich früh genug wüsste, wo mein Wochenende ist. Wenn die mir samstags an einem bestimmten Ort zustellen sollen, muss ich bis Donnerstag melden, wohin sie den Inhalt vom Postfach senden sollen.“ „Auch wieder wahr.“

    Ich lag noch lange wach im Bett und dachte über das Gespräch nach. Leider wusste auch Brian nicht alle Details, welche Auswirkungen die Veränderungen auf mich haben würden – oder er wollte und konnte es mir nicht vorab erzählen. Wenn George gesundheitlich angeschlagen war, er dauernd bei ihm war und auch noch auf Dienstreisen ging, dann wurde er vielleicht im Zuge der Umstrukturierungen befördert und rückte für George nach? Andererseits sollte es da Leute mit im wahrsten Sinne des Wortes älteren Rechten geben, denn Brian war insgesamt noch nicht so alt. Wenn ich mich richtig erinnerte, müsste er jetzt 26 sein.
    Es schien aber nach seiner Andeutung, dass meine locker angebundene Vertragsform mit vielen Freiheiten und nicht weniger Vorteilen nicht mehr erwünscht war, nur zwei Wege zu geben. Entweder ich musste mich enger an CAT binden oder ich musste meinen eigenen Weg im freien Markt finden. Es blieb mir wohl nur übrig, auf die Einladung von George Mayne zu warten.


    Donnerstag, 26.04.2018

    Je weiter nach Westen ich kam, umso früher durfte ich losfahren, da meine 24 Stunden sich ja nicht aus der East Coast Time wegbewegten. Und während ich also normalerweise gegen 7:30 AM EDT startete, war das hier in New Mexico schon 5:30 AM MDT.
    Weil ich an einem Truck Stop war, konnte ich vorher aber noch gut frühstücken, dann ging es rüber zu Union Pacific. Es war noch immer etwas dämmerig, als ich mit dem UPS-Reefer vom Güterbahnhof rollte. Von so einem Getreidesilo sah der Sonnenaufgang bestimmt gut aus. Aber die waren noch in Betrieb, also würde ich mich hüten, da drauf zu klettern. Hieß ich David oder Jamie?




    Auf dem gut ausgebauten US Highway 60 ging es in Richtung Amarillo, wo ich das Interstate-Netz erreichen wollte und die I-40 und I-44 mich an mein Ziel bringen sollten. Bis dahin musste ich aber durch die Orte fahren, zum Beispiel Hereford (TX) mit seinem klassischen Rathaus und weniger klassischen Anbauten für die Verwaltungsbüros.




    In Amarillo war der Verkehr dann etwas dichter, aber dennoch erreichte ich bald die I-40 und die Landschaft wurde wieder etwas hügeliger. Ich erreichte Oklahoma, aber leider mal wieder an einem schilderlosen Grenzübergang. Noch heute würde eine besondere Marke fallen.
    Schließlich tauchten auch wieder mehr Wälder auf. und auch das Wetter wurde wieder „östlicher“, als ich Oklahoma, nun mit Schild wieder verließ.




    Und das war der besondere Moment. Die USA hatten auf dem Festland 49 Staaten einschließlich Alaska, dazu der staatenlose District of Columbia. Dann gab es die 12 Provinzen und Territorien Kanadas, machte zusammen 62 Gebietskörperschaften.
    Oklahoma war Nummer 31 gewesen, die ich mit meinem Truck befahren hatte, jetzt folgte mit Missouri die Nummer 32 und damit hatte ich nun mehr als die Hälfte aller Staaten, Provinzen und Territorien mit dem Truck befahren.




    Auf meiner immer noch gepflegten Karte bildete Arkansas nun allerdings eine rote Enklave im grünen Gebiet. Weitere Kuriositäten waren, dass ich von New Mexico, Indiana und Maine noch nie ein Grenzschild gesehen hatte.
    Außerdem hatte ich neben Oklahoma und Indiana auch Delaware und New Jersey zwar durchfahren, aber dort noch nie geladen. Als Kurzstreckenfahrer durfte ich nach Delaware und New Jersey nicht hin, weil ich Pennsylvania erst mit 21 verlassen durfte. Als Langstreckenfahrer war es zu dicht an der Heimat, um mit einem Auftrag hin zu kommen.
    Weitere Sonderrollen hatten die Staaten Kalifornien, Nevada, Arizona, Utah, Colorado, Kansas und Illinois, in denen ich noch nie mit dem Truck, aber sehr wohl schon mit dem PKW gefahren war.

    Ich erreichte das Walmart-Zentrallager in Springfield (MO), lieferte den Trailer ab und fuhr zu einer Tankstelle, wo ich den Truck abstellte. Die Tankstelle selbst war mal wieder eine der einfachen, also ging ich fürs Abendessen in ein Diner und stellte mich drauf ein, morgen früh eine Katzenwäsche am Toilettenwaschbecken oder wenn es dort schmutzig war eine „Dosendusche“ im Truck einlegen zu müssen.


    Freitag, 27.04.2018

    Die Toilettenanlage war okay. Das Frühstücksangebot war es aber nicht, also gab es mal wieder eine Schüssel Mini-Wheats. Dann wollte ich wissen, ob Brian nun endlich mal wieder in meinem Sinne einen Auftrag vergeben hatte. Ja, er hatte!

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    Also gab es einen Bulldozer nach Washington DC. Von dort konnte ich notfalls auch Bobtail nach Hause. Zeitlich sollte sich das auch noch gerade so ausgehen. Ich zog das Warnbanner über die Front und war bei ziemlich bedrohlicher Wolkendecke auf dem Weg. Der Sonnenaufgang hatte nur eine kurze Chance, hier stimmungsvolle Lichtverhältnisse zu erzeugen.




    Eine knappe halbe Stunde nachdem ich bei CAT vom Hof war, fing der Regen wieder an. An der Grenze zu Illinois war es aber wieder trocken und sonnig. Ein weiterer Staat, den ich erstmals mit dem Truck befuhr, aber nicht zum Laden.




    Mitten in Indiana sprang dann die Zeitzone wieder um auf East Coast Daylight Time und ich war zurück in der Heimatzeit. Danach legte ich auf dem Leavenworth Truck Stop erst mal eine Pause ein, an allen erforderlichen Zeiten war es nach etwas über 7 Stunden mal wieder. Und als ich von Indiana nach Kentucky fuhr, sah ich doch im Rückspiegel, was ich nicht mehr für möglich gehalten hätte.




    Auch die Grenze nach West Virginia fiel noch an diesem Tag, bevor ich für die letzte Nacht seit langem nicht im Bett in meiner Wohnung die Hurricane Rest Area ansteuerte, ein nur mit einer der typischen Hütten ausgestatteter Parkplatz. Toilette, Automat für Heißgetränke, Automat für Kaltgetränke, Automat für Snacks, Sitzbänke.


    Samstag, 28.04.2018

    Die letzte Etappe stand an, nicht ganz 7 Stunden waren es noch bis Washington. Und meine Wochenschichtzeit saß mir im Genick. Hoffentlich war an der Ostküste kein Stau, immerhin war Samstag.

    Bei Coastline wurde ich meine Ladung schnell los und fuhr für die notwendige Pause rüber zur BP-Tankstelle. Vor der Pause füllte ich noch mal die Tanks auf und hier mal auf die dreiste Weise mit einer Pistole von jeder Seite.




    Nun ging es wirklich Bobtail nach Hause, da ich keinen Auftrag mehr für die kurze Strecke in einer Frachtbörse gefunden hatte. Zumal mir im Großraum Philadelphia auch nicht mehr viel Spielraum blieb. Tatsächlich hatte ich nur noch 1:24 übrig, als ich in meine Halle fuhr.




    Als erstes kam natürlich wie immer der Blick auf die Statistiken.

    WEEK DRIVE: 62:40 HRS
    WEEK WORK: 68:36 HRS
    WEEK START: MO:07:31 AM
    WEEK END: SA:05:35 PM
    WEEK FRAME: 5D:10H:04M
    WEEK MILES: 3,395
    WEEK FUEL ECO: 5.7 MPG
    WEEK AVG SPEED: 54.2 MPH
    WEEK PAYLOAD: 165.216 LB

    Das war ein miserabler Verbrauch bei kaum besserer Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit durchschnittlich steigender Entfernung der Aufträge sank natürlich das Durchschnittsgewicht, da man einfach weniger verschiedene Frachten bewegte. Das gehörte an sich auf die Meilen gerechnet, so wurde dieser Wert zusehends unsinnig.
    Den Verbrauch hatte ich mit vermutlich vor allem in Texas eingehandelt, wo die Straßen nicht kreuzungsfrei ausgebaut waren. Außerdem gab es nun wieder mehr Ballungsräume und damit mehr Staus. Das war noch der größte Vorteil an meinen Kanada-Touren gewesen, da gab es gar nicht genug Verkehr, der sich gegenseitig im Weg stehen konnte.

    Nun ging es ans Ausräumen des Trucks. Schließlich waren alle Dinge, die mit mussten, in meinem Chevy und ich machte mich auf den Weg. Meine Briefe gingen an ein Postfach, das ich auf dem Weg nach Hause auch noch leerte. Als ich angekommen war, machte ich erst mal eine Maschine Wäsche und dann ging es an die Post.

    Das meiste war nicht entscheidend und musste nur abgeheftet werden. Kreditkarte und Tankkarte wurden sowieso abgebucht, die Abrechnung war halt erforderlich. Allerdings war dann noch ein Brief von Caterpillar dabei.


    Caterpillar Inc., 100 N.E. Adams, Peroia IL 61629

    Ridley Road Haulage Ltd.
    2 Parker Avenue
    Philadelphia PA 19128

    Änderungsmitteilung

    Sehr geehrter Mr. Ridley,

    Bezüglich Ihres mit uns bestehenden Transportvertrages #7341 ergeben sich folgende Änderungen:

    §2 (geändert): Zuständig für die Einteilung der Fahrten ist das Northeast USA Logistics Center in Boston (bisher das Mid-Atlantic Center in Erie) – gültig ab 01.06.2018
    Diese Änderung hat rein informativen Charakter und daher keine Auswirkungen auf den Vertrag.

    §8 (geändert): Der Zutritt zu Sozialräumen und Werksverkaufsstellen der Caterpillar Inc. ist nicht gestattet. Hiervon ausgenommen sind Toilettenanlagen in für Besucher ausgewiesenen Bereichen – gültig ab 01.05.2018

    Diese Änderung beendet freiwillige Leistungen der Caterpillar Inc., die einseitig zurückgenommen werden können. Eine ausgegebene Rabattkarte wird ab dem 01.05. automatisch gesperrt und muss bis zum 01.07.2018 an Caterpillar Inc. zurückgegeben werden.

    §9 (geändert): Mitarbeiterrabatte auf Artikel aus dem Webshop entfallen – gültig ab 01.05.2018
    Diese Änderung beendet freiwillige Leistungen in Verbindung mit einer aus §8 (alt) ausgestellten Rabattkarte der Caterpillar Inc., die einseitig zurückgenommen werden können.

    §14 (hinzugefügt): Für die eingesetzten Zugmaschinen werden pro Meile Reinigungssätze von den unter §3 aufgeführten Vergütungen, mindestens jedoch eine Pauschale von $20,00 je Auftrag abgezogen:
    - Fahrzeuge mit unter dem Rahmen mündenden Abgasanlagen: kein Abzug
    - Fahrzeuge mit integraler Dachverkleidung und mindestens 12‘ hoher Abgasanlage: kein Abzug
    - Fahrzeuge mit nicht integralen Aerodynamikhilfen und mindestens 12‘ hoher Abgasanlage: $ 0,02
    - Fahrzeuge ohne Aerodynamikhilfen und mindestens 12‘ hoher Abgasanlage: $0,05
    - Fahrzeuge mit weniger als 12‘ hoher Abgasanlage: $ 0,09
    - Fahrzeuge mit Baujahr vor 2007 und hochgelegter Abgasanlage: $ 0,03 zusätzlich zu den oben genannten Sätzen
    Gültig ab 01.10.2018, die Einstufung des Fahrzeugs erfolgt per Selbstauskunft ab dem 01.07.2018.

    Dieser Zusatz stellt eine wesentliche Änderung des Vertrages, speziell der Vergütung, dar. Daraus ergibt sich für unsere Dienstleister ein außerordentliches Kündigungsrecht für alle über den 30.09.2018 hinausgehenden Verträge spätestens mit 4 Wochen Frist zum 30.09.2018.

    Sofern noch nicht passiert, werden Sie bis zum 31.05.2018 einen Termin in Ihrem Locistic Center bekommen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, den Vertrag nachzuverhandeln. Die Einladung wird entweder rechtzeitig per E-Mail erfolgen oder der Termin wird kurzfristig in die Tourenplanung eingebettet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Humphrey Moore
    Vice President Logistics
    Caterpillar Inc.


    Das hieß also, ich kam ab kommender Woche Dienstag nicht mehr in Kantinen und Duschen. Fairerweise war das Schreiben des neuen Chefs der Logistiksparte – oder wer auch immer seine eingescannte Unterschrift dort einfügen durfte – aber auch schon 3 Wochen alt.
    Andererseits überlegte ich mir, was wohl meine Reaktion auf diese Änderungen gewesen wäre, wenn Brian mir nicht unter der Hand angedeutet hätte, dass Veränderungen anstanden. Das war jedenfalls für den neuen Chef ein „Traumstart“.
    Aber egal, jetzt war Wochenende! Den Kopf zerbrechen konnte ich mir ab Montag wieder, vielleicht kam ja auch die Einladung, um die Dinge persönlich mit CAT zu besprechen, schon in den nächsten Tagen.

    412 mal gelesen

Kommentare 14

  • Benutzer-Avatarbild

    elwime -

    Sehr schöne Geschichte mit sehr viele offenen Fragen, lass dich nicht unterkriegen

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      TurboStar -

      Danke. Ich denke, Brandon hat sich schon mehrfach als standfest erwiesen ;)

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    infinity -

    Nichts ist Beständiger wie die Veränderung. Schauen wir mal was da so kommt. Ansonsten: schönes Gefühl mal wieder zu Hause zu sein, oder?

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      TurboStar -

      Auf jeden Fall. Ja, das spannende an der Zukunft ist, dass wir sie nicht kennen :D

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    alaskabaer01 -

    Klasse Kapitel und tolle Fotos.

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel. Da kann man ja nur gespannt sein, wie die Verhandlungen aussehen und wie Brandon sich entscheiden wird. :) Wenn du weiter so loslegst mit den Veröffentlichungen, kriege ich dich ja nie ein. ;)

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      TurboStar -

      Danke schön. Erst mal abwarten wie die Konditionen sind. Und keine Sorge, das ist der Sturm vor der Ruhe. Hatte ein Bisschen Fahrüberschuss, da ließ sich recht schnell viel Inhalt schreiben.

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    Werner 1960 -

    Toll geschrieben mit schönen Bildern.

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    loddi51 -

    Wieder ein schön geschriebenes Kapitel.

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    Viking1971 -

    Ich liebe Vertragsänderungen. Sie sind immer so schön juristisch abgefasst. Das wird sicher noch interessant. Ein schönes Kapitel.

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      TurboStar -

      Danke. Neue Besen kehren gut. Lassen wir die Dinge mal auf uns zu kommen.