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Man muss schon sehr genau...

  • Man muss schon sehr genau hinhören. Die Anschlussfracht nach Hause hatte einen gewichtigen Haken. Der hieß Trailer mit Rohren für eine Pipeline in der Nähe von Murmansk. Als ich das auf dem Tablet las war mir irgendwie etwas mulmig. Also ging es erstmal zur Ladestelle.


    Schon beim Auffahren aufs Gelände war mir klar, warum man lieber uns den Job gab als den hier anwesenden Kollegen. MAZ und Kamaz standen friedlich nebeneinander. Zwischendrin ein neuerer Ural der irgendwie einem Ami sehr ähnlich sah. Der Versandleiter schaute uns beide an und radebrechte dann in schlechtestem Englisch los. Schon nach 5 Sekunden unterbrach ihn Mark. "Wir sprechen auch russisch! Englisch ist ja nicht jedermanns Sache." "Puh, das freut mich zu hören. Sie werden sich wundern warum wir diesem Job an jemanden gegeben haben, der nicht aus Russland kommt. Wir brauchen diese Rohre nicht erst in 4 Wochen an der Baustelle sondern in 5 Tagen. Meine Vertriebskapazitäten sind ausgeschöpft. Der Fuhrpark den sie draußen sicher schon gesehen haben, ist für diese Strecke nicht wirklich geeignet und würde wahrscheinlich unterwegs irgendwo den Geist aufgeben. Wir haben auch moderne Fahrzeuge, aber die sind alle im Einsatz. Denken Sie, sie können es in 3 Tagen schaffen?" "Wenn unser Wikinger nicht seinen Geist aufgibt, dann sollte das kein Problem sein." Er verstand das Wortspiel nicht wirklich, aber es interessierte ihn auch nicht sonderlich. "Wenn es nicht zu schaffen ist, dann rufen sie mich bitte an. Ich muss das dann weiter melden, sonst bin ich finanziell so ziemlich am Ende." Das er so freimütig über seine Situation sprach machte mir Sorgen. Wenn jemand schon so nah am Abgrund steht sollte man besser... "Wir kriegen das hin. Bisher hat noch kein Auftraggeber wegen uns seinen Sessel räumen müssen. Von wem kriegen wir die Papiere?" Manchmal konnte Mark ganz schön vorschnell sein. Also aufsatteln und ab die Post.


    Fahrzeit war genug da und es wäre eigentlich ein schlechter Witz wenn wir das nicht schaffen sollten. Einzig Moskau und Sankt Petersburg konnten uns einen Strich durch die Rechnung machen. Wir werden sehen. Also gings erstmal auf die Straße. Wirklich gefordert wurde der Wikinger mit dieser Ladung nicht und bei den erlaubten 70 km/h durfte ruhig in die große Welle geschaltet werden. Dort tuckerte der Motor gemütlich mit etwas über 1100 Touren rum. Allerdings war es mit den Steigungen dann immer ein Problem. Ich kam nicht drumherum immer wieder runter zu schalten. Der Verkehr war mörderisch. Auf den Geraden versuchte jeder zu überholen und in den "Bergen" kroch man viel zu oft hinter wirklich langsamen Kollegen hinterher. Aber was solls. Irgendwann kommen wir nach Moskau und da kann man dann auch mal Gas geben.


    Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg und der war gepflastert mit Ortsdurchfahrten, Bahnübergängen, Tieren auf der Fahrbahn und so manch anderem Kram. Und immer wenn man dachte, jetzt läufts dann war da eine Baustelle. Die ersten 400 Kilometer waren einfach nur ein Alptraum. Auch Mark war nicht mal ansatzweise lustig drauf. Er wirkte gestresst. "Das hat man davon, wenn man vorschnell ja sagt. Hätte ich doch nur meine Klappe gehalten." "Jammern hilft da auch nicht mehr. Wir schaffen das schon. Wenn wir erst aus Moskau raus sind, gehts auch wieder. Aber erst müssen wir mal da ankommen." "Der Weg ist das Ziel oder was?" "So isses mein junger Freund." Und nun konnte er doch wieder grinsen. Aber unsere Geduld wurde auf eine lange Probe gestellt. Immer wieder schlichen wir hinter langsameren Lkw hinterher. Ab und an war es auch mal ein Pferdegespann oder ein Traktor. Und weil das noch nicht reichte, gab es immer wieder haarsträubende Überholmanöver von scheinbar lebensmüden Idioten in ihren Pkw zu sehen. Wer glaubt, auf Youtube müsse man Monate für ein 10-Minuten-Video sammeln, der irrt sich. Da reichen locker zwei Tage ohne näher zu suchen. Aber ich hatte ganz andere Probleme. Laut unserem Navi brauchten wir gar nicht nach Moskau. Hatte ich die verkehrte Karte oder was war da los? "Beim nächsten Wechsel musst du mir mal helfen. Ich glaube wir haben ein Problem mit der Route. Wer hat die rausgesucht?" "Das war ich. Hmm, es gab noch eine Option die ich gar nicht näher in Betracht gezogen habe weil dort mehrere Baustellen verzeichnet waren. Allerdings meiden wir auf dieser Option beide Großstädte, Moskau und St.Petersburg. Ich halte mal an." Sprachs und stieg bei nächster Gelegenheit in die Eisen.


    Da standen wir nun, der alte Idiot und sein junger Schüler. Ich bemühte Google.Maps. "Über Wladimir und Jaroslawl geht es schneller, selbst wenn wir in ein paar Baustellen fahren. Schade das wir keine AN-124 zur Verfügung haben. Dann könnten wir in 8 Stunden da sein." "Na die Option haben wir nun mal nicht. Was sagt denn dein Google zur Fahrzeit." "In Anbetracht der Tatsache das wir nur 70 fahren dürfen sind die 34 Stunden wohl eher Wunschdenken. Wir können es in der Zeit schaffen. Aber dazu muss der Lkw rollen. Also gib mal wieder Gas." "Nee wir tauschen, du darfst jetzt mal die Idioten hier ertragen. Ich übernehme dann später um die Idioten nicht ganz allein dir zu überlassen." "Wie fürsorglich. Dann rutsch mal rüber." Gerade als ich wieder Gas geben wollte hielt neben uns ein Lada der Miliz. In feinstem Russisch fragte man uns ob alles in Ordnung sei. Man machte sich schon Sorgen wenn da mal ein ausländischer Lkw auf einem Feldweg steht. Mark übernahm die Konversation während ich genüßlich auf meiner Pfeife rumkaute. Das Gespräch dauerte rund 10 Minuten. Ich hatte aufgeraucht. "Können wir dann? Wir müssen noch bis Murmansk." Ich hatte mein Schulrussisch ausgepackt so dass auch die Milizionäre verstanden worum es ging. "Das ist ein langer Weg. Wir wünschen gute und sichere Fahrt." "Danke, Euch noch einen ruhigen Dienst." Die Beiden fuhren davon und nun konnten auch wir die Reise fortsetzen. Wir wechselten dann von der R105 auf die R73. Die brachte uns fast bis Wladimir. Die Strecke zog sich. Hier gab es kaum Autobahnen was schon die Nummerierungen der Strassen vermuten ließen. Die Regionalstraßen in Russland sind zwar asphaltiert aber eben nur zweispurig. Und so brachte jeder Schleicher den Zeitplan einmal mehr ins Wanken. Wir tauschten dann in Wladimir nochmals die Plätze bevor es auf die M7 ging. Eine der wenigen Autobahnen, naja oder was man so nennen wollte. Hier durfte man 90 fahren, aber in Anbetracht der Straßenzustände sollte man auch hier Vorsicht walten lassen. Alles was nicht direkt nach Moskau oder eine andere Großstadt führte wurde nur stiefmütterlich behandelt. Man gab sich die größte Mühe, aber das wars dann auch. In mir kamen dunkle Erinnerungen hoch. An meine Kindheit und Jugend. Da tat man alles um die Städte schön und modern aussehen zu lassen. Da blieb so manches Dorf zurück. Während man zum Beispiel in Berlin gerüchteweise jeden Tag Bananen bekam, gabs die bei uns nur einmal im Jahr. Oder auch zweimal. So ähnlich sah es hier aus. Ich wollte hier nichts vergleichen, was nicht vergleichbar ist. Es erinnerte mich nur sehr daran. Wir näherten uns Iwanowo. "Wir müssen dann hier links weg, so ersparen wir uns die Stadt." "Okay, dann hoffe ich mal das du auch als Scout was taugst und nicht nur als Russischlehrer." "Du wirst schon sehen." Und ich sah es. Während wir der "Skyline" von Iwanowo die Seite zuwandten, sah ich eine Ampel. Eine Baustellenampel um genau zu sein. "Ganz große Klasse." Ich machte den Motor aus. "Wir müssen uns dringend mal unterhalten Mark." "Ja, aber erst wenn du wieder fährst. Die Ampel ist grün." Verdammt nochmal, dieser Bengel. Er lachte. "Hast gedacht, wir stehen hier ewig was?" "Es wäre nicht die erste Ampel dieser Art!" "Du alte Unke." War ja klar. Irgendwann kriegt man alles zurück. Wir wechselten dann in Jaroslawl wieder die Plätze. Hier gab es keine Umfahrung sodass Mark sich ruhig nochmal anstrengen konnte. Und es war anstrengend! Die späte Uhrzeit lockte so manchen Rennfahrer aus der Versenkung und so gab es immer wieder aufheulende Motoren und quietschende Reifen. Ein oder zwei Idioten versuchten ernsthaft sich mit uns zu messen. Was der Quatsch sollte, wollte mir einfach nicht in den Schädel. Ein anderer deutete auf die 750 am Wikinger und fing an zu lachen. Unser Wikinger ließ den Spott über sich ergehen und wir verließen dieses Irrenhaus. Wir fuhren noch bis Wologda wo wir unsere Pause machten. Dazu diente ein Rastplatz mit einem angeschlossenen Kaffee. So war der Morgenimbiss gesichert. Für die Abendtoilette reichte uns der Wasserkanister. Am nächsten Tag machten wir uns nach dem späten Frühstück wieder auf die Socken. Wie vorhergesagt hielt sich der Verkehr außerhalb der Metropolen in Grenzen. So vergingen die nächsten zwei Tage und wir näherten uns stetig Murmansk.


    So langsam wurde es aber doch richtig kühl um nicht zu sagen kalt. Das Einzige was wirklich noch fehlte war Schnee. Mitte November war hier normalerweise alles weiß. Klar war alles trübe und die Bäume verloren ihre letzten Blätter. Aber der Schnee blieb aus. Wir erreichten Murmansk und mich wunderte es nicht sonderlich, das wir die Rohre auf einem Speditionshof abstellten anstatt sie direkt zur Baustelle zu bringen.


    Würde mich nicht wundern, wenn die zum Militärhafen oder zu einer Basis der russischen Armee geliefert werden sollten. Da hatten wir Ausländer nun mal nichts zu suchen. Da standen wir nun. "Und nun zurück nach Oslo! Die Ladestelle muss hier gleich um die Ecke liegen. Du fährst." Damit war Mark wieder am Steuer. Wir holten Baumaschinen von einer Firma ab und brachten sie zurück zu ihrem Stammsitz.
    trucksim-map.com/gallery/index.php/Image/52513-11-Schweden/trucksim-map.com/gallery/index…ge/52511-9-es-zieht-sich/

    Das war insgesamt ein sehr langer Trip. Doch wir haben wieder viel gelernt. Es war an der Zeit Mark allein weiter fahren zu lassen. Von Oslo aus flog ich zurück nach Kopenhagen während Mark sich weiter duch Europa kämpfte. Um zu beweisen das es dem Wikinger gut ging, schickte Mark regelmäßig Fotos und gelegentlich fand sich auch was bei den Truckspottern.
    trucksim-map.com/gallery/index…ge/52516-14-Mark-im-Harz/

    Ich genoß die Zeit mit der Familie und zu Weihnachten feierten wir alle zusammen in der Firma. Auch dieses Jahr war vorher eine Tour für notleidende Kinder angesagt. Diesmal fuhren Nina und David. Und unser Enkelchen blieb bei Oma und Opa. Es war eine schöne Zeit und der Winter bot dieses Jahr wirklich alles. Viel Arbeit, viel Schnee und jede Menge Spaß. Tja und nun ist fast schon wieder Sommer. Mark fährt immer noch den Wikinger und er macht das richtig Klasse. Er hat schon so manchen Panzer und etliche Krane durch Europa kutschiert. Leider fehlen uns immer noch Fahrer. So mancher stellte sich vor und kam danach nie wieder.
    Mit freundlichem Gruß Viking1971
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Kommentare 8

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    alaskabaer01 -

    Tolles Kapitel und Fotos.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel.

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Und irgendwie scheint mir, dass auch Du Dich bemühst, mal wieder mit der Echtzeit zusammenzukommen :D

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      Viking1971 -

      Ich habs mächtig schleifen lassen müssen. Die Arbeit kostet mich momentan den letzten Nerv. Seit Wochen Überstunden und nur den Sonntag mal frei. Da kommste zu nix. Deshalb ist mir das Kapitel auch nicht wirklich gelungen. Die Patches von SCS sind da auch nicht hilfreich auch wenn sie mir wirklich gefallen.

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    infinity -

    ... stellte sich vor und kam danach nie wieder. /// So ist das wenn sie merken, dass gearbeitet werden muss. Nur vom spazieren fahren kommt nix. Ich war ja nun schon öfter in Malmö unterwegs; also direkt nebenan zu Kopenhagen. Aber irgendwie fährt man sich doch nicht übern Weg. Heute hier. Morgen dort... Ne Tour nach Russland wirds bei mir wohl erst nach dem Urlaub wieder geben.

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel mit schönen Bildern.

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    Werner 1960 -

    Toll geschrieben mit schönen Fotos.