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Änderung der Datenschutzrichtlinie

 

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Mit freundlichen Grüßen
Euer TSM Team

35. Von Umstrukturierungen und einer Tour nach Kanada

  • Samstag, den 3. Februar 2018, Manchester, NH:

    Ich fuhr direkt zu dem Motel, wo man zu meinem Glück auch noch was frei hatte. Ich checkte dann bis Sonntagabend ein und konnte dann den Truck vor meinem Zimmer parken. Nachdem ich dann meine Sachen, die ich brauchte ins Zimmer geräumt hatte, ging ich erstmal in Ruhe duschen.
    Nachdem ich dann wieder frisch war, nahm ich mein Handy und rief Keela an. „Hallo Schatz, schön dass du dich meldest.“ Wurde ich begrüßt. „Hallo Süße. Das ist doch jetzt selbstverständlich.“ „Das ist gut. Es gibt nämlich einiges zu erzählen.“ „Beruflich oder privat?“ „Das meiste ist eher beruflich. Es wird dich aber auch mit betreffen.“ „Aha. Wie denn das?“ „Ich weiß nicht ob du es mitbekommen hast, dass die Walmart Transportation seit Anfang des Jahres einen neuen Geschäftsführer in Bentonville sitzen hat.“ „Das ist völlig an mir vorbeigegangen. Ich habe aber auch nur mit euch in Sacramento zu tun.“ „Schon klar. Der Mann hat aber einige Änderungen vor, von denen jetzt die ersten umgesetzt werden sollen.“ „Und das betrifft auch mich?“ „Das bleibt ja nicht aus, da du ja für uns fährst.“ „Na hoffentlich zum Guten.“ „Das vielleicht weniger. Aber mal zur Sache. Gestern beim Schichtwechsel kam dein Dad ins Büro und hat schon mal ein paar Sachen angekündigt.“ „Aha.“ „Es wurde fast eine kleine Betriebsversammlung. Zuerst war Charlie dran. Er ist befördert worden. Charlie ist nun Abteilungsleiter der kompletten Dispatch. Bisher war er ja nur unser Teamleiter.“ „Da muss ich ihm wohl gratulieren.“ „Das bedeutet aber nicht nur mehr Geld, sondern auch eine Menge mehr Arbeit.“ „Macht er denn noch die Schichtdienste mit?“ „Vorerst auf jeden Fall. Kann aber auch sein, dass da langfristig noch wer eingestellt wird und Charlie Schichtübergreifend eingesetzt wird. Außerdem muss er sich jetzt über die Ausbildung bei uns kümmern. Das heißt er muss unsere Auszubildenden in der Abteilung anlernen. Das geht bereits ab Montag los.“ „Aha.„Wir bekommen dann eine Auszubildende in unser Team, die auf Charlies Schicht mitarbeiten wird.“ „Verstehe.“
    „Dann hat dein Dad noch einiges angekündigt, was im Laufe des Jahres umgesetzt wird.“ „Auch was Interessantes?“ „Auf jeden Fall. Eigene Fahrzeuge werden nicht mehr im Long Haul Verkehr eingesetzt. Unsere Eigenen Leute sollen nur noch im Regionalverkehr fahren. Maximal im Umkreis von 500 Meilen. Die längeren Strecken machen Unternehmer, wie du, oder Firmen, wie Swift.“ „Aha.“ „Unsere Fahrer sollen möglichst jeden zweiten Tag und die Wochenenden zu Hause verbringen.“ „Aha.“ „Dann wird noch mehr, als bisher auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit geachtet.“ „Echt?“ „Unser neuer Geschäftsführer war vorher im Marketing genau für diese Themen verantwortlich.“ „Ach so.“ „Das heißt, wenn du noch mal einen neuen Truck holst, darfst du für uns keinen Klassiker mehr kaufen.“ „Na toll.“ „Es sollen nur noch moderne Trucks in den Fuhrpark, die alle Vorkehrungen zum Kraftstoffsparen und für den Umweltschutz haben. Das soll durch die modernen Fahrzeuge auch für unsere Kunden sichtbar sein.“ „Muss ich meinen W900 jetzt verkaufen?“ „Ich meine nicht. Frag da aber besser deinen Dad.“ „Was noch?“ Es fiel noch das Schlagwort ORBCOMM 6.0. Das soll eine neue, effektivere Software für die Ortung, Kommunikation und Disposition sein. Ich glaube, wir sollen hier in Sacramento an dem Feldversuch teilnehmen.“ „Da bin ich ja mal gespannt.“ „Das wichtigste für dich zum Schluss. Die Unternehmer Verträge werden in drei Kategorien eingeteilt. A, B und C. Mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten.“ „In welche Kategorie falle ich?“ „Bin mir nicht ganz sicher. Ich meine A. Könnte aber auch noch B sein. Da fragst du am Besten auch deinen Dad.“ „Oh, je.“ „Der Laptop hat gerade ein paar Mal gepingt. Ich muss mich erst mal um die anderen Fahrer kümmern. Ich habe ja Bereitschaft.“ „Mach das. Dann ruf ich mal meinen Dad an. Wir telefonieren gleich noch mal.“ Wir legten auf und ich stöhnte erstmal auf. Da sollte ja einiges auf uns zukommen.

    Als Nächstes rief ich bei meinen Eltern an. Mom meldete sich. „Hallo Marc, das ist ja schön, dass du dich mal wieder meldest. Man hört ja kaum noch was von dir.“ „Ich bin ja auch ständig unterwegs.“ „Ich weiß. Dein Vater hält ja hier eine Lobrede nach der nächsten über dich.“ „Das wusste ich nicht. Hast du eigentlich noch Kontakt zu Steve?“ „Wir treffen uns regelmäßig. Auch mit seiner Frau und dem Kind. Dein Vater weiß da aber nichts von. Nächste Woche wird das wieder häufiger, da dein Vater eine ganze Woche in Bentonville sein wird.“ „Grüß ihn mal von mir. Übrigens. Ist Dad zu Hause? Ich müsste ihn mal sprechen.“ „Der sitzt im Arbeitszimmer. Ich stell dich mal durch.“
    Kurz darauf hatte ich Dad am Telefon. „Hallo Marc. Was gibt’s?“ „Keela hat mir gerade erzählt, was gestern im Büro los war. Da hätte ich noch ein paar Fragen an dich.“ „Eigentlich hätte sie dir da gar nichts von sagen sollen. Das sind Betriebsinterna. Die Subunternehmer wollte ich noch separat anschreiben, wenn ich aus Bentonville wieder da bin.“ „Jetzt reiß ihr aber deswegen nicht den Kopf ab.“ „Mache ich schon nicht. Was möchtest du denn wissen?“ „Wie sieht das mit meinem W900 aus? Muss der verkauft werden, oder darf ich den noch weiterfahren?“ „Das ist eine gute Frage. Dazu hole ich mal etwas weiter aus. Unser neuer Boss in Bentonville war vorher im Marketing im Mutterkonzern, also der normalen Handelskette, beschäftigt. Dabei hat er sich um das Image von Walmart in Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gekümmert. Das wird ja auch hier immer wichtiger. Allerdings hat er das dort auch schon etwas übertrieben. Daher hat man ihn weggelobt und in eine Tochtergesellschaft versetzt. Leider hat es uns dabei getroffen. Nun kommt er mit seinen, teils übertriebenen Ökovorstellungen in unseren Bereich. Wenn es nur nach ihm ginge, würden wir die Ware wahrscheinlich per Fahrradkurier zum Supermarkt schaffen.“ Er lachte abfällig. „Zum Glück geht es aber nicht nur nach ihm. Die Konzernmutter hat auch noch was zu sagen. Daher wird unser eigener Fuhrpark, der ja auch ein Markenzeichen von Walmart ist, weiter beibehalten. Die Fahrzeuge sollen aber eben nur noch nach der neusten Schadstoffnorm geordert werden. Es gibt Feldversuche mit Hybridtrucks und er hat, glaube ich auch schon Kontakte zu Tesla aufgenommen, die an einem Elektrotruck arbeiten.“ „Auch das noch.“ „Die neuen Trucks müssen auch alles haben, was Kraftstoff spart. Sämtliche Spoiler Pakete, Energiesparreifen, Automatik und eine nicht zu hoch gewählte Motorisierung.“ „Gilt das auch für Unternehmertrucks?“ „Weitgehend schon. Alles, was man nach außen sieht, soll ebenfalls so sein. Ich kann aber keinem Subunternehmer vorschreiben, was er für eine Motorisierung und Getriebe kauft.“ „Gegen die modernen Trucks sieht mein W900 aber wie ein Dinosaurier aus.“ „Zum Glück bist du nicht der einzige Subunternehmer in Nordamerika, der einen Classic Truck fährt. So konnten wir, die Gebietsleiter, wenigstens einen Bestandsschutz durchsetzen, der für Fahrzeuge gilt, die ab 2015 zugelassen wurden. Daher ist dein Truck nicht betroffen. Er ist ja erst vergangenes Jahr zugelassen worden.“ „Gott sei Dank.“ Atmete ich auf. „Sonst noch was?“ „Ja. Keela sagte was von A, B und C Unternehmern. Was bin ich denn?“ „Wenn du die Kategorien kennen würdest, wäre das für dich klar. Ein A Unternehmer wird mit einem eigenen Truckdriver gleichgestellt. Er hat die gleichen Recht und Pflichten, wie ein eigener Fahrer. Laut Vertrag fährt er ausschließlich für uns. Dafür hat er auch die gleichen Vergünstigungen, wie die eigenen Angestellten. Mitarbeiterrabatt bei Einkäufen in unseren Märkten, Tankkarten von uns, Vergünstigungen bei dem Kauf von Ersatzteilen und Reifen für die Trucks, sowie bei Reparaturen in den Werkstätten. Er braucht keinen eigenen Trailer und keine eigene Dispatch. Das machen wir alles für ihn. Ein B Unternehmer darf auch für andere Kunden fahren. Dafür hat er aber auch die Vergünstigungen beim Tanken und in Werkstätten, sowie in unseren Märkten nicht. Er bekommt ebenfalls unsere Trailer, wenn er möchte und kann auch von uns disponiert werden. Er kann aber auch seine Eigene Dispatch nutzen und eigene Trailer verwenden. Das gilt zum Beispiel für Fahrzeuge von Swift, die fest bei uns fahren. C Unternehmer sind Freelancer, die gelegentlich für uns fahren, um Spitzen abzudecken. Sie fahren dann mit eigenen Fahrzeugen und werden von der eigenen Dispatch eingeteilt. Das machen Spediteure, die eine Rückladung brauchen, oder die gerade keine andere Ladung haben. In der Regel fahren sie mit eigenen Trailern. Wenn kein entsprechender Trailer vorhanden ist, kann auch einer von unseren geladen werden und dann am Ziel wieder abgestellt werden. So machen das ja auch manchmal die Fahrer von Costco oder Best Buy. Genau wie wir bei denen auch schon mal Trailer bekommen.“ „Das war jetzt ein langer Vortrag. Bin ich denn jetzt A oder B?“ „Was meinst du denn?“ „Von den Pflichten her würde ich A sagen. Von den Rechten her B.“ „Wieso denn das?“ „Ich fahre doch ausschließlich für euch. Ich werde von eurer Dispatch eingeteilt und nutze eure Trailer. Ich habe aber weder eine Tankkarte von Walmart, noch einen Mitarbeiterrabatt. Auch in den Werkstätten läuft alles über meinen Namen. Neue Reifen brauchte ich noch nicht. Das heißt, als ich von Rick die Alufelgen bekommen habe, waren da neue Reifen drauf. Sonst noch nicht.“ Dad räusperte sich. „Ich dachte selber, dass du A bist. Möchtest du denn die Rabattkarten und die Tankkarte haben?“ „Klar. Wenn ich schon die Pflichten von A habe, hätte ich auch gerne die Rechte.“ „Dann werde ich die beantragen und dir dann zukommen lassen. Falls du aber doch noch einen zweiten Truck dazunehmen möchtest, würde ich dir empfehlen, einen Truck als A und einen als B fahren zu lassen. So kannst du auch mal für andere Kunden fahren.“ „Wie soll ich mir denn einen zweiten Truck leisten?“ „Genauso finanziert, wie den ersten. Nur zusätzlich mit dem Großflottenrabatt für Walmart. Das darf ja sowieso kein Klassiker mehr sein.“ „So lange das dann kein Freightliner sein muss.“ „Natürlich nicht. Du kannst dir auch einen Kenworth kaufen, wenn dir der lieber ist. Von mir aus auch mit Schaltgetriebe.“ „Ich denke mal drüber nach.“ „Dann würde ich aber auch empfehlen, den Neuen mit dem A Vertrag auszurüsten. Das würde unserem Boss besser gefallen.“ „Wie sieht das denn mit den Long Haul Touren aus? Darf ein A Unternehmer weiter als 500 Meilen fahren, oder fährt der, wie die Eigenen in Zukunft nur noch regional?“ „Im Gegensatz zu unserem neuen Boss weiß ich, dass es auch notwendig ist, weitere Touren über die Straße zu fahren. Wenn es nach ihm geht, gingen alle weiten Touren nur noch über die Schiene. Ich bin der Meinung, dass wir gerade für die Long Haul Touren noch A Unternehmer brauchen.“ „In Ordnung.“ „Sonst noch Fragen?“ „Was hat es mit ORBCOMM 6.0 auf sich?“ Das ist ein verbessertes System, was noch besser mit den Fahrzeugsystemen arbeitet. Zusätzlich zu dem alten System greift es auch auf die Daten von E-Log und auf die Telematik Daten des Fahrzeugs zu. Die Dispatcher können auch die Verbräuche und die Fahrweise auswerten. Das wird aber eher bei den eigenen Fahrzeugen getan. Darüber hinaus wird die Benutzeroberfläche leicht überarbeitet. Die Kurzformen für die Ladestelle und den Ort werden zukünftig in drei Stellen angegeben. Bis jetzt steht ja zum Beispiel ES-CASA für das Außenlager Sacramento. Das heißt in Zukunft dann wohl EXS-CASAC.“ „Verstehe.“ „Das ist eigentlich alles.“ „Eine Frage noch. Darf ich als A Unternehmer eigentlich auch eure Sozialräume und die Kantine am Zentrallager nutzen?“ „Das weiß ich gerade selbst nicht. Die Frage werde ich in Bentonville mal anbringen. Bisher war das für sämtliche Subunternehmer untersagt. Ob ein A Unternehmer da auch die gleichen Rechte, wie ein angestellter Fahrer hat, werde ich prüfen.“ Okay, Dad. Dann werde ich mich mal etwas hinlegen. Ich war die Ganze Nacht im Einsatz.“ „Wo bist du denn gerade?“ „Manchester, New Hampshire.“ „Verstehe. Dann schlaf gut.“ Wir legten auf.
    Bevor ich mich aber hinlegte, telefonierte ich noch mal mit Keela und berichtete ihr von dem Gespräch mit Dad. Anschließend sprachen wir noch über andere Themen. Schließlich legten wir auf und ich legte mich wirklich erst mal ein wenig hin.

    Am Abend ging ich dann, da es in Manchester nicht so viel zu sehen gab, mal wieder zum Eishockey. Dabei sah ich dann den 8:3 Heimsieg der Manchester Monarchs gegen die Adirondack Thunder in der ECHL. Die Stimmung in der mit gerade mal knapp 2700 Leuten ausgelasteten SNHU Arena war entsprechend gut. Gut gelaunt ging es dann hinterher wieder zu meinem Motel, wo ich dann den Abend noch vor dem Fernseher verbrachte.

    Sonntag, den 04. Februar 2018, Manchester, NH:

    An dem Sonntag machte ich mir noch mal einen ruhigen, erholsamen Tag. Ich verbrachte die meiste Zeit in meinem Zimmer und erledigte dort etwas Bürokram. Außerdem telefonierte ich noch mit Keela, die ja ebenfalls zu Hause festsaß, da sie Bereitschaft hatte.
    Am Nachmittag legte ich mich aber noch mal etwas hin, da mir Keela schon angekündigt hatte, dass es am Abend für mich schon wieder losgehen sollte.
    Am Abend ging es dann wirklich wieder weiter. Nachdem ich geduscht hatte, checkte ich aus und war dann pünktlich am Abend um Neun wieder im Truck, um mit der PTI zu beginnen. Als diese abgeschlossen war, stand auch mein nächster Auftrag im System:

    PICKUP: BB-NHMA
    TRAILER: BB28894
    FREIGHT: COMPUTER
    WEIGHT: 11,500 LB
    TO: ES-NCWI
    GATE: -----
    REMARKS: -----

    CASA-KRY.

    Es ging also erst wieder an der Ostküste entlang. Eine Ladung Computer für Wilmington, North Carolina. Ich machte mich also auf den Weg zum Best Buy Lager, wo ich vor meinem Reset auch abgeliefert hatte. Dort stand dann ein Pup von Best Buy für mich bereit. Ich sattelte auf und erledigte die Abfahrtskontrolle des Trailers. Der kleine Dry Van war dann sogar verplombt. Vermutlich war das bei Best Buy so, weil die Ladungen entsprechend Diebstahlgefährdet waren.
    Um viertel vor Zehn machte ich mich dann auf den Weg gen Süden. Dazu fuhr ich zuerst wieder auf die I-93 in Richtung Boston. Keine 20 Meilen später war ich dann auch in Massachusetts. Nun folgte wieder der Wechsel auf die I-95 über die es nun wieder eine lange Zeit in Richtung Süden gehen sollte. Dabei wurden wieder reichlich Staaten durchquert. Ich passierte Rhode Island, und Connecticut.

    Kurz vor der Staatsgrenze nach New York ging die Tankleuchte an. Allerdings galt auch hier wieder, dass die Tankstellen an der Interstate meist entsprechend teuer waren. Da es sonst auch meistens so war, dass es in den großen Städten billiger war, als auf dem Land, beschloss ich in die Außenbezirke von New York City zu fahren. Dabei hatte ich dann den Staat New York eigentlich schon verlassen und war in New Jersey, als ich auf die I-78 wechselte. Über diese Interstate ging es dann in die Außenbezirke von New York.
    Als ich eine Tankstelle gefunden hatte, die mitten in der Nacht geöffnet hatte, schluckte ich einmal kräftig. Bei dem Spritpreis hätte ich auch fast zu Hause in Kalifornien tanken können. Ich tankte also nur 30 Gallonen und machte mich dann wieder auf den Weg in Richtung Süden.
    Es ging erst wieder zurück auf die I-78 und dann auf die I-95 zurück, die ich wieder in südlicher Richtung nahm. Nun führte die I-95 über den New Jersey Turn Pike. Auf dieser Route merkte ich dann aber langsam, dass ich am Nachmittag nicht genug geschlafen hatte. Ich wurde müde und meine Aufmerksamkeit ließ rapide nach. Ich nahm dann eine kleine Rest Area auf dem Turn Pike und hielt dort für eine Pause an. In dieser legte ich mich dann noch mal schlafen.

    Gegen viertel vor Sechs am Morgen stand ich dann aber wieder auf und machte mich wieder auf den Weg. Ich hatte knapp zwei Stunden geschlafen. Nachdem ich jetzt noch einen Kaffee getrunken hatte, ging es mir wieder gut genug, um weiterzufahren.
    Nun ging es in den nächsten Staat, nach Delaware. Das war allerdings auch nur ein sehr kurzes Gastspiel. Nach 15 Meilen erreichte ich dann schon Maryland. An dem TA Truckstop, an dem ich am vergangenen Freitag bereits über Nacht gestanden hatte, hielt ich dann noch mal zum Tanken. Das war zwar auch hier nicht allzu günstig, aber immer noch billiger als in New York. So tankte ich hier immerhin 150 Gallonen nach.
    Anschließend sollte der Endspurt für diese Schicht laufen. Ich machte mich noch mal auf den Weg und kam immerhin noch nach Virginia. Am Flying J Travel Center, Carmel Church in Ruther Glen, VA machte ich dann für diese Schicht Feierabend. Dort telefonierte ich dann zuerst eine ganze Weile mit Keela.
    Anschließend ging ich dann noch zum Duschen und Essen in den Truckstop. Dann ging es schnell in die Koje. Ich hatte noch etwas Schlaf nachzuholen.

    Montag, den 5. Februar 2018, 8:00 pm, Eastern Standard Time, Ruther Glen, VA:

    Am Abend um acht Uhr klingelte mein Wecker schon wieder. Leider sah es bis jetzt so aus, als müsste ich diese Woche mal wieder Nachtschicht machen. Wenigstens war ich so auf der gleichen Schicht, wie Keela. Ich stand auf und ging zum Duschen und Kaffeetrinken in den Truckstop. Gegen viertel vor Neun konnte ich wieder mit der PTI beginnen. Um neun Uhr machte ich mich wieder auf den Weg.
    Es ging wieder zurück auf die I-95 in Richtung Süden. Dabei merkte ich, dass auch jetzt am Abend noch reichlich Verkehr herrschte. Ich war halt an der Ostküste. Einige Zeit später ging es wieder über die Grenze nach North Carolina. Nun ging es wieder auf die Stadt zu, wo die erste Ladung der Tour an die Ostküste mit begonnen hatte. Raleigh. Es ging aber nur östlich an der Stadt vorbei.
    In der Nähe von Benson, NC wechselte ich dann auf die I-40 in östlicher Richtung. Nun ging es direkt auf mein erstes Ziel für heute zu. Wilmington. Damit sollte ich dann wirklich mal an eine Küstenstadt am Atlantik kommen. Es war dann auch schon ein Uhr durch, als ich in Wilmington ankam.

    Mein Navi lotste mich dann zuverlässig durch die Stadt, bis ich das Außenlager erreicht hatte. Hier durfte ich dann auch den Pup mit der Werbung für Best Buy wieder loswerden. Als ich abgesattelt hatte, war dann auch der nächste Auftrag von Keela auf meinem Display:

    PICKUP: ES-NCWI
    TRAILER: RE53769
    FREIGHT: FROZEN FOOD
    WEIGHT: 37,600 LB
    TO: JD-ININ
    GATE: 08
    REMARKS: -----

    CASA-KRY.

    Tiefkühlkost für eine John Deere Niederlassung in Indianapolis. Der direkte Weg nach Hause sah anders aus. Ich hatte aber nicht vor, mit Keela darüber zu diskutieren. Wenn sie was gehabt hätte, was nach Hause ging, hätte ich das schon bekommen.
    Ich fuhr zu Tor Acht und sattelte den Reefer auf. Im Anschluss holte ich die Papiere aus dem Bürocontainer und erledigte die PTI. Um zwei Uhr ging es dann wieder weiter.

    Ich fuhr zur I-40 zurück und fuhr dort wieder in westlicher Richtung auf. Viel weiter in Richtung Osten ging es eh nicht. Die I-40 begann hier und weiter östlich lag nur noch der Ozean.
    Nun ging es wieder zurück in Richtung Raleigh. Als ich in den Bereich der Stadt kam, bekam ich langsam Hunger. Außerdem wurde es Zeit, meine Pause zu machen. Da im Raum Raleigh nicht wirklich viele Parkmöglichkeiten waren, fuhr ich von der Interstate ab und machte auf dem Parkplatz eines Sam’s Club meine Pause. Erstens wurde der Parkplatz um diese Zeit nicht gebraucht, da dieser Laden in der Nacht geschlossen war, Zweitens gehörte Sam’s Club zur Walmart Gruppe. Daher würde man mich dort auch tolerieren, wenn der Laden geöffnet war. Ich musste ja nicht in der Nähe des Ladens parken. Auch jetzt in der Nacht nahm ich eher einen der hinteren Parkplätze.

    Um halb Sechs machte ich mich gesättigt wieder auf den Weg. Es ging erstmal weiter in westlicher Richtung auf der I-40 weiter. Nun konnte ich auch sagen, dass ich die ganze I-40 von Barstow, CA bis Wilmington, NC schon gefahren war.
    Heute ging es auf der I-40 dann weiter, bis ich Statesville, NC erreichte. Dort wechselte ich dann auf die I-77 in Richtung Norden. Inzwischen war der Dienstagmorgen angebrochen und langsam dämmerte es. Langsam aber sicher ging auch meine Fahrzeit dem Ende zu. Ich erreichte gerade noch Virginia, was ich auf meinem Weg mal wieder durchqueren musste. Kurz nach der Staatsgrenze machte ich am Love’s Travel Center in Lambsburg, VA Feierabend. Da ich noch ein wenig Luft hatte, fuhr ich zuerst an die Zapfsäule und tankte den Kenworth mal wieder voll. Anschließend sichte ich hier nur noch einen Parkplatz. Um viertel vor Neun stellte ich den Truck schließlich ab.
    Da es in Kalifornien noch keine sechs Uhr war, war Keela noch am Arbeiten. Sie machte wohl gerade die Übergabe mit Charlie und der Auszubildenden. Ich ging also zuerst zum Duschen. Anschließend holte ich mir noch eine Kleinigkeit zu Essen, die ich aber mit in den Truck nahm. Dort telefonierte ich dann mit Keela, die inzwischen auch zu Hause angekommen war. Mein Essen nahm ich während des Telefonats ein. Nachdem wir dann aufgelegt hatten, legte ich mich auch kurz darauf ins Bett.

    Dienstag, den 6. Februar 2018, 6:00 pm, Eastern Standard Time, Lambsburg, VA:

    Am Abend um sechs Uhr klingelte mein Wecker wieder. Die nächste Nachtschicht stand mir bevor. Meine Süße hatte noch etwas mehr Zeit, bis sie raus musste. In Kalifornien war es ja gerade mal drei Uhr am Nachmittag.
    Ich stand auf und ging zum Duschen in den Truckstop. Anschließend gab es dort mal wieder den ersten Kaffee. Um sieben Uhr begann ich dann wieder mit der PTI. Als diese erledigt war, machte ich mich wieder auf den Weg.
    Es ging zurück auf die I-77 in Richtung Norden. Eine knappe Stunde später ging es dann von Virginia nach West Virginia. Nun ging es immer weiter in Richtung Charleston. In der Nähe von Mac Arthur, WV kam dann die I-64 dazu. Auf einer Trasse führten nun die I-64 und die I-77 weiter in Richtung Charleston. Bei Charleston wurden dann aus einer Interstate drei. Die I-64, die I-79 und die I-77. Ich folgte dann wieder der I-77 weiter in Richtung Norden.
    Bei Marietta überquerte ich dann den Ohio River und kam somit in den gleichnamigen Staat. Der Wechsel der Interstate stand dann bei einer Stadt an, die wieder mal nach einer englischen Stadt benannt worden war. Cambridge. Hier wechselte ich auf die I-70 in Richtung Westen.
    Nun ging es auf Columbus, OH zu. Ich war auch schon wieder so weit in den Norden gekommen, dass hier wieder Schnee lag. Inzwischen hatte ich mich in diesem Winter aber an das weiße Zeug gewöhnt.
    Columbus passierte ich mitten in der Nacht, so hatte ich auch keine Probleme mit dichtem Verkehr oder Staus. Trotzdem wurde es langsam Zeit für eine Pause. Diese absolvierte ich an einem Pilot Travel Center in dem nächsten Ort mit Britischem Vorbild. In London. Da der Truckstop in der Nacht recht voll war, parkte ich nur an der Seite. Ich ging dann auch nur schnell was essen und fuhr eine dreiviertel Stunde später schon wieder weiter.

    Es ging jetzt an Springfield und Dayton vorbei nach Indiana. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis ich Indianapolis erreichte. Die John Deere Niederlassung lag im Süden der Stadt. Unweit vom Flughafen. Ich wechselte auf die I-465, die als Ring rund um Indianapolis ging und fuhr in der Nähe der Firma ab. Dann ging es noch ein Stück durch ein Industriegebiet.

    Gegen viertel vor Fünf erreichte ich die Niederlassung und meldete mich beim Wachdienst, die dort rund um die Uhr vor Ort waren. Den Trailer musste ich dann rückwärts in eine Halle drücken und dann dort absatteln. Die Staplerfahrer wollten momentan nicht draußen auf dem Hof entladen, da es dort zu viel Schnee gab. Ich hatte aber genug Platz zum Rangieren, so hatte ich eine Viertelstunde später abgesattelt und den Papierkram bereits erledigt. Jetzt hatte ich auch den nächsten Auftrag im System stehen:

    PICKUP: CA-ININ
    TRAILER: RE53784
    FREIGHT: EMPTIES
    WEIGHT: 35,000 LB
    TO: CW-MNMN
    GATE: -----
    REMARKS: -----

    CASA-KRY.

    Als ich mein Ziel sah, musste ich erstmal leicht aufstöhnen. Keela schickte mich mal wieder in ihre alte Heimat, nach Minneapolis. In keiner Ecke außerhalb von Kalifornien war ich schon so oft gewesen, wie dort. Ob das an Keelas Kontakten zu ihren ehemaligen Kollegen lag, wusste ich nicht. Ich vermutete es aber.

    Die Niederlassung von CAT lag in der Nähe vom Harding Street Quarry. Einem Steinbruch im Süden von Indianapolis. Neben dem Steinbruch gab es hier auch eine Anzahl Bauunternehmen und Baustoffhändler. Wo hätte eine CAT Niederlassung mehr Sinn gemacht, als hier. Von der Niederlassung des Landmaschinenherstellers zu der, des Baumaschinenherstellers fuhr ich dann auch gerade mal eine Viertelstunde. Auch hier war dann wohl die Kantine beliefert worden. Diesen Trailer hatte man dann von Vorne bis Hinten mit Leergut vollgepackt. Und das Leergut sollte dann eben in die Twin Cities.
    Um viertel nach Fünf kam ich dann dort an und stellte zu meinem Glück fest, dass man hier ebenfalls einen Wachdienst hatte. Hier war man dann auch froh, dass ich den Trailer vor Arbeitsbeginn rausholte. Erstens musste ich dann nicht hier rein, wenn der Betrieb richtig losging und zweitens stand der Trailer dann auch nicht mehr im Weg. So fuhr ich um halb Sechs schon wieder vom Hof.

    Ich hatte hier dann wieder einen neutralen Trailer bekommen. Jetzt hatte ich aber nicht mehr viel Lust noch weiterzufahren. Außerdem hatte ich auch nicht mehr allzu viel Fahrzeit übrig. Ich fuhr also nur noch wieder bis zur I-465 zurück. An der Ausfahrt gab es dann sowohl einen Pilot, als auch einen Flying J Truckstop. Da der Flying J auf den ersten Blick größer war, versuchte ich zuerst hier einen Parkplatz zu finden. Ich hatte dann auch Erfolg, denn um viertel vor Sechs am Morgen waren schon viele Kollegen wieder losgefahren, so dass schon einige Plätze leer waren. Ich konnte mir die Parklücke quasi aussuchen. Da Keela noch am Arbeiten war, verzichtete ich auf das Telefonat mit ihr. Stattdessen ging ich noch schnell duschen. Zurück im Truck legte ich mich dann auch recht schnell hin.

    Mittwoch, den 7. Februar 2018, 3:00 pm, Eastern Standard Time, Indianapolis, IN:

    Am Nachmittag um Drei klingelte mein Wecker wieder. Ich stand auf und machte mich auf den Weg zum Truckstop, wo ich vor der Abfahrt noch duschen wollte. Dabei freute es mich, dass es Nachmittag war und die Sonne schien. Da sah ich in der Nachtschicht sowieso zu wenig von. So konnte ich auch am Nachmittag meine PTI bei Tageslicht machen und nicht im Dunkeln. Um vier Uhr am Nachmittag ging es dann weiter.

    Ich fuhr dabei als erstes auf die I-465, den Ring um Indianapolis, bevor ich dann im Norden auf die I-65 wechselte. Es ging jetzt noch weiter nach Norden. Daher rechnete ich auch nicht damit, den Schnee wieder loszuwerden. Der Wetterbericht im Radio sprach auch von Schneefall in Chicago und Wisconsin. Da musste ich ja heute noch durch. Zuerst ging es jetzt aber immer Nordwärts auf der I-65. Ich fuhr jetzt quasi auf den Lake Michigan zu.
    Bei Gary, IN hatte ich dann den Lake Michigan erreicht und damit auch schon fast Chicago. Zum Glück war die Rush Hour jetzt schon wieder vorbei. Das Timing war gut gewesen. Ich hatte Indianapolis noch kurz vor der Rush Hour umrundet und hatte sie jetzt schon hinter mir, als ich in den nächsten Ballungsraum kam. Trotzdem hörte ich genau auf die Anweisungen des Navis, welches ja auch einen Verkehrsfunkassistenten hatte. In dem Bereich hier konnte ich mehrere Strecken nehmen, die in etwa gleich lang waren. Daher war das dann wirklich Verkehrsabhängig, welche Route ich nahm.

    So ging es über die I-90 nach Chicago hinein. So kam ich ziemlich dicht an Downtown Chicago vorbei, wo mich die Skyline mit Willis Tower, Tribune Tower oder dem John-Hancock-Center beeindruckte. Gerade jetzt am Abend mit den Lichtern wirkte sie doch sehr Imposant. Nun ging es dann über die I-94 weiter, die mich via Wisconsin direkt zu meinem Ziel führen sollte.
    Auch wenn um diese Zeit nicht mehr so viel los war, atmete ich erstmal durch, als ich Chicago wieder hinter mir hatte. Es ging jetzt bis Milwaukee am Lake Michigan entlang. Leider zu weit vom See entfernt, als dass man was vom See gesehen hätte.
    Nachdem ich dann auch Milwaukee hinter mir hatte, machte ich auf einer Rest Area erstmal Pause. Mein Essen machte ich mir mal wieder aus meinen Vorräten. Eine dreiviertel Stunde später fuhr ich dann weiter.
    Jetzt ging es durchs winterliche Wisconsin auf Minnesota zu. Irgendwann klingelte mein Telefon. Die Nummer der Dispatch stand im Display. „Hallo Keela. Rufst du beruflich oder privat an?“ „Irgendwie beides.“ Lachte sie und ich genoss ihr schönes Lachen. „Beruflich wollte ich wissen, ob du in deiner Schicht noch bis Minneapolis kommst. Aus irgendwelchen Gründen braucht Stella dringend den neutralen Reefer.“ „Wird eng, sollte aber passen. Das Schlimmste habe ich mit Chicago ja schon lange hinter mir.“ „Okay. Dann das Private. Soll ich meine Family informieren, dass du in den Twin Cities bist?“ „Mache ich einen Reset oder nur Pause?“ „Bist du in Minneapolis schon über 50 Stunden?“ „Eher nicht. Mein E-Log sagt gerade was von 42 Stunden.“ „Dann dürfen wir ja noch nicht.“ „Dann ist das auch Quatsch, deine Eltern anzurufen. Erstens komme ich dort mitten in der Nacht an und zweitens fahre ich ja dann am Mittag schon wieder.“ „Gut. Dann machst du nur eine normale Pause in Minneapolis.“ „Genau.“ „Wenn du dann wieder losfährst, können aber weder Stella noch ich was für dich drehen. Wir sind ja beide auf Nachtschicht.“ „Macht nichts. Bis nach Hause reicht meine Zeit ja leider eh nicht. Der nächste Reset wird eh irgendwo unterwegs sein.“ „Auch wahr. Wann telefonieren wir denn wieder? Wenn du Feierabend machst bin ich noch hier und wenn du wieder anfängst, bin ich noch im Bett.“ „Keine Ahnung.“ „Müssen wir mal schauen. Ich lass dich jetzt erst mal wieder in Ruhe arbeiten.“ Wir legten auf und ich fuhr weiter durch die kalte Nacht.

    Die Temperaturen waren inzwischen im zweistelligen Minusbereich angekommen. Wenigstens schneite es dabei nicht auch noch. Es war schon eine ganze Zeit nach Eins, als die Lichter der Twin Cities vor mir auftauchten. Da ich aus Wisconsin kam, musste ich jetzt erst noch Saint Paul durchqueren, bevor ich nach Minneapolis kam. Um zwei Uhr erreichte ich schließlich das Zentrallager. Mit meiner Zeit war ich auch ziemlich durch.
    Ich meldete mich bei Stella, die mir natürlich wieder in ihrer überschwänglichen Art um den Hals fiel, um mich zu begrüßen. Ich sollte den Trailer noch eben ans Tor setzen, dann konnte ich Feierabend machen. Leider durfte ich nicht auf dem Gelände stehen bleiben. Selbst mit einem Status als A Unternehmer nach der neuen Regelung war es ja fragwürdig, ob das erlaubt war. Dazu hatte sich Dad aber auch noch nicht bei mir gemeldet. Er hatte in Bentonville aber auch sicher was Besseres zu tun.
    Ich fuhr also wieder vom Gelände und suchte mir in einem Industriegebiet in der Nähe eine Parkmöglichkeit. Um halb Drei stand ich dann endlich und konnte Feierabend machen. Da ich ziemlich müde war, legte ich mich auch kurz darauf hin.

    Donnerstag, den 8. Februar 2018, 1:00 pm, Central Standard Time, Minneapolis, MN:

    Es war Saukalt draußen. Zum Glück lief meine Standheizung gut und sehr zuverlässig. Selbst jetzt am Mittag hatten wir zweistellige Minusgrade. Daher verzichtete ich auf die Kanisterwäsche. Der Kaffee hingegen war bei der Kälte unerlässlich. Um halb Zwei musste ich das raus und meine PTI erledigen. Dabei startete ich zuerst den Motor. Als ich merkte, wie schwer sich der Anlasser beim Starten tat, wurde mir klar, dass ich bei diesen Temperaturen den Truck während der Pause langsam laufen lassen musste. Meine Batterien waren ja zum Glück wie der ganze Truck erst ein halbes Jahr alt. Nun schaute ich auf das Display um herauszufinden, was ich jetzt machen sollte:

    PICKUP: CW-MNMN
    TRAILER: RE28588/RE28891
    FREIGHT: YOGURT
    WEIGHT: 40,000 LB
    TO: NM-WIMI
    GATE: 01
    REMARKS: STAA-DOUBLE / DOLLY: (MN)6GG5577

    CASA-MROD.

    Der Auftrag an sich überraschte mich nicht sonderlich. Meine Zeit reichte nun mal nicht für eine Fahrt in Richtung Heimat. Daher schickte man mich in der Region umher. Am meisten überraschte mich das Kürzel der Dispatch. Dieses war mir gänzlich unbekannt. Daher nahm ich mein Handy und rief die Nummer der Dispatch an. „Walmart Transportation, Sacramento. Sie sprechen mit Maria Rodriguez.“ Meldete sich eine sehr angenehm klingende Stimme. „Wer ist da bitte?“ fragte ich irritiert. „Maria Rodriguez. Sie wollen bestimmt mit Mr. Saunders sprechen. Einen Moment bitte.“ „Hallo?“ meldete sich jetzt Charlie. „Hallo Charlie. Wen hatte ich denn da in der Leitung?“ „Unsere Auszubildende. Den Namen hat sie dir ja schon zweimal gesagt.“ „Das hatte ich jetzt völlig vergessen.“ „Was gibt es denn? Hast du ein Problem mit der Anweisung?“ „Nicht wirklich. Das Kürzel der Dispatch hat mich nur verwirrt.“ „Dann weißt du jetzt Bescheid. Wenn in den nächsten Wochen Anweisungen mit MROD als Kürzel kommen, sind die quasi von mir.“ „In Ordnung.“ „Dann sieh zu, dass du zum Zentrallager in Minneapolis kommst.“ „Yes Sir.“ Wir legten auf und ich fuhr zurück zum Zentrallager.

    Dort angekommen ging ich in die Dispatch. Dort ging ich zum Schreibtisch, an dem sonst Stella Martin saß. Heute saß hier ein junger Mann, etwa in meinem Alter. Er schaute zu mich hoch und sagte: „Ja, bitte?“ „M.M. Trucking, Sacramento. Ich soll ein Double nach Milwaukee übernehmen.“ „Bist du der Freund von Keela Ryan?“ fragte mein gegenüber gleich neugierig und musterte mich von oben bis unten. „Ja, bin ich. Was dagegen?“ „Inzwischen nicht mehr. Hallo ich bin John Svensson.“ „Marc Murdock. Was heißt inzwischen nicht mehr?“ „Ich war mal ganz schön verknallt in deine Freundin. Leider wollte sie nichts von mir.“ „Kommt schon mal vor.“ „Stella hat schon mal was von dir erzählt. Daher war ich etwas neugierig auf dich.“ „Du wolltest wissen, was ich habe, was du nicht hast?“ stichelte ich etwas. „Vielleicht. Es ist aber immer eine Frage der Chemie.“ „Eben.“ „Weißt du was wirklich verrückt ist? Ich habe hier eine Ladung nach Redding, CA liegen und darf sie dir nicht geben.“ „Logisch, wenn die Fahrzeit nicht bis Kalifornien reicht.“ „Auch wieder wahr.“ John gab mir dann meine Papiere und ich verließ das Büro wieder. Was für ein Typ. Dachte ich beim Rausgehen. Kein Wunder, dass Keela nichts von ihm wollte.
    Ich fuhr dann mit der Maschine zu Tor 1 und nahm mein Double auf. Anschließend konnte ich mich wieder auf den Weg nach Wisconsin machen. Um die Mittagszeit war nicht allzu viel Verkehr auf den Straßen und ich kam gut durch.

    Schließlich ging es in östlicher Richtung auf die I-94. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis ich wieder in Wisconsin war. Jetzt ging es den gleichen Weg wieder zurück, den ich gestern hierhin genommen hatte. Dabei verging der Nachmittag und der Abend brach wieder an.

    Um viertel nach Acht am Abend erreichte ich schließlich den Neighborhood Market in Milwaukee. Das Double durfte ich wieder für den City-Trucker an die Seite stellen. Nachdem ich abgesattelt hatte, stellte ich meine Maschine ebenfalls auf die Seite und ging in dem Neighborhood Market erstmal einkaufen. Ich musste meine Vorräte wieder aufstocken.
    Nach dem Einkaufen machte ich mir im Truck noch was zu essen. Dann versuchte ich ob ich Keela bereits erreichen konnte. „Ist ja ganz schön früh, wo du versuchst, ob ich schon auf bin.“ „Sorry Schatz. Ich mache gerade Pause und dachte, ich probiere es einfach mal.“ „Alles gut. Ich freue mich ja, dass du dich meldest.“ „Ich habe heute Mittag erstmal meine Konkurrenz kennengelernt.“ „Wie jetzt? Jim und Andy kennst du doch schon seit der Party bei Stella vor Thanksgiving.“ „Die meine ich ja auch nicht.“ „Wen denn dann?“ „John Svensson.“ „Oh Gott. Der Vollpfosten.“ Stöhnte Keela. „Das habe ich auch gerade gedacht.“ „Ich habe den Schichtplan aus Minneapolis nicht mehr im Kopf. Sonst hätte ich dich ja vorwarnen können.“ „Ging auch so. Du hast ja tolle Verehrer gehabt, wenn ich so an Andy denke und dann John heute.“ „Wobei John wohl gedacht hat, er käme dann an das Geld von meiner Family dran.“ „Ach so. Er wollte was von dem Ryan Vermögen haben.“ „Verstehe ich gar nicht. Wir tun doch nicht so, als seien wir die Könige von Saint Paul.“ „Stimmt. Das Geld sieht man euch nicht an. Finde ich aber auch gut so.“ „Ich auch. Ich wollte nie Prinzessin werden.“ „Ist ja auch besser so. John musste mir aber sofort stecken, dass er eine Ladung nach Redding da liegen hatte, die ich nicht kriegen konnte.“ „Das sieht ihm ähnlich. Als hätte er dir die Tour vorenthalten.“ Deswegen stehe ich ja jetzt in Milwaukee.“ „Falls es jetzt wieder zurückgeht, sag Bescheid. Dann kannst du bei uns resetten.“ „Besser als bei -15 °C im Truck zu schlafen.“ „Eben.“ „Gut. Ich sage Bescheid. Du musst ja dann noch zusehen, dass du Alice von mir fernhältst.“ Zog ich sie auf. „Wenn es danach geht, darfst du auch nicht mehr zu uns ins Büro kommen. Unsere neue Azubine ist genau dein Typ.“ „Gut zu wissen.“ Lachte ich. „Bei dem Namen habe ich mir aber schon sowas gedacht.“ „Stimmt. Da weiß man gleich, dass sie eine Latina ist.“ „Und wie ist die sonst so?“ „Macht sich laut Charlie wohl sehr gut.“ „Dann bin ich ja mal gespannt.“Halte dich bloß zurück, sonst gibt es Ärger.“ „Bist du etwa schon eifersüchtig, bevor es Grund dazu gibt?“ „Ich wollte dir nur klarmachen, wo du hingehörst.“ „Ist klar.“ „Mein Essen ist gerade fertig. Wir müssen jetzt auflegen.“ „Okay. Dann bis morgen.“ Wir legten auf und ich schaute im ORBCOMM, ob mein nächster Auftrag feststand:

    PICKUP: KH-WIMI
    TRAILER: RE40????
    FREIGHT: COOLED FOOD
    WEIGHT: 34,500 LB
    TO: CW-ONDR
    GATE: -----
    REMARKS: URGENT ORDER. TRAILER IS PROVIDED BY KRAFT HEINZ

    CASA-DSN.

    Normal lieferten die Zulieferer von Walmart ja an den Lägern an. Offensichtlich war diese Ladung so dringend, dass wir sie abholen mussten. Ich übernahm die Adresse aus dem ORBCOMM ins Navi und fuhr zu der Niederlassung von Kraft Heinz. Dort wurde ich auch bereits erwartet.
    Man hatte einen 40 Fuß Reefer mit der Frischware geladen. Bei den Temperaturen draußen wurde die Ware in dem Trailer vermutlich eher davon abgehalten, einzufrieren, als dass sie noch runtergekühlt wurde. Ich sattelte den Trailer auf und erledigte die PTI. Anschließend machte ich mich wieder auf den Weg zur I-94.

    Auf dem Weg zu Interstate fuhr ich noch an eine Tankstelle und füllte die Tanks auf. Einerseits musste ich sowieso tanken, andererseits machte es immer Sinn, nicht in Kanada tanken zu müssen. Vermutlich würde ich in Duluth vorsichtshalber noch mal nachtanken. Das würde dann aber erst in der nächsten Schicht passieren, denn bis Duluth würde meine Fahrzeit sicher nicht mehr reichen. Um halb Elf fuhr ich dann schließlich wieder auf die I-94 zurück.
    Nun fuhr ich innerhalb von zwei Tagen zum dritten Mal über diesen Bereich der Interstate. Meine Fahrzeit reichte dann noch bis zu einer kleinen Rest Area, welche südlich von Eau Claire, WI lag. Dort war dann für heute Feierabend. Da es in dieser Nacht noch etwas kälter war, als in der vorigen und ich auch nicht in der Wärme einer Großstadt stand, sondern auf einer Rest Area auf dem Land, ließ ich in dieser Nacht vorsichtshalber den Motor laufen. Ich hatte keine Lust, dass mein Truck nach der Pause nicht mehr ansprang. Das Geräusch eines laufenden Reefers war ich ja in der Pause gewohnt. Ich hoffte, dass mich der laufende Motor auch nicht weiter beim Schlafen störte.

    Freitag, der 9. Februar 2018, 11:45 am, Central Standard Time, in der Nähe von Eau Claire, WI:

    Ich hatte schlechter geschlafen, als ich vermutet hatte. Im Gegensatz zu dem Reefer, den ich kaum noch hörte, störte es mich doch massiv, wenn der Motor die ganze Pause über lief. Dabei störte mich weniger das Geräusch des im Standgas laufenden Motors, als eher die Vibrationen, die der Motor über den Rahmen direkt in den Sleeper übertrug. Ich beschloss daher, solche Sachen wirklich nur zu machen, wenn ich Gefahr lief, dass der Truck sonst am nächsten Morgen nicht mehr ansprang.
    Für die Körperpflege ging ich dann in das Toilettenhäuschen der Rest Area. Hier war es dann wenigstens etwas wärmer, als draußen. Um halb Eins war meine Pause schließlich beendet und ich konnte mit der PTI beginnen. Eine Viertelstunde später ging es zurück auf den Highway. Erst war es noch für wenige Meilen die I-94, der ich folgte. Bei Eau Claire fuhr ich dann aber in nördlicher Richtung auf die US-Route Nummer 53, die direkt nach Duluth, an die südwestliche Ecke des Lake Superior führte. Das Ganze auch noch bei schönem, sonnigen Wetter. Nur die Temperaturen hätte ich lieber mit einem Pluszeichen vor der Gradzahl gehabt. Es waren nämlich weiterhin zweistellige Gradzahlen auf dem Thermometer.

    Kurz vor Duluth ging es wieder über die Grenze nach Minnesota. Dann war die Stadt erreicht. Hier hielt ich dann noch mal zum Tanken an. Ich hatte zwar gestern in Milwaukee getankt, die kalten Temperaturen und auch der während der ganzen Pause laufende Motor hatten aber auch ihren Tribut verlangt. Außerdem wollte ich um jeden Preis vermeiden, in Kanada tanken zu müssen.
    Nachdem ich die Tanks wieder gefüllt hatte, machte ich mich auf den Weg zur MN-61, die am Westufer des Lake Superior entlang zur kanadischen Grenze führte. Leider war der See noch zu weit von dem Highway entfernt, als dass ich was davon sehen konnte.

    Gegen viertel nach Sieben am Abend erreichte ich schließlich den Grenzübergang bei Grand Portage. Die Ausreise aus den USA war für mich dann auch schnell erledigt. Die Einreise nach Kanada dauerte aber länger. Zuerst musste ich noch eine ganze Zeit warten, bis ich mit der Abfertigung an der Reihe war. Zum Glück hatte ich das E-Log auf Pause gestellt.
    Nach einer dreiviertel Stunde Wartezeit war ich dann mit der Abfertigung an der Reihe. Trotz ordentlich erstellter Papiere dauerte die Grenzabfertigung und die Kontrolle dennoch noch mal eine gute halbe Stunde. Da ich durch die Einreise nach Ontario nochmal eine weitere Stunde auf der Uhr dazu bekam, schließlich hatte ich jetzt wieder Eastern Standard Time, War es halb Zehn, als ich endlich wieder weiterfahren konnte.

    Nun ging es über die ON-61 erstmal in Richtung Thunder Bay, ON weiter. Dort angekommen, wechselte ich auf die ON-17 oder ON-11, die hier auch Trans Canada Highway waren. Nun ging es in nordwestlicher Richtung weiter. Dabei wurde es auch wieder dadurch kälter, dass ich mich von der wärmenden Wasserfläche des Lake Superior entfernte. Außerdem war der Highway hier nur noch eine zweispurige Landstraße.
    Es ging an den Kakabeka Falls vorbei, von denen ich in der Nacht aber nichts sah. Dem Highway folgte ich noch weiter bis Shabaqua Corners, wo sich die Trans Canada Highways 11 und 17 wieder trennten. Ich folgte dem Highway 17 weiter in Richtung Norden.

    Ich hatte noch ein paar Stunden zu fahren, bis ich schließlich in Dryden, ON ankam, was am Nordufer des Wabigoon Lake lag. Trotzdem prägte der See kaum die Ortschaft, die auch nicht wirklich bis ans Ufer heranragte.
    In der Nähe der ehemaligen Papierfabrik von Dotmar, die hier inzwischen nur noch Zellstoff herstellte, lag ein Gewerbegebiet, in dem auch das Regionallager von Walmart lag. Dieses war im Gegensatz zu den Walmart Außenlägern tatsächlich mit Büros, wie ein Zentrallager ausgestattet. Hier ging dann auch meine Ladung hin.
    Um viertel vor Drei erreichte ich hier mein Ziel und durfte an einem gut erreichbaren Tor absatteln. Nachdem das erledigt war, bekam ich auch die erwartete Anweisung von Keela:

    35 H RESET

    CASA-KRY.

    Leider durfte ich die Zugmaschine aus Versicherungstechnischen Gründen nicht auf dem Walmart Gelände stehen lassen. Das wäre aber selbst einem angestellten Fahrer von Walmart USA nicht gestattet gewesen. Walmart Canada war eine eigenständige Gesellschaft im Konzern.
    Ich fand dann in dem Gewerbegebiet auch eine Möglichkeit, wo man Trucks parken konnte. Das Hotel, was ich mir für meine Pause ausgesucht hatte, war leider mit dem Truck noch nicht mal als Bobtail gut zu erreichen. Ich konnte nur hoffen, dass der Truck nach dem Reset noch vernünftig ansprang. Im Sommer wäre mir ein Reset hier doch wesentlich angenehmer gewesen.
    Nachdem ich geparkt und meinen Papierkram erledigt hatte, rief ich mir dann ein Taxi, was mich zu dem Hotel bringen konnte. Zum Glück konnte man dort 24 Stunden am Tag einchecken.
    Nachdem ich dann mein Zimmer bezogen hatte, legte ich mich recht schnell schlafen. Ich war dann doch sehr müde.

    Der Reset in Dryden war dann leider recht öde. Es war draußen für meinen Geschmack einfach zu kalt. So hielt ich mich die meiste Zeit in meinem Zimmer auf. Dort machte ich zuerst meinen Bürokram und daddelte anschließend noch ein wenig am Computer. Außerdem Skypte ich mit Keela. Telefonieren war mir aufgrund der Roaming Gebühren auch zu teuer. Mein Hotel hatte zum Glück wenigstens WiFi, was im Zimmerpreis enthalten war. So wurde an diesem Wochenende der Laptop mein bester Freund.
    Außerdem konnte ich auch noch ausschlafen. So war ich am Sonntagmittag wenigstens gut erholt, als mein Reset wieder beendet war.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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