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34. Von einer Tour durchs Great Bassin, einem Wochenende in Bakersfield und einer Tour an die Ostküste

  • Montag, den 22. Januar 2018, 4:30 am, Pacific Standard Time, Sacramento, CA:

    Als mein Wecker klingelte, schaltete ich ihn schnell aus, um Keela nicht zu wecken. Dann stand ich auf und verschwand im Bad. Als ich unter der Dusche stand zog ich noch mal ein kurzes Fazit zum Wochenende. Das hatte uns beiden mal wieder gut getan. Das Wochenende war erholsam gewesen und hatte auch unsere Beziehung, die je nach Laune von Keela mal gut und mal weniger gut war, wieder erheblich verbessert. Sie hatte sich halt eigentlich was anderes als Freund gewünscht, als ausgerechnet einen Long Haul Driver.
    Als ich aus dem Bad kam, packte ich noch leise ein paar Sachen zusammen, die ich noch mitnehmen wollte. Dann ging ich in die Küche und machte mir eine Kanne Kaffee. Anschließend setzte ich mich noch in Ruhe hin und trank eine Tasse von dem Kaffee. Gegen zwanzig vor Sechs verließ ich unsere Wohnung und machte mich auf den Weg zum Platz. Ich sollte zwar um sechs Uhr startklar sein, ein paar Minuten später sollten aber auch nicht so schlimm sein.
    Ich fuhr den Kenworth aus der Halle und setzte den Ford hinein. Dann erledigte ich die PTI des Bobtails. Mein Auftrag stand natürlich auch schon im ORBCOMM:

    PICKUP: CW-CASA
    TRAILER: RE28699/RE28990
    FREIGHT: BUTTER
    WEIGHT: 38,000 LB
    TO: DS-AZQS
    GATE: 08
    REMARKS: STAA-DOUBLE DOLLY (CA) 9JC4773

    CASA-DSN.

    Es gab also ein Double nach Arizona. Die Städtecodierung sagte mir allerdings nichts. Bei der Übernahme in die Navigation stellte sich heraus, dass es sich um Quartzsite, AZ handelte. Aber auch das sagte mir nichts. Laut Navi lag der Ort an der I-10 kurz hinter Ehrenberg. Ich fuhr zum Zentrallager und ging ins Büro, um meine Papiere zu holen. Ich erwartete einen schlechtgelaunten Danny, der sich am Montagmorgen schon über ein paar Minuten Verspätung aufregte. So hatte ich es schon mehrfach am Montagmorgen erlebt.
    Heute war aber das genaue Gegenteil der Fall. „Guten Morgen, Marc. Schönes Wochenende gehabt?“ „War super. Wir waren in Pacifica. Zum Surfen war es zwar noch zu kalt, aber sonst war es schön. Und bei dir?“ „War auch klasse. Ich war bei Gina in San Francisco, also gar nicht so weit von euch weg.“ „Wir können ja auch mal was zu viert unternehmen.“ Schlug ich vor. „Oder zu sechst, wenn wir David und Denise auch noch mitnehmen.“ „Warum nicht. Macht bestimmt Spaß.“ Er gab mir die Papiere und ich verließ das Büro wieder.
    An Tor 8 nahm ich anschließend das Double auf und erledigte die PTI. Gegen halb Sieben verließ ich dann mit dem Truck das Zentrallager und machte mich auf den Weg nach Arizona.
    Der Verkehr in Sacramento ging zu dieser Zeit noch. Viele mussten erst um acht Uhr mit der Arbeit beginnen. So wurde es erst nach sieben Uhr richtig voll. Jetzt erreichte ich die I-5 aber noch recht zügig und konnte dort in Richtung Süden auffahren. Mit Tempomat 56 ging es dann in den anbrechenden Morgen.
    Bei mäßigem Verkehr zog ich dann am Vormittag erstmal durch, bis ich den TA Truckstop in Buttonwillow erreichte. Dort hielt ich dann für eine Pause an. Um viertel vor Zwölf parkte ich das Gespann an der Seite und ging dann zuerst im Truckstop zum Essen.

    Während ich auf mein Essen wartete schrieb ich mit Keela auf WhatsApp. Das Telefonat verschoben wir dann bis ich mit dem Mittagessen fertig war. Nun telefonierten wir noch bis halb Zwei, dann musste Keela sich auf den Weg ins Büro machen. Ich machte mich auch wieder auf den Weg, der führte mich aber in Richtung Arizona.

    Über den Tejon Pass ging es nun nach LA. Zum Glück war es noch früher Nachmittag, als ich die Metropolregion erreichte. So war der Verkehr hier noch erträglich. Ich wechselte dann auf die I-10 in Richtung Osten und sah zu, dass ich den Raum LA wieder verließ.
    Leider war inzwischen meine Tankleuchte angegangen. Mit der Tankfüllung kam ich nun nicht mehr, wie geplant nach Arizona. Ich musste wohl irgendwo noch ein paar Gallonen nachtanken.
    Sowohl für das Tanken, als auch für den heutigen Feierabend entschied ich mich dann für das Pilot Travel Center in North Palm Springs. Es war dann aber auch schon viertel vor Sieben am Abend, als ich dort an die Zapfsäule fuhr. Hier tankte ich zur Sicherheit noch mal 20 Gallonen, bevor ich mich auf einen Parkplatz stellte.
    Da ich am Mittag schon im Truckstop gegessen hatte, verzichtete ich am Abend darauf. Da Keela auch noch Dienst hatte, fiel auch das Telefonat aus. Ich machte mir also einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher, bis ich mich schließlich schlafen legte.

    Dienstag, den 23. Januar 2018, 4:00 am, Pacific Standard Time, North Palm Springs, CA:

    Heute klingelte mein Wecker bereits um vier Uhr. Nachdem ich noch einmal die Schlummer Taste gedrückt hatte, stand ich dann ein paar Minuten später auf. Nachdem die Kaffeemaschine gefüllt und eingeschaltet war, ging ich in den Truckstop und suchte die Keramikabteilung auf. Ich ging in Ruhe duschen und holte mir im Anschluss den ersten Kaffee des Tages hier. Um fünf Uhr begann ich mit meiner PTI und eine Viertelstunde später ging es mit dem Double im Schlepptau weiter auf Arizona zu.

    Es war dann schon kurz vor halb Acht, als ich den Colorado River überquerte und somit die Grenze nach Arizona überschritt. Nun war es wieder eine Stunde später, da hier Mountain Standard Time herrschte. Da ich mit meiner Tankfüllung nicht mehr bis nach Quartzsite kommen würde, fuhr ich in Ehrenberg von der Interstate, um meine Tanks mit dem günstigeren Diesel aus Arizona zu füllen.
    Als ich gegen viertel vor Neun, MST wieder losfuhr, waren die Tanks mit Diesel und DEF wieder gefüllt und ich hatte noch einen kostenlosen Kaffee bekommen. Jetzt musste ich noch etwa eine Stunde fahren, um Quartzsite zu erreichen. Der Discount Store war auch nicht allzu weit von der Interstate entfernt. So erreichte ich mein Ziel um zehn Uhr.
    Wie immer, wenn ich ein Double zog, brauchte ich den Trailer bloß an der Seite abstellen, alles Weitere würde ein City Trucker übernehmen. Mein nächster Auftrag führte mich dann wieder zurück nach Kalifornien:

    PICKUP: BB-AZQS
    TRAILER: BBCT40276
    FREIGHT: ELCTRONIC DEVICES
    WEIGHT: 24,500 LB
    TO: ES-CAFR
    GATE: 05
    REMARKS: URGENT DELIVERY

    CASA-DSN.

    Ich zog mir die Adresse des Best Buy Lagers ins Navi und stellte fest, dass es auch nicht weit weg war. Eine Viertelstunde später stand ich mit dem Bobtail an der Einfahrt und meldete mich im Versandbüro. Ich hatte ja sämtliche Angaben im System. Einschließlich Tornummer und Trailer Nummer. So gab es keine Verwechselungen und ich war schnell abgefertigt. Der Trailer war auch bereits fertig und konnte sofort übernommen werden.
    Um viertel vor Elf fuhr ich dann wieder aus dem Tor und machte mich wieder auf den Weg zurück zur I-10. Dort angekommen ging es wieder in westlicher Richtung weiter, also zurück nach Kalifornien. Etwa eine Stunde später war ich auch wieder in meinem Heimatstaat angekommen und hatte auch wieder die gewohnte Uhrzeit.

    Meine Pause machte ich heute etwas später als gestern. Außerdem nahm ich keinen Truckstop, sondern hielt auf der Whitewater Rest Area in der Nähe von Palm Springs.
    Da es jetzt bereits halb Eins war, telefonierte ich zuerst mit Keela, da sie ja bald zur Arbeit musste. Anschließend machte ich mir noch was zu essen fertig und genoss in Ruhe meine Mittagspause. Gegen zwei Uhr machte ich mich wieder auf den Weg.
    Leider kam ich so genau zum Berufsverkehr nach Los Angeles. Es lief dort aber besser, als ich vorher gedacht hatte. Es war zwar voll, kam aber nicht wirklich zum Stehen. Das lag aber vielleicht auch daran, dass ich, solange ich auf der I-10 war, nach Los Angeles hineinfuhr, anstatt heraus. Als ich dann auf die I-5 kam, ging es dann eigentlich. Die meisten Leute im Umkreis von LA wohnten aber auch nicht in dem Bereich, den ich mit der I-5 befuhr, sondern etwas südlicher, oder westlicher.
    Über den Tejon Pass ging es dann wieder aus dem Ballungsraum hinaus und ich hatte das Schlimmste überstanden, ohne einen Stau bekommen zu haben. Südlich von Bakersfield nahm ich diesmal den Golden State Highway, die CA-99. Um nach Fresno zu kommen, lag das besser, als die I-5. Mein Ziel würde ich aber heute trotzdem nicht mehr erreichen. Dazu reichte meine Fahrzeit nicht aus. Ich kam dann aber noch bis zum Flying J Travel Center, Bakersfield. Dort war dann Feierabend angesagt. Es war aber auch schon viertel vor Sieben, als ich den Truck schließlich abstellte.
    Zuerst ging ich dann duschen, anschließend gab es im Truckstop für mich noch was zu essen. Gegen acht Uhr war ich dann aber wieder im Sleeper, wo ich es mir gemütlich machte. Nachdem ich noch ein Stündchen ferngeschaut hatte, legte ich mich schlafen.

    Mittwoch, den 24. Januar 2018, 4:00 am, Pacific Standard Time, Bakersfield, CA:

    Nach einer angenehmen Nacht stand ich auf und ging zur Körperpflege in die Keramikabteilung des Truckstops. Gegen viertel vor Fünf begann ich mit der PTI und pünktlich um fünf Uhr ging es weiter in Richtung Fresno.
    Zuerst ging es noch ein Stück über den Golden State Highway, das letzte Stück ging aber über Landstraßen zum Außenlager von Walmart. Dort traf ich um viertel vor Sieben ein. Das Tor, an dem ich den Trailer abstellen durfte, war gut zu erreichen und so brauchte ich nicht allzu lange, bis ich abgesattelt hatte und den nächsten Auftrag in Angriff nehmen konnte:

    PICKUP: CO-CAFR
    TRAILER: CO28756 / CO28780
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 39,500 LB
    TO: CW-CASA
    GATE: -----
    REMARKS: STAA-DOUBLE

    CASA-DSN.

    Ich hatte eigentlich damit gerechnet, hier direkt wieder was zu bekommen. Eine Ladung nach Hause war mir natürlich lieber. Ich machte mich also mit dem Bobtail auf den Weg nach Fresno in die Stadt, um am Lager von Costco Wholesale meine Ladung Haushaltswaren zu übernehmen. Gegen halb acht war ich dort und konnte dort sofort aufsatteln. Es war bereits alles fertig. So konnte ich mich um viertel vor Acht schon auf den Weg nach Hause machen.

    Bis zur Raffinerie fuhr ich noch über Landstraßen, dann ging es aber wieder zurück auf die CA-99. Nun konnte ich bis zum Ortsanfang von Stockton erstmal gemütlich mit Tempomat 56 rollen.
    Auch die Durchfahrt durch Stockton lief recht gut. Die eine oder andere Ampel war zwar rot, es gab aber schlimmeres. Die restliche Strecke nach Sacramento fuhr ich dann weiter über die CA-99.
    Um halb Zwölf kam ich schließlich am Zentrallager an. Das Double durfte ich dem Shunter Fahrer natürlich an die Seite stellen. Er musste ja auch was zu tun haben.

    Während der Fahrt nach Sacramento hatte ich mich schon mit Keela verabredet. Ich sollte dann zum Mittagessen nach Hause kommen. Da es Schwachsinn gewesen wäre, erst mit dem Bobtail auf die andere Straßenseite zu fahren, um dann nach der Pause wieder zum Zentrallager zu fahren, stellte ich die Maschine ebenfalls nur an die Seite und ging zu Fuß zu meiner Halle, um mein Auto zu holen. Dann ging es zur Pause nach Hause.
    Keela hatte uns ein klassisches Texas Chili bereitet, was wir uns dann schmecken ließen. Dabei genossen wir, dass wir mal mitten in der Woche ein paar Minuten hatten, wo wir zusammen sein konnten. Gegen halb Zwei verließen wir unsere gemeinsame Wohnung. Keela musste zur Spätschicht und ich musste auch noch ein paar Meilen zurücklegen.
    Den nächsten Auftrag hatte Danny auch noch für mich fertiggemacht. Es gab nach längerer Zeit mal wieder einen Milchtank für mich. Dieser sollte zum 7Eleven Supermarkt in Barstow. Ich sattelte den Tanker auf und fuhr dann pünktlich um Zwei wieder los. Nun ging es wieder in die gleiche Richtung zurück, aus der ich am Vormittag gekommen war. Dazu nahm ich auch wieder die CA-99.

    Es stellte sich hinterher heraus, dass ich sogar den gleichen Truckstop nahm, wie am Tag zuvor. Meine Fahrzeit reichte wieder genau bis zum Flying J in Bakersfield. Es war dann aber auch schon sieben Uhr am Abend als ich dort Feierabend machte. Ich ging dann noch duschen und holte mir zum Abendessen noch einen Wrap aus dem Truckstop. Danach machte ich es mir im Sleeper gemütlich.

    Donnerstag, den 25. Januar 2018, 4:00 am, Pacific Standard Time, Bakersfield, CA:

    Trotz einer angenehmen Nachtruhe habe ich keine wirkliche Lust zum Aufstehen. Daher drücke ich sogar zweimal auf die Schlummer-Taste des Weckers, bevor ich mich wirklich aus den Federn quälte. Nach dem Aufsuchen der Sanitärabteilung und dem ersten Kaffee des Tages fühle ich mich dann ausgeschlafener. So beginne ich pünktlich um Fünf mit der PTI und fahre ein paar Minuten später los.
    Zuerst geht es zurück auf die CA-99, um das letzte Stück südlich zu fahren, bevor ich auf die CA-58 wechseln kann. Der Truckstop liegt ja ein Stück nördlich der eigentlichen Stadt. Über die CA-58 geht es dann direkt durch Bakersfield, was um diese frühe Uhrzeit aber kein Problem ist. Auch die Fahrt durch die Mojave Wüste im Anschluss läuft sehr entspannt. Ich bin schon fast in Barstow, als die Sonne über den Hügeln auftaucht und die Landschaft in wundervolle Farben taucht.

    Ich wechsele noch mal kurz auf die I-15, bevor ich die Highways verlasse und in die Stadt hineinfahre. Gegen viertel nach Neun fahre ich dann mit dem Tank auf den kleinen Parkplatz des 7Eleven, um den Trailer loszuwerden.
    Das Rangieren mit dem kurzen Tank ist dann eine wahre Freude. Ohne Probleme komme ich um die Ecken und kann den Trailer am vorgesehenen Platz abstellen. Nach dem Absatteln hat mir Danny auch schon die nächste Ladung auf das Tablet geschickt:

    PICKUP: UN-CABR
    TRAILER: RE28???/RE28???
    FREIGHT: FROZEN GOODS
    WEIGHT: 39,000 LB
    TO CW-NVEL
    GATE: -----
    REMARKS: STAA-DOUBLE

    CASA-DSN.

    Es geht also nicht, wie erwartet nach Hause, sondern nach Elko in Nevada. Das dürfte von hier aus eine interessante Streckenführung geben. So sollte ich aber den Geburtstag meines Vaters, der heute ist, nicht zu Hause verbringen. Blieb mir wenigstens die Familienfeier erspart.
    :whistling:
    Zuerst musste ich aber zum Güterbahnhof der Union Pacific. Dort sollte mein Double auf mich warten. Ich brauchte nur wenige Minuten, bis ich den Bahnhof erreicht hatte. Mein Gespann mit den kleinen Kühlern stand bereit und ich konnte direkt aufsatteln. Man hatte mir eine neutrale Kombination hingestellt. Das war mir immer noch lieber, als für irgendwelche fremden Firmen Werbung zu fahren.

    Um zehn Uhr hatte ich meine Route im Navi geplant und konnte losfahren. Zuerst ging es wieder auf die I-15 zurück. Allerdings in nördliche Richtung. Dann ging es am Abzweig zur I-40 vorbei, die ich aber dieses Mal nicht nehmen würde. Ich blieb auf der I-15 und fuhr weiter in Richtung Las Vegas. An der Nipton Rest Area machte ich aber erstmal meine Pause.

    Zuerst frühstückte ich in Ruhe. Danach nahm ich mir mein Handy und rief meinen Dad an. „Hallo Marc, mein Junge. Was gibt’s?“ „Hallo Dad. Alles Gute zum Achtundfünfzigsten.“ „Sag das nicht so laut. Sonst komme ich mir so alt vor.“ „Du kommst dir nicht nur so vor, du bist so alt.“ Sagte ich lachend. „Na gut. Überredet. Kommst du heute Abend zu unserer kleinen Feier?“ „Eher nicht. Den Abend werde ich in der Wüste von Nevada verbringen.“ „Wo treibst du dich denn rum?“ „Ich bin auf dem Weg von Barstow nach Elko.“ „Dann wird das nichts. Den Umweg über Sacramento kann man sich sparen.“ „Eben.“ „Kommt Keela denn wenigstens vorbei?“ „Wohl auch nicht.“ „Warum? Weil du nicht hier bist?“ „Weniger. Sie hat aber Spätschicht.“ „Die Ausreden muss ich wohl akzeptieren.“ „So ist das, Herr Gebietsleiter.“ Wir hielten noch ein wenig Smalltalk, dann legte ich auf. Das nächste Gespräch führte ich natürlich mit Keela. Dabei informierte ich sich auch, dass mein Dad Geburtstag hatte. Falls sie ihm nicht sowieso gratulieren wollte, wusste sie wenigstens Bescheid, falls er ihr über den Weg lief. Ansonsten unterhielten wir uns natürlich über andere Sachen. Schließlich legten wir auf und ich machte noch eine kleine Siesta, bevor ich um halb Zwei wieder weiterfuhr.

    Als erstes musste ich nun die Passhöhe erklimmen, die den sinnigen Namen „Mountain Pass“ bekommen hatte. Wo sollte ein Pass auch sonst sein, wenn nicht in den Bergen?
    :D Anschließend dauerte es nicht mehr lange, bis ich die State Line erreichte. Heute fuhr ich auch nicht in Primm raus. Ich hatte im Moment noch genug Diesel in den Tanks.
    Eine Stunde später durchquerte ich Las Vegas über die I-15. Ich fand aber wieder mal, dass Vegas nur am Abend richtig wirkte, wenn die zahlreichen Lichter an waren. Am Tage war das halt einfach eine Stadt in der Wüste.
    Ein Stück hinter Vegas verließ ich dann die I-15 und wechselte auf die US-93, die in diesem Bereich Great Basin Highway genannt wurde. Nun ging es in den Abend und weiter in die Wüste hinein. Trotzdem genoss ich die Fahrt. Der zweispurige Highway hatte sowas Ursprüngliches. So mussten sich die Trucker gefühlt haben, bevor überall im Land die großen Interstates gebaut worden waren. Dass ich das nun auch noch mit einem Classic Truck machte, passte irgendwie.

    Ich musste dabei öfter an den Film Convoy denken, der einer meiner Lieblingsfilme in meiner Kindheit war. Wahrscheinlich hatte dieser Film bei mir den Wunsch ausgelöst, Trucker zu werden. Dass meine Karriere mit einem Mack RS700 begonnen hatte, wie ihn Kris Kristofferson im Film fuhr, passte ebenfalls dazu.
    Ich suchte dann in meinen MP3 Dateien, ob ich den Song aus dem Film hatte und fand ihn. Den drehte ich dann laut und hörte ihn bei der Fahrt durch die Wüste.
    Feierabend machte ich an diesem Abend dann an einem kleinen Truckstop in dem Dörfchen Caliente, NV. Da ich an diesem Nachmittag viel Spaß an meinem Job hatte, schlief ich schließlich glücklich ein.

    Freitag, den 26. Januar 2018, 3:45 am, Pacific Standard Time, Caliente, NV:

    Ich hatte gut geschlafen. Leider war nur die Nachtruhe zu früh zu Ende. Ich stand auf und suchte den Sanitärbereich des kleinen Truckstops auf. Um halb Fünf konnte ich dann mit der PTI beginnen und um viertel vor Fünf ging es wieder weiter.
    Zurück auf der US-93 machte ich mich wieder in nördlicher Richtung auf die Reise. Es dauerte nicht allzu lange, bis ich Pioche erreichte. Das Städtchen wurde aber weitgehend von der Route 93 umgangen. Auch wenn auf der Umfahrung trotzdem ein Tempolimit von 30 mph galt.
    Es ging nun weiter in Richtung Norden. Bei dem Dörfchen Majors Place trafen nun drei US Routes zusammen. Die Route 93 traf hier mit der Route 50 und Route 6 zusammen, die hier die gleiche Trasse benutzten. In Richtung Ely gingen jetzt sogar alle drei US Routes über ein und dieselbe Trasse weiter. Da ich über Ely fahren wollte, nahm ich dann diese Strecke. In Ely angekommen, war es inzwischen hell geworden. Hier teilten sich die US Routes wieder auf und jede folgte wieder einer eigenen Trasse. Ich folgte hier weiter der US-93.
    Bevor es schließlich links in Richtung Wells weiterging, war auf der Rechten Seite noch eine alte Tankstelle und ein kleines Lokal. Da der Kenworth Durst hatte und ich auch was zu mir nehmen könnte, hielt ich hier an.
    Zuerst absolvierte ich den Tankstopp. Ich machte die Tanks wieder voll. Immerhin war der Dieselpreis in Nevada etwas günstiger, als in Kalifornien. Anschließend fuhr ich von der Tankstelle runter und hielt am Straßenrand. Dann ging ich in dem kleinen Restaurant zum Frühstücken.

    Ich blieb aber nur eine halbe Stunde und machte mich anschließend wieder auf den Weg.
    Über die US-93, die sich hier in alt und neu aufteilte, ging es auf der neuen Trasse weiter. Diese führte direkt nach Wells, wo ich dann auf die bekannte I-80 traf. Von hier ging es nun westwärts in Richtung Elko weiter.

    Als ich die Stadt, wo für mich die Geschichte meines W900 begann, erreichte, ging es zum dortigen Zentrallager, wo die kleinen Reefer hinsollten. Auch hier überließ ich schließlich dem Shunter Fahrer das Rangieren und stellte die Trailer nur an die Seite.
    Nun merkte ich wieder, dass Danny die Zeiten der Fahrer bei allen außer einer jungen Dame, wohl offensichtlich egal waren.
    :cursing: Ich hatte schon gut über 50 Stunden weg. Trotzdem gab es keinen Heimatschuss. Nur insofern, als dass ich zu Hause vorbeifahren konnte. Im System stand nämlich folgender Auftrag:

    PICKUP: CW-NVEL
    TRAILER: CT53002
    FREIGHT: DRIED FRUIT
    WEIGHT: 35,500 LB
    TO: UN-CABA
    GATE: 01
    REMARKS: -----

    CASA-DSN.

    Jeder andere Dispatcher hätte, wenn er nichts Besseres hatte, zumindest einen Vermerk mit „Dringender Ladung“ ins ORBCOMM eingegeben. Danny nicht. Ich wollte gar nicht wissen, ob es nicht sogar eine Ladung nach Sacramento gegeben hätte. So wie es jetzt aber aussah, dürfte ich meinen Reset wohl in Bakersfield machen.
    Leicht angesäuert ging ich ins Büro und holte mir die Papiere. Dann sattelte ich den Trailer auf und machte mich auf den Weg. Meine gute Laune, die ich mir durch die interessante Fahrt auf der Route 93 geholt hatte, war auf einmal wieder verschwunden. So wirklich Lust hatte ich im Moment nicht mehr. Ich hätte jetzt zwar bis zum Feierabend durchfahren können, die Lust darauf war mir aber vergangen. So fuhr ich in Battle Mountain wieder von der Interstate und machte erstmal eine Mittagspause. Dazu nahm ich das Restaurant, was mir Joe auf der Fahrt gezeigt hatte, als wir den Kenworth abgeholt hatten.

    Ich hatte gerade bestellt und konnte jetzt auf mein Essen warten, als das Handy klingelte. Keela rief aus dem Büro an. „Hallo Schatz. Irgendwelche Probleme?“ „Hi Süße. Wie kommst du darauf?“ „Laut meinen Daten hattest du bereits Pause. Jetzt stehst du schon wieder. Ist irgendwas nicht in Ordnung?“ „Das frag mal deinen Kollegen. Nur weil er am Wochenende arbeiten muss, braucht er uns das Wochenende doch auch nicht versauen.“ „Das habe ich ihm schon bei der Übergabe gesagt. Stehst du deswegen in Battle Mountain rum?“ „Ich hatte Hunger. Außerdem ist mir die Lust am Fahren vergangen, als ich das gesehen habe. Wenn ich Gina heißen würde, hätte es diese Tour für mich nicht gegeben.“ „Da sage ich jetzt besser nichts zu.“ „Warum? Du hast doch nichts mit der Sache zu tun.“ „Das stimmt. Ich werde aber im Büro nicht über meine Kollegen herziehen.“ „Verstehe. Keine Sorge. Ich fahre gleich wieder weiter. Ich denke, bis Reno werde ich noch kommen.“ „Von Bakersfield nach Hause wirst du nicht mehr schaffen?“ „Nicht wirklich.“ „Dann muss ich wohl zu dir kommen. Ob ich mit dem Savana oder mit der Harley komme, weiß ich aber noch nicht. Das hängt vom Wetter ab.“ „Wenn du meinst.“ „Klar. Wir lassen uns doch das Wochenende nicht kaputt machen.“ „Okay.“ Die Kellnerin brachte gerade mein Essen. „Mein Essen kommt. Wir telefonieren dann morgen.“ „Bis dann mein Schatz.“ Wir legten auf und ich genoss mein Essen. Die Aussicht, dass Keela dann zu mir kommen würde, verbesserte meine Laune schlagartig wieder.

    Um viertel nach Drei fuhr ich wieder weiter. Es ging westwärts über die I-80. Wie vermutet kam ich dann noch bis Reno. Hier machte ich dann gegen halb Sieben am Abend Feierabend. Ich war bis zu der Tankstelle gekommen, wo ich sonst schon mal nachgetankt hatte. Das schenkte ich mir heute, da ich sowohl mit meiner Fahrzeit, als auch mit meiner Schichtzeit ziemlich am Ende war. An diesem Abend machte ich es mir nur noch im Sleeper gemütlich. Schließlich legte ich mich schlafen.

    Samstag, den 27. Januar 2018, 4:15 am, Pacific Standard Time, Reno, NV:

    Da ich einen Abliefertermin am Bahnhof einhalten musste, blieb mir nichts anderes übrig, als wieder früh aufzustehen. Um viertel nach Vier stand ich auf und ging in den Sanitärbereich der kleinen Rastanlage. Dort duschte ich und gönnte mir im Anschluss den ersten Kaffee dieses Samstags. Um fünf Uhr begann ich dann wieder mit der PTI und eine Viertelstunde später machte ich mich wieder auf den Weg. Knapp 30 Meilen später war ich dann wieder in Kalifornien.
    Nun ging es durch die Sierra Nevada an Truckee vorbei nach Hause. In dem langen Gefälle war ich mal wieder froh, eine so gute Dauerbremsanlage zu haben.

    Als ich in meiner Heimatstadt ankam, wechselte ich von der I-80 auf die I-5 in Richtung Süden. Eine Pause machte ich in meiner Heimat aber nicht, sondern fuhr direkt weiter in Richtung Bakersfield. Ich schrieb allerdings eine Nachricht an Keela, dass ich Sacramento passiert hatte. So konnte sie dann auch planen. Bei Stockton wechselte ich dann auf die CA-99, über die ich nun weiterfahren wollte.
    Während ich die Stadt durchfuhr, kam dann eine Antwort von Keela: „Komme mit der Harley. Wo sollen wir uns denn treffen? Fahre in einer halben Stunde los.“ Ich schrieb ihr dann zurück: „Ich wollte am Truckstop in Fresno meine kurze Pause machen. Komm doch dahin.“ Als Antwort schickte sie mir einen „Daumen hoch.“
    :thumbup:
    Mit Tempomat 56 rollte ich nun gemütlich auf Fresno zu. Ich hatte zwar etwas Vorsprung, Keela konnte mit der Harley aber schneller fahren, als ich mit dem Truck. So würde ich nicht allzu lange auf sie warten brauchen. Nach einer ruhigen, gemütlichen Fahrt kam ich gegen halb Zwölf in Fresno auf dem Truckstop an. Nun konnte ich doch noch etwas auf Keela warten. In der Zeit machte ich mein Fahrerhaus und meinen Sleeper noch etwas sauber.

    Gegen Zwölf kam Keela dann mit der Electra Glide auf den Truckstop gefahren. Ich hatte aber so geparkt, dass sie nicht lange suchen brauchte und mich sofort entdeckte. Nachdem sie den Helm abgenommen hatte, gab es dann als erstes einen langen Begrüßungskuss. Anschließend gingen wir in aller Ruhe in den Truckstop zum Essen.
    Als wir gegen ein Uhr wieder zum Truck und der Harley zurückkamen, sagte Keela: „Muss ich jetzt auf dem Highway hinter dir herschleichen?“ „Du musst gar nichts. Ich darf in Kalifornien aber nun mal nicht schneller, als 55 Meilen fahren.“ „Das ist auf der CA-99 aber ziemlich öde.“ „Entweder du fährst vor, oder wir fahren über Nebenstrecken. Das ist die Alternative.“ „Ich weiß doch gar nicht, wo der Güterbahnhof ist. Wir nehmen die Nebenstrecken.“ „Okay.“ Ich stieg ein und startete den Kenworth. Während ich aus der Parklücke rangierte, zog sich Keela schnell die Motorradsachen an und setzte den Helm auf. Dann machten wir uns auf den Weg.
    Wir fuhren dann erst am Außenlager, Fresno vorbei und nahmen dann weiter Nebenstrecken bis zum Güterbahnhof von Bakersfield. Diesen erreichten wir dann gegen viertel vor Drei am Nachmittag.
    Ich musste natürlich mal wieder den Trailer in die hinterste Ecke neben die Waggons drücken. Keela die sich das Rangiermanöver anschaute, staunte nicht schlecht. „Das ist ja hier eine blöde Ecke.“ Meinte sie hinterher. „Man gewöhnt sich an alles.“ Grinste ich. „Wo müssen wir denn jetzt noch hin? Ich habe nicht mehr allzu viel Zeit bis zum Reset.“ „Ich wusste ja nicht, dass der Güterbahnhof so weit außerhalb liegt, daher habe ich ein Motel direkt in Bakersfield reserviert.“Wenn der Verkehr nicht zu dicht ist, sollte ich das gerade noch schaffen. Eineinhalb Stunden kann ich noch fahren.“ „Dann mal los.“ Meinte Keela. Sie hatte ein Motorradnavi für die Harley, in dem sie die Adresse des Motels schon eingespeichert hatte. Daher tauschten wir nun die Rollen und ich durfte hinter ihr herfahren. Mit dem Bobtail konnte ich ja, abgesehen von der Endgeschwindigkeit, ganz gut mit ihr mithalten. So ging es nun hintereinander nach Bakersfield.
    Ich war schon kurz davor mich zu ärgern, nicht auf Privatfahrt umgestellt zu haben, als wir dann doch noch rechtzeitig am Motel ankamen. Mein E-Log sagte, dass ich nun 69 Stunden und 50 Minuten weg hatte. Das nennt man wohl ein perfektes Ausnutzen der Zeit.
    :whistling: Ich stellte auf Reset und wir checkten ein.

    Als wir unser Zimmer hatten, gingen wir erstmal duschen. Ich wollte den Arbeitsschweiß loswerden und Keela den Staub der Highways. Anschließend erkundeten wir mit der Harley Bakersfield. Schließlich bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt und machten uns einen schönen Abend zu Zweit.

    Sonntag, den 28. Januar 2018, Bakersfield, CA:

    Als ich an diesem Morgen aufwachte, lag Keela in meinen Armen und kuschelte sich an mich. Dabei zeigte sie selbst beim Schlafen ein zufriedenes Lächeln. Ich war froh, dass es so war. In den letzten Wochen hatte sie ja immer häufiger eine Unzufriedenheit mit der Situation und mit meinem Job an den Tag gelegt. Dabei hatte ich schon befürchtet, dass unsere Beziehung nicht mehr lange halten würde. Gestern fühlte sich das aber zum Glück wieder anders an. Wir genossen die Zeit, die wir zusammen hatten und waren wieder wie frisch verliebt. Das war auch gut so. Ich wollte diesen Job nämlich nicht aufgeben. Ich genoss es, mit meinem Truck durch Amerika zu fahren. So viel, was ich in dem letzten halben Jahr von Nordamerika gesehen hatte, kannte ich vorher gar nicht. Ich liebte mein Land und wollte noch mehr davon sehen. Es gab halt so viele verschiedene Landschaften hier. Die Wälder im Norden und in Kanada, die Wüsten im Süden, die Küsten am Pazifik, die Berge in Colorado, die weiten Landschaften im mittleren Westen. Es gab noch viel mehr und das wollte ich noch entdecken.
    Ich liebte aber auch die Frau, die sich gerade an mich kuschelte und ich wollte sie nicht verlieren. Wenn es denn gar nicht anders ging, würde ich für Keela auch schweren Herzens den Job aufgeben oder zumindest auf Regionalverkehr reduzieren. Das aber eben nur, wenn es denn gar nicht anders ging. Das würde ich ihr aber auch nur verraten, wenn es nicht mehr anders ging. So lange sie das nicht wusste, würde ich versuchen, meinem Job treu zu bleiben und trotzdem mit Keela zusammen zu bleiben.

    In diesem Moment wurde Keela auch langsam wach. Sie reckte sich und schlug dann langsam ihre smaragdgrünen Augen auf. „Hey, du bist ja schon wach.“ Murmelte sie. „Was machst du denn?“ „Ich denke nach.“ „Darf ich wissen worüber?“ „Darüber, dass ich dich unglaublich liebe.“ „Das ist schön. Ich liebe dich auch.“ „Was machen wir denn heute?“ „Keine Ahnung. Was macht man sonntags in Bakersfield?“ „Im Januar ist das meiste hier noch geschlossen.“ „Dann müssen wir wohl einen Ausflug mit der Harley machen.“ „Denk aber daran, dass du auch noch wieder nach Hause fahren musst. Das sind immerhin auch noch mal fast 300 Meilen.“ „Stimmt auch wieder. Dann sollten wir noch Spazierengehen.“
    Wir verbrachten den Tag also dann doch in Bakersfield. Wir nutzten die Parks am Kern River und hatten noch einen schönen, erholsamen Tag. Am Spätnachmittag musste sich Keela allerdings wieder auf den Weg nach Hause machen. Sie hatte noch gut vier Stunden zu fahren und musste ja am nächsten Morgen zur Frühschicht. Der Abschied zog sich aber in die Länge, da wir beide am liebsten weiter zusammen gewesen wären.
    Nachdem sich Keela dann auf den Weg gemacht hatte, zog ich mich auf mein Zimmer zurück und machte noch etwas Bürokram. Den weiteren Abend verbrachte ich dann vor dem Fernseher, bevor ich dann zeitig schlafen ging.

    Montag, den 29. Januar 2018, 3:00 am, Pacific Standard Time, Bakersfield, CA:

    Mein Wochenende war nun am sehr frühen Montagmorgen auch schon wieder vorbei. Ich stand auf und nutzte noch mal die Dusche des Motel Zimmers. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und checkte aus. Um viertel vor Vier stieg ich in meinen Kenworth und stellte die Elektronik des E-Log auf PTI. Im Anschluss stellte ich auch im ORBCOMM das System auf Arbeit. Nun setzte ich erstmal einen Kaffee für mich auf. Die Abfahrtskontrolle der Zugmaschine war dann auch schnell erledigt. Mein erster Auftrag stand nun auch im System. Da ich nicht damit rechnete, dass Danny schon auf war, hatte er den Auftrag wahrscheinlich schon am Abend eingespielt:

    PICKUP: CA-CABA
    TRAILER: RE53769
    FREIGHT: EMPTIES
    WEIGHT: 20,000 LB
    TO: ES-CAFR
    GATE: -----
    REMARKS: -----

    CASA-DSN.

    In Bakersfield hatten wir außer einem Supercenter nichts. Daher war mir vorher schon klar gewesen, dass es wahrscheinlich nur Leergut oder Altverpackungen geben würde. Dass der Trailer jetzt aber an einer CAT Niederlassung stand, hatte ich nicht vermutet. Wahrscheinlich war die Kantine mit Lebensmitteln beliefert worden und der Trailer musste nun wieder zurück. Ich hoffte nur, dass um die frühe Uhrzeit überhaupt schon jemand dort war.
    Bei einem Blick auf mein Handy merkte ich, dass ich noch eine Nachricht von Keela bekommen hatte, die ich gestern Abend nicht mehr gesehen hatte: „Hallo Schatz, ich bin wieder gut zu Hause angekommen. Wir sprechen uns morgen. K.“ Das war schon mal gut zu wissen. Wahrscheinlich war die Nachricht auch erst angekommen, als ich gestern Abend schon geschlafen hatte.
    Ich machte mich jetzt auf den kurzen Weg zu der CAT Niederlassung, wo zu meiner Erleichterung ein Nachtwächter Dienst hatte. Dieser war auch berechtigt, mich auf den Hof zu lassen und den Trailer zu holen. Man würde sogar froh sein, wenn der Trailer im Trubel am Montagmorgen nicht mehr im Weg stand. Ich nahm den neutralweißen Kühler auf und erledigte die PTI. Um halb Fünf konnte ich mich nun zum Außenlager nach Fresno auf den Weg machen.

    Ich fuhr auf den Golden State Highway und beschleunigte auf 56. Dann legte ich den Tempomat ein und rollte gemütlich meinem Ziel entgegen. Gegen halb Sieben kam ich dann am Außenlager an, wo ich vom Pförtner sehr herzlich begrüßt wurde. „Mensch Murdock. Du warst ja auch schon lange nicht mehr hier.“ „Ist noch gar nicht so lange her, aber da warst du nicht im Dienst.“ „Sonst warst du aber regelmäßig hier. Seitdem du nicht mehr mit dem alten Mack fährst, sieht man dich aber kaum noch hier.“ Mit dem Kenny fahre ich ja auch etwas weiter.“ „Verstehe.“ Wir hielten noch zwei Minuten Smalltalk, dann musste ich aber die Einfahrt freimachen, da ein weiterer Truck auf den Hof wollte. Zu meiner Freude bekam ich das erste Tor auf der Rückseite zugewiesen. Dort kam man mit dem langen Trailer am besten ans Dock. Gegen zwanzig vor Sieben hatte ich den Trailer dann am Dock stehen und alle Verbindungen mit meiner Maschine gelöst. Nun hatte ich auch den nächsten Auftrag im System:

    PICKUP: ES-CAFR
    TRAILER: RE53960
    FREIGHT: FROZEN FRUITS
    WEIGHT: 37,600 LB
    TO: CO-NCRA
    GATE: 04
    REMARKS: URGENT DELIVERY

    CASA-KRY.

    Ich staunte nicht schlecht. Meine Tour mit dem Vorführwagen hatte mich ja vor ein paar Tagen schon recht weit nach Osten gebracht. Immerhin bis nach Atlanta. Diese Tour führte mich dann noch etwas weiter an die Ostküste. NC stand ja schließlich für North Carolina. Bei der Übernahme der Daten ins Navi zeigte sich, dass RA für Raleigh stand. Die Ladung war dann auch noch als Dringend deklariert. Ich fuhr mit der Maschine wieder nach Vorne zum Pförtner und forderte die Ladung ab. „Du hast wohl Recht.“ Sagte er dann. „Bis nach North Carolina wärst du mit dem Mack nie gefahren.“ „Ist die Ladung wirklich so dringend?“ fragte ich dann. „Du sollst bis Freitagmorgen zu Beginn der Frühschicht da sein.“ „Dann schauen wir mal, dass ich das hinbekomme.“ Ich quittierte die Papiere und fuhr dann zu Tor 4, wo mein Reefer stand. Zum Glück war es ein recht neuer Trailer, so dass ich für die lange Strecke wenigstens was Vernünftiges dahinter hatte.

    Um sieben Uhr hatte ich dann meine PTI erledigt und verließ das Außenlager wieder. Nun machte ich mich zuerst wieder auf den Weg dorthin, wo ich gerade hergekommen war.
    Ein Blick in die Karte, die ich zusätzlich zum Navi immer noch im Truck hatte, zeigte mir, dass Raleigh sich an der I-40 in North Carolina befand. Meine Route ging also via Bakersfield nach Barstow, dort auf die I-40 und dann immer der Interstate nach. Über die CA-99 ging es nun also wieder zurück nach Bakersfield. Dabei wurde es langsam hell. So richtig hell wurde es dann vorerst aber doch nicht, da sich Frühnebel gebildet hatte.
    Bei Bakersfield wechselte ich nun auf die CA-58 nach Barstow. Nun ging es, nachdem ich die Stadt hinter mir gelassen hatte, durch die Mojave.

    So lief der Vormittag dahin und es ging langsam auf Mittag zu. Ich bekam Hunger. Kurz vor Barstow kam ich dann noch durch ein kleines Dorf, wo ich dann für meine Pause am Straßenrand hielt. Hier ging ich dann in ein kleines Fast Food Restaurant, wo ich zu Mittag aß. Danach ging ich noch in einem kleinen Supermarkt, wo ich noch einkaufte, um meine Vorräte wieder aufzufüllen.

    Gegen ein Uhr am Mittag fuhr ich wieder weiter. Es dauerte nun nicht mehr lange, bis ich an die I-15 kam, auf die ich in nördlicher Richtung auffuhr. Nachdem ich dann Barstow passiert hatte, wechselte ich auf die I-40. Auf diesem Highway würde ich nun wohl den Rest der Woche verbringen. Den heutigen Nachmittag fuhr ich dabei noch durch Kalifornien.
    Natürlich musste ich an der offenen Waage auch mal wieder anhalten. Mein Gewicht war aber in Ordnung. Als es schließlich langsam auf den Abend zuging, überquerte ich den Colorado River und kam somit nach Arizona. Hatte ich gerade noch halb Fünf gehabt, war es nun auf einmal halb Sechs.

    Eine Dreiviertelstunde später war ich dann bei meiner Stammtankstelle in Kingman, AZ. Hier füllte ich die Tanks des Kenworth wieder auf. Mit meiner Zeit war ich nun auch so gut wie durch. Ich suchte mir also im Industriegebiet noch ein ruhiges Plätzchen, wo ich für meine Pause stehen bleiben konnte. Um viertel vor Sieben stellte ich schließlich den Motor ab und machte Feierabend.
    Nun hatte ich endlich Zeit, mit meiner Süßen zu telefonieren. Nachdem sie sich gemeldet hatte, fragte ich sie: „Na, Süße, wie war die Rückfahrt nach Sacramento gestern?“ „Das zog sich dann doch ganz schön in die Länge. Zum Glück haben wir dann keine Tour mehr davor gemacht. Ich wusste hinterher so schon nicht mehr, wie ich sitzen sollte.“ „Ich dachte, deine Maschine ist bequem.“ „Ist sie ja auch. Trotzdem. Wenn du nur zum Tanken zwischendurch anhältst und sonst durchziehst, irgendwann ist der beste Sitz nicht mehr gut. Es ist ja kein Truck, sondern ein Motorrad.“ „Auch wieder wahr.“ „Wie war dein Tag?“ „Ganz gut. Mit der Tour am Morgen nach Fresno habe ich mir die Leermeilen gespart. Nur mit dem Anschluss habe ich nicht gerechnet.“ „Das dachte ich mir.“ „Offensichtlich willst du nach dem Wochenende doch wieder deine Ruhe haben.“ „Quatsch. Erstens haben dringende Ladungen Priorität und zweitens weiß ich doch, dass du solche Touren liebst.“ „Dann hast du mir die Tour gegeben, um mir einen Gefallen zu tun?“ „Letztlich schon. Wenn du jetzt erst in der Region unterwegs bist und dann zum Ende der Woche weiter weg musst, ist das doch auch nicht besser. Dann bist du trotzdem am kommenden Wochenende draußen.“ „Stimmt.“ „Dann fahr du mal an die Ostküste. Vielleicht bekommen wir dich ja auf dem Rückweg wieder nach Kalifornien. Dann bist du in vierzehn Tagen wieder zu Hause.“ „Auch wieder wahr.“ Das restliche Telefonat ging dann mit privateren Themen weiter. Nachdem ich dann aufgelegt hatte, aß ich noch eine Kleinigkeit, danach legte ich mich aber recht schnell schlafen.

    Dienstag, den 30. Januar 2018, 4:00 am, Mountain Standard Time, Kingman, AZ:

    Auch wenn vier Uhr auf dem Wecker stand, war es trotzdem genauso früh, wie gestern, als ich mich aus dem Bett quälte. Das nächste, was ich hörte, war das kräftige Pladdern des Regens auf dem Kabinendach. Als ich rausschaute, sah ich, dass gerade ein kräftiger Schauer runterkam. Das sollte die Kanisterwäsche, die nach der Pause in einem Industriegebiet nun mal anstand, auf das allernötigste reduzieren. Auch hier in Arizona war es immerhin Januar und der Regen daher auch nicht allzu warm. Ich setzte erstmal einen Kaffee auf und putzte anschließend schnell neben dem Truck die Zähne. Dabei wurde ich dann ganz von selbst wach. Zurück im Truck, konnte ich mich dann umziehen, da meine Sachen, mit denen ich draußen war, völlig durchnässt waren. Um viertel vor Fünf begann ich dann mit der PTI, für die ich dann extra meine Regensachen rausholte. Gegen fünf Uhr machte ich mich auf den Weg zurück zur I-40.
    Ich war dann noch auf der historischen Route 66, als der Regen merklich nachließ. Als ich auf der I-40 ankam, hatte sich das Thema Niederschlag wieder erledigt. Das verbesserte meine Laune aber auch nicht, da ich trotzdem an dem Morgen schon zweimal klatschnass geworden war.

    Ich hatte mich in Richtung Osten auf den Weg gemacht und war nun auf dem Weg nach Flagstaff. Den Tempomat stellte ich auf 66 mph ein, dann rollte ich durch die vor mir liegenden Berge. Bis Flagstaff lief die Tour dann auch noch ganz gut. Nachdem ich dort aber vorbei war, wurde es voller. Es war halt die Zeit, wo der Berufsverkehr im vollen Gange war. Der Fahrer eines der wenigen amerikanischen Kompaktwagen aus den 70er Jahren, die Modellbezeichnung war mir leider entfallen, trieb mich allerdings fast zur Weißglut, was bei mir lange dauerte, da ich an sich die Ruhe selbst war. Er fuhr über einige Meilen mit einem Tempo von knapp unter 60 neben einem Solo LKW her, der annähernd das gleiche fuhr und kam beim Überholen nicht wirklich weiter. Ob er nicht schneller wollte, oder ob sein Oldie nicht mehr schneller konnte, blieb sein Geheimnis.

    Hinter uns bildete sich aber allmählich ein Stau, der immer länger wurde. Irgendwann hatte ich die Nase voll. Da offensichtlich keine Besserung der Situation in Sicht war, fuhr ich in Joseph City von der Interstate und machte am dortigen Truckstop eine Pause. Die nutzte ich, um der unfreiwilligen kalten Dusche des Morgens eine vernünftige warme Dusche folgen zu lassen. Anschließend gab es noch ein kleines Frühstück im Truckstop und eine Stunde nach meiner Ankunft machte ich mich wieder auf den Weg.

    Ich hatte schließlich 300 Meilen seit meiner Abfahrt am frühen Morgen zurückgelegt, als ich die Grenze nach New Mexico passierte. Zur Begrüßung durfte ich nun in Gallup am Port of Entry mal wieder mein Gewicht angeben. Zum Glück hatte ich diesmal nicht solche Probleme, wie beim letzten Mal. Ich hatte zwar keine WD Nummer auf der Seite stehen, aber immerhin meine US DOT Nummer. Wenn die Beamten diese in ihren Computer eingaben, sahen sie bereits, dass meine WD Abgabe erfolgt war. Ich durfte also ohne Probleme sofort weiterfahren.
    Während meinem weiteren Weg bekam ich aber langsam Hunger. Ich fuhr also auf den inzwischen bekannten Truckstop in Sky City und aß dort zu Mittag.

    Um halb Drei, MST machte ich mich wieder auf den Weg in Richtung Osten. Ich kam nun zwar genau im Nachmittagsverkehr in Albuquerque an, da ich aber nur auf der I-40 durch die Stadt fuhr, lief es einigermaßen durch.
    Mit meiner Fahrzeit kam ich dann noch bis nach Santa Rosa, NM, wo ich auf einem Truckstop für heute Feierabend machte. Nach dem obligatorischen Telefonat mit Keela machte ich mir noch im Sleeper eine Kleinigkeit zu Essen. Den restlichen Abend verbrachte ich dann vor dem Fernseher, bis ich mich zum Schlafen hinlegte.

    Mittwoch, den 31. Januar 2018, 3:30 am, Mountain Standard Time, Santa Rosa, NM:

    Nach einer angenehmen Nachtruhe musste ich recht früh wieder aufstehen. Schließlich hatte ich ja eine dringende Ladung abzuliefern. Ich nutzte noch die gekachelte Abteilung des Truckstops. Anschließend gab es dort auch noch den ersten Kaffee. Den weiteren Kaffee kochte ich mir, als ich wieder zurück im Truck war. Um vierten nach Vier begann ich mit der PTI und um halb Fünf ging es dann weiter.
    Natürlich ging es wieder ostwärts auf die I-40. Etwa 90 Meilen später überquerte ich die nächste Staats- und Zeitgrenze. Ich hatte Texas erreicht. Vorbei an Amarillo ging es nun weiter in Richtung Oklahoma.
    Nach 145 Meilen verließ ich nun auch Texas wieder. Langsam kam dann doch Hunger auf. An einer kleinen Rest Area kurz vor Oklahoma City machte ich dann Pause. Da es hier nicht wirklich viel gab, bereitete ich mir mein Essen aus meinen Vorräten. Anschließend lief ich noch ein paar Schritte auf der Rest Area. Nach einer Stunde machte ich mich wieder auf den Weg.
    Es ging nun an Oklahoma City vorbei. In der Mittagszeit war das aber kein großes Problem. Anschließend ging es weiter durch das ländliche Oklahoma.

    Am Nachmittag erreichte ich dann Arkansas. Mit meiner Fahrzeit kam ich noch bis North Little Rock, wo ich um halb Sechs Feierabend machte. Ich ging dann als erstes zum Duschen und Essen in den Truckstop. Zurück im Truck telefonierte ich noch mit Keela. Anschließend legte ich mich zeitig schlafen.

    Donnerstag, den 1. Februar 2018, 3:00 am, Central Standard Time, North Little Rock, AR:

    Um drei Uhr Ortszeit klingelte mein Wecker und holte mich wieder aus meinen Träumen. Ich quälte mich aus dem Bett und setzte als erstes den Kaffee auf. Anschließend suchte ich den Truckstop auf und nutzte die Keramikabteilung. Um viertel vor Vier begann ich dann wieder mit der PTI und um Vier machte ich mich auf den Weg zurück zur I-40. Durch die Dunkelheit des noch sehr frühen Morgens ging es nun in Richtung Osten weiter.

    Nach 130 Meilen hatte ich dann Tennessee erreicht. Den Staat, aus dem der Lieblingswhiskey meines Dads kam. Zur Not nahm er auch die Konkurrenz aus Kentucky, er bevorzugte aber den Tennessee Whiskey. Dabei fiel seine erste Wahl dann auf Jack Daniels.
    Mein Ding war das nicht. Ich trank sowieso so gut wie nie Alkohol. Wenn, dann zog ich auch Bier vor. Dort fand ich inzwischen auch immer mehr Gefallen an den Light Sorten. Bei Whiskey war ich dann auch meistens nach einem Glas fertig mit der Welt. Da es sowieso verboten war, im Truck Alkohol mitzuführen, ließ ich es auch meist mit dem Trinken sein. Ich hatte dann eher die Produkte von einem großen Brausehersteller aus Atlanta im Kühlschrank.

    Inzwischen war meine Tankleuchte dann auch wieder mal angegangen. An Memphis war ich aber schon vorbei. Da ich hier festgestellt hatte, dass die Truckstops meistens noch einen Zuschlag für das bequeme Anfahren nahmen, wollte ich heute mal versuchen, in einer größeren Stadt vom Highway zu fahren und dort an einer örtlichen Tankstelle zu fahren.
    Meine Wahl fiel dann auf das Zentrum der amerikanischen Country-Musik Szene, Nashville. Auch wenn ich mit der Musik nicht wirklich viel anfangen konnte, es sei denn, es handelte sich um Country Rock. Trotzdem fuhr ich dann in der „Music-City“ zum Tanken.
    Die Tankstelle, die ich dann fand, hatte zwar einen passablen Spritpreis, allerdings keinen Platz für einen längeren Stopp. So machte ich mich, nachdem die Tanks wieder voll waren, direkt wieder auf den Weg zurück zur I-40 und dann weiter in Richtung Osten. Meine Mittagspause absolvierte ich dann eine Stunde später auf dem Love’s Truckstop in Baxter, TN.
    Eine weitere Stunde später fuhr ich dann weiter und kam nun langsam in die Ausläufer der Appalachen. Dies machte sich sowohl an der hügeligen Topografie, als auch an dem recht kurvigen Straßenverlauf der I-40 bemerkbar. Es kam dann dazu, dass sich das Wetter mal wieder verschlechtert hatte und ein kräftiger Schauer runterkam. Das machte das Fahren in der nächsten Zeit erstmal wieder sehr anstrengend.

    Zum Glück blieb es nicht so schlecht, nach zwei, drei Stunden kam die Sonne wieder raus und der Regen hörte auf. Schließlich wechselte ich dann wieder mal Staat und Zeitzone. North Carolina war erreicht. Den Hinweis auf dem Schild der nächsten Ausfahrt musste ich dann aber als Foto für Keela festhalten. Der „Tail of the Dragon“ war schließlich eine in Motorradkreisen berühmt berüchtigte Strecke. Die 318 Kurven der Strecke hatten schon reichlich Opfer gefordert. Wer hier aber vernünftig fuhr, konnte hier auch eine menge Spaß haben.

    Auch wenn ich nun den Staat erreicht hatte, in dem mein Ziel lag, sollte ich es heute nicht mehr erreichen. Dafür reichte meine Fahrzeit absolut nicht mehr. Ich fuhr dann heute noch bis zum Pilot Travel Center in Conover, NC, wo ich den Truck nach knapp elf Stunden Fahrzeit abstellte. Nun schickte ich auch das Foto an Keela. Es dauerte nicht lange, bis sie mich dann zurückrief und wir telefonieren konnten. Das taten wir dann auch ausführlich. Schließlich legten wir auf und ich ging noch zum Duschen und Essen in den Truckstop. Zurück im Truck war der Tag dann aber schnell vorbei. Da ich am morgigen Freitag Terminzustellung hatte, legte ich mich zeitig schlafen.

    Freitag, den 2. Februar 2018, 2:30 am, Eastern Standard Time, Conover, NC:

    Hätte ich gewusst, was mir an diesem Tag noch alles bevorstand, dann hätte ich mich wahrscheinlich umgedreht und weitergeschlafen. So wusste ich es nicht und stand pünktlich auf. Immerhin hatte ich einen Liefertermin.
    Nachdem die Kaffeemaschine im Truck in Gang gesetzt worden war, ging ich in den Truckstop zum Duschen. So wurde ich dann, trotz der frühen Zeit wenigstens wach. Um viertel nach Drei begann ich dann mit der PTI und um halb Vier war ich wieder on the Road. Auf der I-40 legte in nun quasi den Endspurt für die Ladung ein, die ich am Montag übernommen hatte. Nun war Freitag und ich musste bei Beginn der Frühschicht bei Costco in Raleigh sein. Das sollte auch in etwa zu schaffen sein, ohne mein selbstgewähltes Tempolimit von 66 mph zu überschreiten.
    Gut. Es war dann nicht sechs Uhr, sondern viertel nach Sechs, als ich bei Costco vor dem Tor stand. Bei einer Tour von einer Küste an die andere sollte eine Viertelstunde aber nicht das Problem sein. Es war dann auch keins. Man war froh, dass ich mit meiner Ladung Tiefkühlfrüchten auch so noch recht pünktlich vor Ort war. Da ich genau im Zeitfenster war, stand natürlich auch ein Dock für meinen Trailer zur Verfügung. Ich brauchte nur noch schnell auf den Hof fahren und den Trailer ans Dock stellen. Dann war der Auftrag erledigt.
    Wer jetzt glaubte, ich hätte jetzt Wochenende und könnte meinen Reset machen, der hatte sich aber getäuscht. Danny, der in Kalifornien saß und Nachtschicht hatte, plante offensichtlich anders mit mir. Entsprechend hatte ich den nächsten Auftrag im System stehen:

    PICKUP: ES-NCRA
    TRAILER: RE53581
    FREIGHT: FROZEN GOODS
    WEIGHT: 37,800 LB
    TO: CO-DCWA
    GATE: 08
    REMARKS: URGENT ORDER. LOAD – DELIVER

    CASA-DSN.

    Ich musste also mit Tiefkühlware in die Hauptstadt. Dass ich diese Woche noch nach Washington DC kam, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Das Außenlager hatte ich bereits bei der Anfahrt zu Costco, Raleigh gesehen. Daher brauchte ich eigentlich gar nicht die Datenübernahme vom ORBCOMM ins Navi machen. Vorsichtshalber tat ich es aber doch. Nicht, dass es noch ein weiteres Lager von Walmart hier gab.
    Die Adresse stimmte aber. Ich fuhr also wieder zurück bis zum Außenlager und meldete mich dort am Bürocontainer an. Erwartungsgemäß war meine Ladung fertig und ich konnte sofort aufsatteln. So hatte ich um sieben Uhr den nächsten Trailer am Haken und konnte mich auf den Weg in die Hauptstadt machen. Wahrscheinlich brauchte der Präsident noch dringend etwas Tiefkühlware.
    :whistling:
    Es ging nun in östlicher Richtung aus Raleigh heraus. So kam ich dann nicht wieder zurück zur I-40, sondern zur I-95, die dann in nördlicher Richtung direkt in die Hauptstadt führte. Zuerst ging es aber durch North Carolina weiter.
    So langsam merkte ich aber, dass der Verkehr an der Ostküste dichter war, als in der Mitte oder im Westen der USA. Dabei wusste ich jetzt noch gar nicht, dass es hier in North Carolina noch vergleichsweise ruhig zuging. Der Verkehr hier erinnerte mich aber schon an den Verkehr in der Bay Area rund um San Francisco. Schließlich hatte ich dann Virginia erreicht.

    Da ich ja bereits seit halb Vier am Fahren war, hielt ich es für eine gute Idee, jetzt gegen neun Uhr langsam mal eine Pause zu machen. In Skipper, VA gab es dann ein Love’s Travel Center. Dort hielt ich dann für meine Pause an.
    Andere Leute gingen jetzt frühstücken, für mich war es quasi schon mein Mittagessen. Um zehn Uhr, Ortszeit machte ich mich dann wieder auf den Weg in die Hauptstadt.

    Wenn ich in North Carolina die Verkehrsdichte schon mit der Bay Area verglichen hatte, konnte ich jetzt spätestens ab Petersburg, VA von einer Verkehrsdichte sprechen, die sich allenfalls noch mit dem Verkehr im Raum LA vergleichen ließ. Bei Richmond war es dann endgültig voll, obwohl es ja eigentlich auf den Mittag zuging. Auch als ich den Großraum Richmond verlassen hatte, blieb der Verkehr an diesem Freitag dicht. Hinter Fredericksburg kam ich dann in das Tal des Potomac und somit in den Ballungsraum der Hauptstadt. Nun war höchste Konzentration nötig, da es hier zahlreiche Autobahnkreuze und Anschlussstellen gab. Ich musste genau aufpassen, dass ich nicht irgendwo falsch fuhr.
    Andere Leute würde das Gleiche vermutlich von LA sagen. Dort kannte ich mich aber einigermaßen aus und ich konnte auf jeden Fall immer was mit den verschiedenen Ortsteilen anfangen, die auf den Schildern standen. Von den Orten, die hier auf den Schildern standen, hatte ich zum großen Teil noch nie was gehört, geschweige denn, dass ich wusste wo sie lagen. Es war jetzt zwischen Zwölf und Eins. Wenn jetzt schon so viel Verkehr hier war, dann stand am Nachmittag bestimmt alles hier im Stau.
    Zu meiner Erleichterung stand ich dann um Eins beim Costco, ohne dass ich mich irgendwie verfahren hatte. Ich meldete mich an und wurde, wie am Morgen in Raleigh auch hier bereits erwartet. Entsprechend war auch hier wieder ein Dock für mich reserviert, an dem ich nur noch absatteln brauchte.
    Ich hatte mich ja am Vormittag schon innerlich auf ein Wochenende in Washington eingestellt. Dieses Mal machte mir jetzt nicht Danny, sondern meine Süße einen Strich durch die Rechnung. Der nächste Auftrag stand schon im System, als ich mit meinen unterschriebenen Papieren zurück im Truck war:

    PICKUP: ES-DCWA
    TRAILER: DV53563
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 38,000 LB
    TO: BB-NHMA
    GATE: 02
    REMARKS: IMPORTANT DELIVERY

    CASA-KRY.

    Ich bekam also noch eine Ladung Haushaltswaren für einen Best Buy. Das Kürzel NHMA stellte sich als Manchester, New Hampshire heraus. Langsam war ich an diesem Freitag etwas genervt. Ich hatte damit gerechnet, Ladung zur Ostküste zu bringen. Das war in Ordnung und das war eben mein Job. Dass ich jetzt aber anfing, für die Niederlassungen an der Ostküste Sachen zu verteilen, passte mir nicht wirklich. Als Long Hauler wollte ich doch nicht hier rumfahren und den Job der Regional Driver machen, die hier arbeiteten. Da die Anweisungen aber von meiner Dispatch in Kalifornien kamen, blieb mir nichts anderes übrig. Da brauchte ich auch nicht zu diskutieren, da die Ladungen alle als wichtig oder dringend deklariert waren. Das waren ja die Schlagwörter, mit denen die Dispatcher hier ihre Ladungen loswurden. Unsere Dispatcher machten das ja in Kalifornien auch nicht anders.

    Durch den dichten Verkehr in der Hauptstadt machte ich mich nun also auf den Weg zum Außenlager, Washington. Zum Glück kannte sich ja wenigstens mein Navi hier aus. Schließlich erreichte ich das Außenlager.
    Es lag aber an einer dicht befahrenen Hauptstraße und ich musste links abbiegen, um auf den Hof zu kommen. Es kam Auto um Auto und ich kam und kam nicht nach links weg. Schließlich zeigte sich dann doch eine Lücke. Der letzte Truck, den ich noch durchlassen musste, war ein rot-weißer Peterbilt 579, der einen Trailer mit einer CAT Baumaschine zog. Der Truck fiel mir deshalb auf, weil der Fahrer des Trucks nicht so aussah, als dürfte er überhaupt schon so einen schweren Lastzug fahren. Hätte ich gewusst, dass dieser sehr jung aussehende Fahrer älter war, als ich selbst und genau, wie ich Owner Operator, hätte ich das noch weniger geglaubt. Aber noch kannte ich diesen Fahrer auch nicht. Ein Umstand, der sich in der Zukunft noch mal ändern sollte.

    Jetzt konnte ich aber endlich abbiegen und war am Außenlager angekommen. Ich meldete mich in dem für unsere Außenläger obligatorischen Bürocontainer und forderte meine Ladung ab. Dieses Mal bekam ich einen Dry Van. Nach einer Woche, in der ich nur Tiefkühler gefahren hatte, würde das eine akustische Erholung werden. Ich sattelte auf und erledigte die PTI. Um viertel vor Zwei konnte ich mich nun wieder in den dichten Verkehr der Hauptstadt stürzen.

    Langsam hatte ich auch heute keine Lust mehr. Ich sah zu, dass ich aus Washington herauskam und wieder zurück zur I-95 gelangte. Dort ging es dann wieder in nördlicher Richtung weiter. Aber auch auf der Interstate wurde der Verkehr nicht wirklich besser. Völlig entnervt machte ich dann schließlich am TA Travel Center in Baltimore Feierabend. Erst, als ich dort geduscht hatte und anschließend im Restaurant mein Essen auf dem Tisch stehen hatte, ging es mir langsam wieder besser. Freitagnachmittag an der Ostküste. Das braute ich dann auch nicht wirklich öfter.
    Auch wenn es erst vier Uhr war, als ich wieder zurück im Truck war, legte ich mich völlig geschafft in die Koje. Ich schlief dann fast augenblicklich ein.

    Samstag, den 3. Februar 2018, 12:00 am, Eastern Standard Time, Baltimore, MD:

    Um Mitternacht klingelte mein Wecker leider schon wieder. Meine Ladung sollte aber auch so früh, wie möglich in New Hampshire sein. Daher war an eine Verlängerung der Pause auch nicht zu denken. Mit Keela hatte ich ja am Nachmittag gar nicht mehr gesprochen, da sie erst Feierabend hatte, als ich schon geschlafen hatte. Ich stand auf und ging in den Truckstop um zu duschen. Den ersten Kaffee des noch jungen Tages genehmigte ich mir auch noch dort. Um viertel vor Eins begann ich mit meiner Abfahrtskontrolle und um ein Uhr ging es weiter in Richtung Norden.

    Das Prägendste in dieser Nacht sollten die Zahlreichen Übertritte von Staatsgrenzen sein. Die Staaten an der Ostküste waren ja meist kleiner, als die Flächenstaaten in der Mitte oder im Westen. Bei meiner Durchquerung in Süd – Nord – Richtung war ich dann meistens noch schneller durch einen Staat, als bei der Durchfahrt in Ost – West – Richtung. So verließ ich Maryland nach 41 Meilen wieder und kam nach Delaware. Diesen Staat durchquerte ich aber nur an einer kleinen Ecke, so dass ich bereits nach 15 Meilen New Jersey erreicht hatte.
    Zum Glück war mein E-Log mit den Systemen des Trucks gut vernetzt. Durch die Verbindung zum GPS des Navis konnte das E-Log auch feststellen, auf welchem Highway in welchem Staat ich unterwegs war. Der IFTA-Trip Report wurde so automatisch vom E-Log mit angefertigt. Sonst hätte ich auch viel zu schreiben gehabt.
    Nach weiteren 125 Meilen wechselte ich in der Nähe des Big Apple, von New Jersey in den Staat New York. Dabei hatte ich inzwischen noch etwas festgestellt. Je weiter ich nach Norden kam, um so kälter wurde es. Bald war es dann soweit, dass ich wieder Schnee am Straßenrand liegen hatte.
    Über Funk hörte ich dann auch schon Gespräche von Kollegen, die erzählten, dass es weiter nördlich den ganzen Freitag über geschneit hatte und die Straßen entsprechend weiß wären. Ich wusste also was auf mich zukam.
    Den Staat New York verließ ich ebenfalls nach 20 Meilen schon wieder. Nun kam ich nach Connecticut. Langsam wurde es Zeit für eine Pause. Ich war mir aber noch nicht so ganz sicher, wo ich diese machen wollte. Als ich mich entschieden hatte, war ich schon wieder in einem anderen Staat. Ich hatte Rhode Island erreicht.
    Um viertel nach Sechs hielt ich dann auf einer kleinen Rest Area. Das reichte mir für meine Pause. Ich hatte noch genug in meinen Vorräten, um zu frühstücken. Da es in Kalifornien noch drei Stunden früher war, telefonierte ich noch nicht mit Keela. Ich wollte sie ja nicht in der Nacht aus dem Bett werfen.

    Nach einer Stunde machte ich mich schließlich wieder auf den Weg. Nun wurde es auch so langsam hell. Inzwischen war es wirklich schon wieder sehr winterlich draußen. Das merkte ich jetzt nicht nur, inzwischen war es auch so hell, dass ich es auch sehen konnte. Mit dem gut ausgeladenen Trailer fuhr es sich aber gut.

    Kurz vor meinem Ziel musste ich dann noch von der I-95, auf der ich die ganze Nacht unterwegs gewesen war, auf die I-93 wechseln. Nun kam ich auch endlich nach New Hampshire. Manchester war nun auch nicht mehr weit.
    Dort angekommen, verließ ich die Interstate und fuhr die letzten Meilen durch die verschneite Stadt. Gegen viertel nach Neun erreichte ich dann schließlich das Best Buy Lager, wo ich dann auch bereits erwartet wurde.

    Ich konnte den Trailer sofort vor einem Tor abstellen und fand anschließend meine nächste Anweisung im System:

    35 H BREAK. CASA-KRY.

    Das war die erwartete und erhoffte Antwort. Ich hätte aber auch maximal noch fünf Stunden gehabt, bis meine 70 Stunden voll gewesen wären.
    Während meiner Pause am Morgen hatte ich schon mal nach Motels in Manchester gesucht. Das ganze Wochenende bei laufender Standheizung im Truck bleiben wollte ich auch nicht. Ich hatte dann ein schönes Motel gefunden, was im Stil einer Lodge gehalten war. Nur gebucht hatte ich noch nichts, da ich nicht Gefahr laufen wollte, dass ich doch noch einen kurzen Anschluss bekommen hätte.
    Ich fuhr direkt zu dem Motel, wo man zu meinem Glück auch noch was frei hatte. Ich checkte dann bis Sonntagabend ein und konnte dann den Truck vor meinem Zimmer parken. Nachdem ich dann meine Sachen, die ich brauchte ins Zimmer geräumt hatte, ging ich erstmal in Ruhe duschen.
    Nachdem ich dann wieder frisch war, nahm ich mein Handy und rief Keela an. „Hallo Schatz, schön dass du dich meldest.“ Wurde ich begrüßt. „Hallo Süße. Das ist doch jetzt selbstverständlich.“ „Das ist gut. Es gibt nämlich einiges zu erzählen.“ „Beruflich oder privat?“

    Fortsetzung folgt…
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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