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Kapitel 22 - Immer noch Schnee und immer wieder Kanada

  • Das Wochenende war in der Tat nicht toll. Die meiste Zeit war ich, auch wegen des Wetters in meiner Zugmaschine und daddelte Spiele auf dem Laptop. Filme oder Youtubevideos Streamen kam bei den Roaminggebühren in Kanada nicht in Frage, zu exploren gab es auch nichts und die Inliner konnte man bei dem Wetter ebenfalls vergessen. Ein paar mal war ich kurz davor, mir ein Hotelzimmer zu nehmen.
    Zum ersten Mal wünschte ich mich zu Costco zurück. Wenn man dort irgendwo für 10 oder 34 Stunden draußen stehen musste, wo man keine Minute länger sein wollte als nötig, dann konnte man sich sicher sein, dass einen der Dispatch auch keine Minute länger als nötig dort stehen ließ. Das war aber auch so ziemlich das einzige, was bei Costco besser war als bei Caterpillar. Dann wartete ich doch lieber brav, bis Brian am Montag wieder zur Arbeit kam und mir welche verteilte. Meistens war es ja auch ganz nett, dass das Wochenende nicht 34 Stunden dauerte sondern bis Montag 7:30 Uhr East Coast Time.


    Montag, 09.04.2018

    Und zuverlässig zwischen 7:30 und 8:00 AM kam dann der Auftrag.

    PICKUP: QCMWK-CAT
    DESTIN: VTBUR-COS
    TRAILER: QC-7NF8962
    LOAD: D6T
    WEIGHT: 49792
    REMARKS: OVERWEIGHT OVERSIZE
    DISPATCH: PAERI-CAT-BRW


    Der D6T war ein Bulldozer und nach dem 966M Radlader die zweitschwerste Fracht, die ich mit meiner Zugmaschine transportieren durfte. Inzwischen war diese Gegend für mich Routine und ich begann mich zu fragen, wann Brian denn mal was anderes als Ostküste mit mir vorhaben würde. Immerhin war der Schnee geschmolzen, dafür gab es nun Regen.




    Heute war bei der Staatsmacht wohl nicht mein Tag. Ich hatte keine Ahnung, was genau passiert war und vielleicht würde ich es auch nie erfahren, bei der Geheimhaltungsstufe, die hier so im Normalfall herrschte. Aber ich stand 2 Stunden auf dem Warteplatz Highgate Border Control, bis ich aufgefordert wurde, vorzufahren.
    In der Zeit vor dem Aufruf klingelte mein Handy. Es war mein Kumpel Lenny, aber wollte er mich dienstlich oder privat sprechen. Da Wartezeit am Zoll Schichtzeit und somit unbezahltes Herumsitzen während der Arbeitszeit war, meldete ich mich mal dienstlich, nicht ohne Sarkasmus:
    "Ridley Road Haulage, Brandon Ridley." "Walmart Incorporation, Mid-Atlantic Logistic Center, mein Name ist Lennart Savege." Es war nicht zu überhören, dass er das Spielchen witzig fand. "Wie kann ich Ihnen helfen?" "Sie stehen an der kanadischen Grenze, wo müssen Sie denn noch hin?" Wo ich stand, konnte er über unsere privaten Handys und die für Freunde sichtbare Standortangabe sehen. "Nur noch nach Burlington." "Das trifft sich gut, hast... haben Sie schon eine Anschlussfracht?" Ich sah schnell in Isotrak nach, aber fand keinen Eintrag. "Wären Sie denn gewillt..." Er kicherte, scheinbar wurde ihm das Spielchen jetzt doch zu albern. "Okay, vergiss die alberne Form. Ich habe hier einen Auftrag, ein Double Pup mit Computern, Smartphones und so einem Kram nach Fredericton in New Brunswick zu bringen. Vorausgesetzt sie lassen Dich irgendwann mal in die USA rein." "Ich hoffe es. Keine Ahnung, was hier los ist. Was zahlst Du denn?" "Den üblichen Feuerwehr-Meilensatz."
    Der war nicht so schlecht, denn wie der Spitzname schon vermuten ließ, ging es da meistens um kurzfristig gescheiterte Touren. Das ursprünglich vorgesehene Fahrzeug war ausgefallen oder es kam ein noch dringenderer Auftrag dazwischen und dafür blieb dieser stehen, obwohl er das nicht sollte.
    "Okay, mache ich." "Gut. Dann schicke ich Dir die Papiere elektronisch auf Deine Firmen-Mailadresse." Ich drückte mich für Brian auf nicht verfügbar.
    In der Zwischenzeit hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass sie an der Grenze in einem Truck zwischen der regulären Fracht Amphetamine entdeckt hätten. Nun wurde, einmal alarmiert, alles geprüft bis zum letzten. Sogar in den Tank der Planierraupe steckten sie eine Kamera, um zu sehen, ob da nicht Drogen drin versteckt waren. Und so dauerte es noch mal 24 Minuten, bis sie auch die eigentliche Kontrolle abgeschlossen hatten. Dafür hätte ich die Raupe auch gestohlen haben können, denn nach der Seriennummer auf dem Typenschild hatte vor lauter Tank endoskopieren keiner geschaut.

    Aus Zeitgründen verzichtete ich heute an der Chevron-Station in Burlington auf irgendwelche Leckereien für mich. Einerseits war meine Ladung spät dran, andererseits wartete Lennys Ladung bei Walmart. So blieb es bei leckerem Diesel für den Pete.

    Die Lenkzeit war kein Problem heute, aber als ich schließlich mein Doppelpack bei Walmart aufgesattelt hatte, blieben mir nur noch ziemlich genau 4 Stunden Schichtzeit. Das sollte noch bis weit nach Maine rein reichen, größere Ballungsräume durchqueren musste ich dabei ja nicht. Da ich keine Ahnung hatte, wie Fredericton abgekürzt wurde, musste ich die Adresse direkt eingeben.

    Es reichte letzten Endes bis Kennebunk Service, eine Rest Area mit Tankstelle, Restaurant und Duschen. Da man nie wusste, was der nächste Tag so brachte, nutzte ich die Duschen auch mal aus und ging auch ins Restaurant.


    Dienstag, 10.04.2018

    Von hier waren es immer noch 4 Stunden bis an die Grenze nach Woodstock (NB). Das Wetter war umgeschlagen, es lag also wieder Schnee.




    Mit einer Stunde Wartezeit und den relativ normalen 25 Minuten im Zollbüro war ich dann heute deutlich schneller im anderen Land. New Brunswick hatte ein Limit von 110 km/h, also 69 mph. Entsprechend kam ich gut voran und fuhr die selbst auferlegten 70 mph aus, da der Tempomat über die Plusminus-Tasten nur gerade Ziffern rasten konnte.

    Fredericton war dann eine typische kanadische Kleinstadt. Kleine Häuser, kleine Läden, ein einsamer Wohnklotz für saisonale Waldarbeiter, den dazu passenden Wald rundherum und am Stadtrand ein großes Einkaufszentrum.




    Wie so oft sollte der City Trucker das Double auseinander nehmen, weshalb es für mich mit einer Unterschrift und dem Absatteln getan war. Außerdem konnte ich gar kein Double zerlegen, da ich keine Anhängerkupplung für den Dolly hatte. Wie so oft dauerte es länger, jemanden zu finden, der die Ladung annehmen durfte.

    Nun musste ich nur hoffen, dass Brian was zurück in die USA für mich hatte. Das war aber zum Glück der Fall.

    PICKUP: NBFRE-CAT
    DESTIN: NHMAN-CAT
    TRAILER: NB-OUU5979
    LOAD: 315F
    WEIGHT: 37,794
    DISPATCH: PAERI-CAT-BRW

    Der Grenzübertritt war rekordverdächtig, mit 37 Minuten auf dem Aufstellplatz und 13 Minuten beim Zöllner war ich so schnell wie lange nicht mehr rüber. Und am Abend zahlte es sich sogar aus, dass ich gestern geduscht hatte. Denn heute war Schluss auf der Pittsfield (ME) Rest Area und das hieß Toilette, Sitzecke und Automaten für Snacks und Getränke. Ich beschloss einen Diättag und lieber noch mal Brot zu essen als in der Kälte auf einem der Tische draußen mit dem Kocher zu hantieren.


    Mittwoch, 11.04.2018

    Schon früh machte ich mich wieder auf den Weg und nach 3 Stunden erreichte ich die CAT-Niederlassung in Manchester (NH). Leider konnte ich hier auch nicht duschen, immerhin musste ich nicht körperlich arbeiten, denn das Umladen machten die Leute von CAT.

    PICKUP: NHMAN-CAT
    DESTIN: NBGRF-COS
    TRAILER: RELOAD
    LOAD: 950GC
    WEIGHT: 41,554
    DISPATCH: PAERI-CAT-BRW


    Natürlich wollte Brian den kanadischen Trailer wieder nach Hause schaffen, also nix umsatteln. Die Mittagspause fiel dann auf die andere Straßenseite von Pittsfield, also auch da keine Duschen. Echte Truck Stops oder Raststätten mit Service gab es hier im äußersten Nordosten nur wenige.

    Dann kam ich auch noch in einen Stau.




    Die rechte Spur war gesperrt, weil sich dort ein Unfall ereignet hatte. Was genau passiert war, blieb allerdings rätselhaft. Es stand nur ein sehr kaputter Audi herum, von einem Unfallgegner aber keine Spur.




    Und dadurch fehlte mir am Ende einiges an Fahrzeit. Also beschloss ich aus Mangel an Rastplätzen auf kanadischer Seite nach einer für diesen eher wenig frequentierten Posten durchschnittlichen Grenzabfertigung von einer Stunde warten und einer halben zum Verzollen, direkt auf den Parkplatz Woodstock Border Control zu fahren. Der war angelegt worden für all die Existenzen, deren Schichtzeit an der Grenzabfertigung gescheitert war. Leider waren auch hier die sanitären Einrichten höflich gesagt einfach gehalten. Es gab genauer gesagt nur ein paar mäßig saubere Toiletten und im Vorraum zwei Waschbecken, bei denen das warme Wasser abgeklemmt war.


    Donnerstag, 12.04.2018

    Es war noch ziemlich in der Nacht, als ich mich wieder auf den Weg machte. Eine Nacht mit nassem Schnee in dicken Flocken. Und so war das Wetter dann auch immer noch, als ich bei Coastline Grand Falls absattelte und den Radlader vom Kunden abnehmen ließ.




    Nun machte ich einen strategischen Fehler und beschloss zu warten, bis Brian die Arbeit aufnahm. Dass es ein Fehler war, merkte ich, als das Isotrak piepste.

    PICKUP: NBGRF
    REMARKS: NO ORDERS
    DISPATCH: PAERI-CAT-BRW

    Also musste ich doch den Auftrag aus dem freien Frachtmarkt annehmen. Voltison Motors war ein Automobilzulieferer für Fahrzeugelektronik und sein Container mit Ersatzteilen nach Hartford (CT) die einzige Fracht in die USA weit und breit. Also war es auch die einzige, die ich annehmen durfte.

    Was ich an der Automobilindustrie nicht mochte, war neben der schlechten Bezahlung wegen ihres dauernden Sparzwangs auch der Zeitdruck mit Just in Time. Also musste ich meine guten Vorsätze über Bord werfen und in Maine die freiwillige Grenze von 70 Meilen fallen lassen und den Tempomaten auf 76 setzen. Dadurch überholte ich viele Kollegen und einer fuhr Heu durch die Gegend. Offenbar war man inzwischen so weit, dass dem Vieh das Futter ausging und man Heuvorräte transportieren musste.




    Dank der Rennsporteinlage schaffte ich es noch nach Hartford und abzuliefern. Die Zugmaschine parkte ich vor dem Tor von Caterpillar, wo ich als "Mitarbeiter ehrenhalber" endlich mal wieder duschen konnte und mir in der Kantine eine warme Mahlzeit zum Abendessen holen konnte. Nur schlafen musste ich halt aus rechtlichen Gründen draußen vorm Tor.




    Freitag 13.04.2018

    Dann wollte ich mal sehen, was Freitag der 13. bringen würde. Erst mal ein Frühstück, ebenfalls wieder in der Kantine. Von Wasser und Brot hatte ich diese Woche genug. Der Auftrag von Brian kam pünktlich um 7:30 Uhr rein. Vielleicht hatte er ihn aber auch schon gestern eingegeben.

    PICKUP: CTHAR-CAT-FA
    DESTIN: ONPAS-COS
    TRAILER: CT-6DV8596
    LOAD: 450F
    WEIGHT: 27,115
    DISPATCH: PAERI-CAT-BRW


    Also wieder Wochenende in Kanada. Immerhin war Parry Sound mit ein Bisschen Tourismusindustrie gesegnet und nicht französischsprachig. Zwei nicht zu unterschätzende Vorteile.

    Die Strecke zur Grenze bei Niagara Falls und nach Parry Sound war inzwischen Routine. Ich tankte noch mal Clifton Springs voll. Außerdem machte ich hier 30 Minuten Pause, was eine gute Idee war. Denn Queenston Border Control holte mich nach 27 Minuten vor zur Abfertigung, womit dort keine gültige Pause zustande kam.
    Danach fuhr ich bei jetzt wenigstens schönem Wetter durch bis ans Ziel und stellte den Backhoe im Steinbruch ab. Nicht mal die Waage hinter Toronto hielt mich auf, denn sie war geschlossen.




    Parry Sound hatte eine Menge von Ferienhäusern in allen Größen. Ich hatte mir also eine kleine Cottage gebucht. Sie hatte nur 1 Zimmer mit Küchenzeile und Schlafsofa, ein Badezimmer und eine kleine Veranda für besseres Wetter. Mein Truck, den ich quer parken musste, damit man dahinter her durch die Straße fahren konnte, ließ sie noch kleiner wirken.




    Aber ich hatte keine Lust, ein weiteres Wochenende in der Zugmaschine zu verbringen. Alles, was mir blieb, war der Blick in die Statistik.

    WEEK DRIVE: 51:10
    WEEK DUTY: 66:09
    WEEK START: MO:07:53 AM
    WEEK END: FR:07:13 PM
    WEEK FRAME: 4D:11H:20M
    WEEK MILES: 2,748
    WEEK FUEL ECO: 5,6 MPG
    WEEK AVG SPEED: 53.7 MPH
    WEEK PAYLOAD: 201,755 LB

    Der Verbrauch war schon ziemlich übel. Das Gewicht war noch mehr durchschnittlich als schwer. Aber ich hatte viel Strecke mit 70 und einmal das doch für diese Ecke der USA recht große Maine mit 75 durchquert. Zu meiner Überraschung war aber die Durchschnittsgeschwindigkeit dennoch niedrig. Das musste an Quebec, Ontario und vor allem für die relativ kurze Woche an vielen Ladestellen und damit viel Verkehr innerorts liegen. Das trieb auch den Verbrauch rauf durchs ständige Anfahren.

    Genug der Rechnerei, häuslich einrichten in der Cottage und dann mal sehen, was man mit dem Wochenende anfangen konnte.

    714 mal gelesen

Kommentare 10

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel. Dann hoffen wir mal, dass der Winter auch im Norden langsam vorbei geht.

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      TurboStar -

      Danke. Oder dass Brian mich mal weiter nach Süden schickt wäre auch eine Möglichkeit

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      Sauerlaender -

      Stimmt. In meinem kommenden Kapitel fahre ich auch wieder an die Ostküste. Aber auch durch den Süden. Allerdings bin ich ja meiner Zeit immer noch hinterher.

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      TurboStar -

      Ich auch schon wieder. Aber nicht so sehr wie Du, da ich mich mal wenigstens in die damalige Gegenwart gesetzt habe. Dennoch schon wieder einen Monat verloren. Ohne Zeitsprünge geht es einfach nicht. Brian enttäuscht mich gerade generell. Aber in den Süden könnte ich dank meiner Kumpels Ralph (Costco) und Lenny (Walmart) schon...

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    Biker3976 -

    Schöne Bilder und gut geschrieben

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    alaskabaer01 -

    Klasse Fotos und eine tolle Geschichte.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel und wieder mal tolle Bilder.