TruckSim Map Bilder Show

hier könnte auch dein Bild stehen ...

ETS - Kapitel 144 - Von getunten Kinderwagen, Eiszeiten und pinken Alpträumen

  • Am Tag nach unserer Rückkehr in die Heimat stand ein Besuch bei Isabelles Eltern auf dem Programm, wo wir den Nachmittag verbrachten. Auf dem Rückweg nach Hause lieferten wir Vanessa noch bei Meike und Henry ab, wo Sie die nächste Woche verbringen sollte. Zuhause fielen Isa und ich todmüde ins Bett. Der Jetlag machte uns doch ein wenig zu schaffen. Nichts desto trotz rief am nächsten Tag der Ernst des Lebens.

    Kurz nach acht betraten wir das Büro und schon kurz darauf waren die Mädels mit dem Jahresabschluss für 2017 beschäftigt. Ich hingegen kümmerte mich um eine andere Baustelle. Eine unserer Fahrerinnen hatte aus persönlichen Gründen zum Jahresende gekündigt. Ihr Truck war außer meinem Scania auch der einzige, der noch in der Halle stand. Da ich nicht vorhatte das Fahrzeug mit einem neuen Fahrer zu besetzen, beschloss ich den Truck rüber zu unserem Verkaufsgelände zu fahren. Es stand also eine Premiere an. EPT trennte sich das erste Mal auf normalem Weg von einem Fahrzeug aus dem regulären Bestand. Aber der Volvo passte von Anfang an nicht so richtig in die Flotte, handelte es sich doch um das einzige Fahrzeug, dass nicht mit dem größtmöglichen Fahrerhaus ausgestattet war. Nachdem der Schreibkram zwecks der Ausmusterung des Trucks erledigt war, schnappte ich mir die Schlüssel und Papiere und fuhr den Volvo zu unserer Scania Niederlassung. Dort herrschte noch gespenstische Ruhe. René und sein Team waren diese Woche in Södertälje zu einer Schulung um die Produktpalette von Scania noch besser zu verinnerlichen.

    Wenn sie wieder da waren, sollte der FH im Netz präsentiert werden, inklusive zweier Verkaufsoptionen. Einmal mit allen Anbauteilen und einmal ohne, je nach Wunsch des zukünftigen Käufers.

    Wieder zurück im Büro musste ich feststellen, dass der gesamte Bürobetrieb zum Erliegen gekommen war. Alle meine Bürodrachen waren mit Babygucken beschäftigt. Katja und Marco waren zu Besuch und präsentierten stolz ihren kleinen Sohnemann. Somit war bei den Mädels in der nächsten Stunde an Arbeiten nicht zu denken. Der eben noch so wichtige Jahresabschluss war jetzt vollkommen nebensächlich.

    Als die beiden sich verabschieden wollten, stand die ganze Werkstattcrew auf dem Hof und Philipp ergriff das Wort. „Ihr wollt doch wohl nicht ohne unser Geschenk gehen?“ Katja und Marco schauten fragend, als einer der Jungs einen leicht gepimpten Kinderwagen auf den Hof schob. „Unser Geschenk für euch, wir haben nur ein paar kleine Verbesserungen vorgenommen.“ grinste Philipp seinen Kumpel Marco an, während Katja das Kunstwerk etwas ungläubig musterte. „Wir haben polierte Felgen aufgezogen und Fender über die Räder gebaut. Die Ablage unten in Riffelblechoptik und am Gestell ein paar dezente Leuchtdioden verbaut. Und dazu noch die passende Farbe mit Dekor.“ Die Jungs hatten sich wirklich ins Zeug gelegt. Die Farbe entsprach unserem Firmenblau und auch die Rose hatten sie auf dem Kinderwagen verewigt. Katja und Marco waren sprachlos, als Philipp die „Beleuchtung“
    einschaltete und das Wägelchen wie ein Großer leuchtete. „Eigentlich wollten wir noch ne anständige Hupe dran bauen, aber da gab es Widerstand aus dem Büro.“ Das wäre wahrscheinlich dann auch übertrieben gewesen, zu mal Marco auch so schon von Sohnemanns erstem „Wagen“ begeistert war. Trotzdem verabschiedete sich das Trio jetzt so langsam und machte sich auf den Weg. Damit begann auch wieder Normalität in der Firma einzuziehen.

    In den nächsten Tagen wurde beim durchstöbern der einschlägigen Truckspotter Seiten zwei Sachen deutlich. Zum einen hatte sich der ein oder andere Truck in den
    letzten Wochen etwas verändert. So hatte Sylvias Actros einen Bullfänger bekommen, genau wie der Sunset DAF, der ebenfalls seine Chrom und Edelstahlanbauteile gegen solche in Wagenfarbe eintauschen musste.



    Der zweite Punkt war dann aber eher ein Problem. Der Thermobereich von EPT wuchs rascher als erwartet und so kam es immer häufiger vor, dass eine unserer blauen Zugmaschinen mit einem firmeneigenen Kühlauflieger unterwegs war und damit für ihre eigentliche Aufgabe, das Trailertucking für Fremdfirmen, ausfiel. Es war dringen nötig in weitere Kühlzüge zu investieren, zumal es ja bei der bisherigen Firmenphilosophie eh eine Weile dauerte, bis ein neuer Zug einsatzbereit war. Airbrush und Customizing dauerten eben ihre Zeit, waren aber inzwischen zum Markenzeichen unserer Thermoflotte geworden. Mit der Entscheidung den Fuhrpark zu vergrößern, tat sich aber gleich das nächste Problem auf. Was nützten neue Trucks, wenn es keine Fahrer gab. Wir hatten zwar im letzten Jahr immer wieder Bewerbungen erhalten und eine Warteliste, aber dadurch, dass wir in 2017 nicht gewachsen waren, hatten sich die meisten Bewerber inzwischen natürlich anderweitig orientiert, wie ich bald feststellen musste. Es ging also mal wieder daran Stellenanzeigen zu schalten.

    Um kurzfristig einen weiteren Thermozug auf die Straße zu bekommen, beschloss ich vorerst wieder häufiger mit dem Scania auf Tour zu gehen. Isabelle bestand natürlich darauf mich zu begleiten, eine Idee, die bei Jana auf geteiltes Echo stieß. Zum einen fand Sie es gut einen weiteren Kühlzug zur Verfügung zu haben, aber lieber wäre es Ihr, wenn wir statt als Doppelbesatzung mit zwei Trucks unterwegs wären. Unter der Woche sprachen Isabelle und ich auch recht häufig über einen eigenen Truck für Sie. Isabelle war Feuer und Flamme für die Idee, während ich mehr als skeptisch war. Aber jeden meiner Einwände, zwecks Vanessa und gemeinsamer Zeit, schmetterte Sie mit „Das klappt schon“ ab. Da ich aber trotzdem noch nicht überzeugt war, sank die Temperatur im Scania immer weiter in den Keller. So endete die Tour am Ende der Woche eiszeitlich frostig, was auch im Büro nicht unbemerkt blieb.
    „Eine Woche in einem Truck und schon gibt’s dunkle Wolken im Paradies.“ kommentierte Jana umgehend Isabelles schlechte Laune, was Isa dazu bewog Ihr Leid zu klagen. Erwartungsgemäß hatte ich kurz darauf alle Büromädels quasi gegen mich, wie ich noch feststellen sollte.

    Isabelle hatte sich inzwischen in Ihr Büro verzogen und schmollte. Ich hingegen schaute in meinem Büro die eingegangenen Bewerbungen durch. Leider war bisher kein geeigneter Bewerber dabei. Gerade als ich anfing darüber nachzudenken, ob ein eigener Truck für meine Frau doch nicht so eine schlechte Idee wäre, betrat Jana das Büro. „Können wir kurz reden?“ „Ich weiß schon worum es geht.“ „Und? Was ist an einem Truck für Isabelle so schlecht?“ „Im Grunde ist mein Scania doch ein großes Spielzeug, dass wohl niemals seine
    Entstehungskosten einfahren wird. Und ich weiß nicht, ob es so schlau ist nochmal so eine große Summe in einen Truck zu investieren, der dann doch den Großteil des Jahres in der Halle steht.“
    „Wow, ausgerechnet wenn es um Deine Frau geht fängst du an über den Sinn und Unsinn von Edeltrucks nachzudenken. Wenn du das jetzt so siehst, müssten wir ja den ganzen Fuhrpark auf 0815 Lkw umstellen.“ „Die anderen fahren ja ganz normal. Aber zwei Spielzeuge?“ „Das musst du wissen, aber Isa hat mit Sicherheit kein Verständnis dafür, wenn du an Ihrem Truck sparst, während du dir den Scania gönnst und sogar Ihr Vater sich seinen Rentnertruck selbst aussuchen durfte.“ Damit hatte Jana natürlich recht. Ich hatte nun mal mit den Airbrush Trucks angefangen und die entsprechenden Fahrer hatten freie Motivwahl. Warum führte ich dann jetzt, wo es um einen Truck für meine Frau ging so einen Affentanz auf. Es hätte mir doch schon längst klar sein müssen, dass Sie irgendwann Ihren „eigenen“ Truck haben wollte, zumal solch eine weitere Eskapade finanziell locker drin war und außerdem noch einen weiteren Vorteil bot. So sehr wir uns doch liebten, hatten wir doch jedesmal gemerkt, dass auf Dauer zu zweit in einem Truck für uns nicht funktionierte. Also sollte Sie Ihren Willen haben.

    Als ich an Ihr Büro klopfte, hörte ich nur ein „Bin beschäftigt“ Trotzdem trat ich ein, was Isa mit einem angriffslustigen Blick quittierte. „Willst du mir weiter einreden, dass dein Truck sinnvoll ist, aber ein eigener für mich sinnlos und kaufmännischer Unsinn wäre?“ Nach all den Jahren wusste ich, dass Sie im Moment stinksauer war. Ich hatte das Gefühl mich auf ganz dünnem brüchigem Eis zu bewegen. „Nein....“ noch bevor ich weitersprechen konnte, unterbrach Sie mich. „Ach der Herr hat es anders überlegt.“ Ihre Stimme war eisig. „Was gestehst du mir den zu?“ Noch immer hatte Ihr Blick dieses angriffslustige Funkeln. „Alles was du willst.“ Das erste Mal, seit ich das Büro betreten hatte, hatte ich nicht mehr das Gefühl jeden Moment durch die Eisdecke zu brechen. Isa geriet durch meine Antwort ins Schleudern und schaute mich mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis an. „Woher der plötzliche Sinneswandel? Vor drei Stunden war ein eigener Truck für mich noch eine doofe Idee.“ Ich überlegte krampfhaft wie ich aus der Sache rauskommen konnte, musste aber einsehen, dass ich verloren hatte. „Ich habe eingesehen, dass du von Anfang an recht hattest.“ nuschelte ich. „Sorry, aber ich hab dich nicht wirklich verstanden. Kannst du das nochmal wiederholen?“ Das war zwar gelogen, wie Ihr Grinsen verriet. Trotzdem wiederholte ich „Du hattest von Anfang an recht.“ während ich langsam auf Sie zu ging. „Etwas lauter“ Statt nochmals zu antworten, nahm ich Isa in den Arm um küsste Sie. „Die Entschuldigung gefällt mir noch besser.“ „Dann bist du nicht mehr sauer?“ „Ein wenig vielleicht no....“ weiter kam Sie nicht, da ich Sie noch einmal küsste.

    „Ich bekomme also meinen Wunsch Truck?“ „Du bekommst ein Budget und damit kannst du dir zusammenstellen was du willst.“ „Und wie hoch ist das Budget?“ „Genauso groß wie das, dass ich für meinen Scania verballert habe.“ „Und ich habe vollkommen freie Hand?“ „Bis auf zwei Bedingungen ja.“ „Die wären?“ „Zweiachsige Zugmaschine und Chereau Auflieger.“ „Mit den Bedingungen komme ich klar.“ grinste Isa und gab mir einen langen Kuss. Die Eiszeit war vorüber, dafür begann die Zeit der Geheimniskrämerei.

    In den folgenden Wochen war ich meist mit meinem Truck unterwegs, während die Mädels den Laden am Laufen hielten und Isa mit Ihrem „Projekt“ beschäftigt war, wie Sie es nannte. Mehr war von Ihr auch nicht zu erfahren. Weder Marke noch Motiv oder Farbe der Lackierung. Jedesmal wenn ich das Thema anschnitt, erntete ich eisernes Schweigen, oder es war Themawechsel angesagt. Auch alle Personen, die etwas wissen konnten, hielten sich an das Ihr gegebene Schweigeversprechen. Das machte mir Sorgen. Bei unserem Besuch in Kalifornien gefiel Ihr Ginas Volvo außerordentlich gut. Nicht das ich jetzt befürchtete, dass Isabelle einen Volvo VNL wollte, was ja als Zweiachser sowieso fast unmöglich war, aber es
    geisterten alle möglichen pinken Trucks in meinem Kopf herum.



    Hoffentlich bewahrheiteten sich diese Befürchtungen nicht. Aber da niemand zum Reden zu bringen war, blieb mir nichts anderes übrig als abzuwarten und das Beste zu hoffen, denn ein pinker Truck passte beim besten Willen nicht in die Flotte, wie die neusten Bilder im Netz zeigten. Da waren zwei unserer Volvos und der Garfield Scania in die Fotofalle getappt.


    "Macht Pause in Geiselwind"

    "Gerade über die Öresund Brücke nach Schweden gekommen"

    "Garfield hatte wohl Hunger
    ;) "​

    Außerdem waren auch wieder einige neue Fotos unserer blauen Zugmaschinen online, die inzwischen fast zur Hälfte mit eigenen Trailern unterwegs waren. So langsam musste sich da was tun, aber noch immer sah es mit neuen Fahrern schlecht aus. Neue Ideen mussten her und die erste erfolgversprechende kam von Claudia, die mich, Anfang Februar, kurz bevor ich mit dem Scania in die Woche starten wollte, in meinem Büro aufsuchte.
    Schöne Grüße aus Sachsen

    1.042 mal gelesen

Kommentare 19

  • Benutzer-Avatarbild

    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel. Da bin ich ja auch mal gespannt, wie viel Einfluss die Trucks der Lions dabei haben.

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      Ohne zu viel zu verraten kann ich sagen, dass Davids Truck keinerlei Einfluss auf Isabelles Truck haben wird.

  • Benutzer-Avatarbild

    Werner 1960 -

    Klasse geschrieben mit schönen Bildern. Nun lassen wir uns mal überraschen welche Farbe der neue bekommt.

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      Mal sehen, ob's ein Knallbonbon wird.

    • Benutzer-Avatarbild

      Viking1971 -

      Tu mir einen Gefallen ja? Wenn schon Pink, dann aber mit einem ordentlichen Motiv. Sonst tun mir immer so die Augen weh, auch wenn deine Kapitel inhaltlich Spitze sind. :)

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      Nach jetzigem Stand gibt es keine Motivlackierung. Spätestens, wenn der Dampfer das erste Mal in Kopenhagen aufschlägt, wirst du es erfahren.

  • Benutzer-Avatarbild

    loddi51 -

    Schön zu lesendes Kapitel.

  • Benutzer-Avatarbild

    infinity -

    Schönes Kapitel. Den Kinderwagen hab ich im Kopfkino betrachtet und muss sagen: gelungen. Und Touren zu zweit mit Frauchen.. macht eine Weile Spaß, wird dann aber anstrengend. Ich glaube das ist immer so, wenn man sich auf 16 Kubikmeter Raum nicht allzu weit ausweichen kann.

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      16 Kubikmeter? Ich glaub mein Scania hat weniger.

    • Benutzer-Avatarbild

      TurboStar -

      Müsste er auch. Ich komme auf grob 12 m³ umbauten Raum bei kubischen Kabinen (DAF 95/XF, MAN TG, MB Actros, Renault T, Scania R/S). Davon gehen als Lebensraum dann die Wandisolierung, der Staukasten unterm unteren Bett, das Armaturenbrett, die Schrankwand überm Fahrerfenster ab. Bei manchen Häusern muss man obendrein den Innenraum einschnürende aerodynamische Formen wie geneigte Scheiben (Volvo FH, Renault Premium) oder geschwungene Dächer (Iveco Eurostar / Stralis) berücksichtigen. Am Ende dürften es weniger als 10 m³ wirklich "bewohnbares" Volumen sein.

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      Glaube der Scania müsste so 9,5 haben

  • Benutzer-Avatarbild

    alaskabaer01 -

    Klasse Kapitel. War sehr Spannend zu sehen dass es bei anderen weiter geht. Bei mir ist aus Gesundheitlichen Gründen momentan Kurzarbeit in sachen Schreiben angesagt. Aber ich schreibe dran, auch wenn nur Maximal 6 Zeilen machbar sind..

  • Benutzer-Avatarbild

    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Na schlechte Träume scheinen in Mode zu kommen. Immerhin passieren mir die nicht mehr. Lang ist's her...

    • Benutzer-Avatarbild

      Iceman684 -

      Mal schauen ob die Träume grelle Realität werden.

    • Benutzer-Avatarbild

      TurboStar -

      Na ja - mein Alptraum von damals ist heute Timos erfüllter Wunschtraum. Hat mir noch ein alter ERF die Nacht versaut, fährt er inzwischen einen nagelneuen MAN mit kleinem ERF-Logo zusätzlich auf der Front...