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European Power Trans feat. Lion Trucking Inc.

  • Vorwort:
    Dieses Kapitel ist aus der Sicht zweier Personen geschrieben. Zum einen aus der Perspektive von Dirk, dem Hauptakteur aus meiner ETS Story. Der andere Erzähler ist David der Hauptprotagonist meiner ATS Story. Die Wechsel sind mit den gestrichelten Linien gekennzeichnet, damit es nicht zu Verwirrungen kommt.

    Freitag 29. Dezember 2017

    Früh am Morgen holte uns das Taxi ab, dass uns zum Flughafen nach Dresden bringen sollte und während der Fahrer die Koffer einräumte überlegte ich, ob wir gerade am Auswandern waren oder ob doch eine Rückkehr geplant war. Isabelle hatte gefühlt den halben Hausstand eingepackt. Eine knappe Stunde später wiederholte sich das Schauspiel in umgekehrter Form, als der Fahrer den Kofferraum wieder leer räumte, wofür er ein üppiges Trinkgeld erhielt. Wiederum eine Stunde später saßen wir in einem Lufthansa Airbus, der uns nach Frankfurt brachte. Dort stiegen wir in den großen Bruder des A319 um. Mit dem A380 ging es dann zu unserem endgültigen Ziel – San Francisco. Bei strahlendem Sonnenschein landeten wir am Nachmittag auf dem San Francisco International Airport. Erwartet wurden wir dort von Francesca Lion, die Person die unseren Besuch arrangiert hatte.


    Sobald Sie uns sah, kam Sie freudestrahlend auf uns zu und begrüßte uns mit einer Umarmung. “Schön euch endlich in Natura zu sehen und herzlich Willkommen in Kalifornien.“ Nur Vanessa, die ich auf dem Arm trug, war noch etwas schüchtern und versteckte Ihr Gesicht an meiner Schulter. Aber schon auf dem Weg nach draußen taute Sie langsam auf. Auf dem Parkdeck trennten sich dann vorerst die Wege von Francesca und uns, da wir von Deutschland aus schon einen Mietwagen gebucht hatten, was auch gut war, da das ganze Gepäck nicht in Francescas Maserati gepasst hätte. So ging es im Konvoi in die Stadt und zum Grand Lion Hotel. Dort angekommen bemerkten wir eine gewisse Nervosität bei Francesca. Da bisher niemand aus dem Lion Clan etwas von unserer Anwesenheit wusste, befürchtete Sie wohl, dass ausgerechnet jetzt ein Familienmitglied auftauchte und Ihr die Überraschung versaute. Überhaupt schien Sie alles generalstabsmäßig geplant zu haben. Jedenfalls lief das reservierte Zimmer schon mal nicht auf unseren Namen, wobei Zimmer untertrieben war, handelte es sich doch um eine geräumige Suite. Dort ließ Sie uns auch erst einmal allein, um uns Gelegenheit zugeben etwas auszuruhen. Vanessa war schon auf dem Weg zum Hotel eingeschlafen und auch Isabelle und ich legten uns eine Weile aufs Ohr.

    Gegen sieben Uhr abends wurden wir durch das klingeln des Telefons geweckt. Am anderen Ende der Leitung war Francesca, die uns fragte, ob wir Ihr beim Essen Gesellschaft leisten wollten, oder ob wir dafür noch zu müde wären. Wir sagten zu, da sich so langsam neben der Müdigkeit auch Hunger breit machte, vor allem bei unserer kleinen Prinzessin. Also trafen wir uns eine halbe Stunde später in Francescas Suite, die Sie schon seit Jahren bewohnte, wie mir David mal erzählt hatte. Von dort hatte man einen tollen Ausblick auf das abendliche Lichtermeer der Stadt. Beim Essen lernten wir uns dann besser kennen und als Isa Vanessa ins Bett gebracht hatte, saßen wir noch bei einem Gläschen Wein zusammen und unterhielten uns. Gegen Mitternacht verabschiedeten wir uns. Ziemlich müde fielen wir dann in unserer Suite ins Bett und schliefen uns erst mal richtig aus.

    Für den nächsten Tag hatten wir nichts geplant, zumal uns Francesca darum gebeten hatte uns bedeckt zu halten. Sie wollte vermeiden, dass wir zufällig einem der anderen Lions über den Weg liefen. Erst am Abend sollte das von Ihr geplante Familienessen, mit der Zusammenführung des Europäischen und Amerikanischen Familienzweigs stattfinden. Uns kam dieser quasi “Stubenarrest“ nicht ungelegen, da uns die Zeitumstellung doch noch etwas schlauchte. So verbrachten wir den Tag mit Faulenzen, Kuscheln und Vanessa bespaßen. Am späten Nachmittag kam Franny, wie wir Francesca inzwischen nennen sollten, um uns nochmals zu erläutern, wie die geplante Überraschung ablaufen sollte. Als Sie wieder ging wurde es auch so langsam Zeit uns fertig zu machen. Nach einer guten Stunde waren wir drei dann fertig und dem Anlass entsprechend gekleidet. Vanessa steckte in Ihrem Lieblingskleid, Isabelle trug ein kleines Schwarzes und ich einen Anzug. Franny holte uns wie verabredet ab und wir gingen in Richtung Skylounge, wo es auch einen privaten Bereich gab, wie Sie uns erklärte. In einem gemütlichen Séparée sollten wir dann warten. Die Spannung stieg. Wie würde der Rest der Lions auf unser Erscheinen reagieren?
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    Wie von Grandma gewünscht kehrten Denise und ich am 30. Aus unserem Kurzurlaub zurück. Zuhause angekommen verließ Grandma gerade das Haus. Sie begrüßte uns und richtete außerdem noch Grüße von Marc Murdock aus, was ich mit einem fragenden Blick kommentierte, woraufhin Sie kurz erklärte, woher Sie Marc kannte. Im Innern des Hauses trafen wir auf Gina und Danny. Gina erzählte dann auch gleich vom geplanten Familienessen und Grandmas Wunsch, dass die komplette Familie anwesend sein sollte. Mit komplett meinte Sie auch Denise und Danny. Also entschlossen Denise und ich uns dazu noch ein wenig auszuruhen und uns dann für den Abend fertig zu machen. Pünktlich erschienen wir im Hotel wo der Rest der Familie schon wartete. Nur Grandma selbst fehlte noch. Doch noch während wir die Anderen begrüßten, tauchte Sie auf. Nachdem auch Sie von der Familie begrüßt wurde nahmen wir Platz, wobei Mom meinte: “Hier muss ein Fehler sein. Es sind drei Gedecke zu viel.“ Grandma aber schüttelte den Kopf. “Nein, nein das hat alles schon seine Richtigkeit.“ “Erwarten wir den noch jemanden?“ fragte nun Dad. “So kann man es sagen. Es werden heute Abend noch drei weitere Familienmitglieder da sein.“ Mit diesen Worten verließ Sie den Raum. Mom und Dad, sowie auch Vicky schauten Ihr ratlos hinterher. Nur Gina und mir dämmerte langsam was hier vorging und wenige Minuten später wurde aus der Vermutung Gewissheit, als Grandma wieder zurückkehrte. “Wie ihr ja inzwischen alle wisst, war mein Vater, bevor er nach Amerika auswanderte, in Europa schon einmal verheiratet und hatte auch dort eine Tochter. Und deshalb freut es mich, euch jetzt den Enkel meiner Halbschwester sowie seine Frau und Tochter vorzustellen.“ Bei den letzten Worten betraten die drei den Raum. Gina und ich waren die ersten, die sie begrüßten, wobei wir eigentlich nur Isabelle und Dirk begrüßen konnten. Vanessa war das Ganze nicht geheuer, so dass Sie es vorzog sich vorerst hinter Ihren Eltern zu verstecken.
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    Nachdem Franny uns angekündigt hatte, betraten wir den Raum und blickten in überraschte Gesichter. Nur Gina und David schienen etwas weniger überrascht. Jedenfalls waren sie die ersten, die uns begrüßten. Der Rest des Lion Clans brauchte einen Moment, bevor auch sie uns freudig begrüßten. Für Vanessa war das dann etwas zu viel, Sie versteckte sich hinter Isa und mir und blickte mit einer Mischung aus Angst, Skepsis und Neugier auf die Anwesenden. Aber schließlich siegte Ihre Neugier und wenige Minuten später hatte unsere kleine Prinzessin die Herzen aller im Sturm erobert. Vor allem die Frauen waren ganz vernarrt in die Kleine. Natürlich war nun an Essen nicht zu denken, den sowohl die Lions, als auch die Hofbauers hatten viele Fragen und wollten am liebsten alles über die jeweiligen Verwandten von der anderen Seite des großen Teichs wissen. Und wieder war es Franny, die das Zepter in
    die Hand nahm und nach einige Zeit alle zu Tisch bat.

    Nach dem Essen brachte Isabelle Vanessa ins Bett. Währenddessen mussten David und ich von unserer unabhängig voneinander gestarteten Ahnensuche erzählen. Als Isabelle wieder da war, hatte Sie unser Tablet mitgebracht, auf dem diverse Familienfotos gespeichert waren, die ich vor unserer Abreise noch eingescannt hatte. Franny interessierten natürlich am meisten die alten Fotos auf denen Ihre Halbschwester Maria zu sehen war. Leider hatte ich aber von Ihr nur wenige Fotos, da Sie ja schon vor meiner Geburt verstorben war. Irgendwann am späten Abend war die Familienhistorie zur Genüge besprochen und wir Männer unterhielten uns über Geschäfte, während die Ladys sich eher über’s Zwischenmenschliche unterhielten. So hörte ich mit einem Ohr, wie Isabelle erzählte, wie wir uns kennengelernt hatten und wie lange es dann noch gedauert hatte, bis wir uns schließlich ineinander verliebt hatten. Derweil redeten David, Danny und ich über die Transportbranche. Davids Dad warf dabei nur hin und wieder eine Frage ein und war sonst eher der stille Zuhörer. Am Ende konnte ich sagen, dass Davids Anfänge in der Selbstständigkeit sich gar nicht so sehr von den Meinen unterschieden. So kam es häufiger vor, dass ich mich, während er erzählte, an die Anfänge von European Power Trans erinnert fühlte. Danny hingegen, wollte eher wissen, ob die Abläufe in Europa mit denen in den Staaten vergleichbar wären. Erstaunt hörte er dann, dass die Einzelhandelsketten zu den unbeliebtesten Ladestellen gehörten. David hingegen fand die Vorstellung seinen Truck jedes mal selbst zu be- und entladen wenig prickelnd. So waren sich David und Danny auch recht schnell einig, dass in Amerika alles besser war. Dem konnte ich nicht zustimmen, denn beim Fahrkomfort konnten die bockharten Hauber einem Eurotruck keinesfalls das Wasser reichen. Erst in der Pause schlug dann die große Stunde der Amilaster.

    Die Diskussion darüber, welche Trucks denn nun die besseren wären schien Denise mitbekommen zu haben und mischte sich ein. Sie konnte mein Urteil über den mangelnden Fahrkomfort der Amerikanischen Trucks nicht einfach stehen lassen. “Fahr doch mal mit Davids Truck mit, oder noch besser, komm bei uns vorbei und probiere den neuen VNL aus.“ Das war ein durchaus verlockender Vorschlag, war der Volvo VNL doch schon immer mein Lieblings-Amilaster.
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    Nachdem Danny und ich mit Dirk darüber diskutiert hatten, ob nun Europäische oder Amerikanische Trucks besser wären, verbrachten wir den Rest des Abends damit über die Familie zu reden. Irgendwann kurz nach Mitternacht löste sich die Familienzusammenführung langsam auf und wir machten uns auf den Heimweg. Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende.

    Am nächsten Vormittag rief ich Dirk an und fragte Ihn, ob er Lust hätte sich unsere Firma anzuschauen. Als er sofort zusagte, bekam ich allerdings ein klein wenig Bauchschmerzen. Was würde er von der Wellblechhalle halten. Hatte ich auf der Internetseite seiner Firma doch seine Firmenzentrale gesehen. Dagegen wirkte unsere Halle wie eine Hundehütte. Ich holte Dirk im Hotel ab und wir fuhren zu Lion Trucking. Auf dem Weg dorthin unterhielten wir uns und er musterte interessiert den Innenraum meines AMG. “Scheint so, als ob dir der Benz gefällt.“ “Klar, sonst hätten wir nicht seit ein paar Monaten zwei davon.“ “Ihr fahrt auch C63?“ “Ja, aber als Kombi.“ “Und trotzdem musterst du meinen so?“ “Ich wollte wissen, ob es Unterschiede zwischen EU und Amiversion gibt?“ “Wenn ja, dann halten die sich sicher in Grenzen. Wir sind da.“ Ich bog auf unseren Firmenhof ein.
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    Ich kannte den Hof von Lion Trucking ja schon von Bildern und wusste was mich erwartete, trotzdem weckte der Anblick direkt Erinnerungen an meine Anfänge mit European Power Trans. David hingegen deutete mein Schweigen wohl eher als Schockzustand. “Ich weiß, ist mit Deinem Firmensitz nicht vergleichbar.“



    “Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Bei mir sah es am Anfang mindestens genauso rustikal aus.“ “Wirklich?“ “Klar, oder dachtest du ich konnte mir von Anfang an so eine große Halle leisten?“ Ich suchte im Handy nach einem alten Foto aus den Anfangstagen, dass ich David zeigte. Er grinste: “Stimmt, dass sieht auch nicht gerade einladend aus.“


    Gerade als wir in die Halle gehen wollten, schließlich wollte mir David ja sein „Baby“ präsentieren, bog noch ein Auto auf den Hof ein. Denise und Isabelle wollten wohl schauen, was wir so trieben. Im ersten Moment war ich etwas erstaunt, dass die beiden ohne Vanessa kamen, was Isa sofort bemerkte. “Francesca kümmert sich um Vanessa.“ David schloss nun die Halle auf und öffnete das Rolltor. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die die beiden darin geparkten Trucks trafen verschlug es mir die Sprache. Was aber nicht an den Trucks als solche lag, sondern an der Lackierung von Ginas VNL730. “Coole Farbe“ brach Isabelle den kurzen Moment des Schweigens. “Du meinst den blauen?“ fragte David, auch wenn er schon wusste, dass Ihm die Antwort nicht gefallen würde. “Der sieht auch schick aus, aber der andere ist ein richtiger Lady Truck.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, während David Isabelle mit großen Augen anschaute. “Vielleicht sollte Volvo eine Ladys Edition auflegen.“ überlegte Denise jetzt laut, was zu komischen Bildern in Davids und meinem Kopf führte. Wahrscheinlich sahen wir beide vor unserem geistigen Auge gerade Kolonnen von pinken Trucks über die Highways donnern. “Ich glaube, die beiden bleiben lieber bei ihrem jeweiligen Jungs Truck.“ grinste Isabelle. Zum Glück verschwieg Sie, welche Farbe mein Scania ursprünglich einmal hatte.

    David schloss nun seinen Volvo auf und präsentierte uns den Innenraum. Der Blick aufs Armaturenbrett ließ die von Ihm erwartete Begeisterung allerdings vermissen. “Schatz, um die beiden zu beeindrucken musst du ihnen schon den Sleeper zeigen. Das Cockpit ist mit dem Europäischen FH nahezu identisch.“ erklärte Denise. Hier zeigte sich die Volvohändlerin, die sich anscheinend nicht nur mit den Amerikanischen Modellen auskannte. David tat nun wie Ihm befohlen und konnte endlich in beeindruckte Gesichter schauen. Der Sleeper war mit keinem Truck vergleichbar, denn es auf dem Europäischen Markt gab, mal abgesehen von einigen wenigen zu Longlinern umgebauten Scania. Aber von der Stange gab es so was bei uns nicht. Davids Stolz war Ihm jetzt deutlich anzusehen, als er damit begann die Annehmlichkeiten aufzuzählen, die sein mehr als komplett ausgestatteter Truck zu bieten hatte. Die meisten Ausstattungsmerkmale gab es in Europa auch, so dass Isabelle und ich weiterhin am meisten von der schieren Größe beeindruckt waren. In diesem Moment kamen mir unsere Trucks ziemlich mickrig vor, selbst mein Scania Chefspielzeug.
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    Nach dem Besuch bei Lion Trucking wollte Denise Isabelle und Dirk unbedingt noch das aktuelle Modell des Volvo VNL zeigen und schlug deshalb vor zu Bay Truck Sales zu fahren. Eine gute Idee, da ich selbst auch mal einen genaueren Blick auf das neue Modell werfen wollte. Nicht das ich vorhatte in nächster Zeit zu wechseln, dass ließ schon das Bankkonto nicht zu. Also schloss ich die Halle ab und wir machten uns auf den Weg.

    Zwanzig Minuten später erreichten wir Bay Truck Sales, wo noch reges Treiben herrschte. Dirk, der ja ab dem nächsten Jahr auch Vertragshändler war, zeigte sich ob der Größe des Geländes schwer beeindruckt. “Dagegen wirkt meine Scania Niederlassung ja niedlich.“ Gestand er mit einem Lächeln. Eine Weile sahen wir uns auf dem Außengelände um, wo hauptsächlich Gebrauchte Trucks standen. Wir blieben dabei nicht unbemerkt, wie wir feststellten, als wir von Julie angesprochen wurden. “Was macht ihr den hier?“ Denise erklärte Ihrer Mom, dass wir der Europäischen Verwandtschaft mal eben den größten Volvo Händler der Westküste zeigen wollten, was Julie anfangs mit Kopfschütteln quittierte. “Gibt es in San Francisco keine interessanteren Sehenswürdigkeiten?“ “Für einen Transportunternehmer wie meinen Cousin eher nicht.“ Jetzt schien es bei Julie zu klingeln. “Ah ja, du hattest ja mal was erzählt.“ Und zu Isabelle und Dirk gewandt “Ich bin Julie, die Mutter von Denise und Besitzerin von Bay Truck Sales.“ Nach der Begrüßung zog sich Julie mit der Begründung noch Arbeit zu haben zurück, bat uns aber auf einen Kaffee reinzuschauen, bevor wir gingen. Während wir uns dann noch ein wenig umschauten, war Denise auf einmal verschwunden. Kurz darauf erschraken wir alle, als nur wenige Meter von uns entfernt ein paar Drucklufthörner ertönten. Denise saß lachend hinterm Lenkrad eines VNL860, dem Topmodell der neuen Baureihe. Nachdem wir uns von dem Schreck erholt hatten, inspizierten Dirk und ich den Truck mit großen Interesse. Anscheinend mit zu großem, den Denise mahnte schließlich Julie nicht allzu lange warten zu lassen und auch Isabelle versuchte langsam aber sicher ihren Liebsten wieder aus dem Truck heraus zubekommen. “Lass uns gehen, bevor du auf total bekloppte Ideen kommst.“ Dirk schaute treuherzig aus dem Truck heraus. „Hab ich jemals etwas dämliches gemacht?“ „Soll ich jetzt echt anfangen aufzuzählen?“ Darauf hatte Dirk dann wohl doch keinen Bock und stieg aus dem Truck. Ich tat es Ihm gleich, bevor auch Denise anfing zu maulen.
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    Wenige Minuten später saßen wir beim Kaffee mit Julie im Showroom. Natürlich war Sie neugierig und wollte wissen, ob ich auch Selbstfahrer war. „Vor fünf Jahren, als ich mein Unternehmen gegründet habe ja, aber jetzt nicht mehr, inzwischen haben sich die Präferenzen etwas verschoben. Ich verbringe lieber mehr Zeit mit der Familie als wochenlang auf der Straße unterwegs zu sein. Außerdem hat meine Firma eine Größe erreicht, wo ich nicht mehr alles von unterwegs machen kann, auch wenn ich ein super Team im Büro habe auf das ich mich voll und ganz verlassen kann.“ „Wie groß ist deine Flotte?“ „Zurzeit 31 Trucks.“ Julie schien erstaunt „Von einem auf 31 Trucks in fünf Jahren. Alle Achtung. Sind auch Volvo dabei?“ Es hätte mich erstaunt wenn diese Frage nicht gekommen wäre, so dass ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. „Ein Viertel sind Volvo, der Rest verteilt sich auf DAF, Iveco, MAN, Mercedes Benz und Scania.“ Bis auf Iveco und MAN waren den Anwesenden alle Marken ein Begriff. Das DAF zu Paccar gehörte wussten die Amis spätestens seit auf Messen in den Staaten auch hin und wieder DAF ausgestellt wurden. Und das Mercedes durch Freightliner und Western Star auch auf dem Amerikanischen Kontinent der Platzhirsch war, wussten zu mindestens mit der Materie vertraute. Das bei den dreien aber auch Scania ein Begriff war, erstaunte mich doch etwas, lag das Engagement der Schweden in den USA doch schon einige Jahrzehnte zurück. Damals hatte man mit der 2er Reihe versucht auf dem Markt Fuß zu fassen, dieses Vorhaben aber wieder beendet. Aber nicht nur das wussten die
    drei, auch die Rivalität der beiden Schwedischen Hersteller war bekannt. Inzwischen hatte Isabelle das Tablet rausgeholt und die Firmenwebsite von EPT geöffnet. Neugierig betrachteten Julie und Denise die Galeriebilder der Flotte. David kannte die meisten Bilder ja schon. Besonders angetan hatte es Denise natürlich der „Shania Twain“ Volvo, aber auch Julie fand die Flotte sehenswert.

    Laut dachte Denise darüber nach, dass so eine Airbrushlackierung auch dem VNL780 eines gewissen David gut zu Gesicht stehen würde.

    „Du machst nicht nur Transporte?“ stellte Julie schließlich fest. Sie hatte derweil ein paar Bilder weiter geklickt und war nun auf die Trailervermietung, die Werkstatt, das Customizing und das Logistikzentrum gestoßen. Nur das letzte Bild stieß Ihr sauer auf. „Du bist Scania Händler?“ In der Frage schwang ein vorwurfsvoller Unterton mit, ging Ihr doch Volvo über alles. „Offiziell erst ab morgen.“ Diese Antwort machte es nicht besser und wenn Scania noch in den Staaten lkwmäßig aktiv wäre, hätte Sie uns wohl zum gehen aufgefordert. Denise schaute mich nun triumphierend an und meinte. „Und trotzdem hast du dich draußen grad in den 860er verknallt.“ Das war Musik in Julies Ohren und sofort kam die Geschäftsfrau in Ihr durch. „Wir können dir einen auf Europanorm umbauen und verschiffen.“ Da von mir nicht sofort eine Reaktion kam, antwortete Isabelle. „Bring Ihn nicht auf dumme Ideen.“ „Der ist schon schön, aber ich wüsste beim besten Willen nicht, was ich in Deutschland damit soll.“ „Vor deinen Scania Showroom stellen.“ grinste Julie. Die gute Laune war wieder hergestellt. Eine Weile unterhielten wir uns noch.

    Später, wieder zurück im Hotel wollten wir unsere Prinzessin in Empfang nehmen, die während unserer Abwesenheit in der Obhut von Franny war. Aber mittlerweile hatte Sie zwei Babysitter. Neben Franny bespaßte inzwischen auch Veronica, Davids Mom, unsere Kleine. Von der anfänglichen gestrigen Scheu war bei Vanessa nichts mehr zu spüren. Natürlich war es auch von Vorteil, dass alle Mitglieder des Lion Clans neben ihrer Muttersprache Englisch, dem für Kalifornien üblichen Spanisch und natürlich Italienisch auch Deutsch sprachen. Davids Kommentar, dass Ihr die Kleine gut stehen würde, konterte Sie. „Na dann seht mal zu, dass es bald Enkelkinder gibt.“ Jetzt schauten sowohl Denise als auch David etwas bedröppelt. Mütter waren auf beiden Seiten des Atlantiks gleich. Wenig später begannen sowohl Isabelles, wie auch mein Handy ständig zu klingeln. In Europa war Mitternacht. Deutschland hatte 2018 begrüßt, während wir noch einige Stunden Zeit hatten bis zur Silvesterparty.
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    Am Abend trafen wir Isabelle, Dirk, Gina und Danny zum Essen. Unsere Eltern und Vicky waren noch mit letzten Vorbereitungen für die Silvesterparty beschäftigt. Grandma war als Babysitter für Vanessa tätig. Später mischten wir uns unter die Gäste der großen Party im Ballsaal des Hotels. Auch Grandma kam gegen elf dazu, allerdings mit Babyphon in der Hand. Ihren Job als Babysitter nahm Sie mehr als ernst. Natürlich konnte sich auch Grandma einen Kommentar zum Thema Familienplanung mir gegenüber nicht verkneifen, was Gina mit Grinsen Kenntnis nahm, aber nur bis auch Sie Ihr Fett weg bekam. Isabelle und Dirk quittierten die Kommentare mit einem Schmunzeln. Mittlerweile kamen auch Mom, Dad und Vicky in Feierlaune, nachdem die große Party inzwischen so lief wie geplant. Die Leute amüsierten sich und fieberten dem Jahreswechsel entgegen, der unaufhaltsam näher rückte. Kurz vor Mitternacht standen wir, wie die meisten Gäste, oben auf der Sonnenterrasse des Hotels, von wo aus man den besten Blick auf die Bucht hatte. Alle erwarteten das große Feuerwerk zum Jahreswechsel. Schließlich war es soweit, der Countdown begann.

    10...9...8...7...6...5...4...3...2...1...Happy New Year.

    Begleitet von einem gigantischen Feuerwerk gab es für jeden die obligatorischen guten Wünsche fürs Neue Jahr.
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    Nach der langen Silvesterparty kamen wir erst gegen Mittag in die Gänge. Am Nachmittag trafen wir uns in der Lionschen Familienvilla zu einer letzten Familienzusammenkunft. Gina musste schon am Neujahrsabend auf die Straße, während David erst am nächsten Tag wieder mit seinem Volvo startete. Es kam also langsam die Zeit des Verabschiedens. Gina zog sich dementsprechend auch noch ein wenig zurück um am Abend fit zu sein.

    Den Abend verbrachten Isabelle und ich mit Vicky, die uns ein wenig das Nachtleben von San Francisco zeigen wollte. Franny spielte wieder den Babysitter für Vanessa. Am nächsten Morgen beim Frühstück erwischte Franny uns dabei, wie wir gerade den Heimflug buchen wollten. „Ihr wollt doch nicht etwa schon wieder weg?“ „Ja, wir schauen grad.“ „Schade, ich würde mich freuen, wenn Ihr noch etwas bleiben würdet. Ihr habt doch noch gar nicht viel von der Stadt gesehen und auch die Umgebung ist sehenswert.“ „Das würde schon reizen, aber gerade jetzt zum Jahresanfang ist es in der Firma etwas stressig. Der Jahresabschluss für letztes Jahr muss gemacht werden, da kommt es nicht so gut an, wenn wir faulenzen und die anderen schuften.“ „Das leuchtet ein. Aber bis zum Wochenende könnt ihr doch noch bleiben.“ Isa und ich überlegten kurz. Drei Tage länger, davon würde die Welt schon nicht untergehen. Also stimmten wir zu. Franny war begeistert und begann sofort damit die folgenden Tage durchzuplanen.

    Am nächsten Tag bekamen wir die große Sightseeingtour mit Franny, die uns die Heimatstadt der Lions zeigte. Dabei merkten wir deutlich wie viel Ihr Frisco bedeutete. Aber wahrscheinlich war das bei uns mit Dresden genauso. Der Tag verging wie im Flug und am Abend fielen wir todmüde ins Bett.

    Der folgende Tag führte uns ins Umland von San Francisco und in Richtung Napa Valley. Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg. Dabei trafen wir zufälligerweise auf David, der auf einem kleinem Schotterparkplatz eine Pause machte. Da er auf dem Weg nach Vancouver war, nutzten wir die Gelegenheit uns persönlich von Ihm zu verabschieden.


    Beim Überqueren der Golden Gate Bridge am frühen Abend begegnete uns dann auch noch der zweite Truck der Lion Flotte. Gina war gerade dabei die Stadt in Richtung Norden zu verlassen. Da wir mit dem Mietwagen unterwegs waren, erkannte Sie uns allerdings nicht.



    Freitag 05. Januar 2018

    Unser letzter Tag in Kaliforniern war gekommen. Nachdem wir die letzten Tage mit klassischem Sightseeing verbracht hatten, wollte Isabelle heute ein wenig die Amerikanische Shoppingwelt erkunden. Meine verdrehten Augen übersah Sie dabei geflissentlich. Franny bot sich wieder an, auf Vanessa aufzupassen, der ein Shoppingbummel sicher genauso viel Spaß gemacht hätte wie mir. Nur durfte ich mich nicht drücken. Schließlich ging es mit Denise und Vicky in Richtung Shoppingmeile. Ich kam mir neben den drei Mädels so richtig überflüssig vor und langweilte mich zu Tode. Einziger Lichtblick waren für mich die Momente, wenn Madame mal ein etwas gewagteres Outfit anprobierte und damit vor mir posierte.

    Am Samstagmorgen hieß es dann endgültig Abschied nehmen, auch wenn Franny uns am liebsten gar nicht hätte gehen lassen. Am Flughafen umarmte Sie jeden von uns lange und verdrückte das ein oder andere Tränchen. Vicky, die uns begleitet hatte, ging es ähnlich. Die anfangs recht kühle Businesslady war aufgetaut. Beim Abschied mussten wir natürlich versprechen, dass wir wiederkommen würden, was wir unter der Bedingung taten, dass der Lion Clan sich auch mal in Dresden blicken lassen müsse. Franny meinte, dass Sie auf jeden Fall mal über den großen Teich kommen würde, nur müsste Sie schauen wer Sie dann begleiten würde.

    Zwei Stunden später saßen wir wieder im großen Kranich, der uns zurück nach Europa brachte. Mit vielen schönen Erinnerungen an Kalifornien und die Verwandschaft, schliefen wir schließlich ein und verpennten einen Großteil des Fluges.

    Nachwort
    Dieses Kapitel dient als Jahresabschluss für beide Geschichten. Die sonst, das Jahr abschließende, Fuhrparkübersicht wird es dieses Mal nicht geben, da sich beim EPT Fuhrpark im Jahr 2017 nicht so viel getan hat. Dieses Jahr wird das allerdings anders aussehen.
    Schöne Grüße aus Sachsen

    464 mal gelesen

Kommentare 17

  • Benutzer-Avatarbild

    DM0503 -

    Wieder mal Klasse. 5 Sterne

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    loddi51 -

    Astrein geschriebenes Kapitel.

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    thespone -

    Klasse geschrieben, schöne Art die beiden Geschichten in diesem Kapitel zu kombinieren :)

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    alaskabaer01 -

    Super geschrieben, auch die Idee mit den Linien war eine gute Idee, so verliert man nicht die Übersicht. Daumen hoch!

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    Sauerlaender -

    Sehr schönes Kapitel von dir. Toll wie du es geschafft hast beide Storys noch weiter miteinander zu verknüpfen.

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      Iceman684 -

      Im Moment gibt es auch noch einige Ideen, allerdings mehr für die ETS Story. Wir hatten ja schon mal drüber gesprochen. Die ATS Story wird wohl erst einmal etwas ruhiger laufen. Muss ja eh mal sehen wieder auf ein halbwegs aktuelles Datum zu kommen.

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    Werner 1960 -

    Toll geschrieben.

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    infinity -

    Schönes Kapitel. Das ein oder andere laute Lachen war mir beim lesen zu entlocken. Und es scheinen nicht nur die Mütter auf beiden Seiten des Atlantiks gleich zu ticken, sondern auch die Frauen in Uppsala und Dresden - anschubsen, manchmal umschubsen und wieder aufbauen...

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel. Und irgendwie auch ohne Fuhrparkübersicht der typische Rückblick, sogar deutlich weiter als nur auf das Jahr. Der "Chicago Candy Red" Scania, frühe Wellblechhütten, und so weiter. Da kamen noch mal richtig nostalgische Erinnerungen an Deine früheren Kapitel auf.