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Änderung der Datenschutzrichtlinie

 

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Mit freundlichen Grüßen
Euer TSM Team

31. Merry X-Mas and Happy New Year

  • Samstag, den 23. Dezember 2017, 2:00 am, Pacific Standard Time, Tracy, CA:

    Als der Wecker klingelte machte ich ihn schnell wieder aus, damit Keela weiterschlafen konnte. Ich stand leise auf und setzte einen Kaffee auf. Dann folgte die Wäsche aus dem Wasserkanister. Halb Drei begann die PTI und um viertel vor Drei ging es weiter. Zurück auf der I-5 in Richtung Süden wurde der Tempomat wieder bei 56 mph eingelegt und dann konnte man rollen lassen. Nachdem auch die I-580 auf die I-5 traf, wurde es trotz der frühen Uhrzeit etwas voller. Zu allem Überfluss liefen ich und der Rest des Verkehrs auch auf zwei „Kollegen“ auf, bei denen der, auf der linken Spur 52 mph fuhr und der Andere, auf der rechten Spur etwa eine halbe Meile pro Stunde schneller fuhr. Das zog sich eine geraume Zeit hin, bis man da endlich dran vorbei war.

    Gegen sechs Uhr vernahm ich langsam Geräusche aus dem Sleeper. Keela wurde wach. Sie zog sich direkt was an und ich rief nach hinten: „Kaffee ist in der Thermoskanne.“ Schließlich kam sie nach vorne und bedankte sich mit einem schnellen Kuss auf meine Wange. Dann machte sie es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich. Ich warf einen flüchtigen Blick rüber. Ihre rotblonden Wuschelhaare waren heute noch mehr durcheinander, als sonst schon. Sonst trug sie eine enge Bluejeans, ein weißes T-Shirt und Sneakers. Sie schien gute Laune zu haben uns schaute neugierig aus dem Fenster in den noch dunklen Morgen.
    Eine Stunde später fuhren wir in Hillcrest auf den Truckstop. Dort gingen wir dann zuerst zusammen duschen und dann frühstücken. Gegen Neun machten wir uns wieder auf den Weg.
    Die Fahrt lief gut und wir kamen gut durch. Selbst an der Waage wollte man uns heute nicht überprüfen. Schließlich ging es auf den Tejon Pass und ich merkte, dass Keela immer kribbeliger wurde.
    Für viele Amerikaner war Los Angeles immer noch was Besonderes. Vor allem, wenn man noch nie dort war. Für mich war es nur eine Großstadt in Südkalifornien, wo immer viel Verkehr war, entsprechend schlechte Luft herrschte und man meistens viel Zeit verlor. Außerdem war es, außer auf den Prachtboulevards und den Nobelvierteln wie Beverly Hills oder Bel Air, noch nicht mal unbedingt sehenswert. Viele ließen sich aber von dem Glanz von Hollywood blenden und machten aus der Stadt regelrecht einen Mythos. Auch Keela rutschte langsam unruhig auf dem Sitz umher und blickte sehr neugierig aus dem Fenster. Dabei löcherte sie mich mit Fragen wie: „Wie kommt man denn von hier nach Beverly Hills?“ oder „Kann man von der I-5 den Hollywood Schriftzug sehen?“ Außerdem holte sie das Handy raus und machte mehrere Fotos. Dabei war noch nicht mal wirklich das richtige Wetter für Fotos. Es war nämlich recht trüb im Raum LA.

    Schließlich war Keela dann etwas enttäuscht, weil man von der I-5 nicht wirklich viel Sehenswertes von LA sah. Außerdem war unsere Zeit recht knapp bemessen und ich konnte keinen Umweg fahren, um Keela schönere Ecken der Stadt zu zeigen.
    Das einzig Gute heute war, dass wohl die meisten Leute zu Hause oder in den Shoppingcentern waren. So war auf der I-5 vergleichsweise wenig Verkehr und wir kamen gut durch LA.

    Schließlich ließen wir die Metropole wieder hinter uns und fuhren weiter über die I-5 in Richtung San Diego.
    Auf Höhe von Carlsbad hatten wir dann einen kleinen Stau. Schließlich erreichten wir die Stelle, wo man die Ursache des Staus sehen konnte. Ich schluckte einmal kurz und Keela fluchte sogar kurz.

    Die Ursache war nämlich ein Unfall, an dem ein Walmart Subunternehmer beteiligt war. Dessen Trailer war an der Seite aufgerissen und die Ladung lag auf dem Highway verteilt. „Kennst du den Kollegen?“ fragte ich Keela. Ich kannte ihn persönlich nicht. „Vom Sehen. Der fährt für das Zentrallager in Oxnard. Dann und wann kommt der auch schon mal nach Sacramento.“ „Armer Kerl und das so kurz vor Weihnachten.“ „Ist ja versichert. Aber sein Dispatch muss jetzt wieder alles umwerfen und eine Ersatzladung losschicken. Das von zu Hause aus. Bei der Bereitschaft ist das totaler Mist.“ „Das kann jetzt auch nur von einer Dispatch kommen.“ Lachte ich. „Alle machen sich Sorgen um die Beteiligten des Unfalls und du denkst an die Mehrarbeit für seinen Dispatch.“ „Klar ist das für den Fahrer auch schlimm. Aber der läuft da rum und ist unverletzt. Ich hab ihn ja gesehen.“ „Na gut.“ Ich wollte nicht weiter mit Keela diskutieren und damit die schöne Stimmung versauen.

    Es dauerte auch nicht mehr allzu lange, bis wir schließlich San Diego erreichten. Das Wetter hatte sich auch gebessert und an diesem späten Mittag war die Sonne rausgekommen. Als wir von der I-5 runterfuhren schaute sich Keela wieder neugierig um. „In der Gegend hier soll es ganz tolle Surfstrände geben.“ Stellte sie fest. „Hier gibt es aber kein Walmart Zentrallager, wo du arbeiten könntest.“ „Weiß ich. Ich habe ja vorher geschaut, wo ich arbeiten könnte, als ich nach Kalifornien gewechselt bin.“ „Warum hast du dann nicht Santa Cruz oder Oxnard genommen?“ „Santa Cruz ist ja nur ein Außenlager, wo kein Büro ist und in Oxnard gab es keine freien Stellen. Die beste Alternative war Sacramento. Da war was frei und man ist noch recht schnell an der Küste.“ „Außerdem gab es da mich.“ Fügte ich mit einem Grinsen hinzu. „Das wusste ich da doch noch gar nicht.“ „Auch wieder wahr.“

    Wir fuhren durch die Gewerbegebiete von San Diego, die auch nicht allzu sehenswert waren. Schließlich kamen wir an der Druckerei an, auf deren Firmenschildern groß „Vistaprint“ stand. Auf einem kleineren Schild an der Werkseinfahrt stand dann auch „Ridley Print“. Ich fuhr mit dem Lastzug langsam in die Einfahrt und achtete drauf, mit dem langen Trailer nirgendwo anzuecken. Schließlich standen wir so, dass die Straße wieder frei war.
    Keela nahm sich mein Tablet und gab im ORBCOMM ein, dass wir angekommen waren und ich nahm mir die Papiere. Dann wurden wir von einem wütenden Gebrüll auf dem Hof abgelenkt. Dort stand ein älterer Herr, der, wie man an seinem feinen Anzug erkennen konnte, offensichtlich zur Geschäftsleitung gehörte. Er hatte einen hochroten Kopf und machte gerade zwei Arbeiter regelrecht zur Schnecke. Selbst bis hier zur Straße konnte man fast jedes Wort verstehen, dass er den Arbeitern um die Ohren haute. „Was ist das denn für ein Choleriker?“ fragte mich Keela. „Keine Ahnung.“
    Ich nahm dann endgültig meine Papiere und ging zum Pförtner. Dort meldete ich mich an. „Was war das denn gerade?“ fragte ich dann auch den Pförtner. „Das ist unser Boss, Mr. Ridley.“ „Ist der immer so?“ „Normal wird sein Personal von ihm nicht weiter beachtet. Aber der Idiot von Staplerfahrer ist mit angehobener Last zu schnell um die Ecke gefahren und hat den Stapler samt Papierrolle auf die Seite geschmissen.“ „Scheint heute mal wieder Tag der Unfälle zu sein. Bei Carlsbad stand auch schon ein Kollege von mir mit Unfall.“ „Muss ja auch vor Weihnachten alles noch schnell, schnell gehen.“ „Was war denn mit dem zweiten Mann?“ „Der hätte seinen Stapler beinahe danebengelegt, als er versucht hat, den einen Stapler wieder aufzurichten. Da muss man ja auch einen größeren Stapler nehmen und keinen, der die gleiche Hublast hat.“ „Verstehe.“ „Bleibt der Trailer hier?“ „Jap.“ „Dann setz ihn an Tor 10. Da kann er stehen bleiben.“ „Mach ich.“
    Ich ging zurück zum Truck. „Der Schreihals ist der Boss von dem Laden hier.“ Erklärte ich Keela dann. „Der eine hat seinen Stapler samt Papierrolle auf die Seite gelegt und kassiert gerade den verdienten Anschiss.“
    Wir fuhren auf den Hof. Als Ridley den Truck bemerkte, wurde er auch sofort ruhig. Nach Außen sollte sowas nicht dringen und wir waren ja betriebsfremd. Kurz darauf sahen wir auch den Stapler, der auf der Seite lag. Ich wendete den Lastzug und rangierte den Trailer an das zugewiesene Tor. Kurz davor öffnete ich noch kurz die Türen. Dann sattelte ich den Trailer ab.

    Zurück im Truck sagte Keela: „Es gibt mal wieder Leerpaletten. Vom hiesigen Supercenter nach Oxnard.“ „Gut. Abholen schaffen wir gerade noch. Dann ist aber auch schon wieder Feierabend.“ Wir machten uns auf den Weg zum Supercenter, was von Ridley Print in einer Viertelstunde zu erreichen war.
    Dort ging Keela mit zum Büro vom Centermanagement. Kannte sie die Leute dort doch von Telefon und Emailkontakten. Schließlich konnten wir aufsatteln. Es gab, wie vermutet, mal wieder einen 53 Fuß Curtain Trailer.

    Nach dem Aufsatteln und der PTI ging es dann wieder in Richtung Norden. Ich hatte jetzt noch eine Überraschung für meine Süße in Petto. Es ging erst wieder zurück durch San Diego, was jetzt am Samstagnachmittag doch etwas länger dauerte, als gedacht. Mit meiner Zeit sollte ich trotzdem so eben hinkommen. Als ich an der I-5 dann keine Anstalten machte, in Richtung Norden auf den Freeway zu fahren, meldete sich Keela: „Hey, träumst du? Wo willst du hin?“ „Wirst du gleich sehen.“ Ich fuhr geradeaus weiter und kam dann an die CA-1, die ja an der gesamten kalifornischen Küste entlangführte.
    Kurz darauf erreichten wir eine Rest Area direkt am Pazifik. So bekamen wir noch einen Parkplatz mit Meerblick. „Hier wollte ich Feierabend machen.“ Sagte ich zu Keela. Als Dank erntete ich einen langen Kuss von meiner Süßen. „Als du vorhin von den Surfstränden hier gesprochen hast, ist mir diese Rest Area eingefallen.“ Sagte ich zu ihr.

    Wir machten uns dann im Sleeper was zu essen und setzten uns zum essen wieder nach vorne. Dabei konnten wir einen wunderbaren Blick auf das Meer werfen.
    Nach dem Essen machten wir dann noch einen Verdauungsspaziergang am Strand. Dabei konnten wir einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachten. So war halt Weihnachten in Südkalifornien.
    Zurück im Truck zogen wir uns dann in den Sleeper zurück. Nun war Kuschelzeit.

    Sonntag, den 24. Dezember 2017, 2:00 am, Pacific Standard Time, in der Nähe von San Diego, CA:

    Der Heilige Abend begann bei mir am sehr frühen Morgen. Bei uns war der 24. Dezember eh kein besonderer Tag. Hier wurde erst morgen gefeiert. Ich verstand sowieso nicht, wie es die Leute in Europa schafften, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, wenn man an so vielen Tagen Feiertage hatte.
    Ich stand leise auf und machte den Wecker aus. Dann setzte ich mal den Kaffee auf und ging danach leise zu dem Toilettenhäuschen der Rest Area. Dort erledigte ich den morgendlichen Toilettengang und wusch mich etwas. Im Anschluss machte ich etwas, was ich sonst nicht tat, was ich aber auch nicht überall machen konnte. Ich stellte mich einige Minuten neben meinen Truck und blickte auf den nächtlichen Pazifik. Dann ließ ich das auf mich wirken. Ich atmete tief durch und sog die Seeluft ein. Dabei achtete ich auf meine Sinne. Ich spürte die Brise, die immer am Meer ging und schmeckte die salzige Luft. Außerdem lauschte ich dem Rauschen der Brandung.
    Anschließend kam ich in die Wirklichkeit zurück und begann mit meiner PTI. Es war dann schon drei Uhr, als ich mich wieder auf den Weg machte. Ich fuhr wieder zurück zur I-5 und fuhr in nördlicher Richtung auf. In die südliche Richtung wollte ich eh nicht. Mexico war nicht wirklich was für mich.

    Gegen fünf Uhr hörte ich zu meiner Überraschung schon, wie Keela im Sleeper aufstand und sich anzog. Dann schüttete sie sich einen Kaffee ein und kam nach vorne. „Hallo meine Süße. Was machst du denn schon hier?“ „Ich wollte noch mal was von LA sehen. Sind wir da schon dran vorbei?“ „Nein. Wir kommen gerade in die südlichen Vororte.“ „Das ist gut.“ „Ich weiß gar nicht, was du an LA findest.“ „Irgendwie hat man seine Vorstellungen von der Stadt. Vielleicht wegen Hollywood und der Filmindustrie, vielleicht auch, weil da so viele reiche und bekannte Leute wohnen.“ „Dann müssen wir da mal hin, wenn wir mal Zeit haben. Ein paar Ecken kann ich dir ja auch zeigen.“ „Wann machst du denn mal Urlaub?“ fragte Keela darauf. „Keine Ahnung. Im Moment kann ich mir keinen Urlaub leisten. Ich muss ja Geld verdienen, damit ich die Raten für den Truck zahlen kann.“ Keela schmollte ein wenig. „Du kannst doch nicht immer nur arbeiten. Du musst dich doch auch mal erholen.“ „Schon. Aber meinst du das ist Erholung, wenn man jeden Tag daran denkt, dass man gerade kein Geld verdient und die Raten weiterbezahlt werden müssen?“ „Okay. Ich verstehe. Aber es kann doch nicht sein, dass wir immer nur so selten zusammen sind.“ „Du kannst ja, wenn du frei hast, bei mir mitfahren, so wie du es ja jetzt auch gerade machst.“ „Meinst du so stelle ich mir unsere Beziehung vor?“ „Sicher nicht. Aber du wusstest von Anfang an, was ich mache.“ „Leider ja.“ Seufzte sie. „Man sucht sich halt nicht aus, in wen man sich verliebt.“

    Die nächste Zeit schwiegen wir und dachten wohl beide über das Gesagte nach. Schließlich ließen wir LA hinter uns. Nun folgte der Wechsel auf die CA-126, welche uns direkt nach Oxnard bringen würde. Wobei wir eigentlich gar nicht direkt nach Oxnard fuhren. Costco Wholesale lag ja ein ganzes Stück außerhalb der Stadt.
    Um viertel nach Sieben kamen wir an dem Lagerhaus an. Während ich mich anmelden ging, nahm sich Keela wieder das Tablet und meldete, dass wir am Ziel waren. Danny musste wohl auch schon auf sein. Denn bereits, als ich wieder zurück am Truck war, hatte Keela unseren nächsten Auftrag auf dem Display. „Du musst gleich noch mal ins Büro. Wir bekommen hier direkt unseren Anschluss.“ „Wenigstens nach Hause?“ „Nicht ganz. Das wäre ja auch zu schön gewesen.“ „Sondern?“ „Wir müssen noch nach South Lake Tahoe rauf.“ „Na dann frohe Weihnachten. Da kommen wir heute nicht mehr hin. Sacramento wäre ja schon mehr als eng gewesen. Wenn wir noch da rauf müssen, wird das Weihnachten.“ „Hauptsache wir sind zusammen.“ Stellte Keela fest, die wohl die Diskussion von vorhin nicht mehr fortsetzen wollte.

    Ich setzte also den Curtain Trailer an die zugewiesene Rampe und ging nach dem Absatteln wieder ins Büro und forderte die Papiere für unseren Anschluss ab. Als ich zurück war, sagte ich zu meiner Süßen: „Wir bekommen den Dry Van da vorne. Ich sattele den noch auf, dann machen wir da vorne auf dem Platz eine kurze Frühstückspause. Da habe ich sogar schon mal über Nacht gestanden. Das stört da keinen.“ Gesagt – getan. Ich nahm den Dry Van auf und erledigte die PTI. Als wir dann auf dem Parkplatz vor dem Gelände standen, war es schon viertel vor Acht und es wurde langsam hell.

    Während wir dort frühstückten sagte Keela dann zu mir: „Ich habe mich einfach zu sehr in dich verliebt. Ich möchte dich nicht aufgeben. Dann muss ich wohl mit deinem Job leben.“ „Bist du sicher? Zur Not muss ich halt wieder in den Regionalverkehr wechseln.“ „So viel öfter warst du dann auch nicht zu Hause. Der Vorteil war nur, dass du deine Resets in der Regel zu Hause gemacht hast.“ „Immerhin. Inzwischen mache ich meine Resets in Saint Paul bei deiner Familie oder in New Mexico bei Billy the Kid.“ „Glaubst du, du wirst damit glücklich, wenn du nur in Kalifornien rumfährst und ab und zu mal nach Nevada oder Arizona kommst?“ „Wird wahrscheinlich auf die Dauer langweilig.“ „Eben. Dann hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich dir deinen Traum kaputt mache.“ „Dann musst du doch noch mal in die Fahrschule gehen und Truck fahren lernen.“ „Damit werde ich nicht glücklich. Ich bin nach Kalifornien gezogen, um surfen zu können und nicht, um Trucks zu fahren. Mich nervt ja manchmal schon die Fahrt nach Pacifica. Wenn ich darauf Lust hätte, wäre ich mit Sicherheit auch schon nach Südkalifornien zum Surfen gefahren. Die Strände sind eigentlich schöner und das Wasser ist dort wärmer. Aber mir reicht immer schon die Fahrt von Sacramento bis hinter San Francisco.“ „Und ich dachte, du fährst gerne.“ „Mit der Harley. Aber nicht mit dem Savana. Der ist nur ein notwendiges Übel. Und gegen den hier ist das ein Spielzeug.“ „Dann müssen wir weitermachen wie bisher?“ „Es scheint fast so. Dein Traum ist der Truck und mein Traum sind die Wellen. Wir wollen beide unsere Träume leben.“ Keela merkte, dass ich dabei etwas traurig wurde. „Hey. Alles ist gut, so wie es ist.“ „Ich habe Angst, dass wir es so nicht schaffen.“ „Als wir am Anfang zusammen waren, hatte ich meine Zweifel, dass es lange mit uns halten würde.“ Sagte Keela. „Ich habe gedacht, dass wir einfach zu verschieden sind. Mit der Zeit habe ich dann aber gemerkt, dass wir uns viel ähnlicher sind, als ich dachte. Wir gehören einfach zusammen. Wahrscheinlich ist das gar nicht mal so schlecht, wie wir das leben. So hat jeder von uns die Freiheiten, die er braucht. Wenn wir jeden Abend zusammen zu Hause wären, würde das glaube ich, nicht lange halten. Dann würde sich jeder von uns beiden eingeengt fühlen. So hat jeder seine Freiheiten und lebt seine Träume. Außerdem freuen wir uns dermaßen aufeinander, dass man es kaum ertragen kann.“ „Vielleicht hast du recht.“ „Hast du das Gesetz vergessen? §1: Keela Ryan hat immer Recht.“ „Stimmt. Da war mal was.“
    Wir räumten unsere Frühstücksutensilien weg und gingen dann noch zum gemütlichen Teil der Pause über. Gut, dass der Kenworth so ein großes und gemütliches Bett hatte.

    Nach der Pause fuhren wir weiter. Es ging den gleichen Weg zurück, den wir auf den letzten Meilen hierhin genommen hatten. Wir fuhren allerdings erst nur ein paar Minuten, denn noch auf der CA-126 fuhren wir zum Tanken raus. Da wir noch ein ganzes Stück vor uns hatten, tankte ich sogar zu den teuren, kalifornischen Spritpreisen voll. Anschließend ging ich zum Bezahlen und brachte noch Kaffee und frische Croissants für Keela und mich mit.

    Wir machten uns dann wieder auf den Weg und Keela reichte mir mein Croissant in mundgerechten Häppchen.
    An der I-5 fuhren wir wieder in nördlicher Richtung auf und hatten nun den Tejon Pass vor uns. Nachdem dieser überquert war, blieben wir diesmal nicht auf der I-5, sondern wählten die CA-99 in Richtung Bakersfield und Fresno. Erstens hatte ich diese Strecke länger nicht mehr gefahren und zweitens kannte Keela die Strecke nicht.
    Bis nach Hause würde meine Fahrzeit nicht mehr reichen. Das stand fest. An der CA-99 gab es aber auch ein paar Stellen, wo man gut seine Pause machen konnte. Bakersfield und Fresno passierten wir noch ohne Probleme. Daher war es noch zu früh, um in Fresno am Truckstop stehen zu bleiben.
    Schließlich überlegte ich mir dort zu übernachten, wo es laut Joe Henderson die besten Hot Dogs in diesem Bereich von Kalifornien gab. An der Rest Area bei der Tankstelle in Oakdale. Dort fuhren wir dann auch hin und ich parkte den Truck auf der Rest Area. Dann genossen wir die Hot Dogs. Sie waren auch heute wieder richtig gut und auch Keela schmeckten sie. Im Anschluss genossen wir dann mal wieder die Zweisamkeit zusammen im Sleeper.

    Montag, den 25. Dezember 2017, 1:45 am, Pacific Standard Time, Oakdale, CA:

    Es ist Weihnachten und ich muss arbeiten. So hatte ich mir das vorher nicht vorgestellt. Vor allem hatte ich nicht gedacht, dass ich am Weihnachtsmorgen um viertel vor Zwei schon aufstehen muss. Leider war es aber nun so. Ich kletterte leise aus der Koje und setzte erstmal einen Kaffee auf. Dann ging ich in den Sanitärbereich der Rest Area und nutzte die Toilette. Anschließend wusch ich mich dort noch schnell. Gegen viertel nach Zwei begann ich mit der PTI und um halb Drei machte ich mich wieder auf den Weg.

    Nun wunderte ich mich erstmal. Mein Navi, was immer sehr zuverlässig funktionierte und mir immer die richtigen Wege nannte, wollte nicht, dass ich zurück zur CA-99 fuhr, sondern über die CA-120 weiter in Richtung Sierra Nevada. Da ich dem Navi aber vertraute, folgte ich der Anweisung. Vielleicht gab es dort ja eine neue Strecke durch die Sierra Nevada, die ich noch nicht kannte. Ich war dort auch länger nicht unterwegs gewesen. Da ich nie der Typ gewesen war, der viel spazieren fuhr. Noch hatte ich ja den Führerschein für die Motorräder nicht.
    Die CA-120 wurde dann sogar besser ausgebaut und ich vertraute der Strecke weiter. Es ging an Keystone vorbei und schließlich sollte ich rechts abbiegen. Es war aber weiter die CA-120, der ich folgen sollte. In der Dunkelheit kannte ich mich auch noch weniger aus, als am Tage. Das Fernlicht des Kenworth war auch nicht das allerbeste.
    Irgendwann schwante mir, wo mich die Navigation herführen wollte. Spätestens, als ich das Schild „Yosemite Junction“ passierte war mir klar, dass es durch den Yosemite Nationalpark ging. Jetzt war es aber eigentlich auch schon zu spät, um noch zu wenden. Zumal ich ja auch erstmal was finden müsste, wo ich den Truck gedreht kriegen würde. Ich passierte Moccasin. Bis hierhin war die Strecke noch gut. Nun ging es aber richtig in die Berge der Sierra Nevada. Die CA-120 wurde jetzt zur Passstraße mit den entsprechenden Kurven.
    Wer schon mal einen US Truck mit den langen Radständen gefahren hat, weiß, was mir jetzt bevorstand. Die engen Kurven waren so gar nichts für den Kenworth und den 53 Fuß Trailer. Zum Glück war um die frühe Uhrzeit kaum jemand auf der Straße, so dass ich die volle Straßenbreite für den Truck nutzen konnte.
    In den Haarnadelkurven zwischen Moccasin und Priest wurde Keela dann wach. „Was ist denn hier los? Man wir ja Seekrank im Bett.“ Maulte sie von hinten. „Dir auch frohe Weihnachten, mein Schatz.“ Antwortete ich. Keela kam dann in Slip und T-Shirt, wie sie geschlafen hatte, nach vorne. „Auch frohe Weihnachten.“ Sagte sie. „Wie fährst du denn heute?“ fragte sie dann noch mal. „Willkommen im Yosemite Nationalpark.“ Sagte ich zu ihr. Sie setzte sich auf den Beifahrersitz. „Machst du heute früh Sightseeing?“ fragte sie dann. „Ich glaube, mein Navi ist besoffen.“ Antwortete ich. Anstatt mich wieder zur CA-99 zurückzuschicken, hat mich das hierhin gelotst. Sonst kann ich mich da immer drauf verlassen.“ Keela schluckte einmal kräftig. „Was ist, wird dir schlecht?“ „Das nicht. Aber ich glaube, ich bin schuld daran.“ „Wieso denn das?“ Keela schluckte noch mal. Dann begann sie: „Als du gestern Abend noch mal zur Toilette warst, habe ich etwas an deinem Navi rumgespielt.“ „Ja und? Was hast du da gemacht?“ „Ich habe da ein wenig durch die Menüs und Einstellungen geswitcht.“ „Deshalb führt mich das Navi doch nicht durch die Wildnis hier.“ „Ich denke schon.“ „Hast du da was verstellt?“ „Ja.“ Gab sie kleinlaut zu. „Das Navi stand ja auf schnellste Route, dann habe ich die Auswahl „Landschaftlich reizvolle Route“ gesehen und darauf umgestellt. Ich habe ja nicht gedacht, dass ein Truck Navi dann durch einen Nationalpark navigiert.“ „Offensichtlich doch.“ Sagte ich. Viel mehr konnte ich im Moment aber auch nicht dazu sagen, da ich zusehen musste, dass ich den Truck auf der Straße hielt.
    Zwischen Priest und Groveland war die Strecke dann aber wieder weniger kurvig. Und ich konnte wieder etwas durchatmen. „Sorry, Schatz.“ Sagte Keela. „Du wolltest doch was sehen und schöne Strecken fahren. Jetzt hast du sie.“ „Aber doch nicht mit dem Truck.“ Meinte Keela. „Dann müssen wir das nachher wieder umstellen.“ „Was hab ich da nur angestellt.“ Seufzte Keela.

    Da es jetzt nicht mehr ganz so kurvig war, wie vorher, es ging zwar immer noch in Kurven durch den Nationalpark, es waren aber wenigstens keine Haarnadelkurven mehr, ging Keela erstmal wieder nach hinten und zog sich an. Dann nahm sie sich einen Kaffee und kam wieder nach vorne. Wir fuhren weiter und kamen irgendwann richtig in den Nationalpark. Normal durfte man hier nur als Anlieger mit dem Truck weiter. Da man aber auch keine Möglichkeit sah, wo ich den Truck wenden konnte, ließ man mich passieren.
    Zum Glück hatte es bisher in der Sierra Nevada diese Saison noch nicht geschneit, so dass der Tioga Pass noch geöffnet war. Bald wurde es wieder enger und steiler. Ich hatte alle Hände voll zu tun und kam ganz schön ins Schwitzen. Keela atmete aber teilweise auch schwer, weil ihr auch nicht ganz wohl bei der Strecke war. Als wir schließlich Olmsted Pont erreichten, sagte ich zu ihr: „Das nächste Mal nehmen wir für solche Strecken lieber das Bike.“ „Einverstanden. Für Motorräder ist das hier ein Paradies.“ „Für Trucker eher nicht.“ Stellte ich fest. Nun ging es langsam wieder aus dem Nationalpark hinaus. Erst kamen aber noch einige Serpentinen und Keela schaute doch manchmal recht ängstlich aus dem rechten Fenster, wenn es neben der Straße in die Tiefe ging.
    Schließlich erreichten wir aber in der Dämmerung die US Route 395 in der Nähe von Lee Vinnig und dem Mono Lake. Nun konnten wir beide wieder aufatmen.

    Hier konnten wir wieder recht entspannt fahren, auch wenn es hier immer noch durch die Ausläufer der Sierra Nevada ging. Als wir schließlich den Topaz Lake erreichten meldete sich das Navi zu Wort: „Crossing border – entering Nevada.“ „Willkommen in Nevada.“ Sagte ich mit einem Grinsen zu Keela. „Ich wusste gar nicht, dass wir Kalifornien noch verlassen würden.“ Sagte Keela erstaunt. „Hätten wir auch nicht, wenn wir nicht den Ausflug durch den Nationalpark gemacht hätten.“ „Was habe ich da nur gemacht.“ Stöhnte sie. Ich musste nur lachen. „Lach mich nicht aus.“ Beschwerte sie sich. „Das kommt davon, wenn man an Sachen rumspielt, an denen man nichts zu suchen hat.“ Lachte ich.

    Bei Gardnerville ging es dann auf die NV-207, über die wir dann zum Lake Tahoe kommen sollten. Nun ging es nochmal über einen kleinen Pass, bis wir dann schließlich die US Route 50 erreichten. Diese erreichten wir in dem Städtchen Stateline, welches auch wirklich an der Staatsgrenze zu Kalifornien lag. Nun waren wir auch fast in South Lake Tahoe, wo wir hinwollten. Es war zwar ein gewaltiger Umweg gewesen, aber wir waren schließlich noch an unserem Ziel angekommen. Leider lag der Neighborhood Market auch noch in einer kleinen Seitenstraße und auch auf dem Parkplatz war es recht eng. Das hatte ich aber nicht anders erwartet.

    Genauso wie ich damit rechnete, den langen Trailer ans erste Tor setzen zu müssen. Um neun Uhr hatten wir schließlich den Trailer abgestellt und den Papierkram erledigt.
    Nun machten wir noch eine Pause, bei der wir den Truck vor dem Trailer stehen ließen. Wir gingen in den Ort und frühstückten. Danach gingen wir noch ein paar Schritte am Seeufer, bevor wir uns schließlich auf den Weg nach Sacramento machen wollten.
    Zurück am Truck stellte ich das Navi wieder richtig ein und Keela schaute noch nach, ob es noch was in Richtung Sacramento gab. Leider war das nicht der Fall. So mussten wir den Heimweg mit dem Bobtail antreten.

    Über die US Route 50 ging es nun nach Sacramento zurück. Nun kannte sich auch Keela wieder aus. Sie hatte die Strecke ja vor nicht allzu langer Zeit mal mit ihrer Harley gefahren. Heute begann es dabei dann noch zu regnen. „Immerhin besser, als Schnee.“ Sagte ich zu meiner Süßen. „Hast du was gegen weiße Weihnachten?“ fragte mich Keela überrascht. „Nur, wenn ich dabei mit dem Bobtail fahren muss. Fahr das Ding mal bei Schnee, wenn kein Trailer auf der Sattelplatte ist.“ „Ach so. Ich dachte schon.“ „Ich bin aber weiße Weihnachten nicht wirklich gewohnt. In Sacramento liegt auch eher selten Schnee.“ „In Saint Paul ist es eher selten, dass Weihnachten kein Schnee liegt.“ „Das glaube ich. Da war ja letzte Woche auch schon alles weiß.“ „Vielleicht fehlt mir das dann hier.“ „Dann fahren wir wieder hier rauf. In der Sierra Nevada ist auch im Winter genug von dem Zeug.“

    Gegen Mittag näherten wir uns dann Sacramento. Trotzdem rief ich eben meine Mom an, dass wir es nicht pünktlich zum Mittagessen schaffen würden, da wir noch auf dem Weg nach Hause waren. Sie war zwar nicht begeistert, hatte aber trotzdem ein gewisses Verständnis. Schließlich erreichten wir die Stadt und fuhren zu meiner alten Halle. Gegen viertel vor Eins kamen wir dann da an. Was anderes, als ein Reset wäre jetzt auch, dank der geringen Restfahrzeit nicht mehr möglich gewesen.
    Wir packten schnell unsere Sachen zusammen und räumten sie in den Taurus. Dann setzte ich den Taurus aus der Halle und den Kenworth hinein. Anschließend fuhren wir mit dem Ford zum Zentrallager rüber, wo noch Keelas Savana stand. Dann fuhren wir mit zwei Fahrzeugen nach Hause.

    Dort gingen wir erstmal duschen. Wir wollten ja nicht stinken, wenn wir bei meiner Familie eintrafen. Anschließend machten wir uns schick. Ich zog einen Anzug an und Keela trug mal wieder ihr kleines Schwarzes, was sie seinerzeit zusammen mit Jessy gekauft hatte. Dann tat sie sogar noch was, was bei ihr sehr selten war. Sie legte Makeup auf. Anschließend nahm sie sogar noch etwas Gel und bändigte ihre Haare ein wenig.
    Bevor wir nun zu den Murdocks fuhren, telefonierten wir erstmal mit den Ryans. Dort war die ganze Familie zusammen. In Saint Paul saß man um diese Zeit aber auch schon eine ganze Zeit am Kaffeetisch.

    Als wir uns dann auf den Weg machten, folgte ich Keelas Wunsch und wir fuhren mit dem Savana zu meiner Familie. Gegen halb Drei trafen wir dann bei meiner Familie ein. Außer meinen Eltern waren noch Jessy und Dave da. Es hätte mich aber auch gewundert, wenn man es hinbekommen hätte, dass Steve mit Frau und Kind hier gewesen wären. Mom hatte sich dann am gestrigen Heiligabend mit Steve und Familie getroffen, während Dad alleine zu Hause blieb. Dieses Thema war immer noch nicht durch. Wenigstens blieb uns heute ein entsprechendes Theater erspart.
    So lief der Nachmittag recht entspannt. Beim Kaffeetrinken wollte Mom wohl mal kurz auf die Tränendrüse drücken und beschwerte sich, wie leer es inzwischen im Haus war, weil eben alle Kinder ausgezogen waren. Jessy und ich versicherten ihr dann aber, dass wir uns regelmäßig sehen lassen würden und sie ja mit Dave und Keela eigentlich noch zwei Kinder hinzugewonnen hatte.
    Dad ließ sich hinterher sogar dazu hinreißen und lobte die Arbeit von Keela und mir in den höchsten Tönen, was uns beiden recht peinlich war. Jessy und Dave konnte er ja auch nicht so wirklich loben. Er hatte zwar noch Kontakte genug zu FedEx, um sich über Jessys Ausbildung schlau zu machen, von Daves Job als Verkäufer von Baumaschinen hatte er aber schlicht und ergreifend keine Ahnung.
    Das Thema Eishockey vermied Keela auch, da es noch nicht allzu lange her war, dass ihre Minnesota Wild gegen Dads San José Sharks gewonnen hatten.

    Nach dem Kaffeetrinken entschlossen Jessy, Dave, Keela und ich, einen entspannenden Spaziergang durch unser Viertel zu machen. Mom blieb zu Hause, um abzuräumen und wieder alles in Ordnung zu bringen und Dad war noch nie der große Spaziergänger gewesen. Ich vermutete, dass er sich lieber den einen oder anderen Drink nehmen wollte. Es war uns aber auch lieber, dass wir jungen Leute alleine unterwegs waren. Keela und Jessy stellten dabei fest, dass die Beiden auch schon eine ganze Zeit nichts mehr zusammen unternommen hatten. Spontan luden uns Jessy und Dave dann zu ihrer Sylvester Party in der nächsten Woche ein.

    Schließlich ging es wieder nach Hause zurück. Dort saßen wir dann gemütlich zusammen. Als Geschenke gab es untereinander eigentlich nur Kleinigkeiten. Da zählte mehr der Gedanke, als das große Geschenk.
    Irgendwann nahm mich Dad bei Seite. „Ich habe noch eine geschäftliche Sache.“ Sagte er. Wir zogen uns also kurz in sein Arbeitszimmer zurück, wo sich Dad, wie vermutet erstmal einen Bourbon einschenkte. Auf seine Frage, ob ich auch einen wollte, lehnte ich dankend ab. Dann begann er: „Dass wir mit deiner Arbeit sehr zufrieden sind, habe ich ja schon gesagt. Sowohl Keela, als auch du leisten ausgezeichnete Arbeit. Ich wünschte, ich hätte mehr solche Leute, wie euch.“ „Ich kann mich aber über Charlie und Danny auch nicht beschweren. Danny hatte anfangs ein paar Probleme, die aber daran lagen, dass ich mit dem Mack noch nicht komplett mit der Dispatch vernetzt war.“ „Nein. Die drei sind mein bestes Team. Da haben wir erheblich schlimmere Dispatcher.“ „Aha.“ „Ich meine aber auch als Fahrer, oder von mir aus auch als Subunternehmer. Da machst du deine Sache wirklich gut. Das hatte ich dir nicht zugetraut.“ „Du bist mit meiner Entscheidung, diesen Job zu machen also zufrieden?“ „Ich hatte dich vorher eigentlich eher als Dispatcher vorgesehen. Ich dachte, das wäre dein Ding. Eigentlich solltest du den Job bekommen, den Keela jetzt hat.“ Das war mir auch neu. „Als du dich dann dagegen entschieden hast, habe ich die Stelle ausgeschrieben und Keela hat sich dann intern darauf beworben.“ „Verstehe. Ich glaube, so ist das aber besser, als wenn ich den Job machen würde.“ „Inzwischen glaube ich das auch.“ „Dann ist ja gut.“ „Was ich dir eigentlich anbieten wollte, wir bekommen in der nächsten Zeit von Freightliner einige Vorführwagen zur Verfügung gestellt. Du weißt ja, dass Walmart Transportation überwiegend Freightliner kauft.“ „Was hab ich damit zu tun?“ „Wenn du mal Interesse hast, ein paar Tage mal einen Cascadia auszuprobieren, dann sag mir Bescheid. Ich gebe dir dann einen.“ „Warum sollte ich das machen? Ich habe eine eigene Maschine und habe auch im Moment nicht die Absicht, mir einen anderen Truck zu holen.“ „Ich meine ja nur, dass du den mal ausprobieren kannst. Das ist ja was Anderes, als immer deinen Klassiker zu fahren.“ „Ich mag meinen Kenworth. Ich wollte das doch genau so haben. Klassische Optik mit moderner Technik. Trotzdem mit dem handgeschalteten Fuller Getriebe. Ich traue der Automatik nicht.“ „Du klingst in der Hinsicht bald wie Joe Henderson und selbst der hatte hinterher einen modernen Truck geleast. Weil der einen besseren Verbrauch hatte.“ „Gut. Beim Verbrauch bin ich bei dir. Aerodynamisch optimiert ist der W900 auf kleinem Fall.“ „Eben. Dann kannst du doch einfach mal vergleichen.“ „Ich überlege es mir.“ Dad trank seinen Drink aus und wir gingen wieder zurück.

    Keela und ich bleiben noch bis nach dem Abendessen da. Dann verabschiedeten wir uns von den anderen. Wir waren ja schließlich sehr früh aufgestanden. Zu Hause verschwanden wir dann auch recht schnell im Bett.

    Dienstag, den 26. Dezember 2017, Sacramento, CA:

    An diesem Tag hatten wir einen Vorteil. Keela brauchte, aufgrund ihrer Nachtschicht erst am Abend wieder arbeiten. Ich hatte noch meinen Reset und konnte auch erst in der Nacht wieder los. Wir hatten also den Tag noch ganz für uns. Keela kam dann auf die Idee, eine Runde mit der Harley zu drehen. Es war trocken und nicht allzu kalt, so konnten wir das machen. Es wurde aber keine lange Tour.
    Am frühen Nachmittag kamen wir dann wieder zu Hause an. Wir mussten noch ein paar Sachen zu Hause machen. Die Wäsche wusch sich ja nicht von selbst. Schließlich ruhten wir uns noch mal ein wenig aus, um Kraft für den Abend zu sammeln. Dabei kuschelten wir noch zusammen und genossen, dass wir noch einen Tag für uns hatten.
    Am Abend machte sich Keela dann wieder fürs Büro fertig. Ich hatte etwas mehr Zeit, da ich erst ab Mitternacht wieder in der Planung war.
    Nachdem Keela gegangen war, ging ich noch mal duschen um frisch zu werden. Dann setzte ich zu Hause schon einen Kaffee auf und packte meine Sachen. Ich hoffte auf keine allzu lange Tour, da Keela und ich den Jahreswechsel zusammen verbringen wollten. Kurz nach Elf am Abend machte ich mich aber auch auf den Weg.

    Ich fuhr zur Halle und räumte meine Sachen in den Kenworth. Dann setzte ich ihn aus der Halle und fuhr meinen Ford hinein. Nun begann ich mit meiner PTI. Um Mitternacht wollte ich startklar sein. Pünktlich zu Mitternacht war dann auch der Auftrag von Keela im System:

    PICKUP: CW-CASA
    TRAILER: UP53571
    FREIGHT: FROZEN GOODS
    WEIGHT: 43,500 LB
    TO: NM-CASC
    GATE: 01
    REMARKS: URGENT DELIVERY

    CASA-KRY.

    Ich bekam also von Keela eine Ladung Tiefkühlware zum Neighborhood Market nach Santa Cruz. Wir hatten besprochen, dass mich Keela diese Woche im Regionalverkehr halten sollte, damit ich es schaffen könnte, den Jahreswechsel zu Hause zu verbringen. Dementsprechend hatte sie mir auch diese Ladung verpasst. Ich machte mich auf den Weg zum Zentrallager auf die andere Straßenseite. Dort sah ich dann meine Süße schon wieder. Wir waren ja beide am Arbeiten.
    Meine Papiere hatte Keela natürlich schon fertiggemacht. So gab es für Keela eine Unterschrift auf dem Frachtbrief und einen Kuss. Dann verabschiedete ich mich wieder. Am Tor 1 stand dann ein UPS Reefer mit Walmart Werbung. Den nahm ich auf und machte dann die PTI. Gut, dass meine Tanks nicht mehr voll waren. 43,500 Pfund wären bei einem Reefer und einem W900 mit vollen Tanks zu viel des Guten gewesen. Auf meiner Route hatte ich aber sowieso keine Waage. Nachdem ich aufgesattelt hatte und die PTI erledigt war, es war jetzt viertel nach Zwölf, machte ich mich auf den Weg nach Santa Cruz.

    Mein Navi hatte ich ja wieder umgestellt, so konnte ich mich wieder auf die Navigation verlassen. Es ging über West Sacramento zur I-80 in Richtung San Francisco. Genau so weit sollte ich dieser Interstate dann auch folgen.
    In der Heimatstadt der Lions wechselte ich dann auf die US-Route 101 in Richtung Süden. Zu dieser nächtlichen Uhrzeit konnte man so fahren, ohne Probleme zu bekommen. Am Tage wäre ich dann eher auf der Ostseite der Bay geblieben. So hatte ich aber eine ruhige Nachtfahrt ohne besondere Vorkommnisse.

    Es war dann fünf Uhr früh, als ich auf den Parkplatz des Neighborhood Market in Santa Cruz fuhr. Wieder mal musste ich dabei an die erste Fahrt mit Joe Henderson und dem Mack denken, die ich genau hierhin gemacht hatte. Auch damals hatte ich so einen braunen Reefer dahinter gehabt. Genau wie damals musste ich auch heute wieder an das erste Tor setzten. Um diese frühe Uhrzeit hatte ich aber wenigstens genug Platz auf dem Parkplatz.
    Nachdem ich dann abgesattelt hatte, war auch der nächste Auftrag im System:

    PICKUP: ES-CASC
    TRAILER: DV28972; DV28870
    FREIGHT: TABLEWARE
    WEIGHT: 39,500 LB
    TO: CO-CARE
    GATE: 02
    REMARKS: STAA-DOUBLE; DOLLY (CA)3EJ9750

    CASA-KRY.

    Es gab also nach längerer Zeit mal wieder ein Double. Mit der Ladestelle am Außenlager hatte ich insgeheim schon gerechnet. Ich fuhr also den kurzen Weg zum Außenlager und forderte dort meine Ladung ab. Auch hier war ich natürlich angemeldet und es klappte alles vorzüglich. Nach dem Aufsatteln und der etwas längeren PTI, schließlich hatte ich bei einem Double auch doppelt so viel zu prüfen, machte ich mich wieder auf den Weg.
    Ich fuhr aber zuerst in Richtung Beach Area, da ich wusste, dass der mexikanische Imbiss, bei dem ich auch schon zur Pause gestanden hatte, auch Frühstück anbot. Dort traf ich dann gegen sechs Uhr ein.

    Nach einem guten Frühstück, dass ich in aller Ruhe genoss, machte ich noch ein paar Schritte und ging in Richtung Strand. Wenn ich schon an der Küste war, wollte ich auch das Meer sehen. Dabei nahm ich mein Handy und rief bei Keela an, die inzwischen schon eine Zeitlang zu Hause war. Nachdem wir dann schon eine weile telefoniert hatten, fragte sie mich auf einmal: „Schaffst du das eigentlich heute noch nach Redding?“ „Ist ja gut, dass du das jetzt schon fragst. Jetzt ist das Welpen Rudel schon am Truck.“ „Deswegen frage ich ja auch nicht. Ich frage eher, weil ich wissen wollte, wo du heute Feierabend machst.“ „Das hängt gleich vom Verkehr ab. Ich glaube aber nicht, dass ich bis nach Redding komme.“ „Das dachte ich mir. Dann kannst du eigentlich auch gleich nach Hause kommen. Ob du jetzt in Sacramento stehen bleibst, oder auf der I-5 zwischen Sacramento und Redding, da kommt es dann auch nicht drauf an.“ „Wie du meinst.“ „Dann komm gleich nach Hause.“ „Dein Wunsch ist mir Befehl.“ Wir telefonierten noch eine Zeit weiter und ich schaute dabei über den Pazifik und beobachtete die Brandung. Für Keela wären heute perfekte Wellen da.

    Gegen Acht machte ich mich dann auf den Weg nach Hause. Dass mein Navi wieder richtig eingestellt war, merkte ich daran, dass ich jetzt nicht auf die US-101 in Richtung San Francisco zurücksollte, sondern den altbekannten Weg über die CA-152 und die I-5. Ich folgte dann auch entsprechend der Navigation und machte mich über diese Route auf den Weg nach Hause.

    Die Fahrt verlief so problemlos und um zwölf Uhr mittags war ich dann wieder in Sacramento. Ich hatte jetzt zwar erst etwas über neun Stunden Fahrzeit hinter mir, aber bis nach Redding hätte ich es nicht mehr geschafft. Da ich ja so schon selten genug zu Hause war, kam mir das ganz recht. Außerdem hatte mir Keela die, leider außerdienstliche, Anweisung gegeben.

    Da der Truck mit den beiden Trailern natürlich zu lang für meine Halle war, parkte ich den Zug neben der Halle. Dann stieg ich in meinen Ford und fuhr nach Hause. Da wir am Vortag ja nicht viel geschlafen hatten, legte ich mich dann todmüde neben die schlafende Keela ins Bett.

    Mittwoch, den 27. Dezember 2017, 6:00 pm, Pacific Standard Time, Sacramento, CA:

    Keela und ich mussten etwa zur gleichen Zeit anfangen zu arbeiten. Daher wollte ich auch zur gleichen Zeit wieder aufstehen, wie meine Süße. Da ich ihr das nicht sagen konnte, schließlich schlief sie schon, als ich zu Hause ankam, hatte ich ihr einen Zettel auf den Nachttisch gelegt. Nun wurde ich zärtlich von ihr geweckt. Das waren halt die schönen Momente, wenn ich mal zu Hause war. Zuerst genossen wir noch ein paar Minuten die Zweisamkeit im Bett, bevor wir dann ins Bad gingen und zusammen duschten.
    Als wir uns fertig gemacht hatten, nahmen wir dann am Abend unser Frühstück ein. So ist das halt, wenn man Nachtschicht hat. Da sie eine Viertelstunde vor mir anfangen musste, fuhr Keela auch ein paar Minuten früher los. Ich sah dann noch aus dem Fenster, wie ihr Savana sich auf den Weg zum Zentrallager machte. Kurz darauf fuhr ich auch in diese Richtung. Ich stellte meinen Ford wieder in die Halle und begann um Zehn mit meiner PTI. Dabei brauchte ich wieder die komplette Viertelstunde, weil ich ja ein Double prüfen musste. Außerdem schaute ich jedes Mal, wenn ich den Truck mal für eine große Pause auf meinem Platz stehen ließ, ob keine Graffitis am Truck waren. Meine Hallenwände zeigten leider zur Genüge, dass sich die Sprayer hier rumtrieben. Da mein Platz auch nicht so ordentlich war, lud das diese Typen wohl ein. Das waren aber auf dem Platz alles noch Altlasten von Joe. Außerdem fehlte mir die Zeit, dort mal Ordnung zu schaffen und den Schrott abtransportieren zu lassen.

    Um viertel nach Zehn fuhr ich dann nach Redding weiter. Mein Navi lotste mich zuerst zur I-80 und dann am Kreuz auf die I-5 in Richtung Norden. An der etwas später folgenden Wiegestation musste ich natürlich raus. Doubles wurden immer mit Vorliebe kontrolliert, da die Chance auch größer war, dass man überladen hatte.
    Anschließend ging es weiter über die I-5, bis ich schließlich bei Anderson auf die CA-273 wechselte. Über diesen Highway ging es nun nach Redding hinein und ich kam direkt bei Costco Wholesale raus. Dort brauchte ich mein Double nur an die Seite stellen. Der Shunter Fahrer würde es auseinandernehmen.
    Meinen Anschluss hatte Keela dann auch schon ins System gestellt:

    PICKUP: CW-CARE
    TRAILER: DV28689 / DV 28678
    FREIGHT: HOUSEWARES
    WEIGHT: 39,498 LB
    TO: NM-CASA
    GATE: 12
    REMARKS: STAA DOUBLE; DOLLY (CA)3LJ4990

    CASA-KRY.

    Also mit Haushaltswaren wieder zurück nach Sacramento. Ich fuhr also weiter nach Redding rein, um zu dem kleinen Walmart Zentrallager zu kommen. Dort war alles bereit und ich konnte nach kurzer Zeit wieder los. Nun ging es direkt in Redding wieder auf die I-5 in Richtung Süden und somit direkt nach Hause. Auch auf dem Rückweg kam wieder die obligatorische Waage. Ich hatte ja wieder ein Double.

    Kurz vor Sacramento, es ging auch schon auf sechs Uhr früh zu, kam eine WhatsApp von Keela: „Hallo Schatz, wann bist du denn voraussichtlich in Sacramento?“ Ich schrieb schnell zurück: „Gegen Sechs werde ich beim NM sein.“ „Hast du schon Pause gemacht?“ „Bis jetzt nicht.“ „Dann hole ich dich ab und wir können zusammen frühstücken… Abendessen… what ever. “ „Klingt nach einem Plan.“ Ich legte das Handy wieder weg, da ich mich jetzt meiner Heimatstadt näherte.

    Pünktlich um sechs Uhr kam ich beim Markt an und brauchte das Double nur an die Seite stellen. Eine Kupplung für ein Dolly hatte ich eh nicht. Das hatten nur die Shunter und die City Trucker. Nachdem ich abgesattelt hatte, stellte ich die Zugmaschine an die Seite und das E-Log auf Pause. Dann wartete ich, bis der Savana auf den Parkplatz fuhr.
    Zum Frühstücken, oder was auch immer fuhren wir zu einem Burger Restaurant. Wir hatten ja auch schon Abend oder sowas Ähnliches.
    Gegen Acht setzte mich Keela wieder am Truck ab und ich meldete mich wieder startklar. Gut, dass ich noch am Neighborhood Market stehen geblieben war. Mein nächster Auftrag ging nämlich von hier aus los:

    PICKUP: NM-CASA
    TRAILER: CT40766
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 24,500 LB
    TO: ES-CASA
    GATE: 02
    REMARKS: -----

    CASA-CSA.

    Jetzt wurde ich also auch noch zum City Trucker degradiert. Aber auch für diese kurze Strecke gab es Dollars, also murrte ich nicht und nahm den Trailer auf. Dann fuhr ich zum Außenlager, wo ich eine Viertelstunde später ankam. Mit der Anlieferung an Tor neun hatte ich es sogar recht einfach. Als ich abgesattelt hatte, stand der nächste Auftrag im System:

    PICKUP: CW-CASA
    TRAILER: DV53985
    FREGHT: PACKAGED FOOD
    WEIGHT: 42,498 LB
    TO: 711-CASF
    GATE: 01
    REMARKS: URGENT DELEIVERY

    CASA-CSA.

    Eine dringende Ladung verpackter Lebensmittel für einen 7Eleven Markt in San Francisco. Ist das nicht eher was für Gina? Dachte ich. Aber wer weiß, wo sich Dannys Freundin gerade befand. Ich fuhr also zum Zentrallager und ging zu Charlie ins Büro. „Das nenne ich mal Back to the roots. Nur, mit dem Mack war das einfacher. Der war nicht so lang, wie der Kenny.“ „Wer wieder regional fahren will, der bekommt auch City Touren.“ Sagte Charlie grinsend. „Will ich das?“ fragte ich erstaunt. „Auf jeden Fall will Keela das wohl. Das hat sie mir gestern schon gesagt.“ „Das gilt aber nur für diese Woche.“ „Dann musst du halt diese Woche solche Touren fahren.“ „Frisco ist dringend?“ „So steht’s im System.“Das heißt Laden – liefern?“ „Yessir.“ „Das wird eng. Um zwölf Uhr ist Feierabend.“ „Dann gib Gas.“ „Jawohl Chef.“ Charlie gab mir die Papiere und ich machte mich auf den Weg.

    An Tor 1 stand dann einer der blauen Dry Vans, den ich aufnahm. Nach der PTI fuhr ich in Richtung West Sacramento vom Hof. Dort ging es auf die I-80 in Richtung Westen. Je näher ich dann der Küste kam, um so besser wurde auch das Wetter. Der Wind an der Küste hatte die Wolken verscheucht. Über die Bay Bridge ging es nun nach San Francisco hinein.

    Während der Fahrt durch die Stadt nervte mich dann mein E-Log mit den Meldungen, dass nicht mehr viel Fahrzeit übrig war. Schließlich erreichte ich den 7Eleven, wo ich den 53 Fuß Trailer wieder in die engste Ecke drücken musste. Hauptsache keiner sah die Walmart Werbung auf der Seite. Anschließend musste ich mir in der Nähe einen Parkplatz suchen. Bis zum Hafen, wo ich was kannte, reichte meine Fahrzeit nicht mehr.

    In einem Gewerbegebiet sah ich dann an einer Halle ein Schild „Lion Trucking Inc.“ Das konnte eigentlich nur die Firma von David Lion und seiner Schwester Gina sein. Kurzentschlossen fuhr ich auf den Hof und stellte den Kenworth an die Seite, so dass er keinen stören würde. Trucks sah ich keine, aber ein teurer PKW stand im Parkbereich. Irgendein Europäischer Wagen. Ich kannte mich mit europäischen Autos nicht so aus, es stand aber Maserati dran.
    Ich ging ins Büro, wo ich auf eine ältere Dame traf. Sie wirkte nicht, als gehörte sie in das Büro einer Spedition, sondern eher in eine Vorstandsetage. Ich stellte mich kurz vor und fragte dann, ob ich für einen 10 Stunden Break auf dem Hof stehen bleiben konnte. „Ich spreche mal kurz mit meiner Enkelin.“ War die Antwort. Dann telefonierte sie. Nachdem sie aufgelegt hatte, sagte sie: „Das geht in Ordnung. Stellen Sie sich aber so hin, dass Sie keinen stören.“ „Mache ich.“ Ich sagte nicht, dass ich schon so geparkt hatte. „Meine Enkelin hat auch noch Grüße ausgerichtet.“ „Danke. Grüße zurück. Auch an David.“ „Sie kennen beide?“ „Leider nur flüchtig. Aber Gina und ich fahren ja beide für die selben Leute. Mein Dad ist ja der Regionalleiter von Walmart Transportation für Kalifornien.“ „Ach da hatte ich den Namen Murdock schon gelesen.“ „Wahrscheinlich. David hatte ich mal kennen gelernt, als er mit Gina zusammen bei Walmart in Sacramento war.“ Wir verabschiedeten uns und ich ging zurück zum Truck. Dort zog ich mich schnell in meinen Sleeper zurück. Ich hatte lange nicht mehr so viel an einem Tag auf- und abgesattelt.

    Donnerstag, den 28. Dezember 2017, 10:00 pm, Pacific Standard Time, San Francisco, CA:

    Ich hatte sehr gut geschlafen. Vielleicht schon zu gut. Am Nachmittag wurde ich noch mal kurz wach. Als ich aus dem Fenster des Sleepers schaute, sah ich, wie ein Mercedes SUV auf den Hof fuhr. Dort stieg Gina aus und ging in die Firma. Kurz darauf fuhr sie aber schon wieder ab. Sie hatte wohl nur irgendwas geholt.
    Als ich gegen zahn Uhr wach wurde, war ich eigentlich schon etwas spät dran. Na gut, dann würde meine Pause eben ein bisschen länger. Da um diese Zeit bei Lion Trucking natürlich niemand da war, gab es nur eine Kanister Wäsche. Anschließend setzte ich meinen Kaffee auf. Gegen halb Elf begann ich schließlich mit meiner PTI. Als ich die erledigt hatte, stand auch mein nächster Auftrag im System:

    PICKUP: 711-CASF
    TRAILER: DH401761
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 24,500 LB
    TO: CW-CASA
    GATE: -----
    REMARKS: -----

    CASA-KRY.

    Altverpackungen sollten also bei dem 7Eleven Markt wieder abgeholt werden. Bei der Trailer Nummer schwante mir schon wieder, dass es sich um einen DHL Trailer handelte. Ging ja nur eben nach Sacramento. Ich fuhr also wieder zurück zum 7Eleven Markt, der sich ja in unmittelbarer Nähe befand und bekam dort, wie erwartet einen Trailer des gelben Logistikers. Mit dem machte ich mich dann um elf Uhr auf den Weg nach Sacramento.
    Bei der Fahrt durch San Francisco merkte ich, dass auch um diese Zeit noch einiges los war. Gegen diese Stadt war Sacramento vom Nachtleben her schon ein Provinzkaff.
    Über die I-80 ging es dann wieder in besagte Stadt. Es war dann auch schon zwei Uhr in der Nacht, als ich dort eintraf. Da ich zum Zentrallager durfte, konnte ich auch meine Süße sehen. Ich blieb am Tor stehen und ging ins Büro, wo ich dann mit einem Kuss und einer Umarmung empfangen wurde. „Ich hoffe, du begrüßt hier nicht alle Fahrer so.“ sagte ich zu Keela. „Natürlich. Deshalb bin ich hier auch die beliebteste Dispatcherin.“ Lachte sie. „Das nennt man dann wohl Mitarbeitermotivation.“ „So ist es. Dafür tun die Fahrer dann auch alles für mich.“ „Was muss ich jetzt für den Kuss machen?“ „Den Trailer an Tor 23 stellen.“ „Ich wusste doch, dass die Sache einen Haken hat.“ „Sorry Schatz. Muss leider sein.“ „Na gut. Wenn es sein muss. Wie geht’s dann weiter?“ „Mal wieder mit einem Double. Ein Pup ist mit Lebensmitteln geladen und einer mit Non Food Artikeln.“ „Wo geht das Gespann hin?“ „Nach Truckee.“ „Ich liebe den Nahverkehr.“ „So war es für diese Woche abgesprochen.“ „Ja, ich weiß.“ „Dein Gespann steht an Tor acht.“ Sie gab mir die Papiere und noch einen Kuss. Dann musste ich leider wieder weiterarbeiten.

    Wenn ich schon das Pech hatte, an Tor 23 ansetzen zu müssen, stand natürlich an Tor 24 auch schon ein Trailer. Eine entsprechende Quälerei wurde das Rangieren. Nachdem ich den Trailer dann endlich am Tor stehen hatte, fuhr ich zu Tor acht und nahm mein Double auf. Danach ging es ab in die Sierra Nevada. Da meine Tankleuchte aber schon die ganze Schicht leuchtete, ging es als erstes zur Tanke. Als ich wieder den Spritpreis an der Säule sah, bereute ich es schon wieder, dass ich diese Woche in Kalifornien blieb. Ich tankte auch erstmal nur halb voll. Vielleicht ergab sich ja noch eine Möglichkeit, günstiger nachzutanken.

    Nun ging es über die I-5 und I-80 nach Truckee. In den Bergen der Sierra Nevada musste ich aber wieder ganz schön arbeiten. Zum Teil fuhr ich die Berge wieder mit eingeschalteten Warnblinkern hoch.
    Um viertel nach fünf kam ich dann an dem kleinen Markt in Truckee an, wo ich das Double an die Seite stellte. Ein City Trucker würde das Gespann nachher auseinandernehmen. Mein nächster Auftrag ging dann wieder von hier weiter:

    PICKUP: NM-CATR
    TRAILER: CT40863
    FREIGHT: USED PACKAGING:
    WEIGHT: 24,500 LB
    TO: ES-CASA
    GATE: 02
    REMARKS: -----

    CASA-KRY.

    Mit Altverpackungen ging es also wieder zurück nach Sacramento. Ich sattelte den Curtain Trailer auf und entschloss mich dann direkt meine Pause hier auf dem Hof zu machen. Da ich irgendwie schon wieder etwas müde war, legte ich mich erstmal hin. Eine Stunde später stand ich dann aber schon wieder auf. Ich fuhr jetzt aber noch nicht los. Zuerst frühstückte ich, dann telefonierte ich noch mit Keela, die inzwischen Feierabend hatte. Um sieben Uhr machte ich mich dann aber wieder auf den Weg.

    In der langsam anbrechenden Morgendämmerung ging es dann jetzt wieder nach Sacramento herunter. Dort fuhr ich aber diesmal nicht auf die I-5, sondern blieb auf der I-80. Über West Sacramento fuhr ich nun zum Außenlager, wo ich den Trailer wieder loswerden sollte. Hier brauchte ich aber nicht großartig rangieren. Ich bekam ein angenehmes Dock zugeteilt. Der nächste Auftrag kam dann von Charlie:

    PICKUP: CW-CASA
    TRAILER: CT53898
    FREIGHT: DRIED FRUIT
    WEIGHT: 33,498 LB
    TO: 711-CAOX
    GATE: 11
    REMARKS: -----

    CASA-CSA.

    Trockenfrüchte nach Oxnard. Wenigstens mal etwas weiter. Ich verließ das Außenlager wieder und fuhr zum Zentrallager, wo meine Ladung auf mich wartete. Als ich dort ins Büro kam, sagte Charlie zu mir: „Ich dachte, du wolltest mal wieder ein paar Meilen mehr am Stück fahren.“ „Da hast du wohl recht.“ „Keela lässt dich ja ganz schön um die Kirche fahren.“ „Das wird aber 2018 auch wieder anders. Mein Truck ist nun mal keine Regional Maschine. Dafür ist der Radstand zu lang. Und das, obwohl ich schon nicht den langen Sleeper genommen habe.“ „Dann schauen wir mal weiter.“ Meinte Charlie. „Du willst auch gar keinen Regionalverkehr mehr fahren.“ „Ab und zu ist das ja mal ganz nett. Vor allem, wenn der Reset nicht mehr weit ist. Auf die Dauer fühle ich mich im Fernverkehr aber wohler.“ „Okay. Sollst du bekommen.“ Charlie machte schnell die Papiere für Oxnard fertig. Dann sagte er noch: „Dein Dad war gestern hier. Er hat gesagt, wenn du möchtest, soll ich dir einen der Vorführwagen geben. So für ein paar Touren.“ „Ob ich das möchte, weiß ich auch noch nicht.“ „Warum denn nicht? Das ist für dich doch völlig unverbindlich. Du musst doch keinen Freightliner kaufen. Außerdem sparst du sogar Meilen mit deiner Maschine.“ „Auch wieder wahr.“ „Das macht zum Testen aber auch mehr Sinn im Fernverkehr.“ „Dann machen wir das im nächsten Jahr mal.“ „Okay. Wir werden das dann entsprechend absprechen. Am Besten nach einem Reset zu Hause.“ „In Ordnung.“ Ich nahm meine Papiere und ging zurück zum Truck.
    Nun nahm ich den Trailer an Tor 11 auf. Mit dem fuhr ich dann zur I-5, auf die ich dann mal wieder in südlicher Richtung auffuhr. Am Truckstop in Santa Nella machte ich dann schließlich Feierabend. Da Keela jetzt schon im Bett liegen würde, ging ich auch nur noch schnell duschen und hinterher eine Kleinigkeit essen. Dann ging es auch für mich ins Bett.

    Freitag, den 29. Dezember 2017, 10:30 pm, Pacific Standard Time, Santa Nella, CA:

    Nach dem Aufstehen ging ich noch schnell in den Truckstop zum Duschen. Auch den ersten Kaffee der Schicht holte ich mir dort. Den Rest machte ich mir, wie immer, im Truck. Nach erfolgter PTI machte ich mich um halb Zwölf wieder auf den Weg.
    Über die I-5 ging es nun weiter in Richtung Süden. Als ich an die Waage kam, wurde ich mal wieder rausgezogen. Das Interessantere passierte aber zu diesem Zeitpunkt auf der Interstate neben der Waage.

    Der Raser mit dem Sportwagen hätte mal besser vorher geschaut, wo sich die LKW Waagen befinden. Dort war ja, wenn sie geöffnet war, meistens Polizei, neben den Beamten der DOT, vor Ort. So hatte man ihn hier erwischt. Als ich auf der Waage war, wurden dem Fahrer gerade die Handschellen angelegt, so dass ich beinahe vergaß, weiterzufahren. Es war einfach zu spannend.

    Es ging dann weiter in Richtung Oxnard, wobei ich mal wieder die Route über Tejon Pass, CA-126 und US-101 nahm. Beim 7Eleven traf ich dann um halb Fünf ein. Das war dem Wachdienst auch recht. Um diese Zeit war hier noch nichts los. So störte keiner beim Rangieren und im Umkehrschluss sah auch keiner den Walmart Trailer.

    Nun rechnete ich eigentlich mit einer Ladung nach Hause. Heute hatte Keela aber was anderes mit mir vor. In Vegas hatte man offensichtlich noch nicht genug Sylvester Feuerwerk. Da wohl auch nicht mehr genug im Lager war, hatte man bei Costco Wholesale noch eine Partie beigekauft. Diese stand im Lager, Oxnard für mich bereit. Ich fuhr also wieder mal zurück zum Lager von Costco Wholesale. Dort machte ich auf dem Platz vor dem Lager aber erstmal meine kurze Pause. Dabei machte ich es wie am Vortag und legte mich zuerst ins Bett. Gegen halb Sieben stand ich dann wieder auf. Dann frühstückte ich aber erstmal und telefonierte anschließend noch eine Weile mit Keela.

    Um halb Acht ging ich dann aber ins Büro und forderte mein Feuerwerk ab. Dann sattelte ich auf und überprüfte den 40 Fuß Curtain Trailer von Costco Wholesale. Viertel vor Acht fuhr ich dann in Richtung Las Vegas los. Über die CA-126 ging es zuerst in Richtung San Fernando Valley. Es ging dann auch kurz auf die I-5 in Richtung LA. An der Kreuzung zur CA-14 hielt ich mich aber in Richtung Barstow. Nun ging es kurz in die Berge und anschließend in die Wüste. Dabei wurde es langsam hell, auch wenn sich der winterliche Frühnebel noch nicht ganz verzeihen wollte.

    Über die CA-58 ging es schließlich weiter zur I-15, auf die ich dann südlich von Barstow traf. An Barstow vorbei ging es nun in Richtung Nevada. Dabei ging meine Tankleuchte wieder an. Trotzdem war ich froh, nicht mehr getankt zu haben. So würde ich mit meiner Tankfüllung wohl bis nach Primm kommen, wo der Diesel dann nicht ganz so teuer war, wie in Kalifornien. So weit würde ich in dieser Schicht aber sowieso nicht mehr kommen. An der Valley Wells Rest Area in der Mojave Wüste war dann für diese Schicht Feierabend. Dort aß ich noch eine Kleinigkeit, dann legte ich mich wieder schlafen.

    Samstag, den 30. Dezember 2017, 11:00 pm Pacific Standard Time, Valley Wells Rest Area, I-15 Northbound:

    Ich hatte gut geschlafen und musste nun wieder aufstehen. Dieser Tag würde lang werden. Keela und ich waren Weihnachten von Jessy und Dave auf eine Sylvester Party eingeladen worden. Bis Mitternacht waren es aber jetzt noch 25 Stunden hin. Ich stand auf und nutzte den Sanitärbereich der Rest Area für einen Toilettengang und eine Wäsche. Dann setzte ich mir einen Kaffee auf. Um halb zwölf begann ich mit meiner PTI und eine Viertelstunde später machte ich mich wieder auf den Weg. Da meine Tankleuchte wieder leuchtete, hieß mein erstes Zwischenziel Primm. An dem dortigen Truckstop füllte ich meine Tanks mit etwas günstigerem Diesel. Hier war der Kraftstoff immerhin über 50 Cent pro Gallone günstiger.

    Um ein Uhr kam ich zum Tanken dort an. Eine Viertelstunde später ging es weiter in Richtung Las Vegas. Gerade mitten in der Nacht war die Stadt mit ihren zahlreichen Lichtern wieder sehr eindrucksvoll. Mein nächstes Zwischenziel war das Außenlager in Las Vegas, wo ich meine Feuerwerkskörper loswerden sollte.

    Die nächste Ladung von Charlie war, wie erwartet ein Heimatschuss:

    PICKUP: SC-NVLV
    TRAILER: CT53568
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    TO: ES-CASA
    GATE: 04
    REMARKS: -----

    CASA-CSA.

    Ich bekam also nicht direkt am Außenlager meine Ladung nach Hause, sondern musste noch zum Supercenter fahren, wo ich meine Altverpackungen übernehmen konnte. Um halb Zwei traf ich dort ein und übernahm meine Rückladung. Nach der PTI machte ich mich um viertel vor Drei auf den Heimweg.

    Über die I-15 ging es nun erstmal wieder in Richtung Barstow. Es dauerte nicht mehr allzu lange, bis ich wieder in Kalifornien ankam. Nun ging es immer noch in Richtung Barstow weiter. Nachdem ich diese Stadt passiert hatte, wechselte ich auf die CA-58 in Richtung Bakersfield.
    Dabei begann ich zu rechnen. Das Ergebnis meiner Berechnungen stellte mich aber nicht zufrieden. Meine Fahrzeit würde auf keinen Fall bis nach Hause reichen. Irgendwo auf der CA-99 zwischen Fresno und Stockton würde mir die Zeit ausgehen.

    Um viertel vor Acht fuhr ich kurz vor Bakersfield auf eine Rest Area, um meine Pause zu machen. Zuerst frühstückte ich in aller Ruhe, danach versuchte ich, ob ich Keela am frühen Sonntagmorgen schon erreichte. Sie ging dann aber recht schnell ans Telefon. „Hallo mein Schatz.“ „Hey Süße. Du bist schon auf?“ „Ich vermute, dass wir heute Nachmittag noch mal ein Stündchen schlafen werden. Daher ist das kein Problem.“ „Wo du gerade von Problemen sprichst, wir haben eins.“ „Das da wäre?“ „Ich komme in der Schicht nicht nach Hause.“ Keelas Reaktion überraschte mich jetzt: „Das ist jetzt nicht dein Ernst.“ Sagte sie hörbar verärgert. „Leider doch. Ich muss wohl in Fresno stehen bleiben und da noch mal zehn Stunden Pause machen.“ „Das kannst du mir nicht antun.“ „Wieso das nicht?“ „Das fragst du noch? Du weißt schon, dass wir heute Abend was vorhaben.“ „Dann musst du halt vorfahren und ich komme dann nach.“ „Du hast sie doch nicht alle. Ich fahre doch nicht alleine auf eine Party, auf der ich außer Jessy und Dave keinen kenne.“ „Glaubst du, ich kenne mehr Leute, als du? Das sind Freunde von meiner Schwester und Dave. Die kenne ich allenfalls vom Sehen.“ „Wenn du dabei bist kenne ich wenigstens noch dich.“ „Ich schaffe es aber nicht.“ „Ich gehe nicht alleine auf die Party. Oder meinst du, ich will mich von jedem anmachen lassen, der mich für Single hält?“ „Wer hat mich denn gestern noch nach Vegas geschickt?“ „Du weißt genau, dass ich bei einer dringenden Gefahrgutladung keine Wahl hatte.“ „Und was soll ich jetzt deiner Meinung nach tun?“ „Na durchziehen und nach Hause kommen.“ „Das werden mit Sicherheit zwei Stunden, die ich überzeihen muss.“ „Dann erkläre du Jessy, warum wir nicht kommen. Außerdem will ich dich Mitternacht hier haben.“ „Na toll. Erst schickst du mich nur noch um die Kirche. Dann muss ich auf einmal nach Vegas und jetzt stellst du mich vor die Wahl, entweder zu überziehen oder Zoff mit Jessy und dir zu bekommen.“ „Du kannst es dir aussuchen. Wenn du beim Jahreswechsel nicht hier bist, kannst du dir gleich eine neue Freundin suchen.„Aber…“ „Hör zu. Ich liebe dich wirklich. Sonst würde ich auch nicht mit deinem Job klarkommen. Aber wenn wir einmal was vorhaben, dann möchte ich das auch mit dir zusammen machen.“ „Da habe ich ja wohl keine Wahl.“ „Sonst muss ich wohl wirklich alleine auf die Party, um mir einen neuen Freund zu suchen.“ „Das ist ja jetzt nicht dein Ernst.“ „Ich möchte das nicht, aber ich will mir den Abend nicht versauen.“ „Es bleibt mir also wirklich nichts anderes übrig.“ „Ich muss auf so viel verzichten, weil ich mit dir zusammen bin. Jetzt musst du auch mal Zugeständnisse machen.“ „Na hoffentlich komme ich in der nächsten Zeit in keine komplette Kontrolle.“ „Okay. Ich beteilige mich in dem Fall auch am Bußgeld.“ „Die negative Bewertung kannst du mir aber auch nicht abnehmen.“ „Das stimmt. Aber du sitzt sehr fest drin bei Walmart.“ „Das kommt aber nicht öfter vor.“ „Versprochen.“ „Gut. Ich ziehe durch.“ „Ich werde dich auch dafür belohnen.“ Sagte sie mit verführerischer Stimme. „Okay. Die will ich aber auch haben.“ „Sollst du bekommen.“ „Okay.“ Wir legten dann auf und ich machte mich gegen viertel nach Neun wieder auf den Weg.

    Über die CA-58 ging es weiter in Richtung Bakersfield. Nachdem ich die Stadt durchquert hatte, ging es auf die CA-99 in Richtung Norden. An Fresno vorbei fuhr ich dann auf meine Heimatstadt zu. Langsam wurde ich dann auch müde. Das sollte ja klasse werden, wenn ich jetzt schon so müde war.
    Todmüde kam ich schließlich um viertel nach Drei am Außenlager an. Offensichtlich sah man mir im Moment meine Müdigkeit an. Der Mitarbeiter, der im Containerbüro Dienst hatte, ließ mich den Trailer an der Seite abstellen. „Du bist wohl total kaputt. Stell den Trailer an die Seite. Der Shunter Fahrer kann den an die Rampe stellen.“ Dankbar nahm ich das Angebot an.
    Nach dem Absatteln stellte ich das E-Log auf Privatfahrt, damit ich nicht noch mehr Zeit überzog. Ich stellte den Truck in die Halle und fuhr dann nach Hause. Dort wurde ich dann wenigstens besonders herzlich von Keela empfangen. Trotzdem ging ich erstmal noch für ein, zwei Stunden ins Bett. Keela kam mit um zu kuscheln.

    Nachdem wir wieder aufstanden, gingen wir zuerst zusammen unter die Dusche. Im Anschluss machten wir uns fertig. Für die Party machte sich Keela ganz besonders sexy fertig. Es würden mich heute einige Leute um die Freundin beneiden. In ihrem hautengen Kleid, was besonders ihre tolle Figur betonte und mit gestylten Haaren und super Makeup erkannte ich sie bald nicht wieder. Auch ich hatte mich schick angezogen. Gegen Acht machten wir uns auf den Weg zu Jessy und Dave, die die Party veranstalteten. Dort angekommen, zog Keela wirklich viele Blicke auf sich. Mich kannte man ja als Jessys Bruder. Keela, die erst vor einem halben Jahr nach Sacramento gezogen war und dann noch die meiste Freizeit an den Wochenenden an der Küste verbrachte, war den anderen Gästen gänzlich unbekannt. Außerdem wusste ja keiner, dass der aufgestylte Look normal nicht ihre Art war. Für viele Girls in Kalifornien war das aber normal.
    Außerdem kam dann noch eine Premiere. Keela und ich waren vorher noch nicht zu der Gelegenheit gekommen, zu tanzen. Ich hatte früher mal einen Tanzkurs besucht und hatte mich eine ganze Zeit auch auf vielen Partys rumgetrieben. Von Keela wusste ich das nicht. Sie konnte sich aber besser auf der Tanzfläche bewegen, als ich befürchtet hatte. Es machte richtig Spaß mit ihr zu tanzen.

    Irgendwann ging es dann stark auf Mitternacht zu. Jessy brachte uns dann kalifornischen „Champagner“ zum Anstoßen. Dann wurden die letzten Sekunden heruntergezählt… und wir hatten 2018.
    Das Jahr begrüßten wir mit einem langen Kuss. „Das Jahr 2017 hat uns beiden einiges gebracht.“ Stellte Keela fest. „Für mich hat es einen neuen Wohnort in Kalifornien, einen neuen Job, viele Wochenenden zum Surfen und vor allem dich gebracht. Was soll denn in 2018 passieren, um das noch zu toppen?“ Auch ich blickte kurz zurück. „Für mich hat das Jahr auch viel gebracht. Ich habe mich bei meiner Berufswahl gegen meine Eltern durchgesetzt, habe mich selbstständig gemacht, bin bei meinen Eltern ausgezogen und du bist in mein Leben getreten. Auch bei mir wird es schwer, dieses Jahr noch zu toppen.“ „Normal kann alles nicht noch besser werden. Wir sollten aber versuchen es zu toppen.“ Sagte Keela. „Was ich heute früh zu dir gesagt habe, tut mir leid. Ich liebe dich und ich will im neuen Jahr so viele schöne Sachen mit dir erleben, wie möglich.“ „Ich liebe dich auch sehr und möchte das auch. Mal sehen, was in diesem Jahr auf uns zukommt.“
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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