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Kapitel 164 - Eddie Stobart's 12 Days of Christmas, Teil 2

  • Sonntag, 10.12.2017

    On the seventh day of Christmas, Eddie gave to me,
    a free day at home,
    and Isotrak instructions for my delivery!


    Schließlich hatte es doch noch geklappt, dass wir einen gemeinsamen Tag zusammen hatten. Lukes Cousin Ben hatte allerdings Heimaturlaub und musste sich morgen Vormittag in Liverpool wieder einschiffen. Weihnachten würde er entweder auf den Cayman oder Virgin Islands in der Karibik verbringen. Daher kam er uns heute besuchen.
    Das Wetter hatte sich ziemlich abgekühlt und Schneefall setzte ein. Das war auf dieser Insel immer ein Grund, dass das öffentliche Leben zusammenbrach. Ich war aus meiner Zeit in Rheinland und Ruhrgebiet einiges gewöhnt in Sachen Probleme der Bevölkerung mit zweieinhalb Zentimetern Neuschnee. Die Briten schafften es aber immer wieder, mich zu überraschen, wie viel schlimmer so ein Zoll Schnee die Menschheit noch zur Verzweiflung treiben konnte.
    Als der Schneefall nachließ, machten wir einen Spaziergang durch das Winter-Wunderland. Ansonsten saßen wir lieber drinnen und spielten Karten. Abends packte ich mal den Raclette-Ofen aus. Da der Zugverkehr zusammengebrochen war, sollte Ben lieber bei uns bleiben.


    Montag, 11.12.2017

    On the eighth day of Christmas, Eddie gave to me,
    a day to work in office,
    and Isotrak instructions for my delivery.


    Der Zugverkehr hatte sich natürlich nicht erholt, also fuhr ich als erstes mit Ben nach Liverpool und setzte ihn am Hafen ab. Mehr als einmal erntete ich ungläubige Blicke, dass ich es schaffte, mit einem gnadenlos übermotorisierten Auto wie meinem BMW M5 bei Glätte zu fahren, ohne Heck voraus an einem Baum zu zerschellen. Nachdem ich Ben am Hafen abgesetzt hatte, fuhr ich zurück ins Büro.

    Timo schien sich inzwischen mit dem hiesigen Radioprogramm etwas genauer zu beschäftigen, denn eine Frage trieb ihn um:
    "Was ist das eigentlich immer für Werbung im Radio, dass man prüfen soll, ob man PPI hatte und Geld zurückfordern kann? Betrifft mich das?" "Nein, Dich nicht und mich auch nicht, obwohl ich zur falschen Zeit hier war. Wäre Dir aber als Bankkaufmann genauso wenig passiert wie mir als Steuerberaterkind. Das steht für Payment Protection Insurance, auf Deutsch also Restschuldversicherung." "Ach so." So was kannte er natürlich.
    "In den 2000ern war es üblich, bei Kreditkarten, Darlehn und anderen Finanzdienstleistungen in Großbritannien eine PPI mit zu verkaufen. Die Kunden wurden darüber nicht immer aufgeklärt und das Ding stand im Kleingedruckten. Dadurch bekamen auch Leute eine solche Versicherung, die sie gar nicht gewollt oder gebraucht hätten. Manche hatten dann auch 4 Versicherungen. Eine für die Kreditkarte, eine fürs Haus, eine fürs Auto und eine für den Fernseher. Und alle sicherten sinnloserweise auch noch auf Basis des gleichen Gesamtnettogehalts ab. 2012 wurden die Banken dann verdonnert, diese Versicherungen aufzulösen und den Kunden die gezahlten Beträge zurückzuerstatten. Und die florierende Restschuldversicherungsbranche wurde von der ebenso florierenden Rückerstattungsbranche abgelöst. Die meisten Dienstleister da machen neben PPI auch noch Fluggastrechte und so. Das Rückerstattungswesen ist quasi das britische Gegenstück zum deutschen Abmahnwesen. Ein Anruf oder eine E-Mail und ein Anwalt setzt eine riesige Maschinerie in Bewegung, um irgendwem vor die Karre zu fahren. Der Vorteil hier ist nur, dass der Irgendwer ein Dienstleistungsunternehmen ist und man als Privatperson oder Kleingewerbe nichts zu befürchten hat."

    Als nächstes fragte ich Lewis, ob er die kommenden Tage mal die andere Seite der Logistik sehen wollte. Dann könnte er nämlich bei mir auf dem LKW mitfahren. Er stimmte zu, also setzte ich eine Erklärung für seine Eltern auf, dass ich für ihn im Rahmen der Ausbildung Aufsichtsperson war.

    "Was brauche ich denn für die Tour?" "Wechselklamotten. Kennst Du die Unterwäscherollen?" "Nein." "Du legst T-Shirt, Unterhemd und Unterhose flach aufeinander. Dann schlägst Du die Seiten vom T-Shirt ein, als wolltest Du es zusammenlegen. Links und rechts kommt zur Hälfte je einen Socken mit der Öffnung nach außen ans untere Ende und dann rollst Du alles über die Fußhälfte der Socken ein. Am Ende ziehst Du die Beinhälfte der Socken drüber und hast einen Satz Wäsche auf die Größe einer Bierdose zusammengebracht. Platzsparender geht nicht." "Klingt praktisch."
    "Bring Dir was zu Essen mit. Brot, Wurst oder Käse, was zum Frühstück. Meistens kaufe ich nur das warme Abendessen auf einem Rasthof. Mittags esse ich Brot und Frühstück nach Lust und Laune, aber oft auch im Truck. Mineralwasser kaufe ich und Butter kannst Du auch von mir haben. Wenn Du was Süßes wie Limo oder Cola willst, musst Du Dich auch selber drum kümmern. Und 11 Stunden Lenkzeitunterbrechung dauern lange. Ein gutes Buch oder so solltest Du auch dabei haben."

    Und schließlich führte mich der Tag auch noch ins Rathaus. Denn wenn hier mehr Kühlfracht gefahren werden sollte, brauchten wir ein Lager mit Kühlzonen und dafür musste natürlich ein Bauantrag gestellt werden.

    Abends erzählte ich Luke, dass ich Lewis mitnehmen wollte.
    "Dann nehmt Ihr aber besser meinen MAN und ich fahre den Volvo. Zu zweit im FH Classic ist doch sehr wenig Platz." "Danke. Ich weiß. Bin ja damals mit Tom von Rom bis Sheffield in einem gefahren. Und ich glaube, das 2009er Facelift ist sogar etwas größer als der ursprüngliche FH."


    Dienstag, 12.12.2017

    On the ninth day of Christmas, Eddie gave to me,
    a trip with our apprentice,
    and Isotrak instructions for my delivery.


    Damit Lewis eine Chance hatte, zur Abfahrt da zu sein, fuhren wir erst um 7 Uhr los. Ich zeigte ihm als erstes, wie das, was wir oder in dem Fall jemand bei Stobart in den Büro-PC eingaben, beim Fahrer ankam.

    PICKUP: UKWID-STO
    DESTIN: UKSOU-STO
    TRAILER: TET9225
    LOAD: DRIED FRUIT
    WEIGHT: 13000
    SUPPLY PORT / BAY: 1
    DISPATCH: UKHEY-STO-MEW

    Es ging also mit Trockenobst von Widnes bei Liverpool nach Southampton zwischen zwei Stobart-Depots. Das war ein üblicher Lauf, dass Ware aus Übersee in Liverpool angekommen war, dann auf verschiedene Depots disponiert wurde und am Zieldepot an die jeweiligen Endabnehmer verteilt wurde.

    Lewis durfte im Depot ruhig mit ran. Ich zeigte ihm, wie die Schläuche verbunden wurden und er musste bei der Lichtkontrolle hinten gucken. Dann waren wir auf dem Weg in den Süden, während die Sonne sich langsam an den Himmel bemühte.




    Der MAN zog ganz gut, bei gleicher PS-Zahl deutlich besser jedenfalls als der EEV, den Timo in Deutschland gehabt hatte. Die Mittagspause war wieder für Lower Wick vorgesehen. Direkt vor uns fuhr ein anderer Stobart-Subunternehmer mit Kühler auf den Hof, jedenfalls dachte ich das wegen der weißen Zugmaschine. Es stieg aber die aus der Fernsehserie bekannte Fiona Soltysiak aus. Sie sah den Trailer und Subunternehmer mit Stobart-Trailern waren echte Kollegen. Also wartete sie, bis wir ausgestiegen waren. Auf dem Weg ins Rasthaus stellten wir uns vor.




    Spontan änderte ich also den Plan und schob die warme Mahlzeit auf den Mittag. Schließlich saßen wir an einem Tisch. Fiona hatte Fisch mit Broccoli und Reis gewählt, Lewis hatte sich für Fish & Chips mit Mushy Peas entschieden und ich war bei Hähnchen mit Nudeln und Lauchgemüse gelandet.
    "Wie alt bist Du eigentlich?" "16." "Das ist aber ziemlich jung für eine Fahrerausbildung." "Ich lerne ja auch Speditionskaufmann." "Dadurch, dass unsere halbe Flotte für Euch unterwegs ist, einschließlich mir, konnte ich ihn im Büro abziehen und mal 3 oder 4 Tage mitnehmen. Weil mich Heywood letzte Woche nach Andorra geschickt hat, habe ich sowieso nur 34 Stunden Lenkzeit diese Woche." "Das ist gut. Ich wünsche mir manchmal, dass unsere Disponenten auch ab und zu auf dem LKW mitfahren müssten."
    "Wie kommt es eigentlich, dass Du mit dem weißen Mercedes unterwegs bist?" "Das ist ein Leihwagen. Mir ist gestern ein Auto reingerutscht und mein Scania ist in der Werkstatt. Und wir haben insgesamt so viele Unfallschäden, dass die Reserve aufgebraucht ist. Der war schon für die Rückgabe an Mercedes Leasing vorgesehen und die Folien abgezogen, aber sie haben ihn noch mal reaktiviert, bis die Reparaturen durch sind."

    Nach der Mittagspause trennten sich unsere Wege. Fiona bog auf die M4 nach Südwales ein und wir in die Gegenrichtung, um über die A36 weiter an die Südküste zu fahren. Auf dem festgefahrenen Schnee kam man mit 40 Meilen ganz brauchbar voran.




    Gegen 20 vor 4 waren wir am Ziel und es gab gleich eine neue Anweisung.

    PICKUP: UKSOU-SEN
    DESTIN: NLRTM-LIN
    TRAILER: HT3526
    LOAD: COPY PAPER
    WEIGHT: 13000
    SUPPLY PORT / BAY: 6
    REMARKS: TRAILER TO NLAMS-STO
    DISPATCH: UKHEY-STO-SAC

    Die Beneluxzentrale von Linde Technische Gase schien einen größeren Papierverbrauch zu haben, den Stora Enso decken sollte. Danach sollte der leere Trailer von Rotterdam nach Amsterdam überführt werden. Also ab auf den Kontinent. Es reichte aber für heute nur noch bis Fleet Services an der M3 vor London.

    Um sowohl Geldbeutel als auch Figur zu schonen, gab es nun im Fahrerhaus Brot mit Käse oder Bratenaufschnitt und Chutney. Lewis trank dazu eine Cola, ich hielt mich an Wasser, nachdem ich dafür heute Mittag die Cola hatte, als er es dafür Fiona gleichgetan hatte und bei Wasser geblieben war.

    Anschließend gingen wir in das Rasthaus, wo ich zwei Duschen bezahlte, beziehungsweise die Firma zahlte. Als wir wieder im Fahrerhaus waren, war Lewis schon ziemlich müde, er war ja auch sehr früh aufgestanden. Also kletterte er ins obere Bett und zog die Gardine zu. Ich legte mich unten ins Bett und schaltete noch die Leseleuchte ein, um zu lesen, wie in Westeros um die Throne der Sieben Königreiche gespielt wurde.


    Mittwoch, 13.12.2017

    On the tenth day of Christmas, Eddie gave to me,
    a proof of parental advisory,
    and Isotrak instructions for my delivery.


    Während meine Nacht dann ruhig verlaufen war, konnte Lewis das nicht behaupten. Zwar hatte kein Kühler neben uns gestanden, aber es war auch sonst auf Rastplätzen bekanntlich ein Kommen und Gehen. Türen wurden geschlagen, Druckluftbremsen zischten, Dieselmotoren sprangen an, LKW rangierten oder fuhren los, dazu das Geräusch der auf der Autobahn schnell vorbeifahrenden Fahrzeuge.




    "Wie kannst Du dabei schlafen?" "Reine Gewöhnungssache. Konnte ich anfangs auch nicht. Zumal mein erster Truck auch noch bei weitem nicht den Komfort von einem heutigen hatte. Der geizige Unternehmer hatte nicht mal eine Standheizung eingebaut. Auch wenn das bestimmt billiger gekommen wäre, als das, was wir Fahrer stattdessen gemacht haben. Wir haben nämlich einfach nachts den Motor durchlaufen lassen bei diesen Temperaturen. Und das Blech war dünner, die Geräuschdämmung auch, das Bett war härter. Der Beifahrersitz war mit Zeug belegt, da stand eine Kühlbox mit Zigarettenanzünderkabel auf dem Sitz und ein Karton Konservendosen im Fußraum, der Rucksack mit den Wechselklamotten lag auf dem oberen Bett, aber das untere Bett war ungefähr da, wo dieses auch ist und das obere ein gutes Stück niedriger, denn das Dach war über der Tür nur halb so hoch wie das hier. Und das war schon Luxus. Bei den meisten war das Dach direkt über der Tür und viele Maschinen hatten trotzdem oft zwei Betten drin. Die sind damit auch teils zu zweit bis in den Iran und nach Saudi-Arabien gefahren." Lewis sagte nichts mehr.

    Das Frühstück hier fiel aus, ich nahm mir einen Apfel. Lewis hatte eine Banane eingesteckt. Am Tunnel hatten wir genug Zeit in der Stunde Wartezeit zwischen Check-In und Abfahrt.

    Wir kamen natürlich um 07:03 Uhr an, weshalb wir auf den Zug um 08:15 Uhr gebucht wurden und 12 Minuten mehr Zeit fürs Full Traditional hatten, so der Plan. Leider hatte der Grenzer was dagegen und wollte wissen, was wir zwei in einem LKW zu suchen hatten. Also musste ich, vergesslich wie ich war, in die Zugmaschine zurück und den Wisch von seinen Eltern holen, dass Lewis bei mir mitfahren durfte. Der Grenzbeamte sah ihn kritisch an:
    "Da steht aber nicht explizit drauf, dass Auslandsfahrten möglich sind." "Es steht aber auch nicht drauf, dass es nur im Vereinigten Königreich gilt."
    "Das ist richtig, aber nicht ausreichend. Gib mir mal die Telefonnummer von Deinen Eltern." Er wählte die Nummer, die Lewis diktierte. Wir wurden mal wieder Zeuge eines einseitigen Gesprächs: "Folkstone Border Control, Denis West. Spreche ich mit dem Vater von Lewis Thomson? - Nein, es ist nichts passiert. Aber hier steht Ihr Sohn zusammen mit Eric-Simon Kaiser-Leighton und ist auf dem Weg in die Niederlande. Ihre Erziehungsvollmacht umfasst aber nicht explizit das Ausland. - In Ordnung. Entschuldigen Sie die Störung. Auf Wiederhören."
    Er schob mir die Mappe mit den Papieren, meinen Pass und die Erziehungsvollmacht rüber, gab auch Lewis seinen Reisepass zurück und wünschte uns eine gute Reise. Allerdings reichte es nun doch nur noch zu einem Frühstückssandwich und einer Flasche Orangensaft am Stehtisch, bis wir zum Zug fahren mussten.

    Mit Zeitverschiebung um 09:50 Uhr fuhren wir dann in Frankreich vom Zug. Das Wetter war neblig, aber auf dem Kontinent lag kein Schnee. Dafür bedeckte ein Nebelschleier das Land. Der hatte sich auch bis um die Mittagszeit bei Antwerpen noch nicht so richtig verzogen.




    Der Mittag fiel auf den Rastplatz Hazeldonk Oost, wo als erstes der ERF, äh MAN gefüttert wurde. Dann gab es für uns wieder Brot im Fahrerhaus. Ich erwartete, die Nacht auf der Fähre zu verbringen, denn sonst dürfte es kaum möglich sein, mit der Restlenkzeit wieder nach Hause zu kommen.

    Um 15:30 Uhr waren wir in Rotterdam und lieferten das Papier ab, das aber hier entladen werden musste, denn der Trailer sollte ja in die Niederlassung nach Amsterdam. Lewis durfte sich mal um die Papiere kümmern. Immerhin wusste er, wie die aussehen sollten, also ging das ohne Probleme. Ich entfernte in der Zeit die Ladungssicherung, während ein Staplerfahrer von Linde die Paletten ablud.

    Der nächste Auftrag kam dann im System, während wir auf dem Weg nach Amsterdam waren.

    PICKUP: NLAMS-SEN
    DESTIN: UKLON-VOL
    TRAILER: CT3230
    LOAD: CAR SPARE PARTS
    WEIGHT: 22000
    SUPPLY PORT / BAY: 25
    DISPATCH: UKHEY-STO-SAC

    In Amsterdam stellte ich den Trailer ab und nahm den neuen auf, während Lewis im Büro die Papiere vom alten Auftrag ablieferte und die neuen abholte.




    Die Fahrzeit reichte noch zur Fähre nach Rotterdam und ich buchte uns auf der Nachtfähre nach Harwich ein. Das war zum Glück eine Fähre für PKW und LKW, demnach war die Verpflegung besser. Auf den LKW-Fähren war das Essen immer sehr fernfahrerorientiert. Also viel, fett und billig. Vor Weihnachten hatte Wild Konjunktur, auch hier im Restaurant.
    Ich trank dazu lieber Cola, auch wenn ich gerne Cider gehabt hätte. Das Thema Alkohol war allerdings mit Lewis Eltern nicht geklärt. Da auf dem Kahn sowohl niederländisches als auch englisches Recht galten, hätte ich es ihm nach englischem auch erlauben können, Bier, Cider oder Wein zu trinken, aber auf die Debatte hatte ich keine Lust und so beschloss ich, keine schlafenden Hunde zu wecken.

    Apropos schlafende Hunde, diese Nacht schlief Lewis eher wie ein Stein als ein Hund. Die Nacht war dafür aber auch kurz.


    Donnerstag, 14.12.2017

    On the eleventh day of Christmas, Eddie gave to me,
    a night without facilities,
    and Isotrak instructions for my delivery.


    Die Fähre legte um 6:30 Uhr an, also waren wir entsprechend früh wieder aufgestanden. Dafür gab es heute keine Hindernisse beim Full Traditional. Auch die Wiedereinreise in der Grenzabfertigung klappte ohne Probleme. Im Gegensatz zum Kontinent hatte der Winter die Insel noch fest im Griff. Wenigstens die Straße war schneefrei, als wir uns auf den Weg in Richtung London machten.




    Beim Volvo-Zentrallager kamen wir dann dank des Berufsverkehrs erst um 9:18 Uhr an. Und es war für Londoner Verhältnisse heute wirklich nicht viel los gewesen.

    PICKUP: UKCRD-VAR
    DESTIN: UKFLX-STO
    TRAILER: TET9466
    LOAD: ARTIFICIAL GRASS
    WEIGHT: 11000
    DISPATCH: UKHEY-STO-SHP


    Kunstrasen, auch mit einer gewissen Berufserfahrung fand man doch immer noch neue Kuriositäten als Ladung. Der Ladeort "VAR" stand für "Various", also ein Betrieb, der zu klein war, als dass Isotrak einen Code zugeordnet hätte und er lag in Croydon. Ich zog die Adresse ins Navi, bei diesem Truck waren die beiden Geräte anders als im Volvo FH wenigstens gekoppelt.

    Mit einer Mittagspause auf einem Parkplatz bei Chelmsford waren wir dann um 15 Uhr bei Stobart in Felixstowe. Hier stand ein alter Bekannter und richtig, den bekamen wir auch.




    PICKUP: UKFLX-STO
    DESTIN: UKCAM-HDG
    TRAILER: S-KFL202
    LOAD: VINEGAR
    WEIGHT: 15000
    REMARKS: LEAVE TRAILER FOR RELOAD
    DISPATCH: UKHEY-STO-SAC


    Also fuhren wir noch mit der restlichen Tageslenkzeit und unserem eigenen Trailer durch das winterliche Ostengland.




    Wie gewünscht ließen wir den Trailer bei Hain Daniels, einem großen Lebensmittelkonzern stehen. Das bedeutete nun auch noch eine Nacht wildes Campen. So bekam Lewis auch noch mit, dass ein lauter Rastplatz ein Luxus sein konnte. Ich suchte eine stille Ecke in einem nicht zu heruntergewirtschafteten Gewerbegebiet und parkte zwischen allerlei Unrat ein.





    "Feierabend." "Hier?" "Ja. Was besseres habe ich leider nicht." "Okay. Keine Toilette?" "Nein." "Wäre mit Wald ja für ein Dorfkind kein Problem." "Wald gibt aber leider auch nicht. Nur Fässer, Zäune und einen Container mit Bauschutt." Während Lewis im Gerümpel untertauchte, richtete ich das Badezimmer. Denn morgen früh hatte ich auf Kanisterwäsche wenig Lust, derzeit war das Wasser von der Motorabwärme wenigstens halbwegs auf Temperatur.

    Luke hatte keine fest eingebaute Mikrowelle im Fahrerhaus und seine mitgenommen in den Volvo. Also wurde es noch fernfahrerromantischer, als ich den Gaskocher auspackte und Bohnensuppe aus der Dose in den Topf kippte, um uns ein Abendessen zu machen. Früher hatten wir die Dosen meistens direkt auf den Kocher gestellt, aber diese hier hatte keine Papierbanderole mehr, die man abreißen konnte, sondern war lackiert und das roch doch immer ein Bisschen streng.


    Freitag, 15.12.2017

    On the twelfth day of Christmas, Eddie gave to me,
    a safe trip home,
    and Isotrak instructions for my delivery.


    Da es früh ins Bett ging, wachten wir auch früh auf. Als ich gegen 5 Uhr die Milch ins Müsli kippte, piepste aber Isotrak schon.

    PICKUP: UKCAM-HDG
    DESTIN: UKDES-ICF
    TRAILER: S-KFL202
    LOAD: MIXED FOOD
    WEIGHT: 23000
    REMARKS: UNLOAD AND KEEP TRAILER
    DISPATCH: UKHEY-STO-SHP


    Der Heimatschuss führte dann wenigstens direkt nach Hause. Iceland Foods war ebenfalls im Deeside Industrial Park ansässig. Also fuhren wir nach dem Frühstück wieder rüber und holten den Trailer ab. Leider reichte der Diesel nicht mehr bis nach Hause. Aber die Strecke war in 4:30 auch nicht zu schaffen, weshalb ich den Rasthof bei Coventry ansteuerte und noch mal 130 Liter Diesel nachtankte. Weniger würde reichen, aber wenn was unvorhergesehenes passierte, hatten so Motor oder Standheizung wenigstens Futter.

    Pünktlich zur Mittagszeit waren wir in Deeside, es dauerte dann noch mal ungefähr eine halbe Stunde, bis der Trailer entladen war und dann 4 Minuten, um zu unserem Firmenhof zu fahren. Lewis musste dann noch helfen, den Truck zu waschen und auszusaugen. Dann drückte ich ihm 20 £ in die Hand und schickte ihn zu einem der Imbisswagen, was zu Essen zu kaufen. Er kam mit dreimal Fish & Chips zurück. Wir lieferten eine Portion bei Philip im Büro ab und die anderen beiden nahmen wir mit in den Besprechungsraum.

    "Und, wie war es am Ende der Isotrak-Verbindung mit der On-Board-Unit?" "Interessant. Ich hatte keine Ahnung, wie viel Stress und was für Bedingungen das da draußen teilweise sind. Die Fernsehdokumentationen zeigen ja immer gut organisierte Abladestellen, Rastplätze mit tollem Essen, und so. Die knappen Ablieferungen wirken manchmal eher gestellt oder zumindest übertrieben und manchmal denke ich, die fahren absichtlich in den Stau, wenn die Kamera dabei ist. Ich hatte es mir nicht so heftig vorgestellt." "Das ist eine wichtige Erkenntnis. Dein Kollege André in Bochum hat die in der Ausbildung meines Wissens nicht mehr mitbekommen. Den muss man wohl manchmal ein Bisschen bremsen, dass er nicht zu übermotiviert disponiert."

    Wir arbeiteten am Nachmittag noch ein Bisschen auf, was im Büro liegen geblieben war, aber weil man Lewis ansehen konnte, dass er ziemlich müde war, schickte ich ihn gegen 14:00 Uhr zum Bahnhof und ins Wochenende.

    683 mal gelesen

Kommentare 6

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    loddi51 -

    Wieder ein schön geschriebenes Kapitel und klasse Fotos.

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    infinity -

    Zum Abend ein bisschen Lesestoff :) Schön geschrieben und der Jugend das wahre Leben gezeigt... Kann nie schaden.

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      TurboStar -

      Danke. Ja, das wahre Leben ist immer eine Überraschung. Musste sogar ich in der Industrie merken, immerhin schon als Azubi parallel zum Grundstudium. Dann ist man hinterher den Tatsachen als Ingenieur gleich näher.

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    Sauerlaender -

    Schönes Kapitel von dir.

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      TurboStar -

      Danke. Schreibe schon das nächste. Sollte nachher oder morgen früh kommen. Wird kurz und traditionell ;)