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Kapitel 19 – Neues Jahr, neues Glück

  • Am zweiten Feiertag entschlossen sich Marlon und Julian, noch bis ins neue Jahr zu bleiben. Auch sie genossen es, mal einige Tage ein festes und vor allem nicht fahrbares Dach überm Kopf zu haben. Nachdem sie ihren Streit überwunden hatten und gemeinsam weiter machen wollten, wurde Marlon auch sympathischer. Im Krankenhaus von Cordoba hatte er sich als wehrloses Opfer einer Verschwörung gesehen und erst hier, mit ein Bisschen Hilfe vom Weihnachtsmann, hatte er endgültig begriffen, dass er in Julian langsam nicht mehr das kleine Brüderchen sehen durfte, sondern in Firmensachen einen gleichberechtigten Partner.

    Den Jahreswechsel feierten wir dann mit viel Spaß bei Mahad und Vinni. Da man gegen Tradition machtlos ist, gab es ein Fondue und somit den Volkssport „Fleischstücke von anderer Leute Gabel klauen“. Danach durfte „Dinner for One“ im Fernsehen nicht fehlen und um Mitternacht gingen wir raus und schossen ein paar Euro in den Himmel, um die bösen Geister aus dem neuen Jahr zu verscheuchen. Dann nutzten wir den Neujahrsmorgen noch mal zum Ausschlafen und warfen schließlich einen Blick in die Frachtbörsen. Marlon und Julian wollten zu ihrer Tante, also schlug ich vor:
    „Nitrozellulose von Essen nach Montpellier?“ „Nein. Erstens hat Julian in der ADR-Klasse keinen 4.1, sondern nur den 4.3. Außerdem ist unsere Magnetfußleuchte abgebrannt.“ „Hättet ihr was gesagt, dann hätte Mahad noch eine feste draufmontieren können wie bei mir. Lasst Euch dann am besten eine bei Renault in Frankreich nachrüsten.“ „Wie sieht es generell aus? Dürfen wir auch nach Afrika?“ „Ja. Zumindest die Nordküstenstaaten sind von Marokko bis Ägypten alle versichert.“ „Dann müssten wir Rammschutz und so nachrüsten. Da braucht man, wenn man so oft da ist wie wir normalerweise, so was vielleicht doch mal, und wenn es nur für entlaufenes Nutzvieh ist. Geht das?“ „An den originalen Aufnahmepunkten am Rahmen ja. Die Karosserie anbohren dürft ihr dafür aber nicht.“

    Schließlich fanden sich unsere Frachten und so machten die zwei sich am Donnerstagmorgen auf den Weg, eine Ladung Spielzeug von Recklinghausen nach Perpignan zu fahren. Ich holte erst einmal meinen Truck bei Mahad und Vinni ab. Irgendwie sah es doch ein Bisschen blöd aus mit 4 Lampen. Da würde ich zwei nachkaufen oder sie wenigstens noch mal mittig nach innen versetzen müssen.




    Meine Ladestelle war bei Eni in Essen. 9 Tonnen Stickstoff, keine nennenswerte Herausforderung. An der zweiten Ampel wäre die Fahrt trotzdem beinahe schon wieder zu Ende gewesen. Ein Opel Astra war erst schon so gut wie in die Kreuzung hineingefahren und hatte dann in Kurzschlussreaktion doch noch eine Vollbremsung hingelegt, als die Ampel umsprang. Dachten solche Leute eigentlich daran, dass der LKW im Rückspiegel leer schon mindestens 10-mal so viel wog wie ihr Auto? Mein Zug brachte mit Zugmaschine, Containerchassis, Druckkessel im Kranrahmen und den 9 Tonnen Druckgas darin derzeit knapp 26 Tonnen auf die Waage. Das ABS ratterte und knapp hinter dem PKW blieb ich stehen. Wenigstens dürfte der jetzt nicht mehr wesentlich mehr als „IVECO“ im Rückspiegel sehen können.
    Auf der A5 war, wie auf den meisten Straßen heute, wenig los. Die meisten Leute fingen wohl erst am Montag wieder an zu arbeiten und waren noch im Urlaub. Auf der Schnellfahrstrecke glitt majestätisch ein ICE an mir vorbei.




    Die Mittagspause legte ich mal wieder auf der Rastanlage Gräfenhausen hinter Frankfurt ein. Tanken musste ich dank des Stops in Luxemburg vor Weihnachten nicht. Was der Truck von dem Kollegen sich so an Diesel durchpfiff, würde mich dann aber doch mal interessieren.




    Der Tag endete an der Deutsch-Schweizer Grenze, wo ich noch einen Stellplatz neben zwei anderen Trucks ergattern konnte. Zwar störte ich jetzt das Markenbild, aber einer fiel ja immer aus dem Rahmen.




    Am nächsten Morgen ging es im Regen los. Daran änderte sich auch den ganzen Vormittag nichts. Ereignislos und bei Regen und Nebel fuhr ich über Zürich zum Gotthard. Meine Hoffnung, auf der anderen Seite könnte das Wetter besser sein erfüllte sich nicht. Zur Mittagspause fuhr ich an der Grenze nach Italien raus. Während ich mit einem Kollegen, der mit einem Autotransporter unterwegs war, was essen war, horchte ich ihn ein Bisschen zum neuen Stralis Hi-Way aus. Er war zufrieden mit dem Truck, es wäre der beste, den Iveco je gebaut hätte. Und er hatte im Gegensatz zu mir schon mit der Serie T angefangen und auch den EuroStar gefahren. In der Zeit hörte wenigstens der Regen auf. Als wir zu unseren Trucks zurück kamen, hatte jemand das Markenbild gestört und Rache für meine letzte Rast genommen - aber einer fiel ja immer aus dem Rahmen.




    Mit einer strammen Nonstop-Fahrt schaffte ich es noch zu Strabag nach Florenz. Nachdem ich den Trailer abgestellt hatte, machte ich mich auf den Weg ins Hotel.
    Am nächsten Morgen holte ich bei Strabag vier Gabelstapler für Bosch in Tripoli ab. Also auf nach Griechenland. Bei strahlend blauem Himmel und frühlingshaften Temperaturen fuhr ich die bolzengerade Autobahn von Bologna nach Ancona. Es war eben Samstag und auch hier, wo der Montag noch mal Feiertag war, war nichts los. Als ich vor Ancona an die Mautstation fuhr, war nur noch ein Lieferwagen in der Telepass-Spur. Eine Stunde vor Check-in auf die Griechenlandfähre konnte hier auch gerne mal die Hölle los sein.




    Ich kam am Hafen an und hatte noch 45 Minuten bis der Check-in endete. Auf der Fahrt verbrachte ich die meiste Zeit in der Kabine. Die Fähre war eine der mäßig ausgestatteten und ich war noch recht erholt. In Patras war das Wetter gut, als ich aus dem Hafen über die Bremsschwellen holperte. Danach kam ein lang gezogener Berg, den mein Truck schon ganz brauchbar hochfuhr. Ich hatte keine Ahnung, dass das nur die Generalprobe war. Erst einmal ärgerte ich mich mehr mit dem dichten Verkehr herum. Patras bestand gefühlt nur aus Ampeln und auf der Hauptstraße mündeten die Straßen von beiden Seiten auch noch versetzt ein, so dass der Abstand zwischen zwei Ampeln manchmal nur eine LKW-Länge war. Ich machte mir eine Notiz, die Innenstadt hier in Zukunft möglichst zu umfahren. Nach der Stadt und auf der Autobahn baute sich dann das Arkadiengebirge vor mir auf.




    Es dauerte nicht lange und ich fand mich auf einer steilen Bergstraße wieder, die am Ende auch noch unbefestigt wurde. Kurz vor der Passhöhe war meine Tachonadel bei 14 angekommen. Was hätte wohl mein erster Truck mit 120 PS weniger hier rauf gemacht?






    Um die Mittagszeit erreichte ich Bosch. Bosch? Da war doch was? Ach ja – mit einem Tieflader machte diese Einfahrt besonderen Spaß. Noch spaßiger war, dass ich mir mit den Gabelstaplern gleich meinen Trailer mit den beiden Druckbehältern Anschlussfracht für Rom zustellte. Ich machte Mittagspause in der Bosch-Kantine und fuhr anschließend wieder zurück nach Patras zur Fähre. Gerade die Passabfahrt war nun bei Nebel und Regen auf der schmierigen Schotterstraße kein Spaß. Außerdem war ich in dieser Richtung in den engen Kurven innen und musste aufpassen, dass ich nicht hinten mit der Fracht an der Mauer ankratzte oder vorne den Gegenverkehr rammte.

    Das Schiff war gerade weg, also buchte ich wieder einen Fahrer der Fährgesellschaft auf das Schiff und in Italien runter. Wenn ich dann nach der Ankunft noch 3 Stunden im Hafen blieb, hatte ich eine Wochenruhe absolviert und konnte dann zumindest bis zum Sonntagsfahrverbot durchfahren. Je nach Land auch noch länger, spätestens Montag Nachmittag waren die 6 Tage rum und ich musste Pause machen.

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