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29. Adventsstress, erster Schneefall und soziale Projekte

  • Mittwoch, den 6. Dezember 2017, 11:00 pm Mountain Standard Time:

    Am Abend um elf klingelte mein Wecker dann wieder und ich stand auf. Dann ging ich ins Badezimmer und nutzte die Sanitäranlagen noch mal voll und ganz aus. Wer weiß, wo es mich hin verschlagen sollte.
    Frisch geduscht und rasiert packte ich dann meine Sachen zusammen und checkte dann schließlich aus dem Motel aus.

    Am Truck stellte ich dann das E-Log auf PTI. Dann verstaute ich erst meine Sachen und setzte mir meinen Kaffee auf. Nur für die Zugmaschine alleine brauchte ich ja keine Viertelstunde, um die Abfahrtskontrolle durchzuführen. Die Zeit reichte auch noch im Anschluss für die PTI.
    Nachdem diese beendet war, hatte ich auch meinen nächsten Auftrag von meiner Süßen im System stehen:

    PICKUP: ES-AZKI
    TRAILER: DV53984
    FREIGHT: RECLAMATED FRUITS
    WEIGHT: 37,566 LB
    TO: DO-NVWI
    GATE: 08
    REMARKS: -----

    CASA-KRY

    Reklamierte Früchte sollten also wieder zurück zu Dole befördert werden. Die werden sich freuen, wenn sie das gammelige Obst bekommen. Das sollte dann aber nicht mein Problem sein, sondern das von den Leuten bei Dole.
    Zuerst sollte ich aber noch meine Tanks mit dem günstigeren Diesel aus Arizona füllen, bevor ich mich wieder aus diesem Staat begeben würde. Ich machte mich also auf den Weg zu meiner Tankstelle, die ich immer nutzte, wenn ich über die I-40 fuhr und tanken musste oder wollte. Dort füllte ich dann die Tanks wieder mit Diesel und DEF. Für mich gab es dann im Anschluss noch einen Kaffee an der Tanke.

    Nachdem sich auch das Thema erledigt hatte, ging es dann endlich zum Außenlager, wo das gammelige Obst auf mich wartete. Dabei war ich dann insgeheim wieder ganz froh, dass ich nichts mit Be- und Entladen zu tun hatte. Am Außenlager angekommen, meldete ich mich am Bürocontainer und bekam meine Papiere. Anschließend konnte ich den Dry Van an Tor 8 aufnehmen und die PTI des Trailers vornehmen. Alleine dabei zog mir schon der süßliche Geruch der nicht mehr frischen Früchte in die Nase. Als ich mich dann endlich auf den Weg machen konnte, war es hier in Arizona schon wieder viertel vor Zwei am frühen Donnerstagmorgen.

    Um nicht wieder komplett durch Kingman fahren zu müssen, nahm ich dann für eine Ausfahrt die I-40, um danach auf die US-93 in Richtung Las Vegas zu wechseln. Nun näherte ich mich also wieder dem Glücksspielerparadies und dem Hoover Damm. Von letzterem sah ich in der Nacht aber nur wenig. Das konnte man von Vegas aber nicht behaupten. Die Lichter der Stadt sah man schon einige Meilen bevor man sich überhaupt der Stadtgrenze näherte. Zu der Zeit, wo dann auch die meisten Zocker inzwischen im Bett verschwunden waren, fuhr ich dann durch die bekannte Metropole.

    Über die US-95 verließ ich Vegas dann wieder in Richtung Indian Springs. Das Städtchen, dass hauptsächlich aus der Creech Air Force Base bestand, war dann aber auch recht schnell passiert. Langsam wurde es dann Zeit, sich einen Platz für die kurze Pause zu suchen. Ich durchquerte aber noch das Amargosa Valley und fuhr bis nach Beatty. Am Rande des kleinen Orts war dann eine Rest Area, an der genug Platz war, um mich für die kurze Pause hinzustellen.
    Das Frühstück bereitete ich mir dann sozusagen aus Bordmitteln. Genauer gesagt aus meinen Vorräten. Nachdem ich mich dann gestärkt hatte, legte ich mich noch für ein Verdauungsschläfchen aufs Ohr.

    Um acht Uhr, der inzwischen wieder auf Pacific Standard Time laufenden Uhr, ging es dann wieder weiter in Richtung Norden. Zuerst ging es dafür weiter über die US-95 in Richtung Tonopah. Dort angekommen, ging es im Bereich der Stadtgrenzen des kleinen Städtchens über die US-6, die aber sofort wieder verlassen wurde, um über den Nevada State Highway Nummer 376 weiter in Richtung Norden zu fahren. So lief die Fahrzeit dahin und zerrann mir in den Fingern, wie das Wasser hier meistens in der Wüste.
    Zu spät dachte ich dann darüber nach, ob es besser gewesen wäre, in Tonopah stehen zu bleiben. Hier hatte ich aber auch noch gute zweieinhalb Stunden Fahr- und Schichtzeit auf dem E-Log stehen. Nun ging es aber durch eine karge Wüstenlandschaft, wo so gut, wie nichts war. Ab und zu gab es mal einen kleinen Wohnwagenpark, bei dem ich mich fragte, wer denn freiwillig hierblieb, um hier zu wohnen. Hier und da mal eine Art Farm, bei der ich mich fragte, was man hier in der Wüste anbauen konnte. Was mir aber fehlte, war eine Rest Area oder ein Truckstop. Ich hatte auch nicht wirklich Lust, hier mitten in der Wüste alleine am Straßenrand zu stehen. Sollte man hier überfallen werden, war weit und breit keiner, der einem helfen konnte. Selbst der Handyempfang war nur zeitweise vorhanden. E-Log und ORBCOMM hatten natürlich Verbindung, da diese über Satellit mit der restlichen Welt verbunden waren.
    Letztlich entschloss ich mich dann zu überziehen und bis zum nächsten Ort weiterzufahren. Schließlich erreichte ich dann die US-50, über die es dann nicht mehr weit bis nach Austin, Nevada war. Dort machte ich schließlich Feierabend. Meine Fahrzeit war nun eine halbe Stunde überzogen, genau wie meine Schichtzeit. Das war am ersten Tag nach dem Reset zwar ärgerlich, trotzdem stand ich hier besser, als irgendwo alleine mitten in der Wüste Nevadas. Gegen zwei Uhr machte ich hier Feierabend und versorgte mich wieder aus meinen Vorräten. So wurden diese auch mal aufgebraucht. Gegen drei Uhr am Nachmittag legte ich mich dann schlafen. Der erste Tag nach dem Reset hatte es schon wieder in sich gehabt.

    Donnerstag, den 7. Dezember 2017, 11:15 pm Pacific Standard Time:

    Als der Wecker an diesem Abend um viertel nach Elf klingelte, war das schon das zweite Mal, dass er klingelte. Gegen neun Uhr hatte ich mich schon mal wecken lassen, um noch mit Keela zu telefonieren, bevor sie dann zur Arbeit musste. Nachdem wir dann schließlich wieder aufgelegt hatten, war es noch zu früh, um gleich wach zu bleiben, also legte ich mich noch mal schlafen.
    Um viertel nach Elf klingelte der Wecker dann wieder. Nachdem ich noch einmal die Schlummertaste gedrückt hatte, stand ich dann ein paar Minuten später wieder auf. Die Körperpflege musste dann mal wieder aus dem Wasserkanister erledigt werden. Anschließend wurde die Kaffeemaschine in Gang gesetzt, damit der Wachmacher für die Nacht aufgebrüht werden konnte. Gegen Mitternacht konnte ich mit der PTI beginnen und eine Viertelstunde später konnte ich den Parkplatz wieder verlassen und mich auf den weiteren Weg nach Winnemucca machen.

    Ich fuhr noch mal kurz auf die US-50, die ich aber kurz darauf wieder verließ, um auf den Nevada State Highway Nummer 305 zu wechseln. Dieser führte dann auf direktem Wege nach Battle Mountain, an der Interstate 80. Mit Tacho 65 fuhr ich durch die Nacht, bis ich dann Battle Mountain erreichte. Dort ging es dann noch mal kurz auf die I-80 in Richtung Westen.
    In Winnemucca fuhr ich schließlich von der I-80 herunter und musste nun noch ein paar Meilen in Richtung Nordosten fahren, wo sich die Dole Niederlassung außerhalb der Stadt befand.

    Dort angekommen, war man natürlich nicht begeistert, dass man eine Ladung reklamierte Früchte bekam. Allerdings hatte man einen Vertrag mit Walmart, der besagte, dass die Früchte mindestens einen gewissen Zeitraum lang gut aussahen und als 1a Ware verkaufbar waren. Das war bei dieser Ladung aus irgendeinem Grund nicht der Fall gewesen. In diesem Fall stand in dem Vertrag, dass sich Dole um die Entsorgung der Früchte kümmern sollte. So musste man die Ware wohl oder übel zurücknehmen.
    Ich durfte den Trailer in einer Ecke des Hofes abstellen und bekam meine Unterschriften unter Vorbehalt. Inzwischen war dann auch der nächste Auftrag von Keela im System:

    PICKUP: ES-NVWI
    TRAILER: DV28484 AND DV28545
    FREIGHT: FURNITURE
    WEIGHT: 37,000 LB
    TO: SC-CAUK
    GATE: 08
    REMARKS: STAA-DOUBLE DOLLY-NO (NV)95862G

    CASA-KRY

    Ich durfte also mal wieder ein Welpen Rudel zähmen. Am Außenlager in Winnemucca stand ein Double mit Möbeln für das Supercenter in Ukiah. Ich machte mich also auf den Weg von der Dole Niederlassung zu dem Außenlager, welches ich eine Viertelstunde später erreichte. Dort stand auch bereits alles für mich bereit.
    Im Bürocontainer konnte ich dann den Papierkram erledigen und anschließend das Double übernehmen. Um vier Uhr hatte ich dann die PTI erledigt und ich machte mich wieder auf den Weg nach Kalifornien.

    Dazu ging es zuerst durch die kleine frühmorgendliche Stadt, bis ich an der Auffahrt zur I-80 ankam. Dort ging es nun wieder in westlicher Richtung auf den Highway. Mit Tempomat 66 rollte ich nun mit den zwei Trailern auf Reno zu. Auf diesem Weg lief es dann ruhig und ohne Probleme. Die größte Kleinstadt der Welt durchquerte ich schließlich zur besten Berufsverkehrszeit zwischen sieben und acht Uhr.
    Bevor ich aber Nevada wieder verließ, hielt ich an der Tankstelle hinter Reno noch mal an und tankte noch einmal 100 Gallonen nach. Auch wenn der Diesel in Nevada nicht allzu günstig war, er war immer noch günstiger, als in Kalifornien.
    Nach dem Tankstopp fuhr ich dann auf den Parkplatz, um erstmal mit Keela zu telefonieren. Dabei rechnete ich die Fahrzeit nach und wir beschlossen, dass ich meine Pause in Sacramento absolvieren würde. Wer weiß, wann ich das nächste Mal die Möglichkeit dazu hatte. Schließlich war im Augenblick so viel zu tun, dass die Dispatcher schon reichlich Spediteure dazu buchen mussten, um alle Ladungen wegzubekommen.
    Nachdem wir aufgelegt hatten, ging ich noch in das Restaurant zum Frühstücken. Gegen zehn Uhr am Vormittag machte ich mich dann wieder auf den Weg.

    Nun ging es in die Berge der Sierra Nevada. Kurz darauf erreichte ich die Grenze nach Kalifornien. Mein Heimatstaat begrüßte mich dann auch damit, dass ich die Waage benutzen musste. Damit hatte ich aber gerechnet. Die STAA Doubles wurden mit Vorliebe über die Waage gezogen, da man immer damit rechnete, dass die zulässigen Gewichte überschritten wurden. Mit meinem Ladungsgewicht von 37.000 Pfund hatte ich aber kein Problem. Da hätte man durchaus noch mehr auf die Trailer packen können. Ich durfte also sofort wieder weiterfahren. Zu meinem Glück wollte niemand meine Fahrzeiten prüfen, die ich mir ja gestern versaut hatte.

    Über die I-80 machte ich mich nun auf den Weg nach Sacramento, wo ich gegen ein Uhr am Mittag ankam. Ich fuhr mit dem Lastzug zum Wenden durch meine Halle und setzte ihn schließlich neben die Halle. Die Halle war ja schon zu kurz, um den Truck mit einem einzelnen Trailer drinnen zu parken. Mit einem Double hatte ich gar keine Chance.
    Nachdem ich alles abgeschlossen hatte, stieg ich in meinen alten Ford und machte mich auf den Weg nach Hause.

    Dort angekommen, war Keela aufgrund ihrer Nachtschicht natürlich im Bett und schlief. Ich wusch mich dann schnell und legte mich anschließend neben sie ins Bett. Kurz darauf kuschelte sie sich an mich. Sie schlief dann aber schnell wieder ein und ich tat dann das Gleiche wie sie.

    Freitag, den 8. Dezember 2017, 7:00 pm, Pacific Standard Time:

    Meine Nachtruhe war heute nicht allzu lang, aber ab und zu muss man da halt mal durch. Der Wecker klingelt eigentlich in erster Linie für Keela, die ja um viertel vor Zehn schon wieder im Büro sein muss. Keela macht dann auch den Wecker aus und kommt dann aber noch mal zu mir. „Willst du noch weiterschlafen?“ flüstert sie mir zärtlich ins Ohr. „Was ist denn die Alternative?“ frage ich verschlafen. „Wenn du mit mir zusammen duschen willst, musst du leider jetzt aufstehen.“ „Dann bleibt mir ja keine Wahl.“ Murmel ich und stehe ebenfalls auf.
    Als ich dann meine Süße zum ersten Mal seit längerer Zeit außerhalb des Bettes sehe, stelle ich fest, dass sie Ihre Lockenpracht wieder in ihren Wuschelkopf zurückgestutzt hat. „Wolltest du deine Haare nicht wachsen lassen?“ frage ich sie verwundert. „Ich habe gesagt, ich könnte das machen. Ich habe nicht gesagt, dass ich es auch mache. Wieso? Gefällt dir das so nicht?“ „Mir gefällt beides. Ich habe dich ja auch so kennengelernt. Ich hätte dich aber auch gerne mal mit langen Haaren gesehen.“ „Da kennst du doch schon Bilder von. Reicht das nicht?“ „In Natura ist das aber immer noch was anderes.“ „Ich denke mal drüber nach.“ Wir verschwinden dann beide im Bad und gehen erstmal zusammen duschen.

    Anschließend ziehen wir uns an und begeben uns dann in die Küche, wo wir zusammen das Abendessen bereiten. Dieses verzehren wir schließlich gemütlich im Wohnzimmer. Nachdem das Abendessen dann auch Geschichte ist, muss sich Keela langsam für die Arbeit fertigmachen. Im Gegensatz zu ihr habe ich noch etwas Zeit. Vor elf Uhr darf meine neue Schicht gar nicht beginnen.
    Nachdem ich mich dann von Keela verabschiedet habe, die Dank des recht milden Dezemberwetters auch jetzt noch mit der Harley zur Arbeit fährt, mache ich mich nun auch fertig.

    Gegen viertel nach Zehn verlasse auch ich unsere Wohnung und fahre auf dem Weg zur Halle noch an einem Neighborhood Market vorbei, bei dem ich noch neue Vorräte für meinen Kühlschrank im Truck kaufe. Pünktlich um elf Uhr am Abend beginne ich dann mit der PTI und eine Viertelstunde später mache ich mich auf den Weg zum Supercenter in Ukiah.
    Mit dem Kenworth und dem Welpen Rudel im Schlepptau fahre ich durch West-Sacramento zur I-80, auf die ich dann in westlicher Richtung auffahre. Es geht also zuerst ein Stück in Richtung San Francisco. Kurz darauf verlasse ich aber die Interstate schon wieder. Nun geht es über die CA-37 weiter, die mich ebenfalls in westliche Richtung führt, aber nördlich der Bay in Richtung San Rafael. Dort geht es nun in nördlicher Richtung auf die I-580, die ich aber kurz darauf gegen die US Route 101 in Richtung Norden tausche. Nun geht es durch die nordkalifornische Landschaft, von der ich in der Nacht aber nicht allzu viel zu sehen bekomme.
    Zwei Uhr ist dann schon eine ganze Zeit vorbei, als ich schließlich in Ukiah von der US 101 abfahre. Über ein paar Ortsstraßen geht es nun zum Walmart Supercenter, wo ich schließlich ziemlich genau um halb Drei ankomme.

    Wie meistens, habe ich mich schon nach Verlassen des Highways per ORBCOMM bei der Dispatch gemeldet, damit ich meinen nächsten Einsatz schon weiß, bevor ich ins Centerbüro gehe. So spare ich mir unter Umständen den zweiten Weg dorthin. Auch heute ist es dann so. Mein nächster Einsatzbefehl von Keela sieht nämlich wie folgt aus:

    PICKUP: SC-CAUK
    TRAILER: CT53756
    FREIGHT: USED PACKAGING
    WEIGHT: 36,000 LB
    TO: ES-MNMN
    GATE: 04
    REMARKS: -----

    CASA-KRY

    In einem Ort, wie Ukiah, wo wir, außer dem Supercenter eigentlich nichts haben, war mir schon fast klar, dass ich gebrauchte Paletten oder Altverpackungen bekommen würde. Dass diese dann aber bis nach Minneapolis gefahren werden sollen, war mir eigentlich nicht klar. Warum auch immer, in diesem Fall war es nun mal so. Der Nachteil dabei war der, dass Altverpackungen nicht unbedingt der Hammer im Frachtpreis waren. Der Tarif lag etwa bei 80 Cent pro Meile. Das war nicht gerade viel. Der Vorteil war dann aber wieder, dass die Tour natürlich nicht eilig war. So konnte ich dann wenigstens mein Tempolimit von 66 mph einhalten, um nicht allzu viel zu verbrauchen.
    Ich ging dann also in das Centerbüro und meldete mich an. Dabei forderte ich auch gleich meine Anschlussfracht ab. Da die Papiere noch nicht ganz fertig waren, musste ich noch etwas warten. Als Ausgleich brauchte ich das Welpen Rudel nicht auseinanderzunehmen. Das sollte dann der nächste City Trucker, der herkam, machen. Mit den frisch erstellten Ladungspapieren ging es dann wieder zurück zum Truck.
    Auf dem Hof standen dann Absatteln, Aufsatteln und die PTI auf dem Programm. Es war dann auch schon drei Uhr, als ich mich wieder auf den Weg machen konnte.

    Da es sich ja wieder um eine lange Tour handelte, bei der ich Keela dann eine ganze Weile nicht sehen würde, entschloss ich mich, meine Pause noch mal in Sacramento zu machen. Es würde zwar nur die kurze Pause werden, aber immerhin die Möglichkeit, meine Süße noch mal zu sehen. An Sacramento würde mein Weg ja ohnehin vorbeigehen.
    So ging es also zuerst den gleichen Weg zurück, den ich auch auf dem Hinweg genommen hatte. Über die Route 101 und die I-580 zurück bis nach San Rafael, dann über die CA-37 zurück zur I-80 und über diese nach West-Sacramento, wo ich die Interstate vorerst verließ. Den Kenworth samt Trailer stellte ich dann für die kurze Pause wieder neben meine Halle.

    Um viertel nach Sechs verließ ich dann den Truck und machte mich auf den Weg nach Hause, wo Keela schon das Frühstück für uns vorbereiten wollte.
    Zu Hause angekommen, frühstückten wir dann gemütlich zusammen. Dabei erklärte mir Keela noch mal, dass sie in diesem Fall gar keine andere Wahl hatte, als mir diese Ladung zu geben. „Wenn wir da nichts Anderes haben, muss ich dir die Ladung geben. An den Supercentern sind die ja auch immer sauer, wenn wir die Altverpackungen nicht mitnehmen, und sie das Zeug da rumliegen haben.“ „Das ist schon klar. Aber macht das überhaupt Sinn, das Zeug quer durch Amerika zu fahren, damit das dann in Minnesota entsorgt wird?“ „Das fragst du am Besten die Manager. Die schließen dann Verträge ab, bei denen der Lieferant verpflichtet wird, die Verpackungen wieder zu entsorgen. Frei nach dem Motto, so habe ich damit nichts zu tun und unsere Umweltbilanz sieht besser aus. Insbesondere in einem Staat, der wie Kalifornien sehr stark auf den Umweltschutz achtet. Dabei ist das ja nur aus den Augen, aus dem Sinn. Dass die alten Verpackungen dabei tausende von Meilen durch das Land gefahren werden, interessiert die Manager nicht.“ „Sind das denn Pfandverpackungen, die mehrfach genutzt werden?“ „Zum Teil ja. Die Meisten aber nicht. Einiges wird gereinigt und wiederverwendet. Den Rest könnte man genauso gut hier in die Müllpresse werfen.“ „Das freut einen ja zu hören, dass man eigentlich völlig unsinnig durchs Land fährt.“ „Immerhin verdienst du etwas Geld damit. Zwar nicht viel, aber besser, als nichts.“
    Die restliche Zeit unterhielten wir uns aber über angenehmere Themen. Am Liebsten wäre ich ja jetzt auch zu Hause bei Keela geblieben. Da ich aber noch zu viel Fahrzeit übrighatte, machte es noch keinen Sinn zu Hause die lange Pause zu machen. So musste ich dann um viertel nach Acht wieder los, damit ich um halb Neun an meiner Halle wieder weiterfahren konnte. Den Ford parkte ich wieder in der Halle, dann konnte ich mich wieder auf den Weg machen.

    Um diese Zeit, wo in Sacramento der Berufsverkehr noch im vollen Gange war, dauerte es aber erstmal, um überhaupt vom Hof zu kommen und schließlich wieder auf einen Highway zu genlangen. Ich wählte dann zuerst die I-5 in Richtung Norden, weil ich hier schneller hinkam, als direkt zur I-80 zu fahren. Der Weg über das Kreuz war dann schneller. Nun ging es aber wieder über die I-80 in die Sierra Nevada. Dort verschwand dann auch schnell wieder die kalifornische Sonne, die mich in Sacramento noch begleitet hatte. Dafür kam ich nun wieder in trübes Wetter, was mich schließlich auch nach Nevada begleitete.


    Nach der Staatsgrenze beschleunigte ich nun wieder auf 66 mph, was nun wohl für die nächsten Tage wieder mein übliches Tempo werden würde.
    An diesem Tag passierte ich dann noch Reno. Viel weiter kam ich mit meiner Fahrzeit aber nicht mehr. An der Wiegestation, die dann ein Stück nach der Stadt an der I-80 kam, sagte mein Transponder zwar, dass ich ohne Wägung passieren durfte, mein E-Log war aber der Meinung, dass ich meine Fahrzeit für diese Schicht langsam beenden sollte. Ich fuhr also trotzdem von der Interstate auf die Wiegestation und fuhr dann auf den Parkplatz hinter der Waage, der für die Kontrollen gedacht war. Dort machte ich dann für diese Schicht Feierabend.
    Da ich am Vortag ja schon nicht viel Schlaf bekommen hatte und auch bei meiner kurzen Pause nicht zum Schlafen gekommen bin, legte ich mich nun recht schnell in die Koje und schlief auch recht schnell ein.

    Samstag, den 9. Dezember 2017, 10:30 pm, Pacific Standard Time:

    Was in den nächsten Tagen auf mich zukommen würde, war mir schon klar, bevor mein Wecker mich wieder aus meinen Träumen holte. Schließlich war ich nicht das erste Mal auf dem Weg nach Minnesota. Das letzte Mal hatte mich Keela ja sogar in ihre frühere Heimat begleitet. Dass ihr während der Tour des Öfteren mal langweilig war, lag dann an dem, was mir nun auch wieder bevorstand. Eine lange Strecke durch größtenteils eintönige und langweilige Gegenden, die den Mittleren Westen der USA nun mal ausmachten. Es gab dort Weite in Hülle und Fülle. Daher war es dann auch egal, ob man dort am Tage oder in der Nacht unterwegs war. Allzu viel zu Sehen gab es dort eh nicht. Abgesehen davon ging die Tour ja auch nur über zwei Interstates.

    Nachdem ich mich ja in dieser Pause wieder ausschlafen konnte, stand ich nun gut erholt wieder auf. Die Cops und die Jungs von der DOT hatten mich auch brav in Ruhe gelassen. Schließlich hatte mir mein Transponder ja eigentlich grünes Licht gegeben. Die Toiletten auf dem Platz der Weigh Station standen natürlich auch den Truckern zur Verfügung. Daher nutzte ich diese jetzt auch als Erstes. Im Anschluss setzte ich dann den Kaffee für die Nachtschicht auf und erledigte die Körperpflege aus dem Wasserkanister. Pünktlich um viertel vor Elf Uhr begann ich dann wieder mit der PTI, die ich hier, auf dem Gelände der DOT auch ordnungsgemäß mit allen Kleinigkeiten durchführte. Daher brauchte ich heute auch die volle Viertelstunde, die dafür angesetzt war. Danach machte ich mich dann wieder auf den Weg in Richtung Osten.

    Die nächsten Stunden ging es nun durch Nevada. Danach folgte dann der Grenzübertritt nach Utah, wobei ich dann auch mal wieder die Zeitzone wechselte. Um halb Sieben, Mountain Standard Time, fuhr ich zur kurzen Pause auf die schon bekannte Rest Area Grassy Mountain. Dort hielt ich mich dann zwei Stunden für ein gemütliches Frühstück mit anschließendem Verdauungsschläfchen auf.
    Um halb Neun ging es also dementsprechend weiter. Nun ging es auf Salt Lake City zu, wo ich aber nur dran vorbeifuhr.

    Meine Tankuhr gab mir dann aber das Signal, meine Tanks mal wieder zu füllen. Das ging in Utah auch erheblich günstiger, als in Kalifornien oder Nevada. Dazu fuhr ich dann auch mal wieder auf den bekannten Truckstop in Park City, UT, wo ich auf der Tour mit Keela auch auf Hin- und Rückweg getankt hatte. Als ich beim Tanken auf die Daten des E-Log schaute, entschied ich mich dann spontan dazu, hier auch gleich Feierabend zu machen. Ich hätte jetzt allenfalls noch etwas über zwei Stunden fahren dürfen. In dieser Zeit kam dann in meiner Richtung aber nichts Vernünftiges, um dort stehen zu bleiben. Da ich keinen großen Zeitdruck hatte, der es erforderlich gemacht hätte, die Fahrzeit voll auszunutzen, fuhr ich den Kenworth nur noch auf den Parkplatz und machte dort Feierabend.

    Eigentlich wollte ich dann mit Keela telefonieren. Eine WhatsApp von ihr gab mir dann aber an, dass sie sich diesen Sonntag für eine Motorradtour entschieden hatte. Sie wollte heute mal mit der Harley an die Küste und sich heute zumindest vom Weiten die Wellen des Pazifik anschauen. Ich verschob das Telefonat dann auf den Abend, da ich ja durch den Frühen Feierabend sowieso schon wieder um acht Uhr, kalifornischer Zeit, Schichtbeginn hatte. Ich nutzte dann noch den Sanitärbereich und das Restaurant des Truckstop und legte mich anschließend in meine Koje. Meine Nachtruhe begann ja im Moment am Mittag.

    Sonntag, den 10. Dezember 2017, 7:00 pm, Mountain Standard Time:

    Ich stand dann etwas früher auf, als ich eigentlich musste, um noch genug Zeit zu haben, mit Keela zu telefonieren. Bevor ich das tat, nutzte ich aber noch mal die Sanitäranlagen des Truckstop. Während dann im Truck der Kaffee für die Schicht durchlief, wählte ich dann die Nummer meiner Süßen und telefonierte fast eine ganze Stunde mit ihr. Um neun Uhr konnte ich dann mit der PTI beginnen und eine Viertelstunde später den Weg in Richtung Wyoming in Angriff nehmen. Es ging also gemütlich weiter über die I-80 in Richtung Osten. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis ich Utah den Rücken kehrte und über die Grenze nach Wyoming kam. Dabei war die Strecke anfangs noch recht bergig, später wurde sie aber immer Flacher und es kamen vor Allem immer mehr Gefälle, um aus den Bergen in die Ebene bei Cheyenne zu kommen.
    Um zwei Uhr in der Frühe machte ich dann beim Akal Travel Center in der Nähe von Laramie, WY den Zwischenstopp für meine kurze Pause. Zum Glück waren es die Angestellten in den Truckstops gewohnt, dass die Fahrer auch mitten in der Nacht ihre „Mittagspause“ machten und hatten auch zu solchen Zeiten immer leckere und warme Gerichte für die Trucker im Angebot. Nach dem anschließenden Verdauungsschlaf ging es gegen vier Uhr, Mountain Standard Time weiter in Richtung Osten.

    Die mit rund 64.000 Einwohnern recht kleine Hauptstadt des Staates Wyoming passierte ich dann zu einer Zeit, als die meisten dieser Einwohner vermutlich noch gemütlich im Bett lagen. Viel Verkehr gab es hier an diesem sehr frühen Morgen auf jeden Fall nicht. Nun dauerte es auch nicht mehr allzu lange, bis ich über die nächste Staatsgrenze nach Nebraska fuhr. Wie ich inzwischen bereits wusste, kam dann die Grenze der Zeitzone erst eine ganze Weile später.
    Den Rest meiner Schicht verbrachte ich nun auf der I-80 in Nebraska. Es dauerte schließlich recht lange, diesen Staat zu durchqueren. Das würde ich auch in dieser Schicht nicht mehr schaffen können. Ich reizte meine Fahrzeit heute aber im Gegensatz zum Vortag richtig aus und machte schließlich um viertel nach Elf, Central Standard Time, am Pilot Truckstop in Elm Creek, NE Feierabend.
    Dort ging ich erst in Ruhe duschen und aß anschließend noch etwas im Restaurant des Truckstops. Zurück im Truck, folgte dann das obligatorische Telefonat mit Keela, das um diese Zeit gut passte, da Keela diese Woche dann Spätdienst hatte. Dabei teilte sie mir mit, dass ich meinen Reset, wie bereits vermutet, im Haus meiner zukünftigen Schwiegereltern machen würde. Warum sollte ich auch im Hotel oder im Truck schlafen.
    Nachdem wir dann aufgelegt hatten, legte ich mich dann in mein Bett und schlief auch recht schnell ein.

    Montag, den 11. Dezember 2017, 8:30 pm, Central Standard Time:

    Während viele andere Kollegen gerade erst Feierabend gemacht hatte, begann für mich schon wieder der nächste Arbeitstag. Nach dem Aufstehen folgte dann der übliche Ablauf mit Duschen, Kaffeetrinken und der PTI. Mit Keela brauchte ich im Moment noch nicht zu telefonieren. Sie befand sich ja noch mitten in ihrer Spätschicht. Um halb Zehn hatte ich dann meine PTI beendet und mich wieder auf den Weg in Richtung Minneapolis gemacht. Dazu ging es erst mal wieder auf die I-80 in Richtung Osten.
    Dabei merkte ich, dass langsam der Winter kam. Die Temperaturen am späten Abend lagen hier nur noch um den Gefrierpunkt. Zum Glück war es momentan dabei trocken. Trotzdem befürchtete ich, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Kenny seinen ersten Schnee sehen würde.
    Der Abend war dann schon weiter fortgeschritten, als ich nach der Durchfahrt von Omaha den Missouri überquerte und somit nach Iowa kam. Es ging dann aber weiter über die I-80 in Richtung Osten über die ich mich jetzt mit großen Schritten auf Des Moines zubewegte. Da es während der abendlichen Fahrt auf der I-80 durch Iowa recht ruhig war, schrieb ich Keela während der Fahrt eine Kurze Nachricht, in der ich sie fragte, wie lange ich sie anrufen dürfte. Als Antwort bekam ich dann die Nachricht: „Ich bin noch nicht allzu müde. Außerdem war viel los. Ich muss erst noch etwas runterkommen, bevor ich mich hinlege. Schreib mir gleich, wenn du stehst. Wenn ich noch wach bin, rufe ich dich noch an. K.“ Es war dann etwa halb drei in der Nacht, als ich dann Des Moines erreichte. Dort fuhr ich dann von der Interstate und machte dann an einem kleinen Parkplatz in einem Industriegebiet meine Pause.

    Da es in Kalifornien jetzt halb Eins war und Keela somit erst zwei Stunden zu Hause war, schrieb ich ihr eine Nachricht, dass ich jetzt stehen würde und Zeit hätte, mit ihr zu telefonieren. Dann wartete ich, ob mein Telefon klingeln würde.

    Keela rief an und wir telefonierten eine ganze Weile lang. Viel Neues hatte sie eigentlich nicht zu berichten. Ihr war allerdings aufgefallen, dass Danny im Moment sehr gut drauf war. Die Gerüchteküche bei Walmart, Sacramento deutete darauf hin, dass sich was zwischen Danny und Gina Lion entwickelt hatte.
    Auch wenn Danny und ich am Anfang ein paar berufliche Probleme hatten, verstanden wir uns seit einiger Zeit sehr gut und ich freute mich für ihn, dass es offensichtlich gut für ihn lief.
    Keela sagte mir dann noch, dass sie mir die Handynummer von Eireen, ihrer Mutter schicken würde, weil sie am kommenden Vormittag wohl die Einzige war, die Zeit hatte, mich abzuholen. In Saint Paul war der Winter angekommen und die Ryan Männer hatten reichlich damit zu tun, Die Bauwerke zu und dicht zu bekommen, damit der Frost und die Feuchtigkeit nicht zu sehr in die neuen Gebäude eindringen konnte. Auch im Tiefbau mussten die Leute zusehen, dass sie bei ihren Baustellen so weit, wie möglich kamen, bevor der Bodenfrost die Arbeiten verzögerte.
    In einem Nebensatz erwähnte Keela, dass ihre Mutter hoffentlich nicht zu viel mit der „Foundation“ zu tun hatte. Worum es sich dabei handeln sollte, wusste ich allerdings nicht.
    Der Rest des Telefonates war dann eher privater Natur. Sie vermisste mich schon wieder genauso, wie sie mir fehlte. Außerdem beneidete sie mich, dass ich ihre Familie und ihre Freundin Stella sehen würde, während sie alleine in Kalifornien war.
    Nach dem Telefonat machte ich mir noch etwas zu essen und legte mich anschließend noch in die Koje, um noch etwas zu schlafen.

    Gegen halb Fünf am frühen Morgen machte ich mich dann in Des Moines auf den Weg zur I-35, über die ich nun weiter in die Twin Cities fahren wollte. Als ich losgefahren war, stellte ich auf dem Thermometer fest, dass es noch etwas kälter geworden war. Nun ging es dann auch noch in den Norden. Damit kam ich dem Winter noch näher.
    Eine Stunde später begann es dann tatsächlich zu schneien. Da ich in Sacramento aufgewachsen war, hatte ich zu Hause nicht allzu oft Schnee. Allerdings schneite es öfter in der näheren Umgebung, der Sierra Nevada. Trotzdem hatte ich bisher keine Erfahrung, wie sich ein Lastzug bei so einem Wetter verhielt. Es war ja doch ein Unterschied, ob man bei so einem Wetter mit einem Taurus oder einem 18 Wheeler unterwegs war. Zum Glück hatte ich gute Reifen. Entsprechend vorsichtig fuhr ich nun über die I-35. Langsam gewöhnte ich mich aber an das veränderte Fahrverhalten des Sattelzugs.
    Es war dann acht Uhr durch, als ich dann endlich in den Bereich der Twin Cities kam. Meine Schneeketten, die mir Rick besorgt hatte brauchte ich heute aber nicht. So viel Schnee lag dann auch nicht. Es wurde aber langsam hell, als ich in Minneapolis den Highway verließ.

    Nun ging es durch den Berufsverkehr durch die Stadt. In Kalifornien wäre jetzt bei dem Wetter wahrscheinlich das totale Chaos auf den Straßen. In Minnesota konnten die Leute aber schon recht gut im Winter fahren.
    Um viertel vor Neun erreichte ich schließlich das Außenlager, wo ich den Trailer mal wieder in die hinterste Ecke setzen musste. Dort standen nun mal die Müllpressen.
    Nachdem ich den Trailer abgestellt hatte, war dann auch, wie erwartet die folgende Meldung im Display:

    35 H BREAK

    CASA-DSN

    Eine andere Meldung wäre aufgrund meiner fortgeschrittenen Fahrzeit auch nicht mehr möglich gewesen. Nun meldete ich mich bei Eireen. Ich sollte dann den Truck wieder auf den Hof von Ryan Constructions stellen, wo er auch schon Thanksgiving gestanden hatte. Dort würde ich dann abgeholt.

    Als ich auf dem Platz ankam, war Pat noch auf dem Hof zugange. „Du hast uns hier auch noch gefehlt.“ Sagte er zu mir, zwinkerte mir aber auch aufmunternd zu. Es war also nicht ganz so ernst gemeint. Er zeigte mir, wo ich heute parken sollte und ich stellte die Maschine dort hin. Nachdem ich alles erledigt hatte, quatschte ich noch ein paar Minuten mit Pat. „Wieso habe ich euch hier noch gefehlt?“ wollte ich wissen. „Weil wir alle Arbeit ohne Ende haben. Nichts gegen dich, Marc. Du bist uns tausendmal lieber, als wenn mein Schwesterchen sich so einen Managertypen geangelt hätte. Nur im Moment sind wir alle voll eingespannt und können uns nicht auch noch um dich kümmern.“ „Deine Mutter wird ja etwas Zeit haben. Sie arbeitet ja nicht bei Ryan Constructions mit.“ „Dafür ist sie in der Adventszeit viel in der Foundation beschäftigt.“ Da war das wieder mit der "Foundation.“ „Was ist das denn für eine Foundation? Irgendwas hat Keela schon mal erwähnt.“ „Es geht da um die Ryan Foundation. Du weißt ja, dass unsere Eltern streng katholisch erzogen wurden. Da ist Nächstenliebe natürlich sehr wichtig. Unsere Eltern stammen ja aus dem Arbeitermilieu. Als sie aufgewachsen sind, hatten sie nicht viel. Als es ihnen dann finanziell gut ging, kam unserer Mutter die Idee, von dem Geld auch was für einen guten Zweck zu tun. Dafür hat sie diese Stiftung gegründet. Das meiste sind dabei Sachspenden. Wir haben schon Spielplätze an Kindergärten, Schulen oder Waisenhäusern gebaut. In der Adventszeit wird aber auch Geld gespendet. Außerdem spielt Dad in den Waisenhäusern auch schon mal Santa Claus. Die Figur hat er ja schon. Nur beim Bart sind noch zu viele rote Haare zwischen.“ Lachte Pat. Im Moment ist Mom jeden Nachmittag woanders und hilft mit der Foundation oder übergibt den einen oder anderen Scheck.“ „Wieso habt ihr das noch nicht erzählt?“ „Wir geben da nicht mit an, wir machen das einfach. In den Twin Cities ist das, Dank der Lokalpresse natürlich bekannt.“ Ich war erstaunt und beeindruckt. In diesem Moment kam Eireen dann auch mit ihrem Buick auf den Hof und holte mich ab.

    Zu Hause bei den Ryans erwartete mich natürlich erstmal ein üppiges Frühstück. Während ich noch aß, sagte Eireen zu mir: „Heute und Morgen bin ich am Nachmittag leider schon unterwegs. Ich habe im Moment viele Termine.“ „Für die Foundation?“ „Du weißt davon?“ fragte Eireen erstaunt. „Keela hatte sie nur mal im Nebensatz erwähnt. Pat hat mir dann auf meine Nachfrage gesagt, was es damit auf sich hat.“ „Wir reden da nicht gerne drüber, wir lassen lieber Taten statt Worte sprechen.“ „Verstehe.“ „Ich weiß nur nicht, was wir dann mit dir machen.“ Meinte Eireen mit gerunzelter Stirn. „Heute Nachmittag hat Alice noch Zeit, mit dir was zu unternehmen. Morgen kann sie aber auch nicht.“ „Das macht nichts. Ich muss ja morgen Abend schon wieder los. Da werde ich morgen Nachmittag schlafen.“
    Das hatte ich heute eigentlich auch vor. Die Aussicht auf einen Nachmittag mit meiner hübschen zukünftigen Schwägerin änderte allerdings meinen Plan. Auch wenn das Keela wahrscheinlich nicht gefallen würde. Auf Alice war sie ja sehr eifersüchtig. Sie mochte sie ja schon nicht sonderlich als Freundin ihres Lieblingsbruders. Als Gesellschafterin für mich würde ihr das noch weniger gefallen, da sie wusste, dass Alice eigentlich genau mein Typ war, im Gegensatz zu Keela selbst, die optisch ja eigentlich gar nicht meinem Typ entsprach, die mich aber mit ihrer ganzen Art verzaubert hatte.

    Nach dem Frühstück setzte ich mich wieder eine ganze Zeit mit Eireen zusammen, die mir wieder Geschichten von Keela erzählte, die meiner Süßen garantiert wieder mal peinlich gewesen wären. Auch die Fotoalben kamen mal wieder zum Vorschein. Wobei ich die Kinderbilder von Keela mit ihren Sommersprossen und den rotblonden Löckchen sehr süß fand.
    Als Eireen sich dann um das Mittagessen kümmerte, ging ich in der Zeit in Keelas altes Zimmer, wo ich wieder übernachten sollte. Dort legte ich mich dann noch mal ein Stündchen hin und ruhte mich aus.

    Nach dem Mittagessen verbrachte ich dann die Zeit mit der hübschen Alice, die mich mit ihren dunkelbraunen Augen und den langen dunkelbraunen Haaren und der sonnengebräunten Haut wieder voll in Ihren Bann zog. Ich merkte dabei auch, dass wir beide uns immer sympathischer wurden. Die Basis, dass sie mit dem Bruder meiner Freundin zusammen war, machte die Sache auch wesentlich entspannter. Wir erwarteten nichts von dem Anderen und konnten uns beide zwanglos geben.
    Alice hatte sich dann überlegt, mich mit in ihren Fitnesstempel zu nehmen, wo sie regelmäßig zum Sport hinging. Auch ein großer Wellnessbereich gehörte dazu. Bei den Sportsachen, die ich jetzt nicht mithatte, durfte ich mich dann bei den Sachen von Liam bedienen, der in etwa die gleiche Größe und Figur hatte, wie ich.
    Alice und ich powerten uns dann bei den Geräten erstmal ordentlich aus. Auch dabei machte sie eine ausnehmend gute Figur. Schließlich durfte ich sie im Wellnessbereich noch im Bikini bewundern, als wir uns im Wasser des Pools aalten. Gerade dabei konnte ich dann kaum den Blick von ihr nehmen. Ich musste mich dann ab und zu selber wieder zur Vernunft rufen und mir klarmachen, dass ich mit Keela und sie mit Liam zusammen waren. Gut, dass die Ryan Geschwister das nicht mitbekamen. Alice merkte es wohl schon und sie genoss die Blicke, die ich ihr zuwarf. Das irritierte mich zusätzlich.

    Am Abend kamen wir dann wieder pünktlich zum Essen bei den Ryans an. Da ich danach schon eine ganze Weile auf war, ging ich dann in Keelas Zimmer und legte mich hin. Keela schrieb ich nur noch eine Kurze Nachricht, in der ich ihr auch die Grüße der ganzen Familie ausrichtete und ihr kurz schrieb, wie ich den Tag verbracht hatte. Dabei entdeckte ich dann zu meiner Überraschung noch eine Nachricht von Alice auf meinem Handy, die sich die Nummer von der Familie besorgt haben musste: „Das war heute ein sehr schöner Tag mit dir. Das können wir sehr gerne wiederholen. Ganz liebe Grüße. Alice.“ Als ich diese Nachricht gelesen hatte, wusste ich nicht wirklich, was ich davon halten sollte.

    Mittwoch, den 13. Dezember 2017:

    Den Mittwochmorgen verbrachte ich dann erst beim gemeinsamen Frühstück im Familienkreis der Ryans, dass sich dann schnell auflöste, weil Angus, Pat und Ken auf ihre Baustellen mussten. Liam und Alice hatten sowieso in ihrer Wohnung gefrühstückt. Aber auch die Beiden mussten früh los. Alice ins Büro und Liam zum Collage. Den weiteren Morgen verbrachte ich dann wieder mit Eireen, bis sie sich wieder um das Mittagessen kümmern wollte.
    In der Zeit setzte ich mich an den Computer und surfte etwas im Netz. Dabei schaute ich in erster Linie nach Autos und Motorrädern. Bei den Bikes wurde ich aber nicht so wirklich fündig. Entweder waren sie für meinen Geschmack schon zu aufgemotzt oder nicht mehr in einem wirklich guten Zustand, weil sich die Vorbesitzer mit ihnen langgemacht hatten.
    Bei den Autos sah die Sache schon anders aus. Mein Favorit war inzwischen ein Mustang der fünften Generation. Vorzugsweise ein GT oder Shelby mit dem entsprechenden V8. Da gab es inzwischen auch schon gute Fahrzeuge zu einem akzeptablen Preis, ohne dass die Fahrzeuge verbastelt waren.
    Das Problem war auch inzwischen nicht mehr, so ein Fahrzeug zu bekommen, sondern eher, den Taurus noch loszuwerden. Wie Keela schon meinte, wenn sie mich mal wieder wegen dem Taurus aufzog, das Teil könnte ich auch zwei Stunden mit steckendem Schlüssel in die schlimmste Ecke von LA oder Frisco stellen und der wäre hinterher immer noch da. Wenn ich mit dem Taurus aber nicht noch etwas Geld reinholte, konnte ich mir auch den Mustang abschreiben. Da hatte ich im Moment kein Geld für.
    Ich verdiente zwar genug, um die Raten für den Truck zu bezahlen und von dem Rest leben zu können, ich machte im Moment aber noch nicht genug Umsatz, um größere Rücklagen bilden zu können. Das Bisschen, was überblieb, musste ich für Notfälle zurücklegen. Sonst stand ich bei einem Schaden da und war direkt pleite. Außerdem ging der Winter gerade mal los. Wer garantierte mir, dass ich nicht irgendwo einen Unfall bekommen würde. Dann musste ich auch wenigstens die Selbstbeteiligung und Rücklagen für einen Leihwagen haben.

    Schließlich war es dann Mittag. Das Mittagessen gab es dann heute mal wieder im kleinen Familienkreis. Pat und Ken bleiben auf ihren Baustellen, Auch Liam und Alice kamen nicht zum Essen. Also saß ich alleine mit Angus und Eireen am Tisch. Eine Situation, die ich gerne vermieden hätte, da irgendwann die obligatorischen Fragen kamen. Wann Keela und ich denn vorhätten zu heiraten, ob und wann wir Kinder wollten und natürlich, wie ich mir meine Zukunft in Bezug auf meine Firma vorstellte. Ob ich Owner Operator mit einer Maschine bleiben wollte, oder ob ich vorhätte, zu expandieren.
    Auf keine der Fragen fiel mir eine befriedigende Antwort ein. Keela und ich hatten unsere Beziehung noch nicht so weit geplant. Die Antwort, dass wir ja immerhin schon zusammengezogen sind, stellte meine erzkatholischen Schwiegereltern auch nicht gerade zufrieden. Auch für die Planung mit der Firma konnte ich so nicht beantworten. Dazu konnte ich auch nur sagen, dass im Moment weder das Geld für einen weiteren Truck, noch das Geld für den Bau einer größeren Halle, mit Platz für mehrere Zugmaschinen da wäre.
    Dazu sagte mir Angus, dass er mir gerne eine Halle bauen würde, aber dass Ryan Constructions momentan schon in Minnesota genug zu tun hätte und er keine Kapazitäten für einen Bau in Sacramento mehr hätte. Da Keela auch extra wegen der Nähe zum Pazifik nach Kalifornien gezogen war, würde es auch nichts bringen, eine Halle in Minneapolis oder Saint Paul zu bauen.

    Nach dem Mittagessen fuhr Angus dann wieder auf seine Baustelle und Eireen machte sich fertig, weil sie heute wieder eine Spende übergeben wollte. Heute würde die Foundation bekanntgeben, dass im kommenden Frühjahr eine neue Sporthalle für eine High-School in Minneapolis errichtet würde, weil die alte Halle aufgrund einer Asbestbelastung abgerissen werden musste. Das Geld dafür stammte natürlich nicht nur von den Ryans. Es war im großen Steel gesammelt worden. Nun war genug Geld für die Halle zusammengekommen und Ryan Constructions würde die Halle im Frühjahr bauen. Es ging dann heute nur um die Verkündung, aber diese wurde wieder groß von der Lokalpresse und den einheimischen Rundfunkanstalten übertragen.
    Als Keelas Mutter dann bereit war, das Haus zu verlassen, sah sie für Ihr alter ebenfalls noch umwerfend aus. Sie ähnelte Keela von den Gesichtszügen unwahrscheinlich. Nur eben entsprechend älter. Allerdings hatte Eireen lange, blonde Haare und nicht die rotblonde Lockenmähne ihrer Tochter.
    Nachdem ich dann alleine im Haus der Ryans war, ging ich wieder in Keelas Zimmer und legte mich ins Bett. Am Abend musste ich ja wieder losfahren.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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