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ETS - Kapitel 142 - Auf zu neuen Geschäftsfeldern

  • Nachdem nun aus geplanten zwei Wochen Urlaub vier geworden waren, kamen wir Anfang Oktober zurück nach Deutschland. Aber zum Glück, konnten wir uns solche spontanen Urlaubsverlängerungen leisten, da ich mich felsenfest auf meine Mitarbeiter verlassen konnte. So war es auch nicht verwunderlich, dass es am ersten Tag im Büro keine Katastrophen gab, die mir gebeichtet wurden. Im Gegenteil, die Geschäfte liefen sehr gut und eigentlich hätten wir noch genug Frachten gehabt um den Fuhrpark locker noch um einige Trucks aufstocken zu können. Aber für dieses Jahr waren von meiner Seite keine Erweiterungen geplant. Somit gingen etwas mehr Frachten an unsere Subunternehmer, auf die wir uns aber auch verlassen konnten. Die meisten waren Selbstfahrer mit eigener mehr oder weniger aufwendig hergerichteter Zugmaschine. Dies zeigte sich beim Blick auf die üblichen Truckspotter Seiten, wo neben unseren eigenen Fahrzeugen auch hin und wieder Fotos von Subunternehmer Fahrzeugen auftauchten. Aber das Gros der Fotos im Netz waren doch eigene Fahrzeuge.

    So ging der „Faith Hill“ Scania einen Spotter in der Gegend um Piatra Neamt in Rumänien ins Netz.



    Sylvia ging mit Ihrem geliebten Actros an einer Mautstation in Italien einem Spotter in die Fotofalle.



    Und Bea war noch nicht einmal richtig auf dem Rastplatz in der Schweiz angekommen, als es schon Klick machte.



    Mit dem Wissen, dass im Büro, der Werkstatt und im Logistikzentrum alles zu meiner vollsten Zufriedenheit lief, konnte ich mein eigenes Fernweh befriedigen. Natürlich in Begleitung meiner besseren Hälfte. Vanessa blieb derweil bei Ihren Großeltern, die Ihre Enkelin wahrscheinlich wieder hemmungslos verwöhnen würden.

    Den Anfang machte eine Tour auf meine Lieblingsinsel. So etwas kam eben dabei raus, wenn man den Mädels im Büro überließ einen Rundlauf für uns zu planen. Da wird man eben gleich mal nach Schottland gescheucht. Zum Glück war die Fähre rüber auf die Insel kein Britisches Schiff und das Essen dementsprechend genießbar. Und da die Strecke nach Edinburgh und wieder zurück zum Fährhafen in einem Rutsch zu schaffen war, blieben wir von den kulinarischen Köstlichkeiten verschont. Dafür gingen auch wir einem Spotter ins Netz, der uns beim Fahrerwechsel an der Schottischen Grenze erwischte.



    Wieder auf dem Festland angekommen, ging es weiter Richtung Südosten. Das Schottische Lammfleisch sollte nach Szeged in Ungarn. Über die Niederlande, Deutschland und Österreich ging es die nächsten Tage nach Ungarn. Von dort aus sollte es dann heimwärts gehen, was auch gar nicht so schlecht war, hatte sich doch für die letzte Oktoberwoche hoher Besuch angekündigt. Benny wollte dringend mit mir reden.

    Auf dem Rückweg von Ungarn erwischte ein weiterer Spotter meinen Scania. Diesmal bei einem Tankstopp in der Nähe von Budapest.



    Wieder zurück in der Heimat war das Fernweh vorerst gestillt, was für den Scania wieder Dornröschenschlaf in der Halle bedeutete. Wer weiß, wann der mal die hunderttausend knacken würde.

    Dafür hatten andere Trucks inzwischen Laufleistungen erreicht, die in anderen Firmen die Ausmusterung bedeuteten. Aber zum einen setzten wir bei Fahrzugzukäufen in letzter Zeit eh vermehrt auf Gebrauchtware und zum anderen weigerten sich die entsprechenden Fahrer hartnäckig ihre Trucks abzugeben. So wollte Bea von einem neuen Truck nix wissen und auch Sylvia wollte Ihren Actros partout nicht rausrücken. Auch die Oldiefahrer, die mit MAN TG-A oder Scania 4er unterwegs waren, hatten bei diesem Thema auf einmal ein Rauschen und Pfeifen im Ohr. Das Ganze war aber insofern verständlich, da keiner der Trucks noch im Originalzustand war. Die Innenräume waren nach Fahrerwunsch umgebaut und an der Technik alles getan um die Trucks auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten. Außerdem zeigte auch noch keiner der Trucks irgendwelche Alterswehwehchen.

    In der letzten Oktoberwoche kam dann der Besuch aus Schweden, in Form meines ehemaligen Chefs Benny. Nach ein wenig allgemeinem Smalltalk kam er auf den eigentlichen Grund
    seines Besuchs zu sprechen. Es ging um die Scania Niederlassung in Dresden, die mittlerweile einen katastrophalen Ruf bei Spediteuren und Fahrern hatte. Unfreundlich, Inkompetent und Überheblich, waren die Schlagwörter, mit denen Benny den Laden beschrieb, weshalb man sich in der Zentrale dazu entschlossen hatte den Vertrag vorzeitig zum Jahresende zu kündigen. Allerdings wollte man bei Scania den Standort Dresden nicht aufgeben und suchte nun nach einem neuen Betreiber und dabei hatte Benny an mich gedacht.

    Ich hingegen war nicht sofort Feuer und Flamme für die Idee. Auf der einen Seite wäre ein weiteres Geschäftsfeld für die EPT Group bestimmt nicht verkehrt. Auf der anderen Seite stand die Frage, wer sollte den Laden schmeißen. Das bestehende Personal konnte ich ja schlecht übernehmen, da die ja Teil des bisherigen Problems waren. Aber von meinem bisherigen Büroteam konnte ich auch keinen entbehren, zumal da auch keiner Erfahrung im Verkauf hatte. Somit erbat ich mir eine gewisse Bedenkzeit bei Benny und setzte für den nächsten Tag ein Meeting an, wo ich die mögliche Übernahme der Niederlassung mit den Bürodrachen besprechen wollte.

    Am nächsten Tag saßen Isabelle, Jana, Claudia und ich im Konferenzraum und diskutierten die Idee. Außerdem waren noch Marco und Philipp, die beiden Werkstattleiter anwesend. Sie waren begeistert von der Idee, da unsere eigene Werkstatt, durch Wartung Reparatur und Customizing, inzwischen an der Kapazitätsgrenze arbeitete, wäre eine zweite Werkstatt in der Niederlassung ideal. Das Argument war einleuchtend, änderte aber noch nichts am Grundproblem. Wer sollte die Niederlassung betreuen?

    Die Lösung warf schließlich Claudia in den Raum, in dem Sie erzählte, dass Ihr Freund bei MAN im Verkauf arbeitete, dort aber nicht mehr glücklich war und einen neuen Wirkungskreis suchte. Fünf Minuten später hatte Sie ihn am Telefon und fragte ihn, ob er Interesse an einem neuen Job hätte.

    Für den nächsten Tag war ein persönlicher Termin mit René, Claudias Freund, ausgemacht. Kurz vor elf betrat er das Gebäude und es war amüsant Claudia dabei zu beobachten. Die sonst so professionelle Geschäftsfrau tigerte, während ich mit René sprach, nervös auf dem Büroflur entlang. Claudia hatte nicht zu viel versprochen. René war kompetent, hatte ein freundliches Auftreten und auch sonst gab es nichts auszusetzen. Das er im Moment noch nicht alle Details der Scania Modellpolitik kannte, war verschmerzbar und würde sich sicher schnell ändern. Von meiner Seite aus hatte ich das gute Gefühl einen sehr guten neuen Mitarbeiter gefunden zu haben und als Claudia sah, dass René und ich uns einig waren, stürzte Sie herein und fiel Ihm um den Hals. Der „Eisdrachen“ war aufgetaut.

    Benny war natürlich auch hoch erfreut, als ich Ihm meinen Entschluss zur Übernahme mitteilte. Somit war klar, dass EPT ab 2018 auch im Fahrzeughandel tätig sein würde. Diese Neuigkeit wurde auch gleich bei den anstehenden Lackierarbeiten an einigen neuen Trailern für die Vermietflotte berücksichtigt. Und schon ein paar Tage später gingen zwei dieser Fahrzeuge Truckspottern ins Netz.

    Zum einen erwischte es einen unserer Actros der im Bereich Trailertrucking tätig war und ausnahmsweise mal einen firmeneigenen Auflieger durch die Gegend zerrte.



    Zum anderen war diesmal einer unserer Dänischen Subunternehmer fällig, der mit bei seiner Pause in der Nähe von Saratov in die Fotofalle tappte.



    Den Rest des Jahres herrschte dann an allen Fronten ruhiges Treiben und EPT blieb von Katastrophen oder Ungemach verschont. Schon Ende November war abzusehen, dass 2017 das mit Abstand beste und ruhigste Geschäftsjahr von EPT werden würde.

    Während der letzten Wochen des Jahres bekam mein Scania noch hin und wieder mal ein wenig Auslauf, aber meist nur um den erweiterten Kirchturm herum. So war es auch schwierig für Truckspotter ein Bild von meinem Truck zu knipsen. Dafür tauchten Bilder von anderen Fahrzeugen auf den einschlägigen Seiten auf.

    Sogar im eigenen Logistikzentrum waren die Trucks vor Fotografen nicht sicher.



    Aber auch Grenzübergänge, wie hier zwischen Deutschland und Österreich, waren ein beliebtes Jagdrevier der Spotter.



    Natürlich lauerten die Truckfans auch an den Fährterminals, wo sie in Hull den „Knight Rider“ Scania und in Esbjerg einen unerser Volvo erwischten.



    Seit wir aus dem Urlaub zurück gekehrt waren, hatte ich natürlich auch regen Kontakt zur Verwandtschaft in Übersee, was zwar manchmal dazu führte, dass das Telefon zu nachtschlafenden Zeiten klingelte, aber das war verschmerzbar.

    So wunderte ich mich auch nicht darüber, als Anfang Dezember wieder ein Anruf aus Kalifornien kam. Nur war es dieses Mal nicht David, der mit mir sprechen wollte, sondern seine Oma Francesca. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt den europäischen Teil der Leone Familie persönlich kennen zulernen. Erst dachte ich ja, dass Sie nach Europa kommen wollte, aber Ihr schwebte anderes vor, wie ich so gleich erfahren sollte. Der Vorschlag den Sie machte, erstaunte sowohl mich als auch Isabelle, die inzwischen mithörte. Und irgendwie hatten wir auch beide das Gefühl, dass ein Nein als Antwort von Francesca nicht akzeptiert wurde, weshalb wir nach kurzem zögern zusagten. Allerdings mussten wir versprechen, dass Ganze gegenüber David nicht zu erwähnen. Anscheinend plante die alte Dame ein Überraschung.

    Der Dezember war dann vom vorweihnachtlichen Stress geprägt, der sein Ende in Form der EPT Weihnachtsfeier am 19. Dezember und der darauf folgenden Betriebsruhe bis ins neue Jahr fand.
    Schöne Grüße aus Sachsen

    1,013 times read

Comments 25

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    elwime -

    Super Geschichte mit schöne Fotos und eine eigener Scania Niederlassung.

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    Sauerlaender -

    Habe ich es mir doch gedacht. :D Schönes Kapitel. Weiter so.

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    alaskabaer01 -

    Schönes Kapitel. Viel Glück mit der neuen Werkstatt.

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    loddi51 -

    Schön zu lesendes Kapitel.

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    Viking1971 -

    Du kriegst von Scania auch nie genug oder? Ein schönes Kapitel!

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    TurboStar -

    Schönes Kapitel - aber mit dem Irrtum von englischen und niederländischen Kanalfähren muss ich jetzt mal aufräumen. Alle Schiffe auf den ETS-Linien Rotterdam-Harwich sind schwedisch (Stena Line), Rotterdam-Hull britisch (P&O) und Ijmuiden-Tyneside dänisch (DFDS), was ihre Besitzer angeht. Kulinarische Sorgen muss sich aber keiner machen, da auf kleinen Schiffen das einzige Restaurant sowohl britische als auch kontinentale Küche anbietet oder bei größeren Schiffen ein britisches und ein kontinentales Restaurant existieren. Wo der Koch nun her ist, kann man aber nie sagen, möglicherweise nicht mal aus Europa. Bei DFDS hoffentlich kein dänischer (Smörrebröd röm pöm pöm :D )

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      Iceman684 -

      War mir irgendwie klar, dass es zur Verweigerung Britischer Küche einen Kommentar von dir gibt. ;)

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      merlinita -

      Dann steht mir ja was bevor, sobald ich mal auf die Insel muss^^

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      TurboStar -

      Halb so wild. Das schlimmste an der englischen Küche sind die Vorurteile über sie ;)

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    Werner 1960 -

    Gut geschrieben. Dann lassen wir uns mal übberraschen.

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    merlinita -

    na da bin ich mal gespannt was nonna francesca da vorhat