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ATS - Kapitel 5 - Turbulente Vorweihnachtswochenenden

  • Ich drehte mich um und fragte. „Um was geht’s denn?“ Auch wenn ich mir schon denken konnte, was er wollte. „Ähh, deine Schwester fährt doch für uns.“ „Weiß ich.“ „Sie macht das super und...“ „Ich werde es Ihr ausrichten.“ „...ich meine es ist schon ungewöhnlich, dass eine junge sehr hübsche Frau diesen Beruf wählt. Ist schließlich kein Zuckerschlecken.“ „Sie ist nicht nur hübsch, sondern auch verdammt taff. Aber was willst du eigentlich?“ „Ich.......ich.......hab mich in Sie verliebt.“ „Und?“ Innerlich amüsierte mich die Situation, auch wenn ich nicht so ganz wusste, was Danny eigentlich wollte. „Ich weiß nicht wie ich es anstellen soll.“ „Soll ich dir jetzt etwa Tipps geben, wie du meine Schwester rumkriegst? Vergiss es. Rede selbst mit Ihr. Gina ist ein normaler Mensch. Manchmal zwar nervig und anstrengend aber auch eine der liebenswertesten Personen die ich kenne.“ Damit wandte ich mich wieder dem Ausgang zu. Danny saß bedröppelt an seinem Schreibtisch und starrte mir hinterher. An der Tür drehte ich mich noch einmal um. „Soweit ich weiß, hat Gina eine Tour hierher?“ „Ja“ „Wir haben vorhin telefoniert. Sie kommt gerade so bis Sacramento und muss dann hier Ihre große Pause machen. So gegen halb sechs sollte Sie hier sein.“ „Ja und?“ „Man, bist du wirklich so begriffsstutzig? Gina hat am Ende Ihrer Schichtzeit garantiert Hunger. Lade Sie doch zum Essen ein.“ Damit verließ ich das Büro und überließ Danny seinen Grübeleien.

    Die Rückfahrt nach Frisco war nicht weniger stressig als die Herfahrt. Unterwegs rief Gina dann nochmals an und maulte herum, dass Sie die Papiere wieder persönlich bei Danny abgeben sollte. Ich hingegen war gespannt, ob er sich ein Herz fassen würde und Sie fragte, oder ob es wieder nur zu Gestammel und Anstarren langte. Gerade als ich den Trailer und die Papiere losgeworden war, klingelte wieder das Handy. Die Nummer auf dem Display kannte ich zwar nicht, trotzdem ging ich aber ran. Zu meinem Erstaunen war es Julie.
    „Hallo Mrs. Snyder, was gibt’s?“ meldete ich mich, um mir gleich einen Rüffel einzufangen. „Hallo David. Was es gibt? Als erstes Ärger, wenn du mich noch einmal Mrs. Snyder nennst. Ich bin Julie. Und Zweitens würde ich dir empfehlen am 01. Dezember in Frisco zu sein.“ „Okay, mach ich beides. Verrätst du mir auch, warum ich unbedingt da sein muss?“ „Du willst doch nicht Denise 24. Geburtstag versäumen?“ Ich konnte direkt sehen, wie sich Julie am anderen Ende der Leitung über mein erschrockenes Gesicht amüsierte. „Auf keinen Fall will ich das.“ „Dann weißt du ja Bescheid. Ciao“ Den Rest der Fahrt dachte ich über ein passendes Geburtstagsgeschenk nach. Auch als der Truck in der Halle stand, die Papiere in Grandmas Fach lagen und ich auf den Weg nach Hause war, wollte mir immer noch nichts Passendes einfallen. Bis das Autoradio mir den Geistesblitz bescherte. Zuhause angekommen stürzte ich mich auf den Laptop um Nägel mit Köpfen zu machen und eine halbe Stunde später hatte ich das gute Gefühl ein Geschenk gefunden zu haben, über das sich Denise mit Sicherheit freuen würde.

    Das Wochenende verbrachten Denise und ich zusammen. Unterbrochen wurde unsere Zweisamkeit nur von einem dringenden Anruf von Gina, die mir unbedingt erzählen musste, dass Danny Sie zum Essen in ein hübsches Italienisches Restaurant eingeladen hatte. Sie hatten sich den Abend über sehr gut unterhalten, nachdem Danny endlich mal wie mit einem normalen Menschen mit Ihr geredet hatte. Es freute mich, dass Gina happy war und Danny hatte sich meine Worte zu Herzen genommen. Eigentlich wollten die beiden sich auch am Wochenende treffen, aber da Danny Bereitschaft hatte, konnte er nicht aus Sacramento weg, was Gina äußerst Schade fand, schließlich saß Sie somit an Ihrem ersten freien Wochenende allein zu Hause. Früher waren wir beide immer gemeinsam um die Häuser gezogen, doch jetzt zog ich es vor meine freie Zeit mit Denise zu verbringen, was Gina auch voll und ganz
    verstand.

    Am Sonntagabend befasste ich mich dann erstmals mit der Tourensuche für die folgende Woche. Dabei schaute mir Denise über die Schulter.
    „Vancouver? Ist dir wohl zu warm hier?“ Dabei umarmte Sie mich von hinten. „Im Moment wird es immer heißer hier.“ Ich zog Denise zu mir und küsste Sie. „Dann sehen wir uns nächste Woche wohl nicht?“ „Nein, zumal ich noch nicht weiß, ob ich direkt eine Rücktour kriege.“ Für einen Moment entglitten Denise die Gesichtszüge und ich musste mich beherrschen einen möglichst gleichgültigen Gesichtsausdruck zu machen. Denn was Sie nicht wusste, ich hatte sowohl Hin- als auch Rücktour schon fix. So hatte Sie natürlich die Befürchtung, dass ich an Ihrem Geburtstag nicht da war.

    Montag, 27. November 2017

    Morgens kurz vor Acht verließen wir gemeinsam das Haus und verabschiedeten uns mit einem langen Kuss. Auf dem Firmenhof erwartete mich Gina schon ungeduldig und ich war noch
    nicht einmal richtig ausgestiegen, da sprudelte es schon aus Ihr heraus.
    „Danny ist so süß.“ Die nächsten Minuten hörte ich nur noch Danny hier und Danny da. Verwundert stellte ich schließlich fest. „Das Abendessen muss ja toll verlaufen sein, wenn du so schwärmst.“ „Ich war Samstagabend bei Ihm.“ „Hatte er nicht Bereitschaft?“ „Schon, deshalb hab ich was vom Chinesen besorgt und bin einfach zu Ihm gefahren.“ Das war wieder typisch Gina. „Wir sind uns näher gekommen und haben die ganze Nacht geredet.“ „Reden nennt man das also.“ antwortete ich grinsend, worauf Sie mir die Zunge raus streckte und konterte. „Denkst du, du hast als einziger ein Liebesleben.“

    Weiteres Geplänkel wurde durch ein Piepen in Ginas Truck unterbunden. Auf dem ORBCOMM waren die Details für Ihre erste Tour dieser Woche eingegangen.

    PICKUP: BB-CASF
    TRAILER: DV53
    FREIGHT: FLATSCREENS
    WEIGHT: 34,784 LB
    TO: CW-CASA
    GATE: 08
    REMARKS: ---
    CASA-KRY

    Da ich mit dem System nicht sonderlich vertraut war, standen für mich dort mehr oder weniger unverständliche Hieroglyphen. Als Gina mir die Abkürzungen aber erklärte, erschien das System doch recht logisch. Ihr stand also eine kurze Tour von Best Buy San Francisco zum Walmart Zentrallager in Sacramento bevor. Die Ladung bestand aus Fernsehern, die in einem
    Dryvan verladen worden waren.

    Da auch mein Trailer auf mich wartete, verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg. Für mich ging es erst einmal nur ein paar Ecken weiter zu Tesla. Dort sollte ich einen Autotransporter abholen, der mit sechs neuen Tesla Model S beladen war und nach Vancouver zu einem Händler sollte. Mit der teuren Fracht im Heck ging es dann über die Bay Bridge aus der Stadt heraus und über die I-80 nach Nordosten. Bei Elmira wechselte ich dann auf die I-505 nach Norden. Später ging es dann auf die I-5, deren Verlauf ich bis zur Kanadischen Grenze folgen würde. Aber an diesem ersten Tag kam ich nur bis Eugene OR, wo ich meine Pause machte. Als erstes ging ich etwas Essen und Duschen, bevor ich mich in meine Kabine zurückzog und noch eine ganze Weile mit Denise telefonierte.

    Dienstag 28. November 2017

    Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Norden. Am späten Nachmittag erreichte ich schließlich die Amerikanisch-Kanadische Grenze und hatte bei der Einreise ins Nachbarland auch keine größeren Probleme, da die Papiere vollständig waren. Da die Fracht eh erst am nächsten Tag erwartet wurde, beschloss ich direkt hinter der Grenze meine Pause zu machen. Ich hatte nämlich keine Lust mit nur noch begrenzter Fahrzeit im nächtlichen Vancouver mein Ziel zu suchen.

    Früh machte ich mich auf den Weg, die letzten Meilen zu meinem Ziel hinter mich zu bringen. Dabei wurde mir klar, dass meine Sorge vom Vortag unbegründet war. Die Firma war
    sehr gut ausgeschildert und es gab sogar Parkplätze für die Fahrer die hier ihre Pause machen mussten. Auch Sanitäreinrichtungen waren vorhanden. Das war gut zu wissen. Direkt nachdem ich meinen Trailer losgeworden war, konnte ich auch schon meinen Auflieger für die Heimfahrt aufsatteln. Nach nur einer dreiviertel Stunde konnte ich mich auf den Weg zurück in die Staaten machen. Durch meine zeitigere Pause am Dienstag war klar, dass ich erst am Freitagmorgen zuhause in San Francisco ankommen würde, immer vorausgesetzt es kam nichts unvorhersehbares dazwischen.

    Freitag 01. Dezember 2017

    Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichte ich über die Bay Bridge meine Heimatstadt und musste nur noch den Trailer loswerden. Kurz vor sieben stand der Trailer auf dem Hof von Best Buy und ich verließ solo das Gelände. Da ich keinen weiteren Auftrag für diese Woche hatte, was ausschließlich daran lag, dass ich auch nach keinem für den heutigen Tag gesucht hatte, überlegte ich was ich jetzt machen sollte. Variante 1 sah vor, zu meinem Hof zu fahren, dort den Volvo gegen den Benz zu tauschen und danach zu Denise zu fahren. Bei Variante 2 wollte ich mir den Fahrzeugwechsel sparen und direkt mit dem Truck zu ihr fahren, allerdings ohne zu wissen, wie die Nachbarschaft auf einen Long Haul Tractor im Nobelwohngebiet reagieren würde. Da mir das Risiko zu groß war, durch den Umweg zu meiner Firma in einen Stau zu geraten, entschied ich mich letzten Endes für Variante 2. Kurz vor acht parkte ich den Volvo vor dem Haus. Julie, die gerade Joggen gehen wollte, schüttelte grinsend den Kopf.
    “Da kann es aber einer nicht erwarten, zu seiner Liebsten zu kommen.“ Sie ging zur Haustür und schloss auf. “Komm, ich lass dich rein.“

    Eine Minute später stand ich im Haus und Julie ging joggen. Aus der Küche hörte ich Musik und vermutete deshalb Denise dort. Um die Ecke gebogen, sah ich Denise, die nur in ein Handtuch gewickelt in der Küche stand und in einer Zeitschrift blätterte. Da Sie mir dabei den Rücken zukehrte, hatte Sie mich noch nicht bemerkt. Schnell ein Foto mit dem Handy geknipst, als Bildunterschrift
    “Happy Birthday“ drunter gesetzt und das ganze per Whatsapp geschickt. Danach brauchte ich nur wenige Sekunden warten, bis Denise Handy klingelte, Sie drauf schaute, stutzte und sich umdrehte. Einen weiteren Augenblick später lagen wir uns in den Armen und begrüßten uns mit einem langen leidenschaftlichen Kuss. „Happy Birthday Schatz“ „Danke...aber woher weißt du... wie kommst du hier........Mom?“ Ich nickte nur und wir küssten uns ein weiteres Mal und hielten uns weiterhin in den Armen, bis die Kaffeemaschine sich meldete. Denise löste sich von mir, holte zwei Tassen aus dem Schrank und goss uns zwei Kaffee ein, mit denen wir es uns auf dem Sofa gemütlich machten. Etwa eine Stunde lang saßen wir aneinander gekuschelt auf dem Sofa. Als Julie vom joggen zurückkam, schaute ich auf die Uhr. „Schon nach neun. Musst du nicht zur Arbeit?“ „Nein, meine Chefin hat mir heute großzügiger Weise frei gegeben.“ Denise kuschelte sich noch enger an mich. „Und du? Es ist Freitagmorgen. Etwas früh für Wochenende, oder?“ „Schon, vielleicht such ich mir noch eine kurze Regionaltour.“ „Du willst mich also schon wieder verlassen?“ Denise spielte gekonnt die Schmollende und auch das Klingeln meines Handy war in diesem Moment nicht wirklich hilfreich. Ausgerechnet jetzt musste Joe stören. Denise stand auf und verschwand in der Küche.

    Als ich nach fünf Minuten mein Gespräch mit Joe beendet hatte kam Denise gerade aus Ihrem Schlafzimmer. Sie hatte sich schnell angezogen und trug nun Pulli und Jeans.
    „Ich hoffe für dich, dass du nur eine kurze Tour fahren musst.“ „Tut mir leid, aber ich muss einen eiligen Trailer nach Sausalito bringen. Aber in zwei Stunden hast du mich wieder. Versprochen“ „Glaub ich nicht, dass ich so lange warten muss.“ „Es ist Berufsver....“ mir dämmerte was Sie meinte. „Willst du mitfahren?“ Sie grinste mich nur an „Mich wirst du heute nicht
    mehr los.“


    Wenige Minuten später saßen wir im Volvo und fuhren in Richtung Beaver Homes. Dort angekommen wartete Joe schon ungeduldig, konnte sich aber einen Kommentar nicht
    verkneifen.
    „Wow, jedes mal schlägst du hier mit einer anderen Schönheit auf.“ Denise Augen funkelten angriffslustig in meine Richtung. „Letztens war ich mit Gina hier.“ beruhigte ich Sie und ließ mir die Papiere geben. Danach sattelte ich den Trailer auf und wir waren startklar.

    Nachdem wir den Stadtverkehr hinter uns gelassen hatten, verließen wir über die Golden Gate Bridge San Francisco. Nun waren es nur noch ein paar Meilen bis zum Ziel und schon wieder klingelte das Handy.
    „Wenn es wieder Joe ist, bring ich Ihn um.“ dachte ich, aber es war der Kunde, für den ich nach Vancouver gefahren war. Am Ende des Gesprächs war klar, dass ich den Rest des Jahres wöchentlich nach Kanada fahren würde. Somit brauchte ich mir bis Weihnachten keinen Kopf um die Auslastung meines Trucks machen. Inzwischen waren wir am Ziel in Sausalito und mussten nur noch den Trailer loswerden. Trotz der Kürze der Tour war inzwischen fast Mittag. Was lag also näher als meine Süße zum Essen auszuführen. Mir kam auch gleich ein kleines aber feines Restaurant in der Nähe in den Sinn. Das wir dort mit dem Truck aufschlagen würden störte mich nicht im geringsten und auch Denise schien sich wohlzufühlen. Entspannt lümmelte Sie in Ihrem Sitz, erst als Sie merkte, dass ich nicht in Richtung Frisco fuhr, schaute Sie mich fragend an. „Hunger?“ „Ein wenig.“

    Eine Stunde später saßen wir bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse des Restaurants mit Blick auf die Richardson Bay. Nachdem wir das Lokal verlassen hatten, machten wir noch einen romantischen Spaziergang, bevor es heimwärts ging. Auf dem Parkplatz des Ausflugslokals stach der Volvo aus der Menge der Ausflügler mit ihren Pickups, SUVs und Vans ziemlich heraus. So schauten einige Leute auch neugierig als wir in den Truck stiegen.
    „Unauffällig ist anders.“ lachte Denise. „Ich hätte heute früh doch noch Auto tauschen sollen.“ „Warum? Der Volvo ist doch schick. Und Truckfahren macht Spaß.“ Mit großen Augen und Erstaunen sah ich Sie jetzt an. „Was? Glaubst du ich würde meinen Job machen, wenn ich keinen Spaß an großen Trucks hätte?“ Das stimmte auch wieder. „Trotzdem hätte ich den Benz nehmen sollen. Da liegt nämlich mein Geschenk für dich drin.“ „Süß, aber das beste Geschenk hast du mir schon gemacht. Wir sind zusammen.“ Erst nach einem langen Kuss, ließ ich die sechshundert Pferde auf die Straße los und wir fuhren zurück nach San Francisco.

    Auf dem Hof von Lion Trucking parkte ich den Volvo und holte schnell das Geschenk für Denise aus dem Benz. Erst schaute Sie etwas ungläubig, da ich nur einen Umschlag in der Hand hielt.
    „Was ist das?“ "Mein Geburtstagsgeschenk für dich." Sie öffnete den Umschlag und schaute hinein. „Wow, geil Tickets für Shania Twain. Meine absolute Lieblingssängerin.“



    „Woher weißt du?“ „Gewusst nicht, aber da fast immer Musik von ihr bei dir läuft, lag die Vermutung nahe.“ Sie umarmte mich und grinste „Nicht nur gut aussehend, sondern auch noch clever. Da hab ich mir ja was besonderes geangelt.“ Und wieder küssten wir uns. „Für heute Abend hast du aber hoffentlich nichts geplant?“ Ich verstand die Frage zwar nicht, antwortete aber „Nicht wirklich.“ „Gut, du wirst nämlich auf mich verzichten müssen.“ Mehr als ein „Wieso?“ brachte ich nicht heraus. „Es mag für dich vielleicht schwer zu verstehen sein. Aber Mom und ich sind seit Ewigkeiten ein eingeschworenes Team. Und an unseren Geburtstagen ist traditionell Mädelsabend. Wir sind nun mal die einzige Familie die wir noch haben.“ Noch immer umarmte Sie mich und schaute mich mit Ihren rehbraunen Augen an. „Verstehst du das?“ Ich nickte und wir küssten uns. Den Nachmittag verbrachten wir noch gemeinsam und am frühen Abend fuhr ich Sie nach Hause.

    Samstag und Sonntag verbrachten wir dann in trauter und ungestörter Zweisamkeit.

    Montag 04. Dezember 2017

    Früh am Morgen klingelte der Wecker und als ich nicht gleich reagierte, brummelte eine leicht angesäuerte Stimme neben mir
    „Noch einen nervigeren Weckton gab's wohl grad
    nicht.“
    „Sorry, ich wollte dich eigentlich nicht wecken.“ „Hast du auch nicht, aber dein blöder Wecker. Wie spät ist es eigentlich?“ „Kurz vor fünf.“ „Mitten in der Nacht.“ Sie vergrub Ihren Kopf unter dem Kissen, während ich aufstand und im Bad verschwand. Als ich fertig war, fand ich eine reichlich zerknautschte Denise in der Küche an der Kaffeemaschine. „Du hättest doch noch schlafen können.“ „Damit du dich ohne Abschiedskuss davon schleichen kannst. Vergiss es.“ Aus einem wurden dann mehrere Abschiedsküsse, bevor ich das Haus verließ und zu meiner Firma fuhr.

    Die Tour nach Vancouver verlief dann recht ereignislos, abgesehen davon, dass der Volvo das erste Mal Schnee sah, wenn auch nur einige wenige Flocken. Da ich wieder bei der selben Firma abliefern sollte, wusste ich, dass ich auch in der Nacht dort aufschlagen konnte um dann auf dem Gelände meine Pause zu machen. So kam es dann auch, dass ich schon am Donnerstagabend wieder zurück in Frisco war. Den Freitag verbrachte ich dann wieder als Nahverkehrstrucker, bevor endlich Wochenende war.

    Am Abend waren Denise und ich in der Bar verabredet, wo wir unseren ersten Abend verbracht hatten. Das Jahresfinale des monatlichen Talentwettbewerbes stand auf dem Programm. Alle Monatssieger traten hier gegeneinander an. Diesmal ließ es sich auch Julie, Denise Mom, nicht nehmen Ihrer Tochter die Daumen zu drücken. Außerdem wurden auch deutliche Unterschiede zwischen den Kandidaten zu sehen. Die einen waren extrem nervös oder total verbissen, während Denise das Ganze als Riesenspass sah und Ihr keinerlei Nervosität anzumerken war. Kurz bevor die Auftritte begannen, schlug überraschenderweise der Rest des Lion Clans in der Bar auf. So lernte Denise auch meine ältere Schwester Vicky kennen,
    während Ihre Mom Julie gleich die komplette Lion Meute auf einmal kennen lernte. Amüsiert stellte ich fest, dass sowohl Mom als auch Dad im Geiste zu rechnen begannen, als Denise Julie als Ihre Mom vorstellte. Nur einer stand währenddessen etwas verloren am Rande und wurde quasi erst bemerkbar als Gina Ihn uns ganz offiziell als Ihren Freund vorstellte. Die Rede war von Danny. Und man sah den beiden an, das es sie beide voll erwischt hatte.

    Ein wenig später verschwand Denise um sich für Ihren Auftritt fertig zu machen und während die Damen schnatterten nahm mich Danny zur Seite. „Ich wollte dir noch danken...“ „Wofür?“ „Ihr, ääähhhh du habt mich in die richtige Richtung geschubst, so dass ich den Mut hatte meine Traumfrau anzusprechen.“ „Keine Ursache.... Ihr?? Wer hat dich den noch geschubst.“ „Ich weiß nicht ob du den kennst. Marc Murdock auch einer unserer Subunternehmer. Ihn hatte ich schon vor einiger Zeit um Rat gefragt.“ „Verstehe, ich war also nur die
    Zweitmeinung.“
    grinste ich. Wir unterhielten uns noch ein wenig, bis der DJ den Beginn des Wettbewerbs ankündigte.

    Als erstes war der Sieger von Januar und Februar an der Reihe, der seine Sache durchaus gut machte. Vielleicht auch mehr als gut, aber zu mindestens an unserem Tisch herrschte doch eine stark ausgeprägte Voreingenommenheit. Nachdem dann auch die Sieger von März und April ihre Auftritte hinter sich gebracht hatten, kam die, laut DJ, große Favoritin an die Reihe. Die Dame hatte schließlich von Mai bis September fünfmal gewonnen und auch wir mussten zugeben, dass Sie eine sehr gute Sängerin war. Trotzdem stand natürlich unsere Favoritin fest und wir konnten es kaum noch erwarten, bis Denise endlich an der Reihe war.

    Als der DJ Sie endlich ankündigte, stieg vor allem bei meiner Familie und Danny die Spannung. Julie und ich kannten ja Ihre Stimme und Bühnenpräsenz. Neben zwei Songs, die Denise schon in den vorangegangenen Monaten gesungen hatte, sang Sie der beginnenden Vorweihnachtszeit auch ein Weihnachtslied. Dabei entschied Sie sich wieder für einen Song von Jessie James Decker. Bei „This Christmas“ strahlte Sie ins Publikum und meine Richtung. Und nicht nur ich war gefesselt von Ihrer Performance, auch dem Großteil des Publikums schien es so zu gehen. Was sich zwei Stunden später auch bestätigte. Mit recht großem Vorsprung gewann Denise das Finale. Nachdem der Freitag quasi Familientag war, gehörte das Wochenende wieder nur uns beiden und verging leider wieder viel zu schnell.

    Montag 11. Dezember 2017

    Die Woche startete ganz ähnlich wie die letzte Woche. Für Denise etwas zu ähnlich. „Wolltest du nicht den Weckton ändern?“ brummte Sie genervt. Eine halbe Stunde später war Ihre Laune aber schon wieder etwas besser, auch wenn uns mal wieder der schwerste Moment der Woche bevorstand, der Abschied. Aber derzeit war wenigstens schon am Montag klar, dass wir uns am Freitag wieder sehen würden. Mit diesem Wissen startete ich, trotz der frühen Stunde, gut gelaunt in die Woche und wieder in Richtung Kanada. Andere starteten Montags noch nicht mit dieser Gewissheit, so wusste Gina noch nicht, ob Sie das nächste Wochenende wieder mit Danny verbringen konnte. Auch wenn der natürlich sein möglichstes tat um
    seine Liebste am Freitag wieder in Sacramento oder Frisco zu haben. Aber er konnte dabei natürlich auch nicht übertreiben, oder Sie bevorzugen, genauso wenig wie es Keela bei Marc konnte. Somit hatte ich in dieser Hinsicht doch einen kleinen Vorteil, da ich nicht exklusiv an eine Firma gebunden war. Aber irgendwann würden auch meine Touren weiter weg gehen, aber daran wollte ich jetzt noch nicht denken, während ich wieder unterwegs nach Norden war.

    Wie schon die Wochen zuvor verlief die Tour ruhig und somit war abzusehen, dass ich am Donnerstagabend wieder zurück sein würde. Kurz bevor ich schließlich über die Bay Bridge in die Stadt fuhr, klingelte mein Handy und Dad war dran, was mich doch ziemlich erstaunte. „Dad was gibt’s?“ „Hallo David, sag mal kommst du heute noch in Frisco an?“ „Ja, bin gleich da.“ „Hast du für Morgen schon eine Tour?“ „Nein noch nicht. Wieso?“ „Könntest du dann bitte einen Trailer mit Möbeln Aus Oakland abholen und zum Hotel bringen?“ „Kommt auf die Bezahlung an.“ antwortete ich lachend. „Da werden wir uns schon einig. Komm am besten heute noch im Hotel vorbei.“ „Okay ich komm dann gleich mal rum.“

    Zwei Stunden später saß ich bei meinem Dad im Büro bei einem Whiskey und wir besprachen die Details der morgigen Tour. Es ging um den Transport von Möbeln für den Ballsaal des Hotels. Dringend war die Tour, da die neue Einrichtung für die Weihnachtsfeier am Samstag schon benötigt wurde. Dementsprechend war Dad bereit für den Transport auch etwas tiefer
    in die Tasche zu greifen.

    Freitag 15. Dezember 2017

    Mittags parkte ich den Trailer am Lieferanteneingang des Hotels, nachdem ich vorher ziemlich ins Schwitzen gekommen war. Die Zufahrt war eigentlich nicht für ausgewachsene Eighteen Wheeler geschaffen, aber die Blöße zu scheitern wollte ich mir vor Mom und Dad, die mich beobachteten, dann doch nicht geben. Als der Trailer dann endlich ordentlich stand,
    machte ich mich vom Acker.

    Am Abend hatten es Denise und ich uns gerade auf der Wohnzimmercouch gemütlich gemacht, als Mom nach Hause kam. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war die Laune nicht die allerbeste und irgendetwas schien Sie zu beschäftigen. Etwas umständlich fing Sie dann an „Entschuldigt, dass ich euch störe.“ Denise und ich schauten Sie an, in der Erwartung zu erfahren was Sie eigentlich wollte. „Gibt's Probleme mit den Möbeln?“ „Nein, damit ist alles in Ordnung. Es ist alles für Morgen vorbereitet. Bis auf...“ „Was?“ Sie sah von mir zu Denise und schien nicht recht zu wissen, wie Sie anfangen sollte. „Unser Sänger ist krank.“ Denise schien noch nicht ganz zu begreifen, während mir schlagartig klar wurde, auf was das ganze hinauslaufen würde. „Musiker haben wir, aber ohne Sängerin sieht es schlecht aus.“ Als Sie jetzt das Wort Sängerin extra betonte, dämmerte es auch Denise. „Du bist eine tolle Sängerin und deshalb haben Vince und ich gehofft, du würdest vielleicht einspringen.“ Denise war total überrumpelt und schaute meine Mom ungläubig an. „Ihr seid doch eh da.“ Dabei
    schaute mich Mom mit einem Blick an, der jeglichen Widerspruch im Keim erstickte. „Das schon, aber klär das mit Denise.“ Fragend blickte Mom zu Denise. „Ich weiß nicht. Was soll ich singen?“ „Hauptsächlich Weihnachtslieder, ansonsten hast du da freie Hand.“ Ein wenig zögerte Denise noch, stimmte dann aber zu, was Mom erleichterte, woraufhin Sie uns wieder allein ließ. „Ist das jetzt grad echt passiert? Hab ich morgen einen Auftritt?“ „Ja, willkommen bei den Lions, hier läuft es öfter mal etwas kurzfristig.“

    Am nächsten Abend war Denise dann doch ein wenig nervös. Es war eben etwas anderes an einem Talentwettbewerb teilzunehmen oder einen Auftritt zu haben wo der Auftraggeber gewisse Erwartungen dran knüpfte. Deshalb hatte Sie auch Ihre Mom als zusätzliche moralische Stütze mitgebracht. Julie nutzte die Gelegenheit dann aber gleich um Ihre Tochter auch zu überrumpeln. „Dann weißt du ja schon mal, dass du nächste Woche auf unserer Weihnachtsfeier ebenfalls auf der Bühne stehen wirst.“ „Was??... Ähh ja“ Julie ging und begrüßte meine Eltern und Vicky. „Na, zum zweiten Mal überrumpelt?“ grinste ich hingegen Denise an. „Ein bisschen schon. Bisher hat Mom mich noch nie gefragt.“ Kurz nach Mitternacht endete die Weihnachtsfeier schließlich und jegliche Ängste von Denise waren unbegründet. Ihr Auftritt war ein voller Erfolg. Den Sonntag verbrachten wir dann ruhig und endlich auch ungestört.

    Montag 18. Dezember 2017

    An diesem Morgen gab es endlich mal kein Gemeckere als der Wecker klingelte, da ich es endlich geschafft hatte den Klingelton mal zu ändern. Nach dem inzwischen üblichen Prozedere aus, Badezimmer, Küche und Abschiedsküssen ging es für mich wieder in Richtung Kanada. Zum letzten Mal für dieses Jahr. Überhaupt sollte es die letzte Woche auf Tour für mich in diesem Jahr werden. Da Denise und ich beschlossen hatten für ein paar Tage wegzufahren. Aber vor den Urlaub hatte mein Auftraggeber noch einen Rundlauf nach Vancouver und wieder zurück gelegt. Inzwischen so etwas wie meine Haus und Hofstrecke.

    Wie inzwischen üblich war ich am späten Donnerstagabend wieder zuhause. Am Freitag machte ich noch zwei Citytouren, quasi zum Abgewöhnen. Der Verkehr in der Stadt war kurz vor Weihnachten katastrophal und absolut ungeeignet um sich mit einem Sattelzug da durch zu quälen. Aber schließlich war es geschafft, zum letzten Mal in diesem Jahr parkte ich den Volvo in der Halle, nachdem ich ihn gewaschen, aufgeräumt und ausgesaugt hatte.

    Am Abend hieß das Programm dann wieder Weihnachtsfeier, diesmal aber bei Bay Truck Sales. Neben Angestellten und Familien, waren auch Kunden und Geschäftspartner eingeladen.
    „Ich möchte mich bei allen Kunden und Partnern von Bay Truck Sales für die Treue und Zusammenarbeit im vergangenen Jahr bedanken und ganz besonders danke ich meinen Mitarbeitern die es wieder geschafft haben, dass wir der größte Volvo Händler im Westen der USA und inzwischen der drittgrößte Händler in den Staaten sind. Aber jetzt steht Weihnachten vor der Tür und ich wünsche allen Anwesenden schöne Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr. Und jetzt überlasse ich das Mikro meiner Tochter Denise, die euch alle ein wenig in Weihnachtsstimmung bringen wird.“ Julie verließ die Bühne und Denise hatte Ihren Auftritt, der ebenfalls wieder ein voller Erfolg wurde.

    Samstag war dann wieder Zweisamkeit mit Denise angesagt, aber wir mussten auch klären, wie Weihnachten ablaufen sollte. Am Ende sah der Plan vor, den Christmas Day bei Ihr und erst Boxing Day im Kreise der Lions zu verbringen. Am 27. wollten wir uns dann für ein paar Tage absetzen.

    Es wurde ein schönes Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die wir liebten und die wichtig waren. Am späten Abend des 26. verabschiedeten Denise und ich uns, da wir am nächsten Tag relativ zeitig raus mussten. Wir wollten für ein paar Tage zum Skifahren nach Revelstoke und unser Flug ging recht früh. Zum Abschied umarmte Grandma uns und ermahnte mich „Ich wünsche euch viel Spaß. Aber ich erwarte, dass zu Silvester die KOMPLETTE Familie hier in San Francisco ist.“ Die besondere Betonung, die Sie auf das Wort komplett legte, fiel mir in diesem Moment nicht auf, sollte sich aber zu Silvester mit einer großen Überraschung erklären.
    Schöne Grüße aus Sachsen

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