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Kapitel 159 - Sommer des Schreckens

  • Anfang Juli 2017

    Die erste Aufgabe nach meiner Rückkehr aus Russland wurde es, den Azubi für das Büro zu finden. Ich hatte zusammen mit Philip sofort die eingegangenen Unterlagen studiert und wir trafen eine Auswahl. Woran ich mich bisher noch nicht gewöhnt hatte, waren die Bewerbungen ohne Fotos und ohne persönliche Daten. Der Grund war natürlich, dass so niemand aufgrund Rasse, Alter oder irgendwelcher "Nasenfaktoren" ausgeschlossen wurde oder anders rum sich optisch so gut in Szene setzte, dass damit fachliche Defizite überdeckt wurden. Jeder hatte die gleichen Chancen, eingeladen zu werden.
    Wir luden am Ende vier Kandidaten ein. Lewis Thomson und Kevin Colman hatten ein GCSE hingelegt, das ganz gut war, aber mit dem sie sich dann wohl doch nicht auf ein BTEC und Studium einlassen wollten. Damit dürften sie bei Ausbildungsbeginn 16 oder 17 sein. Paul Taylor und Laura Stanley hatten dagegen ihre BTEC abgeschlossen und waren somit 2 Jahre älter. GCSE entspräche in Deutschland einem Realschulabschluss und BTEC dem Abitur.

    In der Woche darauf ließen wir sie zu Vorstellungsgesprächen kommen. Und ich war mir nicht sicher, ob sie es mit Fotos alle hier hin geschafft hätten. Bei den beiden GSCE-Kandidaten merkte ich, dass Philip schon verwundert war, wer da rein kam. Mir war so was bekanntlich egal.
    Und nachdem alle vier Gespräche durch waren meinte er, allerdings eher scherzhaft:
    "Die beiden jüngeren waren ja echt eine haarige Angelegenheit." Denn Kevin Colman war halbschwarz und trug fast hüftlange Rastazöpfe. Lewis Thomson hätte ohne Probleme als unauffälliger Junge durchgehen können, wenn er nicht seine fast schwarzen Haare über der Stirn strähnchenweise violett gefärbt hätte. Mit mehr Reife durch ihr Alter waren Paul Taylor und Laura Stanley weniger optisch aufgefallen.
    Wir diskutierten dann natürlich doch vor allem über die fachlichen und menschlichen Eindrücke, die sie hinterlassen hatten. Und da stellte sich dann am Ende raus, dass die Bewerbung ohne Fotos für den endgültigen Kandidaten wohl bei Philip wie vorgesehen ein Vorteil gewesen war. Denn da wir uns beide keine Illusionen machten, dass Paul und Laura das hier nur als Durchgangsstation zum Ansparen für ein hier recht teures Studium oder als Sprungbrett in ein großes Logistikunternehmen mit Karrierechancen betrachteten, war bei Kevin und Lewis zu hoffen, dass sie nach der Ausbildung bleiben würden. Persönlich hatten beide den Eindruck gemacht, ins Team zu passen. Kevin hatte den besseren Zeugnisschnitt, Lewis war besser in den Fächern, auf die es ankam. Also würde, nachdem wir uns einig geworden waren, das Büro ab September etwas violette Farbe bekommen.

    Am nächsten Tag heiterte ich dann nicht nur Philip noch mit einem Foto auf, das einen Teenager mit blauen Haaren und zu allem Überfluss auch noch Nackenschwänzchen zeigte. Also gleich zwei Sünden in einer Frisur:
    "Wer kennt diesen Jungen? Sachdienliche Hinweise an die Geschäftsführung!" Luke kam mit seinen Frachtpapieren vorbei: "Ich glaube, ich weiß es!" "Personen, die im gleichen Alter einen weißblond gebleichten Irokesenschnitt bei ansonsten normaler Haarfarbe hatten, sind von der Teilnahme ausgeschlossen!" "Bei so eindeutigen Hinweisen auf Insiderwissen denke ich mal, dass der scheinbar einem japanischen Trickfilm entlaufene Junge mit der auffälligen Haarfarbe heute mein Chef ist." "Der Kandidat gewinnt 100 Punkte und einen Kaffee zum selber kochen."


    Mitte Juli 2017

    Mitte des Monats dann kam der bisher schlimmste Tag in meinem Leben. Philip hatte die Tür geöffnet, nachdem es um den Mittag geklingelt hatte und stand mit einem sehr ernsten Gesicht in der Tür:
    "Ricky, hier ist die Polizei für Dich." Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie wegen mir persönlich kamen. Damit war der nächste Gedanke ein Unfall mit einem unserer Trucks.
    Ich bat die Beamten einzutreten und sie stellten sich kurz selbst vor, um dann die Routinefrage zu stellen, dass ich der war, der ich sein sollte:
    "Sind sie Eric-Simon Kaiser-Leighton?" "Ja." "Dieses Unternehmen besitzt einen Iveco Stralis mit dem Kennzeichen DH66 KXT?" "Ja..." Mir wurde schwindlig, das war Lukes Zugmaschine, wir hatten sowieso nur den einen Iveco. "Es gab einen Unfall, der Fahrer wurde in Hull ins Krankenhaus eingeliefert. Die persönlichen Dokumente des Fahrers scheinen bei der Bergung im Fahrzeug verblieben zu sein. Deshalb liegen uns diese Daten noch nicht vor." Aber mir...
    Die Herrschaften verabschiedeten sich und Philip sah besorgt in mein Büro:
    "Was ist passiert?" "Luke hatte einen Unfall und ist im Krankenhaus. Ich muss nach Hull." "In dem Zustand fährst Du nirgendwo hin." "Mein!! Mann!! Liegt!! Im!! Krankenhaus!!!!" "Ja, das habe ich verstanden. Aber lass Dich in Gottes Namen von Ben fahren oder von mir. Wenn Du in diesem Zustand in eins Eurer übermotorisierten Autos steigst, liegst Du weit vor Hull in einem anderen Krankenhaus!" Damit hatte er allerdings Recht. Philip sagte also Ben, was passiert war und kurz danach gab ich unserem Mechaniker den Schlüssel für meinen BMW und ließ mich an die Nordseeküste bringen.




    Das Krankenhaus lag so dämlich in einer Einbahnstraße, dass wir einen Umweg fahren und über die viel befahrene Hauptstraße müssten, bis wir am Haupteingang wären. Also ließ ich mich von Ben in der Parallelstraße absetzen. Dann konnte er in Ruhe einen Parkplatz suchen.




    Ich fragte mich zu Luke durch und erfuhr, dass man ihn gerade operierte. Ein Polizist war allerdings da und klärte mich in einem Besuchszimmer auf, was passiert war:
    "Zuerst einmal die gute Nachricht, Ihr Mann ist nicht lebensbedrohlich verletzt. Wir führen es als schwere Verletzung, letzten Endes hat er beide Beine gebrochen." Das beruhigte mich, denn so was war vielleicht schmerzhaft und langwierig, aber in der Tat nicht lebensbedrohlich. Die genauen medizinischen Folgen würde mir sowieso noch ein Arzt erklären.
    "Es kam weiter vorne zu einem Unfall mit 2 PKW. Ihr Mann und zwei weitere LKW sind auf einen LKW mit Pritschenanhänger aufgefahren beziehungsweise aufgeschoben worden. Wir wissen noch nicht, wer wie lange stand oder wie schnell aufgeprallt ist. Die Kollegen ermitteln."

    Als nächstes rief Marlon an. Natürlich hatte Philip in Deutschland angerufen. Einerseits aus menschlichen Gründen, dort kannten alle Luke und er war ein Jahr lang für die meisten direkter Kollege gewesen.
    Außerdem gab es mehrere dienstliche Gründe, mit Bochum zu reden. André musste wissen, dass morgen kein Trailer in Holland ankommen würde und vielleicht auch keiner in Hull abgeholt werden konnte. Da kümmerte sich Philip mit unseren Subunternehmern drum. Und Marlon oder Julian mussten sich um den Schaden an der Ladung deutscher Kunden kümmern, die Kunden und unsere als Subunternehmer agierenden Partner Steven und Felix informieren und der Trailer, den Luke gezogen hatte, war auch ein deutscher.
    Marlon wollte natürlich nur wissen, wie es Luke ging. Ich konnte ihm natürlich nur die noch eher vagen Informationen geben, bevor ich selbst mit einem Arzt gesprochen hatte. Der rief mich dann auch kurz danach in sein Zimmer.

    "Ihr Mann hat beide Beine an Schien- und Wadenbein gebrochen, mit umfangreichen Gewebeschäden. Wir haben die Knochen operativ gerichtet und verschraubt, Muskeln und Bänder wieder verschweißt. Er wird aber 4 Wochen lang Schienen oder Gips tragen müssen und die Beine nicht bewegen können. Danach wird eine mehrwöchige Rehabilitation notwendig sein, um die Beinmuskulatur wieder aufzubauen und - für den eher unwahrscheinlichen Fall - bleibende Schäden zu erkennen." Das verdrängte man in der ersten Erleichterung. Aber es war natürlich nicht gesagt, ob alle Muskeln, Bänder und Nerven wieder funktionieren würden wie vorher.
    Ich wurde zu dem Zimmer geführt, wo Luke noch schlief. Noch vor der Tür kam aber wieder ein Polizist auf mich zu:
    "Sind Sie Eric-Simon Kaiser-Leighton?" "Ja." "Können Sie sich bitte kurz ausweisen?" Ich hatte natürlich immer den deutschen Personalausweis und meinen EU-Führerschein dabei, beides wurde hier akzeptiert. "In Ordnung. Hier sind die Wertsachen Ihres Mannes, die wir aus der Zugmaschine geborgen haben. Außerdem die Adresse, wo das Fahrzeug steht. Den Fahrtenschreiber und das Motorsteuergerät haben wir zur Beweissicherung beschlagnahmt und ausbauen lassen." Er gab mir Lukes Handy, Schlüssel und Geldbörse, dazu die Visitenkarte eines Abschleppdienstes.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete Luke die Augen. Er machte aber einen verwirrten Eindruck, konnte kein sinnvolles Wort sprechen und ich war mir nicht mal sicher, ob er mich erkannt hatte. Der Arzt bat mich dann auch schnell, zu gehen:
    "Das sind Folgen der Narkose. Die Messwerte zeigen, dass er sich sehr aufregt, möglicherweise, weil er sich verständlich machen will, aber nicht kann. Kommen Sie am besten morgen früh zur Besuchszeit wieder, bis dahin sind die Narkosemittel komplett abgebaut. Wir müssen gleich ohnehin noch umfangreiche Untersuchungen durchführen."
    Ich griff Lukes Hand, in der keine Kanüle steckte:
    "Ich komme morgen wieder. Keine Sorge. Dann wird es Dir auch besser gehen." Der Puls auf dem Überwachungsgerät verlangsamte sich etwas.

    Vor der Station wartete Ben. Ich gab ihm die Visitenkarte:
    "Einmal dahin, bitte." Nach 15 Minuten kamen wir bei einem großen Platz voll mit Fahrzeugen an, relativ dicht am Eingang standen vier Zugmaschinen. Ein Scania, laut Werksverzierung ein Streamline, mit ziemlich plattem Fahrerhaus, Lukes im unteren Bereich der Kabine stark eingedrückter Iveco, ein Scania 124 mit abgerissener Frontschürze und ein abgesehen von dem Schriftzug auf der Seitenverkleidung nicht mehr als Volvo zu erkennender Klumpen Altmetall. Dahinter waren auch die entsprechenden Trailer abgestellt.
    Nachdem wir vom Pförtner gefragt worden waren, was wir wollten und ich den Fahrzeugschein des Iveco vorgelegt hatte, wurden wir rein gelassen. Ben kletterte in den zerstörten Stralis und sammelte die Dinge ein, die die Polizei nicht raus genommen hatte, also Rucksack, den Inhalt der Ablagefächer, Dekoration wie das Wimpel von Cardiff City und das Betttuch der Llanelli Scarlets. Immer wieder, wenn er was raus reichte, fiel mein Blick in den blutverschmierten Fußraum auf der Fahrerseite.

    "Wir haben sowieso keinen Stralis mehr, ich kann also nicht wirklich was davon gebrauchen. Reifen und Felgen würde ich nach einem Unfall nicht wo anders aufziehen. Wenn Du meinen Rat hören willst, sollen sie die Zugmaschine komplett verschrotten lassen. Die Kabine ist leer." Ben machte ein paar Fotos, um den Zustand des Sattelzugs zu dokumentieren. Ich gab also die Verschrottung nach Abschluss der Ermittlungen in Auftrag und sagte, dass ein LKW von uns oder einem Subunternehmer kommen würde und den Trailer umladen sollte. Was aus dem danach werden sollte, müsste die deutsche Niederlassung sagen.

    Ben fuhr uns zu einem Hotel, wo ich uns über die Nacht Zimmer buchte. Am nächsten Morgen sahen wir in der beim Frühstück ausliegenden Zeitung dann auch die ganze Bescherung. Von dem PKW-Unfall weiter vorne wussten wir, dort hatte es drei leicht Verletzte gegeben. Bei dem Unfall mit insgesamt 4 Sattelzügen war von einem unverletzten die Rede, das war der in dem Stahltransporter ganz vorne, dem 4er Scania. Luke war einer der beiden schwer verletzten, der andere hatte den letzten LKW, den Streamline, gefahren. Der Fahrer zwischen Luke und dem letzten war tot, beim Anblick des Volvo FH kein Wunder. Ich fuhr Ben zum Bahnhof. Er nahm den Zug zurück nach Deeside.

    Im Krankenhaus war Luke heute in der Tat klarer. Er erkannte mich und konnte sprechen. An den Unfall selbst hatte er keine Erinnerungen. Der LKW vor ihm, mit Stahlteilen auf der Ladefläche, hatte eine Vollbremsung gemacht und er hatte seinen Sicherheitsabstand ziemlich aufgebraucht und 2 Fuß dahinter angehalten. Danach war er im Krankenhaus aufgewacht und sah verschwommene Gestalten um sein Bett, von denen eine meine Stimme hatte. Dazwischen fehlte alles.

    Ich blieb die folgenden 2 Tage in Hull, bis Luke transportfähig war und nach Chester verlegt werden konnte. Dort machte ich in der Firma nur das nötigste, fuhr meistens um die Mittagszeit nach Chester und blieb bis zum Ende der Besuchszeit.

    Irgendwann nach einigen Tagen stellte mir Luke eine überraschende Frage, direkt nachdem ich in sein Zimmer gekommen war:
    "Wusstest Du eigentlich, wie viele Kinder im Vereinigten Königreich ohne Eltern in Heimen aufwachsen?" "Nein." Er nannte die Zahl und ich war mir nicht sicher, ob ich von der Frage selbst oder von der Zahl in der Antwort mehr überrascht sein sollte.
    "Durch den Unfall ist mir erst mal so richtig klar geworden, dass wir hier zwar was für uns aufbauen, aber keinen Plan haben, wie es mal weiter gehen soll." "Was meinst Du damit?" "Ich denke logischerweise gerade auch über meinen Unfall nach. Ich habe keine Ahnung, wie mein Truck aussieht und bin auch wahrscheinlich noch gar nicht bereit, es zu erfahren. Aber ich habe wohl Glück gehabt. Wenigstens habe ich Gefühl in den Füßen und Unterschenkeln, also keine offensichtlichen Nervenschäden.
    Ich hätte aber auch im Rollstuhl enden oder tot sein können. Auch Du wolltest wieder mehr fahren, vor allem als Urlaubsvertretung. Auch wenn wir da nicht gerne dran denken, es kann uns jederzeit treffen, auch wenn wir selbst unschuldig sind. Und natürlich hoffe ich, dass wir beide ohne schwere Unfälle durch den Rest unseres Berufslebens kommen, aber in 30 Jahren bist Du fast 70 und ich mitten in meinen 60ern. Vielleicht wollen wir dann noch was von unserem Leben haben und nicht im Büro vom Stuhl in die Holzkiste fallen.
    So oder so, es wird der Tag kommen, wo Du dieses Unternehmen nicht mehr leiten wirst und ich es auch nicht übernehmen kann oder will. Unsere Angestellten brauchen eine Zukunft nach uns. Und da es mit leiblichen Nachkommen bei uns bis auf merkwürdige Leihmutter-Konstrukte Essig sein wird, habe ich mich entschlossen, Dich zu fragen, ob wir vielleicht einem dieser tausende unglücklicher Kinder ein besseres Zuhause geben wollen?"
    Es war ihm schwer gefallen, diesen Satz zu sprechen. Vermutlich rechnete er mit großem Widerstand von meiner Seite.
    "Und es lässt sich nicht erzwingen, aber zumindest besteht die Hoffnung, dass wir so auch eine neue Generation für die Nachfolge in der Firma bekommen." Im Prinzip waren das genau meine Gedanken in Skandinavien gewesen. Und auch wenn die Zustände hier sicherlich besser waren als in einem von Moskau fast vergessenen Zipfel Russlands, kannte ich doch die schwere Situation, in der sich Kinder in einem Heim befanden und wie sie sich an jeden Strohhalm klammerten, der ihnen Freude, Hoffnung oder einfach nur ein Bisschen Abwechslung versprach.

    Bei den Kindern meiner Schwester brauchten wir nicht nach der Nachfolge zu suchen. Meine Nichte Lena hatte an Zahlen einen Narren gefressen und löste mit 9 Jahren schon einfache Sudokus, rechnete mit Vorliebe den Kassenbon aus dem Supermarkt nach und wenn sie sich am Ende auch noch fürs Steuerrecht erwärmen konnte, dann war sie die nächste Generation im Betrieb meiner Schwester, die das Steuerbüro schon in dritter Generation seit meinem Großvater führte.
    Mein Neffe David interessierte sich für LKW auch nur, so lange sie Spielzeug waren. Der baute mit 7 Jahren Lego Technic, für dessen einfachste Modelle er laut Bauanleitung eigentlich 3 Jahre älter werden müsste. Und er baute sie nicht nur nach Plan, er erfand auch eigene Sachen. Bei meinem Vater hatte er kürzlich die elektrische Eisenbahn entdeckt und fing jetzt auch da dank Märklins kindersicherem Mittelleitersystem an, verrückte Gleisbilder zusammenzustecken. Wenn das anhielt, würde der bestimmt Ingenieur, die Frage war da dann nur noch in welcher Fachrichtung.
    Und die Kinder von Lukes Schwester waren nicht mal sonderlich an LKW interessiert, also wahrscheinlich fand sich auch da keine familiäre Nachfolge. Irgendwo hatte Luke Recht und ich selbst ja auch.
    "Lass uns da noch mal ein paar Nächte drüber schlafen und uns dann informieren. Aber ich hatte schon ähnliche Gedanken." "Echt?" "Ja, in Skandinavien und Russland. Es hatte sich nur noch nicht die richtige Gelegenheit ergeben, Dich darauf anzusprechen." "Ernsthaft informieren können wir uns sowieso erst, wenn ich hier raus und mit der Reha durch bin. Dazu müssen wir ja mal mindestens zum Children and Family Court Advisory and Support Service." Das war das hiesige Gegenstück zum Jugendamt.

    Und am letzten Montag im Juli sprach mich Timo dann im Büro beim Abholen der Papiere an:
    "Denkst Du, die werden sich noch irgendwann mal mit unseren Rechten einig? Bis auf "Brexit heißt Brexit" und "Besser kein Abkommen als ein schlechtes" haben die Briten ja in einem Jahr nichts auf die Beine gestellt bekommen. Und inzwischen sollte auch der letzten Pfeife mal aufgefallen sein, dass der EU nicht viel an abtrünnigen Inseln gelegen ist! Und die neue Regierung sieht so aus, als würde sie noch weniger hinkriegen als die alte." "So abgrundtief ich die DUP hasse, die werden uns eher helfen. So, hier sind Deine Papiere."
    Ich nahm in dem Moment Timos enttäuschtes Gesicht nicht wahr, das wohl mit meiner gleichgültigen Haltung zu der Situation zusammenhing. Eigentlich sollte ich besser wissen, dass ich auf mein bereits vorhandenes "Sorgenkind" ein Auge haben musste.

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    So, nun geht es hier auch mal wieder weiter. Zum Glück sind alle Hunde und Kinder in diesen Tagebüchern erfunden und bestehen nur aus Bits und Bytes. So kann ich ohne allzu große Gewissensbisse einen Hund zu den virtuellen Schwiegereltern abschieben und ein halbes Jahr später ein ebenso virtuelles Kind adoptieren.

    Als der Hund weg sollte, war Marc noch in den Niederlanden aktiv, ich wollte wieder in jedem Kapitel fahren und konnte dabei keinen großen Hund gebrauchen. Ein kleinerer Hund - neben der Bulldogge hatte ich damals an einen deutlich leichteren Beagle gedacht - hätte bleiben dürfen und wäre mit auf Tour gegangen.
    Es gab damals zwischen Marc und mir Gedanken, zwischen Eindhoven und Leyland eine Kooperation für DAF mit wahrscheinlich unbegleiteten Trailern auf der Fähre zu machen. Auch dazu hatte ich Kapazitäten freigeräumt, zu denen es keinen Hund brauchte.
    Nun ist die aktuelle Wahrheit eine andere. Sowohl Marc als auch ich selbst haben auf der anderen Seite des Atlantiks eine zweite Karriere gemacht. Marc hat dazu sein niederländisches Tagebuch komplett eingestellt und ich muss meine Zeit, die in Zukunft auch nicht mehr werden wird, auf zwei Erzählungen aufteilen. Also ist Familienzuwachs jetzt eher eine Ausrede, vorrangig in den Bürodienst zu gehen und nur noch als "Quartalsfahrer" in Europa unterwegs sein zu können.

    Dafür werde ich mutiger mit Mods. Als Luke den Iveco bekam, wollte ich keine Mod-Trucks einsetzen. Wie Seans RJL-Scania beweist, ist es damit inzwischen nicht mehr so weit her. Bei dem hat mich seinerzeit einfach die Möglichkeit gereizt, jede Schraube skinnen zu können. Außerdem hat man im Notfall immer noch die Möglichkeit, "nach einem leichten Unfall" einen Standardgrill einzubauen und auf den SCS-Streamline zurückzufallen.
    Für Luke allerdings soll es dann ein Mod-Truck werden, bei dem keine Rückfallebene existiert. Ich hoffe einfach, dass der Modder auch weiter einigermaßen aktuelle Fahrzeuge raus bringt.

    Mit einem nicht gerade besinnlichen Sommerkapitel in der Neujahrsnacht beende ich dann mein Jahr 2017 im TSM-Forum und wünsche Euch ein frohes neues Jahr. Mit 3 bis 4 Kapiteln sollte ich in Europa einen Zeitsprung in die Weihnachtszeit hin kriegen und dann wird es mal hüben und mal drüben ein neues Kapitel geben, wann immer es passt und nach welchem Kontinent mir die Laune gerade ist.

    889 mal gelesen

Kommentare 23

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    loddi51 -

    Klasse geschriebenes Kapitel. Dir auch ein frohes neues Jahr.

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    DanNHG -

    So kann man den Pizzabomber auch los werden :D

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    infinity -

    Schöne Wiederaufnahme des Europa-Themas, wenn auch mit einem nicht so schönen Unfall. Bin gespannt wie du die Zeitsprünge gestaltest und am Ende die beiden eigenständigen Tagebücher gestalten wirst. Die Mods wie der Scania RJL oder auch der MAN von XBS und Actros Bigstars scheinen mir recht gut auf Stand gehalten zu werden. Man könnte natürlich auch auf die jüngste Modellreihe des Scania von SCS gehen und dort mit einer handvoll Anbauteilen und einem Skin etwas zaubern. Letzteres ist meine Lösung fürs Hauptfahrzeug. Wie gestern beim Deichgrafen schon erwähnt: lieber ein bisschen als gar nichts... In diesem Sinne: guten Start ins Jahr 2018.

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      TurboStar -

      Bei MAN hatte ich eher den Madster ins Auge gefasst. Angeblich läuft der 1.27er noch in den aktuellen Versionen, aber er hat dennoch einen Ordner Flares. Irgendwelche Erkenntnisse zum Madster?

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      infinity -

      Da ich den noch nicht ausprobiert habe meinerseits nein...

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      Sauerlaender -

      Leider bin ich da im Moment auch nicht mehr auf dem Laufenden. Ich fand den Madster auch immer klasse. Vor allem eben auch von der Baureihe neuer, als SCS oder XBS.

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    Werner 1960 -

    Gut geschrieben und schön wieder was aus GB zu lesen. Dir ein frohes neues Jahr 2018.

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    Sauerlaender -

    Wieder ein schön geschriebenes Kapitel, was einen dann aber doch nachdenklich stimmt. Für zwei Tagebücher hätte ich aber auch wirklich nicht die Zeit und dann würde ich auch den Spaß daran verlieren. Fakt ist, dass ich bei meinem niederländischen Tagebuch trotz Standardzugmaschinen zu Modlastig geworden war, was sich insbesondere bei meinen Trailern gezeigt hat. Da kam dann noch zu, dass ich die ganzen Trailer nach jedem Patch hätte wieder neu skinnen müssen, wenn sich der Modder dann endlich mal die Zeit genommen hat, das Trailerpack an den Patch anzupassen. So habe ich jetzt nur noch eine Standardzugmaschine, bei der jetzt auch noch der Skin ein Mod ist und die in Amerika viel häufiger realistische Situation der von Kunden zur Verfügung gestellten Trailer. Wenn da ein Mod nicht mehr funktioniert, dann hat der Kunde halt neue Trailer bekommen.

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      TurboStar -

      Danke. Zugmaschinen wie RJL (Seans Scania) oder CyrusTheVirus (mein FH16 aus den 90ern) sind wohl kein Problem. Ob ich mich auf exotischere Experimente einlassen würde, weiß ich nicht. Auch das Thema Trailer lässt sich eben im Büro am geschicktesten umgehen. Für die Zeit, wo man selber fährt, tut es dann ein einzelner Trailer, der je nach Hintergrundstory nicht mal der eigene sein muss. Dann kann man einen in dem Moment funktionierenden Mod oder einen Standardtrailer nehmen. Den Rest findet sich dann mit den unter Tagebuchautoren bekannten Mitteln und Wegen ;)

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      infinity -

      @Sauerländer: Marc und Katrijn Mulder werden sicher trotzdem immer mal wieder irgendwo auftauchen. Und wie auch immer man die Story zurecht strickt... Autoren jeglicher Coleur sind kreativ. Und sie tüfteln bis es passt :D

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      TurboStar -

      Da es sie weiter gibt, würde ich auch den DAF-Vertrag nicht zu weit hinten in die Ablage stellen. Aber jetzt kann ich alleine bestimmen, wann es passt und muss nicht ständig Gewehr bei Fuß für eine PN sein, dass man mal könnte...

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    Iceman684 -

    Schock einen doch nicht so in der Silvesternacht. Dachte schon du bringst jetzt auch deine bessere Hälfte um die Ecke.

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      TurboStar -

      Nicht nach allem, was ich mit dem beim Schreiben durchgemacht habe ;)

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      Iceman684 -

      Insgesamt aber ein "schönes" Kapitel. Der nächste, der sich in Zukunft mehr im Büro rumtreiben wird.

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      TurboStar -

      Danke, Du weißt ja wie das mit zwei Firmen auf zwei Kontinenten ist :D