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ATS - Kapitel 4 - … und trifft mit unterschiedlichem Erfolg mitten ins Herz

  • Nach der Performance des vorherigen Künstlers war ich eigentlich schon kurz davor zu gehen, doch die Ankündigung des DJ's machte mich neugierig und ich beschloss zu bleiben. Gespannt schaute ich zur Bühne, nippte an meinem Drink und …. verschluckte mich fast.


    Da war Sie, ja Sie, die Lady, die seit Wochen in meinem Kopf herum geisterte. Sie war hier und würde jetzt singen. Denise betrat die Bühne, ging zum Mikro und kündigte an drei Songs zu singen. Gleich darauf gab Sie dem DJ das Zeichen mit der Musik zu starten, was dieser auch umgehend tat. Der erste Song war „Paradise, you and me von Tiffany Ashton, ein Pop/Countrysong, den Denise wirklich hervorragend performte, was sich auch darin bemerkbar machte, dass es immer voller wurde. Viele Leute hatten jetzt den Loungebereich verlassen und waren rüber gekommen, so dass ich gezwungen war meinen Tisch zu verlassen, wenn ich Sie auch weiter sehen und nicht nur hören wollte. Während ich mich also durch die Menge arbeitete, begann Denise mit dem zweiten Song „Girls Night“. Auch dieser war wieder ein Mix aus Pop und Country, aber dieses Mal im Original von Jessie James Decker. Als Denise mit diesem Song fertig war und Ihren mehr als verdienten Applaus erntete, hatte ich es endlich geschafft mir einen Platz mit freiem Blick auf die Bühne zu ergattern. Bevor Sie nun mit dem dritten und letzten Song begann, schaute Sie in die Runde. Unsere Blicke trafen sich zum ersten Mal an diesem Abend und täuschte ich mich? Oder hatte Sie mich angelächelt? Erinnerte Sie sich noch an mich? Ich war zu verwirrt um zurück zu lächeln und Sie begann mit Ihrem dritten Song „Gold“, der von der selben Künstlerin stammte, wie der davor. Während ich gebannt Ihre Darbietung verfolgte, konnte ich Sie in Ruhe betrachten. Meine Erinnerung hatte mich nicht betrogen. Ihr Teint war einen Hauch dunkler als meiner, es steckte wohl ein wenig Latina in Ihr. Die langen dunklen Haare hatte Sie hochgesteckt und Ihre braunen Augen strahlten in den Saal. Zur engen Jeans trug Sie eine weiße taillierte Bluse. Beide Teile betonten Ihre traumhafte Figur sehr gut und es gab wohl keinen Mann in der Bar, der Sie nicht hinreißend fand. Nach Ihrem Auftritt und dem nicht enden wollenden Applaus verschwand Sie vorerst hinter der Bühne. Ungeduldig stand ich an der Bar und wartete, dass Sie sich unter die Gäste mischen würde. Dabei hoffte ich allerdings auch, dass Sie allein hier war und nicht in Begleitung, schon gar nicht in männlicher Begleitung.

    Inzwischen spielte der DJ wieder Musik und die Leute aus dem Loungebereich begaben sich wieder zurück zu ihren Plätzen. Trotzdem war es noch sehr voll und schwierig den Bühnenbereich im Auge zu behalten. Trotzdem bemerkte ich Denise sofort, als Sie neben der Bühne erschien. Sie blickte suchend in die Runde und unsere Blicke trafen sich zum zweiten Mal. Kaum hatte Sie mich erblickt, kam Denise zielstrebig auf mich zu.
    „Hey Pfützenraser, schön dich wiederzusehen.“ Begrüßte Sie mich lächelnd. Ich merkte, wie ich an die peinliche Situation erinnert, rot wurde. „Pfützenraser?“ „Naja, deinen Namen hast du mir ja damals nicht verraten.“ „Dito“ „Aber meinen Namen weißt du inzwischen. Also ich bin Denise“ „David“ Sie zog einen Zettel aus der Tasche, und faltete ihn langsam auseinander. „Ich hab hier die Rechnung von der Reinigung.“ Sie blickte mich ernst an und ich fühlte mich etwas unwohl in meiner Haut. „Du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder du bezahlst die Rechnung….“ Auf einmal grinste Sie „…oder du lädst mich auf einen Drink ein.“ Ich war erleichtert und entschied mich natürlich für Möglichkeit zwei. Da nun das Eis gebrochen war, wurde ich lockerer und besorgte uns zwei Drinks. Mit Ihnen setzten wir uns an einen Tisch und es begann eine angeregte Unterhaltung. Anfangs über die Musik, später auch über andere Themen. Mit der Zeit wurde die Unterhaltung immer vertrauter und ich erfuhr, dass Sie dreiundzwanzig Jahre war, in Miami geboren wurde und seit fünfzehn Jahren mit Ihrer Mom in San Francisco lebte. Hin und wieder berührten sich unsere Hände zufällig. Wir lachten viel und waren voll auf einer Wellenlänge. Es war, als würden wir uns schon lange kennen.

    Wir vergaßen vollkommen die Zeit und bekamen auch nur am Rande mit, dass mittlerweile die weiteren Teilnehmer des Talentwettbewerbs aufgetreten waren. Nun rief der DJ die anwesenden Gäste auf den Namen ihres Favoriten auf einen Zettel zu schreiben und an der Bar abzugeben. Ich brauchte keinerlei Bedenkzeit um mich zu entscheiden. So ging es anscheinend den meisten, denn als der DJ nach einer guten halben Stunde das Ergebnis verkündete, war dieses mehr als eindeutig. Denise hatte mit großem Vorsprung gewonnen und musste nun auf die Bühne, wo Sie die Glückwünsche des DJ entgegen nahm und danach noch einmal Ihre drei Songs performte, wobei Sie immer wieder herunter zu mir schaute. Eigentlich wäre Ihr Auftritt damit beendet gewesen, aber die Gäste der Bar verlangten nach einer Zugabe. Schließlich gab Denise nach, besprach sich kurz mit dem DJ und griff dann wieder zum Mikro. Als Zugabe sang Sie „Baby you belong“ von Faith Hill. Natürlich stand ich auch diesmal direkt an der Bühne. Unsere Blicke trafen sich immer wieder und ich hatte das Gefühl, dass Sie nur für mich sang. Spätestens jetzt war es endgültig um mich geschehen. Nach der Zugabe gab es Standing Ovations und es dauerte eine Weile bis sich die Gäste beruhigten. Als das Interesse an Denise ab nahm begaben wir uns in den Loungebereich, wo wir uns weiter unterhielten.


    Kurz vor zwei Uhr verließen wir die Bar. Da wir beide mit dem Auto gekommen waren, fiel es schon mal aus, dass ich Denise nach Hause fahren konnte. „Darf ich dich dann wenigstens zu deinem Wagen bringen?“ Sie lächelte mich an. „Okay, mein Auto steht um die Ecke.“ Sie hakte sich bei mir ein und wir schlenderten gemütlich in Richtung Ihres Wagens. Obwohl wir sehr langsam gingen, standen wir doch schon nach fünf Minuten vor Ihrem Auto. „Wann sehen wir uns wieder?“ „Wie wäre es mit morgen Abend? Denk dir was aus.“ „Klingt super. Ich melde mich morgen bei dir.“ „Na dann bis morgen.“ Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und stieg in Ihren Wagen. Einige Augenblicke später war Sie verschwunden und ich begab mich zu meinem Auto und fuhr nach Hause.

    Sonntag, 05.November 2017

    Den ganzen Vormittag machte ich mir Gedanken über den Abend. Denise einfach nur zum Essen auszuführen erschien mir zu profan. Am frühen Nachmittag schrieb Denise mir per Whatsapp.
    „Na du, hast du dir schon etwas ausgedacht?“ „Kommt drauf an.“ „Auf was?“ „Ob du nur Singen oder auch tanzen kannst.“ „Natürlich kann ich tanzen.“ „Dann bin ich ja beruhigt, dass heißt ich muss meinen Plan nicht noch einmal über den Haufen werfen.“ „Okay, dann lass ich mich überraschen. Holst du mich ab?“ „Klar, wenn du mir verrätst wo.“ Sie schickte mir eine Adresse und für den Rest des Nachmittages herrschte Funkstille. Ich nutzte die Zeit um mich bei Gina zu erkundigen, wie es so lief. Sie war gerade auf dem Rückweg
    von Los Angeles und musste gerade zum Gewichtscheck antreten.

    Ihre Tour ging zu Best Buy in San Francisco, danach stand auch bei Ihr der Reset an. Wir unterhielten uns eine Weile, unter anderem über den Verlauf Ihrer ersten Woche. Insgesamt war Gina zufrieden, auch an Ihren Dispatchern hatte Sie keine Probleme. Charly war sehr korrekt, mit Keela kam Sie super klar. Nur als die Sprache auf Danny, Ihren dritten Dispatcher kam, druckste Sie herum.
    „Ich werde nicht schlau aus ihm. Er ist der Einzige, bei dem ich die Papiere immer persönlich im Büro abholen muss.“ „Und das ist ein Problem?“ „Eigentlich nicht, er ist ja süß anzuschauen.“ „Süß anzuschauen? Das klingt ja, als wäre mein Schwesterchen verliebt.“ „Kein Kommentar.“ „Okay, aber ich verstehe immer noch nicht, wo das Problem liegt.“ „Naja, Keela hat mir erzählt, dass Danny ein ziemlicher Playboy wäre, der ständig neue Mädels am Start hat.“ Diese Beschreibung hätte auch auf mich zutreffen können, zumindest bevor mir Denise über den Weg gelaufen war. „Und du willst nicht nur eine Nummer in seinem Handy sein?“ „Das auch. Aber ich kann mir nicht erklären, wie er überhaupt Erfolg bei Frauen hat. Er sieht zwar toll aus, aber jedes mal wenn ich an seinem Schreibtisch stehe stammelt er nur herum und starrt mich an, als wäre ich ein Alien.“ „Hast du Ihn darauf angesprochen?“ „Bist du bescheuert? Was soll ich Ihm den sagen?“ „Du bist doch sonst nicht so schüchtern.“ „Sagt der, der einem Phantom nachjagt.“ „Tue ich nicht mehr.“ „Du bist also vernünftig geworden.“ „Könnte man so sagen.“ „Freut mich für dich. Ich werde mal sehen, wie sich das mit Danny weiter entwickelt. Sehen wir uns heute Abend?“ „Sorry Schwesterherz, hab schon was vor.„Verrätst du mir auch was?“ „Nö“ Damit beendete ich das Gespräch dann auch. Trotzdem gingen mir Ginas Worte nicht aus dem Kopf. Ich kannte Sie zu gut um nicht zu wissen, dass Sie sich verknallt hatte. Und Danny schien es ähnlich zu gehen, jedenfalls war das die für mich einzig logische Erklärung für sein Verhalten. Es hatte Ihn erwischt und nun wusste er nicht, wie er es anstellen sollte.

    Am frühen Abend machte ich mich langsam ausgehfertig. Diesmal konnte ich das Haus allerdings verlassen, ohne Mom in die Arme zu laufen. Bei der Adresse, die mir Denise gegeben hatte, handelte es sich um ein nobles Haus in North Beach. Ich parkte den Wagen und klingelte an der Haustür. Nach kurzem Warten öffnete Denise und ich war sprachlos. Sie trug ein enges rotes Kleid, in dem Sie einfach hinreißend aussah und dazu passende Highheels. Entgegen dem vorherigen Abend trug Sie die Haare heute offen. Trotzdem hatte die Frisur bestimmt eine geraume Zeit in Anspruch genommen und den Lockenstab zum glühen gebracht. „Deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen gefalle ich dir.“ Grinste Denise. „Auf jeden Fall.“ „Dann können wir ja los.“ Sie griff nach Ihrer Handtasche und einer dünnen Jacke, die Sie überzog. Im Auto fragte Sie neugierig: „Also? Was hast du geplant? Wo willst du mich mit deinen Tanzkünsten beeindrucken?“ „Es gibt da einen Club bei der Marina. Dahin würde ich dich gern entführen.“ „Klingt gut, aber können wir vorher noch eine Kleinigkeit Essen gehen?“ „Das hatte sowieso vor.“ Ich steuerte das Auto in Richtung Marina zu einem kleinen aber sehr guten italienischen Restaurant, wo wir einen Happen aßen. Danach machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Club. Der kleine Verdauungsspaziergang tat uns gut, zumal es an diesem Abend noch ziemlich mild war.

    Im Club verschaffte ich uns erst einmal einen Tisch und zwei Drinks. Eine Weile unterhielten wir uns noch, bis Denise nach meiner Hand griff und meinte: „Genug geredet. Ich will tanzen. Oder willst du kneifen?“ Natürlich kniff ich nicht und wir legten eine heiße Sohle aufs Parkett. Die verhassten Tanzstunden, die ich als Jugendlicher auf Drängen meiner Eltern nehmen musste, hatten sich zwar schon so manches Mal ausgezahlt, aber dieses Mal war es anders. Mit Denise hätte ich problemlos bis ans Ende der Welt tanzen können. Da dies aber nicht ging und wir außerdem am nächsten Tag beide arbeiten mussten, verließen wir den Club kurz vor Mitternacht. Arm in Arm schlenderten wir die Marina entlang, wobei Sie Ihren Kopf an meine Schulter lehnte. Nach einer Weile hörte ich mich sagen: „Ich hab die ganzen Wochen gehofft dich wiederzusehen.“ Sie lächelte mich an. „Ging mir genauso.“ Wir gingen langsam weiter, bis zu einer Stelle wo man einen tollen Blick auf die Bucht hatte. Hier standen wir uns nun gegenüber, hielten uns sanft an den Händen und hatten nur Augen für uns. „Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“ fragend und etwas nervös schaute ich Denise an. Sie lächelte, kam mir ganz nah und flüsterte mir ins Ohr „Seit drei Wochen schon.“ Ein paar Sekunden blickten wir uns in die Augen und einen Moment später vereinten sich unsere Lippen zu einem langen Kuss. Der restliche Weg zum Auto war zwar nicht mehr all zu weit,
    trotzdem brauchten wir sehr lang dafür. Immer wieder blieben wir stehen und küssten uns. Den letzten und längsten Kuss an diesem Abend gaben wir uns dann vor Ihrer Haustür.


    Montag, 06.November 2017

    Als ich morgens um kurz vor sieben vom Wecker munter gemacht wurde, musste ich mich erst einmal kneifen. Hatte das letzte Wochenende wirklich stattgefunden, oder war es nur ein Wunschtraum? Erst ein Blick aufs Handy brachte Gewissheit. Denise hatte mir geschrieben. Es war also kein Traum sondern Realität. Gut gelaunt startete ich in den Tag und machte mich kurz vor acht auf den Weg zur Firma. Joe hatte sich schon gemeldet und mir eine Tour zugewiesen, allerdings mit der Einschränkung, dass der Trailer erst gegen zehn abholbereit sein würde. Ich hatte also Zeit. Kurz vor meiner Firma musste ich an einer Ampel stoppen und schaute in zwei strahlende braune Augen. Neben mir an der Ampel stand Denise mit Ihrem Alfa. Leider wurde die Ampel im nächsten Moment schon grün und um kein Hupkonzert hinter mir zu riskieren musste ich wohl oder übel Gas geben. Immer wieder fuhren wir auf gleicher Höhe, bis wir kurz vor meiner Firma waren. Ich dachte, dass Denise nun weiter fahren würde, aber als ich rechts blinkte, setzte Sie sich hinter mich und folgte mir auf den Hof von Lion Trucking.


    Bestens gelaunt parkte ich den Wagen und stieg aus. Denise tat das Gleiche, jedoch mit einem deutlich kühleren Gesichtsausdruck, worauf ich mir keinen Reim machen konnte, auch wich Sie zurück, als ich Sie in den Arm nehmen wollte. „Hier arbeitest du?“ Noch immer war ich ein wenig ratlos. Das ich Truckdriver war, wusste Sie. „Ja, du stehst quasi vor der Zentrale von Lion Trucking, dem Unternehmen von mir und…“ „…deiner Frau Gina.“ fauchte Denise mich an. Ich war viel zu erstaunt um mich zu fragen woher Sie meine Schwester kannte. Nur das „Frau“ blieb in meinem Kopf hängen. Denise wandte sich Ihrem Wagen zu und wollte gerade die Tür öffnen, als ich Sie am Arm festhielt und daran hinderte. „Lass mich.“ fuhr Sie mich mit Tränen in den Augen an. „Gina ist meine Schwester, oder siehst du hier einen Ring.“ dabei hielt ich Ihr meine Hände vor’s Gesicht. „Klar. Deine Schwester.“ Sie glaubte mir noch immer nicht. Zum Glück bog in diesem Moment Grandma auf den Hof ein. „Grandma, wärst du so nett dieser Dame zu sagen, wer Gina ist.“ Grandma blickte erstaunt von mir zu Denise und wieder zu mir. „Na deine Schwester.“ Sie blickte Denise an „Dachten Sie etwa…“ „Genau das dachte Sie.“ Grandma lachte „Kindchen da kann ich Sie beruhigen. Die beiden sind nur Geschwister.“ Dann ging Sie ins Büro und ließ uns allein. Denise war deutlich anzusehen, dass Ihr die Situation inzwischen extrem peinlich war. Also nahm ich Sie in den Arm und gab Ihr einen langen Kuss. „Sorry, ich hab mich verhalten wie eine Idiotin. Aber als ich den Truck dort wieder gesehen habe und an die hübsche Lady denken musste…“ „Du kennst den Truck auch?“ „Klar ich hab das pinke Monster schließlich an die Besitzerin übergeben.“ Mit einem Mal wurde mir klar, dass Denise die heiße Latina war, von der Gina damals gesprochen hatte. „Du arbeitest also bei Bay Truck Sales. Ich hab dich dort noch nie gesehen.“ „Normal hab ich eher wenig Kundenkontakt, außer ich vertrete meine Mom, so wie bei der Übergabe von dem da.“ Dabei zeigte Denise auf Ginas Volvo, der neben der Halle stand. „Deine Mom arbeitet auch dort?“ „Nicht nur das. Ihr gehört der Laden.“ Mit einem Mal fiel mir das Schild neben der Bürotür von Julie Snyder wieder ein. „Deine Mom ist Julie Snyder?“ Es war mehr eine Frage als eine Feststellung, denn rein rechnerisch konnte das gar nicht funktionieren. „Ja, Julie ist meine Mom.“ Noch immer rechnete ich im Geiste. „Du kannst aufhören, dir den Kopf zu zerbrechen.“ grinste Denise „Julie ist meine Stiefmutter.“ Das erklärte einiges und doch war ich immer noch neugierig. Also bekam ich in den nächsten Minuten eine Kurzfassung von Denise. „Meine Eltern waren bei meiner Geburt beide 18. Als ich drei Jahre alt war, starb meine leibliche Mutter. Etwa ein Jahr später lernte mein Dad Julie kennen, die damals gerade achtzehn war. Ein Jahr später heirateten die beiden und Julie adoptierte mich sobald es möglich war. Leider hielt das Familienglück nur drei Jahre. Als ich acht war, starb Dad bei einem Autounfall, zu der Zeit lebten wir noch in Miami. Ein paar Monate nach dem Unfall, erhielt Mom ein lukratives Jobangebot und wir zogen nach San Francisco. Anfangs taten wir uns beide schwer hier. Ich vermisste meine Freunde und Julie hatte Probleme Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Aber Sie hat mir nie das Gefühl gegeben, in dieser Zeit ein Klotz am Bein für Sie zu sein. Im Gegenteil, Sie hatte mich schon in Florida in Ihr Herz geschlossen, genau wie ich Sie. Und seitdem sind wir ein Herz und eine Seele. Nach fünf Jahren hatte Sie bei der damaligen Besitzerin von Bay Truck Sales einen so guten Eindruck hinterlassen, dass diese Mom anbot das Geschäft zu übernehmen, was Sie auch tat. Nur war Bay Truck Sales damals noch eine Kenworth Niederlassung. Aber die Kenworth Leute hielten nichts von einer siebenundzwanzig Jährigen, Alleinerziehenden Mutter als Vertragspartner und kündigten Ihr den Vertrag. Woraufhin Sie mit Volvo offenere Partner fand, die Ihr eine Chance gaben. Seitdem hat Sie das Unternehmen innerhalb von zehn Jahren zum größten Volvo Truck Händler an der Westküste gemacht und nebenbei noch eine pubertierende Tochter großgezogen.“ „Und vor allem letzteres ist Ihr sehr gut gelungen.“ Kommentierte ich Denise letzten Satz, nachdem ich vorher Ihren Worten aufmerksam gelauscht hatte. „Und trotzdem wird Sie mir den Kopf abreißen, wenn ich nicht langsam im Büro aufschlage.“

    Während unseres Gesprächs war die Zeit natürlich nicht stehen geblieben und so war es inzwischen kurz nach neun. Trotz des Zeitdrucks unter dem Denise jetzt stand, dauerte die Verabschiedung sehr lang, wussten wir doch nicht, wann wir uns das nächste Mal sehen würden. Erst nach mehreren langen Küssen stieg Sie in Ihren Wagen und fuhr zur Arbeit. Als Denise weg war, ging ich ins Büro wo Grandma sich gerade über Ginas Papiere der letzten Woche hermachte. „Gehe ich recht in der Annahme, das dieses entzückende Mädel deine Unbekannte ist?“ Versonnen sah ich aus dem Fenster und reagierte nicht. „Erde an David.“ Sie wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht herum. „Ähh ja“ „Hat Sie auch einen Namen?“
    „Denise“ antwortete ich verträumt. Grandma grinste: „So hab ich dich ja noch nie erlebt. Du bist ja rettungslos verliebt.“ „Ja.“ Noch immer starrte ich träumend aus dem Fenster. „Dann
    gehe ich mal davon aus, dass ich mir den Namen merken sollte und die Kleine nicht in zwei Wochen schon wieder Geschichte ist, so wie deine bisherigen Eroberungen.“
    „Definitiv nicht.“ Da ich immer noch am Fenster stand, fragte Grandma schließlich. „Willst du ewig da stehen bleiben, oder vielleicht auch mal wieder Geld verdienen.“ „Ich geh ja schon.“ In der Halle räumte ich meine Sachen in den Truck und begann mit der PTI, die natürlich nicht lange dauerte und machte mich danach auf den Weg zu Beaver Homes. Dort angekommen holte
    ich mir bei Joe die Papiere und sattelte den inzwischen fertig beladenen Trailer auf und startete meine Tour. Es ging mal wieder mit Baumaterialien im Schlepp nach Los Angeles, also eine eher kürzere Tour. Trotzdem hatte auch diese Tour ihre Tücken kam ich doch genau zur Rush Hour in L.A. an. So dauerte es gefühlt auch ewig, bis ich den Trailer am Ziel abliefern konnte. Zum Glück sollte ich direkt wieder einen Trailer aufnehmen, der zurück nach San Francisco gebracht werden musste. Das Ganze hatte noch einen Vorteil für mich, mit meiner restlichen Fahrzeit müsste ich eigentlich bis nach Hause kommen. Unterwegs verfluchte ich jede Verkehrsstörung, denn mit der Zeit zeigte sich, dass es doch knapp werden würde. Letzen Endes ging es sich aber doch aus und ich hatte sogar noch eine Stunde übrig, als ich den Trailer geparkt hatte.

    Spontan beschloss ich rüber zu Bay Truck Sales zu fahren. Weniger um vielleicht Denise zu sehen, viel mehr wollte ich mir Schneeketten besorgen. Nach wenigen Minuten erreichte ich mein Ziel und steuerte den Volvo auf den Kundenparkplatz, dabei bemerkte ich, dass Denise noch arbeitete. Jedenfalls parkte Ihr Wagen noch auf dem Mitarbeiterparkplatz.


    Ich begab mich in den Showroom, wo ich direkt in die Bredouille geriet. Zum einen sah ich Denise, die gerade einen Kunden verabschiedete. Zum anderen kam Julie direkt lächelnd auf mich zu und fragte.
    „Hallo Mr. Lion. Was führt Sie zu uns, hoffentlich keine Probleme.“ „Hallo Mrs. Snyder. Nein es gibt keine Probleme mit dem Truck. Aber ich brauche Schneeketten.“ Während ich Julie antwortete, stand Denise noch immer an Ihrer Bürotür. Wie gern wäre ich zu Ihr gegangen und hätte Ihr einen Begrüßungskuss gegeben. Aber wer weiß was Julie dazu gesagt hätte. Auch im weiteren Verlauf des Gesprächs blickte ich immer wieder verstohlen in Denise Richtung. Schließlich hatte ich von Julie ein Angebot für Schneeketten und einen passenden Staukasten. Dieser konnte auch noch am gleichen Tag eingebaut werden.

    Also verließ ich das Büro und holte meine Sachen aus dem Truck. Als ich wieder ausstieg und mich umdrehte, stand auf einmal Denise vor mir. Sofort umarmte und küsste Sie mich. „He, he, nicht so stürmisch. Was ist wenn deine Mom uns sieht?“ „Sie ist im Büro und dein Truck verdeckt uns.“ Von diesem Argument beruhigt, nahm ich Denise in den Arm. „Ich hab dich den ganzen Tag vermisst.“ Sie strich mir sanft übers Gesicht. „Ich dich auch.“ Wir küssten uns leidenschaftlich und vergaßen alles um uns herum, bis wir durch eine Stimme wieder in die Realität geholt wurden. „Darf ich kurz stören?“ Wir zuckten zusammen, drehten uns um und schauten erschrocken in Julies Gesicht. Ich spürte, wie ich knallrot anlief. Julie jedoch grinste uns an. „Keine Panik, ihr könnt gleich weiter machen.“ Jetzt waren Denise und ich baff und machten wahrscheinlich keinen sonderlich intelligenten Gesichtsausdruck. „Was? Die Blicke die ihr euch vorhin im Büro zugeworfen habt, hätte selbst ein Blinder bemerkt.“ Noch immer fühlten wir uns nicht sonderlich wohl in unserer Haut. „Keine Panik, ich lass euch gleich wieder in Ruhe, sobald du mir verrätst, wo du die Finanzierungsunterlagen hingelegt hast, die ich dir heute Mittag gegeben hatte.“ Denise sagte Ihr, wo Sie die Papiere finden könnte und Julie wandte sich zum gehen. „Okay, danke. Weitermachen.“ Denise und ich schauten uns erstaunt an, als Julie noch einmal stehen blieb, sich umdrehte und augenzwinkernd meinte. „Schönen Feierabend und genießt den restlichen Tag.“ Dann verschwand Sie im Gebäude und wir standen immer noch wie angewurzelt neben meinem Truck. „Das war jetzt peinlich.“ „Schon, aber trotzdem hat deine Mom ja richtig locker reagiert.“ „So kenn ich Sie. Um Sie zu schocken müsstest du schon 30 Jahre älter als ich, 300 Pfund schwer, komplett tätowiert und vollkommen ungepflegt sein. Dann wäre Sie komplett ausgeflippt.“ Ich musste grinsen, da ich mir versuchte diesen Typen vorzustellen. „Na läuft's Kopfkino?“ „Leider“ Ich schüttelte mich, da ich jetzt wirklich ein Bild im Kopf hatte. Denise umarmte mich wieder und küsste mich. „Na wieder schönere Bilder im Kopf?“ „Noch nicht ganz.“ grinste ich, zog Sie näher an mich und küsste Sie. „Jetzt besser?“ „Ja“ „Dann können wir ja jetzt verschwinden.“ „Und wohin?“ „Da fällt uns schon was ein.“ Arm in Arm gingen wir zu Denise Auto und verließen das Gelände. In North Beach gingen wir einem kleinen Restaurant essen, anschließend machten wir noch einen romantischen Spaziergang und standen schließlich vor Ihrer Haustür. Wir küssten uns leidenschaftlich, während Denise die Tür öffnete.

    Am nächsten Morgen wachte ich gegen sieben in Denise Armen auf, die noch tief und fest schlief. Nach einer Weile wurde Sie auch munter und um halb acht klingelte der Wecker. Kurz vor acht schafften wir es dann die Finger voneinander zu lassen und aufzustehen. Nach einer gemeinsamen Dusche frühstückten wir in der Küche, als Julie das Haus betrat. Sie kam anscheinend vom Joggen, wünschte uns einen guten Morgen, bat darum Ihr Kaffee übrig zu lassen und ging nach oben. Meine Anwesenheit schien für Sie vollkommen normal zu sein. Gegen neun kamen wir an Denise Arbeitsplatz an, wo ja auch mein Truck noch stand. Natürlich dauerte die Verabschiedung wieder sehr lang und wurde durch das klingeln meines Handys zu einem abrupten Ende gebracht. Joe rief an und fragte, ob ich wieder einsatzbereit bin. Als ich diese Frage mit ja beantwortete hatte er mal wieder zwei Möglichkeiten für mich. Eine lange Tour nach Nebraska oder Regionalverkehr für den Rest der Woche. Zum ersten Mal entschied ich mich ohne zu zögern für letzteres. Versprachen kurze Touren doch Pause in der Heimat und das war mir im Moment mehr als recht. Kurz nach halb zehn stand ich bei Beaver auf dem Hof und holte meine Papiere bei Joe ab. Wie abgesprochen handelte es sich um Regionalverkehr. Hauptsächlich um die Belieferung von Baustellen in und um San Francisco, was allerdings auch wieder viel Kurbelei versprach, war der Volvo doch eigentlich dafür nicht geeignet. Aber die Aussicht die Nächte im eigenen Bett zu verbringen machten diesen Nachteil mehr als wett. Der erste Tag verging dann auch wie im Flug und am frühen Abend konnte ich meinen Truck in der Firmenhalle parken. Gina war inzwischen auch wieder unterwegs. Ich hingegen griff als erstes zum Handy und schrieb Denise. Wir verabredeten uns für den Abend und trafen uns dieses Mal direkt bei Ihr, was kein Problem war, da Sie das Erdgeschoss des Hauses für sich hatte und Ihre Mom das Obergeschoss bewohnte. Lediglich die große Küche teilten sie sich.

    Mittwoch, 08.November 2017

    Der Wecker klingelte heute deutlich zeitiger als am Tag zuvor, was aber auch hieß, dass ich eher Feierabend machen konnte. Trotzdem lief der Start in den Tag fast genauso ab wie tags zuvor, nur das ich schon gegen halb acht in meinem Truck saß und auf dem Weg zu Beaver war. Der Arbeitstag war dann vergleichbar, nur das es heute ausschließlich Touren innerhalb der City waren. Da ich heute eher als Denise Feierabend machte, beschloss ich Sie von der Arbeit abzuholen. Nach einem langen Begrüßungskuss überlegten wir, was wir anstellen wollten. Da uns nicht schon wieder der Sinn nach einem Restaurantbesuch stand, beschlossen wir gemeinsam zu kochen, was zur Folge hatte, dass wir zu mir fuhren, da Ihre Mom heute Besuch erwartete. Während wir eine Stunde später gemeinsam die Küche der Lionschen Familienvilla unsicher machten, war Denise neugierig.
    „Wie passt das alles zusammen?“ „Was?“ „Das große Haus, dein Auto, der neue teure Truck und das äähh rustikale Firmengelände?“ „Das Haus gehört meinen Eltern, aber Gina und ich wohnen ebenfalls noch hier. Nur Vicky, unsere große Schwester, hat eine eigene Wohnung. Den Benz gab's von Dad zum Abschluss. Der Truck gehört zum Großteil der Bank und Geld für einen Neubau ist im Moment nicht
    da.“
    „Was machen deine Eltern beruflich?“ „Hoteliers“ „Hoteliers? Warte mal. Lion? Es gibt doch das Grand Lion Hotel in Embacadero. Ist das...“ Ich nickte „Das gehört meinen Eltern und Grandma.“ „Und du wolltest da nicht einsteigen?“ „Nein ich wollte meinen Traum verwirklichen und mir außerdem etwas eigenes aufbauen.“ „Da waren deine Eltern bestimmt begeistert.“ „Anfangs gab es Stress, aber jetzt haben Sie es akzeptiert. Zumal Vicky ja im Hotelmanagement arbeitet und die Nachfolge so gesichert ist.“ „Und deine Grandma hat dich am Montag nur besucht?“ „Grandma hat sich vor einigen Jahren aus dem Tagesgeschäft im Hotel zurückgezogen. Da Ihr der Ruhestand aber zu langweilig ist, hat Sie sich quasi selbst zur Buchhalterin von Lion Trucking gemacht.“ Während wir uns unterhielten, dabei ein Glas Wein tranken und ein leckeres Essen zubereiteten verflog die Zeit. Nach dem Essen machten wir es uns auf der Terrasse gemütlich, bevor wir schließlich schlafen gingen.

    Auch die nächsten Tage verliefen ähnlich. Joe versorgte mich mit regionalen Touren und die Abende verbrachte ich mit Denise, genau wie wir auch das Wochenende wieder zusammen verbrachten. Am Sonntagnachmittag lernte Denise dann meine Eltern kennen, wenn auch eher ungeplant. Eigentlich sollten die beiden erst am Abend aus dem Urlaub zurück kommen. So standen sie aber schon gegen vier auf der Matte und wussten auch sofort Bescheid, dass Besuch im Haus war, stand doch Denise Alfa neben meinem Benz in der Einfahrt. Nachdem ich Denise den beiden vorgestellt hatte, fragte Mom ganz direkt. „Ist Sie die große Unbekannte?“ worauf Denise Sie fragend ansah. Mom lächelte Sie an „Seit eurer ersten Begegnung war er wie ausgewechselt und total verknallt.„Mom“ „Was denn, darf Sie nicht wissen, dass du vom ersten Moment an in Sie verschossen warst?“ Denise lehnte sich an meine Schulter. „Mir ging es ähnlich.“

    Montag, 13.November 2017

    Leider war das Wochenende wieder viel zu schnell vorüber und eine neue Arbeitswoche rief laut und heftig. Dieses Mal hatte ich auch nicht das Glück, jeden Abend zuhause zu sein, sondern war die ganze Woche unterwegs, da Joe mich am Montag direkt nach Houston, TX schickte. Da ich aber von dort aus auch direkt eine Rückladung bekommen sollte, wäre
    wenigstens das Wochenende zuhause nicht in Gefahr. Trotzdem dauerte an diesem Montag der Abschied von Denise noch länger als sonst.

    Von Frisco aus ging es über L.A., Phoenix, Tucson und El Paso nach Texas, wo ich am Mittwochvormittag Houston erreichte. Die versprochene Rücktour war dieses Mal auch noch da und so machte ich mich nach dem Abladen direkt wieder auf den Weg nach Kalifornien. Während der Fahrt war ich dann, wie jeden Tag, fast ständig mit telefonieren beschäftigt. Mal sprach ich mit Joe über die Auftragslage, mal mit Mom über dies und das, häufig mit Gina über die Firma, Ihre Woche und Danny, mit dem Sie noch keinen Schritt weiter war. Aber am aller meisten telefonierte ich natürlich mit Denise, die es kaum erwarten konnte, dass ich wieder zurück war.

    Auch das nächste Wochenende verbrachten wir wieder fast ausschließlich gemeinsam. Nach meinen Eltern lernte jetzt auch Gina Denise als meine Freundin kennen, was Schwesterchen flapsig kommentierte.
    „Und du hast damals noch gesagt, dass du kein Interesse hast, als ich von der Lady gesprochen habe, die mir meinen Truck übergeben hat.“ „Dafür
    hat er jetzt umso mehr Interesse an mir.“
    konterte Denise und beide grinsten mich an.

    Montag, 20.November 2017

    An diesem Montag kamen Gina und ich ziemlich zeitgleich auf dem Firmenhof an. Es versprach eine kurze Woche zu werden, zu mindestens für mich. Joe hatte mir schon gesagt, dass er nichts für mich hätte. Ich musste mir also selbst etwas suchen und in dieser Woche war die Auswahl an Frachten reichhaltig. Vor allem die großen Handelsketten versuchten händeringend ihre Frachten von A nach B zu bekommen. So kam es, dass ich mir als erstes eine Tour für Best Buy nach Phoenix raus pickte, die ziemlich gut bezahlt war. Gina hingegen wurde von Ihrem Dispatcher Charlie in den Moloch von L.A. geschickt. Da wir beide bei Best Buy unsere Trailer abholen sollten, fuhren wir hintereinander. Auch danach fuhren wir im Konvoi, wobei wir uns über Funk unterhielten. Dabei konnte ich in gewisser Weise heraushören, dass Gina mich beneidete. Ich hatte meine Traumfrau gefunden und schwebte privat auf einer rosaroten Wolke. Sie hingegen fuhr nur einen rosaroten Truck. Bei L.A. trennten sich dann unsere Wege, als ich auf die I-210 wechselte. Gina hingegen stand jetzt der anstrengendste Teil der Tour bevor, die Fahrt in eines der Industriegebiete von Los Angeles. Am späten Nachmittag erreichte ich dann den Großraum Phoenix und wieder war das Navi zeitweise extrem verwirrt, fand letzten Endes aber doch den richtigen Weg. Direkt nach dem Abliefern des Aufliegers suchte ich mir ein Plätzchen für meine Pause, machte mir aus meinen Vorräten etwas zu Essen, telefonierte eine Ewigkeit mit Denise und suchte eine Fracht für den nächsten Tag. Ich fand schließlich eine Tour mit Tiefkühlgemüse nach Reno.


    Dienstag, 21.November 2017

    Früh an diesem Morgen machte ich mich auf den Weg um meinen Trailer abzuholen und mich auf den Weg nach Nevada zu machen. Erstaunt nahm ich beim Verlassen von Phoenix zur Kenntnis, dass das Navi mich dieses Mal nicht über Las Vegas nach Reno schickte, sondern mich erst bis fast nach L.A. auf der I-10 nach Westen schickte, um mich dann auf der US-395 nach Norden und direkt nach Reno zu lotsen. Die Route kannte ich zwar nicht, trotzdem folgte ich dem Navi. Am Ende des Tages hatte ich den Trailer in Reno abgestellt, machte meine Pause und hatte eine neue Alternativroute gefunden um das staugeplagte Las Vegas zu meiden. Da ich diesmal auf einem Truckstop stand, gönnte ich mir einen Restaurantbesuch. Später in der Kabine telefonierte ich wieder mit Denise und suchte auch wieder nach einem neuen Auftrag.


    Mittwoch, 22.November 2017

    Den Tag vor Thanksgiving begann ich mit einem Besuch der Sanitärabteilung des Truckstops, gefolgt vom Restaurant, wo ich frühstückte. Dann war es an der Zeit meinen Trailer abzuholen. Ich hatte mir eine Tour nach Los Angeles besorgt. Es ging also die meiste Zeit des Tages den selben Weg zurück, den ich am Tag zuvor gekommen war. Während ich unterwegs eine Pause machte, versuchte ich einen Anschluss nach Frisco zu finden. Den Feiertag wollte ich schließlich unbedingt zuhause verbringen. Nach einigem Suchen wurde ich auch fündig. Nur verzögerte der Verkehr im Großraum L.A. meine Ankunft am Ziel und damit auch die Abholung des Trailers, der nach Frisco sollte. Es war also abzusehen, dass ich erst am nächsten Tag zuhause aufschlagen würde. So kam es dann auch. Mit strahlender Morgensonne im Nacken erreichte ich gegen neun Uhr meine Heimatstadt über die Bay Bridge.

    Ich lieferte den Trailer ab und fuhr zu unserem Firmenhof, wo ich den Volvo in der Halle parkte und nach Hause fuhr. Dort machte ich als erstes ein kurzes verfrühtes Mittagsschläfchen. Am Nachmittag verließ ich dann das Haus und wollte mich mit Denise treffen. Den Abend konnten wir ja leider nicht miteinander verbringen, da sowohl Ihre Mom, als auch meine Eltern Abwesenheit mit Missfallen registriert hätten. Also hatten wir ausgemacht wenigstens den Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Die Zeit verflog natürlich wieder viel zu schnell und um kurz nach fünf verabschiedeten wir uns voneinander. Zuhause angekommen, war die Familie schon komplett anwesend, auch wenn Gina gerade erst eingeflogen zu sein schien und sich noch umzog. Vicky, unsere Eltern und Grandma hatten sich hingegen schon schick gemacht. Später saßen wir gemeinsam beim Essen und auch danach noch lange beieinander. Selbst Gina konnte den Abend bis zum Ende genießen, hatte Sie mit Ihren Dispatchern doch ausgemacht, dass Sie erst um zehn am nächsten Vormittag wieder fahren musste. Somit wurde es ein rundherum gelungenes Thanksgiving im Kreise der Familie. Nur einmal war Mom etwas genervt und der Grund dafür war ich, weil ich ständig mit dem Smartphone herumspielte und mit Denise Whatsapp schrieb. Schließlich drohte meine Mom, mein Handy im Pool zu versenken, wenn ich es nicht bald weglegte und ich hatte wenig Lust es drauf ankommen zu lassen.

    Freitag, 24.November 2017 (Black Friday)

    Nach dem langen Vorabend dauerte es an diesem Morgen etwas, bis Bewegung in die Villa Lion kam. Aber schließlich verließen wir alle nach und nach das Haus. Ich hatte es dabei nicht sonderlich eilig, da ich eh noch keine Tour hatte. Also setzte ich mich in der Firma angekommen, als erstes an den Laptop und durchforstete die Frachtbörsen. Meine Wahl fiel schließlich auf eine Tour von Best Buy in San Francisco zum Walmart Zentrallager in Sacramento. Auch eine Rücktour fand ich ohne Probleme und so kam es, dass ich erst mit Fernsehern nach Sacramento fahren sollte und von dort aus mit Haushaltsgeräten wieder zurück nach Frisco. Alles in allem also etwa 200 Meilen, die vor mir lagen und gerade an diesem Tag sehr stressig zu werden versprachen. Hatte doch schließlich fast das ganze Land frei und nutzte diesen Tag zu shoppen.

    So kam es auch, dass ich eine knappe Stunde brauchte um von meinem Hof zu Best Buy zu kommen. Auch von dort auf die Interstate zu kommen gestaltete sich als äußerst zeitfressendes Unterfangen. Erst als ich Frisco hinter mir gelassen hatte, rollte der Verkehr flüssig. Nach einer reichlichen Stunde änderte sich das allerdings schon wieder, als ich mich Sacramento näherte. Trotzdem konnte ich gegen elf den Trailer auf dem Gelände des Walmart Zentrallagers abstellen. Die Papiere hätte ich zwar auch beim Lagerchef tauschen können, aber das tat ich nicht. Von Gina kannte ich die Schichtpläne der Dispatcher und wusste auch, dass Keela Urlaub hatte. Charlie und Danny mussten also zwölf Stunden Schichten schieben und Danny hatte die Tagschichten erwischt.

    Im Büro marschierte ich schnurstracks auf seinen Schreibtisch zu.
    „Hallo, David Lion von Lion Trucking. Ich hab gerade eine Ladung Fernseher unten abgeliefert und soll eine Ladung Haushaltsgeräte mit nach Frisco nehmen.“ Dabei reichte ich Ihm die Frachtpapiere hin. Danny blickte von seinem Bildschirm auf und schien mich auch direkt zu erkennen, obwohl wir uns bisher erst ein einziges Mal gesehen hatten. „Hallo David, du kannst die Papiere gleich mitnehmen.“ Während er die alten Frachtpapiere entgegen nahm und die neuen fertig machte
    schien es in Ihm zu arbeiten. Immer wieder schaute er kurz auf und ich merkte, dass Ihm etwas unter den Nägeln brannte. Es gehörte auch nicht all zu viel Fantasie dazu, mir auszumalen, was oder besser wer das war. Doch anscheinend traute er sich nicht, mit mir über dieses Thema zu reden. Wortlos machte er die Papiere fertig, reichte sie mir und wünschte mir eine gute Fahrt. Ich wandte mich mit den Papieren in der Hand dem Ausgang zu, als er mir hinterher rief.
    „David, Hast du noch eine Minute?“



    Schöne Grüße aus Sachsen

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Kommentare 41

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    dsw21michhoe -

    Tolle Geschichte freue mich auf den nächsten Teil.

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    elwime -

    Sehr schöne Geschichte, gefunden und zufrieden

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    infinity -

    Schickes Kapitel. Klasse, dass einige Charaktere inzwischen Tagebuchübergreifend auftauchen und trotzdem jeder seine ganz eigene Story erzählt Und wieder einmal zeigt sich: gut, dass es Oma gibt...

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    Werner 1960 -

    Klasse und spannend geschrieben.

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    alaskabaer01 -

    Schönes Kapitel, gut dass du Denise endlich getroffen hast und ihr euch einig seid. Tolle Bilder, mir gefällt die Aufnahme auf der Brücke sehr gut.

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    Sauerlaender -

    Sehr schönes Kapitel von dir. Auch unsere gemeinsamen Personen hast du wieder sehr gut umgesetzt. Allerdings frage ich mich, was du für Fahrzeiten berechnest oder wie schnell du rast. Von San Francisco bis Phoenix in einer Schicht, oder LA und zurück in einer Schicht, wie macht man das? Von Phoenix bis nach Reno ist mir erst recht ein Rätsel. Ich komme selbst in Staaten, wo ich schneller, als 55 fahren kann, wo ich im Moment 66 fahre maximal auf etwas über 600 Meilen pro Tag, was ja umgerechnet schon 1000 Kilometer sind. Aber für deine Tagesstrecken brauche ich immer zwei Tage. :)

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      Iceman684 -

      Also ca. 800 Meilen schaffe ich in einer ATS Schicht, ohne die Speedlimits mit Füßen zu treten. Die 600 Pferdchen des Volvo stehen eben sehr gut im Futter, so dass die Reisegeschwindigkeit sehr schnell erreicht ist.

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      Sauerlaender -

      800 Meilen bei einer Fahrzeit von 11 Stunden gibt ja rein rechnerisch schon einen Schnitt von über 72 Meilen pro Stunde. Wie soll das gehen bei einem Tempolimit von 55 Meilen pro Stunde in Kalifornien?

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      TurboStar -

      Also ich bin sogar im tiefsten Süden (ab VA bis an den Golf ist alles 70) und als Ausgleich für Kalifornien mit dem einen oder anderen auf 55 mph limitierten Trailer wegen Überlast bisher nicht mal an die 60 Meilen ran gekommen. Die schnellste Woche mit dem 579 war Kapitel 16 bei 55,7 mph. Der Mack hatte genug zu tun, mit seinen 10 Gängen überhaupt aus der Hefe zu kommen.

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    loddi51 -

    Klasse geschriebens Kapitel.

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    TurboStar -

    Und auch bei Lion geht es weiter. Schönes Kapitel. Langsam komme ich gefühlt unter Zugzwang, auch mal Thanksgiving hinter mich zu bringen :)

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      Sauerlaender -

      Thanksgiving ist ja auch noch in meinem kommenden Kapitel. Also mach dir keinen Stress.

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      Iceman684 -

      Ich überleg schon, wie es mit Weihnachten, Weihnachtsfeiern bei Bay Truck Sales und im Grand Lion Hotel aussieht. Und außerdem steht noch ein besonderer Tag an, von dem David aber noch nix weiß.

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      Sauerlaender -

      Da darf man ja gespannt sein.