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26. Mit Keela zusammen in die Twin Cities

  • Samstag, den 18. November 2017, 7:30 pm Pacific Standard Time:

    Mein Handy klingelte und die Rufnummer des Diensthandys wurde mir als Anrufer angezeigt. „Guten Abend, Charlie.“ Begrüßte ich ihn. „Hallo Marc. Bleibt es dabei, dass du zusammen mit Keela auf Tour gehst?“ „Selbstverständlich. Soll ich sie dir geben, dann kann sie dir das selber beantworten.“ „Nicht nötig. Ich glaube euch das auch so. Ich denke mal, ich habe eine Tour reinbekommen, die dann genau das Richtige für euch ist.“ „Das klingt nach einer Tour nach…“ „…Minneapolis?“ fragte Keela von hinten. Charlie hatte das wohl mitbekommen, da Keela das nicht gerade leise gefragt hatte. „Kann deine Freundin hellsehen?“ fragte Charlie. „Dann stimmt es?“ „Fast. Ich habe einen STAA-Double für Saint Paul hier stehen.“ „Das klingt gut. Dann sollte aber auch ein Reset in Minnesota über Thanksgiving drin sein.“ „Das sollte sich machen lassen." „Wie bekommen wir denn Keela dann wieder rechtzeitig nach Hause?“ „Im Zweifelsfall mit dem Flieger.“ „Das geht natürlich auch.“ „Gibst du mir Charlie mal eben?“ fragte mich Keela. „Warte mal, Charlie. Keela möchte noch was von dir.“ Ich reichte Keela das Handy und bekam jetzt natürlich nur noch die Hälfte des Gesprächs mit. „Guten Abend, Charlie. Wie stehen denn im Moment die Chancen, dass wir in Minneapolis eine Rückladung in diese Richtung bekommen?“ Die Antwort hörte ich natürlich nicht. „Ich habe ja genug Kontakte dort. Ich würde die schon dazu bekommen, eine etwaige Ladung nach Kalifornien für uns festzuhalten.“ Wieder erwiderte Charlie was. An Keelas Gesichtsausdruck konnte ich sehen, dass ihr seine Antwort nicht ganz passte. „Ich weiß auch, dass ich am Montag, den 4. Dezember wieder mit Frühschicht anfangen muss.“ Wieder sagte Charlie was. „Mir ist klar, dass wir dann nicht bis zum Vierten wieder hier wären. Kann ich denn nicht, ein, zwei Tage verlängern?“ Wieder sagte Charlie was. „Wie lange? Was weiß ich. Bis Marc mich in Sacramento rauswerfen kann. Das wären dann ja auch nur ein, zwei Tage länger.“ Wieder sagte Charlie was. „Komm. Bitte. Ich habe ja auch seit dem Sommer keinen Urlaub mehr gehabt.“ Es kam wieder eine Antwort. „Was heißt hier, Danny auch nicht? Was kann ich denn dafür, dass Danny keinen Urlaub beantragt hat?“ Und wieder eine Antwort. „Echt? Wirklich? Du bist ein Schatz. Falls wir keine Ladung in Richtung Heimat bekommen, nehme ich natürlich den Flieger. Ich wollte auch nicht Wochenlang mitfahren.“ Charlie sagte noch mal was. „Wir bleiben ja in Kontakt. Über Handy oder über Marc’s ORBCOMM.“ Und abschließend nochmal was von Charlie. „Klar. Wenn ich verlängern muss bekommst du das schriftlich. Das maile ich dir dann.“ Dann nur eine kurze Antwort. „Danke. Dir und Danny auch eine angenehme Woche.“ Dann legte sie auf. „Was ist los?“ fragte ich erstaunt. „Wenn wir was von Minnesota zurück nach Kalifornien bekommen, kann ich den Rückweg auch mit dir machen. Dann verlängere ich ein, zwei Tage.“ „Ist ja super.“ „Ich muss dann nur meine ehemaligen Kollegen darauf ansetzen, dass sie uns eine entsprechende Ladung besorgen.“ „Dann versuche mal deine Kontakte zu nutzen.“ „Ich werde gleich mal Stella antexten, damit sie sich da schon mal drum kümmern kann. Vorher muss ich aber meine Mom anrufen und uns für Thanksgiving anmelden.“ Ich merkte, dass Keela jetzt richtig aufgekratzt war. Es schien ihr zu gefallen, dass die Tour ausgerechnet nach Minnesota ging.

    Während Keela dann über ihr Telefon mit ihrer Familie sprach, rief ich von meinem Handy zu Hause an. „Murdock.“ Meldete sich Dad mürrisch. „Hallo Dad. Marc hier.“ „Hallo. Was willst du?“ Er fertigte mich jetzt auch so knapp und unfreundlich ab. Was hatte ich ihm denn jetzt getan? „Ist Irgendwas nicht in Ordnung, dass du mich so abfertigst?“ „Du weißt doch genau, was hier zu Hause los ist.“ „Da kann ich doch nichts für.“ „Von mir aus. Was willst du denn jetzt?“ „Ich habe gerade mit Charlie meine Tour für die Woche besprochen. Ich wollte euch eigentlich nur mitteilen, dass ich an Thanksgiving nicht hier bin.“ „Zur Kenntnis genommen. Du wolltest den Job ja machen. Deiner Mutter bringst du das aber selbst bei.“ „Dann gib sie mir.“ „Moment.“ Ich hörte, wie er mit dem Telefon in der Hand durchs Haus ging. Wahrscheinlich war er vorher in seinem Arbeitszimmer und hatte das Gespräch da angenommen. Dann hörte ich, wie er sagte: „Marc für dich.“ „Hallo Marc.“ Hörte ich dann die Stimme meiner Mutter. „Hi, Mom. Die Stimmung zu Hause schein ja immer noch nicht besser zu sein.“ „Das stimmt. Dein Vater ist halt einfach stur, wenn es um das Thema geht.“ Ich fragte mich, ob mein Vater noch danebenstand. „Deswegen rufe ich aber nicht an. Ich wollte jetzt sagen, dass Keela und ich an Thanksgiving nicht in Sacramento sind. Ich habe gerade meine Tour bekommen.“ „Und wo geht’s hin?“ „Nach Saint Paul.“ „Da hat Keela doch bestimmt ihre Finger drin gehabt.“ Meinte Mom mit einem leichten Lachen. „Nur insofern, als dass ihr ihre Kollegen einen Gefallen tun wollten.“ „Dann wünsche ich euch viel Spaß und grüß mir Keelas Familie unbekannterweise.“ „Mach ich.“ Wir legten dann auf. Keela war aber noch am Telefonieren. Ihr Gespräch mit Minnesota dauerte länger, als mein Ortsgespräch mit meiner Familie.

    Ich nutzte dann die Zeit und schrieb Jessy an, dass wir an Thanksgiving nicht da waren. Besser so, als wenn sie es erst von Mom erfahren würde. Kurz darauf bekam ich eine Antwort von ihr: „Guck sich einer den Feigling an. Kaum gibt es mal Zoff zuhause, schon verkrümelt er sich nach Minnesota. Dann kommt Mom eben mit zu Daves Eltern. Viel Spaß euch Beiden. Melde mich dann Montag. Jessy.“
    Keela hatte auch gerade aufgelegt. „Schönen Gruß von allen. Sie freuen sich auf uns. Übernachten können wir in meinem alten Zimmer. Entweder es schläft jemand von uns auf der Luftmatratze, oder wir teilen uns mein Bett.“ „Da können wir ja gleich im Truck schlafen.“ Lachte ich. „Wenn du bei dem versammelten Familienfuhrpark noch einen Platz für deinen Kenworth findest.“ „Na ja. Dein Dad und Pat und Ken fahren auch nicht gerade Kleinwagen.“ „Eben.“ „Wir können uns das ja noch überlegen, bis wir da sind.“ „Wie breit ist dein Bett im Truck?“ „42 Inch.“ „Da kann man ja wirklich auch mal zu Zweit drin schlafen.“ „Zu allem Überfluss habe ich ja noch eine Zweite Liege. Die ist nur meistens hochgeklappt.“ „Dass heißt, wenn du mir zu aufdringlich wirst, habe ich ein eigenes Bett?“ lachte Keela. „Genau das. Oder wenn du mir zu aufdringlich wirst.“ Lachte ich. „Dann haben wir im Truck wirklich bald mehr Platz zum Schlafen, als in meinem Zimmer.“ „Ich weiß. Ich kenne ja dein Zimmer.“ „Gut, dass du mich daran erinnerst, dafür wird Mom noch was zu hören bekommen.“ Lachte Keela. „Dafür, oder für die Babyfotos?“ „Für Beides.“
    Wir entschlossen uns aber dafür, dass wir uns noch mal ein wenig hinlegten, bevor wir losmussten.

    Kurz nach Eins in der Nacht klingelte dann aber der Wecker und wir mussten dann wieder aufstehen. Keela verschwand dann zuerst im Bad und ich machte derweil in der Küche einen Kaffee für uns beide. Dann begann ich schon mal, die Vorräte, die Keela gekauft hatte, einzupacken. Schließlich kam Keela aus dem Bad und ich konnte rein. Dann putzte ich schnell die Zähne und ging anschließend duschen. Als ich dann wieder aus dem Bad kam, war Keela im Schlafzimmer zugange. Sie hatte sich dann heute wieder dem Anlass entsprechen leger gekleidet. Sie trug die obligatorische, enge Jeans und dann ein T-Shirt. Darüber trug sie dann noch einen Hoodie. „Mein Truck hat auch eine Heizung.“ Sagte ich mit einem Grinsen. „Wenn es mir zu warm wird, kann ich den Hoodie immer noch ausziehen.“ Ich warf einen Blick in ihre Reisetasche, in der ich, neben der üblichen Wäsche aber auch keine guten Klamotten sah. „Packst du keine Sachen für Thanksgiving ein?“ „Muss ich mich da verkleiden?“ war ihre Antwort. „Wir feiern bei Ryans und nicht bei Murdocks.“ „Okay, Schatz.“ „Meinst du, ich lass mich von meinen Brüdern auslachen, weil ich Thanksgiving im Kleid auftauche? Im Leben nicht.“ „Ihr seid mir auch ein Verein.“ Sagte ich kopfschüttelnd. „Du kennst meine Familie doch schon. Der Einzige, der nicht lachen würde und dem ich selber ein elegantes Outfit zutraue, ist Lee.“ „Und natürlich Alice.“ „Sie könnte die Einzige, außer Mom sein, die dann noch ein Kleid trägt.“ „Haben Pat und Ken eigentlich keine Freundinnen?“ „Mein letzter Stand war, dass beide nichts Festes haben. Hier und da mal eine Freundin, die es dann aber meistens auch nicht lange mit ihnen aushält. Meine großen Brüder haben halt keine Manieren.“ „Verstehe.“ Schließlich hatte Keela alle Sachen, die sie mitnehmen wollte zusammengepackt und wir gingen in die Küche, wo wir dann einen schnellen Kaffee tranken. Dann gingen wir runter und stiegen in meinen Ford.
    Heute stieg Keela sogar ein, ohne einen Spruch zum Auto zu machen. „Du meckerst ja heute gar nicht.“ Sagte ich erstaunt. „Es ist kurz vor halb Drei in der Nacht. Da wird mich schon keiner in der Karre sehen.“ Ich startete den Ford und machte mich auf den Weg. Als wir an meiner Halle ankamen und ich keine Anstalten machte, langsamer zu werden oder zu blinken, sagte Keela: „Hallo. Wach werden. Deine Halle ist da rechts.“ „Das weiß ich. Aber meine Zugmaschine steht noch bei Rick.“ Kurz darauf kamen wir bei Rick auf den Hof und ich fuhr direkt vor den Kenworth. Dann ging ich ins Büro und holte meinen Schlüssel.
    Als ich zurückkam, bekam ich dann den ersten Kommentar von Keela. „Schöne Felgen. Ich wusste gar nicht, dass du dafür Geld hast.“ „Rick hat mir einen guten Preis gemacht. Außerdem muss ich mal schauen, ob sich mit den Energiesparreifen wirklich Kraftstoff einsparen lässt.“ Ich schloss den Truck auf und wir verstauten unsere Sachen. Nachdem wir alles weggeräumt hatten, meldete ich mich in den Systemen an und begann dann mit der PTI.
    Nachdem ich diese abgeschlossen hatte, drückte ich Keela den Schlüssel vom Ford in die Hand. „Was soll ich damit?“ fragte sie mich erstaunt. „Was hältst du davon, wenn du den Wagen zu meiner Halle fährst?“ „Gar nichts.“ Sagte sie trocken. „Ich fahre doch nicht so einen Spießerhobel.“ „Auch gut. Dann fahre ich den Ford zu meiner Halle und du kommst mit dem Kenworth hinterher. Lass aber alles ganz.“ „Schon gut. Ich habe verstanden.“ Sagte Keela. „Zum Glück sieht mich in der Nacht um drei kein Mensch.“ Wir fuhren dann zusammen zu meiner Halle, wo Keela dann den Ford in die Halle setzte. „Die Karre kannst du auch draußen parken. Mit Schlüssel stecken und Fenster unten. Der Hobel steht nächste Woche trotzdem noch da.“ „Fahren lässt er sich doch ganz gut.“ Wagte ich einen letzten Versuch. „Vergiss es. Zu wenig PS, zwei Zylinder zu wenig und vom Image rede ich jetzt gar nicht.“ Nachdem sie den Ford in die Halle gestellt hatte und sich die alte Halle noch mal genauer anschaute, sagte sie: „Vielleicht ist die Idee, die Karre in die Halle zu stellen, doch nicht so schlecht.“ „Wie kommt den dein Sinneswandel? Weil ihn dann keiner sieht?“ „Das ist einer der Vorteile. Bei der maroden Halle dachte ich aber eher an folgendes. Vielleicht fällt die Halle ja beim nächsten Erdbeben zusammen und die Karre steht drin. Dann haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“ „Jetzt ist aber gut.“ „Entschuldige Schatz, aber ich bin gerade in Lästerlaune.“ Ich schloss die Halle wieder ab und wir gingen zum Kenworth. Ich ließ Keela einsteigen.
    Sie kannte den Kenworth zwar schon, aber so manche Sachen bemerkt man halt erst, wenn man nicht nur kurz schaut. Ihr erster Kommentar war dann auch: „Und ich dachte immer, in meinem Savana sitzt man hoch.“ „Tja. Gegen den W900 ist ein Savana halt ein Kleinwagen.“ Lachte ich. Ich startete den Motor und wir fuhren eben auf die andere Seite zum Zentrallager. Meine Anweisung hatte ich ja bereits im ORBCOMM stehen:

    PICKUP: CW-CASA
    TRAILER: DV28860, DV28964
    FREIGHT: MILK POWDER
    WEIGHT: 39,500 LB
    TO: NM-MNSP
    GATE: 11
    REMARKS: STAA-DOUBLE, DOLLY 7TT0957(CA)

    CASA-CSA

    Ich war nur überrascht, dass es schon wieder eine Ladung Milchpulver war. „Das Zeug ist importiert worden. Ich weiß nur nicht, ob die da gleich eine ganze Schiffsladung von gekauft haben. Auf jeden Fall waren das mindestens drei dutzend Container.“ Erklärte Keela. Als wir dann am Zentrallager waren, fragte Keela: „Darf ich eigentlich für deine Firma unterschreiben?“ „Das hast du doch schon mal gemacht, als du die WD Nummer für Oregon, in meinem Namen beantragt hast. Warum?“ „Dann kannst du direkt aufsatteln und die Kontrollen machen. Ich hole dann die Papiere aus dem Lager.“ „Dann mach das mal. Im Büro wissen das sowieso alle, die dann mit den Papieren zu tun haben. Nur im Lager löst du wahrscheinlich gleich Verwirrung aus.“ „Das ist ja der Zweck der Übung.“ Lachte Keela. „Wer hat denn Dienst?“ Keela nannte den Namen von meinem speziellen Freund, bei dem ich damals den Ferienjob gemacht hatte. „Wenn er Dienst hat, dann ist mir das doppelt recht.“ Lachte ich. Keela stieg aus und ich fuhr schon mal zu Tor 11. Dort bekam ich mal wieder ein Double der blauen Version unserer Trailer. Ich sattelte auf und zog vor. Dann schloss ich die Türen des hinteren Dry Van und erledigte die PTI.
    Als ich fertig war, erschien dann auch Keela wieder. „Musstest du ihn erst noch wiederbeleben? Oder wo warst du so lange?“ „Ich bin doch ein kluges Mädchen.“ Sagte Keela. „Deshalb bin ich noch mal schnell auf der Toilette gewesen. Dann musst du nicht in ein paar Meilen schon wieder anhalten.“ „So ist brav.“ Lobte ich. Dann machten wir und endlich auf den Weg. Inzwischen war es ja auch schon halb Vier.

    Als erstes beurteilte Keela den Sound des Paccar MX13: „Ist zwar kein V8, aber auch nicht schlecht.“ „Einen V8 suchst du aber bei den Trucks auch vergeblich. Wenn dann gibt es sowas in Nordamerika nur noch in Schwertransportern.“ Ihr nächster Kommentar galt dann meiner Schaltarbeit in der Stadt. „Warum hast du eigentlich keine Automatik? Unsere Fahrer fahren die inzwischen auch fast alle.“ „Genauso, wie ich beim Styling der Maschine auf Klassik stehe, sehe ich das auch beim Getriebe so. Ich sehe den Berg, der auf mich zukommt und kann entsprechend zurückschalten. Die Automatik merkt das erst, wenn man schon mit 30 da hochklettert. Außerdem reagiere ich noch schneller, als das Getriebe.“ „Verstehe ich trotzdem nicht.“ Meinte Keela. „Deine Harley schaltest du doch auch.“ „Das hat ja auch was mit Fahrspaß zu tun.“ „Vielleicht macht mir das ja auch gerade Spaß.“ „Das kann ich mir nicht so wirklich vorstellen.“ „Das ist aber so. Vielleicht ändert sich das ja mal in Zukunft, im Moment macht mir das aber wirklich Spaß.“
    Wir bogen dann auf die I-5 und wechselten kurz darauf auf die I-80 in Richtung Osten. Nun ging es wieder in die Berge der Sierra Nevada. Dort musste ich dann tatsächlich viel schalten. „Hier würde eine Automatik dann den Lastzug erst zurückschalten, wenn die Drehzahl schon im Keller ist. Bis die Elektronik merkt, dass wir uns in den Bergen befinden, ist der Truck dann schon so langsam, dass das Getriebe das auch nicht mehr rausreißen kann.“ „Gut. Das sehe ich ein. Aber bei der Automatik kann man doch auch manuell eingreifen.“ „Dann kann ich das auch direkt machen. Warum soll ich eine Automatik kaufen, wenn ich sie dann doch selbst schalten muss.“ „Okay, ich sag ja nichts mehr.“
    Als ich dann am Berg unter 40 mph kam, schaltete ich den Warnblinker an. „Was ist los?“ fragte Keela nervös. „Haben wir einen Defekt?“ „Quatsch. Das mache ich nur, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen, dass hier ein langsamer Truck unterwegs ist. Das ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber allgemein üblich.“ „Dann bin ich ja beruhigt.“

    So ging es dann durch die Sierra Nevada. Da es aber immer noch recht früh war, sah man leider nicht allzu viel von der Gegend. Wir passierten Truckee und kamen kurz darauf an die Grenze. „Crossing border – entering Nevada.“ Meldete sich dann das Navi. „Meldet die Kiste jede Staatsgrenze an?“ wunderte sich Keela. „Macht es. Das finde ich aber auch gut. Jeder Staat hat ja wieder andere Vorschriften, was die Geschwindigkeiten betrifft. So wird man da noch mal drauf aufmerksam gemacht. Das Navi ist ja auch in die ganzen elektronischen Systeme integriert. Ihr könnt mich ja entsprechend orten, das ORBCOMM arbeitet ja sowieso mit dem Navi zusammen, so dass ich die Adressdaten direkt ins Navi übernehmen kann, das E-Log übernimmt die Daten ja auch, so dass es sofort weiß, wo ich bin, wenn ich eine Pause mache, oder tanke. Außerdem werden die Daten auch genommen, um den IFTA/IRP Trip Report zu erstellen, den ich für die Mineralölsteuer brauche und dementsprechend auch für die WD Abgaben in New Mexico oder Oregon.“ „Das ist natürlich nicht schlecht und spart dir eine Menge Arbeit.“ „Das System hat ja nicht nur Nachteile. Ich wollte auch gar nicht unbedingt wieder zurück zum Papierlog.“ Wir passierten dann Reno und dann ging es am Nordrand des großen Beckens entlang durch die Wüste. Dabei ging auch langsam die Sonne auf. „Hier hast du mich zum ersten Mal in die Wüste geschickt.“ Lachte ich. „An den Morgen kann ich mich noch gut erinnern. Am Tag vorher hatten wir vereinbart, alles erstmal zu verheimlichen. Am nächsten Morgen sagtest du dann laut im Büro, kaum lernt man eine Frau kennen, wird man gleich von ihr in die Wüste geschickt. Da wäre ich am liebsten im Boden versunken.“ „Den Spruch konnte ich mir an dem Morgen einfach nicht verkneifen.“

    Kurz darauf näherten wir uns der nächsten öffentlichen Waage. Dann leuchtete der Transponder rot auf und begann laut zu piepen. Keela zuckte dann erschreckt zusammen, weil sie das ja gar nicht kannte. „Was ist jetzt los?“ fragte sie nervös. „Nichts Schlimmes. Die Nevada State Police und die DOT wollen nur wissen, wie schwer wir sind.“ „Gut, dass ich noch nicht so viel gefrühstückt habe.“ Lachte Keela erleichtert. „Bei deiner Figur kannst du selbst nach einem Festmahl nicht zu schwer sein.“ Konterte ich. Jetzt errötete mein Schatz mal leicht. „Das hast du aber schön gesagt.“ „Und auch so gemeint.“

    Wir fuhren dann auf die Waage und das Display der Waage zeigte 77.661 Pfund an. „Siehst du, du kannst noch über 2.000 Pfund essen.“ Lachte ich. „Bloß nicht.“ Lachte Keela. „Dann geht ja das Board unter, wenn ich drauf steige. Außerdem will mich Greenpeace dann wieder ins Meer zurückschieben.“ „Und an die Harley käme das Schild Oversized Load.“ Ging ich auf den Spaß ein. Keela schüttelte sich. „Blödes Kopfkino. Bring mich wieder auf schöne Gedanken.“

    Wir fuhren weiter und passierten Winnemucca, wo mich Keela auf der besagten Tour in die Wüste hingeschickt hatte. Kurz darauf ging dann die Tankleuchte an und außerdem wurde es Zeit für eine Pause. Ich erinnerte mich dann an Battle Mountain, wo ich mit Joe Pause gemacht hatte, als wir auf dem Weg nach Elko waren, um den Kenworth abzuholen. Wir verließen also an der Ausfahrt 231 die I-80 und fuhren in den Ort.
    Dort tankte ich dann zuerst etwas. Hier war der Diesel zwar günstiger, als in Kalifornien, aber immer noch teurer, als weiter östlich in den USA. Daher tankte ich nicht voll, sondern nur so, dass ich in Utah nach den Preisen schauen konnte. Danach fuhren wir von der Tankstelle herunter und parkten den Truck. Anschließend gingen wir dann in dem Lokal essen, wo ich bereits mit Joe gegessen hatte. Keela schmeckte es hier auch gut und auch sie war dann der Meinung, dass die Tipps von Joe ganz offensichtlich gut waren.

    Nach dem Essen wollte Keela noch einen Verdauungsspaziergang durch den Ort machen. Sie war das lange Sitzen dann zwar auch aus dem Büro gewohnt, musste da aber auch immer zwischendurch mal aufstehen, um Papiere aus dem Drucker zu holen, oder auch mal ins Lager, um was mit den Lagerleuten zu besprechen. Wir drehten also noch eine kleine Runde durch den Ort, der aber auch nicht allzu viel zu bieten hatte, dann gingen wir wieder zurück zum Truck. Um zwölf Uhr am Mittag, also high noon machten wir uns dann wieder auf den Weg.

    Es ging dann zurück auf die I-80 auf der wir dann weiter in Richtung Osten fuhren. Es ging dann weiter durch Nevada, was Keela leider nicht allzu viel an schöner Aussicht bieten konnte. Deshalb spielte sie dann teilweise auch gelangweilt am Handy. Ab und zu gab es dann aber doch mal was zu sehen und Keela gab dann auch den einen oder anderen Kommentar dazu. Meistens waren es dann auch Kommentare, über die wir dann beide lachen mussten.
    Am Nachmittag meldete sich dann auch wieder das Navi zu Wort: „Crossing border – entering Utah – changing time zone.“ „Ab jetzt haben wir es eine Stunde später, als in Kalifornien.“ „Ich kenne das Problem.“ Sagte Keela. „Wenn ich meine Familie anrufe, habe ich immer zwei Stunden Zeitunterschied. Wie funktioniert das dann mit dem Logbuch?“ „Das wird immer in der Zeit geschrieben, in der das Fahrzeug stationiert ist. Also bei dem hier immer in Pacific Standard Time. So weit bin ich mit dem Mack zum Glück nie gefahren. Sonst hätte ich dann auch noch immer umrechnen müssen. Das macht das E-Log automatisch.“
    Weit kamen wir dann an diesem Tag aber leider nicht mehr. Ich hatte ursprünglich gehofft, dass wir noch bis Salt Lake City gekommen wären. Dazu reichte meine Fahrzeit aber nicht aus. Daher machten wir dann nach zehn Stunden und 45 Minuten Fahrzeit an der Rest Area Grassy Mountain Feierabend. Der Name war aber eigentlich Hohn. Der Hügel, an dem der Parkplatz lag, war alles andere, als grün, geschweige denn grasig.
    Keela, die ja von ihren Übernachtungen in Pacifica Camping gewöhnt war, hatte auch kein Problem damit, an einer einfachen Rest Area zu stehen. Sie staunte dann eher über den Komfort, den der Sleeper des Kenny uns dann doch bot. Da kam ihr, von ihr und ihrem Bruder selbst umgebauter Savana nicht mit. „Schließlich ist das die ganze Woche über mein Wohn- und Schlafzimmer.“ Begründete ich das. „Fehlt eigentlich nur noch das Badezimmer.“ Meinte Keela. Aber das konnte ihr Savana ja auch nicht bieten. Wir bereiteten uns dann aus meinen Vorräten was zu essen und aßen dann gemütlich zu Abend. Dann machten wir noch einen kleinen Spaziergang über die Rest Area.
    Zurück im Truck stellte ich dann die entscheidende Frage: „Möchtest du dein eigenes Bett haben? Dann klappe ich jetzt die obere Liege aus.“ „Wie breit ist dein Bett?“ war Keelas Gegenfrage. „42 Inch“ „Das sollte doch für uns Beide reichen.“ Stellte Keela fest. „Wir sind doch schlank.“ „Wenn du meinst.“ „Ich will ja im Urlaub auch was von dir haben. Falls es dann doch nicht geht, können wir die zweite Liege immer noch ausklappen.“ Wir machten uns dann bettfertig und gingen zusammen in mein Bett. Dort kuschelten wir dann noch schön, bis wir einschliefen.

    Montag, den 20. November 2017, 1:30 am Pacific Standard Time:

    In Utah war es dann schon halb Drei in der frühe, als mein Wecker klingelte. Zum Glück lag Keela an der Rückwand, so dass ich nicht über sie drüber klettern musste. Sie war dann auch tatsächlich in meinem Bett geblieben und hatte sich die ganze Nacht an mich gekuschelt. Das war dann eine Sache, die auch gerne öfter so sein könnte. Ich stand dann leise auf und ließ Keela schlafen. Ich zog mich an und setzte den Kaffee auf. Dann ging ich schnell in die Rest Area, um die Toilette zu benutzen. Die restliche Körperpflege erledigte ich dann aus dem Wasserkanister. Gegen drei Uhr begann ich dann mit der PTI und um viertel nach drei machte ich mich dann wieder auf den Weg in Richtung Osten.
    Ich machte mir leise das Radio an und horchte immer wieder mal in den Sleeper. Keela schien aber immer noch gemütlich weiter zu schlafen, obwohl sich ihr Bett inzwischen mit 66 mph in östlicher Richtung bewegte. Die Fahrt ging dann durch die dunkle Nacht oder den frühen Morgen. Je nachdem wie man das betrachten wollte. Ich passierte dann Salt Lake City als es noch dunkel war und kam dort auch ohne Probleme durch. Dann ging aber wieder die Tankleuchte an. Ich hatte ja gestern nur ein wenig getankt, da mir auch der Dieselpreis in Nevada noch nicht so wirklich zusagte.
    Nun wurde die Strecke aber etwas hügeliger und kurvenreicher, so dass Keela dann doch wach wurde. Erst hörte ich sie noch in der Koje murmeln. Ich vermutete, dass sie sich ein wenig beschwerte, weil ihr die Fahrt zu unruhig wurde. Schließlich kam sie dann aber nach vorne und sagte: „Guten Morgen mein Schatz.“ „Hallo, meine Süße. Gut geschlafen?“ „Solange, bis mein Bett dann eine Achterbahnstrecke gefahren ist.“ „Tut mir ja leid, aber die Achterbahn ist immer noch die I-80. Die ist hier leider so.“ „Weil du heute Geburtstag hast, verzeihe ich dir das mal. Herzlichen Glückwunsch übrigens.“ „Danke.“ „Und wo ist jetzt das Badezimmer?“ „Ich muss sowieso gleich zum Tanken rausfahren, da kannst du dann auf Toilette gehen. Willst du da auch frühstücken?“ „Ich glaube, Kaffee reicht mir dann erstmal.“ „Auch gut. Der ist fertig in der Thermoskanne.“ „Bitte erst nach dem Tankstopp. Sonst pinkel ich dir noch in den Truck.“ „Auch gut.“ Lachte ich. „Auf dein Geschenk musst du übrigens noch warten, bis wir wieder in Sacramento sind. Das konnte ich nicht mitnehmen.“ „Dann nehme ich dich solange als Pfand.“ Lachte ich. „In Ordnung.“
    Bei Park City, UT fuhren wir dann auf die Silver Creek Road, wo dann Bell’s Silver Creek Tank- und Raststätte war. Um sechs Uhr am Morgen kamen wir dann dort an. Dort war der Dieselpreis dann auch so, dass ich die Tanks des Kenny mal wieder volltankte.

    Keela ging dann in der Zeit in den Sanitärbereich und nutzte die Toilette und wusch sich anschließend noch ein wenig. Dann nahmen wir uns dort auch noch einen Kaffee mit. Unseren konnten wir auch noch später trinken. Das Ganze ging dann aber trotzdem im Schnellverfahren. Um viertel nach Sechs machten wir uns dann wieder auf den Weg in Richtung Minnesota.
    Nun nahm Keela dann auch wieder auf dem Beifahrersitz Platz. Inzwischen wirkte sie dann auch wieder etwas wacher. Wir folgten dann auch weiterhin der I-80. Dabei stellte Keela fest, dass es in Utah auch nicht allzu viel zu sehen gab. Auch wenn es jetzt langsam hell wurde.

    Ich hatte aber etwas mehr zu tun. Die Strecke war zwar nicht allzu anspruchsvoll, dafür klingelte des Öfteren mein Telefon. Charlie meldete sich von zu Hause aus, nachdem er von seiner Nachtschicht dort angekommen war und gratulierte mir zum 22. Geburtstag. Danny nutzte die Chance, sich vom Diensttelefon aus zu melden. Dabei konnte er dann gleich abgleichen, wo wir waren. Mom rief mich dann von zu Hause aus an und Dad aus seinem Büro. Auch Jessy und Dave ließen es sich nicht nehmen, mir zu gratulieren und selbst Steve meldete sich. Sie waren natürlich alle enttäuscht, dass ich zu Thanksgiving nicht in Sacramento war, verstanden aber, dass das nun mal mein Job war und es eben so kommen konnte.
    Ich freute mich dann auch besonders über den Anruf von Angus und Eireen. Also hatte sogar Keelas Familie an meinen Geburtstag gedacht. Sie freuten sich dann darauf, mich in dieser Woche noch zu sehen. Danach telefonierte Eireen noch eine Zeitlang mit Keela weiter. Angus musste aber auf seine Baustelle.

    Als wir am Echo Reservoir vorbei waren hielt ich mich dann rechts und folgte weiter der I-80. Die I-84 ließ ich links liegen. Inzwischen wurde es auch langsam Hell. Wobei es dabei relativ grau blieb. Es war zwar nicht richtig nebelig, aber immerhin diesig. Schließlich verließen wir dann Utah wieder, was bei uns nicht unbedingt einen sehenswerten Eindruck hinterließ. Nun ging es durch Wyoming weiter. Ich behielt es auf dieser Tour weiterhin bei, dass ich nur 66 fuhr, um mal festzustellen, ob der Verbrauch dann etwas besser war, als bei Tacho 70.
    Keela fand das aber nicht ganz so gut. „Geht dir das nicht auf den Zeiger, wenn du die ganze Zeit so daherschleichen musst?“ „Nicht wirklich. Einerseits ist dieser Versuch eine Sache, bei der es um die Wirtschaftlichkeit geht, andererseits finde ich es entspannender, als mit 70 zu fahren, wo ich immer wieder die Fahrspur wechseln muss, um die Kollegen zu überholen, die bei 65 abgeregelt sind.“ Ich musste aber auch so dann und wann überholen, da es immer noch Trucks gab, die langsamer waren. Diese waren dann meistens schwerer und kamen die Berge nicht so hoch, oder sie waren einfach älter.

    „Du weißt aber schon, dass ein Double nicht unbedingt dazu geeignet ist, so einen Test zu machen. Von der Aerodynamik gibt es da wesentlich bessere Fahrzeuge.“ „Das stimmt. So habe ich die Luft Verwirbelungen zwischen den beiden Trailern.“ „Außerdem haben die Pups nicht die entsprechenden Spoiler.“ „Das stimmt. Aber man kann schon mal etwas testen.“

    Den ganzen Morgen und einen Teil des Vormittags legten wir nun auf der I-80 in Wyoming zurück. Da das Wetter an diesem Vormittag leider so diesig blieb, war es nicht ganz so schön rauszuschauen und sich die Gegend anzusehen. Wobei es auch gar nicht so viel zu sehen gab. Wyoming gefiel uns zwar besser, als Utah, aber viel Interessantes gab es hier wohl auch nicht. Leider war es aber auch zu diesig, um bis zu den Bergen von Colorado schauen zu können. Irgendwann stand dann aber eine Pause an und Keela und ich hatten dann auch langsam Hunger. Daher fuhr ich dann in Laramie, WY von der I-80 herunter und steuerte den dortigen Petro Truckstop für die kurze Pause an. Inzwischen waren wir fast aus den Bergen heraus. Die weitere Strecke sollte daher etwas angenehmer werden.

    Zuerst gingen Keela und ich aber gemütlich in das Restaurant des Truckstops zum Essen. „Ist das jetzt deine Geburtstagsfeier?“ fragte Keela mit einem Grinsen. „Die hatte ich eigentlich eher für heute Abend nach Feierabend geplant.“ „Gut. Dann gehen wir eben zweimal zum Essen.“ Wir aßen dann am Mittag auch nicht allzu schwer, da wir ja anschließend noch mal ein wenig weiterfahren wollten.
    Nach dem Essen machten wir dann aber erst noch einen kleinen Verdauungsspaziergang. Dabei genossen wir, dass wir diese Woche zusammen waren. Es war dann ein Uhr, als wir uns dann wieder auf den Weg machen.

    Nun ging es wieder zurück auf die I-80 Es ging dann auch weiter in Richtung Osten. Dabei näherten wir uns nun Cheyenne, wo ich vor nicht allzu langer Zeit auch schon mal gewesen war. Leider hatte sich das Wetter bisher immer noch nicht gebessert. Es war immer noch diesig. Schließlich erreichten wir den Bereich Cheyenne. Dabei kreuzten wir dann die I-25, blieben aber weiter auf der I-80. Nun ging es in Richtung Nebraska weiter.

    Dabei musste ich dann mal einen Truck von Swift überholen, der trotz des diesigen Wetters ohne Licht fuhr. „Das ist wieder typisch Firma Swift.“ Stellte Keela fest. „Die zahlen ihren Fahrern nicht so viel, also haben die eben viele Experten fahren.“ Bei dem Wort Experten formierte sie die Anführungsstriche mit den Fingern. „Ich dachte, Walmart hat so hohe Qualitätsansprüche, was die Transporteure angeht.“ „Bei den eigenen Fahrern und den festen Subunternehmern, wie dir schon. Bei den Logistikern ist dann wohl doch der Preis wichtiger. Swift fährt ja leider inzwischen eine ganze Menge für uns. Die Herren aus Bentonville wollen die eigenen Trucks dann mehr im Regionalen Bereich fahren lassen und von den Long Haul Unternehmern, wie dir, gibt es nicht allzu viele. Die meisten guten Fahrer wollen auch am Wochenende zu Hause resetten. Daher werden die Ferntouren auch gerne mal an Firmen, wie Swift gegeben. Die sagen dir alles zu und die nehmen alles an. Das ganze dann auf dem Rücken der Fahrer. Daher arbeiten da nicht so viele. Andere sehen das als Startmöglichkeit, da dort keine Erfahrung notwendig ist.“ „Und wie werden die dann bezahlt?“ „Die bekommen von uns schon weniger pro Meile, als du. Was die Fahrer dann verdienen, kannst du dir ja denken.“

    Wir überquerten dann die Grenze nach Nebraska. Somit hatten wir dann auch den Staat erreicht, in dem wir heute Feierabend machen würden. Ein Stück wollten wir dann aber noch kommen. Dabei kam dann am späten Nachmittag doch noch mal die Sonne durch die Wolken und es gab einen recht schönen Sonnenuntergang. Leider hatten wir den nur im Spiegel, so dass wir ihn nicht direkt sehen konnten.

    Während der Fahrt meldete sich auf einmal das Navi und sagte: „Changing time zone.“ „Wir sind doch schon eine geraume Zeit in Nebraska.“ Wunderte sich Keela. „Die Zeitzonengrenze ist aber hier mitten im Staat. Nun haben wir Central Standard Time.“ „Dann haben wir ja jetzt die gleiche Zeit, wie in Saint Paul.“ „Genau.“
    Wir passierten dann noch den Abzweig zur I-76, blieben aber weiterhin auf der I-80. An der nächsten Ausfahrt verließ ich dann die Interstate und fuhr zum Flying J Truckstop in Big Springs, Nebraska. Dort hatten wir unser heutiges Tagesziel erreicht.

    Es war dann halb Sechs, CST, als ich dann den Truck geparkt hatte. Dann reservierte ich eine Dusche, die Keela und ich dann gemeinsam nutzten. Anschließend ging es dann in das Restaurant des Truckstops, wo wir dann eine kleine private Geburtstagsfeier abhielten. Danach zogen wir uns dann in den Sleeper des Kenworth zurück, wo ich Keela dann als Ersatz-Geburtstagsgeschenk auspacken durfte. Das reguläre Geschenk bekam ich dann, wenn wir wieder in Sacramento waren. Aber an diesem Abend reichte mir dann auch das Ersatz-Geschenk. Der weitere Abend verlief dann im privaten Rahmen, bis wir dann irgendwann einschliefen.

    Dienstag, den 21. November 2017, 1:00 am Pacific Standard Time:

    Um drei Uhr in der Frühe klingelte dann wieder der Wecker. Ich machte ihn schnell aus, damit Keela nicht wach wurde. Sie hatte sich auch in dieser Nacht wieder dafür entschieden, mit mir zusammen in meinem Bett zu schlafen. Es war dann auch ein tolles Gefühl, sie und ihre Nähe in der Nacht zu spüren. So waren wir sehr zufrieden eingeschlafen und hatten auch soweit durchgeschlafen. Leider musste ich dann aber schon wieder aufstehen. Ich ging dann nur schnell für den Toilettengang und eine Katzenwäsche in den Truckstop und begann dann pünktlich um halb Vier mit meiner PTI. Um viertel vor Vier sah ich dann zu, dass ich den Truck wieder zurück auf die I-80 lenkte.

    Der heutige Tag sollte von der Landschaft her wohl nicht viel nennenswertes bringen. Ging es doch durch Nebraska und Iowa. Beides waren Staaten, wo die Landschaft dann entweder aus endloser Prärie oder endlosen Feldern geprägt waren. Auch von der Topografie her war es heute nicht sonderlich anspruchsvoll. Wenn überhaupt Steigungen und Gefälle auf uns warteten, waren sie dann kaum zu spüren. Entsprechend schnell hatte ich dann den Truck wieder auf 66 mph beschleunigt und stellte dann den Tempomat ein. So ging es dann durch die Nacht und den anbrechenden Morgen. Von Keela hörte ich aus dem Sleeper noch nichts. Sie genoss wohl noch das gemütliche Bett, was sie ja jetzt auch ganz für sich alleine hatte.
    Ich fuhr dann in den anbrechenden Morgen hinein. Dabei passierte dann auch nichts Besonderes. Es ging heute nur ums Meilen fressen. Ich näherte mich dann langsam Lincoln und damit der Hauptstadt von Nebraska, als ich dann Geräusche aus dem Sleeper vernahm. Keela war wohl doch inzwischen aufgewacht. Es war hier aber auch bereits viertel vor Acht. „Guten Morgen meine Süße.“ Rief ich dann nach hinten. „Morgen, Schatz.“ Kam es dann von ihr zurück. Unterstützt von einem herzhaften Gähnen. „Na, ausgeschlafen?“ „Habe ich. Dein Bett hier im Truck ist aber auch sowas von gemütlich. Wie kommst du da morgens nur in die Gänge?“ „Manchmal recht schwer.“ Gab ich zu. „Das kann ich verstehen.“
    Nachdem sie sich was übergezogen hatte, kam sie dann nach vorne und setzte sich auf den Beifahrersitz. „Wo sind wir denn?“ „Gleich in Lincoln, Nebraska.“ „Wow. Dann bist du ja schon wieder eine ganze Zeit unterwegs.“ Nach einem Blick auf die Uhr sagte ich: „Ja, vier Stunden bin ich schon wieder gefahren.“ „Dann können wir ja jetzt Frühstückspause machen.“ „Gerade aufgestanden und schon wieder Pause machen.“ Lachte ich. „Tja. Ich fahre die Strecke nach Hause eben im Schlaf.“ Lachte sie. „Okay. Dann fahren wir zum Schoemaker’s.“ „Brauchen wir Schuhe?“ fragte Keela mit einem Grinsen. „Nö. Aber eine Dusche und Frühstück. Das ist der Truckstop hier bei Lincoln.“ „Dann nichts wie hin.“ An der Ausfahrt 395 fuhren wir dann von der I-80 und fuhren dann in das Gewerbegebiet, wo sich der Truckstop auf beiden Seiten der Straße befand. Die gerade aufgehende Sonne tauchte den Truckstop dann noch in ein schönes Licht. Da konnte man schon fast wieder an Trucker Romantik glauben.

    Pünktlich um Acht standen wir dann auf dem Truckstop und hatten den Kenny geparkt. Dann reservierte ich uns eine Dusche.
    Als wir dann im Truckstop waren, stand uns dann erstmal eine gemeinsame Dusche bevor. Anschließend gingen wir dann frisch und sauber in das Restaurant, wo wir dann gemütlich frühstückten.
    Ich hätte mir unseren Alltag für immer so vorstellen können und dachte dabei auch an die beiden Deutschen, Daniela und Marc, die das so machten. Ich wusste aber auch, dass Keela für sich ein anderes Leben geplant hatte. Darum fing ich auch gar nicht erst mit dem Thema an. Ich wollte uns die schönen Tage nicht dadurch versauen, dass ich das Thema wieder anschnitt. Ich genoss dann lieber das hier und jetzt, wo Keela bei mir war und wir meinen Berufsalltag zusammen verbrachten.

    Nach dem Frühstück gingen wir dann noch ein paar Schritte über den Truckstop, bevor wir uns wieder zum Kenny begaben und dann um zehn Uhr weiterfuhren. „Normal brauchen wir dann heute keine Pause mehr machen. Falls du aber noch eine brauchst, dann sag Bescheid.“ „Mache ich.“ Als wir dann wieder auf die I-80 fuhren, sahen wir dann rechterhand einen großen Harley-Davidson Händler. „Schade, dass ich den erst jetzt sehe. Da hätten wir mal schauen können, ob die ein Bike für dich haben.“ „Zu spät.“ Sagte ich mit einem Grinsen. „Wusstest du etwa, dass der dort ist?“ „Habe ich bisher nicht so drauf geachtet.“ „Ja klar. Du wolltest da nur nicht mit mir hin.“ „Ich habe ja noch nicht mal den Führerschein.“ „Der ist ja schnell gemacht.“ „Wenn man da Zeit zu hat.“ „Ich hoffe, du reagierst bei deinem Geburtstagsgeschenk nicht auch so.“ „Was bekomme ich denn eigentlich?“ „Lass dich überraschen.“ „Das ist gemein. Ich hatte doch gestern schon Geburtstag.“ „Das kann ich dir so nicht verraten. Das musst du direkt sehen.“ „Na toll.“

    Wir fuhren weiter und passierten kurz darauf Omaha. Da es aber schon Vormittag war, passierten wir die Stadt dann relativ schnell. Kurz darauf überquerten wir den Missouri und kamen dann nach Iowa. Nun sollte es wieder durch ganz viel Gegend gehen. Keela schaute erst eine ganze Zeit aus dem Fenster. Nachdem sie aber feststellte, dass es hier nicht so viel zu sehen gab, schaute sie sich noch ein wenig im Truck um. Irgendwann kam dann die Frage, auf die ich schon länger gewartet hatte: „Wofür brauchst du eigentlich so viele Rundinstrumente? Das sieht ja fast aus, wie im Flugzeug. Das sieht ja cool aus, haben die denn auch alle ihren Sinn?“ „Ihren Sinn haben die Instrumente schon. Sonst wären sie ja nicht da. Über die Wichtigkeit der Anzeigen lässt sich zuweilen streiten. Im Großen und Ganzen sind sie aber schon wichtig.“ Ich erklärte ihr dann, wofür die Anzeigen alle waren und sie nickte. Schließlich hatte sie sich auch im Truck genug umgeschaut und befasste sich wieder mit ihrem Smartphone. „Stella hat Tagschicht. Das ist schon mal gut.“ „Tagschicht?“ „Genau, wie bei uns. Bei denen hat auch einer aus dem Team Urlaub. Daher machen die andern Beiden auch zwölf Stunden.“ „Wie läuft das eigentlich an Thanksgiving?“ „Charlie muss bei seiner Nachtschicht ins Büro und Danny hat Bereitschaft.“ „Verstehe.“ Bis nach Minden ging es jetzt nordöstlich weiter, danach ging die I-80, wie mit einem Lineal gezogen gerade nach Westen. Da wurde die Strecke dann wirklich langweilig.
    Nun hatte Keela angefangen, mit ihrem Handy zu spielen. Dabei sagte sie dann nebenher: „Für jeden Tag wäre das nichts für mich. Das ist ja jetzt total langweilig.“ „Wenn du fährst, dann geht das.“ „Aber so, auf dem Beifahrersitz geht das gar nicht.“ „Es sind natürlich auch nicht alle Gegenden so spannend, wie Iowa.“ Lachte ich. „Passiert jetzt bis Des Moines überhaupt noch was?“ „Von der Gegend hier eher nicht. Wobei ich die Strecke das letzte Mal im Dunkeln gefahren bin. Was sonst noch so passiert, das sehen wir dann.“
    Keela versuchte sich dann irgendwie zu beschäftigen. Für eine Frau, die wie sie voller Energie steckte, war das eher ungewohnt, dass sie nichts zu tun hatte. Entweder arbeitete sie, oder sie widmete sich ihren Hobbies, wie Surfen oder Motorradfahren. Sonst hatte sie zu Hause auch immer irgendwas zu tun. Nun konnte sie nicht viel machen. Zuerst spielte sie einige Zeit mit dem Handy, dann machte sie uns was zu essen. Dann schaute sie wieder gelangweilt aus dem Fenster. Die Route führte aber auch wirklich fast schnurgerade nach Des Moines.

    Die größte Abwechselung auf der Strecke war dann noch ein Truck, bei dem ein paar Spanngurte gerissen waren und dem deswegen die Rohre von der Ladefläche gerutscht waren. Die Stelle war aber schon gut abgesichert und man wartete auf den Kran, der die Ladung wieder aufladen sollte. Verletzt war zum Glück niemand.

    Am späten Mittag erreichten wir dann Des Moines. Dort folgte dann der Wechsel runter von der I-80, auf der wir jetzt seit Sacramento unterwegs gewesen waren, auf die I-35 in Richtung Norden. Diese Interstate sollte uns dann direkt zu den Twin Cities bringen. Es war jetzt zwar nicht mehr weit, bis nach Saint Paul, heute sollten wir das aber nicht mehr schaffen.
    Das wäre auch nicht so gut gewesen, weil wir ja erst an Thanksgiving resetten wollten. Auch so mussten wir dann schauen, dass wir noch eine Nahverkehrstour von Stella bekamen. Vor allem durfte uns Danny nicht dazwischenfunken. Damit Keela was zu tun hatte, ließ ich sie dann nochmal bei Danny anrufen und ihm das eindringlich klarmachen, dass er uns nicht vor dem Feiertag nach Hause holen durfte. Wenn es sein musste, besorgten wir uns die Ladung in Minneapolis direkt von Keelas ehemaligen Kollegen.
    Als wir dann Clear Lake, IA erreichten, hatte ich zwar erst knapp zehn Fahrstunden voll, ich wusste aber von der letzten Tour, dass nicht mehr allzu viele vernünftige Truckstops in der nächsten Stunde auf meinem Weg sein würden. Daher beschlossen wir, hier auf den Pilot Truckstop zu fahren. Um viertel vor Vier hatten wir den Truck dann ordentlich geparkt. Dann gingen wir in den Truckstop zum Essen. Anschließend machten wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang, bevor wir uns dann wieder in den Sleeper des Kenny zurückzogen.

    Mittwoch, den 22. November 2017:

    Zu Hause in Kalifornien wäre es noch Dienstag. Hier in Iowa war es dann schon Mittwoch, als der Wecker mich wieder aus meinem Bett klingelte. Auf dem Wecker stand dann 1:00 Uhr. Ich machte den Wecker wieder aus, damit Keela noch weiterschlafen konnte. Dann zog ich mich leise an. Anschließend ging ich schnell in den Truckstop und benutzte die Toilette. Dann wusch ich mich noch schnell und trank noch einen Kaffee. Um viertel vor Zwei war ich dann pünktlich wieder im Truck und begann mit meiner PTI. Um zwei Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg in Keelas Heimatstadt.
    Es ging dann wieder zurück auf die I-35 in Richtung Norden. Es dauerte dann auch nicht mehr allzu lange, bis ich dann die Staatsgrenze erreichte. Während meine Süße dann immer noch im Bett lag und schlief, überquerten wir die Grenze und kamen in ihren Heimatstaat. Dann überquerten wir die Interstate 90, hielten uns aber weiter in Richtung Norden.

    Als wir dann aber in den Bereich Burnsville kamen, rief ich dann nach hinten, um Keela zu wecken. Sie wurde dann auch langsam wach. „Was ist denn los?“ murmelte sie verschlafen. „Schau einfach mal auf die Skyline da vorne.“ Sagte ich zu ihr. Sie schaute nach vorne durch die Windschutzscheibe und war dann plötzlich hellwach. „Die Twin Cities. Ich bin zu Hause.“ Sagte sie. „Ich hätte dich ja schlafen lassen, aber ich dachte mir, dass du jetzt doch aufbleiben möchtest.“ „Da hast du richtig gedacht.“ Sagte sie und ging schnell nach hinten in den Sleeper und zog sich an. Kurz darauf war sie dann auf dem Beifahrersitz. „Wie spät ist es eigentlich?“ „Hier haben wir kurz vor Vier.“ „Ich habe doch alles mit Danny abgesprochen und Stella habe ich geschrieben. Die haben ja beide gar keinen Dienst.“ Das ist natürlich dumm. Aber Charlie weiß eigentlich, dass wir Thanksgiving in Saint Paul verbringen wollen.“ Als erstes nahm sich Keela dann aber die Papiere und schaute, wo wir denn überhaupt hinmussten. „Du musst da über die I-35 East fahren. Dann kommst du da ziemlich genau hin. Ich kenne den Markt.“ „Süße, ich habe ein Navi.“ Sagte ich nur zu ihr. „Ich sage es ja nur.“ „Telefoniere lieber kurz mit Charlie, dass wir erst zweieinhalb Stunden weghaben und noch eine kurze Tour machen können.“
    Während ich dann in das Frühmorgendliche Saint Paul fuhr, telefonierte Keela dann mit Charlie. Ich bekam davon nicht ganz so viel mit, da ich mich jetzt auf den unbekannten Weg zu dem Markt in Saint Paul konzentrieren musste. Ich bekam nur ein paar Wortfetzen mit. Es wurde von Des Moines und Grand Forks gesprochen und Keela stellte Rückfragen über die Entfernung zu den Orten. Letztlich entschied sie dann für uns, dass wir noch eine Ladung nach Des Moines fahren sollten, wo Walmart ebenfalls ein Zentrallager und ein Außenlager hatte. Dort war die Chance auf einen Anschluss größer. Außerdem passte es etwas besser von der Fahrzeit, als die etwas weitere Strecke nach Grand Forks.
    Inzwischen waren wir dann auch an dem Markt angekommen. Ich durfte das Double dort wieder auf die Seite stellen. Der City Trucker würde sich dann um alles Weitere kümmern. Dann hatten wir auch unseren Anschluss im ORBCOMM stehen:

    PICKUP: ES-MNMN
    TRAILER: DV53677
    FREIGHT: RICE
    WEIGHT: 37,566 LB
    TO: CW-IADM
    GATE: 08
    REMARKS: -----

    CASA-CSA

    „Also zum Außenlager.“
    Stellte Keela fest. Sie lotste mich dann mit meinem Bobtail durch das dunkle Saint Paul zum Außenlager, was sich aber in Minneapolis befand. Trotzdem waren wir dann innerhalb von einer Viertelstunde da. „Darf ich uns anmelden?“ fragte Keela aufgeregt. Sie freute sich darauf, ihre ehemaligen Kollegen wiederzusehen. „Selbstverständlich.“ Während Keela dann die Papiere im Bürocontainer abholte und sich dort noch eine Weile mit den Kollegen unterhielt, sattelte ich dann an Tor 8 bereits den Dry Van auf und machte schon mal die PTI. Um fünf Uhr hatten wir dann alles erledigt und konnten uns dann wieder auf den Weg dahin machen, wo wir eigentlich gerade herkamen.

    Während der Fahrt zur I-35 West, auf die wir nun wieder auffuhren, war Keela recht aufgeregt. Sie schaute sich in ihrer Heimatstadt, oder besser der Nachbarstadt um und entdeckte dabei ein paar neue Sachen. Dann erzählte sie mir bei ein paar Gebäuden stolz, dass diese von Ryan Constructions gebaut worden waren. Außerdem entdeckte sie natürlich auch ein paar Baustellen, wo Ryan Constructions gerade baute.
    Dann verließen wir die Twin Cities wieder und fuhren nun über die I-35 wieder in Richtung Süden zurück. Nun brauchten wir wieder gute Zwei Stunden, bis wir wieder bei Clear Lake waren. Dort hielten wir wieder an, um was zu essen.

    Als wir dann anschließend eigentlich wieder loswollten, kam uns ein anderer Fahrer entgegen. „George?“ sagte Keela. „Nein. Die kleine Keela Ryan.“ Sagte der Fahrer überrascht. „Was machst du denn hier?“ „Ich bin mit meinem Freund unterwegs. Der ist, genau wie du Unternehmer bei Walmart Transportation. Nur eben in Sacramento, wo ich ja jetzt arbeite.“ Wir gingen dann zusammen wieder zurück in den Truckstop, wo wir dann noch zusammen einen Kaffee tranken. George frühstückte dabei dann auch noch. Wir hatten das ja schon erledigt. Dabei tauschten wir uns noch ein wenig aus. George war ebenfalls als Subunternehmer für Walmart unterwegs. Nur er fuhr generell nur Regionalverkehr. Weil er damit wendiger war, fuhr er auch nur eine Maschine mit Daycab. Als wir dann nach dem Frühstück wieder zurück auf den Parkplatz kamen, stellten wir fest, dass er auch noch direkt neben uns geparkt hatte.

    Er fuhr einen Peterbilt 389 und war damit laut seinen Angaben sehr zufrieden. Mich würde an diesem Truck alleine schon die geteilte Frontscheibe stören. George war schon zeitig losgefahren und kam jetzt genau da her, wo wir jetzt hinwollten. Nach Des Moines. Er war aber schon auf dem Weg zurück nach Minneapolis. Wir verabschiedeten uns dann und machten uns dann wieder auf den Weg in den Süden.

    Es gingen dann nochmal bald zwei Stunden ins Land, bis wir dann in Des Moines ankamen. Keela hatte aber während der Fahrt bereits mit Stella Kontakt aufgenommen und sie gelöchert, dass sie uns doch bitte eine Ladung zurück nach Minneapolis verschaffen sollte. Das Ganze sollte sie dann auch noch mit Danny absprechen. Da die beiden aber gut befreundet waren und ja auch immer noch miteinander in Kontakt waren, legte sich Stella ins Zeug und versuchte alles, um eine Ladung zu bekommen.
    Das Ergebnis war dann schließlich ein 40 Fuß Curtaintrailer, auf dem 26.500 Pfund Trockenfrüchte geladen waren. Dieser sollte dann am Zentrallager in Des Moines stehen, wo wir sowieso mit unserer Ladung Reis hinsollten. Der Trailer sollte dann wieder zu dem Markt in Saint Paul gehen, wo wir am Morgen schon das Double abgestellt hatten.

    Um elf Uhr fuhren wir dann auf das Gelände des Zentrallagers in Des Moines. Dort war dann auch alles für uns vorbereitet. Auch Danny wusste Bescheid, so dass wir dann auch folgende Anweisung im Display hatten:

    PICKUP: CW-IADM
    TRAILER: CT40993
    FREIGHT: DRIED FRUIT
    WEIGHT: 26,500 LB
    TO: NM-MNSP
    GATE: 11
    REMARKS: IMPORTANT ORDER

    CASA-DSN

    Der Auftrag war dann wieder als wichtig deklariert worden, damit Danny ihn für uns blocken konnte. Während Keela dann im Büro den Papierkram machte und sich mit ein paar Kollegen, die sie vom Telefon kannte, unterhielt, sattelte ich dann schon mal um. Um halb zwölf konnten wir uns dann wieder auf den Weg nach Saint Paul machen.

    Wir fuhren dann wieder durch Des Moines auf dem Weg zur I-35 in Richtung Norden, um wieder in Keelas Heimatstadt zu kommen.

    Wir fuhren dann auf die Interstate und ich beschleunigte den Truck wieder auf 66 mph. Dann ließ ich den Lastzug im Tempomat rollen. Die Wahl des Radiosenders hatte ich dann Keela überlassen, die uns einen Kanal mit guter klassischer Rockmusik gesucht hatte. Dabei fuhren wir dann gutgelaunt in Richtung Minnesota. „Sollen wir heute Abend noch weggehen?“ fragte mich Keela. „Bist du sicher?“ fragte ich sie nicht gerade begeistert. „Ich würde schon gerne. Dann könnten wir ein paar alte Freunde treffen.“ „Das verstehe ich schon. Aber wenn wir gleich in Saint Paul sind, bin ich auch seit 14 Stunden zugange.“ „Stell dich nicht so an.“ Sagte Keela lachend. „Wie alt bist du? 22 oder 77?“ „Du hast ja recht. Ich habe ja auch Lust, deine Freunde kennenzulernen. Also gut. Dann bekommen wir aber wenig Schlaf an den beiden nächsten Tagen.“ „Wofür gibt es Kaffee oder Energy Drinks?“ „Ist ja gut, Schatz. Wir machen das ja. Denk aber auch daran, dass wir am Freitag in aller Hergottsfrühe den Reset beendet haben. Du sollst ja auch Anfang der kommenden Woche wieder in Kalifornien sein.“ „Das kriegen wir schon hin.“ „Okay.“

    Während der weiteren Fahrt kümmerte sich Keela dann darum, ein Treffen mit ihren besten Freunden für den Abend hinzubekommen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir uns dann am Abend mit diversen Freunden bei Stella Martin und ihrem Freund treffen wollten. Auf der Rückfahrt zogen wir nun durch und kamen dann so gegen drei Uhr wieder in den Bereich der Twin Cities.
    Ich durfte dann wieder die östliche Route der I-35 nehmen und dann in Saint Paul von der Interstate herunter. Keela telefonierte dann gerade mit ihrem Vater, um abzuklären, wo wir denn die Zugmaschine stehenlassen konnten. Nachdem sie aufgelegt hatte, sagte sie: „In der Nähe von dem Neighborhood Market ist ein Maschinen- und Materiallager von Ryan Constructions. Das wird auch von einem Sicherheitsdienst bewacht. Dort sollen wir dann die Zugmaschine parken und Dad holt uns dann dort ab. Heute Abend können wir dann das Auto von Mom nehmen.“ „Du hast ja schon alles organisiert.“ „Was erwartest du anderes von einer Dispatch?“ fragte sie mich. „Auch wieder wahr. Organisieren ist ja dein Job.“

    Gegen viertel nach drei erreichten wir dann den Neighborhood Market. Wir stellten den Truck in der Einfahrt ab und meldeten uns beim Marktleiter. Der ließ uns unsere Trockenfrüchte sogar vor dem Freilager abstellen. So blieb mir die komplizierte Rangierarbeit sogar erspart. Das Rangieren und absatteln war dann recht schnell erledigt. Dann meldete ich uns aus dem ORBCOMM aus und wir machten uns auf den Weg zu dem Lagerplatz.
    Diesmal ließ ich mich dann auch nicht vom Navi, sondern von Keela lotsen. Eine Viertelstunde später kamen wir dann am Lagerplatz an. Dort war um diese Zeit auch etwas Betrieb. Ein, zwei Maschinen wurden gerade gewartet. Außerdem kamen so langsam die ersten Bautrupps von den Baustellen rein. Dabei war das noch nicht mal der einzige Platz von Ryan Constructions, sondern nur einer von mehreren.
    Als ich mit der Maschine mit der Walmart Werbung auf der Tür auf den Hof fuhr, musterte man mich erst mal argwöhnisch. Als Keela dann aus dem Truck stieg, waren die argwöhnischen Blicke aber verschwunden und einige Leute kamen auf uns zu, um uns zu begrüßen. Die Tochter des Chefs war zumindest bei den langjährigen Mitarbeitern bestens bekannt. Ich durfte dann den Truck parken und dann warteten wir gemeinsam auf Keelas Vater.

    Dabei unterhielten wir uns noch mit ein paar Arbeitern, die Keela löcherten, wie es ihr ging und wie sie sich in Kalifornien eingelebt hatte.
    Dann kam der mir bereits bekannte Suburban auf den Hof gefahren und Angus stieg aus. „Habt ihr eigentlich alle nichts zu tun, dass ihr hier rumsteht und Quatscht?“ bollerte er los. Grinste aber dabei, so dass man gleich wusste, dass die Ansage nur halbwegs ernst gemeint war. Weiter kam er aber auch gar nicht, weil er jetzt von Keela umarmt wurde. Auch ich wurde dann wieder von Angus umarmt.
    Während wir dann unsere Sachen in den Suburban räumten, sprach Angus noch kurz mit ein paar Leuten, dann fuhren wir los. Ich hatte mich diesmal nach hinten gesetzt, da Keela natürlich einige Fragen ihres Vaters beantworten musste.

    Etwa eine Viertelstunde später kamen wir dann bei den Ryans zu Hause an. Heute konnte Angus auch in die Einfahrt fahren, da von seinen Söhnen noch keiner da war. Wir gingen ins Haus und wurden dort herzlich von Eireen begrüßt. Anschließend zogen sich Keela und ich erstmal zurück.
    Da Keela in ihrem Zimmer nur ein einzelnes Bett hatte, wurden wir dann heute ins Gästezimmer einquartiert. Die Idee mit der Luftmatratze in Keelas Zimmer hatte man dann doch verworfen. Dort brachten wir dann aber nur unsere Sachen rein, dann gingen wir in Keelas Zimmer, wo ja auch eine gemütliche Sitzecke war. Dort machten wir es uns erstmal gemütlich. Dabei versuchte ich noch ein wenig vor dem Abend zu relaxen.
    Keela schaute sich in ihrem Zimmer um, in dem sie ja ein halbes Jahr nicht mehr gewesen war und war erstaunt, dass noch alles so war, wie sie es verlassen hatte. „Wird der Raum hier gar nicht mehr genutzt?“ fragte sie. „Vielleicht wartet dein Mom darauf, dass du irgendwann die Nase von Kalifornien voll hast und wieder hier auf der Matte stehst.“ „Da kann sie aber lange drauf warten.“ „Oder das wird dann mal das Keela Ryan Museum.“ „Eintritt aber nur für Familienmitglieder und enge Freunde.“
    Nachdem wir es uns dann eine ganze Zeit gemütlich gemacht hatten, wurde es dann Zeit, uns für den Abend fertig zu machen. Wir gingen dann duschen. Diesmal aber nacheinander. Eireen war dann doch recht streng katholisch. Was sie von einer gemeinsamen Dusche halten würde, wollten wir dann besser nicht ausprobieren.

    Schließlich gingen wir dann zum Abendessen runter. Liam und Alice wurden heute Abend nicht hier erwartet, aber Pat und Ken waren inzwischen von ihren Baustellen gekommen. Keela wurde dann auch wieder mit dem ungeliebten „Kee“ angesprochen, was mich aber nicht weiter wunderte, da ich die Bezeichnung ja noch vom letzten Mal kannte. Es war dann ein schönes, harmonisches Abendessen im Familienkreis, so wie ich es von meiner Familie in den letzten Jahren gar nicht mehr wirklich kannte.

    Nach dem Abendessen machten wir und dann mit dem Buick Encore von Keelas Mom auf dem Weg zu Stella. Als wir dort ankamen, war die spontane Party schon angefangen. Stella begrüßte uns dann wieder in ihrer bekannt herzlichen und überschwänglichen Art. Dann lernte ich auch ihren Freund kennen, der aber von seiner Art auch sehr gut zu Stella passte.
    Es wurde dann ein wunderschöner Abend, an dem ich viele von Keelas früheren Freunden kennenlernte. Ich wurde dann zum großen Teil auch sehr herzlich in dem Freundeskreis willkommen geheißen. Nur so ein, zwei Leute hatten wohl ein Problem mit mir. Das wurde mir aber klar, nachdem ich erfuhr, dass der eine Keelas Exfreund war und der andere schon seit Jahren versuchte, mit Keela zusammenzukommen. Nach einer wunderschönen Party fuhren wir dann nachts gegen zwei todmüde nach Hause. Ich war ja auch inzwischen über 24 Stunden auf den Beinen. Zurück bei den Ryans gingen wir dann leise in das Gästezimmer und legten uns dann recht schnell ins Bett.
    Schöne Grüße aus dem Sauerland

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