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ATS - Kapitel 3 - Amor nimmt die "Löwen" ins Visier...

  • Sonntag 15. Oktober 2017

    Nach dem Frühstück, bei dem sowohl Mom als auch Gina mich fragten, warum ich so abwesend wirkte, wollte ich den Tag eigentlich mit Faulenzen verbringen. Aber schließlich überredete Gina mich zu einer gemeinsamen Mountainbike Tour. Anfangs hatte ich ja wenig Lust dazu, aber im Endeffekt war es nicht schlecht mal den Kopf frei zu bekommen, auch wenn mir das nicht zu hundert Prozent gelang. Ich konnte alles ausblenden, nur Sie nicht, die ich nur einige Augenblicke gesehen hatte. Gab es doch so etwas wie Liebe auf den ersten Blick?? Vielleicht. Aber was nützte mir das. Die Chance Sie in einer Großstadt wie San Francisco wieder zu treffen, war sehr gering. Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf, während Gina und ich durchs Gelände heizten. Meine geistige Ablenkung blieb meiner Schwester natürlich nicht verborgen, da ich mehr als einmal kurz davor war über den Lenker abzusteigen. Gina fragte auch wiederholt, was mit mir los ist, aber erst zurück auf dem Parkplatz hatte Sie mich soweit, dass ich Ihr Auskunft gab, was ich im nächsten Moment gleich wieder bereute. Gina grinste und trällerte, während wir die Räder verluden, in einem fort:
    “David ist verliebt, so verliebt. David ist verliebt, so verliebt...“ Auch die ganze Heimfahrt über konnte Sie sich nicht beruhigen. In diesem Moment hasste ich Sie. Ich wusste ja nicht, dass es Ihr einige Zeit später ähnlich gehen sollte.

    Montag 16. Oktober 2017

    Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder recht zeitig. Zu meinem Leidwesen war Gina auch schon wach und bettelte mich, dass Sie mich auch in dieser Woche wieder begleiten durfte, was ich aber nach Ihrem gestrigen Verhalten ablehnte. Aber Sie nervte weiter mit dem Argument, dass ich in meinem Zustand unmöglich allein fahren könne und leider musste ich Ihr da sogar recht geben. Sie versprach auch, keine weiteren Witze zu machen. Also machten wir uns kurz nach sechs Uhr auf den Weg in die Firma. Joe war ab sieben im Büro und meldete sich nur wenig später. Die Tour, die er für mich hatte, war dann auch mal etwas länger, als die Fahrten der letzten Wochen. Es ging mit Bauholz nach Phoenix. Ob er von dort aus auch einen Anschluss für mich hätte, konnte er mir aber noch nicht sagen.


    Die erste Etappe nach Arizona verlief ereignislos. Gina hielt sich an Ihr Versprechen und nervte nicht weiter. Sie schien Ihren Gedanken nach zu hängen, genau wie ich. Aber ich konzentrierte mich wenigstens soweit, dass ich den Truck sicher auf der Straße hielt. Trotzdem geisterte die schöne Unbekannte auch weiter in meinem Kopf herum und ich grübelte darüber nach, ob ich Sie jemals wieder sehen würde. So herrschte tiefes Schweigen in der Kabine, nur das Radio dudelte. Auch die weitere Tour lief ruhig. Nur nach dem Anruf bei Joe war inzwischen klar, dass er keinen Folgeauftrag für mich hatte. Also fing Gina schon mal an zu suchen, derweil beschäftigte ich mich mit dem Bordcomputer. Ich wollte wissen, ob und wie viel mehr der Volvo beim jetzt höheren Tempo verbrauchte. Erfreulicherweise änderte sich der Durchschnittsverbrauch nicht nach oben. Erst am späten Nachmittag, kurz vor Phoenix war die Ruhe vorbei. Das Navigationssystem schien selbst nicht so ganz zu wissen, wo es lang ging. Ständig gab der Kasten neue, teilweise sinnfreie Anweisungen. Irgendwann fing es sich dann aber und die Dame im Navi wusste wieder wo wir waren und hinwollten. Leider war die Baustelle, wo das Baumaterial hin sollte, mitten in der Stadt und zu allem Überfluss herrschte auch noch Rush Hour. Aber wir hatten Glück im Unglück. Die Baustelle war so groß, dass ich keine Probleme hatte den Trailer an der gewünschten Stelle zu parken. In der Zwischenzeit hatte Gina eine vernünftig bezahlte Ladung auf dem freien Markt gefunden. Am Phoenix Airport wartete ein mit Halloween Deko beladener Dryvan darauf nach Las Vegas gebracht zu werden. Zum Glück stand der Trailer nicht auf dem Flughafengelände, sondern in einem Industriegebiet in der Nähe. Somit blieben uns langwierige Sicherheitschecks erspart. Der Trailer gehörte anscheinend “Heartland Express“, auf den Frachtpapieren erschien dieser Name aber nicht. Anscheinend war nur gerade kein anderer Auflieger verfügbar.

    Kurz nachdem wir Phoenix verlassen hatten, noch auf der Interstate 10, war es an der Zeit einen Platz für die Pause zu suchen. Meine Wahl fiel auf einen großen Truckstop direkt an der Interstate. Ich parkte den Truck und wir gingen als erstes ins Restaurant etwas essen. Als wir später wieder zurück zum Truck gingen, fragten wir uns, ob der Parkplatz ausschließlich für Volvo reserviert war.

    Eine Weile saßen wir noch beisammen und quatschten über Gott und die Welt. Schließlich landeten wir bei der Unbekannten. „Dich scheint es ja richtig erwischt zu haben. So kenn ich dich gar nicht. Sonst war jede nach spätestens zwei Wochen wieder Geschichte.“ Sie hatte recht bisher war ich nicht unbedingt der Beziehungsmensch gewesen und auf einmal musste ich grinsen. „Was ist los?“ „Ich musste nur gerade an einen Satz von Dirk denken.“ „Unser Cousin? Was hat er damit zu tun?“ „Als wir das erste Mal geskypt haben, hat er mich gefragt ob ich eine Freundin habe. Darauf hab ich geantwortet, dass mir die Richtige noch nicht begegnet ist. Worauf er grinsend meinte, dass ich mich wohl so lange mit den Falschen amüsiere.“ „Womit er ja auch voll ins Schwarze getroffen hat. Mom, Vicky und ich haben ja häufig schon den Überblick verloren und hinkten meist zwei, drei Namen hinterher.“ Ich lächelte vor mich hin. Gina hatte Recht. Ich war absolut kein Kind von Traurigkeit gewesen. Nur an kaum eine der Frauen konnte ich mich noch genau erinnern. Nur diese eine Unbekannte hatte sich in mein Hirn eingebrannt. Etwas später herrschte Ruhe im Sleeper, Gina schlief unten auf dem „Gästebett“, während ich noch lange wach lag. Dementsprechend unausgeschlafen war ich dann auch am nächsten Morgen. Erst eine Dusche und Kaffee in rauen Mengen machten mich munter. Nach dem Frühstück konnte es dann weiter in Richtung Nevada gehen, wo wir gegen Mittag den Trailer bei einem Hotel in Las Vegas abliefern konnten. Joe hatte sich derweil gemeldet und mir eine Tour zugewiesen. Es sollte mit Bürocontainern nach Omaha, NE gehen. Das war dann mal die erste richtige Langstrecke, die mir Joe zutraute, ging es doch knapp 1.300 Meilen nach Osten.

    Schon nach knapp zwei Stunden verließen wir „Sin City“ in Richtung Nordosten über die Interstate 15. In Utah, in der Nähe des Fishlake National Forest wechselten wir dann auf die
    I-70 in Richtung Osten. Nahe der Stadt Grand Junction war es dann wieder Zeit für die große Pause. Am nächsten Tag ging es dann weiter über Denver, wo wir auf die I-76 wechselten nach Osten. Schließlich wechselten wir ein letztes Mal die Interstate und fuhren auf der I-80 zu unserem Ziel Omaha. Etwa eine Stunde bevor wir die Stadt erreichten, rief ich Joe an. Leider war der von Ihm geplante Anschluss gerade geplatzt, was bedeutete, dass ich mir selbst etwas suchen musste. Das war gar nicht so einfach. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass es keine Fracht nach Kalifornien gab. Aber wenigstens fand Gina etwas in der richtigen Richtung, allerdings erst für den nächsten Tag, was aber kein größeres Problem darstellte, da meine Stunden für heute eh fast voll waren. Als wir die Bürocontainer los waren, suchten wir uns ein Motel in der Nähe der nächsten Ladeadresse.


    Donnerstag 19. Oktober 2017

    Am nächsten Morgen ging es dann zu einem kleinen Unternehmen in der Nähe, wo unser Trailer auf uns wartete. Es ging mit Dämmmaterial nach Salt Lake City UT, also gute 900 Meilen in Richtung Heimat. Im Gegensatz zum vorangegangenen Tag konnten wir diesmal die ganze Strecke auf ein und der selben Interstate fahren. Auf der I-80 ging es immer weiter nach Westen. Kurz vor Rock Springs WY machten wir dann große Pause, so dass wir am nächsten Vormittag in Salt Lake City ankamen. Von dort aus hatte Joe auch einen quasi Heimatschuss. Ein Container mit Werkzeugen sollte zum Port of Oakland gebracht werden. Es ging also weiter auf der I-80 nach Westen. Etwa 100 Meilen vor Sacramento fing ich an zu rechnen. Mir gingen die Wochenstunden aus und es war fraglich ob wir überhaupt noch in Oakland ankommen würden, von Frisco ganz zu schweigen. Es wurde immer klarer, dass wir das Wochenende nicht zu hause verbringen würden. Jetzt war nur noch die Frage. Sollte ich noch soweit fahren wie es ging, oder sollten wir schon eher stoppen. Die Wahl fiel schließlich darauf, schon in Sacramento den Reset zu machen. Am Stadtrand fanden wir einen geeigneten Stellplatz für den Truck. Der Platz wurde videoüberwacht und hatte Sicherheitspersonal, so dass man den Truck auch mit ruhigem Gewissen mal für ein paar Stunden allein lassen konnte, was wir dann am nächsten Tag auch taten. Den Samstag verbrachten wir damit ein wenig die Stadt zu erkunden. Wir waren zwar beide schon einige Male in Sacramento gewesen, doch bisher hatte uns die Stadt nicht sonderlich interessiert. Dieses Mal war das anders. Vor allem Gina wollte sich etwas umschauen, würde Sie doch in Zukunft häufiger hier sein.


    Sonntag 22. Oktober 2017

    Am späten Sonntagabend ging es dann weiter Richtung Oakland. Da wir den Hafen schon gegen Mitternacht erreichen würden, war klar, dass es von Joe keinen Anschluss geben würde. Also stand wieder einmal selbst suchen auf dem Programm. Nach kurzem Suchen wurde Gina fündig. Eine Baumaschine sollte von Oakland nach San Diego gebracht werden. In Oakland angekommen, stellte ich den Container an den mir zugewiesenen Platz, tauschte die Papiere und suchte meinen neuen Trailer. Der Tieflader mit dem Hitachi Bagger stand etwas versteckt in einer der hinteren Ecken des Hafengeländes. Das Rangieren wurde dementsprechend etwas komplizierter. Mehr noch machte mir das Wetter zu schaffen. Im kalten Herbstregen machte das Überprüfen der Ladungssicherung keinen Spaß.

    Zum Glück wurde das Wetter während der Fahrt nach Süden immer besser. Nicht nur das Wetter war auf unserer Seite. Auch der berüchtigte Verkehr rund um L.A. hielt sich in Grenzen und so kamen wir am frühen Nachmittag in San Diego an. Dieses Mal hatte sich Joe schon gemeldet und mich gefragt ob ich daran interessiert wäre, wieder ein paar Linientouren zu fahren. Diesmal Von Frisco nach San Diego. Eigentlich mochte ich diese Touren ja nicht, da man immer die selbe Strecke fuhr. Aber auf der anderen Seite wäre ich so für den Rest der Woche ausgelastet und müsste mir nichts eigenes suchen. Also sagte ich zu und Joe gab mir die Adresse, wo ich den Trailer mit Bauschutt abholen sollte. Im Geiste sah ich mich schon über eine unbefestigte Baustelle hoppeln um danach die Reste meiner Frontschürze wieder einzusammeln. Der Volvo war nun mal ein reiner Highway Truck. Aber meine Befürchtungen bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Der Platz war ordentlich eingeebnet. Mit dem Tipper im Rücken ging es nun zurück nach Frisco. Allerdings nicht ohne Zwischenstopp, kurz hinter
    Bakersfield war es Zeit für die Pause. Erst am frühen Dienstagmorgen ging es weiter in Richtung Heimat. Bei Beazer in Frisco tauschten wir dann die Trailer. Der Tipper blieb hier und ich bekam einen mit Baumaterial beladenen Opentop, mit dem es zurück nach San Diego ging. Wie bei solchen Touren schon gewöhnt, verlief die Fahrt recht ereignislos. In San Diego war dann auch schon wieder die Fahrzeit fast um, so dass wir uns ein Motel suchten. Am Mittwoch ging es wieder zurück nach Frisco und von da aus wieder nach San Diego. Bei Bakersfield machten wir wieder Pause, nur dass wir dieses Mal auf dem Weg nach Süden waren. In San Diego gab es dann zum letzten Mal für diese Woche einen Tipper für San Francisco. Als wir bei Beazer in Frisco ankamen, wollte Joe gerade Feierabend machen.
    „Hey David, schön dich auch mal wieder persönlich zu sehen. Noch dazu in so hübscher Begleitung.“ begrüßte er uns auf dem Hof. „Hi Joe. Schön dich zu sehen. Darf ich vorstellen. Meine Schwester Gina.“ „Hi“ Joe musterte Gina nur einen Augenblick, bevor er zum Geschäftlichen kam. Kein Vergleich zu den Blicken, mit denen Danny Sie vor einigen Wochen betrachtet hatte. „Du hast ja bestimmt nicht mehr all zu viel Stunden?“ „Nicht wirklich.“ „Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Ich hätte da eine Tour für dich. Ein Zementsilo nach El Paso. Das bedeutet aber, dass du deinen Reset irgendwo unterwegs machen musst.“ Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. „Und was ist Möglichkeit zwei?“ „Ich nehm dich für den Rest der Woche raus und du kriegst erst Montag etwas.“ „Dann nehm ich Variante zwei.“ „Dachte ich mir.“ Als Bobtail ging es dann zurück zur Firma. „Machst du ab heute schon Wochenende?“ fragte mich Gina als wir auf dem Hof ankamen. „Nein. Ich werde mir noch was kurzes suchen.“ Während ich noch ein wenig Bürokram machte, bearbeitete Gina den Truck mit dem Kärcher.

    Plötzlich wurde es laut auf dem Hof. Ein Auto bog auf das Grundstück und danach waren Stimmen zu hören. Ich ging nach draußen und sah Gina und Grandma, die sich unterhielten. „Grandma, schön dich zu sehen.“ begrüßte ich Sie mit einer Umarmung. „Schön euch beide zu sehen. All zu oft bekommt man euch ja nicht zu Gesicht.“ „Woher wusstest du, dass wir hier sind?“ „Zufall, ich bin hier vorbei gekommen und hab den Truck gesehen.“ Dabei schaute Sie sich ein wenig um. „Das ist also die Zentrale von Lion Trucking.“ meinte Sie schließlich. „Sehr rustikal“ „Die Trucks sind erst einmal wichtiger.“ „Das sollte kein Vorwurf sein. Wie sieht es aus? Habt ihr Zeit was Essen zu gehen?“ „Hunger hätt ich schon, aber ich muss noch Rechnungen schreiben.“ „Dann hol ich uns etwas und wir essen hier.“ „Hier?“ „Ja. Einen Tisch und ein paar Stühle wirst du ja wohl haben.“ Eine knappe halbe Stunde später
    kam Grandma mit drei Pizzen zurück und ich räumte den Bürotisch soweit frei, dass wir essen konnten.
    „Hier sieht es ja toll aus. Schon mal was von Ablage gehört?“ „Bin ja kaum hier, da bleibt halt etwas liegen.“ „Sollte es aber nicht. Ihr müsst immer wissen, wie es um die Finanzen der Firma steht, sonst kann es ganz schnell schief gehen.“ Während wir weiter Pizza mampften, hielt uns Grandma quasi einen Vortrag über Finanzbuchhaltung und Bürowesen. Und Sie hatte recht. Schon jetzt war die Buchhaltung eine mittlere Katastrophe und es würde bestimmt nicht besser werden, wenn demnächst der zweite Truck auch noch rollen würde.

    Nach dem Essen holten Gina und ich unsere Sachen aus dem Truck. Als wir wieder ins Büro kamen, staunten wir nicht schlecht. Grandma saß am Schreibtisch und ordnete die Papiere. „Grandma?“ „Was? Ich mache etwas Ordnung, was bitter nötig ist. Wenn ihr beide nicht da seit, solltet ihr jemanden im Büro haben, der Ordnung hält und sich um die Buchhaltung kümmert.“ „Wir können doch nicht jetzt schon jemanden fürs Büro einstellen. Dafür sind wir noch zu klein.“ „Wenn die Buchhaltung nicht stimmt, werdet ihr auch nie wachsen. Es
    muss ja keine Vollzeitkraft sein. Es langt ja, wenn sich jemand ein zwei mal die Woche um das Büro kümmert.“
    Langsam dämmerte uns worauf das Ganze hinaus laufen würde. „Mit jemand meinst du dich?“ fragte Gina schließlich direkt. „Warum nicht. Ich bin zwar schon älter, aber noch kein Alteisen.“ „Aber du hast dich doch aus dem Hotel zurückgezogen, weil du mehr Freizeit haben wolltest.“ „Das war vor vier Jahren, als Vicky eingestiegen ist. Und den ganzen Tag mit den alten Leuten im Park über Krankheiten, den Tod oder Bingo zu reden ist nicht gerade das, was ich mir für den lieben langen Tag vorstelle. Ins Hotel will ich aber auch nicht wieder einsteigen. Also was ist nun?“ Grandma übertrieb, Sie war viel zu aktiv um den ganzen Tag im Park zu sitzen., aber die Idee war nicht schlecht, um nicht zu sagen ideal. Grandma hatte beste Referenzen was den Umgang mit Finanzen anging. Hatte Sie zusammen mit Joe, unserem verstorbenen Großvater, doch aus einem kleinen Hotel mit 20 Zimmern eines der besten und größten Hotels San Franciscos gemacht. Und noch ein Punkt war nicht unwichtig. Im Gegensatz zu jemand Externen, genoss Grandma unser vollstes Vertrauen. Nachdem wir nun zugestimmt hatten, scheuchte uns Grandma aus dem Büro nach Hause. Sie wollte sich um die Formalitäten kümmern. Wir sollten unsere wenige Freizeit nicht damit verbringen.

    Freitag 27. Oktober 2017

    Am nächsten Morgen suchte ich in den Frachtbörsen nach einer kurzen Tour und wurde bei Tesla fündig. Zwei Autotransporter sollten im Laufe des Tages nach Oakland zum Hafen gebracht werden. Das waren zwei ideale Touren für mich, auch wenn ich damit rechnete als Bobtail zurück nach Frisco fahren zu müssen. Gina wollte mich heute nicht begleiten, da Sie heute Ihren Truck endlich abholen konnte. Also fuhr ich allein zur Firma, wo ich erstaunt feststellte, dass Grandmas Levante schon vor der Halle stand. Zusammen mit meinem C63 boten der Maserati und der Benz ein komisches Bild vor der alten Halle. Im Büro wuchs mein Erstaunen noch. Alles war ordentlich und geordnet und mit Blick auf den Schreibtisch musste ich schmunzeln. „Finance Director & Office Manager Francesca Lion“ stand auf einem kleinen Schild
    „Ernsthaft?“ „Klingt immer noch besser als Sekretärin.“ Womit Sie recht hatte. „Fährst du wieder?“ „Ja aber nur zweimal nach Oakland. Danach ist Wochenende.“ Ich ging raus und räumte die wenigen Sachen, die ich mitnehmen wollte in den Volvo. Grandma folgte mir und schaute sich neugierig das Innere des Trucks an. „Warum begleitest du mich heute nicht?“ „Was? Im Truck. Ich weiß nicht, dafür bin ich...“ „Sag jetzt nicht zu alt. Das ist Blödsinn. Außerdem hab ich ja auch nicht gesagt, dass du den Truck entladen sollst.“ „Worauf du auch lange warten könntest.“ Sie schaute noch einmal in die Kabine. „Na okay.“ und kletterte auf den Beifahrersitz.

    Die beiden Fahrten nach Oakland vergingen wie im Flug und bei der ersten Rückfahrt nach Frisco hatte ich auch noch das Glück einen leeren Trailer mit zurück zu Tesla nehmen zu können. Nur die letzte Fahrt musste ich Solo antreten. Mit dem Bobtail ging es am frühen Nachmittag zurück zur Firma. Kurz nachdem wir angekommen waren, meldete Gina Ihre Ankunft an. Wir gingen nach draußen und nur wenige Augenblicke später bog das Knallbonbon auf den Hof ein. Als Gina geparkt hatte, meinte Grandma, dass dieses Bild festgehalten werden musste.

    Während Grandma dann auch diesen Truck inspizierte, unterhielten Gina und ich uns. „Hat Julie die Übergabe gemacht?“ „Nein, jemand anderes. Eine bildhübsche Latina, Anfang zwanzig“ Mit großen Augen sah ich meine Schwester an. „Was, darf eine Frau nicht sagen, dass eine andere Frau heiß aussieht? … Die wäre bestimmt auch etwas für dich, wenn du nicht dauernd an „Lady unknown“ denken würdest.“ dabei grinste Sie frech, während ich überlegte. Bei den letzten Besuchen beim Volvo Händler hatte ich außer Julie nur wenige Frauen gesehen und auf keine traf die Beschreibung von Gina zu.

    Später am Abend dachte ich über Ginas Worte nach. Hoffte ich auf ein Phantom. Vielleicht sollte ich ja mal wieder in der Realität landen. Andere Mütter hatten schließlich auch hübsche Töchter. Ich beschloss also den nächsten Abend mal wieder um die Häuser zu ziehen. Nur erwies sich das ganze als recht schwierig. Meine wenigen Freunde hatten alle schon etwas vor und auch Gina hatte keinen Bock. Sie wollte an diesem Wochenende noch mal nach Pacifica zum Surfen und würde dort mit Ihren Surferfreunden den Abend verbringen. Nachdem auch Vicky mir einen Korb gab, beschloss ich mich allein amüsieren zu gehen. Kurz vor sieben fragte Mom mich dann, ob ich mich nicht langsam umziehen wollte. Ich schaute Sie fragend an. „Du hast es vergessen, oder?“ „Nein... ähhh, vielleicht...“ stammelte ich während Mom grinste. „Dad hat einen Tisch reserviert. Es gibt etwas zu feiern.“

    Eine Stunde später saß die komplette Familie in einem noblen Restaurant in der Innenstadt. Bevor das Essen kam, fing Dad mit einer seiner gefürchteten Tischreden an. „Ich freue mich die komplette Familie hier versammelt zu sehen. So häufig kommt das ja in letzter Zeit nicht mehr vor und in Zukunft wird es noch seltener werden.“ Gina und ich dachten, dass er uns damit meinte. Dem war aber nicht so. „Nach langen Verhandlungen haben wir jetzt einen Durchbruch erzielt und uns mit den alten Eigentümern des „Pacific Hawaiian Hotels“ auf einen Kaufpreis geeinigt. Wenn alle Formalitäten und der Umbau des Hotels abgeschlossen sind, wird es nicht nur in unserer Heimatstadt San Francisco, sondern auch in Honolulu auf Hawaii ein „Grand Lion Hotel“ geben.“ Er ließ die Info auf uns wirken und schaute sich stolz in der Runde um. Auf Vicky blieb sein Blick schließlich haften. „Vicky, deine Mom und ich sind davon überzeugt, dass du inzwischen soweit bist ein Hotel allein zu leiten. Deshalb wirst du die Leitung des Hotels in Honolulu übernehmen.“ Das war wieder typisch Dad. Auf der einen Seite sprach er Vicky sein Vertrauen aus, auf der anderen Seite fragte er Sie nicht einmal ob Sie überhaupt nach Hawaii wollte. Denn Sie schien ziemlich erstaunt über diesen Plan zu sein. Aber dieses Erstaunen wich nach wenigen Augenblicken der Freude und Sie bedankte sich glücklich für das Vertrauen und die Chance. An diesem Abend gab es noch einiges zu besprechen, was mit dem Hotel zu tun hatte. Aber schließlich meinte Dad es wäre genug von dem einem Geschäftszweig der Lions gesprochen worden und wollte von mir und Gina wissen, wie es bei uns so liefe. Erstaunt und mit einem Lächeln nahmen Vicky, Mom und Dad zur Kenntnis, dass Grandma neuer „Office Manager“ bei Lion Trucking war. Nur beim Blick auf das am Nachmittag gemachte Foto der beiden Volvo, verschluckte sich Dad fast, während Mom und Vicky die Farbe irgendwie cool fanden.

    Samstag 28. Oktober 2017

    Erst gegen kurz nach halb elf fiel ich an diesem Morgen aus dem Bett. Der letzte Abend war doch recht lang gewesen. Aber dem Rest der Familie ging es genauso. Vicky saß mit großen Augenringen vor einer Tasse Kaffee und spielte auf dem Smartphone rum. Mir war es recht Sie allein in der Küche zu erwischen.
    „Wenn du die anderen suchst. Gina schläft noch. Mom und Dad sind grade weg.“ „Und was machst du hier? Ist der Kaffee hier besser als in deiner Wohnung?“ fragte ich Sie, während ich mir ebenfalls einen Kaffee machte. „Unter anderem. Aber ich war gestern zu kaputt um noch heim zu fahren, deshalb hab ich im Gästezimmer übernachtet.“ „Apropos Wohnung.“ „Falls du jetzt fragen willst, ob du die kriegen kannst, wenn ich in Honolulu bin, muss ich dich enttäuschen. Da war Gina schneller.“ „Aber ich bin doch dein Lieblingsbruder.“ versuchte ich Sie mit Dackelblick zu erweichen. „Na und Gina ist meine Lieblingsschwester. Und spar dir diesen Blick. Ich bin nicht eine von deinen Ladys, die du ins Bett kriegen willst.“ Damit war das Gespräch für Sie beendet und Sie spielte weiter auf dem Handy rum. Kurz darauf kam Gina in die Küche geschlurft. Vicky blickte auf, legte Ihr Handy weg, zog eine Münze aus der Tasche und sagte. „Okay. Nachdem ihr beide scharf auf meine Wohnung seit, lassen wir den Zufall entscheiden. Kopf oder Zahl?“ Sie hielt Gina die Münze vor die Nase. „Ähh, was... ähhh... Kopf.“ „Okay, also hat du Zahl.“ Sie warf die Münze in die Luft und wir verfolgten gespannt die Landung der Münze auf dem Boden und es war..... Zahl. „Die Wohnung gehört dir.“ meinte Vicky „Und damit Ende der Diskussion.“ „Meinetwegen, dafür krieg ich aber dann dein Zimmer hier.“ „Na dann ist ja alles geklärt.“ Kurze Zeit später machten sich die beiden Mädels auf zum Surfen. Eine der wenigen Leidenschaften, die Vicky und Gina teilten, nur das Vicky wesentlich seltener Zeit dafür fand. Ich hingegen wollte noch die Vorräte im Truck aufstocken und fuhr einkaufen. Dabei wählte ich unbewusst die selbe Strecke wie zwei Wochen zuvor. Doch, wie zu erwarten lief mir meine Unbekannte natürlich nicht über den Weg. Als ich dann die Vorräte im Truck aufgefüllt hatte, machte ich mich auf den Heimweg. Ich hatte das Haus für mich allein. Gina und Vicky waren ja noch mit Ihren Surffreunden unterwegs. Mom und Dad wollten an diesem Abend erst Essen gehen und danach ins Theater. Ich hingegen überlegte, ob ich wirklich noch Ausgehen sollte, musste ich das doch allein tun, da keiner meiner Freunde Zeit hatte. Früher hätte mich das absolut nicht gestört, da ich eigentlich nie Probleme hatte neue Bekanntschaften zu schließen. Vor allem weibliche. ;) Ich machte mir eine Kleinigkeit zu essen, duschte, zog mich um und fuhr in die Innenstadt. Anfangs bummelte ich ein wenig durch die Straßen, bis ich spontan beschloss ins Kino zu gehen. Da ich nach dem Film noch nicht nach Hause fahren wollte, entschied ich mich dafür, einer Empfehlung meiner Schwestern zu folgen. Sie kannten da eine Bar, die sie mir schon mehrmals ans Herz gelegt hatten. Gerade als ich das Auto in der Nähe geparkt hatte und mich auf den Weg machen wollte, rief Mom mich an. Sie bat mich darum, Sie und Dad abzuholen und nach Hause zu fahren. Hätte ich in diesem Moment gewusst, wie nah ich meiner Unbekannten in diesem Augenblick war, hätte ich Mom versetzt. So stimmte ich zu die beiden zu chauffieren. Entgegen meinen Erwartungen sollte ich die beiden nicht vom Theater abholen, sondern von einer Bar in North Beach abholen. Eine viertel Stunde nach Moms Anruf, traf ich an der Bar ein. Schon auf den ersten Blick war zu sehen, dass beide nicht mehr nüchtern waren. Sie stiegen hinten ein und ich setzte den Wagen in Bewegung. Während der Fahrt zeigte der Alkohol immer mehr seine Wirkung. Wie zwei verliebte Teenager alberten die beiden rum, bis sie auf einmal anfingen hemmungslos zu knutschen. Das ihr Sohn sie dabei sah, war ihnen wohl entfallen. “Mir beschlagen gleich die Scheiben.“ holte ich die beiden wieder in die Realität. Mom grinste nur und Dad meinte: “Konzentrier dich auf die Straße.“ Zuhause in Pacific Heights angekommen, betraten die beiden noch immer turtelnd das Haus. Da es inzwischen schon nach Mitternacht war, beschloss ich nicht noch einmal in die Stadt zu fahren. Ich zog mich in mein Zimmer zurück, dass glücklicherweise möglichst weit vom elterlichen Schlafzimmer entfernt war.

    Sonntag 29. Oktober 2017

    Sonntagmorgen weckte mich die Herbstsonne. Nach einer ausgiebigen Joggingrunde und einem leckeren Frühstück fuhr ich ins Hotel um mich mit Grandma zu treffen. Sie bewohnte seit Jahren eine Suite im familieneigenen Hotel. Wir saßen lange zusammen und aßen später auch gemeinsam zu Mittag. Währenddessen erzählte Sie mir stolz, wie Sie Ordnung in den „Saustall“ der Buchhaltung gebracht hatte. Sie ging regelrecht auf in Ihrer neuen Aufgabe. Als ich am Nachmittag das Hotel wieder verließ, trafen Mom und Dad gerade ein. Anscheinend standen noch einige Vorbereitungen für die Halloween Party zwei Tage später an. Wir sprachen noch kurz, vor allem da Mom wissen wollte, ob ich an Halloween anwesend sein würde. Leider konnte ich darauf noch keine Antwort geben, da ich noch nicht wusste was Joe für mich plante.

    Montag 30. Oktober 2017

    Ausnahmsweise konnte ich mir es erlauben an einem Montag halbwegs auszuschlafen. Joe wäre eh erst ab um sieben im Büro, eher gäbe auch keine Anweisungen. Kurz nach halb sieben tauschte ich dann den V8 im Benz gegen den großen R6 im Volvo und machte meine PTI, die recht schnell ging. Fünf nach sieben meldete sich Joe.
    „Morgen David“ „Morgen Joe, was hast du den diese Woche für mich?“ „Deshalb rufe ich an. Willst du an Halloween zuhause sein? Wenn ja, gebe ich dir heute ein paar kurze Touren. Ansonsten geht es nach Texas.“ Prinzipiell wäre mir die lange Tour ja lieber gewesen, aber in diesem speziellen Fall entschied ich mich für die andere Variante. Da Gina übermorgen ebenfalls Ihre Trucking Karriere starten würde, erschien es mir passend den Abend davor die Familie noch einmal zusammen zu haben. Joe nahm mich also für den 31. aus der Planung und versorgte mich den ganzen Tag über mit Kurztouren. So verbrachte ich den Tag als Citytrucker, der Trailer zu Baustellen in und um Frisco brachte. Dabei kam ich allerdings so manches Mal gehörig ins schwitzen. Der Volvo war eben für große Highways gebaut und nicht für enge Städte. Am späten Nachmittag hatte ich dann die letzte Lieferung abgeschlossen und fuhr zurück zur Firma, parkte den Truck und machte mich auf den Heimweg.

    Dienstag 31. Oktober 2017

    Den Vormittag verbrachte ich recht ruhig. Gina nutzte Ihren letzten freien Tag um Ihren Truck mit Vorräten zu versehen und die anderen waren schon im Hotel, wo am Abend die traditionelle Halloween Party stattfand. Am späten Nachmittag begann ich dann mich so langsam für den Abend fertig zu machen. Nach knapp zwei Stunden war ich mit meinem Grusellook zufrieden und auch Gina war fertig. Wir bestellten uns ein Taxi und ließen uns zum Hotel fahren. Obwohl sowohl unsere Eltern, als auch Vicky hin und wieder einige Entscheidungen treffen mussten, gab es trotzdem Gelegenheit auch ein paar Worte zu wechseln. Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden, wovon Gina und ich aber nichts mitbekamen, schon kurz vor Mitternacht verließen wir das Hotel.

    Mittwoch 01. November 2017

    Da Joe mir noch nichts zugewiesen hatte, musste ich bis um sieben warten und hätte dementsprechend länger schlafen können. Trotzdem war ich genau wie Gina schon kurz vor sechs in der Firma. Sie war gerade mit der PTI an Ihrem Truck fertig, als Ihr Handy klingelte. Es war Danny, Ihr Dispatcher, der wissen wollte ob Sie startklar war. Anscheinend wollte er am ersten Tag nicht direkt die Daten per ORBCOMM schicken. Direkt nach dem Telefonat verabschiedete sich Gina von mir und machte sich auf den Weg zu Best Buy, wo Sie einen Trailer abholen sollte, den Sie dann zum Walmart Zentrallager nach Sacramento bringen sollte. Das war also Ihre erste Tour für „Lion Trucking Inc.“


    Ich hingegen hatte noch knapp eine Stunde Zeit, bis ich starten konnte. Im Sleeper meines Trucks machte ich es mir gemütlich und schaute noch ein wenig DVD. Kurz vor sieben machte ich mich dann fertig und kurz darauf meldete sich Joe. Der Auftrag den er für mich hatte, sollte mich in einen Bundesstaat führen, den ich bisher noch nicht befahren hatte. Es ging mit einer Ladung Baumaterial nach Seattle. Nachdem ich den Trailer bei Beazer abgeholt hatte, machte sich ein Umstand bemerkbar, den ich am Montag schon hassen gelernt hatte. Der
    morgendliche Berufsverkehr in San Francisco war wieder einmal grausig. Es dauerte über eine Stunde, bis ich die Bay Bridge erreicht hatte und meine Heimatstadt verlassen konnte. Dann ging es über die I-80 in Richtung Oakland, wo ich dann auf die I-580 nach Norden wechselte, nur um kurz darauf wieder auf der I-80 zu landen, der ich dann bis Vacaville folgte. Von dort aus ging es dann weiter über die I-505. Am frühen Nachmittag wechselte ich dann zum letzten Mal für diese Tour die Interstate. Die I-5 sollte mich bis zu meinem Ziel in Seattle WA führen. Leider hatte ich am Morgen dermaßen viel Zeit verloren, dass ich nur noch bis Portland kam. Meine Pause verbrachte ich also noch in Oregon. Als ich den Truck auf dem Truckstop geparkt hatte, griff ich als erstes zum Handy und wählte Ginas Nummer. Nach nur einem Klingeln meldete Sie sich.
    „Na Schwesterchen. Wie ist der erste Tag gelaufen?“ „Super, hat alles geklappt. Nur mit den Abkürzungen im ORBCOMM hadere ich noch ein bisschen. Aber das ist bestimmt nur eine Gewohnheitssache. Wie läuft es bei dir? Wo bist du?“ „Ich muss nach Seattle.“ „Ganz schön weit nach Norden, nicht das du noch Schnee siehst.“ kicherte Sie. Doch so ganz unrecht hatte Sie auch nicht. So langsam nahte der Winter, wenn auch nicht direkt in Kalifornien, so aber in den nördlichen Bundesstaaten umso mehr. Dabei fiel mir ein, dass ich bisher noch keine Schneeketten hatte. Ein Umstand den ich bald möglichst ändern sollte. Gina war da schon weiter, Sie hatte drei paar Ketten dabei. Aber Sie würde sie vorerst wohl eher nicht brauchen. In der Anfangszeit würden die Touren für Walmart eher innerhalb Kaliforniens laufen, maximal ging es mal nach Nevada oder Arizona. Aber mit der Zeit würden auch Ihre Touren länger werden. Wir telefonierten noch eine Weile, aber schließlich rief bei Ihr das Bett und bei mir das Restaurant.

    Am nächsten Tag legte ich den restlichen Weg nach Seattle zurück. Im Anschluss ging es zurück nach Kalifornien, allerdings etwas zu weit nach Süden. Der mit Werkzeugen beladene Dryvan sollte nach Los Angeles. Der Großteil der Strecke führte also genau über sie selbe Route, über die ich auch gekommen war. Es war klar, dass ich die Tour nicht an einem Tag schaffen würde. Es lief auf eine zweite Übernachtung in Oregon hinaus. Erst am Freitag erreichte ich Los Angeles und war nun auf mich allein gestellt. Joe hatte mich gleich am Morgen angerufen und mir mitgeteilt, dass es von L.A. aus schwierig aussehen würde und es wahrscheinlich wäre, dass ich mir selbst etwas suchen musste. Außerdem hatte er mir noch gesagt, dass es auch insgesamt etwas mau aussehen würde. Die Baubranche fuhr so langsam ihre Kapazitäten auf Winterniveau herunter und so konnte es den Rest des Jahres durchaus häufiger vorkommen, dass er gar nichts für mich hatte. Ich musste mich also mit dem Gedanken anfreunden, in nächster Zeit häufiger auf dem freien Markt nach Aufträgen zu suchen. Diese Tatsache war zwar nicht so toll, aber trotzdem ließ ich mir davon nicht die Laune verderben. Da in L.A. meine Stunden voll waren suchte ich mir nach dem Abliefern des Trailers einen Platz für meinen 10h Break. Es war zwar noch nicht unbedingt ein Reset nötig, aber trotzdem suchte ich mir während der Pause einen Heimatschuss. Dabei fiel mir auf, dass die Frachtbörsen derzeit voll mit Aufträgen der großen Handelsketten waren. Man merkte, das Thanksgiving und der Black Friday vor der Tür standen. Im Gegensatz zum Rest des Jahres, waren die Touren auch ziemlich gut bezahlt. Schließlich fand ich eine Tour, die direkt nach San Francisco ging. Ein Dryvan mit Elektrogeräten sollte von Walmart Los Angeles zu Best Buy San Francisco gebracht werden. Das hieß, dass am nächsten Tag die komplette Lion Flotte im Auftrag von Walmart unterwegs sein würde. Ein Umstand, der in den nächsten Wochen fast zur Normalität werden sollte, was ich aber jetzt noch nicht wusste.

    Samstag 04. November 2017

    Der Tag startete ziemlich zeitig, da ich um kurz vor fünf schon den Trailer abholen sollte. Doch auch zu dieser Zeit war der Verkehr in Los Angeles schon eine Katastrophe. Immer wieder staute es sich. Erst kurz nach sieben hatte ich die Stadt endlich hinter mir gelassen und war auf dem Weg nach Hause. Wenn alles klappte konnte ich gegen Mittag den Volvo auf dem heimischen Hof parken. Dieser Plan ging auch fast auf, erst mit Erreichen von Frisco wurde der Verkehr wieder dichter und stockte hin und wieder. Trotzdem konnte ich gegen eins ins Wochenende starten. Die Papiere legte ich in Grandmas Fach, so dass Sie im Laufe der nächsten Woche die Rechnungen schreiben konnte. Bevor ich nach Hause fuhr, rief ich Gina an. Da Sie ja erst am Mittwoch Ihre Woche gestartet hatte, war klar, dass Sie dieses Wochenende nicht frei haben würde. Gerade eben, hatte Sie im Hafen von Oakland einen Dryvan mit Elektrogeräten abgeholt und war nun dabei Ihren Truck noch einmal aufzutanken, bevor es nach Sacramento zum Walmart Zentrallager ging.

    Anscheinend hatte Walmart für diese Tour kleinen eigenen Trailer gehabt, so dass Sie einen Trailer eines der größten Transportunternehmens des Landes am Haken hatte. Wie es ab Sacramento weiter ging, wusste Sie noch nicht, da sich Ihr Dispatcher Danny noch nicht gemeldet hatte. Da Sie jetzt weiter wollte, vereinbarten wir, dass Sie sich noch einmal meldete, wenn Sie Sacramento erreicht hatte. Zwanzig Minuten später parkte ich den Benz vor der Familienvilla. Nachdem ich eine Kleinigkeit gegessen hatte, beschloss ich ein kleines Nickerchen zu machen. Das frühe Aufstehen machte sich doch bemerkbar. Am Abend wollte ich dann den verschobenen Barbesuch der letzten Woche nachholen. Als ich kurz nach acht das Haus verlassen wollte, lief ich meiner Mom in die Arme, die mich kurz musterte und dann meinte: „Mütter schließt eure Töchter ein, ich lasse meinen Sohn aus dem Haus.“ dabei grinste Sie mich an. Sonst erhielt Sie auf solche Sprüche immer eine passende Antwort, umso verwunderter schaute Sie mir nach, als ich kommentarlos das Haus verließ.

    Kurz vor neun parkte ich den Benz auf der Market Street und betrat die von meinen Schwestern empfohlene Bar/Lounge. Auf den ersten Blick machte der Laden einen sehr guten Eindruck auf mich. Er war zweigeteilt, wie ich nach ein wenig umschauen, feststellte. Linksseitig war der Barbereich mit einer Bühne auf der gerade jemand einige alte Popsongs performte. Auf der rechten Seite war der Loungebereich mit gemütlichen Sesseln. Inzwischen hatte der Knabe auf der Bühne seinen Auftritt beendet und erntete Applaus der Anwesenden Gäste, wenn auch nicht wirklich überschwänglichen. Ich holte mir an der Bar einen Drink und setzte mich dann an einen der Tische. Da der Barbereich schon ziemlich voll war, musste ich einen der hinteren Tische nehmen. Auf irgendetwas schienen die anderen Gäste zu warten. Mein Blick fiel auf den Tisch. Dort lag ein Flyer. „Today our monthly talent show“ Das erklärte den Auftritt des Unbekannten. Jetzt wurde die Musik, für die zwischen den Auftritten der DJ sorgte leiser und er griff zum Mikro. „Ich freue mich euch jetzt die Gewinnerin des letzten Monats präsentieren zu dürfen. Mal schauen, ob Sie auch diesen Monat wieder eure Favoritin ist. Einen großen Applaus für unsere bezaubernde Denise.“

    to be continued..........(as soon as possible
    ;) )
    Schöne Grüße aus Sachsen

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